[PER] Die trockenste Wüste der Welt

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  • Intihuitana
    Fuchs
    • 19.06.2014
    • 1653

    • Meine Reisen

    [PER] Die trockenste Wüste der Welt

    Tourentyp
    Lat
    Lon
    Mitreisende
    Reisezeitraum: September 2017

    Strecke: ca. 100 km

    Wasser: 10 l

    Hallo Forum

    Diesen September habe ich bei einer Expedition in den Regenwald Perus teilgenommen, was ich in einem anderen Bericht genauer beschreiben werde.
    Ich bin extra einige Zeit früher angereist um noch einen anderen Trip auf eigene Faust zu machen.
    Unter den verschiedensten Landschaften Perus kam für mich eigentlich relativ schnell nur eines in Frage. Nämlich die staubtrockene peruanische Küstenwüste.
    Diese Im Regenschatten der Anden gelegene Wüste ist einer der trockensten Orte auf der Welt und beherbergt auch die höchsten Sanddünen Südamerikas.
    Das waren für mich natürlich mehr als schlagkräftige Argumente dieser kleine aber umso extremen Wüste einen Besuch abzustatten.
    Was ich dort vorfinden sollte, war einer der seltsamsten, aber auch schönsten Orte an denen ich jemals gewesen bin.
    Ein Land von gespenstischer Ruhe und geradezu entrückt von nahezu allem, wo Wind und Sand alles zur Perfektion reduziert haben.

    In Kürze mehr...

    https://www.outdoorseiten.net/fotos/...4133_Copy_.jpg
    Zuletzt geändert von Intihuitana; 17.12.2020, 11:54.
    Russian Roulette is not the same without a gun. - Lady Gaga

  • codenascher

    Alter Hase
    • 30.06.2009
    • 4281

    • Meine Reisen

    #2
    AW: [PER] Die trockenste Wüste der Welt

    Freu ma!

    Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

    meine Weltkarte

    Kommentar


    • tjelrik
      Fuchs
      • 16.08.2009
      • 1239

      • Meine Reisen

      #3
      AW: [PER] Die trockenste Wüste der Welt

      Holy shit, das schaut gut aus!!!
      bear shit - sounds like bells & smells like pepper

      Kommentar


      • Sternenstaub
        Alter Hase
        • 14.03.2012
        • 2504

        • Meine Reisen

        #4
        AW: [PER] Die trockenste Wüste der Welt

        ich freue mich auch schon sehr und bin echt gespannt. das Foto ist der Hammer!
        Two roads diverged in a wood, and I—
        I took the one less traveled by,
        And that has made all the difference (Robert Frost)

        Kommentar


        • Fabian485
          Fuchs
          • 12.06.2013
          • 1643

          • Meine Reisen

          #5
          AW: [PER] Die trockenste Wüste der Welt

          Toll! Ich bin sehr gespannt was da noch kommt.

          Kommentar


          • Intihuitana
            Fuchs
            • 19.06.2014
            • 1653

            • Meine Reisen

            #6
            AW: [PER] Die trockenste Wüste der Welt

            Planung: Zugegeben, die Planungsphase war deutlich weniger lang als für andere Touren. Das lag auch daran dass die ganze Perusache relativ spontan bei mir kam und erst Stück für Stück hat sich die Küstenwüste herauskristallisiert.
            Mit der üblichen Kombination aus Satellitenbildern, welche für diese Region sehr scharf sind und einigen Militärkarten des U.S. Militärs habe ich die Streckenplanung vorgenommen. Das Terrain hier ist zumindest den Karten nach relativ Barrierefrei und man kann ausser in dne Riesendünen fast überall nach dem Lineal gehen.
            Die Tücken in diesem Gelände sind eher feiner Art, welches keine Karte zeigt und ich erst auf Tour kennenlernen konnte.

            Wie immer habe ich bei solchen Touren eine A und eine B Route im Petto. Die ursprüngliche A Route wäre nur dann möglich gewesen, wenn der Rio Ica Wasser zum auffüllen geführt hätte, was nicht der Fall war und was ich erst vor Ort herausfinden konnte. Die Ausweichroute war immer noch knapp 90-100 km lang und vor allem in den Dünengebieten recht anstrengend.

