[RU] Von Kältepol zu Kältepol (Tscherskigebirge 2023)

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  • Nita
    Fuchs
    • 11.07.2008
    • 1721
    • Privat

    • Meine Reisen

    #41
    Hey Bikevagabond,

    erstmal vielen Dank für den großartigen Bericht! Phantastische Bilder und super spannender Text, die einen richtig weit weg entführen.

    Zu der schwierigen Situation mit Njurgun muss ich aber etwas loswerden:

    Ich bin Osteuropäerin und kenne beide Seiten, wobei ich selbst erst in Deutschland mit Outdooraktivitäten angefangen habe. Trotzdem war es für mich nicht einfach, mit Russischsprachigen unterwegs zu sein - ich war z.B. vor wenigen Jahren in Tadschikistan mit zwei mir nicht bekannten Russen verabredet.

    Die knappe Kalkulation des Essens und anderer Ausrüstung sowie die Einbeziehung der Jagd ist normal. Manchmal geht man so weit, wie wir, Westler, es uns nicht vorstellen können. Es funktioniert trotzdem! Genauso schwer ist es für die andere Seite nachzuvollziehen, warum wir nicht jagen wollen. Auch ist es üblich, das Essen zu teilen. (Beispiel: In Tadschikistan sollten die beiden für mich vorab einkaufen, meine Bitte lautete "550-600g/Tag". Eingekauft wurde für alle zusammen, umgerechnet etwa 400g/Tag. Auf der Tour hat man entsprechend wenig gegessen).

    Schlechtere und schwerere Ausrüstung wird mit Zähigkeit und langsamerer Geschwindigkeit kompensiert. Wie in den Alpen jemand gesagt hat: " Bis ich Russen kennen lernte wusste ich nicht, dass man bei so schlechtem Wetter und so langsam so schwere Touren gehen kann". S.o. - es funktioniert trotzdem. Die 56km barfuß beeindrucken mich zwar sehr, sie wundern mich aber nicht. Beispiele würden hier Deinen Thread zuspammen.

    Touristen ohne Geld bzw. Vagabunden, die keinen festen Wohnort haben, sind in der (krassen) Touristenszene normal. Meine Mutter warnte mich immer davor, so einen zu heiraten 😀

    Die muffeligen Hütten zu benutzen anstatt frei zu zelten ist ebenfalls normal und hat vermutlich mit (früher) schlechteren Zelten zu tun. (In Dushanbe stimmte ich zu, in der bescheidenen Wohnung eines befreundeten Bergsteigers zu übernachten, wo wohl häufiger solche Zwischenlager statt finden. Es war kostenlos und u.a. deswegen (auch wegen einer Art Coolness bzw. Szenenzugehörigkeit) für meine Begleitung attraktiv. Wie sehr hätte ich mir da ein Hostelzimmer gewünscht! Trotzdem natürlich eine großzügige Geste vom Gastgeber.

    Das waren nur wenige Punkte. Insgesamt finde ich das Verhalten von Njurgun im Wesentlichen nicht verwunderlich und nicht von der russischen Tradition abweichend. Eine starke Persönlichkeit, wie ein Einzelgeher sie nun mal hat, macht die Sache natürlich nicht einfacher. Daher finde ich es super, dass Du Dich mit Deinen Urteilen zurückhälst. Denn schließlich sind wir Gäste und die "komischen Westler", nicht sie Einheimischen - oder, wie man im Russischen sagt, "man geht nicht mit eigenen Regeln in einen fremden Kloster".
    Reiseberichte

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    • bikevagabond
      Erfahren
      • 22.11.2013
      • 236
      • Privat

      • Meine Reisen

      #42
      Zitat von sibirier Beitrag anzeigen
      Also die Idee ist auch nicht so ganz ohne... )))
      Ich denke, das liegt im Auge des Betrachters. Als wir in Ust-Nera aneinandergerieten, hätten wir beide gegenseitig diese Idee vertreten können... Für Njurgun war ich ein Wortbrüchiger, der die Absprache nicht einhalten wollte. Und für mich war Njurgun jemand, der kein Einsehen hatte, dass es mit uns beiden nicht passt.

      Zitat von Nita Beitrag anzeigen
      ... Insgesamt finde ich das Verhalten von Njurgun im Wesentlichen nicht verwunderlich und nicht von der russischen Tradition abweichend.​
      Vielen Dank für diesen ausführlichen Kommentar! Ich hatte gehofft, dass es Rückmeldungen dieser Art geben wird. Tatsache ist, dass ich immer noch versuche, das Geschehene einzuordnen. Deine Ausführungen machen mir jedenfalls klar, dass ich mit der russischen Reiseszene offenbar noch viel zu wenig Kontakt hatte, um das nötige Gespür dafür zu haben, was unter diesen Leuten als selbstverständlich angesehen wird und wie ihr klassisches Denken und Handeln aussieht. Das könnte zumindest eine Erklärung dafür sein, warum wir so konsequent aneinander vorbei geredet haben.

      Nun ja, ich werde versuchen das persönliche Thema auf das Wesentliche zu begrenzen. Mit den Beschreibungen will ich eigentlich nur nachvollziehbar machen, wie sich die Situation zwischen uns entwickelt hat und warum es dann zu dem gekommen ist, was kommen musste...
      „Es gibt einen Weg, den keiner geht, wenn du ihn nicht gehst.“
      Meine bisherigen Reisen

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      • Nita
        Fuchs
        • 11.07.2008
        • 1721
        • Privat

        • Meine Reisen

        #43
        Zitat von bikevagabond Beitrag anzeigen
        Ich hatte gehofft, dass es Rückmeldungen dieser Art geben wird. Tatsache ist, dass ich immer noch versuche, das Geschehene einzuordnen.
        Das kann ich mir vorstellen, dass es schwierig war und es Dich noch beschäftigt. Wir kamen 2015 mit einem Reisepartner nicht klar, obwohl wir es beide versucht haben - das arbeitet zumindest in mir immer noch.

        Ich muss mich in meiner Einschätzung auch etwas zurückhalten, weil ich erst in Deutschland aktiv geworden bin. Auch steht die Welt nicht still und es hat sich in den letzten 20 Jahren auch in den Gepflogenheiten sicher viel getan. Früher gab es mehr Zentralisierung, sog. Touristenclubs (uneigennützig), die die Ausbildung betrieben und Ausfahrten organisierten. Jetzt gibt es viele kommerzielle Anbieter und zunehmend auch Individualreisende, welche früher eine Randerscheinung waren. Deswegen trifft man in der "Reiseszene" jetzt das gesamte Spektrum an Verhaltensweisen.
        Ich bekomme die Tage Elternbesuch, spreche mit ihnen mal über alte Zeiten und melde mich dann wieder.

        Noch zum Thema Nichtschwimmer: Auch hier freut es mich, dass Du versuchst es zu verstehen und zu erklären. Es ist vorstellbar, dass es richtig viele Nationen gibt, die eben nicht standardmäßig schwimmen, dafür aber paddeln können. In der ehemaligen Sowjetunion ist es schon üblich, schwimmen zu lernen, ob es aber auch für abgelegene Orte und Republiken gilt, weiß ich nicht. Andererseits: Wenn man einen Klettersteig geht, könnte man auch im Notfall im Klettergelände landen. Es lernen aber die Wenigsten deswegen zu klettern...
        Reiseberichte

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        • Fjellfex
          Fuchs
          • 02.09.2016
          • 1188
          • Privat

          • Meine Reisen

          #44
          "Reisebegleitung" ist echt ein Thema für sich...
          Meine Touren sind für mich ein absoluter Höhepunkt und was "heiliges"... gar zu viele Kompromisse bloß um der Geselligkeit wegen will man da nicht eingehen.
          Selbst gegenüber alten Kumpeln mache ich da im Vorfeld klare Ansagen was ich mir so vorstelle und wo meine "Kompromiss-Grenzen" liegen... auch auf die Gefahr hin, als "Arschloch" rüberzukommen.
          Ich bilde mir ein, damit ganz gut gefahren zu sein.

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          • Blahake

            Fuchs
            • 18.06.2014
            • 1396
            • Privat

            • Meine Reisen

            #45
            Ich finde ja die unterschiedlichen Herangehensweisen sehr interessant, auch wenn es das auf Tour sicher nicht ganz einfach macht. Aber mit denen kann man sich vielleicht arrangieren oder bestenfalls sich sogar inspirieren lassen. Ganz anders sehe ich aber die schlechte Kommunikation und mangelnde Absprache. Mal eben auf einen Nebenarm abzubiegen, wenn der Tourpartner gar keine Gelegenheit mehr hat, zu folgen!?
            O.k., ihr habt Euch durch sein Feuer wiedergefunden. Aber konnte man sich darauf verlassen? Was, wenn Du weiter flussaufwärts schon Dein Lager aufgeschlagen hättest?
            Ich erinnere mich mit gruseln an den Bericht von Robtrek vom Putorana-Plateau, als er tagelang nicht wusste, wo Lena und Sergei sind. Das ist eine Situation, die ich mir sehr, sehr unangenehm vorstelle. Im Sarek ist mir ja auch mal ein Wanderer begegnet, der nach seinem Kumpel suchte. Er wußte aber nicht mehr, ob sie sich an der Darreluoppal-Hütte oder an "der anderen, die mit D anfängt" treffen wollten.

