[RE] La Réunion August 2017: Berge und Meer mit Zelt

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    • 05.08.2018
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    [RE] La Réunion August 2017: Berge und Meer mit Zelt

    Tourentyp
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    Mitreisende


    Hallo zusammen,

    es ist zwar "erst" ein Jahr her, aber früher haben wir es leider nicht geschafft euch von unserer La Réunion Reise zu berichten - bis heute waren wir ja auch nur "Mitleser". Beachtet also bitte, dass alle Infos Stand Sommer 2017 sind, und dass das Gedächtnis schon viele Details wieder vergessen hat oder sich nur ungenau erinnert. Fragen dürft ihr natürlich trotzdem immer und immer gerne
    Dank dem tollen und sehr ausführlichen Beitrag von Elbspitze, die wir in Cilaos getroffen haben, gab es ja zum Glück aktuelle Infos und ein sehr vollständiges Bild - gut für unser Gewissen ;)

    Wir waren insgesamt 7 Wochen auf der Insel, davon waren wir 3 Wochen zu Fuss mit Zelt unterwegs - die übrigen 4 Wochen "stationär" waren Praktikumszeit mit einzelnen Tagesausflügen. Weil die Insel nicht so riesig ist hatten wir nach den 7 Wochen auch das meiste gesehen.

    Eckdaten der Reise
    - 2 Studenten die beide fließend französisch sprechen (nicht zwingend nötig aber praktisch), aber dafür noch nie mit dem Zelt unterwegs waren (nicht zwingend nötig aber praktisch ;)
    - Mitte August bis Anfang September mit Zelt (3 Wochen), bis Ende September wg Praktikum "stationär behaust" an der Westküste
    - Normale Trekkingausrüstung (Zelt, TAR, warme KuFa Schlafsäcke, Primaloft Jacken, MSR-Gaskocher, Wasserfilter,...)

    Was ist La Réunion?
    1) Eine kleine schnuckelige Insel im indischen Ozean und ein Stückchen "Europa"
    (Hab bei meinem Handyanbieter nachgefragt: keine Roaming-Gebühren auf La Reunion, also Telefonieren und Surfen zu den gleichen Konditionen wie zu Hause in Österreich, gleiches gilt für Bankgeschäfte...
    2) Ein kleines Paradies für Wanderer (und auch mit Zelt zu empfehlen!)
    3) Eine bunte Mischung der Kulturen und Religionen

    Was ist La Réunion NICHT?
    1) Gefährlich: Es gibt weder ernsthaft gefährliche Krankheiten, noch ernsthaft gefährliche Tiere an Land (im Wasser wohl die Haie, aber wenn man sich richtig verhält sind Haiunfälle quasi ausgeschlossen) und die Kriminalität ist ebenfalls niedrig. Selbst die Absturzgefahr auf den Wanderwegen ist m.E sehr begrenzt.
    2) Einsam und Ruhig: Auf der Insel leben ca. 1 Million Menschen die an den Wochenenden und in ihrer Freizeit am liebsten Picknicks und Wanderungen oder Trailrunning machen. Auch in den "abgelegeneren Gebieten" trifft man zu beinahe allen Uhrzeiten regelmäßig Menschen. Manche Orte/Wanderungen sind dementsprechend voll bis überlaufen. Außerdem gibt es in den Cirques einen regen Helikopter-Verkehr.
    3) Bade- und Wassersport-Insel: Es gibt schöne Sandstrände und Lagunen an denen man Baden kann, wer aber den Fokus ganz klar aufs Meer legen möchte ist wahrscheinlich auf Mauritius o.ä. besser aufgehoben.

    Tipps vorweg

    - Karten: IGN Tour 35 und Rand 25 waren für uns voll ausreichend
    - Routen gibt es auf www.randopitons.re
    - Im Decathlon (gibt zwei, beide leider ohne eigenes Auto schlecht erreichbar!) gibt es MSR-Schraubkartuschen
    - Das Wetter auf La Reunion ist sehr lokal. Im Westen (St. Paul bis St. Pierre) ist das Wetter im Durchschnitt deutlich sonniger als im Osten
    - Für EU-Bürger reicht ein Personalausweis, nehmt aber trotzdem unbedingt euren Reisepass mit! Bei Flug-Umbuchungen oder Flug -Umleitungen etc. seid ihr dort unten ganz schnell nicht mehr in der EU!
    - Trampen ging sehr sehr gut auf La Réunion!
    - Die Car-jaune ("Langstrecken"-Busse) haben USB-Ladebuchsen fürs Handy
    - Mit den Wasservorräten muss man etwas planen! In den Cirques reicht häufig eine 1-Liter Flasche und ggf ein Filter. Rund um den Vulkan und in den höheren Regionen am Piton des Neiges kann es aber auch mal sein, dass man Wasser für einen ganzen Tag oder zwei Tage mitnehmen muss.
    - Unverhofft aber großartig: Als wir da waren gab es so viele Buckelwale wie selten! Definitiv ein überraschendes Highlight!

    Planung
    - Wenige Tage vor der Abreise haben wir eine Couchsurf-Möglichkeit bei einem äußerst gastfreundlichen Architekten in St. Denis gefunden - sonst wäre es schwierig bzw teuer geworden in St. Denis zu übernachten.
    - Wir hatten eine grobe Idee wo wir in die Cirques hineinwandern möchten: via "Canalisation des Orangers"
    - Sonst war exakt nichts geplant, und wir haben dann von Tag zu Tag und je nach Essensvorräten und Wettervorhersage entschieden wo es uns als nächstes hinzieht
    - Nur Ausrüstung und Flüge hatten wir länger im Voraus genau geplant

    1. Tag
    Ankunft am Flughafen und Abholung durch unseren Couchsurf-Gastgeber ("Manu") und seine Tochter. Die Zwei waren supernett und haben uns die sehenswerten Teile von St. Denis gezeigt (geht eher schnell ;) und uns auch gleich mit Mittagessen und Mittagspause versorgt. Manu geht selber gerne mit seinem Zelt in die Berge und war natürlich auch eine super Quelle für Informationen (wir hatten vorher noch etwas Sorge ob das mit Zelt wirklich machbar ist/toleriert wird, der letzte Reisebericht war ja schon einige Jahre älter). Abends machen wir noch einen kurzen Ausflug in eine Bar und lernen ein paar Festland-Franzosen im selbstgewählten Exil und natürlich auch den ein oder anderen Insulaner kennen.