            Ausrüstung: Diesesmal hatte ich meinen Wanderwagen nicht dabei. Erstens weil mir das zu viel Umstand auf der weiteren Reise gewesen wäre, aber noch viel wichtiger, weil ich hier einige Riesendünen überqueren musste wo ein Wanderwagen völlig nutzlos ist.
            Es hieß also Rucksack tragen und absolut alles zu reduzieren und dem Wasser unterzuordnen. Alles unnötige habe ich vorher im Hostel gelassen. Auch Essen wurde bis auf ein absolutes Minimum reduziert. Bis auf ein paar Kekse und Nüsse hatte ich nichts dabei und das Essen war auch nur dafür da dass der Blutzuckerspiegel nicht zu stark absinkt. So hatte ich also 10 Liter für etwa 4 Tage. Also jeden Tag durfte ich maximal 2,5 L trinken, was in dem Sinne praktisch war, da in Peru Wasserflaschen in 2,5 L verkauft werden.
            In dem Sinne habe ich mich nur äusserlich sondern auch von der ausrüstung der Wüste angepasst. Reduktion in den Gedanken, Reduktion im Körper, Reduktion in der Ausrüstung.

            Anreise:

            Nach dem ich zwei Tage in London (Zum Glück bei meinem Cousin) festsaß und mein Anschlussflug verschoben wurde und Abends in Lima eintraf, hätte ich mir eigentlich etwas Ruhe in Lima gönnen sollen, aber mir missfiel diese Stadt derart, dass ich möglichst schnell raus wollte.
            Zum Glück traf ich im Hostel in Miraflores auf Katya aus Malta. Sie war eine Backpackerin und machte eine mehrmonatige Südamerikareise, wobei sie weniger in Richtung harte Trekkingtouren unterwegs war sondern die typischen Backpackerziele abarbeitete.
            Dennoch war sie soo begeistert von meiner Wüstenwandergeschichte(Sind Wüsten tendenziell für Frauen interessanter? Ich meine das beobachtet zu haben), dass sie unbedingt mit wollte, doch das musste ich ihr ausreden. Auch wenn sie fit war, mir wäre das einfach zu riskant mit einer Person die ich nicht kenne, so einen Gang auf dem Zahnfleisch zu machen.

            War denk ich dann auch vernünftiger. Wir beschlossen aber dann zumindest einen Kompromiss zu machen und eine Wüstenwanderung light zu machen. So reisten wir also bereits am nächsten Morgen mit dem Bus richtung Ica.
            Und das muss man sagen, das Busfahren zelebrieren die Peruaner richtig. Liegesitze, Stewardess, Tabletts zum spielen und Filme gucken und bei langen Fahrten sogar Boardservice.
            Es ist auch interessant dass man auf den Überlandstraßen fast keine Privat PKW sieht. Lange Strecken legen die Leute fast immer mit Bussen zurück.

            Warum ich aus Lima rauswollte sieht man hier ganz gut. Ein riesiger garstiger Moloch mit vollkommen verstopften Straßen:



            Nachträglich habe ich gelernt dass es in Lima trotzdem auch ein paar schöne und interessante Ecken gibt.

            Nach ca. 5 stündiger Fahrt auf der Panamericana Sur, erreichten wir Ica von wo wir ein weiteres Taxi zu der "Oase von Huacachina" nahmen. Die Sanddünen fangen direkt am Stadtrand an und besagte Oase ist eigentlich ein künstlich angelegter Teich mit Palmen und ner Menge Hostels und Bars, wo sich reiche Peruaner die Kante geben und ein beliebtes Backpackerziel.



            So viel zur Wüstenstille...

            Hier bekommt man das ganze Touriprogramm geboten. Sandboarding, Dünenbuggyfahrten, Discos und all den anderen Kram.
            Für mich war wichtig möglichst schnell hier wegzukommen, aber wenn ich schon mal hier war, zumahl mit netter Begleitung haben wir den Abend mit paar Bier und ein bischen rumgezucke ausklingen lassen.
            Man sollte es allerdings nicht übertreiben, da unser erklärtes Ziel war am nächsten Morgen in aller Frühe aufzustehen und einen möglichen Sonnenaufgang in dne Dünen zu erleben und unsere geplante Miniwüstenwanderung zu machen.