            Zitat von bikevagabond Beitrag anzeigen
            ... ich werde versuchen das persönliche Thema auf das Wesentliche zu begrenzen.
            Aber bitte nicht zu stark begrenzen, denn das ist doch besonders spannend und interessant! Und ich finde, Du bekommst es sehr gut hin, die Situationen zu beschreiben ohne Njurgun in ein schlechtes Licht zu rücken. Man merkt, dass Du ihm nicht unrecht tun möchtest.

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            • bikevagabond
              Erfahren
              • 22.11.2013
              • 236
              • Privat

              • Meine Reisen

              #46
              Zitat von Nita Beitrag anzeigen
              Deswegen trifft man in der "Reiseszene" jetzt das gesamte Spektrum an Verhaltensweisen.
              Ich denke mal, dass der individuelle Faktor in unserem Fall schwerer wiegt, aber eine grundsätzliche Prägung scheint es immer zu geben und genau diesen Anteil versuche ich immer noch herauszufiltern.

              Zitat von Fjellfex Beitrag anzeigen
              Meine Touren sind für mich ein absoluter Höhepunkt und was "heiliges"... gar zu viele Kompromisse bloß um der Geselligkeit wegen will man da nicht eingehen.
              Das sehe ich vollkommen genauso, ist aber wahrscheinlich auch ein typisch "westliches" Ding...

              Zitat von Blahake Beitrag anzeigen
              Ich finde ja die unterschiedlichen Herangehensweisen sehr interessant, auch wenn es das auf Tour sicher nicht ganz einfach macht. Aber mit denen kann man sich vielleicht arrangieren oder bestenfalls sich sogar inspirieren lassen.
              Genau das war auch meine Motivation, mich darauf einzulassen. Im Nachhinein glaube ich aber, dass der Tourplan einfach zu komplex und zudem schon sehr von meinen eigenen Vorstellungen geprägt war, und ich deshalb gar nicht mehr so frei war, um mich mit all den unterschiedlichen Herangehensweisen zu arrangieren. Eine einfache Flusstour, wie Njurgun sie am Anfang vorgeschlagen hat, wäre wohl die bessere Wahl für ein erstes Kennenlernen gewesen.
              „Es gibt einen Weg, den keiner geht, wenn du ihn nicht gehst.“
              Meine bisherigen Reisen

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              • bikevagabond
                Erfahren
                • 22.11.2013
                • 236
                • Privat

                • Meine Reisen

                #47
                Teil 3: Bergtour zu den Steinsäulen und weiter auf der Indigirka

                Als ich am nächsten Morgen aus dem Zelt schaue, ziehen Nebelschwaden über den Fluss. Es ist mal wieder frisch, um die 5°C, so wie schon in den vergangenen Nächten. Doch als die Sonne höher steigt und meinen Lagerplatz beleuchtet, wird es rasch wieder warm. Ich genieße die Stille, das herrliche Licht und den fantastischen Ausblick auf die Berge. Ab hier scheint der Flusslauf richtig malerisch zu werden.
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ID: 3242563

                Direkt hinter mir thronen die Steinsäulen, die von den Einheimischen Kisiljachy genannt werden, was frei übersetzt „Steinmenschen“ bedeutet.
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                Ich mache mich bereit für eine zweitägige Bergtour, packe Zelt, Isomatte, Schlafsack, Jacken, Topf und etwas Essen in den großen wasserdichten Rucksack (ich habe nur den einen) und begebe mich auf einem unscheinbaren Pfad in den Lärchenwald. Gleich zu Beginn stolpere ich dabei über eine schöne Lichtung mit Feuerstelle – im Schummerlicht des Abends war mir dieser Platz total entgangen. Jetzt lasse ich an dieser Stelle meine übrige Ausrüstung zurück, das Rad mit dem Boot verstecke ich in der schattigen Aue.
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                Der Aufstieg durch die offene Lärchentaiga ist mühsam, denn er führt die ganze Zeit über weichen, teils unebenen Flechtengrund. Vom anfänglichen Pfad ist kaum noch etwas zu erkennen. Um sicheren Halt zu haben, breche ich mir aus dem herumstehenden Totholz einen Wanderstock. Es herrscht eine unerträgliche Wärme, ausgerechnet heute gibt es mehr als 25°C. Dabei komme ich natürlich ordentlich ins Schwitzen und trinke von meinem bescheidenen Wasservorrat schon viel zu viel weg (ich hatte mir aus Ermangelung an Behältern nur 2,5 Liter aus dem Bach abfüllen können). Ob ich damit auch morgen noch durchkomme? Karpuchin hatte seinerzeit auf dem Grat eine Wasserlache gefunden, aber ob es eine solche auch bei dem trockenen Wetter gibt?

                Anderthalb Stunden vergehen, bis ich die erste Granitsäule erreiche. Hier lege ich eine kurze Pause ein und entdecke direkt am Felsfuß ein kleines kaltes Wasserloch, in dem ich sofort meinen Durst stille.
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                Von hier hat man schon einen schönen Weitblick über das Indigirka-Tal.
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                Kurz darauf erreiche ich die erste Felsgruppe, die sich wie eine Mauer über den Berggrat zieht. Ich bleibe auf der Sonnenseite, auf der nun wieder ein Pfad erkennbar ist.
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                Ich trödle, pausiere und fotografiere, so dass ich das Ende dieser ersten Felsgruppierung erst gegen 17 Uhr erreiche. An einer wildromantischen Stelle, umgeben von mehreren Felswänden, entdecke ich einen gemütlichen Rastplatz mit Feuerstelle. Mir gefällt dieser Ort so gut, dass ich spontan entscheide, hier die Nacht zu verbringen. Immerhin befinde ich mich schon auf 1060 m Höhe, also fast 600 m über dem Flussniveau.
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                Zur zweiten Felsgruppe, die noch ein Stück höher bis über die Baumgrenze ragt, gehe ich dann nur noch mit meiner Fototasche.
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                Die Granite wirken hier um einiges imposanter und erreichen stellenweise über 20 m!
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                Auch auf der anderen Seite des Bachtals gibt es einen eindrucksvollen Felsgrat, der mich irgendwie an die Chinesische Mauer erinnert.
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ID: 3242583

                Gerne wäre ich noch bis zu den frei stehenden Kisiljachy des höchsten, fast 1600 m hohen Gipfels gelaufen, doch dafür ist es nun leider schon zu spät...
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                Blick vom 1270 m hohen Berggipfel der zweiten Säulengruppe – im Hintergrund der 800 m tiefer gelegene Flusslauf der Indigirka.
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                Auch Ust-Nera ist von hier oben gut zu erkennen, bei freier Sicht sogar mit schwachem Telefonnetz. Als ich mich einklinke, erreicht mich prompt eine WhatsApp-Nachricht von Njurgun: „Hast du die Kisiljachy bestiegen? Ich werde erst morgen rausfahren und gegen 12 oder 13 Uhr zur ersten Felsgruppe aufsteigen.“ Eigentlich hatte ich erwartet, dass er mir auf die E-Mail vom Sat-Messenger antworten würde, hatte ich ihn doch ausdrücklich darum gebeten, da ich ohne Telefonnetz nur auf diesem Wege erreichbar bin. Aber vielleicht wusste er auch davon, dass es hier oben noch etwas Megafon geben würde und so schreibe ich ihm zurück, dass ich morgen wahrscheinlich noch etwas umherwandern werde, aber wegen Wassermangel schon am Nachmittag zum Basislager an der Bachmündung zurückkehren möchte. Sein Zielfernrohr scheint er inzwischen erhalten zu haben.
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                Blick auf den Fluss Nera, an dessen Mündung (russ. ustje) Ust-Nera liegt. Da allmählich die Sonne untergeht, entscheide ich mich an dieser Stelle umzukehren.
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                Auf dem Rückweg zur ersten Felsgruppe.
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                An dieser Felsnische hatte vor 10 Jahren der Landschaftsfotograf Sergej Karpuchin sein Hochlager eingerichtet. Auch er ist damals nicht über die zweite Felsgruppe hinausgegangen.
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                Ust-Nera am Abend.
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                Gegen 20:30 Uhr bin ich zurück am auserkorenen Lagerplatz, baue mein Zelt auf, entfache ein Feuer und genieße die magische Kulisse bei aufgehendem Mond. Jetzt im Dämmerlicht erscheint mir dieser Ort wie aus einem Räuberfilm Zudem sorgt Grashüpfergezirpe für eine sommerliche Atmosphäre, wie ich sie nur aus Mitteleuropa kenne.
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                In der Nacht zieht Regen auf, der bis zum Morgen anhält. Tiefhängende Wolken lassen den Tag mit einer faszinierenden Nebelstimmung beginnen.
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                Schon bald jedoch hebt sich das Gewölk, reißt zögerlich auf und gibt nach und nach den Blick auf Ust-Nera und Umgebung frei.
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                Als die Sonne meinen Lagerplatz erwärmt, hüpft ein Streifenhörnchen über die Feuerstelle.
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ID: 3242593

                Leider zieht es rasch wieder zu – ein weiteres Regengebiet nähert sich, wobei jetzt auch der nördliche Wind kräftig auffrischt. Irgendwann pfeift es dermaßen stark, dass ich von einer weiteren Erkundungstour absehe und mich gleich nach dem Zeltabbau auf den Rückweg mache.
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ID: 3242596

