[US] Alaska - Gates of the Artic. Die Rückkehr

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  • Mortias
    Fuchs
    • 10.06.2004
    • 1018

    • Meine Reisen

    [US] Alaska - Gates of the Artic. Die Rückkehr

    Tourentyp
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    Mitreisende
    Nachdem ich es wieder geschafft habe meine Schreibfaulheit zu überwinden folgt nun ein
    Bericht von meiner Alaska Tour vom letzten Sommer. Ob es mir diesmal wohl gelang es besser hinzubekommen als vor zwei Jahren? Angenehmes Lesen wünsche ich.




    Vorwort
    Vor zwei Jahren hatte ich mir einen langjährigen Traum erfüllt und das erste Mal eine Tour in Alaska unternommen. Voller Vorfreude stürzte ich mich in die Planungen und suchte mir eine schöne Route im Gates of the Arctic National Park der Brooks Range heraus. Das Ergebnis allerdings, wie einige wissen, war leider nicht ganz das was ich mir erhofft hatte. Pech, ungünstige Umstände, Fehler in der Planung und so einiges mehr führten dazu, dass die Tour weit hinter den Erwartungen zurückblieb. Die Konsequenz war, dass ich erstmal genug von Alaska hatte. Lange überlegt ich daher ob ich mir so etwas noch einmal antun sollte.

    Mit der Zeit allerdings änderte sich meine Einstellung hierzu. Gerade aufgrund des als Scheiterns empfundenen Gefühls wuchs in mir der Ehrgeiz es nochmal zu probieren. Der Gedanke „Das muss doch auch besser hinzubekommen sein“ spukte ständig in meinem Kopf herum. Und auch wenn meine erste Lektion in Alaska hart war, so habe ich doch auch vieles dabei gelernt. Es wäre doch schade gewesen, wenn ich diese Erfahrungen umsonst gemacht hätte und nicht konstruktiv zur Planung neuer Touren nutzen würde.

    So kam ich dann im April zu der endgültigen Entscheidung in die Brooks Range zurückzukehren. Ich buchte also meine Flüge und machte mich anschließend voller Vorfreude und Elan an die genaue Routenplanung.

    - - - Aktualisiert - - -

    Routenplanung
    Die Brooks Range ist eine Gebirgskette die sich entlang des 68. Breitengrades mit einer Ausdehnung von über 1000 km durch ganz Alaska erstreckt. Und lediglich eine Straße, der Dalton Highway, durchschneidet diese ansonsten von Menschenhand nahezu unberührte Wildnis (mit Ausnahme paar kleiner Iñupiat Dörfern). Sprich scheinbar unbegrenzte Möglichkeiten für spannende Wandertouren schienen sich mir aufzutun. Zumindest auf dem ersten Blick.

    Bei näherem Betrachten erschienen die unbegrenzten Möglichkeiten allerdings dann doch deutlich begrenzter. Und dies hing gerade eben mit dem Wildnis-Charakter der Gegend zusammen. Wegen fehlender Straßen ist das gängige Transportmittel in der Brooks Range das Buschflugzeug. Nur was macht man, wenn es nicht fliegt? Wenn z.B. wegen zu schlechten Wetters der Flieger nicht kommt und man daher zum Ende der Tour in der Wildnis gestrandet ist und nicht zurückkommt?

    Ich hatte im Vorfeld deswegen mal Gabriel a.k.a. Libertist dazu befragt. Er verfügt schließlich über jahrelange Alaska Erfahrung und kann hier sicherlich mit Fug und Recht als ausgewiesener Experte bezeichnet werden. Und er meinte, dass nach seiner Erfahrung durchaus ein Risiko von ca. 30% besteht, dass man nicht am verabredeten Tag abgeholt wird, sondern wetterbedingt ein oder sogar mehr Tage warten muss. Dieser Wert war mir persönlich zu hoch. Da ich einen recht straffen Zeitplan hatte, wollte ich ungerne zusätzlicher Puffertage zum Rumsitzen am Zielort einplanen, sondern diese lieber zum Wandern nutzen. Außerdem erschien mir das Ganze auch zu unentspannt. Was würde ich z.B. im worst case tun wenn es mehrere Tage Dauerregen gibt und ich auch meine Puffertage verbraucht habe und dadurch den Flieger nach Deutschland verpassen? Ne danke, das war mir doch etwas zu unsicher. Somit fiel diese Variante weg, wodurch feststand, dass der Endpunkt meiner Tour irgendwo am Dalton Highway sein sollte.

    Beim Start liebäugelte ich aber schon mit einem Fly-In via Buschpilot. Eine Verzögerung von ein oder zwei Tagen wäre hierbei zwar ärgerlich, aber nicht allzu kritisch, da so etwas mit etwas längeren Tagesetappen dann auch wieder rausgeholt werden kann. Eine Nachfrage bei Brooks Range Aviation für die Flugstrecke von Bettlers zum Chandler Lake ergab dann aber stolze 990 $. Das war mir dann doch etwas zu teuer, da ja auch schon der Transatlantikflug nicht ganz billig war. Somit schränkte sich meine Wahl auf die regulären Wright Air Flughäfen Anaktuvuk Pass, Coldfoot und Arctic Village ein.

    Eine wesentliche Lektion von vorletztem Jahr war allerdings, dass ich Waldgebiete möglichst meiden wollte. Dieses ganze Bushwhacking wollte ich mir einfach nicht nochmal antun. Von daher fiel ungefähr die gesamte Südhälfte der Brooks Range (wo zumindest die Täler in der Regel bewaldet sind) bei meiner Tourenplanung weg. Dies betraf daher auch Coldfoot und Arctic Village als möglichen Startpunkt. Blieb also nur noch Anaktuvuk Pass übrig. Einfaches Ausschluss Prinzip.

    Der Rest war dann Feinarbeit, Karten studieren und Rumprobieren bei Google Earth, bis ich am Ende eine, wie ich hoffte, schön abwechslungsreiche und gleichzeitig aber auch gut machbare Route zusammengestellt hatte. Ich möchte der Vollständigkeit halber natürlich darauf hinweisen, dass meine ursprünglich geplante Route teilweise etwas anders verlief als
    meine dann tatsächlich gelaufene Tour
    . Dies ist in solchen Wildnisgebieten nicht ganz ungewöhnlich. Und hierauf werde ich im Folgenden natürlich auch eingehen.
    Zuletzt geändert von Mortias; 06.03.2018, 23:38. Grund: Geo-Tag vergessen gehabt

  • Mortias
    Fuchs
    • 10.06.2004
    • 1018

    • Meine Reisen

    #2
    AW: [US] Alaska - Gates of the Artic. Die Rückkehr

    Tag 1 (30.07.)
    Wie vor zwei Jahren ging der Flug von München über Frankfurt nach Anchorage und von dort dann nach Fairbanks. Und wieder konnte ich beim Überflug von Grönland eine faszinierende karge bergige Eiswüste bestaunen die sich tausende Kilometer unter mir austreckte. Interessanterweise ging der Flug etwas südlicher als letztes Mal (wo es am Nordzipfel Grönlands entlang ging) so dass auch gleich für Abwechslung gesorgt war. Wäre ja auch wirklich nicht zumutbar gewesen, wenn ich dieselbe Eiswüste wie vor zwei Jahren nochmal hätte betrachten müssen.


    Grönland


    Schon ne geile Landschaft da unten...


    ...mit viel Schnee und Eis.

    Über Alaska herrschte dann ein Mix aus Sonne und Wolken vor, der aber immer wieder Einblicke auf die Natur preisgab und so zur Steigerung der Vorfreude beitrug. Majestätisch auch der Anblick auf den Denali, dessen Gipfel sich aus den Wolken schälte und der wie ein König die Bergwelt Alaskas dominierte.


    Überflug von Fairbanks


    Denali

    Die Einreiseformalien in Anchorage gingen dann problemlos vonstatten und ich hatte noch ein paar Stunden Zeit bis zum Weiterflug nach Fairbanks. Nach Ortszeit war es jetzt 15 Uhr. Aber ich spürte jetzt doch die 10 Stunden Zeitunterschied kombiniert mit der generellen Müdigkeit nach solch langen Reisen. Glücklicherweise gab es am Flughafen Energy Drinks käuflich zu erwerben, so dass die Wartezeit etwas erträglicher wurde.


    Anflug nach Anchorage. Zeitweise entsteht das Gefühl, dass das Flugzeug im Wasser landen will.


