[RU] Tscherskigebirge: Wildnistrip zu den Perlen Ostsibiriens (2021)

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  • bikevagabond
    Erfahren
    • 22.11.2013
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    • Meine Reisen

    #41
    Zitat von Mortias Beitrag anzeigen
    Aber die Fotos sind wirklich mal wieder unheimlich genial. Besonders diese offene Parklandschaft wo Du durchgekommen bist sah wirklich traumhaft aus. Da würde ich am liebsten gleich selbst mal durchwandern.
    Da sag ich doch nochmal danke für die netten Worte! Ich bin mir sicher, dass dem werten Herren so eine Tour auch bestens gefallen hätte ;)
    „Es gibt einen Weg, den keiner geht, wenn du ihn nicht gehst.“
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    • bikevagabond
      Erfahren
      • 22.11.2013
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      • Meine Reisen

      #42
      Teil 4: Über die Omulevka zu den Darpir-Seen

      Bei schönstem Sonnenschein geht es weiter auf dem Oberlauf der Omulevka, dem ersten richtigen Fluss dieser Tour! Und obwohl es gerade Niedrigwasser gibt, treffe ich auf eine wuchtige Strömung, die mich vor allem in den steinigen Engstellen kräftig schaukeln lässt.
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      Immer wieder zeigen sich eindrucksvolle Uferabbrüche – felsige Flanken, die teilweise über 50 m in die Höhe ragen und dem Flusslauf einen canyonartigen Charakter verleihen.
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ID: 3128935

      Der Fluss hat auf jeden Fall was zu bieten – ich komme flott voran, bin aber auch ständig gefordert, den besten Kurs durch das teilweise ruppige Wildwasser zu finden. Beim Durchbrechen der hohen Wellen schwappt mir ruckzuck das Boot voll, so dass ich wiederholt anlanden muss, um es auszukippen.
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      Der Wildwasserspaß hat aber auch seine Grenzen. Hier bin ich dann nicht mehr durch...
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      Da hinter dieser brausenden Schwelle noch zwei gefährliche Stromschnellen folgen, die ich allesamt umtragen müsste, entscheide ich mich, schon hier den Hang hinaufzusteigen, denn genau an dieser Stelle ist die alte Kettenfahrzeugspur, die zur Basis Margaritto führt, nur 100 m vom Ufer entfernt. Ich packe also mein Boot ab, schleppe alles hoch und bin auf den folgenden 2 km wieder ein Radwanderer, der sich mit seinem schwer bepackten Stahlross durch das mückenverseuchte Gebüsch kämpft...
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      Aber auch hier oben wird man mit schönen Ausblicken belohnt!
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      Nach 1,2 km hab ich sie dann endlich erreicht: die Basis Margaritto. Von der hohen Flussterasse führt eine Holztreppe hinab zu diversen Hütten. Es scheint, dass sie noch immer in Benutzung ist bzw. bewohnt, doch zur Zeit scheint niemand da zu sein.
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      Der Name „Margaritto“ klingt nicht gerade russisch und auch nicht sibirisch... Das liegt wohl daran, dass der Gründer dieser Basis, ein Fotograf aus Susuman mit „eindeutig italienischen Wurzeln“ sei, wie Karpuchin in seinem Bericht erklärt. Inzwischen gehört die Basis aber einer russisch-ewenischen Familie aus Magadan, wobei der Sohn der Familie – ein gewisser Artjom – dazu verdonnert wurde, sich um diese zu kümmern. Im Grunde lebt er hier das ganze Jahr, daher hatte ich erwartet, ihn hier zu treffen. Doch wer weiß, wie sich die Dinge über die Jahre geändert haben – der Bericht ist schließlich von 2009 und vieles sieht auch nicht mehr so intakt aus, wie auf den Fotos von damals.

      Um mit kommerziellem Tourismus Geld zu verdienen, hat man hier mehrere leichte Sommerhütten für potentielle Touristen und Fischer errichtet. Da es aber im Allgemeinen sehr schwierig und teuer ist, hier her zu kommen, kam es nie zu der erhofften Zahl der Gäste – im Sommer höchstens einmal im Jahr, im Winter etwas öfter.
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      Das sind die Stromschnellen, die es zu umgehen galt (direkt neben der Basis).
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      Bei höherem (normalem?) Wasserstand sieht das Ganze noch etwas gefährlicher aus (ein Bild vom Juli 2018). Auch erfahrene Wildwasserrafter ziehen es vor, ihren Katamaran an dieser Schwelle vorbeizutragen (es gibt auch einen gut erkennbaren Pfad, der am Hang des steil abfallenden Ufers entlang führt).

      Da die Schlucht an dieser Stelle sehr schmal ist, hat man hier ein Stahlseil gespannt, um direkt auf die andere Seite des Flusses zu gelangen. 2009 gab es diese Möglichkeit noch. Jetzt allerdings nicht mehr...
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ID: 3128950

      Da die Sonne allmählich unter geht, mache ich mich weiter auf den Weg. Ich könnte schon hier an der Basis, direkt unterhalb der Stromschnellen, wieder einsetzen, doch was da hinten an der nächsten Kurve kommt, sieht mir immer noch zu ruppig aus... Wenn ich kann, umgehe ich solche Stellen lieber, als dass ich mich einem unnötigen Risiko aussetze.
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ID: 3128949

      Evgeni, unser „Sibirier“ hier im Forum, hat das vor kurzem mal sehr treffend auf den Punkt gebracht:
      „[In der Wildnis] werden die Hindernisse, die auf dem Weg entstehen anders betrachtet: nicht als Fun oder Spass, sondern als Gefahr... und du wirst dir noch 'zich Mal überlegen, ob du deinen Arsch in diese Stromschnelle einziehen lässt oder ist es sicherer (aber auch langsamer) irgendwie am Ufer durchzukriechen.“

