[PL] Auf der Oder von Steinau a.d.O. nach Neusalz, Ostern 2019 & 2024

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    [PL] Auf der Oder von Steinau a.d.O. nach Neusalz, Ostern 2019 & 2024

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    Mitreisende
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    Wegweiser zu den verschiedenen Fahrten:


    Auf der Oder von Steinau a.d.O. nach Neusalz, Ostern 2019
    Die erste Paddeltour in diesem Jahr führt uns wieder auf die Oder in Polen. Anstrengend durfte es nicht sein, Andrea hat gerade eine schwere Operation hinter sich und ist noch krankgeschrieben, und all die kleineren Flüsse hier im Osten hatten wegen der seit letztem Jahr anhaltenden Trockenheit viel zu wenig Wasser. Natürlich reizt uns auch, einen neuen Oder-Abschnitt kennenzulernen. Letztes Jahr paddelte ich von Neusalz bis Crossen, vor 2 Jahren waren wir auf der Oder von Crossen bis Frankfurt, vor 4 Jahren von Frankfurt bis Küstrin, und vor >20 Jahren in den polnischen Oderpoldern oberhalb von Stettin.

    Ansonsten ist alles wie gehabt. Wir wählen den großen Ally, den 16.5’ Tour, das robuste Staika anstelle des MSR Freelite 3, welches Andrea letzten Sommer in Sibirien nicht so recht gefallen wollte, und das erste Mal bin ich mit meiner neuen Expeditionskamera auf dem Wasser unterwegs, der Sony RX10M4. Was es da alles an Einstellmöglichkeiten zu wählen gibt, oi oi oi. Wenigstens muss ich keine Objektive wechseln, es ist alles fest verbunden und ich kann im KB-Brennweitenbereich 24-600mm zoomen. Davon habe ich schon jahrelang geträumt. Im Umgang mit dieser Kamera habe ich aber offensichtlich noch viel zu lernen, noch nie hatte ich so viel Ausschuss wie auf dieser Tour. So habe ich für diesen Bericht nur 155 von 528 Fotos ausgewählt.
    Die Wettervorhersage ist phantastisch und Spritzdecke, Schirme und Regenklamotten bleiben gleich zu Hause.



    Steinau liegt insofern sehr günstig, weil man von mehreren unterhalb liegenden Orten wie Glogau/Głogów, Beuthen a.d.O./Bytom Odrzański und Neusalz/Nowa Sól mehrfach täglich mit der Bahn hierher zurück kommt. Früher hätten wir unterhalb des bisher letzten Wehres/Schleuse in Dyhernfurth/Brzeg Dolny eingesetzt, auch da wäre man gut mit dieser Bahn hingekommen, aber diese Zeit ist mit einer kürzlich neu hinzugekommenen Staustufe vorbei. 32km oberhalb von Steinau ist 2018 ein neues Wehr mit Schleuse in Betrieb genommen worden (Maltsch/Malczyce), wo unklar ist, wie es zZ passiert werden kann. Maltsch hat zwar ebenfalls einen Bahnhof, jedoch gibt es viel seltener günstige Verbindungen, da man umsteigen müsste.


    Tag 1, Karfreitag 19. April 2019

    ½10 fahren wir los. Der Routenplaner avisiert uns auf der kürzesten Route 282 km bis Steinau a.d.O., polnisch Ścinawa. 60km weiter liegt Breslau/Wrocław, das wirtschaftliche Zentrum Niederschlesiens. Der Zusatz “an der Oder” ist wichtig, wenn man sich vor Augen hält, dass es 17 Orte mit dem Namen Steinau gibt. 8 davon liegen heute noch in Deutschland, 7 in Polen, und je einer in der Tschechei und Russland.
    Gegen 2 kommen wir in Steinau a.d.O. an. Ein besonderes Schmuckstück ist der Ort nicht. Am Ende des WK2 wurde die Stadt gegen die vorrückende Rote Armee erbittert verteidigt. In den Kämpfen wurden 75% der Bebauung zerstört. Das örtliche Schloss aus dem 19. Jhdt wurde dem Erdboden gleichgemacht, vom Rathaus blieb nur der Turm erhalten. Nach dem Krieg wurden die Deutschen vertrieben und Polen und Ukrainer angesiedelt. Die Bevölkerungszahl hat bis heute den Vorkriegsstand nicht wieder erreicht.
    Wir fahren schnurstracks zur Marina kajakowa, wie sie auf Google Maps ausgewiesen ist. Hier können wir gut den Faltcanadier aufbauen.





    ½5 sind wir fertig und ich fahre das jetzt leere Auto auf einen Wohngebietsparkplatz in der Nähe des Bahnhofs, wo es bis Montag stehen bleiben soll.
    Doch nun zurück zum Aufbauplatz. Die Oder bietet einen schockierenden Anblick. Die Trockenheit der letzten Monate war mir zwar bewusst, aber ich hätte nicht mit so extrem wenig Wasser gerechnet. Die Ufer bestehen zurzeit größtenteils aus verschlammten Kiesbänken, die Buhnenfelder enthalten kaum noch Wasser. Der Oderhafen ist trockengefallen, nur noch schlammiger Grund. Die 3 Motorboote am Steg (Statek ŁĘGOWA DAMA) schwimmen zT auch nicht mehr richtig und stecken im Schlamm fest. Aber immerhin, der Oder-Strohm selbst fließt noch und wird unser kleines Bötchen bestimmt bis nach Neusalz tragen.







    An der Einsatzstelle liegt der ufernahe, hier kiesige Flussgrund ebenfalls frei. Der Kies gibt unter den Füßen nach und der Schlamm bleibt in dicker Schicht an den Schuhen hängen.

    Kurz vor 5 setzen wir uns in Bewegung, auf geht es. Trotz der schwachen Strömung kommen wir auf ~7km/h. Leider schwächelt mein Tachometer etwas. Ok, die momentane Geschwindigkeit wird meist korrekt angezeigt, aber die Uhrzeit überhaupt nicht mehr und es stürzt erstmals in seiner langen Lebenszeit öfter mal ab. Ich denke, mein Holux M-241 hat den GPS-Weekrollover nicht schadlos überstanden. Mit einer angepassten Firmware kann ich wohl nicht mehr rechnen, schade.
    Nach wenigen hundert Metern verlieren sich die Stadtgeräusche und man ist in der Natur. Nur noch Vogelrufe und Wind, nur ganz selten in der Ferne ein Auto, Trecker, Motorrad oder Dorfköter. Das ist das tolle hier in Polen, so nah an Deutschland weitläufig diese Ruhe. In Polen ist Karfreitag übrigens ein ganz normaler Arbeitstag, kein Feiertag wie bei uns.





    Ein Teil der Bäume treibt bereits aus und zeigt sich in frischem Grün, ein anderer Teil steht noch grau im Winterkleid da.
    Der Wind kommt aus Nordost und bläst uns entgegen.
    Sehr erstaunlich finde ich, dass selbst wir als Kanuten mitten im Hauptstrom aufpassen müssen, nicht auf flache Sandbänke aufzulaufen. Man muss sich diese Flachstellen als Unterwasser-Dünen vorstellen, die langsam in Stromrichtung wandern und immer wieder neu bis knapp unter die Wasseroberfläche reichen. Zum Glück sieht man diese Stellen schon aus der Entfernung am Strömungsbild und Kräuselungen der Wasseroberfläche.

    Nach 1½h und knapp 9km legen wir an und schauen nach einer geeigneten Zeltstelle.







    In diesem schönen Eichenhain ist der grasbestandene Boden immer wieder von Wildschweinen umgewühlt worden und es findet sich kein ebenes Fleckchen für das Zelt. So ziehen wir eine Buhne weiter bis an den Rand des Eichenhaines. Dort beginnt eine Wirtschaftswiese und es ist eine schwache Fahrspur im Gras zu erkennen, auf der es sich gut zelten lässt.
    Eine Feuerstelle gibt es auch bereits. Das Holz an den Bäumen und sogar das reichlich am Boden liegende ist knochentrocken. Als Zündhilfe beschränke ich mich während der gesamten Ostertour auf das trockene Gras vom Vorjahr, welches zZ noch das frische Grün überragt. Ein kurzer Flammstoß aus dem Feuerzeug, und es steht in Flammen. So easy zündet das alles, perfekt. Sonst hatte ich immer noch Grillanzünder zur Starthilfe dabei.





    Ganz alleine bleiben wir hier nicht. 2 Buben und ein Mädel kommen abends noch aus dem 1km entfernten Dorf Budków herangeschlendert, grüßen freundlich und angeln ein Stündchen vorne auf dem Buhnenkopf. Früher hieß das Dorf Eichdamm und noch früher Bautke (Bilder1, Bilder2).



