[HR] Dalmatinische Inseln - mein Seekajakherz auffüllen

Einklappen

Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Sorci
    antwortet
    AW: [HR] Dalmatinische Inseln - mein Seekajakherz auffüllen

    Liebe Lee,

    ja, Wasser insbesondere Meer erfordert auf jeden Fall einen ganz gehörigen Respekt. Wir sind auch nicht so richtig auf dem Meer gewesen, sondern immer nur bei schönen Wetter und mäßigen Wind im Abstand von 10-20m an der Küste entlang gepaddelt. Und das auch nur da, wo es auf Grund von gegenüberliegenden näheren Inseln etwas geschützter war.

    Im nächsten Jahr werde ich auf jeden Fall ein Paddelkurs mitmachen und in einem Kajakverein gehen, wo sicher auch Gelegenheit ist, Festboote zu Testen. Meine größte Sorge bezüglich Festboot ist, das ich umkippe, das Ding voll läuft und ich dann noch nicht mal was zum Festhalten habe.... ist sicher eine "Anfängerangst". Je nachdem, wie sich meine Paddelleidenschaft entwickelt, kann es durchaus auch möglich sein, das ich mehr Richtung Festboot tendiere. Mal sehen.

    So, jetzt will ich Deinen tollen Reisebericht nicht länger "voll labbern" mit unwichtigen Dingen.

    Liebe Grüße
    Sorci

    Einen Kommentar schreiben:


  • Suomalee
    antwortet
    AW: [HR] Dalmatinische Inseln - mein Seekajakherz auffüllen

    Hi Sorci,

    ja das mit der Unfallverhütung ist halt so eine Sache.
    Ich bin in meiner Kindheit viel in den Bergen gewesen, habe sozusagen Bergsteigereltern gehabt und bin wirklich vertraut mit der Materie. Deshalb bin ich auch kein bisschen ängstlich und normaler Weise mache ich mir einen Spass aus dem Herumkraxeln und von Fels zu Fels zu springen. Mir ist absolut noch nie vorher etwas passiert...
    Aber irgendwann ist es das erste Mal...
    Klar ist Dein Vorsatz wenigstens ein Handy mit zu nehmen bei einer kleinen Solotour in den Felsen ein guter Gedanke. Aber abwenden kann es einen Unfall leider auch nicht, das brauche ich wohl nicht näher beschreiben.
    Überhaupt habe ich mir bei dieser Stelle des Reiseberichts gespart zu detailliert zu werden und habe es lieber auf die Humorvolle Art verpackt, aber ich habe noch Stunden später gezittert bei der Vorstellung was alles hätte passieren können. Ich hatte eben 20 Glücksschweine...
    Ich denke mir trotz alledem dass sich nicht alles im Leben abwenden lässt. Ein gewisses Restrisiko gibt es halt. Klar in der nächsten ähnlichen Situation werde ich die Felsen noch besser prüfen und springen gar nicht mehr. ( was ich in jenem Fall auch nicht tat) Aber ich werde trotzdem keine Motorradkluft auf eine Seekajakreise mitnehmen um in den Felsen spazieren zu gehen.
    Ich bin froh dass ich sportlich und beweglich bin. Das kann jeder vorbeugend für sich tun damit man im Falle eines Falles besser fällt!
    Aber in jenem Urlaub hätte ich die Gefahren woanders vermutet, nämlich im Wasser!
    Das, was Du erzählst, mit einem Luftboot auf dem Meer unterwegs zu sein, wäre mir nichts. Ich hätte kein Vertrauen zu dieser floss artigen "Seegelfläche" bei starkem Wind oder Strömung. Da fühle ich mich in einem Kajak viel sicherer.
    Aber so sind halt die Menschen verschieden und die Erfahrungen verschieden...

    Schön, dass Dir mein Bericht gefallen hat und ich möchte Euch nur Mut zum Festboot machen. Wobei ich Euch mehr Kajakerfahrung wünsche. Wenn man einigermaßen für sich die Technik beherrscht muss man sich nämlich nicht so viele Blasen holen und auch die Schmerzen reduzieren sich auf ein Minimum, welches dann eher aus einem entsprechenden Wellengang resultiert oder aus einer überlangen Strecke, weil man nicht anlanden kann.

    Liebe Grüße
    LEE

    Einen Kommentar schreiben:


  • Sorci
    antwortet
    AW: [HR] Dalmatinische Inseln - mein Seekajakherz auffüllen

    Hallo Suomalee,

    Dein Reisebericht ist absolut traumhaft. Dieses Schweben auf der Wasseroberfläche zwischen Himmel und Meeresgrund empfinde ich ähnlich - auch wenn ich im letzten Urlaub zum ersten Mal kleine Küstentouren gepaddelt bin (nach 2h Blasen in den Händen und Armschmerzen beim allerersten mal.... aber aufhören wollte ich trotzdem nicht, weil es sooooo toll war), und das auch nur im gebrauchten, ersteigerten Luftboot (mein Freund weigert sich noch, ein Festboot auf dem Autodach zu transportieren bei so langer Strecke).

    Als ich das mit dem Unfall gelesen habe, ist mir fast das Herz stehengeblieben, mußte ich doch schuldbewußt an die Vorwürfe von meinen Freund denken, wenn ich auf unseren Kroatienurlauben mal für 1-2 Stunden verschwunden bin um die einsamen Abschnitte der Küste teilweise kletternder Weise zu erkunden ("vielleicht gibt es doch einen Weg in die nächste einsame Bucht..."). Ich seh das ja ganz locker, aber wie leicht tritt man in eine Spalte, rutscht ab oder aus oder stolpert, weil man - wenn man sich von Stein zu Stein hangelt, das Gleichgewicht verliert.... lieber nicht dran denken.
    Ich hab mir fest vor genommen in Zukunft nur noch mit Handy los zu krackseln .... für den Fall der Fälle. Und die Augen beim Laufen oder "krackseln" lieber auf den Boden vor mir als rundherum schauen.

    Danke, das Du Deine Erlebnisse teilst. Echt toll und so schöne Fotos....

    Liebe Grüße
    Sorci

    Einen Kommentar schreiben:


  • Suomalee
    antwortet
    AW: [HR] Dalmatinische Inseln - mein Seekajakherz auffüllen

    FERTIG


    Der restliche Text ist vor den ersten Bildern eingefügt...


    Gruß LEE

    Einen Kommentar schreiben:


  • Suomalee
    antwortet
    AW: [HR] Dalmatinische Inseln - mein Seekajakherz auffüllen

    @ckanadier

    mhm, da lässt sich bestimmt was machen. Wir können ja mal bei den nächsten Forumstouren drauf achten und dann Tauschhandel betreiben...