    Ein beeindruckender Kollege. Ob ich so einen wohl gerne mal in freier Wildbahn begegnen möchte? Hmmm...

    Bei meiner Ankunft in Fairbanks, gegen 18.30 Uhr, sah ich mich dann nach einem Taxi um. Ich wusste ja jetzt, dass am Sonntagnachmittag keine Busse in die Innenstadt fahren. Während ich noch nach einem Taxi suchte, wurde ich von einer Passagierin meines Fluges auf Deutsch angesprochen ob sie mich irgendwohin mitnehmen könne. Sie selbst kam ursprünglich aus Würzburg und ist mit einem US Soldaten verheiratet, der halt grad in Fairbanks stationiert ist. Da sie fand, dass ich etwas hilflos ausgeschaut habe (was sicherlich auch daran lag, dass ich kein Taxi gesehen habe) hatte sie gedacht fragt sie einfach mal nach ob sie helfen kann. Leicht überrascht nahm ich dann deren Angebot dankend an und ließ mich zum 9th Ave Hostel fahren, wo ich die nächsten beiden Nächte unterkommen würde.


    Beim Anflug auf Fairbanks. Ziemlich viel Wald und Sumpf. Zum Wandern sicherlich nicht ganz so gut geeignet.

    Das 9th Ave Hostel war jetzt ja auch kein unbekannter Ort mehr für mich. Bereits letztes Mal habe ich hier bei meiner An-und Abreise übernachtet. Und da mir die Location gut gefallen hat, musste ich auch dieses Mal nicht lange überlegen bei der Suche einer Unterkunft. Wer eine picobello saubere Unterkunft mit hohem Übernachtungsstandard sucht, wird in Fairbanks sicherlich anderweitig besser fündig. Wer es allerdings gerne etwas einfach mag, kombiniert mit einer gemütlichen WG Atmosphäre und der Möglichkeit leicht mit anderen Leuten in Kontakt zu kommen, dem kann ich den Laden nur empfehlen. Ich zähle mich definitiv zur zweiten Kategorie.


    9th Ave Hostel. Von außen sieht es ja nicht unbedingt so aus, wie man sich in Deutschland typischerweise ne Jugendherberge vorstellt.

    Nach meiner Ankunft dort aß ich noch eine Kleinigkeit, und legte mich dann am frühen Abend pennen. Etwas müde war ich ja schon...

    Kommentar


    • Mortias
      Fuchs
      • 10.06.2004
      • 1018

      • Meine Reisen

      #3
      AW: [US] Alaska - Gates of the Artic. Die Rückkehr

      Tag 2 (31.07.)
      So ganz schien ich den Jetlag noch nicht ausgeschlafen zu haben, aber trotzdem fühlte ich mich jetzt einigermaßen fit und erholt. Für heute stand Shopping auf dem Programm. Da es für die USA ja recht strenge Regeln für die Einfuhr von Lebensmitteln gibt (kein Obst, Brot, Fleisch etc.) musste ich etwa die Hälfte meines Proviants in Fairbanks kaufen. Jetzt hatte ich ne gute Möglichkeit zu prüfen was ich so vom letzten Mal gelernt habe. Da ich ja ungefähr wusste was im Safeway und beim REI an Essen angeboten wird (diese Läden wollte ich anpeilen), konnte ich mir diesmal im Voraus eine ganz gute Planung für den Einkauf machen. Letztes Mal war es ja eher ein Trial and Error Herumprobieren gewesen mit dem Ergebnis, dass ich dann pro Tag definitiv zu wenig Essen dabei hatte. Das wollte ich diesmal natürlich gerne vermeiden.

      Fürs Mittagessen kaufte ich beim Safeway daher Beef Jerky, Trockenwürste, Müsliriegel und Trockenobst ein. Wobei ich mich im Nachhinein gefragt habe, warum ich, abgesehen vom Beef Jerky und der Würste, den Rest nicht bereits in Deutschland eingekauft habe. Die Einfuhr wäre legal gewesen. Und da Fairbanks leider schweineteuer ist, hätte ich so einiges an Geld sparen können. Tja, und wieder also eine neue Lektion gelernt...


      Fairbanks


      Ganz schön weit hier zu den anderen großen Städten auf dieser Welt.

      Beim REI besorgte ich mir dann mein Bärenspray, Campinggas und fürs Abendbrot Trekking Meals. Und außerdem noch eine Bärentonne. Das mit den Bärentonnen war ja auch so ne Geschichte letztes Mal. Vier Stück hatte ich von den Dingern mitgehabt. Und jede wog 1,2 kg und war ja zudem recht sperrig. Hier musste ich also definitiv nachbessern. Ich entschied mich daher dafür den bereits relativ geruchsneutralen Teil meines Essens (also die fertig verpackte Trekkingnahrung und die Müsliriegel) in sogenannte Loksaks zu packen. Hierbei handelt es sich um (offiziell angeblich) geruchsdichte Zip-Tüten, die verhindern, dass ein Bär das dort verpackte Essen überhaupt erst wahrnimmt (zumindest in der Theorie). BigKahuna hatte mir bei meinem letzten Alaska Bericht den Tipp hierfür gegeben. An der Stelle sie nochmal mein herzlicher Dank hierfür ausgerichtet.

      Für die nicht ganz so geruchsarmen Lebensmittel (wie Trockenobst, Müsli, Beef-Jerky etc.) würden dann zwei Bärentonnen ausreichen. Wobei ich festgestellt habe, dass die durchsichtigen Bärentonnen vom Typ BearVault etwas größer und gleichzeitig leichter sind als die schwarzen Garcia Bärentonnen (die ich mir letztes Mal im Alaska Public Lands Information Center ausgeliehen habe). Somit entschied ich mich wenigstens eine so ne BearVault Tonne selbst zu kaufen und dann halt die zweite Tonne wieder auszuleihen.


      Die REI Märkte scheinen so ein bisschen die amerikanische Variante vom Globetrotter zu sein.

      Nachdem die Einkäufe erledigt waren ging ich zum Alaska Public Lands Information Center. Dort habe ich dann erstmal meine Tour offiziell angemeldet und eine kleine obligatorische Backcountry Unterweisung bekommen. Dies ist für den Gates of the Arctic National Park zwar nicht zwingend vorgeschrieben (zumindest kontrolliert es keiner), aber durchaus aus Sicherheitsgründen sehr zu empfehlen. Lustigerweise konnte sich die Rangerin sogar noch an mich erinnern. Damit hatte ich jetzt nicht gerechnet. Anscheinend kommen hier nicht allzu viele Deutsche vorbei die dann alleine durch die Brooks Range laufen. Zu meiner Freude gab es hier außerdem auch die guten BearVault Tonnen zum Ausleihen, so dass ich jetzt sogar zwei davon hatte und folglich optimal ausgestattet war.


      Im Alaska Public Lands Information Center


      Schöne Kunst hatten die hier.


      Das Bild hier würde ich mir am liebsten sofort in meine Wohnung hängen.

      Zurück im Hostel machte ich mich dann ans Verpacken der Lebensmittel. Zu meiner Freude stellte ich fest, dass alles problemlos in die Bärentonnen und Loksaks passte. Die Waage im Badezimmer sagte mir dann, dass mein fertig gepackter Rucksack ca. 34,5 kg wog. Das war zwar immer noch recht sportlich, aber dennoch eine deutliche Verbesserung zum vorletzten Jahr, wo ich mit 39 kg gestartet bin. Damals war ich zwar 3 Tage länger unterwegs gewesen, hatte dafür aber pro Tag weniger Proviant dabei gehabt. Vermutlich hatte ich jetzt sogar insgesamt auch mehr Essen dabei als damals. Und trotzdem war mein Rucksack signifikant leichter. Mein Optimismus wuchs. Ich war guter Dinge, dass es diesmal deutlich besser werden würde. Während vor zwei Jahre vieles bei der Organisation neu und ungewiss für mich war, empfand ich es nun als vertraut und ich fühlte mich daher deutlich besser vorbereitet. Das waren definitiv gute Startvoraussetzungen. Lediglich der Wetterbericht hat mir nicht ganz so viel Freude bereitet. Für die nächsten Tage waren eigentlich nur Wolken und Regen angesagt. Aber sowas kann sich zum Glück auch schnell wieder ändern. Und selbst wenn, am Wetter hätte ich eh nichts ändern können.


