[ES] Ibiza – Auf der Suche nach dem Küstenweg

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  • walu
    Gerne im Forum
    • 22.01.2014
    • 76

    • Meine Reisen

    [ES] Ibiza – Auf der Suche nach dem Küstenweg

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    Mitreisende
    Ibiza – Auf der Suche nach dem Küstenweg


    Vorweg


    Wandern auf Ibiza? Da erntet man meist Verwunderung und Kopfschütteln.
    Kann man da wandern? Sehr gut sogar!

    Ibizas „Wanderpapst“ Hans Losse hat mehrere Wanderführer für die Insel geschrieben und auf der Seite der Initiative der Weit- und Fernwanderer 2011 sogar einen kompletten Küstenrundweg beschrieben (mit zugehörigem GPS-Track).
    Der Inselrat war anfangs von der Idee begeistert, einen neuen „Gran recorrido (GR)“ zu konstruieren, getan hat sich aber leider nichts. So ist der Weg weiterhin nicht markiert, viele Pfade wachsen zu, werden durch Waldbrände unbegehbar oder in Privateigentum umgewandelt.

    Unser Forumsmitglied anthe ist den Küstenweg im Frühjahr 2017 nach Hans‘ Beschreibung vollständig gewandert und hat seine Erfahrungen hier abgelegt. Ich war angefixt.

    Sowohl mit Hans als auch mit anthe nahm ich Kontakt auf, und beide gaben mir gute Tipps.

    Für die Navigation benutzte ich meine neue Lieblings-App „komoot“, was sehr gut funktionierte. Komoot arbeitet auf der Basis von OSM-Karten, die für Ibiza ganz ok sind. Die dort eingezeichneten Wanderwege sind nach meiner Erfahrung zu 95% vorhanden und begehbar. Der Küstenweg verläuft aber auch über Abschnitte, in denen keine Wege in OSM verzeichnet sind. Komoot nennt das „off-grid“-Abschnitte. Dort wurde es immer besonders spannend…

    Es gibt auch einen Rother Wanderführer für Ibiza, der teilweise ganz hilfreich ist.

    Wie immer war ich ohne Zelt unterwegs und hatte alle Unterkünfte vorab gebucht. Das war organisatorisch nicht ganz einfach, aber möglich.

    Die komplette Umrundung konnte ich leider aus Zeitgründen nicht machen, aber so habe ich wenigstens einen Grund, nochmal zu kommen.

    Hans hat den Weg in 24 Etappen aufgeteilt. In meinem Bericht nenne ich die Etappennummern am Anfang jedes Tages.

    Entfernungen und Höhenmeter habe ich von komoot übernommen. Die Höhenmeter muss man mit Vorsicht genießen. Komoot sagt selbst, dass sie mit der Berechnung noch Probleme haben. Besonders am ersten Tag waren es gefühlt dreimal so viele Höhenmeter.


    Tag 1 – 3.10.2019: Flughafen – Cap des Falcó – Eivissa
    24,2 km ↑ 210 m ↓ 170 m
    Etappen 20, 21, 22


    Der Anfang ist ätzend. Das war klar.

    Einerseits ist es toll, dass man direkt vom Flughafen loslaufen kann, andererseits muss man das riesige Gelände erst mal hinter sich bringen.
    Und so finde ich mich morgens um kurz vor acht auf einer vielbefahrenen Straße wieder, links der Stacheldrahtzaun des Flughafengeländes, rechts der hohe Maschendrahtzaun einer „Restricted Area“.
    Nach 600 Metern biege ich in eine Nebenstraße, der Verkehr wird schon weniger. Nochmal 1,5 Kilometer und ich tauche in ein kleines Wäldchen ein, in dem die aufgehende Sonne eine zauberhafte Morgenstimmung erzeugt.



    Nur wenige Minuten später erreiche ich das Meer und damit den Küstenweg.



    Doch wo ist der Weg? Es gibt nur Steine, manche so groß wie Fußbälle. Gar nicht so einfach, hier zu laufen. Direkt am Flughafenzaun geht es noch ganz gut, doch sobald dieser endet, muss man vorsichtig balancieren.



    An den Flughafen schließt sich das Naturschutzgebiet der Salinen an, ein Paradies für Vogelfreunde. Ich sehe sogar Flamingos.





    Kurz darauf muss ich einen Entwässerungsgraben todesmutig auf einer Art Eisenbahnschwelle überqueren.



    Nach einem Restaurant markiert ein einzelnes Steinmännchen den Beginn des ersten buchstäblichen Höhepunkts: das Cap des Falcó, mehrere etwa 120m hohe Hügel. Die Besteigung der Hügel ist auch eine schwarze Rother Tour, von daher habe ich etwas Respekt. Aber ich probiere es. Wenn es zu schlimm wird, kann ich die nördliche Umgehung nutzen.


    einsames Steinmännchen


    Blick zurück


    ...und nach vorn

    Auf einem schmalen Pfad kämpfe ich mich auf den ersten Gipfel, den Puig Falcó. Sehr steil, aber machbar. Von da oben habe ich einen weiten Ausblick, sogar die magische Felseninsel Es Vedra ist zu sehen.


    In der Mitte hinten spitzt Es Vedra hervor

    Danach muss man aufpassen, um im Pfadgewirr den Richtigen zu finden.













    Immer wieder komme ich an die fast senkrechte Abbruchkante, quäle mich steil hinunter und wieder hoch.
    Kurz vor dem letzten Gipfel schwenkt der Weg ins Landesinnere in das Reich der berüchtigten Ibiza-Spinne. Diese versperrt mit ihren Netzen gern mal den ganzen Weg. Manche Fäden sind über drei Meter lang. Sie selbst sitzt in der Mitte und lauert auf Beute.


    Ibiza-Spinne im Netz

    Anfangs finde ich das ganz lustig aber nachdem ich das zehnte Netz mühsam umgangen habe, nervt es doch etwas. Ich will ja auch die aufwändige Arbeit nicht zerstören.

    Schließlich erreiche ich die von Felsen eingerahmte Bucht Sa Olla. Sie ist nur zu Fuß erreichbar und dementsprechend menschenleer. Ein perfekter Ort für meine erste Rast. Danach werde ich übrigens auf der ganzen Insel keine Spinnen mehr sehen.