    2. Tag
    Der Bäcker um die Ecke ("La Cardinale") hat wirklich leckere Sachen zum Frühstück im Angebot, sogar brauchbares Brot ;)
    Manu zeigt sich wieder unglaublich gastfreundlich und fährt er uns nach Ste-Suzanne in den Decathlon (da wären wir sonst nicht hingekommen!) damit wir Schraubkartuschen für unseren kleinen feuerspuckenden Drachen kaufen können.
    Nach einem kurzen Mittagessen zurück in St. Denis fährt uns nach St. Paul wo wir alles deponieren was wir in den nächsten drei Wochen mit Zelt nicht brauchen. Für diese riesen Gastfreundschaft ein großes Dankeschön an Manu! Ohne ihne wäre diese Reise niemals so unkompliziert gestartet!

    Im Super-U in St. Paul füllen wir unsere Rucksacke mit Essen für ca. drei Tage und Wasser für einen Tag. Am frühen Abend sitzen wir dann endlich im Bus nach Sans-Souci. Ich meine wir mussten bei "La Cisterne" aussteigen. Als wir dort ankommen ist es schon fast dunkel (es wird früh dunkel) und wir müssen eine halbe Stunde suchen bis wir den Wanderweg gefunden haben, der versteckt in einer Kurve abzweigt und nur mit einem kleinen gelben Strich auf dem Boden markiert ist. Wir waren uns in dem Moment nicht sicher ob es der richtige Weg ist, bzw ob es überhaupt ein Weg ist, aber wir haben die Stirnlampen aufgesetzt und sind einfach mal dem Weg bergauf gefolgt. Nach dem Passieren von ein paar Hütten und dem gelegentlichen Kreuzen eines Fahrweges für 4x4 Fahrzeuge folgen wir letzterem und beschließen in einer Biegung unser Zelt mit Meerblick aufzustellen. Wie weit der Beginn der "Canalisation des Orangers" (CdO) ist wissen wir nicht.
    Der Zeltplatz an sich ist super, es gibt kein fließend Wasser aber aus Vorsicht haben wir ja vorgesorgt. Noch am Abend und auch in den frühen Morgenstunden kommen viele Trailrunner an uns vorbei und es wird jedesmal hell im Zelt, aber es stört sich niemand an uns.
    Unser 1. Zeltplatz war ungefähr hier in einer der ausgedehnten flachen Rechts-Kurven sodass wir auch keine eventuellen 4x4-Fahrzeuge behindern.

    -> Bäcker "La Cardinale": Zu empfehlen, viele andere Bäcker sicherlich auch
    -> Couchsurfen: Sehr zu empfehlen
    -> Decathlon: Für Gaskartuschen unumgänglich

    3. Tag
    Aufstehen mit Meerblick ist großartig! (Hinter der Botanik erahnt man das Meer)



    Wir haben gut geschlafen und waren irgendwann nicht mehr beunruhigt wenn sich jemand dem Zelt genähert hat. Während wir vor dem Zelt frühstücken und Zähne putzen passieren uns die ersten Wanderer und viele Trailrunner sind auf dem Rückweg aus den Bergen (die sind wirklich immer unterwegs!).
    Nach kurzer Wanderung erreichen wir den Beginn des Nationalparks und den Beginn der CdO und werden gleich mit einem super Ausblick in den Cirque de Mafate belohnt:



    An der Canalisation können wir glücklicherweise auch gleich unsere Wasservorräte auffüllen und den Filter testen. Wie erwartet ist er eher langsam, aber dank zwei Löchern die wir in den Beutel "gelochert" haben können wir ihn irgendwohin hängen und in Ruhe warten. Und weil es dort gleich so viel Wasser gibt und die Sonne so schön scheint waschen wir gleich schonmal die Socken und ziehen das Ersatzpaar an.

    Wir wandern munter weiter und genießen die großartigen Ausblicke auf Mafate. Das Gehen fällt uns leicht weil es im Bereich der Canalisation absolut eben ist. Super für den ersten Tag!
    Und weil es so gut läuft sind wir am Nachmittag in "Ilet des Orangers". Der Ort bietet entgegen der Karte Zeltplätze gegen Bezahlung an, aber wir hören nervige Musik aus einer benachbarten Hütte, wollen lieber die paar Euro sparen und sowieso lieber wild zelten und beschließen drum noch etwas weiter zu gehen und den nächstbesten wilden Zeltplatz zu nehmen.
    Allerdings zeigt sich kein tauglicher Zeltplatz mehr... die Stimmung sinkt, es fängt natürlich auch noch an zu Regnen, langsam sind wir richtig KO und vor uns liegt eine Steigung. Einer der besonders leckeren Notfall Müsli-Riegel wird gleich am ersten Tag geopfert um den Unterzucker-bedingten Teil der schlechten Stimmung zu beheben und die anstehende Steigung etwas kleiner zu machen.
    Am Ende der kleinen Steigung erreichen wir "La Brèche", eine Kreuzung dreier Wege. Dort begrüßt uns "Vermisstensuch"-Schild eines jungen Franzosen der hier vor ein paar Wochen spurlos verschwunden ist. Das strapaziert die Nerven und weil wir ziemlich platt sind, es dunkel ist und stärker zu regnen beginnt ist an ein Weitergehen unserer kleinen Gruppe nicht zu denken. Der weitere Weg hätte eine kurze Passage mit etwas Absturzgefahr, normalerweise überhaupt nicht der Rede wert, aber in der aktuellen Verfassung eine größere mentale Hürde und nicht vorstellbar. Aus "Notwehr" bauen wir unser Zelt direkt auf der Wegkreuzung (2. Zeltplatz) auf. Alles andere als optimal, aber alternativlos!
    Zum Glück haben wir so ein kleines Zelt, die Abspannleinen müssen wir teilweise weglassen aber für die Nacht wird es gehen.

