[AR] Ein Stückchen schroffes Patagonien - 3 Tage auf der Nahuel Huapi Traverse

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    [AR] Ein Stückchen schroffes Patagonien - 3 Tage auf der Nahuel Huapi Traverse

    Tourentyp
    Lat
    Lon
    Mitreisende
    Region/Land: Parque Nacional Nahuel Huapi, Rio Negro, Argentinien
    Dauer: 04.-06.12.2016, 3 Tage

    Seit 4 Wochen sind Melli und ich in Argentinien unterwegs und seit einigen Tagen sind wir in Patagonien angekommen. Von Norden reisen wir Richtung Süden und haben zu Beginn eine Dreitages-Hüttentour in der Umgebung von Bariloche, dem Wintersport- und Schulabschlussfahrtort Argentiniens schlechthin, zusammen begonnen.

    Hier konnten wir zum ersten Mal reinschnuppern ins rauhe Patagonien und pünktlich zum Start unser Tour schlug das Wetter auch von sonnigen 25 °C um und die Wettervorhersage ließ eher durchwachsenes Prognosen verlauten...







    Tag 1
    Zum Refugio Frey

    04.12.2016

    Als wir nach einer kleinen, typisch argentinischen Suche endlich im richtigen Bus sitzen, fällt mir auf einmal ein, dass wir die obligatorische Registrierung unserer Tour bei der Nationalparkverwaltung vergessen haben... Hm, was nun? Melli und ich überlegen hin und her, was es für Konsequenzen haben könnte (Geldstrafe? Keine Übernachtung auf der Hütte möglich, sodass wir wieder absteigen müssten?) oder ob es eher als obligatorisches "nice-to-have" gesehen wird. Als wir uns beim Club Andino in Bariloche über die Tour informiert hatten, sagten sie uns das mit der Reservierung zwar, aber naja. Vergessen...
    Das drückte ehrlich gesagt ein bisschen auf die Stimmung, aber wir liefen trotzdem am sommersonntäglich ausgestorbenen Skiörtchen Catedral Richtung Refugio Frey los.

    Es war bewölkt und diesig. Der Weg schlängelte sich auf relativ gleichbleibender Höhe über einige Kilometer am Hang entlang. Es ging über staubige Pfade, durch uns unbekannte, trockene Vegetation mit einem trotz des diesigen Wetters z.T. ganz netten Ausblick auf den Lago Gutiérrez. Die Waldbrandflächen, die OutofSaigon in seinem Bericht aus 2014 beschreibt, sind immer noch mehr als deutlich zu sehen...























    Bald knickte der Weg ab und wir konnten einen ersten Blick auf die rauhe Bergwelt in den höheren Lagen werfen.



    Jetzt machten wir "endlich" ein paar Höhenmeter. Wir wanderten das Tal des Arroyo Van Titter hinauf und waren jetzt mitten drin in den ca. 800 hm, die zu überwinden waren.







    Da Melli und ich jeweils das erste Mal mit großen Rucksäcken unterwegs waren - wir hatten Schlafsäcke, Isomatten, Kocher und Essen dabei, dazu bestimmt die eine oder andere unnötige Sache... - war die Belastung recht ungewohnt auch wenn der Weg an sich einfach war. Es ging aber stetig bergauf, mal steiler, mal weniger steil und wir waren beide nicht so gut zu Fuß wie erhofft bzw. erwartet und waren dementsprechend relativ schnell platt.



    Zu allem Überfluss setzte Regen ein und wir liefen erst mal eine Weile weiter bis wir uns doch entschlossen, die Regenssachen rauszukramen.
    Gesagt, getan - Regen hört auf...
    Wie es immer ist...





    Der letzte Teil des Weges wurde noch einmal etwas steiniges, kurz vor dem Refugio musste man leicht kraxeln, aber alles nicht schwer. In unser - angeschlagenen - Verfassung waren wir allerdings froh, endlich die Hütte in Sichtweite zu haben.
    Die Aussicht drumherum war einmalig!















