[GB] John O'Groats to Land's End: 2.000 km durch Großbritannien

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  • German Tourist
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    • 09.05.2006
    • 847

    • Meine Reisen

    #41
    AW: [GB] John O'Groats to Land's End: 2.000 km durch Großbritannien

    England: Von Offa's Dyke zum South West Coast Path

    Nach dem wunderschönen Offa's Dyke Path erwartete mich jetzt ein Wander-Alptraum: Zwischen Chepstow, dem Ende von Offa's Dyke und Bristol liegt der River Severn – und die einzige Möglichkeit (neben Schwimmen natürlich), diesen Fluss zu überqueren war die Autobahnbrücke der M4. Diese Brücke ist 4 (vier!) Kilometer lang, natürlich total ausgesetzt und vierspurig. Die einzige gute Nachricht war, dass es eine separate Fahrradspur gibt. Und ich hatte auch mit dem Wetter Glück: Es war zwar windig, aber immerhin herrschte strahlender Sonnenschein. Auf dem Weg über die Brücke überholten mich mehrere Service-Fahrzeuge der Autobahnmeisterei und fragten besorgt, ob alles mit mir in Ordnung sei... Ich war heilfroh, diesem Monstrum zu entkommen, obwohl die Vororte von Bristol zu durchwandern auch nicht gerade verlockend war.

    Ohne einen Aufenthalt in Bristol wäre dieser Abschnitt ohne Zeltmöglichkeiten wohl sehr schwer in einem Stück zu durchlaufen gewesen. Aber ich hatte viel Glück: Bei meiner Couchsurfing-Recherche stieß ich auf Phil und Sheila, die nur Gäste über 35 Jahre akzeptierten – passte also genau auf mich. Noch viel besser passte, dass sie in einem Vorort quasi fast an meiner Route wohnten. Also nur ein kurzer Anruf bei Phil und zehn Minuten später holte er mich mit dem Auto ab und brachte mich zu ihrem ausgesprochen luxuriösen Haus, wo mich nicht nur ein eigenes Zimmer, sondern sogar ein eigenes Badezimmer erwartete. Phil und Sheila waren überzeugte Couchsurfer, sowohl als Gäste als auch als Gastgeber. Phil hielt sogar Vorträge über ihre Couchsurfingerfahrungen im örtlichen Nachbarschaftshaus. Die beiden hatten in der Tat viel interessantes zu erzählen: Nachdem sie ein indisches Ehepaar zu Gast gehabt hatten, beschlossen sie, eine Couchsurfing-Reise durch Indien zu unternehmen – eine Idee, auf die ich nie gekommen wäre, die sich aber als voller Erfolg herausstellte, wie die beiden mir anhand von vielen interessanten Photos zeigten. Aber auch ich konnte ihnen viele Infos mit auf den Weg geben, denn sie planten, John O'Groats nach Land's End zu radeln. Bristol war viel netter als gedacht, obwohl meine persönliche Hauptattraktion, das British Empire und Commonwealth Museum geschlossen worden war..... Sheila und Phil begleiteten mich zur Clifton Suspension Bridge, zur Kathedrale und zum niegelnagelneuen Bristol Museum und Art Gallery, das sie selbst noch nicht gesehen hatten. Wie üblich hätte ich noch viel länger bleiben können, aber die fortschreitende Jahreszeit mahnte mich zu einem baldigen Aufbruch.



    Also nochmals fast ein ganzer Tag durch die Vororte von Bristol, über den River Avon auf der M5-Autobahnbrücke und ich war wieder auf dem Land angekommen war. Dieses tiefliegende Marschland war von jeder Menge Deichen durchzogen, die das Wandern zu einer Art Zick-Zack-Lauf machten. Die Bauern nutzten die Deiche auch als Zäune: Kühe hinter Deich statt Zaun sozusagen. Zelten war mal wieder ein Problem, wenn ich nicht mitten im Sumpf oder auf dem Präsentierteller landen wollte. Mein winziges Stück Wald auf der Karte entpuppte sich beim Näherkommen als Totalkatastrophe. Es war komplett von einem völlig überwucherten Deich umgeben, so dass absolut kein Durchkommen war. Zudem war das ganze auch noch völlig zugewachsen, so dass ich eh keinen Platz für mein Zelt gefunden hätte. Zudem um mich herum nur Kühe, und inmitten derer wollte ich bekanntlicherweise ja nun nicht gerade zelten. Missmutig lief ich weiter und fand zu meinem großen Glück tatsächlich bald ein sichtgeschütztes Plätzchen hinter ein paar Büschen. Und die Kühe nur 10 Meter weiter, aber hinter einem tiefen Deich – hurra!



    Obwohl das Wetter über 2 Wochen lang mehr als hervorragend gewesen war, konnte es ja nicht ewig anhalten, schließlich hatten wir ja nun schon Mitte Oktober. Das Unheil nahm seinen Lauf im Exmoor National Park, wo es 2 Tage lang ununterbrochen wie aus Kübeln schüttete. Ich war bis auf die Knochen nass und schleppte mich über völlig verschlammte Kuhweiden, wo jedes Gatter ein neuer Schlammtauchgang war. Meine Laune erreichte ihren Tiefpunkt, als ich zwei Bauern auf der Weide traf, die mich fragten, was ich denn bei diesem Wetter hier draußen machen würde. Meine Antwort versetzte sie in großes Erstaunen. Sie selbst hätten schon überhaupt keine Lust, bei diesem Regen rauszugehen, aber sie müssten ja wohl arbeiten. Aber wie jemand freiwillig hier rumlaufen konnte, konnten sie so gar nicht verstehen. Nach dieser „aufmunternden“ Begegnung machte ich einen entscheidenden Fehler. Ich passierte einige sehr hübsche Zeltmöglichkeiten, aber anstatt früh Feierabend zu machen, beschloss ich bis Tagesende weiterzulaufen. Schließlich war ich eh schon komplett nass und mein wunderbarer Cicerone-Führer versprach Zeltmöglichkeiten an der Quelle des Exe River. Der Autor muss seine Zeltplätze allerdings im Rahmen einer ausprägten Dürreperiode gesehen haben, denn ich konnte trotz einer Stunde Herumsuchens keinen einzigen Quadratmeter finden, auf dem nicht zentimeterhoch das Wasser hochgekommen wäre, sobald ich mit dem Fuß drauf trat. Dies war mittlerweile eine kritische Situation, denn es wurde bald dunkel und auch Weiterlaufen versprach keine Besserung der Lage. Da erspähte ich ein Mini-Wäldchen, das geradezu traumhafte Zeltmöglichkeiten bot – aber eine großen Nachteil hatte: Es lag auf dem Grundstück eines Bauerhofs und war auch nur durch dessen Gartentor zugänglich.