    -> Canalisation des Orangers: Sehr empfehlenswert
    -> Achtung! Nach Ilet des Oranger kommt bis La Roche kein tauglicher Zeltplatz mehr!


    Fortsetzung kommt bei Gelegenheit... hoffe es dauert nicht wieder 1 Jahr ;)
    Zuletzt geändert von Bergix; 05.08.2018, 14:35.

  • Bergix
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    #2
    AW: [RE] La Réunion August 2017: Berge und Meer mit Zelt

    4. Tag
    In der Nacht und am frühen Morgen werden wir wieder von vielen Trailrunnern passiert.
    Wieder starten wir mit einem grandiosen Ausblick in den Tag!

    Zum Glück haben wir ein kleines, selbststehendes Zelt:



    Morgenstimmung bei La Brèche mit Blick auf den Piton des Neiges (Höchster Punkt rechter Berg). Über den Col de Boeuf und Col de Fourche (beide direkt links neben dem Massiv des Piton des Neiges) schieben sich Wolken vom Cirque de Salazie in den Cirque de Mafate.



    Wir wandern weiter nach Roche Plate. Die kurze Stelle an der vor Absturzgefahr gewarnt wird erscheint heute so ungefährlich wie eine Fahrt mit dem Ausflugsschiff auf dem Bodensee und so erreichen wir zügig und glücklich Roche Plate. Es ist ein schönes buntes Dörfchen mit einer feinen Wasserstelle die uns sehr gelegen kommt und hätte auch den ein oder anderen (bezahlten) Camping geboten.

    Wir setzen unseren Weg in Richtung les trois Roches fort, kommen aber bald hinter dem Dorf in Nebel und feinen Regen. Der feine Regen ist bald gar nicht mehr fein und abgekühlt hat es auch. Kurz vor les trois Roches gibt es ein kleines "Café" und wir gönnen uns Crêpes und heiße Schokolade. Die Besitzerin freut sich ein paar Worte mit uns zu wechseln und versorgt uns mit Tipps für den Weiterweg weil wir noch unschlüssig sind ob wir weiter nach La Nouvelle oder nach Marla wollen. Sie empfiehlt uns den Weg nach Marla weil er schöner und abwechslungsreicher sei, la Nouvelle hingegen sei eine (Zitat) "Business-Metropole" - was wohl sehr relativ gemeint sein dürfte ;)



    Es regnet immernoch als wir am Nachmittag les trois Roches mit seinem Flüsschen erreichen. Der Fluss fällt hier in ein großes Loch, man sieht nicht viel von dem Wasserfall, aber er ist unüberhörbar. Um nicht den Fehler vom Vortag zu wiederholen und um uns etwas Pause zu gönnen bleiben wir hier für die Nacht. Außerdem gibt es in dem kleinen Wäldchen traumhafte Zeltplätze mit fließend Wasser vor der Tür

    Unser 3. Zeltplatz, im Hintergrund erahnt man den Fluss.


    Am frühen Abend reißt es dann wieder auf und es wird eine wunderschöne sternenklare Nacht. Wir frieren nicht aber sind froh, dass wir bei den Schlafsäcken großzügig waren.

    -> Café direkt vor trois Roches: Sehr empfehlenswert
    -> Zelten bei trois Roches: Sehr empfehlenswert, häufig mit Gesellschaft

    5. Tag
    Die Sonne weckt uns und wir nutzen die Gelegenheit am Fluss um uns selbst und unsere Wäsche zu waschen (alles natürlich auf umweltfreundliche Art und Weise). Unsere nassen Sachen von gestern hängen wir zum Trocknen auf und genießen den sonnigen Morgen.

    (Sorry das mit dem Drehen habe ich eine halbe Stunde lang probiert und hab es nicht geschnallt)


    Als die Sonne schon wieder stark vom Himmel brennt starten wir in nach Marla und der Weg ist tatsächlich sehr schön und abwechslungsreich.

    In Marla füllen wir unsere Lebensmittelvorräte auf, was mit einigem Aufwand verbunden ist weil viele der kleinen Läden zu haben und wir bestimmt eine Stunde auf und ab durchs Dorf laufen bis wir endlich versorgt sind. Im Dorf vernichten erstmal zwei große Sandwiches mit Schinken und Pommes ("französische Küche"). Die Gäste am Nebentisch sitzen mit etwas Gepäck da und schauen so aus wie wenn sie aufs Taxi warten würden... wenige Minuten später beim ersten wahrnehmbaren Rotorenlärm verlassen uns unsere Tischnachbarn in Richtung Helipad und entschweben dem Cirque de Mafate - die Taxis sind hier eben etwas anders ;)

    Nachdem erst früher Nachmittag ist setzen wir unseren Weg weiter fort. Eigentlich hätte uns der Lac de Kelval als Übernachtungsplatz gereizt, aber wir entscheiden uns dann doch für den Col des Boeufs und gegen die Sackgasse mit See.



    Solche kleinen Bachüberhüpfungen machen doch immer wieder Spaß



    Allerdings fängt es mal wieder an zu regnen sobald wir die Plaine des Tamarins erreicht haben. Dafür kommt zum Ersten Mal ein Gefühl von Abgeschiedenheit auf, und ein etwas unheimliches "Kunstwerkt" im Wald.



