[DE] »I weiß ja net, wie hart Sie sind« – Schauriges und Schönes vom Westweg

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  • Voronwe
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    AW: [DE] »I weiß ja net, wie hart Sie sind« – Schauriges und Schönes vom Westweg

    Hallo

    bin heute auf diesen Wunderbaren Bericht gestoßen, als Link in Wafers Bericht über dem Westweg
    Es war ein Genuß ihn zu lesen, wahrscheinlich mehr als ihn bei Regen zu erwandern.

    ›Man denkt, man ist halbwegs trainiert, aber letztlich sind alle schneller als ich.‹
    Schön, daß ich nicht der einzige bin, der dieses Problem zu haben scheint. Irgentwie wird man dauernt überholt. (Vielleicht ist das auch nur ein Gefühl, man merkt eher, wenn man überholt wird, als wenn man überholt -> ein ähnliches Problem wie die Schlange an der Supermarktkasse).

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  • Igelstroem
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    AW: [DE] »I weiß ja net, wie hart Sie sind« – Schauriges und Schönes vom Westweg

    @Alf: Eine typische Mehrtagesroute ist allerdings ca. 100 km lang, das sind ungefähr 400 cm im Maßstab 1:25000, mal abgesehen davon, dass es dank der dramatischen Indolenz der Landesvermessungsämter ein ernsthaftes Problem ist, die benötigten Blätter für eine bestimmte Route zu ermitteln. Zumindest der UL-Gedanke könnte also leicht ins Hintertreffen geraten, wenn man sich auf diesen Maßstab kaprizieren wollte.

    @Prachttaucher: OT: Ich hab ja nur einen Schwarzweißdrucker. Und wenn man Ausdrucke zusätzlich mitnimmt, hantiert man mit verschiedenen Karten, die dann teilweise auch noch besonders nässeempfindlich sind.
    Denkbar wäre, dass man in einer leeren TK50 (oder besser TK25, mit den obigen Vorbehalten) einige OSM-Informationen mit Farbstiften einträgt. Ein bisschen skurril ist das natürlich schon. Denn rein informationstechnisch wäre es ja möglich, vorhandene Daten selektiv auszuspielen und auf geeignetes Papier zu drucken, also z.B. bei einem kommerziellen Anbieter eine individualisierte topographische Karte zu konfigurieren und dann entweder selbst zu drucken oder zu bestellen (mit Auswahl verschiedener Papierarten). Weil der Markt für diese Dienstleistung aber zu klein ist, sitzt man am Ende doch mit ganz klassischen Werkzeugen da und ›malt ein Bild‹.
    Dass ich das tatsächlich nicht tue, liegt eigentlich nur daran, dass eben einige Regionen in Mecklenburg durch die Karten des Klemmer-Verlags abgedeckt sind, die immerhin das Wegenetz weitgehend richtig abbilden und teilweise auch brauchbare Hinweise auf die Wandertauglichkeit des Weges liefern. In Gegenden, für die es keine solche Karte gibt (in meinen Reiseberichten zum Beispiel Stavenhagen – Jatznick), fehlen dann typischerweise auch gute OSM-Daten, weil dort eben wenig gewandert wird. Aber wenn ich die eben genannte Strecke noch einmal wandern müsste, würde ich jetzt tatsächlich die entsprechenden Blätter der TK50 kaufen und mal bei OSM gucken, welche Wege-Informationen sich eventuell noch sinnvoll von Hand eintragen lassen. Sich auf Screenshot-Ausdrucke zu verlassen, ist jedenfalls nervig, und sich auf eine Kompass-Karte zu verlassen, ist aus anderen Gründen ebenfalls nervig.



    Diese technischen Fragen sind aber eigentlich nicht das Zentrum der Diskussion, deshalb war das jetzt OT.

    Ich zitiere jetzt mal Prachttaucher aus dem Thread ›Foren zu Wandern in Deutschland‹:

    Zitat von Prachttaucher Beitrag anzeigen
    - Ich denke bei manchen Wegen : "da könntest Du eigentlich auch mit einem Traktor längsfahren". Ein Hinweis ist da, wenn ein Weg als geeignet für Rollstuhlfahrer eingestuft wird. Ich finde es natürlich toll, daß auch solche Wege geschaffen werden, aber zu Fuß ist das dann schon eine Überlegung wert.

    - Wenn ein Weg über ein längeres Stück schnurgerade verläuft (hatte ich z.B. neulich am Anfang vom Freudenthalweg). Das läßt sich allerdings leicht bei der Vorbereitung erkennen und wenn man seine persönliche Grenze in dem Punkt kennt, kann man gegensteuern. Generell finde ich Wege auf schmalen Pfaden, die häufig die Richtung ändern wesentlich schöner.
    Prachttaucher weist hier eigentlich auf bestimmte Wegequalitäten hin, die man meiner Meinung nach am ehesten gestaltpsychologisch beschreiben könnte.

    Der Weg tritt für uns als eine ›Figur‹ auf dem ›Grund‹ einer Landschaft in Erscheinung, etwa als gerade Schneise, die einen Wald oder eine Landschaftsformation durchschneidet, oder aber als ein Band, das sich an ein bewegtes Relief gleichsam anschmiegt, oder auch als sich eingrabende Rinne (und so weiter – die Formen stehen ja jedem Wanderer vor Augen). Das sind Qualitäten, die man durchaus beschreiben kann, aber man geht dabei sinnvollerweise von dem Ganzen der ›Figur‹ und ihrer Korrespondenz zum ›Grund‹ der Landschaft aus und nicht von bestimmten Sondermerkmalen, in die man dieses Ganze möglicherweise zerlegen könnte. Die ›Messung‹ von Sondermerkmalen ist wenig geeignet, diese Gestaltqualität eines Weges angemessen zu erfassen, und trotzdem handelt es sich bei dieser Gesamtgestalt ja um etwas, das tatsächlich da ist, etwa in der gleichen Weise, wie die Körperhaltung eines Menschen tatsächlich da ist und einen beschreibbaren Ausdrucksgehalt hat.






    In den Qualitätskriterien des deutschen Wanderinstituts kommt dergleichen zum Beispiel unter dem Titel ›Nahrelief‹ vor, aber damit wird eben nur versucht, das figurative Phänomen in messbare Parameter zu zerlegen. Das scheitert methodisch möglicherweise daran, dass das Ganze einer Figur – also eines bestimmten Weges in einer bestimmten Landschaft, der vom jeweiligen konkreten Standort des Wanderers aus gesehen wird – phänomenal etwas anderes ist als eine Summe bestimmter Einzeleigenschaften. Der prinzipiell mögliche Versuch, das Ganze der Figur in Einzelmerkmale aufzulösen, führt zu einer stets präzisierbaren, also quasi-unendlichen Reihe von Merkmalen, die dann auf eine andere konkrete Figur eben nicht mehr alle übertragbar sind. Konkret kann das zum Beispiel heißen: Ein bestimmter Weg kann in einer bestimmten Umgebung gerade deshalb interessant wirken, weil er schnurgerade ist, während es in anderer Umgebung gerade auf die Verschwenkung und auf das Sich-Schlängeln und Sich-Eingraben ankommen kann.