    Soweit irgendmöglich versuche ich immer, unverkannt zu zelten, aber dies war eine Notlage. Ich beschloss, in den sauren Apfel zu beißen und im Bauernhof um Erlaubnis zu fragen. Leider öffnete auf mein Klopfen und Rufen niemand die Tür. Als ich die Klinke niederdrückte, stellte ich fest, dass nicht mal abgeschlossen war. Ich stand direkt im Wohnzimmer, wo ich einfach die Stereoanlage und den Computer hätte mitnehmen können....Natürlich hatte ich keinerlei dergleichen kriminelle Energie, aber jetzt ein Dilemma: Was sollte ich jetzt tun? Einfach mein Zelt aufbauen? Und wenn die Besitzer später wiederkämen und mich verscheuchten? Ich war noch am Grübeln, als ein Auto die Auffahrt hochkam und die Besitzer wohl recht verwundert waren, dass ein wasserrattenartiges Geschöpf sie fast ansprang und etwas von Zelten faselte. Natürlich wurde mir die Erlaubnis erteilt, gefolgt von einer Einladung zum Tee. Schließlich sind wir ja in England. Aus der Tasse Tee wurde ein zwei Stunden langes Gespräch inklusive Hofführung. Ich verließ das Haus mit einem halben Dutzend Eier, während meine nassen Klamotten im Heizraum trockneten. Außerdem wusste ich jetzt alles über Lamm- und Rindfleischpreise in der EU. Am nächsten Tag wurde das Wetter leider nicht besser, sondern nur anders. Statt Regen jetzt dichter Nebel, der mich aus Angst, mich zu verlaufen, auf die Straßen zwang. Verlaufen habe ich mich trotzdem: Der Nebel war so dicht, dass ich eine Kuh für eine Wegmarkierung hielt....

    Größtes Highlight auf diesem eher unspektakulären Wegabschnitt waren die vielen kleinen Dorfkirchen, wenngleich ohne Tee- und Kaffeekochnische. Dafür waren hier wohl viel zu wenig Wanderer unterwegs. Leider hatte ich mittlerweile auch gelernt, dass englische Friedhöfe keine Wasserhähne haben. Die Gräber haben meist auch keinen Pflanzenschmuck, so dass man auch keine Gießmöglichkeiten braucht. Außerdem regnet es eh andauernd...

    http://christinethuermer.de/ 53.000 zu Fuß, 30.000 km per Fahrrad, 6.500 km im Boot

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    • Hobbyhiker
      Anfänger im Forum
      • 17.05.2012
      • 49

      • Meine Reisen

      #42
      AW: [GB] John O'Groats to Land's End: 2.000 km durch Großbritannien

      Du hattest aber wirklich etwas Pech mit dem Wetter. Natürlich ist es so spät im Jahr wirklich sehr wechselhaft in GB. August in Schottland ist Hauptsaison für Touris und Midges da ist früher starten (Mai) oder später (September) ankommen wohl geschickter. So lange Regenperioden sind aber wirklich schon ungewöhnlich, klar es regnet gefühlt öfter als hier aber wechselt normalerweise auch wegen der Insellage öfter zwischen verschiedenen Wetterlagen..

      Hoffe du hattest dann auf dem Coast Path besseres Wetter und konntest die schöne Gegend mehr genießen auf die Südliche Ecke Englands bin ich schon gespannt.

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      • German Tourist
        Dauerbesucher
        • 09.05.2006
        • 847

        • Meine Reisen

        #43
        AW: [GB] John O'Groats to Land's End: 2.000 km durch Großbritannien

        Das Wetter war wirklich bizarr auf dieser Tour. Die kälteste Temperatur hatte ich im August (!) in Schottland, während ich 1 1/2 Monate später in Wales plötzlich 30 Grad im Schatten hatte. Das Hauptproblem ist jedoch, dass in Großbritannien aufgrund des fehlenden Waldes das Wetter einen viel größeren Einfluss auf das Wander-Wohlbefinden hat als z.B. in Deutschland, wo mir vergleichbares Wetter wahrscheinlich nicht so sehr an die Substanz gegangen wäre.
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        • faule socke
          Dauerbesucher
          • 27.04.2004
          • 911

          • Meine Reisen

          #44
          AW: [GB] John O'Groats to Land's End: 2.000 km durch Großbritannien

          danke schön, sehr interessant! war schon lange nicht mehr in gb und alle beschriebenen gegenden kenne ich nicht.

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          • German Tourist
            Dauerbesucher
            • 09.05.2006
            • 847

            • Meine Reisen

            #45
            AW: [GB] John O'Groats to Land's End: 2.000 km durch Großbritannien

            England: Southwest Coast Path

            Um es mal gleich vorwegzunehmen: Der SWCP ist ein toller Trail mit grandiosen Aussichten, aber wahrscheinlich werde ich ihm in meinem Bericht nicht die richtige Würdigung zukommen lassen, die er verdient. Ich war zu diesem Zeitpunkt nämlich einfach schon ziemlich fertig. Zum ersten Mal in meiner Wanderlaufbahn zog ich es sogar in Erwägung, meine ursprünglichen Plan dramatisch abzukürzen und anstatt nach Land's End der Küste entlang einfach an den Ärmelkanal zu laufen und dort meine Wanderung durch Großbritannien zu beenden. Aber John, mein früherer Radelpartner, bei dem ich mich in einigen Telefonaten über mein Leiden beklagte, redete mir das glücklicherweise gleich aus. Rückblickend bin ich froh, dass ich den SWCP gelaufen bin, obwohl ich damals nicht gerade hochmotiviert war, denn der SWCP ist in meinen Augen der schönste Küstenwanderung Europas.



