[RU] Bargusin - Baikal 2018

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  • sibirier
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    AW: [RU] Bargusin - Baikal 2018

    In allen Bergregionen in Russland trinkt man Wasser aus Flüssen ohne Probleme. Ich trinke es auch roh.

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  • Spartaner
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    AW: [RU] Bargusin - Baikal 2018

    Zitat von Palle Beitrag anzeigen
    Ein Frage hätte ich noch: das Wasser aus dem Bargusin habt ihr so getrunken, oder? Hattet ihr irgendwelche Probleme damit?
    Wir haben immer das Wasser aus dem Fluss genommen, aber wir haben es natürlich auch immer abgekocht! Damit gab es keinerlei Probleme.

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  • Palle
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    AW: [RU] Bargusin - Baikal 2018

    Vielen Dank für diesen detailliert geschriebenen Bericht aus einer sehr spannenden Region. Schön auch die Hintergrundinfos mit den Links dazu. Die Ankunft am Flughafen Tegel haben wir seinerzeit ganz ähnlich erlebt. 🙄

    Ein Frage hätte ich noch: das Wasser aus dem Bargusin habt ihr so getrunken, oder? Hattet ihr irgendwelche Probleme damit?

    Viele Grüße
    Palle

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  • Lanoe
    antwortet
    AW: [RU] Bargusin - Baikal 2018

    Auch von mir ein großes Dankeschön für den tollen Bericht!
    Es ist klasse, dass Du Dir eine so große Mühe gemacht hast und den Bericht mit vielen Details, Erklärungen und Verlinkungen versehen hast!

    Danke!

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  • Sommerfreude
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    AW: [RU] Bargusin - Baikal 2018

    Danke, dass ich an eurer Tour von zu Haus teilnehmen konnte. Es war toll. In meiner realen Welt fand ich die Bargusin in der Mulde speziell zwischen Eilenburg und Bad Düben wieder. Viel kleiner und ohne Bergpanorama. In dem Buch “ Kajak- Abenteuer in Sibirien “ von Dr. Henschel beschreibt er die Umrundung des Baikalsee 2003. Er beschrieb den Rauch illegaler Waldbrände, die eine Abholzung für die in der Nähe stehende Papierfabrik rechtfertigen. Außerdem Müll und Glasscherben von Wodkaflaschen. Es scheint sich ja unter Putin einiges geändert zu haben. Planungen für 2019 fertig? Hoffentlich weitere Berichte. Ich stell natürlich auch wieder was rein.

    Gruß Eckhard

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  • Sawyer
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    AW: [RU] Bargusin - Baikal 2018

    Klasse Bericht. Hut ab vor deiner Muße, viele Details mit Hyperlinks zu versehen. Die Angabe der Kosten macht richtig Freude. So eine Tour in Nordamerika hätte locker das Doppelte gekostet.

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  • smeagolvomloh
    antwortet
    AW: [RU] Bargusin - Baikal 2018

    Vielen Dank für das Vorstellen dieser Tour. Gerade die Berichte von nicht so häufig präsentierten Regionen finde ich immer besonders spannend.

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  • Abt
    antwortet
    AW: [RU] Bargusin - Baikal 2018

    Danke für die sehr informative Auskunft.
    Tatarei und Blaue Kuppeln hätte ich in einem anderen Zusammenhang gebracht. Aber ok,-
    Gruß Abt

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  • Spartaner
    antwortet
    AW: [RU] Bargusin - Baikal 2018

    Zitat von Abt Beitrag anzeigen
    Dieser untere schräg stehende Balken unten im Doppelkreuz hab ich in der Ukraine schon gesehen. Hat die russisch orthodoxe Kirche den auch?
    Ja, die hat den auch. Aber bei der normalen Russisch-orthodoxen Kirche gibt es wohl noch mehr zulässige Formen des Kreuzes (als bei den Altgläubigen).

    Zitat von Abt Beitrag anzeigen
    Sind in der Tatarei Blautöne der Kirchenkuppeln(Zwiebeln) vorherrschend?
    Hier liest man, das hängt davon ab, wem die Kirche geweiht sei: "Golden bei Hauptkirchen und Jesus bzw. seinen Jüngern geweihten, blau mit Sternen bei Maria geweihten, grün bei der Heiligen Dreifaltigkeit geweihten und schwarz bei Klosterkirchen."

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  • Abt
    antwortet
    AW: [RU] Bargusin - Baikal 2018

    Von mir gibt es ein Dankeschön fürs schreiben, miterleben lassen, auch wenn ich als licht-und wasserscheues Element jetzt lieber daheim hocke.

    Eine ziemlich spezielle Frage zur Kirche in der Ukraine und in Russland. Gespalten ab 1990 bzw.1992-wie sollte es anders sein.-
    Dieser untere schräg stehende Balken unten im Doppelkreuz hab ich in der Ukraine schon gesehen. Hat die russisch orthodoxe Kirche den auch? Sind in der Tatarei Blautöne der Kirchenkuppeln(Zwiebeln) vorherrschend?

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  • Spartaner
    antwortet
    AW: [RU] Bargusin - Baikal 2018

    10. August 2018, Rückflug Ulan-Ude - Moskau - Berlin

    Morgens kochen wir den letzten Kaffee auf dem Gaskocher, packen zusammen und warten auf das versprochene Taxi. Wir sehen ihn draußen kommen, aber er scheint nicht recht zu wissen, wohin und wendet bereits wieder. Handzeichen sieht er nicht, also muss ich hinterherlaufen und ihn aufs Gelände lotsen.



    Beladen, ½8 ist Abfahrt:


    ¼h später sind wir am Flughafen. Hier am wenig frequentierten Provinzflughafen läuft die Abfertigung weit weniger stressig als am chaotischen Flughafen Tegel. Auch das Wachpersonal ist erheblich entspannter, obwohl auch hier strenge Sicherheitsvorschriften umgesetzt werden müssen. So kann ich zB ungefilzt in die Halle gehen, um Gepäckrollies zu holen. Beim zweiten Mal wird jedoch alles Gepäck und jede Person schon am Eingang des Gebäudes geröntgt.

    Die Schlangen an der Gepäckabfertigung sind kurz, und es gibt keine Suche nach der richtigen Schlange, weil in dieser Stunde eh nur ein einziger Flug vorgesehen ist:


    Nur diesmal sind die Damen, nach Alter und Typ noch Sowjetbeamtin, an der Gepäckannahme etwas pingeliger. Es wird jedes Gepäckstück genau gewogen, und nur weil wir die extra Paddeltasche dabei haben, die noch etliche Kilo unter dem Höchstgewicht von 23kg liegt, wird nach ein wenig Diskussion das Übergewicht aller anderen Gepäckstücke mit dem Minus bei der Paddeltasche verrechnet. Nach Gefühl hatte ich genau denselben Inhalt wie zur Hinfahrt drin gehabt, lag aber diesmal mit dem Bootssack auch 1kg über dem Limit. Das nächste Mal sollte ich doch meine chinesische Kofferwaage mitnehmen.

    Mein Handgepäckrucksack kommt ihr auch zu groß vor und wir messen gemeinsam nach. Alles iO, aber ich werde vergattert, das Handgepäck unter dem Sitz zu verstauen.

    Da steht sie einsam auf dem weiten Feld, unsere grüne Boeing (Boeing 737-800 Next Gen - MSN 30672):


    Anschließend tingeln wir ein wenig durch die Läden, lassen das Handgepäck bei der jetzt folgenden richtigen Sicherheitskontrolle noch einmal röntgen, und sammeln uns in der Wartehalle. Ab jetzt stockt es. Ohne erkennbaren Grund verzögert sich das Boarding. Wir warten eine Weile auf der oberen Terasse, beobachten die Verladung unseres Gepäcks (der rote Rucksack hinten auf dem LKW).



    Irgendwann geht es weiter. Wir steigen in den Bus, fahren 50m vor zum Flugzeug und können einsteigen.

    Diesmal mache ich eine große Dummheit. Wie jedes mal auf dieser Reise sind wir wieder unter den Letzten, die an Bord kommen. Die Handgepäckablagen über unseren Köpfen sind bereits rammelvoll gestopft. Ich versuche nun tatsächlich, das Handgepäck unter meinem Sitz zu verstauen und merke schnell, das geht nur unter dem Sitz vor mir. Großer Fehler, damit habe ich mir für 6 volle Stunden die eh schon geringe Beinfreiheit weiter eingeschränkt und sitze eingeklemmt mit angezogenen Beinen! Nie wieder! :-(

    Um 10 Uhr starten wir dann endlich, mit einer ½h Verspätung.

    Diesmal haben wir etwas bessere Sicht, die Wolkendecke zeigt Lücken. Den Baikal sehen wir zwar wieder nicht aus der Luft, aber später über Westsibirien klart es auf.

    Nach 1½h überfliegen wir den Jennissei bei Krasnojarsk:


    Den Ob kann ich ebenfalls gut erkennen, und eine Stunde später überfliegen wir den Irtysch, der aber leider unter Wolken verborgen bleibt. Große Namen, die sich für mich verbinden mit den unendlichen Weiten des Westsibirischen Tieflands.

    Am Rande des Urals dachte ich kurz, wir überfliegen gerade die Kerntechnische Anlage Majak, aber da habe ich mich geirrt, die liegt 450km weiter südlich. Bekannt geworden ist diese Anlage durch das extrem hohe Maß an radioaktiver Verseuchung besonders durch den Kyschtym-Unfall mit seiner eindrucksvollen Kontaminationsspur (Osturalspur). Der Unfall konnte bis in die 1970er Jahre vertuscht werden, da die Kontamination sich regional auf den Ural beschränkte und keine messbaren Effekte durch radioaktiven Niederschlag in Westeuropa feststellbar waren.