    Das Ende der Wanderung sehnten wir geradezu herbei und als wir beim Refugio ankamen, stand die Entscheidung fest, am nächsten Tag wieder abzusteigen und nicht den beschwerlicheren Weg zum Refugio Jakob anzutreten, der deutlich anspruchsvoller werden sollte.

    Ich war ziemlich geknickt. Da ist man schon mal in (Nord-) Patagonien, hat die Möglichkeit auf eine tolle Wanderung und dann macht man am ersten Tag schlapp? So hatte ich mir das eigentlich nicht vorgestellt, aber ich war völlig kaputt...

    Am Abend ließ sich im Refugio nicht viel unternehmen. Wir grübelten hin und her, Mellis Entscheidung abzusteigen stand fest, ich wollte meine nochmal über Nacht überdenken und auf den nächsten Morgen vertagen.

    Das Refugio Frey ist relativ einfach und (leider) nicht so heimelig, wie man es aus den Alpen meistens gewohnt ist. Es herrscht einfach nicht so eine "Wärme" und Gastlichkeit. Wir vertrödelten uns den Abend beim Lesen, Hörbuch hören, essen und Tee trinken.

    Das Wetter wurde am Abend auch sehr ungemütlich, Sturm und sogar etwas Schnee, den man am 2. Advent in Berlin wohl eher nicht hatte, dafür im südamerikanischen Spätfrühling - so kann es gehen
    Bei einem heißen Tee in der Hütte ließ es sich aushalten, aber aufs Rausgehen und Fotos machen hatte ich angesichts des Wetters und meiner den Abend über anhaltenden mürrischen Laune keine große Lust und so wurden es eher die "Pflichtfotos", über die ich aber auch froh bin, denn die Hütte liegt wirklich in einer malerischen Umgebung...











    Bald verschwanden wir in unseren Schlafsäcken im spärlich gefüllten Lager.
    Aber wir waren doch froh, dass wir das dem Zelt vorzogen
    Zuletzt geändert von geige284; 22.12.2016, 02:33.

  • geige284
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    • 11.10.2014
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    #2
    AW: [AR] Ein Stückchen schroffes Patagonien // 3 Tage auf der Nahuel Huapi Trave

    Tag 2
    Über zwei Pässe zum Refugio Jakob

    05.12.2016

    Voller Tatendrang wachte ich auf.
    Melli versicherte mir zwar, dass es absolut okay wäre, wenn ich weitergehe und sie stattdessen absteigt, aber ein paar Gedanken machte ich mir doch... Würde alles gut gehen? Bei ihr? Bei mir? Wie wird das Wetter heute?
    Auf Nachfrage in der Hütte gab es nur ein "Hm, hace mucho viento..." - "Jaa, dass es windig ist, sehe ich auch..." Nunja.

    Melli begleitete mich noch ein Stück an der Laguna Toncek entlang, kehrte aber bald um. Es war tatsächlich windig, kalt - aber sonnig. Ich wollte mal sehen, wie es bis zum ersten Pass läuft. Sollte es sehr ungemütlich werden, könnte ich ja immer noch umkehren.









    Der Weg knickte ab, der Aufstieg begann. Es war steinig, grobes Geröll und größere Blöcke wechselten sich ab, aber es war traumhaft hier. Ich genoss den Weg, nichts war zu spüren von den Strapazen des Vortages und ich spürte den Rucksack kaum.













    Hinterm Lago Schmoll stand ich dann vor einem großen Schneefeld. Die Trittspur war wieder zugeschneit und vollgeweht. Trat ich dort hinein, versank ich bis fast zum Knie im Schnee. Unangenehm und kraftraubend. Ich machte mir vorsichtig eine neue Spur im steileren Abhang, was auch nicht ohne war. Immer wieder fing ich mich mit der Hand im Schnee ab, wenn ich doch mal tiefer einsackte. "Wenn das bis zum Pass so weitergeht, drehe ich um...", dachte ich mir mehrmals, wollte aber immer um die nächste Kurve schauen. Und zum Glück war es das dann mit dem Schnee.



