[DE] 16 Summits + Fotos

Einklappen

Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • MichaelL
    Gerne im Forum
    • 23.12.2003
    • 89

    • Meine Reisen

    [DE] 16 Summits + Fotos

    Tourentyp
    Lat
    Lon
    Mitreisende
    Irgendwann im Dezember 2003 sitzen wir bei einem Weizen und einer Pizza im kleinen Ort Poppenhausen
    beisammen und freuen uns über unsere alpinistische Glanztat, einer Winterbegehung der Wasserkuppe,
    immerhin Hessens höchstem Gipfel. Nicht das wir vom Gipfel heute viel gehabt hätten, die Verhältnisse
    waren mehr als widrig, aber spaßig war es allemal und nach und nach fragen wir uns, wie man so etwas
    wohl noch steigern könnte. Wir gehen die einzelnen Bundesländer durch, versuchen den jeweils höchsten
    Punkt zu benennen (was sich bei Ländern wie Bremen oder Hamburg einigermaßen schwierig gestaltet)
    und kommen nach und nach zu der Erkenntnis, das es eine ganz interessante Angelegenheit sein dürfte,
    diese mal alle abzuklappern. Wir vermuten, das es noch nicht allzu viele Leute gibt, die diese 16
    Gipfel bestiegen haben, die meisten haben ja schon alle Hände voll zu tun, die vergleichsweise
    übersichtliche Sammlung der 7 Summits zu absolvieren. Nachdem wir uns alle von der Sinnhaftigkeit
    dieser Idee überzeugt haben (der eine oder andere brauchte dafür ein Weizen mehr), wird 2004
    kurzerhand zu dem Jahr erklärt, wo wir unsere 16 Summits-Aktion durchziehen werden. Einige Tage später
    bündeln wir uns ein paar Termine, fassen das eine oder andere Bundesland zu geografisch
    zusammengehörigen Einheiten zusammen und beginnen mit der Recherche, wo zum Teufel denn die jeweils
    höchsten Punkte eigentlich sind.



    Summit 1: Nordrhein-Westfalen

    Datum : 28.02.2004
    Gipfel : Langenberg (843,0), Kahler Asten (841,0)
    Wetter : Winterlich

    Am Freitagabend treffen Christelle und ich im Zielgebiet ein, einer kleinen Pension in der Straße mit
    dem wunderschönen Namen „Bierloch“. Mittlerweile mache ich mich mir arge Sorgen, wie ich der Wirtin
    verkaufen soll, das die anderen beiden Personen ein paar Probleme mit der Anreise haben und eventuell
    nun doch nicht kommen werden. Die Wirtin hält sich nicht gerade zurück und betont bei jeder sich
    bietenden Gelegenheit, dass sie mit unserer Reservierung für nur eine Nacht nicht so glücklich ist und
    sie die Zimmer eigentlich viel wirtschaftlicher hätte vermieten können. Irgendwann trifft die
    Nachricht ein, das Dani + Tom sich jetzt tatsächlich auf die Reise gemacht haben und obwohl sie
    einige aufwendige Ehrenrunden einlegen, treffen sie dann doch irgendwann im Basislager ein. Wir
    gönnen uns noch ein Bierchen, sprechen die grobe Route durch und gehen dann zu Bett. Wir würden
    morgen auf augwendige Manöver verzichten, direkt von der Pension aus loslaufen, Kahlen Asten und
    Langenberg überschreiten und dann unser Schicksal in Gottes Hände geben und darauf hoffen, das wir
    irgendeinen Bus oder irgendein Taxi ergattern können, das uns ins Basislager zurückbringt. Das Wetter
    ist der Jahreszeit entsprechend winterlich und als wir am nächsten Morgen losmarschieren befinden
    wir uns bald im Schnee. Wir hatten uns vorgenommen, im Wesentlichen dem Rothaarsteig zu folgen, der
    beide Gipfel tangiert. Unser Vorhaben wir aber bald etwas abgeschwächt, der Steig ist in dieser
    Schneelandschaft nicht immer einfach zu finden und da wir heute durchaus ein ziemliches Pensum vor
    uns haben, wäre es kein guter Anfang bereits jetzt an jeder kleinen Kreuzung ein aufwendiges
    Navigationsmanöver durchzuführen oder womöglich gar auf den falschen Weg zu geraten. So praktizieren
    wir heute den Freestyle, suchen uns den Weg, den wir gerade für richtig halten, überschreiten den
    Kahlen Asten und latschen kurz darauf mitten durchs sauerländische Skigebiet. Irgendwelche
    geografisch nicht auf den Kopf gefallenen Besserwisser werden jetzt vielleicht verwundert den Kopf
    schütteln und sich die Frage stellen, was wir eigentlich auf dem Kahlen Asten zu suchen haben, der
    höchste Berg von NRW ist doch eindeutig der Langenberg. Es gibt aber zwei gute Gründe, die den Umweg
    über den Kahlen Asten begründen können. Zum einen ergibt sich auf diese Weise eine viel
    interessantere und lohnendere Wanderung und zweitens kann ich mich erinnern, auf irgendeiner
    unbedeutenden Internetseite eine Diskussion darüber gelesen zu haben, ob denn der Langenberg wirklich
    als vollwertiger NRW-Berg gelten kann oder nicht. Offenbar liegt er mehr oder weniger auf der Grenze
    zu Hessen und wir haben allesamt keine Lust darauf, uns irgendwann von einem weiteren geografischen
    Besserwisser darauf hinweisen zu lassen, das unsere Tour voll für den Hintern war und wir den
    höchsten Berg von NRW um Kilometer verfehlt hätten.
    Die Wanderung durch die Winterlandschaft ist schön. An einer günstiges Stelle packt Tom seinen
    Gas-Kocher (von uns liebevoll „Flamme von Udûn“ genannt) aus und wir machen uns einen leckeren
    Glühwein warm und knabbern ein paar Spekulatius. Einige Kilometer weiter verlieren wir tatsächlich
    die Orientierung, driften vom rechten Weg ab und passen unsere Tourenplanung ein wenig an. Wir
    gelangen in ein Hochtal und haben den letzten Anstieg vor uns, der und alsbald erneut in die
    800er-Region vorstoßen lässt. Der Sauerstoffmangel macht sich nicht so schlimm bemerkbar wie
    befürchtet, aber die Navigation bereitet uns ziemliche Schwierigkeiten. Der Langenberg ist nicht
    gerade durch ein weithin sichtbares Gipfelkreuz gekennzeichnet und auch die eigentlich erwartete
    Wander-Autobahn auf den höchsten Gipfel des immerhin bevölkerungsreichsten Bundeslandes, bleibt aus.
    Ein kleiner verschneiter Trampelpfad führt irgendwann in die Büsche und kurz darauf finden wir die
    Gipfelmarkierung, Menschen finden wir hier oben keine.
    Einen Berg zu besteigen ist erst die halbe Miete, heil wieder unten anzukommen ist die Kunst. Auf dem
    Abstieg beginnt es zu schneien und kurz darauf befinden wir uns in einer Art Arme-Leute-Whiteout. Wir
    passen auf, erreichen gesund und vollständig das Tal und zögern nicht, uns ins erstbeste Restaurant
    zu setzen und unsere Energievorräte aufzufüllen, während wir auf den Bus warten. Der Bus hätte uns
    wieder sicher ins Bierloch gebracht, wäre nicht die Straße auf Grund eines Unfalls gesperrt worden.
    Die Busgesellschaft lässt sich aber nicht lumpen, spendiert den Fahrgästen ein Taxi und kurz darauf
    befinden wir uns wieder im Basislager und treten die Heimfahrt an. Gipfel Nummer Eins wäre abgehakt.