            Nun am nächsten Morgen zeigt sich dass, wir hier in einer Küstenwüste waren. Die großen Dünen waren in dichtne Nebel gehüllt.
            Diese seltsame Mischung aus Sanddünen, Nebel und Sonnenaufgang war jedenfalls anders als erwartet. Die ganze Szenerie wird durch die Nebelschwaden volkommen verändert.







            Unsere kleine Rundwanderung hat meiner Gefährtin jedenfalls sehr gefallen und so gab es für sie wenigstens ein kleines Erlebniss von Wüsteneinsamkeit, bevor die Horden wieder die Dünen um die Huacachina bevölkern würden.

            Für uns sollten sich die Wege nun langsam trennen. Während Katya das Touriprogramm durchzog, habe ich mich vorbereitet loszugehen. In der Oase noch schnell 10 L Wasser und ein paar Snacks gekauft kam ich gegen 11 Uhr los.
            Eigentlich viel zu spät und die Sonne hatte bereits das Regime übernommen und den Nebel verdunstet.
            Dieses Schauspiel ist übrigens so zuverlässig dass man fast die Uhr danach stellen kann.
            Jeden Morgen wacht man im dichtne Küstennebel auf welche gegen 8:30-9:00 von der Sonne verdunstet wird.

            So ging es dann also mit steigenden Temperaturen und mit Wasser vollbeladenem Rucksack los. Es muss ein komisches Bild unter all den Flip Flop Touristen und Partywütigen einen bekloppten zu sehen, der mit großem Rucksack alleine in die Wüste stapft.

            Noch ein letzte Blick zur Oase:



            Hier sieht man leider auf der Kamera paar Katschen, die sich durch den Sand gebildet haben. Leider kommen die bei blauem Himmel und starkem Licht sehr zu tragen.

            Das gehen im von menshlichen Fußspuren gestörten Sand ist viel schwerer, weil die Struktur gestört wurde und man viel mehr einsinkt.
            Zum Glück war nach der ersten großen Düne ruckartig Schluss damit. Zu Fuß geht hier keiner mehr weiter.
            Buggyspuren zeigen, aber immer wieder dass einzelne Gruppen auch tiefer rein fahren.

            Noch waren die Bässe der nahen Oase zu hören. Das sollte aber einige Dünenkämme weiter aufhören.

            Neben dem Ton hörte auch das Leben ruckartig auf. In den nächsten drei einhalb Tagen sollte ich nicht nur keinen Menschen sondern kein einziges Lebewesen mehr sehen.
            In dem Sinne war ich für ein paar Tage wohl einer der einsamsten Menschen der Welt und die einzigen Geräusche waren Wind und meine Schritte (und meine zeitweiligen Flüche)

            Langsam begann auch der Geist sich auf die neue Welt einzustellen.







            Einer Welt aus Sand und Wind.
            Das gehen in den Riesendünenfeldern ist eine immerwährende Suche nach dem besten Sand. Flache Sandebenen zwischen den großen Kämmen sind erste Wahl. Geht das nicht läuft man im möglichst flachen Winkel auf möglichst kleine Dünen.
            Die kraftraubendste Arbeit ist wenn man eine Düne mal im 90 Grad Winkel besteigen muss und dann auf den letzten Metern der extreme Weichsand kaum noch vorwärtskommen lässt.

            Die Wissenschaft des Sandes sollte man gewissenhaft betreiben, denn ich konnte mir keine überflüssigne Wasserverlust leisten. Ökonomisches Gehen war das A und O.

            Hier eine sehr dankbare Sandfläche:



            Hier auf halber Strecke passierte mir etwas recht blödes. Irgendwann stellte ich fest dass mein T-Shirt Blaue flecken hatte und auch blauer Schweiß von meiner Stirn kam.
            Was war passiert? Der Turban den mir meine Freundin aus Marokko mitgebracht hatte, war von bescheidener Qualität und da stand ich nun mit völlig blauer Stirn...



            Irgendwie ein blödes Missgeschick
            Ich konnte mir jedoch nicht erlauben Wasser zum putzen zu benutzen, so musste ich halt versuche mit ein bischen Spucke und viel Reiben, das gröbste wegzureiben.
            War ja auch egal. Wer sollte mich schon sehen?

