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    • 19.04.2009
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    • Meine Reisen

    #41
    AW: [AR] Aconcagua

    Zitat von Becks Beitrag anzeigen
    Also damit hätte ich jetzt überhaupt nicht gerechnet. Und ich hab noch gedrängelt. Das tut mir Leid.

    Mein Beileid gilt den Opfern und denen, die sie geliebt haben.

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    • Becks
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      • 11.10.2001
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      • Meine Reisen

      #42
      AW: [AR] Aconcagua

      Sonntag, 17.1.2010; Tag 11 - Bunt
      Bunte Funktionen, für die ich auf englisch eine Erklärung suche, dazu dann gefühlte alle 5 Minuten ein leichter Anfall von Atemnot, so lässt sich die Nacht zuammenfassen. Der körpereigene Sensor reagiert zu spät auf das Absinken der Sauerstoffmenge im Blut, die Atmung setzt zu spät ein und der Körper reagiert mit einem Notweckprogramm, und schupps ist man wieder wach und schnappe nach Luft. Da ich eh nicht wirklich pennen kann, mach ich ein paar Selbstversuche mit dem Pulsoxy. Der Wert sinkt von 83% im Wachzustand auf knapp 65% ab, dann klingeln die Alarmglocken.
      Durch erhöhte Lagerung des Oberkörpers kann man dies etwas abfedern (mach ich auch), da dann der "Sensor" weniger durchblutet wird und schneller den unteren Grenzwert erreicht, wo er die Atmung anregt. da ich aber trotzdem mies penne, lese ich eben ein Buch und hör Musik. Das Thermometer zeigt schlappe -10°C.
      Aber was solls, wenn der Acon es will, dann jage ich halt die nächsten Tage nacht bunte SAP Module, denn ausser dem schlechten Schlaf merk ich nichts von der Höhe. Da klingt das Röcheln und Husten aus anderen Zelten doch eher bedrohlich. Mit Freude stelle ich noch einen Vorteil des unteren Nido fest, die Sonne erreicht uns fast eine halbe Stunde früher als die Jungs weiter oben.



      Frühstück im Zelt

      Für mich ist heute Pause angesagt, Alex will runter zu Canada, sein dortiges Depot ausräumen. Da sein Kocher definitv hin ist, benutzen wir meinen. Die Ranger erklären sich bereit, einen Funkspruch nach Mulas abzusetzen und weiterzuleiten. Unsere Botzner haben einen überschüssigen Brenner, den sollen sie bitte mitbringen, sobald sie aufsteigen.






      Streifzug durchs Lager

      Und so verbring ich den Tag im Sand vorm Zelt, geniesse bei strahlendem Sonnenschein bei 15°C mit Bücher lesen und darf dann nachmittags zusehen, wie Norbert sein Zelt aufbaut. Vom Rest keine Spur. Abends lichte ich wieder den Sonnenuntergang ab, dann geht es erneut in die Koje. Ist eh nix los, Nido ist ziemlich ausgestorben mit seinen knapp 30 Zelten. Lediglich eine orangblaue Montur seh ich immer wieder um ein Zelt herumgehen, welches rund 100m von meinem entfernt steht.



      Vierbeiniger Besucher


      Ipod mit Solarpanel


      Tja, Feuer machen will gelernt sein, auch in einem großen Zelt


      Souvenir, k.A. wer das angeschleppt hat


      Rangerstation von Nido




      Mein Luxusbunker, vertäut an 16 Fixpunkten und mit einem hohen Windbrecher. Sollte der wegfliegen, steht ansonsten da oben auch nicht mehr viel












      Sonnenuntergang Nummer 2. Die Wolken sehen aber verdächtig aus

      Montag, 18.1.2010; Tag 12 - weniger bunt
      Der Trick hat geklappt. Bis 23 Uhr lesen, damit ich wenigsten etwas müde bin (lieg eh zu viel herum auf der Reise), dann schlafen. Um 6 Uhr bin ich trotdzem endgültig wach und verbring die Zeit bis zum Sonnenaufgang mit Lesen. Um 4 Uhr hat Wind eingesetzt, seitdem hämmern Böen gegen die Zeltwand. Der Acon zeigt seine berühmte weisse Haube aus schnell fliegendenn Wolken, ein sicheres Schlechtwetterzeichen. Weiter oben dürfte die Situation spannend bis unangenehm sein, der Gipfel sieht ziemlich ungeniessbar aus.








      Der weiße Wind vom Aconcagua. Zusammen mit den Wolkenbildern rings herum ein deutliches Zeichen für Schlechtwetter.

      Wie zur Bestätigung sehe ich immer mehr Gruppen aus Berlin herabkommen. Ganze Karawanen schleichen da herunter. Alex und ich schwimmen da ziemlich gegen den Strom, als wir um 11 Uhr Richtung Berlin aufbrechen. Mit Verwunderung stellen wir fest, dass die angegebenen 4 h für die Strecke sich als gemütliche 1.5h entpuppen. Tjo, und hier will ich nicht nächtigen. Abgesehen davon, dass es sinnlos ist, wegen der Distanz ein Lager zu verschieben, ist der Platz auch nicht so toll. Die Zelte stehen dicht an dicht und an der Hütte stapelt sich der Müll. Ausreichend Schnee entdecke ich zudem auf die Schnelle auch nicht. Also nix wie weg von hier, weiter hoch.



      Aufstieg zu Camp Berlin. Eine weitere Schutthalde hoch.




      Camp Berlin, eine echte Müllhalde





      Der weitere Weg, hoch Richtung Indipencia, sowie ein paar Blicke runter zu Berlin




      Elche auf 6000m

      Alex dreht an der 6000er Marke um, ich gehe weiter, bis ich die Kante zum Nordhang erreiche. Bis hierhin war es zwar leicht windig und kühl, aber es war auzuhalten. Oben am Nordhang dann weht ein ganz qanderes Lüftchen, und so verziehe ich mich schnell wieder nach unten. Wäre nicht der Wind und hätte ich die Taschenlampe dabei, danan wär ich gleich weiter Richtung Gipfel gelatscht, aber so gebe ich mit dem Knacken der 6000er Marke zufrieden. Höhenprobleme bis dahin: Null, kein Husten, kein Kopfweh, nix.