    Daran scheitert also die Messung. Für mich ist das allerdings nicht schlimm, denn ich habe ja als Wanderer keinen uneingeschränkten Optimierungsauftrag. Wenn ich an einer Verzweigung stehe, kann ich zwar fast immer angeben, welcher der beiden Wege mir jetzt unter dem Gestaltaspekt lieber wäre. Geografisches Streckenwandern erfordert aber genauso wie Fernwandern natürlich die Bereitschaft, gelegentlich auch den nicht-bevorzugten Weg zu wählen. Unabhängig davon wäre aber eine geschärfte Aufmerksamkeit für den Gestaltaspekt (hinsichtlich des Weges und hinsichtlich der Landschaftsformen) und eine Sprache, in der man dergleichen beschreiben und mitteilen kann, ein Gewinn für das Verstehen dessen, was man tut, wenn man wandert. Es geht also bei dieser ganzen gestalttheoretischen Überlegung um ein ›Verstehen dessen, was beim Wandern geschieht‹.

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  • Prachttaucher
    antwortet
    AW: [DE] »I weiß ja net, wie hart Sie sind« – Schauriges und Schönes vom Westweg

    Man kann ja zumindest zusätzlich zur topografischen Karte einen OSM-Ausdruck mitnehmen oder eben vor Ort gleich auf dem Navi bei Suche nach Alternativ-Wegen darauf achten, möglichst grün ggf. orange, wenig rot und kein schwarz zu nehmen (Reiterkarte). Sicherlich ist das etwas andereres, geht aber vielleicht in die Richtung.

    Setzt natürlich vorraus, daß es ausreichend OSM-Daten zu dem Gebiet gibt, was ja nicht immer gegeben ist.

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  • AlfBerlin
    antwortet
    AW: [DE] »I weiß ja net, wie hart Sie sind« – Schauriges und Schönes vom Westweg

    @Igelstroem: Danke für die ausführliche Darstellung Deines topographischen Wanderstils, den ich auch meistens verfolge. Und Deine Wunschkarte hätte ich auch gerne. Bei den Wanderkarten stört mich auch oft, dass die Wegequalität selten erkennbar ist. So täusche ich mich auch manchmal und halte eine in der Karte unscheinbar eingezeichnete Wegkreuzung anhand der Wegbeschaffenheit für eine dort markant eingezeichnete Kreuzung. Besonders schlimm bei Karten, wo nicht alle Wege eingezeichnet sind und wo Abzweigungen-Zählen deshalb eh wenig nützt. Für die Wegebeurteilung besser geeignet sind oft die Topographischen Karten 1:25000 der Landesvermessungsämter.

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  • Prachttaucher
    antwortet
    AW: [DE] »I weiß ja net, wie hart Sie sind« – Schauriges und Schönes vom Westweg

    Zitat von lina Beitrag anzeigen
    ....
    Und warum ich Prachttaucher erwähnte: Er bevorzugt eine bestimmte Wegbeschaffenheit (wenig Asphalt, lieber nicht so viele Umwege, ein erreichbarer Bahnhof am Tour-Ende (wenn ich mich richtig erinnere, bitte gerne ergänzen), die von den üblichen tourismuszielgruppengesteuerten Wegplanungen abweichen...
    Das mit den Umwegen eigentlich nicht so ganz. Wenn ich auf einem schönen Pfad laufen kann, darf der sich gerne schlängen und Umwege machen. Es geht mir ja nicht darum, mich so weit wie möglich vom Startpunkt meiner Wanderung zu entfernen sondern mehr um eine "schöne Wanderung". Das mit den Umwegen, war vielleicht in Zusammenhang mit der Wegeführung zu einer Sehenswürdigkeit gemeint, die ich vielleicht garnicht sehenswert finde ?

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  • Igelstroem
    antwortet
    AW: [DE] »I weiß ja net, wie hart Sie sind« – Schauriges und Schönes vom Westweg

    Zuerst etwas zu Prachttauchers Kriterien:

    In der Tat hat man bei Premiumwegen manchmal das Problem, dass sie um der Zertifizierung willen nach Kriterien geführt sind, die sich mit der Pragmatik des Streckenwanderns nicht ohne weiteres in Einklang bringen lassen. Es geht ja unter anderem um Erlebnisinszenierung. Die Wanderforschung (im Sinne Rainer Brämers) hat festgestellt, dass die modernen Wanderer sich x, y und z wünschen, also muss der Premiumweg so angelegt sein, dass x, y und z gewährleistet sind. Wenn man diesem Weg dann folgt, mäandriert man gleichsam auf Befehl der Zertifizierungsagentur.

    Prachttauchers ›Gegenvorschläge‹ leuchten ein, sind aber natürlich ebenfalls nutzergruppenspezifisch (nur in der Vermeidung von Asphalt sind sich alle einig). Für Bahnfahrer muss der Wanderweg möglichst die Bahnhöfe berühren, für Autofahrer wären Rundwanderwege am günstigsten. Es gibt also, wie mir scheint, kein schlechthin richtiges Konzept für markierte Wanderwege, und die gegenwärtige Praxis richtet sich nach den regionalen touristischen Interessen.

    Ich komme gleich noch mal auf Prachttauchers Kriterien zurück, muss aber vorher etwas weiter ausholen.

    Bei dem, was ich ›geografisches Wandern‹ nenne, geht der erste Blick auf die Landschaft als Topographie. Es ist also so, als würde man bei der Planung verschiedene Informationsebenen nacheinander auf der Karte einblenden können: zuerst Relief und Bodenbedeckung; anhand dessen entscheidet man grob, ob man jetzt z.B. dem stärker bewaldeten Moränenzug der Mecklenburgischen Seenplatte folgt oder lieber durch die Offenlandschaft des mecklenburgischen Rücklandes läuft. Im Schwarzwald genauso: Ich würde zuerst nach dem Verlauf der Kämme und Täler schauen und überlegen, wie man eine interessante Route in diese Topographie hineinkonstruieren kann.
    Zweitens blendet man dann das Wegenetz und die Bahnverbindungen ein und sucht eine ungefähre Route von einem A nach einem B; das ist das, was man z.B. bei komoot elektronisch machen kann.
    Drittens schaut man nach Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten (wenn man die braucht) und eventuell nach kulturell interessanten Punkten, die irgendwie an der Route liegen. Man modifiziert also die geografische Route anhand eines ungeografischen Kriteriums.
    Viertens schließlich schaut man, ob es bei dieser Route naheliegt, stückweise auf markierten Wanderwegen zu laufen, wenn man die Wahl zwischen verschiedenen Wegen hat. Dieses Kriterium kommt also ziemlich spät. Und zwar deshalb, weil die geografische Wahrnehmung der Landschaft das Primäre ist und dann als Nächstes unvermeidlich die pragmatischen Kriterien des Streckenwanderns (Anreise, Versorgung) ins Spiel kommen. Wenn man sich also für das geografische Wandern als Grundmodell entschieden hat, tritt der markierte Wanderweg automatisch in den Hintergrund und wird zu einem nachrangigen Instrument der Routenplanung.

