[IN] Großer West Himalaya Trek

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  • berniehh
    Fuchs
    • 31.01.2011
    • 1795

    • Meine Reisen

    [IN] Großer West Himalaya Trek

    Tourentyp
    Lat
    Lon
    Mitreisende
    Großer West Himalaya Trek

    Sommer 2017

    Gesamtlänge: 880 Kilometer

    Dauer: 77 Tage


    Hier kommt der Bericht über meine Trekkingtour von Srinagar nach Leh entlang des Himalaya Hauptkammes und durch das Zanskar Gebirge.

    Landschaftlich kann man diese Tour sicher mit zu den besten zählen, die ich bisher gemacht habe! (Aber das sage ich nach fast jeder Reise)
    Meine komplette Route war noch völlig unerschlossen von Straßen und Fahrwegen, mit nur ganz wenigen Dörfern entlang der Strecke.

    Ein Großteil der Route wird nur selten bis fast nie von Trekkern begangen.
    Die ersten anderen Trekker (im weitesten Sinne) traf ich erst am Tag 47. Das waren aber keine Trekker, sondern eine französische Kletterexpedition, die da für drei Wochen ihr Basislager aufgeschlagen hatte.
    Erst auf dem letzten Trekkingabschnitt durch die Zanskar Schluchten (ab Tag 53) kam ich in eine beliebtere Trekkinggegend, wo ich im Schnitt jeden zweiten Tag mal eine organisierte Trekkinggruppe traf.

    Aufgrund unplanmäßiger Vorkommnisse ist dies keine durchgehende Route geworden, sondern mit zwei Lücken dazwischen.
    Diese Tour teilt sich daher in folgende drei Abschnitte ein, die landschaftlich teilweise völlig unterschiedlich sind:

    Abschnitt 1
    Durch die Berge Kaschmirs
    201 Kilometer
    20 Tage

    Abschnitt 2
    Über die vergletscherten Pässe des Himalaya Hauptkammes
    344,5 Kilometer
    32 Tage

    Abschnitt 3
    Durch die Zanskar Schluchten
    335 Kilometer
    25 Tage


    Wie diese Route zustande kam......


    Diese Trekkingroute ist eigentlich nur durch ein Zufall entstanden.
    Es stand schon fest daß ich im Sommer 2017 in den Kaukasus und ins Pamir Gebirge nach Tadschikistan wollte. Zwei längere Touren durch den Kaukasus hatte ich schon fast fertiggeplant und der Trek durchs Pamir Gebirge musste noch geplant werden. Kriterien: mindestens 20 Tage und ohne Pistenquerungen.

    Bei der Planung mit Google Earth musste ich aber leider feststellen, daß im Pamir schon deutlich mehr Täler durch Pisten erschlossen sind, wie ich eigentlich gedacht hatte
    Bei einer über 20-tägigen Tour wäre es schwer gewesen nicht irgendwann mal auf eine Piste zu stoßen. Mit Zeit und Geduld würde ich das Entwerfen einer solchen Route wahrscheinlich hinbekommen, aber erstmal war meine Planung ins Stocken geraten und ich verschob das Problem auf später.

    Nur mal so aus Spaß bin ich dann angefangen mit Google Earth rumzuspielen und habe wahllos in verschiedene Gegenden der Erde reingezoomt, die ich eigentlich gar nicht besuchen wollte. Zum Beispiel im Indischen Himalaya.
    Was ich dort gesehen habe sah aber sehr geil aus!!! Bin dann nur mal so aus Spaß angefangen dort eine Route zu planen, die ich überhaupt nicht vorhatte zu gehen,.......bis die Route dann irgendwann 800 Kilometer lang war!

    Whow, die Route sah auch noch verdammt geil aus!!!!!
    800 Kilometer von Leh nach Srinagar durch den Indischen Himalaya, ohne dabei eine einzige Piste zu kreuzen und mit nur ganz wenigen Dörfern entlang der Route!! Und das im übervölkerten Indien, das mit durchschnittlich fast 400 Einwohnern pro Quadratkilometer mit zu den am dichtesten besiedelten Staaten der Erde gehört.

    Auch landschaftlich sah die Route wirklich weltklasse aus, mit deutlich über 20 Passüberquerungen, die Hälfte davon über 5000 m hoch, über die man teilweise kaum oder keine Infos findet. Dazu mit großflächige krass vergletscherte Gebirgslandschaften und Gletscherüberquerungen von insgesamt weit über 100 Kilometern Länge. Und das Gute dabei: Auf dem ersten Blick sah die Route auf Google Earth auch noch einigermaßen gut machbar aus

    Mein Entschluss stand sofort fest: Die Kaukasus- und Tadschikistanreise wird erstmal abgesagt! Stattdessen geht es in den indischen Himalaya!!


    Weitere Planung

    Auf dem zweiten Blick sah die Route doch nicht überall so problemlos machbar aus. Viele Knackpunkte habe ich gefunden: Unfurtbare Flüsse, steile Pässe, die ohne Kletterausrüstung wahrscheinlich unmachbar sind und stark verspaltete Gletscher, deren Querungen gefährlich aussieht.

    Das heißt mein erster Routenentwurf musste nochmal überarbeitet werden:

    Flüsse: Ich habe versucht Brücken zu finden. Dort wo ich keine fand und nicht wusste ob der Fluss furtbar ist, ging ich davon aus er sei unfurtbar. Das heisst die Route musste so umgeplant werden, daß ich den Fluss nicht queren muss.
    Gletscher: die Gletscherüberquerungen habe ich etwas entschärft, den ein oder anderen Gletscher weggelassen oder Alternativgletscher gefunden, die vermutlich etwas weniger verspaltet sind.
    Trotzdem blieben noch Gletscherquerungen von insgesamt weit über 100 Kilometern Länge.
    Steile Pässe: sah ein Pass so steil aus, daß ich nicht sicher einschätzten konnte ob er machbar ist oder nicht, mussten Alternativpässe gefunden werden.
    Ich fand mehrere Dutzend machbar aussehende Pässe, die ich auf Google Earth markiert und durch Routen miteinander verbunden habe.

    Am Ende hatte ich ein ganzes Netzwerk von Routen und Alternativrouten auf meinem Rechner. Wenn der Pass auf Route A zu steil aussieht, nehme ich eben den Pass auf Route B. Wenn ich in Zeitrückstand gerate geht’s auf Route C weiter, weil das der kürzeste Weg ist,....usw....
    Alle Routen hatten die gleichen Kriterien: mindestens 800 Kilometer Gesamtlänge, mit keine einzige Pistenquerung dazwischen, jedenfalls nicht soweit ich das auf Goolge Earth erkennen konnte.