      Ich schiebe mein Rad noch 700 m weiter, bis ich an diesen ruhigen Einstieg gelange.
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ID: 3128951

      Im Prinzip will ich nur noch auf die andere Flussseite wechseln, 2 km flussabwärts soll es eine Fortsetzung der Kettenfahrzeugspur geben, die weiter zum kleinen Darpir-See führt. Doch jetzt im Dämmerlicht muss ich sehr genau aufpassen, um die Stelle nicht zu verpassen. Ich habe kein GPS, keinen Track, nur eine Papierkarte im Maßstab 1:200.000, auf der ich den ungefähren Verlauf der auf den Satbildern erkennbaren Fahrspuren eingetragen hatte. Ob die alte Furt vom Wasser aus zu erkennen ist?
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ID: 3128952

      Ich orientiere mich an den Windungen des Flusses, zähle sie mit und gleiche sie mit meiner Blickrichtung auf die Berge des vor mir liegenden Omulevka-Gebirges ab. Falls ich zu weit rafte, kann ich nicht mehr umkehren und müsste mich ein längeres Stück durch den dichten Auwald schlagen, um an den Beginn der Spur zurück zu kommen... Als eine Sandbank auftaucht, lege ich vorsichtshalber schon an und erkunde zu Fuß die Umgebung. Es gibt einen trockenliegenden Kanal, der wie ein Tunnel durch den düsteren Auwald führt. Spuren im Sand deuten darauf hin, dass er auch gern von den Tieren genutzt wird. Rasch gehe ich noch einmal zum Boot zurück und „bewaffne“ mich mit allem, was ich habe, erst dann gehe ich weiter. Eine ganze Weile folge ich dem Kanal, der anscheinend nur bei Hochwasser voll ist. Ich krieche unter einem querliegenden Baum durch, dann sehe ich auf einmal links neben mir einen „Doppelpfad“ die Böschung hinaufgehen – mein Weg!

      Interessant, dass er auf dem trockenen Grund der Flussterrasse so gut zu erkennen ist, nicht aber in der verwachsenen Schotteraue zu meiner Rechten. Direkt am Flussufer hätte also nichts auf den Beginn der Spur hingedeutet – gut, dass ich schon etwas früher angelegt habe! Ein kleines Stück noch folge ich der Spur die Terrasse hinauf, bis sich vor mir eine steppenhafte Wiese auftut, die von Büschen umrahmt ist und einen malerischen Blick auf den spektakulär aufragenden Gebirgsrand erlaubt. Ein fantastischer Platz – hier bleibe ich!
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ID: 3128953

      Mit Einbruch der Nacht steht dann auch mein Zelt. Der Mond ist inzwischen aufgegangen und taucht die Taiga in ein fahles Licht. Als ich ein Bild von der Szenerie aufnehme, zischt gerade eine doppelte Sternschnuppe über den Himmel...
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      An sich hätte ich auch auf der Omulevka weiterpaddeln können, sie würde mich am Ende an das gleiche Ziel bringen. Doch wie eingangs schon erwähnt, erscheint mir dieser Wildwasserfluss zu gefährlich, um ihn in meinem kleinen Packraft mit Fahrrad, dazu noch im Alleingang, zu bewältigen... Wer sich ein Bild davon machen will, wie es weitergegangen wäre – hier gibt es einen weiteren Bericht vom russischen Landschaftsfotografen Sergej Karpuchin, der sich ein Jahr nach seiner Bergseen-Fotoexpedition noch einmal ausschließlich der Omulevka widmete (dann mit Start an der Basis Margaritto, zu der er sich 2010 mit einem Helikopter einfliegen ließ):
      http://www.photogeographic.ru/articles/112/

      Ganz am Anfang – dort, wo die Omulevka in das Gebirge eintaucht – gibt es von Süden her einen kleinen Seitenzufluss: den Kazbek. In seinem felsigen Tal befindet sich ein fotogener Flussgletscher (Naled), der einen sehr schönen Kontrast zur schroffen Umgebung bildet:

      Trotz ihrer Bekanntheit und landschaftlichen Schönheit, wird die Omulevka (bis an ihr Ende) von nur 2-3 Raftinggruppen pro Saison befahren.
      „Es gibt einen Weg, den keiner geht, wenn du ihn nicht gehst.“
      Meine bisherigen Reisen

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      • bikevagabond
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        • 22.11.2013
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        • Meine Reisen

        #43
        Sonnenaufgang über dem Omulevka-Gebirge. Es ist der 15. Tag seit meinem Start in Susuman.
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: tscherskigebirge141.jpg Ansichten: 0 Größe: 138,8 KB ID: 3128962

        Aus Angst davor, ein Bär könnte wieder auf meinem noch nicht getrockneten und damit vielleicht wieder muchig-interessant riechenden Boot herumkauen, habe ich es über Nacht in einem Baum gehangen. Der Proviant dagegen blieb standardmäßig in den Taschen vor dem Zelt liegen 😄
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: tscherskigebirge142.jpg Ansichten: 0 Größe: 219,1 KB ID: 3128963

        Bei diesem Sonnenwetter habe ich keine Probleme, meine Akkus zu laden.
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: tscherskigebirge143.jpg Ansichten: 0 Größe: 180,7 KB ID: 3128964

        Meine Karte, mit der ich mich nun zu den Darpir-Seen manövrieren will... Um nicht die Orientierung zu verlieren oder irgendwo in einem weitläufigen Sumpf zu versacken, werde ich weiterhin der alten Kettenfahrzeugspur folgen.
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: tscherskigebirge144.jpg Ansichten: 0 Größe: 220,1 KB ID: 3128965