                Auf der windabgewandten Seite der Felsmauer finde ich einen gut geschützten Ort und harre noch so lange aus, bis das Gröbste durchgezogen ist. Derweil klinke ich mich ein letztes Mal in das schwache Handynetz ein, um noch ein paar wichtige E-Mails zu beantworten – in den nächsten 5 bis 6 Wochen werde ich keine Gelegenheit mehr haben. Auch Njurgun schreibt mir wieder, er ist immer noch in seiner Unterkunft und teilt mir eine erneute Planänderung mit: „Ich werde erst am Abend zum Fluss kommen und nicht mehr hochgehen.“
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ID: 3242598

                Zurück am Basislager – alles liegt und hängt noch so, wie ich es vor 26 Stunden zurückgelassen hatte. Der Abstieg dauerte übrigens keine zwei Stunden, obwohl auch dieser aufgrund tückischer Trittlöcher immer wieder herausforderte.
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ID: 3242603

                Auf einmal höre ich Stimmen, zwischenzeitlich sogar lautes Gelächter. Irgendwer ist am Ufer – vielleicht ein paar einheimische Fischer? Ich gehe durch das Augebüsch zur Schotterbank und sehe schließlich drei Frauen herumstehen, die fröhlich schnattern und scherzen, jedoch kein Boot am Ufer. Als ich ihnen mit einem lauten „Hallo“ begegne, schauen sie zunächst verdutzt, doch dann ruft mir eine von ihnen entgegen: „Dich kenne ich! Du warst doch mit Marina Galkina in Tschukotka und Karelien unterwegs!?“ Ich bin vollkommen perplex, dass ich hier draußen, mitten in der Wildnis, dazu noch in einem fremden Land, von einer fremden Person erkannt werde... „Ja, das stimmt. Aber woher weißt du das?“ – „Ich habe dich in den Videos gesehen.“ Offenbar hat mein Erscheinen in Marinas Videos einen gewissen Eindruck hinterlassen, zumal ihr YouTube-Kanal über 250.000 Abonnenten zählt. Aber dass ich auch sofort erkannt werde, ist schon sonderbar...

                Als wir gerade ins Gespräch kommen, zum Teil auch auf Englisch, taucht ein Motorboot mit weiteren Frauen auf. Sie alle gehören einer Reisegruppe an, die mit dem Touranbieter „Oimjakon Tours“ zu den Kisiljachy hinaufsteigen wollen. Und da neben den Steuermännern immer nur drei Personen mit Gepäck ins Boot passen, bringen sie ihre Teilnehmer mit insgesamt vier Transfers aus Ust-Nera hierher.
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ID: 3242602

                Wie sich zeigt, besteht die 12er-Gruppe komplett aus Frauen. Ich frage nach, warum das so ist und bekomme als Erklärung, dass es unter den hiesigen Männern nicht üblich sei, solch organisierte Ausflüge in Anspruch zu nehmen. Wenn sie in die Natur gehen, dann auf eigene Faust zum Fischen oder Jagen. Keiner von ihnen würde jemals Geld für einen Guide ausgeben... Fast alle der angereisten Frauen sind übrigens aus Jakutsk, nur eine aus Moskau (ganz rechts im Bild), in der Mitte sitzend diejenige, die mich erkannt hat.
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                Sie planen zwei Nächte oben zu bleiben, in etwa da, wo auch ich mein Lager hatte. Von dort wollen sie dann morgen bis zum 1600er Gipfel ausschwärmen.
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                Ich mache es mir derweil in der Taiga gemütlich und erwarte jeden Moment Njurgun, doch er taucht nicht auf. Via Sat-Messenger schicke ich ihm eins SMS und eine E-Mail mit der Bitte um Antwort, falls sich sein Plan wieder geändert haben sollte.
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                Schon bevor ich zu den Steinsäulen hinaufgestiegen bin, hatte ich die Anlegestelle wie abgesprochen mit einer hellen Tüte markiert. Da ich jetzt aber versteckt im Wald übernachte, zeichne ich noch Pfeile in den Sand, damit Njurgun auch im Dunkeln den Pfad zum Lagerplatz finden kann.
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                „Es gibt einen Weg, den keiner geht, wenn du ihn nicht gehst.“
                Meine bisherigen Reisen

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                • bikevagabond
                  Erfahren
                  • 22.11.2013
                  • 236
                  • Privat

                  • Meine Reisen

                  #48
                  Am nächsten Morgen wieder Kaiserwetter vom Feinsten!
                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole379.jpg Ansichten: 0 Größe: 158,0 KB ID: 3242612

                  Von Njurgun noch immer keine Spur, auch über den Sat-Messenger keine Antwort. Hat er es sich vielleicht anders überlegt? Oder ist er einfach nur eine weitere Nacht in der Unterkunft geblieben? Ich warte noch ein paar Stunden, lade Akkus, bade im Fluss, wasche Sachen und starre dabei immer wieder gebannt in die Richtung, aus der er kommen würde – doch er kommt nicht. Als die Sonne ihren Zenit erreicht, entscheide ich mich schließlich, ohne ihn weiterzufahren. In einer Tüte, die ich an einen Stock binde, hinterlasse ich ihm folgende Notiz: „Ich bin weitergefahren. Wenn wir uns nicht mehr treffen, deponiere ich den Vodka für deinen Freund am Beginn des Weges.“
                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole380.jpg Ansichten: 0 Größe: 191,2 KB ID: 3242614

                  Dann steige ich ins Boot und lasse mich von der nicht mehr ganz so flotten Strömung den umso malerischeren Fluss hinuntertreiben.
                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole381.jpg Ansichten: 0 Größe: 124,2 KB ID: 3242621

                  Auch auf den folgenden Gipfelgraten zeigen sich immer wieder eindrucksvolle Kisiljachy-Reihen. Diese sind jedoch etwas weiter vom Fluss entfernt (mind. 10 km) und damit nicht so einfach erreichbar, wie die populären Felsformationen unmittelbar hinter Ust-Nera.
                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole382.jpg Ansichten: 0 Größe: 134,5 KB ID: 3242649

                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole383.jpg Ansichten: 0 Größe: 108,4 KB ID: 3242650

                  Da sich am weiterführenden Flusslauf noch ein paar kleinere Siedlungen ohne Anbindung zur Kolyma-Trasse befinden, verkehren hier regelmäßig Motorboote mit Einheimischen. Zwei kamen mir schon entgegen, nun folgt ein drittes von hinten, während ich schon 30 km zurückgelegt habe. Doch wen sehe ich da!? Auch Njurgun ist auf diesem Boot und winkt mir schon von weitem zu...
                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole384.jpg Ansichten: 0 Größe: 162,1 KB ID: 3242613

                  Er hat sich von diesem zufällig vorbeikommenden Motorboot spontan mitnehmen lassen, um mich einzuholen (er erreichte den vereinbarten Treffpunkt nur eine Stunde nach meiner Abfahrt). Nun lässt er sich absetzen und erzählt mir, was vorgefallen ist.
                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole385.jpg Ansichten: 0 Größe: 195,3 KB ID: 3242616

                  Als er am Morgen vor drei Tagen in Ust-Nera ankam, das Boot zusammenfaltete und sich zur Gästeunterkunft begab, hatte er am Anleger sein Paddel vergessen. Bemerkt hat er dies allerdings erst am gestrigen Abend, als er das Boot wieder aufbaute und lospaddeln wollte. Doch das Paddel lag schon längst nicht mehr da, wahrscheinlich hatte es ein Fischer in seinen Container verschlossen. Also ging Njurgun zurück zur Gostinica und baute sich aus Blechteilen und einer Holzleiste ein Ersatzpaddel. Gestartet sei er damit erst heute Vormittag.
                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole386.jpg Ansichten: 0 Größe: 132,3 KB ID: 3242618

                  Njurgun ist auf einmal unverhofft gesprächig, von schlechter Stimmung oder vorwurfsvollen Äußerungen keine Anzeichen. Er berichtet mir noch frei heraus, dass er für die Auslieferung seines Zielfernrohrs die Polizei in Jakutsk einschalten musste, denn es deutete einiges darauf hin, dass sich der Taxifahrer das Paket behalten hatte, anstatt es nach Ust-Nera auszuliefern. Daraufhin stattete die Polizei ihm einen Besuch ab – und siehe da: das Zielfernrohr war noch bei ihm (er tat wohl so, als ob er es vergessen hätte)... Erst danach kam es zur Auslieferung. Das alles hatte Njurgun schon versucht zu klären, während wir den ersten Abschnitt der Indigirka hinunter paddelten. „Es war eine stressige Situation für mich“, fügt er noch hinzu. Das könnte eine Erklärung sein, warum er sich die ganze Zeit so wortkarg und zurückgezogen zeigte.
                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole387.jpg Ansichten: 0 Größe: 223,9 KB ID: 3242615

                  Eine gewisse Anspannung scheint nun von ihm abgefallen zu sein und so treiben wir nun das erste Mal gemeinsam den Fluss hinunter und staunen gemeinsam über die spektakulären Uferabbrüche.
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                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole389.jpg Ansichten: 0 Größe: 236,8 KB ID: 3242623

                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole390.jpg Ansichten: 0 Größe: 288,6 KB ID: 3242622

                  Njurguns neues Paddel ist vergleichsweise schwer und doch benutzt er es jetzt häufiger, als zuvor sein altes. Es ist genau die Mischung, die mir gefällt: ein bisschen paddeln, ein bisschen treiben lassen, dabei ein bisschen Quatschen und die Landschaft genießen. Irgendwie scheinen wir uns heute zu verstehen.
                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole391.jpg Ansichten: 0 Größe: 145,5 KB ID: 3242625

