[RU] Rückkehr aufs Putorana-Plateau. Ein Wildnisabenteuer.

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  • OE
    Erfahren
    • 19.12.2018
    • 116

    • Meine Reisen

    Sehr gut gemacht, ein echtes Highlight. Da könnte man ein Buch draus machen.

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    • Spartaner
      Alter Hase
      • 24.01.2011
      • 2990

      • Meine Reisen

      Zitat von Robtrek Beitrag anzeigen
      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 19Put873_resize.JPG Ansichten: 413 Größe: 557,1 KB ID: 3032429

      Es bietet noch einen Vorteil, der nicht unbedingt sofort ins Auge springt. Dieses Messer gilt in Russland nicht als "kalte Waffe", d.h. man braucht zum Mitführen keine Genehmigung. Immer wieder hilfreich, wenn das Ding am Eingang zu einem Flughafen im Scanner aufleuchtet. In der deutschen Jägersprache oder im Waffengesetz wird der Begriff "kalte Waffe" vielleicht etwas anders verstanden, bin selber kein Jäger und Waffenexperte.
      Das ist ja interessant. Hast du vielleicht auch einen Link zu den Merkmalen/Maßen, bis wohin die "kalte Waffe" zählt?
      Ich habe mich nämlich gewundert, wieso mein Mora 840 trotz dreimaliger Durchleuchtung des Handgepäcks vor bzw während des Rückflugs vom Baikal kein Aufsehen erregt hat.
      Drei mal Übersehen, das kam mir schon viel vor. Aber vielleicht wird das ja in Russland anders gehandhabt?

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      • Robtrek
        Erfahren
        • 13.05.2014
        • 468

        • Meine Reisen

        Zitat von janphilip Beitrag anzeigen
        ...die Wolfsbegegnung ist ja wohl ein absolutes Highlight!! Wie du schreibst sieht man die fast nie, da hast du wirklich großes Glück gehabt. =)
        Ja, das war in der Tat Glück. Wölfe haben in Russland übrigens ein schlechtes Image. In der Sowjetunion gab's solide Abschussprämien für die Tiere, und z.T. sind diese heute wieder eingeführt. Es geht dabei nicht um die Angst, alleine im Wald einem Wolf zu begegnen, sondern einzig um wirtschaftliche Überlegungen. Der Wolf als Konkurrent für die Jäger und die Rentierzucht. Das ebenso schlechte Image der Bären beruht dagegen auf den direkten Konfrontationen zwischen ihnen und den Menschen.

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        • Robtrek
          Erfahren
          • 13.05.2014
          • 468

          • Meine Reisen

          Zitat von Spartaner Beitrag anzeigen
          Das ist ja interessant. Hast du vielleicht auch einen Link zu den Merkmalen/Maßen, bis wohin die "kalte Waffe" zählt?
          Als ich das Messer gekauft habe, hieß es: kein Handschutz (russ. "upor") = keine kalte Waffe. Mit dem Kauf bekam man dafür gleich eine Art Bestätigung mit Stempel des Herstellers, den die Miliz bei Kontrollen dann auch immer akzeptiert hat. Aber wie gesagt, das ist 20 Jahre her und die aktuellen Regeln sind mir unbekannt. Inkonsistenz bei Kontrollen kommt aber durchaus vor. Meine Knallrakete gegen die Bären wird an russischen Flughäfen manchmal durchgelassen, manchmal muss ich die Patronen abgeben.

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          • Robtrek
            Erfahren
            • 13.05.2014
            • 468

            • Meine Reisen

            Zitat von OE Beitrag anzeigen
            Sehr gut gemacht, ein echtes Highlight. Da könnte man ein Buch draus machen.
            Danke für deine netten Worte. Heute geht's auch weiter.

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            • Robtrek
              Erfahren
              • 13.05.2014
              • 468

              • Meine Reisen

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 19Put873_resize.JPG Ansichten: 0 Größe: 488,3 KB ID: 3035668

              Goldener Herbst in der Taiga – Die Jägerbasis – Ende gut, nicht alles gut

              Es beginnt nun der letzte Teil meines Reiseberichts. Er unterscheidet sich ein bisschen von den vorhergehenden: obwohl es nochmal viele Fotos gibt, kann diesmal einiges leider nur mit Worten geschildert werden. Beim Notarzt holt man nicht seine Kamera heraus, das ist klar. Ebenso in der Hütte, wo wir langsam eingeschneit wurden: dort erinnerte die gespannte Atmosphäre mehr und mehr an einen dieser Filme von Quentin Tarantino, wo man nicht weiß, welcher der Schurken sein Messer als erster ziehen wird. Schwer mit Bildern wiederzugeben, wenn man nicht Quentin Tarantino ist.

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 19Put874_resize.jpg Ansichten: 0 Größe: 449,4 KB ID: 3035669

              Aber der Reihe nach. Am 8. September befinde ich mich auf dem Kochechumo noch ca. 40 km vom großen Zufluss Embenchime entfernt, wo ich auf Menschen zu treffen hoffe. Das Wetter macht weiterhin Freude: kühl, aber sonnig und ohne starken Gegenwind.

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              Der Charakter des Flusses ist der gleiche wie seit Tagen: alle paar hundert Meter gibt es recht einfache Stromschnellen, die meist keinerlei Probleme bereiten. Das Befahren all dieser Hindernisse ohne Zwischenfälle verleitet mit der Zeit dazu, die vorhandenen Risiken zu unterschätzen. Unter den Bedingungen einer Solotour als letzter Mann auf dem Fluss kann eine kleine Nachlässigkeit aber fatale Folgen haben.

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              Ein wichtiger Sicherheitsfaktor ist z.B. die Position im Boot. Vor den meisten Stromschnellen wechsle ich vom Sitzen zurück auf die Knie, auch wenn das auf dem kleinen, voll beladenen Boot jedes Mal eine recht umständliche Aktion ist. In einem unachtsamen Moment besteht durchaus die Gefahr, dabei ins Wasser zu fallen. Aufgerichtet auf den Knien hat man einen viel besseren Einblick in die vorausliegende Stromschnelle. Im Sitzen dagegen befindet sich der Kopf nur auf Höhe der Wellenkämme, man sieht außer den nächsten Metern nicht viel. Auch die Kontrolle über das Boot ist auf Knien einfach viel besser.

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              Ich sammle die letzten Beeren der Saison. Wo es Beeren gibt, sind die Bären nicht weit: diese Spuren stammen von einem kleinen Exemplar, aber sie wecken sofort unangenehme Erinnerungen an die früheren Begegnungen auf dieser Tour. Ich verlasse diesen Ort schnell wieder.

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              Plötzlich taucht am Ufer eine Hütte auf. Sie hat eine seltsame Form, fünfeckig und mit einem Vordach. Wahrscheinlich ein ewenkisches Design. Ungewöhnlich ist auch, dass auf dem Dach irgendeine Fahne im Wind flattert.