        Von der Spur ist allerdings schon hier kaum noch etwas zu erkennen...
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: tscherskigebirge145.jpg Ansichten: 0 Größe: 161,4 KB ID: 3128966

        Nach einem Kilometer mühsamen Schiebens bemerke ich, dass ich auf einer ganz anderen Spur gelandet bin – sie biegt nach Süden ab, ich will aber nach Nordwesten...
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: tscherskigebirge146.jpg Ansichten: 0 Größe: 223,7 KB ID: 3128967

        Also drehe ich um und versuche die richtige zu finden. Stundenlang laufe ich (zunächst ohne Gepäck) durchs Gelände, bis ich eine Schneise finde, welche in die scheinbar richtige Richtung führt. Dann geht es steil bergauf, dazu noch durch dichtes Gebüsch. Wieder einmal trage ich meinen Rucksack vor und ziehe im zweiten Gang mein Rad hinterher. Alle zehn Meter muss ich eine Verschnaufpause einlegen, die ich mit Blaubeeren pflücken ausfülle... Bis ich ganz oben bin, vergehen ganze zweieinhalb Stunden – für gerade mal einen Kilometer! Was ich noch gar nicht erwähnt hatte: Rad und Gepäck brachten beim Tourstart rund 85 kg auf die Waage (inzwischen etwa 9 kg weniger).
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: tscherskigebirge147.jpg Ansichten: 0 Größe: 254,4 KB ID: 3128968

        Oben auf der sumpfigen Hochebene komme ich dann wieder etwas besser voran – obwohl ich die Spur immer wieder suchen muss, denn sie ist in dem buckeligen Gelände schon so überwachsen, dass ich sie kaum noch ausfindig machen kann. Als ich dann die imaginäre Grenze vom Magadan Oblast nach Jakutien erreiche, tut sich vor mir ein weitflächiger Sumpf auf. Es gibt tiefe Wasserlöcher und die alte Spur führt direkt hindurch.
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: tscherskigebirge148.jpg Ansichten: 0 Größe: 160,0 KB ID: 3128969

        Natürlich kann ich da nicht einfach weiter und suche mir eine halbwegs begehbare Umgehung am Rand der Wasserlöcher.
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: tscherskigebirge149.jpg Ansichten: 0 Größe: 177,6 KB ID: 3128970

        Zwei Kilometer geht das dann so – zwei elendig lange Kilometer, auf denen ich schweißgebadet mit Kriebelmücken, Verzweiflung und Wassermangel kämpfe. Am liebsten würde ich das Rad hinschmeißen und nur noch mit dem Rucksack weitergehen. Doch ohne zweiten Rucksack, müsste ich das am Rad befestigte Gepäck umständlich hinterhertragen. Und es wäre auch nicht in meinem Sinne, irgendwelchen Schrott in der Wildnis liegen zu lassen. Wenn ich mich dazu entscheiden sollte, das Rad zurückzulassen, dann an einer Basis oder mindestens an einer Hütte... Also kämpfe ich mich wie gehabt weiter durch den Sumpf: den Rucksack vortragend, das Rad hinterherziehend. Ich darf auch nicht bummeln, denn ich will bis Sonnenuntergang unbedingt wieder trockenen Grund erreichen, um mein Zelt für die Nacht aufstellen zu können... Irgendwann im Dämmerlicht erreiche ich dann ein stark verbuschtes, aber trockenes Seeufer.

        Am nächsten Morgen weckt mich wieder strahlender Sonnenschein. Es herrscht nach wie vor hochkontinentales Spätsommerwetter mit Temperaturen zwischen -5°C am Morgen und +25°C am Nachmittag. Auch heute erwarte ich wieder 20°C und mehr – eigentlich traumhaft für die Jahreszeit, aber auf der aktuellen Etappe hätte ich es gerne etwas kühler gehabt. Solange es nicht wärmer als 7..8°C ist, hat man nämlich seine Ruhe vor den lästigen Blutsaugern. Also starte ich diesmal in aller Frühe, um nicht von Beginn an wie ein gehetztes Tier unterwegs zu sein. Denn wenn die Kriebelmücken erst einmal ausgeschwärmt sind, muss ich ständig in Bewegung bleiben, um nicht wahnsinnig zu werden...
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: tscherskigebirge150.jpg Ansichten: 0 Größe: 166,2 KB ID: 3128971

        Dann erreiche ich einen größeren See, den ich eigentlich schon für die letzte Nacht angepeilt hatte.
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: tscherskigebirge151.jpg Ansichten: 0 Größe: 177,7 KB ID: 3128972

        Ein überraschend schönes Ufer, hier mit Blick zurück auf das Omulevka-Gebirge.
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        Bei einem kleinen Erkundungsgang gehe ich bis zu dem Ausfluss des Sees und überlege, ob man hier mit dem Boot vielleicht besser weiterkommt.
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: tscherskigebirge153.jpg Ansichten: 0 Größe: 149,2 KB ID: 3128974

        Der Kanal ist tief und hat sogar etwas Strömung, doch nach ein paar hundert Metern zeigen sich schon die ersten schwierigen Engstellen.
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        Ein neugieriger Schnäpper beobachtet mich mit scheinbar höhnischen Krächzern...
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        Nach zwei Kilometern Sumpfspaziergang folge ich weiter der reliktischen Kettenfahrzeugspur, die wohl seit der Sowjetzeit nicht mehr benutzt wurde. Aber gemessen an den Alternativen scheint sie immer noch der beste Weg zu sein, um die Portage zügig hinter mich zu bringen.
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        Am Nachmittag erreiche ich endlich den ersten der beiden Darpir-Seen. Diese Seen, auf über 800 m Höhe gelegen, sind die dritte "Perle" meiner Route.
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        Leider hat ausgerechnet jetzt das Wetter umgeschlagen und es weht auf einmal ein kräftiger Nordwind über den kleinen Darpir. Um paddelnd überhaupt noch vorwärts zu kommen, halte ich mich immer dicht am teilweise windgeschützten linken Ufer.
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        Dort, wo es zu mühsam ist, treidle ich mein Boot gegen Wind und Wellen.
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        Je mehr ich mich dem nördlichen Ende des kleinen Darpirs nähere, desto ruhiger wird schließlich der Wind. Schöne Uferböschungen tauchen auf – trocken, flechtenbewachen und mit tollem Blick auf den See. Als sich dann noch ein kräftiger Schauer ankündigt, nutze ich die Gelegenheit und stelle schon etwas früher als sonst mein Zelt auf.
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        Mein Blick aus dem Zelt... Vom Regen kam dann nichts mehr an.
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: tscherskigebirge161.jpg Ansichten: 0 Größe: 173,7 KB ID: 3128982