    Zudem ist es so, dass man beim geografischen Wandern von A nach B eben auch ganz auf eine Detailplanung der Route verzichten kann. Die Richtung ist ja klar, außerdem ist auf der Karte das Wegenetz eingezeichnet und man kann sich gewisse Hypothesen über Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten bilden. Insofern könnte man sich alle paar Kilometer an den Verzweigungsstellen entscheiden, welchen Weg man nun als Nächstes nimmt. Die Route wird somit pfadabhängig, d.h. die Optionen, die ich an einer bestimmten Stelle habe, hängen davon ab, wie ich mich an der vorigen Verzweigung entschieden habe. Man schaut natürlich auf die Karte und legt vielleicht für einige Kilometer die Route fest (unter Berücksichtigung von Versorgungszielen und möglichen Übernachtungsarealen), aber weiter muss die Planung nicht unbedingt reichen.

    Was nun allerdings für diesen Zweck ein uneingeschränkt nützliches Instrument wäre, wäre eine Karte, die nach bestimmten ›schwachen‹ Kriterien (z.B.: kein Asphalt, kein Straßenlärm, akzeptabler bis guter Bodenbelag) eine Selektion des Wegenetzes vornimmt. Das heißt, aus dem gesamten Wegenetz werden alle Wege, die zum Wandern wirklich gut geeignet sind, gleichrangig hervorgehoben, und dieses Netz kann dann auf verschiedenen Routen durchlaufen werden, ohne dass man auf wirklich ungeeignete Wege gerät und ohne dass man einer ganz bestimmten Premiumroute folgen muss.

    In Mecklenburg wäre das gut möglich, weil man relativ leicht entscheiden kann, was hier ein guter Wanderweg ist und was nicht. Im Schwarzwald ist es vielleicht nicht ganz so einfach, weil nämlich strittig ist, ob eine Forststraße ein guter oder ein schlechter Wanderweg ist. Man könnte sich also auch eine Zwei-Farben-Darstellung vorstellen: eine Farbe für naturbelassene Wege und Single-Trails, eine andere für nichtasphaltierte, prinzipiell befahrbare und zugleich gut wanderbare Wege. Also eine Unterscheidung, die es bei OSM so ähnlich schon gibt, aber ich würde es eben als topographische Papierkarte brauchen, am besten ohne Rücksicht auf markierte Wanderwege. Es soll sozusagen eine topographisch-technische Wanderkarte sein.

    Das ist natürlich alles hypothetisch. Es soll nur erläutern, was eigentlich nützlich wäre, wenn Premiumwege und sonstige mundgerechte Produkte nicht nützlich sind. Die Frage, die lina gestellt hat, würde ich für mich also so beantworten: Solange es sich um einen als Gesamtroute gedachten Weg handelt, ist es für mich zu viel Vorgabe. Trotzdem könnte aus solchen Kriterien, wie Prachttaucher sie genannt hat, eine sinnvolle Wegeselektion hervorgehen, die ein sehr gutes Planungsinstrument wäre.

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  • lina
    antwortet
    AW: [DE] »I weiß ja net, wie hart Sie sind« – Schauriges und Schönes vom Westweg

    Nun – abgesprochen mit dem Reiseberichts-Autor – weitere Überlegungen zur Definition der jeweils selbst für als am besten befundenen Wanderstrecke. Ich schubse mal das Zitat, durch welches die Diskussion wieder aufflammte, hier her:

    Zitat von Igelstroem Beitrag anzeigen
    Bei der Wahl zwischen dem Projekt ›Ich will den Westweg gehen‹ und dem Projekt ›Ich will den Schwarzwald von Norden nach Süden durchqueren‹ würde ich, wenn ich genug Zeit hätte, heute das letztere interessanter finden. Das hätte unter anderem den angenehmen Effekt, dass man nicht durch die Innenstadt von Pforzheim laufen muss, hat aber ansonsten mit dem Heraussuchen von Sahnestücken gar nichts zu tun. Die metaphorische Botschaft dieses Projekts – wenn es eine Botschaft geben soll, worauf ich nicht bestehe – wäre die, dass sich das Leben ja auch nicht immer auf einem vorgezeichneten Weg abspielt.
    Darauf folgte meinerseits:

    Zitat von lina Beitrag anzeigen
    Würdest Du denn einen westlichen Weg durch den Schwarzwald, mit einer Wegführung für gut befunden nach den Kriterien von z.B. Prachttaucher, gehen?
    Diese Frage hat folgenden Grund:

    Da ich vorfabrizierte Wegplanungen von Tourismusexperten bei Radtouren ziemlich langweilig finde (großer rennradtauglicher Asphalt-Anteil für eine breiter angelegte Zielgruppe), und sie inzwischen allerhöchstens als Anhaltspunkt nehme, bin ich neugierig. Meine Kultur-Wünsche sind oft andere als die der Wegplaner (ehrlich gesagt beschränken sich erstere auch vorwiegend auf Bäume, Blätter, Zeltplätze und so (= vorwiegend Natur), weil ich Häuser und sonstiges Gerümpel sonst auch sehe, oder ich steuere sie extra zu je anderen Anlässen ("Kultur gucken") an). Komischerweise ist das beim E1 aber nicht so schlimm. Das könnte daran liegen, dass es ein historisch gewachsener Weg ist und kein Tourismus-Premium-Projekt?

    Und warum ich Prachttaucher erwähnte: Er bevorzugt eine bestimmte Wegbeschaffenheit (wenig Asphalt, lieber nicht so viele Umwege, ein erreichbarer Bahnhof am Tour-Ende (wenn ich mich richtig erinnere, bitte gerne ergänzen), die von den üblichen tourismuszielgruppengesteuerten Wegplanungen abweichen.

    Nun wüsste ich gerne von Igelstroem: Wäre so ein Weg für Dich ebenfalls noch zu viel Fremd-Vorplanung oder ok aufgrund einer größeren Übereinstimmung der Wegbeschaffenheit zum Beispiel?

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  • Vanille
    antwortet
    AW: [DE] »I weiß ja net, wie hart Sie sind« – Schauriges und Schönes vom Westweg

    Was für ein herrlicher Wanderbericht! Ich habe Tränen gelacht (kommt nur sehr selten vor beim Lesen am PC) und mich extra für diesen Kommentar hier angemeldet.