      Proviant für 15 Tage. Schön bärensicher verpackt.


      Im Garten vom 9th Ave Hostel. Hier hab ich dann abends noch mit zwei weiteren Gästen ein paar Bierchen getrunken.

      Kommentar


      • Mortias
        Fuchs
        • 10.06.2004
        • 1018

        • Meine Reisen

        #4
        AW: [US] Alaska - Gates of the Artic. Die Rückkehr

        Tag 3 (01.08.)
        Heute sollte es also nun also endlich losgehen mit der Wanderung. Für 13 Uhr war mein Wright Air Flug nach Anaktuvuk Pass angesetzt. Um halb 12 nahm ich daher ein Taxi und lies mich zum Flughafen bringen. Dort checkte ich dann meinen Rucksack ein. Ich wurde gefragt ob ich Bärenspray und Campinggas dabei hatte. Während das Bärenspray in einen separaten Container gepackt wurde, schien meine MSR Gaskartusche die Dame vom Schalter nicht zu erfreuen. Gestern beim REI hatte ich extra einen Verkäufer gefragt, ob die Kartuschen von MSR für die Wright Air Flüge kompatibel sein, was er mir auch versichert hat. Davon wollte die Frau aber leider nichts wissen und zeigte mir eine Liste mit kompatiblen Kartuschen (auf denen meine leider nicht drauf war). Nun, ohne Gas wäre es ziemlich blöd mit dem Kochen in der Wildnis. Und ob ich in Anaktuvuk Pass noch Gas kaufen könnte, konnte sie mir nicht sagen.


        Wright Air

        Echt blöde Situation jetzt. Mehrmals verwies ich auf den Verkäufer bei REI und fragte wo denn genau das Problem bei dieser Kartusche läge. Daraufhin hat sie kurz mit nem anderen älteren Kollegen ein paar Worte gewechselt. Dieser meinte dann ich solle zu ihm rüberkommen und hat mich in den Gepäckraum zu meinem Rucksack geführt. Dort nahm er dann die Kartusche und fragte augenzwinkernd „Where do you want to have it?“ Überrascht zeigte ich auf meine linke Seitentasche, woraufhin er die Kartusche dezent dort verschwinden ließ. Interessante Vorgehensweise. In wieweit das jetzt offiziell und mit allen abgesprochen war, weiß ich nicht. Ich wäre aber auch schön blöd gewesen diesbezüglich nochmal nachzufragen. Ich war einfach nur froh, dass ich die Sorge mit dem Gas los war. Ich kann daher nur raten bereits im Voraus mit Wright Air Kontakt aufzunehmen und das zu klären. Nochmal möchte ich mich nicht darauf verlassen, dass mir ein netter Mitarbeiter den Arsch (bzw. das Gas) rettet.

        Relativ pünktlich flog die kleine Propellermaschine dann los. Schnell ließen wir Fairbanks hinter uns und überflogen eine schier endlose waldige Hügellandschaft. Zu sehen gab es aber nicht viel. Hauptsächlich nur Wolken. Vor zwei Jahren (sowie bei meinen bisherigen Anflügen nach Lappland) ging es mir stets ähnlich. Ich weiß ja immer nicht ob ich das schade oder angemessen finden soll. Natürlich ist es unheimlich spektakulär vom Flugzeug aus die Landschaft bewundern zu können. Nur andererseits kommt es mir auch immer ein bisschen wie mogeln vor. Immerhin will ich mir die Landschaft und die Ausblicke ja erwandern und nicht einfach im Flugzeug serviert bekommen.


        Yukon River


        Im Flieger


        Beim Überflug der Brooks Range

        Beim Landeanflug auf Anaktuvuk Pass war die Wolkendecke dann nicht ganz so niedrig und das Flugzeug ging sicher in dem breiten Tal hinunter. Ich stieg aus, bekam meine Sachen ausgehändigt und stand dann alleine und verlassen neben der Landebahn. Die Luft war kühl und es wehte eine zünftige Brise, aber immerhin war es trocken. Ich warf noch einen kurzen Blick auf die Karte und dann konnte es auch losgehen. Meine Rückkehr in die Brooks Range ist nun also Wirklichkeit geworden. Und ich hatte echt Lust es anzugehen.


        Anaktuvuk Pass voraus


        Auf geht's.

        Wobei, bevor es richtig losgehen konnte, musste ich zuerst noch durch den Ort durch um die Landebahn zu umgehen, die mir buchstäblich den Weg nach Osten versperrte. Ein paar Einwohner grüßten mich sogar und haben mich auf meine Tour angesprochen. Den Reaktionen zu Folge klang es so als ob sie nicht allzu häufig Wanderer antrafen. Am Südende der Landebahn durchquerte ich dann den John River und sah gleich erstmal eine Elchkuh mit zwei Kälbern. Na das war doch mal ein würdiger Start.


        John River


        Elchkuh mit Kalb


        Korrektur: Elchkuh mit Kälbern

        Ich lief nun in süd-östlicher Richtung das Tal vom Inukpasugruk Creek hinauf. Der Boden bestand fast ausnahmslos aus Gräsern und paar kleinen Sträuchern. Von Bäumen war nichts zu sehen. Aber genau das wollte ich ja auch. Ich war glücklich endlich durch die Tundra Nordalaskas laufen zu können. Und der Boden war auch gar nicht so weich und sumpfig wie ich befürchtet hatte. Und sogar die Sicht auf die Berge war trotz Wolken besser als anfangs befürchtet. Na das ging doch mal echt mal gut los hier.


        Tundra voraus


        Sogar Moltebeeren gab es hier.


        Rechts von mir fließt der Inukpasugruk Creek gemächlich durchs Tal.


        Blick zurück nach Anaktuvuk Pass

        Nach ein paar Kilometern kam ich an einen kleinen Bach, dem ich jetzt zwecks eines geplanten Anstiegs zum ersten Pass folgen wollte. In den Büschen sah ich da plötzlich etwas Undefiniertes mit einem braunen Farbton. War das ein Bär? Ganz sicher war ich nicht. Etwas mulmig war mir ja schon. Zwar hatte ich vor zwei Jahren schon Bären gesehen (auch aus nächster Nähe) und ich rechnete auch diesmal wieder mit Bärenbegegnungen, nur irgendwie kam das dann doch unerwartet. Ich war schließlich grad erst dabei, mich wieder in die Wildnis einzufinden. In sicherer Entfernung beobachtete ich den Busch ne Zeit lang und rief auch mehrmals laut. Aber nichts tat sich. Die bräunliche Stelle blieb wo sie war. So entschied ich, dass es sich wohl nur um verfärbte Blätter, einen Stein, einen Erdhaufen oder sonst etwas anderes gehandelt haben müsse. Aber halt kein Bär. Trotzdem wollte ich jetzt nicht unnötig näher rangehen. Natürlich nur, weil die Stelle in der falschen Richtung lag. Ein Fernglas wäre hierbei zur endgültigen Klärung sicherlich hilfreich gewesen.


        Was man doch so alles auf dem ersten Blick für nen Bären halten kann...

        Ich lief noch ein wenig das Tal hinauf und stellte dann gegen 19 Uhr mein Zelt auf. Das war doch mal ein guter Auftakt. Klar, das Wetter war mäßig (es kamen sogar ein paar lokale Schauer runter) und auch der Rucksack hat an den üblichen Stellen gedrückt (das ist ganz normal bei solchen Touren). Aber trotzdem fühlte ich mich gut und war mit dem Beginn meiner Tour sehr zufrieden. Es war nicht wie vor zwei Jahren, wo es irgendwie gleich schon zu Beginn so beschwerlich losgegangen ist und ich das Gefühl hatte, dass da einfach der Wurm drin war. Diesmal verlief es so wie ich es von früheren Lapplandtouren gewohnt war. Zwar anstrengend, aber auch ordentlich. Und mit schönen Landschaftsausblicken. Der einzige Unterschied war eigentlich nur, dass der Rucksack ein wenig schwerer war und ich mein Essen außerhalb des Zeltes verstauen musste. Ich denke daran würde ich mich gewöhnen können. Somit blickte ich sehr zuversichtlich dem weiteren Tourenverlauf entgegen.


        Wechselspiel aus Sonne und Regen


        Bei Sonne sah die Landschaft richtig schick aus.


