[RU] Rückkehr aufs Putorana-Plateau. Ein Wildnisabenteuer.

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  • JulianD
    Gerne im Forum
    • 26.10.2017
    • 56

    • Meine Reisen

    Zunächst mal: Respekt! Das ist nicht nur eine bemerkenswerte Tour, sondern einfach auch toll geschrieben. Durch den Pioniercharakter eurer Reise fühlt man sich als Leser eher bei den Entdeckungsfahrten des 18. und 19. Jahrhunderts.
    Zwei Anmerkungen zu der Bärenaktion:
    Gerade über Sibirien und Kamtschatka liest man immer mal wieder von Jahren mit einer höheren Anzahl von Zwischenfällen, es scheint dabei wohl einen Zusammenhang zu äußeren Faktoren zu geben. Zu kurze oder zu warme Winter, der die Bären verfrüht stimuliert oder auch der Wegfall bestimmter Nahrungsquellen (Lachs in Kamtschatka) könnten wohl in Zusammenhang mit solchen Jahren stehen. Ist die da etwas zu Ohren gekommen?

    Wenn man bedenkt, dass du bei geringer Strömung im Wasser quasi auf der Stelle standest als der Bär auf dich losging, würde ich aus der Ferne auf einen Scheinangriff tippen. So langsam dürfen Bären nun auch nicht sein im Wasser, zumindest auf kurzer Strecke. Die Größe des Objektes spricht auch dafür. Aber es tut auch nichts zur Sache und ist letztlich belanglos. An das vermeintliche Foto, was sich in deinem Kopf sicher eingebrannt hat, wirst du bestimmt dein Leben lang denken. Wäre sicher ein Traumbild gewesen. Kurzum: Alles richtig gemacht!

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    • Robtrek
      Erfahren
      • 13.05.2014
      • 297

      • Meine Reisen

      Zitat von JulianD Beitrag anzeigen
      Gerade über Sibirien und Kamtschatka liest man immer mal wieder von Jahren mit einer höheren Anzahl von Zwischenfällen, es scheint dabei wohl einen Zusammenhang zu äußeren Faktoren zu geben. Zu kurze oder zu warme Winter, der die Bären verfrüht stimuliert oder auch der Wegfall bestimmter Nahrungsquellen (Lachs in Kamtschatka) könnten wohl in Zusammenhang mit solchen Jahren stehen. Ist die da etwas zu Ohren gekommen?
      Ich kann nicht sagen, ob 2019 bzgl. der Nahrungsverfügbarkeit für Bären ein schlechtes Jahr war. Aber der Sommer war auf jeden Fall einer der trockensten überhaupt im Putorana. Jäger, die ich am Ende der Tour traf, konnten sich nicht erinnern, dass es jemals so wenig Niederschlag gegeben hatte. Viele kleine bis mittlere Zuflüsse zur Kureika und zum Kochechumo waren ganz versiegt. Das Angeln war für uns deshalb über lange Strecken wirklich mies, normalerweise findet man ja gerade an den Einmündungen der Zuflüsse viel Fisch. Wobei Fisch für die Bären an der Kureika wahrscheinlich keine so wichtige Nahrungsquelle darstellt, die Lachswanderung scheidet jedenfalls aus. Einmal ist da der große Wasserfall bei Vladimirs Hütte, der für Lachse seit jeher nicht zu überwinden sein dürfte. Zum anderen ist die Kureika durch den Staudamm bei Svetlogorsk endgültig vom Jenissei und damit vom Meer abgeschnitten worden. Waldbeeren und Pilze als eine weitere Nahrungsquelle für die Bären waren 2019 Hülle und Fülle vorhanden.