    Das Gefühl von Abgeschiedenheit verfliegt wieder sobald wir kurz vor dem Col ein paar erschöpfte Festland-Franzosen samt Führer überholen. Oben auf dem Col sind wir mitten in den Wolken. Es ist sehr windig, es regnet stark, und gefühlt hat es ein paar Grad über Null (die Realität war vielleicht etwas wärmer, aber sicher unter 10 Grad) und wir sind mal wieder ziemlich nass. In den Wolken ist es eh schon nicht besonders hell, aber in wenigen Minuten wird es ganz dunkel sein. (Wir haben grundsätzlich kein Problem mit Dunkelheit, aber in manchen Situationen ist sie nicht gerade hilfreich ;)
    Engagiert suchen wir nach einem möglichst geschützten Zeltplatz (es gibt nur ungeschützte nasse Zeltplätze oder die Straße) und denke schon dass wir diese Nacht unsere Schlafsäcke ausreizen werden.
    Der Führer der Gruppe fragt uns was wir planen und schaut sehr überrascht als er erfährt dass wir hier nicht mit dem Auto geparkt haben sondern einen Zeltplatz suchen. Er bietet uns an uns auf der Ladefläche seines Pick-Ups mit nach Grand-Ilet zu nehmen und uns dort eine Gite zu organisieren - und da wir sowieso noch keinen genauen Plan für den nächsten Tag haben nehmen wir das Angebot gerne an, denn was klar ist: der nächste Tag wird sicherlich schöner wenn man trocken ist.

    Wir übernachten in Grand-Ilet (Karte). Die Gite war vglw. günstig (15-20€ p Nase?) und inkl. Frühstück.

    -> Weg von trois Roches nach Marla: Empfehlenswert
    -> Durchnässt bei Sturm und einsetzender Dunkelheit am Col des Boeufs ankommen: Unangenehm

    6. Tag
    Das Frühstück haben wir restlos aufgegessen und dabei auch zum ersten Mal die wirklich leckeren Frucht-Marmeladen von La Reunion genossen. Banane, Mango, Ananas etc in allen Kombinationen schmeckt wirklich super lecker!

    Nach dem Frühstück beschlossen wir vom Petit Col nach Hellbourg laufen zu wollen und trampten wieder zurück von Grand-Ilet bis zum Petit Col, kurz vor dem Col des Boeufs.

    Ein nette Wanderung führt uns in den Cirque de Salazie.



    Hier wäre ein schöner Zeltplatz, aber es ist erst vormittags und wir wollen ja noch bis Hellbourg. (Der Platz kam 1770 und 1400 Metern überm Meer, genauer weiß ich es nicht mehr). Trotzdem machen wir eine kurze Pause und lassen den Wasserfilter arbeiten.



    Auf dem Bild erkennt man im Hintergrund bereits Hellbourg, es ist aber noch ein Stückchen zum Laufen.



    Das letzte Stück vor Hellbourg muss man auf der Asphalt-Straße laufen. Alles andere als schön. Es fährt zwar ein Bus, aber den haben wir verpasst und der nächste kommt erst in zwei Stunden. Auf dem Parkplatz treffen wir aber ein Touristen-Pärchen das uns sehr gerne bis Hellbourg mitnimmt. Trampen auf La Réunion funktioniert großartig!
    (Wir haben uns später mal an zwei Wochenenden ein Auto gemietet und natürlich auch bei jeder Gelegenheit Tramper mitgenommen)

    Hellbourg ist ein nettes Dörflein und wir schlafen auf dem Campingplatz etwas außerhalb (Position auf der Karte). Es gab zwar auch den ein oder anderen Kiosque (Picknickareal) mit ausreichend Platz, aber auf dem Camping fühlen wir uns wohler. Unsere Essensvorräte haben wir auch aufgefüllt, und auch die ein oder andere Postkarte geschrieben. Natürlich nicht fehlen durfte mal wieder der Regen am Nachmittag. Am späten Abend hat es netterweise kurz wieder aufgerissen sodass wir zumindest etwas von unserer Umgebung sehen konnten.



    -> Wanderung vom Petit Col nach Helbourg: Empfehlenswert, aber fanden wir nicht so schön wie in Mafate
    -> Camping bei Helbourg: Neutral, eher alternativlos außer man schläft an einem der Wanderparkplätze der Umgebung (z.B. dort wo es zum Trou de fer geht)

    7. Tag
    In der Nacht und am nächsten Morgen regnet es wieder großzügig. Wir nutzen ein Dach auf dem Campingplatz um das Zelt und die restlichen Sachen von gestern so gut es geht zu trocknen.



    Mittags schauen wir bei schönerem Wetter nochmal Hellbourg an und mit ein bisschen Sonne ist es auch gleich noch ein bisschen schöner.



    Aber es ist wieder schlechteres Wetter angesagt im Cirque de Salazie und um dem ganzen Regen und den ganzen Wolken zu entkommen wollen wir an die Küste. Wir fahren also mit dem Bus nach St. Benoit wo wir am Nachmittag ankommen. Am Rand des Städtchens gibt es zwar an sich traumhafte Plätze für ein Zelt, aber der Boden ist voller Scherben und es ist Samstag - wir fragen uns ob sich hier nicht heute Abend noch die Dorfjugend trifft und einigen uns auf etwas ruhigeres.