        Erster Zeltplatz auf dieser Tour

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        • Blahake

          Dauerbesucher
          • 18.06.2014
          • 856

          • Meine Reisen

          #5
          AW: [US] Alaska - Gates of the Artic. Die Rückkehr

          Oh fein, oh fein, es geht los!

          Kommentar


          • rumpelstil
            Fuchs
            • 12.05.2013
            • 2322

            • Meine Reisen

            #6
            AW: [US] Alaska - Gates of the Artic. Die Rückkehr

            Danke dass du wieder schreibst! Ich erinnere mich gut an deinen ersten Bericht, vor allem an die Grasbüschellandschaft, in der es so mühsam zu gehen war. Und doch viele schöne Momente dabei.
            Ich bin gespannt und lese gerne mit!

            Kommentar


            • atlinblau
              Alter Hase
              • 10.06.2007
              • 2799

              • Meine Reisen

              #7
              AW: [US] Alaska - Gates of the Artic. Die Rückkehr

              Bild "Yukon von oben"...
              vor 20 Jahren unten lang gepaddelt, wassergewandert...

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              • urmeli
                Erfahren
                • 07.06.2015
                • 146

                • Meine Reisen

                #8
                AW: [US] Alaska - Gates of the Artic. Die Rückkehr

                Sehr schön, ein weiterer Bericht von Dir. Der erste Alaska-Bericht war mir bekannt und nachdem ich die vergangenen Abende mit deinem Pieskehaure-Kvikkjokk-Bericht verbracht habe, bin ich froh, dass es nun neues Material gibt.

                Was für eine Regenjacke trägst Du auf dem Foto am Flughafen?

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                • attue
                  Erfahren
                  • 10.01.2010
                  • 250

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: [US] Alaska - Gates of the Artic. Die Rückkehr

                  Zitat von urmeli Beitrag anzeigen
                  Was für eine Regenjacke trägst Du auf dem Foto am Flughafen?
                  Ich tippe auf eine Norrona trollveggen.

                  Lg

                  Kommentar


                  • urmeli
                    Erfahren
                    • 07.06.2015
                    • 146

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: [US] Alaska - Gates of the Artic. Die Rückkehr

                    Danke!


                    OT:
                    Und ich habe gerade mal im Archiv gekramt: In Fairbanks scheint sich seit 2003 an dem Ort nicht viel getan zu haben.

                    Kommentar


                    • Mortias
                      Fuchs
                      • 10.06.2004
                      • 1018

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: [US] Alaska - Gates of the Artic. Die Rückkehr

                      Danke für die vielen netten Kommentare. Mir ist übrigens grad aufgefallen, dass ich meinen letzten Alaska Bericht auf den Tag genau vor zwei Jahren begonnen habe. Lustiger Zufall.

                      Zitat von urmeli Beitrag anzeigen
                      Was für eine Regenjacke trägst Du auf dem Foto am Flughafen?
                      Das ist eine Arc'teryx Alpha AR. Angenehm leicht und hat auch bei Regen ganz gute Dienste geleistet. Nur ungewohnt, dass der Reißverschluss spiegelverkehrt angebracht ist (weil kanadisches Fabrikat).

                      Kommentar


                      • berniehh
                        Fuchs
                        • 31.01.2011
                        • 1782

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: [US] Alaska - Gates of the Artic. Die Rückkehr

                        Toll, jetzt fängt dein Bericht endlich an,.......wir haben ja auch lange genug darauf gewartet

                        Die Landschaft sieht richtig gut aus,........hat teilweise etwas Ähnlichkeit mit Lappland.

                        Habe aber nicht ganz verstanden ob der Flug zum Anaktuvuk Pass nun eine reguläre Linien-Verbindung ist oder ein Charterflug?
                        War der deutlich preisgünstiger wie die regulären Charterflüge?

                        Grönland sieht aus der Luft ja auch ziemlich geil aus

                        bis schon gespannt wie es weitergeht.....
                        www.trekking.magix.net

                        Kommentar


                        • Mortias
                          Fuchs
                          • 10.06.2004
                          • 1018

                          • Meine Reisen

                          #13
                          AW: [US] Alaska - Gates of the Artic. Die Rückkehr

                          Zitat von berniehh Beitrag anzeigen
                          Die Landschaft sieht richtig gut aus,........hat teilweise etwas Ähnlichkeit mit Lappland. .
                          Jo das finde ich auch. Die Berge sind im Schnitt zwar etwas höher, aber ne gewisse Ähnlichkeit ist nicht zu leugnen. Das ist ja auch eine der Gründe warum mich die Gegend überhaupt interessiert hat.

                          Zitat von berniehh Beitrag anzeigen
                          Habe aber nicht ganz verstanden ob der Flug zum Anaktuvuk Pass nun eine reguläre Linien-Verbindung ist oder ein Charterflug?
                          War der deutlich preisgünstiger wie die regulären Charterflüge?
                          Das war ein regulärer Linienflug mit Wright Air. Die fliegen einmal pro Tag von Fairbanks nach Anaktuvuk Pass.

                          Zitat von Spartaner
                          Habe ich das deutsche Fähnchen übersehen?
                          Die USA Fahne in dem Bild war nicht von mir. Die gehörte zur Deko in dem Hostel.

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                          • Mortias
                            Fuchs
                            • 10.06.2004
                            • 1018

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: [US] Alaska - Gates of the Artic. Die Rückkehr

                            Tag 4 (02.08.)
                            Nachts regnete es in einem durch, aber glücklicherweise wurde es am Vormittag dann wieder etwas trockener. Gegen halb 11 machte ich mich dann frohgemut auf den Weg um weiter das Tal zum Pass hochzulaufen. Dabei gab es dann leider immer wieder einzelne kleine Regenschauer. Aber trotzdem war ich glücklich. Vor zwei Jahren hatte ich bei meiner Tour keinen einzigen richtigen Gebirgspass überquert sondern mich größtenteils fast ausschließlich nur in den Tälern aufgehalten. Von den erhofften Fernblicken über die Brooks Range hatte ich folglich nicht viel mitbekommen. Und nun war ich dabei dies endlich zu ändern. Und sonderlich schwer war es jetzt auch nicht. Die Bodenbeschaffenheit war gut und große Hindernisse lagen auch nicht im Weg. Nur der Regen hat etwas genervt.


                            Beim Aufstieg zum Pass


                            Blick zurück


                            So, wurde Zeit den Regenschutz für’n Rucksack rauszuholen.

                            Gegen halb 1 erreichte ich dann auf der Passhöhe auf 1270 Metern. Somit hatte ich schon jetzt mehr geschafft als vor zwei Jahren. Eigentlich ein sehr schönes Gefühl. Nur wurde mir dies von einem starken Regenschauer doch ziemlich madig gemacht. Windig war es außerdem und die Sicht so schlecht, dass der erhoffte Fernblick leider fern geblieben ist. Daher machte ich mich schnell wieder an den Abstieg. Jetzt merkte ich doch den schweren Rucksack verbunden mit dem unwirtlichen Wetter. Bei so Dauerregen kommt außerdem ja auch immer die Frage auf wie ich das mit den Essenspausen halte. Bald wollte ich Mittag essen. Aber das bockt halt nicht so wenn es regnet. Glücklicherweise gab es etwas später aber auch immer wieder kleine Regenpausen mit kurzem Sonnenscheineinlagen und netten Regenbögen. In einer der Pausen schaufelte ich mir dann schnell mein Essen rein. Das wäre also geschafft.


                            Passhöhe im Regen


                            Die Stimmung war so lala...


                            Regenbogen beim Abstieg


                            Blick Richtung Anaktuvuk River und Napaktualuit Mountain


                            Trockenpause. Jetzt schnell mal was schmausen.

                            Ich verließ nun das Seitental und sah ein breites Tal vor mir, welches vom Anaktuvuk River durchflossen wurde. Da es grad trocken war konnte ich mich gemütlich pausieren und die Landschaft genießen. Ein wirklich wunderschöner Anblick war das. Außerdem tat es auch einfach mal gut mich länger hinzusetzen und zu entspannen. Weiter unten, ca. 500 Meter entfernt, sah ich eine Bewegung im Gras. Ein Elch? Ein Rentier, oder ein Bär? Erst bei längerem Hinschauen und Reinzoomen mit meiner Kamera konnte ich ziemlich sicher sagen, dass dies ein Grizzly war. Er schien mich nicht bemerkt zu haben (oder bewusst zu ignorieren) und war ganz damit beschäftigt im Gras zu wühlen und Beeren zu essen. Jetzt hatte ich also meine erste offizielle Bärenbegegnung auf dieser Tour. Ging ja recht schnell. Ich beobachtete ihn noch ne Weile und lief dann weiter Richtung Anaktuvuk River. Den Bären ließ ich dabei glücklicherweise hinter mir. Mein Ziel war es für heute den Fluss zu queren und dann am anderen Ufer mein Zelt aufzuschlagen, damit ich dann am nächsten Tag in das dahinterliegende Seitental aufsteigen konnte.