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      • Meer Berge
        Fuchs
        • 10.07.2008
        • 2287

        • Meine Reisen

        Puuuuuuuu!
        Ich wäre auch gepaddelt wie der Teufel!
        An Land ist das was anderes. Der Bär kann schnell rennen, man selbst ist auch flexibler in seinen Reaktionen.
        Auf dem Wasser ist man selbst ja wenig aktionsfähig, zumal man noch Angst um sein Boot haben muss. Macht der Bär dein Boot kaputt, fehlt es dir nicht nur für den Rest der Tour, es fehlt dir ziemlich unmittelbar! Als Schwimmer in Klamotten hat man gegen einen Bären wohl definitiv verloren. Da sehe ich auch nur die Flucht - es sei denn, man hat eine Schusswaffe zur Hand und ist hinreichend sicher im Umgang damit. Der Schnelligkeitsunterschied von dir im Boot und dem schwimmenden Bären ist deutlich geringer als wenn ihr beide festen Boden unter den Tatzen hättet. Ich denke auch, das war die richtige Reaktion. Nicht nur, weil sie erfolgreich war.
        Könnte direkt aus dem Lederstrumpf sein.
        Kalender *Papageitaucher 2021* Familienplaner
        Das Wetter, das man jeden Morgen in sich selber macht, ist viel wichtiger als das Wetter draußen. Fynn

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        • Robtrek
          Erfahren
          • 13.05.2014
          • 297

          • Meine Reisen

          Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
          Als Schwimmer in Klamotten hat man gegen einen Bären wohl definitiv verloren.
          Ja, ich denke auch deshalb, weil man sich im Wasser ja bewegen muss. Also "tot stellen" ist gar nicht möglich, wie Mortias oben schon geschrieben hat. Wenn man es überlegt, sind eigentlich nur zwei instinktgesteuerte Reaktionen möglich: panikartige Flucht, oder vor Schreck erstarren. Die Starre endet aber mit Sicherheit nach wenigen Sekunden, wenn der Bär das Boot erreicht. Mit einem Schlag seiner Tatze würde er zunächst das Boot treffen und zerstören, woraufhin der Insasse ins Wasser rutscht und dabei zwangsläufig anfängt, sich zu bewegen. Kein schönes Szenario. Mir ist kein Fall bekannt, wo ein Paddler in diese Lage geraten ist. Von einem Motorboot hat man es mir mal in Yakutien erzählt. Dabei soll der Bootsfahrer aus Übermut einen schwimmenden Bären gezielt gerammt haben, im Ergebnis drei Tote. Aber wie gesagt, das ist aus zweiter Hand. Zutrauen würde ich es einem wodkaseligen Städter auf Wochenendabenteuer aber allemal.

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          • bikevagabond
            Gerne im Forum
            • 22.11.2013
            • 50

            • Meine Reisen

            Es geht also weiter.. und es bleibt spannend!

            Zitat von Robtrek Beitrag anzeigen
            Zum Glück fällt mir das Trekking von Jahr zu Jahr leichter, und jedes Jahr kann der Rucksack ein bisschen schwerer werden. Vergangenen Sommer erstmals über 40 kg, und null Problemo.
            Bei mir scheint es eher umgekehrt zu sein.. aber seit der Putorana-Tour 2016 habe ich auch keinen weiteren Wildnistrip mehr unternommen - vielleicht sollte ich mal wieder, um nicht einzurosten.

            Das Brot war übrigens nur ein abgewandeltes Rezept, das ich mir im Suntar-Chajata bei den Ewenen abgeschaut habe.. mit Hunger in der Taiga schmeckt eh alles gut ;)

            Zitat von Robtrek Beitrag anzeigen
            Tolmachev I P - Толмачев И. П. 1905-06. Er schrieb: "Das riesige Gebiet von mehreren hunderttausend Quadratkilometern, das von Middendorf und Chekanovsky eingekreist wurde, ist eines der am wenigsten erforschten Gebiete nicht nur Sibiriens, sondern der ganzen Erde." Tolmachev war der erste, der ins Innere des Putorana vorstoßen konnte. Seine Route (Turukhansk - Kureika bei Vladimirs Hütte - Kotui Oberlauf - Essei-See - Moiero - Kotui Unterlauf - Khatanga) deckt sich teilweise mit unseren Touren von 2016 und 2018. Tolmachev bemerkte damals, dass das Putorana von den Tungusen praktisch unbesiedelt war.

