[CA] Northern Rockies Traverse 2019

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  • rumpelstil
    Fuchs
    • 12.05.2013
    • 2272

    • Meine Reisen

    AW: [CA] Northern Rockies Traverse 2019

    Bei diesen Abschnitten meine ich zu merken, wieviel Erfahrung du hast und wieviel Sicherheit dir das gibt - das sichere Gefühl, wo es "schon irgendwie geht" und wo es sich nicht lohnt und eine Alternative gefunden werden muss. Für mich ist das sehr beeindruckend!

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    • berniehh
      Fuchs
      • 31.01.2011
      • 1749

      • Meine Reisen

      AW: [CA] Northern Rockies Traverse 2019

      55.Tag (43):

      Es ist wolkenlos und 1 Grad am Morgen, alle Zeichen stehen auf Traumwetter
      Ich warte noch bis die Sonne meinen Zeltplatz erreicht.
      Beim kleinen Spaziergang am Morgen sehe ich auf der anderen Flusseite zwei große Elche. Als sie mich erblicken verziehen sie sich sofort im Busch. Leider hatte ich meine Kamera im Zelt gelassen.


      Mein Zeltplatz am Morgen


      Um 10:35 wander ich los. Es geht weiter talaufwärts, weglos am Fluss entlang. Zunächst bleibe ich auf der orographisch linken Seite


      aber ohne Pfad ist es teilweise echt hart


      aber die Landschaft ist geil

      Irgendwann wird mir das zu nervig und auf der nächsten ausgebreiteten Senke furte ich rüber auf die andere Seite, wo ich auf den Pfad stoße. Ab nun ist das Vorwärtskommen einfach und der Pfad wird immer besser.
      Es geht weiter abwechselnd im Flussbett und durch Wald. Der Fluss wird noch etliche Male gefurtet, aber im Vergleich zu gestern abend ist der Wasserstand deutlich gesunken und an ausgebreiteten Stellen nur knietief.




      der niedrige Sattel zum Sikanni Chief River kommt langsam näher.


      der Pfad verliert sich auf den offenen Senken wieder, was aber kein Problem ist.

      Nach über 7 Kilometern kurvt sich das Tal nach links und ich muss geradeaus über den sanften Waldpass.


      hier blickt man um die Linkstalkurve - dies ist eine super Gegend


      der Berg in der Bildmitte ist der Mount Ulysses, mit 3024 m der höchste Berg der nördlichen Rockies.
      Vor ein paar Tagen habe ich ihn von der anderen Seite aus gesehen.







      Blick zurück talabwärts.....

      Den Pfad finde ich erstmal nicht wieder. Nach der Mittagspause verlasse ich das Tal und folge zunächst einen schmalen Wildpfad in ein kleines Nebental rein, entlang einer flachen Waldterasse 100 bis 150 m oberhalb der Bachschlucht.


      Blick durch die Bäume oberhalb der Bachschlucht


      nach anderthalb bis zwei Kilometern finde ich den Pfad wieder.


      der Pfad ist gut freigesägt, lässt sich schnelll bewandern, sieht aber länger nicht von Menschen benutzt aus.


      über flache Gras- und Gestrüpplichtung überquere ich den Sattel (1405 m)


      kurz darauf erreiche ich diesen kleinen See (1379 m), der oberste See im Sikanni Chief River Valley


      der nun teils wieder verwachsene Pfad führt durch herrlich knorrigen Wald am Ufer entlang.




      vor mir liegt das Seeende, wo sich der Pfad verliert und auch erstmal nicht wiederfindet - es geht dann für einen Kilometer weglos durch ein übles Sumpf- und Gestrüppgelände.


      dann erreiche ich den einige Kilometer langen Sikanni Chief Lake (1375 m)


      um aus dem Sumpf- und Gestrüppgelände rauszukommen gehe ich nach dahinten in den Wald


      durch dichten Wald folge ich zunächst weglos das linke Ufer.
      Leider finden sich hier keine guten Campstellen.


      Da es spät wird und ich langsam mal eine Campstelle brauche, verlasse ich das Ufer, in der Hoffnung den Pfad bald wiederzufinden.
      Und tatsächlich, ein ganzes Stückchen vom Ufer weg stoße ich wieder auf den Pfad mit frische Fußspuren und Pferdeäpfel von heute. Es sind also vor kurzem Leute hier langgeritten.

      Ich folge den Pfad noch für einen Kilometer. Es geht im sanften auf und ab durch Wald, bis ich um 20:30 bei einem Bach Schluss für heute mache. Nach etwas rumsuchen finde ich eine brauchbare Campstelle.


      Camp 55 (1417 m)

      56.Tag (44):

      Eigentlich müsste ich jetzt nur noch das Sikanni Chief River Valley abwärts wandern bis zum Beginn der Straße. Das wäre der direkteste Weg. Aber ich will ja noch einen Schlenker zum Redfern Lake machen.

      Das Wetter sieht wieder gut aus, aber es ist kühl und mein Zelt nass vom Tau. Ich warte noch bis die Sonne hinter den Bäumen hervorkommt, aber das dauert ewig und um 11 wander ich endlich los.

      Ich folge den Trail durch Wald weiter talabwärts im leichten auf und ab über Bergrücken den sanften Hang entlang. Dies ist der beste und freigeschlagenste Pfad seit langem. Kein Wunder, die Zivilisation rückt immer näher.


      der beste Pfad seit langem




      im Hintergrund der 2574 m hohe Sikanni Chief.


      nach einigen Kilometern führt der Pfad runter zum Fluss auf 1333 m.


      im Hintergrund der Sikanni E4 (2568 m)



      Nach 2h20 mündet von links der Fluss aus dem nächsten größeren Nebental ein. Dieses Tal will ich hoch zum Redfern Lake.
      Hier sehe ich einen Grizzly, der aber kurz darauf in den Wald verschwindet, noch bevor ich meine Kamera schussbereit hatte.


      ich verlasse den Pfad und wander weglos im flachen Flussbett das Nebental aufwärts.


      Blick zurück auf den Sikanni E4


      das Wandern ist zunächst noch einfach.






      dann wird´s härter. Das flache Flussbett endet gleich und dann geht´s abseits vom Fluss durch die dichte Buschzone, weglos oder auf vage erkennbare Wildpfade.


      später wirds wieder deutlich einfacher




      plötzlich stoße ich auf diesen Pfad, der vermutlich die ganze Zeit abseits vom Fluss durch Wald und Busch verlaufen ist. Nun also entspanntes Wandern.