    So hatte ich am Ende eine recht ansehnliche Auswahlmöglichkeit und musste mich nicht sofort entscheiden welche ich davon gehe. Es reicht wenn ich meine Routenwahl, je nach Wetter, Laune, Bedingungen etc, erst vor Ort treffe.

    Nächstes Problem: die Höhe!! Schon gleich die ersten Pässe hinter Leh sind über 5000 m hoch,......und das mit Essen für über 20 Tage im Rucksack!
    In der Vergangenheit hatte ich schon immer große Probleme mit der Höhe und würde die erste Etappe bis Padum niemals in 20 Tagen schaffen ohne vorherige gute Akklimatisation.

    Ich plante also einen 20-tägigen Akklimatisationstrek durch den Great Himalayan Nationalpark und dessen Umgebung mit Start um Mitte Juni. Wenn alles planmäßig verläuft würde ich dann ab ca. Mitte Juli meine große Haupttour ab Leh starten.

    Ein Abschnitt zu dritt:
    Ursprünglich wollte ich alleine gehen. Vincent hatte aber schon länger angekündigt einen 20-tägigen Abschnitt mitzuwandern. Irgendwann im Winter machte er dann die Zusage. Mein erster Abschnitt von Leh nach Padum würde sich dafür anbieten. Das wäre logistisch am einfachsten und man müsste sich nicht irgendwo in der Trekmitte treffen.

    Während einer Kneipenrunde in St.Pauli holte Vincent Paul noch mit hinzu. Den 20-tägigen Abschnitt zu dritt zu gehen klang auch ziemlich cool
    Paul zögerte aber noch wochenlang mit seiner Zusage, wusste noch nicht ob es beruflich und finanziell klappen wird und ausserdem konnte er sich noch nicht so richtig für Ladakh begeistern.

    Vincent konnte sich ebenfalls nicht so richtig für den ersten Abschnitt durch die Zanskar Schluchten begeistern. Statt durch Schluchten zu wandern hätte er lieber Fernblicke und grandiose Hochgebirgspanoramen. Mein Akklimatisationstrek würde ihn deutlich mehr zusagen und noch besser wäre natürlich mein zweiter Trekkingabschnitt von Padum nach Kishtwar, über die ganzen vergletscherten Pässe. Auch Paul war von der Strecke Padum – Kishtwar begeistert und würde sofort seine Zusage machen wenn es klappen würde.

    Vincent musste allerdings ab dem 20.August einige wichtige Termine zuhause in Deutschland wahrnehmen, die er nicht verpassen darf. Mein geplanter Abschnitt von Padum nach Kishtwar fällt genau in den Zeitraum dieser Termine! Was also machen?
    Soll ich meine gesamte Reise wegen Vincent's Termine um zwei bis drei Wochen vorverlegen?
    Jeder Bergführer in Leh wird einem erzählen daß mein geplanter erster Abschnitt durch die Zanskar Schluchten wegen dem hohen Wasserstand der Flüsse erst frühestens ab Ende August passierbar ist.
    Nun bin ich mit meinem geplantem Starttermin von Mitte Juli sowieso schon mehr als einen Monat zu früh, in der Hoffnung daß ich vielleicht ein wasserarmes Jahr erwische und es schon irgendwie klappen wird. Noch früher zu starten kommt also nicht in Frage!!
    Also erst nach Vincents Terminen starten? Das würde aber bedeuten, daß wir erst frühestens ab Mitte September aus Padum loslaufen könnten. Das wäre viel zu spät und ich würde Srinagar wahrscheinlich nicht mehr vor dem Wintereinbruch erreichen. Geht also auch nicht!!

    Dann kam mir die Idee wie es doch noch klappen würde: Nämlich indem ich meine gesamte Reise in umgekehrter Richtung gehe. Also Mitte Juni aus Srinagar starte, von dort nach Leh wander und den Akklimatisationstrek evtl hintendranhänge. Dann ist es halt kein Akklimatisationstrek mehr, sondern ein geiler Trek zum Abschluss.

    Wenn ich in Srinagar starte, ist ein Akklimatisationstrek eigentlich auch unnötig, weil zwischen Srinagar und Kishtwar nur relativ niedrige Viertausender Pässe liegen. Die höheren 5000er Pässe starten erst ab Kishtwar.

    Der größte Vorteil bei einem Start in Srinagar wäre jedoch daß ich dann erst im September durch die Zanskar Schluchten komme. Also genau in der richtigen Jahreszeit. Das Problem von unfurtbaren Flüssen würde sich in Luft auflösen.

    Vincent war begeistert von dem Abschnitt Kishtwar – Padum! Paul auch! Beide machten ihre Zusagen und wir würden für die ganzen Gletscherüberquerungen eine dreier Seilschaft bilden.

    Da Paul und ich noch keine Erfahrungen mit Gletscherausrüstung und Bergungstechniken haben, Vincent aber beruflich viel mit Klettern zu tun hat und die ganzen Spaltenbergungstechniken in und auswendig kennt, ist er zuständig für die Zusammenstellung der Gletscherausrüstung und dafür Paul und mir die ganzen Spaltenbergungstechniken beizubringen.

    Als soweit alles klar war wurden die Flüge gebucht:
    Ich am 12. Juni von Hamburg über Delhi nach Srinagar.
    Vincent und Paul am 13.Juli von Hamburg über Delhi nach Jammu. Von dort dann mit dem Bus weiter nach Kishtwar, wo wir uns am 16.Juli treffen wollen.

    Vincent hat nur einen Monat Zeit, Paul zwei Monate und ich vier Monate, mit Rückflug am 12.Oktober.


    Die Reisekosten

    Der Flug mit Turkish Airlines von Hamburg nach Delhi und zurück hat 435 Euro gekostet.

    Der Flug mit Air India von Delhi nach Srinagar 45 Euro.

    In Indien habe ich während meiner vier Monate insgesamt umgerechnet 1150 Euro ausgegeben, alles inclusive (Transport, Unterkunft, Essen etc....).
    Das macht ein Schnitt von 9,43 Euro pro Tag.
    Zuletzt geändert von berniehh; 18.10.2017, 18:03.
    www.trekking.magix.net

  • berniehh
    Fuchs
    • 31.01.2011
    • 1795

    • Meine Reisen

    #2
    AW: [IN] Großer West Himalaya Trek

    Inhaltsverzeichnis

    die Anreise
    ….......und die große Frage: ist Kaschmir überhaupt noch sicher??