        Da bis zum Dunkelwerden noch etwas Zeit ist, entscheide ich mich noch zu einem Abstecher zur 2 km entfernten früheren Wetterstation, die in Karpuchins Bericht von 2009 erwähnt wurde. Es gibt zwar auch auf den alten Sowjetkarten ein Symbol, das die alte Station verortet, aber ohne den Hinweis aus dem Bericht wäre mir das nicht aufgefallen... Ich folge einem gut erkennbaren Pfad und sehe schon bald die ersten Spuren menschlicher Nutzung: die Stümpfe vor Jahrzehnten gefällter Bäume.
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        Auf einer Freifläche tauchen sie dann auf: die Gebäude der ehemaligen Wetterstation.
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        Von der Wetterhütte und den Messinstrumenten ist nicht mehr viel übrig...
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        Das Gebäude scheint aber immer noch in Benutzung zu sein, ein Teil zumindest ist aufgeräumt und bewohnbar. Etwas skurril: das Spielzeugpferd – ein Überbleibsel aus der Zeit, in der hier anscheinend auch eine Meteorologenfamilie mit Kind lebte. Von den 40ern bis in die 90er Jahre hinein sollen hier das ganze Jahr über Leute stationiert gewesen sein. Jetzt ist es nur noch Artjom von der Margaritto-Basis, der hier ab und zu zum Angeln herkommt und für Ordnung sorgt. Und im Winter sind es vielleicht auch mal ein paar Jäger, die diese Unterkunft für sich in Anspruch nehmen.
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        Auf dem Tisch liegen alte Dokumente, als hätten sie immer noch eine Bedeutung.
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        Alte Bibliothek in einem unaufgeräumten Nebenbereich des Gebäudes.
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: tscherskigebirge167.jpg Ansichten: 0 Größe: 106,8 KB ID: 3128988

        Am nächsten Tag paddle ich über einen 3 km langen Verbindungskanal weiter zum großen Darpir-See. Ich hatte schon befürchtet, dass es hier einige Hindernisse oder Flachwasserstellen gibt, aber nichts dergleichen ist der Fall.
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        Mündung in den großen Darpir.
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: tscherskigebirge169.jpg Ansichten: 0 Größe: 113,1 KB ID: 3128990

        Beim Überqueren des 13 km langen Sees halte ich mich jetzt am rechten Ufer. Der Gegenwind ist heute zum Glück kaum spürbar.
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        Auf halber Strecke treffe ich auf eine alte Blockhütte.
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: tscherskigebirge171.jpg Ansichten: 0 Größe: 163,0 KB ID: 3128992

        Auch diese scheint noch regelmäßig in Benutzung zu sein.
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: tscherskigebirge172.jpg Ansichten: 0 Größe: 106,5 KB ID: 3128993

        Die langen Winternächte verbringt man hier offenbar mit alten sowjetischen Propagandafilmen (irgendwas mit Mähdreschern war zu erkennen) 😎 Solche Rollen lagen vor 12 Jahren an der Wetterstation, irgendwie haben es nun Teile davon bis hierher geschafft...
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        Verwilderter Vorgarten... Hier hat mal jemand richtig gelebt!
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        Bärensicheres Depot (ein sogenannter Labas).
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        Es bleibt den ganzen Tag bewölkt. Bei Sonnenschein wäre dieses Panorama sicher DER Knaller gewesen!
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        Nah am Nordende des Sees richte ich dann meinen Lagerplatz ein. Direkt hinter mir erhebt sich ein felsiger Berg, den ich am nächsten Tag besteigen möchte, um noch einmal einen Rundumblick über den See zu erhaschen.
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: tscherskigebirge178.jpg Ansichten: 0 Größe: 129,7 KB ID: 3128999

        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: tscherskigebirge179.jpg Ansichten: 0 Größe: 104,2 KB ID: 3129000

        Ich bin jetzt an einem Punkt, der mich mit großer Neugier, aber auch einer gewissen Ehrfurcht auf den folgenden Abschnitt der Reise schauen lässt. Denn morgen werde ich die finale 400 km lange Flussfahrt beginnen, für die ich diesen langen und beschwerlichen Weg auf mich genommen habe. Es ist zugleich mein „point of no return“ – sobald mich die Strömung der Flüsse durch die wilden Gebirgstäler trägt, wird es keine Pfade oder Spuren mehr geben, auf denen ich über Land an meinen Ausgangspunkt zurückkehren könnte.

        Doch das spannendste ist, dass ich von der nun folgenden Etappe bis zum eigentlichen Beginn der Rassocha keinerlei Informationen habe. Überhaupt konnte ich im Internet nur einen einzigen Bericht finden, der eine Flussfahrt auf der Rassocha dokumentiert (vom Juli/August 2015). In diesem ist die Gruppe von Jakutsk, also von Westen her an den Fluss gelangt, so dass ich erst in etwa 65 km auf ihre beschriebene Route treffen würde. Bis dahin werde ich mir wie ein Pionier vorkommen und selbst entdecken (müssen), was der Flusslauf an Überraschungen und Hindernissen bereit hält.

