[US] Alaska - Arctic National Wildlife Refuge. Anstrengend, aber geil

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  • Abtaucher
    Erfahren
    • 03.09.2011
    • 239
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    • Meine Reisen

    #21
    Ich bin gespannt, wie es weiter geht......

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    • Spartaner
      Alter Hase
      • 24.01.2011
      • 4778
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      • Meine Reisen

      #22
      Zitat von Mortias Beitrag anzeigen
      Wir merkten schon, dass die Gegend hier uns nichts schenkte und es auf keinen Fall einfach werden würde. So mühten wir uns Schritt für Schritt ab, stets begleitet von den vielen nervigen Mücken die uns auch weiterhin plagten. Angenehm ist definitiv was anderes.


      Hier war hohe Aufmerksamkeit angesagt.
      Mich wundert, dass in dieser unwirtlich felsigen Landschaft noch so viele Mücken unterwegs sind!

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      • Mortias
        Fuchs
        • 10.06.2004
        • 1200
        • Privat

        • Meine Reisen

        #23
        Zitat von jeha Beitrag anzeigen
        Uiii, sehr spannend der Bericht! Und was für Fotos! Ich danke schon jetzt!!!

        Was für Paddel habt ihr denn mitgehabt?​
        Freut mich natürlich immer so positives Feedback zu lesen. 😎 Als Paddel hatte ich das neue Anfibio Vertex dabei. Bei Matthias bin ich nicht ganz sicher, aber ich glaube er hatte die alte Ausführung des Vertex genutzt (die neue ist längenverstellbar und etwas leichter).

        Zitat von Abtaucher Beitrag anzeigen
        Ich bin gespannt, wie es weiter geht......
        Dankeschön. Ich werde weiterhin versuchen in regelmäßigen Abständen Fortsetzungen zu posten. Aber es kann natürlich ab und zu passieren, dass es ein wenig länger dauert. Ist ja auch nicht so, dass es komplett ohne Arbeitsaufwand wäre. 😉

        Zitat von Spartaner Beitrag anzeigen
        Mich wundert, dass in dieser unwirtlich felsigen Landschaft noch so viele Mücken unterwegs sind!

        Ganz ehrlich, das hat uns auch extrem gewundert. 😅

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        • Dado
          Anfänger im Forum
          • 09.02.2024
          • 18
          • Privat

          • Meine Reisen

          #24
          Tolle Bilder und ein schönes Tourenbericht, freue mich auf die Fortsetzung ☺️

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          • Dado
            Anfänger im Forum
            • 09.02.2024
            • 18
            • Privat

            • Meine Reisen

            #25

            Zuletzt geändert von Dado; 12.03.2024, 20:41.

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            • Mortias
              Fuchs
              • 10.06.2004
              • 1200
              • Privat

              • Meine Reisen

              #26
              Zitat von Dado Beitrag anzeigen
              Tolle Bilder und ein schönes Tourenbericht, freue mich auf die Fortsetzung ☺️
              Vielen Dank, ich arbeite daran. Und so ein positives Feedback erhöht natürlich meine Motivation ungemein. 😉

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              • qwertzui
                Alter Hase
                • 17.07.2013
                • 2887
                • Privat

                • Meine Reisen

                #27
                Auch ich warte voll Ungeduld

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                • Grizzly
                  Erfahren
                  • 22.11.2010
                  • 103
                  • Privat

                  • Meine Reisen

                  #28
                  Beneidenswerte Tour, ich verfolge den Bericht mit Spannung. Hast Du noch irgendwo eine Verlauf der Tour auf einer Karte?
                  2010 flog ich mit Kirk von Arctic Village zum Wind River. Ich hätte nicht gedacht, dass er noch fliegt. Die Gegend ist der Hammer.

                  Stefan

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                  • Mortias
                    Fuchs
                    • 10.06.2004
                    • 1200
                    • Privat

                    • Meine Reisen

                    #29
                    Zitat von qwertzui Beitrag anzeigen
                    Auch ich warte voll Ungeduld
                    Immer diese Ungeduld. 😉 Aber ich denke nachher gibt's noch ne kleine Fortsetzung.

                    Zitat von Grizzly Beitrag anzeigen
                    Beneidenswerte Tour, ich verfolge den Bericht mit Spannung. Hast Du noch irgendwo eine Verlauf der Tour auf einer Karte?
                    2010 flog ich mit Kirk von Arctic Village zum Wind River. Ich hätte nicht gedacht, dass er noch fliegt. Die Gegend ist der Hammer.

                    Stefan
                    Moin Stefan, das ist ja cool, dass Du damals auch mit Kirk geflogen und am Wind River warst. Bis wohin bist Du denn gepaddelt? Und stimmt schon, die Gegend ist echt der Hammer. 😎

                    Und Kirk ist auch ein ziemlich cooler Typ. Er meinte, dass er sicherlich noch einige Jahre fliegen wird, aber langfristig sieht er für die Buschpiloten leider keine Zukunft. Diese kleinen Maschinen werden ja nicht mehr gebaut und es kommen auch keine neuen Piloten nach. Zukünftig werden wohl stattdessen Helikopter zum Einsatz kommen. Was Kirk da bedauert ist, dass die ja quasi überall landen können. Das nimmt der Brooks Range ein wenig von Ihrem Charakter einer unerschlossenen Wildnis, da es bisher ja nur ein paar wenige Landestreifen für die Flugzeuge gab.

                    Meine Route hatte ich ja zu Beginn des Berichts gepostet. Aber hab sie halt nur in der (nachgezeichneten) Google-Maps Pfad Version und nicht auf einer topografischen Karte. Hier ist nochmal der Link dazu:

                    https://www.google.com/maps/d/u/0/ed...0599999998&z=7

                    Gruß, Matthias

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                    • momper
                      Dauerbesucher
                      • 05.12.2011
                      • 672
                      • Privat

                      • Meine Reisen

                      #30
                      Sorry, aber irgendwie sieht die Landschaft in Lappland aufregender aus
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                      • Grizzly
                        Erfahren
                        • 22.11.2010
                        • 103
                        • Privat

                        • Meine Reisen

                        #31
                        Hallo Mortias
                        ich hatte den Streckenverlauf leider übersehen, vielen Dank! Ich bin damals weit oben am Wind River - ungefähr wo die blaue Linie bei Dir im Streckenverlauf beginnt- abgesetzt worden. Hatte mir auf dem ersten km einen spitzen Stecken in mein Grabner gestossen, weil der Fluss so seicht war. Kirk hat mich resp. Uns beim Little Red Rock nach dem Zusammenfluss mit dem East Chandalar abgeholt.
                        Stefan
                        ps: das Problem mit den kleinen Maschinen habe ich auch im Yukon festgestellt, früher konnte ich noch auf Cessna 185 zurückgreifen im Peel Watershed, heute ist die kleinste Maschine eine Beaver

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                        • Mortias
                          Fuchs
                          • 10.06.2004
                          • 1200
                          • Privat

                          • Meine Reisen

                          #32
                          Zitat von momper Beitrag anzeigen
                          Sorry, aber irgendwie sieht die Landschaft in Lappland aufregender aus
                          Nun, sowas ist natürlich immer Geschmackssache. 🤷‍♂️

                          Zitat von Grizzly Beitrag anzeigen
                          Hallo Mortias
                          ich hatte den Streckenverlauf leider übersehen, vielen Dank! Ich bin damals weit oben am Wind River - ungefähr wo die blaue Linie bei Dir im Streckenverlauf beginnt- abgesetzt worden. Hatte mir auf dem ersten km einen spitzen Stecken in mein Grabner gestossen, weil der Fluss so seicht war. Kirk hat mich resp. Uns beim Little Red Rock nach dem Zusammenfluss mit dem East Chandalar abgeholt.
                          Stefan
                          ps: das Problem mit den kleinen Maschinen habe ich auch im Yukon festgestellt, früher konnte ich noch auf Cessna 185 zurückgreifen im Peel Watershed, heute ist die kleinste Maschine eine Beaver
                          Ah cool, dann seid ihr also wirklich dieselbe Strecke gepaddelt. Ich bin mir sicher Du wirst dann später bei diesem Bericht noch einiges wiedererkennen. 😉 Und das mit dem Stock ist ja echt ärgerlich, aber anscheinend hast Du das Boot ja noch geflickt bekommen. 👍 Und tatsächlich war das beim Paddeln zu Anfang meine Sorge, dass ein Ast oder Stock das Boot beschädigt. Aber wo liegt denn der Little Red Rock? Nach dem Zusammenfluss kommt ja der Big Rock Mountain. Meinst Du den? Das wäre zumindest unser alternativer Abholpunkt gewesen für den Fall, dass wir nicht so gut vorankommen und es daher nicht nach Venetie schaffen würden.