    Kurz vor Sa Canal

    Weiter geht es auf schmalem Pfad eben bis Sa Canal, wo ich die ersten Menschen nach dem Flughafen treffe. Sogar sehr viele davon, denn hier ist ein Strand mit großem Parkplatz.
    Ich lasse ihn rechts liegen und komme in ein schattiges Kiefernwäldchen. Ein angenehmer Weg lässt schließlich die Bäume hinter sich und bringt mich zum „Torre des Ses Portes“.


    Auf dem Weg zum Torre des Ses Portes


    Torre de Ses Portes

    Das müsste der südlichste Punkt Ibizas sein, auf jeden Fall ist es der südlichste Punkt des Küstenwegs.

    Im Schatten des Turmes mache ich die nächste Pause, bevor es unter praller Sonne am Meer entlang nach Norden geht. Mittlerweile ist es sehr heiß geworden.



    Ich erreiche die Strandbar Chiringay. Hier kann man nackte Männer betrachten.
    Der GPS-Track führt nun weiter am FKK-Strand entlang. Ich nehme lieber den Parallelweg hinter dem Dünengürtel. Auch der ist teilweise sehr sandig, dafür aber ruhig und schattig. Ich komme auch wieder an Salinen mit Flamingos vorbei.



    In Es Cavallet treffe ich wieder auf den GPS-Track, der mich an einer Bar vorbei und entlang einer Mauer führt, die am Meer endet. Der Track zeigt nun über die Mauer. Auch auf der OSM-Karte ist ein Weg verzeichnet, aber ich kann keinen erkennen. Ich laufe ein paar Mal zwischen Meer und Bar hin und her, finde nichts.
    Schließlich frage ich den Kellner der Bar, der mich schon interessiert beobachtet hat.
    „Ja, hinter der Mauer ist ein Pfad“, meint er, „nicht immer als solcher erkennbar. Man muss sich am Meer orientieren.“
    Der Weg sei nicht einfach, man solle mindestens 2 Liter Wasser dabei haben.
    Ich muss ziemlich ungläubig geguckt haben, denn er macht mir vor, wie ich über die Mauer steigen soll.
    Da läuft ein dunkelbraun gebrannter Mann vorbei, bekleidet nur mit kurzer Hose und Badeschlappen. Er steigt vorne am Meer über die Mauer und verschwindet aus meinem Blickfeld. An dem kann ich mich doch orientieren, also hinterher.

    Tatsächlich finde ich hinter der Mauer eine Wegspur und kann dem Mann folgen. Ich laufe etwa 200 Meter, da sagt mir komoot: „Du hast die Tour verlassen“. Ich schaue auf die Karte. Mist, der GPS-Track verläuft etwa hundert Meter nordwestlich von mir. Auch der Badeschlappenmann bleibt stehen und schaut in alle Richtungen.
    Auf direktem Weg kann ich den Track nicht erreichen, ich muss fast ganz zurück zur Mauer. Hinter einem Gebüsch finde ich wieder einen Weg, der ganz gut aussieht. Ich versuche ihm zu folgen, aber nur kurz danach bin wieder davon abgekommen. Durch dichtes Gestrüpp kämpfe ich mich zurück, um mich gleich darauf wieder zu verlaufen. Das nervt, zudem geht es dauernd hoch und runter. Den Rat mit den 2 Litern Wasser habe ich auch nicht ernst genommen. Ich habe nur noch einen halben.

    Mir bleibt nichts anderes übrig, als permanent das Smartphone in der Hand zu halten, damit ich halbwegs auf dem Track bleibe.


    Eine ganz seltene Markierung

    Nach einer dreiviertel Stunde sehe ich den Badeschlappenmann wieder vor mir. Anscheinend hat er doch noch eine tiefer gelegene Route gefunden.
    Die Wegführung wird jetzt etwas klarer, bleibt aber anstrengend und es zieht sich ohne Ende. Der Weg ist eigentlich wunderschön. Wäre er markiert und etwas freigeschnitten, könnte man ihn auch genießen.








    Torre sa Sal Rossa

    Völlig erschöpft gelange ich endlich zum nächsten Wehrturm, dem Torre sa Sal Rossa. Jetzt ist es mit der Einsamkeit vorbei, es beginnt das bebaute Gebiet der Inselhauptstadt. Der Track führt über den langen Strand. Die erste Bar wird meine sein!


    Vor Eivissa

    Von Weitem wummern mir die Bässe entgehen. Es gibt mehrere Strandbars, aber eine lauter als die andere. Auch wenn ich am Verdursten bin, diesen Krach halte ich nicht aus.

    Im Sand ist das Laufen schwierig, deshalb wechsle ich in eine Parallelstraße und finde endlich, endlich eine etwas ruhigere Bar.
    Aaaah, noch nie war ein Bier so gut!
    Dann bleibe ich lange mit geschlossenen Augen regungslos sitzen, ich bin völlig ausgepowert.

    Die Straße draußen ist voll von oberkörperfreien Touristen. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich ohne Tattoo auf die Insel gelassen wurde.

    Die letzten 2,5 Kilometer in die Innenstadt zu meinem Hotel schaffe ich nun auch noch.
    Am Abend gönne ich mir eine große Pizza mit Meerblick an der Strandpromenade, und das Leben ist wieder schön.

  • lieger
    Anfänger im Forum
    • 27.12.2016
    • 27

    • Meine Reisen

    #2
    AW: [ES] Ibiza – Auf der Suche nach dem Küstenweg

    Schick, das war Plan A fuer dieses Jahr gewesen, habs mir aber einfacher gemacht und mal GR221 und GR223 nebenan genommen.
    Werde das hier gespannt verfolgen, irgendwann geh ich den auch mal an...

    Kommentar


    • ronaldo
      Moderator
      Lebt im Forum
      • 24.01.2011
      • 9151

      • Meine Reisen

      #3
      AW: [ES] Ibiza – Auf der Suche nach dem Küstenweg

      Spannend, mal was anderes...
      Danke fürs Mitnehmen, ich bleib dran.