    Am Pass angelangt, war es herrlich. Die gelb-rot-bräunliche Erde und der Fels waren schroff und wild, der Wind zerrte an mir und dem Rucksack, der Ausblick war wunderschön. So hatte ich mir das vorgestellt in Patagonien















    Die Berge, die vor mir lagen, waren nicht mehr gelb-rot-bräunlich sondern eher grau (und schneeweiß). Unten im Tal, in welches ich jetzt hinabsteigen würde, durchzogen Wasserläufe das satte Grün. Wunderschön...
    Sobald ich über de Pass rüber war, war es das mit dem Wind, es war nahezu windstill. So kann es gehen - ich entschloss mich natürlich weiterzulaufen, diese Aussichten waren zu verlockend.





    Der Abstieg war steil und nicht ohne. Loses Geröll und größere Blöcke und ich war froh, kurz unterm Pass zwei Bambusstöcke gefunden zu haben, von denen einer schnell brach, der andere mich aber treu und sicher den Hang hinunterbrachte.



    Über eine Geröllrinne gelangte ich schnell unterhalb der Baumgrenze und in den Wald hinein.









    Der Weg durch den Wald war einfach wunderbar. Der weiche Boden federte meine Schritte, die Bäume sahen abenteuerlich geformt aus und der Pfad verlief weitestgehend auf einer Höhe. Genuss pur!















    Aber es war noch nicht ganz vorbei und ich musste ja auch noch über den zweiten Pass rüber.

    Beim nicht allzu steilen Aufstieg merkte ich, wie ich langsam aber sicher ein wenig müde wurde und meine Schritte langsamer wurden.
    Bald ließ ich die Baumgrenze wieder unter mir und schlängelte mich durch das feinere Geröll nach oben. Aber insgesamt war der Aufstieg flacher als der zum ersten Pass.







    Kurz unterm Pass hatte ich für einige Meter ein ultra-steiles Schneefeld zu queren, wobei ich liebend gern mit meiner Hand in den Schnee griff um mich hochzuarbeiten. Ich konnte eine vorhandene Trittspur nutzen, wobei neben den menschlichen Trittspuren auch tierische waren. Nach kurzer Google-Recherche könnte das durchaus ein Puma gewesen sein...







    Nach einem letzten Blick auf die schroffen Berge hinter mir verließ ich auch die zweite Passhöhe und sah von oben schon das Refugio Jakob (San Martín) am Lago Jakob stehen.





    Der zweite Abstieg war noch etwas kniffeliger als der erste. Das Geröll war nicht so schön, dass man surfen konnte und ich musste alle Schritte präzise setzen, abbremsen, neuen Weg suchen... Auch wenn genügend gelbe und rote Punkte vorhanden waren, gab es dazwischen in der Regel keinen Weg und man musste selbst schauen.







    Aber auch das ging vorbei und ich lief das letzte Bisschen der Tagesstrecke zum Refugio abermals durch tollen und idyllischen Wald.





    Die Hütte ist noch ein bisschen einfacher als das Refugio Frey. Ich war der einzige Gast und mangels ausreichender Spanischkenntnisse meinerseits bzw. Englischkenntnisse der Hüttenwirtin und später ebenfalls des Hüttenwirts wurde es - für mich - ein schweigsamer Abend, den ich beim Lesen und Tee trinken verbrachte.



    Nach einem kleinen Spaziergang wurde es ungemütlicher, fing an zu regnen und ich verkroch mich nach einem letzten 5-minütigen Spaziergang zum Klohäuschen ins Lager, belegte drei oder vier Matratzen mit mir und meinem Zeug und schlief selig bis zum nächsten Morgen durch.
    Zuletzt geändert von geige284; 11.12.2016, 01:52.

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    • berniehh
      Fuchs
      • 31.01.2011
      • 1751

      • Meine Reisen

      #3
      AW: [AR] Ein Stückchen schroffes Patagonien // 3 Tage auf der Nahuel Huapi Trave

      herrliche Gegend! Da werden Erinnerungen wach.....
      www.trekking.magix.net

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      • OutofSaigon
        Erfahren
        • 14.03.2014
        • 298

        • Meine Reisen

        #4
        AW: [AR] Ein Stückchen schroffes Patagonien // 3 Tage auf der Nahuel Huapi Trave

        Interessant! An den ersten beiden Tagen seid ihr / bist du also die gleiche Route gelaufen wie wir 2011. Wenn du den letzten Berichtsteil eingestellt hast, werde ich das Ganze vergleichend und aus meiner Sicht kommentieren. Wir haben die Tour nämlich etwas anders erlebt...