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                          • Mortias
                            Fuchs
                            • 10.06.2004
                            • 1200
                            • Privat

                            • Meine Reisen

                            #33
                            Tag 6 (27.07.)
                            Und wieder wurden wir von Sonnenschein geweckt. Ja daran konnte ich mich echt gewöhnen. Wettermäßig zeigte sich uns die Brooks Range bisher echt von einer sehr schönen Seite. Da macht natürlich auch das Aufstehen Spaß. Und als wir grad draußen beim Frühstück saßen, kam der einsame Wolf von gestern den Fluss hinabgetrottet. Schon ein cooler Anblick. Und dieses Mal hatte ich auch ein bisschen mehr Glück mit dem Foto. Geht doch. Ich würd sagen gleich mal ein guter Auftakt zum Start.


                            Wieder ein herrlicher Morgen


                            Auf diesem Foto ist nun auch unser Moskitonetz klar zu erkennen.


                            Und da läuft der einsame Wolf vorbei. Zwar von ziemlich weit weg und daher in nicht so guter Qualität fotografiert, aber immerhin klar als Wolf erkennbar.

                            Sonderlich anspruchsvoll sollte die heutige Etappe eigentlich nicht werden. Zumindest für den Anfang. Für die nächsten 7 km mussten wir noch dem Cane Creek folgen. Und dessen umliegende Ufer bestanden größtenteils, wie Matthias immer so schön zu sagen pflegte, aus ausgedehnten Fußballfeldern. Der Begriff war echt passend, denn hier konnten wir wirklich gut Strecke machen. Allerdings hat uns die Hitze doch etwas zu schaffen gemacht. Und jetzt hatten wir tatsächlich ein kleines Problem. Denn ein paar Kilometer nach unserem Zeltplatz war der Cane Creek komplett ausgetrocknet. Kein bisschen Wasser war hier noch zu finden. Und ich Schlauberger hatte meine Flasche vorher nicht aufgefüllt, weil ich mir dachte, wenn wir eh die ganze Zeit am Bach entlanglaufen, dann wäre das doch nur unnötiger Ballast. Nun wurde ich leider eines Besseren belehrt. Zum Glück war Matthias etwas umsichtiger und hatte genug dabei um es auch teilen zu können. Das war echt hilfreich.


                            Wandern über Fußballfelder


                            Blick zurück


                            Über die Bedingungen hier konnten wir uns echt nicht beschweren.


                            Ausgetrockneter Cane Creek

                            Nach 2 ½ Stunden machte das Tal eine leichte Kurve und wir trafen auf unser nächstes Seitental in das wir abbiegen mussten. Gerade als wir das Ufer vom Cane Creek verließen meinte ich vorne, beim Taleingang, eine Bewegung gesehen zu haben. Das nähere Hinsehen bestätigte, dass sich dort ein Grizzly tummelte. Das war natürlich suboptimal, da er sich genau vor unserem Seitental aufhielt. Würde er uns jetzt bemerken und vor uns wegrennen, würde er höchstwahrscheinlich in das Tal hineinlaufen und uns später vermutlich erneut begegnen. Darauf hatten wir natürlich keine Lust. Also warteten wir erstmal ab. Bisher schien der Bär uns noch nicht gewittert zu haben. Gemächlich bewegte er sich langsam in südlicher Richtung vom Taleingang weg, bis wir ihn auf einmal aus den Augen verloren haben. Eben war er noch zu sehen und jetzt schien er irgendwo in den Büschen verschwunden zu sein. Gut möglich, dass er sich für ein Schläfchen hingelegt hat. Trotzdem, es war ein leicht unbequemes Gefühl zu wissen, dass irgendwo ein Bär in der Nähe ist aber man ihn nicht mehr lokalisieren kann.


                            Der Blick ins Seitental


                            Wenn man genau hinsieht, kann man unten rechts etwas erkennen was wie ein Stein aussieht. Es handelt sich hierbei um den Bären.

                            Wir beschlossen somit einen kleinen Bogen zu laufen und uns dem Seitental nicht in direkter Linie zu nähern. Falls der Bär noch in der Nähe war und uns wittern sollte, würde der Abstand hoffentlich groß genug sein damit er uns nicht als Bedrohung wahrnimmt, sondern uns aus dem Weg geht. Aber wir versuchten natürlich trotzdem keinen unnötigen Lärm zu machen. Scheinbar gelang uns das auch erfolgreich, denn als wir das Seitental betraten, war vom Bären weiterhin nichts zu sehen. Glück gehabt. Zudem führte der Bach hier wieder ausreichend Wasser, so dass wir ausgiebig trinken konnten.


                            Unser kleiner Umweg hatte leider zur Folge, dass wir über den steinigen Boden laufen mussten. Sonst hätten wir nochmal ein schönes Fußballfeld gehabt.


                            Der Eingang ins Seitental wurde von einem kleinen Canyon geprägt, so dass wir ein wenig am Hang aufsteigen mussten. Vermutlich wäre das aber gar nicht notwendig gewesen.


                            Anschließend ging es deutlich leichter weiter.

                            Dem Bach in relativ gerader Linie nach Südwesten folgend, ging es nun ganz langsam bergauf. Meist konnten wir dabei sogar über harten ebenen Grasboden laufen. Einfaches Wandern also. Und immerhin habe ich dieses Mal aus meinem Fehler gelernt und am Taleingang nochmal meine Flasche aufgefüllt. Denn weiter oben fiel der Bach erneut trocken. Hier hat‘s wohl länger nicht mehr zünftig geregnet. Als wir aber gerade bei unserer Mittagspause waren, schien sich das schlagartig ändern zu wollen. Ohne viel Vorankündigung kam auf einmal ein heftiger Regenschauer auf uns nieder. Schnell packten wir alles zusammen und suchten dann notdürftig unter der Zeltunterlage Schutz. Und so schlagartig der Spuk begonnen hatte endete er auch wieder. Ein kurzer heftiger Schauer war das aber kaum geeignet die ausgetrockneten Bäche wieder zu füllen.


                            Wieder sehr günstige Wanderbedingungen bei denen wir super vorangekommen sind.


                            Ausgetrockneter Bach


                            Blick zurück


                            Beim hastigen Zusammenpacken unserer Sachen


                            Ja da kam echt ordentlich was runter. Wie praktisch, dass Matthias die gute Idee mit der Zeltunterlage als Regenschutz hatte.


                            Noch praktischer war natürlich, dass der Schauer echt nicht lange währte. 😉 Sonst wäre es auch etwas ungemütlich geworden.

                            Das Tal wurde nun merklich enger, aber glücklicherweise nicht so zerklüftet und eingeschnitten wie beim Pass am zweiten Tag. Ohne große Probleme kamen wir an die Passhöhe, die, durch das Zusammenlaufen mit einem weiteren Tal, eine kleine offene Fläche bildete. Interessanterweise kam mir bei dem Anblick sofort der Gedanke, dass die Landschaft so aussah wie in Lappland. Die Berge waren hier deutlich abgerundeter und weniger schroff. So wie eben in Lappland, wo die meisten Gipfel durch die Eiszeit abgeschliffen wurden, während die Brooks Range damals eisfrei blieb, weswegen dort stärkere Erosionsfolgen mit freistehenden Felsformationen zu beobachten sind. Davon war jetzt aber nichts zu sehen. Hier auf der Passhöhe fühlte ich mich nun auf einmal wie in Lappland. Eine interessante Erfahrung.


                            Lapplandfeeling auf der Passhöhe


                            Aus der Richtung sind wir gekommen. Der Anstieg zur Passhöhe war wirklich nicht schwer.