        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: tscherskigebirge180.jpg Ansichten: 0 Größe: 86,7 KB ID: 3129001

        Interessantes Detail am Rande: In einem sowjetischen Reiseführer für Raftingtouren (A.V. Gluschkov: „100 Flüsse Jakutiens“, 2016 neu aufgelegt und erweitert: „Flüsse Ostsibiriens“) ist die Route ab Susuman bzw. über die Omulevka und die Darpir-Seen als eine Art Standardzugang zur Rassocha beschrieben. Aber wie ich dem Tourbericht von 2015 entnahm, war bis dato „nicht bekannt, ob jemand dieser Route gefolgt ist.“ In der Bibliothek des Moskauer Touristenklubs fanden sich lediglich zwei ältere Berichte, die ein Rafting auf der Rassocha beschreiben: von 1973 und 1986. In beiden Fällen startete man zwar in Susuman, ging dann aber eine andere Strecke, also auch vorbei an den jetzt vor mir liegenden Flusslauf...

        Hier noch der komplette Bericht von Sergej Karpuchins Fotoexpedition 2009:
        http://www.photogeographic.ru/articles/105/
        Er ging damals bis zur Nordspitze des großen Darpir-Sees und kehrte dann wieder um.
        Zuletzt geändert von bikevagabond; 02.05.2022, 23:27. Grund: Textkorrekturen
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        • Blahake

          Fuchs
          • 18.06.2014
          • 1468
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          • Meine Reisen

          #44
          Zitat von bikevagabond Beitrag anzeigen
          Bei Sonnenschein wäre dieses Panorama sicher DER Knaller gewesen!
          Auch ohne Sonnenschein schon - genauso wie dieser Bericht!

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          • berniehh
            Fuchs
            • 31.01.2011
            • 2417
            • Privat

            • Meine Reisen

            #45
            eine phantastische Gegend ist das
            Ich habe mal eine Frage: Was für ein Zelt hast Du?
            www.trekking.magix.net

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            • Spartaner
              Alter Hase
              • 24.01.2011
              • 4876
              • Privat

              • Meine Reisen

              #46
              Zitat von bikevagabond Beitrag anzeigen
              Ein neugieriger Schnäpper beobachtet mich mit scheinbar höhnischen Krächzern...
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: tscherskigebirge155.jpg Ansichten: 0 Größe: 180,6 KB ID: 3128976
              Hier habe ich ihn entdeckt, ein Unglückshäher.
              Klang das so hier?

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              • bikevagabond
                Erfahren
                • 22.11.2013
                • 258
                • Privat

                • Meine Reisen

                #47
                Zitat von Spartaner Beitrag anzeigen
                Hier habe ich ihn entdeckt, ein Unglückshäher.
                Klang das so hier?
                Sehr cool, dass sich hier auch ein paar Experten tummeln! Ich wäre wohl nie darauf gekommen, was das für ein Vogel ist.. "Unglückshäher" - wenn ich gewusst hätte, dass der so heißt, hätte ich sein Erscheinen als ein schlechtes Omen aufgefasst Aber in diesem Fall ist in der Folge nichts Schlimmes passiert...

                An den Gesang kann ich mich nicht mehr klar erinnern, aber was man da in der Audiodatei hört, kommt mir auf jeden Fall bekannt vor und weckt Assoziationen zur Reise.
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                • bikevagabond
                  Erfahren
                  • 22.11.2013
                  • 258
                  • Privat

                  • Meine Reisen

                  #48
                  Zitat von berniehh Beitrag anzeigen
                  eine phantastische Gegend ist das
                  Ich habe mal eine Frage: Was für ein Zelt hast Du?
                  Das ist der "Pathfinder" von der Berliner Zeltfirma Wechsel. Wiegt knapp über 2 kg, ist aber super solide und hält auch Schneestürme aus.
                  „Es gibt einen Weg, den keiner geht, wenn du ihn nicht gehst.“
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                  • berniehh
                    Fuchs
                    • 31.01.2011
                    • 2417
                    • Privat

                    • Meine Reisen

                    #49
                    Zitat von bikevagabond Beitrag anzeigen

                    Das ist der "Pathfinder" von der Berliner Zeltfirma Wechsel. Wiegt knapp über 2 kg, ist aber super solide und hält auch Schneestürme aus.
                    Danke. Das werde ich mal im Auge behalten wenn ich mal wieder ein neues Zelt brauche
                    Sieht vom Design ähnlich wie das Hilleberg-Soulo aus, wirkt auf den Fotos aber noch kleiner. Oder täuscht es?
                    www.trekking.magix.net

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                    • codenascher

                      Lebt im Forum
                      • 30.06.2009
                      • 5007
                      • Privat

                      • Meine Reisen

                      #50
                      Das ist deutlich niedriger, Dackelgarage.

                      Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

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                      • bikevagabond
                        Erfahren
                        • 22.11.2013
                        • 258
                        • Privat

                        • Meine Reisen

                        #51
                        Ja, im Prinzip eine Dackelgarage, großen Menschen würde ich den Pathfinder nicht empfehlen. Ich allerdings komme mit diesem Zeltformat gut klar und habe es zu schätzen gelernt, obwohl auch ich nur gebeugt darin sitzen kann (es ist das einzige, was mich daran stört). Mit dem Pathfinder gehe ich schon seit 18 Jahren auf Tour (hauptsächlich Sommer, im Winter ist es mir auch zu klein). In dieser Zeit habe ich es nur einmal durch ein neues ersetzt (vor 4 Jahren).
                        „Es gibt einen Weg, den keiner geht, wenn du ihn nicht gehst.“
                        Meine bisherigen Reisen

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                        • fischerju
                          Anfänger im Forum
                          • 16.02.2018
                          • 11
                          • Privat

                          • Meine Reisen

                          #52
                          Wo wir gerade beim Zelt sind... schleppst du dann auch noch eine solide Unterlage mit, oder ist der Boden bei dem von sich aus fest?
                          Übrigens ein wunderbarer Bericht, mit herrlichen Bildern - zum „mitreisen“ aus der Ferne. Vielen Dank!