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              Die Hütte ist benutzbar, der Ofen funktionsfähig und das Dach nicht beschädigt. Aber alles ist ein bisschen verwahrlost und macht nicht den Eindruck, als ob regelmäßig ein Jäger hierher käme.

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              Diese Stromschnelle habe ich soeben befahren, und das wäre beinahe nicht gut ausgegangen. Der Fluss verengt sich hier deutlich. Bei starker Strömung und hoher Geschwindigkeit wurde mein Boot plötzlich von einem Unterwasserstein abrupt in seinem Lauf gestoppt. Durch den Ruck wäre ich beinahe herausgeschleudert worden, für Sekundenbruchteile balancierte ich nur auf einem Knie. Gleichzeitig drückten die heranschießenden Wassermassen die linke Seite des festgefahrenen Boots immer weiter nach oben – noch einen Moment, und ich würde zu schräg in der reißenden Strömung liegen und den letzten Halt verlieren. Dann heißt es im Handumdrehen “Mann über Bord“, man findet sich auf einmal im Wasser wieder und weiß gar nicht, wie das so schnell passiert ist. Zum Glück konnte ich das Gleichgewicht noch einmal wiederfinden und gegensteuern, bevor die Strömung mein Boot ganz quergestellt hatte.

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              Genau für solche Situationen hat man in Weißwasser-Schlauchbooten Oberschenkelgurte, die es einem erlauben, auch bei einem starken Ruck und extremer Schräglage eine stabile Position einzunehmen und das Gleichgewicht nicht zu verlieren.

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              Natürlich habe ich diese Gurte dabei, aber durch die Überladung des Boots bleibt einfach kein Platz, um sie an der vorgesehenen Stelle am Boden einzuhaken - dort liegt einer meiner Packsäcke. Um die Stabilität meiner Position im rauen Wasser zu erhöhen, verspreize ich meine Beine deshalb zwischen dem Packsack und den Bootswänden – ein fauler Kompromiss wie so vieles auf diesen langen Touren. Heute bin ich damit an eine Grenze geraten.

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              Blick zurück auf den Ort der Beinahe-Havarie.

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              Hier beginnt eine Schlucht, die in dem mir vorliegenden Bericht über den Kochechumo auch erwähnt ist. In ihr soll es keine nennenswerten Hindernisse geben, danach aber schon.

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              Der Fluss scheint in einer Sackgasse zu enden.

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              Der Ausgang der Schlucht ist erreicht.

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              Hinter der gelben Insel treten die Ufer wieder enger zusammen. Dort sind weitere Hindernisse zu vermuten.

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              Diese sind tatsächlich etwas anspruchsvoller, aber ich bringe sie gut hinter mich und kann danach in Ruhe die Herbstfarben der Taiga im Abendlicht an mir vorbeiziehen lassen.

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              Proviant-Bestandsaufnahme. Von allem ist noch etwas da: Grieß, Reis, Milchpulver, Sonnenblumenöl, Zucker, Zimt, Tee. Vom Kostbarsten, den Rosinen, habe ich sogar noch eine Dreiviertelflasche übrig. Sie werden mich auf dem weiteren Weg bis Tura bei Kräften halten, falls ich morgen am Embenchime nicht auf Menschen treffe.

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              Der Morgen im Zelt ist immer auch Reparaturzeit, denn abends ist es für solche Fingerarbeiten viel zu kalt. Hier ein Beispiel, wie gutes Klebeband dabei hilft, das Leben von Ausrüstungsgegenständen um ein paar Wochen bis zum Ende der Tour zu verlängern.

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              Man muss schon recht genau hinsehen, um nicht achtlos an dieser Hütte vorbeizufahren.

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 19Put911_resize.JPG Ansichten: 0 Größe: 670,0 KB ID: 3035705

              Sie ist vergleichbar mit der gestrigen: in brauchbarem Zustand, aber nicht sehr gemütlich und selten besucht.

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              Hier treibt kein Plastikmüll den Kochechumo hinab, sondern der Schwimmer, unter dem meine Schleppköder hängen. Bisher habe ich damit aber noch nichts gefangen.

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              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 19Put915_resize.jpg Ansichten: 0 Größe: 502,7 KB ID: 3035707

              Und da ist er, der Zusammenfluss von Kochechumo und Embenchime (links). Es ist 4 Uhr Nachmittags am 60. Tag meiner Reise.

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              Direkt vor der Einmündung des Embenchime hat der Kochechumo noch eine Stromschnelle. Von Tura aus kommt man mit Motorbooten bis hierher und nicht weiter. Als ich meinen Schleppköder einhole, merke ich, dass er doch funktioniert hat: die Leine mit den Fliegen ist durchgebissen, wahrscheinlich ein Hecht.

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 19Put916_resize.jpg Ansichten: 0 Größe: 490,8 KB ID: 3035706

              Blick auf den weiteren Weg den Kochechumo flussabwärts. Irgendwelche Hinweise auf Menschen sind nicht auszumachen. Eigentlich habe ich diesbezüglich nur eine einzige Information: im Jahr 2013 hat jemand berichtet, dass 9 km von hier am Ufer einige Hütten standen, die so aussahen, als ob dort ständig Menschen lebten. Überprüft hat er das aber nicht. Alles recht vage.

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 19Put919_resize.jpg Ansichten: 0 Größe: 451,3 KB ID: 3035710

              Und diese Information stimmt auch nicht genau. Nach nur drei Kilometern sehe ich von weitem am linken Ufer etwas, was einem Motorboot ähnelt.
              Zuletzt geändert von Robtrek; 10.04.2021, 15:41.

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              • Robtrek
                Erfahren
                • 13.05.2014
                • 468

                • Meine Reisen

                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 19Put923_resize.jpg Ansichten: 0 Größe: 370,5 KB ID: 3035757

                Wie sich herausstellt, befindet sich die Ansammlung von Hütten bereits hier. Zwischen ihnen sehe ich einen älteren Mann, der mit zwei Eimern irgendwohin läuft. Ich rufe von weitem eine Begrüßung. Er hält kurz inne und schaut zu mir herüber, dann setzt er wortlos seinen Weg fort.

                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 19Put920_resize.jpg Ansichten: 0 Größe: 484,6 KB ID: 3035761

                Bei den Hütten handelt es sich um die Jägerbasis “Monke”. Sie wurde vor einigen Jahren von der ewenkischen Regierung errichtet, um Nachwuchs für das Jägerhandwerk auszubilden. Dieser harte und entbehrungsreiche Beruf ist bei der Jugend aber immer weniger beliebt, so dass die Basis jetzt eigentlich keine Funktion mehr erfüllt. All das erfahre ich von Alexander, dem Mann mit den Eimern, der seit einem Jahr als Wächter hier arbeitet und lebt.

                Inzwischen gibt es im Internet hochauflösende ESRI-Satellitenbilder, auf denen man die Basis sehr schön erkennen kann.