    Zu seinen Eigenheiten:
    Vielleicht habt Ihr einfach einen noch sehr jungen Künstler in der Familie?

    Liebe Grüße an Euch
    LEE

    Einen Kommentar schreiben:


  • ckanadier
    antwortet
    AW: [HR] Dalmatinische Inseln - mein Seekajakherz auffüllen

    @ Lee
    Er ist 5 und hat bisher über 50 versteinerte Seeigel, 3 oder mehr verschiedenene Arten sind es. Er kann die Dinger Stundenlang suchen, Möwenschädel, versteinerte Korallen, Zähne, Donnerkeile, Federn, Muscheln, Feldspaatsteine, Kristalle, sogar alte Münzen usw., ich darf das Zeug horten und wehe ich entsorge mal etwas Sperriges oder stinkiges totes Tier, dann gibts dramatische Szenen.
    Er könnte sie z.Bsp. mal zu einer Forumstour im nächsten Jahr mitbringen und du suchst dir dann einen aus.
    Gruß Jürgen

    Einen Kommentar schreiben:


  • Suomalee
    antwortet
    AW: Dalmatinische Inseln - mein Seekajakherz auffüllen


    Lager auf Iz


    Gerade breit genug zum Schlafen


    Olivenhain auf Iz


    gemauerte Panoramaküche


    aus dem "Bett" geknipst


    Auf Uglian, kleine Spitze links ist Iz und dahinter langgestreckt Dugi Otok


    Uglian mit Blick aufs Festland Richtung Petrcane


    Vollmond über Zadar


    ...


    Blick aufs Meer vom Velebitgebirge
    Zuletzt geändert von Suomalee; 15.10.2011, 07:50.

    Einen Kommentar schreiben:


  • Suomalee
    antwortet
    AW: Dalmatinische Inseln - mein Seekajakherz auffüllen

    Schön, wenn es Euch gefallen hat, dann macht die Mühe mehr Spass.
    Es kommt jetzt noch ein bisschen Text und noch Fotos...
    Dann hat mich das Leben hier wieder im Griff


    @ ckanadier:

    Was für welche hat er denn im Angebot?
    Ich habe noch einen ganz großen von dem Wirt wo wir einquartiert waren, geschenkt bekommen. Der hat einen Durchmesser von über 10 cm und ist rötlich lilarich.
    Ehrlich, das ist jetzt kein Schmuh.
    Darf ich mal wissen wie alt Dein Jüngster ist?
    Irgendwie habe ich einen drei bis fünf Jährigen im Kopf...

    Grüße
    LEE

    Einen Kommentar schreiben:


  • ckanadier
    antwortet
    AW: Dalmatinische Inseln - mein Seekajakherz auffüllen

    Wir sind von eurer Tour und den Bildern begeistert und mein Jüngster will unbedingt Seeigel mit dir tauschen.
    Gruß ckanadier

    Einen Kommentar schreiben:


  • zahl
    antwortet
    AW: Dalmatinische Inseln - mein Seekajakherz auffüllen

    Schöne Bilder ...

    Einen Kommentar schreiben:


  • Suomalee
    antwortet
    AW: Dalmatinische Inseln - mein Seekajakherz auffüllen


    Letzter Lagerplatz auf Dugi Otok, nach meinem Gesichtsausdruck zu urteilen hatte ich gerade ne Vorahnung


    ...Selfie...


    Steingarten


    abends


    ...


    schöner schlafen


    wie immer in echt noch viel viel schöner: Sonnenaufgang


    rauer Einstieg auf Lavdara


    lebe wild und gefährlich


    Blick von der Schlafzimmerfelsenplatte


    erster Abend


    noch so ein schöner Sonnenaufgang


    Küste von Lavdara, Nordostseite


    ...


    ...


    zweiter Sonnenuntergang


    Morgendämmerung
    Zuletzt geändert von Suomalee; 23.02.2016, 10:00.

    Einen Kommentar schreiben:


  • Suomalee
    antwortet
    AW: Dalmatinische Inseln - mein Seekajakherz auffüllen


    Mit dem Luftschiff zu Beyond


    Nix wie los jetzt


    Am Fuße des Velebit und am Rande des Slips: Boote packen


    Alcatraz für Schafe mit Blick auf das Velebitgebirge und die Brücke nach Pag


    Nach der langen Überfahrt, auf der Insel Molat


    Molat downtown


    Erster (Bilderbuch) Platz auf Dugi Otok


    Vom Felsen aus über die Bucht geschaut


    wirklich sehr viel Rosa-Orange...


    Meer aus der Bilderbuchbucht


    Basteln für den (inneren) Frieden


    Auf der Westseite von Dugi Otok


    Verklärter Sonnenuntergang während der Yugophase


    Diffuser Sonnenaufgang während der Yugophase


    Outdoorregal vor Panoramatapete


    Nach dem Ende des Yugo und seinem Gewitterregen: Die nächste tief eingeschnittene Bucht...


    ...nach vorne...


    ...und zur anderen Seite

    OT: Tätäää:
    und weil ich ein paar Bildchen eingestellt habe, bin ich jetzt von "gerne im Forum" zu "erfahren" aufgestiegen...
    (Eigentlich wäre ich immer noch gerne im Forum)

    Hey Ihr Mods und Admins:
    könntet Ihr diese De-Grad(u)ierung nicht mal abschaffen?
    Oder soll ich dafür erst einen thread eröffnen zu diesem Thema? (Nö, oder?)
    Zuletzt geändert von Suomalee; 23.02.2016, 09:55.

    Einen Kommentar schreiben:


  • Suomalee
    antwortet
    AW: Dalmatinische Inseln - mein Seekajakherz auffüllen

    Wir waren an einem Verkehrsknotenpunkt!
    Vor uns lag ein riesiger „Wasserplatz“- eingerahmt von sechs großen und einer Handvoll kleinen Inseln. Zwar war die Wasserstraße sehr breit und die Boote fuhren uns nicht über die Füße, doch war hier bei schönem Wetter Einiges los. Ich musste mich erst gewöhnen an den Anblick der vielen Segelschiffe und der hellbunten Punkten auf den bewaldeten Inseln: Das waren nämlich Häuser. Die Zivilisation war sicherlich weit noch weg, aber sichtbar.
    Durch die konvexe Krümmung der Küste waren wir trotz leichter Einsenkung in die Felsen wie auf einem Präsentierteller. An diesem Tag fuhren einige Boote und Segler ganz in unserer Nähe vorbei und hatten mal was anderes zu sehen. Früh morgens und abends kamen auch die Fischer, meist Leute die so aussahen als würden sie sich selbst versorgen oder ihren Geldbeutel aufbessern.