    Was ich gesehen habe, war in Wirklichkeit der Ort Krasnoturjinsk mit Bergbauhalden und Tagebauen (Eisen-, Gold-, Kupfer-Bergbau, Bauxit, großes Aluminiumwerk).

    Natürlich werden wir während des Fluges auch wieder mehrfach mit Essen und Getränken versorgt. Leider reichen die begehrten Hühnchen nicht mehr für die letzen 8 Sitzreihen, und so muss ich mit der vegetarischen Alternative auskommen.

    Hinter dem Ural, also jetzt wieder in Europa, überfliegen wir die großen Stauseen der Kama und später der Wolga (Gorki-Stausee). Auffallend ist die extreme Algenblüte, meine Ferndiagnose lautet aufrahmende Blaualgen.

    Beim Landeanflug vor Moskau:


    Wir landen fast pünktlich. Beim Umsteigen auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo läuft wieder alles reibungslos. Nur die Ausreise-Passkontrolle scheint mir strenger als bei der Hinfahrt. Die junge Grenzbeamtin mustert mich lange mit strengem Blick, der Pass wird Seite für Seite durchgesehen (viel steht nicht drin, oder stört sie sich an den ukrainischen Stempeln vom letzten und vorletzten Jahr?), der Fahndungscomputer wird konsultiert, aber dann gibt es den Ausreisestempel. Bezüglich unserer vollständig fehlenden Registrierung gibt es keinerlei Nachfrage.

    Wieder geht es durch die Sicherheitskontrolle, wieder wird das Handgepäck durchröntgt. Warum ich das immer wieder erzähle: zu Hause finde ich dann doch meinen Dolch wieder, und zwar tief unten in meinem Handgepäck-Rucksack, eingewickelt in Klamotten. Ja, ich war etwas zu nachlässig bei der Suche nach dem Ding, aber dass ich ihn im Handgepäck wiederfinden werde, das hätte ich nun wirklich nicht erwartet. 3 mal durchleuchtet, niemand hat was gesehen. Oder niemand hat was gesagt, vielleicht sind sie ja in Russland etwas kulanter, wenn sie sehen, dass so ein Wildnisfahrer sein notwendiges Werkzeug einstecken hat.

    Im Wartebereich werden am Ende die allerletzten Rubel in Butterbrote investiert:



    Na, nee, aber tatsächlich holt sich Dörte dort noch eine halbe Portion Pommes. Dafür reicht es gerade so, was wir in unseren Geldbörsen noch zusammenkratzen können.

    Der Anschlussflug klappt ebenso problemlos, und ¼3, eine ¼h vor der geplanten Ankunftszeit, rollen wir in Tegel aus.

    Die deutsche Hauptstadt hat uns wieder. Und deren weltbekannte Flughafen-Kompetenz wird uns auch promt vorgeführt. Hinter der (automatisierten) Passkontrolle stehen hunderte Reisende am Rollband und warten auf ihr Gepäck. Die Halle ist ein wenig eng für die vielen Leute. Bis dahin ahne ich noch nichts schlimmes, mit ein bisschen Warten muss man hier rechnen. Ich will die Zeit nutzen, um schon mal das Auto vom Saatwinkler Damm zu holen. Die Damen wollen mich wieder zum Taxi überreden, aber ich bin froh, dass ich mir nach dem langen Sitzen heute etwas die Beine vertreten kann.

    20 Minuten später bin ich am Auto. Alles noch dran, keine Scheibe eingeschlagen, die Reifen intakt. Nur die beiden Knöllchen unterm Scheibenwischer wundern mich. Ich stehe nicht im Halteverbot, aber sie stören sich am “Parken auf dem Gehweg”. 2x 20€ für dasselbe Vergehen? Immer noch ein Bruchteil von dem, was man am Flughafen für reguläres Parken bezahlt hätte, aber ich würde beim nächsten Mal doch woanders parken.

    ¼4 stelle ich mich wie verabredet vor das Terminal A und warte. Eigentlich müssten sie doch bereits durch sein. Aber sie kommen nicht.

    Wie kann ich Kontakt aufnehmen? Hier wo ich sowieso in 2. Reihe im Parkverbot stehe, will ich nicht weggehen. Die deutsche Simkarte steckt im Hauptgepäck, darauf warten sie noch. Ich schau mal nach, ob es hier wie in anderen Ländern üblich vielleicht freies WLAN gibt, und habe Glück. Nach einer Anmeldeprozedur kann ich Nachrichten verschicken. Als sich niemand meldet, man kann das in den lauten Hallen schnell mal überhören, rufe ich an (Whatsapp). Sie warten immer noch. Es gibt angeblich nur einen einzigen Mitarbeiter, der das ganze Flugzeug entladen muss. Als müssen wir uns weiter in Geduld üben.

    ½5, 2h nach der Landung, ist es dann endlich soweit, und meine Damen zuckeln heran. Roland wurde abgeholt und hat sich schon verabschiedet. Das Gepäck, diesmal deutlich mehr als bei der Hinfahrt (1 Boot zusätzlich) auf 2 Rollies, wird bis unters Dach in den kleinen Škoda verladen. Und das war es dann, durch den Feierabendverkehr zuckeln, zu Andrea, teilentladen, und Dörte fährt weiter nach Hause. ½6 ist für uns Feierabend.


    ----- FIN ----


    Fazit:

    Ich war das erste Mal in Sibirien, es war die erste größere Fernreise seit 25 Jahren*, und es war das erste mal Anreise mit Faltboot im Flugzeug. Zwar war es keine Paddeltour durch unendliche sibirische Wildnis, wie ich mir das standardmäßig vorstelle. Die Tour führte 372 Paddelkilometer über Fluss und See, überwiegend durch bewohntes Gebiet, aber sie war dennoch interessant in oftmals grandioser Landschaft, auf jeden Fall schöner und abwechslungsreicher als vorher gedacht. Russland selbst ist für mich immer wieder spannend und viel angenehmer, als es sich wohl die meisten von euch vorstellen können.
    Die ganze Reise von 30 Tagen hat übrigens 1146€ gekostet, davon 62% für Flug und Visum. Kein Vergleich mit Nordamerika, dem Lieblingsziel vieler Canadierpaddler, aber mindestens genauso abenteuerlich.
    Das Reisen in Gruppen >2 Teilnehmer ist eher nicht so mein Ding, wenn die Bedürfnisse der einzelnen Teilnehmer sich sehr unterscheiden, was Tagesablauf, Stellenwert des Essens und akzeptable Kosten betrifft. Das Fliegen mit Faltboot und Campingkram macht mir dagegen jetzt viel weniger Kopfzerbrechen als vor der Tour, und damit spricht also nichts mehr gegen größere Unternehmungen. Ich hab da schon was vor …


    *oder zählen Euphrat und Ural auch schon zu den Fernreisen?
    Zuletzt geändert von Spartaner; 19.11.2018, 14:09.

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  • Spartaner
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    AW: [RU] Bargusin - Baikal 2018

    09. August 2018, Ulan-Ude

    Heute lassen wir es ruhig angehen. Der Tag wurde uns quasi geschenkt, denn es war ja nicht so sicher, dass wir es gestern von Olchon noch bis hierher schaffen werden.

    So schaue ich mich erst einmal im Lager um. Taiga Pitch besteht im Moment aus einem ~900m² großen Grundstück, das von einem hohen, blickdichten Bretterzaun eingefriedet ist. Die Fläche ist leicht abschüssig, man findet aber auf dem kurzen Gras einige ebene Zeltplätze. An Infrastruktur gibt es einen Schuppen, ein Trockenklo, Strom, Licht, eine Elektropumpe fördert Wasser aus der Tiefe, und seit August gibt es ein Waschhaus mit warmer Dusche und Waschmaschine. Alles selbstgebaut aus dem günstigsten, was der sibirische Markt so hergibt. Die wichtigsten Baumaterialien sind Schwartenbretter aus dem Sägewerk, und feste Kunststoffplanen aus alter Werbung.

    Moritz. der junge Deutsche und seine russische Frau Olga, die sich dieses kleine Unternehmen zZ aufbauen, haben noch weitreichende Pläne (siehe "Perspektive"). Die neuesten Fotos zeigen bereits einen weiteren Bau, ein Jurten-Bungalow, welches dann auch feste Unterkunft ermöglichen wird.

    Unser Zeltplatz (mein Kameraobjektiv war etwas beschlagen):


    Das Klo:


    Das Tor und der Schuppen:


    Von außen sieht das so aus:


    Taiga Pitch ist links im Bild, mit der Aufschrift "TP" am Tor. Rechts die Überlandstraße zwischen Ulan-Ude und Baikalsee, Blickrichtung das Tal der Selenga talabwärts.

    ¾11 mache ich mich mit den beiden Damen dann auf in die Stadt. Zum Bus wären es 3km zu laufen gewesen, eigentlich kein Problem, auch Trampen wäre möglich, aber die beiden bestehen auf Taxi. Das lassen sie sich telefonisch bestellen, und wir machen uns kurz danach auf und gehen ihm ein paar Meter entgegen Richtung Hauptstraße. Auf halbem Wege biegt ein Auto zu uns ein und ich dachte schon, das ist unser Taxi. Der Fahrer hält auf mein Handzeichen, meint aber, er muss noch kurz woanders hin und käme dann zurück.