            Baklund O O - Баклунд О. О. - Weggefährte Tolmachevs, der nach der Expedition einen anderen Weg zurück nahm. Auch nach Tolmachev und Baklund wies die russische Karte des Putorana von 1910 noch gewaltige Fehler und Lücken auf. Bergketten und Flussverläufe hatten z.T. nichts mit der Realität zu tun, sie beruhten im wesentlichen auf Erzählungen der Tungusen. Im Großen und Ganzen korrekt dargestellt waren immerhin die Flüsse Kureika, Beldunchana, Gongda, und Kochechumo, die alle auf unserer Tour von 2019 eine Rolle spielen.

            Urvantsev N N - Урванцев Н. Н. 1920-29. Er konnte auf seinen Expeditionen viele weiße Flecken schließen und Fehler korrigieren.
            Sehr interessant! Zur Entdeckungsgeschichte des Putorana hatte ich bisher noch nichts gelesen.

            Zitat von Robtrek Beitrag anzeigen
            Wenn man es überlegt, sind eigentlich nur zwei instinktgesteuerte Reaktionen möglich: panikartige Flucht, oder vor Schreck erstarren. Die Starre endet aber mit Sicherheit nach wenigen Sekunden, wenn der Bär das Boot erreicht.
            Auf der Judoma ist dir doch auch schon mal ein Bär hinterher geschwommen.. vielleicht macht dein Boot einen verlockenden Eindruck auf die Tiere ;)

            Mir ist ja damals zum Ochotskischen Meer fast das Gleiche passiert, als ich eines Abends nichtsahnend auf einem Nebenarm die Ketanda hinunter trieb und urplötzlich ein Bär aus dem Unterholz auf mich zu preschte. Da schaltete bei mir auch in Bruchteilen von Sekunden der Instinkt ein. Keine Zeit, keine Chance in so einer Situation ein Abwehrmittel einzusetzen, geschweige nachzudenken, was hier die richtige Reaktion wäre. Mein Instinkt entschied und ließ mich intuitiv das Paddel hochreißen und den Bären anbrüllen. Das hat ihn dann womöglich gestoppt, direkt an der Uferlinie - nur drei Meter von mir entfernt... Der hätte locker zu mir weiterrennen können, denn das Wasser war nur knie- bis oberschenkeltief. Durch die Strömung blieb ich auch nicht still auf einem Fleck, was den Bären am Ufer weiter animierte, mich im Fokus zu behalten. Ich vermied weiterzupaddeln, weil es wie Flucht aussehen könnte, zumal ich paddelnd ohnehin nicht entkommen wäre. Aber nur in einer Starre verharren und nichts machen (ohne Drohgebärde) hätte ihn wahrscheinlich nicht zögern und letztlich umdrehen lassen. Es war der einzige wirklich kritische Moment in meinem Leben, bei dem ich dachte, jetzt ist es vorbei.. daher kann ich deine Erfahrung gut nachvollziehen.

            Mittlerweile bin ich der Überzeugung, dass man sich bestimmte instinktive Handlungen auch antrainieren kann. In meinem Fall waren es wohl die wiederholten Begegnungen mit aggressiven Hunden (auf Radtouren), die ich mit Drohgebärden stets erfolgreich auf Distanz halten konnte, anfangs als bewusste Reaktion, mit der Zeit auch intuitiv. Das funktionierte schließlich auch bei einem übermütigen Yakbullen in Kirgistan und zuletzt sogar bei Bärenbegegnungen in Tschukotka, wobei ich aber immer mit dem bepackten Rad eine massige Einheit bildete. Durch die wiederholten Erfahrungen hatte ich diese Reaktion verinnerlicht. Und da sie auch einen attackierenden Bären zurückgehalten hat, glaube ich, dass offensives Auftreten das letzte Mittel sein kann, einen angreifenden Bären zu verunsichern, damit er vielleicht doch noch ablässt von dem, was ihn angetrieben hat (falls es keine Chance gibt zu flüchten oder ein Abwehrmittel einzusetzen). Tot stellen wäre für mich keine Alternative.