    Beyond wollte nach Sali rüber paddeln um Pflaster für mich zu kaufen und frische Lebensmittel für uns.
    Ich erledigte derweil den Haushalt im Outdoorstyle:
    Ich fotografierte kleine Krebschen die sich zu weit aus dem Fenster lehnten,

    sortierte Möwenschädel und säuberte Kochtöpfe mit Nassschleifpapier in Ermangelung an Sand.
    Am Nachmittag waren das Navigieren noch mal dran und ein ausgiebiger Klippenspaziergang. Es sollte mein Letzter sein, denn abends im Dunkeln war ich gleich neben unserem Schlaflager mit meinen bloßen Füßen ein einziges Mal neben die großen Felsplatten getreten und riss mir eine daumennagelgroße Wunde in den weichen Teil meiner rechten Fußsohle. Das war jetzt aber auch garantiert der letzte Fehltritt von mir auf diesem Trip. Ich schwöre.

    (@ Zahl, ich wollte halt wissen was so geht...@ dem geneigten Leser, ich hätte den Bericht "dramatische Inseln" statt "dalmatische Inseln" nennen sollen...aber dann hätte ich nicht geotaggen können...)

    Anderntags hatten wir das seltene Glück beim morgendlichen Kaffee ein Delfinpaar zu sehen! Beyond sah es zuerst und schwupp waren sie wieder verschwunden...wir suchten die Wasserfläche in alle Richtungen ab in der Hoffnung sie noch einmal zu sehen. Und das war dann auch so.
    Silberblaugraues Wasser und zwei dunkle Delfinschatten die sich in Zeitlupe aus dem Wasser heben und wieder eintauchen... So kitschig dass es, weil es ja in echt war, nur noch schön war.
    Und Beyond entdeckte noch etwas. Einen Skorpion auf dem Fels hinter seinem Schlafplatz, so klein dass er noch durchsichtig und deshalb besonders schwer zu erkennen war. Er hatte nicht mal die Länge eines Weizenkorns.
    Anschließend brachen wir unsere Plane ab und zogen in einem leichten Morgendunst und einer spiegelglatten See los in Richtung der Insel Iz. Während ich auf Beyond wartete, der sich noch im Boot zurechtrückte, sah ich auf den hellen Grund des Meeres einen großen Seestern und viele Seegurken. Aber ich hatte nur Augen für den Seestern.
    Eingestiegen ins Boot war ich mit einer Plastiktüte und Beyonds Hilfe und das wiederholte sich die nächsten Tage, bis ich es leid war und die Heilung meines Fußes auf Deutschland vertagt hatte. Dann jedoch war ich froh nicht mehr dauernd auf imaginären Absatzschuhen zu laufen, damit der unebene Untergrund nicht ständig in die Wunde drückte.
    Die Überfahrt zur Insel Iz war eindrucksvoll.
    Das Wasser war so glatt, das Beyonds Boot sich darin exakt spiegelte, sogar der Schriftzug seines Bootes war zu lesen. Also man hätte sich im Wasser rasieren können...Es war Samstag und die Menschen schliefen noch oder gingen anderen Geschäften nach, hier auf´m Teich waren wir weitestgehend für uns.
    Als wir die Westseite Iz entlang fuhren begannen wir mit der Lagersuche. Felsiges Ufer gesäumt von Steinwällen, dahinter Olivenhaine waren das was wir zu sehen bekamen. Dann kam ein kleiner Hafen, wo bereits ein Boot vor Anker lag. Wir zogen weiter und fanden um die nächste Biegung einen ganz kleinen gemauerten Hafen mit kleinem Slip. Drumherum Geröll, na dann schlafen wir halt auf dem Hafenmäuerchen.

    Beim Fotografieren im nahe gelegenen Olivenhain entdeckte ich vertrocknete Skabiosen (oder Jungfer im Grünen) und schüttelte ihre Samenkapseln in der Hoffnung, dass sie noch Samen enthielten...und das taten sie. Ich nehme gern Pflanzensamen von meinen Reisen mit und freue mich dann im Jahr darauf wenn ich verwandelte Erinnerungen wachsen und blühen sehe. Ich hatte bereits Zistrosensamen (aus der Macchia) und welche, deren Namen ich nicht kannte gesammelt.
    Ich fand auch zwei Stücke Schlangenhaut, eines davon über dreißig Zentimeter lang. Gott sei Dank hatte ich die leeren Dosen vom Brotaufstrich nicht entsorgt. Ich konnte sie mittlerweile alle gut gebrauchen für die Seeigel, Samen, Diestelbätter, Wassernüsse, Aristotelischen Laternen, Vulkansteine und Schlangenhäute...
    An diesem Platz beobachteten wir viele verschiedene Krebse, im Wasser beim Herumlungern, im Wasser beim Essen der Algen mit denen die Steine bewachsen waren, auf dem Slip nur so, auf dem Slip beim Revier verteidigen und nachts beim Fastvollmondspaziergang auf meinem Schlafsack...und bei dem darauf folgenden Flug zurück ins Wasser. Der erste fliegende Krebs!
    Auch einen großen Sardinen- oder Makrelenschwarm konnten wir beobachten, wie er unseren Hafen komplett umschloss. Sah aus wie ein Fischbandmuster oder ein Fischmusterband im Meer...

    In der folgenden Nacht würde Vollmond sein und wir begannen konkreter über das Vorhaben Nachtfahrt zu sprechen.
    Beyond wollte nämlich gern bei Vollmond auf dem Meer paddeln, weil der Mond alles beleuchten würde...
    Trotz meiner Maleschen.
    Ich war sehr neugierig darauf und andererseits hatte ich Bedenken, ob ich damit so gut klarkomme, mir die Nacht mit dem Paddel um die Ohren zu schlagen.
    Aber wenn man die Dinge nicht ausprobiert, kann man es eben nicht wissen...

    Der nächste Morgen begrüßte uns mit stahlblauem Himmel, wir grüßten mit tiefbraunen Kaffee zurück. Ich finde es wunderbar morgens außerhalb der Schatten ein Plätzchen in der Sonne zu suchen. Die Wärme auf der Haut zu spüren, die mir unterschwellig Geborgenheit versichert.
    Das klappte durch die vorgelagerte Minihafenmauer ganz gut.
    (Wir fuhren ja im Westen um die Insel)

    Gemach packten wir unsere Boote, die sich im geschützten Hafenwasser spiegelten und genossen das spezielle Panorama. Von links nach rechts wurde das Meer durch eine einzige Insel, bestehend aus vielen Hügeln begrenzt: Dugi Otoks Ostseite. Und davor lagen ein paar Inselchen die im Dunst über dem Wasser mit dem Mamut verschmolzen.
    Begleitet von dem einen oder anderen Segelboot gelangten mit einer kleinen Pause an die Nordspitze von Iz, wobei wir mehrere Thunfischfarmen passierten.