                            Nachdem wir die Passhöhe hinter uns gelassen haben, verflog dieser Lappland-Eindruck aber schnell wieder und die klassische Brooks Range Landschaft machte sich breit. Wir folgten nun dem Lauf des Water Creeks der kurz unterhalb der Passhöhe entsprang. Erneut hatten wir Glück, dass der Bachlauf nicht zu steil von einem Canyon eingeschnitten wurde und wir ohne große Schwierigkeiten direkt am Ufer laufen konnten und keine zusätzlichen Umwege über Hänge machten mussten. Endlich mal ein leicht zu nehmender Pass.


                            Kurz unterhalb der Passhöhe


                            Water Creek


                            Einsames Rentier. Heute hatten wir echt Glück mit den Wildtiersichtungen.


                            Blick zurück zur Passhöhe (linker Pass)

                            Weiter unten, wo das Tal wieder spürbar breiter wurde, wurde uns klar, dass das Wildniswandern nicht zwangsläufig auch immer weglos vonstattengehen muss. Mehrere parallel verlaufende Wildtierpfade zogen sich das Tal hinunter und erinnerten mich stark an die Trampelpfade im Sarek. Nur dass die Wege hier von großen migrierenden Rentierherden angelegt worden sind und nicht von zahllosen anderen Wanderern. Bisher hatten wir zwar schon zuvor gelegentlich leicht austretendende Wildtierpfade vorgefunden, aber so deutlich wie hier war doch nochmal was ganz anderes.


                            Aus diesem Seitental kam ein weiterer Zufluss zum Water Creek.


                            Auf der Rentierautobahn


                            Da hat dann auch Matthias das Tier in sich entdeckt. 😁

                            Eine knappe Stunde folgten wir diesem tollen Wegnetz, bis wir uns die ernsthafte Frage nach einem möglichen Zeltplatz stellten. Wasser wäre hierfür ja überaus empfehlenswert. Nur wo war das ganze Wasser? Neben uns lag das breite Flussbett des Water Creeks, welcher aber, entgegen seines eigentlichen Namens, überhaupt kein Wasser mehr führte. Weiter oben am Pass sah‘s noch ganz anders aus, aber wie schon am Cane Creek war der Mittellauf dann leider knochentrocken. Ich hätte im Vorfeld wirklich nicht gedacht, dass Wassermangel in der Brooks Range ein erstes Problem werden könnte. Aber jetzt hatten wir leider den Salat.


                            Water Creek ohne Water

                            Glücklicherweise erspähte Matthias am gegenüberliegenden Hang ein kleines Rinnsal, welches sich bei näherer Inspektion als ausreichend herausstellte. Erkannt hatte er es nur am leicht erhöhten Strauchbewuchs dort, der eben auf Feuchtigkeit hindeutete. Das war echt Gold wert. Jetzt konnten wir sorglos das Zelt aufstellen, wieder ein Feuerchen machen und uns von dem Tag erholen. Morgen würde nochmal eine schwere Passüberquerung anstehen. Da war es wichtig, diese gut ausgeruht angehen zu können.


                            Direkt am Rand des grasbewachsenen Hangs lag unsere kleine Wasserquelle. Nicht viel, aber ausreichend.


                            Wir waren jedenfalls einfach nur heilfroh hier unser Zelt aufstellen zu können.


                            Und wieder das obligatorische Feuerchen am Abend

                            Kommentar


                            • Mortias
                              Fuchs
                              • 10.06.2004
                              • 1200
                              • Privat

                              • Meine Reisen

                              #34
                              Tag 7 (28.07.)
                              Heute stand er nächste große Pass auf dem Programm. Dieser würde uns wieder auf die Nordseite der kontinentalen Wasserscheide führen. Mit 1660 m war dieser nicht ganz so hoch wie unser erster Pass, aber das musste nicht unbedingt etwas heißen. Mittlerweile habe ich gelernt, dass die Pässe hier tückisch und anspruchsvoll sein können. Somit blickte ich dem ganzen mit ein wenig Aufregung aber auch Skepsis entgegen. Immerhin war das weiterhin Wetter auf unserer Seite, so dass wir hochmotiviert um 9 Uhr morgens losmarschierten.


                              Aufbruch bei herrlichem Wetter

                              Wir folgten noch kurz dem Tal des Water Creeks und bogen dann ins nächste Seitental ab. Anfangs kamen wir da sehr gut voran. Das Flussbett war breit und eben. Nur der steinige Boden nervte etwas. Auf Gras bzw. erdigem Boden kommt man doch deutlich besser voran als auf so grobem Geröll.


                              Letzter Blick auf den Water Creek


                              Beim Einbiegen ins Seitental


                              Blick zurück

                              Nachdem wir eine kleine Schlucht umgangen haben (die aber nicht weiter schwer war) konnten wir einen ersten Blick auf den eigentlichen Anstieg zum Pass werfen. Dieser schien in einer recht engen Verschneidung zu verlaufen, aber glücklicherweise mit moderater Steigung. Einige Altschneefelder weiter oben versprachen auch Erleichterung beim Wandern. So zumindest war unsere Hoffnung.


                              Erster Blick auf den Anstieg zum Pass


                              Noch war das Tal zumindest angenehm breit. Aber das würde sich ja bald ändern.


                              Blick nach Westen. Dort ging's glücklicherweise nicht lang.

                              Nach einer längeren Pause machten wir uns dann an den eigentlichen Anstieg. Matthias ging voraus und legte die Route fest. Tatsächlich muss ich ja sagen, dass es wirklich deutlich entspannter ist dann einfach nur hinterherlaufen zu müssen in dem Vertrauen, dass der andere schon weiß was er tut, anstatt selbst eine gute Route finden zu müssen. Und in der Hinsicht konnte ich mich wirklich gut auf Matthias verlassen, dass der keinen Blödsinn fabriziert. Wie erwartet wurde das Tal nun zu einer engen Rinne. Aber zum Glück wurde es dabei nie richtig schwierig. Einen großen Anteil daran hatten sicherlich die Schneefelder. Dadurch, dass sie größtenteils gangbar waren (nicht zu steil oder vereist) konnten wir einige potentielle Hindernisse umgehen die uns sonst eventuell einiges an Ärger bereitet hätten. Das hat uns den Aufstieg natürlich enorm erleichtert.


                              Der Zeitpunkt für die Pause war wirklich gut gewählt.


                              Der Anstieg konnte losgehen.


                              Nochmal ein Blick zurück ins Tal


                              Auch wenn es jetzt keine großen Hindernisse gab, war der Aufstieg natürlich nicht ganz ohne und ziemlich anstrengend. Aber dennoch war es kein Vergleich zu der Packerei beim ersten Pass.

                              1 ¼ Stunden nach unserer Pause standen wir dann endlich oben auf der Passhöhe. Auf der anderen Seite fiel der Hang ziemlich steil ab, so dass wir uns anfangs fragten ob wir es da überhaupt runterschaffen würden. Aber das war nur der erste Eindruck. Machbar würde es schon sein. Von hier oben hatten wir jedenfalls eine sehr beeindruckende Aussicht in das Seitental genossen, welchem wir nach dem Abstieg folgen würden. Dies war wirklich ein herrlicher Ausblick. Zwar waren die Berge, typisch für die Brooks Range, sehr kahl und somit etwas abwechslungslos, aber gefallen hat es mir trotzdem sehr. Was für ein Highlight. Trotz der windigen Bedingungen hier oben ließen wir es uns nicht nehmen unsere Mittagspause ausgiebig zu genießen. Das hatten wir uns echt verdient.


                              Auf der Passhöhe auf ca. 1660 m


                              Blick nach Westen. Dort unten würden wir nachher noch langlaufen.


                              Blick nach Norden. Hier ging es ganz schön steil runter.