      Kommentar


      • Wafer

        Lebt im Forum
        • 06.03.2011
        • 5084

        • Meine Reisen

        #4
        AW: [ES] Ibiza – Auf der Suche nach dem Küstenweg

        Hallo Walo.

        Sehr schön! Das gefällt mir! Ibiza hatte ich jetzt noch nicht als Wanderland auf dem Zettel. Das Abo steht. Bin gespannt auf die Fortsetzung.

        Gruß Wafer

        Kommentar


        • walu
          Gerne im Forum
          • 22.01.2014
          • 76

          • Meine Reisen

          #5
          AW: [ES] Ibiza – Auf der Suche nach dem Küstenweg

          Vielen Dank für die netten Kommentare


          Tag 2 – 4.10.2019: Eivissa – Santa Eularia
          24,0 km ↑ 320 m ↓ 190 m
          Etappen 23, 24


          Neeeiin, ich bekomme Blasen an den Ballen! Wie kann das denn sein? Seit Jahren hatte ich keine Blasen mehr, die Schuhe sind gut eingelaufen. Vielleicht wegen der großen Hitze?
          Ich klebe Compeed-Pflaster drüber, dann geht es halbwegs.

          Durch die Innenstadt, die heute Morgen noch angenehm ruhig und kühl ist, wandere ich zum Hafen, entlang der Cala Talamanca auf Bohlenbrettern und weg-, aber problemlos über einen off-grid Abschnitt.




          Off-grid hinter Eivissa

          Nach längeren Abschnitten ins Landesinnere führt der GPS-Track zur Cala Oliviera. Hier profitiere ich von anthes Erfahrung, der sich danach wegen eines zugewachsenen Weges einen Kilometer durch die Wildnis kämpfen musste und dafür eine volle Stunde gebraucht hat.
          Ich umgehe diesen Bereich weiträumig und gelange problemlos an den Strand Sol d’en Serra.

          Von Weitem sehe ich schon die Berge Castellar I und II bedrohlich aufragen. Der Küstenweg und eine schwarze Rother-Tour führen darüber.
          Hm, meinen Füßen zuliebe lasse ich diese Schleife aus gehe direkt zur Cala Llonga.


          Cala Llonga



          Diese ist eigentlich wunderschön, aber leider mit riesigen Hotelklötzen verbaut. Der Track führt über den Strand bis ganz ans Ende und dann nach oben. Tatsächlich finde ich noch hinter dem kleinen Fähranleger eine Treppe, die aber offensichtlich zu einem Hotelkomplex gehört. Ich steige trotzdem mehrere Hundert Stufen nach oben, mehrmals denke ich, dass die Treppe an einem Hoteleingang endet, aber sie führt weiter bis zur Straße. Hier rechts und dann soll ein off-grid Abschnitt senkrecht zu den Höhenlinien zur nächsthöheren Straße führen. Aber da ist nichts, nur Privathäuser ohne Durchlass. Ich laufe noch 200 Meter weiter, um wenigstens noch ein schönes Foto der Cala Llonga zu machen.


          Das Cala Llonga Foto, das ich dem Umweg verdanke

          Ich könnte jetzt einen Riesenumweg gehen, um die höhere Straße zu erreichen oder gleich auf der Straße bleiben, die den Puig Marina umgeht. Ich entscheide mich für die zweite Möglichkeit, muss aber trotzdem viele Höhenmeter überwinden.

          Auf der Höhe treffe ich endlich wieder auf den Track und wandere auf einem steinigen Waldweg bergab. Leider habe ich Hans‘ Beschreibung gerade nicht parat und verpasse so den Abstecher zur wohl sehenswerten Cala Blanca.
          Stattdessen folge ich einem wunderschönen Küstenweg, der sogar mit roten Pfeilen in Gegenrichtung neu markiert ist. Es wird die einzige aktuelle Markierung auf dem ganzen Küstenweg bleiben.






          Santa Eularia in Sicht

          Hinter dem Ort mit dem einladenden Namen Siesta überquere ich den einzigen Fluss Ibizas, der praktischerweise „el Riu“ heißt, und bin in meinem heutigen Ziel Santa Eularia angekommen. Noch ein Bier am Strand, und ich checke in einem einfachen Hostel ein.


          El Riu


          Feierabend

          Meine Blasen haben ein bedrohliches Ausmaß angenommen. Ich verarzte sie, so gut es geht, bevor ich zum Essen an der Strandpromenade aufbreche. Selbst abends ist es warm genug, um im T-Shirt draußen zu sitzen.

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          • walu
            Gerne im Forum
            • 22.01.2014
            • 76

            • Meine Reisen

            #6
            AW: [ES] Ibiza – Auf der Suche nach dem Küstenweg

            Tag 3 – 5.10.2019: Santa Eularia – Cala Sant Vicent
            25,6 km ↑ 230 m ↓ 240 m
            Etappen 1, 2, 3, 4

            Nach einem großen Bocadillo und einem Café Americano in der Bar unter dem Hostal starte ich den neuen Wandertag.

            Stadtgebiet, Hafen, Strandpromenade, ein ruhiger Hügel und für 6 Kilometer immer am Strand entlang auf schönen Wegen. Allerdings passiert man fast durchgängig Hotels, die man meerseitig oder durch die Gärten umgehen kann. Einmal laufe ich zwischen Freiluft-Frühstückern und einer Yoga-Gruppe hindurch.













            Es Cana heißt der nächste Ferienort, auch er mit riesigen Bettenburgen zugebaut. Nach einem Café in einer Hotelbar wandere ich weiter am Meer entlang bis zur Cala Llenya. Danach hatte anthe große Probleme beim Abstieg zur Cala Mastella. Der Weg wurde anscheinend in Privateigentum umgewandelt. Hier nehme ich gleich einen Umweg über ein ruhiges Sträßchen im Landesinneren.

            Auch nach der Cala Mastella bleibt der Track größtenteils auf Asphalt über die Cala Boix zur Cala d’en Marti. Dann macht der Track wieder eine Schleife über einen anspruchsvollen Pfad zum Torre d’en Valls. Meine Füße sagen NEIN, also gehe ich schweren Herzens direkt weiter.
            Nun folgt ein besonders schöner Küstenabschnitt mit interessanten Farbspielen im Fels. Ganz klar der Höhepunkt dieses Tages.