                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 19Put921_resize.JPG Ansichten: 0 Größe: 421,3 KB ID: 3035758

                In den Eimern wird das Futter für die Hunde gemischt. Im Moment besteht es hauptsächlich aus Bärenfleisch, denn vor zwei Tagen hat Alexander ein Tier erlegt, das den Hütten zu nahe kam. Man lebt hier gefährlich: sein direkter Vorgänger auf dem Wächterposten wurde im Vorraum der Hütte, wo wir uns jetzt befinden, von einem Bären getötet und gefressen. Deshalb lehnt die Kalaschnikow immer griffbereit am Eingang.

                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 19Put922_resize.jpg Ansichten: 0 Größe: 488,1 KB ID: 3035762

                Sergei und Lena sind gestern hier vorbeigekommen. Als ihnen klar wurde, dass ein Motorboot nach Tura im Moment auch für sehr viel Geld nicht zu bekommen war, fuhren sie gleich weiter. Alexander gab ihnen noch einige Lebensmittel mit auf den Weg. Mein Eintreffen haben sie erst für 3-4 Tage später angekündigt, so dass ich heute eine Art früher Überraschungsgast bin. Nebenbei erfahre ich noch, dass sich außer Alexander fünf weitere Männer hier aufhalten, die aber im Moment alle draußen in der Taiga sind.

                Im Unterschied zu Lena und Sergei will ich auf jeden Fall auf der Basis übernachten. Nachdem ich meine Sachen aus dem Boot geholt habe, nimmt Alexander mich zur Seite. Er weiß, was ich jetzt am dringendsten brauche. “Dort ist die Küche, da steht Suppe mit Rentierfleisch”. Er sagt noch irgendwas, aber ich verstehe immer nur die Hälfte. In seinem Gebiss fehlen einige Zähne weswegen er stark nuschelt, außerdem spricht er in einem schnellen Stakkato.

                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 19Put924_resize.JPG Ansichten: 0 Größe: 431,3 KB ID: 3035759

                In der Außenküche, oben im Bild, köchelt die Suppe auf niedriger Flamme vor sich hin. Ich fülle mir einen Teller ab. Wow, das erste Fleisch seit 2 Monaten! Ich kann nicht widerstehen und probiere gleich an Ort und Stelle ein kleines Stück, bevor ich zu Alexander in die Hütte zurückgehe. Schmeckt gut, sehr kräftig!

                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 19Put925_resize.JPG Ansichten: 0 Größe: 416,6 KB ID: 3035760

                Als er mich sieht, stößt er wieder ein paar seiner abgehackten Sätze hervor. Ich höre so etwas wie “Was hast du da mitgebracht? Ich hab' doch gesagt...” Schließlich wird klar, dass hier ein böses Missverständnis passiert ist. Die Suppe mit dem Rentierfleisch steht in einem Topf irgendwo auf dem Küchentisch. Was auf dem Feuer köchelt, ist das Bärenfleisch für die Hunde.

                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 19Put926_resize.jpg Ansichten: 0 Größe: 506,1 KB ID: 3035766

                Oha! Bärenfleisch, konkrete Gefahr der Übertragung von Trichinen, Auslöser der für Menschen potentiell tödlichen Trichinose. In Russland alles andere als unbekannt, Bärenfleisch darf hier nur nach sorgfältiger Laboranalyse mit Unbedenklichkeits-Stempel verzehrt werden. Na schön, das wird sich erst zuhause klären lassen. Alles zu seiner Zeit. Jetzt geht’s erst mal zurück zur Küche, um Suppe aus dem richtigen Topf abzufassen.

                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 19Put927_resize.JPG Ansichten: 0 Größe: 483,1 KB ID: 3035765

                Theoretisch gibt es Sonnenenergie, funktioniert aber nicht. Wenn man in der Hütte abends einmal Licht braucht, wird der Dieselgenerator angeschmissen.

                Abends lerne ich die anderen Bewohner der Basis kennen, eine Begegnung, die für mich zu den stärksten Eindrücken der ganzen Tour zählt. An diesem isolierten Ort in der Taiga haben sich die Gegenpole der Gesellschaft versammelt: Stadt und Land, arm und reich, alt und jung, Vergangenheit und Zukunft. Eine Art russischer Eintopf mit reichlich Pfefferkörnern und sauren Gurken unter dem Sahnehäubchen. Ich finde, es ist einen Versuch wert, diese ungewöhnliche Gemeinschaft etwas genauer zu beschreiben. Das gehört einfach zu dieser Reise dazu und ist viel interessanter als irgendwelche Details zu meiner 10. Furt durch einen Wildbach, gefolgt von der 15. Querung eines Blockfelds. Andererseits entfernt sich der Reisebericht dadurch natürlich etwas vom unmittelbaren Outdoorerlebnis, dem Thema dieses Forums. Wer sich also nur für die weitere Route auf dem Kochechumo bis Tura interessiert, kann die nachfolgenden Abschnitte einfach überspringen.

                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 19Put928_resize.jpg Ansichten: 0 Größe: 362,1 KB ID: 3035763

                Der Hauptraum der Hütte.

                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 19Put929_resize.jpg Ansichten: 0 Größe: 385,2 KB ID: 3035764

                Über dem Ofen trocknen Stiefel. In der Milchkanne links ist das Wasser zum Trinken und Waschen.

                Neben Alexander ist Sascha der einzige ständige Bewohner der Basis. Ein Aussteiger mittleren Alters ohne viel Geld, der als Kleinunternehmer in der Krise unter die Räder kam und auf der Suche nach dem einfachen Leben ist. Eine Art russische Variante von “Into the wild”. Der Zufall verschlug ihn von Moskau nach Tura, als dort gerade jemand gesucht wurde, der auf einer isolierten Jägerbasis 250 km flussaufwärts am Kochechumo die Versorgung mit Fisch und Fleisch übernimmt. “Ich hab' zuhause angerufen und gesagt, Mama du glaubst es nicht, ich geh' jetzt für ein Jahr in der Taiga angeln und werde sogar noch dafür bezahlt”. Die Bezahlung ist allerdings unterirdisch, was wohl erklärt, warum ausgerechnet er als Zugereister diesen Job ergattern konnte. Sascha und Alexander werden den kommenden langen Winter zusammen hier verbringen, und das wird allem Anschein nach kein Kinderspiel: die Spannung und Antipathie zwischen den beiden ist mit Händen zu greifen.

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                Ein Hochlager mit Blechmanschetten an den Stelzen zum Schutz gegen Mäuse.

                Als nächstes treffe ich Alexei, einen Geologen mit langjähriger Taiga-Erfahrung, der sich nach dem Zusammenbruch des Sowjetunion umorientierte und Agrounternehmer wurde. Ein Macher, der es gewohnt ist, Anweisungen zu erteilen. Seine Rinderzucht im europäischen Teil Russlands hat inzwischen einen reichen Mann aus ihm gemacht. “Reich” bedeutet in Russland bei diesen Unternehmern der ersten Stunde typischerweise nicht “Millionär”, sondern muti-multi-Dollar-Millionär.