    Summit 2: Schleswig-Holstein

    Datum : 09.04.2004
    Gipfel : Bungsberg (168,0)
    Wetter : Gut

    In den frühen Morgenstunden sitzen wir alle im Auto und verlassen Bremerhaven Richtung Norden. Die
    Eltern haben uns Unterschlupf und Nahrung gewährt und uns damit ein geeignetes Basislager für unsere
    „3 summits in 1 day“-Aktion zur Verfügung gestellt, auch wenn ich den Verdacht hege, das sie die
    tiefere Bedeutung und Sinnhaftigkeit unseres Vorhabens nicht vollständig erkannt haben.
    Der gefährlichste Teil ist heute fürs Erste zweifellos die Autofahrt. Wir arbeiten uns durch Bremen
    und etwas später durch Hamburg. Das Wetter scheint uns gut gesinnt zu sein, wenn wir am Bungsberg
    scheitern sollten, wird es vermutlich nicht am Wetter gelegen haben. Mittlerweile spekulieren wir
    über Gerüchte, das Teile unseres Teams bereits in frühester Kindheit auf dem Bungsberg gestanden
    haben sollen, die Ostseeküste zählte früher zu den beliebteren Urlaubszielen. Wie auch immer, die
    damals gemachten Erfahrungen helfen uns heute offenbar nicht viel weiter, einigermaßen ziellos
    kurven wir durch die Bergmassive. Als wir durch Mehrheitsbeschluss der Meinung sind, einen
    einigermaßen sinnvollen Basis-Parkplatz erreicht zu haben, schalten wir um auf manuelle Fortbewegung
    „by fair means“ und steigen in 15 Minuten die restlichen Meter zum Gipfelbereich. Die Aussicht hier
    oben ist gar nicht so übel und reicht eine ganze Menge an Kilometern in die Umgebung. Wir nutzen den
    Gipfelstein uns ein bisschen zum Affen zu machen, das ganze fotografisch festzuhalten und arbeiten
    uns dann über die Nordwand wieder herunter. Eigentlich war eine Überschreitung nicht geplant, aber da
    die Besteigung doch etwas weniger Zeit in Anspruch genommen hat, als veranschlagt, beschließen wir
    die Tour noch ein wenig zu verlängern. Nach 2 Stunden von etwas, das wir tunlichst nicht als
    Spaziergang zu bezeichnen versuchen, landen wir gesund und vollzählig am Basis-Parkplatz und machen
    uns auf zur nächsten Etappe unsere „3 summits on one day“-Tour.



    Summit 3: Hamburg

    Datum : 09.04.2004
    Gipfel : Harburger Berge (116,0)
    Wetter : Gut

    Wir kommen zeitig in Hamburg an und haben alle Zeit der Welt, uns gemütlich Richtung Mount Hamburg zu
    arbeiten. Wir parken eine ganze Ecke entfernt und versuchen, wo wir heute schon im Gipfelrausch sind,
    auch noch die mit 155 Metern höchste Erhebung der Schwarzen Berge zu erklimmen. Nicht weil wir damit
    irgendeinen Blumentopf gewinnen können, sondern schlicht „weil es sie gibt“. Wir scheitern kläglich,
    im dichten Wald ist die höchste Erhebung einfach nicht auszumachen und von einem Gipfelkreuz finden
    wir keine Spur. Wir brechen den Versuch irgendwann ab, gute Bergsteiger wissen, wann sie umkehren
    müssen, außerdem wird die Zeit knapp.
    Um 15 Uhr haben wir ein Treffen mit dem Hamburger Konkurrenz-Team (http://www.16gipfel.de/) vereinbart.
    Vor einigen Tagen mussten wir einigermaßen verstört zur Kenntnis nehmen, das wir nicht die einzigen
    sind, denen die 7 summits nicht genug sind, diese direkt überspringen und sich der nächst größeren
    Aufgabe widmen. Durch einen fruchtbaren Wissensaustausch wissen wir jetzt zumindest genau, wo wir in
    Hamburg den 116 Meter hohen Mount Hamburg finden können. Als wir um 15 Uhr am Gipfelstein stehen, ist
    vom Hamburger Team aber nichts zu sehen. Verdammt, sie haben es nicht geschafft. Besorgt greifen wir
    zum Handy und nehmen Kontakt auf. Zum Glück ist die Mannschaft noch wohlauf, hat sich mit ihrem
    GPS-System jedoch verlaufen und befindet sich jetzt ca. 2 Stunden vom Gipfel entfernt. Eine Handvoll
    nörgelnder Kinder verhindert wohl den weiteren Gipfelsturm und so machen wir uns bald wieder auf die
    Heimreise. Man sieht, das der Mount Hamburg nicht zu unterschätzen ist, selbst mit einer erfahrenen
    Mannschaft, die bereits erfolgreich den Brocken bezwungen hatte, und selbst mit bester und modernster
    Ausrüstung ist eine Besteigung nicht selbstverständlich. Die Hamburger Gruppe hat jedoch
    bewundernswerterweise nicht aufgegeben und konnte einige Monate später den Berg bezwingen.



    Summit 4: Bremen

    Datum : 09.04.2004
    Gipfel : Friedehorstpark (32,0)
    Wetter : Gut

    Die schwerste Tour steht bevor und dementsprechend nervös arbeiten wir uns mit dem Auto durch die
    Bremer Vororte. Nach einigem Hickhack meinen wir einen einigermaßen geeigneten Platz für unser
    Basislager gefunden zu haben. Die erste gefährliche Stelle wartet auf uns, wir müssen uns über das
    Gelände eines weitläufigen Sanatoriums arbeiten. Wie wir aus quasi allen James Bond-Filmen wissen,
    sind Sanatorien grundsätzlich Horte des Bösen und dementsprechend vorsichtig müssen wir uns hier
    natürlich bewegen. Die vorsichtige Annäherung an den Friedehorstpark macht sich bezahlt, wir kommen
    unbehelligt über das Gelände und stehen plötzlich dem nächsten Hindernis gegenüber. Eigentlich ist
    jedem klar gewesen, das heute bis kurz vor dem Gipfelaufbau mit Autoverkehr gerechnet werden musste,
    es dauert jedoch ein paar Augenblicke, bis wir die Situation in den Griff bekommen und eine geeignete
    Passage entdecken, die dankenswerterweise durch eine Ampel abgesichert wurde. Jede Expedition baut auf
    den Erfahrungen und Vorarbeiten der vorherigen auf.
    Jetzt befinden wir uns bereits im eigentlichen Gipfelbereich, der von einem Park bedeckt wird. Das
    Problem ist es jetzt, den eigentlichen Gipfel zu finden, da es sich genau genommen eigentlich mehr
    oder weniger um ein Gipfel-„Plateau“ handelt. Wir blicken uns ratlos um, können in dem unwegsamen von
    Bäumen durchzogenen Gelände aber auf Anhieb keinen eindeutigen höchsten Punkt ausmachen. „Das kann ja
    Monate dauern“ kommt uns der Gedanke, hoffentlich reichen die Nahrungsmittel. Wenn wir systematisch
    einfach jeden Quadratmeter abarbeiten, dann werden wir doch wohl auch irgendwann den höchsten Punkt
    erwischen, allerdings wird das etwas schwierig mit dem Gipfelfoto, aus Gewichtsgründen ist natürlich
    auch unser Foto-Material strikt begrenzt worden. Wir bewegen uns in den Park hinein und verzichten
    heute mal auf jede Sicherung. Alpinstil nennt sich so was wohl. In kleinen Gruppen und blitzschnell
    unterwegs, auf unnötigen Ballst wie das Verlegen von Fixseilen wird verzichtet. Aha, dieser
    Misthaufen dort scheint der höchste Punkt zu sein, aber Donnerwetter, es gibt einen zweiten Misthaufen.
    Mit einem Doppelgipfel hatten wir heute eigentlich nicht gerechnet, die Kondition scheint aber noch
    ganz OK zu sein. Abwechselnd überschreiten wir die beiden Gipfel und haben alle Hände voll zu tun,
    auf den rutschigen Flanken nicht verschütt zu gehen. Nun ist ein Misthaufen nicht unbedingt als
    natürliche Erhebung zu bezeichnen, wir vermuten menschliche Tätigkeit dahinter und machen uns kurz
    darauf auf die Suche nach einem guten Gewissens als „natürlich“ zu bezeichnenden Gipfel. Es dauert
    eine Weile dann werden wir fündig und müssen enttäuscht feststellen, das uns offenbar keine
    Erstbesteigung geglückt ist. Wir bitten eine Frau, die gerade ihren Kinderwagen über den Gipfelbereich
    schiebt, ein Foto von uns zu machen und verzichten darauf, ihr zu erklären, warum wir gerade hier an
    dieser Stelle ein Foto haben möchten, wo es doch massenweise fotogenere Ecken gibt.
    Der Berg gehört dir erst, wenn du wieder am Auto bist, vorher gehörst du dem Berg. Das massenweise
    Studium der einschlägigen Berg-Literatur macht sich bezahlt, diesen überlebenswichtigen Grundsatz
    verlieren wir heute nicht aus den Augen. Wie schnell es passieren kann, dass man sich selbst in
    einfachstem Gelände in einem Whiteout verlieren kann und man seine Nase und ein paar Gliedmaßen
    verliert, wissen wir alle, seid Krakauer damit ein paar Millionen verdient hat.
    Auf dem Weg durch das Sanatorium kommt uns der Gedanke, dass dies doch eigentlich ein ganz netter Ort
    wäre, sich irgendwann, wenn die Zeit gekommen ist, zur Ruhe zu setzen. Wenn die körperliche Verfassung
    es zulassen wird, könnten wir dann immer noch mal mit unseren Schoppern zum Mount Friedehorst
    aufbrechen.
    Am Abend treffen wir wieder bei den Eltern in Bremerhaven ein, ernsten jedoch nicht so viele
    Begeisterungsstürme, wie wir es uns erhofft hatten.