    Um einen schöneren Platz zu finden wollen wir Richtung Süden trampen und dort in einem der Picknickareale am Meer übernachten. Wir laufen gerade noch zur Hauptstraße als neben uns ein tiefergelegter 3er BMW mit Glatzkopf hält und uns fragt wo wir hinwollen. Wir sagen zunächst zur Hauptstraße, damit wir in den Süden trampen können, und er bietet uns an uns mitzunehmen. Wir diskutieren noch kurz wie vertrauenswürdig wir den Typen halten, als er uns anbietet und bis nach St. Philippe in den Süden zu fahren (ca. 1 Stunde mit dem Auto). Begründung: Jesus habe ihm das gerade aufgetragen und er würde sich freuen uns einen Gefallen zu tun. Wir beschließen, dass Yannis vollkommen harmlos ist und steigen ein.

    Über die Fahrt mit Yannis könnte man ein eigenes Kapitel schreiben, aber nur das wichtigste in Kürze:
    - wir fahren nach Süden, aber Yannis hält an vielen Stellen an weil er uns unbedingt etwas zeigen möchte! Auf die Art und Weise klappern wir noch die Sehenswürdigkeiten der Südostküste ab
    - sobald es dämmert fahren wir mit 30 km/h über die Landstraße weil Yannis im Dunkeln schlecht sieht mit seiner Sonnenbrille... die kann er aber nicht absetzen weil sie geschliffen ist und er einen starken Astigmatismus hat sodass er dann noch weniger sehen würde! (Dummerweise habe ich kurz vorher bei Helligkeit abgelehnt das Fahren zu übernehmen)
    - er rappt für uns (verbesserungswürdig aber leidenschaftlich) und singt für uns über Jesus, im Autoradio läuft Kirchenmusik und er schenkt uns ein Jesusbildchen und einen Rosenkranz zum Abschied
    - Eine halbe Stunde vor unserem Ziel St. Joseph fängt es mal wieder an zu schütten (nicht regnen sondern eher so tropischer Sturm mit viel Wasser in der Luft) woraufhin wir uns eine feste Behausung suchen um den nächsten Tag nicht mit Trocknen verbringen zu müssen
    - Kurzes Gruppenkuscheln zu dritt neben der Kirche die bei einem Vulkanausbruch von Lava umschlossen aber nicht zerstört wurde - weil es für ihn so ein emotionaler Moment ist

    Wir übernachten in St. Philippe (Karte) in einer Art B&B/Chambre d'hôtes. Wir sind uns aber ziemlich sicher dass es bei schönerem Wetter super Zeltplätze auf der Steilküste gegeben hätte.

    -> Trampen mit Yannis: Definitiv ein Erlebnis!
    -> Bei Sturm mit Starkregen (wir dachten die Palmen haut's um) drinnen schlafen: Fühlt sich richtig an (und unsere Sturmnacht im Zelt mit Rekordregen sollte noch kommen...)
    Zuletzt geändert von Bergix; 05.08.2018, 16:54.

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    • Bergix
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      • 05.08.2018
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      #3
      AW: [RE] La Réunion August 2017: Berge und Meer mit Zelt

      8. Tag
      Wir warten morgens ab bis es sich ausgeregnet hat, lassen unsere Sachen in der Unterkunft und laufen dann zum Jardin des parfums et epices wenige Kilometer westlich von St. Philippe.



      Die Führung lohnt sich durchaus und ist auch für Jüngere geeignet, allerdings sollte man unbedingt französisch können. Vorsicht, hier im Garten gibt es viele hungrige mutierte Stechmücken - sehr unangenehm! Zufälligerweise treffen wir ein französisches Pärchen wieder das mit uns bei Trois Roches gezeltet hat - die Insel ist eben nicht allzu groß

      Von der Landstraße aus trampen wir zurück zur Unterkunft um unsere Sachen zu holen. Auf der kurzen Strecke unterhalten wir uns sehr nett mit dem Fahrer und im Laufe des Gesprächs stellt sich heraus, dass wir zufällig beim Eigentümer des "Jardin des parfums et des epices" mitgefahren sind - netter Kerl.
      (Ich finde es empfiehlt sich im dort frische Vanille zu kaufen, aber Vorsicht die hält nicht lange! Hab meine später auf dem Markt gekauft weil ich sie dort schon mitschleppen wollte, und wollte sie zu Weihnachten meiner Mutter schenken - die Vanille war bis dahin aber eine der florierendsten Biokulturen die ich je gesehen habe)

      Nächste Station: Wir trampen nach St. Pierre. Ein Festland-Mayotte Pärchen das auf La Réunion im Urlaub ist nimmt uns mit. In St. Pierre geht es erstmal in den Waschsalon! Wir ziehen die Badehose an und schmeißen alles andere in die Waschmaschine und dann in den Trockner. Schön wieder sauber zu sein.
      Dann werden die Essensvorräte wieder aufgefüllt und wir wollen zu unserem auserkorenen Schlafplatz: Der Strand von Grande Anse. Problem ist nur, es fahren kaum noch Busse, zum Trampen müssten wir durch die ganze Stadt laufen um an einen guten Ausgangspunkt zu kommen und so wird es wieder einmal spät bis wir schlussendlich mit dem Bus an der entsprechenden Haltestelle aussteigen und noch einen guten Fussmarsch hinab zum Strand vor uns haben. Unten sind noch ein paar Leute am Feiern und wir suchen uns einen möglichst ruhigen Platz direkt am Meer:

      Aber es wird nicht wirklich ruhig, zuerst wegen den feiernden Menschen, dann wegen der Brandung (ich hab mir später Oropax reingetan, es war kein rauschendes Meer sondern eine donnernde Brandung!) und auch weil das Wasser immer höher stieg... und es manchmal so klang wie wenn die nächste Welle das Zelt wegspülen würde - ist aber nicht passiert und es waren auch noch ein paar Meter Platz

      (Die Fotos sind alle vom nächsten Morgen als die starke Brandung der Nacht weg war)



      -> Jardin des parfums et des epices (Karte): Empfehlenswert, Mückenschutz kann hilfreich sein, und Vanille mitbringen
      -> Waschsalon in St. Pierre: So wie jeder andere Waschsalon dort auch, man freut sich drüber aber bleibt nicht länger als nötig ;)
      -> Übernachten am Strand in Grande Anse: Nicht zu empfehlen. Vielleicht wenn man einen Tag erwischt an dem niemand am Feiern ist und das Meer eher ruhig, dann ist es bestimmt wunderschön.