                            Nochmal ein Regenbogen


                            Anaktuvuk River


                            Der besagte Bär. Jetzt extra näher rangehen nur um ein gutes Foto hinzubekommen wollte ich dann doch nicht.

                            Am Anaktuvuk River angekommen erlebte ich dann eine böse Überraschung. Durch die Regenfälle der letzten Tage war der Fluss dermaßen angeschwollen, dass eine Furt schlicht unmöglich war und sicherer Selbstmord gewesen wäre. Blöd Sache. Was also tun? Ich lief noch ein bisschen weiter am Fluss zu einer Stelle wo er sich etwas aufgabelte, konnte aber auch dort keinerlei Chancen ausmachen. Das andere Ufer war unerreichbar für mich. Jetzt hatte ich ein kleines Problem. Grundsätzlich hätte ich zwar nicht über den Fluss gemusst, da ich für die nächsten 5 Tage eine Art Schlenker eingeplant hatte, bei dem ich letztendlich dann wieder weiter nördlich am Anaktuvuk River rauskommen würde. Somit könnte ich auch einfach dem Fluss weiter folgen. Nur würde ich dann eben ein paar Tage übrig haben die ich irgendwie sinnvoll füllen musste. Außerdem wollte ich diesen Schlenker unbedingt machen, da er mich landschaftlich einfach reizte. Dies war ja überhaupt erst der Grund wieso ich auf diese Route gekommen bin. Sprich ich wollte unbedingt über diesen blöden Fluss rüber.


                            Beim Abstieg zum Anaktuvuk River


                            Nein, ich glaube nicht, dass man da rüberkommt.


                            Und hier auch nicht. Doofe Sache.

                            Vielleicht wäre dies ja weiter westlich machbar dachte ich mir. Während meiner (Bärenbeobachtungs-) Pause vorhin konnte ich klar erkennen, dass sich der Fluss dort sehr weit aufgabelte. Sowas sind ja prinzipiell immer gute Voraussetzungen. Ich hatte nur anfangs diese Richtung nicht eingeschlagen, da es eigentlich die falsche war und ich auch wenig Lust hatte mich dem Bären weiter zu nähern. Aber jetzt beschloss ich diese Chance zu nutzen. Ich lief also noch ca. 2 km wieder zurück und schlug dann, gegen 17 Uhr, an einem kleinen Bach mein Zelt auf. Zum Weitergehen hatte ich heute keine Lust mehr. Zumal es wieder anfing zu regnen und ich auch nicht unbedingt allzu nah beim Bären zelten wollte. So endete der erste komplette Wandertag ein bisschen mit einem Gefühl der Enttäuschung und der Ungewissheit wie es denn letztendlich weitergehen würde.


                            Kleiner namenloser See


                            Immerhin gute Zeltbedingungen gab es hier.


                            Abendlicher Regenschauer

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                            • Mortias
                              Fuchs
                              • 10.06.2004
                              • 1018

                              • Meine Reisen

                              #15
                              AW: [US] Alaska - Gates of the Artic. Die Rückkehr

                              Tag 5 (03.08.)
                              Wie bereits gestern, so regnete es auch heute Nacht wieder in einem durch. Morgens wollte ich mein Zelt gar nicht verlassen. Ich frühstückte sogar im Zelt, was ja eigentlich im Bärengebieten nicht empfohlen wird. Aber es war grad kein Bär in der Nähe und ich hatte einfach keine Lust bei dem Regen draußen zu sitzen. Jaja, da bin ich nichtmal zwei Tage unterwegs und schon erwische ich mich dabei die Regeln aufzuweichen. Als es später dann nur noch leicht pieselte und ich aus dem Zelt rausschaute, sah ich auf einmal zwei Wanderer die sich meinem Zelt näherten. Welch eine Überraschung. Prompt verließ ich mein Zelt um sie zu begrüßen.

                              Steve und Laureen kamen aus Atlanta und waren ungefähr in meinem Alter. Sie sind gestern in Anaktuvuk Pass gestartet und wollten eine mehrtätige Rundtour machen bevor sie dann am 06ten August wieder zurückfliegen würden. Sie waren sogar gar nicht allzu überrascht mich zu treffen, da ihnen in Anaktuvuk Pass jemand von einem „German Hiker“ erzählt hat, der einen Tag vor Ihnen ankam. Den Bären haben sie gestern sogar auch gesehen. Sogar von etwas näher dran („he ran away in the bush from us“).

                              Interessant war aber vor allen Dingen die Info, dass sie gestern an der breiten Flussgabelung (wo ich heute hinwollte) erfolglos versucht haben den Anaktuvuk River zu furten. Steve meinte, dass es bis zum letzten Seitenarm es noch OK war, er aber dann knietief im Wasser stand und sich kaum mehr fortbewegen konnte. Nur mit Mühe hat er es dann wieder zurückgeschafft. Damit war für mich klar, dass ich mir den Umweg schenken konnte (wie gut, dass ich die beiden getroffen habe). Somit beschloss ich, dem Anaktuvuk River weiter Richtung Oberlauf zu folgen in der Hoffnung, dass irgendwann der Wasserstand so niedrig sein würde, dass eine Furt möglich würde.


                              Sah wettertechnisch eigentlich fast genauso aus wie gestern. Grad war es ausnahmsweise mal trocken.

                              Um halb 12 brach ich dann endlich auf. Immerhin regnete es jetzt nur noch temporär und die Bodenbeschaffenheit hier im Tal war auch ganz ordentlich. Eigentlich überraschend. Ich hatte es schwerer erwartet. Nach etwa 30 Minuten erlebte ich dann meine nächste unangenehme Überraschung. Und zwar wieder in Form eines unkooperativen Wasserstroms. Der Bach, der aus dem südlich von mir liegenden Seitental geflossen kam, war ebenfalls zu sehr angeschwollen um dort durchzukommen. Sprich meine einzige Option bestand jetzt darin, das Seitental hochzulaufen um dann weiter oben furten zu können. Na super. Da kam echt mal Freude auf. Ich konnte jetzt quasi einen Umweg von einem Umweg machen. Tja, sowas kann nunmal leider passieren in einer Gegend ohne Wanderinfrastruktur wie Brücken.


                              Los geht's. Jetzt wieder bei leichtem Regen.


                              Gute Bodenbeschaffenheit


                              Nach mehreren Tagen Regen kann auch son kleiner Seitenbach zu einem unüberwindbarem Hindernis werden.

                              Recht lustlos schleppte ich mich bei voran, bis ich dann eine aufgespannte Plane sah, wo Steve und Laureen vor dem Regen notdürftig Schutz gesucht hatten. Sie wussten grad nicht was sie machen sollten. Ihre geplante Rundtour war ja nicht mehr möglich. Daher waren sie nicht sicher ob es sich lohnen würde das Seitental weiter hochzulaufen nur später dann letztendlich dort wieder umkehren und die gleiche Route zurücklaufen zu müssen. Sie hofften daher, dass ich möglichst bald eine geeignete Furtstelle finden würde. Dann würden sie mich ja von ihrem Biwak aus am anderen Ufer sehen können. Diese Hoffnung musste ich dann aber letztendlich enttäuschen, da die nächste Furt noch recht weit war. Später habe ich sie dann nicht mehr wiedergesehen. Ich vermute daher, dass sie wieder umgedreht sind.