    Na gut, wir warten dann weiter an der Hauptstraße. Vom eigentlich bestellten Taxi keine Spur. Das Auto, das ich gerade angehalten hatte, kam zurück und hätte uns sicherlich direkt in die Stadt mitgenommen. Aber wir wollten das Taxi, das kommen sollte, nicht umsonst anrollen lassen. So stehen wir weiter hier rum. Endlich, nach einer vollen Stunde warten und weiteren Telefonaten, kommt es und fährt uns nach Ulan-Ude (500₽).

    Im Zentrum der Stadt wollen wir bei gutem Netz erst mal den Check-in für unsere Flüge morgen durchziehen und setzen uns dazu draußen in das uns bereits bekannte "Traveler's Coffee" und bestellen einen Tee.



    Das mit der Wahl der Sitzplätze klappt noch ganz gut. Andrea möchte die Paddeltasche diesmal als zusätzliches Gepäck aufgeben, was online im voraus nur 70€ kosten soll. Aber es gibt Schwierigkeiten bei der Bezahlung mit Kreditkarte. Die Sparkasse schickt ihr eine SMS mit der TAN, nur steckt ja gerade die russische SIM-Karte in ihrem Handy. Also Werzeug organisieren (misslingt erst mal, die Kellnerin findet keine Büroklammer, Lösung ist dann der Ohrring), SIM-Karte wechseln, SMS empfangen. Die weitere Check-in-Prozedur haben wir dann auf meinem Smartphone durchgezogen. Aber auch da gab es Schwierigkeiten, weil keinerlei Bestätigung erkennbar war, dass die Bezahlung funktioniert hat. Ein Anruf bei der Servicehotline der Fluggesellschaft S7 half weiter (auf englisch!): die Bezahlung war erfolgreich, ich soll den Browser-Cache leeren, und es dann noch einmal versuchen. Na ja, auch das lief nicht alles rund, aber am Ende, nach 1½h Daddeln, war es dann geschafft. Ok, am Flughafen wäre es schneller gegangen, aber das konnte man ja im voraus nicht ahnen.
    Eine junge Frau am Nachbartisch hat unsere Probleme mitbekommen und bietet Hilfe beim (russisch) telefonieren an. Sehr nett, aber in dem Moment hatten wir bereits die Lösung.

    Den Rest des Nachmittags bummeln wir noch etwas durch die Innenstadt, die Damen plündern die Kleider- und Souvenierläden, decken sich zB mit mongolischen Strickprodukten ein, Iwan-Tschai und Zedernnüssen, und ich finde einen Eisstand mit wirklich leckerem Eis in verschiedensten Sorten.

    Für die Rückfahrt ins Camp kommt wieder nur ein Taxi in Frage. Dabei wäre um 6 ein Bus direkt vors Camp gefahren (№131 nach Ошурково, 20₽). Stattdessen marschieren wir um ½6 in eines der prominentesten Hotels der Stadt, das "Baikal Plaza", und bitten die Rezeption, uns ein Taxi zu rufen. Tja, und nun warten wir wieder, dass es kommt. Zunächst sitzen wir eine ½h vor der Rezeption auf einem dicken weichen Sofa, um uns herum Fotos von allerlei Prominenten, die sich an genau diesem Tresen ablichten ließen. Dann belagert eine große Busladung chinesischer Touristen die Rezeption und wir warten draußen weiter. 2 mal fragen wir vorsichtig nach, ob denn noch mit dem Taxi zu rechnen sei, aber ja, wir sollen weiter warten. Kurz vor ½7 kommt es dann tatsächlich und es geht nach Hause (250₽).

    Zuhause im Taiga Pitch wird die Ausrüstung flugtauglich verpackt. Ich versuche meinen Dolch zu finden, den ich seit einigen Tagen nicht mehr gesehen habe, leider erfolglos. Für die Nacht baut Andrea das Zelt diesmal im Schuppen auf. Das hat den Vorteil, dass das Außenzelt morgen trocken verpackt werden kann.



    Das Faltboot dort rechts im Bild war übrigens eine Spende der Gruppe 1, ein Kolibri, der den Weg nach Deutschland nicht mehr zurückgefunden hat.

    Abends um 9 marschieren wir dann noch einmal los, 1km zum Abendessen in eine Imbissstube (Закусочная) an der Durchgangsstraße mit guter Küche, aber ohne Bier.



    Wieder zurück im Camp sitzen wir noch ein Weilchen am Feuer, zusammen mit unseren Gastgebern Moritz, Olga und ihrem Sohn, sowie 2 Schweizern, die heute neben uns in ihrem aufwendig ausgestatteten Expeditions-Land Rover (Camper mit Hubdach) nächtigen werden.

    Morgen früh um 7 wird uns ein Kleinbus zum Flughafen bringen, den Roland bzw Olga organisiert haben.
    Zuletzt geändert von Spartaner; 08.11.2018, 15:16.

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  • Spartaner
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    AW: [RU] Bargusin - Baikal 2018

    08. August 2018, Ausflug auf die Insel Olchon

    Gegen 5 Uhr stehe ich auf, ich brauche immer etwas länger, um meinen riesen Pott Kaffee zu trinken. Laut Plan soll der Bus 5:30 Uhr kommen, spätestens um 8:30 wollen wir in Turka am Schiff sein und müssen vorher noch unser Gepäck untergebracht haben.

    Der Busfahrer ist zuverlässig und steht schon eine ¼h vor der vereinbarten Zeit auf dem Weg. Nun kriecht auch Roland aus dem Zelt und wird natürlich Bummelletzter. Ist eigentlich nicht seine Art. Nach und nach verschwindet alles Gepäck im Bus. Verschwinden ist vielleicht nicht das richtige Wort, im Gegenteil, es füllt das Volumen unserer “Gazelle” zum großen Teil aus. Übrig bleiben gerade mal unsere 3 Sitzplätze hinten, Andrea sitzt wieder vorne.



    ¾6 ist dann alles gepackt und wir können abfahren. Mit einem Schnitt von 37km/h geht es 20km über den unbefestigten Weg bis zum Gate. Die Abgabe der Papiere dauert nur Sekunden, die Schranke öffnet sich und wir sind wieder auf der Piste. In Ust-Bargusin werden noch mal wenige Liter nachgetankt (eine komische Angewohnheit, ich beobachte das öfters, dass hier oft nur Kleinmengen getankt werden), hinter Maximicha eine 6min-Pause am Ufer eingelegt, und nach 120km erreichen wir Turka.

    Pausenplatz am Baikal-Ufer:


    Erster Punkt: der Bus und das Schiff wollen bar bezahlt werden, also suchen wir einen Geldautomaten. Nachdem wir einmal erfolglos durch den ganzen Ort gefahren sind, kehren wir um zur Tankstelle am Ortseingang, wo wir je 10000 Rubel abheben.

    Zweiter Punkt: die Anlegestelle finden. Das Hafengelände erstreckt sich über ½km² auf beiden Seiten der Mündung der Turka. Hier muss der Fahrer mehrmals telefonisch nachfragen, findet aber letztendlich die richtige Stelle nahe des Leuchtturms. Kurz nach 8 sind wir hier, liegen also gut in der Zeit.

    Dritter Punkt: Ein Schiff. Ein Schiff liegt hier nicht. Warten, telefonieren. Endlich tuckert ein Schiffchen, die «Пилигрим» (Pilger), von der anderen Seite des Hafens heran. 8:30 Uhr dann kommt Natalja mit dem Auto, die Managerin der Hafengesellschaft, welche die Fahrten zur Insel Olchon organisiert. Nachdem sie unsere Gepäckberge gesehen hat, fahren wir zur anderen Seite des Hafens, sie voraus zur Führung, und lagern das Gepäck in einem stählernen Aufenthaltscontainer, der dort einsam im Gelände steht. Damit wäre auch der vierte Punkt gelöst.

    Wir fahren zurück zum Schiff und dürfen jetzt, 8:45 an Bord gehen. Die vorgesehene Abfahrtszeit ist längst überschritten und wir wundern uns, dass wir immer noch alleine sind. Ein Bus voll mit koreanischen Touristen hielt zwar kurz in der Nähe, fuhr dann aber wieder davon.

    Dann kommen noch 2 ältere Frauen an Bord und werden zu uns plaziert. Es sind griechische Touristinnen, Mutter und Tochter, die kein russisch sprechen und unserer Hilfe beim Übersetzen bedürfen. Sie haben wohl schon im Vorfeld verhandelt, aber jetzt wird klar, was sie eigentlich wollen. Sie möchten keinen Tagesausflug nach Olchon mit Besuch der Insel-Highlights buchen, sondern nur die reine Überfahrt und dann dort bleiben. Und für diese sind sie nicht bereit, die ganzen 7500₽pP zu zahlen (104€pP). Aber die Managerin lässt sich auf keinen Kompromiss ein und so verlassen die beiden wieder das Schiff. So ganz habe ich das nicht verstanden, denn es hätte ja niemand etwas eingebüßt, wenn sie mitgefahren wären, zB für den halben Preis.

    Wir erfahren noch, die beiden sind auf einer größeren Tour, sind zuvor in der Mongolei gewesen und erst seit wenigen Tagen in Russland. Weiter wollen sie nach Kamtschatka. Die ganze Tour mehr oder weniger unorganisiert, also streunend auf eigene Faust. Bemerkenswert, in dem Alter (~65 und ~45).