    Nun gab das Meer einen anderen Blick frei. Wir konnten rechts die Insel Uglian in „voller Breitseite“ sehen. Und das war unsere nächste Überfahrt - zwischen einer recht bewegten See, da Sonntagsbetrieb (Segler, Fähren, Ausflugsboote) und drei Beaufort schräg von der Seite.
    Drüben auf Uglian angekommen hatte mich die Zivilisation wieder.
    Ich tröstete mich, in dem ich ihre Vorzüge vorzog...im nächsten Segelhafen, Mulin, gab’s erstmals auf dieser Tour Eis und kühles Bier.
    Dabei besprachen Beyond und ich ausgelassen alles mögliche Erlebte und überlegten, von wo aus wir unsere nächtliche Aktion starten wollten. Es sah so aus, als würde es eine Überfahrt werden, denn es lag gerade keine Küste auf der Strecke die wir hätten entlang paddeln können.
    Also irgendwo von der Ostseite Uglians rüber ans Festland...alles sprach dafür dass es heute Nacht soweit war.

    Ich glaube dass wir uns so ein wenig ablenkten von der Tatsache, dass unsere Tour den Beigeschmack vom Ende bekam.
    Das nächste Mal werde ich versuchen, diesen Abschnitt „wieder zurück ins normale Leben“ möglichst kurz zu halten.
    Wir brachen auf um vom Hafen Mulin auf die Ostseite von Uglian zu gelangen.
    Diesen Küstenabschnitt paddelten wir laut singend mit „the foggy Dew“, in der uns bekannten Version von den Dubliners. Nur ohne Text.
    Auf der Ostseite angelangt konnten wir erstmals das Festland sehen und ein Stück weiter südlich sogar Zadar. Die Lagerplatzsuche war schnell erledigt, da wir unverhofft an eine Luxusmole von einem Luxusanwesen im Hinterland gelangten. Die Eigentümer waren nicht anwesend und deshalb okkupierten wir das Areal.
    Wir bereiteten uns ein zünftiges Abendessen und inspizierten die gegenüberliegende Küste, machten Zadar aus und weitere kleine Orte. Uns „gegenüber“ lag Petrcane. Dann schauten wir der Dämmerung beim Dämmern zu und prägten uns die Lichterskyline ein um im Dunkeln den Kurs halten zu können. Lange bestaunten wir den Mond, der im Wasser so eine Art Lichtgischt in die kleinen Felsen am Ufer malte. Es erinnerte mich an Bilder von Caspar David Fridrich oder William Turner. (Beides auch Seemaler)
    Wir warteten und warteten...
    und dann sagte Beyond zu mir, dass wir auf dieser schönen Mole besser schlafen sollten als eine Nachtfahrt zu machen. War hier etwa jemand ein bisschen müde und unlustig ?... Da holten wir halt unsere Schlafsäcke aus den Booten und verstauten uns darin.
    Morgen würde ja noch genug Vollmond übrig sein, trösteten wir uns.
    Die große Laterne auf der Luxusmole war tatsächlich außer Betrieb aber die Kirchturmuhr die wir Mitternacht schlagen hörten, war es nicht.
    Beyond fragte mich ob ich wach sei - er könne nicht schlafen weil ihn die Mücken ärgerten. Also ich war schon wach und die Mücken ärgerten mich auch. Und so beschlossen wir heute noch einmal eine Nachtfahrt zu machen. So schön war ja dieser Molenmückenplatz dann doch nicht.
    Noch mal Kaffeekochen zum „Nochmehrwachwerden“ ... Wir gingen sorgfältig das Lager ab, damit nichts unbeabsichtigt liegen blieb. Dann half mir Beyond ins Wasser und ich paddelte ein paar Schläge hinaus um auf ihn zu warten. Ich sah ins Meer. Der Mond schien so hell, dass ich die paar Meter durch das Wasser auf den Grund sehen konnte. Jeden Fels und jede Seegurke konnte ich erkennen! Ich musste an die Nachtszenen aus alten Karl May Filmen denken. Die sahen genauso unecht aus.

    Wir paddelten in das dunkle Wasser hinein. Zunächst war das Meer ruhig und ich hatte Zeit mich an die veränderten Bedingungen zu gewöhnen.
    Je weiter wir uns jedoch vom Land entfernten, desto belebter wurde die See. Mein Gleichgewichtssinn war eindeutig mehr gefordert, denn ich konnte die Wellen erst sehen kurz bevor sie mein Boot erreichten. Ich spürte jede kleinste Bewegung des Bootes noch deutlicher.
    Beim Zurückblicken warf der Mond eine breite Lichtstraße aufs Meer. Sonst nichts. Lange einfach nichts...Wir hatten das Meer für uns allein.
    Die Lichter von Petrcane blieben sehr lange unverändert klein und die Zeit blieb stehen.
    In den ganzen Stunden begegnete uns kein einziges Boot oder Schiff.
    Es war für meine Verhältnisse ziemlich frisch nachts und ich paddelte freiwillig zügig weiter, sonst hätte ich gefroren...
    Doch irgendwann nach Stunden wurden auch die Promenadenlichter am Festland größer, nahmen Kontur an und tauchten ihre Umgebung zunehmend in ein skurriles Licht. Und wir tauchten aus einer anderen Welt in die schlafende Zivilisation ein.
    Ich habe diesen Zustand noch nie zuvor erlebt, so unwissend auf Land zu zusteuern und alles mit den Augen intensiv abzutasten damit sich mir der Gegenstand, das Gebäude oder der Zwischenraum erschließt. Es war ein bisschen so, als sähe ich die Welt zum ersten Mal. Verstärkt wurde dieser Eindruck durch die Tatsache, dass ich in den letzten zwei Wochen eigentlich nur Wasser und Felsen oder Kiesstrände gesehen hatte. Alles natürliche unregelmäßige Formen und auf einmal liegt eine geometrische geordnete Welt vor mir. Eine kleine Stadt.

    Wir mussten im unbekannten Dunkeln, geblendet von der Beleuchtung besonders aufmerksam sein damit wir nicht auf Felsen oder auf Grund liefen.
    Es war noch Nacht und wie Diebe glitten wir im seichten ruhigen Wasser die Promenade entlang bis in den kleinen Hafen. Dort verbellte uns ein Hund und weiter glitten wir auf der Suche nach einer Möglichkeit auszusteigen.
    Am dunklen unbekannten Strand mit Plastiktüte um den Fuß gewickelt, meine Wunden aufgeweicht und brennend vom Salzwasser ...hatte ich ein bisschen die Schnauze voll...und ganz doll die Blase.