      Zurück im Lager





      18 Uhr, das miese Wetter ist da
      Zuletzt geändert von Flachlandtiroler; 04.10.2010, 13:25.
      After much research, consideration, and experimentation, I have decided that adulthood is nothing for me. Thank you for the opportunity.

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      • Becks
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        #43
        AW: [AR] Aconcagua

        Dienstag, 19.1.2010; Tag 13 - gar nicht bunt
        Die Nacht war stürmisch, pennen nur mit Ohrstöpsel möglich. Die Heckklappe der Lüftung muss ich nachts schliessen, der Sturm drückt Schnee durch das Fanggitter.



        Guten morgen Nido Mein Zelt frühmorgens

        Morgens muss ich erstmal wischen, denn auch durch die anderen Lüftungen kam feinster Schnee herein. Gegen 7 Uhr hört der Schneefall auf, und der Sturm räumt fleissig das Camp aus. Nach kürzester Zeit ist von den 5cm Schnee nichts mehr vorhanden. Das Wetter kippt, dieses mal in die richtige Richtung, die Wolken verschwinden. Gemütlich ist es aber nur mit Handschuhen und Jacke, windgeschützt im Sand eingebuddelt ist es sogar angenehm. Alex macht frei, er hat Kopfweh, Norbert bleibt im Zelt, ich marschier wieder los, aklimatisieren.






        Sturm in Nido. Viel Schnee hat nicht überlebt, der Rest liegt irgendwo im Tal östlich von uns




        Der Weg oberhalb von Nido - unterwegs nach Cholera

        Blick zurück zu Nido




        Berlin in Sicht. Das Lager liegt hinter dem Felskopf bzw. der Mulde in der Bildmitte


        Heute steht Cholera auf der Liste sowie ein Materialtest. Nach 1.5h bin ich oben, die gewählte Kombi aus Jacke, Windstopper, Handschuhe und Mütze ist weder zu warm noch zu kalt für den Aufstieg, passt also alles. 2 Stunden lieg ich neben dem Lager auf der Felskante herum, mach Bilder und warte auf Kopfweh.



        Noch einmal Nido, gesehen bei der Querung von Berlin rüber zu Cholera







        Bilder rund im Cholera, u.a. mit Felsformationen, die das Klima dort oben geformt haben




        Rückmarch

        Da dies sinnlos ist, gehe ich dann doch wieder runter und finde Sepp vor. Der Rest ist noch unterwegs, um Otti ist es nicht so gut bestellt. Der Arzt hat Wasser in der Lunge diagnostiziert, aber er darf wenigstens bis Nido. Sollten Probleme auftauchen, muss er runter. Ob das nun eine gute Idee ist, sei dahingestellt. Ausserdem ist anscheinnd Thomas abgereist, er hat keine Lust mehr auf den Buckel. Daher gehe ich kurz noch das Depot von Thomas plündern. Dieses ist so gut getarnt, dass ich gerade noch einen Ranger dabei erwische, wie er 20cm daneben hinschifft, ohne es zu bemerken. Das Paket selbst hat nix abbekommen. Im Inneren finden wir neben Steigeisen und Essen zudem einen Gaskocher. Den krallt sich gleich mal Alex.
        Die beiden fehlenden Botzner trudeln ein, Otti überreiche ich schon mal mein Vorrat an Adalat, wünsche eine angenehme Nacht, begutachte wieder den Sonnenuntergang und beschliesse, morgen eine Gipfelbesteigung zu wagen, sollte das Wetter passen. Die orangblaue Truppe ist in der Zwischenzeit wohl wieder wegen schlechtem Wetter abgestiegen, vom Zelt der Jungs sieht man nichts mehr. 20 Uhr, der Berg hüllt sich in dicke Wolken, -6°C, dafür lässt der Wind langsam nach. 20:45 Uhr, Sonnenuntergang im Camp bei fast wolkenlosem Himmel, der Acon ist weiterhin nicht sichtbar, ab in die Heia, mal sehn was das Wetter morgen so sagt.












        Sonnenuntergang, und was für einer
        Zuletzt geändert von Becks; 24.03.2010, 17:41.
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          #44
          AW: [AR] Aconcagua