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        • Libertist
          Fuchs
          • 11.10.2008
          • 2061

          • Meine Reisen

          #5
          AW: [AR] Ein Stückchen schroffes Patagonien // 3 Tage auf der Nahuel Huapi Trave

          Wunderbare Landschaft! Und sehr gute Fotos, wirklich.

          Wenn ich diesbezüglich nur eines anmerken darf: Mir sind die Bilder allesamt etwas zu dunkel, vielleicht könntest du das Histogramm ein wenig mehr im Auge behalten und die Kurve grundsätzlich etwas weiter nach rechts rücken. Ich denke, das würde den Fotos gut tun.
          Regelmäßige Updates auf Facebook: Outventurous || Galerie und Weltkarte gibt's auf der Outventurous Webseite.

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          • geige284
            Dauerbesucher
            • 11.10.2014
            • 822

            • Meine Reisen

            #6
            AW: [AR] Ein Stückchen schroffes Patagonien // 3 Tage auf der Nahuel Huapi Trave

            Hey, danke für eure Kommentare!

            OutofSaigon, auf einen Vergleich bin ich sehr gespannt, ich hab gerade auch noch mal in deinen Bericht reingelesen - du hast ihn z.T. noch etwas ergänzt, oder? Auf jeden fall danke für die Referenz
            Den dritten Teil stelle ich ein sobald das Internet wieder bisschen besser ist, da ist El Chaltén echt ein Loch...

            Gabriel, danke für deinen Kommentar! Dass die Fotos dunkel rüber kommen kann gut sein.
            Du hast aber auch generell einen eher helleren Stil, oder?

            Aber mir ist das bei meinen Fotos auch schon mal sehr negativ aufgefallen, als ich Fotos für ein Fotoalbum ausgedruckt hatte. Natürlich ohne ICC Profil und Testdruck und so...
            Ich bearbeite die Bilder auf einem nicht kalibrierten Laptop, also alles andere als ideal. Andererseits schaue ich sie meistens nur auf dem Handy oder anderen ebensowenig kalibrierten Monitoren an...

            Einen zusätzlichen Blick aufs Histogramm schenke ich mir häufig, wenn das Bild für mich gut aussieht. Aber ich arbeite ehrlich gesagt auch relativ stümperhaft, würde ich mal sagen. Gerade wenn ich viele Bilder habe, kriegen die meisten immer nur die Standardbehandlung und halt mal ne Belichtungskorrektur oder n Verlaufsfilter oder so. Da wäre mit mehr Muße bzw. Geduld bestimmt mehr rauszuholen aber gleiches gilt auch für das Fotografieren an sich, was unterwegs eher nebenbei als geplant läuft. Dazu ist mir der Aufwand meistens zu hoch.
            In dem Punkt bewundere ich deine Arbeit ja umso mehr, zumindest kommt es so rüber, als dass da eine Menge Zeit und Aufwand drin steckt und der Bericht erst eingestellt wird wenn auch das letzte Foto 100% hat

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            • Libertist
              Fuchs
              • 11.10.2008
              • 2061

              • Meine Reisen

              #7
              AW: [AR] Ein Stückchen schroffes Patagonien // 3 Tage auf der Nahuel Huapi Trave

              Naja, so viel Mühe gebe ich mir auch nicht mehr. Aber was die Helligkeit angeht, lass ich mich mittlerweile in erster Linie vom Histogramm leiten, erst danach passe ich vielleicht noch etwas "nach Gefühl" an. Es macht einfach Sinn, das ganze Histogramm auszunutzen, denke ich.