            Kunst im Garten

            Bei einer Villa mit Kunst im Garten geht es wieder ins Landesinnere und in großem Bogen zum Strand von Es Figural.


            Ländliches Leben im Landesinneren


            Ibiza-Pilz

            Auch hier wieder riesige Hotelburgen, größtenteils leer. Am Strand ist aber noch viel Betrieb. Ganz am Ende finde ich eine schattige Bar und genehmige mir schon mal ein Bier, obwohl ich noch die Etappe 4 vor mir habe.

            Diese ist aber trotz einiger Höhenmeter problemlos machbar. Ein kleiner off-grid Abschnitt ist mit einer Kette versperrt. Ich nehme die Straße und sehe dann, dass der direkte Weg wahrscheinlich begehbar gewesen wäre. Egal, der Umweg war klein.
            Nun geht es auf einem Schotterweg im Wald stetig bergauf. Auf der Höhe zeigt ein blauer Pfeil in einen schmalen Waldpfad, der zum nächsten Strand Cala Sant Vincent führt.







            Cala Sant Vincent wird von einem Riesenhotel dominiert, das ich für heute Nacht gebucht habe. Im Vorfeld hatte ich Bedenken, dass man hier von Animateuren zwangsbespaßt und von Stampf-„Musik“ zugedröhnt wird. Aber es geht angenehm ruhig zu.
            Am All-you-can-eat Buffet kann ich nach dem Wandertag richtig zuschlagen.
            Nur die Füße machen mir weiterhin Sorgen.


            Blick aus meinem Hotelfenster

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            • walu
              Gerne im Forum
              • 22.01.2014
              • 76

              • Meine Reisen

              #7
              AW: [ES] Ibiza – Auf der Suche nach dem Küstenweg

              Tag 4 – 6.10.2019: Cala Sant Vincent – Portinatx
              22,2 km ↑ 440 m ↓ 450 m
              Etappen 5, 6, (7, 8)

              Bei der Planung hatte ich vor diesem Tag den größten Respekt. Es geht in den einsamen Norden, anthe hatte zweimal große Probleme mit der Wegfindung und weite Teile der Route verlaufen über off-grid Abschnitte. Gerade im zweiten Problembereich sind auf der OSM-Karte so gut wie keine Wege eingezeichnet, sodass es auch mit Umgehungen schwierig wird.

              Aber erstmal sorgt das Frühstückbuffet für einen vollen Bauch, der nun bewegt werden will. Optimistisch wandere ich einen Kilometer auf der Straße bevor ich in einen wunderschönen engen Waldweg einbiege.



              Für Etappe 5 benutze ich den GPS-Track vom Rother Wanderführer, der ist etwas genauer. Aber die erste Schlüsselstelle ist entschärft. Jemand hat einen riesigen Pfeil aus Steinen gelegt, sodass man die kritische Abzweigung nicht verpassen kann. Der Track von Hans führt geradeaus weiter und über einen nicht ganz ungefährlichen Kraxelpfad in die Bucht Aigua Dolca. Von dort führt kein Weg weiter.


              Deutlicher geht's kaum...


              Blick auf Aigua Dolca unmittelbar vor dem Kraxel-Abstieg

              Ich gehe noch bis zum Anfang des steilen Abstiegs, wo man eine tolle Aussicht hat. Nach einem Foto laufe ich zurück und folge dem Pfeil. Nun beginnt ein off-grid Abschnitt. Der Pfad ist ziemlich zugewachsen, aber erkennbar und führt zur Nordostecke der Insel, einem verkarsteten Kalkplateau mit der Landzunge Punta des ses Formigues. Eine Steinwüste mit einer ganz besonderen Stimmung. Es muss toll sein, hier zu übernachten oder den Sonnenuntergang zu erleben. Immer wieder findet man aus Steinen gelegte Symbole. Ich laufe ein Labyrinth ab, fotografiere in alle Richtungen, kann sogar für eine Weile meine Blasenschmerzen vergessen…
              Für mich eine der schönsten Stellen der Insel!





















              Auf einem schmalen Waldweg geht es dann stetig bergauf zur Hochebene Can Joan des Pla. Oben treffe tatsächlich ein mit einem Rother Wanderführer bewaffnetes deutsches Pärchen.

              Hier beginnt die nächste Etappe mit dem längsten off-grid Abschnitt der ganzen Tour. Er entpuppt sich aber durchweg als guter Weg, und man fragt sich, warum er nicht im OSM verzeichnet ist. Einmal, vor einem Privatgrundstück muss man den Track auf einem gekennzeichneten Weg verlassen, der aber bald wieder zurück zum Track führt.


              Markierter (!) Umweg vor einem Privatgrundstück



              Ich umrunde den Berg Talaia de sa Cala (den Aufstieg habe ich nicht gefunden) und gelange über ein Sträßchen hinunter zur Straßenzufahrt zur Bucht Port des Ses Caletes.

              Nach wenigen Metern auf der Straße biege ich in einen Fahrweg ein, der mich zu einem einsamen Haus bringt. Hier zweigt ein netter schmaler Pfad ab, der in großem Bogen in die Bucht Port des Ses Caletes führt. Dort will ich aber auf keinen Fall hin, denn laut anthe beginnt danach einer der schlimmsten Abschnitte der ganzen Tour. Durch einen Waldbrand ist der Weg komplett zerstört. Anthe hat eine Stunde gebraucht, um sich 500 Meter durch die Wildnis zu kämpfen.
              Nur, wie soll ich das umgehen? Auf OSM ist weit und breit kein Weg verzeichnet.
              Links am Haus vorbei führt ein steiniger Weg, der richtungsmäßig ganz gut aussieht. Den könnte ich probieren. Vorher will ich aber noch ein Stück auf dem schmalen Pfad laufen, in der schwachen Hoffnung, noch einen besseren Umweg zu finden.


              Toller off-grid Pfad zur Bucht Port des Ses Caletes



              Der Weg ist wirklich wunderschön, aber wie befürchtet, gibt es keinen anderen Alternativweg zur Umgehung von Port des Ses Caletes. Als der Abstieg beginnt mache ich kehrt und gehe zurück zu dem einsamen Haus, in den steinigen Umgehungsweg.