      Nebental zum Sikanni Chief


      kurz darauf finde ich diese Traumcampstelle, im letzten höheren Nadelwaldabschnitt bevor der sehr dichte niedrige Bergnadelwald beginnt. Mit 4h15 war heute nur ein kurzer Wandertag.
      Camp 56 (1410 m)



      am Abend nochmal kurze Sonnendurchbrüche
      Zuletzt geändert von berniehh; 20.12.2019, 20:47.
      www.trekking.magix.net

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      • Der Foerster
        Alter Hase
        • 01.03.2007
        • 3623

        • Meine Reisen

        AW: [CA] Northern Rockies Traverse 2019

        Sehr schön, danke Dass Du Dir die Mühe eines so ausführlichen Berichts machst

        Die Bilder von den gut begehbaren Pfaden hast Du im Harz gemacht?
        Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst. Voltaire.

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        • berniehh
          Fuchs
          • 31.01.2011
          • 1749

          • Meine Reisen

          AW: [CA] Northern Rockies Traverse 2019

          Zitat von Der Foerster Beitrag anzeigen
          Die Bilder von den gut begehbaren Pfaden hast Du im Harz gemacht?
          Wenn man sich die Berge weg denkt könnten die Pfade durchaus im Harz liegen.
          Wobei es im Harz so schöne und wenig begangenen Waldpfade doch fast nur noch in der verbotenen Nationalpark-Kernzone gibt
          www.trekking.magix.net

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          • berniehh
            Fuchs
            • 31.01.2011
            • 1749

            • Meine Reisen

            AW: [CA] Northern Rockies Traverse 2019

            57.Tag (45):

            Heute ist der 45.Tag seit meinem Wiedereinstieg am Muncho Lake und der 9.Tag seit dem Weitermarsch vom Head Camp.

            Das Wetter verspricht wieder schön zu werden. Es wäre dann schon der vierte Schönwettertag in Folge, was es auf dieser Reise noch nicht gegeben hat.

            Heute geht es weiter Richtung Redfern Lake. Dabei soll der letzte hochalpine Pass dieser Tour überquert werden. Es wird landschaftlich also auch der letzte wirkliche Top-Highlighttag der Northern Rockies Traverse.

            Um kurz nach acht starte ich, folge weiter den Pfad talaufwärts durch niedrigen alpinen Nadelwald, der dann lichter und verbuschter wird.


            Blick zurück talabwärts.
            Der Pfad wird verwachsener und verliert sich langsam.



            ich komme ins offene alpine Gelände und nach dreieinhalb Kilometern löst sich der Pfad ganz auf.


            die alpinen Berge am Talende rücken näher. Die restlichen 14 Kilometer des heutigen Tages geht es durch wegloses Gelände.


            der 2825 m hohe Mount Penelope. Direkt dahinter liegt der Mount Ulysses, den man leider nicht sehen kann.


            hier muss ich mir eine Route durch tiefer eingeschnittene verbuschte Bachschluchten suchen.




            in der Bachschlucht mache ich erstmal Frühstückspause


            dann geht´s auf der anderen Seite wieder hoch....


            ....auf recht steilem Hang


            oben wirds wieder flach.






            der letzte Busch verschwindet bald und es geht durch offenes alpines Gelände sanft bergauf Richtung Pass.




            leichtes wegloses Wandern in atemberaubender landschaft






            und vor mir der Pass




            das alpine Grasland verschwindet bald


            das letzte Stück auf steilem Geröllhang




            der Gletscherberg dahinten ist der Mount Penelope




            drei Stunden von meiner Frühstückspausenstelle erreiche ich die Passhöhe.
            Pass Nr. 25 (2178 m)



            Super Blick runter zu anderen Seite. Dieses Tal wander ich abwärts.
            Hier gleich links unten sieht man einen kleinen Bergsee und weiter abwärts eine Kette von drei Seen. Der letzte davon ist der Redfern Lake und der Vorletzte der Fairy Lake, mein Tagesziel für heute.


            Der Abstieg ist sehr steil, ich kundschafte erstmal ohne Gepäck aus. Ein direkter Abstieg ist nicht möglich weil vertikale Felsabstürze den Weg versperren. Ich muss vorsichtig und langsam nach links den sehr steilen Stein- und Schotterhang oberhalb der Abbrüche traversieren, dann runter auf winzigem steinigem Basin mit kleinem Gletscher.


            gefährlicher wegloser Abstieg.


            als ich das kleine Basin auf 2063 m erreiche liegt der gefährlichste Abschnitt hinter mir.


            auf recht steilem Moränenrücken geht es weiter nach unten.
            Der kleine Bergsee da unten scheint eine gute Stelle für die Mittagspause zu sein.



            gleich geschafft


            kleiner Bergsee auf 1833 m mit erste alpine Grasflächen. Nach 1h45 vom Pass mache ich hier Mittagspause.


            Blick zurück zum Pass


            vom Bergsee fällt das Tal steil ab. Über alpine Grasrücken geht es weglos da runter.
            Seit dem Pass bin ich wieder im Redfern-Keily Provincial Park.



            es geht runter auf eine flache Flusssenke.






            die erste Senke


            es geht dann runter auf die zweite Senke. Die ist schon schwieriger und voll mit Gestrüpp.




            Blick zurück zum Pass




            Blick in ein Nebental


            hier geht´s runter auf die dritte Senke mit größerem namenlosen See auf 1583 m.


            dieser See hat einen Durchmesser von 700 Metern. Ich folge das rechte Ufer.




            hier am Seeausfluss wäre eine mögliche Campstelle, aber es ist mir zu windig und ausgesetzt zum campen.


            vom Seeausfluss fällt das Tal weiter ab.


            hinter dem nächsten Bergrücken fällt es steil für 200 m ab zum Fairy Lake. Dort unten will ich campen! Einige kurze Schauer kommen jetzt runter.






            ich suche mir eine Abstiegsroute


            gleich unten......


            hier wo der Fluss in den See einmündet finde ich eine absolute Traumcampstelle


            Camp 57 (1360 m), nach 9h20 und 17,5 Kilometer vom letzten Camp.

            Ein Stückchen weiter längst hat vor kurzem jemand anderes gecampt, mit einer recht frischen Feuerstelle, die nicht älter wie paar Tage sein kann.
            Ich rechne damit morgen am Redfern Lake Leute zu treffen, denn dieser See bildet das Kernstück dieses Provincial Parks und ist ein beliebtes Camp- Angel- und Jagdziel für Einheimische.
            Heute Abend genieße ich hier beim Camp aber noch die Abgeschiedenheit
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            • rumpelstil
              Fuchs
              • 12.05.2013
              • 2272

              • Meine Reisen

              AW: [CA] Northern Rockies Traverse 2019

              Das Bild vom Fairy Lake mit dem eingezeichneten Camp 57 gefällt mir bisher am allerbesten. Wunderbare Landschft und toller Bericht, dankeschön!