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  • geier
    antwortet
    AW: [DE] »I weiß ja net, wie hart Sie sind« – Schauriges und Schönes vom Westweg

    Hallo,

    die Hütte am Wildsee liegt zwar sehr günstig, ist aber zukünftig zum Übernachten nicht mehr geeignet.
    Der Wildsee ist mitten im neuen Nationalpark Nordschwarzwald. Das Übernachten im Wald ist damit logischerweise nicht mehr gestattet.

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  • stefN
    antwortet
    AW: [DE] »I weiß ja net, wie hart Sie sind« – Schauriges und Schönes vom Westweg

    Hallo Igelstroem,

    mir hat Dein Bericht auch sehr gut gefallen und er war letztlich die Inspiration, in der Woche vor Ostern auch ein paar Tage auf dem Westweg (Dobel bis Zuflucht) zu verbringen.
    Einen eigenen Bericht werde ich wohl nicht schreiben, aber ich möchte auf eine Sache aufmerksam machen , über die ich in den Westweg-Berichten hier im Forum nichts gelesen habe.

    Du warst ja mal auf der Suche nach einer Hütte in der Nähe der Darmstädter Hütte (wo ich die Wirtsleute bei meinem kurzen "Wasserflaschenauffüll- und Info-Aufenthalt" übrigens auch als super freundlich erlebt habe).

    Es gibt eine Hütte am Wildsee, der ja nicht weit von der Darmstädter Hütte entfernt ist und m. E. auf jeden Fall einen Abstecher wert ist.
    Man steigt über einen alpin anmutenden Pfad durch den Bannwald hinab, ab und zu unter und über umgefallene Bäume hinweg. Während oben der Wind ziemlich stark bläst, ist es unten am See nahezu windstill und sehr ruhig.
    Die Hütte liegt nur wenige Meter vom See entfernt. Sie hat an drei Seiten ausreichend breite Bänke - es passt eine normale Iso-Matte drauf. Es gibt an den Seitenwänden Fensteröffnungen, die man schließen kann.
    Man muss sich allerdings Wasser mitbringen, was ja in der Darmstädter Hütte zu bekommen ist.

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    Für mich war der Aufenthalt am See mit Übernachtung das atmosphärische Highlight meiner Tour. Ich musste beim Abstieg unwillkürlich an Stephen King's "Das Mädchen" denken ...

    Dann noch eine Kleinigkeit:
    Du schreibst, dass bei der Zuflucht eine Jugendherberge sei. Das war zumindest früher so. Jetzt ist das Gebäude "Natur und Sport Hotel". Sie bieten allerdings neben dem normalen Hotelbetrieb in einem Flügel auch noch vergünstigte Übernachtungen im Herbergsstil an. Das Zimmer für 45,00 € als Einzelwanderer oder 40,00 €/Pers. zu zweit.

    Vielen Dank für Deinen tollen Bericht!

    Grüße
    Stefan
    Zuletzt geändert von stefN; 21.04.2014, 07:29. Grund: Foto eingefügt.

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  • TrekkerT
    antwortet
    AW: [DE] »I weiß ja net, wie hart Sie sind« – Schauriges und Schönes vom Westweg

    Na dann viel Spaß unter der Dusche. Das wäre bestimmt auch ein Foto wert.
    Trekker T

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  • Igelstroem
    antwortet
    AW: [DE] »I weiß ja net, wie hart Sie sind« – Schauriges und Schönes vom Westweg

    Zitat von TrekkerT Beitrag anzeigen
    Der feuchte Schlafsack und der feuchte untere Bereich Deines Rucksacks wird mit Sicherheit auch ein Resultat der großen Öffnungen sein.

    Da bin ich nicht so sicher. Vielleicht teste ich das noch mal, indem ich damit unter die Dusche gehe (und dort Wanderbewegungen mache, damit hinterher nicht behauptet wird, der Test sei unrealistisch).

    Apropos: Wo sind eigentlich die ganzen Leser und Leserinnen, die im Februar nach meinem Trocknungstest
    http://www.outdoorseiten.net/forum/s...ght=Army-Hosen
    wissen wollten, wie sich das bei einer mehrtägigen Tour mit Dauerregen verhält?

    Ich habe jetzt, wie gesagt, die damals mitgetestete Flecktarnhose getragen. Der Stoff, das weiß ich aus dem urban rain research, zeigt so gut wie keinen Dochteffekt. Wo er nass wird, fühlt er sich sehr nass an, ohne dass sich die Feuchtigkeit weit ausbreitet. Auf dem Fahrrad trocknet die Hose im Wind erstaunlich schnell, mindestens 1,5-mal so schnell wie die Moleskin-Hose.

    Beim Wandern im Dauerregen tut man natürlich gut daran, eine Regenhose zu tragen. Die einmal durchnässte Hose würde sich unter den gesehenen Bedingungen nur dann trocknen lassen, wenn man sie anbehielte und der Regen rechtzeitig unterwegs aufhören würde. Darauf darf man sich natürlich nicht verlassen. Angenommen, man hätte eine Hose zum Wechseln dabei (was ich nicht hatte; dafür ist sie ja auch zu schwer): Dann würde man feststellen, dass die nasse Hose weder im kondensfeuchten Zelt noch in der offenen Schutzhütte bei Regenwetter und auch nicht in der geschlossenen Schutzhütte bei Kerzenheizung trockenzubekommen ist. Das ist aber relativ trivial, dafür muss man nicht unbedingt eine Tour machen. Jede vage Überschlagsrechnung zeigt, dass man die zum Trocknen ausgezogener nasser Kleidungsstücke gleich welcher Art erforderliche Luftfeuchtigkeit bzw. Lufttrockenheit bei regnerischem Wetter nur in einem effektiv beheizbaren Innenraum erreicht.

    Was geschieht unter der Regenhose? Wenn man sie während des Wanderns irgendwann auszieht, merkt man, dass man etwas geschwitzt hat und dass die Hose darunter leicht feucht ist. Aber eben nur leicht. Das heißt: Es hat beim Weiterlaufen mit dieser Hose ca. 5 bis 10 Minuten gedauert, bis man von diesem Effekt nichts mehr gemerkt hat. Das Gleiche gilt, wenn man die Hose ohne Regenhose einem kurzen Schauer ausgesetzt hat. Spezifisch für die Flecktarnhose ist dabei Folgendes: Man spürt bei Regen die Befeuchtung stärker als bei der Moleskinhose, d.h. man spürt sozusagen die einzelnen Regentropfen und hat das unangenehme Gefühl, schnell nass zu werden. Andererseits lässt sie sich aber unerwartet schnell wieder trockenlaufen.

    Die anderen Gründe, weshalb ich diese Hose auch in Zukunft beim Wandern tragen werde, sind schnell genannt: Sie ist hinreichend robust, ist nicht zu weit und nicht zu schwer, um sie im Schlafsack ggf. anzubehalten, die Seitentaschen sind für meine Zwecke ideal dimensioniert, ferner ist sie in der Anschaffung (gebraucht) äußerst billig.