                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole392.jpg Ansichten: 0 Größe: 107,7 KB ID: 3242619

                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole393.jpg Ansichten: 0 Größe: 132,6 KB ID: 3242630

                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole394.jpg Ansichten: 0 Größe: 116,1 KB ID: 3242624

                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole395.jpg Ansichten: 0 Größe: 67,9 KB ID: 3242626

                  Der Flusslauf und die Landschaften begeistern mich. Es ist eine wahre Freude, über genau diese Wasserstraße in das Herz des Tscherskigebirges einzutauchen. Einziger Makel: die nicht ganz saubere Wasserqualität. Gerade hier in diesem Teil des Gebirges ist der Goldbergbau besonders aktiv. Es gibt etliche Minen, die einen Haufen Dreck produzieren, der dann über die Seitenzuflüsse in die Indigirka gespült wird. Spätestens seit Ust-Nera versuchen wir deshalb unser Trinkwasser nur noch aus kleineren Bächen zu schöpfen, die von zweifelsfrei unberührten Berghängen hinabrinnen. An schönen Plätzen zum Übernachten scheint es hier nicht zu mangeln und so erkunde ich nach Sonnenuntergang die ersten grasigen Uferbereiche, die auch einen lohnenswerten Ausblick in die Weite versprechen.
                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole396.jpg Ansichten: 0 Größe: 179,0 KB ID: 3242627

                  Doch dann erfahre ich von Njurgun, dass er noch unbedingt bis zur Bergarbeitersiedlung Predporozhnyj paddeln will (von den Einheimischen Jubilejnyj genannt) – mit der Begründung, dass es in Menschennähe weniger Bären gäbe und dass ihm das unnötige Auf- und Abbauen des Zeltes zu lästig sei. Das überzeugt mich aber nicht, auf eine Übernachtung in dieser malerischen Natur zu verzichten, zumal ich den oftmals heruntergekommenen Arbeitersiedlungen absolut nichts abgewinnen kann. Wir entscheiden uns also mal wieder, an getrennten Orten zu übernachten – Njurgun in Predporozhnyj, ich noch davor am Ufer.
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                  Kaum sind wir auseinander, finde ich am linken Ufer einen herrlichen Platz mit Feuerstelle. Es ist ein offener Lärchenwald mit trocken-sandigem Boden – perfekt zum Zelten! Flugs richte ich mich ein und genieße schon bald am Feuer sitzend den stimmungsvollen Abend. Während ich mir einen Topf Buchweizen mit Trockengemüse koche, blicke ich über den still strömenden Fluss in das magische Licht der Mitternachtsdämmerung. Dann steigt auf einmal der Mond über die Berge und am Ufer hüpft sorglos ein Kaninchen vorbei. Wenig später sehe ich noch seltsames Tier durch den Fluss an mein Ufer schwimmen, doch als ich hinunter gehe, um es besser zu sehen, versteckt es sich sofort.
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                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole401.jpg Ansichten: 0 Größe: 132,5 KB ID: 3242635

                  In der Nacht gibt es frische 2°C, die mich tief in meinen Schlafsack kriechen lassen. Doch sobald am Morgen die Sonne hochsteigt, lockt der Tag sofort zu neuem Tatendrang.
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                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole405.jpg Ansichten: 0 Größe: 168,2 KB ID: 3242648

                  Eine halbe Stunde flussab erreiche ich schließlich die Siedlung Predporozhnyj. Früher war es ein richtiges Dorf, jetzt ist es nur noch eine große Basis für die hiesigen Bergarbeiter. Handynetz gibt es hier keins, auch keine Läden, in denen man noch etwas einkaufen könnte. Karpuchin schrieb in seinem Bericht von 2013 über diesen Ort:

                  „Der Name Predporozhnyj wird hier selten verwendet, jeder nennt die Siedlung Jubilejnyj. In den fünfziger Jahren wurde sie als reine Schürfsiedlung gegründet. Im Bezirk gibt es viele alluviale Goldvorkommen, die den Bau der Siedlung wahrscheinlich rechtfertigten. Aber jetzt haben sich die Zeiten geändert und die meisten Bergbaudörfer im Land sind geschlossen. Im Jahr 2007 wurde auch Jubilejnyj geschlossen, mittlerweile wohnt hier fast niemand mehr, nur das Artel arbeitet noch saisonal und nutzt die Ressourcen seines früheren Wohlergehens. Ungefähr zweihundert Menschen arbeiten. Alles ist voller Trostlosigkeit und Verfall. Und es ist unwahrscheinlich, dass es hier jemals wieder zu einer Wiederbelebung kommen wird.“

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                  Als ich mich gegen 11 Uhr dem alten Schiffsanleger nähere, sehe ich Njurgun am Ufer auf mich warten. Ich lande neben ihm an und erfahre, dass er die Nacht im Umspannwerk am oberen Dorfrand verbracht hat. Er ist einfach hin und hat die dort ansässigen Leute nach einem Platz für die Nacht gefragt und die haben ihn bereitwillig aufgenommen und mit allem versorgt. Plötzlich geht mir ein Licht auf, warum er so erpicht war, noch diesen Ort zu erreichen, denn als Gast unter Menschen bekommt er in der Regel auch zu Essen und schont damit seine knappen Proviantreserven. „Rund um Ust-Nera +/- 200 km gibt es Goldminen, die uns mit Essen verwöhnen können“, schrieb er mir schon in der Vorbereitungsphase.

                  Einen kurzen Blick in die Siedlung will ich dann auch noch werfen, aber just in dem Moment kommt mir ein unfreundlicher Kerl entgegen, der mich forsch ermahnt, dass hier für Fremde kein Zutritt ist: „Zakryto – der Ort ist geschlossen!“ Auch Njurgun hätte er am Morgen schon angeschnauzt. Es stellt sich heraus, dass er der Wächter der Basis ist, offenbar im Auftrag seiner Bergbaufirma. Doch dann zeigt er sich auf einmal auskunftsfreudig, was die Geologenpisten der Umgebung angeht und zeichnet uns ein paar Varianten in den Sand.
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                  Njurgun beharrt nämlich schon seit längerem darauf, eine komplett andere Route einzuschlagen, um einer mutmaßlichen Wegeverbindung zu folgen, die uns über mehrere Pässe und an vielen Gruben vorbei zum Oberlauf der Adytscha führen würde – als Alternative zum Tscharky. „Dort gibt es Menschen und WiFi. Und ein Gulag mit unbekannten deutschen Soldaten, das ist interessant!“ Mich aber begeistert dieser Vorschlag überhaupt nicht, denn er wäre mit einem großen Umweg zurück zur Kolymatrasse verbunden, wobei wir ein paar Abschnitte auch noch per Anhalter fahren müssten. Ein solcher Tourverlauf wäre vollkommen konträr zu meiner ursprünglichen Idee, dem Hauptkamm des Tscherkigebirges so nah wie möglich zu kommen und dabei tief in die menschenleere Wildnis einzutauchen. Nun ausgerechnet die geschundenen Bergbaulandschaften mit all ihren Minen und Gruben in den Fokus zu setzen, darauf habe ich absolut keine Lust...

                  „Njurgun, ich habe mehrere Wochen alle Möglichkeiten analysiert. Glaub mir, die Route durch das Injali-Tal zum Tscharky ist nicht nur die schönere, es ist auch die kürzeste und leichteste.“ – „Aber die Leute hier sagen, dass es im Injali-Tal keinen Weg gibt, dafür aber viele große Steine.“ – „Es muss einen Weg geben, auf den Satellitenbildern war eine deutliche Spur zu erkennen! Und die Steine dort sind normal, zumindest an der Mündung des Injali, ich habe es auf den Bildern des Fotografen Karpuchin gesehen. Aber ja, es kann sein, dass du mit deinem Fahrrad Probleme haben wirst. Lass uns erstmal deinen Kollegen in den Bergen besuchen und dann entscheiden.“ Soweit wir in Erfahrung bringen konnten, gibt es von dort noch eine letzte Verbindungspiste, über die sich Njurguns Alternativplan umsetzen ließe. (Wörtliche Rede ist übrigens immer sinngemäß zu verstehen, ich habe nichts aufgenommen, kann mich aber an viele Diskussionen noch gut erinnern, wobei es einige prägnante Aussagen auch ins Tagebuch geschafft haben...)