    Erster Trekkingabschnitt
    Durch die Berge Kaschmirs

    1. bis 5.Tag - Dachigam Nationalpark

    6. bis 12.Tag:

    13. bis 15.Tag

    16. und 17.Tag - Pir Panjal Range

    18. und 19.Tag - Pir Panjal Range

    20.Tag // und Kishtwar


    Zweiter Trekkingabschnitt
    Über die vergletscherten Pässe des Himalaya Hauptkammes

    die Anreise // plus 1. und 2.Tag

    3. und 4.Tag - Kishtwar Nationalpark

    5. und 6.Tag - Kishtwar Nationalpark

    7. bis 10.Tag - Kishtwar Nationalpark

    11.Tag - der erste Fünftausender Pass

    12. und 13.Tag - talabwärts zum Pilgerdorf Machail

    14. und 15.Tag - auf dem Weg nach Zanskar

    16. und 17.Tag - Aufstieg zum Muni La

    18.Tag - Überquerung des Muni La

    19. bis 23.Tag - auf dem Weg zum nächsten Pass

    24. und 25.Tag - über den dritten Gletscherpass

    26.Tag - Kang La

    27. und 28.Tag - Miyar Valley

    29. bis 32.Tag - Sackgasse am Tarsalamu


    Dritter Trekkingabschnitt
    Durch die Zanskar Schluchten

    die Anreise plus 1. und 2.Tag (Lingti Chu Valley)

    3. und 4.Tag - über den namenlosen Pass Nr.16 ins Tsarap Valley

    5. und 6.Tag - Tsarap Valley

    7. und 8.Tag Gotunta La

    9. und 10.Tag - Niri Cha Valley

    11. und 12.Tag - über den Pandang La

    13. und 14.Tag

    15.Tag - über den Charchar La

    16. und 17.Tag - durch die Khurna Schluchten

    18. und 19.Tag - über den Zalung Karpo La

    20. und 21.Tag - auf dem Markha Valley Trek über den nächsten Pass

    22. und 23.Tag - Stok Range

    24. und 25.Tag - Stok Kangri


    Leh - Manali


    Durch den Great Himalayan Nationalpark

    Allgemeines & Anreise & 1. bis 2.Tag

    3. bis 5.Tag

    6. und 7.Tag

    8. und 9.Tag

    10.Tag & Fahrt nach Delhi

    Delhi - das Ende meiner Reise!

    Delhi (2)
    Zuletzt geändert von berniehh; 03.02.2018, 21:17.
    www.trekking.magix.net

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    • codenascher

      Alter Hase
      • 30.06.2009
      • 4318

      • Meine Reisen

      #3
      AW: [IN] Großer West Himalaya Trek

      Kranker scheiß, da freu ich mich jetzt schon auf jeden einzelnen Kilometer, jede Furt und jeden Pass! Hau in die Tasten Bernd

      Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

      meine Weltkarte

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      • sudobringbeer
        Administrator

        Administrator
        Fuchs
        • 20.05.2016
        • 2430

        • Meine Reisen

        #4
        AW: [IN] Großer West Himalaya Trek

        holy sh.. MEHR!

        Kommentar


        • oesi

          Fuchs
          • 22.06.2005
          • 1509

          • Meine Reisen

          #5
          AW: [IN] Großer West Himalaya Trek

          Super, ich freue mich auf den Bericht.

          Ich komme gerade selber aus dem nordindischen Himalaja. Ich war allerdings nur 3 Wochen dort. Dann kann ich es mir ja getrost sparen einen Bericht zu schreiben

          Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.
          (Johann Wolfgang von Goethe)

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          • qwertzui
            Fuchs
            • 17.07.2013
            • 2026

            • Meine Reisen

            #6
            AW: [IN] Großer West Himalaya Trek

            Zitat von oesi Beitrag anzeigen
            Super, ich freue mich auf den Bericht.

            Ich komme gerade selber aus dem nordindischen Himalaja. Ich war allerdings nur 3 Wochen dort. Dann kann ich es mir ja getrost sparen einen Bericht zu schreiben

            Vergiss es, mit dem Teaserphoto ist ein Bericht fällig.

            On topic: Bernieh freu

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            • Shades
              Dauerbesucher
              • 21.08.2015
              • 551

              • Meine Reisen

              #7
              AW: [IN] Großer West Himalaya Trek

              @Bernie Schon mal vielen Dank im Voraus + grossen Respekt dafür, wie Du Deinen Lebensentwurf realisierst. Ich hoffe, Du findest später mal einen Verlag, der Deine vielen Abenteuer veröffentlicht...

              Kommentar


              • Intihuitana
                Fuchs
                • 19.06.2014
                • 1671

                • Meine Reisen

                #8
                AW: [IN] Großer West Himalaya Trek

                Hier entsteht wieder erstklassige Reiseliteratur. Kanns kaum abwarten.
                Russian Roulette is not the same without a gun. - Lady Gaga

                Kommentar


                • Fabian485
                  Fuchs
                  • 12.06.2013
                  • 1643

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: [IN] Großer West Himalaya Trek

                  Bin ebenfalls gespannt

                  Kommentar


                  • berniehh
                    Fuchs
                    • 31.01.2011
                    • 1795

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: [IN] Großer West Himalaya Trek

                    Zitat von oesi Beitrag anzeigen
                    Ich komme gerade selber aus dem nordindischen Himalaja. Ich war allerdings nur 3 Wochen dort. Dann kann ich es mir ja getrost sparen einen Bericht zu schreiben
                    das ist keine Entschuldigung! Einen Bericht schreiben musst du trotzdem

                    An alle anderen: Vielen Dank für die netten Kommentare
                    Heute vormittag geht's vielleicht schon weiter......
                    www.trekking.magix.net

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                    • Baciu
                      Dauerbesucher
                      • 18.07.2013
                      • 958

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: [IN] Großer West Himalaya Trek

                      Da bin ich auch neugierig Hatte ja Kishtwar 2014 auch mal im Fokus, ist leider nichts daraus geworden.

                      Kommentar


                      • berniehh
                        Fuchs
                        • 31.01.2011
                        • 1795

                        • Meine Reisen

                        #12
                        die Anreise

                        ….......und die große Frage: ist Kaschmir überhaupt noch sicher??

                        13. bis 16.Juni 2017, Srinagar

                        Nach dem langen Hinflug, mit jeweils 6 bis 8 Stunden Wartezeit auf den Flughäfen von Istanbul und Delhi, lande ich schließlich in Srinagar, der Hauptstadt des indischen Bundesstaates Jammu und Kaschmir, im ach so idyllisch grünem Kashmir Valley gelegen, das von Vielen auch als Paradies auf Erden bezeichnet wird (haha).