          Mittwoch, 20.1.2010; Tag 14 - Acon
          Ottis Husten hört man die ganze Nacht, aber das wars. Wie immer ist Durschlafen eh nicht drin, die Zeit vergeht dann aber recht schnell. Um 3.40 Uhr hab ich keine Lust mehr darauf, im Zelt herumzuliegen. Ein Blick genügt, der Acon ist frei, draussen herrscht eine sternenklare Nacht und es ist fast windstill. Bis das Wasser kocht, habe ich bereits die Klamotten an und meine Unterschenkel zusätzlich mit 6mm Isolierschaum verkleidet.
          4 Uhr, Abflug. Im Camp ist keiner unterwegs, als ich im Hang unterwegs bin, entdecke ich dann doch drei oder vier Lichtpunkte, die auch nach oben gehen.
          5:20 Uhr, ich marschiere durch Berlin durch, welches voll besetzt ist. In den Zelten herrscht Betriebsamkeit, da sind noch mehr dabei, sich für den Gipfel zu rüsten.
          5:40 Uhr, der Übergang in den Nordhang ist erreicht, weiter war ich noch nicht. Die Routenfindung ist aber trivial. Die Grobrichtung ist vorgegeben und die Trampelpfade heben sich dank Schneedecke als weisse Streifen vom Fels ab. Ausserdem sind mehrere Gruppen unterwegs, die von Cholera aus hoch kommen und ab hier den gleichen Weg wie die Berliner gehen. Die meisten Gruppen überhol ich, inklusive einem Zweierpack Amerikaner, welche sich über die erreichte Höhe unterhalten. Die Angaben machen mich stutzig, denn wenn sie stimmen, dann haben wir bereits die Indipencia Hütte hinter uns gelassen und befinden uns im Anmarsch auf die Canaletta. Aber dazu passt der Untergrund nicht, wir sind am falschen Hang dafür.
          Kurz nach Sonnenaufgang dann, nachdem ich dem Nordhang aufwärts gefolgt bin, finde ich in einem Sattel Hüttenreste. Also waren die Schätzungen der Jungs falsch, das hier ist Indipencia. Hier macht der Weg einen 90° Rechtsknick und erklimmt die 20m weiter oben gelegene Gratkante. Eine Gruppe befindet sich bereits in dem Bereich. Ich folge ihnen, nachdem ich die Steigeisen angelegt habe. Diese sind ab hier sinnvoll, denn ab hier ist alles verfirnt. An der Kante dann sieht man endlich den weiteren Verlauf. Erst Höhe haltend einem breiten Weg durch den Osthang, dann dem enger werdenden Trampelpfad immer steiler aufwärts bis mehreren Felsausläufern folgen, die sich den Hang herunterziehen.
          Der Weg rüber muss die windige Traverse sein, die alle hassen. Und so ist es auch. Immer wieder pfeifen recht kalte Windböen von unten den Hang herauf. Zum Glück sind es nur einzelne Böen, welche sich durch einfaches Umdrehen und Abwarten ausreiten lassen. Trotzdem muss ein Teilnehmer einer anderen Gruppe hinter einem Pfeiler in der Wegmitte seine Schuhe ausziehen und die Zehen wiederbeleben. Ich marschier auch an den Jungs vorbei und durchbreche dann ohne Vorwarnung die Schallmauer. Mit einem Schlag fehlt der Sauerstoff, es dreht sich erst einmal alles um mich. Sponatan nehme ich die Einladung an und setz mich auf einen dicken Felsbrocken, bis die Rotationen nachlassen. Aha, Höhe
          Nach einer Minute ist der Spuk rum. Ich gehe etwas langsamer weiter, und komme an einem Paar Steigeisen vorbei, meinen Eisen, mein Schatz. Denn so sehr ich mich auch umschaue, vor mir ist keiner mehr. Ausserdem wäre es ziemlich sinnfrei, diese bei den jetzigen Bedingungen nicht anzubehalten. Vorerst lasse ich die Teile liegen, steige weiter auf und komme dann zu einem grossen Felskopf. Nach rechts verläuft eine alte, dicke Spur im Firn, also folge ich dieser, bis nach 10m eine Felswand den Weiterweg blockiert. Auch die Hinterlassenschaften zeigen deutlich, dass dies die Toilette und nicht der eigentliche Weg ist. Also zurück, Blick links um den Felsen nach oben. Keine Spuren sichtbar, aber eine Firnrampe zieht sich am rechten Rand entlang die etwa 50m breite Schutthalde hoch. Das muss die Canaletta sein, dem Prüfstein des Acon. 400 Hm Schutt pur, 35° steil, der Genickbrecher knapp unterm Gipfel. Ich hab Schwein bzw. Firn und keinen Schutt. Ein Ausrutscher in dem Gelände ist zwar schmerzhaft, mit etwas Pech tödlich, aber 35° Firn ist nichts Ungewohntes.
          Am rechten Rand haltend, immer der dortigen Felswand entlang, ziehe ich meine Spur nach oben. Nach knapp 250Hm endet der Felsriegel. Hier ziehe ich wieder nach rechts rauf auf die sich oben anschliessende Grratkante und folge dem Schutt dort bis zum Verbindungsgrat zw. Süd- und Nordgipfel. Beim Anblick des Südgipfels verwerfe ich dann die ursprüngliche Idee, diesen auch noch zu besuchen, denn der Grat sieht nicht sehr einladend aus. Aber zunächst steht eh die letzte Etappe an, der Grat entlang hoch bis zum Nordgipfel. Hier folge ich einer Linie knapp unter der Gratkante, welche ebenfalls verfirnt ist. Unterwegs kommt mir eine einzelne Person entgegen, ein Deutscher, welcher über die Polenroute raufkam und nun wieder runter will. Ein Eisen hat er am Fuss, das andere in der Hand, denn es ist zerbrochen. Frei nach dem Motto "runter kommen se immer" wünscht er mir viel Spass und beginnt den Abstieg.
          10:30 Uhr, der Gipfel ist erreicht. Niemand ausser mir da, ich hab das ganze Plateau für mich. 6.5 anstelle von 10-12 Stunden wie in der Literatur erwähnt habe ich gebraucht, passt. Und Kopfweh ist immer noch nicht in Sicht. Nach einer Verschnaufpause und einer Vielzahl an Bilder verschwinde ich 20 Minuten später wieder, denn der Wind macht den Aufenthalt ungemütlich. Bis dahin ist immer noch keiner aufgetaucht. Erst als ich den Übergang vom Grat in die Canaletta erreiche, kommen mir die nächsten Gruppen entgegen.
          Je weiter ich absteige, desto mehr Leute sind unterwegs. Passt mir auch ganz gut, denn auf ein Gedränge unterwegs mit der Option, Leute und Steine in der Canaletta auf den Kopf zu bekommen, habe ich keine Lust. Bei meinen neuen Steigeisen (Grivel G12, sehen viel besser erhalten aus als meine) lege ich erneut eine Pause ein, mache Bilder, und schau den Leuten zu, wie sie sich quälen. Teilweise in 20er Horden kommen sie angekrochen. Der nächste Boxenstopp findet dann am Indipencia statt, denn hier muss ich eh die Eisen ausziehen. Neben mir sitzt dort eine Gruppe Ranger herum, welche ebenfalls eine kurze Pause einlegen. Sie sind unterwegs zur Canaletta, um Leute zu bergen, die Hilfe benötigen. Der weitere Weg ist schnell abgewandert. Erst den Nordhang runter, immer den Serpentinen nach, dann bei grob 6200m über die Kante in die Ostflanke, und weiter runter nach Berlin.
          Dort lege ich eine Vollbremsung hin, denn ein EV3 wird aufgebaut. Im drauffolgenden Gespräch mit dem Besitzer stellt sich heraus, dass es kein neues Modell ist, und ich somit die Veränderungen an dem Modell durch Mountain Hardwear nicht bewundern kann. Der polnische Besitzer hat es vor ein paar Jahren für den Denali besorgt, wo es sich wohl bewährt hat. Nun wartet er auf seinen Sohn, und zusammen wollen sie morgen hoch. Mein Zelt ist ihm auch aufgefallen, und sein Sohn hat ihn wohl fälschlicherweise zuerst in meinem Zelt gesucht. Ist doch nett, wenn man kein weit verbreitetes Zelt verwendet, da kommt man schnell mit anderen ins Gespräch.
          Norbert gimmelt zufällig auch auf Berlin rum, und nachdem ich die Diskussion mit dem polnischen Kollegen abgeschlossen habe, wandern wir zusammen runter nach Nido. Dort werde ich um 14 Uhr vom restlichen Trupp empfangen und gefeiert. Damit ist der Aconcagua nach 10 Stunden Gesamtdauer abgehakt, jetzt kann ich die restliche Zeit geniessen. Einzig das fehlende Gipfelbier nervt. Alex und Norbert planen, morgen aufzubrechen, Otti und Co wollen noch abwarten.