            Weiter ging es durch gewaltige Dünenfelder, Täler und Kämme.





            Irgendwo fand ich offenbar versteinerte Rückenmarksnochen eines längst vergangenen Meerestieres.



            Kein Wunder, denn diese Wüste ist auch eine Fundgrube für marine Fossilien.



            Das Spiel von Licht und Schatten wird immer intensiver, je tiefer sich die Sonne neigt.



            Durch das fehlen von Relationen kann man auf den Fotos die Dimensionen der Dünen schwer erkennen. Diese hier sind an die 100 m hoch.

            Was ich bei Wüsten, und bei dieser ganz besonders merke ist dass durch die Reduktion in der Landschaft auch der Kopf leer wird. Ich zumindest verbringe kaum Zeit mit konkreten Gedanken an mein Leben oder ähnliches. Eher ist es ein Aufgehen in diesem zeitlosen Land aus Sand und Wind.

            Durch meinen späten Aufbruch habe ich mir keine Mittagspause mehr gegönnt sondern bin durchgelaufen. Die Temperaturen kommen, vermutlich auch durch den nahen Humboldstrom nicht an die der Sahara heran, dennoch brennt die tropische Sonne
            in einem Land ohne Schatten schon ganz gewaltig herunter.
            So war mein erster Tag auch wirklic fordernd, nicht zuletzt durchdas auf und ab in den Dünen.



            Eine der wenigen Stellen, an denen der Mutterboden freigeweht wurde.








            Das hinter mir liegende Dünental und der Aufstieg waren echt genug für mich heute. Es waren Streckenmäßig nur etwa 14 km am heutigen Tag, aber ich war völlig erschöpft, vermutlich auch wegen des Jetlags und der rapiden Umstellung auf Sparmodus. Immerhin konnte ich, da ich in der Oase noch mal ordentlich getrunken hatte meine Wasservorrätte noc hetwas strecken und habe meine erste Flasche nur etwa bis etwas weiter als zur Hälfte leergetrunken.

            Hier sollte ich also in einer kleinen Mulde mein Nachtlager aufbauen und dem Fortgang des Sonnenuntergangs folgen.



            Vor mir bot sich jetzt eine Szenerie, die fast nichts mehr von der mir bekannten Welt hatte.



            Dieses Land glich eher einem fernen Traum als einer realen und greifbaren Landschaft, zeitlos und unvergänglich und völlig entrückt von unserer alltäglichen Welt.

            Als Lebewesen kann man leider immer nur ein Gast hier sein, aber ist es wohl auch was die besonderheit von solchen lebensfeindlichen Orten ausmacht.

            Sonnenflecken gabs auch noch:




            Fortsetzung folgt...
            Zuletzt geändert von Intihuitana; 09.10.2017, 20:50.
            Russian Roulette is not the same without a gun. - Lady Gaga

            Kommentar


            • Kris
              Alter Hase
              • 07.02.2007
              • 2675

              • Meine Reisen

              #7
              AW: [PER] Die trockenste Wüste der Welt

              Sehr hübsch, freu mich auf die Fortsetzung. Und ich sag ja immer: Augen auf beim Turbankauf!
              „Barfuß am Leben ist auch was wert.“ - Kasperl

              Kommentar


              • geige284
                Dauerbesucher
                • 11.10.2014
                • 822

                • Meine Reisen

                #8
                AW: [PER] Die trockenste Wüste der Welt

                Wow, sehr interessant bisher!
                Ich hab auch nur - wie die meisten - von der Düne am Rande Huacachinas in die weite Landschaft ehrfürchtig geblickt. Klasse, dass du da eingetaucht bist!

                Kommentar


                • HO
                  Erfahren
                  • 04.02.2016
                  • 152

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: [PER] Die trockenste Wüste der Welt

                  Danke für den Bericht - herrliche Sand- und Dünenlandschaft!

                  Nur 10l Wasser für 4 Tage, dass ist nicht gerade üppig. Hattest Du eine Exit Strategie falls das nicht reichen sollte?

                  Habe mal irgendwo gelesen, dass man mit Planen etc. aus dem Nebel Wasser gewinnen kann. Wäre das eine Option für die Gegend, oder ist der Aufwand zu hoch?