    Was die Panik vor der optischen Außenwirkung angeht, ist festzuhalten, dass die militärischen Elemente des Outfits zwischen Forbach und Freiburg keinerlei signifikante Emotionen ausgelöst haben. Es ist in dieser Hinsicht auch ganz gleichgültig, ob man ein Vier-Sterne-Hotel in Kniebis, eine Buchhandlung in Hausach oder einen Imbiss am Mummelsee betritt; was man trägt, wird hier immer als irgendwie funktionelle Kleidung akzeptiert. Allenfalls wird der Hose ein Wiedererkennungswert zugeschrieben, wenn man sich nach zwei Tagen am Weg wiedertrifft.
    Zuletzt geändert von Igelstroem; 20.11.2013, 18:08.

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  • TrekkerT
    antwortet
    AW: [DE] »I weiß ja net, wie hart Sie sind« – Schauriges und Schönes vom Westweg

    Vielen Dank für das Foto, jetzt weiß ich wie provisorisch (aber doch effektiv) Deine Variante war. Als Verbesserung fällt mir spontan ein, ziwschen den Trägern den aufgeschnittenen Sack mit Tape wieder zu schließen, dann kommt noch weniger Wasser durch. (Aber man kommt auch noch weniger an den Inhalt des Rucksacks. )
    Der feuchte Schlafsack und der feuchte untere Bereich Deines Rucksacks wird mit Sicherheit auch ein Resultat der großen Öffnungen sein.

    @lina:
    Das ist ja auch eine sehr interessante Variante, den ausgedienten Schirm umzubauen. Ich bin am Überlegen, ob man nicht sogar aus einem wasserfesten Stoff den "Miniponcho" selber näht oder nähen lässt. Fixt vorn an den Schultergurten und hinten über den Rucksack hängend. Kein Wasser zwischen Rücken und Rucksack, man kommt schnell und gut an den Rucksack und ich kann in Regenhose und -jacke laufen. Klingt für mich perfekt. (da freue ich mich ja schon auf die nächste Tour im Dauerregen.)
    Mir fällt spontan mein Regenponcho ein, den ich ja eh nicht mehr benutze.
    Also vielen Dank an Euch Beide, für die beflügelnden Ideen. Vielleicht sind ja schon nächstes Jahr Fotos von meiner Umsetzung der "Ideenbündelung" auf unserer Seite zu sehen.

    Herzliche Grüße Trekker T

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  • lina
    antwortet
    AW: [DE] »I weiß ja net, wie hart Sie sind« – Schauriges und Schönes vom Westweg

    Ich habe neulich mal das Material eines kaputten Schirms genutzt. Metallgestänge natürlich raus – an den Spitzen ging das ganz gut, da es nur über das Gestänge gestülpte Plastik-Käppchen waren. Dann jeweils 2 Spitzen und den dahinter liegenden Stoff um die oberen Enden der Träger herumgeknotet. Die weiteren Spitzen ließen sich dann um den Rucksack herum ziehen und knoten, sodass das Ganze letztendlich ziemlich gut saß. Fällt natürlich unter "urban outdoor" (wo findet man sonst einfach so kaputte Schirme, aber da es auch noch stürmte, war die Auswahl sehr groß ), sah auch etwas merkwürdig aus, aber war effektiv regenabweisend

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  • Igelstroem
    antwortet
    AW: [DE] »I weiß ja net, wie hart Sie sind« – Schauriges und Schönes vom Westweg

    Hier mal ein Foto, damit das Ausmaß der Improvisation deutlich wird:





    Ich habe also nicht vier horizontale Schlitze gemacht, durch die ich dann fein säuberlich die Schultergurte durchgefädelt hätte. (Das würde auch dazu führen, dass man die Hülle kaum noch abnehmen könnte, es sei denn, sie wäre riesengroß.)

    Die erwähnten Schlitze sind vielmehr Längsschlitze bzw. klaffende Löcher. Wie man sieht, habe ich als Weiterreißschutz auch irgendwo ein bisschen Tape verklebt, aber je nach Material des Müllbeutels ist das entweder überflüssig oder es muss genauer und umfangreicher ausgeführt werden. Bei mir hat das im weiteren Verlauf eigentlich keine Rolle gespielt.

    Was mit dem Regenwasser zwischen Regenjacke und Rucksack geschieht, weiß ich offen gestanden nicht genau. Ich hatte vorher imaginiert, dass bei Dauerregen sicher irgendwann Wasser durch die Jacke gedrückt wird oder den Rucksack vom Rücken her durchnässt (oder beides). Ersteres ist überhaupt nicht vorgekommen, Letzteres hat sich sehr in Grenzen gehalten. Bei der Befeuchtung des Schlafsacks am dritten Tag habe ich angenommen, dass sie allein durch das Abstellen des Rucksacks auf sehr nassem Boden erfolgt ist, denn der Unterboden des Rucksacks war jedenfalls nass. Aber vielleicht hat es sich teilweise auch um Wasser gehandelt, das vom Rücken her einsickert. Dass das am Rücken ablaufende Wasser den Rucksack nirgends erreicht, ist ja bei der Müllbeutelkonstruktion kaum denkbar. Aber richtig viel Wasser war es eben im Verhältnis zur Regenmenge auch nicht. Deshalb habe ich es auch nicht genauer untersucht. Außer am dritten Tag war der Rucksack abends immer »so gut wie trocken«.

    Wenn man die Effektivität solcher Konstruktionen im Vorhinein untersuchen will, muss man damit vielleicht mal unter die Dusche gehen. Das habe ich nicht getan.

    Der Hüftgurt des Rucksacks tritt bei mir gar nicht als Hindernis in Erscheinung. Dass er ungepolstert ist, bedeutet ja praktisch, dass es sich nur um ein (sehr weit unten angenähtes) breites Gurtband mit Schnalle handelt, das bei Nichtbenutzung irgendwie zusammengeknotet wird und dann unter dem Rucksack ein bisschen herumbaumelt.