            Damit das Ganze nicht zu einer weiteren Leidensgeschichte würde, hatte ich zumindest beschlossen, auf diesem letzten Wegabschnitt jeden zweiten oder dritten Tag in einer Unterkunft zu übernachten. Normalerweise zelte ich fast immer und gehe nur alle 7 – 10 Tage in eine Herberge. So steuerte ich hochmotiviert Barnstaple an, wo ich auf den SWCP stoßen sollte. Ich wusste zwar, dass es dort keine Jugendherberge gibt, aber ich wollte mir ein schnuckeliges B&B gönnen. Um 16 Uhr lief ich in der Touristeninformation ein und trug mein Anliegen vor. Eine halbe Stunde später verließ ich sie ziemlich frustriert: An diesem ganz normalen Wochentag Mitte Oktober (also keine Spur von Urlaubszeit oder Hochsaison) war alles ausgebucht. Die freundlichen Mitarbeiter hatten 10 Anrufe für mich getätigt, aber keine halbwegs bezahlbare Unterkunft auftreiben können. Glücklicherweise hatte ich beim Weg nach Barnstaple hinein die Augen offen gehalten und wusste, wo ich ein annehmbares Zeltplätzchen finden würde, aber das bedeutete, dass ich über 2 km zurück laufen musste.

            Missmutig nahm ich Teil 2 meiner Stadtmission in Angriff: Den Kauf eines Wanderführers für den SWCP. Ich hatte mir schon in der Vorbereitung die Telefonnummern der Buchläden notiert und vor ein paar Tagen dort angerufen, um nachzufragen, ob die Führer auf Lager sind. Ich hatte Glück und das gute Stück war auch wie versprochen für mich zurückgelegt worden. 5 Minuten vor Ladenschluss tätigte ich meinen Einkauf und machte mich missmutig auf den Weg zurück – nur um am nächsten Morgen dieselbe Strecke nochmals zu laufen. Aber bei 2.000 km Gesamtstrecke kommt es auf 2 km mehr oder weniger auch nicht mehr an.

            Ich wollte so schnell als möglich vorankommen und hatte daher überlegt, wenn möglich auf kleine Straßen auszuweichen, um nicht das ständige kräftezehrende Auf und Ab an der Küste mitmachen zu müssen. Diese Idee gab ich schon am ersten Tag auf, denn die Küstenstrecke war einfach zu spektakulär, um sie nicht doch noch mitzunehmen. Zudem hielt sich zu meiner großen Überraschung das relativ warme Herbstwetter. Und so trabte ich an der Küste entlang und machte dabei mehr tägliche Höhenmeter als auf mancher Gebirgstour. Wer nämlich glaubt, diese Küstenwanderung sei flach, befindet sich gewaltig auf dem Holzweg. Die Anstiege sind zwar nie sehr lang, dafür aber ausgesprochen häufig. Jeder kleine Bach oder Fluss, der hier ins Meer mündet, führt zu einem Auf- und Abstieg von jeweils 50 – 100 Höhenmetern und das schlaucht auf Dauer ganz schön.



            Immerhin ging meine Jugendherbergsstrategie mehr als auf: Entlang des SWCP gibt es nämlich zahlreiche Jugendherbergen, in denen ich den schwierigen Zeltbedingungen entkommen wollte. Die erste war im Ort Westward Ho! - der sich übrigens genauso schreibt inklusive Ausrufungszeichen. Wie schon auf dem Pennine Way waren fast alle diese Herbergen privatisiert worden und jetzt zur Nebensaison ziemlich leer. Nur am Wochenende kann es eng werden, wenn die Herbergen komplett an Gruppen vermietet werden. So aber hatte ich in jeder Herberge einen Schlafsaal ganz für mich alleine! Vor allem die nagelneue Herberge in Boscastle war ein echter Traum fast schon auf Hotelniveau. Auch in den Nächten im Zelt hatte ich Glück: Die Wildzeltsituation auf dem SWCP ist nämlich ziemlich schwierig und nirgendwo sonst auf dieser Wanderung hatte ich so viele Probleme, einen geeigneten Zeltplatz zu finden.

            Zunächst mal gibt es entlang des Weges so gut wie keinen Wald, der Wind- und Sichtschutz bietet. Dazu wird das Hinterland fast komplett als landwirtschaftliche Fläche genutzt, d.h. ist eingezäunt und/oder wird als Weidefläche genutzt. Nach meinen bisherigen Erfahrung mit britischen Kühen also keine Alternative. Das größte Problem aber ist der Wind. Obwohl mein Tarptent Rainbow doch sehr windstabil ist, ist eine Nacht ungeschützt im Wind doch sehr unangenehm oder vor allem laut. Die einzige Möglichkeit, all dem zu entkommen, ist also in den Bachniederungen zu zelten. Aber ob dort ein geeignetes Plätzchen sein würde, war auf den Karten leider keinesfalls zu erkennen. Und so war die Zeltplatzsuche jeden Abend ein Vabanque-Spiel, zusätzlich erschwert durch das wenige Tageslicht. Einerseits musste ich bis kurz vor Dunkelwerden laufen, um überhaupt ein bisschen Strecke machen zu können, aber anderseits ließ dies natürlich nicht viel Spielraum für Fehlschläge. Aber wie schon gesagt: Ich hatte jedes Mal Glück und verbrachte ungestörte Nächte.

            Auf ein Feature des SWCP möchte ich allerdings besonders hinweisen: Wer dort unberührte Küstenlandschaft vermutet, liegt falsch. In dieser Ecke Cornwalls wurde früher viel Bergbau betrieben und die Überreste der alten Industriekultur liegen an vielen Stellen direkt am Weg. Natürlich sind diese Einrichtungen seit Jahrzehnten stillgelegt und sind jetzt eine interessante Kulisse für die ohnehin schon spektakuläre Küstenlandschaft.