    Zu den perfekten Wetterbedingungen kommt auf dieser Ostertour noch der nahezu Vollmond, der so hell strahlt, dass der Gebrauch der Stirnlampe selbst im Zelt überflüssig ist.



    Dieses Bild vom aufgehenden Mond ist ziemlich überbelichtet (ISO100, F3.5, 13s Belichtungszeit). In Wirklichkeit ist es dunkler.
    Zuletzt geändert von Flachlandtiroler; 08.05.2024, 12:08. Grund: Titel ergänzt, Martin

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    #2
    AW: [PL] Auf der Oder von Steinau a.d.O. nach Neusalz, Ostern 2019

    Schöön!

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      #3
      AW: [PL] Auf der Oder von Steinau a.d.O. nach Neusalz, Ostern 2019

      Ja super Bericht, Ostern war klasse Wetter und dann noch der Vollmond. Da habe ich auch einige Vollmondbilder geschossen..
      Wandern & Flanieren
      Neues entdecken durch Langsamkeit

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        #4
        AW: [PL] Auf der Oder von Steinau a.d.O. nach Neusalz, Ostern 2019

        Tag 2, Samstag 20. April 2019

        Kurz nach 4, ich muss mal kurz raus, dämmert es bereits wieder. Die Wiese liegt stellenweise in dichtem Nebel und ich versuche schnell ein paar Fotos:





        Die Nacht war viel kälter als gedacht, Reif bedeckt meinen Stuhl. Das habe ich nicht unbedingt erwartet. Vorhergesagt war nur ein Nachttemperaturminimum von 4°C (meteoblue) bzw 6°C (Wetteronline). Aber das ist alles kein Problem, dann rücken wir einfach noch enger zusammen.
        Wir schlafen noch weiter, bis die Sonne das Zelt so weit aufheizt, dass man es kaum noch aushält.



        Der Blick nach draußen hält eine freudige Überraschung bereit. Das Wasser ist über Nacht stark gestiegen. Da es im oberstromigen Einzugsgebiet aber in den letzten 4 Wochen kaum geregnet hat, kann der Anstieg nur auf menschliche Manipulation zurückgeführt werden. Nun erinnere ich mich, dass im Faltboot-Wiki eindringlich vor genau diesen heftigen Wasserstandsschwankungen im Dienste der Schifffahrt gewarnt wird: “Der Wasserstand kann daher bis ~20 km hinter der letzten Staustufe um bis zu 1,5 Meter schwanken! (Das sind bei einem flachen Strand etliche Meter Sicherheitsabstand!) …. Bei der Wahl des Biwakplatzes unbedingt auf Zeichen der Wasserstandsänderungen achten! Wo z.B. typische Wellenmuster im Sand zu sehen sind, ist vor kurzem Wasser geflossen (sonst wären die Muster getrocknet und verweht) und wird es bald wieder tun! Unter Umständen reichen aber auch diese Vorsichtsmaßnahmen nicht aus. "Obwohl wir uns der Gefahr einer nächtliche Flutwelle bewusst waren und unser Nachtlager entsprechend oberhalb der Graskante und aller Schlickablagerungen aufgeschlagen hatten, floß morgens um sieben die Oder durch unser Zelt. Auch herumliegendes, trockenes Holz und alte Lagerfeuerstellen sind kein eindeutiges Zeichen!" (Johann, 2017)”.



        Das extreme Niedrigwasser von gestern, die Schlammbänke an den Ufern, alles weg, alles wieder gut. Zum Glück hatten wir gestern Abend das Boot hoch genug abgelegt. Auch während des Frühstücks steigt das Wasser kontinuierlich immer weiter an, die Sandbank vorne am Buhnenkopf wir immer kleiner (Bild ¾9).
        Ein Motorboot nutzt die günstige Gelegenheit und tuckert stromab.



        Die Buhnen zeigen nur noch ihre bewachsenen Bereiche, die steinigen Bereiche liegen unter Wasser.



        Hier unsere Sandbank kurz vor Abfahrt ½12:



        Die Ufer sind über weite Strecken bewaldet oder mit einem breiteren Gehölzsaum bestanden.



        Immer wieder sind blühende Gehölze darunter, wie Schlehen, Weiß- und Rotdorn sowie Obstbäume.







        In der nächsten Flussbiegung liegt das 1998 unter Schutz gestellte, 197ha große Auengebiet “Naroczycki Łęg” (Großer Eichert?). Geschützt werden Feuchtwiesen, Weiden- und Pappelbestände sowie Eschen-Ulmen-Sumpfwälder. Hier brüten ua Höckerschwan, Schwarzstorch, Wildgänse und Seeadler.
        Eine Kuriosität des “Naroczycki Łęg” und ungewöhnlich für das Land hier ist eine Ansammlung wilder Birnbäume, von denen 74 alte Bäume als Naturdenkmal anerkannt wurden. Einer von ihnen erreicht einen Stammumfang von 2.6m und ist der älteste und wertvollste im ganzen Land.

        ¾12 passieren wir Köben a.d.O./Chobienia, den ersten Ort nahe am Fluss.



        Bereits um 1300 wurde dem Ort das Magdeburger Stadtrecht verliehen. Nach der Schlacht von Kunersdorf 1759 weilte Friedrich der Große im Köbener Schloss und gewährte später den Köbenern den Bau einer evangelischen Bethauskirche, welche 1769 fertiggestellt wurde. Das historische Rathaus, die evangelische Kirche und eine Reihe Häuser an der Oderseite wurden um 1960 abgebrochen. Die Zahl der Bewohner liegt zZ auf 40% des Vorkriegsstandes.
        Dennoch macht der Ort heute stellenweise wieder einen hübschen Eindruck. Das Schloss scheint immer noch Ruine zu sein, ist aber nicht rettungslos verloren und wird evtl. in Zukunft restauriert werden.

        Am Flussufer sehen wir immer wieder verschiedene Wasservogelarten. Auffällig ist die hohe Fluchtdistanz nicht nur der Gänsesäger, sondern auch der Stockenten und Schwäne, die bei uns in Deutschland eher noch angekommen wären, um nach Futter zu betteln. Natürlich habe ich mit der neuen Kamera bei etlichen Gelegenheiten draufgehalten.

        Gänsesäger-Männchen:





        1km uh der 2012 fertiggestellten Autobrücke über die Oder zwischen Züchen/Ciechanów und Radschütz/Radoszyce machen wir Mittagsrast auf einer schönen Sandbank:



        Es findet sich genug knochentrockenes Feuerholz auf der Wiese nebenan, sowie Heu als Feuerstarter, und innerhalb weniger Minuten brennt unser Kochfeuer:



        Eine Wonne, Feueranzünden unter solch perfekten Bedingungen.
        Seitdem wir den Brändi-Grill aus der Schweiz dabeihaben, kippt auch der Topf nur noch selten vom Feuer:



        Der Wind bläst kräftig und facht das Feuer an.

        Um 2 passiert dann ein Schubverband unseren Pausenplatz. Wegen diesem einzelnen, höchstens teilbeladenen Schiff wurde die Oder erst leerlaufen gelassen und heute geflutet. Wahnsinn. Die 1,1 Mrd. Złoty für den Bau der letzten Staustufe wären vielleicht in besserer Bahn-Infrastruktur gewinnbringender angelegt.



        1½h später paddeln wir weiter. Nach kurzer Zeit sehen wir unser Schiff wieder vor uns. Es hat sich mitten im Strom festgefahren und liegt dort etwas schräg in der Strömung. Die Besatzung ist hilflos, kann nichts machen. Wahrscheinlich rufen sie bei der Schifffahrtsverwaltung RZGW an und fordern noch einen Schwapps mehr Wasser.

        Wir fahren vorbei und ich habe mal wieder ein schönes Fotomotiv vor mir, einen frisch aus Afrika zurückgekehrten Storch. Im Vorbeifahren entsteht diese Bilderserie:















        Anschließend kommt mir noch eine Giraffe vor die Linse. Oder war es ein flötender Osterhase?



        Kurz nach ½6, nach mehr als 33km Paddelstrecke, schlagen wir das Lager auf einer schönen sauberen Sandbank auf, die bisher nur von Tieren Besuch erhielt:



        Gegenüber steht ein herrlicher Auwald.

        Schnell stellt sich heraus, das wir auf einer Insel gelandet sind. Ein kleiner Nebenarm schneidet uns den Weg ans Land und zum Feuerholz ab. Also fahre ich nochmal auf die andere Seite, um Holz zu holen. Ich ziehe an einem Ast eines toten Baumes, da kommt mir gleich der ganze Baum entgegen. Die Äste, die ich abgebrochen bekomme, nehme ich mit auf die Insel. Alles perfekt durchgetrocknetes Holz, und mürbe genug, um es relativ leicht zu brechen. Mit Axt oder Säge belasten wir uns auf solchen Touren idR nicht.





