Nordkapp - Tarifa: Zu Fuss vom nördlichsten zum südlichsten Punkt Europas

Einklappen

Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • German Tourist
    Dauerbesucher
    • 09.05.2006
    • 853

    • Meine Reisen

    #21
    AW: Nordkapp - Tarifa: Zu Fuß vom nördlichsten zum südlichsten Punkt Europas

    @Virtanen:
    Danke für das Lob. Und Du hast es schon erkannt. Die Geschichte wird gut ausgehen. Diese anfangs eher mäßige Wanderung wird ab jetzt landschaftlich immer interessanter. Aber das ist bei Langstrecke halt oft so: Es gibt auch mal Durststrecken zu überwinden. Da ich das jetzt schon so lange mache, finde ich es auch nicht schlimm, mal ein paar Tage oder Wochen durch eine eher langweilige Gegend zu laufen, denn das hat auch so seine Vorteile.
    Zuletzt geändert von German Tourist; 05.03.2014, 15:25.
    http://christinethuermer.de/ 53.000 zu Fuß, 30.000 km per Fahrrad, 6.500 km im Boot

    Kommentar


    • German Tourist
      Dauerbesucher
      • 09.05.2006
      • 853

      • Meine Reisen

      #22
      Forez

      Der Wetterbericht war zwar gar nicht mal so schlecht, aber leider ging es für mich im wahrsten Sinne des Wortes hoch hinaus und da herrschte im Oktober tiefster Nebel. Sehr schade, denn der Bois Noir, durch den es nun ging, war eigentlich sehr schön – wenn ich denn was gesehen hätte. Und so war ich höchst erfreut, als ich auf meiner Karte sah, dass ich mich einem Kloster näherte. Ich dachte, dass es sich wie üblich um eine Klosterruine handelte, die mir vielleicht etwas Wetterschutz für meine Mittagspause bieten würde. Ich war dann allerdings höchst erstaunt, als ich eine riesige, aktive Klosteranlage vorfand: Notre Dame de l Hermitage. Ich fragte höflich bei der Schwester an der Pforte nach und durfte mich dann auch drinnen zum Mittagessen niederlassen und die geheizten Toiletten benutzen. Das Kloster hat auch ein kleines und sehr günstiges Gästehaus, was mich stark in Versuchung brachte, aber so früh am Tage wollte ich auch nicht aufhören. Die Schwestern waren so begeistert von mir, dass sie mich mehrfach ablichteten, bevor ich wieder in den Nieselregen aufbrach.

      Die Wege im Forez waren auch nicht ganz einfach, sondern mit großen Steinbrocken übersät. Das war zwar nicht wirklich schwierig, aber ich musste mich die ganze Zeit höllisch konzentrieren und bin trotzdem mehrfach auf den Allerwertesten gefallen. Bisher weichgepolstert auf den Hintern als auf mein lädiertes Knie, das allerdings mittlerweile keine Probleme mehr bereitete.



      Nach zahlreichen „Cols“ erreichte ich am nächsten Tag den höchsten Punkt meiner Strecke durch Frankreich: Pierre sur Haut auf 1.631 m. Von der dortigen Funkstation sah ich gar nichts aufgrund extrem dichten Nebels. Ich war auch heilfroh, von dieser ausgesetzten und windigen Stelle wieder weg zukommen. Überhaupt war das Problem dieses Tages der Mangel an Bäumen. Stundenlang wanderte in dichtem Neben und Nieselregen auf dem kahlen Hochplateau herum und fand nirgendwo auch nur ein bisschen Wetterschutz für eine Mittagspause. Als ich Nachmittag dann endlich eine erste Fichtenplantage auftauchte, hätte ich die Bäume küssen können. Halbverhungert machte ich mich dann an meine verspätete Mittagspause.



      Der Wetterbericht war beunruhigend: Ein drastischer Wettersturz mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt stand bevor. Bisher war es zwar neblig und feucht gewesen, aber aufgrund der immer noch recht hohen Temperaturen war es noch ganz erträglich. Jetzt sollte es Schnee geben.... Glücklicherweise war es nicht mehr weit bis Le Puy-en-Velay, meinem nächsten Stadtaufenthalt, wo ich die kalten Temperaturen aus sitzen konnten.

      Vorher musste ich noch mal einkaufen gehen und zwar in Retournac. Wie üblich in Frankreich hatte der dortige Supermarkt eine ausgedehnte Mittagspause. Ich musste mich beeilen, um noch vorher anzukommen. Ich stand also schon vor Sonnenaufgang auf und lief los. Nur leider hatte ich kein Wasser mehr. Im ersten Dorf wollte sich partout kein öffentlicher Wasserhahn finden und so früh am Morgen wollte ich auch nirgendwo klingeln. Und so schlich ich mich durch die Vorgärten der Bauernhäuser auf der Suche nach einem Wasserhahn, als mich eine Bauersfrau im Morgenmantel und Lockenwicklern entdeckte. Glücklicherweise war sie nicht erzürnt, sondern nur höchst erstaunt über die verdreckte deutsche Frau frühmorgens in ihrem Garten. Als ich mein Problem erläutert hatte, füllte sie sofort meine Wasserflasche auf, sogar mit warmem Wasser. Im Schweinsgalopp und Nieselregen ging es dann weiter nach Retournac, wo ich auch noch pünktlich am Supermarkt und mir angesichts des Dauerregens nun endlich einen Schirm kaufte. Meine Mittagspause verbrachte ich in der dortigen romanischen Kirche, die zwar ungeheizt, aber dennoch wärmer als draußen war. Der Temperatursturz war nämlich schon da.

      In der Kirche schmiedete ich mit Hilfe des Smartphones einen Alternativplan. Ich hatte für diese Tour bewusst den Herbst und Winter gewählt, dabei aber ein höheres Übernachtungsbudget für Schlechtwetteraufenthalte eingeplant. Wenn ich nicht frühzeitig die Lust an dieser Wanderung verlieren wollte, musste ich mir auf dieser Tour auch mal öfter ein Dach über dem Kopf gönnen. (Normalerweise gehe ich nur alle 7 -10 Tage ins Hotel.) Dies war so ein Tag und erfreulicherweise fand sich dank der neugefundenen Gite-Such-Website auch schnell eine preiswerte Unterkunft in Vorey. Die dortige Gite Municipal wurde vom nahegelegenen Hotel verwaltet und ein kurzer Anruf bestätigte, dass ich dort übernachten könne. Jetzt sah die Welt schon viel besser aus.

      Der GR führte nun entlang der Loire, allerdings auf vielen Umwegen. Angesichts des schlechten Wetters beschloss ich auf der Strasse zu laufen, die nur sehr wenig befahren war und trotzdem wunderschöne Ausblicke auf die Loire hatte. Wenn schon entlang eines Flusses, so wollte ich mir ein passendes Hörbuch gönnen und so begleitete mich Huck Finn und der Mississippi entlang der Loire....



      Die Gite in Vorey war ein echtes Juwel und glich eher einer Ferienwohnung. Vor allem kostete sie nur 9 EUR und ich hatte sie ganz für mich allein. Ein Traum: 2 Schlafzimmer, Dusche, WC und sogar eine voll eingerichtete Küche. Als ich frühmorgens aufbrach, war alles mit einer dünnen Eisschicht überzogen. Der Winter war sehr früh gekommen.... Nervös begab ich mich auf den Weg nach Le Puy, was eine wichtige Wegstation für mich war. Ich war mittlerweile ein Drittel der Gesamtstrecke gelaufen und brauchte dringend neue Schuhe, die mir mein deutscher „trail manager“ postlagernd nach Le Puy geschickt hatte – zusammen mit den gesamten Karten für Spanien. Ich hoffte inständig, dass das Paket auch angekommen war, sonst hätte ich ein echtes Problem.....

      Fazit: Der Forez war das erste echte landschaftliche Highlight in Frankreich, trotz des schlechten Wetters. Hier lohnt es sich, auch mal im Sommer herzukommen.
      Zuletzt geändert von German Tourist; 03.03.2014, 13:12.
      http://christinethuermer.de/ 53.000 zu Fuß, 30.000 km per Fahrrad, 6.500 km im Boot

      Kommentar


      • German Tourist
        Dauerbesucher
        • 09.05.2006
        • 853

        • Meine Reisen

        #23
        AW: Nordkapp - Tarifa: Zu Fuss vom nördlichsten zum südlichsten Punkt Europas

        Zitat von Wafer Beitrag anzeigen
        Leider ist deine Karte kein Link - sonst könnte ich mir das schon genauer ansehen. Binde doch eine GPX-Datei ein oder binde die Karte über QuickMaps ein.
        Die Einbindung von Karten hier bei ODS bereitet mir immer Schwierigkeiten. In meinem Westeuropa-Bericht, den Du ja auch gerade kommentiert hast, ist am Anfang eigentlich auch eine Quickmap-Karte eingebunden. Nur leider wird sie mittlerweile aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen nicht mehr angezeigt. Daher hier nur ein Screenshot, weil ich es ehrlich gesagt leid bin, stundenlang wegen der Karteneinbindung herumzuexperimentieren.
        Wenn Du die Tour genauer nachvollziehen willst, dann schau Dir meine Route einfach auf wikiloc an:
        http://www.wikiloc.com/wikiloc/view.do?id=6136576
        http://christinethuermer.de/ 53.000 zu Fuß, 30.000 km per Fahrrad, 6.500 km im Boot