      9. Tag
      Wirklich gut und viel geschlafen hatten wir nicht, aber dafür wissen wir jetzt, dass Zelten direkt am Strand nicht unbedingt beschaulich und romantisch ist. Das Wasser kam in der Nacht auch bei Flut nicht näher als bis zum Grünstreifen.



      Als nächstes wollten wir wieder in die Berge, und zwar nach Entre-Deux. Zum Trampen ist die Strecke denkbar ungeeignet und so wurde es eine längere Busfahrt mit umsteigen bis wir in dem beschaulichen Dörflein angekommen sind. Nach einer Pause bei der geschlossenen Touri-Info haben wir erstmal den örtlichen Feinkost-Bäcker gestürmt, das Dorf erkundet (nett, viele kreolische Häuser, aber hatten wir in Helbourg schon gesehen) und machten uns dann frühzeitig auf die Suche nach einem Campingplatz. Der günstigere Campingplatz hatte geschlossen, aber bei Isa war es viel schöner (dafür nicht ganz so günstig aber noch im Rahmen) und es gab Bananen so viel man wollte, und eine sehr nette Unterhaltung mit ihr.
      Ihr Campingplatz ist eigentlich ein traumhafter Garten in dem an manchen Stellen ein Plätzchen für ein Zelt freigelassen/freigesägt wurde. Einen herrlichen Ausblick auf die Umgebung gibt es dazu:



      Isa erzählt ihr Hauptgartenwerkzeug sei die Kettensäge. Der Boden und das Klima hier ist so fruchtbar dass alle nicht nur wachse sondern gleich wuchere! Die Palmen wachsen mindestens 1 Meter pro Jahr, sodass man nach 10 Jahren schon einen kleinen Dschungel mit über 10 Meter hohen Palmen haben kann. An den Bananenbäumen mit den kleinen feinen Bananen die bei uns als überteuerte Dessertbananen verkauft werden, dürfen wir uns selbst bedienen.

      Am Nachmittag machen wir noch eine kleine Wanderung zum Bras de la Plaine um uns ein wenig die Beine zu verteten.

      Isa's Campingplatz im Garten hieß "Entre 2 songes" und liegt hier (Karte)

      -> Bei Isa (camping "entre 2 songes") zelten: Sehr zu empfehlen, etwas teurer als die anderen Plätze und etwas abgelegener, würden wir aber jederzeit wieder machen. Gerade allen Botanik Freaks empfehlen wir einen Besuch bei Isa.

      10. Tag
      Mit dem Bus verlassen wir Entre-Deux schon wieder und wollen in Richtung Vulkan. In St. Pierre steigen wir um und in Bourg Murat steigen wir mittags aus. Weil das Wetter mal wieder eher nass und sehr kühl ist beschließen wir ins Vulkanmuseum zu gehen (durchaus empfehlenswert, sehr viele Animationen und definitiv auch für Kinder geeignet).

      Wir trampen nach Bois court um dort am Ende des Dorfes auf einem Picknickareal die Nacht zu verbringen. Weil das Wetter mal wieder nass ist bauen wir das Zelt unter einem der kleinen Dächer auf wo sonst Marktstände drunter stehen. Wiedereinmal sind wir froh ein kleines Zelt zu haben. (Karte)



      (Im Nachhinein wäre es eine Überlegung von Entre-Deux via Bras de la Plaine nach Bras de Pontho zu laufen und dann weiter zu trampen in Richtung Bourg Murat und Vulkanmuseum)
      (Oder sehr reizvoll aber auch sehr anstrengend muss eine Wanderung zum Dimitile sein. Dort oben Zelten und dann weiter via Bras Sec nach Cilaos stelle ich mir traumhaft vor - aber auch ziemlich anspruchsvoll. Nächstes Mal dann ;)

      -> Cité du volcan (=Vulkanmuseum): Durchaus Empfehlenswert, irgendwann ist man gesättigt mit Bildschirmen aber ich finde es durchaus gelungen. Außerdem ist es schlau sich vor dem Besuch des Vulkans die Geschichte und Hintergründe im Museum anzuschauen

      11. Tag
      Das Einschlafen ging nicht so gut weil in der Nacht am Rande des Areals ein paar Autos mit Insassen gehalten haben die man nicht aus den Augen verlieren möchte. Aber sobald auch die ins Bett mussten haben wir wunderbar geschlafen und Dank dem Marktstand über uns war am nächsten Tag auch alles trocken

      Das Tagesziel hieß: Vulkan! Er war die letzte Woche so aktiv gewesen, dass man Lavaströme sehen konnte. Wir hofften, dass dieses Schauspiel nochmal kommt. Nachteil an der Aktivität ist, dass der Krater gesperrt war, aber wir wollten so oder so zum Vulkan.