                Alexeis Geschichte entspricht ungefähr dem, was ich auch früher schon von russischen Jungunternehmern gehört hatte. Alle waren ziemlich wohlhabend geworden – “wohlhabend” wie in “Luxusvilla an der Côte d'Azur” oder “Schlösschen am Ufer des Genfer Sees”. Manche waren in der Sowjetunion an führenden Stelle im Jugendverband der kommunistischen Partei tätig und machten sich ihre Beziehungen zu nutze, um auch im neuen Russland oben zu schwimmen. Es stimmt aber nicht, dass hier immer nur Staatseigentum verhökert wurde und man mit Gratismut über Nacht reich werden konnte. Einige dieser Leute hatten mit großem Einsatz reale Firmen aufgebaut und Arbeitsplätze geschaffen, angesichts erpresserischer Mafiosi und krimineller Konkurrenten oft unter hohem persönlichem Risiko. Aus ihren Erzählungen bekam man den Eindruck, dass ein “ehrliches” Unternehmen zum Scheiten verurteilt war, wenn es versuchte, sich an die Gesetze zu halten. Ohne Bestechung von Behörden oder Staatskunden kam man weder rechtzeitig an den Gasanschluss für seine Fabrik, noch an lukrative Aufträge.

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                Alexei mit seinem Landwirtschaftsimperium spielt allerdings nochmal in einer ganz anderen Liga. Er hat den nach seiner Aussage unvermeidlichen nächsten Schritt zur Absicherung des Unternehmens getan, den Eintritt in die Politik. Um selber an einen Parlamentssitz zu kommen sind anscheinend immense Summen erforderlich, da man nicht umsonst auf die Liste einer der zugelassenen Parteien gelangt. Inzwischen ist er aus dem direkten Politikbetrieb als Abgeordneter aber wieder ausgestiegen, die Einzelheiten bleiben im Unklaren. Trotz seiner vielfältigen Verpflichtungen nimmt er mehrmals im Jahr eine Auszeit und geht für zwei Wochen in die Wildnis. Mit seinen finanziellen Möglichkeiten kann er sich bequem per Hubschrauber ein- und ausfliegen lassen. Man merkt ihm an, dass er auch nach Ende seiner Geologenkarriere im Herzen ein Outdoormensch geblieben ist, dem man in der Taiga so schnell nichts vormacht.

                Begleitet wird er von seinem Sohn, der im Gegensatz zum Vater mit der Wildnis nichts am Hut hat und zum ersten Mal dabei ist. Sie wollen zu zweit ein Geländefahrzeug nach Tura überführen und von dort nach Krasnojarsk verschiffen. Das teure Allradmonster war nach einer früheren Tour auf der Jägerbasis zurückgeblieben. Der Sohn scheint eine Art Überflieger zu sein: hervorragende Ausbildung, gutes Englisch, Regionalmeister in verschiedenen Sportarten und auch schon mit mehreren eigenen Wirtschaftsunternehmen erfolgreich. Er macht sich über die stumpfsinnige Regierungspropaganda im Fernsehen lustig und hofft zuversichtlich auf ein Russland, das irgendwann Teil des modernen Europas sein wird. In absehbarer Zukunft hält er das aber noch nicht für realistisch.

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                Das Geländefahrzeug. Links die Sauna, davor einige Milchkannen mit Trinkwasser aus dem Fluss.

                Die drei anderen in unserer kleinen Gemeinschaft sind ältere Männer, die alle auf ein hartes Leben in der Taiga zurückblicken und auch als Rentner notgedrungen so weitermachen. Von ihnen kommt die schärfste Kritik an den herrschenden Zuständen. Alexander der Wächter ist ein typischer Nostalgiker in Bezug auf die Sowjetunion. Und wer wollte es ihm verdenken: Phantomschmerzen einer ehemaligen Supermacht spielen dabei überhaupt keine Rolle, er vergleicht einfach sein Leben von damals mit seinem Leben heute. Damals wurden die Natur- und Bodenschätze der Taiga systematisch ausgebeutet, dadurch hatte er ein bescheidenes Einkommen mit bescheidenen Sozialleistungen. Als Jäger ist er viel herumgekommen, die Hütte am Beldunchana-See ist ihm ebenso ein Begriff wie die Region unserer letztjährigen Flussfahrt am Moiero und Kotui.

                Das in der Planwirtschaft bis auf einen Spottpreis heruntersubventionierte Kerosin ermöglichte fast beliebige Helikopterflüge, so dass es ökonomisch “Sinn” machte, Pelze, Fische, Fleisch usw. auch aus völlig abgelegenen Gebieten heranzuschaffen. Dadurch ergaben sich Arbeitsplätze für Jäger, Fischer, Geologen und deren Hilfskräfte. Der Wechsel zu realistischen Marktpreisen, u.a. für die Helikopter-Flugstunde, begrenzte die ungehemmte Erschließung der Taiga sehr schnell auf den engeren Umkreis der Siedlungen, wo der Erlös nicht von den Transportkosten aufgefressen wurde. Die Natur gewann dadurch eine Atempause, doch Alexanders Arbeit wurde die Grundlage entzogen. Die Anpassung an die neuen Verhältnisse ist ihm nach seinen Worten nie so richtig geglückt.

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                Die Umgebung der Basis.

                Die beiden Jäger aus Tura sehen das ähnlich. Wie Alexander sprechen sie mit großem Sarkasmus über die verbreitete Korruption und Vetternwirtschaft. Besonders stark kritisiert wird auch die Anhebung des Rentenalters, wodurch Leute, die eine im Vergleich zu Europa viel geringere Lebenserwartung haben, ihre ohnehin schmale Rente für noch kürzere Zeit ausgezahlt bekommen. Zum Glück liegen die Jägerhütten der beiden in Reichweite von Tura, so dass sie ihre Rente durch Jagd und Fischfang etwas aufbessern können. Mit ihren Booten haben sie Alexei den Agrounternehmer und seinen Sohn für gutes Geld hierher gebracht. Vor der Rückfahrt wollen sie am Kochechumo noch eine halbe Tonne Fisch fangen, damit sich die Fahrt besser bezahlt macht. Sie schlagen vor, mich nach Tura mitzunehmen, voraussichtlich in 2-3 Tagen. Das nehme ich gerne an. So könnte ich den Flug am 14.9. nach Krasnojarsk erreichen.

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                Zwei Tage später verabschieden sich Agro-Alexei und sein Sohn mit ihrem Geländefahrzeug. Für die Fahrt nach Tura veranschlagen sie 2-3 Tage. Mit den großen Reifen können sie den Kochechumo schwimmend überqueren, und die sich anschließenden Berge und Sümpfe sollten auch kein unüberwindliches Hindernis darstellen.

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                Die unterschwellige Spannung zwischen Alexander dem Wächter und Sascha dem Aussteiger kocht langsam hoch. Alexander erinnert recht undiplomatisch daran, dass dringend Feuerholz für den Winter herangeschafft werden muss. Das geht aber nur, wenn vorher der Buran, ein sowjetischer uralt-Motorschlitten, in der Werkstatt fahrtüchtig gemacht wird. Sascha soll gefälligst dabei helfen.