        Kommentar


        • German Tourist
          Dauerbesucher
          • 09.05.2006
          • 853

          • Meine Reisen

          #24
          Le Puy-en-Velay und der GR 65

          In Le Puy steuerte ich erst mal die Post an und mir fiel ein Stein vom Herzen, als die Postbeamtin mit meinem Paket zurück kam. Erleichtert steuerte ich meine vorgebuchte Unterkunft an, die Pilgerherberge in der rue des Capucines. Da meine bisher besuchten gites immer so gut wie leer gewesen waren, glaubte ich auch hier ein Zimmer für mich alleine ergattern zu können. Aber Le-Puy ist ein beliebter Pilgerort und ausserdem hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die gite des Capucines hatte zwar mehrere Schlafsäle, aber der Besitzer füllte die Zimmer erst mal komplett voll, bevor er einen neuen Schlafsaal öffnete. Und so landete ich als letzter Gast mit fünf älteren deutschen Pilgern in einem 6er Schlafsaal, zu allem Unglück auch noch in einem oberen Stockbett. Als Schnarch-Phobikerin geriet ich jetzt fast in Panik: Bei 5 älteren Herrschaften konnte ich mich darauf verlassen, dass ich mich nachts an einem Schnarchkonzert erfreuen würde. Recht deprimiert machte ich mich nun dennoch auf, die Stadt zu erkunden und steuerte gleich die Touristeninformation an. Dabei wollte ich gleich in Erfahrung bringen, ob ich zumindest für den nächsten Tag eine bessere schnarchfreie Unterkunft finden könnte.

          In der Touristeninfo hatte man mich wohl etwas falsch verstanden. Statt für den nächsten Tag hat die nette Mitarbeiterin mir eine Unterkunft für heute organisiert und zwar im Maison Francois, einer an ein Franziskanerinnenkloster angeschlossenen Gite. Für nur ein paar Euro mehr wäre ich dort direkt neben der Kathedrale und noch dazu in einem Einzelzimmer. Ich beschloss, die bereits gezahlten 15 EUR in der Gite des Capucines einfach abzuschreiben und zog mit Sack und Pack um in die Gite Francois. Dies schien mir kein zu hoher Preis für eine schnarchfreie Nacht....

          Die Gite Francois entpuppte sich als Glücksgriff: Sie war nicht nur ruhig, sondern verfügte auch über eine funktionierende Zentralheizung. Diese war auch dringend nötig, denn als ich am nächsten Morgen die Gite für einen ausgedehnten Shoppingtrip verließ, schneite es heftig.... Ich verbrachte drei Nächte in Le Puy, denn es gab nicht nur viel zu besichtigen, sondern vor allem auch viel zu erledigen. Decathlon entpuppte sich mal wieder als ziemlicher Flop. Zwar gab es diesmal Gaskartuschen, aber ich konnte weder Silnet zur Nahtabdichtung meines Zeltes finden noch eine neue Platypusflasche oder Spitzen für meine Trekkingstöcke. Meine zweite Platypusflasche hatte ich im Nebel auf dem Massif Central verloren und meine Stockspitzen waren schon bedrohlich abgelaufen. Immerhin fand ich eine billige Isomatte, aus der ich mir einen Canister-Cozy für meine Gaskartuschen bastelte. Aufgrund der tiefen Nachttemperaturen machte nämlich mein Gaskocher schlapp. Mit einem Canister-Cozy lässt sich das Problem allerdings einfach beheben: Erst den Kanister anwärmen, dann sofort vor Inbetriebnahme in den Cozy und das Gas entströmt wie normal – zumindest während der normalen Tütensuppenkochzeit. Statt Silnet kaufte ich dann normales Haushaltssilikon im Baumarkt plus Farbverdünner. Dann verwandelte sich mein kuscheliges Einzelzimmer in eine Bastelstube. Leider war ich mit meiner Bastelaktion nur teilweise erfolgreich: Der Canister-Cozy funktionierte zwar wie geplant, aber trotz meiner Silikonieraktion tropfte auch weiterhin Wasser durch meine Zeltnähte. Am Sonntag hatte ich dann endlich Zeit für eine ausgedehnte Tour durch Le Puy, was mir ausgezeichnet gefallen hat.



          Montags war es dann Zeit für den Aufbruch. Drei Tage lang war ich jetzt auf dem GR 65 unterwegs, dem bekanntesten französischen Pilgerweg. Dies schlug sich auch gleich auf die Anzahl der Mitwanderer nieder. Während ich im Monat vorher in Frankreich so gut wie niemanden getroffen hatte, sah ich jetzt täglich mehrere Wanderer – und das sogar im Oktober! Die Infrastruktur war überwältigend. In jedem Kaff gab es Pilgerunterkünfte, die meist sogar schon mit Schildern entlang des Weges eifrig beworben wurden. Ich zog dann doch das Wildzelten vor.... Obwohl der GR 65 im Vergleich zu anderen GR s schon sehr touristisch ist, ist er dennoch landschaftlich sehr schön. Viele Pilgerwege wie z.B. der Camino del Norte, den ich im Jahr vorher gelaufen war, sind nicht gerade besonders schöne Wanderwege, aber der GR 65 vereint beides. Tolle Landschaft und gute Wander-Infrastruktur.


          Das Wildzelten auf dem GR 65 bescherte mir auch Teil 1 in der Folge Abenteuer-Camping in Frankreich. Ich schaffte es abends gerade bis Monistrol d Allier, von wo an der GR dem Allier folgt. Diese Schlucht machte das Wildzelten allerdings unterwartet schwierig und ich war heilfroh, als ich ein flaches Stückchen Wiese fand. Schon als ich mein Zelt aufstellte wurde ich von lauter Technomusik beschallt. Ganz offensichtlich traf sich die Dorfjugend hier auf einem nahegelegenen Wanderparkplatz und durch die Enge des Tals konnte ich sogar ihre Stimmen sehr gut hören. Bald wurde die Musik abgestellt und ich hörte Autotüren und Motorengeräusche. Ich lehnte mich schon entspannt zurück, als plötzlich der Spuk begann. Am Hang direkt über mir ging plötzlich das Licht an. Ich war wie versteinert. Was war da los? War dort ein Haus? Hatten die Jugendlichen den Parkplatz gewechselt und ich sah ihre Autoscheinwerfer? Fanden dort nächtliche Drogendeals statt?Aber vor allem: Warum ging das Licht nicht wieder aus? Falls sich dort oben Menschen befanden, konnten sie mir direkt aufs Zelt sehen. Hatte ich nun etwas zu befürchten? Es dauerte sehr lange, bis ich endlich beunruhigt einschlief. Wie üblich wachte ich vor Sonnenaufgang auf – und das Licht war noch immer an. Es verlöschte erst mit Sonnenaufgang. Des Rätsels Lösung fand ich wenig später, denn der GR führte direkt an der beleuchteten Stelle vorbei. Kein Wanderparkplatz, Haus oder Treffpunkt der Dorfjugend. Es handelte sich um die Chapelle Madeleine, eine Kapelle, die direkt in eine Grotte hinein gebaut war – und des nachts beleuchtet wurde... Ich hatte mir völlig umsonst Sorgen gemacht.



          Fazit: Der GR 65 ist aufgrund der vielen günstigen Herbergen ein idealer Wanderweg für die Nebensaison. Landschaftlich sehr schön, viele hübsche kleine Orte und überall billige Herbergen, wenn man mal nicht Zelten will. Und Le Puy ist sowieso eine Reise wert.
          http://christinethuermer.de/ 53.000 zu Fuß, 30.000 km per Fahrrad, 6.500 km im Boot

          Kommentar


          • Wafer

            Lebt im Forum
            • 06.03.2011
            • 5257

            • Meine Reisen

            #25
            AW: Nordkapp - Tarifa: Zu Fuss vom nördlichsten zum südlichsten Punkt Europas

            Zitat von German Tourist Beitrag anzeigen
            Die Einbindung von Karten hier bei ODS bereitet mir immer Schwierigkeiten. In meinem Westeuropa-Bericht, den Du ja auch gerade kommentiert hast, ist am Anfang eigentlich auch eine Quickmap-Karte eingebunden. Nur leider wird sie mittlerweile aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen nicht mehr angezeigt. Daher hier nur ein Screenshot, weil ich es ehrlich gesagt leid bin, stundenlang wegen der Karteneinbindung herumzuexperimentieren.
            Hallo Christine.

            Die von dir angesprochene Karte in deinem Westeuropa-Bericht "4.500 Km ..." tut bei mir einwandfrei. Diese Art verwende ich manchmal auch. Ich habe schon mehrfach gehört und auch festgestellt, dass die QuickMaps manchmal etwas langsam sind. Es gibt alternativ auch die Möglichkeit GPX-Dateien als Anhang an zu hängen und in einem Post auf diesen Anhang zu verweisen. Dann baut das System auch eine Karte auf. Siehe z.B. in dem Albnordrand-Bericht. Diese Form der Karte ist deutlich schneller geladen als eine Quickmaps-Anbindung stellt aber die Karte als Relief dar - Umstellung auf Satelit und Vergrößerung per Klick ist möglich und ein Höhenprofil baut er auch auf.

            Bei deiner Tour bist du jetzt auf dem GR65. Das war einer der wirklich schönen Etappen auf dem Weg durch Frankreich! Und die Stadt Le Puy hat absolut was. Es gibt nur wenige Städte, die mir auf Anhieb so gut gefallen haben wie diese! Ich freue mich auf die nächsten Etappenberichte von dir.