    Da liegt es, unser Schiffchen, die «Пилигрим»:


    Auch jetzt geht es nicht gleich los, und so kann ich noch mal kurz was zu dem Hafengelände schreiben. Dieses ist nagelneu gebaut, und zwar richtig groß angelegt (Streetview zeigt den Stand von 2013 während der Bauphase). Nicht kleckern, klotzen, hieß die Devise. Ein Entwicklungsprojekt, um den Tourismus in der Region anzukurbeln. Dazu eine bedeutungsvolle Bezeichnung: «Байкальская гавань» — особая экономическая зона (ОЭЗ) туристско-рекреационного типа, also “Hafen Baikal - Sonderwirtschaftszone vom Typ Tourismus-Freizeit”.



    Staatlicherseits wurden umfangreiche Kaianlagen gebaut, Hafen- und See-Promenaden, Straßenbrücke, Fahrwege, Leuchtturm, Yacht-Slipanlage, Kläranlage, Umspannwerk, andere Einrichtungen, alles neuester Stand.

    Und seitdem wartet man dort auf Investoren, die die bis heute weitgehend leere erschlossene Landfläche nutzen sollen (Map). Viel ist noch nicht los. Auf der anderen Seite steht ein Beherbungsbetrieb, der ein paar Jurten anbietet. Die weitere Entwicklung wird sicherlich in diesem Wikipedia-Artikel nachzulesen sein. Insgesamt zieht sich diese Sonderwirtschaftszone 60km entlang der Küste des Baikals, vom Dorf Gremyachinsk bis zum Kap Katkov. Die Gesamtinvestition betrug 36 Milliarden Rubel (~500Mio.€). 2017 stand das ganze Projekt aber bereits vor der Schließung (Как спасти «Байкальскую гавань»?).

    Derweil beschäftigen wir uns mit den wichtigen Dingen (hier in Turka haben wir gutes Netz):


    1h später kommt die Managerin im Auto zurück, es werden Essensvorräte an Bord gebracht und wir bezahlen die Tour. Anstatt 7500 zahlen wir 7800 ₽pP (108€) und bekommen dafür Vollverpflegung an Bord. Nun ist es sicher, dass die Tour stattfindet. Ich hatte da doch bedenken, ob sich das für den Anbieter lohnt. Aber offensichtlich reicht die Summe, um die Unkosten für die 5 Mitarbeiter an Bord, die Reiseleitung, den Schiffsdiesel und den Kleinbus mit Fahrer auf Olchon zu decken.

    Kurz vor 10 legen wir endlich ab. Das Wetter ist angenehm, der Wind schwach, die Sicht gut.

    Mit konstanten 16km/h tuckern wir über den See, vollkommen geradlinig in Richtung NW zur Nordspitze der Insel Olchon. Eine leichte Dünung lässt das Schiff ein bisschen schwanken.



    Es gibt zu Beginn gleich ein Frühstück mit Spiegelei, Weißbrot, Kaffee und einem kleinen Törtchen. Kamera-Akku und Smartphone können beim Kapitän aufgeladen werden. Danach kommt unsere Reiseleiterin und hält uns einen Vortrag über die Besonderheiten des Baikalsees, all die bekannten Sachen, und auch ein paar weniger bekannte Details.

    Der Baikal ist mit 1642 Metern der tiefste, mit 23615 km³ der voluminöseste, und mit mehr als 25 Millionen Jahren der älteste Süßwassersee der Erde. Er bildet das größte Reservoir flüssigen Süßwassers auf der Erde mit einem Fünftel der flüssigen Süßwasserreserven. Sein Volumen ist größer als das der Ostsee oder der Summe der nordamerikanischen Großen Seen. Das Einzugsgebiet des Sees beträgt 571000 km², 1.6x größer als Deutschland. Gespeist wird der Baikalsee von 336 Flüssen und unzähligen Bächen. Die größten Zuflüsse sind die Obere Angara, die Selenga und der Bargusin. Die Angara ist der einzige Abfluss des Sees und einer der großen Flüsse Sibiriens. Sie mündet nach 1779km in den Jenissei und dieser 2137km weiter in den Arktischen Ozean.

    So gesehen ist der Baikal Teil des längsten Flusssytems Russlands mit einer Gesamtlänge von 5540km (Ider–Selenga–Baikal–Angara–Jenissei uh der Angara-Mündung). Nur Amazonas, Nil, Jangtsekiang und Mississippi (über Missouri mit Jefferson und Red Rock River) stehen davor in der Liste (Übersichtskarte).

    Die Länge des Baikalsees beträgt 673km, die Breite maximal 82km. Jedes Jahr wächst er um 2​cm in Breite, Länge und Tiefe. Auch die umliegenden Gebirge sind in ständiger tektonischer Bewegung. Im Mittel ist er 48km breit und unsere Schiffsroute entspricht dem ziemlich genau mit 53km. Das wäre also schon ein sehr langer Paddeltag, wollte man den See mit Kanu überqueren.

    Weiter geht die Liste der Besonderheiten mit den ~1500 Tier- und 1000 Pflanzenarten, von denen ⅔ endemisch sind, also ausschließlich hier vorkommen. Die erstaunlichsten Vertreter sind wohl die Baikalrobben, für die man bisher noch keine Erklärung hat, wie sie in den See gelangt sein könnten. Dass das Wasser des Baikal so sauber ist, verdankt es dem planktischen Flohkrebs Epischura baikalensis. Er lebt in allen Tiefen des Sees, macht 80 - 90% der Biomasse des gesamten Zooplanktons aus und filtert Phytoplankton aus dem Wasser. Die Flohkrebse selber sind die wichtigste Nahrung des Omuls. Die wichtigste Nahrung der Baikalrobbe ist dagegen der Baikal-Ölfisch, die Golomjanka (2 Arten). Auch ein extremes Tier, eine Groppe, die nicht wie unsere auf dem Grund lebt sondern hier im Freiwasser bis in fast jede Tiefe und einen extremen Fettreichtum aufweist (35%). Der Körper ist nahezu durchsichtig. Größter Fisch ist der Sibirische Stör in seiner Unterart Acipenser baerii baicalensis. 125kg schwere Exemplare waren nicht selten. Heute ist er gefährdet.

    Während wir so viel über den Baikalsee erfahren, verschlechtert sich die Sicht plötzlich und wir fahren durch dichten Nebel.



    Die nächsten 1½h haben wir Null Sicht. Es ist ein unheimliches Gefühl, so durch den Nebel zu fahren, 1600m Wasser unter einem. Tatsächlich fahren wir ziemlich genau über die tiefste Stelle des Sees. Und natürlich wird es kühl. Ich habe meine Jacke im Gepäck an Land gelassen und leihe mir eine von der Besatzung aus. Zeitweise legen wir uns am Heck in einen Aufenthaltsraum mit zwei Liegeflächen.



    Durch einen Defekt an der Maschine schlägt aber irgendein Maschinenteil aufdringlich laut rhythmisch gegen Metall, so dass man nicht richtig gut dösen kann.

    Wichtiger Hinweis auf dem Klo:


    Kurz vor 1 beginnt sich der Nebel zu lichten. Plötzlich liegt die Steilküste der Insel Olchon vor uns, wir haben die Nebelbank verlassen. Vor uns liegt der höchste Punkt der Insel, Kap und Berg Schima (Ижима, 1274müNN, also 819m über dem Seespiegel des Baikal):


    Die Felsküste hier ist 200 - 300m hoch:




    Nun gibt es Mittagessen, Suppe, Salat, Brot, süßes Gebäck etc. Eine ½h später legt das Boot in der hübschen Bucht Haga-Jaman am Dorf Узур an und wir können über den Bug auf einen Felsen an Land klettern.





    Abgesehen von den schroffen Uferfelsen eine liebliche Landschaft hier. Die Wälder sind im Nordteil der Insel anstelle von Kiefern oft lichtgrüne Lärchenwälder, der kalkige Untergrund lässt viele Pflanzenarten gedeihen. Am meisten begeistert mich das Edelweiß, welches hier eine gewöhnliche Wiesenblume ist.











    Eine «Буханка» (Buchanka) steht für uns bereit, ein UAZ-452, ein alter sowjetischer Allrad-Transporter, für uns natürlich in der Ausführung “Kleinbus”. Dieses Fahrzeug wird seit 1965 bis heute nahezu unverändert gebaut und ist hier in Russland recht beliebt, zumindest da, wo das Gelände rauher wird.



    ¾2 geht es los. Ziel sind ein paar schöne Aussichtspunkte im Norden der Insel Olchon (Map). Zunächst geht es 9km zum Kap Sagan-Chuschun (Мыс Саган-Хушун), dem Weißen Kap, daneben die “Drei Brüder”:





    Eine schöne Felsformation an der Ostküste mit Blick auf das “Kleine Meer”, wie der Bereich des Baikals zwischen der Insel Olchon und dem Ostufer des Baikals hier heißt. Die Insel Olchon, das “Kleine Meer” und das gegenüberliegende Ufer sind alles Teil des Pribaikalsky Nationalparks. Dutzende Buchankas parken hier, hunderte Touristen sind hauptsächlich mit Selfie-Knipsen beschäftigt.

    Weißes Kap:


    In Richtung Nordosten kann man bereits den nördlichsten Punkt der Insel Olchon erkennen, eine der Felsküste vorgelagerte Felsnadel, 4½km entfernt.



    Die Felsnadel sieht nur aus dieser Richtung aus wie eine Nadel und steht am Kap Khoboi, unserer nächsten Station und nördlichsten Punkt der Insel Olchon:



    Khoboi heißt übrigens "Reißzahn", das passt. 1½h haben wir für den Spaziergang aufs Kap. Natürlich sind wir auch dabei, bei den gestellten Selfies, lassen unseres aber von einem jungen Polen knipsen, der hier alleine unterwegs ist und selber viel fotografiert:



    Was mit Blick aus Südwesten noch wie eine Felsnadel aussah, entpuppt sich beim Blick vom Kap Khoboi als senkrecht aufgestellte Felsenplatte:



    Aus dem Burjatischen übersetzt bedeutet "Oboi" Hund - der scharf aufragende Felsen im Wasser erinnert an einen Reißzahn. Der andere Name des Kaps ist Jungfrau, denn aus bestimmten Blickrichtungen ähnelt die Hauptklippe den Umrissen eines weiblichen Körpers.