            So näherte ich mich langsam, aber stetig meinem heißersehnten Endziel Land's End. Jeden Tag studierte ich nervös den Wetterbericht, aber kein Tiefdruckgebiet oder ähnliche Katastrophen in Sicht – nur ein ziemlich heftiger Wind! Je näher ich Land's End kam, desto mehr Tagesausflügler und Touristen kamen mir entgegen. Land's End ist nämlich eine deutlich größerer Touristenattraktion als John O'Groats und der Landzipfel selbst ist ein scheußlicher Mini-Vergnügungspark mit Geisterbahn, Aquarium und Dutzenden von Souvenirshops. Dort befindet sich auch das gleich aussehende Pendant zum Schild in John O'Groats – hier allerdings eingezäunt und Photomöglichkeit nur nach Entrichtung eines Obolus. Angesichts des extremen Windes hatte sich der Photograph allerdings schon verzogen und so konnte ich zumindest außerhalb der Umzäunung ein Zielphoto von mir machen. Dabei musste ich höllenmäßig aufpassen, dass mir nicht irgendetwas weg flog, denn der Wind war wirklich heftig.

            Hier konnte ich auch sehen, wie beliebt die Tour von Land's End nach John O'Groats ist: So gibt es einen Land's End to John O'Groats Club, dessen Mitglied ich allerdings nicht werden wollte. Im Hotel des Komplexes fand ich dann auch das Trailregister, wo sich jeden Tag mehrere Land's End to John O'Groats-Jünger eintragen. Die überragende Mehrzahl von ihnen macht die Strecke allerdings mit dem Auto, gefolgt von einigen Radler. Wanderer gibt es nur sehr wenige.....

            Erleichtert macht ich mich auf den Weg zur Bushaltestelle, um den letzten Bus nach Penzance und dem dortigen YMCA zu erwischen. Diese Haltestelle hatte weder ein Dach noch irgendein Schutzhäuschen und die 15 Minuten Wartezeit im fast orkanartigen Wind dehnten sich zu einer Ewigkeit. Erst als ich im warmen Bus saß, atmete ich auf: Es war geschafft! Ich war von John O'Groats nach Land's End gelaufen – allen Widrigkeiten zum Trotz!



            Die Wanderung hat bei mir sehr gemischte Gefühle hinterlassen, so dass ich noch ein Fazit schreiben werde über Wandern in Großbritannien mit einigen Tipps und Hinweisen.
            http://christinethuermer.de/ 53.000 zu Fuß, 30.000 km per Fahrrad, 6.500 km im Boot

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            • Atze1407
              Fuchs
              • 02.07.2009
              • 2425

              • Meine Reisen

              #46
              AW: [GB] John O'Groats to Land's End: 2.000 km durch Großbritannien

              Hallo HB,
              wo immer Du auch gerade bist, ich hoffe das Du dieses mal, etwas besseres Wetter hast.

              Schöner Bericht, Danke.

              LG
              Atze
              Wenn du den Charakter eines Menschen kennenlernen willst, gib ihm Macht.
              Abraham Lincoln

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              • German Tourist
                Dauerbesucher
                • 09.05.2006
                • 847

                • Meine Reisen

                #47
                AW: [GB] John O'Groats to Land's End: 2.000 km durch Großbritannien

                @Atze1407:
                Du wirst lachen: Ich bin gerade wieder in England (allerdings nicht wandernd oder radfahrend) und das Wetter ist seit einem Monat mehr als bescheiden. Ich laufe schon den ganzen Mai mit Mütze und Handschuhen rum, so kalt ist es hier noch. Irgendwie scheine ich in England kein so rechtes Glück mit dem Wetter zu haben....
                http://christinethuermer.de/ 53.000 zu Fuß, 30.000 km per Fahrrad, 6.500 km im Boot

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                  • 18.04.2008
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                  • Meine Reisen

                  #48
                  AW: [GB] John O'Groats to Land's End: 2.000 km durch Großbritannien

                  Zitat von German Tourist Beitrag anzeigen
                  Ich laufe schon den ganzen Mai mit Mütze und Handschuhen rum, so kalt ist es hier noch. Irgendwie scheine ich in England kein so rechtes Glück mit dem Wetter zu haben....
                  Wenn es dich tröstet: Hier ist es auch mehr als kühl, morgens sind selbst mitten in der Stadt kaum mehr als 5 Grad.
                  Schutzgemeinschaft Grüne Schrankwand - "Wir nehmen nur das Nötigste mit"

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                  • German Tourist
                    Dauerbesucher
                    • 09.05.2006
                    • 847

                    • Meine Reisen

                    #49
                    AW: [GB] John O'Groats to Land's End: 2.000 km durch Großbritannien

                    Fazit und Tipps:

                    Diese 2.000 km lange Wanderung durch Großbritannien hat bei mir sehr gemischte Gefühle hinterlassen. Für mich ganz persönlich war es diejenige Langstreckenwanderung meiner bisherigen Wanderlaufbahn, die ich am wenigsten genossen habe. Wie üblich bin ich im Nachhinein dann doch froh, dass ich es komplett gelaufen bin, aber meine Lieblingswanderung wird es dennoch nie werden.

                    Ein Teil meiner Frustration rührt aus den unglücklichen Wetterumständen und kann daher nicht generell auf Wanderungen durch Großbritannien übertragen werden. Ein weiterer Teil resultiert aus fehlerhafter Planung, vor allem auf zu schlechtem Kartenmaterial und vorbehaltslosem Glauben an den Cicerone-Führer, der zwar prinzipiell recht gut war, aber mich in puncto Zeitplanung in ziemliche Probleme gebracht hat.

                    Dennoch möchte ich behaupten, dass ein Teil der Probleme tatsächlich im Land selbst liegen und auch anderen Langstreckenwanderern zusetzen wird. Generell bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Großbritannien nicht das idealste Land ist für low-budget Langstreckenwanderungen. Es ist zwar machbar, aber es gibt Ländern, in denen diese Art von Wanderungen deutlich mehr Spaß macht. Bitte das richtig wörtlich nehmen: Ich meine damit nämlich auch, dass es sehr wohl ein tolles Land ist für kürzere Wanderungen von bis zu ein paar Wochen oder auch längere Wanderungen, sofern man ein etwas üppigeres Budget hat. Denn Großbritannien hat einiges zu bieten:

                    Die Landschaft ist ziemlich einzigartig. Da die Engländer ihre Wälder schon vor der Steinzeit fast komplett abgeholzt haben, ist ein ungewöhnliches Landschaftsbild entstanden. Weite, ungehinderte Ausblicke, sanfte (oder nicht ganz so sanfte) Hügel, viel Grass, viel Schafe und Kühe und dazwischen immer die zahllosen Steinmauern. Schottland und auch Teile von England können es durchaus mit der rauen Schönheit Skandinaviens aufnehmen. Die englische Küste ist spektakulär.