    Aber bleiben wollten wir hier nicht und so paddelten wir weiter nordwärts die Küste entlang an nächtlich beleuchteten Industrieanlagen. Es roch blumig fein. Wir rätselten ob dort Parfüm hergestellt wird...
    Dann überquerten wir eine große Bucht...
    Eine Stunde später hing dieser Mond immer noch hoch am Himmel und ich allmählich in den Seilen. Ich war müde und ausgepowert was meinen Wärmehaushalt betraf. Wir suchten nach einem Ausstieg und fanden ihn in einem trostlosen Ort zu einer trostlosen Zeit. Kurz vor Sonnenaufgang, kühl, feucht...
    durchgefroren zog ich mir warme Kleidung an und dann kochten wir uns eine heiße Suppe.
    Wir warteten auf die Sonne...
    Die tauchte allmählich alle Welt wieder in ihre üblichen Zusammenhänge. Wir waren an einer Küste mit sehr flachem Gefälle. Dies hatte ich schon zuvor beim Paddeln gespürt doch jetzt konnten wir es auch sehen.
    Hier in Zaton blieben wir noch ein Weilchen zum Aufwärmen, Einkaufen und Frühstücken, vermutlich zur Verwunderung der Bevölkerung und dann begaben wir uns nach Norden zurück zu dem Örtchen Privlaka wo sich unsere Runde schloss. Weit draußen zu unserer Linken lag die Insel Molat zu der wir diese traumhafte Überfahrt gemacht hatten...

    Jetzt war endgültig Abschiedsstimmung in mir. Das unterstrich auch der Richtungswechsel gen Osten hin zum Velebitgebirge. Es war ein sehr schwüler heißer Tag und je näher wir zum Velebit kamen desto mehr stand die Luft vor dem Gebirgsrücken. Der Anblick jedoch war enorm schön.
    Wir steuerten nach einigen Überlegungen unsere kleine Alcatrazinsel an und nahmen auf ihr Platz. Ausruhen von der ungewöhnlichen letzten Reiseetappe war jetzt angesagt.
    Essen...schlafen...
    Anderntags hingen die Wolken so tief, dass die Sonne bis zehn Uhr brauchte um sie aufzulösen. Wir fanden das gar nicht angenehm, aber die kargen Sträucher schon. Diese hatten allein von der Feuchtigkeit aus der Luft ihre Blüten geöffnet. Aha, deshalb also die Wolken. Wir sollten dieses Inselchen eben auch noch einmal blühend erleben. Und dazu ließen wir uns den ganzen Tag Zeit.
    Dann kam der letzte Abschnitt unserer Tour zurück nach Devcic Draga unter der großen hohen Brücke hindurch zum Fuße des Velebit.

    Unser Wirt, der übrigens mal Seefahrer war und deshalb gut Englisch sprach, erwartete uns schon. Wir nahmen uns wieder ein Zimmer und sortierten unsere sieben Sachen vom Boot ins Auto. Abends saßen wir mit dem Wirt beim Essen zusammen und erzählten von unseren Erlebnissen. Zuletzt schenkte er mir noch einen riesengroßen lilagrauen Seeigel, den er zwei Wochen zuvor als Beifang im Netz hatte!
    Ehrlich ungelogen mit einem Durchmesser von zehn Zentimetern.

    Als ich am nächsten Morgen mit Seeigelputzen beschäftigt war, bemerkte ich wie das Meer mit einem Mal ganz unruhig wurde. Ich ging ans äußere Ende des Balkons um mir einen guten Überblick über das Meer zu verschaffen: Ein riesiger Sardienenschwarm teilte sich in verschiedene Richtungen, welches ich an der unruhigen Wasseroberfläche und den vielen bewegten Glitzerpunkten erkennen konnte. Und dann hatte der King himself seinen Auftitt: Ein (in meinen Augen riesiger) Thunfisch sprang mit seiner gesamten Körperlänge aus den Wellen und jagte seine Beute. Es war unglaublich imposant.

    Anderntags ging’s dann zurück über die Berge tief ins Landesinnere...weit weg vom Meer. Noch mal Übernachten auf einem Feld hinter der Grenze auf slowenischer Seite und dann über die Berge zurück...Beyond nach Hause bringen und mich dann auch.

    Aus Slowenien habe ich noch von einem herrenlosen Apfelbaum, der neben einem alten Herrenhaus stand, Äpfel aufgesammelt und später zuhause ein Urlaubsgedächtnistrostapfelmus gekocht.
    Es war sehr lecker...


    PS:
    Auch in diesem Urlaub sind mir keine Schwimmhäute zwischen den Fingern gewachsen, ich weiß nur noch nicht was ich da falsch mache...
    Zuletzt geändert von Suomalee; 24.01.2012, 11:35.

    Einen Kommentar schreiben:


  • zahl
    antwortet
    AW: Dalmatinische Inseln - mein Seekajakherz auffüllen

    Respekt, Lee.
    Obwohl ich den Unfallhergang ja schon erzählt bekam, wenn ich ihn hier nochmal lese, kann ich nur respektvoll sagen, großartig wie du dich durch die Folgen "gebissen" hast.
    Und jetzt habe ich Hunger auf Bilder!

    [edit]
    Einige Bilder gefunden im Seekajak-Thread.
    [/edit]
    Zuletzt geändert von zahl; 07.10.2011, 21:18.

    Einen Kommentar schreiben:


  • Suomalee
    antwortet
    AW: Dalmatinische Inseln - mein Seekajakherz auffüllen

    Der nächste Tag wurde ein Ruhetag um abzuwarten ob sich eine der Wunden entzündet hatte. (Ich bemerkte dass ich mir auch Prellungen längs der Wirbelsäule zugezogen hatte)
    Ich nutzte die Zeit um Überlegungen anzustellen wie ich weiterpaddeln konnte mit der Schnittwunde in meiner rechten Hand?
    (Übrigens war der Schnitt in der Hand genau im Ende der Herzlinie, als sollte mein Schicksal noch mal umgestaltet werden. Ich behalte mir vor davon zu einem späteren Zeitpunkt zu berichten)
    Und überhaupt stellten wir Überlegungen an, welche Route wir nun einschlagen sollten. So entschieden wir uns dafür in kleinen Etappen zwischen den Inseln auf deren unbewohnteren Seiten den Rückweg anzutreten. Dann hätten wir relativ kurzfristig Hilfe holen können oder die Tour beenden, falls ich nicht zurechtgekommen wäre mit Wunden, Salzwasser und Paddeln mit verletzter Hand...Allein das Wort Rückweg war traurig genug für mich. Aber abbrechen wollte ich die Tour auf keinen Fall. Jedenfalls wollte ich es erst mal probieren bevor ich aufgab. Ich saß Probe im Boot um herauszufinden ob ich es schaffte darin zu sitzen ohne mit den Schürfungen & Co ans Bootsinnere zu stoßen. Denn das sah ich als mögliche Infektionsquelle an. Das Becken war das größte Problem, der Rest war machbar.