    Vom Kap Khoboi hat man einen einzigartigen Ausblick auf den Baikalsee, der genau hier seine größte Breite hat (82km). Nach Westen schaut man über das Kleine Meer auf die Berge des Baikal-Gebirges, die den See im Westen begrenzen. Das zieht sich bis in den Norden zum Kap Shartlay (62km) und weit darüber hinaus. Die Berge erreichen um das Kap herum mehr als 2000müNN. Weiter nördlich werden sie noch höher, aber die sind von hier aus nicht sichtbar (Erdkrümmung). Früher konnte man an der Küste um das Kap oft Baikalrobben beobachten, die sich hier in der Sonne ausruhten.

    Im Osten schaut man in die Bargusin-Bucht bis zur Mündung unseres Paddelflusses, da, wo wir heute morgen gestartet sind. Links wird die Bucht begrenzt von der Heiligen Nase, wo ich gestern draufstand (73km), rechts vom Мыс Крестовый (58km), den Ausläufern des Ikat-Gebirges. Zwischen Kap Shartlay und der Heiligen Nase kann man mit dem Fernglas auch die Uschkani-Inseln erkennen, die kleine Inselgruppe mitten im See (75km). Herrlich, wie man hier die halbe Geographie des Sees mit einem Rundblick erfassen kann.

    Um 4 fahren wir weiter zum Мыс Шунтэ Левый, dem Kap Schunte-Lewyi.



    Man nennt es auch das Kap der Liebe, und man kann unschwer erkennen, wie es zu diesem Namen kam. Wenn Ehepartner keine Kinder bekamen, verbrachten sie eine Nacht in einer Jurte auf dem Kap, dann verschwanden die Probleme in der Regel. Heute ist diese Tradition verloren gegangen, aber Paare, die Kinder wollen, tun gut daran, auf einen der Felsen zu klettern, und eine Münze zu opfern (wenn Sie einen Jungen wollen - auf die linke Seite der Klippe, für ein Mädchen - auf die rechte Seite).

    Blick vom Kap der Liebe zum Kap Khoboi und dem Kap Shartlay in der Ferne:



    ¾6 sind wir wieder beim Schiff.



    Diesmal kommen noch 8 Burjaten zu uns an Bord, ein Kamerateam des burjatischen Fernsehens und Familienangehörige, die von einem Dreh auf der Insel zurückkehren.

    Wir essen zusammen Abendbrot und unterhalten uns mit ihnen.

    Abschied von Olchon:



    Die Rückfahrt ist traumhaft, die Sonne scheint, der Wind ist ganz eingeschlafen, es ist warm und die Sicht fantastisch.





    Während der Rückfahrt überlegen wir uns, wie wir heute Abend weiterkommen. Damit es nicht wieder so teuer wird, übernehme ich die Organisation. Der Bus für die 131km von der Heiligen Nase nach Turka hat bereits 10000₽ (139€) gekostet. So kontaktiere ich unsere Reiseleiterin, die vorne beim Kapitän in der Kajüte sitzt, und skizziere mein Anliegen und den Preisrahmen, den ich mir so vorstelle. Wir brauchen einen Transport für 4 Mann mit Riesengepäck von Turka bis hinter Ulan-Ude, zum Taiga-Pitch, dem Gelände, auf dem Roland bereits mit der 1. Gruppe mehrere Nächte verbracht hat. Nach mehreren Telefonaten findet sie was für uns. 5000₽ soll es bis Ulan-Ude kosten, 70€ für 170km. Das klingt doch schon ganz gut. Dann müssen wir nur noch was draufschlagen für die 13km Resttrecke von Ulan-Ude bis zum Taiga-Pitch. Ich bin gespannt, ob das klappt.

    ¼9 fahren wir wieder in den Hafen von Turka ein, verabschieden uns von der Besatzung, der Reiseleitung und dem burjatischen Fernsehteam, und werden von Natalja, die uns in Empfang nimmt, rüber zu unserem Gepäck gefahren. Hier müssen wir nicht lange warten, bis unser Fahrer in einem neuen koreanischen Kleinlaster ankommt.



    Das Gepäck ist schnell auf der Ladefläche verstaut, und vorne werden alle verfügbaren Sitzplätze besetzt. Perfekt, bis auf den geringen Fußraum für die hintere Reihe.

    ¾9 geht es weiter. Auf gerader Strecke erreicht das Gefährt 83km/h, den 1200m hohen Berg hoch kurz vor Ulan-Ude schleppen wir uns mit 50km/h hoch.

    ¼ nach 9 wollen wir noch Getränke und Kleinigkeiten für heute Abend und morgen früh einkaufen, halten an einem offenen Supermarkt an der Straße, müssen aber weitgehend unverrichteter Dinge wieder abziehen, da im ganzen Land nach um 9 keine alkoholischen Getränke mehr verkauft werden dürfen.

    Eine ¼h vor Mitternacht erreichen wir das Camp. Roland zahlt den Fahrer aus und packt sehr großzügig noch einen 1000er drauf. Er kennt die Geheimzahl für das mechanische Schloss am Bretterzaun, und dann haben wir es geschafft. Nur noch Zelt aufbauen und schlafen. Das war nun ein wirklich langer Tag heute: Kleinbus 131km Heilige Nase - Turka, Schiff 53.5km, 30km Buchanka und Spaziergänge auf der Insel Olchon, Schiff zurück 53.6km, und schließlich 183km Kleintransporter Turka - TaigaPitch.

    Morgen ist noch einmal Ulan-Ude angesagt, und übermorgen fliegen wir nach Hause.
    Zuletzt geändert von Spartaner; 23.12.2018, 16:47.

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  • Spartaner
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    AW: [RU] Bargusin - Baikal 2018

    Unter den Hohlfuß-Röhrlingen gibt es auch den Asiatischen Schuppenröhrling (Boletinus asiaticus, Bilder). Ich weiß nicht, ob das rote Exemplar des Hohlfuß-Röhrlings (Suillus cavipes) in der Wikipedia wirklich richtig zugeordnet ist.

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  • Intihuitana
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    AW: [RU] Bargusin - Baikal 2018

    Der Pilz auf beiden vorletzten Bildern sieht aus wie ein Holhfußröhrling. Die gibt es auch hier und sind Mykorizapilze von Lärchen.

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  • Spartaner
    antwortet
    AW: [RU] Bargusin - Baikal 2018

    07. August 2018, Wanderung auf die Heilige Nase, 27km

    Kurz nach Sonnenaufgang (5:08) stehe ich auf und koche mir einen ¾L Kaffee, und Tee zum Mitnehmen, ausnahmsweise auf dem Gaskocher (die Kartusche muss eh alle werden, wir können sie ja nicht mehr zurücknehmen).

    Es ist neblig, aber über dem Nebel ist bereits blauer Himmel auszumachen, beste Bedingungen für meine heutige Bergtour auf die Heilige Nase.





    ½7 geht es los, das Ziel vor Augen:


    Zunächst muss ich 3½km entlang des Hauptweges bis zum Fuße des Bergmassivs, und anschließend einen weiteren Kilometer einen Fahrweg entlang des Südufers laufen, bis es bei der ehemaligen Siedlung Glinka den direkten Wanderweg hoch auf die Heilige Nase geht.

    Viele Fahrzeuge sind zu dieser frühen Stunde naturgemäß nicht unterwegs. Natürlich halte ich immer mal den Daumen raus, wenn sich eines der wenigen Fahrzeuge nähert. Nach 2½km, der Hälfte des Fahrweges, ist es soweit. Ein Kleinbus mit Großfamilie hält und nimmt mich mit. Wie es der Zufall will, sind sie ebenfalls auf die Heilige Nase unterwegs und können mich direkt bis zum Startpunkt des Wanderpfades mitnehmen. Die meisten Autos biegen 1km davor rechts ab zu den Siedlungen Монахово, Катунь und Курбулик.

    Eine der Frauen und eines der (Schul-)Kinder können englisch. Sie kommen heute 290km entfernt aus Ulan-Ude, wo sie mitten in der Nacht gestartet sind. Diesen Familienausflug machen sie jedes Jahr. Der Hund wurde von meinem Platz zwischen die beiden Vordersitze gesetzt und dreht sich die ganze Zeit furchtbar neugierig und zugleich skeptisch zu mir um, verrenkt sich dabei den Hals. Aber er ist ein ganz lieber und schleckert mich nicht ab.

    Wir halten in Glinka, einer für den Nationalpark verlassenen Siedlung, und parken direkt unterhalb eines großen Anwesens, dass wohl einmal einem wohlhabendem Parteisekretär gehört hat.

    Hier verabschiede ich mich und mache mich in meinem eigenen Tempo auf in die Berge. Nach 200m stoße ich auf diese alte Hinweistafel mit einer Routenbeschreibung für einen Rundweg:


    Auf englisch heißt es: “Recommended time to passing the whole trail 2 days, including passing the night on the top. You can start the ascent here or at Makarova stream. Most popular among tourists is one day trekking to the plateau and back by the same way. Average time of ascent (without backpacks) 3 - 5 h, returning 2 - 3 h. Start early in the morning.
    We advise to carry water. On the plateau usually not far from camping place there is clear water, but that is far from here. Consider your power, remember, you will have to go back.
    Be carefully and attentively! Don’t drop litter, or we hardly have to clean the trail after you.
    Did you make a decision? Pleasently ascent and good luck!”