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                          • faule socke
                            Fuchs
                            • 27.04.2004
                            • 1066

                            • Meine Reisen

                            #53
                            Herzlichen Dank für den tollen Bericht mit den wunderschönen Fotos! Hut ab für Deine Strapazierfähigkeit! Nicht nur punkto sich da durchbewegen. Mir wären dort zuviele blutrünstige winzige und riesige Viecher. Hab da für beide nicht Deine Nerven. Bin immer noch verblüfft, dass Boot und Zelt den Bärenzähnen und Tatzen standhielten und Du beides nicht zu spüren bekamst. Umso netter, hier am Compi mitreisen zu dürfen. Auch wenn man dabei nicht die Aussicht und die Stille vor Ort geniessen kann. So eine Einsamkeit erleben heute die wenigsten.

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                            • cainam
                              Anfänger im Forum
                              • 08.04.2005
                              • 10

                              • Meine Reisen

                              #54
                              Vielen Dank für den tollen und fesselnden Bericht. Bin sehr gespannt, wie es weiter geht!

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                              • Nierenhirsch
                                Anfänger im Forum
                                • 10.08.2015
                                • 31
                                • Privat

                                • Meine Reisen

                                #55
                                Toller Bericht. Wann paddeln wir weiter?

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                                • bikevagabond
                                  Erfahren
                                  • 22.11.2013
                                  • 258
                                  • Privat

                                  • Meine Reisen

                                  #56
                                  Danke für eure Rückmeldungen und das Interesse an einer Fortsetzung! Ich war schon drauf und dran weiterzuschreiben, wäre da nicht immer dieses schöne Wetter gewesen, das mich meine freie Zeit dann doch bevorzugt draußen hat verbringen lassen ;) Vielleicht schaffe ich die nächste Etappe noch im Juli (Bilder sind schon rausgesucht).. falls nicht, dann auf jeden Fall im September. Ich bitte also noch um etwas Geduld
                                  „Es gibt einen Weg, den keiner geht, wenn du ihn nicht gehst.“
                                  Meine bisherigen Reisen

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                                  • bikevagabond
                                    Erfahren
                                    • 22.11.2013
                                    • 258
                                    • Privat

                                    • Meine Reisen

                                    #57
                                    Zitat von fischerju Beitrag anzeigen
                                    Wo wir gerade beim Zelt sind... schleppst du dann auch noch eine solide Unterlage mit, oder ist der Boden bei dem von sich aus fest?
                                    Ich schleppe in der Regel immer zu viel mit mir herum, also auch eine Unterlegplane für das Zelt, obwohl es sicher ohne gehen würde, denn der Boden des Pathfinders (Unlimited Line) ist sehr robust.
                                    „Es gibt einen Weg, den keiner geht, wenn du ihn nicht gehst.“
                                    Meine bisherigen Reisen

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                                    • urmeli
                                      Erfahren
                                      • 07.06.2015
                                      • 153
                                      • Privat

                                      • Meine Reisen

                                      #58
                                      Bin auch gespannt was die Fortsetzung angeht. 😊

                                      Kommentar


                                      • bikevagabond
                                        Erfahren
                                        • 22.11.2013
                                        • 258
                                        • Privat

                                        • Meine Reisen

                                        #59
                                        Teil 5: Auf den Flüssen Darpir-Sien, Darpir-Jurjach und Ulachan-Nagain

                                        Nach langer Sommerpause geht es nun weiter mit dem Bericht 😎 Und zwar mit dem 2.9.2021, dem 18. Tag seit meinem Start in Susuman. Der Wildnistrip ist jetzt also genau ein Jahr her! Das macht es auch für mich spannend, ihn noch einmal durch das Niederschreiben der Geschehnisse nachzuerleben, denn ich wäre diesjahr gerne wieder zu so einer Tour aufgebrochen...

                                        Ich befinde mich am Nordende des großen Darpir-Sees, der auf 800 m Höhe eingebettet in einer malerischen Gebirgslandschaft liegt. Zwei Wochen ist es schon her, als ich den letzten Fahrweg verließ, um in diese grandiose Bergwildnis einzutauchen. Seither traf ich nur einmal Menschen – Wissenschaftler, die sich an der Basis Momontaj am gleichnamigen See eingerichtet hatten...

                                        Beim Überqueren der beiden Darpir-Seen hatte ich bisher nur graues Herbstwetter... Ob es heute zum Abschluss der Bergseen-Etappe noch einmal ein anderes Licht geben wird? Der erste Blick aus dem Zelt war nicht besonders vielversprechend: dicke Nebelschwaden waberten über den See und verhüllten die Sicht auf die umliegenden Ufer. Dazu -4 Grad und Reif – nicht gerade verlockend, um früh in den Tag zu starten. Doch dann lichtet sich die trübe Suppe und lässt erste Sonnenstrahlen auf die gegenüberliegenden Bergflanken fallen.


                                        Jetzt hält mich nichts mehr im Zelt. Flugs schnappe ich meine Kameras und steige den Berghang hinauf, um diese fantastische Morgenstimmung aus der Höhe einzufangen. Mit Auflösung des Nebels offenbart sich mir ein traumhafter Blick auf die Bergkette des Ulachan-Tschistai, deren Gipfel etwas Neuschnee abbekommen haben (der höchste in der Mitte ist laut Karte 2457 m hoch).