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              • berniehh
                Fuchs
                • 31.01.2011
                • 1749

                • Meine Reisen

                AW: [CA] Northern Rockies Traverse 2019

                Zitat von rumpelstil Beitrag anzeigen
                Das Bild vom Fairy Lake mit dem eingezeichneten Camp 57 gefällt mir bisher am allerbesten.
                ja das war eine super Gegend und das Camp 57 zählt sicher auch mit zu den besten Campstellen der gesamten Tour
                www.trekking.magix.net

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                • berniehh
                  Fuchs
                  • 31.01.2011
                  • 1749

                  • Meine Reisen

                  AW: [CA] Northern Rockies Traverse 2019

                  Falls sich jemand für den Redfern-Keily Provincial Park interessieren sollte, hier mal ein paar allgemeine Informationen über diesen abgelegenen Park:

                  Auf der offiziellen Parkwebseite steht ganz oben als erstes folgender Satz:

                  Redfern-Keily Provincial Park contains some of the most scenic landscapes in the Northern Rocky Mountains and provides backcountry tourism opportunities on an international level.
                  Dieser Satz klingt ja erstmal sehr vielversprechend, wobei ich mich frage was genau wohl mit "international level" gemeint ist?
                  Falls sich da nur auf die spektakuläre Landschaft bezogen wird, kommt das sicherlich hin. Im Redfern-Keily Provincial Park liegen die höchsten Berge der nördlichen Rockies und drei größere Seen, der Redfern Lake, Fairy Lake und Trimble Lake.

                  Dieser Park ist erreichbar in einem 80 Kilometer langen Abstecher vom Alaska Highway zum Redfern Lake und der Weg ist nur mit Quads befahrbar.
                  Für Einheimische aus der Region ist dieser Park daher ein beliebtes Ziel, aber für ausländische Touristen ein noch völlig unbeschriebenes Blatt. Einfach deshalb weil der Park so schwer erreichbar ist und man mit normalen Fahrzeugen nicht hinkommt. Die allerwenigsten ausländischen Touristen werden wohl ein Quad zur Verfügung haben.
                  Ohne Quad ist dieser Park nur zu Fuß, per Pferd oder Wasserflugzeug erreichbar.

                  Wenn man auf der Parkwebseite auf "activities" und "hiking" geht, ist da die Rede von einem Trailsystem. Insgesamt soll es drei Trails geben, wortwörtlich heisst es:

                  Hiking Trails:
                  Two very important features of Redfern-Keily Provincial Park are the trail systems into the area; one trail follows Nevis Creek and the Besa River to Redfern Lake, and a second trail follows the Sikanni Chief River to Trimble Lake. Another trail links Trimble Lake to the Besa River, completing a loop.
                  Diese Information ist absoluter bullshit!!!
                  Bei den ersten beiden Trails zum Redfern Lake und Trimble Lake handelt es sich um Quadfahrwege. Die würde ich höchstens als Anfahrtsfahrwege zum Park bezeichnen, aber niemals als hiking trails. Nur der dritte Trail vom Trimble Lake zum Besa River ist tatsächlich auch ein Trekkingpfad. Auf den komme ich im nächsten Post noch zu sprechen.

                  Zusammenfassend kann man folgendes sagen:
                  Wenn man die beiden oben geposteten Zitate auf der offiziellen Parkseite liest, könnte man zu den Eindruck gelangen daß der Redfern-Keily Provincial Park ein international beliebter Park mit einer guten Trekkinginfrastruktur ist.

                  Die Wahrheit ist jedoch folgendes:
                  Wer gerne in abgelegene, nicht leicht erreichbare Wildnisregionen reist, fernab der üblichen Standardrouten, für den ist der Redfern-Keily Provincial Park ein absolutes Traumziel!
                  Trekkingmöglichkeiten sind im Überfluss vorhanden, allerdings nur für Erfahrene, die es lieben sich weglos durch Busch und Wildnis zu schlagen.

                  So, nun geht es weiter mit meinem Bericht:

                  58.Tag (46):

                  Das Wetter ist mal wieder schön und um 10:30 starte ich. Mein nächstes Ziel ist der Redfern Lake.

                  Zunächst folge ich einen alten sehr verwachsenen Pfad das linke Seeufer entlang durch Wald. Teils ist der Pfad noch einigermaßen gut folgbar, teils aber nur sehr schlecht.

                  Nach anderthalb Kilometern verlasse ich das Seeufer und steige nach links weglos durch Wald über einen weitläufigen Bergrücken, zwischen Fairy Lake und Redfern Lake.


                  hier mündet der Fluss in den Fairy Lake - am anderen Ufer im Wald lag mein Camp.


                  Fairy Lake (1360 m)


                  über einen Bergrücken geht es vom Fairy Lake zum Redfern Lake


                  hammer Aussicht vom Bergrücken (1640 m).
                  Links der Fairy Lake, rechts der Redfern Lake.



                  Redfern Lake


                  Redfern Lake


                  Redfern Lake
                  Die Sicht ist heute leider ein wenig diesig.



                  Redfern Lake


                  steil geht es durch Wald runter zum Redfern Lake


                  Redfern Lake (1257 m)


                  hier mache ich erstmal Mittagspause




                  die nächsten dreieinhalb bis vier Kilometer wander ich weglos das Südufer entlang bis zum Seeausfluss, meist auf Steinstrand.
                  Hier blickt man zurück talaufwärts.





                  auf dem größten Teil der Strecke ist das Seeufer leicht bewanderbar


                  am anderen Ufer sehe ich die Hütte.
                  Der Quadfahrweg, der vom Alaska Highway zum Redfern Lake führt, wird vermutlich bei der Hütte enden.



                  dann passiere ich dieses motorisierte Schlauchboot. Die Eigentümer sind vermutlich irgendwo im Wald unterwegs.
                  Ich wander weiter......



                  Halben Kilometer weiter erreiche ich den Seeausfluss. Hier blickt man zurück talaufwärts.

                  Direkt beim Ausfluss sehe ich auf der anderen Flussseite ein Camp im Wald. Vermutlich das Camp der Schlauchbootbesitzer. Aber auch hier ist kein Mensch zu sehen.

                  Eigentlich müsste am Redfern Lake mein Trek enden. Auf der anderen Flussseite muss auch irgendwo der Quadweg verlaufen. Es sind noch 80 Kilometer zum Alaska Highway.
                  Ich hasse Quadwege! Um per Anhalter rauszutrampen sind sie nicht wirklich geeignet und zum Wandern stinklangweilig, d.h es wäre eine sehr unattraktive Trekkingroute

                  Daher bleibe ich auf der orographisch rechten Seite des Besa Rivers und wander weglos raus zum Sikanni Chief River. Habe also tatsächlich keine Leute am Redfern Lake getroffen.