    Der Rundweg ist eine schöne Empfehlung, aber für mich zu spät. Ich bin hier ohne Zelt und weiteres Übernachtungsgepäck. Wäre natürlich Klasse gewesen, gestern schon zu starten und oben zu übernachten.

    Die nächsten 3½km geht es auf einem gut erkennbaren Pfad mäßig steil bergauf, erst durch intakte Taiga:


    Später geht es durch Waldbrandgebiet. 2015 wüteten hier die letzten großflächigen Brände, die alle von Gewittern gezündet wurden. Ob nun genau die Brandflächen hier entlang des Weges 2015 in Flammen standen, kann ich nicht mit Sicherheit sagen.

    Während der gesamten Sibirienreise sind mir viele Waldbrandflächen aufgefallen. Waldbrände sind offenbar ein wichtiger Faktor in der Wiederverjüngung der Taiga-Ökosysteme, mehr als ich vorher erwartet habe.



    Dann wird der Weg für 1½km sehr steil und anstrengend. Neue Serpentinen wurden angelegt, aber bergauf nehme ich oft noch den kurzen direkten Weg auf dem Grat.



    Wieder eine Waldbrandfläche etwas höher:


    In einer Höhe von knapp über 1300m ist die Baumgrenze erreicht, 850m über dem Seespiegel. Auf einer leicht abgesetzten Kuppe steht ein Altgläubigenkreuz. Hier mache ich die erste Rast:


    Die Blickrichtung ist Südosten, auf die Landverbindung zwischen Ust-Bargusin und Heiliger Nase. Die Wasserflächen links und rechts sind Buchten des Baikal, in der Mitte der See Арангатуй, und dahinter am Horizont die südwestlichen Ausläufer des Bargusin-Gebirges.



    Blick nach Südwesten:

    Die Heilige Nase läuft 24km in diese Richtung aus, links die Bargusin-Bucht des Baikalsees.

    Blick hoch zum Gipfel:


    Nach einer ¼h geht es weiter bergauf, jetzt einfach immer den Grat hoch. 2½km liegen noch vor mir, mit ~600 Höhenmetern. Das Marschtempo beträgt jetzt nur noch ~1.5km/h. Ja ja, ich merke deutlich, ich werde alt.

    Ab 1600müNN ziehen Wolken auf, zeitweise laufe ich durch die Suppe:

    Der Weg ist zwar häufig begangen, dennoch ist es eigenartigerweise schwierig, ihn immer zu finden. Ab und zu verlieren sich gut gangbare Abschnitte im Nichts.

    Um 11 Uhr Ankunft auf dem Gipfelplateau:


    Plateau ist vielleicht etwas übertrieben, es ist nicht eben, sondern gewellt bis hügelig, aber doch ganz anders als man beim Blick von unten erwarten würde.

    An den Hangkanten immer wieder große vegetationslose Streifen, wo die Wächten im Winter so dick aufgeweht werden, dass sie bis in den Sommer hinein brauchen, um abzutauen:


    Teile der Gebirgstundra sind vegetationslos, Steine, aber der Großteil ist bedeckt, zum Teil mit Gräsern, Beerensträuchern, Mooren, und Latschenkiefern.


    Am erstaunlichsten finde ich diese Wasserlachen mit augenscheinlich gutem Wasser. Das hätte ich hier in der Höhe und nach der Trockenheit in tieferen Lagen nicht erwartet. Es ist also völlig problemlos, hier ein oder mehrere Nächte zu zelten.



    Wer es drauf anlegt, findet hier auch etwas zu Essen:




    Der Höchste Punkt des Plateaus ist nicht ganz einfach zu finden. Meine Openandromap zeigt ihn mit falscher Höhenangabe an einer zufälligen Stelle. Die sowjetische Militärkarte zeigt den Punkt dagegen ziemlich genau an. An dieser Stelle liegt ein großer Stein, darauf flattert ein Fähnchen. Eigentlich eindeutig. Die Openstreetmap ist natürlich mittlerweile von mir korrigiert worden.



    Irritierend ist nur, dass, egal in welche Richtung ich blicke, mir alle Erhebungen ringsum deutlich höher erscheinen als der Punkt an dem ich stehe. So was habe ich ja noch nie gehabt und wirklich erklären kann ich es mir bis heute nicht. Doch die Daten sind eindeutig. Die SRTM-Höhen in der Openandromap sind in allen Richtungen geringer, und das GPS zeigt dasselbe, sobald ich mich vom höchsten Punkt entferne.

    Ich bin übrigens nicht alleine auf dem Plateau. Schon als ich angekommen war, habe ich ein Zelt und Leute in der Ferne gesehen. Sie haben hier übernachtet. Und nach mir kommen auch ein paar Gruppen am Gipfel an. Allerdings bleiben sie an dem Punkt, an dem man das Plateau erreicht. Nur ein junger Mann trennt sich von seiner Gruppe, rennt mit seiner Kamera hin und her auf der Suche nach geeigneten Selfie-Positionen und versucht wohl ebenfalls den höchsten Punkt zu finden. Ich gebe ihm ein Zeichen, und er kommt im Laufschritt angeflitzt. Sein «день добрий» lässt mich vermuten, er sei Pole ("Dzień dobry"), aber da liege ich daneben, er ist ebenfalls Russe. Er bittet um ein paar Fotos mit seinen Kameras von ihm auf dem Stein.

    An der steilen Abbruchkante nach Süden mache ich nun eine längere Rast. Ich muss mich einfach wieder richtig regenerieren. Der Blick hinunter auf die Landbrücke trifft genau unseren Campingplatz. Leider kann ich jetzt nur noch zwischen kurz aufscheinenden Wolkenlücken runterschauen.



    In die entgegengesetzte Richtung blicke ich manchmal bis zu den berühmten Uschkani-Inseln mitten im Baikal:


    Hier gibt (oder gab?) es eine sehr einsame Meteorologische Station, die schon Klaus Bednarz in den 90er Jahren besuchte, und hier ist der wichtigste Rastplatz der Baikal-Robben. Bis zu 2000 Tiere sollen sich hier versammeln. Aus der Entfernung von 26km sind die natürlich nicht auszumachen.

    Dafür habe ich kurz danach eine andere nette Tierbegegnung:

    Suchbild ↑ Erkennt man schon was?

    Ich bin bereits auf dem Rückweg. Ein Pfeifhase sitzt auf einem Stein, hoch oben in 1700m Höhe. Das Tier zeigt kaum Scheu. Erst als ich auf 2m heran bin, verkriecht er sich pfeifend unter einem Stein. Diese Pfiffe habe ich schon während des Aufstiegs gehört, und wunderte mich, dass ich nie einen passenden Vogel dazu abfliegen sah.



    Und hier noch mal aus einem Video geschnitten:


    3h war ich auf dem Gipfelplateau und laufe ab 14 Uhr den selben Weg zurück.



    Dabei kommen mir mehrfach Gruppen, zum Teil Familien mit Vorschulkindern entgegen, die alle heute noch auf den Gipfel wollen. An einem Kletterstück begegne ich 2 Mitarbeitern der Bergwacht, die mich gleich mit der Frage «немецкий?» (Bist du deutsch?) begrüßen.

    Ich erstaunt: «Как знаете?»

    «Мы знаем все!», sagt er und lächelt.

    So so, da konnte ich mir mal wieder Gedanken machen, wie sie das wissen konnten. Dem deutschen Medienkonsumenten wird jetzt wahrscheinlich erst mal der böse KGB einfallen, der wusste immer alles, oder besser seine Nachfolgeorganisation FSB, der im Auftrag Putins braven deutschen Touristen hinterherspioniert. Ich dachte mir dagegen, das werden wohl Informationen der Nationalparkverwaltung sein, die über die Anmeldungen am Gate genau wissen, wieviele Besucher aus welchen Ländern sich gerade im Park aufhalten.

    Am Ende stellt sich aber heraus, sie haben weiter unten am Berg unsere beiden Frauen getroffen und sich ein Weilchen unterhalten.

    Weiter unten im Wald treffe ich dann ein Paar aus Irkutsk, beide in meinem Alter, der Mann fit wie ein Turnschuh, aber die Frau schon arg geschafft, wie ich auf dem Rückweg vom Gipfel. Sie kann kaum noch gehen. Ich frage ob sie Hilfe brauchen und mache ihr etwa Mut, es sind nur noch 600 Höhenmeter bis runter zum See. Den Rest des Weges gehen wir zusammen.

    Ankunft am Baikal-Ufer, welches hier am Fuß des Gebirgsmassivs nicht sandig ist, sondern von grobem Schotter gesäumt:


    Auf einer Hinweistafel wird berichtet, der schnellste Aufstieg dauerte nur eine Stunde, genau 1:05:25. Ich dagegen habe selbst für den Rückweg 3½h benötigt (für den Aufstieg inkl. Pausen 4h).



    Die Beiden sind dann auch so freundlich und nehmen mich im Auto mit zurück. So spare ich mir 4½km watscheln auf dem Fahrweg.

    Insgesamt bin ich 11¼h auf den Beinen gewesen und habe dabei 20.5km zu Fuß zurückgelegt. Mindestens 1423 Höhenmeter ging es bergauf, genauso viel wieder herunter. Das Track-Analyseprogramm erzählt mir sogar was von 1837 Höhenmetern bergauf (auf Basis der bereits geglätteten SRTM-Daten, also nicht der im Track gespeicherten GPS-Höhen).