              Der Weg beschreibt mehrere Kurven in verschiedene Richtungen und ich merke, dass ich mich nicht wie erhofft nach Nordwesten bewege, sondern nach Süden! Nach 500 Metern gelange ich an eine Kreuzung. Hier biege ich nach rechts in einen gut gepflegten Schotterweg, der bergauf und zumindest nach Westen führt.
              Wenn der mal nicht vor einem Grundstückstor endet.
              Er endet vor einem Grundstückstor.
              Mist.
              Ich drehe um, sehe einen Wanderweg, der steil aufwärts das Grundstück umgeht und sich wieder westwärts wendet.
              Wenn der mal nicht vor einem Zaun endet.
              Er endet vor einem hohen Zaun.
              Mist.
              Aber kurz vor dem Zaun führt ein kaum erkennbarer Pfad nach Nordwesten. Ich entdecke sogar eine blasse blaue Markierung. Also muss er irgendwohin führen.
              Mit neu erwachter Hoffnung kämpfe ich mich hoch auf einen kleinen Gipfel, sehe von Weitem ein Sträßchen.
              Ist das die Rettung? Das wäre zwar ein viel größerer Umweg, als ich vorgesehen hatte, aber immerhin.
              Ich renne zu dem Sträßchen, schaue aufs GPS. Es ist in OSM verzeichnet – aber es ist nicht das, zu dem ich wollte. Ich bin immer noch viel zu weit südlich.
              Was für ein Frust, ich bin bedient.
              In Luftlinie wäre der richtige Weg nur 600 bis 700 Meter entfernt, aber man kommt einfach nicht hin.

              Ich gebe auf. Plan B (oder C?): Ich werde knapp 5 Kilometer auf Asphalt nach Sant Joan de Labritja laufen. Von dort fahren drei Buslinien nach Portinatx. Eine wird doch auch sonntags verkehren.
              Oder? Wurde nicht gestern auf Winterfahrplan umgestellt, so dass viele Busse gar nicht mehr fahren? Egal, irgendetwas wird sich ergeben. Taxi, Trampen, ich bin doch nicht in der Wildnis.

              Missmutig tapere ich los. Meine Füße schmerzen ohne Ende.
              Nach drei Kilometern erreiche ich die Hauptstraße mit Richtungsschildern:

              Sant Joan de Labritja 1,5 km
              Portinatx 4,5 km

              Hm, 1,5 Kilometer nach Sant Joan, da hätte ich ja schon fast die Hälfte bis Portinatx. Autos fahren kaum noch – warum laufe ich nicht nach Portinatx?

              Gesagt, getan, und augenblicklich geht es mir viel besser. So komme ich wenigstens zu Fuß am Tagesziel an. Die Kraft der „connected footsteps“!
              Ein kleiner Trost nach den verpassten Etappen 7 und 8.

              Ohne weitere Vorkommnisse schleppe ich mich nach Portinatx, finde nach längerer Suche mein Appartement am Meer.
              Ein kleiner Supermarkt befindet sich nebenan, leider nicht besonders gut sortiert.
              So gibt es heute Abend Chips, Chorizo, Gurke und Wein auf meiner Terrasse mit Meerblick.
              Man muss ja flexibel sein.



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              • walu
                Gerne im Forum
                • 22.01.2014
                • 76

                • Meine Reisen

                #8
                AW: [ES] Ibiza – Auf der Suche nach dem Küstenweg

                Tag 5 – 7.10.2019: Portinatx – Port de Sant Miquel
                16,2 km ↑ 280 m ↓ 140 m
                Etappen 9, 10, 11

                Heute früh sind in Portinatx anscheinend alle Bars und Geschäfte geschlossen, also frühstücke ich Chips und Chorizo. Beim Wein halte ich mich lieber zurück.

                Zum Start kann ich heute sogar eine leichte Windjacke anziehen. Es bläst ordentlich und das Meer ist aufgewühlt.



                Meine Blasen werden leider nicht besser, das Laufen ist keine Freude. So lasse ich gleich die erste Schleife des Küstenwegs aus und wandere über kleine und große Straßen zur Cala Xucla.


                Cala Xucla

                Hier beginnt ein wunderschöner Küstenpfad. Das brodelnde Meer sorgt für stimmungsvolle Bilder.





                Nach einem knappen Kilometer kommt man zu einem Restaurant. Hier sollte man besser auf die höher gelegene Straße wechseln, denn im weiteren Verlauf ist der Pfad sehr verwachsen und an zwei Felsabstürzen zerstört. Man kann diese jeweils oberhalb umgehen, aber es ist nicht ganz ohne.

                Nach der Cala Xarraca führt der Track wieder off-grid durch ein Waldbrandgebiet auf die Halbinsel Xarraca. Anthe hat sich tapfer durchgekämpft, also versuche ich es auch. Anfangs geht es ganz gut und macht sogar Spaß, aber nach 300 Metern gibt es kein Durchkommen mehr. Ich mache kehrt und verliere auch beim Rückweg ein paar Mal die Richtung und mache Umwege.


                Umgehung von Xarraca auf ganz angenehmen Wegen

                Ich umgehe die Halbinsel auf relativ angenehmen Wegen und bin bald wieder zurück auf dem GPS-Track. Doch schon kommt der nächste off-grid Abschnitt. Anthe hat ihn gleich umgangen. Ich mache einen Versuch, denn ich entdecke ein Steinmännchen an der Abzweigung und kurz darauf zwei weitere. Aber auch hier ist nach 200 Metern Schluss. Ich stehe vor einer tiefen Schlucht. Wo da ein Weg verlaufen soll ist mir schleierhaft.
                Also wieder mühsam zurück und auf den Umweg über einen kleinen Berg.


                Schwieriger off-grid Abschnitt

                Auf einer Schotterpiste überholen mich drei Jeeps. Auf der Ladefläche stehen Touris, die sich an einer Querstange über dem Führerhaus festhalten. Scheint ein neuer Freizeitspaß zu sein. Für mich geht es zu Fuß weiter auf der Piste bis zur Caló d’en Calders, wo ich Mittagspause mache mit Blick auf die Insel Calders.