                  Besa River - weglos wander ich am Ufer entlang flussabwärts


                  es geht durch weiches nasses Moorland und Wald.


                  eine schöne Wildnis


                  kleiner Flickenteppich aus Tümpeln, Moor, Sumpf und Wald.


                  Blick zurück Richtung Redfern Lake






                  nach einem Kilometer mündet der Besa River in einen anderen See ein.
                  Auf den Karten steht kein Name, daher nenne ich ihn mal Unterer Redfern Lake.





                  die Rocky Mountains lasse ich langsam hinter mir.


                  als das Ufer zu sumpfig wird, wander ich weglos auf trockenem Waldboden ein Stückchen abseits vom See.


                  dann wieder zurück zum See




                  als der See zuende ist, geht es weiter am Besa River entlang, das Ufer ist meist moorig.


                  eine traumhaft schöne Wald- und Flusslandschaft


                  Besa River






                  schönes Abendlicht....


                  etwa anderthalb bis zwei Kilometer vom letzten See finde ich auf einer Anhöhe über den Fluss ein kleines trockenes Plätzchen für mein Zelt.
                  Camp 58 (1250 m)



                  Blick vom Camp runter zum Fluss
                  Zuletzt geändert von berniehh; 22.12.2019, 20:57.
                  www.trekking.magix.net

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                  • Mortias
                    Dauerbesucher
                    • 10.06.2004
                    • 956

                    • Meine Reisen

                    AW: [CA] Northern Rockies Traverse 2019

                    Also die letzten Tage mit den Seen sind ja nochmal megaspektakulär. Das ist wirklich kanadische Rockies at it's best.

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                    • berniehh
                      Fuchs
                      • 31.01.2011
                      • 1749

                      • Meine Reisen

                      AW: [CA] Northern Rockies Traverse 2019

                      59.Tag (47):


                      Blick vom Camp am Morgen

                      7 Grad, blauer Himmel, heute ist schon der sechste Schönwettertag in Folge Ich hätte nicht gedacht hier diesen Sommer noch sowas zu erleben.

                      Mein heutiges Ziel ist der Trimble Lake, ein guter Tagesmarsch entfernt. Um 10:25 wander ich los, weiter weglos am Flussufer entlang.
                      Manchmal finde ich vage erkennbare Wildpfade.


                      zunächst folge ich weiter den Besa River abwärts


                      immer wieder geht es über offene Gestrüppflächen und durch feuchte Moorgebiete.


                      Besa River







                      Der Flussuferbereich scheint dann generell feuchter und mooriger zu werden.
                      Daher verlasse ich nach einer Stunde den Fluss, steige die Waldböschung hoch und wander dann weglos und flach durch gut begehbaren Wald.


                      hier ist das Vorwärtskommen noch gut.

                      Zwei Kilometer weiter wird der Wald allerdings schwieriger.
                      Den auf meiner Karte eingezeichneten Pfad, der vom Besa River Richtung Sikanni Chief River führen soll, müsste ich schon längst erreicht haben. Anscheinend existiert er nicht, ich finde jedenfalls keine Spur davon.

                      1h40 nach Verlassen des Flusses komme ich zurück zum Besa River und wander weiter am Ufer entlang.

                      Kurz darauf sehe ich am anderen Ufer eine vierer Gruppe Angler, die offensichtlich mit Quads angereist sind. Es sind die ersten Menschen seitdem ich Mike vor zwölf Tagen traf, und zusammen mit Mike auch die einzigsten Menschen in den gesamten 61 Tagen vom Muncho Lake zur Sikanni River Ranch.
                      Durch Winken grüße ich sie. Die vier gucken erst etwas komisch, winken dann aber freundlich zurück.


                      weglos geht es weiter am Fluss entlang.
                      Vor mir die Hügelkette der Rocky Mountain Foothills, auf die ich nun zusteuere.




                      Dann verlasse ich den Besa River endgültig, wander weglos durch hügeliges Waldland und hoffe dabei auf den Pfad zu stoßen, der laut Karte vom Besa River zum Trimble Lake führt.


                      immer mehr moorige Lichtungen tauchen auf.


                      und einige kleine moorumgebene Seen.




                      dann müssen einige größere üble Sumpfgebiete durchquert werden, wo man teilweise tief im Wasser versackt.

                      Der ganze Untergrund wabbelt unter mir, als ob ich über einen See laufe, der von dichtem Pfanzenteppich bedeckt ist.
                      Ein paarmal war mir das Gelände nicht geheuer, wo ich ein Stückchen wieder umkehre um eine andere Route zu suchen.

                      Den Trail vom Besa River zum Trimble Lake habe ich immer noch nicht erreicht, obwohl ich schon fast am Fuße der Rocky Mountain Foothills bin. Existiert er überhaupt, frage ich mich langsam?
                      Schließlich kreuze ich den Trail doch noch, wobei ich ihn fast übersehe


                      Trail vom Besa River zum Trimble Lake - auf dem ersten Blick nicht als Trail erkennbar.


                      Der Trail ist eine geschlagene Schneise durch Wald, so ziemlich wieder verwachsen, vermutlich ein Wintertrail.


                      er lässt sich aber gut folgen. Es sind noch 6 Kilometer zum Trimble Lake


                      es geht durch ein weites Wald- und Moorgebiet. Der Trail wird im Sommer von Wild begangen, ist meistens als schmaler Pfad erkennbar.






                      in der Regel ist der Trail gut begehbar, solange er nicht durch Sumpf führt.


                      die offenen Sumpfflächen sind dagegen etwas nervig, der ganze Boden wabbelt beim Wandern und oft geht man knöcheltief im Wasser.


                      weites Hochmoorgebiet auf 1300 m


                      nach sechs Kilometern erreiche ich den Trimble Lake auf 1267 m


                      der Trail folgt Richtung Osten das Ufer, ist nun deutlich erkennbar und trocken.


                      Trimble Lake und Mount Trimble (2121 m)


                      der See ist 5 Kilometer lang und führt durch die Rocky Mountain Foothills.


                      nun gut benutzter Pfad eines beliebten Jagdrevieres.


                      nach zweieinhalb Kilometern erreiche ich das Camp der Sikanni River Outfitters mit drei Hütten am Seeufer.

                      Niemand ist hier und ich finde gute Campstellen.
                      Im Unterschied zu den anderen Hütten entlang meiner Route sind diese hier verschlossen. Wenn man durchs Fenster späht versteht man auch warum: Diese Hütten sind recht luxuriös ausgestattet, mit Elektrizität aus Generatoren, frisch bezogene Betten und Einbauküche. Es erschließt sich mir allerdings nicht wozu man all das in der Wildnis braucht
                      Direkt dahinter im Wald liegt eine Landebahn für Kleinflugzeuge.