    Aber ehrlich Leute, ich bin froh, dass ich eigentlich Paddler bin. Die Zeit ausgedehnter, unbeschwerter Bergwanderungen nach Art der Bergziege liegt wohl hinter mir. Ich bin jedenfalls wieder ordentlich geschafft und die Gelenke schmerzen.

    Zurück im Lager hat Dörte noch mal die Sauna angefeuert, so dass ich nach dem völlig verschwitzten Wandertag noch eine Tiefenreingung bekomme.

    Hier noch ein paar Bilder vom Spaziergang der beiden Frauen zur Bergflanke:


    Bei einigen Pilzen wusste selbst Dörte nicht mehr weiter, das werden dann wohl Arten sein, die erst hier in Asien vorkommen:








    Ob diese hier nun alle zu den unbekannten zählen, das weiß ich nicht genau, das muss sie mir noch mal genauer sagen. Hübsch sind sie jedenfalls.

    Für morgen hat Roland telefonisch einen Kleinbus in Ust-Bargusin geordert, der uns vier und unser umfangreiches Gepäck in aller Frühe hier abholen und nach Turka fahren soll. Dort wird ein Schiffchen auf uns warten, das uns quer über den Baikal zu einem Tagesausflug auf die Insel Olchon bringt. Ich bin gespannt, ob das klappt, ob er pünktlich sein wird, denn das Schiffchen wird wohl nicht auf uns warten, wenn es ausgebucht ist.
    Zuletzt geändert von Spartaner; 07.11.2018, 15:44.

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  • Intihuitana
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    AW: [RU] Bargusin - Baikal 2018

    Ich möchte nur kurz deinem Bericht den Respekt zollen, den er verdient.
    Gefällt mir sehr gut. Danke

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  • Spartaner
    antwortet
    AW: [RU] Bargusin - Baikal 2018

    06. August 2018, Baikal, Sauna

    Heute ist Ruhetag und nicht viel zu berichten. Nur für Roland beginnt er mit etwas Äktschen. Er merkt mitten in der Nacht gerade noch rechtzeitig, dass die Brandung wieder zunimmt, und schaut mal nach den Booten. Tatsächlich hat der Wind gedreht, ist das Wasser ein Stück gestiegen, und die Brandung hat sein Boot bereits in Bewegung gesetzt. Er zieht beide Janas ein Stück den Strand hoch und geht wieder Schlafen (unseren Ally hatten wir sowieso schon hoch an Land gelegt).

    So sieht das am frühen Morgen aus, der Wind hatte sich wieder weitgehend gelegt:


    Der Nebel verschwindet schnell und macht schönsten Wolkenformationen Platz:






    Die Frauen gehen tagsüber mal shoppen zum Kiosk am Bezahl-Campingplatz. Dörte braucht wieder Bier, Andrea gönnt sich eine Flasche Kwas, und ein paar Süßigkeiten.

    Gegen 17 Uhr machen wir uns an den Saunabau. Der Ofen muss repariert werden, also zum Teil neu aufgeschichtet:


    Der Saunaofen wird diesmal nur aus großen Steinen aufgebaut, die die Wärme ein Weilchen halten:


    Zum Anheizen wird ein größeres Feuer gezündet. Der Wind drückt die Flammen vor dem Steinhaufen in diesen hinein:


    Schön sauber ausgekratzt, damit es nicht mehr so stinkt:

    Da wo die Steine vorne um die Brennkammer so hell sind, haben sie fast geglüht. Jedenfalls waren sie so heiß, dass der Ruß weggebrannt wurde oder keine Chance hatte, sich abzusetzen.

    Diesmal funktioniert die Sauna perfekt. Wir drängeln uns maximal zu dritt rein und wechseln uns ab. Frische Birkenzweige auf der Haut ausgepeitscht ölen die Haut und sorgen für ein angenehmes Aroma. Diesmal bin ich der Letzte und will kaum aufhören. Ich glaube ich war insgesamt 5 mal drin.


    Und zwischendurch immer wieder im Baikal abgekühlt:


    Schöne Brandung. Nur der schwarze Holz(kohle)Grus ist ein wenig seltsam.


    Die Wellen sehen eigentlich gar nicht besonders wild aus, aber schaut mal auf die Größenverhältnisse:


    Wind-Fetch 250 - 400km.

    Das war es schon heute. Morgen möchte ich relativ früh auf die Heilige Nase wandern und packe abends bereits meinen Tagesrucksack.

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  • Spartaner
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    AW: [RU] Bargusin - Baikal 2018

    05. August 2018, Baikal, 4km

    Der heutige Morgen zeigt sich mit bedecktem Himmel und wieder einem ganz neuen Blick auf die Heilige Nase. Heute wollen wir uns noch ein Stück den Strand entlang nach Norden bewegen. Der Wind ist genauso stark wie gestern, aber ablandig und damit haben wir keinen Wellengang.





    Während des Frühstücks beobachten wir nebenan 2 Fischer, die Probleme mit ihrem Lada Niva haben. Telefonisch ordern sie ein Ersatzteil. Als wir zusammenpacken, kommen sie zu uns rüber und nutzen unser Lagerfeuer gleich für ihren Tee.

    Während wir abfahren, wollen sie uns zum Omul einladen, dem berühmten leckeren Speisefisch, den es nur hier im Baikal gibt (ähnlich unseren Maränen oder Renken). Das Problem ist nur, Roland ist bereits auf dem Wasser und hört uns nicht mehr. Sie meinen, es dauere nur 5 Minuten, aber ohne Roland zu benachrichtigen wollen wir uns jetzt nicht wieder ans Feuer setzen. Da geben sie uns die 4 Omule mit, schöne große fette Exemplare, die sie vor einer halben Stunde frisch aus dem See geangelt haben. Besten Dank dafür!



    Das Paddeln auf dem See ist heute unspektakulär. Man muss nur aufpassen, nicht auf den See hinausgeweht zu werden.







    Nach einer knappen Stunde landen wir bereits wieder an. Roland hat eine herrenlose Sauna gefunden, und möchte hier lagern. Weiter voraus sind etliche weitere Camper zu erkennen, und Roland fürchtet wohl, dort keinen guten Rastplatz mehr zu finden.

    Von hier sind es noch 3½km bis zur Heiligen Nase, auf die ich morgen oder übermorgen hinaufwandern möchte. Na gut, das Stück kann ich auch noch laufen.



    Hier haben wir eine Sitzgruppe, viel Platz für die Zelte, Wald für Feuerholz, sowie Bäume im richtigen Abstand für das Tarp, das heute wirklich gebraucht wird, denn es soll ab Nachmittag bis morgen Vormittag regnen:



    Nachmittags drehe ich eine 4km-Runde in Richtung Heilige Nase. Zunächst geht es auf der Piste nach Norden. Entlang des gesamten Streifens zwischen Ufer und Piste lagern Wildzeltler, meist in Familie. Aber ich staune nicht schlecht, als 750m von unserem Lager entfernt plötzlich ein richtiger Bezahlcampingplatz auftaucht. Links des Absperrbandes zeltet man wild, rechts davon zivilisiert.



    300m weiter ist die Administration des Platzes «Мягкая Карга» und daneben ein sehr kleiner Kiosk. Der Vater administriert, der Sohn betreibt den Kiosk. Immerhin, auch hier gibt es die wichtigsten Dinge wie Wodka, Bier, daneben Kekse, Schokolade und andere Kleinigkeiten.



    Ein Stellplatz oder Karree kostet 500₽/d (7€), wobei es dann unerheblich ist, wieviele Autos und Leute den Stellplatz belegen. Geboten werden überdachte Sitzgelegenheiten und Tische, Feuerstellen, Brennholz mal nicht im Baumstammformat, sondern Reste aus dem Sägewerk, und alle 100m wahre Nobeltoiletten.


    Ist das da oben der Schornstein für den Toilettenofen oder nur ein Luftabzug?

    Einen Kilometer zieht sich der Campingplatz, dahinter kann man wieder wild campen.



    Zurück laufe ich am Strand entlang. “Sommer 2018”:


    Heute ist kein so schönes Ausflugswetter und so heizen mehrere Leute ihre Saunen an. Hier ein Prachtexemplar eines burjatischen Saunaofens:



    Die Kinder kümmern sich ums Anheizen. Die kleinen Fachkräfte beteuern, es dauere nicht länger als 20 Minuten, bis die Sauna heiß genug sei. Wenn ich da an unsere stundenlangen Anheizorgien in Lappland oder vor 4 Tagen am Bargusin denke ….

    Die großen Steine stammen übrigens alle aus der Straßenbefestigung. Am aufgeschwemmten Sandstrand gäbe es ansonsten keinen einzigen Kiesel.

    Eine weitere Sauna besticht durch ihren Klappmechanismus:


    Zurück im Lager hat es bereits angefangen zu regnen. Nun geht es an die Omuln. Die Fische hat Dörte bereits Mittags entschuppt und ausgenommen:






    Diesmal verfeuern wir gleich zu Beginn größere Holzmengen, um ein ordentliches Glutbett zu bekommen. In der näheren Umgebung des Lagers ist kein Holz zu finden, alles abgegrast, und so muss ich tiefer im Wald Ausschau halten. Das ist, neben dem vielen Müll, der Nachteil solcher beliebten Rastplätze.
    Für den Müll hat die Nationalparkverwaltung in kurzen Abständen entlang des gesamten Weges große Müllcontainer aufgestellt, die auch regelmäßig geleert werden. Dennoch waren die 50m zu weit und unsere Vorgänger hier auf dem Platz haben wilde Müllgruben gleich neben den Sitzgelegenheiten gegraben.