      Von unserem abgelegenen Schlafplatz ging es mit Bus und per Anhalter zurück zum Vulkanmuseum. Von dort sind wir solange auf der Straße in Richtung Vulkan gelaufen bis uns ein Pariser-Urlaubspärchen (der Standard-Reunion-Urlauber ist unserer Erfahrung nach ein [noch?] kinderloses Akademiker-Pärchen Anfang 30 mit Mietwagen - gut für uns!) mitgenommen hat. Sie haben uns gesagt, dass sie uns gerne mitnehmen, aber unterwegs an den Aussichtspunkten kurz halten möchten... kommt uns natürlich sehr entgegen wenn wir unterwegs gleich alles mitnehmen was es zu sehen gibt

      Tiefe Täler



      Plaine des sables



      Und oben am Parkplatz am Vulkan war mal wieder ein Schinken-Sandwich mit Käse und Pommes fällig
      Danach haben wir geschaut ob der Krater auch wirklich gesperrt ist: Ja ist er:



      und unsere Nachmittags-Tour geplant: Es sollte an eine Abbruchkante im Osten gehen (Cassé de la rivière de l'est: Karte) wo eine Schutzhütte steht (haben ja eh unser Zelt, aber zumindest ein Dach über dem Zelt ist bei dem Regen wie wir ihn hier schon erlebt haben eine willkommene Annehmlichkeit). Die Wanderung ist zu Beginn durchaus nett und abwechslungsreich durch einen Märchen-Wald. Der Weg ist morsch und man muss über den ein oder anderen umgestürzten Baum klettern oder drunter durch kriechen. Viele große Pfützen sollten umgangen oder durchhüpft werden. Das macht vor allem am Anfang noch Spaß, zieht sich aber irgendwann... und wenn man dann in der Ebene ist geht es ganz schon lange nicht-abwechslungsreich gerade aus. Zwischendurch kommt man ein einer Schäferhütte vorbei, das ist aber noch nicht die Schutzhütte an der Abbruchkante.

      Viel gesehen haben wir an dem Abend, zuerst aufgrund von Wolken, dann wegen Dunkelheit, leider nicht mehr. Aber wir hatten endlich einen abgelegenen Ort gefunden. Während der ganzen Wanderung haben wir niemanden getroffen und auch hier waren wir alleine. In der Schutzhütte (mit Müll und Feuerresten) haben wir unser Innenzelt aufgebaut und geschlafen (Karte).



      Achtung! Ich kann mich nicht an Wasserläufe erinnern. Wir haben Wasser für Hin- und Rückweg mitgenommen soweit ich weiß oder hatten Glück das unser Wasser gerade so gereicht hat - ich erinner mich nicht mehr genau aber am Ende ging es genau auf.

      -> Weg zum Vulkan: Sehr empfehlenswert
      -> Blick auf rauchenden Vulkan und Krater: Sehr empfehlenswert
      -> Wanderung zur Cassé de la rivière de l'Est: Neutral, würden wir nicht nochmal machen, und wenn dann als Rundwanderung über die Nez coupé de St. Rose, von dort gibt es nämlich einen Abstieg in die Ebene und damit wäre das ganze wesentlich abwechslungsreicher.

      12. Tag
      Am nächsten Morgen hatten wir gut geschlafen und wurden mit einem schönen Ausblick belohnt. Im Hintergrund erahnt man das Meer:



      Auf den Weg zurück hatten wir nicht wirklich Lust, v.a. weil ihn vom Vortag noch so lang und "ziehend" im Gedächtnis hatten. Immerhin hatten wir Sonne Landschaftlich durchaus schön, aber es zieht sich doch sehr:



      Im letzten Anstieg auf dem Rückweg sieht man dann auch wo man war:



      Zurück am Vulkan haben wir am Restaurant unsere Wasservorräte aufgefüllt und einen neuen Plan gemacht: Wir wollten zurück an die Ostküste, und zwar entlang des Vulkankraters und der "Nez coupé du Tremblet" und mit Übernachtung im "Abri du Tremblet".

      Wir wandern also bei hervorragendem Wetter nach tagelangem Regen entlang des Kraters und genießen die Vulkanlandschaft.



      und den rauchenden Vulkan (leider keine Lava mehr für uns)



      Sobald der Weg den Kraterrand verlässt wird er zunehmend matschiger, irgendwann extrem matschig und passend zur Gesamtsituation ziehen dichte Wolken auf. Uns kommt ein sehr erschöpfter Einzelkämpfer entgegen, ein Urlaubs-Franzose der seine Frau an der Küste gelassen hat und nur zum Übernachten zum Vulkan wollte. Er fragt uns wann den endlich der nächste geeignete Zeltplatz kommt (für ihn in ca. 30-45 Minuten, irgendwo hier neben einer Wetterstation wenn ich mich richtig erinnere!) und raten ihm den unbedingt zu nehmen, weil danach kommt lange keiner. Wir fragen ihn wie lange es denn noch bis zum Abri du Tremblet ist, und er sagt uns wir sollen 1,5 bis 2 Stunden rechnen, ich glaube ihm nicht ganz, weil anhand der Karte hätte ich 30-45 Minuten gerechnet... aber er sollte Recht behalten.

      Der Weg wird immer schlechter, die Absätze höher, die Matschpfützen tiefer und oft unumgänglich. Wir rutschen teils auf dem Hosenboden die hohen Absätze runter in die nächste Pfütze (die Schuhe waren längst mit Matsch vollgelaufen) und verstehen jetzt sehr gut warum unsere letzte Begegnung so erschöpft war. Auch wir waren bald nicht nur körperlich am Ende.
      Die Wolken wurden dichter, und bald würde es dunkel werden, aber es war noch lange keine Schutzhütte in Sicht. Notcampingplätze gab es auch keine und die Stimmung war mal wieder im Keller. Abermals musste einer der Notfallmüsliriegel herhalten...