                  Freue mich auf die Fortsetzung!

                  Kommentar


                  • Vegareve
                    Freak

                    Liebt das Forum
                    • 19.08.2009
                    • 13996

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: [PER] Die trockenste Wüste der Welt

                    Vielen Dank, Inti! Ich bin nicht so der Reiseberichtsleser, aber das musste jetzt, vor der Arbeit, sein .

                    Kannst Du für eine orientierungsNICHTaffine Person mehr zu deinen Navigationsstrategien schreiben?
                    "Niemand hört den Ruf des Meeres oder der Berge, nur derjenige, der dem Meer oder den Bergen wesensverwandt ist" (O. Chambers)

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                    • Intihuitana
                      Fuchs
                      • 19.06.2014
                      • 1653

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: [PER] Die trockenste Wüste der Welt

                      Zitat von HO Beitrag anzeigen
                      Danke für den Bericht - herrliche Sand- und Dünenlandschaft!

                      Nur 10l Wasser für 4 Tage, dass ist nicht gerade üppig. Hattest Du eine Exit Strategie falls das nicht reichen sollte?

                      Habe mal irgendwo gelesen, dass man mit Planen etc. aus dem Nebel Wasser gewinnen kann. Wäre das eine Option für die Gegend, oder ist der Aufwand zu hoch?

                      Freue mich auf die Fortsetzung!
                      Ja 2,5 l ist hart am Minimum. Ich bin dann auch immer dehydriert gewesen, aber wenn man das schon ein paar mal gemacht hat und seinen Körper kennt, geht das.

                      Tatsächlich hatte ich meinen Schlafsack und mein Footprint jeden Morgen leicht klamm, aber nicht wirklich so mit Tau besetzt. In den höheren Dünenkämmen, hätte man vielleicht wirklich Planenkonstruktionen aufstellen und etwas Wasser gewinnen können.

                      Ich bin ja gewissermaßen schon die Plan B Strecke gelaufen, aber für den wirklichen Notfall habe ich immer ein GPS Spot dabei.

                      Zitat von Vegareve Beitrag anzeigen
                      Vielen Dank, Inti! Ich bin nicht so der Reiseberichtsleser, aber das musste jetzt, vor der Arbeit, sein .

                      Kannst Du für eine orientierungsNICHTaffine Person mehr zu deinen Navigationsstrategien schreiben?
                      Navigation war eine Mischung aus Papierkarten, also hauptsächlich ausgedruckten Satellitenbildern, GPS nutzen und Landschaft lesen.
                      Das gute in dieser Gegend ist, dass die Dünenfelder wie lange Riegel durch die Landschaft verlaufen und man, solange man ihnen folgt nicht sehr viel falsch machen kann.

                      Auf einem sehr kurzen Stück hatte ich auch eine Trasse einer unterirdischen Glasfaserleitung.
                      Russian Roulette is not the same without a gun. - Lady Gaga

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                      • sudobringbeer
                        Administrator

                        Administrator
                        Fuchs
                        • 20.05.2016
                        • 2400

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: [PER] Die trockenste Wüste der Welt

                        Beeindruckend. Sowohl die Landschaft als auch die Herangehensweise. Eine so minimalistische Solo Tour, in einer so einsamen und zudem - für mich zumindest gefühlt - feindseligen Umgebung ist sicherlich eine starke Erfahrung. Selbst mit dem "Spot" gehe ich nicht davon aus, dass Hilfe sehr schnell da ist. Glückwunsch zu dieser Erfahrung!

                        OT: Ich frage mich bei (für mich) schweren Solo Touren in den Alpen manchmal, ob es für mich mental noch einmal einen zusätzlichen befreienden Effekt hätte das Telefon daheim zu lassen. Entscheide mich dann aber aus Rücksicht auf meine Familie immer für das Telefon. Geht dir das im Hinblick auf das Spot auch so?

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                        • smeagolvomloh
                          Fuchs
                          • 07.06.2008
                          • 1929

                          • Meine Reisen

                          #13
                          AW: [PER] Die trockenste Wüste der Welt

                          Danke für das Einstellen dieses Berichtes und der genialen Bilder. Letztere hatte ich ja schon an anderer Stelle gesehen. Im Zusammenhang mit den Beschreibungen zu dem Trip natürlich noch eine Ecke eindrucksvoller.