                              Im Seitental


                              Steve und Laureens Unterstand

                              Ich lief nun weiter das Tal hinauf und hielt immer aufmerksam nach einer möglichen Furtstelle Ausschau. Leider ohne Erfolg. Der Bach führte einfach zuviel Wasser. Wie gestern schon habe ich mir dann in einer kurzen Trockenpause schnell mein Essen reingeschoben, bevor ich wieder weiter lief. Als ich anschließend einen Seitenarm von dem Bach querte, sah ich in einiger Entfernung eine Bewegung in den Büschen. Da tummelte sich doch tatsächlich wieder ein Grizzly. Ich konnte aber nicht genau bestimmen ob es derselbe vom Vortag war. Von der Fellfarbe sah er eventuell etwas heller aus. Aber ich war zu weit weg um das genau beurteilen zu können. Jedenfalls hat auch dieser Kollege keinerlei Notiz von mir genommen. Wobei ich mich ehrlich gesagt fragte, ob mir das nicht lieber gewesen wäre. Wenn der Bär einen wahrnimmt, wird er entweder gleich Reißaus nehmen oder sich einem erstmal nähern um dann abzuhauen (zumindest in den allermeisten Fällen). Und ein flüchtender Bär hat halt immer etwas Beruhigendes an sich. Jetzt war es halt so, dass ich wusste, dass hier ein Bär rumläuft auf den ich theoretisch später nochmal treffen könnte. Mäßig entspannt irgendwie.


                              Eine gute Furtstelle war noch fern.


                              Dies war leider nur ein Seitenarm des eigentlichen Baches.


                              Unten rechts kann man den Bären erkennen. Hätte er sich nicht bewegt, hätte ich ihn auch für nen Stein halten können.

                              Immerhin, nachdem ich diesen Seitenarm hinter mich gebracht hatte, fand ich kurze Zeit später eine Stelle wo der eigentliche Bach etwas breiter wurde, so dass eine Furt machbar erschien. Normalerweise furte ich die meisten Bäche immer in meinen Crocs, damit die Wanderschuhe trocken bleiben. Hier entschied ich mich jetzt aber dafür mit Regenhose und Wanderschuhen durchzugehen. Die Strömung war immer noch so stark, so dass ich einfach den bestmöglichen Tritt haben wollte. Der Preis für diese Methode waren natürlich klitschnasse Wanderschuhe im Anschluss. Aber es war es mir wert. Richtig gut und erleichtert fühlte ich mich, als ich dieses Hindernis endlich überwunden habe. Ca. 7 km musste ich dafür das Tal hochlaufen.


                              Hier ging es dann durch.


                              Geschafft

                              Jetzt musste ich diese 7 km natürlich auf der anderen Uferseite auch wieder runterlaufen um anschließend dem Anaktuvuk River weiter folgen zu können. Schon irgendwie ein bisschen stumpf das Ganze. Aber jetzt war meine Stimmung deutlich besser. Es regnete zwar immer noch leicht, der Boden war recht weich und etwa alle 15 Minuten konnte ich meine Schuhe ausziehen um die vollgesogenen Wandersocken aufs Neue auszuwringen. Aber egal. Das gehört halt zu Alaska dazu. Lieber das, als weiterhin dieses blöde Tal hochlaufen zu müssen.


                              Rein von den Wanderbedingungen war es auf der anderen Uferseite vorhin etwas leichter.

                              Auf diese Weise lief ich dann noch weitere 4 Kilometer, bis ich dann, gegen 18 Uhr, mein Zelt aufstellte. Abends war es dann sogar endlich mal trocken, so dass ich auch vorschriftsgemäß mein Abendbrot draußen einnehmen konnte. Der heutige Tag war echt anstrengend und hat mir einiges abverlangt. Aber irgendwie ist es dann auch wieder sehr befriedigend zu wissen, dass man es dann doch geschafft hat und sich nicht hat unterkriegen lassen. Trotzdem, dass die Socken und Schuhe so nass waren, fand ich jetzt nicht ganz so angenehm. Das könnte morgen beim Wandern noch etwas unbequem werden.


                              Fertig für heute.


                              Ein Vorteil von den Bärentonnen: Auch bei nassem Boden hat man immer eine Sitzmöglichkeit.


                              Hier (beim Zeltplatz) hätte ich mich nicht getraut den Bach zu furten. Schon sinnvoll den Umweg gemacht zu haben.

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                              • vobo

                                Erfahren
                                • 01.04.2014
                                • 470

                                • Meine Reisen

                                #16
                                AW: [US] Alaska - Gates of the Artic. Die Rückkehr

                                Sehr schön wieder etwas von Dir zu lesen! Und dann wieder diese blöden Furten, aus Deiner Karte kann man ja sehen, dass Du am nächsten Tag nochmal solche Probleme hattest ... Anscheinend war auch in Alaska ein Regensommer. Aber umso schöner dass Du gleib zu Anfang mit Bärenblicken beglückt wurdest. Ich bin sehr gespannt auf die weiteren Tage.

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                                • rumpelstil
                                  Fuchs
                                  • 12.05.2013
                                  • 2322

                                  • Meine Reisen

                                  #17
                                  AW: [US] Alaska - Gates of the Artic. Die Rückkehr

                                  Ich habe mich beim Anschauen der Karte anfangs ja gefragt, warum du diese Schlenker gegangen bist. Sie gehen ja nicht bis hoch auf Pässe oder Gipfel. Jetzt ist alles klar...

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                                  • Mortias
                                    Fuchs
                                    • 10.06.2004
                                    • 1018

                                    • Meine Reisen

                                    #18
                                    AW: [US] Alaska - Gates of the Artic. Die Rückkehr

                                    Zitat von rumpelstil Beitrag anzeigen
                                    Ich habe mich beim Anschauen der Karte anfangs ja gefragt, warum du diese Schlenker gegangen bist. Sie gehen ja nicht bis hoch auf Pässe oder Gipfel. Jetzt ist alles klar...
                                    Mist, da habe ich mit meiner Karte wohl unbewusst gespoilert. Naja, dann wird es wohl mal Zeit hier weiterzuschreiben und für Aufklärung zu sorgen.

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                                    • Mortias
                                      Fuchs
                                      • 10.06.2004
                                      • 1018

                                      • Meine Reisen

                                      #19
                                      AW: [US] Alaska - Gates of the Artic. Die Rückkehr

                                      Tag 6 (04.08.)
                                      Zu meiner freudigen Überraschung wurde ich morgens Zeuge davon, wie die Sonne all die Wolken wergpustete und einen schönen Sommertag ankündigte. Wow, damit hatte ich jetzt gar nicht gerechnet. Das war natürlich perfekt um meine ganzen feuchten Sachen vom Vortag zu trocken. Fast schön ärgerte ich mich darüber, dass ich deshalb nicht schon längst loslaufen konnte. Ich hatte einfach Bock zu wandern.


                                      Was für ein geiler Morgen.


                                      Sukzessive löste die Sonne die restlichen Wolken auf.


                                      Vor meinem Zeltplatz lief ein Erdhörnchen rum. Das sind ja auch mal ganz unterhaltsame Kollegen.


                                      Hier mal meine selbstausgedruckte Wanderkarte mit einigen Höhenangaben in Metern. Das amerikanische Maßsystem war ja doch etwas ungewohnt für mich.

                                      Hochmotiviert machte ich mich dann gegen Viertel vor 11 (mit trockenen Schuhen) auf dem Weg. Jetzt hieß es erstmal das Seitental zu verlassen und einen neuen Versuch am Anaktuvuk River zu wagen. Vielleicht würde ich ja heute mehr Glück haben. Immerhin hatte ich gestern einen sehr wasserreichen Seitenbach hinter mir gelassen, der sicherlich keinen unerheblichen Anteil am Wasserstand des Anaktuvuk Rivers hatte. Außerdem war es trocken, sprich die Flüsse würden mit der Zeit eh langsam abschwellen. Richtig Freude kam auf als ich dann über die grasige Ebene des breiten Tales Richtung Fluss lief. Die Landschaft war wirklich wunderschön. Und endlich konnte ich sie auch mal ohne Regenwolken bewundern. Genial.


                                      Als es losging war von den Wolken kaum noch was zu sehen.


                                      Beim Verlassen des Seitentals.


                                      Erstklassige Wanderbedingungen


                                      Blick Richtung Westen

                                      Gegen halb 12 erreichte ich dann den Anaktuvuk River an einer Stelle wo er sich wieder etwas aufweitete. Der erste Nebenarm ging dabei auch problemlos zu furten. Doch dann stand ich am Hauptstrom und wurde wieder bitter enttäuscht. Immer noch war der Wasserstand viel zu hoch um einen ernsthaften Versuch zu wagen. Zumal das Wasser auch noch total trüb war, so dass ich den Grund nicht sehen konnte. Unter solchen Umständen war mir das Unterfangen natürlich viel zu heikel. Also beschloss ich weiter dem Fluss zu folgen in der Hoffnung irgendwann endlich eine gute Stelle zu finden. Schon etwas ärgerlich. Aber immerhin war es sonnig und warm und der Ausblick vom leicht erhöhten Flussufer, dem ich jetzt folgte, war recht ansehnlich.