    Wir kamen auf die abenteuerlichsten Versionen wie mit meiner Hand zu verfahren sei, doch letztlich tapte ich mir die Hand, zog einen abgeschnittenen Sockenbund darüber und steckte einen flachen Schwamm (ich nenne sowas einen Brotschwamm) zwischen Hand und Paddelschaft um das erste Tropfwasser aufzufangen. Den Schwamm musste ich halt immer wieder auswringen. Ich klappte den Kleinen- und Ringfinger in die Handinnenfläche, um damit die Wunde vor Bewegung und gegen das Salzwasser zu schützen. Paddeln musste ich mit drei restlichen Fingern und aufpassen, dass mir keine Welle an die Hand kam.
    An der Hüfte war es nur mit Abstand zur Spritzdecke zu regeln. Da war auch nach einem Tag Pause nichts verschorft. (Wir kauften später ein Abflusssieb das ich als luftdurchlässigen Abstandhalter über die Wunde legte) Die erste Strecke nach dem Unfall dauerte nicht länger als 12 km, dann waren der Verband und die Spritzdecke so durchgeweicht, dass meine Wunden brannten.

    Höchste Zeit für „time out“.

    Wir paddelten um den südlichen Teil von Dugi Otok herum, wie schon zuvor nach Sali, aber diesmal auf der angrenzenden westlichen Seite der Insel Lavdara. (Also so viel Abwechslung muss sein) Es war ein trüber Tag, im Gegensatz zum Gestrigen, die Welt wirkte wie ausgebleicht und ein wenig glanzlos ohne die direkte Sonne. Es gab auch mehr Wellen, was es mir nicht leichter machte meine Hand trocken zu halten. Also öfter den Schwamm ausdrücken...und unsteter Paddeln.
    Die Westseite wollte keinen Lagerplatz für uns hergeben, alle Felsenplatten zu schief, zu klein oder mit so einer Art Laubenpieperwochenenddomizilen bestückt. Wahrscheinlich alles wohlhabende Leute aus Sali oder von anderen Inseln wenn nicht gar aus Zadar. Wir waren also schon um den nördlichsten Punkt von Lavdara herum gefahren, die See rau und die Küste alles andere als anlandefreundlich, da sagte ich Beyond, dass ich unbedingt eine Pause brauchte.
    Wir waren zu allerhand Kompromissen bereit, es ging jetzt nur darum auszusteigen, nach meinen Wunden zu sehen und neu zu überlegen was zu tun sei.
    Immer näher fuhren wir an die Felsen heran um eine Passage zu finden die uns ein Stück Land freigeben könnte.

    Da sah ich eine Felsenplatte die parallel zur Küste flach aus dem Meer stand, sodass sie die Wellen abschirmte und dahinter einen Mininaturhafen bildete. Aus unserer Perspektive war er kaum einzusehen. Das Wasser war zu unruhig als dass wir hätten sehen können, ob ein Boot zwischen den Felsplatten ohne Grundberührung liegen konnte. Ich machte Beyond darauf aufmerksam und er fuhr vorsichtig hinein...
    und siehe, der Hafen war gut!
    Ich wartete in den Wellen bis er sein Kajak auf den Fels beiseite gezogen hatte und dann konnte ich auch endlich aussteigen.
    Wetter nicht gerade freundlich, meine Kapazitäten erschöpft...Wir sahen uns um:
    Dieser Platz war ungewöhnlich doch atemberaubend schön. Die Küste war nicht wirklich geschaffen zum Lagern, dafür waren die Felsenplatten zu begrenzt durch einen Absatz im Gestein. Danach stieg schon der Hang an.
    Die Flut war auch noch nicht an ihrem Höhepunkt und die wenigen flachen Felsen würden dann Land unter sein...Das konnten wir ganz gut an der Verfärbung der Felsen ablesen. Dort wo regelmäßig Feuchtigkeit hin kam (in dem Fall die Flut und Brandungswellen) hatten die Felsen eine dunkleren Ton.
    Wir liefen die Gegend ab um heraus zu finden, ob wir für heute das Paddeln beenden konnten. Ich glaube wir hatten es uns einfach in den Kopf gesetzt. Beyond entdeckte noch ein weiteres Felsniveau welches im Notfall unser Nachtlager geworden wäre, falls die Flut zu viel für sich eingenommen hätte.

    Obwohl Ebbe und Flut im Mittelmeer eigentlich zu vernachlässigen sind, sind sie es eben doch nicht. Unsere Steinplatten waren so knapp bemessen, dass wir ein Boot hochlegen mussten auf die nächste Felsstufe.
    Außerdem gab es eine Schnellfähre von Zadar nach Sali, die in großer Entfernung an der Insel vorbeizog. Sie machte jedoch solche Wellen, dass bei Flut nicht viel mehr als unser Schlafplatz vom Wasser unberührt blieb.
    Wir konnten das zunächst mit den Ohren verfolgen. Die Fähre war schon lang vorbeigezogen, da entstand ein gewaltiges Rauschen im Wasser, welches stetig näher kam. Die Bug- oder Heckwellen oder beides, erreichten die Insel und kreierten ihre eigene Brandung auf Zeit. Das war schon fast gespenstisch, weil sie so aus dem Nichts kam. (die Fähre war ja schon lange außer Sicht- und Hörweite) Ein paar hohe Wellen donnerten in unsere Felsenniesche und der Spuk ebbte wieder ab.