                          Ich freue mich auf mehr (und natürlich auf die Impressionen aus dem Regenwald!).

                          Gruß Guido
                          "Das Leben leicht tragen und tief genießen ist ja doch die Summe aller Weisheit."
                          Wilhelm von Humboldt, 1767-1835

                          Kommentar


                          • Intihuitana
                            Fuchs
                            • 19.06.2014
                            • 1653

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: [PER] Die trockenste Wüste der Welt

                            Zitat von sudobringbeer Beitrag anzeigen
                            Beeindruckend. Sowohl die Landschaft als auch die Herangehensweise. Eine so minimalistische Solo Tour, in einer so einsamen und zudem - für mich zumindest gefühlt - feindseligen Umgebung ist sicherlich eine starke Erfahrung. Selbst mit dem "Spot" gehe ich nicht davon aus, dass Hilfe sehr schnell da ist. Glückwunsch zu dieser Erfahrung!

                            OT: Ich frage mich bei (für mich) schweren Solo Touren in den Alpen manchmal, ob es für mich mental noch einmal einen zusätzlichen befreienden Effekt hätte das Telefon daheim zu lassen. Entscheide mich dann aber aus Rücksicht auf meine Familie immer für das Telefon. Geht dir das im Hinblick auf das Spot auch so?
                            Wenn man eine rumänische Mutter und eine marokkanische Freundin hat, dann lernt man ganz neue Ebenen der Besorgniss kennen.
                            Beide sind mitlerweile "abgehärtet" durch viele Solotouren meinerseits, aber den Spot habe ich in erster Linie der Familie wegen. Damit sie beruhigt sind.
                            Russian Roulette is not the same without a gun. - Lady Gaga

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                            • blauloke

                              Lebt im Forum
                              • 22.08.2008
                              • 5992

                              • Meine Reisen

                              #15
                              AW: [PER] Die trockenste Wüste der Welt

                              Klasse Tour, bin gespannt wie es weiter geht.
                              Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

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                              • Sternenstaub
                                Alter Hase
                                • 14.03.2012
                                • 2504

                                • Meine Reisen

                                #16
                                AW: [PER] Die trockenste Wüste der Welt

                                ich bin auch gespannt und freue mich vor allem über deine Erzählung. Gerade auch, weil das ein Gebiet ist (also erstmal die Wüste an sich, Atacama ist ja schon eine Hausnummer), welches ich als als Thema generell und in der Fotografie und Beschreibung schon immer enorm spannend gefunden habe, und ich zweitens, weil ich weiß, dass mir die Bereisung solcher Gegenden nicht möglich ist. Ich habe darüber sinniert, warum ich Wüsten so besonders spannend finde (du meintest ja, das sei ein Frauenthema), ich kann es nicht wirklich begründen, das war aber immer schon so bei mir.

                                also bald weiter schreiben!
                                Two roads diverged in a wood, and I—
                                I took the one less traveled by,
                                And that has made all the difference (Robert Frost)

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                                • Lynness
                                  Erfahren
                                  • 08.05.2008
                                  • 369

                                  • Meine Reisen

                                  #17
                                  AW: [PER] Die trockenste Wüste der Welt

                                  Toll, wieder mal einen Reisebericht über die Wüste!B-)

                                  bin schon gespannt über die Fortsetzung. Und Danke fürs Teilhaben lassen.

                                  Gruß Lynness

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                                  • grenzenlos
                                    Dauerbesucher
                                    • 25.06.2013
                                    • 566

                                    • Meine Reisen

                                    #18
                                    AW: [PER] Die trockenste Wüste der Welt

                                    Zitat von Lynness Beitrag anzeigen
                                    Toll, wieder mal einen Reisebericht über die Wüste!B-)

                                    bin schon gespannt über die Fortsetzung. Und Danke fürs Teilhaben lassen.