    Summit 5: Thüringen

    Datum : 07.08.2004
    Gipfel : Großer Beerberg (982,0)
    Wetter : Sehr Gut

    Der erste Kontakt mit den fernöstlichen Bergmassiven steht bevor. Von Würzburg beginnend arbeiten wir
    uns über endlose Landstraßen Richtung Zella-Mehlis und dann noch ein paar Meter weiter bis kurz vor
    Oberhof. Immerhin ein paar klangvolle Namen fallen hier und dort. Oberhof ist im Wintersport mehr als
    ein Begriff und der nahe liegende Rennsteig gehört zu den bekanntesten Mehrtages-Wanderwegen in
    Deutschland. Wir suchen uns einen günstig gelegenen Parkplatz, der ungefähr die Dimensionen einer
    kleinen Weltausstellung hat und begeben uns tatsächlich auf eine Etappe des Rennsteigs. So richtig
    spannend ist die Angelegenheit nicht, vom Rennsteig hatten wir alle offenbar weitaus dramatischere
    Fantasien. Es beginnt eine recht dröge Wanderung über Autobahn-ähnliche Wege und das, trotz der
    Höhenlage, ohne jede Aussicht. Irgendwann kommen wir dem Beerberg so nahe, das wir den Wanderweg
    verlassen müssen und uns in die Büsche schlagen. Der Gipfelaufbau selbst ist von einem
    Naturschutzgebiet bedeckt, der eigentlich nicht betreten werden darf. Nun ja, wir sind nicht um die
    halbe Welt gereist, um dann vor einem grünen Schild zu kapitulieren und treffen kurz darauf auf einen
    Beerensammler, der offenbar ebenfalls den Schritt in die Illegalität gewagt hat und uns ein paar
    Tipps gibt, wo wir denn auf diesem Plateau die besten Chancen haben, den eigentlichen höchsten Punkt
    zu finden. Das gestaltet sich als gar nicht so einfach. Zwar gibt es so eine Art Gipfelstein, aber
    der Weg zu diesem Stein ist offenbar abfallend und das stellt dessen Qualität irgendwie in Frage. Ein
    paar Ecken weiter gibt es noch so eine Art Gipfelmarkierung, die aber ebenfalls nicht gerade durch
    irgendeine Art von geografischer Hervorhebung besticht. Wir lösen das Problem, indem wir einfach
    überall ein paar Gipfelfotos machen und hoffen ansonsten darauf, dass nicht irgendwann irgendein
    Naseweiß ankommt und darauf aufmerksam, das der eigentliche Gipfel genau auf dem Quadratmeter zu
    finden ist, von dem wir offenbar kein Foto gemacht haben. Am Ende laufen wir denselben Weg zurück,
    sinnvolle Alternativen sind so ohne weiteres nicht auszumachen.



    Summit 6: Hessen

    Datum : 08.08.2004
    Gipfel : Wasserkuppe (950,0)
    Wetter : Sehr Gut

    Unser letzter Besuch auf der Wasserkuppe lag ja nun leider im vorherigen Dezember, zählt daher also
    nicht, wenn man die 16 summits in einem Jahr besteigen möchte. Also machen wir uns erneut auf nach
    Poppenhausen und gehen, da keiner von uns im Vorfeld Lust hatte eine Alternativ-Route auszuarbeiten,
    den bereits bekannten Weg. Immerhin werden uns dort keine Überraschungen erwarten und unsere Chancen
    auf einen Gipfelerfolg sind überwältigend. Die Verhältnisse haben sich auch deutlich verbessert.
    Mussten wir im Dezember noch mit Eis, Nebel, Wind und Kälte zurechtkommen, ist heute von alledem
    nichts zu spüren. Irgendwann erreichen wir den Gipfel, der ziemlich gut besucht ist. Wanderer in allen
    möglichen Formen, Größen und Farben tummeln sich hier oben, was die eigene Leistung etwas relativiert.
    Es lässt sich nicht gut Eindruck schinden, mit einer Gipfelbesteigung, wenn nebenan eine Mutter ihren
    Kinderwagen hochschiebt.
    Auf dem Abstieg lassen wir zur Abwechslung mal unsere Standardroute links liegen und traversieren zum
    nahe gelegenen Pferdskopf. Interessante Aussicht. Von hier schlagen wir uns Querfeldein und arbeiten
    uns über die Flanke zurück auf den Wanderweg. Ein gutes Stündchen später stehen wir wieder in
    Poppenhausen und sind einhellig der Meinung, das wir es tunlichst schaffen sollten, die 16 summits
    dieses Jahr zu erledigen. Ein drittes Mal auf die Wasserkuppe würden wir uns gerne sparen. Man soll
    sein Glück nicht überstrapazieren.