                              Die Stimmung war echt super hier oben. 😎

                              Anschließend ging es an den steilen Abstieg. Dafür mussten wir lediglich der vor uns liegenden Rinne geradeaus ins Tal folgen. Das Geröll war dabei häufig locker und manchmal war auch nur lose Erde vorhanden. Das führte zwangsläufig dazu, dass ab und zu einige Steine losgetreten wurden. Aber das war zu erwarten gewesen, weswegen wir einen gewissen Sicherheitsabstand zueinander einhielten. Zumindest war es nicht weiter schwierig und gefährlich. Klar, es ging ja auch bergab. Wären wir anders herum unterwegs gewesen, wäre der Aufstieg vermutlich sogar noch schwieriger gewesen als am ersten Pass. Eventuell sogar überhaupt nicht schaffbar. So waren wir aber enorm froh, dass wir ohne größere Probleme und Anstrengung ins Tal runtergekommen sind.


                              Matthias macht sich an den Abstieg.


                              Erfolgreich unten angekommen


                              Blick zurück zum Pass. Ich weiß echt nicht, ob wir da ohne Probleme raufgekommen wären.

                              Dieses galt es nun in westlicher Richtung für die nächsten ca. 15 Kilometer zu folgen. Landschaftlich war die Gegend ein echtes Highlight. Die grünen Hänge und die hohen Berggipfel boten eine atemberaubende Szenerie. Und jetzt im Sonnenschein hier gemütlich langzumarschieren in dem Wissen, dass wir mit dem Pass das vermutlich letzte schwere Hindernis auf dieser Wanderung hinter uns gebracht haben (zumindest dachten wir das) hatte etwas enorm Befriedigendes an sich. So konnten wir den Abschnitt richtig genießen.


                              Hier ging‘s nun lang. Immer schön dem Bach folgen.


                              Blick nach Osten. Das sah dort hinten nach einem leichten Pass aus. Aber in die Richtung mussten wir nicht.


                              Paar Blumen wuchsen hier auch und sorgten für schicke Abwechslung.


                              Dieses Tal hat mir wirklich gut gefallen.


                              Interessantes Steinchen

                              Glücklich und entspannt folgten wir für einige Zeit dem Bach, mussten dann aber, bei einer tieferen Verschneidung, doch wieder auf den Hang ausweichen. Ja, sowas kam in dem engen Tal natürlich nicht ganz unerwartet. Die Herausforderung besteht in solchen Fällen auch immer darin die richtige Seite zu finden auf der man anschließend leichter vorankommt. In diesem Fall war es zum Glück recht gut ersichtlich. Aber das war halt nicht immer der Fall auf dieser Tour. Und theoretisch kann es immer passieren, dass man hinter der nächsten Kurve auf einen steilen Hang trifft und von dort aus nicht mehr weiterkommt. Von daher zehren solche Querungen am Hang schon immer auch ein wenig an den Nerven.


                              Blick zurück. Hier ist auch nochmal unser Pass zu sehen.


                              Beim Furten des Baches. Auf der anderen Seite ging’s dann hoch.


                              Oben am Hang ging es dann recht leicht voran. Aber auf der anderen Hangseite wäre es nicht so einfach gewesen.

                              Aber wir hatten Glück, und unerwartete Hindernisse blieben uns erspart, so dass wir auch ohne Probleme wieder zum Bach runterkamen. Das Tal öffnete sich nun etwas und am Nordufer lag eine größere Rasenfläche. Hier stellten wir gegen 18.30 Uhr unser Zelt auf und freuten uns erstmal am erfrischenden Bad im Bach. Bei dem warmen Wetter war das echt eine Wohltat. Anschließend konnten wir gemütlich uns ins Gras setzten und einfach die Landschaft bewundern. Der Platz war wirklich herrlich gelegen. Gegenüber von uns blickten wir in eine spektakuläre Schlucht die von schroffen Felsen eingerahmt war, während wir jetzt noch die Abendsonne genießen konnten. Einfach herrlich und genial.


                              Hier ging es jetzt wieder zum Bach runter.


                              Krasse Felsformation. Aber ich war heilfroh, dass ich nicht in diese Schlucht reinlaufen musste. 😉


                              Zum Glück würde es morgen in diese Richtung weitergehen. Das sah deutlich machbarer aus.


                              Zeltplatz mit schicker Hanglage.

                              Und zu dem Landschaftsgenuss kam dann eben noch die Freude den heutigen Pass geschafft zu haben. Mittlerweile waren wir bei der Halbzeit unserer Wanderung angelangt. Und wir glaubten damit auch die schwerere Hälfte hinter uns gebracht zu haben. Die Tatsache, dass es nun deutlich leichter werden würde (natürlich auch bezogen auf das Rucksackgewicht) stimmte uns extrem froh. Der heutige Tag gehörte wirklich zu absoluten den Highlights auf dieser Tour und ich verbinde immer noch sehr angenehme Erinnerungen an ihn.


                              Abendliche Kochsession


                              Der Platz hier war wirklich absolut genial. 🤩


                              Blick zurück zum Canyon. Von der rechten Seite kommend sind wir vorhin abgestiegen.


                              Abenddämmerung um 22 Uhr

                              Kommentar


                              • Mortias
                                Fuchs
                                • 10.06.2004
                                • 1200
                                • Privat

                                • Meine Reisen

                                #35
                                Tag 8 (29.07.)
                                Der heutige Morgen bescherte uns eine angenehme Überraschung. Als wir gerade das Zelt verließen, sahen wir, wir eine kleine Gruppe Karibus denselben Hang runterlief, den auch wir gestern nach Umgehung der Schlucht abgestiegen sind. Und tatsächlich stellte es sich nicht nur als eine kleine Gruppe heraus, sondern sogar als eine größere Herde, die allesamt der Reihe nach oben am Hang erschienen, gemächlich hinab trabten um dann weiter im Flussbett stromabwärts zu laufen. Stumm saßen wir am anderen Ufer und blickten wie gebannt dem faszinierenden Schauspiel hinterher. Bisher habe ich in der Brooks Range immer nur einzelne Karibus gesehen. Aber größere Herden, wie ich es aus Lappland kannte, waren mir noch nicht vergönnt gewesen. Somit war dieser Anblick jetzt etwas absolut Faszinierendes für mich, der natürlich enorm meine Stimmung gehoben hat.


                                Einer nach dem anderen kamen die Karibus den Hang hinab gelaufen.


                                Wir haben zwar schon etliche Wildtierpfade von den Viechern gesehen, aber quasi live zu beobachten, wie sie alle der Reihe nach das Tal hinablaufen, war dann doch nochmal etwas komplett anderes.


                                In dem Sinne hatten wir tierisches Glück mit dem Zeltplatz, da wir hier eine perfekte Position zum Beobachten hatten ohne die Tiere gleichzeitig zu stören. Ich glaube sie haben uns nicht einmal bemerkt.

                                Nachdem die Herde sich verzogen hatte, machten auch wir uns an den Aufbruch. Das erneut herrliche Sommerwetter erleichterte uns dies natürlich enorm. Nachdem wir die Wiese verlassen hatten, verengte das Tal sich wieder, so dass uns nichts anderes übrigblieb als im steinigen Flussbett zu laufen. Dies hat sich dann doch als sehr beschwerlich und anstrengend herausgestellt. Besonders unangenehm aber war das viele Furten. Ständig, wenn der Bach nach links oder rechts wendete, mussten wir ihn furten, weil wir ansonsten die steilen Hänge hätten aufsteigen und dort laufen müssen. Aufgrund des Wasserstandes bedeute das auch, dass häufig die Wanderschuhe auszuziehen und auf Crocs wechseln mussten (bzw. bei Matthias halt die Trailrunner). Ein sehr zeitraubendes Verfahren, was unser Fortkommen enorm erschwert hat.


                                Aufbruch bei traumhaften Bedingungen


                                Diesem Flussbett sind wir nun gefolgt. An den Hängen hinauf zu steigen erschien uns nicht sehr ratsam.


                                Blick zurück


                                Anfangs konnten wir noch in unseren Wanderschuhen furten. Aber später war der Wasserstand dafür zu hoch.

                                Landschaftlich war das Tal natürlich weiterhin ein Traum, aber der Genuss wurde zunehmend durch den Ärger über das beschwerliche Laufen überdeckt. Erst nach über vier Stunden konnten wir dieses enge nervige Tal endlich hinter uns lassen. Und in der Zeit haben wir gerademal knappe 10 km geschafft. Das war schon ziemlich frustrierend, zudem wir ja immer noch gegenüber unserem ursprünglichen Zeitplan deutlich zurücklagen und eigentlich gehofft hatten heute bei leichten Bedingungen ein bisschen Strecke gutmachen zu können.