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          Sonnenaufgang am morgen auf rund 6200m. Blick nach Norden bzw. Westen im Nordhang unterhalb der Indipencia Hütte




          In der Canaletta, Blick hinuter Richtung Nido de Condores




          Fast am Ziel - der Kamm zwischen Süd- und Nordgipfel, Südgipfel sowie ein Blick in die Südwand.




          Die letzten Meter hoch zum Nordgipfel




          Und noch ein Blick die Canaletta runter. Mein Weg verlief am linken Rand im Firn




          Frosch mit Maske - Selbstportrait am Gipfel.




          Ziel erreicht - das Gipfelkreuz des Aconcagua. Natürlich auch mit Elchen




          Tja, und auch das Banner war oben





          Rundblick über das Gipfelplateau. Keiner ausser mir sichtbar, ich hab den Acon für mich.





          Auf dem Rückweg. Der Pfad verläuft knapp unterhalb des Grats im Firn





          Blick in Richtung Canaletta. Auf dem mittleren Bild die erste Gruppe, die nach mir kommt.




          Blick zurück rauf Richtung Nordgipfel






          Impressionen aus der Canalette beim Abstieg





          Markanter Felskopf. Hier endet der flacher Teil der Querung zw. Indipencia und dem Steilstück der Canalette





          Die oft wingepeitschte Querung- Hinter dem breiten Grat liegt die Indipencia





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          In der Querung - Blick zurück Richtung Aconcagua Gipfel und Canaletta















          Felsformationen auf rund 6200m. Der rot schimmernde Felskopf ist der Nordgipfel des Acon







          Unsere Truppe am Nido. So langsam sehen alle etwas ungepflegter aus




          Campimpressionen






          Und wieder ein prächtiger Sonnenuntergang - mein letzter dort oben.
          Zuletzt geändert von Becks; 26.03.2010, 12:02.
          After much research, consideration, and experimentation, I have decided that adulthood is nothing for me. Thank you for the opportunity.

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            #45
            AW: [AR] Aconcagua

            Donnerstag, 21.1.2010; Tag 15 - Mulas
            Um 9 Uhr kriech ich aus den Federn, und was seh ich da? Ein Norbert, der um die Zelte schleicht. Wie Alex ist er zwar morgens los, hat aber nach 1 h aufgegeben, weil er sich schlapp fühlt. Auf eine Erholungsphase in Nido und einen zweiten Anlauf hat er keine Lust, er will runter und schnellstmöglich heim. Die Botzner lungern heute wieder vorm Zelt herum, ich brech mein Heim ab und begeb mich runter nach Mulas. Da ich heute alles dabei habe, sieht mein Gepäck etwas unförmig aus. Der 65L-Rucksack ist vollgestopft, aussen hängen Zelt, Schlafsack, Isomatte, 2 Paar Steigeisen sowie der 28L-Rucksack dran, den ich für die Gipfelrunde verwendet habe.
            Mit dem Ungetüm auf dem Rücken schlappe ich nach unten. Unterwegs halten mich zwei Leute an und wollen offiziell Bilder machen, auf einer Videoaufnahme lande ich und in Mulas lassen sich einige Amerikaner zu "WOW" Rufen hinreissen. Sieht wohl doch auch für hier recht beeindruckend aus.
            14 Uhr, Bier marsch. Den restlichen Tag lunger ich rum, schau Norbert zu, wie er seinen morgigen Abmarsch plant, trink noch ein Bierchen und les Bücher. Es sind zwei neue Gruppen da, ein Ehepaar aus Österreich und eine Gruppe Japaner. Die einen wissen, was sie tun, die Japaner eher weniger. Zum Abendessen gibt es gebratene Zuchini und Kartoffelauflauf, was doch besser schmeckt als der Tütenkram weiter oben.


            65L Rucksack mit aufgeschnalltem 28L Rucksack, und diversem Getüdel außen (Zelt, Isomatte, 2 Paar Steigeisen, Schlafsack).


            Die üblichen Karawanen - knapp oberhalb von Canada


            Etwas ausgemergelt, aber fit. So sieht ein Becks mit aufgeschnallten 140-150L Packvolumen aus.


            Tjo, auch wenn es oben spektakulärer ist, es ist eine Abwechslung. Abends im Camp Mulas


            Freitag, 22.1.2010; Tag 16 - Mulas
            Norbert verdünnisiert sich tatsächlich, ich wende mich dem Cerro Cuerno (5400m) zu. Durch wegloses Gelände tingel ich bis zum Beginn des Gletschers, den ich aufsteigen muss. Hier zeigt sich dann Südamerika von der lästigen Seite. Das Eis ist nicht eben, sondern sieht aus wie ein Igel. Entsprechend mühsam ist es, sich einen Weg durchs Büssereis zu bahnen. Ohne Aussicht auf Erfolg gebe ich nach 200 Höhenmeter Boxkampf auf, denn der Acon vom Vortag hat doch wohl mehr Reserven verbraten, als angenommen.
            Um 15 Uhr, einige Zeit nach meiner Rückkehr ins Lager, trifft Alex ein, mit dem Acon in der Tasche. Es steht somit 2:2 Berg:Gruppe, was wir entsprechend mit Bier begiessen. Nebenbei plaudern wir mit den Österreichern und bestaunen die Japaner.



