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                Der verbittet sich den Kommandoton: “Wir sind beide gleich und du nicht der Chef! Ich liege hier nicht auf der faulen Haut herum, du ernährst dich die ganze Zeit von Fischen, die ich jeden Tag vom Fluss heranschaffe. Genau dafür bin ich auch eingestellt worden”. Die anderen meinen, seine Stellenbeschreibung sei in der Realität der Taiga unwichtig. Hier muss jeder alles machen und alles können, ein aufgebrauchter Vorrat an Feuerholz bedeutet Tod durch Erfrieren im Oktober. Wie zur Bestätigung fällt am dritten Abend meines Aufenthalts der erste Schnee. Draußen heult bei Eiseskälte der Wind; die beiden Jäger sind zum zum wiederholten Mal mit leeren Netzen von ihrem Fischzug zurückgekehrt; Alexander und Sascha schreien sich gegenseitig an; und ich schiele ab und zu mit einem unguten Gefühl nach der geladenen Kalaschnikow am Eingang.

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                In einem Quentin Tarantino-Drehbuch müsste jetzt irgendwann die Tür aufspringen und ein weiterer Reisender aus dem nächtlichen Schneesturm in die schwach erleuchtete Hütte treten. Diese Rolle fällt Michail und seinem Begleiter zu. Zuerst hört man nur das Stampfen schwerer Stiefel im Vorraum, als jemand den Schnee abklopft. Dann wird die Tür aufgestoßen, und mit einem Schwall eisiger Luft treten unsere beiden neuen Gäste ein.

                Michail ist ein sehr selbstsicherer junger Mann und arbeitet in Tura bei einer Organisation, die für die Sicherung des internationalen Luftkorridors zuständig ist. Vor kurzem haben sie z.B. Fallschirmabsprünge in der Taiga geübt, um die Rettung von Überlebenden zu simulieren. Mit seinem Begleiter ist er auf dem Weg zu einer Jägerhütte 200 km flussaufwärts am Embenchime. Er möchte die Hütte winterfest machen und bei der Gelegenheit sein Snowmobil, das in unserer Jägerbasis lagert, dorthin schaffen. Auf der Fahrt hierher ist ihm der Katamaran von Lena und Sergei begegnet, außerdem noch ein Boot mit zwei Jägern, denen der Motor kaputtgegangen war und die sich jetzt mit Paddeln zurück nach Tura bewegen. Sonst war niemand auf dem ganzen riesigen Fluss unterwegs. Als er hört, auf welchem Weg ich hierher gelangt bin, sagt er nur: “Verrückte Ausländer!”

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                Gefrorenes Wasser in der Regentonne.

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                Am nächsten Morgen wird das Snowmobil der Anlass für eine Verschärfung der Spannungen. Irgendwann platzt Michail in die Hütte und ruft “Männer, alle 'raus und helfen, wir kriegen den Motorschlitten nicht aufs Boot.” Wegen des niedrigen Wasserstands liegen im Bett des Kochechumo überall breite Kiesbänke, direkt vor den Hütten kommt kein Boot näher als 50 m ans Ufer heran. Michail ist deshalb stromaufwärts bis zu einem Steilufer gefahren, dort muss jetzt das Snowmobil irgendwie über improvisierte Rampen an Deck geschafft werden. Alle machen sich auf den Weg – außer mir, denn ich habe seit einigen Tagen das Kochen für die ganze Mannschaft übernommen und bin am Herd beschäftigt; und Sascha dem Aussteiger, der bald darauf zum Angeln loszieht.

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                Die Außenküche hat eine Tür, um die Hunde fernzuhalten.

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                Nudeln mit Fleisch für sieben Männer.

                Am Abend ist das Snowmobil nach vielen Mühen und Rückschlägen immer noch in der Basis. Die Männer hatten es mit vereinten Kräften zwar schließlich aufs Motorboot gewuchtet, aber es gelang Michail nicht, damit den Embenchime weit hinaufzufahren. Für die schwere Fracht war der Wasserstand zu niedrig, er musste umkehren und das Snowmobil wieder ausladen. Abends in der Hütte geht er sofort auf Sascha den Aussteiger los: “Du bist zwar neu hier, aber eins kapierst du jetzt besser sofort: wir sind hier in der Taiga, da packt jeder mit an wenn's drauf ankommt. Das gilt auch für dich, sonst bist du deinen Job hier ganz schnell wieder los!” Sascha ist in dieser Gruppe der Außenseiter, aber so schnell gibt er nicht klein bei. “Wer bist du überhaupt, gehört die Basis etwa dir? Was hat dein privater Motorschlitten mit meiner Arbeit zu tun? Ich hätte dir geholfen, aber dein Befehlston passt mir nicht. Wenn du was von mir willst, dann rede normal mit mir, verstanden?” – “Was das mit deiner Arbeit zu tun hat? Wirst du schon merken, ein Wort von mir in Tura genügt und du bist weg vom Fenster. Ich kenne die wichtigen Leute dort und wir hören aufeinander.”

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                Das war eine klare Drohung. Schweigen, wütende Blicke. Folgt jetzt die Explosion? Die anderen essen ungerührt weiter und kommentieren das Geschehen mit gutmütigem Spott. Keiner versucht irgendwie einzugreifen oder zu vermitteln. Das ist eine Sache, die mir in Sibirien immer aufgefallen ist: es ist nicht üblich, sich schnell einzumischen oder Anteilnahme zu zeigen. Von jedem (auch vom exotischen Ausländer) wird erwartet, dass er seine Probleme selber löst. Nicht nur klimatisch gesehen ist das hier ein “Land für gestandene Männer”, die aus Gewohnheit ohne fremde Hilfe zurechtkommen. Der harte Umgangston ist eher die Regel als die Ausnahme. So treffen in unserer Hütte zwei Welten aufeinander, das raue Sibirien und das ungeliebte Moskau in Person von Sascha dem Aussteiger. Die Gemüter beruhigen sich nach einiger Zeit aber wieder, der Konflikt verläuft fürs Erste im Sande.

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                Am nächsten Tag begeben sich Michail und sein Begleiter erneut auf den Weg zur Hütte am Embenchime, diesmal ohne das schwere Snowmobil. Die beiden Jäger aus Tura machen einen letzten Versuch, mit ihren Netzen mehr als nur ein paar vereinzelte Fische aus dem Wasser zu ziehen. Zweimal haben sie unsere Abreise nach Tura schon verschoben, aber morgen soll es losgehen, mit oder ohne Fisch. Mir ist's recht, aber mit dem Signal zum Kauf meiner Rückflugtickets warte ich wohlweislich solange, bis wir in der Nähe von Tura sind. Vorher kann noch alles Mögliche passieren, gerade erst haben wir ja eine Geschichte von einem kaputten Motor gehört.