                  Nach einer halben Stunde legen wir dann endlich ab und lassen uns von der Strömung weiter nach Norden treiben. Der Wind weht immer noch aus Gegenrichtung, zeitweise auch recht frisch, aber er bremst uns zum Glück kaum aus. Njurgun hat jetzt übrigens sein altes Paddel wieder. Er hatte seine gestrigen Motorbootfahrer darum gebeten, es bei Gelegenheit hinterher zu bringen, da sie wussten, in welchem Container es eingeschlossen wurde.
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                  Als ich am linken Ufer einen kleinen Bach erspähe, fülle ich meine Trinkwasserreserven auf und nutze die Gelegenheit für einen kleinen Rundumblick.
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                  Kurz darauf erreichen wir schon die Stelle, von der wir in die Berge gehen wollen, um Njurguns alten Kollegen zu besuchen. Es ist der Mündungsbereich eines Flusses, der wie so viele andere eine dreckig-braune Brühe in die Indigirka spült...
                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole415.jpg Ansichten: 0 Größe: 135,8 KB ID: 3242633
                  Zuletzt geändert von bikevagabond; 08.02.2024, 17:57.
                  „Es gibt einen Weg, den keiner geht, wenn du ihn nicht gehst.“
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                    #49
                    Irgendwo hier beginnt eine Piste, die uns über ein kleines Seitental direkt zur Hütte des Einsiedlers führen soll. Etwa 8 km Wegstrecke liegen vor uns, also bauen wir unsere Räder auf und bepacken sie mit dem Nötigsten, um für einen kleinen Ausflug mit Übernachtung gerüstet zu sein.
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole416.jpg Ansichten: 0 Größe: 169,9 KB ID: 3242656

                    Der Anfang der Piste ist jedoch alles andere als einfach, im Sommer scheint hier niemand langzukommen.
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole417.jpg Ansichten: 0 Größe: 281,9 KB ID: 3242658

                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole418.jpg Ansichten: 0 Größe: 282,1 KB ID: 3242654

                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole419.jpg Ansichten: 0 Größe: 210,6 KB ID: 3242655

                    Wir müssen irgendwie den Hauptweg erreichen, der sich direkt im Flussbett befindet. Doch dann behindert uns ein Sumpf am Weiterkommen. Njurgun checkt seine Offline-Satellitenbilder, scheint einen „guten“ Parallelweg zu erkennen und rennt mit seinem Rad kurzerhand in den Wald hinein. Ein paar Meter folge ich ihm durch das dichte Gestrüpp, doch es taucht kein Weg auf, nicht mal ein Pfad. „Es ist sinnlos, hier gibt es keinen Weg!“, rufe ich ihm hinterher. „Doch, der Weg muss hier irgendwo sein!“, höre ich noch, während um ihn herum das Unterholz kracht. „Nein, zurück! Wir sollten umkehren!“ Doch es ist nichts zu machen, Njurgun geht einfach weiter und verschwindet nun endgültig im Dickicht. Ok, dann warte ich einfach, bis er ein Einsehen hat und zurück kommt. Falls er zurück kommt... Ich warte eine gefühlte Ewigkeit, will schon aufbrechen und auf meine Weise den richtigen Weg suchen, da kommt er doch noch zurück, ohne Rad, und erklärt mir, dass er den Parallelweg tatsächlich gefunden hätte. „Der Weg ist gut, besser als der Hauptweg, weil man hier nicht ständig durch den Fluss laufen muss.“ Er nimmt mich mit bis zu einer Stelle, an der sich eine vollkommen zugewachsene Fahrspur durch die Taiga zieht. Hier ist schon seit Jahren oder gar Jahrzehnten keiner mehr gefahren, aber es scheint immer noch eine durchgehende Schneise zu geben. „Also gut, dann lass es uns versuchen.“

                    Gemeinsam folgen wir nun der Spur, Njurgun zu Fuß voraus, ich mit dem Rad hinterher. Gleich müssten wir über Njurguns Rad stolpern, er hatte es auf dem Weg abgelegt, bevor er zu mir zurückgegangen ist. Doch wo ist es jetzt? Es hätte schon längst auftauchen müssen. „Wir sind auf einem anderen Weg“, stellt Njurgun irgendwann fest. Sein Rad liegt offenbar auf einer parallelen Spur. „Geh schon mal vor, ich komme gleich nach. In 500 Metern endet der Wald, dort treffen wir uns wieder.“ Dann verschwindet er erneut im Dickicht und ich schiebe mein Rad alleine weiter, in der Hoffnung, das besagte Ende des Waldes rasch zu erreichen.
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                    Doch der Wald endet nicht, auch nach einem Kilometer nicht. Es geht durch versumpfte Wasserlöcher, durch dichtes Gebüsch, teilweise auch durch den Wald daneben. Es ist ein grauenvoller Weg, der mich vollkommen frustriert. Warum habe ich mich nur darauf eingelassen? Ab und zu höre ich Rufe aus der Ferne, Njurgun scheint noch weit hinter mir zu sein. Ich rufe einfach zurück, damit er ungefähr verorten kann, wo ich bin, so wie es Pilzsammler tun, die einander nicht verlieren wollen... Dann endlich eine Lichtung, an der es einen Abzweig nach rechts gibt. Ich erkunde ihn zu Fuß – er führt direkt zum Flussbett, in dem sich auch der Hauptweg befindet. Das Wasser ist klar und überhaupt nicht tief, sogar eine Motorradspur entdecke ich im feuchten Sand. Welch eine Erleichterung! Ich hinterlasse eine Notiz, damit Njurgun weiß, dass ich hier abgebogen bin.
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                    Wären wir doch gleich auf den Hauptweg gegangen, der ist in einem tadellosen Zustand!
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                    Schließlich taucht eine alte Grube auf und ich entscheide mich zu warten. Wenn der Wald irgendwo zuende sein soll, dann hier...
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                    Über eine Stunde harre ich aus, doch Njurgun taucht nicht auf. Sollte er sein Fahrrad immer noch nicht wiedergefunden haben? Wieder einmal hinterlasse ich eine Notiz und fahre weiter. Das Ziel ist ja klar, also sollten wir uns spätestens an der Hütte des Goldsuchers treffen. Ein paar Kilometer weiter erreiche ich dann eine Fläche mit mehreren alten und einer neuen Hütte. Sollte es das hier schon sein? Ich schaue mich um, doch niemand ist da. Der Ort scheint eine verlassene Basis zu sein – mit Haupthaus zum Übernachten, einer Banja zum Schwitzen und einem „Bistro“ zum Speisen.
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                    Hier wurde einst das Essen ausgeteilt...
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                    Ich will schon umkehren und zurückfahren, da bemerke ich eine unscheinbare Fortsetzung des Weges. Sie führt ein weiteres Nebental hinauf, immer dicht am klaren Wasserlauf entlang. Der Zustand der Piste wird jedoch zusehends schlechter, immer öfter muss ich absteigen und mein Rad über grobes Geröll schieben. Gerade erreiche ich eine Furt, da kommt mir plötzlich ein Mann mit Gewehr entgegen. Er torkelt ein wenig, scheint angetrunken zu sein und bemerkt mich erst, als er über ein paar größere Steine steigt. Just in dem Moment nimmt er sein Gewehr von der Schulter und schwenkt es in meine Richtung... Verdammt! Will der etwa auf mich schießen!??

                    In Sekundenbruchteilen rasen mir die wildesten Gedanken durch den Kopf: Njurguns Kumpel, Einsiedler, liebt Vodka, jetzt im Vollrausch – mit seinem getrübten Blick könnte er mich für einen Bären halten... Panisch reiße ich mein Rad herum, steige auf und rase wie ein Irrer das Tal hinunter. „Das gefährlichste Tier ist immer noch der Mensch“, geht es mir durch den Kopf. Erst als ich die alte Basis passiere, gönne ich mir eine kurze Verschnaufpause und ziehe mir etwas über, da die Abfahrt um einiges frischer war, als der Aufstieg. Was für ein bekloppter Ausflug, ich will nur noch zurück an den Fluss und friedlich weiterpaddeln.

                    Doch dann höre ich einen Schuss und zucke abermals zusammen. Sollte mir der Kerl wirklich so schnell gefolgt sein? Ich bin gerade 2 km in Windeseile talabwärts gerast – unmöglich, das kann nicht sein! Vielleicht ist es Njurgun, der inzwischen die Basis erreicht hat, mich vorbeihuschen sah und mir mit dem Schuss ein Signal setzen wollte. „Njurgun!?“, rufe ich laut. Doch als Antwort vernehme ich nur ein leises Murmeln. Gebannt starre ich in die Richtung, aus der es gerade herkam, als plötzlich wieder die dunkle Gestalt mit dem Gewehr auftaucht. Scheiße! Wie hat er das nur geschafft, mir so schnell zu folgen!?? Diesmal ist er schon so nah, dass ich keine Chance mehr habe, davonzulaufen. „Ich bin ein Mensch – kein Bär“, rufe ich in meiner Verzweiflung und hoffe, dass er noch rechtzeitig zur Besinnung kommt...

                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole434.jpg Ansichten: 0 Größe: 196,7 KB ID: 3242672

                    Fortsetzung folgt...
                    Zuletzt geändert von bikevagabond; 15.02.2024, 12:58.
                    „Es gibt einen Weg, den keiner geht, wenn du ihn nicht gehst.“
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                    • Blahake

                      Fuchs
                      • 18.06.2014
                      • 1396
                      • Privat

                      • Meine Reisen

                      #50
                      Boah, nee, wie kannst Du uns mit so nem Cliffhänger hier zappeln lassen!?
                      Das haben Deine Berichte doch gar nicht nötig!

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                      • agricolina
                        Erfahren
                        • 05.05.2016
                        • 243
                        • Privat

                        • Meine Reisen

                        #51
                        Fantastisch! (Bilder!Route!Abenteuer!)
                        Gruselig! (Psychokrieg! Bärenspuren! Menschenjagd!)
                        Unmöglich! (Cliffhanger!!! Geht gar nicht !)

                        Meine Nerven…bitte sofort weiterschreiben…
                        Ganz großer Roman hier, vielen Dank zwischendrin noch mal.