                        Das moslemische Kaschmir ist schon seit Jahrzehnten die Streitregion zwischen den beiden Atommächten Indien und Pakistan. Hinzu kommen dann noch massive innenpolitische Spannungen. Separatistengruppen, die sich von Indien loslösen wollen, verbreiten seit Jahrzehnten Angst, Terror und Gewalt im Kashmir Valley. Was genau da eigentlich abgeht, weiss ich auch nicht. Es ist alles recht kompliziert.
                        Um auch nur einen kleinen Teil der ganzen Probleme zu erfassen, muss man nur mal ein indisches Geographie-Schulbuch aufschlagen: in dem wird ganz Nord Pakistan als indisches Staatsgebiet behandelt und der Nanga Parbat ist der höchste Achttausender, der komplett auf indischem Gebiet liegt.
                        Die interessante Frage dabei ist jedoch, ob die ganzen Spannungen auch Auswirkungen auf die Sicherheit von Touristen im Kashmir Valley haben?
                        Einige Kaschmir-Experten sagen nein!


                        Noch bevor man den Flughafen von Srinagar verlässt, muss man sich als Ausländer an einem speziellen Schalter bei der Polizei registrieren lassen.

                        Sobald ich das Flughafengebäude verlasse, werde ich in die knallharte indische Realität geworfen:
                        Alle Taxifahrer im Umkreis wittern fette Beute und stürzen sich wie die Geier auf mich: „da kommt der Ahnungslose Ausländer und den drehen wir gleich mal eine teure Fahrt an“.
                        Preisgünstige Shared-Taxis?
                        Die gibt es seit kurzem nicht mehr, will mir die Meute weissmachen!!
                        Sogar ein hinzukommender Polizist bestätigt daß nur noch die teuren pre-paid-Taxis vom Flughafen in die Stadt fahren.
                        Das ist natürlich alles Quatsch!
                        Ich habe mich schließlich vor der Abreise schlau gemacht, wusste daß es Shared-Taxis gibt und kannte sogar die aktuellen Preise. Hat also alles nichts genützt für die Meute.
                        Man muss nur sehr standhaft bleiben, dann bekommt man auch was man will: eine Shared-Taxifahrt für ein Zehntel des Preises von pre-paid-Taxis.

                        Ich checke mich in einem Gästehaus in der Altstadt ein. Die Unterkunft hatte ich mir schon zuhause über booking.com gebucht. Doppelzimmer mit eigenem Bad für 300 Rupees die Nacht (=knapp unter 4 Euro), inclusive Frühstück.


                        mein Zimmer


                        Blick vom Hosteldach über die Stadt


                        mein Hostel liegt sehr versteckt in einer engen Seitengasse, aber nach nur paar Minuten erreicht man die hier auf dem Foto zu sehende Hauptstraße

                        Srinagar ist eine sehenswerte Stadt, mit einer verwinkelten Altstadt, den ganzen Kanälen, dem Dal Lake und der einzigartigen Hausbootkultur. Die Stadt wird auch oft als das Venedig Indiens bezeichnet. Es lohnt sich durchaus hier einige Tage zu verbringen bevor ich mit meinem Trek starte.

                        Im Unterschied zu Kathmandu und Leh (wo es von Backpackern nur so wimmelt), sehe ich in Srinagar nur ganz vereinzelt mal westliche Rucksackreisende. Srinagar ist also schon was Besonderes.
                        Als Westler fällt man auf den Straßen auf. An jeder Ecke wird man angesprochen, meist von irgendwelchen Schleppern oder Verkäufern, die mir in ihrer aufdringlichen Art geführte Touren, Shikara-Fahrten, Hausbootübernachtungen und von Teppichen bis hin zu Dope fast alles aufschwatzen wollen. Das ist im Rest Indiens zwar auch nicht viel anders, aber in Kaschmir vielleicht noch einen Tick extremer.

                        Ansonsten ist alles recht entspannt hier und die Leute sehr nett.

                        An einem Vormittag habe ich mir doch noch eine Shikara-Fahrt aufschwatzen lassen. Normalerweise mache ich so einen touristischen Kram ja nicht, aber wenn man schon mal hier ist........
                        So eine Bootstour gehört einfach mit dazu wenn man in Srinagar ist

                        Von den politischen Spannungen merkt man momentan nichts, außer dem sehr hohen Aufgebot von Polizei und Militär überall in der Stadt.
                        Kaschmir scheint für Touristen sicher zu sein, sofern man nicht gerade an die Waffenstillstandslinie entlang der pakistanischen Grenze fährt, oder dorthin wo gerade die Post abgeht.
                        Von der Reisewarnung des Auswärtigen Amtes sollte man sich also nicht abschrecken lassen. Die warnen schon seit Jahrzehnten vor Reisen nach Kaschmir, selbst in den ruhigsten Zeiten, was in meinen Augen schon nicht mehr seriös ist.

                        Man sollte sich trotzdem vor der Abreise über die aktuelle Sicherheitslage schlau machen,.....dabei aber andere Quellen zu Rate ziehen.

                        Im Internet findet man z.B. die auf englisch geschriebenen Blätter „Kashmir Times“ oder „South Kashmir News“.
                        Zwei Monate vor meiner Abreise konnte ich in diesen Blättern fast täglich neue Horror-Nachrichten über Kaschmir lesen, incl. gezielte Steinewerf-Attacken gegen Touristen, die angeblich von Pakistan finanziert werden.
                        Im Kashmir Forum haben sogar einige indische Touristen, die in diese „stone peltings“ geraten sind, darüber berichtet.

                        Solche Internet-Berichte sollte man aber natürlich auch nicht überbewerten,........und sich davon schon gar nicht von einer Kaschmirreise abhalten lassen!
                        Als Laie kann man sowieso nicht nachprüfen ob diese Berichte nicht vielleicht doch etwas zu übertrieben dargestellt werden, wenn man nicht selber life dabeigewesen ist.

                        Die zuverlässigsten Infos über die aktuelle Sicherheitslage bekommt man immer noch von den Einheimischen direkt vor Ort. Ich habe daher zwei Monate vor meiner Abreise über die sozialen Netzwerke einige davon kontaktiert und fand es sehr lustig was da für unterschiedliche Meinungen bei rausgekommen sind:
                        Einmal der Inder, der irgendwo in der nordindischen Tiefebene wohnt und noch nie in seinem Leben in Kaschmir gewesen ist, aber täglich aus den indischen Medien präsentiert bekommt was dort abgeht. Er riet mir dringend von der Reise ab, schrieb sogar daß ich mich einer absoluten Lebensgefahr aussetzen würde!!!