            Gruß Wafer

            Kommentar


            • German Tourist
              Dauerbesucher
              • 09.05.2006
              • 853

              • Meine Reisen

              #26
              AW: Nordkapp - Tarifa: Zu Fuss vom nördlichsten zum südlichsten Punkt Europas

              Zitat von Wafer Beitrag anzeigen
              Die von dir angesprochene Karte in deinem Westeuropa-Bericht "4.500 Km ..." tut bei mir einwandfrei. Diese Art verwende ich manchmal auch. Ich habe schon mehrfach gehört und auch festgestellt, dass die QuickMaps manchmal etwas langsam sind. Es gibt alternativ auch die Möglichkeit GPX-Dateien als Anhang an zu hängen und in einem Post auf diesen Anhang zu verweisen. Dann baut das System auch eine Karte auf. Siehe z.B. in dem Albnordrand-Bericht. Diese Form der Karte ist deutlich schneller geladen als eine Quickmaps-Anbindung stellt aber die Karte als Relief dar - Umstellung auf Satelit und Vergrößerung per Klick ist möglich und ein Höhenprofil baut er auch auf.
              OT: Jetzt bin ich komplett verwirrt. Die Karte auf meinem West-Europa-Bericht erscheint bei mir tatsächlich nicht, egal wie lange ich warte. Auch bei Deinem Schwäbische-Alb-Bericht kann ich die Karte nicht sehen, nur die gpx tracks. Und die funktionieren in meinem Fall leider nicht, weil meine Tracks einfach zu lang sind.
              http://christinethuermer.de/ 53.000 zu Fuß, 30.000 km per Fahrrad, 6.500 km im Boot

              Kommentar


              • German Tourist
                Dauerbesucher
                • 09.05.2006
                • 853

                • Meine Reisen

                #27
                Gorges du Tarn und Abenteuer-Camping Teil 1

                Dieser Abschnitt bescherte mir mehrere recht abenteuerliche Zeltplätze. Noch auf dem GR 65 hatte ich wieder mal mit schlechtem Wetter zu kämpfen. Aufgrund von Nebel und Nieselregen beschloss ich daher, eine Abkürzung auf dem „alten“ GR 65 zu nehmen. Schon bald wurde mir klar, warum der Weg umgelegt worden war. Die alte Wegstrecke führte nämlich durch ein riesiges umzäuntes Waldstück, das jetzt eine einzige große Viehweide war. Glücklicherweise sahen mich die Kühe wohl angesichts des Nebels nicht... Es blieb aber das Problem, wo ich angesichts der fortschreitenden Dämmerung nun zelten sollte. Es war zwar überall schönster Wald, aber alles komplett eingezäunt und ich konnte nicht immer erkennen, was sich denn nun hinter dem Zaun befand. Es war schon dunkel, als ich endlich einen Seitenweg fand, wo es mal keinen Zaun gab. Erleichtert stellte ich etwas abseits mein Zelt auf. Am nächsten Morgen hatte ich gerade mein Zelt eingepackt und war gerade mit der Erledigung eines großen Geschäftes beschäftigt, als urplötzlich ein Lieferwagen den Seitenweg heraufgebrettert kam. Glücklicherweise befand ich mich ja gerade in gebückter Stellung, so dass der Fahrer mich nicht sah. Es wäre angesichts meiner heruntergelassenen Hosen auch ein eher peinliches Aufeinandertreffen geworden. Kaum war der Bauer angekommen, versammelten sich auch schon Dutzende von Kühen am Zaun, die ich am Abend vorher gar nicht wahrgenommen hatte. Gut, dass ich außerhalb des Zauns gezeltet hatte. Und da der Bauer jetzt mit dem lieben Vieh beschäftigt war, konnte ich mich auch unerkannt davonschleichen, ohne erklären zu müssen, was ich denn da um 7 Uhr morgens im Wald zu suchen hatte.

                Am nächsten Tag erwartete mich eine ähnliche morgendliche Überraschung. Ich hatte einen traumhaften Zeltplatz im Wald, als frühmorgens bei Sonnenaufgang ein Pickup am nahegelegenen Waldweg hielt. Ich hörte Türenschlagen und glücklicherweise entfernten sich die Schritte in die mir entgegengesetzte Richtung. Nach wenigen Minuten hörte ich Schüsse – und dann stieg der Jäger wieder in sein Auto und fuhr davon. Pech für die erlegten Viecher und ziemliches Glück für mich, denn wieder mal war ich unerkannt davon gekommen, obwohl das Auto gerade mal 200 m entfernt von meinem Zeltplatz geparkt hatte.



                Die jetzige Wegstrecke war ein echtes Planungsproblem gewesen. Ich musste irgendwie vom GR 65 auf den GR 36 Richtung Carcassonne kommen. Letztendlich hatte ich aus zahlreichen GR s einen wahren Flickenteppich zusammengebastelt: Tour de Mont Aubrac, GR 6, GR 60, Tour de Sauveterre usw. Letztere bescherten mir ein echtes landschaftliches Highlight dieser Tour: Die Gorges du Tarn. Ich kam spätabends an der imposanten Schlucht an und war begeistert! Der anschließende Wegabschnitt führte viele km entlang von kleinen Straßen und so beschloss ich angesichts des Vollmondes mich mal ernsthaft im Nachtwandern zu probieren.


                Das Nachtwandern war zwar kein Problem, aber mir dämmerte bald, dass das Zelten wieder mal schwierig werden würde: Alles war eingezäunt und wieder war mal nicht erkennbar, was sich auf den Weiden befand. Ich probierte jeden Seitenweg und stieß immer auf Zäune. Ich begann schon fast zu verzweifeln, als ich auf eine Lücke im Zaun traf. Es handelte sich zwar eindeutig um eine Viehweide, aber der Bauer hatte den Zaun „umgelegt“, um mit dem Auto drüber fahren zu können. Daraus schloss ich, dass sich wohl keine Tiere auf der „Waldweide“ befinden konnten und suchte erleichtert einen flachen Zeltplatz. Ich wanderte gerade suchend mit meiner Stirnlampe hin und her, als plötzlich ein Pickup auftauchte. Es war mittlerweile fast 21 Uhr und selbst auf den Strassen waren in dieser einsamen Gegend keine Auto mehr unterwegs. Daher war es umso erstaunlicher, dass jemand auf diesem abgelegenen Wirtschaftsweg unterwegs war. Ich schaltete sofort meine Stirnlampe aus und wartete ab. Mein Erstaunen verwandelte sich in Panik, als das Auto genau am „umgelegten“ Zaunabschnitt hielt und der Fahrer ausstieg. Hatte jemand meine Stirnlampe gesehen und wollte nun nachschauen, was auf der Weide los war? Der Bauer interessierte sich aber nicht für mich, sondern machte sich am umgelegten Zaun zu schaffen. Ich stand mit klopfendem Herzen gerade mal 50 m entfernt und wusste nicht was ich tun sollte. Ich war so nah, dass der Bauer mich aufgrund des Vollmonds jede Minute entdecken konnte. Wegschleichen war auch keine Option, denn durch die Bewegung hätte ich erst recht auf mich aufmerksam gemacht. Sollte ich einfach aus dem Schatten der Bäume heraustreten und mich bemerkbar machen? Aber wie würde der Bauer wohl reagieren, wenn ihn nachts eine wildfremde verdreckte Deutsche auf seinem Grundstück ansprach? Ich blieb einfach, wo ich war – und nach einigen Minuten verschwand der Bauer ohne mich entdeckt zu haben. Als das Auto verschwunden war, erforschte ich erst mal, was der Bauer denn eigentlich gemacht hatte: Er hatte das umgelegte Zaunstück wieder aufgerichtet – und so befand ich mich nun hinter „Gittern“. Mit einiger Mühe robbte ich unter dem Zaun durch und suchte mir einen anderen Zeltplatz, denn hier war es mir zu gruselig.

                Nur leider war mir kein Glück vergönnt. Ich irrte über eine Stunde im Dunkeln herum, aber entweder war alles eingezäunt oder total überwuchert. Endlich fand ich ein Plätzchen im Gebüsch und fiel müde ins Bett. Nur leider war mir immer noch keine Nachtruhe vergönnt. Um Mitternacht wurde ich durch lautes Gehupe geweckt. Erst dachte ich, dass es sich wohl um die betrunkene Dorfjugend handelte, aber das Gehupe nahm kein Ende und kam vor allem immer näher – jetzt auch begleitet vom lautem Gejohle. Mir wurde mehr als unbehaglich zumute. Das letzte was ich jetzt brauchen konnte, war eine Horde Betrunkener. Glücklicherweise lag ich versteckt zwischen einigen Büschen und hoffte inständig, dass der Spuk bald vorbei wäre. Der Spuk währte zwar noch ziemlich lange, aber zumindest klärte er sich bald auf: Es handelte sich nicht um Betrunkene auf dem Nachhauseweg, sondern um einen Schäfer, der seine riesige Schafherde nachts von einer Weide auf eine andere trieb. Er war mit den Schafen viel auf der Straße unterwegs und tat dies nachts, um den Verkehr zu vermieden. Dabei trieb er die Schafe wohl mit dem Auto und dem Hupen einerseits, aber auch durch die Schäferhunde an. Das Gejohle waren ganz einfach die Kommandos für die Hütehunde. Und so trabten um Mitternacht mehrere Hundert Schafe an mir vorbei....Wie war das mit dem Schäfchen Zählen?