              Inzwischen arbeite ich übrigens an einem 32" 4K Monitor, der hardwareseitig kalibriert ist und (laut meinem Spyder Testgerät) 99% vom Adobe RGB Farbraum abdeckt. Hier sehe ich jetzt auch besser, was ich früher für'n Mist hochgeladen habe.
              Regelmäßige Updates auf Facebook: Outventurous || Galerie und Weltkarte gibt's auf der Outventurous Webseite.

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              • OutofSaigon
                Erfahren
                • 14.03.2014
                • 298

                • Meine Reisen

                #8
                AW: [AR] Ein Stückchen schroffes Patagonien // 3 Tage auf der Nahuel Huapi Trave

                Zitat von geige284 Beitrag anzeigen
                OutofSaigon, auf einen Vergleich bin ich sehr gespannt, ich hab gerade auch noch mal in deinen Bericht reingelesen - du hast ihn z.T. noch etwas ergänzt, oder? Auf jeden fall danke für die Referenz
                Stimmt! Angeregt durch deinen Bericht, habe ich auch meinen noch einmal "aufgemotzt", sowohl text- wie auch bildermäßig. Ich hatte meinen Bericht ursprünglich mit einer anderen Zielsetzung geschrieben, habe aber in der Zwischenzeit meine Lektion gelernt.

                Übrigens findet sich auf diesem Forum noch ein dritter Bericht aus der gleichen Gegend: siehe hier
                Kamerad Chris1984 ist im April 2015 teilweise die gleiche Strecke gelaufen wie wir und hatte dabei wieder andere Erlebnisse.

                Beide Berichte sind nun in meinem eigenen Bericht verlinkt; das ist wohl im Interesse der werten Leserschaft (ist doch ganz amüsant zu lesen, wie verschiedene Kameraden die gleiche Strecke verschieden erleben).


                OT: mein Haupt-Bildbearbeitungs-Instrument sind die GIMP Color Curves; nicht sehr professionell vielleicht, aber doch mit enormen Gestaltungsmöglichkeiten.

                Ohnehin finde ich aber, daß Inhalt, Aussage und Komposition eines Fotos das Wichtigste sind. Gabriel ist natürlich einer der Besten in unserem Forum. Ich sollte wohl meinen einstigen Ehrgeiz in der Fotografie wieder ausgraben.

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                • geige284
                  Dauerbesucher
                  • 11.10.2014
                  • 822

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: [AR] Ein Stückchen schroffes Patagonien // 3 Tage auf der Nahuel Huapi Trave

                  Tag 3
                  Zurück nach Bariloche

                  06.12.2016

                  Der Nikolaustag beginnt ohne Überraschung im Stiefel. Wahrscheinlich waren sie noch zu schmutzig vom letzten Tag. Und ohnehin, es ist ja eh niemand hier...

                  Meine Haferflocken mit Marmelade sind ein durchaus annehmbares Frühstück und ich lasse nicht viel Zeit verstreichen, ehe ich loslaufe. Ich habe mich im Refugio nicht sooo wohl gefühlt, irgendwie kam weder im Frey noch hier im San Martín eine "heimelige" Stimmung auf... In den Refugios ist es halt anders als in den Alpen, wo die Bewirtung einen relativ großen Stellenwert hat. Das ist hier anders, so schien die Wirtin ganz froh zu sein, als ich sagte, ich brauchte weder Abendessen noch Frühstück. Aber soviel ich gehört und gesehen habe gibt es auch weder Materialseilbahnen noch Helikopter und alle Verpflegung muss hoch getragen werden. Ganz klar, dass so ein Angebot wie in den Alpen nicht möglich ist.

                  Vielleicht lag es auch an meier Stimmung am ersten Abend und der "Einsamkeit" am zweiten, wer weiß... Ich finde das generell auch nicht "gut" oder "schlecht", es ist einfach nur anders - aber damit kommt man für zwei Nächte schon klar.

                  Ich wollte so schnell wie möglich runter nach Bariloche laufen. Ich weiß nicht genau weiß, wie lang der Weg noch wird, nachdem ich die Straße erreiche, ob ich trampen muss oder ob da überhaupt Autos vorbei kommen, ob Busse fahren oder ob ich zwei weitere Stunden zu Fuß einplanen muss?! Vamos a ver...