    Summit 7: Bayern

    Datum : 18.09.2004
    Gipfel : Zugspitze (2963,0)
    Wetter : Hervorragend

    Wir scheinen Glück zu haben. Nachdem wir aus diversen Gründen unseren Zugspitz-Termin immer weiter
    nach hinten verschoben haben, scheinen wir tatsächlich das letzte Wochenende in diesem Jahr erwischt
    zu haben, das sich für eine zünftige Besteigung eignet. Von einer Verlängerung des Wochenendes und
    damit auch von einer Begehung des Jubi-Grates haben wir abgesehen, aber der Höllental-Aufstieg sollte
    auch eine angemessene Alternative sein. Am Freitagabend fahren Christelle und ich nach Würzburg,
    übernachten bei Dani + Tom, mit denen wir uns am nächsten Morgen in Garmisch treffen, von wo aus sie
    aus dem Allgäu anreisen, wo sie ihren Urlaub verbracht haben. Am Garmischer Bahnhof lesen wir die
    beiden auf und fahren die restlichen paar Meter nach Hammersbach, wo wir wegen Überfüllung direkt
    wieder umdrehen müssen und in dem kleinen Örtchen zuvor mehr schlecht als recht einen Stellplatz
    ergattern. Scheint was los zu sein hier und erste Zweifel kommen auf, ob wir uns bei der Organisation
    einer Hüttenübernachtung nicht vielleicht doch ein bisschen mehr Mühe hätten geben sollen, bzw. ob wir
    uns nicht überhaupt(!) irgendwelche Mühe hätten geben sollen. Na ja, wenn man die Probleme nur lange
    genug vor sich her schiebt, dann erledigen sie sich irgendwann von selbst, so heißt unser Motto,
    außerdem gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse darüber, wo wir heute überhaupt übernachten
    wollen. Wir marschieren gemütlich ins Höllental, zahlen einen kleinen Obolus, für die Durchquerung der
    sehenswerten Klamm und sitzen um kurz vor 13 Uhr auf der Terrasse der Höllental-Hütte und schlürfen
    eine Apfelschorle. Jetzt stellt sich die schwerwiegende Frage, ob wir heute direkt noch den Gipfel
    ins Visier nehmen sollten, was den durchaus beachtlichen Vorteil hätte, das wir morgen keinen ganz so
    selbstmörderischen Tag, mit Anstieg, Abstieg und Heimfahrt vor uns hätten. Ich hab so meine Bedenken,
    ob wir den Anstieg von quasi 0 auf 3000 Metern innerhalb von 10 Stunden anständig verkraften werden,
    aber die Vorteile wären überwältigend und selbst mit angezogener Handbremse sollten wir innerhalb der
    restlichen 7 Stunden Tageslicht den Gipfel erreichen können. 5 Stunden benötigt man normalerweise für
    den Aufstieg, erzählt uns die Kellnerin und weist direkt noch darauf hin, das wir ohne Steigeisen
    nicht mal daran denken sollten, aufzubrechen. Wir schauen uns ein wenig betreten an, auf Steigeisen
    haben wir der Einfachheit halber verzichtet, sämtliche Berichte aus dem Internet wiesen darauf hin,
    das diese eigentlich und tendenziell eher nicht unbedingt notwendig sind. Na ja, die Kellnerin tut
    halt nur ihre Pflicht und ein paar Minuten später brechen wir auf. Wir schlagen ein langsames Tempo
    ein, so ganz kurz ist die Tour nämlich nicht und man kann zu Recht befürchten, dass wir dem schnellen
    Höhengewinn irgendwann Tribut zollen werden. Nach einigen Höhenmetern legen wir unser Klettersteig-Set
    an, es kommen die ersten versicherten Passagen. Das Höllental-Panorama ist tatsächlich sehenswert,
    irgendwo vor uns wartet auch schon der Ferner und wir beobachten einige Grüppchen, die sich dort
    (nicht sehr schnell) aufwärts bewegen. Warum die Grüppchen sich nicht sehr schnell bewegen, wird uns
    sehr bald klar, als wir selbst plötzlich nicht mehr vorwärts kommen. Eine rutschige Passage im
    mittleren Teil des Ferners hätte uns um ein Haar alle Gipfelträume zunichte gemacht. Man kann die
    Passage nicht unbedingt als Steileis bezeichnen, aber der Belag hat verdächtig viel Ähnlichkeit mit
    Schmierseife und ich lege ein paar überraschende Rutschpartien hin, die mich immer wieder an den
    Anfang der Passage befördern. Das Ganze beginnt den Bereich der Harmlosigkeit zu verlassen und wir
    fühlen uns nicht mehr so richtig wohl. Irgendwann ist die Passage überwunden, aber ohne Steigeisen
    bewegen wir uns nicht gerade, nun ja, selbstbewusst. Je höher wir kommen, desto unangenehmer,
    Pessimisten würden sagen lebensgefährlicher, werden die potenziellen Rutschpartien. Irgendwann
    erreichen wir den Bergschrund und eiern mit gehörigem Respekt, Pessimisten würden sagen Angst,
    zu den Felsen hinüber. Ach, so ein Felsen ist doch schon was schönes, langsam und stetig arbeiten wir
    uns den Klettersteig hinauf. Alle Sorgen verflüchtigen sich, der abrupte Höhenwechsel wird uns heute
    nicht daran hindern, den Gipfel zu erreichen. Oben warten ein paar vereiste Passagen und ein arg
    zerschundener mittlerweile 70jähriger, ehemaliger Bergführer, der von 2 Kumpels den Berg
    hinaufbegleitet wird. Irgendwo unterwegs hat er sich wohl verletzt, kann den einen Arm nicht mehr
    gebrauchen und erzählt, dass er heute bei seiner 21ten Besteigung zum ersten Male Steigeisen benötigt
    hätte. Na toll, sage ich mir und versuche den Vertrauensverlust zu beziffern, den ich mir heute
    gegenüber meiner Frau eingehandelt habe. Am Gipfel ist es lausig kalt, wir machen ein schnelles
    Gipfelfoto und betreten die kleine Stadt, die den Gipfelbereich bedeckt. Die Anzahl der Hotels hält
    sich aber anscheinend in Grenzen, stellen wir erstaunt fest, und betreten die nach menschlichem
    Ermessen einzige Unterkunft weit und breit, das Münchner Haus. Den Wirt als unfreundlich zu bezeichnen
    wäre nicht ganz korrekt, in Wirklichkeit ist er noch etwas viel schlimmeres, dessen Namen mir aber
    gerade nicht einfällt. Wie es scheint hat die ganze Zugspitz-Stadt nur 24 Betten zu bieten und die
    allesamt im Münchner Haus, was vor allem deswegen schade ist, da offenbar gerade 80 Personen
    Unterkunft beanspruchen. Wir ergattern ein Tischlein mit 4 Sitzplätzen und ergeben uns dem
    Galgenhumor. Es werden ein paar hoffnungslose Alternativpläne aufgestellt, wieder verworfen und sich
    am Ende der Tatsache ergeben, das wir hier oben schlicht und einfach festsitzen. Nach einer kleinen
    improvisierten Geburtstagsfeier, einem heißen Süppchen und etwas zu trinken, verkündet der
    Hütten-Dämon irgendwann die Schlafenszeit, verteilt ein paar Decken und lässt sich den Gästen einen
    mehr oder weniger bequemen Platz auf dem Boden suchen. Die Nacht verläuft gar nicht so schlimm wie
    befürchtet, zum einen erfriert keiner, zum anderen finde ich tatsächlich ein bisschen Schlaf und am
    Ende tritt der quasi eigentlich unmögliche Fall ein, das nicht eine einzige Person schnarcht. Noch vor
    dem ersten Tageslicht werden wir vom Hütten-Teufel aus den Betten gescheucht, einige Leute wollen
    heute den Jubi-Grat machen und da ist nicht einzusehen, warum andere Personen länger schlafen sollen
    als diese. Wir knabbern lustlos unser Frühstück und machen uns zur Dämmerung und in eisiger Kälte an
    den Abstieg über die Wiener-Hütte. Der Weg ist nicht sehr erfreulich, es sei denn man ist
    zufälligerweise ein Schutt-Fan. Überraschenderweise (zumindest für uns) finden wir uns plötzlich in
    einem waschechten Klettersteig wieder, der zunächst unmerklich, dann aber langsam immer deutlicher
    werden Klettersteig-Charakter aufweist und am Ende auch noch einen ziemlich alpinen Touch bekommt.
    Vor lauter Überraschung lassen wir auch direkt alle Regeln der Vernunft fallen und bewegen uns
    ungesichert hinunter, stellen erst am Ende fest, was wir da gerade getan haben, verdrängen das Ganze
    auf der Stelle und laufen noch ein paar weitere Stunden zurück zum Ausgangspunkt. Am Auto angekommen,
    kann man durchaus sagen, dass sich eine gewisse Erschöpfung breit gemacht hat, die Tour war schon
    eine Wucht. Als Resümee bleibt vielleicht festzuhalten, das die Tour zwar vergleichsweise lang gewesen
    ist, was die Orientierung z.B. bei der Lokalisierung des Gipfelbereiches anbelangt, aber lange nicht
    so anspruchsvoll war, wie beispielsweise im Friedehorst-Park.




    Summit 8: Niedersachsen

    Datum : 25.09.2004
    Gipfel : Wurmberg (971,0)
    Wetter : Regnerisch

    Als Basislager haben wir uns heute praktischerweise bei Toms Eltern, Inge und Fred, eingenistet.
    Eine gute Wahl, kaum sind Christelle und ich angekommen, sitzen wir auch schon zusammen am Tisch,
    bekommen was zu essen und schlürfen leckeren Rotwein. Es gibt nicht viel zu organisieren für unsere
    Tour, Fred hat es sich natürlich nicht nehmen lassen, alles bis ins kleinste auszuarbeiten. Wir werden
    von ihm zu einer strategisch günstigen Stelle in der Nähe des Wurmbergs gebracht, können uns dann zum
    Brocken durchschlagen und werden nach dessen Überschreitung ein paar Kilometer weiter wieder
    aufgelesen. Auf Nachfrage, ob er denn nicht mitlaufen möchte, verneint er, aber ich fürchte wir waren
    einfach nur nicht hartnäckig genug. Am nächsten Morgen und bei bescheidenem Wetter beginnen wir unsere
    Tour, stehen kurz darauf auf dem Wurmberg und freuen uns, jetzt die Hälfte unseres 16-Summits-Programms
    geschafft zu haben. Ein paar Stunden später haben wir uns zum Brocken durchgearbeitet, gutes
    Kartenmaterial leitet uns auch durch miserable Sichtverhältnisse. Der Gipfel ist nicht gerade dezent
    und mit allerlei Bebauung versehen. Ein sehr großzügig dimensioniertes Restaurant, ein interessant
    gestalteter Gipfelbereich und, nun ja, einer Eisenbahnstation. Die Fernsicht heute reicht gerade mal
    bis zur direkt benachbarten Person, nichtsdestotrotz ist einiges los hier. Krakauer hätte alle Mühe,
    die Situation zu einer halbwegs dramatischen Story zu verarbeiten, und so machen wir uns bald darauf
    an den Abstieg. Irgendwann kurz vor dem Ziel kommen wir an einem schönen Stausee vorbei und Tom hält
    dies für den geeigneten Zeitpunkt, Fred über unseren Erfolg zu informieren und ihn zum angesprochenen
    Treffpunkt zu ordern. Kurz darauf verlaufen wir uns kolossal und bemühen uns redlich, dieses
    Missgeschick kurz darauf Fred gegenüber, schönzureden.
    Wir können uns nicht beklagen, am Abend werden wir von Inge wiederum bestens versorgt. Fred gibt sich
    alle erdenkliche Mühe, uns vor dem nächstes Jahr bevorstehenden Rumänien-Trip abzubringen. Offenbar
    möchte er lieber alleine in seine ehemalige Heimat, sonst wäre es schwer zu erklären, warum wir am
    Ende des Abends ein Rumänienbild vor Augen haben, das quasi aus nix anderem als Bären, Wölfen, Flöhen,
    gewalttätigen und betrunkenen Holzfällern und beißwütigen schafehütenden Killerhunden besteht.