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  • TrekkerT
    antwortet
    AW: [DE] »I weiß ja net, wie hart Sie sind« – Schauriges und Schönes vom Westweg

    Hallo Igelstroem,

    es freut mich, dass Du das Thema Regenschutz für den Rucksack ausführlich beschrieben hast.
    Ich habe auch immer das Problem mit dem "feuchten Rucksack" wenn es so viel regnet. Meine "Jungs" laufen bei Regen immer mit Poncho, aber ich mag Ponchos irgendwie nicht so gern. Ich habe für mich die Variante Regenjacke und -hose gewählt, da habe ich das angenehmste Gefühl beim Laufen. ABER dadurch habe ich das Problem mit dem feuchten bis nassen Rucksack. Von aussen habe ich den Regenüberzug drüber aber der Regen, der auf meiner Regenjacke ziwschen Rücken und Rucksack herunter läuft, endet dann spätestens am Beckengurt und wird dann gern von meinem Rucksack aufgesogen. Und dadurch werden meine Klamotten im Rucksack nass. Habe jetzt schon mit einem zusätzlichen dünnen Sack im Rucksack gearbeitet. War schon deutlich besser, aber der Rucksack hat auf dauer trotzdem den Regen aufgesogen und damit auch an Gewicht zugenommen.
    Deine Variante mit der Tüte über den Sack steigert sicher nicht den Attraktivitätsfakor aber scheint eine gute Variante zu sein, oder? Wie hast Du das mit den Tragegurten gemacht? Hast Du Schlitze in den Sack geschnitten und die Schultergurte aus den Verbindungsschnallen gezogen und dann durch die Schlitze im Sack und wieder zurück in die Verbindungsschnallen???? (Ich hoffe, Du hast verstanden, was ich meine?! ) Da Du ja den Beckengurt nicht benutzt, hast Du den Sack sicher einfach nur über den Beckengrut gezogen, oder? Da sehe ich aber nicht so die Probleme, da würde ich auch einfach Schlitze in den Sack schneiden und den Beckengurt jeweils links und rechts durchziehen.

    Habe ich das jetzt bei den Schultergurten so richtig verstanden oder hast Du noch eine andere Variante?

    Trekker T

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  • Igelstroem
    antwortet
    AW: [DE] »I weiß ja net, wie hart Sie sind« – Schauriges und Schönes vom Westweg

    Na ja, der Biwaksack war nahezu überflüssig. Man wäre bei dem gleichen Übernachtungsverhalten auch ohne ihn ausgekommen. Aber dabei ist vorausgesetzt, dass man Hütten findet, dass es in die Hütten nicht hineinregnet und dass man sich keine anderen Optionen offenhalten will. Das weiß man vielleicht vorher nicht, und die ersten beiden Bedingungen sind jedenfalls auch nicht in allen deutschen Wandergegenden gegeben. Insofern würde ich sagen: Zelt oder Biwaksack und nur unter besonderen Bedingungen keins von beidem. (Natürlich muss ein Biwaksack nicht unbedingt 800 g wiegen.) Falls man sich aber auf die Hütten verlässt und auf den Biwaksack verzichtet, sollte man in der Tat ein Groundsheet mitnehmen.

    Zum Rucksack: Nein, ich hatte keinen Bagliner. Die gerollte Isomatte und der Biwaksack stecken ja eh noch in irgendwelchen, wenn auch nicht wasserdichten Packsäcken, und die Gegenstände in den Seitentaschen sind zum Teil in Ziplocs verpackt. Und die Mülltüte als Regenhülle ist nun einmal dicht. Der Rucksack ist also von oben nicht nass geworden. Der worst case wäre, dass die Hülle bald zerreißt, weil man ja bereits Schlitze für die Träger hineingeschnitten hat und dann auch noch die Hülle häufig abzieht. Für diesen Fall, der nicht eingetreten ist, hatte ich auch noch einen zweiten Müllbeutel dabei, den man prinzipiell auch gleich als Liner hätte einsetzen können, aber daran habe ich unterwegs nicht gedacht. Ich würde übrigens bei dem äußeren Überzug das nicht dehnbare Knistermaterial weiterhin vorziehen, weil ich es für reißfester halte. Muss mich mal wieder im Baumarkt umsehen.
    Ob es praktischer ist, den Müllsack von vornherein als Liner einzusetzen, weiß ich nicht. Ich hätte Bedenken, dass sich dann bei starkem Regen der Rucksackstoff maximal vollsaugt und dadurch schwerer wird; ferner weiß ich nicht, ob ein quasi wasserdampfdichter Einschluss der Ausrüstung und Kleidung in der Haupttasche wirklich eine gute Idee ist.

    Die Kleidung war keineswegs dauerfeucht. Sie würde vielleicht dauerfeucht werden, wenn die Regenkleidung undicht wäre, aber das war ja nicht der Fall. Leicht feuchte Kleidung trocknet ja leidlich am Körper beim Gehen oder auch beim Sitzen im Restaurant. Außerdem habe ich nach den Tagen 4, 6 und 7 in festen Häusern geschlafen; auf dem Brend habe ich auch Wäsche (im Waschbecken) gewaschen und auf dem Zimmer getrocknet.
    Wenn man mehrere Nächte im Freien oder in Hütten verbringt und die Luftfeuchtigkeit bei 95 % liegt, ist die Kleidung natürlich nicht mehr schranktrocken, sondern leicht klamm. Aber solange sie nicht wirklich nass wird, ist das ja kein Problem. Nur zweimal sind Kleidungsstücke unterwegs nass geworden: die Hose ein bisschen auf dem Schliffkopf – sie war aber nach zwei Stunden Aufenthalt im Hotel wieder trocken; das eine T-Shirt beim Aufstieg zum Farrenkopf durch Schweiß – das habe ich erst am nächsten Tag auf dem Brend wieder getrocknet.
    Was freilich unterwegs kaum mehr richtig trocken wird, ist die Regenkleidung. Sie saugt ja etwas Nässe auf. Wenn der Regen aufhört, lässt man sie meistens noch eine Viertelstunde antrocknen, bevor man sich traut, sie auszuziehen. Dann kommt sie noch ziemlich klamm (aber nicht triefend) in den Rucksack, oft in die Seitentaschen, ohne dort Schäden anzurichten. Wenn man sie nach einer Stunde wieder anziehen muss, ist sie folglich immer noch klamm und fühlt sich beim Anziehen weich und kühl an. In den Hütten habe ich immer beide Teile so gut es ging ausgelegt oder aufgehängt; morgens waren sie dann etwas weniger feucht als abends, aber keineswegs richtig trocken. Das habe ich aber auch nicht anders erwartet. Als Alltagsradfahrer kennt man ja die Materialeigenschaften seiner Regenkleidung.



    Habe ich noch etwas vergessen?

    Beim Schlafen im Freien oder in einer Schutzhütte brauche ich unterhalb von 10-12 °C unbedingt eine Sturmhaube. Bei den gegebenen Temperaturen genügte aber ein ziemlich dünnes Baumwollteil (vor vielen Jahren beim lokalen Revolutionsbedarf M-99 gekauft).
    Zuletzt geändert von Igelstroem; 19.11.2013, 18:21.

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  • benett
    antwortet
    AW: [DE] »I weiß ja net, wie hart Sie sind« – Schauriges und Schönes vom Westweg

    Wow, Danke, so ausführlich hatte ich mir das gar nicht erhofft!
    Wenn ich nochmal so frech sein darf: Würdest du im nachhinein sagen, der Biwaksack war sinnvoll? Oder hätte irgendein Groundsheet auch gereicht?
    Hab ich beim Rucksack richtig verstanden, du hattest keinen Bagliner, sondern nur die Mülltüte als Überzug und dann noch die Tüte für den Schlafsack?
    Stell ich mir das bei den Klamotten richtig vor, dass ab dem 2.-3. Tag alles mehr oder weniger dauerfeucht war, oder hast du das Zeug noch trocken bekommen?