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                Wenn ich in der Hütte mit Alexander allein bin, schimpft er auf den faulen Sascha. Wenn ich mit Sascha allein bin, schimpft er auf die dummen Einheimischen. Ich sage ihm, dass ich an seiner Stelle Kompromisse mit Alexander eingehen würde, denn als Zugereister sitzt er am kürzeren Hebel, Arbeitsvertrag hin oder her. Und den Winter müssen sie beide gemeinsam in der engen Hütte überstehen. Genügend Holz zum Beheizen einer zweiten Hütte können sie sowieso nicht mehr vorbereiten, sogar wenn sie den alten Buran doch noch zum Laufen kriegen. Nicht einmal das hat bisher geklappt. Sascha deutet an, dass er vielleicht vor Wintereinbruch weiterziehen wird. Möglicherweise wäre es das Beste, aber für den alten Alexander würde es dann schwer, ganz allein bei 50° unter Null.

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                Die Aussichten sind also eher düster, als ich mich am nächsten Tag verabschiede. Alexander kann ich zum Dank für seine raue, aber fürsorgliche Gastfreundschaft wenigstens die Flasche mit meinen Rosinen dalassen. Dann fahren wir los. Ich freue mich auf die Fahrt mit den beiden Jägern, zu denen sich in den letzten Tagen ein gutes Verhältnis entwickelt hat. Die Ufer sind weiß, über Nacht hat es wieder geschneit. Abends wollen wir Tura erreichen.

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                Die Fahrt dauert den ganzen Tag bis in die Dunkelheit. Hütten sieht man auf den hohen Ufern ganz selten, und auf andere Menschen treffen wir nur ein einziges Mal: kurz vor Tura überholen wir die beiden Jäger mit dem kaputten Motor, die seit mehreren Tagen zurück zur Siedlung paddeln. Meine Erwartung, dass ich auf dem schiffbaren Teil des Kochechumo bestimmt Jäger bzw. deren Hütten mit irgendwelchen Lebensmitteln antreffen würde, war also völlig aus der Luft gegriffen.

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                Reparaturpause, das Boot verliert Luft.

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                Der Wasserstand im Kochechumo ist in diesem Jahr niedriger als jemals zuvor, sagen die Jäger. Einmal bleibt das vordere Boot mitten im Fluss auf einer Kiesbank stecken. Wir müssen es entladen, bevor wir das schwere Ding mit Mühe zurück ins Fahrwasser wuchten können.

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                Überall sieht man geschwärzte Flächen von Waldbränden aus früheren Jahren. Doch in diesem Sommer wüteten die Feuer um Tura nach Aussagen der beiden Jäger schlimmer als je zuvor. Nicht nur hier, in ganz Sibirien sollen die Waldbrände 2019 ein katastrophales Ausmaß angenommen haben.

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                Tura liegt an der Einmündung des Kochechumo (rechts) in die Untere Tunguska. Am Morgen nach der Ankunft hole ich die bestellten Tickets für den Flug nach Krasnojarsk ab, doch wie sich erweisen wird, sind die Abenteuer auf dieser Reise damit noch nicht zu Ende.

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                Impressionen aus Tura: Ein Haus mit traditionellem Chum (Zelt) im Garten.

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                Ein anderes Privathaus, das schönste in der Siedlung.

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                “Zeit fürs Lesen!” – die Bibliothek. Ich werde Mitglied, damit ich das Internetcafe im Lesesaal benutzen darf. Ich muss noch meinen Flug von Krasnojarsk nach Deutschland buchen, und das mobile Internet auf meinem Handy funktioniert in Tura nicht. Das war mir auch schon auf der Hinfahrt in den isolierten Siedlungen am Jenissei aufgefallen.

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                Das Zentrum für soziale Angelegenheiten. Auf dem Schild steht “Meine Seele und Kraft – Ewenkien!”

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                Sogar eine bescheidene Fußgängerzone gibt es.

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                Hinweis im Schlafraum des Hostels: “Halten Sie Sauberkeit und Ordnung!” Die Hostel-Leitung, ausschließlich Frauen, haben eine bestimmte Vorstellung von ihren Gästen – und wie man deren Aufmerksamkeit gewinnt.

                In der Gemeinschaftsküche bereite ich zwei Tage lang alle möglichen Leckereien zu, die in den letzten acht Wochen unerreichbar waren. Auf meiner Tour habe ich ca. 15 kg Gewicht verloren. Vor der Abreise laden mich ein paar Ewenkinnen noch zu einer Graupensuppe ein. Sehr nett, warum nicht, mein Heißhunger kennt keine Grenzen.

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                Am Abend des 16. September stehe ich am Flughafen. Zwei Tage vorher müssen Lena und Sergei hier abgeflogen sein, sonst wären wir uns doch noch einmal begegnet.

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                Langsam verschwindet Tura am Horizont. Ein paar einsame Lichter, verloren inmitten der endlosen Wälder Ewenkiens. Vor mir liegen fast drei Stunden Flug. Ich fühle mich auf einmal ziemlich schlecht. Die Graupen heute Mittag haben irgendwie komisch geschmeckt.

                In Krasnojarsk fahre ich in ein Hostel. Das ist übrigens mal eine positive Entwicklung für Touristen in Russland: in den letzten Jahren haben in vielen mittleren und großen Städten sehr gute private Hostels eröffnet, die man auch problemlos im Internet buchen kann. Selbst in weniger bekannten Provinzstädten wie Ufa oder Abakan findet man einen 1A Standard zu ganz normalen Preisen, mit jungen Leuten an der Rezeption, die oft sogar etwas Englisch sprechen und sich über den Austausch mit Menschen aus anderen Ländern freuen.

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                Dieses Hostel am Jenissei probiere ich zum ersten Mal aus. Der unscheinbare Eingang liegt versteckt hinter einer Baustelle, aber drinnen ist alles sauber und modern. Zum Glück geht’s mir nach dem Flug auch wieder etwas besser.

                Aber nicht für lange, die Nacht wird einfach furchtbar. Einmal ist da die betrunkene Nachbarin im Schlafraum, die anscheinend vor ihrem Mann hierher ins Hostel ausgewichen ist und ihm jetzt lautstark am Telefon erzählt, was sie gleich alles mit dem Ausländer nebenan anstellen wird und wie eifersüchtig der Ehemann danach sein darf! Als sie um Mitternacht immer noch keine Ruhe geben will und anfängt herumzupöbeln, jetzt gegen die “verdammten Ausländer”, wird sie von der Rezeption kurzerhand auf die Straße gesetzt. Schlafen kann ich aber trotzdem nicht, denn inzwischen ist mir wieder richtig übel, übler geht’s gar nicht. Irgendwann finde ich mich auf dem Fußboden wieder, ich muss die Besinnung verloren haben. Die Graupensuppe hatte es wohl in sich. Oder doch das Bärenfleisch?