        Im Verlaufe des Abends beobachten wir, wie das Wasser weiter steigt und die Sandbank gegenüber erst abgeschnitten und dann ganz überspült wird.



        Sonnenuntergang:





        Zuletzt geändert von Spartaner; 28.04.2019, 07:59.

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          #5
          AW: [PL] Auf der Oder von Steinau a.d.O. nach Neusalz, Ostern 2019

          Schick! Wir haben mittelfristig mal Krosno-Küstrin auf dem Schirm. Und danke für Hinweis mit der Staustufe und der Wasserwelle, daran hätte ich nie gedacht.
          Schutzgemeinschaft Grüne Schrankwand - "Wir nehmen nur das Nötigste mit"

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            #6
            AW: [PL] Auf der Oder von Steinau a.d.O. nach Neusalz, Ostern 2019

            sehr schöne Fotos (trotz neuer Kamera ;) )
            Ja, die Oder ist sehr schön, ich liebe die Landschaft dort.
            Two roads diverged in a wood, and I—
            I took the one less traveled by,
            And that has made all the difference (Robert Frost)

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              #7
              AW: [PL] Auf der Oder von Steinau a.d.O. nach Neusalz, Ostern 2019

              Tag 3, Ostersonntag 21. April 2019

              Ein perfekter Morgen, klarer Himmel, Windstille, Vogelgezwitscher.



              Das Wasser ist einen weiteren halben Meter gestiegen und hat unsere Feuerstelle von gestern Abend überflutet. Glücklicherweise lag der Feuerholzvorrat noch etwas höher und blieb trocken.

              Kurz vor 7 kommt der bereits bekannte Schubverband wieder vorbei:

              Sie haben die ganze Nacht auf der Sandbank verbracht.

              Das Kaffeewasser kocht:


              Andrea hat neben vielen anderen expeditionstauglichen, also wasserfreien Nahrungsmitteln auch ein proteinreiches Müsli-Pulver aus dem Biomarkt mitgebracht, dass wir heute erstmals ausprobieren:


              Leider ein Fehlgriff, es schmeckt so bescheiden wie es aussieht. Ich esse selbstverständlich auf, und als Andrea ihr Schälchen wegkippen möchte, esse ich auch ihren Teil. Sie röstet sich stattdessen eine Scheibe Brot:


              Der Auwald gegenüber wird heute Morgen von der Sonne beschienen und begeistert mit seinen verschiedenen zarten Grüntönen:




              Kurz vor ½11 paddeln wir los.



              Der erste Ort lugt ein wenig hinterm Deich hervor, aber man sieht nur Ruinen:


              Die Ruinen gehören zum ehem. Gutshof des kleinen Weilers Milchau/Mileszyn. In Polnisch sagt man zum Gutshaus Palast. Dieser hier wurde Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut, hat den Krieg überstanden und war noch lange in der polnischen Zeit bewohnt.

              Sehr schöne Lagerplätze mit kurzgefressener Weide finden sich kurz vor der Mündung der Bartsch/Barycz:




              Die Bartsch ist ein rechter Nebenfluss der Oder und zum Teil paddelbar. Es gibt wohl auch Bootsverleiher. Über seine Länge streiten die Nationen, alleine die Wikipedia führt 133 deutsche, 136 englische, und 139 polnische Kilometer auf. Vor den Begradigungen maß man 165km.







              Wieder Gänsesäger, diesmal Weibchen:




              Die katholische Kirche St. Nepomuk aus dem Jahr 1761?, dahinter lag das Landgut Grunwald (Dorf Wilkau/Wilków):


              2011 wurde die Kirche resaturiert. Wilkau liegt in einer großen Oder-Kurve an einer Stelle, an der im Mittelalter eine Handelsroute Polen mit Schlesien verband. Diese Seite schreibt mehr über die wechselvolle Geschichte des Ortes (Achtung: weiße Schrift auf weißem Grund).







              Sieht dat net scheeh aus, so am Flussufer?:


              Brennholzbaum:


              Um 12, nach fast 13km Fahrt, vertreten wir uns kurz die Beine am Ufer.
              Glogau/Głogów kommt in Sicht:


              Chcesz więcej adrenaliny? Links steht 2km entfernt ein stillgelegter Schornstein. Dort kann man sich heute aus 222m Höhe in die Tiefe stürzen (Dream Jump Głogów). Ein Sprung kostet 450PLN, also 105€. Wer bereits oben steht und sich dann nicht traut zu springen, kann die Aktion für 50PLN zusätzlich auf nächstes Jahr verschieben.

              4km voraus leuchtet der 300 Jahre alte Rathausturm von Glogau:


              Das Schloss Glogau und die "Rosa Brücke", erbaut 1917 als Hindenburgbrücke:

              Ende der 1990er Jahre organisierte das lokale Fernsehen Głogów eine Volksabstimmung über eine neue Farbe für die Brücke. Heraus kam Rosa. Seit 2005 heißt sie “Brücke der Toleranz”.


              Das Schloss der Herzöge von Glogau, später königliches Schloss und Landgericht, wurde restauriert und beherbergt heute das Archäologisch-Historische Museum zu Glogau. Von dem ursprünglichen mittelalterlichen Bau zeugt nur ein runder Turm, der so genannte Hungerturm, der Hauptteil des Gebäudes stammt aus dem 18./19. Jahrhundert.

              “Das alte Glogau wurde in den siebenwöchigen Kämpfen 1945 so dem Erdboden gleichgemacht, dass man erst 15 Jahre später daranging, die Trümmer zu räumen. Noch Ende der 60er Jahre sahen DDR-Paddler: "Ehemaliges Stadtgebiet ein quadratkilometergroßer, freier Platz mit zwei Ruinen, einer halbzerstörten Kirche und einem ganzen Wohnhaus. Gespenstischer Anblick." (Auf Odra, Obra und Obrzyca (Gelhaar 1969)) Nur drei alte Häuser im Schatten der Nikolaikirche überlebten den Krieg. Erst seit den 1980er Jahren wird die Innenstadt auf den ursprünglichen Fundamenten und in Nachahmung der alten Bürgerhäuser neu errichtet. Über den Stil, der einige Reisende an das Berliner Nikolaiviertel und den Frankfurter Römerberg, andere an "Disneyland" erinnert, läßt sich streiten” (Zitat Faltboot-Wiki), Panoramabild.

              Wir sehen vom Boot aus nicht viel von der Stadt. Aber wir wollen Trinkwasser fassen und erkennen rechts die Marina Glogau. Dazu müssen wir erst einmal 300m dran vorbeifahren und unterhalb der alten Eisenbahnbrücke in den “Alten Hafen” einfahren.






              Unten legen wir am neuen Schwimmsteg aus Beton an. Die Marina ist ganz neu, wurde April 2016 fertiggestellt, alles sieht sehr edel aus. Das Restaurant ist zwar jetzt Sonntag bis 12 Uhr noch geschlossen, aber es sitzen schon viele gut aussehende Leute an den Tischen im großzügigen Freibereich in der Sonne. Ein Foto muss ich mir da oben verkneifen, denn nach dem seit letztem Jahr geltenden EU-Fotografierverbot müsste ich wohl alle Anwesenden um eine schriftliche Zustimmungserklärung ersuchen, worauf ich keine Lust habe.

              Trotzdem das Restaurant noch zu ist werde ich nicht abgewiesen mit meiner Bitte um Wasser. Die niedrigen Hähne an den Waschbecken in der Toilette sind ungeeignet zum Auffüllen meines 6L-Behälters, also gehen wir zur Theke mit mehreren verschiedenen Wasserhähnen. Sie fragt, “warm?” ich: nie nie, “gazowanie?” ich: nie nie, nur einfach Wasser. Endlich bekomme ich das blanke Leitungswasser, danke!

              Wir paddeln noch 3km weiter und landen ½2 zwischen Glogau und der Glogauer Kupferhütte zur Mittagspause an. Das muss man sich jetzt nicht so schrecklich vorstellen, wie man das aus den dichtbesiedelten Industrierevieren des Westens kennt. Um uns herum ist Natur, und die Geräuschkulisse ist neben ein paar seltenen Auto- und Eisenbahngeräuschen von der Vogelwelt dominiert. Genau wie gestern gibt es ein schnelles Feuerchen, wir kochen Kaffee und Brühe und dösen eine Weile im Schatten der Weiden.