            Zuletzt geändert von Becks; 24.03.2010, 18:28.
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              #46
              AW: [AR] Aconcagua

              Samstag, 23.1.2010; Tag 17 - Geburtstag
              Um 9 Uhr ist Tagwacht, ich brat mir 'n Rührei, und Tschatschu schenkt mir noch zwei Teller voll Pfannkuchen, welche die Japaner verschmäht haben. Gelobt sei das Land im Osten. Alex taucht gegen 10 Uhr auf, er macht heute nix. Mein Plan besteht aus Haare waschen und Cerro Bonete (5010m) besteigen. Teil 1 ist schnell erledigt, auf zu Teil 2. Vom Camp aus Richtung Hotel, dort dann einfach den Spuren in ein Hochtal hinen folgend, welche deutlich sichtbar sind. Es geht erst ein Bachbett entlang, dann nach links einen schuttigen Hang hoch. Die letzten 100 Hm durchquert der Weg noch kurz eine Felspassage, dann sitzt man oben. 2.5h habe ich gebraucht, um meinem ersten 5000er zu besteigen.
              Da das Wetter wieder kippt und Wolken aufziehen, verziehe ich mich nach 20 Minuten wieder runter. Hoffentlich waren unsere Botzner schnell genug, denn heute ist für sie Gipfeltag. Im Camp beruhige ich zunächst einmal die Österreicher wegen des miesen Wetterberichts, dann teilt uns Daniela mit, dass alex und ich um 21 Uhr ins Küchenzelt eingeladen seien, ihren Geburtstag zu feiern.
              Der Abend wird feuchtfröhlich. Nur wir beiden sind eingeladen, der Rest bekam extra Pizza zur Feier des Tages. Wir hocken den gesamten Abend im Zelt und reden mit Händen und Füssen mit den Guides, die ebenfalls anwesend sind. Anscheinend ist doch mehr los, als man so selber mitbekommt. Tschatschu erzählt uns, dass unsere Franzosen nach Nido hoch sind und eine Teilnehmerin sich von einem Träger einen Pyjama sowie 4kg Schminkutensilien hochschleppen liess. Am nächsten Tag musste der arme Kerl extra rennen, denn ihre Essensrationen hatte sie in Mulas vergessen. Eine Gruppe Consultants aus Neuseeland liess sich an der Polenroute eine Ration Pizza von Camp Argentina ins erste Hochlager tragen. Per Funk um 15 Uhr geordert, um 18 Uhr musste der Träger das Zeugs abholen und hoch bringen, Kosten egal. Die Pizzen kamen wohl unter wildesten Gefluche des Trägers oben an. Höhepunkt im wahrsten Sinne des Wortes sind dann Tschatschus Ausführungen über eine amerikanische Ärztegruppe. Bis zum Anschlag mit Viagra und Diamox gedopt seien sie gewesen. Den Gehstil der Truppe erläutert Tschtschu, indem er mit geiferndem Wolfsgebrüll durchs Zelt wankt. Um 0 Uhr ist dann doch Feierabend, unsere Gastgeberin fällt um. Nach einem letzten Bierchen geht es in die Heia.




































              Sonntag, 24.1.2010; Tag 18 - Weitere Feten
              Eigentlich will ich heute auf den Cerro Cathedrale (5240m), einem Berg gegenüber vom Bonete im gleichen Tal. Eine mögliche Aufstiegsroute konnte gestern bewundern, Spuren oder Pfade dagegen keine. Zuerst jedoch suche ich nach einem Internetanschluss, die frohe Kunde über den Acon zu verteilen, finde aber nichts, was funktioniert. Bevor ich dann abmarschieren kann, schlagen die Botzener ein, und danach ist eh alles Bier.
              Sie sind gestern um 4 Uhr los, mussten aber Otti wegen Atemproblemen auf 6100m zurücklassen. Zu zweit sind sie weiter, nur um bei einer Pause unterhalb der Canaletta von einem gröhlenden Otti eingefangen zu werden, der von hinten angerast kam. Die begründete Annahme, dass er nun komplett durchgeknallt ist und unter Höhenwahn leidet, erweist sich als falsch. Alle drei haben dann den Gipfel erreicht, und heute wird deswegen ein Fass aufgemacht. Die Japaner staunen etwas, als sie nach einer Einweisung im Steigeisen anlegen bei uns im Fetenbereich vorbeikommen. Der Arzt schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, als Otti ihn zu einer erneuten Untersuchung aufsucht und er hört, wo er war.
              Alles egal, den restlichen Tag trinken wir das Lager leer. Tschatschu sieht sich genötigt, bei einem benachbarten Veranstalter Bier auszuleihen, um 1 Uhr nachts ist dann Ende. Der letzte Tropfen ist vernichtet, es gibt nix mehr. Zu dem Zeitunkt liege ich aber schon lange im Bett, denn nach der zwölften Runde Bier und ein paar Gläschchen Wein hatte ich genug.



























              Zuletzt geändert von Becks; 24.03.2010, 18:22.
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              • Zwiebelforscher
                Alter Hase
                • 15.03.2005
                • 4537

                • Meine Reisen

                #47
                AW: [AR] Aconcagua



                Also bei dir hört sich das so an, als sei das für dich ein kleiner Sonntagsspaziergang nach einem knusprigen Schweinsbraten.

                Ich bin schon sehr entspannt auf die Bilder und die Fortsetzung.
                Spinat schmeckt am besten, wenn man ihn kurz vor dem Verzehr durch ein saftiges Steak ersetzt!

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                • Biggi
                  Erfahren
                  • 06.09.2008
                  • 299

                  • Meine Reisen

                  #48
                  AW: [AR] Aconcagua

                  Boah, so´n 7.000er einfach so abzuhaken, Gratulation.

                  Da merkt man mal wieder, die Taktik ist entscheident, Vorbereitung unabdingbar und Wissen um die Lage essentiell.

                  Grossartig !

                  P.S.: Ja, so ganz ohne Bier ist blöd . Wie ist denn die Verteilung der Geschlechter am Berg? Sicher mehr Männer, oder?

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                  • Little Bird
                    Erfahren
                    • 27.11.2008
                    • 242

                    • Meine Reisen

                    #49
                    AW: [AR] Aconcagua

                    Da mein Beitrag zu diesem Thema gelöscht wurde, bitte ich hiermit um eine Erklärung.

                    Danke

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                    • Freak

                      Lebt im Forum
                      • 02.05.2006
                      • 5217

                      • Meine Reisen

                      #50
                      AW: [AR] Aconcagua

                      OT: Wurde er nicht. Er wurde lediglich in den richtigen Thread verschoben. Hier geht es schließlich um etwas anderes...