    Summit 9: Sachsen-Anhalt

    Datum : 25.09.2004
    Gipfel : Brocken (1142,0)
    Wetter : Regnerisch

    Bericht siehe Summit 9



    Summit 10: Saarland

    Datum : 09.10.2004
    Gipfel : Dollberg (695,0), Schimmelkopf (695,0)
    Wetter : Bewölkt

    Nachdem wir die drei Gipfel (Saarland kann sich nicht für einen eindeutigen höchsten Punkt entscheiden)
    auf der Straßenkarte ausgemacht haben, kommt zum ersten Male die vage Idee auf, diese allesamt auf
    einer einzigen langen Tour zu besteigen. Sie scheinen durch so eine Art Fernwanderweg mehr oder
    weniger verbunden zu sein und das verspricht eine recht schöne Wanderung zu werden. Auf halber Strecke
    hätte man eine Reihe von Ortschaften, bei denen man das Ganze notfalls abbrechen könnte. Mit dieser
    vagen Idee im Hinterkopf (einen Plan kann man es wohl noch nicht nennen), suchen wir uns eine Pension
    im Zielgebiet und trudeln im Laufe des Freitag abends ein. Die Auswahl der Pension erfolgte nach dem
    bewährten Prinzip, ins Internet zu gehen, sich dort eine Liste der verfügbaren Unterkünfte auflisten
    zu lassen und dann die günstigste zu nehmen. Niemand soll glauben, dass der Preis für eine Unterkunft
    in irgendeiner Beziehung zur Qualität steht. Wir bekommen von der netten Wirtin das größte
    Schinkenbrot unseres Lebens serviert, unterbreiten ihr unser Vorhaben und bekommen postwendend das
    Angebot, uns am nächsten Abend von ihr an unserem Ziel abholen zu lassen. Das löst auf einen Schlag
    alle logistischen Probleme und wir brauchen nicht mehr große Fahrmanöver abzuhalten, um unsere Wagen
    möglichst strategisch zu platzieren. Am nächsten Morgen sitzen wir um 7:30 Uhr am Frühstückstisch,
    fahren kurz darauf Richtung Schimmelkopf und beginnen unsere Tour um 8:45 Uhr. In wenigen Minuten
    erreichen wir den Gipfel des nahe gelegenen Gipfels und freuen uns, dass dort ein Schild steht, das
    diesen Punkt mehr oder weniger eindeutig als höchste Erhebung des Saarlandes ausweist. Nachdem wir
    auf unserer Wanderkarte festgestellt hatten, dass sowohl Schimmelkopf als auch Dollberg exakt auf der
    Grenze zur Pfalz liegen, kamen uns ernste Zweifel, ob wir überhaupt die richtigen unstrittigen Gipfel
    ansteuern würden. Unsere Zweifel wurden von der Wirtin auch nicht gerade zerstreut, die beim Thema
    „höchster Berg des Saarlandes“, eine ganze Reihe von Gipfel nannte, die uns völlig unbekannt waren und
    allesamt etwas über 500 Meter hoch sind. Ein flüchtiger Blick auf die Karte zeigte, das es wiederum
    eine ganze Reihe weiterer Gipfel gab, die wiederum höher waren, als die von der Wirtin genannten,
    allesamt im Saarland lagen, aber deutlich von den 695 Metern des Schimmelkopfes und des Dollbergs
    entfernt waren. Wie dem auch sei, wir freuen uns, auf dem Schimmelkopf einen eindeutigen Hinweis zu
    erhalten und betrachten das Ganze als offizielle Bestätigung, die niemand anfechten darf.
    Haben wir den Schimmelkopf noch schnell und unproblematisch erreicht, beginnt jetzt eine grandios
    Odyssee durch das saarländisch-pfälzische Grenzgebiet, die uns bis zum Ende der Tour auf dem Erbeskopf
    den letzten Nerv rauben würde. Eigentlich sind wir alle 4 durchaus in der Lage eine Karte halbwegs
    anständig zu lesen und zu interpretieren, aber dieses Mal haben Karte und Realität schlicht und
    einfach keinerlei nennenswerte Ähnlichkeiten. Die Markierungen der Wege haben überhaupt keinen Bezug
    zu denen auf der Wanderkarte und selbst die Wege und Straßen selbst scheinen sich in den letzten
    Jahren irgendwie vollständig neu angeordnet zu haben. Irgendwann kommen wir zu dem Schluss, das uns
    im Kartenhaus offensichtlich ein Mängelexemplar angedreht wurde, oder das die Wegmarkierungen von
    ein paar frechen Kids neu platziert wurden, die dann aber zusätzlich ein paar umfangreiche
    Straßenbauarbeiten hätten vornehmen müssen. Trotz Karte erreichen wir irgendwann den Dollberg,
    nachdem wir uns kurz zuvor staunend durch eine riesige archäologische Grabungsstätte gearbeitet haben.
    Einer der Vorgipfel des Dollberges besteht aus einem riesigen Areal, in dem vor etlichen Jahrhunderten
    die Hunnen gehaust haben. Der Dollberg ist nicht so gut ausgewiesen wir der Schimmelkopf, als es wieder
    bergab geht, entscheiden wir uns mehrheitlich dafür, hier den höchsten Punkt erreicht zu haben.
    Mittlerweile ist es gut 16 Uhr und es gibt keine Zeit mehr für großartige Umwege. Wir schlagen uns in
    die Büsche, steigen auf der Direttissima ins Tal ab und begeben uns auf den langen Weg zum Erbeskopf.
    Der Weg führt in einer einzigen geraden Linie zum Erbeskopf und ist einfach zu finden, denken wir uns,
    ehe wir plötzlich auf eine Landstraßen treffen, die dort nie und nimmer hätte existieren können. Nach
    einigem Herumrätseln können wir uns halbwegs lokalisieren und beschließen der Straße erstmal zu folgen,
    immerhin treffen wir dort regelmäßig auf Ortschaften, offenbar die einzige Möglichkeit, sich in dieser
    Gegend zurechtzufinden. Um 19:00 Uhr dämmerts und eine halbe Stunde später ist es stockfinster.
    11 Stunden sind wir jetzt unterwegs und tappen im Licht der Stirnlampen Richtung Gipfel des Erbeskopfes.
    Der ist gar nicht so einfach zu finden, die Beschilderung lässt zu wünschen übrig, die Wege sind nicht
    sehr ausgeprägt und der Lichtkegel der Lampen ist begrenzt. Immerhin, der Weg steigt nach wie vor an,
    ein vergleichsweise sicheres Zeichen dafür, dass wir noch auf dem rechten Weg sind. Irgendwann taucht
    über den Bäumen die Silhouette eines Turmes auf, offenbar der Gipfelturm. Wir verlassen den Weg und
    steuern ihn direkt an. Um Punkt 20 Uhr stehen wir am Gipfel und bekommen prompt den ersten Regen des
    Tages ab. Wir machen ein paar Bilder und es dauert nicht lange, dann macht sich Kälte breit. Wir rufen
    die Wirtin an und freuen uns, dass sie ihr Versprechen wahr macht und uns kurz darauf mit dem Auto
    abholt. In der Pension angekommen fallen wir völlig ausgehungert über das beste Rührei unseres Lebens
    her, trinken ein paar der besten Weizen unseres Lebens und fallen tot ins beste Bett unseres Lebens.