                Mit großer Mühe schaffe ich es frühmorgens zum Airport. Der Flug nach Moskau dauert fünf Stunden. Es geht mir unterwegs so schlecht, dass ich die Stewardess bitte, den Flughafenarzt zu informieren. Bei der Landung warten die Sanitäter schon, und so werde ich auf einem Rollbett quer durch den Moskauer Flughafen geschoben. Auf der Krankenstation folgen die üblichen Untersuchungen und eine Infusion. Der diensthabende Arzt fragt, ob ich noch weiterfliege. Ja, in anderthalb Stunden nach Deutschland. “OK Rob, was soll ich mit dir machen? Wenn ich deinen Zustand so in die Akte eintrage wie er war, als du hier angekommen bist, wirst du auf jeden Fall für drei Tage bei uns ins Krankenhaus eingewiesen. Ich kann aber auch schreiben, dass du reisefähig bist, dann könntest du ein paar Stunden später bei deinem Arzt in Deutschland sein. Was ist dir lieber?” – “Schreiben Sie reisefähig.” – “Und wo hast du dir bei uns den Magen so verdorben?” – “Im Hostel durch was Selbstgekochtes, oder durch Bärenfleisch. Eins von beiden.” – “Weißt du, das Problem mit euch Deutschen ist, dass ihr zu wenig Wodka trinkt. Euer Magen ist nichts mehr gewohnt. Alles Gute!”

                Tja, damit muss er wohl recht haben. Das Ganze ist mir 2015 nämlich schon mal passiert. Gerade aus der Taiga zurück in Yakutsk, fing ich mir gleich eine Lebensmittelvergiftung ein. Als Ursache kamen nur die Einkäufe aus dem Supermarkt in Frage. Es folgte ein furchtbarer Flug nach Moskau und gleich nach der Landung zwei Stunden Rehydrierung auf der Krankenstation, danach eine Woche Auskurieren.

                So glimpflich läuft es diesmal nicht ab. Am nächsten Tag in Deutschland fühle ich mich dermaßen mies, dass ich meine Frau bitten muss, den Rettungswagen zu rufen. Ab ins Krankenhaus, nächste Infusion. Aber ein paar Tage später geht’s mir endlich besser, und auch der Test auf Trichinen erbringt zum Glück das Ergebnis “negativ”.

                Damit hat diese lange Tour ihr verdientes gutes Ende gefunden. An dieser Stelle möchte ich allen, die hier auf ODS so ausdauernd mitgereist sind, einen herzlichen Dank für ihr Interesse sagen.

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                Zuletzt geändert von Robtrek; 10.04.2021, 15:21.

                Kommentar


                • Detlef
                  Erfahren
                  • 27.10.2007
                  • 328

                  • Meine Reisen

                  Mir fehlen einfach die Worte. Es war spannend und aufregend, dich zu begleiten, und auch Einblicke in eine Welt zu erhalten, die man heute nicht mehr kennt. Ein (mehr gab es leider nicht ) Bericht. Herzlichen Dank fuer deine Ausdauer, uns mit Worten und vielen tollen Bildern zu berichten.

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                  • Estephane
                    Neu im Forum
                    • 21.02.2020
                    • 8

                    • Meine Reisen

                    Wahnsinn! Super Bericht! Ich habe mit gefiebert. Alles drin: Wölfe, Bären, Fische, Beeren, Stromschnellen, Kalaschnikov, Wildnis, Natur pur, Einsamkeit, Geschichte und Geschichten. ODS at its best. Danke vielmals.

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                    • ApoC

                      Moderator
                      Alter Hase
                      • 02.04.2009
                      • 2923

                      • Meine Reisen

                      Einfach stark! Und am Ende verdorbene Graupen... Vielen Dank für's Berichten!
                      „Luke, auch du wirst noch entdecken, dass viele Wahrheiten, an die wir uns klammern, von unserem persönlichen Standpunkt abhängig sind.“ — Obi-Wan Kenobi

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                      • Bambus
                        Fuchs
                        • 31.10.2017
                        • 1191

                        • Meine Reisen

                        Vielen Dank für den tollen Bericht. Da hast du aber zum Ende hin noch Glück gehabt...

                        Und vielen Dank für die tollen Bilder und die Mühe des aufbereitens!

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                        • LihofDirk
                          Freak

                          Liebt das Forum
                          • 15.02.2011
                          • 13731

                          • Meine Reisen



                          Danke. War herrlich zu lesen, sowohl vom Erlebten, als auch dem Beobachteten und dem Schreibstil.

                          Die Beobachtung der Gruppendynamik war imho nicht eine Abweichung vom Thema, gerade Menschen und Interaktionen sind selbst für Alleinreisende doch eine wesentliche Komponente.

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                          • rumpelstil
                            Fuchs
                            • 12.05.2013
                            • 2388

                            • Meine Reisen

                            Auch ich bin sehr beeindruckt, nach wie vor. Deine Art zu schreiben gefällt mir ausgesprochen gut, unaufgeregt und trotzdem mit grossem Spannungsbogen. Vielen herzlichen Dank für diesen wirklich aussergewöhnlichen Bericht!

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                            • NF
                              Erfahren
                              • 23.02.2019
                              • 186

                              • Meine Reisen

                              Wow, vielen vielen Dank für diesen tollen Bericht! Wirklich klasse!

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                              • Intihuitana
                                Fuchs
                                • 19.06.2014
                                • 1715

                                • Meine Reisen

                                Ich will mich auch noch mal für den großartigen Bericht bedanken.

                                Hab hier noch ein paar Fragen bezüglich der Nahrungsbeschaffung.

                                1.Hast du mal überlegt ein Fischernetz mitzunehmen, welches man Abends auslegen kann? Zumindest an langsam fließenden Abschnitten und Seen, könnte man dann das Netz passiv für sich arbeiten lassen.

                                Gleiches würde für Fangschnüre gelten, die man mit Haken und Köder abends auslegt. Allerdings bräuchte man dann schon Naturköder, welche man erstmal finden muss.

                                2. Wie sieht es mit dem Räuchern von Fisch bei großem Überschuss an gefangenen Fischen aus, um den Proviant aufzufrischen? Oder lohnt sich das nicht, bei dem verhältnismäßig kühlen Klima. Du schriebst ja, dass sich die Fische eine Weile unten im Boot halten.
                                Russian Roulette is not the same without a gun. - Lady Gaga

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                                • AxelS
                                  Neu im Forum
                                  • 12.09.2011
                                  • 8

                                  • Meine Reisen

                                  Ein wahnsinnig tolle Berichterstattung. Hut ab für das was Du da unter die Füße genommen hast.

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                                  • Estephane
                                    Neu im Forum
                                    • 21.02.2020
                                    • 8

                                    • Meine Reisen

                                    Zitat von Intihuitana Beitrag anzeigen
                                    Ich will mich auch noch mal für den großartigen Bericht bedanken.

                                    Hab hier noch ein paar Fragen bezüglich der Nahrungsbeschaffung.

                                    1.Hast du mal überlegt ein Fischernetz mitzunehmen, welches man Abends auslegen kann? Zumindest an langsam fließenden Abschnitten und Seen, könnte man dann das Netz passiv für sich arbeiten lassen.