                Nach soviel nächtlichen Abenteuern hätte ich jetzt eigentlich etwas Ruhe verdient, aber leider kündigte der Wetterbericht sintflutartige Gewitter an. Ich beschloss in den nächsten Ort, Le Rozier zu laufen und mir dort eine Unterkunft zu suchen. Die Wanderstrecke entlang der Gorge du Tarn war die bisher schönste auf dieser Wanderung. Nur leider verleidete mir der regnerische Himmel das Fotografieren etwas. Der uralte Weg war traumhaft schön. Auf der einen Seite immer wieder wunderschöne Ausblicke in die Schlucht und auf der anderen Seite die vielen Ruinen am Wegesrand. Selbst hier in diesem steilen Gelände hatte man kleine Siedlungen und Kirchen in den Fels gebaut. Ich kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Es muss am schlechten Wetter gelegen haben, dass ich auf dieser Traumstrecke niemanden traf.



                Fazit: Die Gorges du Tarn sind mit einem Wegenetz gut erschlossen und bieten fantastische Wandermöglichkeiten. Die Ausblicke in die Schlucht sind einfach grandios.
                http://christinethuermer.de/ 53.000 zu Fuß, 30.000 km per Fahrrad, 6.500 km im Boot

                Kommentar


                • gearfreak
                  Erfahren
                  • 30.01.2010
                  • 272

                  • Meine Reisen

                  #28
                  AW: Nordkapp - Tarifa: Zu Fuss vom nördlichsten zum südlichsten Punkt Europas

                  Hallo Christine,

                  wie schön, das Du wieder zurück bist und wir wie immer einen faszinierenden Bericht von Dir bekommen!
                  Die nächtlichen Begegnungen sind ja wirklich gruselig - nur lustig, dass Jäger so unaufmerksam sind. Im Wald hinter unserem Haus werden wir auch nie bemerkt. Ist ja umso besser für das von ihnen verfolgte Wild

                  Lieben Gruß von Anna

                  Kommentar


                  • German Tourist
                    Dauerbesucher
                    • 09.05.2006
                    • 853

                    • Meine Reisen

                    #29
                    AW: Nordkapp - Tarifa: Zu Fuss vom nördlichsten zum südlichsten Punkt Europas

                    Soviele "Beinahe"-Begegnungen auf einmal hatte ich wirklich noch auf keiner Wanderung zuvor. Kurz danach gab es noch Abenteuer-Camping Teil 2 (kommt in einem der nächsten Berichte), und dann hatte ich für die restlichen drei Monate Ruhe!
                    Letztendlich wäre es wahrscheinlich nicht schlimm gewesen, wenn ich wirklich mal entdeckt worden wäre. Ich mache nie ein Lagerfeuer, hinterlasse keinen Dreck oder andere Spuren und bin auch sonst sehr diskret.
                    http://christinethuermer.de/ 53.000 zu Fuß, 30.000 km per Fahrrad, 6.500 km im Boot

                    Kommentar


                    • grenzenlos
                      Dauerbesucher
                      • 25.06.2013
                      • 566

                      • Meine Reisen

                      #30
                      AW: Nordkapp - Tarifa: Zu Fuss vom nördlichsten zum südlichsten Punkt Europas

                      Absolut interessant. Macht mir viel Freude. Danke
                      Freue mich auf die Fortsetzungen.
                      Grüße, Wi grenzenlos
                      Unsere Webseite: http://www.grenzenlosabenteuer.de

                      Gruß, Wi grenzenlos

                      Kommentar


                      • FatmaG
                        Erfahren
                        • 14.03.2013
                        • 145

                        • Meine Reisen

                        #31
                        AW: Nordkapp - Tarifa: Zu Fuss vom nördlichsten zum südlichsten Punkt Europas

                        Zitat von German Tourist Beitrag anzeigen
                        Soviele "Beinahe"-Begegnungen auf einmal hatte ich wirklich noch auf keiner Wanderung zuvor. Kurz danach gab es noch Abenteuer-Camping Teil 2 (kommt in einem der nächsten Berichte), und dann hatte ich für die restlichen drei Monate Ruhe!
                        Letztendlich wäre es wahrscheinlich nicht schlimm gewesen, wenn ich wirklich mal entdeckt worden wäre. Ich mache nie ein Lagerfeuer, hinterlasse keinen Dreck oder andere Spuren und bin auch sonst sehr diskret.
                        Davon kann ich auch ein (altes) Lied singen… Vor vielen Jahren bin ich mit meinem damaligen Partner durch ganz Frankreich gefahren (damals war das Wort Wandern für mich noch ein absolutes Fremdwort… und dennoch, auf der Tour habe ich zum ersten Mal die weiß-roten Wegmarkierungen des GR10 gesehen, die mich seither nicht mehr in Ruhe lassen...)
                        Wir haben immer wild in seinem zu einer Art Wohnmobil umgebauten Wagen gecampt, weil er auf Campingplätze allergisch reagierte...
                        Erstens war es immer extrem schwer, einen geeigneten Platz zu finden. Das hat eigentlich immer mindestens eine Stunde gedauert. Und zweitens ist eigentlich immer irgendwer dort vorbeigekommen, oft am Morgen, oft ein Landwirt, der zu seinen Feldern unterwegs war…
                        Eines Morgens war mein Partner gerade in die Büsche verschwunden, um sich ein Löchlein zu graben, da kam so ein Typ in Deckung angeschlichen. Ich hatte da ganz schön Stress… Aber er auch, wie sich danach herausstellte: Er wollte halt nach dem Rechten auf seinem Land sehen. Und als sich herausstellte, dass wir ganz harmlos (und achtsam) waren, wünschte er einen schönen Tag und ging.
                        Und so war das meistens.

                        Zurück zu Dir, Christine, und Deinem Bericht: wunderbar! Danke fürs Teilen und Mitteilen.
                        Deine Worte, Deine Fotos, das macht Lust, gleich loszuziehen.
                        Und Du machst einfach MUT!
                        (den anderen Bericht zu den 4.500 km durch Westeuropa habe ich Anfang des Jahres endlich komplett verschlungen).
                        Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!

                        FatmaG

                        PS Dein Angebot ist nicht vergessen, später mehr per PM

                        Kommentar


                        • German Tourist
                          Dauerbesucher
                          • 09.05.2006
                          • 853

                          • Meine Reisen

                          #32
                          Die Causses und die Umleitungen

                          In Le Rozier erwarteten mich erst mal zwei unangenehme Überraschungen: Der große Spar-Supermarkt hatte geschlossen. Wie ich später in der Touristeninformation erfuhr ist er nur und ausschließlich im Sommer geöffnet. Es gab zwar noch einen kleinen Tante-Emma-Laden, aber dadurch würde es wohl ein sehr karger und vor allem teurer Einkauf werden. Das Mädchen in der Touristeninfo war zwar sehr jung, dafür sprach sie aber zumindest ein bisschen Englisch – und sie war sehr hilfsbereit. Nur leider stellte sich dann schnell heraus, dass die örtliche private Gite aufgrund eines Kurses komplett ausgebucht war. Die „billigste“ Unterkunft im ganzen Dorf war somit ein B&B für 51 EUR. Ich schluckte heftig, schaute nochmals auf den Wetterbericht und beschloss in den sauren Apfel zu beißen. Das B&B war zwar ausgesprochen hübsch und hatte sogar – oh Wunder – Wifi. So richtig sauer war ich dann aber am nächsten Morgen, als nämlich nachts das angekündigte Gewitter ausgeblieben war. Dafür donnerte und blitzte es jetzt. Die Vermieter ließen mich gnädigerweise etwas länger bleiben und als ich dann gegen Mittag aufbrach, war das eher schwache Gewitter schon durch. Die Hotelübernachtung hätte ich mir sparen können.


                          Le Rozier

                          Ich wanderte jetzt wieder auf einer selbstgestrickten Route mit mehreren langen Straßenabschnitten. Was auf der Karte eher uninteressant ausgesehen hatte, war in Realität trotz Asphaltlaufen richtig schön. Mehrfach stieg ich in eine Schlucht ab, wo sich hübsche kleine Ortschaften an einen Fluss drängten und dann wieder hoch auf ein Plateau.


                          Diese Kalksteinplateau hatten kaum Wasser und wurden daher fast ausschließlich als Weideland genutzt. Eine wirklich schöne Strecke, auch wenn mir zeitweise der dichte Nebel wenig Sicht erlaubte. Glücklicherweise hatte ich mir eine neonorangen Kappe gekauft, denn sonst wäre das Laufen auf den engen Straßen im Nebel gefährlich geworden.