              Nach 2½h geht es für weitere 10km auf den Fluss. Die Abwasser-Ausläufe der riesigen Kupferhütte zeigen keinerlei Auffälligkeiten. Im Faltboot-Wiki heißt es noch: "auf 4 km Polens größte Kupferhütte, Geruchs- und Lärmbelästigung je nach Windrichtung. Von der Industrieanlage geht rund um die Uhr ein Dröhnen und Hämmern aus, das vom Pfeifen und Rauschen der Güterzüge begleitet wird. Mehrere betonierte Auslässe mit Spundwänden, die bei höherem Wasserstand unter der Wasseroberfläche verborgen sind, daher Vorsicht beim Anlegen. 2014 starker Fäkaliengeruch." Wir dagegen riechen und sehen kein Abwasser, die Schornsteine qualmen auch nicht, zeigen nur ein paar kleine weiße Kondeswolken, und der Lärm hält sich in Grenzen.

              Abends landen wir nach insgesamt 35 Tageskilometern auf einer Rinderweide an. Von Rindern ist zur Zeit noch nichts zu sehen, aber die Vegetation ist kurzgefressen, es gibt ein paar Weiden und Pappeln auf dem ausgedehnten Gelände, die uns trockenes Feuerholz bereithalten, der Stand ist schön sauber, alles sehr schick hier. Gegenüber wieder ein schöner alter Auwald.

              Wir sind hier 6 - 9km von der Kupferhütte entfernt und hören in der Ferne immer wieder etwas metallisches Schlagen. Aber als richtig lästig empfinden wir das nicht.

              Das Wasser ist weiter am steigen, wie wir bald feststellen. Hier ist die Insel im Vordergrund noch trocken:




              Um die Entwicklung des Wasserstandes verfolgen zu können, setzen wir wieder Pegelmarken:


              Und genießen den Abend und den Sonnenuntergang etwas erhöht mit Blick auf den Fluss und den gegenüberliegenden Auwald:


              Die Insel wird langsam vom steigenden Wasser verschlungen:






              Ein dubioser Vogel, den ich schon immer mal vor die Linse bekommen wollte:

              Charadrius dubius, der Flussregenpfeifer.

              Der Vogel lässt mich ungewöhnlich nah heran und schaut und ruft immer in Richtung Wasser. Ich vermute, er hat hier bereits Eier in den Sand gelegt, und die Flut hat ihm nun das Gelege genommen. Der Artname "dubius" heißt wohl "in misslicher Lage befindlich".
              Es ist eine ¼h vor Sonnenuntergang, die Sonne bereits hinter den Bäumen des Auwalds verschwunden, und so versuche ich nun mit allen möglichen Tricks zu guten Bildern zu kommen. Ich hole mein neues China-Stativ, stelle auf 2sec-Selbstauslöser und versuche nun, mit relativ langen Belichtungszeiten trotz 600mm-Zoom scharfe Bilder hinzubekommen. Natürlich hopst der Vogel innerhalb der 2 Sekunden auch immer mal aus dem Bild, aber die Masse machts, ein paar gute Bilder sind dabei:


              Ausschnitt:


              Jetzt sogar nur noch mit ISO 100 und 1/25sec Belichtungszeit:




              Eigentlich bin ich ganz zufrieden mit diesen Aufnahmen, obwohl die Schärfe nicht immer perfekt sitzt. Aber doch besser als alles, was vorher möglich war. Nun muss ich in den verzweigten Menüs nur noch die Stelle finden, wo man das Autofokus-Messfeld fix auf Spotmessung Mitte einstellt. Hier musste ich immer mit dem Finger auf dem Touchscreen das Messfeld justieren.

              Nach Sonnenuntergang zünden wir noch unser Lagerfeuer, diesmal ohne was zu kochen, rein zum Plaisir. Aus dem Auwald ruft eine Eule.
              Zuletzt geändert von Spartaner; 30.04.2019, 06:40.

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                #8
                AW: [PL] Auf der Oder von Steinau a.d.O. nach Neusalz, Ostern 2019

                Tag 4, Ostermontag 22. April 2019

                Eine ½h nach Sonnenaufgang bin ich mit der Kamera wieder draußen am Fluss. Reif bedeckt das Boot:





                Leichter Nebel zieht über das Wasser:







                Hier sehe ↑ ich diesen Gesellen und eile ans Ufer. Er lässt sich von mir nicht stören und zieht weiter seine ufernahe Bahn gegen die Strömung.
                Ein dicker Biber:




                Hier ist er immer noch zu sehen, in Bildmitte:




                2h später stolpere ich über diese Erdkröte:




                Das arme Tier ist im Frost erstarrt und lässt sich darum sehr bereitwillig ablichten. Auch als ich das Gras zwischen ihr und der Linse entferne, kann sie sich nicht rühren.



                Eine weitere Stunde später ist sie verschwunden und hockt jetzt wahrscheinlich im benachbarten Tümpel.



                Biberspuren:




                Frühstücksplatz am Feuer:

                Heute gibt es Nudeln mit reichlich Zwiebeln und Knofel.



                Das Wasser hat aufgehört zu steigen, fällt sogar wieder leicht und unsere gestrige Insel wird wohl bald wieder auftauchen.

                Blick vom Lagerplatz auf unsere Landseite:


                Heute ist es nicht mehr weit bis zu unserem Ziel Neusalz, nur noch 20km. So starten wir erst ¼ nach 11. Heute gibt es auch mal wieder Wolken am Himmel, und der Wind ist spürbar.
                Um 12 passieren wir Beuthen a.d.O./Bytom Odrzański. Hier hätten wir ebenfalls guten Bahnanschluss, um zum Auto zu kommen.







                Eindrucksvoll finde ich, wie positiv die Entwicklung des Ortes von einer einzigen einflussreichen Familie beeinflusst wurde: “Franz von Rechenberg verkaufte 1561 die Herrschaften Beuthen mit Polnisch Tarnau und Carolath an den Ritter Fabian von Schoenaich, der zu einem der größten Grundbesitzer Schlesiens wurde. Sein Vetter und Nachfolger Georg Freiherr von Schoenaich ließ das Oderufer zwischen Beuthen und Schlawa urbar machen, förderte den Obst- und Weinbau. Unter seiner Herrschaftszeit entstand zwischen 1602 und 1609 ein neues Rathaus, der Turm der Stephanskirche wurde erhöht, das Georgenhospital errichtet sowie eine Brücke über die Oder und der erste Oderdamm, der Schoenaichdamm, entstanden.
                1601 begründete Freiherr von Schoenaich eine Hochschule. Die Universität, das Gymnasium academicum, umfasste 12 Lehrstühle, unter anderem für Theologie, Recht und Astronomie. 1616 wurde eine Stadtbefestigungsanlage mit drei Stadttoren nach Plänen des Festungsbaumeisters Andreas Hindenberger errichtet. Mit Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges und dem Tod des schlesischen Kanzlers Georg von Schoenaich im Jahre 1619 war es mit der Blüte der Stadt vorbei” (Wikipedia).
                Am Ende des WK2 war die Stadt “nur” zur Hälfte zerstört, und so blieben einige der historischen Bauten erhalten. "Bytom besitzt den schönsten Marktplatz von ganz Niederschlesien", Virtueller Rundgang.

                Nur 4km weiter findet sich die nächste Sehenswürdigkeit, wieder verbunden mit der Familie von Schoenaich. Schon auf dem Satellitenbild ist mir eine große Schlossruine aufgefallen, die möchte ich mir näher ansehen.





                Es handelt sich um die Reste des Schlosses Carolath, einstmals eines der prächtigsten Schlösser Niederschlesiens. Es wurde zwischen 1597 und 1618 errichtet und in den nachfolgenden Jahrhunderten mehrmals umgebaut und stilistisch verändert. So sah das damals aus:


                Schloss Carolath um 1860 (gemeinfrei)

                Wir nähern uns der Flussanlegestelle, als uns an Land 2 Reiter entgegenkommen. Auf den ersten Blick hätte man meinen können, die ‘gute alte Zeit’ sei hier noch präsent.



                Die Flussanlegestelle Carolath/Siedlisko ist genau so neu wie die in Glogau und Beuthen.



                Wir legen an, Andrea ruht sich ein bisschen aus, und ich laufe hoch zum Schloss. Ein touristisch erschlossener Rundweg ist ausgeschildert und mit Informationstafeln in polnisch, englisch und deutsch ausgestattet.



                Blick von Carolath zurück nach Beuthen:

                Von oben vom Schloss aus muss das ein großartiger Blick gewesen sein.

                Auf dem alten Postweg, dem “Preußischen Trakt”:


                Der Ziegelkanal, 19 Jhd.:


                Ruine Schloss Carolath:




                Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Schloss, in dem viele wertvolle Kulturgüter gelagert waren, von Soldaten der Roten Armee abgebrannt (Wikipedia).
                Weitere Infos gibt es im Neuen Glogauer Anzeiger Nr 5, Mai 2017: Schloss Carolath in Schlesien. Am Ende dieses Artikel findet sich ein Gedicht des schlesischen Dichters Hans Niekrawietz. ‘Eigenartigerweise’ findet sich zu ihm kein Artikel in der deutschen Wikipedia, in der polnischen dagegen schon.