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                        • bikevagabond
                          Erfahren
                          • 22.11.2013
                          • 236
                          • Privat

                          • Meine Reisen

                          #52
                          An dieser Stelle konnte ich einfach nicht anders 😁
                          Ich schreibe nächste Woche weiter...
                          „Es gibt einen Weg, den keiner geht, wenn du ihn nicht gehst.“
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                          • sibirier
                            Dauerbesucher
                            • 17.10.2010
                            • 808
                            • Privat

                            • Meine Reisen

                            #53
                            Zitat von bikevagabond Beitrag anzeigen
                            An dieser Stelle konnte ich einfach nicht anders 😁
                            Ich schreibe nächste Woche weiter...
                            😂😂😂 Klasse! Richtig nach dem Quentin Tarantino )))
                            https://www.facebook.com/groups/1670015459892254/

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                            • sibirier
                              Dauerbesucher
                              • 17.10.2010
                              • 808
                              • Privat

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                              #54
                              Eins können wir ganz sicher behaupten : Der Typ mit dem Gewehr hat Richard nicht umgebracht...

                              Ob Richard ihn umgebracht hat ?...hm...warten wir mal ab...😀
                              Zuletzt geändert von sibirier; 09.02.2024, 18:50.
                              https://www.facebook.com/groups/1670015459892254/

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                              • Mortias
                                Fuchs
                                • 10.06.2004
                                • 1175
                                • Privat

                                • Meine Reisen

                                #55
                                Ok, das ist jetzt schon etwas mies mit diesem Cliffhanger zu enden. 😅 Aber andererseits zeigt es auch Dein Schreibtalent. Denn der Bericht ist wirklich super spannend und anschaulich geschrieben. 👍 Den will man am liebsten in einem Rutsch durchlesen. Aber wenn ich den Bericht mit den anderen Touren vergleiche, über die Du geschrieben hast, habe ich schon ein wenig das Gefühl, dass nicht dasselbe Maß an Spaß aufkommen mag. Ist natürlich schade, dass Du durch Deine Reisebegleitung teilweise soviel Stress und Ärger hattest. Hoffe für den weiteren Tourverlauf mindert sich das dann, so dass das Erleben dieser genialen Landschaft klar im Vordergrund steht. 😎

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                                • Dado
                                  Neu im Forum
                                  • 09.02.2024
                                  • 1
                                  • Privat

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                                  #56
                                  Dein Bericht ist einfach fantastisch Richard, so etwas spannendes habe ich lange nicht mehr gelesen. Wie bestimmt viele andere in diesem Forum warte ich ungeduldig auf die Fortsetzung ☺️

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                                  • bikevagabond
                                    Erfahren
                                    • 22.11.2013
                                    • 236
                                    • Privat

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                                    #57
                                    Zitat von sibirier Beitrag anzeigen
                                    Ob Richard ihn umgebracht hat ?...hm...warten wir mal ab...😀
                                    😂😂 Um es vorweg zu nehmen: in diesem Bericht wird es keine Toten geben...
                                    Aber ja, es war nahe dran 😋

                                    Zitat von Mortias Beitrag anzeigen
                                    Hoffe für den weiteren Tourverlauf mindert sich das dann, so dass das Erleben dieser genialen Landschaft klar im Vordergrund steht. 😎
                                    Das wird es auf jeden Fall noch, auch wenn mich die Differenzen noch lange beschäftigt haben.

                                    Ansonsten will ich euch mal nicht länger auf die Folter spannen.
                                    Es kommt natürlich immer anders, als man denkt...
                                    „Es gibt einen Weg, den keiner geht, wenn du ihn nicht gehst.“
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                                    • bikevagabond
                                      Erfahren
                                      • 22.11.2013
                                      • 236
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                                      #58
                                      Ich stehe also mit meinem Fatbike wie erstarrt auf dem Weg und sehe, wie der Kerl mit dem Gewehr langsam auf mich zu kommt. Diesmal behält er seine Waffe auf der Schulter und scheint meine letzten Worte verstanden zu haben. „Ja nje plochoj tschelovek, ja drug! – Ich bin kein Bandit, ich bin ein Freund!“, entgegnet er mir. Es fällt mir schwer, ihm zu vertrauen und so rastere ich aufmerksam jede seiner Bewegungen. Doch dann fällt mir auf, dass ich mit meiner ersten Einschätzung vollkommen daneben lag, denn er ist überhaupt nicht betrunken, lächelt sogar und reicht mir schließlich die Hand. „Mein Name ist Salach. Ein Jakut hat mich geschickt, um nach einem Radfahrer Ausschau zu halten.“ Das kann nur Njurgun gewesen sein. Ist er etwa schon da? Wie ist er an mir vorbei? Warum hat er mir kein Zeichen hinterlassen? In meinem Kopf drehen sich die Gedanken, um alles neu zu ordnen. „Warum hast du das Gewehr auf mich gerichtet, als du mich kommen sahst?“, frage ich Salach. „Du meinst an der Furt? Ich habe das Gewehr von der Schulter genommen, um damit besser über die Steine springen zu können.“ – „Und ich dachte, du wärest betrunken und wolltest auf mich schießen...“„Ich habe mich schon gewundert, warum du davonläufst“, erwidert er lachend. Ich bin also vor einem friedlichen Menschen geflüchtet, weil mir die Wahrnehmung einen Streich gespielt hat – was für ein peinlicher Irrtum! „Komm, lass uns zur Hütte gehen“, sagt Salach und setzt zum Rückweg an.
                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole435.jpg Ansichten: 233 Größe: 143,7 KB ID: 3243602

                                      Eben noch auf der Flucht, folge ich nun meinem vermeintlichen Verfolger. Wir gehen zu Fuß – er voran, ich mit meinem Rad hinterher. Salach ist jung, wahrscheinlich viel jünger als der Einsiedler, und fit wie ein Turnschuh – ein Sportsmen, wie er selber sagt. Es stellt sich heraus, dass er aus der Kaukasusrepublik Ossetien kommt und mit beim Einsiedler wohnt, allerdings nur über die Sommermonate, um in den Bergen jagen zu können. Gegen halb Acht am Abend erreichen wir endlich die Hütte, die in Wahrheit ein kleiner aufgebockter Container ist. Davor an einem Feuer sehe ich Njurgun mit einem alten Mann ausgelassen schwatzen.
                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole436.jpg Ansichten: 235 Größe: 221,2 KB ID: 3243599

                                      Als Salach die Geschichte unserer Begegnung erzählt, herrscht allgemeine Erheiterung. Inzwischen muss ich selber schmunzeln und lasse mich von der lockeren Stimmung mitreißen.
                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole437.jpg Ansichten: 238 Größe: 215,1 KB ID: 3243597

                                      Das ist übrigens Salachs Motorrad, dessen Spuren ich im Flussbett sah. Er ist damit aus Ust-Nera bis hierher gefahren – über wilde Schotterpisten quer durch die Berge. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir nicht bewusst, dass die fahrbaren Verbindungen soweit ins Hinterland hineinreichen. Wobei „fahrbar“ ein irreführender Begriff ist, denn eigentlich sind diese Wege nur für große Trucks und Kettenfahrzeuge geeignet. Aber wer sich mit all den Schwierigkeiten arrangieren kann, versucht es unter Umständen auch mit einem Fahrrad ;)
                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole438.jpg Ansichten: 234 Größe: 266,9 KB ID: 3243600

                                      Nun lerne ich endlich Saurbek, den Einsiedler kennen. Auch er ist Kaukasier, halb Kabardiner, halb Inguschete, und bereits 68 Jahre alt. Seit 10 Jahren lebt er schon an diesem Ort, verbringt auch die Winter bei -60°C hier draußen und ist dabei die ganze Zeit auf sich gestellt. Sein Job: Geologe, zumindest früher, jetzt dürfte er in Rente sein. Vor vier Jahren arbeitete auch Njurgun hier, zwei Monate am Ende des Winters, im März und April 2019. Er wohnte damals als Einziger in der jetzt verlassenen Basis und kam jeden Tag hier hoch gestiefelt, um „Holz aus dem Wald zu holen“. Offenbar eine prägende Zeit, in der er Saurbek gut kennen und vor allem schätzen lernte: „Er war Mentor, Lehrer und Inspiration für mich“, sagt Njurgun. Umso größer ist nun die Wiedersehensfreude, denn sie hatten sich seit dieser Zeit nicht mehr gesehen...