                                    Gleiches würde für Fangschnüre gelten, die man mit Haken und Köder abends auslegt. Allerdings bräuchte man dann schon Naturköder, welche man erstmal finden muss.

                                    2. Wie sieht es mit dem Räuchern von Fisch bei großem Überschuss an gefangenen Fischen aus, um den Proviant aufzufrischen? Oder lohnt sich das nicht, bei dem verhältnismäßig kühlen Klima. Du schriebst ja, dass sich die Fische eine Weile unten im Boot halten.
                                    Zu Frage 1:
                                    Robert schrieb in seinem ebenso spannenden und lesenswertem Reisebericht zum Thema Fischen

                                    ​​​​​
                                    [RU] Sibirien, wie man es kaum kennt: in 75 Tagen durch das Putorana


                                    am 15.10.2016 zum Thema Fischen mit Angel oder/ und Netz:

                                    "Ein Netz würde das effiziente Fischen über Nacht ermöglichen und somit Zeit sparen, aber der Aufwand für die Zubereitung ist nicht zu unterschätzen. Ein Dutzend Äschen ausnehmen, einen Teil davon für die Fischsuppe entschuppen - das dauert bei mir schon eine gute Stunde. Typischerweise geschieht das abends bei Kälte und Dunkelheit im Schein der Kopflampe und mit den Händen die meiste Zeit im eisigen Wasser - kein Vergnügen, man macht es, weil man unbedingt etwas essen will."

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                                    • donjohannes
                                      Gerne im Forum
                                      • 07.04.2015
                                      • 80

                                      • Meine Reisen

                                      Großes Kompliment und Dank für die Mühen, dies alles hier für uns einzustellen! Ich denke niemand hat wegen der Liebe zu Outdoordingen die Beschreibung im Jägercamp übersprungen. Ws sind solche Einblicke in die (menschliche) "Seele Russlands", die auch für uns Lesende das Erlebnis umso mehr verdichten. Ich habe täglich hier reingeschaut, nur um zu sehen, ob es weitergeht. Und ich war wohl nicht der einzige. Dieses "Ritual" zwischen Hoffnung und Erwartung werde ich vermissen, aber ich geduldig freue mich auf weitere Berichte, wenn welche kommen.

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                                      • Robtrek
                                        Erfahren
                                        • 13.05.2014
                                        • 468

                                        • Meine Reisen

                                        Zitat von Intihuitana Beitrag anzeigen
                                        1.Hast du mal überlegt ein Fischernetz mitzunehmen, welches man Abends auslegen kann? Zumindest an langsam fließenden Abschnitten und Seen, könnte man dann das Netz passiv für sich arbeiten lassen.
                                        Sehr berechtigte Frage, und Estephane hat ja schon darauf hingewiesen, dass uns das 2016 im Putorana auch als Idee kam. Ich hatte mich daraufhin mal erkundigt, welche Netze man in Sibirien typischerweise nehmen würde, vielleicht ist das für dich interessant. Für Äschen im Oberlauf der Flüsse: 1-wandiges Netz, Länge 10-15m, Höhe 1,2-1,5m, Maschen 40-45mm, Nylon Monofilament 0,17-0,20mm. Für größere Fische im Mittellauf: 30m / 1,8m / 50-55mm / 0,20-0,25mm. Es wird empfohlen, die Netze an fünf Stellen extra zu beschweren (kleine Taschen für Steine) und ausdrücklich nicht zu dünnes Monofilament zu nehmen, da die Netze beim Entfernen der gefangenen Fische sonst zu schnell einreißen.

                                        Ich bin aber zu dem Schluss gekommen, dass der Nutzen das zusätzliche Gewicht nicht rechtfertigt. Die Angel ist flexibel, du kannst über den Tag verteilt an 20-30 vielversprechenden Stellen auswerfen, meist vom Boot aus, ohne dabei viel Zeit zu verlieren. Wenn Fische da sind, beißen sie normalerweise sofort. Das Netz ist nur an einer Stelle pro Tag einsetzbar, eben am Nachtlager. D.h. du musst jetzt dein Nachtlager danach aussuchen, ob da ein geeignetes Ufer fürs Netz ist, eine kleine Bucht mit wenig Strömung usw. Oft ist es ja so schon schwierig, einen geeigneten Lagerplatz zu finden, jetzt kommt das auch noch hinzu. Auf reinen Raftingtouren hatten Mitfahrer schon mal ein Netz dabei, und ich kann mich erinnern, dass es morgens oft leer war. Ich sehe das eher als eine Sache für Touren ohne Gewichtsbeschränkung, wo man zusätzlich zur Angel ein Netz mitnehmen kann. Ich vergleiche es mal mit dem Segel fürs Packraft, das mein Kamerad 2016 dabei hatte. Auf dem See bei starkem Wind ging sein Boot ab wie eine Kanone und war im Nu einen Kilometer weg von mir. Aber es gab halt nur diesen einen See von 20 km Länge. Das Kosten-Nutzen Verhältnis ist dann insgesamt über die ganze Tour gesehen doch nicht so gut.

                                        Zitat von Intihuitana Beitrag anzeigen
                                        2. Wie sieht es mit dem Räuchern von Fisch bei großem Überschuss an gefangenen Fischen aus, um den Proviant aufzufrischen? Oder lohnt sich das nicht, bei dem verhältnismäßig kühlen Klima. Du schriebst ja, dass sich die Fische eine Weile unten im Boot halten.
                                        Räuchern - das wird von russischen Touristen gemacht. Der Geschmack ist dabei das wichtigere Ziel, nicht so sehr das Verlängern der Haltbarkeit. Ist aber wiederum eher was für Touren ohne Gewichtsbeschränkung, der kleine Räucherkasten aus Metall wiegt halt was und nimmt Platz weg. Man muss das richtige Holz unten reintun, sonst wird der Rauch bitter und der Fisch schmeckt nicht. Ohne Kasten direkt über dem Feuer zu räuchern ist meist nicht praktikabel. Wir haben das mal mit Elchfleisch gemacht. Dazu mussten wir einen Extra-Pausentag einlegen, um den Räuchereffekt zu erzielen. Das Fleisch hat dann für 3 Wochen gehalten. Generell ist die Chance, alle 3 Tage Fisch zu fangen, ziemlich gut, und leicht gesalzen halten sich die Fische diese 3 Tage auch problemlos, meist sogar länger. Ich würde also lieber mehr Salz mitnehmen, als einen Räucherkasten. Für meine Tour reicht eine 0,5l-Flasche mit Salz, das sind 700g, fürs Würzen und Angeln.

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                                        • Mika Hautamaeki
                                          Alter Hase
                                          • 30.05.2007
                                          • 3949

                                          • Meine Reisen

                                          Auch von mir nochmal vielen Dank für diesen spannenden, untrhaltsam geschriebenenen und im genau passenden Maß bebilderten Bericht.
                                          Ein wahres Meisterwerk.
                                          So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
                                          A. v. Humboldt.

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