                    Außerdem sind die Engländer ein Volk der Wanderer. Kaum irgendwo sonst trifft man soviele skurrile Mitwanderer. Pub- und B&B-Besitzer sind auf Wanderer eingestellt und verziehen keine Miene, wenn man schlammbedeckt und tropfnass ankommt.

                    Auch neben den Trails gibt es jede Menge zu sehen von alten Schlössern und Herrenhäusern bis zu urigen Pubs. Und die englischen B&B sind nicht nur wegen ihres üppigen Frühstücks grandios.

                    Also alles eindeutige Pluspunkte von Großbritannien. Leider verkehren sich diese Pluspunkte für Langstreckenwanderer oft ins Gegenteil, vor allem wenn man mit geringem Budget unterwegs ist.

                    Die baumlose Landschaft wird zur Katastrophe, wenn man darin tage- und wochenlang schutzlos dem schlechten Wetter ausgesetzt ist. Nichts steht zwischen Dir und dem Atlantik, wenn Du auf einem englischen Hügel durch einen atlantischen Tiefausläufer wanderst. Die Wegmarkierung ist schlecht bis nicht existent, denn mangels Bäumen gibt es nichts, woran man diese befestigen könnte. Und die malerischen Kühe und Schafe trampeln Markierungspfosten nieder und verwandeln die Wege in wahre Schlammbäder. Mal ganz abgesehen davon, dass man scheinbar immer Gefahr läuft, Opfer einer Attacke freilaufender Stiere zu werden. Die idyllischen Steinmauern haben leider den Nachteil, dass man sie mühevoll auf Stiles überqueren muss – jeden Tag Dutzende von Malen.

                    Die B&B sind zwar toll, aber auch ausgesprochen teuer. Für einen Einzelwanderer mit kleinem Budget auf lange Sicht einfach unerschwinglich. Jugendherbergen sind auch nicht gerade billig und werden entlang der Wege immer weniger. Leider fehlt aber im Gegensatz zu Skandinavien eine alternative Hüttenstruktur, also gratis oder billige Unterkünfte entlang der Wege. Einzig in Schottland gibt es die Bothies. Es gibt nicht mal die in Deutschland üblichen überdachten Rastplätze. Also entweder man investiert in ein B&B oder einen Pub, um mal aus dem Regen raus zukommen – oder man wird eben nass. Unterstandsmöglichkeiten unterwegs sind so gut wie nicht existent.

                    Wildzelten wiederum ist recht problematisch und so schwierig wie in kaum einem anderen europäischen Land. In Schottland ist es zumindest legal, aber aufgrund des ausgesetzten und oft total sumpfigen Geländes nicht immer einfach. Die Midges geben einem dann den Rest. Im England gibt es zwar keine Midges, dafür ist das Wildzelten aber noch schwieriger: Kühe und Schafe als neugierige Zeltplatzbesucher, keine Wald als Sicht- und Windschutz und bei Regen verwandelt sich alles in einen großen Sumpf.

                    Wer nur ein paar Tage oder Wochen unterwegs ist, wird das sicherlich gut wegstecken. Aber über Wochen und Monate kocht es einen weich. Würde ich die JoGLE Wanderung einem Freund empfehlen? Prinzipiell Wandern in Großbritannien ja, aber Langstrecke nicht unbedingt. Vor allem für eine erste Langstreckenwanderung gibt es unkompliziertere Gegenden in Europa.

                    Tipps:

                    Hier noch einige nicht so bekannte Tipps für Großbritannien-Wanderer:

                    Die tollen OS-Karten muss man nicht unbedingt in Papierform kaufen, sondern kann sie bei www.grough.co.uk für einen nominalen Betrag von 2 £ für die Routenplanung nutzen und 40 Seiten ausdrucken. GPX tracks für fast alle Wege in England bekommt man als Mitglied von www.ldwa.org.uk. Wer lange in England unterwegs ist und sich für Kultur und Geschichte interessiert, für den lohnt sich die Jahresmitgliedschaft beim National Trust oder English Heritage. Als Mitglied kann man nämlich ein Jahr lang die vom jeweiligen Verband betreuten Schlösser, Gärten und Häuser umsonst besichtigen.

                    Da das Klima feucht und kalt ist, ist man mit Daune auf Dauer schlecht bedient. Ich würde in jedem Fall Synthetik für Schlafsack und Jacke nehmen. Im Dauerregen lässt einen die beste Goretex-Jacke im Stich. Meine englischen Wanderfreunde schwören daher auf Paramo, das ich leider selbst noch nicht probiert habe, aber bei einer weiteren Wanderung durch England anschaffen werde.

                    Meine JoGLE-Wanderung hat verschiedene Langstreckenwanderwege verbunden. Der am wenigsten attraktivste davon ist erstaunlicherweise der populärste: Der West Highland Way. Ich persönlich kann von diesem Weg nur abraten, denn in England gibt es deutlich schönere und vor allem weniger überlaufene Trails: Der Pennine Way hat ähnliche, aber deutlich spektakulärere und abwechslungsreichere Landschaft. Offa's Dyke Path scheint im deutschsprachigen Raum recht unbekannt zu sein, ist aber ein wirklich angenehmer und abwechslungsreicher Trail. Und der South West Coast Path ist eine der schönsten Küstenwanderungen Europas.

                    So, und wer jetzt noch nicht genug hat, kann sich die ganze Geschichte auf Englisch auch auf meinem Blog anschauen.

                    http://christine-on-big-trip.blogspo...ch/label/JoGLE
                    http://christinethuermer.de/ 53.000 zu Fuß, 30.000 km per Fahrrad, 6.500 km im Boot

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                    • Rainer Duesmann
                      Fuchs
                      • 31.12.2005
                      • 1639

                      • Meine Reisen

                      #50
                      AW: [GB] John O'Groats to Land's End: 2.000 km durch Großbritannien

                      Hallo,

                      danke für den ausführlichen Bericht. Eine Menge Arbeit, gerade auch mit den schönen Bildern dabei.