                                      Der erste Seitenarm vom Fluss hat noch Mut gemacht es schaffen zu können...


                                      ...aber am Hauptstrom wurde ich dann bitter enttäuscht.


                                      Blick zurück. Von weiter oben sehen solche Flussüberquerungen irgendwie immer etwas leichter aus.

                                      Während ich anschließend dann über eine größere Ebene lief, sah ich rechts von mir in einiger Entfernung zwischen mehreren Büschen eine Bewegung. Nach längerem Hinschauen war ich mir sicher, dass es sich um einen Bären handeln musste. Schon wieder? Aber auch diesmal war er so weit weg, dass ich nicht den Eindruck hatte, dass er mich bemerkte. Ebenso konnte ich auch nicht sagen ob es der gleiche Bär wie gestern oder vorgestern war. Aufgrund der niedrigen Bärendichte in der Brooks Range würde ich dies aber mal stark vermuten. Da ich allerdings demnächst Mittagessen wollte, fand ich die Erkenntnis, dass sich ein Bär in der Nähe tummelt, irgendwie etwas unentspannt. Nicht dass der noch durch den Essensgeruch angelockt wird. Ich spielte daher kurz mit dem Gedanken mich dem Bären etwas zu nähern um ihn quasi „auszulösen“, sprich dass er mich bemerkt und anschließend das Weite sucht. Schnell verwarf ich den Gedanken aber. Zum einen wäre sowas, trotz allem, immer noch mit einem gewissen Risiko verbunden und zum anderen fand ich es gegenüber dem Bären einfach nicht fair. Immerhin bin ich hier zu Gast und trampelte durch sein Revier. Dann sollte ich wenigstens die Höflichkeit besitzen ihm nicht auch noch unnötig auf die Nerven zu gehen.


                                      Hier war die Bodenbeschaffenheit nicht mehr ganz so toll.


                                      Der Bär. Auf dem Foto kaum zu erkennen, aber anhand der Bewegungen klar zu identifizieren gewesen.


                                      Ursus was here...

                                      Also ließ ich den Bären hinter mir und lief ich weiter. Aber mit erhöhter Aufmerksamkeit. Mehrere Mal drehte ich mich um und hielt Ausschau nach ihm. Und wenn ich mal durch dichteres Gebüsch musste, bin ich auch extra laut gewesen (das fällt mir zum Glück sehr leicht). Vom Bären habe ich aber nichts mehr gesehen. Gegen 14 Uhr machte ich dann Mittagspause. Die Sonne schien und ich saß an einem wunderbar idyllischen Platz. Eigentlich perfekte Bedingungen um mal so richtig schön auszuspannen. Aber irgendwie erwischte ich mich dann doch wie ich hin und wieder aufstand und nach dem Bären Ausschau hielt. Außerdem war da immer noch die Sache mit der Flussüberquerung die mir Kopfzerbrechen bereitete.


                                      Ein toller Platz für eine Mittagspause


                                      Wenn ich nicht gewusst hätte, dass hier ein Grizzly in der Nähe ist, hätte ich sicherlich noch mehr entspannen können.

                                      Nach ner knappen Stunde setzte ich die Tour dann fort und stieß kurze Zeit später auf mein nächstes Problem. Wie schon gestern, so lag auch jetzt ein unüberwindbarer Bach vor mir. Und wie auch gestern, so hieß es nun also wieder das Nebental soweit hinaufzulaufen bis ich weiter oben eine passable Furtstelle finden würde. Ich kam mir irgendwie vor wie in einem schlechten Film. Das konnte doch nicht ernsthaft wahr sein? Aber letztendlich gehört dies nunmal zu den Dingen die einem in der weglosen Wildnis wiederfahren können.


                                      Wie schon gestern, so war auch dieser Seitenfluss nicht passierbar.


                                      Also hieß es wieder das Seitental hochzulaufen. Hatte ja sonst grad nichts Besseres zu tun.

                                      Das hat meiner Motivation jetzt schon einen ziemlichen Schlag versetzt. Hinzu kam, dass hier im Nebental der Untergrund teilweise recht weich und das Vorankommen daher etwas schwergängig war. Als ich allerdings etwas weiter oben an einem Hangabschnitt eine Pause einlegte, konnte ich etwas zur Ruhe kommen und stellte auf einmal fest wie wunderschön dieses Tal doch war. Dafür hatte ich bisher vor lauter Ärger noch gar nicht so den Blick gehabt. Jetzt aber fiel dieser schlagartig von mir ab und ich war einfach nur noch glücklich hier sein zu dürfen. Dies hier war genau das, was ich mir landschaftlich erhofft hatte. Schon jetzt, nach wenigen Tagen, hatte ich daher bereits das Gefühl mehr auf meine Kosten gekommen zu sein als noch vor zwei Jahren.


                                      Die rechte Uferseite war so nah und doch so unerreichbar fern.


                                      Dafür kam ich jetzt in den Genuss von diesem feinen Aussichtsplätzchen. Der Blick aufs obere Tal war wirklich fantastisch. Alaska at it's best.

                                      Ich lief dann noch ein kurzes Stück weiter, bis ich dann um halb 6 mein Zelt aufstellte. Da es warm und sonnig war beschloss ich in einem kleinen Bach sowohl mich als auch meine Klamotten zu waschen. Das tat echt gut. So konnte ich anschließend erfrischt gemütlich draußen sitzen, ein bisschen lesen und die Landschaft bewundern. Die Mücken nervten allerdings schon ein wenig. Ebenso die Aussicht auf den weiteren Tourenverlauf. Mittlerweile habe ich schon zwei volle Tage verloren. Das würde langsam knapp werden mit meiner geplanten Wunschroute. Als mögliche Alternative erschien es mir das jetzige Nebental zu durchlaufen und an dessen Ende über den 1550 m hohen Pass wieder ins Anaktuvuk River Valley zurückzukehren. Landschaftlich sicherlich reizvoll. Nur mit dem kleinen Nachteil, dass ich bereits in zwei Tagen dort sein würde, wo ich sonst erst in 5 Tagen sein wollte. Sprich ich hätte drei Tage zuviel ich irgendwie sinnvoll ausfüllen müsste. In Lappland wäre sowas sicherlich einfacher. Aber hier, wo im Wesentlichen größere Bergketten mit einigen wenigen gangbaren Pässen die Landschaft dominieren, ist es kein Selbstläufer mal eben irgendwo drei Tage vernünftig zu füllen. Die Möglichkeiten hierfür sind doch deutlich eingeschränkter. Ich beschloss daher erstmal über die Frage zu schlafen und dann Morgen weiterzusehen.


                                      Ein guter Zeltplatz um Abends noch ein bisschen die Landschaft zu genießen.


                                      23:15 Uhr; die letzten Sonnenstrahlen beleuchten die umliegenden Gipfel.


                                      2 Uhr Nachts. Wirklich dunkel wird es Anfang August hier ja nicht.

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                                      • Mortias
                                        Fuchs
                                        • 10.06.2004
                                        • 1018

                                        • Meine Reisen

                                        #20
                                        AW: [US] Alaska - Gates of the Artic. Die Rückkehr

                                        Tag 7 (05.08.)
                                        Über Nacht zog der Himmel zu, aber immerhin blieb es warm und trocken. Als ich morgens aufstand dachte ich darüber nach wie es jetzt weitergehen sollte. Entweder eben gemütlich das Tal hier hochlaufen oder mit etwas mehr Anstrengung es doch noch versuchen die eigentliche Route zu laufen. Ich war gut ausgeruht und das warme Wetter gab mich auch nochmal einen Schub, so dass ich nach kurzer Überlegung zu dem Schluss kam, dass meine eigentliche Route immer noch möglich sei, sofern ich relativ bald den Seitenbach gefurtet bekäme. Aufbruchsstimmung machte sich breit als ich dann gegen 10 Uhr losmarschierte.


                                        Kann losgehen...