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            • janphilip
              Erfahren
              • 03.07.2020
              • 167

              • Meine Reisen

              Zitat von bikevagabond Beitrag anzeigen
              Mittlerweile bin ich der Überzeugung, dass man sich bestimmte instinktive Handlungen auch antrainieren kann. In meinem Fall waren es wohl die wiederholten Begegnungen mit aggressiven Hunden (auf Radtouren), die ich mit Drohgebärden stets erfolgreich auf Distanz halten konnte, anfangs als bewusste Reaktion, mit der Zeit auch intuitiv. Das funktionierte schließlich auch bei einem übermütigen Yakbullen in Kirgistan und zuletzt sogar bei Bärenbegegnungen in Tschukotka, wobei ich aber immer mit dem bepackten Rad eine massige Einheit bildete. Durch die wiederholten Erfahrungen hatte ich diese Reaktion verinnerlicht. Und da sie auch einen attackierenden Bären zurückgehalten hat, glaube ich, dass offensives Auftreten das letzte Mittel sein kann, einen angreifenden Bären zu verunsichern, damit er vielleicht doch noch ablässt von dem, was ihn angetrieben hat (falls es keine Chance gibt zu flüchten oder ein Abwehrmittel einzusetzen). Tot stellen wäre für mich keine Alternative.
              Von dem was ich bisher erlebt und von Fachleuten gehört habe ist das auch absolut richtig.
              Ruhig bleiben und ausweichen solange der Braunbär nicht offensiv auftritt, sollte er offensiv werden selber mit aller Aggression, die man im Stande ist aufzubringen, reagieren.

              Das mit dem tot stellen bezieht sich laut den Rangern aus Alaska nur auf den Fall dass ein Braunbär Scheinangriff tatsächlich mal damit endet das "der Bär Kontakt herstellt", einen also umrennt. In dem Fall soll man so tun als hätten einen das umgebracht und sich flach auf den Bauch legen, die Hände im Nacken verschränkt.
              Das man sich in dem Moment wahrscheinlich schon eingeschissen hat steht auf nem anderen Blatt Papier..

              Zum Thema Boot hab ich mal ein Video gesehen, wo ein Braunbär zu drei Anglern im Boot schwimmt und das Boot einfach umdreht. Die drei landen im Wasser und sind verständlicher Weise nervlich völlig am Ende. Der Bär pickt sich aber nur in aller Ruhe die toten Fische aus dem Wasser und schwimmt dann zum Ufer zurück..
              Ich glaube das gabs sogar auf Youtube aber ich finde es nicht wieder..

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              • Mortias
                Dauerbesucher
                • 10.06.2004
                • 954

                • Meine Reisen

                Zitat von janphilip Beitrag anzeigen
                Das mit dem tot stellen bezieht sich laut den Rangern aus Alaska nur auf den Fall dass ein Braunbär Scheinangriff tatsächlich mal damit endet das "der Bär Kontakt herstellt", einen also umrennt. In dem Fall soll man so tun als hätten einen das umgebracht und sich flach auf den Bauch legen, die Hände im Nacken verschränkt.
                OT: Dem muss ich teilweise widersprechen. Meines Wissens gilt dies generell bei allen "defensiven" Angriffen (die eine große Mehrheit aller Bärenangriffe darstellen). Also beispielsweise auch bei Müttern die Ihre Jungtiere bedroht sehen oder Bären die ihr Revier bzw. ihre Beute verteidigen wollen oder ihre Dominanz beweisen möchten. Bei solchen Angriffen ist tot stellen das richtige Mittel (sofern das Bärenspray nicht wirkt bzw. man keines dabei hat). Nur bei offensiven Angriffen, sprich wenn der Bär einen als Beute sieht und schlagen will, ist es unbedingt ratsam so agressiv wie nur irgend möglich aufzutreten. Tot stellen dann das dümmste was man machen kann. Die Herausforderung besteht natürlich dahin, bei einem Bärenangriff richtig einzuschätzen ob es sich um eine offensive oder defensive Attacke handelt und das Verhalten entsprechend auszurichten. Ich denke innerhalb von Sekundenbruchteilen ist das gar nicht so einfach. Von daher bin ich heilfroh, dass ich selbst noch nie in so einer Situation war wo ich das entscheiden musste.

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