                                Oft hatte der Bach mehrere Arme, so dass auch nicht eindeutig war auf welcher Route man möglichst lange ohne Furt vorankommen würde. Hinzu kam, dass Teile des Ufers mit extrem dichtem Buschwerk zugewachsen waren und das auch kein Spaß war.


                                Es stand mal wieder eine Furt an. Was wir allein schon an Zeit verloren haben jedes Mal wieder die Füße zu trocknen und die Schuhe zu wechseln. Schon extrem lästig.


                                Hier machten wir Mittagspause und bogen anschließend nach Westen ab. Endlich kamen wir aus diesem blöden engen Tal raus.

                                Aber nun sollte es hoffentlich leichter werden, da wir jetzt in das breite Tal des Marsh Fork Canning Rivers kamen. Der Kontrast zu dem sehr engen und kargen Seitentals war schon genial. Nördlich von uns lagen einige nicht ganz so hohe Berge, so dass hier endlich mal ein kleiner Eindruck von Weite entstand. Tatsächlich gehörte das zu den Dingen auf dieser Tour, die mir bisher nicht ganz so gut gefielen. Eben die fehlende Weite. Wir sind ja ständig im Hochgebirge unterwegs gewesen, welches nun mal oft durch engere Täler und steile Gebirgshänge geprägt ist. Und jetzt hatten wir endlich mal in mehrere Richtungen einen gewissen Weitblick genießen dürfen. Das tat schon gut.


                                Beim Verlassen des Seitentals mit Blick nach Norden


                                Vor uns lag nun der Marsh Fork Canning River.

                                Wir überquerten eine leicht sumpfige Ebene, die von ein paar kleinen Seen durchsetzt war und mich ein wenig an Lappland erinnerte. Anschließend folgten wir dem Lauf des Marsh Fork Canning River in westlicher Richtung. Die mit Büschen zugewachsenen Ufer haben uns dabei ehrlicherweise erstmal ein bisschen die Laune verdorben. Vorhin im engen Seitental war der Buschbewuchs sehr dicht gewesen. Wenn das hier auch so wäre, könnte das das Wandern etwas unangenehm und anstrengend werden. Daher wollten wir erstmal direkt im Flussbett laufen. Schnell merkten wir aber, dass das wenig Sinn ergab, da wir sonst wieder häufig hätten furten müssen. Also entschieden wir uns doch dafür uns durch die Büsche zu schlagen.


                                Kleiner namenloser See


                                Leicht sumpfige Landschaft


                                Wider Erwarten sind wir hier aber recht gut durchgekommen.


                                Im Norden lag ein größeres Gebiet mit eher grasbewachsenen Hügeln als richtigen Bergen. Ein kleines Kuriosum in diesem Teil der Brooks Range.


                                Spuren der Zivilisation in der Wildnis. Es handelt sich hierbei um eine Landepiste von Kirk.


                                Marsh Fork Canning River

                                Glücklicherweise erwies sich das einfacher als gedacht, da die Büsche längst nicht so dicht wuchsen wie befürchtet und es ausreichend Freiräume dazwischen gab. Und als wir den Fluss dann doch einmal furteten, fanden wir am Nordufer einen langgezogenen sanften Grashang vor uns an dem wir richtig gut Strecke machen konnten ohne auf irgendwelche Hindernisse achten zu müssen. Nachdem es ja heute Vormittag so zäh und beschwerlich voranging, war es nun eine wahre Freude so einfach voranzukommen und dabei die tolle Landschaft genießen zu können. Auf diesen Fluss hatte ich mich bereits im Vorfeld der Tour aufgrund der Google Earth Aufnahmen gefreut. Und meine Erwartungen wurde wahrlich nicht enttäuscht.


                                Aus der Richtung sind wir gekommen.


                                Sehr moderates Dickicht


                                Am Nordufer, nachdem wir den Fluss gefurtet haben.


                                Hier fanden wir wirklich traumhafte Bedingungen vor.


                                Blick zurück


                                Wirklich ein Glück, dass wir den Fluss gefurtet haben. Am Südufer hätte es nämlich deutlich mehr Hindernisse gegeben.

                                Auf einer Kiesbank schlugen wir dann um 19 Uhr unser Zelt auf. Völlig zufrieden konnten wir nun auf den Tag zurückblicken, da wir heute mit knapp 21 km mehr geschafft haben als eigentlich geplant. Wir lagen zwar immer noch etwas gegenüber dem Zeitplan zurück, aber waren guter Dinge, dass wir das auch noch hinbekommen würden. So konnten wir jetzt in Ruhe die Abendsonne und das angenehm sommerliche Wetter genießen. Ich muss echt sagen, dass wir bisher riesiges Glück mit dem Wetter hatten. So durfte das gerne weitergehen.


                                Gute Zeltbedingungen…


                                … und dazu noch eine schicke Landschaftskulisse. Da konnte ich mich wirklich nicht beschweren.


                                Schuhflickaktion. Bereits am zweiten Tag hat die Sohle von dem Schuh angegangen sich an der Außenseite zu lösen. Zum Glück hatte Matthias eine Tube Aquasure Kleber dabei. Die erste „Behandlung“ hat dann für eine knappe Woche gehalten und musste nun erneuert werden. Auch Matthias hatte an seinen Schuhen ein paar Abnutzungserscheinungen die geflickt werden mussten. Ich weiß echt nicht was wir ohne Kleber gemacht hätten.


                                Abends gab’s dann wieder ein kleines Lagerfeuer. Wobei es bei dem Wetter schon etwas sinnfrei war und eher eine Spielerei darstellte.


                                Denn kalt war es nun wirklich nicht. 😄

                                Morgen würde uns dann wieder ein weiterer Pass erwarten. Aber dieser war nur knapp 1500 m hoch und schien laut Karte auch keine sonderlich krasse Steigung zu haben. Somit vermutlich ein leichtes Unterfangen, welches uns vor keine großen Probleme stellen sollte. Zu dem Zeitpunkt ahnten wir ja noch nicht, wie krass wir uns da geirrt hatten…


                                Abendsonne um Viertel nach 10


                                Blick nach Westen. Dort sollte es dann morgen langgehen.
                                Zuletzt geändert von Mortias; 22.03.2024, 22:26.

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                                • bikevagabond
                                  Erfahren
                                  • 22.11.2013
                                  • 252
                                  • Privat

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                                  #36
                                  Also die Karibu-Begegnung ist ja schon ein echtes Highlight!! Und dann noch vor so einer Kulisse 😮
                                  „Es gibt einen Weg, den keiner geht, wenn du ihn nicht gehst.“
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                                  • Mortias
                                    Fuchs
                                    • 10.06.2004
                                    • 1200
                                    • Privat

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                                    #37
                                    Zitat von bikevagabond Beitrag anzeigen
                                    Also die Karibu-Begegnung ist ja schon ein echtes Highlight!! Und dann noch vor so einer Kulisse 😮
                                    Ja ich mus sagen, dass war wirklich ein überaus genialer Glücksfall. Da kam echt einfach alles zusammen. 😎

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                                    • Mortias
                                      Fuchs
                                      • 10.06.2004
                                      • 1200
                                      • Privat

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                                      #38
                                      Tag 9 (30.07.)
                                      Erneut weckte uns warmer Sonnenschein und erneut machten wir uns hochmotiviert an den Aufbruch. So langsam bekam ich schon fast ein schlechtes Gewissen wegen unseres Wetterglücks. Ich erwischte mich bei dem Gedanken, dass, würde das Wetter so bleiben wie bisher, ich eigentlich danach nie wieder nach Alaska könnte, weil es bei späteren Touren eigentlich nur schlechter werden kann. 😉


                                      Und wieder Sonne am Morgen. Echt herrlich.