                      Camp 59 (1267 m)

                      60.Tag (48):

                      Das schöne Wetter scheint nun leider erstmal vorbei zu sein. Es ist grau bewölkt mit leichtem Dauerregen oder Niesel.


                      ich bleibe erstmal im Camp


                      Trimble Lake


                      Warten bis der Niederschlag nachlässt.....





                      Um 13:45 wander ich los. Es ist immer noch dunkelgrau, aber der Rest des Tages ist weitgehend niederschlagsfrei, nur mit hin und wieder paar kurze Schauer.


                      ich folge den guten Reiterpfad durch Wald mehr oder weniger am Seeufer entlang.


                      Trimble Lake


                      momentan noch entspannte Wanderung.....

                      aber dann geht´s durch kleine Sumpfgebiete und an Bibertümpeln vorbei, teils bis über die Knien im Wasser waten. Hier verliert sich der Pfad.


                      als es dahinter wieder trocken wird erreiche ich diese Top-Campstelle, wo erstmal Mittagspause angesagt ist, nach zweieinhalb Kilometern.


                      dies ist doch eine schöne Stelle für eine Pause


                      Trimble Lake mit den Rocky Mountain Foothills.



                      Ich bleibe über eine Stunde und kundschafte dabei auch meine weitere Route aus.
                      Es ist nur noch ein kurzes Stück zum Seeausfluss, wo ein Quadweg beginnt und laut Karte der Redfern-Keily Provincial Park endet.
                      Ich habe keine Lust darauf von hier aus ewig lange bis zur Sikanni River Ranch diesen blöden Quadweg zu folgen, der dann vermutlich bald zum Forstweg wird.
                      Ich entscheide mich stattdessen weglos über die Hügelkämme der Rocky Mountain Foothills zu wandern und bei der Sikanni River Ranch wieder abzusteigen.

                      Den See verlasse ich nun also und wander Richtung Norden in ein bewaldetes Tal rein. Nach einer Weile auskundschaften finde ich einen erkennbaren Pfad.....


                      jedoch lässt sich der Pfad nur für kurzen Abschnitt folgen, bis er sich verliert und später an anderer Stelle wiederfindet.


                      Nebental zum Trimble Creek. Man muss echt aufpassen den Pfad nicht zu verlieren.


                      hier ist er mal wieder gut erkennbar


                      die Waldgrenze lasse ich bald hinter mir und komme in die alpine Gestrüppzone.
                      Hier blickt man zurück talabwärts.



                      durch sumpfiges Grasland überwander ich einen sanften Pass (2h25 vom See).
                      Pass Nr. 26 (1678 m)



                      auf der anderen Seite geht es sanft wieder abwärts, weglos oder auf vage Wildpfade.


                      nasses gestrüppiges Tal - ich hoffe vergeblich auf gute Campstellen


                      Blick zurück


                      also geht es erstmal weiter talabwärts......


                      mein Tal mündet dort vorne in ein anderes verbuschtes Tal ein.

                      Ich stoße auf einen sehr verwachsenen alten Pfad, auf den ich mich durch die dichte Buschzone den nächsten Talzweig aufwärts zwängen kann.


                      es wird langsam spät, aber jetzt am Abend kommt nochmal die Sonne durch


                      dann wird es phantastisch. Die kurzen Sonnendurchbrüche zwischen der dunkelgrauen Bewölkung zaubern ein absolut beeindruckendes Abendlicht, während ich mich durch den Busch zwänge.












                      Gegen 20 Uhr finde ich im oberen Talende zwischen dichtem Gestrüpp am Bach eine winzige Stelle für mein Zelt.
                      Es war ein nasser Tag heute und der Regen fängt wieder an. Den Redfern-Keily Provincial Park müsste ich nun verlassen haben.
                      Morgen will ich weiter Richtung Osten über die Hügelkämme.


                      Camp 60 (1570 m) - dieses Foto habe ich am nächsten Morgen gemacht.
                      www.trekking.magix.net

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                      • JulianD
                        Gerne im Forum
                        • 26.10.2017
                        • 56

                        • Meine Reisen

                        AW: [CA] Northern Rockies Traverse 2019

                        Als Angler bekommt man da echt feuchte Augen...

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                        • d94
                          Gerne im Forum
                          • 29.04.2017
                          • 88

                          • Meine Reisen

                          AW: [CA] Northern Rockies Traverse 2019

                          In den Alpen kann man knapp unter der Waldgrenze durchaus Lärchen,Zirben und Fichten mit Stammdurchmessern Hausnummer 100 bis gelegentlich 150cm finden. Natürlich nicht oft, aber manchmal gibts Bereiche wo solche Bäume jahrhundertelang der Forstwirtschaft entgangen sind.

                          Bäume mit vergleichbaren Dimensionen sehe ich auf den Fotos hier irgendwie nicht, obwohl das ja zum weit überwiegenden Teil Gebiete völlig ohne Forstwirtschaft sein dürften, die ebenso wenige Hundert Höhenmeter unterhalb der Waldgrenze liegen.

                          Werden die Bäume (natürlich andere Arten als in den Alpen, das ist klar) in der Gegend dort garnicht so groß selbst wenn sie beliebig lange Zeit dafür haben? Oder täuscht der Eindruck von den Fotos, und da waren tatsächlich auch solche Baumriesen vorhanden?

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                          • Ljungdalen
                            Fuchs
                            • 28.08.2017
                            • 1426

                            • Meine Reisen

                            AW: [CA] Northern Rockies Traverse 2019

                            Zitat von d94 Beitrag anzeigen
                            Werden die Bäume (natürlich andere Arten als in den Alpen, das ist klar) in der Gegend dort garnicht so groß selbst wenn sie beliebig lange Zeit dafür haben?
                            Werden nicht so groß, weil zu weit nördlich und daher u.a. im Winter viel kälter als in den Alpen (paar Monate Durchschnitt -20 und tiefer)?

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                            • berniehh
                              Fuchs
                              • 31.01.2011
                              • 1749

                              • Meine Reisen

                              AW: [CA] Northern Rockies Traverse 2019

                              Zitat von d94 Beitrag anzeigen
                              Werden die Bäume (natürlich andere Arten als in den Alpen, das ist klar) in der Gegend dort garnicht so groß selbst wenn sie beliebig lange Zeit dafür haben? Oder täuscht der Eindruck von den Fotos, und da waren tatsächlich auch solche Baumriesen vorhanden?
                              Ljungdalen hat es ja schon beantwortet: so weit nördlich wachsen nahe der Baumgrenze einfach keine höheren Bäume. Das ist in Skandinavien auch nicht viel anders. Je weiter nach Süden man kommt, desto höher können die Bäume werden. Zum Beispiel in Kaliforniens Sierra Nevada wachsen selbst nahe der Baumgrenze riesige Bäume, viel größer wie man sie aus den Alpen kennt.
                              www.trekking.magix.net

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                              • berniehh
                                Fuchs
                                • 31.01.2011
                                • 1749

                                • Meine Reisen

                                AW: [CA] Northern Rockies Traverse 2019

                                61.Tag (49):

                                Meine Northern Rockies Traverse neigt sich leider schon dem Ende zu und heute wird der letzte spektakuläre Tag dieser Tour.
                                Zunächst sieht das Wetter noch gut aus, es bewölkt sich aber sehr schnell.
                                Um 9:55 starte ich......