                          Ich kämpfte jetzt vor allem mit einem völlig unerwarteten Problem. Zwar war ich mittlerweile auf dem GR 71 angelangt, aber im Ort Ceilhes stieß ich plötzlich auf ein Umleitungsschild. Der Weg war großflächig verlegt worden - leider ohne Angabe von Gründen. Nun hatte ich ein Problem: Für die neue Strecke hatte ich weder einen gpx track noch Karten – und vor allem keine Ahnung, wo der lang führen würde. Doch wenn ich auf dem alten Weg bliebe, könnte ich auf unpassierbare Stellen, eingezäunte Weiden oder ähnliche Probleme stoßen. Bisher war ich ja wie schon beschrieben mit dieser Strategie nicht immer erfolgreich gewesen. Ich beschloss, der Markierung zu folgen und die Umleitung zu gehen. Nur schien die deutlich länger zu sein als der ursprüngliche Weg. Stundenlang wurde ich um einen Stausee herumgeführt. Wenn das so weiterging, würde ich nie rechtzeitig den nächsten Ort mit Proviantnachschub erreichen. Ich kam durch den Touristenort Avene, wo es sogar eine Touristeninformation gab. Dort würde man mir doch sicherlich weiterhelfen können. Was nun folgte, war ein Prachtbeispiel für französische Arroganz. Nein, die Dame in der Touristeninfo sprach kein Englisch. (Sie reagierte auf meine Frage als ob ich ihr einen unanständigen Antrag gemacht hätte.). Nein, sie sprach auch überhaupt keine andere Sprache als Französisch. Nein, sie wusste auch nichts von irgendeiner Wegverlegung. Sie wusste überhaupt schon gar nichts von irgendeinem Weg. Nein, sie hatte auch keine Wanderkarte. Und nein, es war ihr komplett egal, ob ich sie verstünde oder nicht. Nein, warum sollte sie versuchen langsam zu sprechen und sich mir verständlich machen. Es war doch eindeutig mein Problem, dass ich schlecht Französisch sprach. Leider bin ich in Frankreich öfter auf dergleichen Verhalten gestoßen und es ist mir unverständlich, wie solche Menschen im Bereich Tourismus arbeiten können. Ich verließ die Touristeninformation genauso schlau wie vorher und ehrlich gesagt ziemlich sauer.

                          Ich wanderte einen ganzen Tag lang auf dieser Umleitung bis ich endlich wieder auf die alte Wegführung stieß. Der ganze Spaß hatte mich einen halben Tag gekostet und das stellte ein Proviantproblem dar. Ich würde nun nicht mehr rechtzeitig Labastide und den dortigen Supermarkt erreichen. Ich fing schon mal an, meine Vorräte zu rationieren und beschloss, mich mal wieder im Nachtwandern zu versuchen. Französische Wanderer hatten mir von einem Refuge erzählt, dass ich noch erreichen wollte. Ohne GPS wäre ich in solchen Situationen aufgeschmissen, aber mit seiner Hilfe erreichte in dann doch noch mit vielen Abkürzungen über Forststrassen gegen 22 Uhr das Refuge. Es war tatsächlich geöffnet, aber in einem schlechten Zustand. Das Dach hatte Löcher und so gab es zahlreiche Wasserschäden. Glücklicherweise regnete es in dieser Nacht nicht – dafür durfte ich mich am nächsten Tag noch an einer weiteren kurzen, dafür aber nicht ausgeschilderten Umleitung erfreuen.


                          Dieser Abschnitt barg auch noch eine weitere Überraschung: Normalerweise war ich tagelang mutterseelenallein unterwegs, aber hier hatte ich zumindest tagsüber zahlreiche Gesellschaft. Dutzende von Pilzsuchern tummelten sich hier im Wald. Innerhalb von zwei Wanderstunden zählte ich über 100 im Wald geparkte Autos! Ich erreichte Labastide dann einen halben Tag zu spät ohne irgendwelche Reste von Proviant. Es hatte nicht mal mehr für ein Frühstück gereicht und so belohnte ich mich erst mal mit einigen Schokoladencroissants.

                          Der nächste Meilenstein dieser Route war Carcassonne, aber vorher musste ich noch über die Montagne Noire, d.h. ich musste auf über 1.000 m aufsteigen. Wieder mal ein wunderschöner Wegabschnitt, von dem ich allerdings aufgrund des dichten Nebels nicht viel mitbekam. Immerhin traf ich hier zum ersten Mal einen anderen ausländischen Wanderer, einen Franzosen, der mit dem Mietwagen die Gegend auf Tagesausflügen erkundete. Ich nutzte die seltene Gelegenheit und bat ihn, ein Photo von mir zu machen.



                          Am 26.10. erreichte ich dann Carcassonne. Der Kontrast war extrem. Morgens war ich noch auf 1.000 m Höhe bei dichtem Nebel im kalten Nieselregen gewandert und abends knapp über dem Meeresspiegel begleitete mich die Sonne entlang des Canal du Midi nach Carcassonne.


                          Fazit: Eine landschaftlich sehr interessante und abwechslungsreiche Gegend – nur leider mit mehreren Wegumleitungen.
                          http://christinethuermer.de/ 53.000 zu Fuß, 30.000 km per Fahrrad, 6.500 km im Boot

                          Kommentar


                          • AlfBerlin
                            Gesperrt
                            Alter Hase
                            • 16.09.2013
                            • 3921

                            • Meine Reisen

                            #33
                            AW: Nordkapp - Tarifa: Zu Fuss vom nördlichsten zum südlichsten Punkt Europas

                            Danke für Deine spannenden und unterhaltsamen Reiseberichte und nützlichen Ausrüstungstipps- und Erfahrungen hier und auf Deinem Blog.

                            Mich interessieren vor allem Anregungen für Ausrüstung und Verhalten auf eigenen Touren: Technik, Proviant, Ernährung, Orientierung, Wetter, Lagerplatz-Auswahl, Stealth-Camping, Streckeneinteilung und Pausen.

                            Kommentar


                            • German Tourist
                              Dauerbesucher
                              • 09.05.2006
                              • 853

                              • Meine Reisen

                              #34
                              AW: Nordkapp - Tarifa: Zu Fuss vom nördlichsten zum südlichsten Punkt Europas

                              Danke für die Anregungen! Wie Du vielleicht schon gesehen hast, habe ich auf meinem Blog schon einiges zu den von Dir genannten Themen geschrieben:

                              Grundsätzliche Überlegung zur Ausrüstung

                              Lebensdauer von Ausrüstung

                              Mentale Einstellung
                              Kostenkalkulation für Langstreckenwanderungen
                              Zeitkalkulation von Langstreckenwanderungen
                              Routenplanung von Langstreckenwanderungen
                              Meine Ernährung unterwegs

                              Ich finde Deine Anregung aber sehr interessant, auch mal was zur Lagerplatzsuche bzw. Stealth Camping und zur Streckeneinteilung und Pausen zu schreiben. Ich werde das demnächst mal auf meinem Blog umsetzen.

                              Danke für die Anregung!
                              Zuletzt geändert von German Tourist; 07.03.2014, 18:38. Grund: Weiteren Link eingefügt
                              http://christinethuermer.de/ 53.000 zu Fuß, 30.000 km per Fahrrad, 6.500 km im Boot

                              Kommentar


                              • Prachttaucher
                                Freak

                                Liebt das Forum
                                • 21.01.2008
                                • 11372

                                • Meine Reisen

                                #35
                                AW: Nordkapp - Tarifa: Zu Fuss vom nördlichsten zum südlichsten Punkt Europas

                                Wieder sehr interessant zu lesen, da man so die Gelegenheit bekommt eine Langstreckenwanderung (die einem selbst eher verwehrt bleibt) mitzuverfolgen. Die Links beantworten viele Fragen, eigentlich bleibt für mich nur eine :

                                Ist es für Dich üblich für einen Ort (Le Puy) 3 Tage einzuplanen ?

                                Die Camping Municipal habe ich vor langer Zeit auf Radtouren auch sehr geschätzt. Manchmal hatten wir da eine rießige Wiese fast (oder ganz) alleine für uns und konnten zudem sehr ruhig in Ortsnähe übernachten.

                                Kommentar


                                • German Tourist
                                  Dauerbesucher
                                  • 09.05.2006
                                  • 853

                                  • Meine Reisen

                                  #36
                                  AW: Nordkapp - Tarifa: Zu Fuss vom nördlichsten zum südlichsten Punkt Europas

                                  Bei der Ruhetagsplanung kommt es sehr darauf an, wo ich unterwegs bin.

                                  Am Anfang meiner Wanderlaufbahn bin ich die ganzen National Scenic Trails in den USA gelaufen. Dort hat es sich bewährt, ca. einmal alle 7 - 10 Tage einen Ruhetag in der Stadt einzulegen. Um die Hotelkosten zu minimieren, wird dort in der Regel folgende Thruhiker-Strategie angewandt: Am Vortag möglichst nahe an die Stadt heranlaufen und wildzelten. Dann morgens in die Stadt und sobald als möglich ins Hotel einchecken. Wenn der check-in erst mittags möglich ist, kann man die Wartezeit gut mit einem Waschsalon-Aufenthalt oder Einkaufstrip überbrücken. Dann eine Nacht im Hotel und erst zum spätmöglichsten Zeitpunkt, also in der Regel so gegen 11 Uhr auschecken. Mittags noch mal ausführlich essen gehen oder sonstwie in der Stadt herumhängen und nachmittags aus der Stadt rauslaufen. Mit dieser Strategie kann man mit einer Übernachtung fast zwei komplette Ruhetage erzielen.

                                  Mit dieser Strategie habe ich in Europa allerdings eine komplette Bauchlandung gemacht! Warum? Amerikanische trail towns sind in der Regel völlig langweilig: Ein oder mehrere Supermärkte, Kettenhotels und Fastfood-Restaurants. Als Wanderer kann man sich da voll auf die Logistik und die körperliche Erholung konzentrieren.