                                      Beim Aufbruch um kurz vor 9 waren der Himmel nun schon etwas bedeckter, aber an unserer Motivation änderte das natürlich nichts. Weiter ging‘s jetzt den Marsh Fork Canning River hinauf. Noch etliche Kilometer sollten wir dem Fluss folgen und hofften dabei natürlich weiterhin auf so günstige Wanderbedingungen wie gestern Nachmittag. Und wir wurden tatsächlich nicht enttäuscht. Neben dem Flussbett verliefen ausgedehnte Fußballfelder mit nur leichtem Bewuchs, so dass wir wieder wunderbar Strecke machen konnten. So lob ich mir das.


                                      Aufbruch bei zunehmender Bewölkung


                                      Und weiter ging's am Marsh Fork Canning River entlang.


                                      Blick zurück


                                      Solche tollen Wanderbedingungen hatten wir selten auf dieser Tour.

                                      Allerdings stellten wir fest, dass der Himmel mittlerweile völlig zugezogen war. Das sah verdächtig nach Regen aus. Und tatsächlich, kurze Zeit später kam der erwartete Schauer dann auch runter. Im Vergleich zu dem kurzen Platzregen vor drei Tagen ist diese Regenfront nun aber gekommen um zu bleiben. Jetzt hatten wir also endlich mal das „Vergnügen“ bei Dauerregen zu wandern. Schön war das natürlich nicht, aber immerhin waren die topographischen Gegebenheiten hier (noch) nicht sonderlich schwierig.


                                      Einsetzender Regen. Zum Glück haben wir gerade noch rechtzeitig unsere Regensachen rausgeholt.


                                      Nun war das Wandern natürlich etwas trister.


                                      Aber sowas gehört bei solchen Touren halt dazu.

                                      Und nach 1 ½ Stunden ließ der Schauer auch wieder nach und es wurde trocken. Also alles halb so schlimm. Wir kamen nun zu der Stelle, wo wir den Marsh Fork Canning River verließen und in ein kleines Seitental einbogen. Unser Anstieg zum nächsten Pass hatte begonnen. Laut Karte sah das Tal zwar schmal aus, aber nicht weiter schwierig was Höhenmeter anging. Allerdings war der Eingang in das Tal schon etwas nervig, da der Bach hier mehrere Kurven machte und wir, um unnötiges Furten zu vermeiden, uns dafür entschieden haben auf der orographisch rechten Seite zu bleiben. Das bedeute allerdings auch, dass wir eine kleine vorstehende Erhebung übersteigen mussten, die zum Ufer hin ziemlich steil abfiel. Es war gar nicht so einfach, anschließend wieder zum Bach runterzukommen. Und diesen mussten wir dann trotzdem noch furten. Somit hätten wir uns den ganzen Spaß auch sparen können. Ein nerviges Hindernis und ein kleiner Vorgeschmack von dem was uns noch erwarten würde.


                                      Beim Suchen einer geeigneten Stelle zum Furten.


                                      Blick nach Süden. Immerhin war die Sicht jetzt wieder etwas besser.


                                      Hier ging’s ganz schön steil runter.

                                      Als wir anschließend Mittagspause machten kam sogar kurzzeitig die mal Sonne raus. Das hat die Lebensgeister geweckt und Hoffnung auf eine Wetterbesserung gemacht. Wir entschieden uns nun dazu im weiteren Verlauf gleich am Hang entlangzulaufen und bekamen dadurch einen guten Überblick von dem schmalen Tal was nun vor uns lag. Steinig und abweisend wirkte es und von der eigentlichen Passhöhe war hier leider noch nichts zu sehen.


                                      An dieser Flusskurve haben wir unsere Mittagspause gemacht.


                                      Wirklich ein sehr enges Tal. Und da ging’s nun durch.

                                      Nach kurzem Laufen am Hang entschieden wir uns, dass es unten am Bach vielleicht doch leichter gehen würde. Naja, das war relativ. Denn der Bach musste oft gefurtet werden und aufgrund des Wasserstandes ging das leider nicht mit den Wanderschuhen (außer wir hätten komplett durchnässte Füße akzeptiert). Nach der ersten Furt entschieden wir, dass es sich nicht lohnte immer wieder die Schuhe zu wechseln, so dass ich nun eine längere Strecke mit Crocs marschierte. Das war schon ziemlich nervig und anstrengend. Matthias war da mit seinen Trailrunnern klar im Vorteil. Crocs sind zwar für kurze Furten sowie abends im Camp unheimlich praktisch, aber für längeres Wandern mit schwerem Gepäck sind sie definitiv nicht gedacht.


                                      Anfangs versuchten wir noch uns am Ufer halbwegs entlang zu mogeln. Aber das erwies sich schnell als ziemlich aussichtslos.


                                      Also mussten wir improvisieren. Zum Glück war das Wasser wenigstens nicht so kalt.

                                      Bei der nächsten Engstelle war uns das ständige Flusslaufen zu bunt und wir stiegen wieder am Hang hinauf. Dort fanden wir immerhin einige deutlich erkennbare Wildtierpfade vor denen wir gut folgen konnten. Ein kurzer Aufstieg lag jetzt noch vor uns und dann erwartete ich endlich den eigentlichen Pass zu sehen. Sollte also bald geschafft sein. Als ich dann aber von der nächsten Anhöhe auf die Gegend vor mir blickte sah es leider ganz anders aus als von mir erwartet und erhofft. Von unserem Pass war noch nichts zu sehen. Der musste sich noch irgendwo zwischen den Bergen verstecken. Stattdessen sah ich nur eine reichlich unebene Landschaft, so dass klar war, dass wir hier auch nicht gerade flott vorankommen würden.


                                      Blick zurück auf das enge Tal. War schon etwas ätzend und anstrengend der Abschnitt.


                                      Und so sah es nun vor uns aus. Auch nicht gerade vielversprechend.

                                      Jetzt war es auch nötig mal die Karte zu Rate ziehen. So ganz sicher waren wir uns nämlich nicht wie es jetzt weiterging. Ich dachte ja erst wir müssten nun nach Süden abbiegen. Dort sah es zumindest einigermaßen nach einem Pass aus. Aber der Blick auf die Karte verriet uns, dass dies der falsche Pass wäre. Stattdessen würde es geradeaus weitergehen, wo sich der Pass leider noch nicht erahnen ließ. Irgendwie war ich ziemlich enttäuscht, da ich aufgrund der bisherigen Anstrengung dachte wir hätten das schwerste nun hinter uns und die letzten Meter zum Pass wären nur noch eine reine Formsache. Aber das Gegenteil war der Fall.


                                      Auf der anderen Hangseite ging’s vorhin erst runter, jetzt mussten wir hier wieder hoch. Anstrengend.


                                      Blick nach Süden. Das sah durchaus machbar aus, war aber leider nicht unser Pass.

                                      Nachdem wir eine weitere Anhöhe hochgestiegen sind, konnten wir nun endlich mal einen Blick auf unsere weitere Route werfen. Das Tal, welchem wir folgen sollten, entpuppte sich als enge Schlucht die von abweisenden Steilwänden umrahmt war. Und da sollten wir jetzt durch? Ich hatte doch arge Zweifel ob das klappen würde. Wir konnten ja noch nicht mal die Passhöhe von hier aus erblickten, geschweige denn mögliche Hindernisse. Und weiter oben am Hang würden wir die Schlucht auch nicht umgehen können, da es dort viel zu steil und abschüssig war.


                                      Unsere weitere Route. Sah echt nicht grad einladend aus.

                                      Also blieb uns gar nichts anderes übrig als den engen Pfad durch die Schlucht zu versuchen. Glücklicherweise hatte der Bach hier oben nur noch wenig Wasser, so dass wir ihn problemlos mit unseren Wanderschuhen queren konnten. Die Steilwände links und rechts hatten dabei durchaus etwas Beeindruckendes an sich. Aber eben auch etwas enorm Beklemmendes. Mühsam kämpften wir uns am Ufer voran begleitet von der Ungewissheit wann wir wohl die Passhöhe erreichten und ob nicht vorher eventuell ein unüberwindbares Hindernis auftauchen würde.


                                      Jetzt wurde es also eng.


                                      Landschaftlich war das schon krass anzusehen. Aber andererseits eben auch enorm beklemmend. Wir fühlten uns teilweise regelrecht eingesperrt.