    Langsam begriff ich, dass wir auf einen Brutplatz von Möwen befanden. Die Brutzeit war vorbei und hier war weit und breit keine lebendige Möwe zu sehen. (tote Möwen schon) Diese Felsenlandschaft passte hervorragend zu den Möwen, denn die brüten ja gerne ungestört. Das hieß jedoch auch, dass dieser Platz zu einer anderen Jahreszeit unbenutzbar gewesen wäre. Möwen sind durchaus aggressiv, wenn es um die Verteidigung ihrer Brut geht, in erster Linie in Form von Kotbomben.
    Nun hatten wir Zeit und richteten uns auf dieser exponierten Stelle ein, erkundeten die Gegend und beobachteten nebenbei das steigende Wasser.
    Beim Herumlaufen oberhalb des ersten Felsniveaus entdeckte ich immer wieder Mövenskellette, wobei die Federn auch noch dabei lagen. Sie sind sehr zersetzungsunwillig. Die Macchia grenzte meist unmittelbar an die Fundorte. Ich entdeckte in den Büschen Tunnel die von Tieren hineingelaufen wurden. Sah ich eine tote Möwe, suchte ich die Büsche ab und fand einen Eingang ins Tunnelsystem in der Macchia. Da gab es also Möwenjäger!
    Ein bisschen grausig war das aber ein bisschen zu Dank verpflichtet fühlte ich mich dem Jäger auch, denn ich suchte schon länger nach einem Vogelschädel. Zwar hatte ich mir eher einen Kranich, Storch oder Reiher gewünscht. Aber wollen wir mal nicht unzufrieden sein.

    Der folgende Tag begann mit verklärtem Licht und einer blutroten Sonne. Wieder einmal konnten wir dem Schauspiel nicht widerstehen und gaben uns dieser magischen halben Stunde hin. Sozusagen unser allmorgendliches Fernsehprogramm. Beyond und ich waren inzwischen eingespielt auf einander. Deshalb war es selbstverständlich Wasser für einen Sonnenaufgangskaffee zu bereiten und mit dessen Genuss das Schauspiel zu veredeln.
    Der Tag wurde zunehmend klarer und das Wetter wieder heiß und schön. Da wir in der Nacht nicht fortgespült wurden, beschlossen wir zu bleiben und unsere Errungenschaft einen ganzen Tag bei schönem Wetter zu genießen.
    Zuletzt geändert von Suomalee; 15.10.2011, 22:49.

    Einen Kommentar schreiben:


  • Suomalee
    antwortet
    AW: Dalmatinische Inseln - mein Seekajakherz auffüllen

    @ ckanadier

    ja, die Tour war auch für mich sehr spannend!
    Habe soeben die Fotos von Beyond bekommen und könnte sofort wieder los ziehen.

    Und Grüße an Deinen Sohn...ich habe im Text bei der Aufklärung noch einen Link eingefügt. Dieser Kieferapparat des Seeigels wird auch die Laterne des Aristoteles genannt.
    Finde ich ja zum Dashinschmelzen schön!

    Gruß LEE

    Einen Kommentar schreiben:


  • ckanadier
    antwortet
    AW: Dalmatinische Inseln - mein Seekajakherz auffüllen

    Moin
    Glückwunsch zu deinem Schutzengel und dem spannenden Reisebericht.
    ckanadier

    PS: Besonders symphatisch ist mir, dass dich Seeigel scheinbar genauso wie meinen jüngsten Sohn faszinieren. Ich habe den Eindruck, dass er öfter nur deswegen mit kommt.

    Einen Kommentar schreiben:


  • Suomalee
    antwortet
    AW: Dalmatinische Inseln - mein Seekajakherz auffüllen

    Wir beratschlagten was wir mit dem fortgeschrittenen Tag machen sollten:
    In der Sandbucht unser Lager aufschlagen oder weiter ziehen und dafür jedoch nicht zu wissen, wann sich die nächste Möglichkeit ergeben würde einen Fuß auf die Erde zu kriegen?
    In dieser Bucht campierte bereits ein Pärchen und es machte allen Anschein, dass sie zu dieser Tageszeit auch nicht mehr aufbrechen würden. Doch zunächst kamen wir mit ihnen ins Gespräch. Sie wollten von uns wissen welche Beschaffenheit die Westküste hat die wir entlanggefahren sind und wir benötigten Informationen über das Wetter.

    Die Beiden erkundigten sich wie viele Möglichkeiten es auf der Westseite Dugi Otoks gab um zu Übernachten und auf welche Langstrecken sie sich einstellen mussten.
    Auf die Frage der Frau, ob ich ihnen zutraue das zu schaffen, konnte ich nur in meiner Art antworten: Ich weiß nicht ob Ihr das leisten könnt, ich kann Dir nur sagen, dass wir es konnten.
    Klingt vielleicht erst mal überheblich, aber ich finde es fatal die Beurteilung der eigenen Fähigkeiten einem anderen Menschen zu überlassen, der mich nicht kennt und deshalb mich auch nicht einschätzen kann. (Über Menschen die solche Fragen stellen wundere ich mich sehr)
    Beyond und ich beschlossen weiter um die Insel herum zu paddeln und dabei nach einen Schlafplatz zu suchen. Der Sand hier gefiel uns gar nicht, auch berichteten die Beiden, dass es am Abend zuvor Mücken gegeben hatte.
    Wir waren halt inzwischen ganz schön verwöhnt und vielleicht auch etwas Menschenscheu geworden...

    Ehrlich gesagt dieses „einfach Weiterziehen“ liegt mir total. Sein Glück herausfordern und mal sehen ob es noch „was Besseres im Zufallssortiment gibt“ bereitet mir großartige, intensive Gefühle.

    Ein weiterer Fortbewegungsgrund war, dass wir in den nächsten Tagen in die südlich angrenzenden Kornaten paddeln wollten, aber noch mehr Süßwasser benötigten. Der nächste Ort, Sali, befand sich jedoch schon auf der unteren Ostseite der Insel. Wir wollten also den nächsten Tag für eine Einkaufstour verwenden um dann möglichst westlich in den Kornaten die offene See zu erleben.
    Kaum waren wir weitergezogen, da veränderte sich die Landschaft drastisch:
    Sie wurde Baum- und Buschlos und die Welt um mich herum bestand nur noch aus einer Wasserlinie und steinernen Kegeln in allen Varianten und Größen. Ich brauchte noch einen ganzen Tag um diesen Wechsel von Steilküste zu überall verstreuten Kegeln innerlich zu vollziehen.
    Links von uns begann jetzt eine große Bucht, die mit schrägen Felsenbändern gesäumt war. Beyond steuerte dort hinein, wie ein Spürhund bei der Jagd. Eigentlich gab es hier keine wirklich guten Anzeichen einen geeigneten Lagerplatz und so gelangten wir tief bis in die hinterste Stelle dieser Bucht.
    Dort befand sich ein momentan unbewohntes Haus und in dessen Nähe eine Mole, an der Ausflugsboot angelegt hatte, damit die Badegäste auf den imposanten Felsenplatten einen unvergesslichen Nachmittag verbringen konnten.
    Mhm, das war etwas verzwickt heute, noch konnten wir unser Nachtlager nicht sehen. Beyond und ich zögerten und ließen uns im Wasser treiben. Weiterfahren bedeutete für den heutigen Tag einen weiteren Kraftakt...Und es war schon gegen vier Uhr nachmittags...
    Da tutete das Badeschiff, die Menschen auf den Felsen gerieten in Bewegung und eins, zwei, drei...weg waren die lärmenden Gestalten samt kroatischer Schlagermusik.