                                für ein kurzes Stück muss ich mich durch die alpine Buschzone zwängen, teils auf verwachsene Wildpfade, teils weglos, dann weglos durch Grasland hoch zum Pass.


                                Blick zurück




                                oben angekommen!


                                Pass Nr. 27 (1800 m)


                                Blick runter zur anderen Seite.....


                                vom Pass steige ich weglos weiter einen grasigen Bergrücken nach oben bis auf 1922 m.


                                Blick zurück zum Pass


                                Hammer Aussicht - im Südwesten sieht man sogar den Trimble Lake


                                ich will nun Richtung Osten die Hügelkämme der Rocky Mountain Foothills folgen......
                                Es verspricht eine spannende Route zu werden





                                nochmal der Trimble Lake


                                Trimble Lake - links der Mount Trimble




                                Blick nach Süden über die Rocky Mountain Foothills


                                und nach Norden zurück ins Tal aus dem ich gekommen bin.


                                jetzt nach Nordosten....


                                spektakuläre Kammroute auf 1980 m.....


                                letzter Blick Richtung Trimble Lake


                                paar kurze Sonnendurchbrüche erhellen zwar die Landschaft, aber generell verschlechtert sich das Wetter rapide


                                von allen Seiten nähern sich Schauer


                                Blick nach Süden




                                hier blickt man den Kamm weiter nach Osten entlang, meine eigentlich geplante Route



                                Die dunkle Wolkenfront kommt im Schnelltempo näher. Ich schaffe es gerade noch mein Zelt aufzuschlagen bevor ein heftiger Regen mit Hagel und Graupel beginnt. Ein fieses arktisches Tiefdruckgebiet zieht über das Land, dazu ist es auch noch arschkalt, ungemütlich und sehr windig
                                Nach einer Stunde ist es erstmal vorbei und die Sonne kommt wieder raus.
                                Ich mache schnell Mittagspause, baue dann mein Camp ab und sehe zu daß ich weiterkomme. Es ist schon fast 15 Uhr und die nächste dunkle Regenfront kommt im Schnelltempo näher. Die weitere Kammroute kann ich für heute vergessen und steige fluchtartig nach unten ab.....


                                nur schnell runter bevor der nächste Regensturm beginnt....


                                im Nordosten scheint noch kurz die Sonne - aber nicht mehr lange.....


                                schade daß ich den Kamm nicht mehr weiter folgen kann


                                es geht Richtung Süden runter in ein buschiges Tal


                                Blick nach Südwesten

                                Noch beim Abstieg beginnt das nächste kalte Schauer. Klischenass im strömenden Regen suche ich mir unten auf verwachsene Wildpfade eine Route durch den dichten Busch zu verbusche Biberseen im Sattelbereich zwischen zwei Tälern.

                                2h20 vom Mittagspausencamp erreiche ich den Bibersee, der Regen hört nun endlich auf und die Sonne kommt raus.


                                Bibersee auf 1394 m Höhe, bei einem alten Waldbrandgebiet.
                                Der momentan blaue Himmel trügt, nach nur kurzer Zeit ist alles wieder grau bewölkt. Das Wetter ist im höchsten Grade unstabil.



                                auf nasser verbuschter Route geht es durch weitere Bibersümpfe Richtung Osten ein Tal abwärts.



                                Am Ende der Sümpfe geht´s auf gut folgbaren schmalen Pfad weiter durch Wald talabwärts. Nach drei Kilometern mündet von links ein kleines unscheinbares Waldtal ein.
                                Kurz davor sehe ich zwei Grizzlies. Nachdem ich mein Pfefferspray im Buschgeplackere mehrmals fast verloren hatte, trage ich es jetzt nicht mehr vorne am Gürtel, sondern hinten im Rucksack. Die Bären beachten mich nicht und ich wander weiter.

                                Das Haupttal führt nach Südosten ins Sikanni Chief River Valley. Ich will morgen aber nach Norden das kleine Waldtal hoch, dann über einen niedrigen Waldsattel und dahinter das nächste kleine Tal runter zum Sikanni Chief River.

                                Theoretisch könnte man die Kämme der Rocky Mountain Foothills noch ein bis zwei weitere Tage folgen, bis die Berge endgültig enden. Mein Essen wird aber langsam knapp und ich will den Trek morgen am Sikanni Chief River beenden.

                                Hier bei der Talgabelung sind keine guten Campstellen und im kleinen verbuschten Waldtal vermutlich auch nicht. Daher folge ich den Pfad noch für halben Kilometer weiter talabwärts, bis ich eine gute Stelle finde. Morgen muss ich das Stück dann eben wieder zurückwandern.


                                Camp 61 (1194 m).
                                Der Regen fängt wieder an......


                                Zu diesem Zeitpunkt gehe ich davon aus daß dies wahrscheinlich mein letztes Camp der Northern Rockies Traverse ist.
                                Zuletzt geändert von berniehh; 28.12.2019, 11:55.
                                www.trekking.magix.net

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                                • berniehh
                                  Fuchs
                                  • 31.01.2011
                                  • 1749

                                  • Meine Reisen

                                  AW: [CA] Northern Rockies Traverse 2019

                                  62.Tag (50):

                                  Um 10:30 wander ich bei dunkelgrauer Bewölkung los. Wenn man mich fragt ist es nur noch eine Frage der Zeit bis der Regen anfängt
                                  Anstatt gleich rauszuwandern will ich aber doch noch den letzten Schlenker über den kleinen Pass machen, sozusagen als letzter Akt meiner Northern Rockies Traverse und danach endgültig rauswandern. Vielleicht brauche ich dafür einen halben bis dreiviertel Tag, wenn ich direkt rauswander vielleicht nur ein bis zwei Stunden.


                                  ich folge den Hauptpfad für halben Kilometer zurück talaufwärts zur kleinen Talgabelung.


                                  dann das kleine verbuschte Waldtal aufwärts, oft auf vage erkennbare Wildpfade, sonst weglos.

                                  Ständig wechsel ich die Hangseite, jenachdem wo man gerade am besten vorwärts kommt.
                                  Nach drei Kilometern finde ich eine kleine flache Stelle für mein Zelt, die erste überhaupt seit dem Start heute. Da es langsam anfängt zu regnen schlage ich erstmal mein Zelt auf, in der Hoffnung daß es am Nachmittag vielleicht wieder besser wird.