                                      Während wir uns unterhalten, köchelt über dem Feuer vor der Hütte ein großer Kessel Wasser. Als er endlich heiß genug ist, gibt es Tee und eine satte Portion Nudeln mit Konservenfleisch und Knoblauch, daneben noch ein paar Kartoffeln mit Salz. Die erste der zwei mitgebrachten Vodkaflaschen machte schon bei meiner Ankunft die Runde, nun wird auch die zweite gekappt.
                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole439.jpg Ansichten: 231 Größe: 116,9 KB ID: 3243601

                                      Saurbek ist ein angenehmer Gesell – gastfreundlich, aufgeschlossen und auch jetzt nach einigen Gläschen Vodka vollkommen klar im Geiste. Die Goldsucherei sei nur ein Hobby, wie er sagt, und zeigt uns stolz seinen jüngsten Fund: drei kleine Nuggets, die zusammen drei Gramm auf die Waage bringen. Da ein Gramm mit 4000 Rubel gehandelt wird, könnte dieser Fund insgesamt 12.000 einbringen (entspricht dem Wert einer Autofahrt von Ust-Nera nach Jakutsk).
                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole440.jpg Ansichten: 227 Größe: 101,6 KB ID: 3243605

                                      Nach dem Essen zeigen uns Saurbek und Njurgun noch, wie das Gold aus dem Bach gewaschen wird.
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                                      Kurz vor Mitternacht sucht sich dann jeder von uns einen Platz zum schlafen. Während sich Njurgun in den Kleinbus nebenan absetzt, lege ich mich zu Salach und Saurbek in den Container (es gibt drei Pritschen mit Matratzen).
                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole443.jpg Ansichten: 226 Größe: 69,4 KB ID: 3243604

                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole444.jpg Ansichten: 230 Größe: 129,4 KB ID: 3243611

                                      Herrliches Konstrukt der Neuzeit: Über Sauerbeks Pritsche hängt eine Handyhalterung aus Draht, um sich vor dem Einschlafen noch einen Film anzuschauen.
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                                      Keine drei Stunden Nachtruhe vergehen, da höre ich auf einmal ein Motorengeräusch – ein Kamaz kommt angerollt und mit ihm zwei neue Gäste, die sich ohne Umschweife in die Hütte begeben. Es ist Artur, der Vater von Salach, der mit einem jakutischen Kollegen aus Ust-Nera gekommen ist, um den beiden Einsiedlern neue Lebensmittelvorräte zu bringen. Acht Stunden hat die Fahrt gedauert, deshalb ist der Hunger groß und Sauerbek, der eben noch fest schlief, kümmert sich sofort um deren Wohlergehen. Bei der Gelegenheit landet auch gleich ein neuer Vodkavorrat auf dem Tisch – abgefüllt in einen 5 Liter-Plastikkanister. Es wird also nach dem Essen noch ordentlich gebechert, angeregt diskutiert und dabei ständig geraucht, bis die Luft so dick ist, dass ich es nicht mehr aushalte...
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                                      Nach anderthalb Stunden kratze ich die Kurve und begebe mich mit meinem Schlafsack etwa 50 m hinter die Hütte. Zum Glück gibt es in dieser lauen Nacht keine Mücken, sonst hätte ich wohl kaum eine Chance gehabt, mein Schlafdefizit auszugleichen.
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                                      Ich bleibe liegen, bis in dem kleinen Goldsucherposten wieder etwas Bewegung aufkommt. Aus meinem Schlafsack, den ich der Helligkeit wegen weit über meinen Kopf gezogen habe, schäle ich mich aber erst, als ich jemanden direkt neben mir vorbeistiefeln höre. Es ist Njurgun, der mich mit einem mahnenden Hinweis begrüßt: „Man sollte nicht auf einem Weg schlafen, dort gibt es paranormale Bewegungen.“„Okay, wo hätte ich denn sonst liegen sollen? Ich habe gut geschlafen.“ Wieder einmal wird mir bewusst, dass Njurgun in ganz anderen Kategorien denkt als ich, dass er jemand ist, der mit diesem Land und seinem Glauben eng verbunden zu sein scheint. Ihn näher kennenzulernen, bedeutet wahrscheinlich auch, einen Blick in die Seele der Einheimischen zu bekommen, die hier in den Bergen ihr Leben und ihr Auskommen haben. Und doch könnten die Charaktere der hier zusammengefundenen Truppe kaum unterschiedlicher sein. Das wird besonders deutlich, als es zum Frühstück wieder Vodka und ein paar hitzige Diskussionen gibt. Dabei geht es auch um den Krieg, um Putin, die Wagner-Söldner – jeder hat seine eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren Hintergründe. Von den Details verstehe ich leider nur wenig, dazu ist mein Russisch nach wie vor zu schlecht. Ich sehe nur, wie Saurbek so manche verschwörerische Theorie Njurguns abwinkt, während Artur, der schon im Tschetschenien-Krieg dabei war, seine Überzeugungen mit ein paar Pistolenschüssen untermauert, und zwar direkt aus dem Container heraus... Beim ersten Mal gehe ich unweigerlich in Deckung, denn ich sitze genau neben der Tür und die Kugeln fliegen nur wenige Zentimeter an mir vorbei. Mir gefällt das überhaupt nicht, zumal schon etwas Vodka floss. Auch Sauerbek hält sich immer wieder die Ohren zu und bittet Artur, damit aufzuhören. Es zeigt sich, dass er eine Abneigung gegen Waffen hat und trotz seiner selbstversorgerischen Lebensweise nicht mal auf die Jagd geht...
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                                      Ich mache drei Kreuze, als wir uns am frühen Nachmittag endlich zum Aufbruch entscheiden. Da sich Njurgun auf dem Weg hierher einen Platten einfing, hat er sein Rad etwa 2 km talwärts zurückgelassen und geht dieses Stück nun wieder zu Fuß.
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                                      Um Zeit zu sparen, fahre ich vor und versuche die Reifenpanne schon so weit wie möglich zu beheben, Flickzeug hatte ich glücklicherweise mitgenommen.
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                                      Es zeigt sich, dass der Grund für das Loch im Schlauch ein großer Riss im Mantel ist. Njurgun hatte diesen schon einmal von innen abgeklebt, er war also mit einem bereits kaputten Reifen gestartet...
                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole452.jpg Ansichten: 224 Größe: 112,2 KB ID: 3243612

                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole453.jpg Ansichten: 228 Größe: 162,2 KB ID: 3243616

                                      Als Njurgun irgendwann auftaucht, wechseln wir noch den lädierten Reifen von hinten nach vorn – hier sollte er einer geringeren Belastung ausgesetzt sein und hoffentlich bis zum Ende der Tour durchhalten.
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                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole455.jpg Ansichten: 229 Größe: 224,4 KB ID: 3243618

                                      Da ich mit meinem Fatbike über den unwegsamen Grund deutlich besser vorankomme, binde ich mir noch Njurguns Rucksack auf den vorderen Gepäckträger und rolle abermals voraus. Diesmal will ich auf dem Hauptweg im Bachbett bleiben und keinesfalls noch einmal den grässlich verwachsenen Weg durch den Wald nehmen. Doch dann zeigt sich, dass auch dieser nicht ganz einfach zu bewältigen ist, weil das letzte Stück zum Flussufer genauso wenig befahren wird. Die Piste nach Ust-Nera biegt nämlich schon vorher ab und so stehe ich plötzlich an einer meterhohen Abbruchkante.
                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole456.jpg Ansichten: 232 Größe: 299,4 KB ID: 3243621

                                      Irgendwie finde ich dann aber doch noch eine Schneise, die mich auf nur wenigen hundert Metern durch das Bachbett direkt zum Ausgangspunkt führt – Glück gehabt!
                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole457.jpg Ansichten: 230 Größe: 254,7 KB ID: 3243619

                                      Zurück an der Indigirka.
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                                      Eine halbe Stunde nach mir ist auch Njurgun wieder da. Er wählte abermals die verwachsene Schneise durch den Wald, da er dort hinzu seine Mütze verlor. Gefunden hat er sie allerdings nicht mehr, dafür einige Pilze, mit denen er sein heutiges Abendessen aufpeppen will. „Willst du von hier auf den Bergbaupisten weiterfahren?“, frage ich ihn. „Oder ist es ok für dich, wenn wir wie geplant über das Injali-Tal in die Berge gehen?“ Er überlegt kurz, doch die Entscheidung scheint schon längst gefallen zu sein: „Lass uns auf der geplanten Route weitermachen.“ Gut möglich, dass ihn der kleine Fahrradabstecher umgestimmt hat, führte er doch über genau solche Pisten, die er als Alternative vorgeschlagen hatte... Im Licht der wärmenden Abendsonne bepacken wir unsere Boote und gehen noch für ein paar Flusskilometer aufs Wasser.
                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole459.jpg Ansichten: 232 Größe: 161,2 KB ID: 3243622

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                                      Zuletzt geändert von bikevagabond; 17.02.2024, 21:27.
                                      „Es gibt einen Weg, den keiner geht, wenn du ihn nicht gehst.“
                                      Meine bisherigen Reisen

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                                      • bikevagabond
                                        Erfahren
                                        • 22.11.2013
                                        • 236
                                        • Privat

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                                        #59
                                        Blick zurück auf das Tal, in dem wir den Einsiedler Saurbek besuchten. Es war ein verrückter Abstecher, der mir einige Male den Puls hochtrieb, aber auch ein sehr interessanter Einblick in das Leben der hiesigen Goldsucher.
                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole461.jpg Ansichten: 198 Größe: 99,6 KB ID: 3243629

                                        Es dauert nicht lange und die Sonne geht unter.
                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole462.jpg Ansichten: 200 Größe: 102,7 KB ID: 3243633

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole463.jpg Ansichten: 201 Größe: 125,9 KB ID: 3243632

                                        Kurz darauf entdecken wir am linken Ufer einen zurückgelassenen UAZ.
                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole464.jpg Ansichten: 204 Größe: 133,1 KB ID: 3243628

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole465.jpg Ansichten: 203 Größe: 222,0 KB ID: 3243630

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole466.jpg Ansichten: 201 Größe: 144,9 KB ID: 3243631

                                        Da zu diesem Ort keinerlei Pisten hinführen, wird das Fahrzeug sehr wahrscheinlich im Winter hierhergelangt sein, denn zur kalten Jahreszeit führt über den gefrorenen Flusslauf der Indigirka eine richtige Eisstraße (auf 1300 km Länge von Ust-Nera bis in die arktische Tundra nach Tschokurdach und Russkoje Ustje). Vor anderthalb Jahren wollte ich diesen vielleicht spektakulärsten Zimnik Jakutiens mit dem Fahrrad befahren – zusammen mit einem Filmteam für die MDR-Sendung BIWAK. Ein Jahr lang hatten wir zusammen an diesem Projektgefeilt, hatten den Touroperator Michail Mestnikov und sogar den Fotografen Sergej Karpuchin im Boot, doch dann kam der Krieg und wir mussten das Projekt komplett abblasen... Umso interessanter ist es für mich, die ursprünglich per Rad geplante Winterroute jetzt per Boot im Sommer zu erschließen.