                      Interessieren würde mich nun allerdings wo bitte sich diese "unkomplizierteren Gegenden in Europa" in denen "diese Art von Wanderungen deutlich mehr Spaß macht" befinden??

                      Insbesondere wenn ich deine eigenen Stichworte:
                      • erlaubtes Wildzelten
                      • ländlich, aber bitte schön ohne neugierige Nutz-Tiere (?!)
                      • bei den Bewohnern hohe Akzeptanz der Wanderkultur und Bereitstellung der erwarteten Infrastruktur, aber bitte schön für möglichst kostenlos.
                      • intakte Natur, aber bitte schön wenig Regen und keine lästigen Insekten im Sommer (da fällt Skandinavien schon mal komplett flach)


                      zu Rate ziehe.

                      Sorry, aber für mich entsteht subjektiv der Eindruck das da jemand ziemlich blauäugig los gestiefelt ist, Pech mit dem Wetter hatte, und nun seinen Frust am Urlaubsziel auslässt.

                      Reichhaltige Erfahrung auf fremden Kontinenten enthebt einen nicht der soliden Vorbereitung auf Ziele in Mittel-Europa. Auch bin ich erstaunt das hin und wieder scheinbar eine Art Konsum Haltung ("Die Wegmarkierung ist schlecht bis nicht existent..." oder, "Die Wege waren auch relativ ungepflegt") sich auch bei Protagonisten des "alternativen Wandererlebens" nicht ausschließt.

                      LG
                      Rainer
                      radioRAW - Der gesellige Fotopodcast

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                      • Enja
                        Alter Hase
                        • 18.08.2006
                        • 4212

                        • Meine Reisen

                        #51
                        AW: [GB] John O'Groats to Land's End: 2.000 km durch Großbritannien

                        Das französische Jura. Ansonsten ist alles ungeeignet. Die Donau. Süd-Frankreich. Die Pyrenäen. Die spanischen Caminos. Der Elisabeth-Weg geht noch durch. Aber nur die Variante aus östlicher Richtung nach Marburg.

                        Christine ist auf den usamerikanischen Langstrecken-Trails zum Wandern gekommen. Und die sind nun die Messlatte. Das passt zu europäischen Verhältnissen halt nicht. Die europäischen Landschaften sind viel kleinteiliger. Europa ist stark besiedelt. Und weil das Phänomen des "Thruhikes" nicht so verbreitet ist, fehlt es auch an Thruhikern. Dazu kommt das Sprachen-Wirrwarr. Tüten-Mampf bekommt man nicht überall nach ihren Vorstellungen. (wundert mich irgendwie) Und die unabdingbar benötigte Garmin-Topo-Karte fehlt in den östlichen Bereichen.

                        Also ich sehe da wenig Möglichkeiten. Aber lese natürlich gespannt ihren Blog mit.

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                        • Rainer Duesmann
                          Fuchs
                          • 31.12.2005
                          • 1639

                          • Meine Reisen

                          #52
                          AW: [GB] John O'Groats to Land's End: 2.000 km durch Großbritannien

                          Hallo Christine,

                          vielleicht magst Du bitte dieses Thru-Hiken etwas erläutern. Ich gehe glaube ich mit falschen Vorstellungen an diese Weitwanderungen. Bisher dachte ich das man auf so einem, zum Beispiel 2000km langen Weg, viel Zeit verbringt. Ich bewundere ja schon sehr das du den Mut hattest dein Leben zum Wandern auszurichten. Was ich noch nicht versteh ist dieser "sportliche" Aspekt des "schnell-durch". Zumindest drängt sich mir der Eindruck beim Lesen auf. Kann man dabei ausschließen das man auch mal ein oder zwei Wochen an einem schönen Flecken verbleibt weil Land und/oder Leute es einem lohnenswert erscheinen lassen?

                          Das soll bitte nicht als Kritik verstanden werden, ich versuche nur zu verstehen. Es ist natürlich jedem selber überlassen wie er solche Weitwanderungen angeht. Ich hatte halt das Gefühl beim Lesen das alles etwas "hektisch" abläuft?!
                          radioRAW - Der gesellige Fotopodcast

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                          • German Tourist
                            Dauerbesucher
                            • 09.05.2006
                            • 847

                            • Meine Reisen

                            #53
                            AW: [GB] John O'Groats to Land's End: 2.000 km durch Großbritannien

                            @Rainer

                            Vielen Dank für Deinen zweiten, klarstellenden Post, den Deine erste Frage fand ich etwas irritierend. Bevor ich die JoGLE-Wanderung gemacht habe, war ich bereits mehrfach in Großbritannien unterwegs gewesen, was Du im übrigen auch meinem Bericht hättest entnehmen könnnen. Ich bin den WHW, den Pennine Way bereits vorher komplett gelaufen, sowie Teile des SWCP und Offa's Dyke. Ich wusste sehr wohl, was mich erwartet, aber Dinge beinflussen einen eben anders, wenn man Monate unterwegs ist als wenn man nur ein oder zwei Wochen im Urlaub läuft. Und genau das versuche ich in meinem Berichten hier rüberzubringen und genau das wird mit schöner Regelmäßigkeit missverstanden.

                            Ich glaube, was Dich irritiert, ist meine andere Bewertung von Wanderwegen. Die meisten hier im Forum gehen in ihrem wohlverdienten und heißersehnten Urlaub wandern und da gibt es einen gewissen Rechtfertigungsdruck. Man versucht, immer das Schöne in der Wanderung zu sehen, denn sonst hätte man ja den wenigen Urlaub in den Sand gesetzt. Das ist eine völlig normale menschliche Reaktion und daher sind die meisten Berichte hier auch ausgesprochen positiv.
                            Wenn Du wie ich ständig durch die Gegend läufst, entfällt dieser unbewusste Druck, Sachen "schön" zu malen. Würdest Du es denn für glaubhaft halten, wenn ich jede meiner Wanderung ist supertoll darstellen würde? Wie im ganz normalen Arbeitsleben auch gibt es halt auch in meinem Wanderleben bessere und schlechtere Trails. Dieser war einer der schlechteren und das habe ich versucht, möglichst objektiv darstellen. Wenn die Wegmarkierung schlecht war, dann schreibe ich das halt, ohne es schönzureden. Was soll das aber mit "Konsumhaltung" zu tun haben? Jedes Land, in dem ich unterwegs war, hat seine schönen und weniger schönen Seiten.