                                        Blick nach Norden in den Ausfluss des Sees. Hier beginnt der Darpir-Sien und mit ihm meine finale 400 km lange Raftingetappe.




                                        Von hier oben sehe ich auch schon die Hüttenbasis, in der sich vor 12 Jahren der Landschaftsfotograf Sergej Karpuchin für ein paar Tage einquartierte, bevor er wieder zurück zum Ausgangspunkt seiner Fotoexpedition ging. Ob da noch jemand ist? Damals wohnte in diesem letzten Außenposten menschlichen Treibens ein Fischer namens Egor...


                                        Gegen Mittag begebe ich mich schließlich auf das Wasser, das jetzt bei absoluter Windstille wundervoll spiegelt.




                                        An der Hüttenbasis lege ich natürlich einen Zwischenstopp ein, um mir ein Bild vom aktuellen Zustand zu machen. Mein erster Eindruck: verwahrlost und vergessen – hier wohnt sicher niemand mehr...


                                        Das Haupthaus (rechts) sieht nicht besonders einladend aus. Das Dach des Vorraums ist offen, ansonsten scheint die Hütte aber noch in Benutzung zu sein.




                                        In einem deutlich besseren Zustand ist das Badehaus dahinter...




                                        Unweit der Hütte sehe ich aus der Ferne noch einmal die alte Kettenfahrzeugspur... An Stellen ohne Vegetation und Erosion bleibt sie wohl über Jahrzehnte sichtbar, auch wenn dort schon lange keiner mehr fährt.


                                        Auf den ersten Kilometern schlängelt sich der Darpir-Sien flott an kargen Berghängen vorbei. Viel Wasser hat der Fluss noch nicht, es kommt wiederholt zu Grundberührungen. Er ist aber nie so flach, dass ich aussteigen muss.


                                        Dann weitet sich das Tal, der Flusslauf wird träger, zuweilen auch richtig still wie ein See mit sumpfigen Ufern.


                                        Über lange Strecken lasse mich einfach treiben und genieße die herrliche Szenerie. Es ist die bisher schönste Etappe der Tour!




                                        Auf einmal höre ich ein Brummen und sehe vor mir etwas großes Braunes durch den Fluss schwimmen. Ein Bär? Sicher ein Bär! Dazu noch ein schlecht gelaunter... Ich spüre, wie mein Puls nach oben schnellt und sich all meine Sinne in Alarmbereitschaft versetzen. Nach der haarsträubenden Begegnung am See Momontaj gehe ich jetzt ständig vom schlimmsten Szenario aus... Doch wo ist er jetzt? Eben habe ich ihn doch noch gesehen!? Ist er ans Ufer gegangen oder weiter flussabwärts geschwommen? Konzentriert suchen meine Blicke die Umgebung ab. Er ist weg, ganz plötzlich. Wahrscheinlich hat er sich nur murrend verdrückt, um mir aus dem Weg zu gehen...




                                        Irgendwann nimmt das Flussgefälle und die Fließgeschwindigkeit wieder zu und ich gleite noch bis in den Sonnenuntergang durch eine epische Berglandschaft.




                                        Nach 13 km auf dem Darpir-Sien kommt von links träge und tief der Darpir-Jurjach hinzu. Dieser ist nun Namensträger der folgenden 30 Flusskilometer.


                                        Ein kleines Stück noch lasse ich mich von der Strömung mitnehmen – bis ich an den Fuß eines steinigen Berghangs gelange.


                                        Hier schlage ich mein Zelt auf und genieße den freien Blick auf den sternenklaren Nachthimmel.




                                        Am nächsten Morgen begrüßt mich wieder schönstes Spätsommerwetter. Mehr als 20 Grad wird es heute noch einmal geben.




                                        Starbereit für die nächste Flussetappe.


                                        In der Planungsphase hatte ich auf den Satbildern schon gesehen, dass es nun etwas schwieriger werden könnte.. denn hier teilt sich der Fluss vorübergehend in mehrere kleine Wasserläufe auf, so dass ich mehrfach aussteigen muss, um mein Boot durch die Flachwasserstellen ziehen zu können. Dabei folge ich immer dem Kanal, der das meiste Wasser führt, im Zweifelsfall dem, der mehr in der Mitte verläuft. Doch dann sehe ich, dass sich die Nebenarme rechts von mir wieder zu einem paddelbaren Hauptstrom vereint haben. Also trage ich Gepäck und Boot rüber, um weiteren Abrieb am Bootsboden zu vermeiden.




                                        Zwischendurch passiere ich die Eisreste eines Naleds (in gewisser Weise ein Flussgletscher, der sich im Winter in solchen Flachwasserbereichen bildet und im Sommer nur teilweise wegtaut)


                                        Als der Flachwasserbereich endet, erspähe ich am fernen Taigaufer eine einsame Blockhütte. Überraschend, da ich hier eigentlich keine Hütte mehr erwartet hatte...


                                        „Es gibt einen Weg, den keiner geht, wenn du ihn nicht gehst.“
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                                          Erfahren
                                          • 22.11.2013
                                          • 258
                                          • Privat

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                                          #60
                                          Auf dem wieder vereinten Flusslauf geht’s mit flotter Geschwindigkeit weiter ins Unbekannte.


                                          Imposante Felsburgen tauchen auf, die bis an den Fluss heranreichen.


                                          Ich entscheide mich für einen kurzen Zwischenstopp und klettere den Geröllhang hinauf. Interessante Gewächse haben hier einen Platz gefunden.


                                          Die Ausblicke von einem erhöhten Punkt sind immer wieder eine schöne Abwechslung. Bei früheren Flussfahrten bin ich oft nur auf dem Wasser bzw. am Ufer geblieben, jetzt nutze ich fast jede Gelegenheit, um den Fluss auch mal von oben zu betrachten.