                2003 wurde das Schloss für 257.000 PLN an einen Bürger von Neusalz verkauft. Im Jahr 2007 wurde es vom Italiener Giulio Piantini, Präsident von Arcobaleno, aufgekauft, der die Schlossruine wieder aufbauen und zu einem Hotel- und Konferenzzentrum entwickeln will.

                Bisher tut sich noch nicht viel. Man ist gerade dabei, die Wege etwas vom Schutt zu beräumen:




                Das Torhaus wurde Ende der 60er Jahre wieder aufgebaut, unter tatkräftiger Mithilfe von Pfadfindern:




                Inschrift über dem Tor: "IEHOVAE DEXTERA NOSTRUM MUNIMENTU" (Gottes Gesetz, unser Schutz)

                Ich hatte gehofft, das Gelände betreten zu können, jedoch ist alles abgesperrt. Einmal im Jahr wird offiziell geöffnet, zum Fliederfest. So kehre ich um, und wir paddeln die restlichen 9km bis Neusalz.

                Entlang des Flusses gibt es noch einmal ein paar schöne Tierbeobachtungen. Rote und Schwarze Milane, Bussarde, ein Falke, lautstarke Rabenbanden, ein alter Seeadler hoch oben am Himmel, und Wildgänse.









                Roter Milan, hier an der Oder häufig zu sehen:




                Schilfbestandenes Oder-Ufer:


                Um 2 erreichen wir Neusalz. Die Bogenbrücke über der Hafeneinfahrt ist meine Landmarke:


                Der Kajak-Klub ist zwar geschlossen, wir gehen aber trotzdem auf Land und packen das Boot aus. Das Tor ist leider auch verschlossen, so dass ich mit dem Auto nicht aufs Gelände fahren könnte. Aber dann umrunden wir das Haus und finden jemanden, der hier auf dem Gelände wohnt. Wir erläutern ihm, was wir vorhaben und er schließt uns das Tor auf.







                Die Bahn fährt in 7 Minuten, die würde ich sowieso nicht schaffen, die nächste um 16:01, und so bauen wir erst mal das Boot ab und essen etwas aus unseren unendlichen Vorräten zu Mittag.



                Reichlich vor der Zeit schlendere ich dann in einer ¼h zum Bahnhof. Hier ein Blick auf den Wirtschaftshafen von Neusalz:


                Den Gartenzwerg-Park lasse ich diesmal links liegen. Die Fahrkarte ist schnell gekauft (16.10PLN, ~3,76€ für 72 Bahn-Kilometer), meine Online-Fahrpläne scheinen auch alle zu stimmen, und so habe ich noch etwas zu warten.
                Ich war gar nicht so sicher, ob heute tatsächlich so viele Züge fahren, wie der Fahrplan ausgab, denn heute am Ostermontag ist auch in Polen offizieller Feiertag.

                Comics erklären Benimmregeln an der Bushaltestelle:

                Was fällt mir hier auf: ja, die bei uns in den letzten Jahren zur Regel gewordenen Warnungen vor Taschendieben fehlen hier, und es wird auch nicht auf das korrekte Verhalten bei Messerangriffen eingegangen.

                Der Bahnhof von Neusalz:

                Die Bahnsteigkante ist zwar nicht behinderten- und faltbootgerecht hochgelegt, aber wenigsten müsste man nicht durch den Tunnel unter den Gleisen. Ganz hinten im Bild kann man die Gleise ebenerdig überqueren.

                Der Bahnsteig füllte sich rasch und auch der 12 Minuten verspätete Zug war dann ziemlich voll besetzt. Die Bahn hier entlang der Oder ist Teil einer Hauptstrecke zwischen Stettin und Breslau.

                1:10 später bin ich zurück in Steinau a.d.O. und laufe noch 800m zum Auto. Das steht noch friedlich auf dem Wohngebietsparkplatz. Seit ich letztes Jahr die Hohlraumkonservierung mit Fett wiederholt hatte, zeigt es wieder erhebliche Inkontinenz, sobald es in der Sonne steht:


                Nach 78km bin ich wieder bei Andrea im Kajak-Klub. Verladen, und dann geht es zurück. Das Garmin-Navi zeigt ernsthafte Ausfälle, will nicht wieder starten, und so darf das Handy übernehmen.
                Kurz vor der Grenze wird noch mal vollgetankt (1.21€/L Super), und am späten Abend sind wir wieder zu Hause. Spritverbrauch vor dieser Tankfüllung ~3.46L/100km.

                Insgesamt eine richtig easy Tour in geschichtsträchtiger Landschaft mit 97km auf dem Wasser, der frisch austreibenden Vegetation in schönsten Frühlingsfarben, mit vielen Tierbeobachtungen, leicht zu paddeln und ebenso leichtem Auto-Zurückholen.
                Zuletzt geändert von Spartaner; 18.05.2019, 15:23.

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                • Freedom33333
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                  • 09.09.2017
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                  #9
                  AW: [PL] Auf der Oder von Steinau a.d.O. nach Neusalz, Ostern 2019

                  Schöne Fotos, vielen Dank für den Bericht! Ich glaub ich muss dringend auch mal ne längere Paddeltour machen

                  (Ich wundere mich sowieso immer wieso ich nicht schon früher aufs Paddeln statt aufs Rudern gekommen bin. Beim Rudern auf Ruderwanderfahren etc. ist man beim Fahren eigentlich nie dazu gekommen, innezuhalten, die Natur zu genießen und Fotos von Tieren zu machen usw.)

                  Ich dachte übrigens auch "Es gibt Giraffen in Polen?"

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                  • blauloke

                    Lebt im Forum
                    • 22.08.2008
                    • 8477
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                    #10
                    AW: [PL] Auf der Oder von Steinau a.d.O. nach Neusalz, Ostern 2019

                    Danke für den schönen, ruhigen Bericht.
                    Es braucht keine Sensationen um einige gute Tage draußen zu verbringen.
                    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

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                    • Knuttchen
                      Anfänger im Forum
                      • 10.02.2013
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                      #11
                      AW: [PL] Auf der Oder von Steinau a.d.O. nach Neusalz, Ostern 2019

                      Ahoi Michael

                      Super ausführlicher Bericht mit vielen Links, super Aufnahmen, habe ihn sehr gerne gelesen und betrachtet.

                      (das schnelle Ansteigen des Pegels ist uns von Loire Weser Elbe bekannt, entsprechende Vorsicht hatte sich immer gelohnt)

                      danke , knuttchen

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                      • Spartaner
                        Alter Hase
                        • 24.01.2011
                        • 4872
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                        #12

                        Auf der Oder von Steinau bis Neusalz, 27.4.-1.5.2024

                        Das Erste-Mai-Wochenende bietet uns ausnahmsweise Gelegenheit für eine Tour über fünf Tage. Andrea, die im Schuldienst normalerweise keinen Urlaub außerhalb der Ferienzeiten nehmen kann, hat die zwei Tage vor dem ersten Mai ausnahmsweise frei (Pessach).

                        Das Wetter verspricht wie schon zu Ostern südöstlich von Berlin besonders warm und sonnig zu werden, und so plane ich wieder eine Tour auf der Oder.

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: meteogramGlogauK.png Ansichten: 0 Größe: 358,6 KB ID: 3257904

                        5 Jahre nach unserer Erstbefahrung möchten wir mal wieder auf den Abschnitt von Steinau nach Neusalz. Mit 97km in 5 Tagen ist die Paddelstrecke sehr gemütlich zu absolvieren.


                        Tag 1, 27.4.24, 🚗288km, 🥾2km, 🛶10km
                        Um ½11 tuckern wir los und sind nach 288km mit Einkaufsunterbrechung kurz vor 5 am Ziel in Steinau. Im Gegensatz zu der Fahrt vor fünf Jahren ging es diesmal noch einfacher auf zT neugebauten Schnellstraßen voran. Polen macht einfach riesen Fortschritte in kurzer Zeit.

                        Und auch hier in Steinau erwartet uns eine völlig neugebaute Marina. Ich hatte das beim Blick auf das Google-Satellitenbild bereits erwartet und wusste nur nicht, wie weit der Bau vorangeschritten sein wird. Tatsächlich handelt es sich noch um eine Baustelle, aber der größte Teil der Arbeiten ist bereits abgeschlossen.

                        Die Zufahrt ist eigentlich nur den Baufahrzeugen gestattet:
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20240427_180245_490.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,03 MB ID: 3257893

                        Wir gehen davon aus, dass am Samstagabend nicht gearbeitet wird und fahren auf die Baustelle vor. Hier sondieren wir erst einmal die Lage:
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20240427_180633_215.jpg Ansichten: 0 Größe: 836,4 KB ID: 3257900

                        Der Wasserstand der Oder ist viel höher als beim letzten Mal, vergleiche mit dieser Abbildung.