                                  Die Städte, durch die ich bei meinen Europawanderungen durchkam, waren allerdings nicht nur logistische Stützpunkte für mich, sondern so ganz nebenbei noch echte Touristenattraktionen mit Kirchen, Schlössern, Museen etc. Und natürlich habe ich mich dafür interessiert - nur wurde mir dann mit o.g. Strategie die Zeit knapp. Alleine schon die Logistik (Einkaufen, Wäsche waschen, Internet) nimmt fast einen ganzen Tag in Anspruch. Als ich dann noch Sightseeing eingeschoben habe, war ich nach meinem Ruhetag erschöpfter als vorher. Am Ende meiner ersten großen Europawanderung 2012 bin dadurch dann auch noch in echte Zeitnot geraten.

                                  Mittlerweile plane ich daher in Europa in der Regel zwei statt einer Übernachtung ein, was dann zu fast drei Tagen in der Stadt führt. Ein voller Tag für Logistik und ein voller Tag für Sightseeing - damit kriege ich alles erledigt, sehe auch was von der Stadt und bin anschließend trotzdem erholt. Allerdings mache ich so eine Stadtorgie nur alle 7 - 10 Tage, dazwischen versuche ich Städte eher zu meiden.

                                  Besondere Vorplanung bedarf es für Logistikaufenthalte, wenn ich mir ein Paket zu schicken lasse. Postämter sind in der Regel am Samstag nur vormittags geöffnet und Sonntags geschlossen. Da ich nicht wochenlang vorausplanen kann, wann ich denn nun genau eintreffe, wähle ich für Paketzusendungen eine größere Stadt, in der ich gut zwei Tage verbringen und auf die Öffnung des Postamts warten kann.

                                  Sollte ich aber wieder mal in USA oder Australien unterwegs sein, würde ich die Anzahl der Ruhetage wieder reduzieren.
                                  http://christinethuermer.de/ 53.000 zu Fuß, 30.000 km per Fahrrad, 6.500 km im Boot

                                  Kommentar


                                  • xsamel
                                    Erfahren
                                    • 07.08.2010
                                    • 448

                                    • Meine Reisen

                                    #37
                                    AW: Die Causses und die Umleitungen

                                    Zitat von German Tourist Beitrag anzeigen
                                    Ich kam durch den Touristenort Avene, wo es sogar eine Touristeninformation gab. Dort würde man mir doch sicherlich weiterhelfen können. Was nun folgte, war ein Prachtbeispiel für französische Arroganz. Nein, die Dame in der Touristeninfo sprach kein Englisch. (Sie reagierte auf meine Frage als ob ich ihr einen unanständigen Antrag gemacht hätte.). Nein, sie sprach auch überhaupt keine andere Sprache als Französisch. Nein, sie wusste auch nichts von irgendeiner Wegverlegung. Sie wusste überhaupt schon gar nichts von irgendeinem Weg. Nein, sie hatte auch keine Wanderkarte. Und nein, es war ihr komplett egal, ob ich sie verstünde oder nicht. Nein, warum sollte sie versuchen langsam zu sprechen und sich mir verständlich machen. Es war doch eindeutig mein Problem, dass ich schlecht Französisch sprach. Leider bin ich in Frankreich öfter auf dergleichen Verhalten gestoßen und es ist mir unverständlich, wie solche Menschen im Bereich Tourismus arbeiten können. Ich verließ die Touristeninformation genauso schlau wie vorher und ehrlich gesagt ziemlich sauer.
                                    Hallo Christine,


                                    erst mal auch von mir vielen Dank, für deine wunderbaren Erlebnisberichte, die ich sehr gerne lese!

                                    Zur von dir angesprochenen "Französischen Arroganz" könnte ich jetzt sofort viel, viel mehr positive Gegenbeispiele liefern, als Erlebnisse, die deine negative Erfahrung bestätigen. Ich möchte aber deinen Faden damit nicht belasten.

                                    Es sind wohl nur Ausnahmen, welche die Regel bestätigen
                                    "Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen". Kurfürst F.W. aus Brandenburg, 1640 - 1688

                                    Kommentar


                                    • German Tourist
                                      Dauerbesucher
                                      • 09.05.2006
                                      • 853

                                      • Meine Reisen

                                      #38
                                      Von Carcassonne zu den Pyrenäen oder Abenteuer-Camping Teil 2

                                      In Carcassonne war ich schon im letzten Jahr auf meiner Europawanderung gewesen. Nur war ich damals viel zu erschöpft, um viel von der Stadt zu sehen. Diesmal schaffte ich es allerdings, mir mehr anschauen. Wie im Vorjahr quartierte mich wieder in die Jugendherberge in der Altstadt ein.


                                      In meinem Zimmer waren noch drei andere Frauen und bei einer entdeckte ich sogleich Wanderstiefel unter dem Bett. Es würde sich doch nicht etwa um eine andere Langstreckenwanderin handeln? Ariadne, so stellte sich heraus, war auch wandernd unterwegs, allerdings aus einem anderen Grund. Sie betrieb gerade Feldforschung für ihre Master-Arbeit über den Katharerweg. Diesen Weg durch Südfrankreich kannte ich schon vom letzten Jahr und auch diesmal würde ich ein Stück davon gehen. Ich war daher natürlich gleich sehr neugierig und befragte sie eingehend. Die Katharer waren eine christliche Sekte, die im 12. Jahrhundert vor allem in Südfrankreich weit verbreitet war und dann von der Inquisition komplett ausgelöscht wurde. Einzig die beeindruckenden Felsburgen ihrer Anhänger blieben erhalten, die ich in den nächsten Tagen auf dem Katharerweg mehrfach zu sehen bekommen würde.



                                      Die Katharer faszinierten mich sehr und ich verbrachte mehrere Stunden damit, die Buchläden in Carcassonne nach entsprechendem Informationen zu durchforsten. Und natürlich machte ich den obligatorischen Besuch bei Decathlon und Co. Die zwei Stadttage vergingen wieder mal wie im Flug und ich machte mich auf Richtung Pyrenäen. Der Weg ließ sich zunächst sehr nett an: Ich durchquerte ein militärisches Übungsgelände und dann ging es durch Weinberge – in denen leider mittlerweile Ende Oktober kam mehr Weintrauben zu finden waren.


                                      Dann tauchten plötzlich Dutzende von Nonnen auf dem Weg auf. Angesichts der Nachwuchsprobleme in der katholischen Kirche erstaunte mich deren Anzahl doch sehr und ich glaubte anfangs sogar an eine Kostümparty, als mir Nonne um Nonne im weißen Habit, aber mit Tagesrucksack am Rücken entgegen kam.


                                      Ich näherte mich nun dem Alaric-Gebirgszug, der auf der Karte völlig unscheinbar aussah, den die Wegplaner jedoch in möglichst schwieriger Art und Weise durchquerten. Bald hing ich im Gestrüpp an rutschigen und extrem steilen Hängen und fluchte über den GR 36. Es würde bald dunkel werden und in diesem schwierigen Gelände würde ich kaum einen anständigen Zeltplatz finden, wenn ich nicht direkt auf dem Weg zelten wollte. Ich war daher extrem erleichtert, als ich endlich auf einem ebenen Bergsattel ankam, der mir geradezu grandiose Zeltmöglichkeiten eröffnete. Da ich aufgrund des nächtlichen Kondensproblems nicht im offenen Gelände zelten wollte, suchte ich lange hin und her, bis ich auf einen schmalen Seitenpfad stieß, der mich ins Unterholz führte. Dort fand ich etwas abseits in den Büschen einen halbwegs geschützten Zeltplatz. Ich ärgerte mich noch über meine übertriebene Vorsicht als ich mühsam im Gebüsch mein Zelt aufbaute.

                                      Ich war gerade gegen 22 Uhr am Einschlafen als ich plötzlich Stimmen hörte. Ich war sofort alarmiert, glaubte aber zunächst noch an verspätete Jäger. Nur leider wurden es immer mehr Stimmen, die zu allem Unglück immer näher kamen. Eine ganze Männergruppe hatte sich ca. 100 m von meinem Zeltplatz auf dem Bergsattel versammelt und diskutierte aufgeregt. Immer wieder streifte der Schein von starken Stabtaschenlampen mein Zelt. Ich wurde mittlerweile fast von Panik ergriffen, denn ich konnte keine plausible Erklärung für diese nächtliche Menschenansammlung finden. Mir blieb fast das Herz stehen, als sich der ganze Trupp in Bewegung setzte und ausgerechnet den schmalen Seitenpfad entlang wanderte, an dem sich mein Zeltplatz befand. Über 15 Mann in Stiefeln stampften ca. 5 m von mir entfernt unter zahlreichen Flüchen vorbei – ohne mich zu entdecken. Ich lag in höchster Alarmbereitschaft in meinem Zelt als ich endlich die Erleuchtung hatte. Früher am Tag war ich ja an einem Militärübungsplatz vorbeigekommen und was da gerade an meinem Zelt vorbei lief, sah eindeutig aus wie Springerstiefel. Und da ich ausschließlich junge Männerstimmen hörte, wurde mir bald klar: Es handelte sich um eine nächtliche militärische Übung! Da die Jungs mich aber nicht entdeckt hatten, obwohl ich gerade mal 5 m von ihnen entfernt ein Zelt aufgebaut hatte, schien es sich nicht gerade um einen Aufklärungstrupp zu handeln. Noch lange hörte ich laute „Putains“ durch den Wald schallen bis endlich Ruhe einkehrte. Leider sollte dies nicht mein letztes nächtliches Abenteuer in Frankreich sein.