    Summit 11: Rheinland-Pfalz

    Datum : 09.10.2004
    Gipfel : Erbeskopf (818,0)
    Wetter : Bewölkt

    Bericht siehe Summit 10




    Summit 12: Mecklenburg-Vorpommern

    Datum : 31.10.2004
    Gipfel : Helpter Berg (179,0)
    Wetter : Bewölkt

    Um 6 Uhr sitzen Christelle und ich im Auto und düsen Richtung Kirchheim, wo wir uns um 8:30 Uhr mit
    Dani + Tom auf dem McDonalds-Parkplatz treffen wollen. Heute beginnt die grauenhafteste Tour unserer
    16-Summits-Aktion, die gefürchtete Ossi-Runde. Gefürchtet nicht wegen der objektiven Gefahren,
    sondern wegen der objektiven Langeweile. Auf über den Daumen gepeilt 2 Stunden Bergsteigen kommen über
    den Daumen gepeilt 25 Stunden Autofahrt.
    Um 11 Uhr geraten wir in das Gravitationsfeld von Leipzig, wo wir uns, wo wir schon mal hier sind, die
    Everest-Ausstellung anschauen wollen. Leipzig scheint hermetisch abgeschottet, 2 Einfallsrouten
    erweisen sich als gesperrt und erst gegen 12 Uhr erreichen wir dass Gasometer. Die Ausstellung ist
    ziemlich genial gemacht. Ein kurzweiliger Rundkurs mit den gröbsten Informationen zum Berg führen
    langsam aber sicher ins Herzstück, dem riesigen Atrium, das rundum mit Leinwänden behängt ist, die ein
    gigantöses Panorama des Tal des Schweigens zwischen Everest, Lhotse und Nuptse bieten. Das Panorama
    ist dermaßen beeindruckend und durch geschickte Lichteffekte, die den Tages- und Nachtrhythmus
    darstellen, dermaßen realistisch dargestellt, dass man kurzzeitig tatsächlich vergessen könnte, dass
    man sich eigentlich gerade in Leipzig aufhält. Die Reise nach Nepal, einige Monate zuvor, hätten wir
    uns komplett sparen können, dort waren die Eindrücke auch nicht viel besser.
    Nach dem Everest-Panorama befinden wir uns jetzt natürlich in der richtiges Stimmung, selbst Hand an
    einen Berg zu legen, düsen noch ein paar Kilometer weiter und fackeln nicht lange, den 201 Meter hohen
    Hagelberg in Brandenburg zu besteigen. Hier haben sich vor einigen hundert Jahren Deutsche und
    Franzosen geprügelt, unsere eigene Deutsch-Französische Gruppe versucht dieses Thema aber erfolgreich
    nicht weiter zu vertiefen. Brandenburg ist mit der Besteigung des Hagelbergs leider nicht abgehakt, 2
    weitere 201 Meter hohe Berge kämpfen um die Krone. Es geht weiter an Berlin vorbei Richtung
    Mecklenburg-Vorpommern, das wir, nachdem wir gerade noch einen eklatanten Planungsfehler korrigieren
    konnten, gegen 19 Uhr in Nebel und Dunkelheit erreichen. Die Planung sah ein 177 Meter hohes Massiv in
    den Ruhner Bergen vor und um ein Haar hätten wir den 179 Meter hohen Helpter Berg ignoriert.
    Wir kurven ein wenig durch Woldegk und die umliegenden Landstriche und versuchen den Berg zu finden.
    Nebel, Dunkelheit und ein ziemlich dünn besiedelter Landstrich sorgen für eine mehr als unheimliche
    Atmosphäre. Wir fragen hier und dort mal ein paar düstere Gestalten nach dem Weg ernten jedoch,
    abgesehen von ein paar sehr konkreten seltsamen Blicken, eher unkonkrete Informationen. In diesem Dorf
    hinterlassen wir heute Abend mit Sicherheit keinen guten Eindruck und ich habe das deutliche Gefühl,
    das unser Nummernschild heute mehr als einmal notiert wird. Wenn heute Nacht in diesem Dorf irgendetwas
    Grässliches passiert, dann wird man am nächsten Morgen keine Schwierigkeiten haben, ein paar
    anständige Tatverdächtige zu präsentieren und wir hätten wohl ziemliche Probleme, unsere Anwesenheit
    halbwegs plausibel zu erklären. Tom dirigiert uns mit seinem Höhenmesser auf einen Punkt von 140
    Metern und wir fragen uns, wenn man die Messungenauigkeiten berücksichtigt, ob das jetzt der Helpter
    Berg sein könnte. Wir steigen aus, tappen ein bisschen im Dunkeln und sind von ziemlicher Ratlosigkeit
    geprägt. Die Sichtweite beträgt (trotz Stirnlampen) höchstens 15 Meter und es wäre ohne weiteres
    möglich, das 16 Meter entfernt ein kapitaler 8000er steht, ohne das wir es bemerkt hätten. Nach
    einigen ratlosen Minuten einigen wir uns darauf, heute doch hier im Ort zu übernachten und den Berg
    morgen bei Tageslicht zu suchen. Wir suchen uns eine der wenigen Unterkünfte, die nicht eklatant an
    „Bate’s Motel“ erinnern, und beschließen am nächsten Morgen bereits vor dem Frühstück den Gipfel zu
    besteigen, um die verlorene Zeit wieder gutzumachen. Die unplanmäßige Übernachtung entpuppt sich als
    erstaunlich gute Idee. Die Stelle die wir am Abend zuvor in Verdacht hatten, ist nicht mal annähernd
    in Gipfelnähe. Außerdem bekommen wir so eine halbwegs ehrenhafte Besteigung hin, das Befahren eines
    Gipfels mit dem Auto wäre bei einigen unverbesserlichen Puristen möglicherweise auf Rumnörgelei
    gestoßen.
    Nachdem MV also erfolgreich absolviert ist, begeben wir uns nach Berlin und verbringen ausgiebig Zeit
    damit, den höchsten Punkt des Müggelberg-Massivs zu suchen. Die anwesenden Passanten glänzen durch
    völlige Unwissenheit, weisen uns in die verschiedensten Richtungen und scheinen bei dem Thema
    „höchster Punkt“ grenzenlos überfordert. Der Verweis auf den Müggelturm ist eine beliebte Antwort, zu
    dem man jedoch absteigen muss und daher für uns nicht wirklich in Frage kommt. Mit Toms Höhenmesser
    arbeiten wir uns schließlich über den Grat und durch den Wald und am Ende haben wir den einigermaßen
    unzweifelhaft höchsten Punkt lokalisiert. Die nette alpine Tradition, den höchsten Punkt eines Gipfels
    mit einem monumentalen Kreuz zu bestücken, scheint an Berlin vollständig vorbeigegangen zu sein. Dani
    versucht sich derweil einigermaßen bedeckt zu halten, sie kämpft beruflich gerade auf der Seite der
    Gerechtigkeit gegen den Ausbau des nahe gelegenen Flughafens Schönefeld und befürchtet, völlig zu
    Recht, im Falle des „erkannt werdens“ einige umfangreiche Fragestunden absolvieren zu müssen, und
    dafür haben wir einfach keine Zeit.
    An der brandenburgisch-sächsischen Grenze machen wir kurz darauf einen weiteren kleinen Abstecher in
    die Wildnis und besteigen die beiden fehlenden Massive, die sich zusammen mit dem bereits gestern
    bestiegenen Hagelberg, darum streiten, der höchste Punkt Brandenburg zu sein. Auch der Kutschenberg
    und der Heideberg sind jeweils 201 Meter hoch. Wir sind ziemlich erleichtert, Brandenburg endlich ohne
    jeden Zweifel erledigt zu haben.
    Wir düsen noch 2 weitere Stunden ins Erzgebirge, nisten uns in Oberwiesenthal ein und bereiten uns
    mental auf die Glanzleistung dieses Wochenendes vor, einer Besteigung des Fichtelberges in etwas, was
    man abgespeckten Alpinstil nennen könnte. Ohne alles und blitzschnell. Jens Weissflog ist
    Oberwiesenthaler, wer es noch nicht wusste wird im Ort bei jeder Gelegenheit nachdrücklich darauf
    hingewiesen.
    Am nächsten Morgen ist es kalt und nebelig. Wir steigen zügig auf, es gibt wahrlich nicht viele Gründe
    sich Zeit zu lassen. Oben angekommen stehen wir in völligem Nebel, können mit Mühe die
    Gipfelmarkierung ausfindig machen, verdrücken im nahe gelegenen Restaurant-Palast einen Glühwein und
    freuen uns es jetzt tatsächlich auf 15 Gipfel gebracht zu haben. Erstaunlicherweise haben sich auf den
    3 Tagen fast ununterbrochener Autofahrt auch keine größeren Zweifel am Sinn und an der tieferen
    Bedeutung unserer Tour breit gemacht und das ist vielleicht der größte Erfolg.