                                    Danke fürs Teilhaben + freue mich auf die Fortsetzung
                                    Unsere Webseite: http://www.grenzenlosabenteuer.de

                                    Gruß, Wi grenzenlos

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                                    • Intihuitana
                                      Fuchs
                                      • 19.06.2014
                                      • 1653

                                      • Meine Reisen

                                      #19
                                      AW: [PER] Die trockenste Wüste der Welt

                                      Der nächste Morgen weckte mich mit kühlem Morgennebel. Mein Schlafsack und Footprint waren leicht feucht vom Nebel.
                                      Durch die tiefhängenden Wolken fehlte den Sanddünen und der Landschaft jegliche Struktur. Tatsächlich lies sich das Gefühl von absolutem Nichts durch den düsteren Nebel noch toppen.
                                      Darüberhinaus fehlte es am frühen Morgen auch an jeglichem Wind, dem einzigen Element, welches etwas Bewegung und vor allem Geräusche in die Landschaft bringt.
                                      So wachte ich nun in der Dämmerung in dieser unvergleichlichen Stille auf und blickte auf dieses uralte tote Land.



                                      Zum beindruckt sein blieb mir aber nicht viel Zeit. Der Nebel verwandelte diese Wüste zwar in das tristeste Stück Land auf Erden, doch er verhalf mir auch zu einem großen Vorteil. Durch die Morgenkühle und Abschirmung der Sonne, würde ich minimal Wasser verbauchen. Also genau die richtig Zeit um am meisten Strecke zu machen.

                                      Ich stieg heute zum ersten mal von den Dünen ab. Aber was von weitem wie ein Reg (also eine Kieswüste) aussah, war bloß ein etwas groberer Schwarzer Sand.
                                      Dieser war aber durch seine Festigkeit deutlich besser zu laufen, abgesehen von einigen schwer auszumachenden Feldern die sich ähnlich wie verharschter Schnee verhielten Wo man unter einer Harten dünnen Kruste in einen Weichen Untergrund einbricht. Allerdings deutlich weniger tief wie dieser, verbraucht es dennoch mehr Energie darin zu laufen.



                                      Gelber Sand geht nahtlos in schwarzen Sand über.

                                      Nach einiger Zeit tauchten die ersten kleinen Hügel auf.





                                      Und die Landschaft wurde zu einem Zusammenfluß von Sand und Fels. Ich liebe besonders die Übergangslandschaften ohne harte Kanten und Abbrüche.
                                      Wie man aber am Himmel schon sieht war mein optimales Zeitfenster schon gegen 9 Uhr vorüber und die tropische Sonne verbannte die letzten Wolkenfetzen.



                                      Blick zurück zu den Riesendünen die hier einen Knick machen und denen ich nach einigen km. wieder seitlich folgen sollte.







                                      Hier im Sand finde ich plötzlich eine mumifizierte Eidechse


                                      Wie lange sie schon hier liegen mag und wie sie vor allem hier hin kam. Hier gibt es nichts wovon sie leben kann. Kam sie von der nahen Küste oder den Oasen hier hin und hat sich verirrt? Oder war sie einst Beute eines Vogels und wurde fallen gelassen.



                                      Nun folgte für viele Stunden eine endlose Ebene welche sich neben dem Dünenfeld ins Nichts ausdehnte.
                                      Hier fiel mir auf dass nicht nur Lebewesen sondern sogar Steine in diesem Land Mangelware gewesen sind. Über Zeitalter hinweg hat der Wind fast alles an Steinen zu feinem Sand zermahlen.
                                      Wenn selbst Steine zur Rarität werden, dann ist man wirklich an einem der einsamsten Orte der Welt.







                                      Eine Landschaft, nahe an der Perfektion.
                                      Es kam ja vor einiger Zeit hier im Forum das Thema "langweilige Landschaften" auf.
                                      Ich könnte mir denken, dass dies hier für die meisten Menschen dem ziemlich nahe kommen würde.

                                      Für mich ist das nicht so.
                                      Ich hatte schon immer eine Veranlagung für solche langsamen und meditativen Landschaften.
                                      Ich kann mich noch errinern. Als Kind sind wir mit meinem Vater das erste mal auf den Bucegi in Rumänien gegangen und was mich fast mehr begeistert hat als die spektakulären Steilwände und uralten Lärchenwälder an den Hängen war das fremdartige Hochplateau mit seinen sanften Höhenzügen und der reduzierten Landschaft.