                                      Die Route durch das Pyrenäen-Vorland war traumhaft schön. Erst die Ruinen der Katharerburgen auf dem Katharerweg und dann ging es sukzessive immer höher hinauf, dazwischen immer wieder verfallene Kirchen und Klöster. Es gab sogar einen Kunst-Erlebnisweg!


                                      Leider waren jetzt im Herbst auch viele Jäger unterwegs und so stieß ich an einem Sonntag-Nachmittag auf eine groß angelegte Wildschwein-Jagd. Ich trug zwar meine neon-orange Jagdmütze, aber das hinderte einen der Jäger nicht daran, mit seinem Gewehr auf mich anzulegen. Total erschrocken sprang ich ins Gebüsch. Doch kaum wagte ich mich wieder hervor, zielte er schon wieder auf mich. Nachdem wir dieses Spiel ein paar Mal wiederholt hatten, dämmerte mir so langsam, dass der Kerl nicht auf mich schießen wollte, sondern mich lediglich mit dem Zielfernrohr an seinem Gewehr anvisierte. Dennoch nicht gerade die feine Art. Ich passierte fast ein Dutzend dieser Freizeitjäger, die mir allerdings alle versicherten, dass mir keinerlei Gefahr drohte. Nun ja, nach diesem Erlebnis war ich mir da nicht mehr so sicher, aber wie man sieht habe ich es überlebt.


                                      Bei Vinca überquerte ich die Tet, aber der große Stausee war fast komplett trocken. In dieser Nacht hatte ich wieder mal nächtlichen Besuch: Gegen Mitternacht wurde ich durch lautes Hundegebell geweckt. Dies ist an und für sich nicht ungewöhnlich, denn nahe an Ortschaften hörte ich nachts oft Hunde bellen. Beunruhigend war eher, dass das Gebell immer näher kam. Ich war gerade aus dem Schlaf gerissen worden und konnte noch keinen klaren Gedanken fassen, als etwas fast mein Zelt umrannte. Und bevor ich mich wieder fassen konnte, preschten auch schon mehrere Hunde an meinem Quartier vorbei. Nun, mein Zelt stand noch und mir war auch nichts passiert. Nun hellwach wurde mir auch sehr schnell klar, was passiert war. Der erste Passant muss irgendein Wildtier, wahrscheinlich ein Wildschwein gewesen sein, gejagt von mehreren Jagdhunden, die kurz danach vorbeigekommen waren. Sie waren dabei sogar an meine Zeltschnüre gekommen und hatten einen Zelthering herausgezogen...

                                      Ich näherte mich nun immer mehr den Pyrenäen, die vor allem psychologisch ein großes Hindernis für mich darstellten. Schon Tage zuvor hatte ich Befürchtungen, bei meiner Pyrenäenüberquerung eingeschneit zu werden, obwohl ich ganz bewusst einen sehr weit südlich und damit auch sehr niedrig gelegenen Übergang gewählt hatte. Das Wetter war regnerisch und trüb und ich hoffte, dass sich der Regen auf 1.400 m Höhe nicht in Schnee verwandeln würde. Zuerst aber musste ich durch Amelie-les-Bains, den letzten französischen Ort auf meiner Wanderung. Mit Hilfe eines gpx tracks suchte ich nun den Einstieg in den HRP, der mich zum Roc de France führen sollte. Aber obwohl ich am Stadtrand von Amelie-les-Bains fast eine Stunde lang durch die Büsche kroch, konnte ich keinerlei Wegmarkierung finden. Ich befragte also einen Anwohner, der mich allerdings wo ganz anders hinschickte, als mein gpx track anzeigte. Erst nach vielem Nachfragen und Nachdenken dämmerte mir so langsam, dass einfach der gpx track komplett falsch war. Natürlich weiß man bei anonymen Internetquellen nie, wie gut die Qualität eines tracks ist, aber so dermaßen daneben lag ich noch nie. Mit mehreren Stunden Verspätung fand ich dann endlich den HRP und stieg langsam im Nieselregen immer höher hinauf. Auf 1.400 m schneite es zwar immerhin nicht, aber der Regen wurde immer heftiger. Aber mich konnte jetzt nichts mehr halten. Am 04.11. nachmittags erreichte ich ziemlich durchnässt den Pass am Roc de France und damit die spanische Grenze.


                                      Fazit: Das Pyrenäenvorland ist ein großartiges Wandergebiet, vor allem der ausgesprochen sehenswerte Katharerweg mit seinen grandiosen Burgruinen ist absolut empfehlenswert.
                                      Zuletzt geändert von German Tourist; 08.03.2014, 23:52.
                                      http://christinethuermer.de/ 53.000 zu Fuß, 30.000 km per Fahrrad, 6.500 km im Boot

                                      Kommentar


                                      • German Tourist
                                        Dauerbesucher
                                        • 09.05.2006
                                        • 853

                                        • Meine Reisen

                                        #39
                                        Spanisches Pyrenäenvorland

                                        Irgendwie schien in Spanien plötzlich alles einfacher zu sein. Zunächst mal kam gleich am nächsten Tag die Sonne raus – und das Wetter blieb auch für viele Tage großartig. Nach einigen „freestyle“ km auf Forststraßen stieß ich dann auf den GR 2, dem ich zunächst folgen würde. Schon im ersten Dorf in Spanien, Agullana, wurde ich mit einer der Segnungen Spaniens vertraut gemacht: kostenloses Wifi! In Spanien gibt es in fast jedem noch so kleinen Ort Gratis-Wifi, oft beim Rathaus oder ayuntamiento. Das kleine Agullana hatte sogar einen extra Bürgersaal mit kostenlosem Internet und Zeitungen. Ich nutze das natürlich gleich für eine ausführliche Recherche und stellte beglückt fest, dass ich schon in wenigen Tagen mit dem Bus einen Abstecher in die nächste größere Stadt machen könnte anstatt meine Route zu verlassen und dort hin zu laufen. Ich wollte möglichst schnell in die Zivilisation, denn ich wollte mir eine neue SIM-Karte für Spanien kaufen, damit ich auch unterwegs immer auf das Internet und damit den Wetterbericht zugreifen konnte.

                                        Beschwingt machte ich mich auf den Weg nach Besalu, von wo aus ich den Bus nach Olot nehmen wollte. Besalu ist aufgrund seiner mittelalterlichen Befestigung und Stadtkerns ein echter Touristenmagnet und so glaubte ich keine Problem bei der Zimmersuche zu haben. Leider hatte ich dabei großes Pech. Anfang November ist hier nämlich tiefste Nebensaison und alle billigen Hotels hatten ganz einfach geschlossen, was dazu führte, dass alle anderen Hotels ausgebucht waren. Alles kein Problem, denn es gab ja einen nahegelegenen Campingplatz. Leider stellte sich heraus, dass der Campingplatz zwar in der Tat nahegelegen war, sich aber am anderen Flussufer befand – und es keine Brücke gab. Ich musste daher einen Umweg von fast 3 km laufen, um dort hinzukommen. Als ich ziemlich genervt dort ankam, waren außer mir nur zwei weitere Gäste da. Nebensaison eben. Der Besitzer wollte für so wenige Gäste gar nicht die Platzbeleuchtung anschalten, gab mir aber immerhin eine schönen Preisnachlass und stellte immerhin das Warmwasser an. Wie üblich befand sich der Campingplatz direkt am Wasser und damit hatte ich am nächsten Morgen ein tropfnasses Zelt aufgrund von Kondens. Nachdem ich die 3 km in aller Herrgottsfrühe wieder zurückgelaufen war, saß ich dann endlich im Bus nach Olot, wo dann alles gut wurde.


                                        Ich fand eine preiswerte Pension direkt im Zentrum, wo man mich sogar schon früh um 9 Uhr einchecken ließ. Mein Zelt und meine Wäsche durfte ich bei strahlendem Sonnenschein auf der Dachterrasse trocknen. Und schon eine Stunde später hatte ich eine spanische SIM-Karte für mein Handy zu einem Preis, der jeden Franzosen weinen lassen würde. Mit meiner Prepaid-Karte zahlte ich für 1 GB Daten High speed (gültig für einen Monat) gerade mal 6 EUR plus Steuer. Dieselbe Datenmenge und Gültigkeit hatte mich in Frankreich 40 EUR gekostet!!!! Entspannt konnte ich mich jetzt auf das Sightseeing stürzen. Olot ist aufgrund einer Produktionsstätte in ganz Spanien bekannt: Hier befindet sich die größte Heiligenfabrik Spaniens. Mutter Gottes mit Kind, Heilige aller Art, Kruzifixe – alles wird in der hiesigen Manufaktur hergestellt und weltweit exportiert. Das Museum selbst bietet immer wieder Einblicke in die noch aktive Manufaktur, wo ich begeistert mit anschauen durfte, wie einem Jesuskind die Wimpern angeklebt und eine Jungfrau Maria mit Heiligenschein versehen wurde. Leider durfte man im Museum nicht fotografieren, aber ich stieß in ganz Spanien immer wieder auf Statuen aus Olot. Hier mal meine Photosammlung von Olot-Style Marias:


                                        Nach zwei Tagen Olot ging es mit dem Bus wieder zurück nach Besalu und auf den Trail, der mich jetzt durch den Vulkan-Nationalpark Garrotxa führte. Aufgrund der Nähe zur Metropole Barcelona war hier am Wochenende schlichtweg die Hölle los. Ganze Heerscharen von Wanderern kamen mir entgegen. Aber kam verliefen sich die Touristenströme verschwand auch meine Wanderwegmarkierung... Ich irrte leicht verwirrt durch die Gegend, bis mich ein Anwohner wieder auf den rechten Pfad Richtung L'Ermita de Sant Miquel de Castelló schickte. Diese Einsiedelei liegt auf 980 m direkt auf einer Bergspitze und ich fragte mich, wo ich denn in diesem Gelände einen Zeltplatz finden sollte. Ein Trupp spanischer Wanderer klärte mich auf: Direkt neben der Einsiedelei gäbe es eine Rasenfläche, auf der man sicherlich gut zelten könne. Und so eilte ich mit dem letzten Tageslicht den Berg hinauf und wurde mit einem der schönsten Zeltplätze der ganzen Tour belohnt. Der Ausblick von dort oben war einfach grandios und ging bis hin zu den Pyrenäen. Trotz der Kälte schaute ich mir eine Stunde lang die Lichter im Tal an. Nachts gab es einen kurzen Regenschauer, der in den Pyrenäen allerdings als Schnee runtergekommen war. Als ich morgens aus dem Zelt lugte, begrüßten mich in der Ferne schneebedeckte Berggipfel. Ich verbrachte den ganzen Tag damit, immer wieder einen Blick zurück auf die Pyrenäen zu werfen und zu beobachten, wie dieser Schnee im Laufe des Tages immer weiter verschwand.


                                        PS: Was es allerdings mit den Ziegenfüßen auf sich hat, die ich über einer Haustür angenagelt sah, weiß ich leider nicht. Vielleicht kann mich ja hierzu jemand aufklären. Soll das den Teufel fern halten?
                                        http://christinethuermer.de/ 53.000 zu Fuß, 30.000 km per Fahrrad, 6.500 km im Boot

                                        Kommentar


                                        • German Tourist
                                          Dauerbesucher
                                          • 09.05.2006
                                          • 853

                                          • Meine Reisen

                                          #40
                                          Entlang der Mesas nach Montserrat

                                          Kaum hatte ich die Pyrenäen hinter mir gelassen, offenbarte sich gleich die nächste Attraktion, die mich fast durch ganz Spanien begleiten sollte: Mesas, also sogenannte Tafelberge. Der Weg ging runter von einer Mesa, durchquerte in der Regel ein Flusstal, und dann wieder hoch auf die nächste Mesa. Im Tal wunderte ich mich oft, wie ich wohl den nächsten Berg wieder hoch kommen sollte, denn oft schienen die Felsen im 90 Grad Winkel anzusteigen.


                                          Besonders beeindruckend konnte man diese Mesas an einem riesigen Stausee betrachten, an dem ich am Spätnachmittag zum schönsten abendlichen Licht ankam. Ich befürchtete schon, noch in Stress zu geraten, denn ich brauchte noch Trinkwasser für die Nacht und das nächste Dorf war weit. Aber dieser Stausee war ein so populärer Aussichtspunkt, dass es sogar öffentliche Toiletten und damit Wasser gab.


                                          Am nächsten Morgen konnte ich feststellen, dass die Mesas im frühen Morgennebel sogar noch großartiger aussehen...


                                          Ich war mittlerweile auf dem GR 5 unterwegs und der Weg führte entlang der Tafelberg-“Kante“, was mir einfach atemberaubende Ausblicke ins Umland gewährte. Als dann auch noch langsam die Sonne unterging und die Felsen in oranges Licht tauchte, kaum ich aus dem Staunen gar nicht mehr raus.


                                          Nur leider stellte sich mir jetzt die Frage nach einem Zeltplatz. Der Weg führte immer sehr exponiert an der Abbruchkante entlang und die wenigen ebenen Flächen waren total überwuchert. Laut Karte würde der Weg bald auf eine alte Einsiedelei treffen und dort hoffte ich auf einen guten Zeltplatz zu treffen. Als ich jedoch die Eremita in den letzten Sonnenstrahlen erblickte, sah ich zunächst mal einen riesigen Parkplatz, der eines Vorort-Einkaufszentrums würdig gewesen wäre. Im Schein meiner Stirnlampe las ich dann, dass die ehemalige Kloster Sant Miquel del Fai mittlerweile ein ausgesprochen beliebter Ausflugsort für Bustouristen war – daher der riesige Busparkplatz. Und hier wollte ich nun überhaupt nicht zelten, denn meine Erfahrung lehrte mich, dass dergleichen Orte auch nachts oft von allerlei „Störenfrieden“ wie Liebespärchen im Auto oder Jugendlichen auf der Suche nach einer After-Club-Party frequentiert wurden. Im Dunkeln setzte ich meine Suche nach einem Zeltplatz fort und stieß dabei leider auf die örtliche Müllkippe. Hier war es zwar flach, aber zelten wollte ich hier auch nicht. Nach langem Hin und Her fand ich dann endlich einen halbwegs flachen Platz etwas abseits der Müllkippe – allerdings brauchte ich gefühlt mehrere Stunden, um ihn stein- und dornenfrei zu machen. Der Boden war bretthart und dementsprechend schlecht schlief ich dann auch.

                                          In den nächsten Etappen wollte ich mich mal wieder im Nachtwandern probieren. Aber da hatte ich die Rechnung mal wieder ohne die Wegplaner gemacht, die den Weg von Forststraßen auf Pfade verlegt hatten. Eigentlich eine feine Sache, aber Nachtwandern war hier nicht mehr möglich. Um 19.30 Uhr gab ich auf und baute mein Zelt auf. Zudem war es schweinekalt. Der strahlend blaue Himmel tagsüber führte nämlich zu einem drastischen Temperatursturz nachts. Dementsprechend schwierig war es dann auch, frühmorgens aufzustehen. Mit schöner Regelmäßigkeit hatte ich mittlerweile Frost auf dem Zelt – kein Wunder, denn es war ja nun schon November. Ich lief noch vor Sonnenaufgang los, denn ich hatte eine große Tagesetappe vor mir. Bei Sonnenaufgang erwartete mich einer der schönsten Ausblicke der ganzen Tour. Die Morgensonne tauchte das Montserrat-Gebirge in einen geradezu übernatürliches Licht und der schroff aufragende Bergkamm sah aus wie von einem anderen Stern. In Momenten wie diesen überfällt mich dann oft ein regelrechter „Glücks-Flash“ - auch wenn es gerade mal 0 Grad hat....


                                          Dennoch war es noch ein sehr weiter Weg bis Montserrat, denn wie üblich ging es erst mal wieder eine Mesa runter, durch das Tal und dann wieder eine Mesa rauf. Da Montserrat aber ein ausgesprochen beliebter Wallfahrtsort ist, war der Aufstieg fantastisch ausgebaut. Dennoch kam ich erst kurz vor Sonnenuntergang am Kloster von Montserrat an. Was ich dort sah, brachte mich beinahe dazu, einfach weiterzulaufen. Massenweise Touristen, die mit der Seilbahn heraufgekarrt wurden und zahllose Souvenirshops. Das Ganze war eine perfekt durchorganisierte Touristenattraktion. Ich musste dennoch kurz anhalten, denn ich brauchte einen Pilgerpass. Ich hatte schon in den Tagen zuvor immer mal wieder die Markierung für den Cami de Sant Jaume gesehen, einen Pilgerweg der über Montserrat führte. Da ich demnächst in einer Pilgerherberge nächtigen wollte, musste jetzt also ein Pilgerpass her, den ich in Montserrat bekommen würde. Die Touristeninformation verwies mich an das Büro der Pilgerbetreuung, wo ich gerade noch vor Büroschluss ankam.

                                          Und hier wurde nun alles auf wunderbare Weise gut. Der Pilgerpass kostete gerade mal 1,50 EUR und der freundliche Betreuer fragte mich, ob ich denn gleich hier bleiben wolle. Ich war höchst erstaunt, denn mir war gar nicht klar, dass sich hier neben einem teuren Hotel eine Pilgerherberge befand. Ich hatte geplant, weiter zu laufen und wie üblich zu zelten. Doch es gab in der Tat eine sogar sehr große Pilgerherberge, die aufgrund der Jahreszeit total leer war und zu allem Überfluss auch noch für Pilger kostenlos war! Da musste ich nicht zweimal überlegen – ich blieb hier und gönnte mir erst mal eine warme Dusche. Dann besuchte ich die Abendandacht und wurde sofort bezaubert. Mittlerweile hatten sich nämlich die Touristen fast komplett verzogen und die Kirche erstrahlte im Kerzenlicht zu den Gesängen der Mönche. Ein wunderbare, fast mystische Atmosphäre. Ich war heilfroh, dass ich durch einen Zufall geblieben war, denn dieser Abend war einer der schönsten auf meiner Wanderung.

                                          Fazit: Eine traumhaft schöne Strecke – immer nach dem Motto: Rauf auf die Mesa, runter von der Mesa. Wandern entlang der Hochebenen und der Flusstäler dazwischen. Und Montserrat ist ein echtes Highlight, sofern man die Touristenmassen meidet.

                                          http://christinethuermer.de/ 53.000 zu Fuß, 30.000 km per Fahrrad, 6.500 km im Boot

                                          Kommentar

                                          Lädt...
                                          X