    Summit 13: Berlin

    Datum : 31.10.2004
    Gipfel : Großer Müggelberg (115,0)
    Wetter : Geht so

    Bericht siehe Summit 12



    Summit 14: Brandenburg

    Datum : 30.10.2004 und 31.10.2004
    Gipfel : Kutschenberg (201,0), Hagelberg (201,0), Heideberg (201,0)
    Wetter : Gut

    Bericht siehe Summit 12



    Summit 15: Sachsen

    Datum : 01.11.2004
    Gipfel : Fichtelberg (1.214,0)
    Wetter : Nebelig, windig und kalt

    Bericht siehe Summit 12



    Summit 16: Baden Württemberg

    Datum : 18.12.2004
    Gipfel : Feldberg (1.493,0)
    Wetter : wolkig, verschneit und eisig kalt

    An irgendeiner Stelle habe ich wohl nicht aufgepasst, jedenfalls habe ich plötzlich wieder die Aufgabe
    an den Hacken, uns eine Unterkunft zu besorgen. Nachdem ich auf die Schnelle einen Ort ausgemacht
    habe, der einigermaßen in Feldberg-Nähe liegt (Hinzerzarten, da wo Hanni herkommt), lasse ich mir
    wieder mal per Internet eine Liste der verfügbaren Unterkünfte ausgeben und aufsteigend nach Preis
    sortieren. 12 Euro für das Doppelzimmer, das klingt finanzierbar und die nette Frau am anderen Ende
    der Leitung weist noch darauf hin, dass für das Wochenende Schnee vorausgesagt wird. Die Woche
    gestaltet sich mehr als chaotisch, beruflich stolpere ich von einem desaströsen Tag in den nächsten,
    zu Hause türmen sich noch die schmutzigen Klamottenberge vom Irlandurlaub, unsere zukünftige Wohnung
    beansprucht unsere Aufmerksamkeit, am Freitag werde ich noch beruflich in Hannover unterwegs sein und
    jetzt wartet auch noch der letzte unserer Summits. Aber es gibt nix dran zu deuteln, dieses Wochenende
    ist der Vollendung unserer heiligen Mission gewidmet und das einzige, was dem eventuell noch im Wege
    stehen könnte, wären bestenfalls ein paar dramatische plattentektonische Veränderungen in der Gegend
    Baden Württembergs.
    Meine Frau, Dani und Tom lesen mich Freitagabend am Freiburger Bahnhof auf und gemeinsam schlagen wir
    uns nach oder vielmehr in die Nähe von Breitnau durch. Ein unscheinbarer Feldweg führt zum
    Hintereckhof 15, wo wir von unserer Gastgeberin erwartet werden. Irgendwelche optimistischen
    Stadtplaner haben offenbar damit gerechnet, das auch die Nummern 1 bis 14 irgendwann vergeben werden
    können, im Augenblick ist unser Hof aber das einzige Gebäude weit und breit. Unsere Unterkunft ist
    eher von der rustikalen Art, niedrige Decken und Balken, angrenzende Wirtschaftsgebäude und ein nicht
    zu überriechender Flair von Nutztierhaltung. Wir fühlen uns pudelwohl, sitzen kurz darauf im Wohnzimmer
    beisammen, trinken ein paar Bier und besprechen den morgigen Tag. Unsere Tour soll eine grobe Runde
    werden, die direkt bei unserer Unterkunft beginnt und dort auch wieder endet. Die Entfernungen sind
    auf der Karte schwer abzuschätzen, aber wir fangen einfach mal an und improvisieren dann notfalls ein
    bisschen. Das Bett erweist sich mal wieder als eines, in dem ich nur diagonal ein gewisse Chance habe,
    eine halbwegs gerade Körperposition einzunehmen, aber das Training in Irland erweist sich als nützlich.
    Am nächsten Morgen sitzen wir um 8 Uhr beisammen und genießen ein mehr als ausreichendes Frühstück.
    Wir warten auf Rupert. Unseren letzten Summit würden wir zum ersten Male nicht alleine besteigen. Tom
    und Dani haben einen Bekannten in Freiburg und der würde sich heute dazugesellen. Dagegen gibt es
    natürlich keine Einwände, am Tage unseres letzten Summits, ist die Gefahr, dass Rupert uns zuvorkommen
    würde, als erster Mensch alle 16 Summits in einem Jahr zu besteigen, relativ gering. Dazu hätte er in
    diesem Jahr schon heimlich alle anderen 15 Summits besteigen müssen und ich vermute einfach mal, das
    er mit seinem Leben besseres anzufangen weiß. Die Schneeverhältnisse sorgen für ein wenig Verspätung,
    aber gegen 9:30 Uhr sind wir alle fünf auf dem Weg. Wir bewegen uns durch eine hübsche Winterlandschaft.
    4 Stunden später stehen wir am Feldsee und haben es sage und schreibe geschafft, uns von 1000 Meter
    auf 1100 Meter hochzuarbeiten. Der Anstieg beginnt eigentlich erst jetzt so richtig und nachdem wir
    am See kurzzeitig die Flamme von Udûn angeworfen und einen Glühwein verdrückt haben, arbeiten wir uns
    durch den Wald auf 1300 Meter rauf. Zum Glück weist der Schnee eine halbwegs gut erkennbare Spur auf,
    ohne diese hätten wir wohl jetzt ziemlich blöd aus der Wäsche geguckt. Oben angekommen, stehen wir in
    einem Skigebiet, erfragen uns den Weg zum Berggipfel und befinden uns kurz darauf wiederum im Aufstieg.
    Der Aufstieg im Schnee ist zwar einigermaßen mühselig, aber wir kommen gut voran und stehen kurz
    danach auf dem Sattel, der zum Feldberggipfel führt. Lange Stangen markieren den Weg, der ansonsten
    vollkommen unter Schnee und Eis verborgen liegt. Wir befinden uns abwechselnd entweder in den Wolken,
    bei Null Sicht oder kurz darunter, bei teilweiser erstaunlicher Fernsicht. Der Wind pfeift uns die
    Wolkendecke um die Ohren und die gefühlte Temperatur liegt ratzfatz bei mindestens -100 Grad Celsius.
    Es ist lausig kalt und wir sind erwartungsgemäß weit und breit die einzigen Lebensformen. Der Weg zum
    Gipfel zieht sich in die Länge, aber irgendwann erreichen wir den Steinkreis, der den höchsten Punkt
    des Schwabenlandes markiert. Unsere Mission ist erfüllt, ein erhabener Moment. Zumindest wäre er
    erhaben gewesen, wenn ich in der Eiseskälte nicht bei jedem Lächeln das Gefühl hätte, dass meine Zähne
    gleich zerspringen würden. Der herzhafte Biss in eine Banane hätte meinen Zahnarzt wohl tatsächlich
    um ein Haar um ein par Euros reicher gemacht. Ich fummel ein wenig mit meiner Kamera rum, ausgerechnet
    hier oben geht mein Film zu Ende, aber nach wenigen Augenblicken sind meine Finger nahezu abgestorben.
    Uns kommt der Gedanke, dass man bei einem solchen Wetter und einigen unglücklichen Umständen durchaus
    erfrieren kann. Irgendwann stellt sich die Frage des Abstiegs und da wir es bereits 15:30 Uhr haben
    mache ich mir ziemliche Sorgen. In einer Stunde wird es finster, möglicherweise sorgen die tief
    fliegenden Wolken für eine weitere Verschlechterung der Sicht, der Weg ist noch weit und uns
    vollkommen unbekannt, die Schneedecke macht die Wegfindung schon bei Tageslicht recht schwierig und
    wir haben es mehr als einmal erlebt, das wir uns auch mit Karte hoffnungslos verfranzt haben. Alles
    in allem spricht viel dafür, den sicheren gut markierten Weg zurück ins Skigebiet zu nehmen und uns
    dort einfach ein Taxi zu nehmen. Widerspruch gegen diesen Vorschlag gibt es nicht und so stehen wir
    kurz darauf wieder in der Zivilisation, nehmen uns den Skibus nach Titisee und setzen uns erstmal ins
    Restaurant. Restaurantbesuche sind bei uns immer mit einem gewissen Risiko verbunden, in der Regel
    schaffen wir es, uns einigermaßen daneben zu benehmen, aber nichtsdestotrotz essen und trinken wir
    auf unseren Erfolg. Das Restaurant ist der Jahreszeit angemessen weihnachtlich dekoriert und ich
    starre wie gebannt auf einen nackten Engel, der irgendwas Unaussprechliches mit einem Stern macht,
    das ich persönlich für eine ziemliche Sauerei halte.
    Am Ende nehmen wir uns ein Taxi, lassen uns zum Hintereckhof bringen, verabschieden Rupert und sitzen
    kurz darauf im Aufenthaltsraum zusammen, wo wir unseren restlichen Glühwein verdrücken. Unsere Wirtin
    war so freundlich, ihn uns warm zu machen, bekommt dafür aber auch einen Schluck spendiert. Wir sitzen
    noch einige Zeit nett beisammen und stellen einhellig fest, dass das Jahr 2004 in fast jeder Beziehung
    nur sehr schwer zu toppen sein wird.
    Am nächsten Morgen reiben wir uns bei der Begleichung der Rechnung erstmal verwundert die Augen,
    irgendwie fühlen wir uns an nepalesische Verhältnisse erinnert. 13 Euro pro Person für die
    Übernachtung und zwar MIT Frühstück, da kann man nicht meckern. 1,10 Euro für den Halbliter Bier,
    dafür kann man es kaum selber brauen. Es zeigt sich mal wieder, das die günstigsten Unterkünfte
    manchmal schlicht und einfach die Besten sind.
    Zuletzt geändert von Werner Hohn; 01.12.2010, 15:55.