                        Dann habe ich noch mit mehreren Leuten aus Srinagar und Umgebung gechattet, alles normale Bürger, die nichts mit Tourismus zu tun haben. Alle schrieben sie das Gleiche:
                        „Kaschmir ist sicher! Alles kein Problem, du kannst ruhig kommen!“
                        Kashmiris, die beruflich in der Tourismusbranche tätig sind, setzten sogar noch eins obendrauf und stellten Kaschmir als eines der sichersten Länder der Erde dar.

                        Da sollte es doch eigentlich kein Grund zur Sorge mehr geben?

                        Auch wenn Kaschmir von den meisten westlichen Rucksackreisenden eher gemieden wird, sollte man nicht vergessen daß es nach wie vor ein sehr beliebtes Reiseziel für indische Touristen ist. Gesehen habe ich zwar keine, aber irgendwo werden sie sich wahrscheinlich rumtreiben.

                        Also Augen und Ohren offenhalten, dann kann einem als Tourist nicht viel passieren. Kaschmir ist ein sehr empfehlenswertes Reise- und Trekkingland.

                        Bevor es gleich mit dem Thema Sicherheit weitergeht, könnt ihr Euch nun erstmal meine Fotos aus Srinagar anschauen:




                        Dal-Lake, die Hauptattraktion Srinagars


                        von einem Hügel hat man eine wunderbare Ausssicht über die Stadt






                        Blick Richtung Dal-Lake




                        typische Marktstraße




                        die Altstadt


                        der Jhelam Fluss fließt durch die Altstadt


                        Straßenszene in der Altstadt






                        an einem Vormittag mache ich eine Shikara-Fahrt auf dem Dal-Lake. Die nachfolgenden Fotos sind von dieser Tour


























                        17.Juni 2017, Verpatzter Start, Srinagar

                        Es sind 20 Kilometer von Srinagar zum Dorf Harwan, am Eingang des Dachigam Nationalparks. Dort soll mein Trek starten und heute sollte es eigentlich losgehen. Aber es ist Streiktag und fast alles geschlossen.

                        Gestern wurden in Kaschmir 6 Polizisten ermordet und auch heute morgen zwei Leute umgebracht.
                        Es ist alles etwas chaotisch momentan.

                        Das Militär hat in der Altstadt und verschiedenen anderen Stadtteilen Srinagars für heute eine Ausgangssperre verhängt. Gestern bin ich da noch durchspaziert um paar Fotos zu schiessen. Alles war voll mit schwerbewaffnetem Militär. In einigen Straßenzügen sah man genausoviele Soldaten wie Zivilisten. Heute kommt man in diese Stadtteile nicht mehr rein.

                        Das ist aber alles noch kein Grund zur Panik. Streiks und Ausgangssperren gehören in Srinagar zum normalen Alltag.
                        Das Kashmir Valley ist schliesslich ein ausgewiesenes Krisengebiet.

                        Meine Unterkunft liegt davon einen Kilometer entfernt und ist nicht betroffen. Ebenfalls sicher und nicht betroffen ist die Strecke von meiner Unterkunft zum Dal-Gate, wo die Shared-Taxis und Tuk-Tuks nach Harwan abfahren. Die Straßen sind aber dennoch ungewöhnlich leer und fast alles ist geschlossen.
                        Auch der Shared-Taxi Stand ist leer, kein einziges Fahrzeug dort. An Streiktagen fährt der öffentliche Verkehr nur sehr eingeschränkt.
                        Es ist schwer heute überhaupt aus Srinagar rauszukommen.

                        Ich würde mit Sicherheit einen Tuk-Tuk Fahrer finden, der versprechen würde mir nach Harwan zu fahren. Wahrscheinlich würde er aber aus Angst einen überhöhten Preis fordern. Und dann hätte man noch keine Garantie überhaupt durchzukommen, weil die Straße unterwegs von Steinewerfern blockiert sein könnte.

                        Mein Hostelbetreiber rät mir dringend ab heute zu fahren. Laut ihm soll morgen angeblich aber alles wieder normal sein.
                        Ok, alles halb so wild. Dann fahre ich eben einen Tag später.

                        Mein Hostelbetreiber klagt über Gästemangel und Umsatzeinbrüche. Ausser mir ist da nur noch ein Pärchen aus Südkorea und es haben sich seit Tagen keine weiteren Gäste mehr eingecheckt. Laut ihm ist sein Haus um diese Jahreszeit normalerweise immer voll.
                        Er schiebt den Gästemangel auf die Negativschlagzeilen, die die blöde Presse seit einigen Tagen und Wochen über Kaschmir verbreitet. Dabei ist Kaschmir doch so ein sicheres Land!

                        Am Abend erzählt mir der Hostelbetreiber, er habe gerade im Fernsehen gesehen daß in dem Dorf an meinem Trekkingstartpunkt heute bei Ausschreitungen ein Zivilist getötet wurde. Es war zu dem Zeitpunkt aber wohl noch unklar ob er vom indischen Militär oder von militanten Demonstranten umgebracht wurde.

                        Morgen will ich auf jeden Fall aufbrechen. Gleich in der Frühe suche ich mir ein Tuk-Tuk, das mich direkt zu meinem Trekkingstartpunkt fahren soll. Bin froh wenn ich die Zivilisation endlich verlassen kann und durch die unerschlossene Bergwildnis wander, ohne den ganzen Scheiss hier.
                        Zuletzt geändert von berniehh; 19.10.2017, 11:54.
                        www.trekking.magix.net

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                        • Dominik

                          Vorstand
                          Moderator
                          Lebt im Forum
                          • 11.10.2001
                          • 9167

                          • Meine Reisen

                          #13
                          AW: [IN] Großer West Himalaya Trek

                          Crazy! Bin sehr (!) gespannt auf den Bericht!
                          Offizieller Ansprechpartner: Naturlagerplätze - Eifel

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                          • Babsbara
                            Erfahren
                            • 26.06.2013
                            • 166

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: [IN] Großer West Himalaya Trek

                            /Ironie an/ Irgendwie nimmst du dem Bericht ja schon die Spannung, indem du ihn überhaupt schreibst! Wird er die Tour sicher beenden? /Ironie off/

                            Toll, ich freu mich auf viele Stunden spannenden Lesestoffs mit schönen Bildern, auch wenn ich die Region null kenne und höchstwahrscheinlich nie bereisen werde!