                        Die Marina ist fast völlig fertiggestellt, es liegen bereits Boote an den Stegen, und nur die Außenanlagen bzw Wege und Straßen sind noch fertig zu bauen:
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20240427_180519_461.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,05 MB ID: 3257894
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20240427_180623_416.jpg Ansichten: 0 Größe: 864,8 KB ID: 3257897
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9592R.jpg Ansichten: 0 Größe: 788,5 KB ID: 3257864

                        Wir fahren auf dem bereits asphaltierten Radweg bis zur Treppe und bauen dort das Boot auf:
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9591R.jpg Ansichten: 0 Größe: 935,2 KB ID: 3257859

                        Während Andrea bei Boot und Gepäck in der Marina bleibt, fahre ich das Auto wieder in ein Wohngebiet in der Stadt, um dort unauffällig zu parken:
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20240427_180741_922.jpg Ansichten: 0 Größe: 685,6 KB ID: 3257907
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20240427_182335_974.jpg Ansichten: 0 Größe: 769,4 KB ID: 3257906

                        Sie kommt dort mit dem Besitzer des Motorbootes ins Gespräch und erfährt, dass wir die allerersten Kanuten sind, die diese nagelneue Marina benutzen.

                        Kurz nach 6 bin ich wieder zurück im Hafen, wir bepacken das Boot und sind kurz vor ½7 auf dem Wasser.

                        Wie bereits berichtet, ist der Wasserstand diesmal auf normalem Niveau oder eher hoch einzuschätzen. Der Durchfluss liegt im Moment bei 133m³/s.
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Wasserstände3PegelK.png Ansichten: 0 Größe: 141,4 KB ID: 3257905

                        Die Fließgeschwindigkeit liegt bei 6 bis 7 km/h und zusammen mit dem Paddeln kommen wir mit 8 bis 11 km/h rasch vorwärts.

                        800 m nach dem Start passieren wir den amtlichen Stromkilometer 333:
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9593R.jpg Ansichten: 0 Größe: 989,0 KB ID: 3257862

                        Der fehlte noch in meiner Auflistung hier und ich habe ihn nachgetragen.

                        Nach kurzer Zeit bewegen wir uns abseits jeglicher Verkehrsgeräusche:
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20240427_184444.jpg Ansichten: 0 Größe: 593,1 KB ID: 3257891

                        Nach 7 km Fahrt beginnen wir mit der Zeltplatzsuche. Wir wissen bereits von vor 5 Jahren, dass diese hier rar gesät sind. Die wenigen guten Plätze sind jetzt am Samstagabend meistens bereits von Anglern belegt. So geht es uns auch an unserem ersten Übernachtungsplatz vor 5 Jahren. Aber 1½ Kilometer weiter und mit leicht zurückgeschraubten Ansprüchen, haben wir kurz unterhalb der Mündung der Iseritz/Jezierzyca schließlich Glück:
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9610R.jpg Ansichten: 0 Größe: 992,6 KB ID: 3257852

                        Tag 2, 28.4.24, 🛶31km

                        ¼11, abfahrbereit:
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9611R.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,08 MB ID: 3257866

                        Köben a.d.O./Chobienia:
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9613R.jpg Ansichten: 0 Größe: 692,8 KB ID: 3257853
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9616R.jpg Ansichten: 0 Größe: 894,8 KB ID: 3257854


                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9623R.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,21 MB ID: 3257856
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9624R.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,17 MB ID: 3257855

                        Ostwall-Bunker?:
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9625R.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,63 MB ID: 3257857
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9631R.jpg Ansichten: 0 Größe: 730,9 KB ID: 3257858

                        Pause:
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9633R.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,13 MB ID: 3257861

                        Freies Campieren am Oderufer:
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9634R.jpg Ansichten: 0 Größe: 589,9 KB ID: 3257860

                        Nur an wenigen Stellen findet man noch so schön von glücklichen Kühen kurz gefressene Ufervegetation:
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9637R.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,28 MB ID: 3257873
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9639R.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,34 MB ID: 3257863
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9643R.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,54 MB ID: 3257865

                        Lager und Sonnenuntergang auf Höhe von Karau/Karów:
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9649R.jpg Ansichten: 0 Größe: 707,7 KB ID: 3257875
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9653R.jpg Ansichten: 0 Größe: 797,4 KB ID: 3257867


                        Tag 3, 29.4.24, 🛶30km

                        Diesmal haben wir Glück mit einer gemähten Wiese:
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                        Zu deutscher Zeit fuhr hier eine Fähre.

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                        Uferansichten:
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                        Pause an einer Stelle mit Landzugang oberhalb von Glogau:
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                        Hier fehlt doch was?:
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20240429_151747_109.jpg Ansichten: 0 Größe: 871,2 KB ID: 3257901

                        Ja, der große Schornstein, welcher als auffällige Landmarke oberhalb von Glogau stand, ist weggeputzt worden, vgl. dieses Bild hier. Kein Dream Jump Głogów mehr.

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                        Einfahrt in den Stadthafen:
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                        In Glogau legen wir bei der “Gelben Welle” im Stadthafen an und ich gehe zum Lidl einkaufen.
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                        Während ich in der Stadt unterwegs bin, kommt der Hafenmeister bei Andrea vorbei und erkundigt sich nach dem Befinden. Es ist immer noch selten, dass Paddler aus Deutschland hier vorbeikommen.

                        Glogau war, wie bereits oben beschrieben, zu Kriegsende weitgehend zerstört und erst sehr viel später wieder aufgebaut worden. Das sind die der alten deutschen Architektur nachempfundenen Gebäude im Stadtkern:
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9727R.jpg Ansichten: 0 Größe: 702,5 KB ID: 3257898

                        An etlichen Stellen findet man historische Fotos im Stadtbild, die den direkten Vergleich zu heute zulassen:
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9729R.jpg Ansichten: 0 Größe: 953,8 KB ID: 3257899
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9730R.jpg Ansichten: 0 Größe: 836,9 KB ID: 3257886
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20240429_171721_295.jpg Ansichten: 0 Größe: 815,1 KB ID: 3257909
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20240429_171749_803.jpg Ansichten: 0 Größe: 946,8 KB ID: 3257902

                        Zurück am Stadthafen entdecke ich den offiziellen Zeltplatz für die Paddler:
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20240429_172116_717.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,23 MB ID: 3257903

                        Mich persönlich würde es da nicht hinziehen, so auf dem Präsentierteller. Gleich daneben, mir im Rücken, befindet sich ein belebtes Freiluftrestaurant am Ufer.

                        10km weiter legen wir an einer Buhne mit Landzugang an und schlagen das Lager auf. Gegenüber befindet sich die Kupferhütte:
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9749R.jpg Ansichten: 0 Größe: 837,1 KB ID: 3257890
                        Zuletzt geändert von Spartaner; 08.05.2024, 11:56.

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                        • Spartaner
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                          #13
                          Tag 4, 30.4.24, 🛶25km

                          Frühstück:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9753R.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,03 MB ID: 3257941
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9756R.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,39 MB ID: 3257940

                          Solche Brennnesselfluren finden sich oft am Oderufer:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9757R.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,74 MB ID: 3257938

                          Wenige Meter weiter findet sich die ideale Quelle für Künzi-Holz:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9758R.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,33 MB ID: 3257944

                          Die Anglerzufahrten sind der Garant dafür, überhaupt einen Campingplatz zu finden:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9759R.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,60 MB ID: 3257942

                          Allerdings lassen sich diese vom Wasser aus nur schlecht ausmachen.

                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9760R.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,67 MB ID: 3257939

                          Blick von unserer Buhne stromauf:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9763R.jpg Ansichten: 0 Größe: 734,8 KB ID: 3257945

                          … und stromab:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9761R.jpg Ansichten: 0 Größe: 799,5 KB ID: 3257943

                          Pünktlich um ½12 sind wir wieder auf dem Wasser:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9766R.jpg Ansichten: 0 Größe: 616,3 KB ID: 3257949

                          Weiterhin oft schöne Ufer mit Auwald:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9764R.jpg Ansichten: 0 Größe: 880,6 KB ID: 3257952
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9765R.jpg Ansichten: 0 Größe: 1.004,4 KB ID: 3257951
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9767R.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,34 MB ID: 3257946

                          Beuthen a.d.O./Bytom Odrzański kommt in Sicht:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9769R.jpg Ansichten: 0 Größe: 850,6 KB ID: 3257953
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                          Rechts der Rathausturm, in der Mitte der Turm der Stephanskirche und rechts der der Evangelischen Kirche.