    Also ohne die Leute und das Boot sah die Mole eigentlich richtig gemütlich aus! Nichts wie anlanden! Die Boote auf die Felsenplatten gezogen...dann richteten wir uns direkt auf der Mole häuslich ein. Die war auch sehr schön gerade zum Schlafen.
    An diesem Abend spürte ich die Dünung noch bis zum Einschlafen in mir. Vielleicht lag es an der bizarren Landschaft dass wir an diesen Abend das Zwielicht ausgesprochen intensiv empfanden...

    Der Sonnenaufgang jedoch überbot jeden Kitsch: Alle Farben waren am Himmel versammelt um uns ein Schauspiel in mehreren Akten zu liefern. Wir lagen in der ersten Reihe auf unserer Logen-mole und beobachteten wie die noch nicht persönlich erschienene Sonne im dritten Akt die Wolken anzündete um diese im vierten dann mit rosa Spitze zu umhäkeln. Kurz vor dem Finale erschien sie dann doch mit viel dramatischen Gold-Glamour.

    Nach dem Frühstück brachen wir nach Sali auf. Abends wollten wir wieder auf dieser Stelle nächtigen um dann zügig in die Kornaten zu gelangen. Ich freute mich unglaublich auf mehr Unberührtheit und Wildheit, denn ich hatte in den letzten Tagen Blut geleckt!
    Auf dem Weg nach Sali begegneten wir einer ausklingenden Bora und mit ihr erstmals Wolken und einen eingetrübten Himmel. Während Beyonds Kodiak sich wie ein gutmütiges Brauereipferd durch die seitlichen Wellen fortbewegte, nahm sich der Eski wie ein nervöses Dressurpferd dagegen aus.
    In Sali kauften wir ordentlich viel Lebensmittel und Wasser für die nächsten drei, vier Tage ein, tranken Kaffee in einem Café, schauten dort neugierig in den Spiegel und zogen gut gelaunt von dannen. Wir wussten ja was uns erwartet. Auf dem Rückweg aßen wir in einem Restaurant in einer Meeresenge, dass sich auf Segler spezialisiert hatte (was anderes kam dort ja auch nicht vorbei) und dann wiederholte sich dieselbe Prozedur, wie am Nachmittag zuvor...

    Ich bitte den Leser jetzt vor zu spulen. Bis zu dem Moment wo ich noch ein paar Schritte auf den Felsen machte....

    Habt Ihr die Einstellung? (*Hier kommt jetzt auch die Fußnote zu dem Kommentar von Zahl aus dem ersten Post)

    Ich gehe also über die zum Teil zerklüfteten Felsen, die sich von den Kornaten in nichts mehr unterscheiden, außer dass eben dieses Fleckchen Erde noch als Dugi Otok bezeichnet wird....

    Ihr könnt Euch jetzt eine Version der Beschreibung aussuchen:
    1.
    Auf einmal standen 20 Glücksschweine um mich herum, die mich freundlich anlächelten...
    2.
    In einem Anfall von Sentimentalität versuchte ich mir die Kornaten auf den Körper zu tätowieren...
    3.
    Da ich meine handwerkliche Ader nicht unterdrücken konnte, gab ich dem inneren Drang nach und klöppelte mich als Intarsie in die Felsen...

    Bei der Gewichtsverlagerung auf einen großen zerklüfteten Stein oder kleinen Felsbrocken (das liegt im Auge des Betrachters) war ein ausgewaschener Steingrad abgebrochen und dadurch bekam der ganze Brocken Spiel und bewegte sich einige Zentimeter. Im Gegensatz zu mir, die sich viele Zentimeter bewegte und gar nicht so schnell mitbekam was passierte. Schon drehte ich mich um 180 Grad und lag auf dem Rücken und schlug mit dem Kopf auf einen herausragenden Stein.
    Das war das Erste wo meine Hand hinlangte: an meinen Hinterkopf, nach Blut tastend. Ich hatte mehrere große Schürfwunden an den Beinen, eine aufgeschlagene rechte Hüfte, einen Schnitt in der rechten Hand, eine Wunde am linken Fuß...und einen Schock.
    Aber der aufmerksame Leser weiß:
    Da standen ja 20 Glücksschweine und so blieb mein Kopf unversehrt.
    Doch das mit dem Tätowieren klappte auf meiner rechten Körperhälfte ganz gut.
    (Ich verlor bei diesem Sturz eine kleine schöne Dose jedoch nicht meinen Humor)

    Ich kürze jetzt hier ab und steige wieder ein als ich später im geöffneten Schlafsack lag und mir furchtbar schlecht war bei der Vorstellung, was alles hätte passieren können...Und was alles nicht mehr passieren wird!
    Die Kornaten waren nun leider gestorben.
    Ab jetzt ging es nur noch darum, wie ich die Strecke bis zum Festland im Boot bewältigen konnte.
    Außerdem möchte ich hier anmerken dass der Spruch: „Es ist schön wenn der Schmerz nachlässt“ nach wie vor an seiner Aktualität nichts eingebüßt hat.
    Ehrlich gesagt ich war so dankbar, dass ich mir nichts gebrochen hatte, keinen Knochen auf geschabt und wirklich kein Loch im Kopf gehabt habe...und ich hatte diese wunderschöne Natur und viel Sonne um mich herum...in Deutschland wäre es mir schlechter gegangen, da hätte ich nicht mal gewusst, was ich hätte anziehen sollen. Das fand ich noch auf der Heimreise schwierig. Vor allem wegen der Wunde am Becken.
    Zuletzt geändert von Suomalee; 08.01.2012, 22:37.

    Einen Kommentar schreiben:


  • Suomalee
    antwortet
    AW: Dalmatinische Inseln - mein Seekajakherz auffüllen

    Nein, es gibt keinen Link bisher...

    LEUTE ich übe noch um mit der Technik hier klar zu kommen....
    (man kann ja nicht alles können)
    und ich warte auch noch auf die Fotos von Beyond, damit ich alles zusammenstellen kann.

    Aber großes Ehrenwort, dass es wie gewünscht im Anschluss an den Text Bilder geben wird

    LEE

    Einen Kommentar schreiben:


  • Markus K.
    antwortet
    AW: Dalmatinische Inseln - mein Seekajakherz auffüllen

    Hallo Suomalee,
    gibt es irgendwo einen Link, wo man die Bilder schon einmal anschauen kann?

    Einen Kommentar schreiben:

Lädt...
X