                                      Und besonders gut einsehen konnten wir das Tal auch nicht. Es war somit ein ständiges auf Sicht Laufen.

                                      Und dann hatten wir den Salat. Vor uns verengte sich die Schlucht zu einem schmalen Canyon wo das Wasser direkt durch den Felsen in eine Gumpe gespült wurde. Links und rechts war da kein Durchkommen mehr. Ein Weitergehen stand völlig außer Frage. Shit, was nun? Wir wollten doch nur endlich auf dem blöden Pass hoch. Die Etappe war schließlich bereits anstrengend genug gewesen. Und jetzt sowas. Es war zum Verzweifeln. 😫 Letztendlich blieb uns erstmal nichts anderes übrig als umzudrehen und dann weiterzusehen. Theoretisch gab es noch einen weiteren Pass, der uns auf die richtige Seite führte. Aber der hätte schon einen gewissen Umweg bedeutet. Nach kurzer Zeit meinte Matthias allerdings, dass hier der Hang doch gar nicht mehr so abschüssig sei wir vorhin und wir auch hochsteigen und die Engstelle von oben umgehen könnten. Bock hatte ich eigentlich nicht darauf, aber irgendwie mussten wir es ja rüber schaffen.


                                      Hier war nun Endstation.


                                      Bei dem Schneefeld sind wir dann auf der linken Seite hochgestiefelt.

                                      Also entschieden wir uns für diese Variante. Natürlich empfing uns wieder das übliche Mischung aus losem Geröll und rutschiger Erde, während wir uns mühsam bergauf kämpften in der Hoffnung möglichst bald eine sichere Passage am Hang ausmachen zu können. Ganze 200 Höhenmeter mussten wir hochsteigen, bis wir guten Gewissens am Hang queren konnten (weiter unten wäre es zu steil und gefährlich gewesen). Was war ich doch kaputt nach dieser Anstrengung. Zudem es nun auch wieder anfing zu regnen. Echt klasse. Aber immerhin konnten wir vom Hang das Tal gut überblicken und stellten fest, dass es im weiteren Verlauf (hoffentlich) frei von bösen Überraschungen sein würde. Also stiegen wir nun wieder runter. Dieses blöde Hindernis hatten wir also endlich erfolgreich hinter uns gelassen. Aber auch etliche Energiereserven und Nerven blieben dabei auf der Strecke zurück.


                                      Beim Aufstieg am Hang. Unten war es noch viel zu steil um sicher queren zu können.


                                      Und bei aufziehenden Wolken immer weiter hochsteigen zu müssen ohne zu wissen, wann es endlich machbar wäre, hat auch ganz schön an den Nerven gezerrt.


                                      Immerhin hatten wir noch ein bisschen Aussicht dabei.


                                      Beim Abstieg zurück ins Tal. Auch der war nicht ganz unkritisch. Einmal habe ich versehentlich einen größeren Stein losgetreten, der Matthias beinahe erwischt hatte. Das hätte böse ausgehen können.

                                      Jetzt konnten wir immerhin wieder normal das Tal hochwandern. Bis zum Pass sollte es jetzt nicht mehr weit sein. Aber damit es nicht zu einfach werden würde, nahm der Regen nun deutlich zu und die Sicht wurde entsprechend schlechter. Gegen Viertel vor 7 wurde der Hang zu unserer Rechten seichter und war von grünem Moos überwachsen. Hier konnten wir endlich den Bach verlassen und die letzten paar Meter zum Pass überwinden.


                                      Blick zurück

                                      Im strömenden Regen und völlig abgekämpft standen wir dann endlich auf dem Pass, der uns ursprünglich doch so leicht erschienen war. Er war ja „nur“ 1500 m hoch und hatte keine große Steigung. Was hätte da schon groß passieren können? Tja, anscheinend so einiges. Wie gelegentlich schon festgestellt, sind die Bedingungen in der Brooks Range leider selten leicht. Und manchmal sind sie eben auch brutal schwer. Sie wie heute. Immerhin, direkt unterhalb der Passhöhe befand sich eine kleine Ebene mit brauchbaren Zeltplätzen. Erleichtert darüber, dass wir heute nicht noch weiter wandern mussten, stellten wir hier unser Zelt auf. Der heutige Tag hat wirklich enorm viel von uns gefordert und enorm Kraft gekostet. Aber noch hatten wir es nicht hinter uns, denn ein bisschen Sorgen machte ich mir schon um den Abstieg morgen. Auf der Karte sah die Route ähnlich eng aus wie schon beim Aufstieg heute. Wenn das dann wieder so eine Kacke wird wie vorhin, dann würde uns noch einiges bevorstehen.


                                      Auf der Passhöhe mit Blick nach Westen


                                      Was war ich froh, dass wir hier unser Zelt aufstellen konnten. Ich hätte echt nicht mehr weiterwandern wollen.


                                      Zum Glück hat der Regen abends zeitweise etwas nachgelassen, so dass wir noch unser Abendbrot außerhalb des Zeltes konsumieren konnten.
                                      Zuletzt geändert von Mortias; 02.04.2024, 19:52.

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                                      • Mortias
                                        Fuchs
                                        • 10.06.2004
                                        • 1200
                                        • Privat

                                        • Meine Reisen

                                        #39
                                        Tag 10 (31.07.)
                                        Morgens wurden wir diesmal nun vom Regen geweckt. Die ganze Landschaft lag noch immer in grauen Wolken versunken, während die Tropfen nacheinander auf unser Zelt fielen. Nun waren wir also in einer echten Schlechtwetterzone drin. Und das auch noch an einem so ungünstigen Ort. Schlechter hätten wir es kaum treffen können. Da uns der gestrige Tag noch ziemlich in den Knochen lag, beschlossen wir daher erstmal abzuwarten und auf Besserung zu hoffen. Wir beide hatten wenig Lust bei regnerischen Bedingungen den vermutlich schwierigen Abstieg vom Pass in Angriff zu nehmen. Immerhin waren wir sehr kreativ und tauften den Pass auf den Namen „Rainy Pass“. 😉


                                        Der Rainy Pass machte seinem Namen wirklich alle Ehre.


                                        Abwettern im Zelt

                                        Gegen Mittag hörte es dann endlich auf zu regnen. Es war zwar weiterhin durchgehend bewölkt, aber immerhin hingen die Wolken jetzt etwas höher, so dass die Sicht besser war. Erleichtert packten wir unsere Sachen zusammen und bereiteten den Aufbruch vor. Jetzt würde sich also entscheiden wie schwierig (oder leicht) der Abstieg wirklich werden würde.


                                        Aufbruch gegen halb zwei

                                        Und immerhin, der Anfang ging recht einfach. Allerdings war das laut Karte auch zu erwarten gewesen. Aber das sollte nicht lange anhalten. Nach kurzer Zeit konnten wir schon ausmachen, wie der Bach durch seinen ersten Canyon floss. Bedingt durch den vielen Regen war der Pegel ziemlich stark angestiegen, so dass ein Furten in Wanderschuhen kaum möglich wäre. Vom Gefahrenrisiko aufgrund der Strömung ganz zu schweigen. So war uns also schnell klar, dass es keinen Sinn machen würde direkt am Ufer weiterzulaufen. Also blieb uns nicht anderes übrig, als wieder ein wenig am Hang hinaufzusteigen und dort unser Glück zu versuchen. Da hatte ich ja echt Bock drauf.


                                        Der Beginn des Abstiegs


                                        Noch sah es ja ganz gut aus...


                                        … aber das sollte sich schnell ändern.