                            Leg los!
                            Babs

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                            • BohnenBub
                              Erfahren
                              • 15.09.2012
                              • 256

                              • Meine Reisen

                              #15
                              AW: [IN] Großer West Himalaya Trek

                              Bernd, du zauberst mir mal wieder ein schmunzeln ins Gesicht: Bei zwei Angriffen in deiner unmittelbaren Nähe 7 Leute ermordet und das Militär riegelt alles ab. Steinwerfer sorgen dafür, dass lokale Taxen sich nicht mehr trauen zu fahren –"aber alles absolut sicher und davon sollte sich keiner abhalten"
                              Du bist ein Goldstück :-D

                              Danke, dass ich einen Teil der Reise miterleben konnte! Bin gespannt, was hier die nächsten Wochen so entsteht.

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                              • Pielinen
                                Fuchs
                                • 29.08.2009
                                • 1288

                                • Meine Reisen

                                #16
                                AW: [IN] Großer West Himalaya Trek

                                Zitat von berniehh Beitrag anzeigen
                                .....Bin froh wenn ich die Zivilisation endlich verlassen kann und durch die unerschlossene Bergwildnis wander, ohne den ganzen Scheiss hier....
                                Toll, er ist wieder da!
                                Wer nichts weiß muss alles glauben...

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                                • evernorth
                                  Fuchs
                                  • 22.08.2010
                                  • 1503

                                  • Meine Reisen

                                  #17
                                  AW: [IN] Großer West Himalaya Trek

                                  Halleluja! Darauf habe ich schon gewartet. Super spannend und wieder ein toller Beginn.
                                  Freue mich auf alles, was noch folgt. Hau rein, Bernd.
                                  My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

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                                  • Wildniswanderer
                                    Erfahren
                                    • 08.11.2008
                                    • 402

                                    • Meine Reisen

                                    #18
                                    AW: [IN] Großer West Himalaya Trek

                                    Das wird bestimmt ein großartiger Bericht über einen tollen Trek! Im übrigen nehme ich an, dass jeder, auch noch so naive Leser nach deinen Schilderungen für sich selber einschätzen kann, wie gefährlich Kaschmir ist
                                    http://geraldtrekkt.blogspot.de

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                                    • Mortias
                                      Fuchs
                                      • 10.06.2004
                                      • 1022

                                      • Meine Reisen

                                      #19
                                      AW: [IN] Großer West Himalaya Trek

                                      Zitat von berniehh Beitrag anzeigen
                                      Das Militär hat in der Altstadt und verschiedenen anderen Stadtteilen Srinagars für heute eine Ausgangssperre verhängt. Gestern bin ich da noch durchspaziert um paar Fotos zu schiessen. Alles war voll mit schwerbewaffnetem Militär. In einigen Straßenzügen sah man genausoviele Soldaten wie Zivilisten. Heute kommt man in diese Stadtteile nicht mehr rein.
                                      Krasser Anfang. Kann mir richtig gut vorstellen wie jeder normale Mensch sich bei solch eine Situation zumindest extrem unwohl gefühlt hätte (oder sogar richtig Angst bekommen hätte). Und bei Dir wird das dann wieder ein grummeliges "sich über eine unnötige Verzögerung"-ärgern.

                                      Jedenfalls ein spanneneder Auftakt. Bin dann jetzt mal auf die eigentlichen Touren gespannt. Übrigens auch nochmal meine Hochachtung zu Deiner logistischen Planung. Ist ja nicht das erste Mal, dass Du Dir in fremden Gegenden monatelange Treks planst. Da gehört schon enorm viel Aufwand, Motivation und Fachkenntnis dazu.

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                                      • berniehh
                                        Fuchs
                                        • 31.01.2011
                                        • 1795

                                        • Meine Reisen

                                        #20
                                        AW: [IN] Großer West Himalaya Trek

                                        Erster Trekkingabschnitt

                                        Durch die Berge Kaschmirs

                                        201 Kilometer

                                        20 Tage


                                        Meine Route & Schwierigkeitsgrad
                                        Mein erster Trekkingabschnitt führt durch eine ursprüngliche Hochgebirgslandschaft über 10 Pässe zwischen 3900 und 4400 m hoch. Also noch relativ niedrig verglichen mit den Pässen der zweiten Etappe.

                                        Normalerweise ist diese Etappe nicht so anspruchsvoll. Meistens gibt es Pfade, die aber in der zweiten Junihälfte noch teilweise unter Schnee liegen. Sie Schneeverhältnisse waren für die Jahreszeit OK,…..in einigen Gegenden lag oberhalb von 3500 bis 4000 m noch eine geschlossene Schneedecke. Die Passquerungen waren daher etwas langsamer und anspruchsvoller als ohne Schnee, aber alles noch im Rahmen und gut machbar. Für vier von zehn Passquerungen habe ich Steigeisen benötigt.

                                        Das Furten der Flüsse war in der Jahreszeit kaum irgendwo möglich, selbst in vielen kleinen Tälern nicht. Brücken gibt es nur wenige, dafür aber in fast jedem Tal zahlreiche noch nicht weggeschmolzene Schneebrücken, selbst über reissende Hauptflüsse. Das Überqueren der Flüsse auf Schneebrücken scheint auch bei den Nomaden eine gängige Methode zu sein auf die andere Seite zu kommen. Bei einigen Schneebrücken musste man sich aber schon die Frage stellen, „na, hält die noch oder nicht mehr?“

                                        die Menschen
                                        Während der gesamten 20 Tage habe ich keine anderen Trekker getroffen und bin nur durch zwei Dörfer gekommen.
                                        Aber die alpinen Grasflächen oberhalb der Baumgrenze werden während der Sommermonate von Nomaden als Weideland genutzt. Sie gehören dem Volksstamm der Gujjar an, leben unter ärmlichsten Verhältnissen mit ihren Familien in einfachen Zeltcamps und ziehen dabei ständig von Ort zu Ort.

                                        Die Gujjar sprechen neben ihrer eigenen Gojri-Sprache meist noch Urdu als Hauptsprache und kommen ausser in Kashmir noch im Norden Pakistans und in den Bergen Afghanistans vor. Englisch spricht so gut wie keiner!

                                        Ich hatte vorher zwar gewusst daß das Gebirge von Nomaden bewohnt wird, war dann aber doch überrascht wie viele es waren! Überall sieht man welche am campen und das Land wirkt überweidet und übernutzt. Als Trekker ist es schwer überhaupt eine einsame unentdeckte Campstelle zu finden, an der man seine Ruhe hat, ohne von neugierigen Nomaden belagert zu werden.