                Blick auf die Insel Calders

                Die Windjacke ist längst wieder im Rucksack und der Schweiß läuft in Strömen, als ich mich auf die nächsten Passhöhe kämpfe. Das von Hans erwähnte Schrottauto liegt immer noch da.


                Unterschiedliche Wegzustände in Richtung der nächsten Passhöhe


                Das berühmte Schrottauto


                Hinter dem Pass

                In einem weiten Bogen wandere ich zum Strand von Benirass, dann knapp drei Kilometer auf der Straße bis Port de Sant Miquel. Gleich am Anfang der Bebauung checke ich in einem großen Hotel ein. Meine Blasen schmerzen derart, dass ich nach medizinischer Hilfe frage. Der Hotelportier sagt, dass es ein paar Häuser weiter einen privaten medizinischen Dienst gäbe. Der sei aber teuer, und zur Zeit wäre eh niemand da. Er empfiehlt mir, morgen nach Sant Miquel zu fahren, dort gäbe es einen Arzt.
                Das kostet natürlich viel zu viel Zeit. Da beiße ich lieber weiter die Zähne zusammen. Irgendwann wird es doch auch mal besser werden!
                Ich muss ziemlich leidend aussehen, denn der Portier schenkt mir noch eine Flasche Wasser.

                Um 18:30 Uhr humpele ich zum Abendessen. Am Eingang des Speisesaals stehen zwei Animateure, die jeden Gast begrüßen, als sei es ihr bester Freund. Ich komme mit ihnen ins Gespräch. Natürlich haben sie noch nie von einer derartigen Wanderung gehört, sind aber sehr interessiert und wollen allerlei wissen. Vielleicht können sie ja etwas in ihr Programm einbauen.
                Zum Schluss lädt mich der eine noch zu ihrem großen Quizspiel um 21:45 Uhr ein. Oje, da liege ich längst im Bett - denke ich.

                Das Essen ist ganz okay, aber die Atmosphäre gefällt mir nicht. Es gibt einen All-inclusive-Bereich, wo die Gäste mit Bändchen ihre Getränke holen. Ich muss jedes Glas bezahlen. Teller werden voll geschaufelt, aber nicht leer gegessen. Alle rennen durcheinander. Gepflegtes Essen ist anders.

                Beim Verlassen des Speisesaals klopfen mir die Animateure nochmal auf die Schulter und ich verschwinde im Zimmer. Ich habe noch etwas Wein von gestern gerettet, den ich gemütlich in Ruhe auf meinem Balkon trinke.

                Doch mit dieser ist es bald vorbei. Direkt unter meinem Zimmer ist das Schwimmbad und daneben versammeln sich immer mehr Gäste. Da nehme ich auch eine kleine Bühne wahr. Dann geht’s los: Kinder-Disco in ohrenbetäubender Lautstärke.
                Und eine Stunde später das unsägliche Quizspiel – noch lauter!
                Ohropax hilft da nur wenig, aber irgendwann schlafe ich doch ein…

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                • walu
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                  • 22.01.2014
                  • 76

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: [ES] Ibiza – Auf der Suche nach dem Küstenweg

                  Tag 6 – 8.10.2019: Port de Sant Miquel – Santa Agnès
                  21,5 km
                  Etappen 11, 12, 13

                  Ich dachte, ich bin der erste beim Frühstücksbuffet, aber um 7:55 Uhr warten schon 10 Gäste vor der geschlossenen Tür.
                  Mit Würstchen, Kartoffeln und Gemüse wird es schon ein frühes Mittagessen. Das hält vor bis zum Abend.

                  Ich umrunde die Bucht von Port de Sant Miquel und sehe bald mein Hotel von der anderen Seite. Mein Zimmer wird bereits für den nächsten Gast hergerichtet.


                  Mein Hotel von der anderen Seite der Bucht


                  Vorbildliche Beschilderung


                  Da zeltet jemand in der Bar


                  Ruppiger Pfad heraus aus der Bucht

                  Nach dem Torre des Molar hat anthe keinen Weiterweg mehr gefunden. Deshalb gehe ich gar nicht erst hin, sondern mache einen weiträumigen Pistenumweg.

                  Bei Na Xamena steht plötzlich ein riesiger Köter vor mir und versperrt den Weg. Aus einem nahegelegenen Haus hört man Rufe, die wahrscheinlich ihm gelten. Er ignoriert sie beharrlich. Okay, hier wechselt die Etappe, ich stelle also komoot auf dem Smartphone um und lese meine Notizen durch.
                  Jetzt will ich aber weiter. Der Kerl kläfft sich immer noch die Seele aus dem Leib.
                  Ich sehe, dass hier Steine in Griffweite liegen, da kann ich also den alten Wanderertrick probieren. Ich bücke mich, hebe einen Stein auf – und schon sucht der Hund das Weite.
                  Das war ja einfach, ich musste nicht mal werfen.

                  Kurz bevor ich von dem Karrenweg in einen schmalen Pfad einbiege, habe ich die zweite Hundebegegnung des Tages. Diesmal sind es zwei, die bellend auf mich zustürzen. Wieder bücke mich, hebe einen Stein auf und muss diesmal auch werfen, bis sie umdrehen.

                  Ein sehr angenehmer Weg führt jetzt oberhalb der Küste bis nach Portixol, eine der schönsten Buchten Ibizas! Als ich nach einer Pause weitergehen will, kommt tatsächlich eine geführte deutsche Wandergruppe an.




                  Erster Blick auf die traumhafte Bucht Portixol


                  Portixol


                  Blick zurück auf Portixol


                  Anstrengender Weiterweg


                  Endlich mal wieder eben auf schönem Pfad

                  Der Weiterweg in praller Sonne ist sehr steil, anstrengend und zieht sich. Die Ausblicke sind aber phantastisch. Kurz vor der Höhe kommt mir eine junge Trailrunnerin (ist das ein deutsches Wort?) entgegen. Sie spricht mich sofort an, denn sie hat mich heute Morgen in Port de Sant Miquel gesehen. Auch sie ist sehr interessiert an meiner Tour und wünscht mir viel Erfolg.