                                  Aus dem leichten Regen wird schnell ein sehr heftiger Dauerregen, der heute nicht mehr aufhört. Mir bleibt nichts anderes übrig als für die Nacht zu bleiben, nach nur anderthalb Stunden Wanderung.

                                  Ok, dann ist es halt so! Falls es morgen nicht regnet schaffe ich es trotzdem noch in einen halben Tag raus.


                                  Camp 62 (1380 m)

                                  Gegen Abend fängt es auch noch an zu schneien und es schneit ununterbrochen die ganze Nacht durch.....
                                  Dabei muss ich mehrmals raus, mit den Händen den Schnee vom Zelt wegschieben, damit es von den Schneemassen nicht erdrückt wird.

                                  63.Tag (51):

                                  Am Morgen schneit es immer noch heftig, bei minus 1 Grad.


                                  dabei bin ich hier unter den Nadelbäumen ja noch einigermaßen geschützt. Ein Stückchen weiter längst ist die Schneedecke noch deutlich dicker. Es ist der 19.August


                                  erstmal bleibe ich im Zelt und warte ab



                                  Der Schneefall hört einfach nicht auf. Heute über den Sattel zu wandern ist aussichtslos. Trekkingmäßig ist nichts mehr machbar, ausser die Flucht nach unten antreten und so schnell wie möglich raus hier. Es ist das extremste Wetter bis jetzt auf der Reise.
                                  Ich baue mein Camp ab und stampfe um 9:50 los, durch tiefen Schnee zurück talabwärts. Es war schlimmer als es noch bei meinem Camp aussah, an vielen Stellen sammelt sich die Schneedecke bis zu über einen halben Meter Dicke

                                  Nach drei Kilometern passiere ich meine Campstelle von gestern. Dann sind es noch vier weitere Kilometer bis das Tal ins breite Sikanni Chief River Valley einmündet, wo ich auf einen Forstweg zweige. Es ist der erste befahrbare Weg überhaupt auf dieser Tour und ich folge ihn talabwärts, rutsche dabei auf der glibberigen Schneedecke aus und verstauche mir den Daumen. Das tat mega weh und selbst nach drei Monaten war der Schmerz immer noch immer ganz weg.

                                  Nach dreieinhalb Kilometern passiere ich die Sikanni River Ranch, das erste bewohnte Anwesen seit meinem Start am Muncho Lake vor 51 Tagen und 625 Kilometern.
                                  Hier ist nun das offizielle Ende meiner Northern Rockies Traverse erreicht. Ich muss also nur noch eine Mitfahrgelegenheit zurück zum Alaska Highway finden.


                                  das Endstück

                                  Selbst jetzt am Nachmittag sind es nicht viel mehr wie ein Grad und es schneit immer noch. Die Schneedecke ist hier unten im Tal zwar längst nicht mehr so dick wie bei meinem letzten Camp, aber immer noch bestimmt über 10 cm. Ich bin durchnässt, mir ist kalt und ich will in Bewegung bleiben. Daher marschiere ich durch, in der vagen Hoffnung daß vielleicht ab der Ranch ein Auto vorbeikommen könnte, das mich zum Alaska Highway mitnimmt.

                                  Diese Hoffnung stellt sich leider als Illusion heraus, als ich kurz hinter der Ranch feststelle daß die Piste von umgestürzten Bäumen blockiert und momentan unbefahrbar ist. Es sind noch 36 Kilometer zum Alaska Highway.

                                  Eine viertel Stunde später entdecke ich unter einem Felsüberhang neben der Piste eine mögliche Campstelle. Da ich in meinem durchnässten und ausgekühlten Zustand heute eh nicht mehr weit kommen werde, schlage ich schnell mein Zelt auf, ziehe trockene Sachen an und verkrieche mich in den Schlafsack, bis ich wieder warm bin.


                                  Camp unter einem Felsüberhang neben der Piste

                                  Es schneit noch die ganze Nacht, da es aber knapp über Null Grad sind, wird die Schneedecke glücklicherweise nicht mehr dicker.

                                  Am Morgen schneit es nicht mehr, ist aber noch grau bewölkt. Um 6:50 wander ich los, es sind vielleicht noch 34 Kilometer zum Alaska Highway.

                                  Ich marschiere zügig durch. Von der Wegbeschaffenheit, dem Wetter und Landschaft fühle ich mich wie auf einer Harzdurchquerung im tiefsten Winter.
                                  Die Bäume und Büsche entlang der Piste waren durch die schwere Last des Schnees derart über die Piste gebogen, teilweise richtig darüber gelegt und haben sie somit fast komplett blockiert. Für Autos ist da kein Durchkommen mehr und auch zu Fuss muss ich mich da teilweise im Zickzack irgendwie durchwühlen, manchmal direkt durch die überhängenden Büsche, vorher erstmal mit dem Stock den ganzen Schnee runterkloppen, wenn ich nicht weiß eingepudert werden will. Zahlreiche Bäume waren komplett umgekippt und lagen über der Straße.

                                  Es wird noch viel Arbeit nötig sein um die Piste wieder befahrbar zu machen und es ist die einzigste Zufahrtsstraße zur Sikanni River Ranch. Aber sie haben ja noch ihre zwei privaten Kleinflugzeuge mit Landebahn auf der Pferdekoppel, falls sie mal weg müssen

                                  Im Nachhinein ärgere ich mich gestern und heute kaum Fotos gemacht zu haben. Ich war aber zu sehr mit mir selbst beschäftigt und wollte nur noch schnell raus. Daher hier nur die wenigen Fotos:


                                  hier sieht´s noch harmlos aus - an vielen Stellen haben die runtergebogenen Bäume die Piste fast komplett blockiert.




                                  im Laufe des Tages wird es langsam wärmer und die Schneedecke dünner.
                                  Nach 15 Kilometern erreiche ich dieses Gate, wo man als Autofahrer nur mit dem Schlüssel durchkommt.



                                  hinter dem Gate beginnt die öffentliche Straße. Diese Tafel informiert über die Gegend, aber leider war mein Objektiv beschlagen. Wer es richtig lesen will sollte auf Vollbild klicken.


                                  und hier eine Übersichtskarte, die die Gegend bis zum Trimble Lake zeigt.




                                  es sind noch 16 Kilometer zum Alaska Highway und selbst die öffentliche Straße sieht über weite Abschnitte so aus.


                                  sechs bis sieben Kilometer vorm Alaska Highway kommt mir dieses Team mit Geländewagen und Kettensägen entgegen, um die Piste bis zur Ranch wieder freizusägen.


                                  gleich geschafft!! Die weisse Linie dahinten am sanften Waldhang ist schon der Alaska Highway.


                                  nach acht Stunden Marsch erreiche ich endlich den Alaska Highway.