                          Altes Gebäude und Reste der gesprengten Brücke an der Einfahrt zum Hafen:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9774R.jpg Ansichten: 0 Größe: 723,9 KB ID: 3257950

                          Gute Sliprampe, vielleicht auch Einsatzstelle für Faltboote:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9776R.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,03 MB ID: 3257954

                          Vor fünf Jahren sind wir an dieser hübschen Stadt vorbeigepaddelt. Den Besuch wollen wir heute nachholen.
                          Wir legen im Hafen an und ergänzen erst einmal unsere Wasservorräte. Den Angestellten der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung scheinen unsere 6 Liter nicht ausreichend zu sein und so schenken sie uns noch zweimal 1.5L Selterswasser mit und ohne Kohlensäure dazu.

                          Auch hier ist alles neu hergerichtet:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20240430_131941_653.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,13 MB ID: 3258014
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9783R.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,03 MB ID: 3257962
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9777R.jpg Ansichten: 0 Größe: 856,5 KB ID: 3257959

                          Wieder viele historische Fotos zum Vergeich:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9778R.jpg Ansichten: 0 Größe: 1.019,4 KB ID: 3257955
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20240430_132821.jpg Ansichten: 0 Größe: 849,0 KB ID: 3257998
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20240430_132844.jpg Ansichten: 0 Größe: 889,5 KB ID: 3258001
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20240430_132858.jpg Ansichten: 0 Größe: 896,5 KB ID: 3258002

                          Die Altstadt liegt hochwassersicher 20m hoch auf einem Hügel, Blick von oben auf Hafen und Oder:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9784R.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,19 MB ID: 3257961

                          Im Gegensatz zu Glogau wurde Beuthen im 2. Weltkrieg nur zur Hälfte zerstört. 1967 zerstörte ein Brand die Bürgerhäuser am Markt (Rynek), die nach 1970 wieder aufgebaut wurden. Mit Hilfe von EU Fördergeldern wurde in den letzten Jahren der größte Teil der Altstadt erneut instand gesetzt:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9785R.jpg Ansichten: 0 Größe: 719,6 KB ID: 3257960

                          Die 3. Phase der “Revitalisierung” scheint aber wie in vielen ostdeutschen Landstädtchen nur geringe Früchte getragen zu haben. Von Leben sieht man jedenfalls nicht allzuviel.

                          Markt:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20240430_134100.jpg Ansichten: 0 Größe: 996,2 KB ID: 3258003

                          Er wird zu den schönsten Märkten in Polen gezählt. Unter der Herrschaft der Habsburger erlebte die Stadt ab 1526 ihre Blütezeit – die größte erlebte sie in den Jahren 1580–1618, während der Herrschaft von Fabian und Georg von Schönaich.
                          Den Markt umgeben sorgfältig rekonstruierte stilgerechte Bürgerhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert (jedes mit einem anderen Verputz).

                          An der Westecke des Marktes erhebt sich das in den Jahren 1602 - 1609 erbaute Rathaus. Es ist mit einer historischen Decke, einem schönen steinernen Portal, einer reich verzierten Tür und einem hohen Turm ein Beispiel für die Spätrenaissance:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9789R.jpg Ansichten: 0 Größe: 832,9 KB ID: 3257957
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                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9794R.jpg Ansichten: 0 Größe: 833,4 KB ID: 3257964
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                          Das Denkmal auf dem Markt stellt den "Beuthener Kater" dar, der lt. Inschrift schon vier Jahrhunderte lang keinem Paddler die Hilfe versagt, der den Weg zum heimatlichen Boot nicht mehr findet
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9787R.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,24 MB ID: 3257956

                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9792R.jpg Ansichten: 0 Größe: 562,5 KB ID: 3257958
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                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9801R.jpg Ansichten: 0 Größe: 911,1 KB ID: 3257970

                          Das Innere der Stephanskirche, heute Kościół św. Hieronima:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9805R.jpg Ansichten: 0 Größe: 859,1 KB ID: 3257966

                          Links im Hintergrund der Rathausturm, in der Mitte die Stephanskirche, und rechts der Turm der evangelischen Kirche:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9807R.jpg Ansichten: 0 Größe: 796,3 KB ID: 3257971

                          Alte Sühnezeichen, die in die Ecken des katholischen Kirchturms eingemauert sind:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9809R.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,41 MB ID: 3257972
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9811R.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,32 MB ID: 3257980

                          Als Sühne musste ein Mörder so einen Stein selbst suchen, (teils über weite Entfernungen) zum Bauplatz rollen, dort behauen und die Tatwaffe einritzen. Machte (oder schaffte) er das nicht, fiel das Todesurteil.

                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9812R.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,01 MB ID: 3257977

                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9803R.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,06 MB ID: 3257965


                          Weiter gehen wir zur evangelischen Kirche. Gegenüber steht das große Pfarrhaus, und aus diesem kommt uns ein älterer Mann entgegen und grüßt uns. Er fragt nach dem woher und wohin, freut sich, dass wir hier paddelnd in die Stadt gekommen sind, und bietet uns eine Besichtigung des Inneren der evangelischen Kirche an. Da sagen wir nicht nein.

                          Diese Besichtigung artet zu einer vollen Führung aus. Natürlich verstehen wir nicht alles, was uns der Herr auf polnisch erzählt, aber Andrea versucht, mir das meiste zu übersetzen.

                          Unter anderem erwähnt er mehrfach den Pfarrer Erich Busse, der aus Dresden kommend hier zu Gast war.

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                          Erbaut wurde die evangelische Kirche 1741–1746 unter Verwendung der Mauern des ehemaligen protestantischen Schönaicher Gymnasiums aus der Spätrenaissance. Es handelt sich um eine Halle aus Backstein, die im Inneren von zweistöckigen Holzgalerien umgeben war. Neben der Kirche befindet sich ein neugotischer Turm, der 1846 hinzugefügt wurde. Jahrzehntelang stand das Gebäude nach dem Krieg leer und ungenutzt und war bereits stark im Verfall begriffen.

                          Im Jahr 2006 wurde es von der Archäologischen Stiftung von Zielona Góra erworben und in den allerletzten Jahren aufwendig restauriert. Anstelle einer Kirche wird der Bau aber umgewidmet und fungiert in Zukunft als historisches und kulturelles Zentrum “Schönaichianum”.

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                          In den Jahren 2018–2021 wurde das Gebäude der ehemaligen evangelischen Kirche renoviert, konserviert und für kulturelle Aktivitäten adaptiert. Der Riesenraum wurde durch zwei neue Betondecken in der vertikalen geteilt und damit die Geschossfläche verdreifacht.

                          Die Umsetzung des Projekts war dank der finanziellen Unterstützung der EU, des polnischen Staates, der Gemeinde Bytom Odrzański-Gemeinde und der Archäologischen Stiftung möglich geworden. Unser Führer betont besonders, dass die Stadt finanziell in Vorleistung getreten ist und das ein hohes Risiko darstellte, solange die EU-Gelder noch nicht bewilligt waren, was viele Jahre gedauert hat. Die Stadt ist mit ihren ~4000 Einwohnern nun nicht besonders finanzstark.

                          In Kürze wird die Einrichtung ein archäologisches Archiv, eine Bibliothek, eine regionale Museumskammer, einen “Inkubator für künstlerische Kreativität”, ein Konferenzzentrum sowie Werkstätten zur Metall- und Keramikkonservierung beherbergen. Der Kirchturm wird für Besichtigungen vorbereitet, mit interaktiven Tafeln und virtuellen Brillen zu einem historischen Stadtpanorama adaptiert. Außerdem wird eine E-Plattform für archäologische Stätten in der Woiwodschaft Lebus geschaffen.

                          Äußerlich ist der Bau bereits vollständig instand gesetzt, aber im Inneren wartet noch viel Arbeit:
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                          Nur wenige Reste des alten hölzernen Interieurs sind erhalten geblieben:
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                          In der obersten Etage werden 12 Hotelsuiten entstehen:
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                          Blick in eine Kopie der Chronik:
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                          In einem Nebenraum lagern exhumierte Skeletteile auf ihre Umbettung:
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                          Nach mehr als einer Stunde ist die Führung beendet und wir verabschieden uns von dem freundlichen Herrn. Wir schlendern noch einmal um den Marktplatz, kaufen ein bisschen ein und sind ¼5 zurück beim Boot.

                          Auf dem Wasser des Hafens dreht ein Paddelboot Runde um Runde:
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                          Wahrscheinlich probiert hier jemand sein nagelneues Luftboot aus.