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                      • Little Bird
                        Erfahren
                        • 27.11.2008
                        • 242

                        • Meine Reisen

                        #51
                        AW: [AR] Aconcagua

                        Ohne jetzt den Vorgang jetzt unnötig ausreiten zu wollen:

                        Eine kurze Bemerkung an richtiger Stelle (so wie es auch an anderen Stellen im Forum immer wieder vorkommt) hätte für die notwendige Transparenz gesorgt.

                        Danke und Gruß

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                        • Snorri
                          Erfahren
                          • 17.01.2009
                          • 153

                          • Meine Reisen

                          #52
                          AW: [AR] Aconcagua

                          Hallo Becks

                          Also wenn ich deinen Bericht so lese dann frage ich mich warum man das ganze nicht verfilmt hat.
                          Wie lange gehst du schon Bergsteigen, denn ich finde deine Kondition und Sicherheit an solchen Bergen echt krass! Ich merke schon wenn ich am Morgen los ging für auf einen 3000er am Abend meine Füsse und die Anstrengung und du steckst da und dort mal nen 5ooo und dann noch den Acon weg.
                          Und die vollgepumten Ärzte hätte ich echt zu gerne erlebt, hast du nen Foto davon?

                          Gespannt auf die Fotos bin, echt toller Bericht!!

                          Grüsse

                          Snorri
                          Wenn man auf die Stille der Natur horcht, so kriegt man eine wunderschöne Geschichte erzählt

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                          • Gast-Avatar

                            #53
                            AW: [AR] Aconcagua

                            Ich kann es nur wiederholen.... 5 STErNE

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                            • Mika Hautamaeki
                              Alter Hase
                              • 30.05.2007
                              • 3946

                              • Meine Reisen

                              #54
                              AW: [AR] Aconcagua

                              Wirklich ein fantastischer Bericht.

                              PS: Ich nehme an, daß du nach der letzten Runde Bier und Wein endlich deine Kopfschmerzen gefunden hast, oder?
                              So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
                              A. v. Humboldt.

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                              • Becks
                                Freak

                                Liebt das Forum
                                • 11.10.2001
                                • 18781

                                • Meine Reisen

                                #55
                                AW: [AR] Aconcagua

                                Nein,
                                und meine Mittel gegen Durchfall hab ich nem Einheimischen geschenkt, der darmprobleme hatte.

                                ich versuch Sonntag abend weiter zu basteln, hoffentlich hab ich Zeit.


                                Alex
                                Zuletzt geändert von Becks; 04.03.2010, 18:32.
                                After much research, consideration, and experimentation, I have decided that adulthood is nothing for me. Thank you for the opportunity.

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                                • digithali
                                  Erfahren
                                  • 23.04.2009
                                  • 112

                                  • Meine Reisen

                                  #56
                                  AW: [AR] Aconcagua

                                  Wat sind denn das für orange Zelte (Hersteller) mit dem Exoskelett, sehen interessant aus?
                                  http://img717.imageshack.us/my.php?image=dsc0265.jpg

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                                  • Becks
                                    Freak

                                    Liebt das Forum
                                    • 11.10.2001
                                    • 18781

                                    • Meine Reisen

                                    #57
                                    AW: [AR] Aconcagua

                                    Montag, 25.1.2010; Tag 19 - Cathedrale
                                    Ich marschier spät morgens los, den Cathedrale besuchen. Am Hotel treff ich auf Otti, dem um 6 Uhr langweilig geworden ist, und der von einer Besteigung des Bonetes zurück kehrt. Nach einer Hotelbesichtigung folge ich dem bekannten Pfad, überquere jedoch nicht den Bach, sondern folge ihm weiter Talaufwärts. Auf 4700m erreiche ich eine Eisflanke, welche sich mit 35°-45° Steigung die Südwand hinauf bis zum Gipfel zieht. Ab hier erfolgt der weitere Weg im freien schwäbischen Besteigungsstil. Handschuhe an und, Faust- und Ellenbogenschläge austeilend breche ich mir eine Bahn nach oben, quer durch die ganzen Schuppen. Ein paar Kopfnüsse sind auch noch drin, und wenn eine Wand nicht gleich nachgibt, wars eben zu wenig Gewalt im ersten Anlauf. Die Schuppen sind zwar hinderlich, aber zum Glück nicht nur im negativen Sinne. Da das ganze Areal aufgrund der Eisnadeln gestuft ist, kann ich gemütlich wie auf einer Treppe aufsteigen. Ein etwaiger Abflug würde zudem nicht eine Segelpartie bis unten bedeuten, sondern nach ein paar Meter von irgendeinem Eispfosten aufgehalten werden.
                                    Gegen Mittag, mit Einsetzen von Graupel und Schneefall bin ich dann oben auf dem Gipfel, der zweite 5000er ist erlegt. Photorunde, Abstieg. Der untere Bereich im Hang wartet dann noch mit ein paar fieseren Stellen auf. Der Gletscher ist immer noch steil, aber mit rund 10-30 cm Schutt komplett zugedeckt. An den steileren Stellen haben sich Abrisskanten und freie Eisflächen gebildet. Bei der Querung oberhalb einer solchen Fläche kommt der Hang dann zusammen mit mir ins Rutschen. Erst geht es 2 Meter auf dem Hintern, anschliessend dann weitere 3 Meter auf den Steigeisen rodelnderweise abwärts, nachdem ich mich während der Fahrt aufrichten kann. Was bislang noch halbwegs sauber war, ist nun definitiv eingesaut. Die Handschuhe hatte ich Erwartung eines solchen Fliegers eh anbehalten, und so passiert gar nichts.
                                    Auch der Rückweg ist unspektakulär. Das Inet im Hotel geht nicht, Karten gibt es, sogar mit Briefmarken, aber mir fehlen ein paar Adressen. Der Zettel liegt nämlich unten im Hotel von Penitentes. So nehm ich das Zeugs dann mit ins Camp, fest entschlossen, diese noch auszufüllen. Unterwegs hüllt mich dann Graupel ein, das Wetter wird wieder richtig mies. Die Österreicher berichten mir, dass oben in Berlin ein halber Meter Schnee liegt und keiner derzeitig mehr auf den Acon kommt. Da haben wir wohl Glück gehabt Nach dem Abendessen dann verschwindet jeder schnell ins Bett, denn das nass kalte Wetter ist unangenehm.



