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  • Igelstroem
    antwortet
    AW: [DE] »I weiß ja net, wie hart Sie sind« – Schauriges und Schönes vom Westweg

    Kann ich machen.


    (1) Transport:

    Der verschiedentlich auf den Bildern zu sehende Rucksack ist ein Berghaus Centurio 45 mit Seitentaschen (45+10+10=65). Er hat einen ungepolsterten Hüftgurt, den ich gar nicht verwende. Der Rucksack wird also bei mir wie ein Tornister getragen. Ich empfehle das nicht zur Nachahmung, aber bei mir funktioniert es gut. Die Schultergurte sind anatomisch geformt, der entsprechend kurze Brustgurt wird immer geschlossen.

    Eigengewicht des Rucksacks mit Seitentaschen ca. 1900 Gramm, Tragegewicht bei mir ca. 9 kg ohne Proviant und Wasser, also ca. 12 kg incl. Proviant und Wasser.

    Schlafsack, Isomatte, Biwaksack und Kleidung sind normalerweise in der Haupttasche verpackt; obendrauf, quasi am Nacken, kommt noch die Nalgene-Oasis-Flasche. Ansonsten sollte nichts Druckempfindliches in der Haupttasche sein, so dass der Rucksack in der Pause bei trockenem Wetter als Sitz verwendet werden kann.

    Die übrigen Ausrüstungsgegenstände, der Proviant und eine zweite, kleinere Wasserflasche verteilen sich auf die beiden Seitentaschen und die Deckeltasche. Die Seitentaschen sind nicht voll, sondern nur zu etwa zwei Dritteln gefüllt. Das hat den Vorteil, dass eventuelles Ungleichgewicht durch Umpacken von Einzelteilen leicht ausgeglichen werden kann und das Einpacken ziemlich schnell geht.

    Gürteltaschen für Wasser und Proviant, wie früher mal geplant, verwende ich nicht mehr, weil sich das als ergonomisch ungünstig herausgestellt hat.

    Allerdings sind die Seitentaschen der Bundeswehr-Flecktarnhose gut gefüllt: Karte, Kompass, Handy, evtl. kleine Menge Proviant (Nüsse), Notizbuch und Bleistift in kleinem Ziploc-Beutel. [Edit: Und die Kompaktkamera, nicht zu vergessen. Die muss in einer der Seitentaschen der Hose mitgeführt werden und entsprechend klein sein; sonst würde ich mir zumal bei schlechtem Wetter nicht die Mühe machen, sie an jeder Ecke herauszuholen.]


    (2) Schlafsystem:

    Der Schlafsack ist ein Snugpak Softie 9 Hawk: Kunstfaser, 1580 Gramm, relativ weit geschnitten, gut komprimierbar und daher annehmbares Packmaß. Kaum verringerte Wärmeleistung bei etwas Feuchtigkeit – das war die eine Erfahrung. Andererseits entspricht die Wärmeleistung nicht der Herstellerangabe – das war die andere Erfahrung. Der Hersteller gibt –5 °C als Komfortgrenze an. Das gilt aber wohl nur, wenn man zu zweit und mit Klamotten im Zelt schläft. Ansonsten endet bei mir der Komfort ungefähr bei +5 °C. Dabei ist zu bedenken, dass ich ohne Kocher unterwegs bin und daher abends keine warme Mahlzeit und auch sonst nichts Warmes zu mir nehme.

    Laminat-Biwaksack der britischen Armee in Tarnmuster, ziemlich großzügig geschnitten, wiegt aber 800 Gramm. Die zusätzliche Wärmeleistung ist gering, nicht mehr als zwei bis drei Grad. Die Isomatte habe ich mit hineingelegt. So war das auch gedacht: als Schutz für Isomatte und Schlafsack beim Schlafen auf Naturböden und in der Hütte, und um das Herunterrollen von der Isomatte zu vermeiden. Ferner als atmungsaktiver Regenschutz bei nachts einsetzendem Regen, falls ich draußen ohne Tarp schlafe oder das Tarp als Regenschutz nicht ausreicht. Dazu ist es aber nicht gekommen (habe ja in Hütten geschlafen), und insofern ist auch die Wasserdichtigkeit nicht getestet worden.

    (Ich besitze außerdem einen in früherem Bericht zu sehenden abspannbaren Biwaksack mit Gestängebogen und Moskitonetz. Den habe ich diesmal nicht mitgenommen, weil er 300 g schwerer ist, weil ich mich auf das Vorhandensein von Hütten verlassen habe und weil das Moskitonetz im September nicht gebraucht wird und eher stören würde.)

    Nennenswerte Probleme mit Kondens in dem britischen Biwaksack hatte ich nicht.

    Ferner hatte ich ein kleines Tarp dabei (BE-X Tarp Pocket II, 145x240 cm, 280 g). Es war für den Fall gedacht, dass ich keine Hütte finde, und entsprechend mit Schnüren zum Abspannen zwischen zwei Bäumen ausgestattet. Habe das aber so nicht verwendet und unklugerweise auch nie ausprobiert.

    Isomatte: TAR Trail Lite Regular; selbstaufblasend, 3,8 cm dick, aber auch 780 g schwer. Den Komfort brauche ich als Seitenschläfer schon (2,5 cm reichen mir erfahrungsgemäß nicht), insbesondere wenn ich mir die Bodenbeschaffenheit nicht aussuchen kann. Zweimal habe ich auf Steinplatten geschlafen, einmal auf Schotter, zweimal auf Holzdielen. (Eventuell könnte man in Zukunft mit einer TAR Prolite Plus Short auskommen, wenn man die Seitentaschen vom Rucksack abzippt und die Haupttasche (die dann nur noch Wechselklamotten enthält) unter die Füße legt.)


    (3) Regenschutz:

    Die Regenjacke war eine Cox Swain Helki Funktionsregenjacke (470 g), also kein Edelprodukt, aber sie war dicht. Auch an den Rucksackgurten ist nichts durchgekommen. Lediglich die Ärmelbündchen saugen sich eventuell irgendwann voll. Die Wasserdampfdurchlässigkeit hält sich in Grenzen (5000 irgendwas), das war aber beim Wandern zumindest bei diesen Temperaturen (5-15 °C) keine auffällige Belastung.

    Die Jeantex-Regenhose (320 g) ist 10-15 Jahre alt, zeigt keinerlei Abperl-Effekt mehr, ist aber ebenfalls leidlich dicht. Am dritten Tag ist im Starkregen etwas Wasser irgendwo eingesickert, so dass die Flecktarnhose ein paar feuchte Flecken hatte, aber keineswegs regelrecht durchnässt war.