                            Meine Wanderungen würde ich auch nicht als "hektisch" bezeichnen. Es gibt viele hier im Forum, die deutlich schneller und mehr Tageskilometer laufen. Mein Tagesschnitt von 30-36 km ist nicht gerade sehr sportlich.... Vielleicht kommt der Eindruck ja bei Dir auf, weil ich selten länger an einem Ort bin. Das hat einfach etwas mit dem Budget zu tun. Ich kann und will mir halt keine Unterkunft leisten. Als thruhiker läufst Du nicht unbedingt schnell, aber stetig.

                            Ich hoffe, dass hat Deine Frage nun etwas beantwortet....
                            http://christinethuermer.de/ 53.000 zu Fuß, 30.000 km per Fahrrad, 6.500 km im Boot

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                            • Rainer Duesmann
                              Fuchs
                              • 31.12.2005
                              • 1639

                              • Meine Reisen

                              #54
                              AW: [GB] John O'Groats to Land's End: 2.000 km durch Großbritannien

                              Nö, kaum. Du beantwortest meine Fragen ja in keiner Weise.

                              Aber lassen wir das. Es sprengt den Rahmen dieses Reiseberichtes.
                              radioRAW - Der gesellige Fotopodcast

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                              • lina
                                Freak

                                Vorstand
                                Liebt das Forum
                                • 12.07.2008
                                • 36683

                                • Meine Reisen

                                #55
                                AW: [GB] John O'Groats to Land's End: 2.000 km durch Großbritannien

                                Ich habe das, bisher jedenfalls, so verstanden, dass der Begriff thruhiker davon kommt, dass man – einerseits – in einem Stück durchläuft, wobei man das, zumindest bei einem der großen USA-trails, in – andererseits – nur einem bestimmten Zeitfenster tun kann, weil sonst die Jahreszeiten einen zum Abbruch zwingen. Flappsig gesagt: Man hat (mal abgesehen von einer langen, festgelegten Strecke, hier auch zum einzig möglichen Zeitpunkt) angefangen, und da muss man halt jetzt through

                                Von letzterer Zwangslage kommt eventuelle auch die Eile, die den Wanderer z.B. vom Pilgerer unterscheidet (außerhalb von der religösen Komponente), welcher zwar idealerweise die Strecke ebenfalls in einem Stück durchläuft, bei dem es aber jahreszeitlich egal ist, wann er ankommt: er hat also mehr Zeit.

                                Interessant dabei ist, finde ich, noch die kulturelle Akzeptanz der untererschiedlichen Unternehmens.

                                Während in den USA die thruhiker z.B. per trail angels und Logistik unterstützt werden, gibt es hierzulande hauptsächlich Verständnis bis Unterstützung für Handwerksburschen, die sich auf der Walz befinden sowie für Pfadfinder (beide erkennbar an einer bestimmten Kluft), seit nicht so langer Zeit auch für Nepal-Trekker und seit Hapes Bestseller auch für Pilger. Außerdem gibt es noch die kulturell orientierten Naturflaneure bzw. Wanderer (Goethe; Seume, ...).

                                Was GB betrifft, kenne ich mich bezüglich der Wanderlogistik nicht so besonders gut aus, es scheint dort aber, auch außerhalb des gut erschlossenen Lake Districts, eine lebendige Wander- und Spontancamp-Szene zu geben, wobei milde Skurilitäten im persönlichen Ausdruck tendenziell wertschätzend genossen werden – und die Erfahrung, dass sich kaum eine Augenbraue hebt, wenn man verschlammt und verregnet aufkreuzt, habe ich auch schon oft gemacht :-)


                                Eigentlich ist das ein außerordentlich spannendes und vielfältiges Thema – vielleicht sollten wir tatsächlich einen separaten Thread dazu eröffnen
                                Zuletzt geändert von lina; 25.05.2013, 18:42.

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                                • Enja
                                  Alter Hase
                                  • 18.08.2006
                                  • 4212

                                  • Meine Reisen

                                  #56
                                  AW: [GB] John O'Groats to Land's End: 2.000 km durch Großbritannien

                                  Wenn jemand so ganz andere Reisen macht, ist es natürlich sehr interessant, was ihn dazu motiviert. Und diese Thruhike-Geschichte ist mir auch recht fremd. Sehr amerikanisch. Diese Fragen sind dann eben spannender als die 48. Schilderung des WHW.

                                  Wenn ich jetzt mal als Otto-Normal-Unterwegsler mir vorstelle, dass das Wetter wochenlang furchtbar ist, mir der Zustand des Wegs nicht gefällt, ich die Landschaft uninteressant finde, die Unterkünfte nicht meinen Vorstellungen entsprechen und ich die Menschen, die ich unterwegs treffe blöd finde - würde ich halt abbrechen. Ein andermal bei besserem Wetter weitermachen. Zu einem anderen Wanderweg wechseln. Wie auch immer. Auf keinen Fall würde ich etwas dauerhaft fortsetzen, was mir nicht gefällt.

                                  Aber das Weitermachen um jeden Preis macht halt den Thruhiker aus. Und das bringt mich ins Grübeln.

                                  Bei mir ist es eigentlich so, dass ich, seit ich mindestens eine monatelange Tour pro Jahr mache - neben all den ein- und zweiwöchigen - abbruchfreudiger geworden bin. Nicht auf den langen. Davon habe ich bisher noch jede zu Ende geführt. Aber bei den kurzen. Wenn es schüttet und der Wetterbericht sicher ist, dass sich das auch nicht ändern wird, suche ich den nächsten Bahnhof auf. Weil ich weiß, dass diese Zeit draußen im Grunde nicht mehr limitiert ist, sondern ich jederzeit wieder los kann. Und es scheint sich auch einzubürgern, diese Touren unterwegs zu modifizieren. Je nach den äußeren Umständen. Weil die Gelassenheit wächst.

                                  Ansonsten macht es natürlich Sinn, auch die Schattenseiten der Unternehmungen zu schildern. Das mache ich auch. Gibt dann ein realistisches Bild.