                          Wir paddeln weiter und erreichen 4km weiter die Ruinen des Schlosses Carolath:
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                          Einen Kilometer weiter finden wir einen guten Zeltplatz am linken Oder-Ufer und beenden den Tag heute:
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                          Tag 5, 1.5.24, 🛶8km, 🥾3km, 🚗289km

                          Unser Zeltplatz am Morgen:
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                          Pünktlich zum ersten Mai ein Maikäfer:
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                          Das sind die einzigen Paddler, denen wir bisher auf der Oder begegnet sind:
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                          Am gegenüberliegenden Ufer ist die Insel erkennbar, die im Faltbootwiki als “ausgezeichnete Zeltstelle” gepriesen wird:
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                          Uns hat sie nicht überzeugt, vor allem wegen fehlendem Feuerholz.

                          Heute müssen wir nur 8km paddeln bis zum Ziel der Reise, Neusalz.
                          Bis dahin begleiten wieder überwiegend schöne Auwälder den Oder-Strom:
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                          Neusalz kommt in Sicht:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY9849R.jpg Ansichten: 0 Größe: 818,7 KB ID: 3258000

                          Unter der großen Bogenbrücke hindurch gelangt man zum Kanuklub, auf dessen Gelände wir vor 5 Jahren abgebaut haben:
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                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20240501_130546.jpg Ansichten: 0 Größe: 803,9 KB ID: 3258012

                          Heute allerdings ist hier eine größere Wettkampfveranstaltung im Gange. Wir kehren um und landen in der Marina direkt an der Oder an:
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                          Hier können wir ebenfalls geschützt abbauen. Danach schaue ich auf den Zugfahrplan:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: BahnNeusalzSteinau.png Ansichten: 0 Größe: 39,5 KB ID: 3258009

                          Wenn ich mich beeile, kann ich noch den nächsten Zug 14:32 ab Neusalz schaffen. Ich flitze also kurz nach 2 los zum Bahnhof. Ein paar Fotos von der Veranstaltung müssen aber sein:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20240501_140415_849.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,45 MB ID: 3258018
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                          Es handelt sich um die "Gesamtpolnische Pokalregatta 🏆🏆🏆🏆 des Bürgermeisters der Stadt Nowa Sól", ein sportlicher Wettbewerb, bei dem Kanu- und Kajakfahrer aus vielen Vereinen aus ganz Polen🛶🚣🛶🚣 🇵🇱 gegeneinander antreten (Filmeindrücke von der Veranstaltung).

                          Nachdem ich hier mit Fotos herumtrödele, setze ich mich danach im Laufschritt weiter in Richtung Bahnhof in Bewegung. Ich möchte keinesfalls zu spät kommen.

                          Doch noch mal ein Fotostop:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20240501_141556_239.jpg Ansichten: 0 Größe: 843,7 KB ID: 3258028

                          Eine ¼h vor der planmäßigen Abfahrt des Zuges stehe ich am Fahrkartenschalter. Dort wird gerade eine ältere Frau bedient, Typ Matrone, und die Abfertigung zieht sich hin. Eine jüngere steht ebenfalls noch vor mir. Die Alte bemerkt zu mir, dass der Zug nach Breslau nicht fahren wird, und lächelt dabei. Hmm, das wäre nicht schön. Dann müsste ich noch weitere 1½h bis zur Abfahrt des nächsten Zuges warten.

                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Screenshot_20240427-100717k.png Ansichten: 0 Größe: 106,4 KB ID: 3258029
                          Während dann die zweite Kundin abgefertigt wird, sagt mir der Schalterbeamte, Typ Hipster, nebenbei in gutem Englisch, dass der Zug tatsächlich nicht fährt, und dass auch kein weiterer Zug heute fahren wird. Ich solle morgen wiederkommen. Sie hätten heute große technische Probleme auf der Strecke, es fährt zZ nichts.

                          Das schockt mich dann doch etwas. Mein erster Gedanke ist, dann trampe ich eben. Aber die 81km lange Straßenverbindung nach Steinau ist trotz langem Schnellstraßenabschnitts nicht besonders einfach, man würde nur in mehreren Etappen vorwärts kommen und das kann lange dauern (Map).

                          Nun ja, da kann man nichts machen. Ich schreibe Andrea erst mal kurz die Lage und checke die Straßenverbindungen. Dann mache ich mich auf den Weg. Ich bin allerdings noch nicht einmal am Bahnhof vorbei gelaufen, da kommt mir der Gedanke, beim Fahrkartenschalter doch erst einmal nach weiteren Möglichkeiten zu fragen, bei denen ich mit dem Zug eventuell zu günstigeren Ausgangspunkten vorfahren könnte.

                          Ich schwenke also wieder auf den Bahnsteig ein. Wundern tue ich mich über einige Leute auf dem Nachbarbahnsteig, dem Bahnsteig Richtung Breslau, auf dem mein ausgefallener Zug gekommen wäre. Warten die auf einen Zug in eine andere Richtung?

                          Aber was ist das? Da fährt gerade auf diesem gegenüberliegenden Bahnsteig ein Zug ein, also erst einmal offenbar in meine Richtung! Ich flitze blitzschnell zum Fahrkartenschalter und frage, was das für ein Zug ist. Der Beamte zuckt aber nur mit den Schultern, ich solle selber nachschauen.

                          Das lasse ich mir nicht zweimal sagen. Ich stürze heraus auf den Bahnsteig und hätte jetzt die Möglichkeit, die Treppe in die Unterführung zu nehmen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass ich den Zug dann nicht mehr geschafft hätte. Also nehme ich den direkten Weg …. Ich fliege über die Gleise. Genauer kann ich das hier nicht ausführen, wegen Anzeige, ihr wisst schon.

                          Gerade will ich mich wieder hoch auf den Bahnsteig schwingen, da ertönt der Pfiff für die Abfahrt. Die Türen schließen sich. 10m muss ich rennen und schaffe es gerade noch so, die Faust in die sich schließende Tür zu stecken.

                          Die Tür öffnet sich wieder und ich steige ein. Kurz darauf setzt sich der Zug in Bewegung. Ich habe ganz vorne am anderen Ende des Zuges den Schaffner gesehen und mache mich auf den Weg. Aber schon nach ein paar Metern finde ich einen zweiten Schaffner, eine junge Frau. Ich frage zunächst etwas aufgeregt und außer Atem, wohin der Zug fahren wird. Als sie mir sagt, nach Breslau, wundere ich mich. Dann sage ich ihr, dass ich eigentlich nach Steinau möchte, und frage, ob der Zug zufällig auch da hält. Sie bejaht. Oh Gott, dann scheint ja alles gut zu werden, ich kann es kaum fassen. Ich frage sie, ob es irgendwelche technischen Probleme auf der Strecke gab oder gibt, aber sie weiß von nichts. Dann frage ich sie, ob sie mir ein Ticket verkaufen kann für die Strecke, und ja, auch das geht. Langsam beginnt mir zu dämmern, dass das hier der ganz normale fahrplanmäßige Zug nach Breslau ist. Sie fragt, ob ich älter als 60 Jahre alt bin, ich bejahe und ja, ich habe auch einen Ausweis dabei, der das belegen könnte. Sehen will sie ihn nicht. Ich bekomme also, erstmals im Leben, ein ermäßigtes Ticket wegen meines fortgeschrittenen Alters, muss aber noch einen Zuschlag von 8 Złoty wegen Lösen des Tickets im Zug bezahlen. Das kommt dann auf insgesamt 25.70 Złoty, 2 Złoty mehr als ich ohne Ermäßigung am Bahnhofsschalter bezahlt hätte. Die Bezahlung klappt mit Kreditkarte, ich hatte keinen einzigen Złoty in bar dabei.

                          Oh ja, was bin ich froh, dass das doch noch geklappt hat. Im Nachhinein frage ich mich aber schon, was den Schalterbeamten im Bahnhof Neusalz geritten hat. Ist das eine Art Challenge, Leute mit falschen Behauptungen derart zu ärgern?

                          Naja, Abenteuer ÖPNV mal wieder.

                          Der Rest ist easy. Ich laufe zum Auto, das steht noch in alter Pracht, tuckere zurück nach Neusalz, die Regattaveranstaltung ist bereits beendet und die Parkplatzsituation direkt vor der Marina wieder entspannt. Wir verpacken alles ins Auto und fahren zurück nach Berlin, wo wir gegen 22 Uhr ankommen.

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                          Alles in allem eine entspannte Reise, mit besonders interessanten Momenten an der nagelneuen Marina in Steinau, der Führung durch das werdende Schönaichianum, und natürlich der grotesken ÖPNV-Rückfahrt zum Auto.
                          Zuletzt geändert von Spartaner; 28.05.2024, 07:18.

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                          • transient73
                            Fuchs
                            • 04.10.2017
                            • 1020
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                            #14
                            Scheint eine tolle Tour, bei bestem Wetter, gewesen zu sein.
                            Glückwunsch.
                            Schöne Bilder von Natur und Kultur.

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