                                        Als wir uns einer großen Flussbiege mit eindrucksvollen Felswänden nähern, schaukelt sich der Fluss wie schon an einigen Stellen zuvor mit ein paar höheren Wellen auf. Kritische Momente gab es bisher noch keine, die wirklich gefährlichen Stromschnellen würden erst kommen, wenn wir die Indigirka schon verlassen haben.
                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole467.jpg Ansichten: 198 Größe: 109,0 KB ID: 3243635

                                        Es folgt eine wunderschöne Flussschleife, die Karpuchin in seinem Bericht als „Hufeisen“ bezeichnete, so dass ich erneut mit dem Gedanken spiele, an einem seiner Fotospots zu kampieren. Njurgun allerdings möchte wieder an einer „Basis“ übernachten, wobei er die nächste Siedlung namens Arga-Moj bzw. Chatynnach meint. Bis dorthin sind es nur noch wenige Kilometer, also trennen wir uns mal wieder und ich versuche kurz vor dem Ort noch einen guten Platz mit schönem Blick über den Fluss zu finden. Doch zuvor muss ich noch etwas Trinkwasser aufspüren und pirsche eine ganze Weile am Fuße des letzten Steilhangs herum. Dabei stoße ich zum ersten Mal auf die Spuren eines Bären...
                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole468.jpg Ansichten: 201 Größe: 168,6 KB ID: 3243634

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole469.jpg Ansichten: 203 Größe: 215,0 KB ID: 3243636

                                        Das Nachtlager direkt am Fluss ist mal wieder ein Traum. Ich liebe solche stimmungsvollen Plätze, sie sind für mich der krönende Abschluss eines gelungenen Tages.
                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole470.jpg Ansichten: 203 Größe: 182,6 KB ID: 3243638

                                        Als ich am nächsten Tag Arga-Moj erreiche, ist es schon fast 12 Uhr. Doch Njurgun scheint keine Eile zu haben, er stapft mit mir noch einmal hoch in den Ort und setzt sich dort an den Straßenrand.
                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole471.jpg Ansichten: 196 Größe: 117,6 KB ID: 3243637

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole472.jpg Ansichten: 202 Größe: 170,5 KB ID: 3243639

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole473.jpg Ansichten: 203 Größe: 168,0 KB ID: 3243640

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole474.jpg Ansichten: 203 Größe: 175,1 KB ID: 3243643

                                        Wie Predporozhnyj ist auch Arga-Moj eine reine Arbeitersiedlung, wobei hier nicht nur eine, sondern zwei Bergbaufirmen das Sagen haben. Für Njurgun ein vertrauter Ort mit teilweise bekannten Gesichtern, da er auch in dieser Gegend schon mal gearbeitet hat. Jetzt wartet er nur noch auf die Kollegen, bei denen er übernachtet hat, um sich von ihnen zu verabschieden. Kurz darauf sind sie auch schon da und überreichen ihm ein frisch gebackenes Brot.

                                        Weiterfahrt auf der Indigirka. Auf einer felsigen Anhöhe markiert ein auffälliges Schild die Grenze zum Momskij Rajon. Die Ebenen und Südhänge sind hier allesamt versteppt und erinnern mich vielerorts wieder an die Nordmongolei.
                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole475.jpg Ansichten: 202 Größe: 146,7 KB ID: 3243644

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole476.jpg Ansichten: 201 Größe: 159,4 KB ID: 3243641

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole477.jpg Ansichten: 204 Größe: 199,7 KB ID: 3243645

                                        Wenig später folgt eine Linksbiege mit einer langen Felswand. Es sind unsere letzten Flusskilometer auf der Indigirka.
                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole478.jpg Ansichten: 198 Größe: 123,2 KB ID: 3243651

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole479.jpg Ansichten: 204 Größe: 163,2 KB ID: 3243642

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole480.jpg Ansichten: 205 Größe: 166,7 KB ID: 3243647

                                        Am Ende der langen Abbruchkante lege ich noch einmal einen Zwischenstopp ein und besteige wie einst auch Karpuchin eine steppige Anhöhe, die einen fantastischen Blick in die Weite erlaubt. Von hier schaut man schon direkt in das Injali-Tal, über das wir als nächstes in die abgelegene Bergwelt des nördlichen Tscherskigebirges eintauchen wollen.
                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole481.jpg Ansichten: 203 Größe: 147,5 KB ID: 3243646

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole482.jpg Ansichten: 205 Größe: 189,3 KB ID: 3243648

                                        Es ist hochsommerlich heiß: während auf dem Wasser angenehme 24°C herrschten, sind es an Land während der Hangbesteigung fast 30°C! Auf dem Rückweg entdecke ich im Aubereich eine Sandbank mit Schnittlauch...
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                                        Als ich weiterpaddle, vernehme ich am linken Ufer auf einmal ein lautes Gerumpel, Rufe und Hundegebell. Ich recke meinen Hals, kann aber nichts sehen. Irgendwo hier am Ufer soll noch ein alter Mann mit seinen Pferden leben – war er es vielleicht? Kurz darauf erreiche ich schon die Mündung des Injali, der hier mit glasklarem Wasser die trübe Indigirka aufmischt. Ein Einheimischer aus dem weiter flussabwärts liegenden Dorf Tschumpu-Kytyl bzw. Tjurbeljach parkt hier mit seinem Motorboot und versucht im Kehrwasser nach Fischen zu angeln. Auch Njurgun hat sich hier niedergelassen und seine Angel ausgeworfen. Zwei Äschen konnte er bereits aus dem Wasser ziehen, übergibt sie am Ende aber seinem Landsmann, der schon vor ihm diesen Platz bezogen hatte.
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                                        Plötzlich taucht ein weiterer Motorbootfahrer auf und legt direkt bei uns an. Es ist ein alter Jakute mit Hörgerät im Ohr. Njurgun kommt auf Jakutisch mit ihm ins Gespräch und erfährt, dass es zufällig der besagte alte Mann ist, der hier in der Nähe mit seinen Pferden lebt. Ganja ist sein Name und wir hatten schon überlegt, ihn an seiner Hütte 4 km flussab zu besuchen, da auch Saurbek ihn kennt und wir ihm Grüße ausrichten sollten. Doch nun hat er uns gefunden und berichtet, dass er vorhin einem riesigen Elch begegnet ist, der ihn fast umrannte. Sein Hund ist sofort hinterher und er muss jetzt noch schnell sein Gewehr holen, um das Tier zu verfolgen und zu erlegen...
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                                        Ein kleines Stück lassen wir uns noch flussabwärts treiben, dann legen wir endgültig an und rollen nach 10 Tagen auf der Indigirka unsere Boote ein. Alles wird getrocknet und für die nun folgende Offroad-Etappe per Rad umgepackt.
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                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole491.jpg Ansichten: 203 Größe: 273,8 KB ID: 3243660

                                        Anderthalb Stunden später sind wir dann startbereit und stapfen vom Uferwald auf eine herrliche Steppenebene. Hier finden wir eine gut erkennbare Fahrspur, die der trockenen Terrassenkante folgt und von Ganjas Hütte herzukommen scheint.
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                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: poletopole493.jpg Ansichten: 201 Größe: 201,5 KB ID: 3243658

                                        Doch dann wechselt die Spur in die steinige Flussaue, in der es nun etliche Wasserlachen zu durchqueren gibt.
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                                        Wie wird es wohl weitergehen? Werden wir mit unseren schwer bepackten Fahrrädern hier durchkommen? Vor uns liegen mehr als 200 km Offroad-Strecke quer durch ein abgelegenes Gebirgsareal. Zwei, maximal drei Wochen habe ich für diese Etappe angesetzt – in dieser Zeit müssen wir es schaffen, an den Oberlauf des Tscharky zu gelangen. Sollten wir zu langsam sein, bliebe nur noch eine Rückkehr zur Indigirka. Alles hängt von der Begehbarkeit des Flussbetts ab, der Größe des Gerölls, der Tiefe der Furten. Es ist ein vager Plan, für den es keine Garantie gibt. Aber ich bin überzeugt davon, dass er mit einer gewissen Beharrlichkeit aufgehen kann.

                                        Es ist der 10. August, der inzwischen 12. Tag seit unserem Start in Tomtor bzw. 6. Tag seit Ust-Nera. Wenn ich die Anreise ab Berlin mitzähle, sind für mich schon drei Wochen vergangen.
                                        Zuletzt geändert von bikevagabond; 17.02.2024, 21:53.
                                        „Es gibt einen Weg, den keiner geht, wenn du ihn nicht gehst.“
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                                        • codenascher

                                          Alter Hase
                                          • 30.06.2009
                                          • 4946
                                          • Privat

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                                          Wow, dieser Reisebericht ist echt klasse! Super Landschaft, toll beschrieben, spannende Bekanntschaften. Nur Njürgen, oh Gott, ick könnt das nicht...

                                          Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

                                          meine Weltkarte

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