                                  Fort St.John

                                  Es sind noch 200 Kilometer nach Fort St.John, die ich per Anhalter fahre. Erst nach anderthalb Stunden hält das erste Auto an. Es sind zwei Kanadier, die aber leider nur bis zum Sikanni River Campground fahren, fünf Minuten entfernt, wo sie die Nacht verbringen.

                                  Dort stehe ich nur wenige Minuten am Highway, denn gleich das nächste vorbeikommende Auto hält an. Sowas nenne ich mal Glück. Der Fahrer ist deutschstämmig, lebt aber seit über 20 Jahren in Anchorage/Alaska und ist auf dem Weg nach Montana.
                                  Er nimmt mich die 200 Kilometer nach Fort St.John mit und setzt mich gegen 20 Uhr vor A&W ab, wo ich erstmal ein fettes Burger-Menü verdrücke.

                                  Nun bin ich wieder in Fort St.John, wo vor drei Monaten meine Reise begann.
                                  Nach dem Essen mache ich mich auf die Suche nach einer Unterkunft. Es gibt hier ein Shelter, dessen Adresse ich mir schon zuhause rausgesucht hatte.
                                  Als ich dort auftauche ist es zum einchecken leider schon zu spät. Für heute nehmen sie niemanden mehr auf, ich soll morgen wiederkommen.

                                  Ich will gerade weitermarschieren und eine Wildcampstelle suchen, da lerne ich Jason kennen, der vor dem Shelter herumlungert. Jason hat im Shelter Hausverbot und meint zu mir ein Bekannter von ihm hat einen leeren Kellerraum, wo ich eventuell übernachten könnte.
                                  Ich lasse mich breitschlagen und es klappt auch mit der Übernachtung. Jason übernachtet auch mit bei dem Bekannten.

                                  Am nächsten Vormittag gehe ich ins Shelter und bekomme ein Bett im 8-Betten Schlafsaal. Vier weitere Leute waren noch in meinem Zimmer, darunter Matthew aus Vancouver.
                                  Matthew war mit seinem 4WD Pickup aus Vancouver angereist für einen gut bezahlten Job auf einer Staudammbaustelle bei Fort St.John und ist doppelt vom Pech verfolgt.
                                  Zum einem wurde der Job kurzfristig wieder abgesagt, weil die Arbeiten wegen zu feuchtem Waldboden, aufgrund des niederschlagsreichen Sommers, nicht durchgeführt werden können. Und zum anderen hat er während seiner Tage in Fort St.John sein Auto mal kurz an einem Bekannten verliehen. Der hat damit eine Straftat begangen und ist von der Polizei verhaftet worden, die das Auto eingezogen haben.
                                  Somit muss Matthew nun ohne Job und ohne Auto wieder zurück nach Vancouver reisen.

                                  Fort St.John ist zwar eine gute Stadt um nach meiner Northern Rockies Traverse für paar Tage zu entspannen, aber sehenswert ist die Stadt definitiv nicht!


                                  das Shelter in Fort St.John ist deutlich größer wie das in Fort Nelson.




                                  ich übernachte im 8-Betten Schlafsaal


                                  Fort St.John


                                  angenehm mal wieder für paar Tage in der Zivilisation zu sein

                                  Ich nehme mir vor zwei Tage in Fort St.John zu bleiben, nach der Stressroute der letzten beiden Tage vielleicht auch drei.

                                  Somit habe ich also noch gut einen Monat Zeit, bis am 25.September mein Heimflug aus Calgary abgeht.
                                  Meine verbleibende Zeit will ich in den Nationalparks Banff und Jasper verbringen.

                                  Eigentlich müsste dieser Reisebericht hier ja enden.
                                  Da ich es aber Quatsch finde nur für meine Abschlusstreks einen seperaten Reisebericht aufzumachen, stelle ich sie hier mit rein. Sie gehören ja schließlich mit zur gleichen Reise, auch wenn sie nichts mit der Northern Rockies Traverse zu tun haben.

                                  Somit geht dieser Bericht also noch etwas weiter........
                                  Zuletzt geändert von berniehh; 28.12.2019, 22:32.
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                                  • HO
                                    Erfahren
                                    • 04.02.2016
                                    • 149

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                                    AW: [CA] Northern Rockies Traverse 2019

                                    Was für ein tolles Finale! Hast Du Deine Trailrunner im Schnee verflucht?
                                    Danke nochmal für den herrlichen Bericht!
                                    Gruß! Gert

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                                    • evernorth
                                      Fuchs
                                      • 22.08.2010
                                      • 1469

                                      • Meine Reisen

                                      AW: [CA] Northern Rockies Traverse 2019

                                      Das hast du ja gut hingekriegt: Erst alle auf das Tour - Ende einstimmen, um dann - recht lapidar mitzuteilen - das der Bericht noch weiter geht! Ausgezeichnet, mir soll das recht sein.
                                      Fantastische Tour und schön...... ( das es noch weiter geht ).
                                      My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

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                                      • Bambus
                                        Fuchs
                                        • 31.10.2017
                                        • 1010

                                        • Meine Reisen

                                        AW: [CA] Northern Rockies Traverse 2019

                                        Klasse Bericht, hochinteressant.
                                        Wie hast du dich nach 50 Tagen Einsamkeit gefühlt, wieder unter Menschen zu sein? Und dann ein 8-Personen Schlafraum? Und dann der "Stadtdjungel"

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                                        • berniehh
                                          Fuchs
                                          • 31.01.2011
                                          • 1749

                                          • Meine Reisen

                                          AW: [CA] Northern Rockies Traverse 2019

                                          Vielen Dank für Eure Kommentare

                                          Zitat von HO Beitrag anzeigen
                                          Hast Du Deine Trailrunner im Schnee verflucht?
                                          Nein, da habe ich garnicht dran gedacht. Selbst wenn ich Stiefel hätte, würde es keinen großen Unterschied machen, da die Füße und Socken eh naß wären, egal mit was für Schuhen ich unterwegs wäre.

                                          Zitat von Bambus Beitrag anzeigen
                                          Wie hast du dich nach 50 Tagen Einsamkeit gefühlt, wieder unter Menschen zu sein? Und dann ein 8-Personen Schlafraum? Und dann der "Stadtdjungel"
                                          Naja, dies war ja nicht meine erste lange Trekkingtour, wo ich danach wieder zurück in die Zivilisation kam. Im Prinzip freue ich mich immer auf die Zivilisation, endlich mal wieder mit anderen Leuten reden, Internet und gutes Essen
                                          Und es gibt schlimmeres als ein 8-Personen Schlafraum

                                          Solange ich aber noch auf Reisen bin, zieht es micht spätestens nach paar Tagen wieder zurück in die Wildnis
                                          www.trekking.magix.net

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