      Gerade als es Nacht wurde und aus der hohen Luftfeuchtigkeit Regen wurde erreichten wir endlich die Weggabelung auf 1227hm wo die Schutzhütte stehen sollte... SOLLTE! Der Markierungspfosten (Karte) wies uns recht humorlos daraufhin, dass diese Gabelung nicht mehr "Schutzhütte Tremblet" sondern "Ehemalige Schutzhütte Tremblet" heißt!
      (Die Gehzeiten auf dem Wegweiser gelten nicht bei Regen)



      Den ehemaligen Platz konnte man sogar noch ausmachen, aber er war hoffnungslos überwuchert und nachdem wir keine Kettensäge dabei hatten war damit jede Chance auf ein ebenes Fleckchen Erde zum Übernachten gestorben. Aber wir waren ja Profis im "im Notfall auf dem Weg Zelten" und nachdem die Tränen durch den Überlebensreflex weggewischt waren ging es daran im drohenden Unwetter eine möglichst gute Behausung zu schaffen. In Rekordzeit haben wir das Zelt aufgebaut, die Hälfte unserer kleinen 2er Gruppe hat es auch sogleich bezogen (damit es nicht wegfliegt ;) und wohnlich eingerichtet. Die andere Hälfte hat im nahenden Unwetter noch schnell den kleinen Feuerdrachen angeworfen und Abendessen gemacht - im Unterzucker ist bekanntermaßen alles doppelt so schlimm, und es muss ja nicht schlimmer sein als nötig.

      Nachts kam dann der Regen in einer Stärke wie ich in meinem Leben noch nie erlebt habe! Im Nachhinhein haben wir herausgefunden, dass die Südostküste La Reunions Niederschlagsweltrekorde hält in puncto Niederschlag pro Zeit. Ziemlich genau so hat es sich für uns angefühlt! Wir haben kaum geschlafen sondern immer geschaut, dass das Zelt so trocken wie möglich bleibt. Während einer normal starken Starkregenphase (sozusagen einer Regenpause) ist einer von uns beiden raus und hat alle Leinen nochmal nachgespannt. Erst am nächsten Morgen hat der Regen nachgelassen. Aber die Außenhaut vom Zelt war dicht!

      Ich wollte das Video hochladen mit den Regengeräuschen weil es für mich nach wie vor absolut unglaublich klingt, ist aber leider zu groß... deswegen nur ein Bild von unserem Zeltplatz am nächsten Morgen (wir waren heilfroh, dass der Weg hier ausnahmsweise mal keine Matschpfütze mit meterhohen Absätzen ist):



      -> Wanderung entlang des Vulkankraters: Sehr empfehlenswert (muss nicht der ganze Krater sein, es ändert sich nicht soviel im Verlauf)! Achtung, auch hier gibt es wieder kein Wasser! Im Abstieg kommen nur Matschpfützen und erst sehr sehr spät vorm ehemaligen Abri Wasserläufe!
      -> Abstieg Richtung Küste via Nez Coupé du Tremblet: Absolut nicht empfehlenswert! Vielleicht in einer wirklichen Trockenphase, aber nicht nach Regen und schon gar nicht bei Regen!
      -> Abri du Tremblet: Existiert nicht mehr! Unser Notfall-Zeltplatz ist nicht ideal und wirklich nur für den Notfall
      -> Es kann sehr viel Wasser in sehr kurzer Zeit runterkommen: Definitiv ein Erlebnis!

      13. Tag
      Mal wieder nicht so gut geschlafen, und die große Befürchtung, dass der Weg so weitergeht wie bisher. Letzteres hat sich zum Glück nur teilweise erfüllt. Der Weg wurde zum Glück immer besser und besser, und plötzlich plumpsten wir aus der dichten Botanik auf die Landstraße und neben uns (Karte) stand folgender Wegweiser:



      Mit dem Abraten bei vergangenem oder aktiven Regen haben sie vollkommen recht! Wer dieses Abenteuer trotzdem möchte sollte die Wegzeiten verdoppeln (unser Einzelkämpfer war über 10 Stunden unterwegs und noch nicht mal am Nez Coupé du Tremblet).

      Nach der Tour waren wir definitiv urlaubsreif, also sind wir Schlammmonster in den nächsten Car jaune eingestiegen (Schlafen, Handy laden) und ab ans Meer auf einen wohlgeordneten Campingplatz (Karte) gefahren - zum Camping Etang Salé les Bains (Haltestelle "Avenue de L'Océan" für die Car Jaune) wo wir am späten Nachmittag angekommen sind.

      Nach dem Ausspülen unserer Sachen am Campingplatz (wir hatten 10 Meter Universal-Schnur = auch Wäscheleine dabei) und entsprechender Dekoration des Campings waren wir noch Essen (Sandwich mit Schinken, Pommes und mit Käse überbacken) das hatten wir uns verdient ;)

      Wie es in den nächsten Tagen weiterging muss ich erstmal noch nachschauen, bevor es hier noch eine Jules Verne Reise wird ;) Wir sind auf jeden Fall noch nach Cilaos und zum Piton des Neiges, und haben dann noch 3-4 Tage entspannten Strandurlaub mit Wale gucken, Schnorcheln etc. gemacht
      Zuletzt geändert von Bergix; 05.08.2018, 20:55.

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      • Gast20200707
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        • Meine Reisen

        #4
        AW: [RE] La Réunion August 2017: Berge und Meer mit Zelt

        Hallo Felix,

        es freut mich, dass Du Dich doch noch durchringen konntest, einen Bericht zu schreiben. Deine Aufmachung ist sehr informativ, kurz und bündig und mit netten Tipps. Der Bericht an sich liest sich sehr witzig, musste an einigen Stellen schmunzeln. Also fein weiter schreiben, bin gespannt auf Eure Piton des Neiges Besteigung. Da mussten wir immer an Euch denken als wir parallel bereits auf dem Weg zur Küste waren.

        LG Jens

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          #5
          AW: [RE] La Réunion August 2017: Berge und Meer mit Zelt

          Moin,


          sehr interessanter und informativer Bericht, schönen Dank!
          Würde mich natürlich auch interessieren, wie es weiter geht

          Grüße,
          Markus

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            #6
            AW: [RE] La Réunion August 2017: Berge und Meer mit Zelt

            Zitat von Bergix Beitrag anzeigen
            (Sorry das mit dem Drehen habe ich eine halbe Stunde lang probiert und hab es nicht geschnallt)
            Versuche es mal mit dem Bild hier:

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