                  An der Cala d’Albarca vorbei wandere ich weiter mit immer wieder schönen Ausblicken bis der Track in ein unzugängliches Privatgelände zeigt. Anthe hat hier keinen Weiterweg gefunden und ist den Umweg über Santa Agnès gelaufen. Wenn ich besser drauf wäre, würde ich hier nochmal nach rechts (Nordosten) gehen. Evtl. kommt man über die Rother Tour 15 weiter. Da ich aber auch nach Santa Agnès möchte, gehe ich nach links über die Straße in den hübschen kleinen Ort. Einer der ganz wenigen Orte auf Ibiza, die sich einen natürlichen, dörflichen, hotelfreien Charakter bewahrt haben.

                  Leider gibt es ab jetzt auf dem gesamten Küsten-Restweg nur noch in dem Städtchen Sant Antoni feste Übernachtungsmöglichkeiten. In der Bar trinke ich ein großes Bier und lasse mir ein Taxi nach Sant Antoni rufen.

                  Hier habe ich ein überraschend nettes Apartment für vier Nächte gebucht. Ich mache einen Großeinkauf im nahen Supermarkt und koche ein leckeres Nudelgericht.

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                  • walu
                    Gerne im Forum
                    • 22.01.2014
                    • 76

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: [ES] Ibiza – Auf der Suche nach dem Küstenweg

                    Tag 7 – 9.10.2019: Santa Agnès – Sant Antoni
                    17,7 km ↑ 290 m ↓ 430 m
                    Etappen 14, 15

                    „Diese Wanderung enthält in ihrem ersten Teil das schönste und abenteuerlichste Wegstück, das die Insel zu bieten hat“, schreibt Hans. Auch bei der schwarzen Rother Tour fallen ähnliche Worte. Ich bin gespannt.

                    Um 9:00 Uhr fährt einer der wenigen Busse nach Santa Agnès. Passt perfekt.
                    Bevor ich den Wandertag starte besuche ich die kleine Kirche von Santa Agnès. Hier gibt es eine Statue des heiligen Rochus, der Patron der Wanderer. Vielleicht brauche ich ja seinen Beistand auf dem abenteuerlichen Wegstück.


                    Heiliger Rochus in Santa Agnès

                    Auf einem Sträßchen wandere ich zu einem Restaurant, dann beginnt der schmale Pfad. Steil bergab, teilweise sehr ausgesetzt an der Felswand entlang. Ich komme überall gut durch, empfinde es nicht als gefährlich. Vorteilhaft ist auch, dass zu dieser Uhrzeit der ganze Bereich im Schatten liegt.





                    Immer wieder gibt es tolle Aussichten auf Steilwände und die vorgelagerten Inseln Ses Margalides. So geht es hinunter bis zu den Ruinen von Penya Esbarrada und kurz darauf in ein kleines Bambuswäldchen, in dem es stockdunkel ist. An der tiefsten Stelle muss ich den Rucksack absetzen, um unter den tiefsten Ästen durchzukriechen. Ein kleines Rinnsal sorgt für matschigen Boden.


                    Ses Margalides








                    Penya Esbarrada



                    Nach diesem kleinen Wäldchen verläuft der Weg angenehm eben, bevor es wieder bergauf zu einer Straße geht. Einige Bäume liegen über dem Weg, unter denen man sich tief bücken muss.



                    Nach 500 Metern auf der Straße zeigt der GPS-Track auf ein geschlossenes Tor eines großen eingezäunten Grundstücks, wie von anthe angekündigt. Weit und breit kein Weg zu sehen. Ich bleibe auf der Straße und umgehe diesen off-grid Abschnitt komplett über die Radroute 9.


                    Radroute 9

                    Wieder zurück auf dem Track beginnt nach 800 Metern der off-grid Aufstieg auf den Puig Nono. Ich erwäge, ihn zu umgehen, denn anthe hat das auch getan und Hans schreibt von einem sehr verwachsenen Weg. Der Einstieg sieht aber so einladend aus, dass ich es doch versuche und, oh Wunder, der Pfad ist völlig problemlos. Nicht allzu steil, immer gut erkennbar, schön schattig im mediterranen Wald.
                    So erreiche ich gut gelaunt die Gipfelsäule des Puig Nono. Wie sich das für Gipfel gehört werde ich mit tollen Aussichten belohnt. In der Ferne sehe ich sogar wieder die magische Felseninsel Es Vedra.


                    Kurz vor dem Gipfel


                    Gipfelsäule Puig Nono


                    Ganz hinten Es Vedra

                    Nach einer kleinen Rast mache ich mich an den Abstieg. Das ist nun wieder ein in OSM eingezeichneter Weg, allerdings deutlich unangenehmer als der Aufstieg. Auf dem teilweise gerölligen Untergrund komme ich nur langsam vorwärts.





                    Unten angekommen geht es ohne weitere Vorkommnisse zur Cala Salada.
                    Trotz Nebensaison herrscht hier Hochbetrieb. Parkplatz und Zufahrtstraße sind mit Autos vollgestellt, die Badefreunde tummeln sich am Strand.
                    Hans beschreibt den Weiterweg über eine Treppe am Restaurant, die überhaupt nicht nach öffentlichem Weg aussieht. Ich lese es leider erst nachdem ich ein paarmal suchend am Restaurant vorbeigelaufen bin.

                    Die ganze Strecke nach Sant Antoni verläuft mehr oder weniger am Meer entlang. Manchmal ist der Weg nicht leicht zu finden oder verliert sich im Gebüsch. Einmal muss ich über ein paar Felsen klettern.


                    Blick zurück auf den Puig Nono


                    Hier muss ich drüber



                    Trotzdem komme ich schon vor 16:00 Uhr in Sant Antoni an und kann im meinem Luxus-Apartment, bzw. in der Bar im Erdgeschoss entspannen.

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                    • Werner Hohn
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                      • 05.08.2005
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                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: [ES] Ibiza – Auf der Suche nach dem Küstenweg

                      walu bleibt den Küsten des Mittelmeers treu. Schön.
                      .

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                      • walu
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                        • 22.01.2014
                        • 76

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: [ES] Ibiza – Auf der Suche nach dem Küstenweg

                        Zitat von Werner Hohn Beitrag anzeigen
                        walu bleibt den Küsten des Mittelmeers treu. Schön.