                                          Wenig später folgt eine herrliche Prallwasserstelle mit unterhöhlter Felswand, durch die ich direkt hindurch paddeln kann.




                                          An dieser schönen Stelle entschied ich mich dann, mein Lager aufzuschlagen.


                                          Ähnlich dachte wohl auch eine geologische Expedition aus dem Jahre 1989, die hier einen geodätischen Festpunkt errichtete...




                                          Blick auf die Umgebung.




                                          Als ich mein Boot an Land ziehe, vernehme ich ein pfeifendes Geräusch... Ich versuche es zu orten und entdecke schließlich diesen tiefen Kratzer auf der rechten Schlauchseite. Löcher im Bootsboden hatte ich schon einige, aber noch nie in der Luftkammer – es ist der erste ernsthafte Schadenfall, obwohl das Boot vor diesem Trip schon fünf mehrwöchige Expeditionen durchmachen musste, bei denen es ähnlich ruppig zuging... Vielleicht bin ich beim Treideln im Flachwasser über einen scharfkantigen Stein gegangen, denn ich erinnere mich, dass ich mich auf den nachfolgenden Kilometern wiederholt wunderte, dass das Boot so weich ist, was sonst nur bei starken Temperaturrückgängen passiert. Ich hab dann einfach nur ein bisschen Luft nachgeblasen und bin weitergepaddelt, ohne zu ahnen, dass ich mit einer beschädigten Luftkammer unterwegs bin...


                                          Für solche Fälle habe ich schon seit Jahren eine Rolle schnellklebendes Flickzeug dabei. Damit hat sich das Loch super abdichten lassen.. und der Flicken hält so gut, dass ich ihn bis heute nicht ersetzen musste.




                                          Lauschiger Abend am Feuer. Der schmale Uferstreifen zu Füßen der Felswand ist ein wirklich schöner Platz zum Lagern.




                                          Als es richtig dunkel wird, zeigt sich noch ein helles Polarlicht – mehr Wildnisromantik geht nicht ;)


                                          Polarlicht und Milchstraße...


                                          Typische Vorboten eines Wetterwechsels. Was wohl heute noch kommen wird?


                                          Da ich hier so ideale Lagerplatzbedingungen habe, verbacke ich noch schnell den ersten von zwei Kilo Mehl zu ein paar „Taigabroten“. Die runden Teigfladen lege ich in siedendes Öl, bis sie braun werden. Mit ein paar Kräutern und ein bisschen Knoblauch schmecken sie dann fast wie Bouletten ;) Eine süße Variante, die an frittierte Pfannkuchen erinnert, muss ich dann auch noch machen: mit etwas Zucker, Milchpulver und Rosinen...






                                          Als ich dann endlich auf dem Wasser bin, zieht der Himmel zu. Den landschaftlichen Impressionen tut das aber keinen Abbruch.


                                          Es folgen ein paar Stellen, die ich mir in der Karte mit einem WW gekennzeichnet hatte (nach Analyse der verfügbaren Satbilder).. Zum Glück gibt es nur ein paar Felsen im Wasser, die man umschiffen muss – kein ernsthaftes Wildwasser. Aber Schöpfen muss ich, weil mir immer wieder Wasser ins Boot schwappt.




                                          Nachdem ich die letzten Ausläufer des Tscherskigebirges verlassen hatte, vereinigt sich der Darpir-Jurjach mit dem von links hinzukommenden Ulachan-Nagain. Für ein paar Kilometer wird aus ihm ein typischer Taigafluss.




                                          Wenig später dröselt sich der Fluss in mehrere Arme auf und ich verliere mich in einer unübersichtlichen Gebüsch-Aue. Nach jeder Biege befürchte ich, in einer Sackgasse zu landen...


                                          Zu allem Überdruss setzt auch noch ein kalter Dauerregen mit Gegenwind ein, der mich derart frösteln lässt, dass ich nur noch anlegen und mein Zelt aufbauen will. Doch die festen Taigaufer, die bei Hochwasser nicht überspült werden, sind stets in so weiter Ferne, dass ich unentwegt weiterpaddle.


                                          Erst am Abend, als es schon anfing zu dämmern, erspähe ich im Mündungsbereich zur Rassocha einen Platz, der mir zum Zelten geeignet erscheint und obendrein eine schöne Fotokulisse hergibt.




                                          Der nächste Tag beginnt jedoch mit Schneeregen und nassem Schneefall – für mich das ungemütlichste Wetter überhaupt, so dass ich einfach im Zelt liegen bleibe.


                                          Erst am Nachmittag lockert es etwas auf, wobei die Schneefälle jetzt als Schauer über das Land ziehen.


                                          Nach und nach tauchen die frisch verschneiten Gipfel des Momagebirges aus den Wolken. Wäre ich immer noch an einem der 200 m höher gelegenen Darpir-Seen, hätte mich der Winter wahrscheinlich voll erwischt...








                                          Das alles betrachte ich aus dem Zelt heraus – für kaum ein Foto muss ich aus dem Schlafsack kriechen. Der Platz hat sich also als perfekter Fotospot erwiesen, gerade unter diesen Bedingungen. Am Abend klart es dann auf und das Wechselspiel der Lichtstimmungen nimmt seinen Lauf.




                                          Schließlich zeigt sich für kurze Zeit noch ein Polarlicht – zwar nur als klassisches Glimmen, aber bei dieser Kulisse mit Bergen, Wasser und Nebel einfach magisch! Dort hinten beginnt der Fluss Rassocha, auf dem ich als nächstes das menschenleere Momagebirge durchqueren werde.
                                          „Es gibt einen Weg, den keiner geht, wenn du ihn nicht gehst.“
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