                                    Montag, 26.1.2010; Tag 20 - Abflug
                                    Nachts um 0:30 Uhr werd ich wach und werfe einen Blick raus. Halbmond, kaum Wolken am Himmel, das Camp nachthell. Zeit für Bilder denk ich, zieh Klamotten an, renn in Schlappen zum Gruppenzelt und besorg dort IR-Sender und mein Tripod. Danach bin ich für 30 Minuten in Mulas unterwegs und mach Bilder, bis der Mond untergeht. Ab ins Bett, mal sehn wie die werden.
                                    Morgens um 8 Uhr ist Frühstück, unser schweres Gepäck reist wieder per Muli. Mit Daypack, etwas essen und 2L Wasser sprinten wir dann los. Die Gruppe verliert sich sofort aus den Augen, jeder geht wie er will. Much nutzt unterwegs die 30 Minuten Pause in Confluenca, wo wir per Funk den Bus ordern, um eben mal 6 Bierchen zu tanken. Da jedoch nie klar ist, wer sich wo herumtreibt, wird der Bus auf 17 Uhr bestellt. Viel zu spät, denn nach 6h Sprinterei bin ich bereits beim Check out. Lediglich ein paar Bilder, wo ich mit Argentinischen Familien posieren muss, nachdem sie erfahren haben, wo ich war, bremsen. meine ursprüngliche Idee, gleich zum Hotel durchzurennen, lasse ich fallen, nachdem ich entdecken muss dass die Strecke dorthin nicht "grob 5km" sondern real 11 km sind und zudem Gewitterwolken auftauchen.
                                    Die Wartezeit verbringen wir damit, die Socken zu lüften und die Touristen zu studieren. Viele sehen so aus, als ob sie die Schnitzel zu viel bekommen haben, die uns gerade im Magen fehlen. Much sorgt noch einmal für einen hochroten Kopf, als er unerwartet ein Madel anspricht, ob sie sich mit ihm photographieren lassen will. Die erstaunten Blicke hindern ihn nicht daran, sie zu umarmen, *klick* Photo im Kasten und wir haben eine verstörte Person mehr auf der Welt.
                                    Nach Ankunft im Hotel verteilen wir uns auf die Zimmer und gehen zum gemütlichen Teil des Tages über. Eine oder zwei Runden Bier wandern in die Kehle, dann ist die Dusche frei und ich kann mir endlich Dreck abwaschen. Details dazu spare ich mir, aber mit einer Ladung Duschgel kommt man echt nicht weit.
                                    Im Aufenthaltsraum verquasseln wir uns die Zeit mit anderen Gruppen, die noch hoch wollen und trinken doch noch ein oder zwei Bierchen (können auch mehr gewesen sein). Das Abendessen dann ist viel besser als beim ersten Mal, die Steaks sind gut, die Beilagen und der Nachtisch ebenfalls. Zur Abwechslung gibt es dazu Rotwein, welcher spottgünstig ist. Irgenwadnn hab ich dann genug und verschwinde Richtung Bett.
                                    Zuletzt geändert von Becks; 24.03.2010, 18:43.
                                    After much research, consideration, and experimentation, I have decided that adulthood is nothing for me. Thank you for the opportunity.

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                                    • Becks
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                                      Liebt das Forum
                                      • 11.10.2001
                                      • 18781

                                      • Meine Reisen

                                      #58
                                      AW: [AR] Aconcagua

                                      Dienstag, 27.1.2010; Tag 21 - Chile
                                      Heute ist Abschied von den Anden angesagt. Unser Bus holt uns morgens um 10 Uhr ab. Das Gepäck wird verstaut, und Much erzählt mir noch den Verlauf des letzten Abends, während er nebenbei noch zwei Bierchen trinkt. Sie hätten noch etwas gebechert, dann sei auch er ins Zimmer und morgens dann um 7 Uhr in voller Montur auf dem Boden aufgewacht. Keines der drei Betten, die er alleine zur Auswahl hatte, wäre benutzt gewesen.
                                      Die Fahrt nach Mendoza ist spannend, der Fahrer gibt alles. Teilweise nahe an der Driftgrenze geht es die kurvige Strecke runter, die Warn- und Geschwindigkeitsbegrenzungsschilder fliegen nur so vorbei, überholt wird wo es Spass macht. Nach kurzer zeit sind die Anden hinter uns und wir am Flughafen angelangt. Dort ist dann nach kurzer Zeit Wiedersehen mit Thomas, welcher aus Patagonien zurück ist und seinen Kram in Empfang nimmt. Und wen treffen wir auch? Norbert ist da, total angesäuert, er hat keinen Flug bekommen und musste im ausgebuchten Mendoza auch noch 2x das Hotel wechseln. Immerhin ab jetzt geht alles planmässig, denn er hat bereits vor Reisebeginn einen direkten Weiterflug nach Wien gebucht, während wir in Santiago de Chile eine Ehrenrunde drehen werden. Der Check In verläuft plangemäss, bis beim Röntgen in meinem Handgepäck ein Stein entdeckt wird. Es handelt sich um eine splittrige Quarzplatte, welche ich in der Nähe der Acon Südwand gefunden habe und zu meiner Steinsammlung daheim legen will. Das Teil sei eine Waffe, ich dürfe damit nicht an Bord, wird mir erklärt. Mein Konter, dass wir zumindest in Europa die Steinzeit längst hinter uns gelassen hätten und bereits Waffen aus Stahl besitzen würden, fällt mir leider zu spät sein. So knall ich dem Burschen eben seinen Steinbrocken auf den Tisch, möge er damit glücklich werden. Die kurze Wartezeit bis zum Abflug verläuft so wie die lange Check In Zeit - mit Bier trinken. Keine Ahnung, wo Much das Zeugs überall auftreibt, aber kaum ist eine Flasche leer, steht die nächste da. Der Flug geht schnell vorbei, der Check out verläuft plangemäss. Raus aus dem Zollbereich, da steht schon unsere reiseleiterin. Durchzählen, Much beim Bier kaufen abfangen, holla, da fehlt doch einer. Kollege Alex ist nicht sichtbar, dabei rollerte er doch gerade mal 5m hinter mir her. Wenig später dann steht fest - er steckt fest, abgefangen vom Zoll. Wir warten, Much geht Bier suchen, irgendwann dann taucht Alex auf. Er hatte noch eine aus Deutschland stammende Tüte Studentfutter in einer Seitentasche im Rucksack. Vergessen und vom Röntgengerät gefunden. Nachdem er zugestimmt hat, dass diese Tüte vernichtet werden darf, hat er Glück, bekommt eine Ration Anschiss, muss aber nicht die 250 USD Strafe blechen.
                                      Die Fahrt durch Santiago ist unspektakulär. Eine Grossstadt eben, nichts was mich wirklich dauerhaft fasziniert, ausserdem ein herber Kontrast zu den Tagen davor. Unser Hotel liegt ausserhalb vom Stadtzentrum, in einem recht sicheren Bereich. Dennoch sollen wir auf unsere Photoausrüstung aufpassen und nicht zu viel Bargeld und Kreditkarten mitnehmen. Das Hotel ist schlichtweg umwerfend. Schön eingerichtete Zweibettzimmer, eine Dusche mit viel heissem Wasser, Bar und Inetanschluss. Endlich kann ich die ersten Nachrichten heimwärts schicken, die Postkarten werd ich wohl persönlich vorbeibringen, denn in Mendoza gabs keinen Briefkasten.
                                      Um 18:30 Uhr ist Treffen in der Lobby angesagt, wir wollen danach zum Abendessen. Alle sind da, nur much nicht. Nach etwas Sucherei beschliessen wir, dass er wohl doch genug Bier hatte und nun schläft. Beim Verlassen des Hotels stellen wir unseren Irrtum fest. much sitzt bereits ein Gartenlokal nebenan und efeirt immer noch. Da uns nicht besseres einfällt, gesellen wir uns zu ihm und bestellen das übliche - Steaks. Diese sind ok, kommen aber nicht an die Qualität von Argentinien ran (teurer ist das Ganze auch noch). Gegen 22 Uhr beschliessen alle ausser Alex und ich, in die Innenstadt zu fahren. Wir haben genug und verziehen uns ins Bett.