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                                  • TreeGirl
                                    Erfahren
                                    • 11.02.2013
                                    • 179

                                    • Meine Reisen

                                    #57
                                    AW: [GB] John O'Groats to Land's End: 2.000 km durch Großbritannien

                                    Ich verstehe die Kritik nicht so wirklich. Jeder hat seine eigenen Vorlieben und Abneigungen, und gerade wenn man bereits in so vielen verschiedenen Gebieten gewandert ist, ist es doch klar dass es Länder gibt, mit denen man besser zurecht kommt und Länder, in denen das nicht so ist. Ist halt Ansichtssache. Da braucht sich niemand aufzuregen. Ich finde es eigentlich interessanter auch von den negativen Dingen zu lesen - selbst wenn ich das selbst nicht unbedingt als negativ empfinden würde. Es geht doch auch ein wenig darum zu sehen, ob sich so ein Trip für einen selbst lohnen würde.
                                    www.haengemattenforum.de

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                                    • Enja
                                      Alter Hase
                                      • 18.08.2006
                                      • 4212

                                      • Meine Reisen

                                      #58
                                      AW: [GB] John O'Groats to Land's End: 2.000 km durch Großbritannien

                                      Welche Kritik?

                                      Die nächste Tour soll ja nun auch ohne Zeitdruck stattfinden. Und mit vielen Fähren-Short-Cut-Möglichkeiten. Weil am Ende wieder irgendeine Deadline zu bestehen scheint.

                                      Keine Flüge oder Ähnliches vorzubuchen und nicht zu genau zu planen, um Raum für Spontanität zu lassen, ist für mich das Interessanteste an Touren, die nicht durch irgendwelche Zwänge zeitlich eingeschränkt sind. Ich halte das für den gravierendsten Unterschied zu Urlaub-Touren.

                                      Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass im Baltikum nicht alle Radwege und Autostraßen den Anforderungen genügen.

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                                      • TreeGirl
                                        Erfahren
                                        • 11.02.2013
                                        • 179

                                        • Meine Reisen

                                        #59
                                        AW: [GB] John O'Groats to Land's End: 2.000 km durch Großbritannien

                                        Meine Antwort bezog sich auf den Rainers Post weiter oben. Ich fand den Reisebericht sehr interessant, und konnte die Kritik eben nicht so ganz nachvollziehen. Würde ich mir soviel Mühe machen und so einen langen Bericht schreiben, würden mich solche Kommentare eher abschrecken, in Zukunft nochmal zu posten. Und das fände ich in diesem Fall sehr schade.
                                        www.haengemattenforum.de

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                                        • lina
                                          Freak

                                          Vorstand
                                          Liebt das Forum
                                          • 12.07.2008
                                          • 36683

                                          • Meine Reisen

                                          #60
                                          AW: [GB] John O'Groats to Land's End: 2.000 km durch Großbritannien

                                          Zitat von TreeGirl Beitrag anzeigen
                                          Es geht doch auch ein wenig darum zu sehen, ob sich so ein Trip für einen selbst lohnen würde.
                                          Das gerade kann man aber, finde ich jedenfalls, ohne das Vorwissen über die persönlichen Kriterien des Wandernden, nicht einschätzen.

                                          Diese Einschätzung, die GT hier beschreibt

                                          Zitat von German Tourist Beitrag anzeigen
                                          Ich glaube, was Dich irritiert, ist meine andere Bewertung von Wanderwegen. Die meisten hier im Forum gehen in ihrem wohlverdienten und heißersehnten Urlaub wandern und da gibt es einen gewissen Rechtfertigungsdruck. Man versucht, immer das Schöne in der Wanderung zu sehen, denn sonst hätte man ja den wenigen Urlaub in den Sand gesetzt. Das ist eine völlig normale menschliche Reaktion und daher sind die meisten Berichte hier auch ausgesprochen positiv.
                                          Wenn Du wie ich ständig durch die Gegend läufst, entfällt dieser unbewusste Druck, Sachen "schön" zu malen. Würdest Du es denn für glaubhaft halten, wenn ich jede meiner Wanderung ist supertoll darstellen würde? Wie im ganz normalen Arbeitsleben auch gibt es halt auch in meinem Wanderleben bessere und schlechtere Trails. Dieser war einer der schlechteren und das habe ich versucht, möglichst objektiv darstellen. Wenn die Wegmarkierung schlecht war, dann schreibe ich das halt, ohne es schönzureden. Was soll das aber mit "Konsumhaltung" zu tun haben? Jedes Land, in dem ich unterwegs war, hat seine schönen und weniger schönen Seiten.
                                          ist mir z.B. völlig fremd.

                                          Zum einen gehe ich raus, weil ich mich bewegen möchte.

                                          Einen bestimmten Weg gehe ich, weil ich neugierig bin, wie es dort aussieht. In ein bestimmtes Land gehe ich außerdem noch, weil ich wissen will, wie die Menschen dort leben und kommunizieren, etc..

                                          Außerdem möchte ich gerne Bilder machen. Von diesen milliardonen Grüntönen draußen im Moment zum Beispiel. Das gilt auch für den Wechsel der Jahrszeiten, deswegen kann es auch öfter dieselbe Wegstrecke sein. Alle die Bilder, die im Kopf und die aus der Kamera sind ein Schatz, z.B. für Tage, an denen es mir nicht gut geht.

                                          Dabei ist natürlich auch nicht immer alles "schön" unterwegs. Aber Frieren, Blasen an den Füßen und die Ansicht niemals zu enden scheinender blattloser Buchenplantagen verschwinden. Oder dieser Straßenabschnitt bei der letzten mehrwöchigen Radtour, zu dem in meinem Reisetagebuch steht "Endlos lange entlang einer komplett öden Landstraße", dahinter dann aber "aber immerhin keine Mikro-Huckelpiste" und 2 Sätze weiter: "Schließlich da angekommen, wo ich hinwollte *freu*. Wenn ich’s nicht aufgeschrieben hätte, hätte ich es bestimmt schon vergessen.

                                          Rechtfertigungsdruck ist da jedenfalls nirgends.



                                          Aber ich finde es insgesamt interessant, auch über andere Herangehensweisen an Langstrecken zu lesen, möchte gerne die Blickwinkel dahinter verstehen und finde es spannend, sich darüber auszutauschen.
                                          Zuletzt geändert von lina; 26.05.2013, 10:03. Grund: Tppifehler

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