    Die zarten, fetten Fische garen schnell. Am Ende schmecken sie sehr lecker.


    Schicke Jacke, nicht wahr? Die Farbgestaltung lässt eine sichere Altersbestimmung zu.

    Der Abend klingt aus mit weiterem Regen über der Heiligen Nase:
    Zuletzt geändert von Spartaner; 27.10.2018, 19:21.

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  • Spartaner
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    AW: [RU] Bargusin - Baikal 2018

    04. August 2018, Baikal, 10km

    In der zweiten Nachthälfte frischt der Wind auf, es regnet und die Brandung wird laut. Wir sind froh, die windgeschütze Ecke für das Zelt gewählt zu haben, obwohl das gestern Abend noch gar nicht nötig war.



    Auch am Morgen hält der Wind an und wir verlegen die Frühstücksecke unters Tarp hinter die Düne zwischen den Bäumen. Mir ist sofort klar, dass die beiden Damen bei diesem Wellengang nicht aufs Wasser wollen. So biete ich an, dass ich während der absehbaren Zwangspause zum Nationalparkbüro nach Ust-Bargusin fahre und die fehlenden Permits hole.

    ¾10 mache ich mich auf den Weg. Zunächst durchquere ich 1km Sumpf, der die alten Strandwälle heute bedeckt. Eigentlich habe ich auf dem Luftbild eine Schneise oder einen Pfad erkannt, aber vor Ort erkenne ich ihn immer nur bruchstückhaft und verliere ihn ständig (Map). An vielen Stellen ist er vollkommen zugewachsen. Der Wind ist im Hinterland fast weg, die Brandungsgeräusche verschwunden. Ohne meinen Wegweiser hätte ich mich hier wohl im Kreis gedreht

    Dann erreiche ich den breiten Schotterweg, der die Heilige Nase mit Ust-Bargusin verbindet, und versuche weiter zu trampen. Es sind gar nicht mal wenige Fahrzeuge unterwegs, aber alle sind vollbesetzte Urlauberautos, die mich beim besten Willen nicht mitnehmen können. So laufe ich erst mal die Straße entlang und komme an dieses schöne Ufer des Strandsees оз. Бормашевое. Am Ufer stehen Infotafeln, ein Kleinbus mit Touristen hält an. Der See 1.4km² groß, bis zum gegenüberliegenden Ufer sind es knapp 1½km.



    Kunst am Wegesrand:


    Nach 1¼km Laufen habe ich Glück und es stoppt dann doch mal ein alter Lada. Darin 2 Einheimische aus Bargusin mit ihrer Tochter. Der Platz auf der Rückbank ist mit Gepäck vollgestellt, dass zur Seite geräumt wird. Ich unterhalte mich mit ihnen, erfahre, dass die Einheimischen sich einen kostenlosen Erlaubnisschein für den Nationalpark holen können. Nach 3km kommt plötzlich eine bewachte Schranke in Sicht, hinter der in Gegenrichtung ein paar Fahrzeuge anstehen, das Nationalpark-Gate. Sollte man etwa hier bereits das Permit bekommen? Ich steige aus und schaue mich schnell um, ja hier geht das. Meine Autolenker-Familie war so nett, so lange zu warten, und ich sage ihnen bescheid, dass ich hier bereits umkehre. So spare ich mir weitere 8km bis Ust-Bargusin und dasselbe später zurück.



    Im Kassenhäuschen sitzen 2 kleine Studentinnen. Ich bezahle für 4 Mann mal 4 Tage je 100₽ und frage gleich an der Schranke an den wartenden Autos, ob ich mitfahren kann. Gleich der zweite ist wieder ein Einheimischer und hat ein Plätzchen frei.

    Diesmal lasse ich mich 7km bis zu der Stelle fahren, wo der Weg das erste mal ganz nah an den Strand kommt, etwa da, wo der Beobachtungsturm steht. Hier zelten etliche Leute, meist Familien mit Kindern. Wildzelten in den Dünen wird hier am schönsten Strand im Nationalpark offenbar toleriert.



    Nun noch 2km am Strand zurück in Richtung Süden, und ich bin wieder in unserem Lager.



    Russischer Camper beim Kleinmachen von Feuerholz:



    Beim Russen ist das ganz normal, keiner geht ohne seine Motorsäge aus dem Haus, und das ist auch richtig so, siehe zB hier. Wir kannten diese Angewohnheit 2014 noch nicht und waren erstaunt darüber, dass die Nationalparkverwaltung an den Rastplätzen im Yugid-Va-Nationalpark grundsätzlich ganze Baumstämme als Feuerholz bereitstellte (Bild).

    Die berühmten Baikalrobben sehen wir leider nur tot (oder als Plüschtier in den Souvenierkiosken):



    Einen separat gefundenen Kiefer nehme ich mit nach Hause.


    ¼12 bin ich wieder zurück im Lager. Das ging flotter als gedacht. Der Wind scheint etwas abzuflauen, und so bin ich mit Roland einig, man könnte heute eigentlich noch ein Stück weiterpaddeln. Nur die Damen sind ausgesprochen skeptisch.

    Ich weiß zwar auch noch nicht, wie wir bei der Brandung halbwegs trocken ins Boot kommen sollen, aber das macht ja gerade den Reiz aus, das mal zu probieren. Draußen auf dem See würde es sicherlich einfach zu paddeln sein, es sind nicht sehr viele Schaumkronen zu sehen.

    Roland macht sich fertig zur Abfahrt, er wird der erste sein:




    Unser Starschik steigt an Land ein, schließt die wasserdichte Spritzdecke und wird von 2 Helfern durch die Brandung ins Wasser gezerrt.





    Rolands erste Meter auf dem bewegten Wasser:


    Dörte bekommt von uns denselben Service. Doch die oder den letzten beißen die Hunde. Ich stehe sowieso schon nackt im Wasser, halte den Kahn in über knie- bis hüfttiefem Wasser fest, schon ein wenig weg von der stärksten Brandung, so dass Andrea einsteigen und ihre Spritzdecke schließen kann. Zum Schluss muss ich noch reinhüpfen, während Andrea bereits rauspaddelt. Klappt alles, und so können wir kurz vor 2 Uhr den anderen beiden hinterherpaddeln.





    Andrea, die mit einem sehr unguten Gefühl überhaupt mitgemacht hat, entspannt sich wieder, als sie merkt, dass alles nur halb so schlimm ist. Natürlich müssen wir jederzeit konzentriert sein und auf die nächste Welle achten. Wenn die dann unter einem durchrollen oder auch mal auf Deck klatschen, schwankt der Kahn ganz schön und würde ohne entsprechende Ausgleichs- und Stützbewegungen sicher auch schnell kentern. Wir halten 60 - 90m Abstand zum Ufer.

    Ich bin sehr froh, dass es nun doch noch ein wenig weitergeht, und genieße den Ritt auf den Wellen. Das habe ich schon lange nicht mehr gemacht, das letzte mal war 1976 unter Segeln im RZ85 auf dem Greifswalder Bodden.

    Auch heute könnte ich wieder bis Ultimo paddeln, aber das fällt natürlich aus. Der Wind lässt weiter nach, und ½5, nach 10km, landen wir wieder an. 8km wären es noch bis zur Heiligen Nase gewesen.

    Auch das ist wieder eine Aktion. Dörte, die es immer am ehesten an Land zieht, versucht es diesmal als erster. Sie fährt mit Schmackes den Sandstrand so weit wie möglich hoch und steigt schnell aus. Von hinten rollen die Brecher über das Heck, und ich kann mich gerade nicht erinnern, ob ihr da ein oder mehrere Ladungen Wasser über die Luke ins Boot schwappten. An Land zieht sie das vollgepackte Boot noch ein Stück höher, so dass es trocken liegt.

    Dann folgen wir. Wir springen kurz vor der Brandung aus dem Boot, ich halte es quer zum Ufer fest und gebe Andrea die Gepäckstücke raus. Den leeren Kahn können wir dann gut an Land ziehen.

    Zum Schluss landet Roland, der zuvor draußen auf Reede gewartet hat.

    Ihm helfen wir wieder mit vereinten Kräften an Land.



    650m südlich steht ein weiterer Beobachtungsturm. Den schaue ich mir jetzt mal von nahem an und klettere rauf. Von hier oben hat man eine herrliche Aussicht auf den Baikal und die jetzt in ihrer vollen Pracht daliegende Heilige Nase (1878müNN):


    Absolutes Traumwetter! Jetzt hätte ich da oben auf der Heiligen Nase stehen können.

    Dreht man sich um, blickt man über die Sümpfe und Seen im Hinterland, über den Чивыркуйский перешеек. Es ist so klar, dass man in Richtung NO in 50km Entfernung wieder mal die 2000er-Gipfel des Bargusin-Gebirges erkennen kann, und nach WSW geht der Blick 90km weit bis zur Insel Olchon.



    Die 2 Informationstafeln im Bild oben zeigen die wichtigsten Vogelarten, die hier anzutreffen sind (zum Lesen auf die Bilder klicken und Vollansicht wählen):





    Den Abend lassen wir auf der Couch ausklingen, die Geräte werden aufgeladen (das ging heute auf dem Wasser ausnahmsweise nicht), und gekocht wird natürlich auch.





    Die Sonne geht hinter der Heiligen Nase unter. Kurz vor Sonnenuntergang entsteht dieses Bild:


    In der Vergrößerung ist die Insel Olchon klar zu erkennen, genau über dem Heck des Allys. Diese Nacht wird es empfindlich kühl und wir verschwinden bald im Zelt.

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