                                      Dienstag, 28.1.2010; Tag 22 - Abschied von Chile
                                      Nach einer ausgiebigen Dusche verstau ich mein Material fluggerecht, und begebe mich zum ersten Mal frühstücken. Die Blicke der etwas besser gekleideten Leute, unter denen ich mit meinen verratzen Bergklamotten doch auffalle, ignoriere ich. Kaffee und viele frische Früchte sind dran. nach einer Runde Internet sowie einem kurzen Abstecher nach draussen, wo ich Bilder der Umgebung knipse, lege ich eine zweites Frühstücksrunde ein. Irgendwann dann holt uns unser Bus ab und karrt uns zum Flughafen.
                                      Der Checkin wird zum Geduldspiel, die Warteschlange vor dem Schalter ist grob 250m lang und zieht sich quer durch das Terminal. Ohne Probleme wird unser Fluggepcäk nach knapp 2h eingecheckt und wir verkriechen uns Richtung Abflughalle. Dort dann ein erneutes Halloooo. An einem Schalter steht Norbert und versucht, noch einen Platz in einem Flieger zu ergattern. Er hat seinen Abflug verpennt und ist etwas gereizt, da er längst in Wien sein wollte.
                                      Tja, und dann geht es heimwärts. Rein in den Flieger, Gepäck verstauen und die Sitznachbarn begutachten. Ich hocke in der Gangmitte, rechts neben mir ein freundlicher spanisch sprechender Fluggast, links ein Trekkingpärchen aus Holland. Wo die zwei unterwegs waren kann ich auf den Bildern sehen, die sie auf einem Laptop bestaunen, und dass sie wohl viel erlebt haben müssen, erkenne ich an der Schreibwut des Mädels neben mir. Das alles wäre ja ganz nett, wenn es nicht in der Nacht stattfinden würde, wo alle anderen (inkl. ich) schlafen wollen. Zum Glück hilft auch hier die Kombination aus IPod und Kopftuch, um für Ruhe und Entspannung zu sorgen.
                                      Nach dem Touchdown in München verteilt sich die Gruppe recht schnell. Die Südtiroler ziehen geschlossen ab und Alex und ich trennen uns am Ostbahnhof in München. Der Tipp meiner Cousine, das Gepäck im restaurant am Bahnhof abzustellen und dann mitd em Auto zu holen, ist gut, funktioniert aber nicht. Das Restaurant ist geschlossen, und so muss ich eben den Kilometer mit den ganzen Kram laufen. Meine Cousine trudelt kurz nach meiner Ankunft ein, versorgt mich mit Bretzeln, Weisswurst und Kaffee und erzählt mir dabei von ihren Ideen (Heliskiing in Kanada, Skitourn in der Südschweiz,...). Gibt also noch mehr aus meiner Familie, die ähnlich gestrickt sind.

                                      Tja, was bleibt ist dann noch die Heimfahrt, Auspacken, Bilder sorteieren. Das wars dann mit dem Acon.


                                      Bilder kommen, ich hab am Wochenende gezwungenermassen nicht viel vor.
                                      After much research, consideration, and experimentation, I have decided that adulthood is nothing for me. Thank you for the opportunity.

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                                      • Becks
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                                        • 11.10.2001
                                        • 18781

                                        • Meine Reisen

                                        #59
                                        AW: [AR] Aconcagua

                                        Anmerk...

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                                        Alex
                                        Zuletzt geändert von Becks; 21.03.2010, 10:23.
                                        After much research, consideration, and experimentation, I have decided that adulthood is nothing for me. Thank you for the opportunity.

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                                          #60
                                          AW: [AR] Aconcagua

                                          Glückwunsch zur Besteigung Becks. Tolle Fotos und interessanter Text!

                                          Was ich mich beim Betrachten der Fotos schon häufiger gefragt habe: Warum steht das EV3 häufig so verknittert da? Du hast es ja scheinbar solide abgespannt. Auch in deinem Zelttestthread war es so, wenn ich mich richtig erinnere. Ist das irgendwie Teil eines Konzepts?

                                          Viele Grüße!

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