    Als Rucksack-Regenhülle habe ich eine Mülltüte verwendet (30 g), die ihre Funktion erfüllt hat. Sie erschwert freilich den Zugang zum Rucksack erheblich, d.h. sie muss jedes Mal mehr oder weniger weit nach oben abgezogen oder abgerollt werden, wenn man etwas aus dem Rucksack herausholen will. Ein normales Raincover passt nicht besonders gut auf die Rucksackform; im schlimmsten Fall bildet sich am unteren Ende des Raincovers ein Sack, in den Wasser hineinlaufen kann. Andererseits bleibt bei der Verwendung des Baumarkt-Müllsacks der Boden des Rucksacks ungeschützt, wenn man ihn abstellt. Das kann bei nassem Wetter zur Durchfeuchtung des Rucksacks am unteren Ende führen, wie ich es erlebt habe. Der dort positionierte Schlafsack sollte also separat wasserdicht verpackt sein. Zu diesem Zweck habe ich aus der Haaghütte einen kaputten, aber sauberen ›Gelben Sack‹ mitgenommen, in den ich den Schlafsack an den Folgetagen eingeknotet habe.


    (4) Kleidung:

    Die Flecktarnhose hat sich insoweit bewährt, als sie eben hinreichend robust ist, eventuelle Flecken wenig auffallen und die Seitentaschen etwas größer sind als bei älteren Bundeswehrhosen; deshalb passen die topographischen Karten gut hinein. Ich habe diesmal die Hose im Schlafsack anbehalten, damit ich morgens nicht in eine klamme Hose steigen muss. Natürlich müssen dann abends die Seitentaschen ausgeräumt und muss der Inhalt irgendwie geordnet in der Hütte oder im Rucksack abgelegt werden. Im Freien würde man eventuell zusätzliche Ziploc-Beutel benötigen, um Ordnung zu halten.

    Als erste Bekleidungsschicht hatte ich drei verschiedene schwarze Kunstfaser-T-Shirts dabei, alle mit kurzem Arm:
    (a) ein Under-Armour-Kompressionsshirt für heiße Tage (allerdings groß genug gewählt, dass es nur gut sitzt und nicht komprimiert); das habe ich letztlich nur in den Innenräumen der Wanderheime sowie auf der Rückfahrt getragen;
    (b) ein Micromodal-T-Shirt (Mey), das immerhin schneller trocknet als Baumwolle, aber nicht so schnell wie Polyester. Angenehme Trageeigenschaften, aber dieses T-Shirt habe ich beim Aufstieg zum Farrenkopf unter dem Powerstretch-Hoodie so durchgeschwitzt, dass es bis zum nächsten Morgen in der Hütte nicht getrocknet ist;
    (c) ein relativ warmes Odlo-T-Shirt, das sich funktionell bewährt hat, auch wenn es nicht ganz so gut sitzt wie die beiden anderen. Zeitweise habe ich (b) und (c) übereinander getragen. Mit (a) geht das nicht so gut, weil (a) eine kühlende Wirkung hat, die sich auch dann noch bemerkbar macht, wenn man etwas Warmes darüber trägt; (a) ist also als unterste von mehreren Schichten ungeeignet.

    Merino-Unterwäsche besitze ich zwar, kann ich aber leider als erste Schicht nicht tragen, weil es bei mir stark kratzt (obwohl ich sonst an Wolle als zweite oder dritte Schicht über Baumwolle gewöhnt bin).

    Zweite Bekleidungsschicht ist ein Mountain Equipment Powerstretch-Hoodie, das sich jedenfalls eignet (und ich wüsste im Moment auch keine Alternative); man muss aber wissen, dass es keineswegs winddicht ist. Beim Aufstieg zum Farrenkopf habe ich die T-Shirts (b) und (c) darunter getragen und wollte das Hoodie nicht ausziehen, weil es kalt und windig war. Regenjacke wäre zu schweißtreibend gewesen, T-Shirts allein schienen mir zu kalt. Der Effekt war, dass ich eben das unterste T-Shirt nassgeschwitzt habe, das zweite war noch einigermaßen trocken. Nur T-Shirt in Verbindung mit der Regenjacke (wie manchmal an den anderen Tagen bei Regen) wäre womöglich die bessere Wahl gewesen, aber das lässt sich jetzt nicht mehr nachprüfen.

    Dritte Bekleidungsschicht war ein britischer Armeepullover, reine Wolle, sehr gut sitzend, ca. 600 Gramm. Den habe ich dann bei Kälte unterwegs und häufig abends über dem Hoodie getragen. Solange man keine großen Aufstiege zu bewältigen hat, ist die Kombination aus T-Shirt, Hoodie, Pullover und evtl. dünnen Handschuhen ganz angenehm. Die Winddichtigkeit hat bei den gegebenen Temperaturen ausgereicht, solange ich in Bewegung war.

    Schuhe: Meindl Badile (Vollleder, zwiegenäht); als Socken Polypropylen-Unterziehsocken (Rohner) und dicke Meindl-Kniestrümpfe. Die Stiefel waren ab dem dritten Tag auch innen etwas feucht, aber nicht so sehr, dass ich es an den Füßen gespürt hätte. Ich habe es erst bemerkt, als ich abends hineingefasst habe. Die Kniestrümpfe waren nicht feuchter als wenn man im Sommer darin normal geschwitzt hätte. Blasen hat es nicht gegeben; allerdings sollte man wohl die Unterziehsocken bei einer mehrtägigen Tour rechtzeitig waschen oder wechseln, sonst hat man nicht mehr den gewünschten Effekt (den Fuß trockenzuhalten und vor Reibung zu schützen).
    Wie immer man das findet – ich habe jedenfalls die Socken beim Schlafen im Schlafsack anbehalten, hatte auch keine anderen zu diesem Zweck mitgenommen.
    Die Regenhose ist hinreichend lang, dass sie auch bei geschlossenem Reißverschluss nicht über den Schaft der Stiefel hochrutscht. Es ist also auch bei starkem Regen kein Wasser von oben in die Stiefel hineingelaufen; ganz sicher war ich mir da vorher nicht.
    Die Stiefel trocknen in der Schutzhütte während der Nacht natürlich nicht. Soweit es in den Hütten Zeitungspapier zum Feuermachen gab, habe ich damit die Schuhe ausgestopft, was immerhin einen gewissen Effekt hat.
    Zuletzt geändert von Igelstroem; 21.11.2013, 15:14.

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  • benett
    antwortet
    AW: [DE] »I weiß ja net, wie hart Sie sind« – Schauriges und Schönes vom Westweg

    Kannst du bitte noch ein bisschen was zu deiner Ausrüstung sagen und wie sie sich bei dem Wetter geschlagen hat?
    Zuletzt geändert von benett; 17.11.2013, 01:07.

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