                  Der Tag ist landschaftlich nett, aber nicht so spektakulär wie der zweite. Es geht gleichmäßig bergab durch ein Tal, in das ich zu Beginn schöne Blicke habe.









                  Bald wird es für eine Weile etwas steiler, in Serpentinen geht es bergab und ich laufe beschwingt und zügig. Links und rechts kommen immer wieder kleine Wasserfälle runter und speisen den Rio Casa de Piedra, der im Tal fließt.



                  Der Wald ist schön wild und gefällt mir sehr gut, auch wenn mir das Laufen heute nicht mehr so eine Freude macht. Weiß auch nicht, irgendwie wollte ich gern wieder nach Bariloche. War wohl die Sehnsucht nach der Freundin











                  Überall sprießt hier der Bambus, ich hatte nicht erwartet, das in Patagonien zu finden. Einen neuen Wanderstock gibt es auch noch gleich!







                  Endlich komme ich an die Brücke, auf der ich auf die linke Bachseite wechsele. Ein Blick auf die abfotografierte Karte zeigt mir - mehr als die Hälfte geschafft - jawoll



                  Es wird grüner, schwüler, mehr Insekten surren um mich herum...



                  Relativ ereignislos reiße ich auch noch die letzten Kilometer, immer weiter bergab, ab.

                  Spektakulär ist der Weg nicht, aber er ist doch recht schön. Die Vegetation hat relativ häufig gewechselt, sodass es eigentlich nicht langweilig wurde.













                  Endlich komme ich an der Straße (79) an und zu meinem Bedauern ist es eine üble Schotterpiste. Auf der Karte hatte ich gesehen, dass westlich davon die Colonia Suiza liegt - ich weiß nicht genau, was es ist, konnte mir aber schwer vorstellen, dass Massen an Autos von dort zurück nach Bariloche fahren würden.

                  Ich war zwar fußlahm und hätte es mir gern erspart, aber es blieb mir nicht viel übrig als loszulaufen.





                  Zwei entgegenkommende Fahrräder sowie ein entgegenkommendes Auto halfen mir nicht weiter.

                  Aber endlich, nach ca. 40 min stumpfen Laufens, kam ein Auto von hinten - Daumen raus, mitleiderregend gucken - und sie halten an.

                  Das junge argentinische Pärchen nimmt mich mit bis zur Hauptstraße, von wo ich den Bus nach Bariloche nehme.

                  Dort wartet dann doch noch ein kleiner Nikolaus-Alfajor von Rapa Nui auf mich - jetzt weiß ich, wieso ich so schnell wieder runter wollte

                  Fazit

                  Auch wenn manchmal in dem Artikel anklang - besonders am ersten und dritten Tag - dass ich "genervt" (?) oder "geschafft" (?) war - ich weiß selbst nicht ganz genau, wie ich es treffend beschreiben könnte - war es mit zwei Wochen Abstand betrachtet eine schöne Tour und ich bin sehr, sehr froh, sie gemacht zu haben.

                  Landschaftlich war es extrem abwechslungsreich, wobei der zweite Tag natürlich das absolute Highlight war.

                  Für die Erfahrung, dass die Hüttenkultur hier eine andere ist als im Alpenraum bin ich dankbar, auch wenn man natürlich seine Präferenzen hat

                  Schön war es und es wird mir noch sehr lang in Erinnerung bleiben.
                  Den Rest der Nahuel Huapi-Traverse würde ich auch noch mal gern angehen und es steht auf der To-Do-Liste (die sich während unsere Aufenthaltes hier unten kontinuierlich erweitert...) fürs nächste Mal!

                  Kommentar


                  • blauloke

                    Lebt im Forum
                    • 22.08.2008
                    • 5896

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: [AR] Ein Stückchen schroffes Patagonien // 3 Tage auf der Nahuel Huapi Trave

                    Eine interessante Gegend die du uns zeigst. Dort zu Wandern würde mir auch Spaß machen.
                    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

                    Kommentar


                    • oneofakind
                      Gerne im Forum
                      • 07.08.2014
                      • 77

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: [AR] Ein Stückchen schroffes Patagonien // 3 Tage auf der Nahuel Huapi Trave

                      Schöne Tour eigentlich und gute Fotos!