                                      Ich bin aber auch überzeugt das ein bischen "Stumpf ist Trumpf" beim Wandern durch solche Landschaften hilft.
                                      Wenn in so einer nichtssagenden Ebene plötzlich die großen Sinnfragen aufkommen dann kanns Probleme geben, vor allem wenn irgendwann mal das Warum auftaucht und man völlig alleine ist. Dann ist es ziemlich schlecht.
                                      Darum weiß ich das eine solche Wanderung für viele aus meinem Bekanntenkreis, teilweise gute und starke Bergkameraden mit denen ich schon harte Touren gemacht habe, nichts wäre. Sie tragen noch zu viel Ballast in sich.



                                      Zu meiner linken folgte ich stets dem großen Dünenkamm.

                                      Hier in der Ebene machte ich eine interessante Entdeckung. Ich habe hier anscheinend Meilenweit von der nächsten Oase einen Ritualplatz der Paracas oder Nazcakultur entdeckt.
                                      Uralte Keramik glänzte mich von weitem an.



                                      Und neben der Keramik haben sie auch einiges an Muscheln und Seeschneckenhäusern hier verteilt.



                                      Dies war ganz typisch für beide Kulturen. Hier sind also vor tausenden von Jahren Menschen tief in die lebensfeindlichste Landschaft in Südamerika vorgedrungen um ihre Kulthandlungen vorzunehmen. Und das ohne Unterstützung von Kamelen, wie in der alten Welt. Höchstens unterstützt von Lamas.
                                      Was diese Landschaft wohl für die alten Völker bedeutet hat? Was haben sie in ihr gesehen?



                                      Wenn es an allem in der Landschaft fehlt, dann sind ein paar kniehohe Steinformationen schon ein echtes Highlight.

                                      Ab hier stieg die Ebene ganz langsam aber merkbar an. Mein Ziel war ein Punkt welchen ich auf dne Satellitenbilden ausgemacht hatte und wo der Dünenriegel am wenigsten breit war, denn mein Weg führte mich noch einmal durch ihn hindurch.
                                      Zietlich kam ich gerade rechtzeitig hier an, denn die Sonne spielte wieder das Spiel von Licht und Schatten mit den Wellen aus Sand.





                                      Die Wüste zeigte sich hier noch einmal von ihrer ganz beindruckenden Seite.







                                      Sieht aus wie ein Microsoft Wallpaper



                                      Die Schönheit des Sandes läuft an einem vorbei wie ein Film, neugierig bewunderte ich die Änderung der Wogen mit jedem Schritt. Es ist ein wenig wie eine Lavalampe. Landschaft entsteht und vergeht im Minutentakt und ich kann einfach nicht genug davon bekommen.



                                      Ein einsamer Berg hinter den Dünen.
                                      Leider war das Schauspiel viel zu schnell zu Ende und ich fand mich auf der anderen Seite des Dünengürtels wieder und musste in die weite Ebene absteigen.



                                      Blick zurück auf die Dünen von denen ich kam.



                                      Nahe dieser Stelle sollte ich mein Nachtlager errichten.
                                      Mit dem Wasser stand ich vor schlafengehen noch gut da. es war von der zweiten Flasche noch über ein Viertel übrig. Ich war also noch im positiven Bereich udn hatte Reserve.

                                      Und so verging ein Tag wieder viel zu schnell.

                                      Fortsetzung folgt...
                                      Russian Roulette is not the same without a gun. - Lady Gaga

                                      Kommentar


                                      • Vegareve
                                        Freak

                                        Liebt das Forum
                                        • 19.08.2009
                                        • 13996

                                        • Meine Reisen

                                        #20
                                        AW: [PER] Die trockenste Wüste der Welt

                                        Zitat von Intihuitana Beitrag anzeigen
                                        Sind das Autospuren?



                                        Zitat von Intihuitana Beitrag anzeigen
                                        Absolute Perfektion. Ich bin nicht eine der Frauen, die immer von Wüsten fasziniert waren, aber solche Bilder erinnern mich tatsächlich an das, was ich an Skitouren so liebe: Reinheit und Einfachheit der Formen, eine Farbe, Stille.

                                        Ich wäre gern dabei gewesen . Dass man so was auch noch allein geht...Respekt.
                                        "Niemand hört den Ruf des Meeres oder der Berge, nur derjenige, der dem Meer oder den Bergen wesensverwandt ist" (O. Chambers)

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