                                        Obwohl auch hier der Boden nicht immer ideal zum Wandern war, merkte ich doch, wie mich der Ehrgeiz, gepaart mit der Aussicht auf Erfolg, enorm anspornte und mir das Gefühl verlieh vor Kraft nur so zu strotzen. 40 Minuten und ca. 2 km später machte der Fluss dann eine Biegung und wurde von einem weiteren Seitenbach gespeist. Diesen furtete ich zuerst, bevor ich mich dann an den eigentlichen Strom ran wagte. Dieser führte zwar immer noch reichlich Wasser, aber jetzt war es nicht mehr trüber sondern angenehm klar. Und mit der Brechstangenmethode (Regenhose und Wanderschuhe) hat es dann letztendlich auch geklappt mit dem Furten. Natürlich waren wieder klitschnasse Schuhe der Preis dafür. Aber das war es mir mehr als wert. Ich war sehr gut in der Zeit und hatte soeben ein wichtiges Teilhindernis geschafft.


                                        Landschaftlich ne durchaus schicke Ecke zum Wandern.


                                        An dieser Stelle konnte ich dann Furten. Zuerst durch den kleinen Seitenbach...


                                        ......und anschließend durch den Hauptstrom. Na also, ging doch.

                                        Jetzt konnte ich die 5 Kilometer, die ich das Tal raufgelaufen bin, natürlich wieder hinablaufen. Immer wieder musste ich dabei pausieren und meine durchnässten Socken auswringen. Aber trotzdem kam ich auch jetzt gut voran und freute mich einfach das mir bekannte Tal von der anderen Bachseite bewundern zu können. Gegen halb 1 war ich dann aus dem Tal draußen. Die Landschaft weitete sich wieder und ich steuerte mein eigentliches Ziel an, den Anaktuvuk River. Nach diesem beiden Seitenflüssen und dem besseren Wetter sollte es doch endlich mal möglich sein da durchzukommen.


                                        Am anderen Ufer lief eine Elchkuh mit Kalb rum.


                                        Nochmal ein Blick zurück ins Seitental.


                                        Die Landschaft weitete sich wieder. Ich nutzte die Pause um meine Socken etwas zu trocken.


                                        Dunkle Wolken ziehen auf. Hoffentlich bringen die keinen Regen.

                                        So stand ich also zum dritten Mal wieder am Ufer des Anaktuvuk Rivers und wurde erneut enttäuscht, weil der Fluss immer noch zuviel Wasser führte. Dann aber sah ich weiter vorne eine kleine Gabelung und beschloss dort ich mein Glück zu versuchen. Die ersten beiden Bäche waren noch gut machbar, aber der letzte (der schmalste von allen) war an einer Stelle doch mehr als knietief und ich spürte wie das Wasser an mir zog. Recht grenzwertig war das, aber letztendlich habe ich es doch geschafft. Was war ich erleichtert, als ich dann endlich am anderen Ufer stand. Die Schuhe waren natürlich wieder klitschnass, aber das war mir, ehrlich gesagt, grade sowas von egal. Das große Hindernis der letzten Tage war schlussendlich erfolgreich überwunden und ich würde meine eigentlich geplante Route laufen können. Jetzt hatte ich mir erstmal eine schön entspannte Mittagspause verdient. Herrlich.


                                        Erster Versuch; hier war es mir aber zu kritisch.


                                        An dieser Stelle ist mir die Furt dann endlich gelungen.


                                        Wohlverdiente Mittagspause

                                        Anschließend erwarte mich ein kleiner Aufstieg in ein Seitental, welches sich über 10 km wie ein Halbkreisbogen um das Anaktuvuk Valley schlang. Mein ursprünglicher Plan war es ja gewesen vor drei Tagen am vorderen Ende in dieses Tal einzusteigen. Aber auch von hier aus würde ich letztendlich meinen nächsten Pass erreichen. Und ich glaube landschaftlich war es echt ein Glückfall, dass ich diese Route genommen habe. Denn der Blick nach Osten auf den Anaktuvuk River, den ich während des Aufstiegs genießen durfte, war von hier aus wirklich genial. Alaska Wilderness at it’s best.


                                        Blick zurück zum Anaktuvuk River (Doppelklick für größere Bildansicht)


                                        Pflänzchen


                                        Blick auf den Anaktuvuk River Richtung Osten. Unten rechts ist übrigens ein Zelt zu sehen. Später habe ich dann noch erfahren, dass es von den Park Rangern genutzt wurde.


                                        Von hier aus war der Anaktuvuk River jetzt nicht mehr zu sehen.

                                        Aber anstrengend war das Ganze schon. Der Bach, dessen Verlauf ich folgte, durchfloss mittlerweile eine tief eingeschnittene Landschaft, so dass ich an dessen Uferhängen oft einige Meter auf- und wieder absteigen konnte. Recht kraftraubend war das. Vermutlich wäre es deutlich schlauer gewesen einfach direkt am Ufer zu laufen. Aber ich dachte es sei halt einfacher, wenn ich weiter oben am Hügel entlang laufe.


                                        Anstrengende Landschaft. Unten am Bach wäre es leichter gewesen.


                                        Wechselhaftes Wetter

                                        Weiter oben, auf ca. 1100 Metern, ging die Landschaft dann in ein Hochplateau über. Das Bachbett war aber immer noch von steilen Hängen umgeben. So erlebte ich eine böse Überraschung, als ich sah dass an der Stelle, wo ich endlich mal ans andere Ufer wollte, sich unter mir ein ca. 30 Meter tiefer Abhang auftat. Blöde Sache. Auf der Karte lassen sich solche steilen Schluchten natürlich nicht erahnen. Das hatte mich jetzt schon etwas genervt. Mittlerweile merkte ich doch eine leichte Erschöpfung. Und jetzt durfte ich auch noch einen blöden Umweg von ca. 2 Kilometern auf mich nehmen um zu einer Stelle zu gelangen, wo ich es nicht mehr so steil war. Darauf hätte ich auch gerne verzichten können. Ja wäre ich doch gleich unten am Bach langgelaufen...


                                        Eigentlich wollte ich ja hier zum Bach runter. Bei der Schlucht aber keine Chance.


                                        Der Bach bog hier nach Osten ab. Ich musste aber nach Westen. Das Resultat war folglich ein schöner Umweg. Nicht zum ersten Mal jetzt auf dieser Tour.


                                        An diesem Geröllfeld stieg ich dann zum Bach ab um dann auf der anderen Seite wieder hoch zu steigen.


                                        Von der anderen Uferseite konnte man ganz gut sehen was für eine miese Schlucht das war.

                                        Aber endlich hatte ich die eigentliche Hochebene erreicht. Dies erinnerte mich jetzt schon sehr stark an Lappland. In der Brooks Range sind solche Hochebenen-Abschnitte ja eher selten (verglichen zu Lappland). Gute Bedingungen zum Wandern waren das. Allerdings war ich nun doch recht ausgepowert. Und es sah nach Regen aus. Eigentlich wollte ich daher nur noch irgendwo mein Zelt aufschlagen. Aber vorher wollte ich noch den Einstieg zum morgigen Pass sehen, so dass ich mich bis zum Ende der Hochebene weiterschleppte. Was ich dann sah hat mich eher abgeschreckt. Ein sehr steiniges und enges Tal lag da vor mir. Kalt und abweisend wirkte es. Da kam nur bedingt Vorfreude auf dort dann morgen lang lang zu müssen.


                                        Auf der Hochebene


                                        Da würde es dann morgen lang gehen. Sah irgendwie mäßig einladend aus.

                                        Immerhin blieb es den Abend über trocken und ich konnte nach dem Abendbrot noch ein bisschen durch die Landschaft spazieren und Fotos machen. Dies habe ich bei meinen Touren in Lappland ja auch immer gerne gemacht. Nur mit dem einzigen Unterschied, dass ich hier immer noch mein Bärenspray mitgeschleppt habe. Ein anstrengender, aber auch erfolgreicher Tag lag jetzt hinter mir. Ich war wieder auf Kurs und würde meine geplante Route laufen können. Darüber war ich natürlich unheimlich froh und dankbar. Anderseits war ich nun doch recht erschöpft und ich machte ich mir schon Gedanken darüber ob der Pass morgen überhaupt machbar sein würde. Einfach würde es wohl nicht werden und gerade bei Regen könnte es bei dem ganzen Geröll sehr unangenehm werden. Und aktuell sah es durchaus so aus, dass ein bisschen Regen nicht ganz unwahrscheinlich wäre...


                                        Abschluss einer langen Etappe


                                        Abendlicher Blick auf die Hochebene. Ein schöner Sonnenuntergang wäre jetzt sicherlich noch ganz nett gewesen.

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