                      Nächstes Mal dann vielleicht mit ultraleichter Ausrüstung los, da macht's dann auch mehr Spaß. ;) Ich finde es immer so schade, wenn Touren so eingeschränkt werden oder nicht gemacht werden können (deine Freundin), einfach nur weil der Pack unnötigerweise zu schwer ist.

                      Kommentar


                      • geige284
                        Dauerbesucher
                        • 11.10.2014
                        • 822

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: [AR] Ein Stückchen schroffes Patagonien // 3 Tage auf der Nahuel Huapi Trave

                        Das hat nicht immer (nur) was mit dem Gewicht des Rucksacks zutun. Manchmal ist man auch einfach nicht gut drauf. Und die persönliche "Leidensfahigkeit" ist jedem unterschiedlich stark ausgeprägt.
                        Zuletzt geändert von geige284; 26.12.2016, 01:53.

                        Kommentar


                        • OutofSaigon
                          Erfahren
                          • 14.03.2014
                          • 298

                          • Meine Reisen

                          #13
                          AW: [AR] Ein Stückchen schroffes Patagonien // 3 Tage auf der Nahuel Huapi Trave

                          Tja, wie schon in dem Bericht angedeutet, ist "geige284", teilweise zusammen "Melli", praktisch die gleiche Route gelaufen wie wir fünf Jahre vorher; von letzterem könnt ihr hier lesen. Einige Unterschiede gab es aber doch.

                          Erstens hatten wir damals 2011 wunderbares Wanderwetter, wie ihr aus den Fotos meines Berichts ersehen könnt. Zweitens hatten wir viel weniger Gepäck dabei: nur Schlafsäcke für die Refugios, denn Zelt, Isomatten, Kocher und Essen braucht man eigentlich nicht. Drittens - wahrscheinlich als Folge von erstens und zweitens - waren wir bei bester Laune ("gut drauf", um mit Geiges letztem Beitrag zu sprechen).

                          Wir empfanden den Weg wohl auch als "einfacher" im Vergleich zu Geige. "Ohne besondere Steilstellen" schrieb ich ganz dezidiert in meinem Bericht, wohingegen Geige das Wort "kraxeln" benutzt. Womöglich verbindet der Berliner mit dieser Vokabel einen etwas anderen Begriffsinhalt als der Österreicher Wir sind aber auch nicht bis zu den Knien in den Schnee eingesunken, allemal stellenweise bis zu den Knöcheln, also kein Problem.

                          Aus irgendeinem Grund hat Geige anscheinend nicht den Schlenker zu dem kleinen See westlich des Refugio Jakob (= San Martin) gemacht. Da hat er allerdings etwas versäumt; denn mein Sohn und ich fanden jenen kleinen Abstecher sehr lohnend.

                          Eines aber steht fest: jener Teil der Welt ist eine sehr schöne Wandergegend, auch und gerade für diejenigen, die sich nicht die aller-unglaublichsten Heldentaten zum Ziel gesetzt haben, sondern nur "ganz normale" Wanderer sind, so wie ich selbst.

                          Alles Gute zum neuen Jahr (aus der Transithalle des Flughafens von Nairobi) !

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                          • snemelch
                            Gerne im Forum
                            • 18.04.2012
                            • 56

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: [AR] Ein Stückchen schroffes Patagonien // 3 Tage auf der Nahuel Huapi Trave

                            Schöner Bericht, Geige, von einer eindrucksvollen Gegend.
                            Finde es gerade schön, wenn der von dir als "Leidensdruck" beschriebene Geschmack auch in einem Bericht mal mitschwingt. Auf so einer Tour ist nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen. Gerade die Tage, wo man einfach nur genervt oder dünnhäutig ist und trotzdem als Ziel kommt, machen die Herausforderung doch aus. Das ist nur menschlich und hat nicht unbedingt was mit UL, high-end Wanderschuhen o.ä. zu tun :-)

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