                                        Trotzdem, die Menschen sind unglaublich gastfreundlich. An fast jedem Camp wird man zum Tee oder übernachten eingeladen.
                                        Ziemlich am Anfang des Treks habe ich mich auch zweimal breitschlagen lassen mit in ihren Camps zu übernachten. Das war einerseits zwar gut für meine Fotosammlung und auch ein beeindruckendes Erlebnis so tief in eine total fremde Kultur einzutauchen,........aber andererseits auch mental ziemlich anstrengend. Man sitzt den ganzen Abend da und versucht trotz Sprachbarriere die Unterhaltung am Laufen zu halten, mit nur zwei oder drei Wörtern englisch.

                                        Bei der zweiten, dritten und vierten Einladung wiederholt sich das ganze dann und die mentale Anstrengung, die man beim ersten Mal noch gerne in Kauf genommen hat, weil alles neu und interessant ist, wird dann plötzlich zur Last, auf die man keinen Bock mehr hat.
                                        Noch schlimmer ist es wenn man alleine reist. Dann ist die ganze Aufmerksamkeit nur auf dich gerichtet und du kannst alleine versuchen das Gespräch in Gang zu halten.
                                        Wenn man zu zweit oder dritt reist, kann man es sich ja noch aufteilen.
                                        Zum Beispiel auf dem zweiten Abschnitt ab Kishtwar: Da konnte Vincent dann den Unterhalter spielen, während Paul und ich nur daneben saßen, unseren Tee geschlürft und zugehört haben, was deutlich entspannter war.

                                        Auch wenn die Menschen noch so gastfreundlich sind, rückten sie mir doch oft auch zu nahe auf die Pelle. Was aus deren Sicht vielleicht Tradition, Neugier oder was auch immer ist, empfand ich aus westlicher Sicht oft als ziemlich aufdringlich, unhöflich und unangenehm.
                                        Zum Beispiel wenn mir Nomaden für ne Weile auf Schnitt und Tritt folgten.
                                        Oder ich glaubte an einer einsamen Stelle zu campen, dann tauchen da plötzlich drei bis vier Mann auf, hocken sich direkt vor meinem Zelt und bleiben da erstmal ne Weile.
                                        Ok, wenn man sich wenigsten unterhalten könnte wäre es nochmal was ganz anderes. Das war aber in 99 Prozent der Fälle nicht der Fall.

                                        Wie auch schon 2013 in Westnepal, scheinen auch die Nomaden in Kaschmir zu glauben daß alle Westler von Beruf Arzt sind. Wenn es in 20 Tagen vielleicht zwei bis dreimal vorkommen würde, würde ich sagen Schwamm drüber. Wenn dich aber jeder zweite Nomade nach Tabletten fragt und dir von Haarausfall bis hin zu Knieproblemen alles an Leiden präsentiert wird was man sich vorstellen kann, muss das ganze schon System haben.. Dann wird es nervig und unangenehm.
                                        Du läufst durch ein Tal. Aus einer 100 m entfernten Hütte entdecken dich die Bewohner, verlassen ihre Hütte und kommen direkt auf dich zu, nach dem Motto „oh, da kommt der Onkel Doktor“, und du dann denkst, „ach du meine Güte! Was kommt denn jetzt schon wieder?“, wobei es auch mal vorgekommen ist daß ich dann aus Protest schnell die Flussseite gewechselt habe bevor der oder diejenigen mich erreichen konnten. Das mag für denjenigen vielleicht sehr unhöflich gewirkt haben, war mir aber egal.
                                        Manchmal habe ich mich gefragt ob sie das wohl nur machen weil ich Ausländer bin? Oder machen sie auch das gleiche wenn hier ein indischer Trekker oder andere Nomaden vorbeikommen?

                                        Fazit: Anfangs fand ich die Begegnungen mit den Nomaden noch interessant, aber im Laufe des Treks habe ich die Menschen mehr und mehr gemieden, Einladungen abgelehnt und die Privatsphäre in meinem eigenen Zelt bevorzugt. Das war aber nicht immer so einfach.

                                        die Landschaft
                                        Die Berge sind in Kaschmir sehr grün. Meine Route führt durch ein alpines Hochgebirge mit tief eingeschnittenen Tälern, die unteren Hänge mit Nadelwäldern bestanden und oben schneebedeckte Berge, teils vergletschert. Die Landschaft sieht teilweise so ähnlich aus wie die europäischen Alpen, nur ohne Straßen.
                                        Es war ein phantastischer Trek!


                                        1. bis 5.Tag - Dachigam Nationalpark

                                        Mein Trek startet am Eingang des Dachigam Nationalpark im unterem Dagwan Valley auf 1700 m Höhe, 22 Kilometer von Srinagar.
                                        Ich lasse mich mit einem Tuk-Tuk direkt dorthin fahren.
                                        Am Gate erlebt man den krassen Übergang vom extrem dicht besiedelten Kashmir Valley in die unberührte Wildnis, die direkt an der Nationalparkgrenze startet.

                                        Der Dachigam Nationalpark liegt in der Zarbarwan Range im West Himalaya und besteht aus einen tiefer gelegenen Westteil (Lower Dachigam), der am unteren Dagwan River mit dichten dschungelartigen Wäldern bestanden ist und einen alpineren Teil im Osten (Upper Dachigam), der bis auf 4400 m Höhe reicht.

                                        Die ersten 5 Tage durchquere ich diesen Nationalpark zum Tarsar Lake, ein attraktiver alpiner See, der kurz hinter meinem ersten Pass liegt. Dabei folge ich den Dagwan River aufwärts.....


                                        1.Tag: die ersten 8 Kilometer vom Gate führt diese unnötige Fahrpiste durch den dichten Dschungel des Lower Dachigam, die das Trekkingerlebnis trübt, auch wenn die Landschaft schön ist


                                        Zum Glück kann man auf dem größten Teil der Strecke die Piste meiden und auf der anderen Flussseite diesen Ex-Fahrweg folgen, der jetzt nur noch ein schmaler Pfad ist. Der Wald ist sehr dicht und schön, man sieht viele Affen


                                        Auf dieser verwachsenen Lichtung mit einigen Gebäuderuinen ist die Piste endgültig zuende. Hier kann ich erst den Anschlusspfad nicht finden, der weiter talaufwärts führt. Als ich mein Gepäck liegenlasse und eine Weile rumsuche, sehe ich einen Schwarzbär


                                        nun geht's nur noch auf schmale Pfade weiter.