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                        • walu
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                          • 22.01.2014
                          • 76

                          • Meine Reisen

                          #13
                          AW: [ES] Ibiza – Auf der Suche nach dem Küstenweg

                          Tag 8 – 10.10.2019: Sant Antoni – Cala Tirada
                          20,8 km ↑ 130 m ↓ 110 m
                          Etappe 16

                          An diesen Tag habe ich keine großen Erwartungen. Fast 9 Kilometer laufe ich zwar am Meer entlang, aber immer durch bebautes Gebiet. Hotels, Ferienanlagen, Ramschgeschäfte, Bars in stetigem Wechsel. Erst hinter dem Port des Torrent wird es angenehmer und gleich wieder menschenleer.






                          Da führt der GPS-Track hinein. Kurz darauf kommt man über einen niedrigen Zaun wieder an den Strand.



                          Der Track führt nun um mehrere Halbinseln, vorbei an einem weiteren Turm, dem Torre d’en Rovira. Gelegentlich findet man Steinmännchen.








                          Torre d’en Rovira





                          Mit immer wieder schönen Blicken auf vorgelagerte Inseln, gegen Ende sogar auf Es Vedra, wandere ich auf meist angenehmen Pfaden in Meernähe.

                          Nach der Cala Codolar erreiche ich „Ibiza Stonehenge“.
                          Das ist leider nichts Prähistorisches sondern ein Kunstwerk des Australiers Andrew Rogers, beauftragt vom Cirque du Soleil Gründer Guy Laliberte. Es ist trotzdem ganz nett hier.


                          Cala Codolar im Rückblick


                          Ibiza Stonehenge



                          Jetzt ist es auch nicht mehr weit zur Cala Tirada. Ein großes Ferienhotel, in dem ich übernachten wollte, hält schon Winterschlaf. Es fahren aber noch mehrere Busse täglich zurück nach Sant Antoni.

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                          • walu
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                            • 22.01.2014
                            • 76

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: [ES] Ibiza – Auf der Suche nach dem Küstenweg

                            Tag 9 – 11.10.2019: Cala Tirada – Sa Talaia – Sant Josep
                            13,8 km ↑ 440 m ↓ 210 m

                            Letzter Tag. Was mache ich?
                            Auf dem Küstenweg wären es noch zwei sehr lange Tagestouren. Ohne Blasen würde ich die erste versuchen. Laut anthe führen die ersten 10 Kilometer allerdings über Asphalt, bald danach käme das traumhafte Atlantis mit dem spektakulären Ausblick auf Es Vedra, ein harter Aufstieg off-grid und noch mehrere Kilometer bis Es Cubells, von wo es immerhin eine Busverbindung nach Sant Antoni gäbe (mit Umsteigen in Sant Josep).

                            Ich entscheide mich für eine relativ kurze Tour mit einem buchstäblichen Höhepunkt: Den Aufstieg auf den Sa Talaia, den mit 487 Metern höchsten Berg Ibizas.

                            Zuerst also wieder mit dem Bus zur Cala Tarida, dann 2 Kilometer auf den Küstenweg, der hier auf der Straße zur Cala Vedella verläuft.

                            Jetzt heißt es Abschied nehmen vom Küstenweg. Ich biege links in einen angenehmen Waldweg. Dieser mündet aber schon bald in eine Straße, die wiederum in eine noch größere Straße, auf der leider viel Betrieb ist.


                            Der Küstenweg führt auf der Straße weiter, ich biege in diesen Waldweg ab

                            Als ich sie endlich auf einem Schotterweg verlassen kann, merke ich, dass dies die Autozufahrt zum Sa Talaia ist. Immer wieder überholen mich Autos, die mich in Staubwolken hüllen.


                            Autozufahrt zum Sa Talaia

                            Der Gipfel selbst ist auch enttäuschend. Da stehen hohe Sendemasten, die Gipfelsäule ist mit hässlichen Graffitis beschmiert, die Aussicht durch Bäume versperrt.
                            Die gibt es erst am Nebengipfel, dem Cap de Sa Talaia. Es Vedra kann man aber leider nicht sehen.

                            Hier ist einiges los. Viele Autofahrer, auch mehrere Wanderer, die den Aufstieg von Sant Josep genommen haben.
                            Ich mache Mittagspause, lasse meinen Blick über die Insel schweifen und versuche Orte zu finden, die ich erwandert habe.







                            Der Abstieg über einen steinigen Wanderpfad ist nochmal ganz angenehm. Bald laufe in Sant Josep ein und nehme den nächsten Bus nach Sant Antoni.


                            Angenehmer Abstieg


                            Meistens zumindest...

                            Noch eine letzte Nacht auf Ibiza. Der Abschiedsschmerz wird immerhin dadurch gelindert, dass mir noch eine Woche Finca-Urlaub auf Mallorca mit meiner Liebsten bevorsteht.

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                            • walu
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                              • 22.01.2014
                              • 76

                              • Meine Reisen

                              #15
                              AW: [ES] Ibiza – Auf der Suche nach dem Küstenweg

                              Fazit

                              Insgesamt war es eine super Tour!
                              Ich würde sie auf jeden Fall nochmal machen, dann mit 3 bis 4 Tagen mehr Zeit und hoffentlich ohne Blasen. Die letzten Etappen fehlen mir ja noch sowie auch einige Schleifen, die ich ausgelassen habe und die sich bestimmt lohnen.

                              Landschaftlich hat die Tour meine Erwartungen deutlich übertroffen. Jeden Tag entdeckt man geheimnisvolle versteckte Wege mit wunderschönen Ausblicken auf Felsküsten und einsame Strände am tiefblauen Meer.
                              Dagegen ist der Asphaltanteil höher als bei einem deutschen Premiumsteig und man begegnet immer wieder dem Massentourismus. Damit muss man klar kommen. Auch eine hohe Frustrationstoleranz bei der Wegsuche ist notwendig.

                              Natürlich wäre es schön, wenn der Weg besser ausgebaut und markiert wäre. Aber gerade der jetzige Zustand hat seinen besonderen Reiz. Die Abenteuerkomponente ist auf jeden Fall deutlich größer. Und ein ganz kleines bisschen kann man sich trotz Touristeninsel wie ein einsamer Pionier fühlen.

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