                                        Und wie befürchtet wurde das Laufen am Hang zu einer erneuten Plackerei. Vorsichtig setzten wir einen Schritt vor den anderen. Stets darauf bedacht, einen sicheren Tritt zu finden. Denn teilweise hatte der Hang schon ein ganz ordentliches Gefälle gehabt. Zumal unten am Bach an diversen Stellen gefährlich aussehende Steinufer lagen. Ein Sturz aufgrund von Unachtsamkeiten hätte hier extrem ungünstige Folgen haben können. Und einmal ist Matthias auch weggerutscht und hat sich unfreiwillig auf den Hosenboden gesetzt. Aber mit Ausnahme, dass der Sturz seine Regenhose etwas lädiert hat, blieb er sonst glücklicherweise unverletzt. Abgesehen davon kamen wir aber sicher voran. Und ich muss echt sagen, ich habe wieder einmal gemerkt, wie angenehm es ist mit jemanden unterwegs zu sein, der hinsichtlich Trittsicherheit, Erfahrung, Kondition und Nervenstärke auf einem ähnlichen Niveau ist. Wir konnten uns beide darauf verlassen, dass der jeweils andere diesen Abschnitt durchziehen würde ohne zu maulen oder schlapp zu machen. Das war wirklich extrem hilfreich. Zumal es jetzt auch noch anfing zu regnen. Sprich die Bedingungen waren wirklich kacke. Anders ließ es sich nicht beschreiben.


                                        Blick zurück zum Rainy Pass


                                        Mühsames Laufen am Hang


                                        Das war echt nicht ganz ungefährlich.

                                        Unter uns im Tal erblickten wir, wie der Bach mit jedem Zufluss noch stärker und reißender wurde. Dort am Ufer zu laufen wäre echt nicht empfehlenswert gewesen. Also mussten wir zwangsläufig noch eine Weile die Höhe halten und uns langsam vorarbeiten, bis wir den Ausgang dieses tückischen Seitentals erblickten und absteigen konnten. Zudem hörte es auf zu regnen. Endlich hatte der ganze Ärger ein Ende. Das wurde aber auch höchste Zeit. Was waren wir doch jetzt erleichtert.


                                        Der Ausgang des Tals


                                        Aber bevor wir diesen erreichten, gabs noch einen letzten steinigen Abstieg.

                                        Nun hatten wir also eine offenere und ebene Landschaft vor uns ohne irgendwelche hinterlistigen Verschneidungen und Canyons. Die Erleichterung darüber hielt aber nicht lange an, denn unser nächstes Hindernis erwartete uns schon. Denn hier, wo der Bach unseres Seitentals sich mit dem Fluss aus dem Haupttal vereinigte, und wo wir eigentlich furten wollten, stellten wir fest, dass dies ein Ding der Unmöglichkeit war. Mit rasender Geschwindigkeit ergoss sich die braune Brühe das Tal hinunter. So wie es nach starken Regenfällen nun mal der Fall ist. Aber wir mussten auf die andere Seite. Wenn wir das nicht schafften, würden wir erstmal bis auf weiteres hier festsitzen. Ein wirklich unerträglicher Gedanke. Zumal wir ja eh schon hinterm Zeitplan lagen.


                                        Blick nach Süden ins Haupttal


                                        Blick zurück in unser Seitental. Wie gut, dass wir da jetzt draußen waren.


                                        Angeschwollener Fluss


                                        Das sah leider ganz und gar nicht gut aus.

                                        Ich entschied mich daher an einer Stelle mit vielen Verästelungen mein Glück zu versuchen. Den Rucksack habe ich erstmal stehen gelassen. Sollte ich vom Wasser mitgerissen werden, würde der mich zumindest nicht behindern. Die ersten Flussarme waren sogar einigermaßen passabel und ließen sich sicher furten, aber beim letzten war leider Endstation. Das sah mir schlichtweg zu heikel aus, um es überhaupt nur zu versuchen. Vor allem, weil man bei dem trüben Wasser ja auch nie sieht wie tief es wird und was einen erwartet.


                                        Beim Versuch zu furten. Meine Kamera habe ich solange Matthias gegeben.


                                        Aber hier war mir klar, dass es zu gefährlich werden würde. Der Fluss hatte echt eine üble Strömung.

                                        Aber noch wollte ich nicht aufgeben. Ich entschied mich für einen weiteren Versuch stromaufwärts, jenseits vom Zufluss des Seitentals aus dem wir kamen. Vielleicht würde dort die etwas niedrigere Wassermenge den Unterschied ausmachen. Und erneut versuchte ich es erstmal ohne Rucksack. Es war zwar schwierig und war teilweise fast schon grenzwertig von der Strömung, aber es hat gerade so gereicht. Was habe ich laut gejubelt, als ich am anderen Ufer stand. Nun musste ich nur noch zurück, den Rucksack holen und erneut rüber. Aber als wir dann endlich am anderen Ufer saßen und unsere hochverdiente Mittagspause genossen, machte sich eine riesige Erleichterung bei uns breit. Uns wurde heute eindringlich klargemacht, wie schwierig und tückisch das Wandern hier werden kann und wie glücklich wir uns daher schätzen konnten, dass wir diese Hindernisse jetzt heil hinter uns gebracht hatten.


                                        Am Zusammenfluss mit dem Seitental


                                        Mittagspause am anderen Ufer

                                        Beim Weiterwandern fing‘s dann wieder an in einer Tour durchzuregnen. Relativ trist liefen wir auf den grasigen Hängen langsam das Tal hinab. Klar war das jetzt nicht sonderlich spaßig, aber ehrlich gesagt war es mir zu dem Zeitpunkt ziemlich egal. Hauptsache wir waren wieder im Rennen und konnten unsere Tour wie geplant fortsetzen. Da konnten wir jetzt gerne auch ein wenig nass werden. Lieber das, als erstmal auf unbestimmte Zeit im Zelt festzusitzen und quasi gestrandet zu sein.


                                        Nochmal Blick in das Seitental


                                        Wandern bei Dauerregen. Immerhin gab’s ein paar vage zu erkennende Karibupfade.


                                        Und auch sonst war es hier landschaftlich nicht weiter schwierig. Das war echt eine Wohltat, nach den vergangenen Strapazen.


                                        Aber mit der Zeit hat der Regen natürlich trotzdem genervt.

                                        Das Tal machte nun eine Rechtskurve und der Regen hörte endlich auf. Die Landschaft wurde hier flacher und am Talausgang erblickten wir seichte Hügel anstatt der gewohnten schroffe Berge. Ein interessanter Kontrast. Dort würde es dann morgen in westlicher Richtung weitergehen. Blöd nur, dass wir dafür noch über einen weiteren Fluss rüber mussten, der aus dem südlich von uns gelegenen Seitental kam. Das ließ nichts Gutes erahnen. Und tatsächlich, als wir an dessen Ufer kamen, stellte auch dieser sich als nicht überquerbar heraus. Erneut rauschte eine braune Schlammbrühe an uns vorbei und schien uns geradezu verspotten zu wollen. Da brauchten wir es gar nicht zu versuchen. Mist.


                                        Ein paar Karibus leisteten uns Gesellschaft.


                                        Endlich mal wieder trockene Bedingungen.


                                        Am Zusammenfluss zum nächsten Seitental (links). Dort hinten mussten wir dann noch übern Fluss rüber.

                                        Aber da es jetzt eh schon nach halb 7 war und am anderen Ufer keine guten Zeltmöglichkeiten auszumachen waren, beschlossen wir es für heute gut sein zu lassen und unser Zelt hier aufzustellen. Wir mussten einfach darauf hoffen, dass es jetzt trocken bleiben würde. Dann würde der Pegel über Nacht schon fallen und wir würden es morgen ohne Probleme über den Fluss schaffen. Hoffentlich. 🙄


                                        Immerhin gab’s hier guten und ebenen Zeltgrund.


                                        Blick nach Norden


                                        Und nach Süden. Aktuell sahen wir keine Möglichkeit über den Fluss zu kommen. Leider hatte er auch keine Stellen wo er sich in möglichst viele Seitenarme aufgabelte.


                                        Um ein Gefühl für den Wasserstand zu bekommen, habe ich mal das kleine Steinmännchen rechts gebaut. Mal schauen wie es morgen aussehen würde.


                                        Abendstimmung. Immerhin regnete es grad nicht mehr. Das ließ uns vorsichtig hoffen.
                                        Zuletzt geändert von Mortias; 09.04.2024, 17:57.

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                                        • Dado
                                          Anfänger im Forum
                                          • 09.02.2024
                                          • 18
                                          • Privat

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                                          #40
                                          Wow 😮 richtige Abenteuer und sehr interessant zu lesen, weiter so 👍

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