                                        Dagwan River - die Landschaft wird sehr phantastisch und wild


                                        Blick zurück ins Lower Dachigam


                                        es geht weiter talaufwärts






                                        Camp 1 (2335 m)


                                        2.Tag: kurz hinter meinem Camp mündet dieser Fluss aus einem Nebental ein, der gequert werden muss. Zunächst suche ich vergeblich nach einer Furtstelle, dann quere ich schliesslich über diesen Baumstamm.


                                        auf einen schmalen und wenig begangenen Pfad geht's weiter durch phantastischen Wald talaufwärts


                                        das Tal wird eng, teilweise schluchtig, die Route ist abenteuerlich mit einige heikle Stellen. Ich treffe keine Leute.




                                        schmaler Waldpfad entlang steiler Hänge






                                        3.Tag: weiter oben wird der Laubwald durch alpinen Nadelwald abgelöst. Ab hier stößt man auf erste kurzgefressene Grasflächen und Nomadencamps. Pfade verlaufen kreuz und quer. Ich treffe die ersten Menschen seit dem Trekkingstart.


                                        Während eines Schauers mache ich unter diesen Felsüberhang meine Mittagspause






                                        .....dann die ersten großen Grasflächen und ich sehe zum ersten Mal die alpinen Berge am Talende





                                        Am Abend des dritten Tages nehme ich die erste Übernachtungseinladung von Nomaden an. Eigentlich wollte ich das nicht, aber weil sie nicht locker lassen, es in Strömen regnet und ich noch keine gute Campstelle gefunden habe, sage ich schließlich doch zu.













                                        Am nächsten Morgen regnet es noch immer in Strömen. Ich bleibe zunächst noch im Camp, aber die Unterhaltung mit den Bewohnern wird zunehmend schwieriger. Hat man mit den paar Sprachbrocken den Abend noch irgendwie rumbekommen, so ist das Repertoire langsam erschöpft und man weiss nicht mehr was man sich sonst noch sagen soll, ohne sich ständig zu wiederholen.
                                        Wenn ich alleine wäre, könnte ich mich nun in meinen Schlafsack zurückziehen und dort in Ruhe warten bis der Regen aufhört. Das geht hier aber nicht. Der Schlafplatz im hinteren Teil der Hütte scheint tagsüber tabu zu sein.
                                        Und als ich meinen Kopf mal kurz auf die Knie lege und die Augen zumache, werde ich gleich vom Hüttenchef angestubst. Keine Ahnung wieso. Wahrscheinlich war das unhöflich.
                                        Am Nachmittag halte ich es dann nicht mehr aus und wander trotz deren Überredungsversuche zu bleiben und trotz Dauerregen los. Zwei Stunden später schlage ich im Regen mein Camp auf.


                                        So vertreibt man sich bei Regen den Tag: zwischen den Knien kommt ein Korb mit glühender Kohle, das hält schön warm


                                        Camp 4 (3430 m)


                                        Blick zurück talabwärts. Der rote Kreis zeigt die Lage des Nomadencamps, in dem ich übernachtet habe.
                                        Wenn man auf Großaufnahme klickt (=zweimal klicken) und genau sucht, findet man auf diesem Foto noch mindestens elf weitere Nomadencamps



                                        der gleiche Blick am nächsten Morgen (5.Tag). Aber wo ist das Nomadencamp?
                                        Bin ich zu doof das wiederzufinden?? Diese Frage beantwortet sich am Nachmittag von selber.......



                                        die letzten alpinen Birkenwälder


                                        5.Tag: die Baumgrenze liegt nun hinter mir. Ich folge das alpine Hochtal weiter aufwärts zum ersten Pass






                                        nach zwei Stunden erreiche ich den Fuße des Passes. Es sind noch 300 Höhenmeter bis nach oben.


                                        Blick Richtung Talende


                                        am Talende sieht man den Marsar Lake


                                        nach Überquerung des Passes liegt unter mir der Tarsar Lake (3800 m). Den Dachigam Nationalpark verlasse ich nun.
                                        Die beiden Seen Marsar und Tarsar scheinen beliebte Trekkingziele zu sein, denn wenn man danach googelt, findet man haufenweise Fotos und Routenbeschreibungen, allerdings nur Seiten von kommerziellen Anbietern aus Srinagar. Die Touren dauern 7 Tage, führen von Aru zu diesen beiden Seen, dann auf der anderen Seite runter ins Sind Valley an die Srinagar-Leh Straße. Beschreibungen durch den Dachigam Nationalpark habe ich keine gefunden. Ich weiss allerdings nicht wie häufig diese Touren gebucht werden. Selber habe ich keine anderen Trekker gesehen.



                                        Tarsar Lake


                                        Tarsar Lake




                                        kurz hinter dem Seeausfluss schlage ich wegen eines Regenschauers für die Mittagspause mein Camp auf.

                                        Als ich im Zelt liege höre ich draußen Leute: Es war die Nomadenfamilie, bei der ich vorgestern übernachtet habe! Sie haben ihr Camp abgebaut, sind mit Sack und Pack über den Pass gekommen und wollen noch ein Stückchen weiter talabwärts, wo der Rest der Familie wohnt.
                                        Vorgestern abend hatte der Familienchef mir auch mehrmals gesagt daß sie mich über den Pass führen wollten, was ich aber ablehnte. Daß sie da sowieso mit der ganzen Familie rüberwollten, werden sie mir wohl auch gesagt haben, aber das hatte ich nicht verstanden.
                                        Egal,.....jetzt komme ich um eine weitere Übernachtung bei ihnen nicht mehr drumherum.
                                        Sie gehen schonmal vor. Ich baue mein Camp ab und komme später hinterher. Als ich abends ihre Hütte erreiche versuche ich mich noch daran vorbeizumogeln und schnell weiterzugehen. Bringt aber nichts! Sobald sie mich entdecken, winken sie mich heran und befehlen mir quasi für die Nacht zu bleiben. Das abzulehnen wäre vermutlich sehr unhöflich. Also bleibe ich.


                                        Besuch vor meinem Mittagspausencamp


                                        es geht weiter talabwärts....




                                        an der Talgabelung wohnt die Nomadenfamilie


                                        Ankunft bei der Hütte (3360 m)


                                        das Gepäck wird ausgepackt








                                        Abends werden die Schafe vor der Hütte zusammengetrieben
                                        Zuletzt geändert von berniehh; 04.11.2017, 15:59.
                                        www.trekking.magix.net

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