  • Dieter

    Dauerbesucher
    • 26.05.2002
    • 510

    • Meine Reisen

    #2
    Suuuuuuuuuuuppper! Und das ohne künstlichen Sauerstoff und ich bin der erste der Euch dazu gratulieren datf

    Ehrlich tolle Idee - hat was - Muß den Berict noch mal mit Genuß lesen

    Dieter

    Kommentar


    • WildIVAN
      Gerne im Forum
      • 17.08.2003
      • 78

      • Meine Reisen

      #3
      Verrückte Idee und witziger Bericht, einfach klasse!
      \"Ich habe niemals so klar gedacht, so sehr gelebt und war nie so ich selbst, als während der langen Reisen, die ich allein und zu Fuß unternahm.\"

      Jean Jacques Rousseau

      Kommentar


      • Eifel-Yeti
        Erfahren
        • 06.11.2004
        • 125

        • Meine Reisen

        #4
        14.720 Höhenmeter in effektiv nur 10 Tagen überwunden, absolut genialer Schachzug an den so schnell keiner rankommen wird. Fettes Respekt ...
        NaTOURwunder.de

        Kommentar


        • Thomas
          Alter Hase
          • 01.08.2003
          • 3118

          • Meine Reisen

          #5
          Teufelskerle!
          Nur wo du zu Fuß warst, bist du wirklich gewesen.

          Kommentar


          • Christian J.
            Lebt im Forum
            • 01.06.2002
            • 8690

            • Meine Reisen

            #6
            Glückwunsch- sehr geiler Bericht!
            "Er hat die Finsternis der Latrinen ertragen, weil in der Scheiße nach Mitternacht sich manchmal die Sterne spiegelten"
            Durs Grünbein über den Menschen

            Kommentar


            • Speedwurm
              Erfahren
              • 01.02.2004
              • 399

              • Meine Reisen

              #7
              Hi,

              einfach nur geil

              Heiko

              Kommentar


              • Ranger
                Erfahren
                • 15.12.2004
                • 435

                • Meine Reisen

                #8
                Gratuliere!!!

                Saugeil...
                Gruß
                Robert

                www.roberthaasmann.com

                Kommentar


                • Kai
                  Erfahren
                  • 14.06.2004
                  • 209

                  • Meine Reisen

                  #9
                  Klasse
                  habt ihr euch mal ans guinesbuch gewandt?

                  Kommentar


                  • Thomas
                    Alter Hase
                    • 01.08.2003
                    • 3118

                    • Meine Reisen

                    #10
                    Solange ihr den Puig Major noch nicht bestiegen habt, könnt ihr aber noch nicht behaupten, die höchsten Erhebungen aller deutscher Bundesländer erobert zu haben.
                    Nur wo du zu Fuß warst, bist du wirklich gewesen.

                    Kommentar


                    • Ranger
                      Erfahren
                      • 15.12.2004
                      • 435

                      • Meine Reisen

                      #11
                      Wer ist in diesem Bundesland schon zum Bergsteigen (naja, kommt drauf an welche... ) unterwegs!!!
                      Gruß
                      Robert

                      www.roberthaasmann.com

                      Kommentar


                      • Flachlandtiroler
                        Freak
                        Moderator
                        Liebt das Forum
                        • 14.03.2003
                        • 23210

                        • Meine Reisen

                        #12
                        Zitat von Ranger
                        Wer ist in diesem Bundesland schon zum Bergsteigen (naja, kommt drauf an welche... ) unterwegs!!!
                        Na die Flachlandtiroler, wer denn sonst?

                        Gruß, Martin (mit 5 von 16)
                        Meine Reisen (Karte)

                        Kommentar


                        • asrael
                          Erfahren
                          • 08.10.2003
                          • 190

                          • Meine Reisen

                          #13
                          Wir hatten mit Kritik gerechnet, aber der Puig Major???
                          Wir hatten uns die Grenzen von 2004 zum Maßstab genommen, also weder 1939 noch 2060 oder ähnliches :wink:

                          @ Flachlandtiroler: Welche fünf denn? Die hohen oder die, die schwierig zu finden sind??

                          Gruß

                          Tom
                          Because it`s there!

                          Kommentar


                          • Flachlandtiroler
                            Freak
                            Moderator
                            Liebt das Forum
                            • 14.03.2003
                            • 23210

                            • Meine Reisen

                            #14
                            Zitat von asrael
                            @Flachlandtiroler: Welche fünf denn? Die hohen oder die, die schwierig zu finden sind??
                            Natürlich Kahler Asten & Langenberg (quasi Heimspiel ); dazu noch Brocken, Zugspitze, Erbeskopf und Feldberg (sowohl den im Taunus als auch den im Schwarzwald). Also eher die "Höheren" [edit]In Bremen war ich auch schon, wer weiß ob ich nicht aus Versehen auf dem "Summit" gestanden bin? [\edit]

                            Von wegen 1939, 2060 und so schlage ich vor wir begeben und in die Kaiserzeit. Statt Puig Major Ortler/Großglockner kommt dann die "Kaiser-Wilhelm-Spitze" (5895m) dazu... CaRsTeN liegt vorne, würde ich sagen...

                            Gruß, Martin
                            Meine Reisen (Karte)

                            Kommentar


                            • Carsten010

                              Fuchs
                              • 24.06.2003
                              • 2074

                              • Meine Reisen

                              #15
                              Echt fett!

                              Jetzt noch ne kleine Website dazu, der man die eigenen Gipfelfotos als Beweis schicken kann, um in den "16-Summit-Club" aufgenommen zu werden und das Ding hyped ohne Ende.

                              Meine ich ganz ehrlich

                              CU

                              Carsten
                              Eine komplette UL-Ausrüstung in einem Shop gekauft

                              Kommentar


                              • Speedwurm
                                Erfahren
                                • 01.02.2004
                                • 399

                                • Meine Reisen

                                #16
                                Hi,

                                ich stelle mir grade die Gesichter der Einheimischen an den weniger bekannten Gipfeln vor, die dann mit Horden von einfallenden, bis zum gehtnichtmehr alpin gerüstenden, Bergsteigern zu kämpfen haben

                                Heiko

                                Kommentar


                                • -Flo-
                                  Erfahren
                                  • 09.03.2004
                                  • 146

                                  • Meine Reisen

                                  #17
                                  hehe, geniale idee und weltklasse bericht. herzlichen glückwunsch zu dieser außerordentlichen leistung!!!!

                                  insbesondere, nachdem eure konkurrenz bis jetzt ja nur 4 der gipfel bestiegen hat... :wink:

                                  Kommentar


                                  • Eifel-Yeti
                                    Erfahren
                                    • 06.11.2004
                                    • 125

                                    • Meine Reisen

                                    #18
                                    Zitat von Carsten010
                                    Echt fett!

                                    Jetzt noch ne kleine Website dazu, der man die eigenen Gipfelfotos als Beweis schicken kann, um in den "16-Summit-Club" aufgenommen zu werden und das Ding hyped ohne Ende.

                                    Meine ich ganz ehrlich

                                    CU

                                    Carsten
                                    Wenn der Iniziator dieses Threads dazu Ambitionen hat, so kann er sich gerne bei mir melden. Würde das sehr gerne umsetzen

                                    Gruß,
                                    Matthias
                                    NaTOURwunder.de

                                    Kommentar


                                    • MichaelL
                                      Gerne im Forum
                                      • 23.12.2003
                                      • 89

                                      • Meine Reisen

                                      #19
                                      @Alle: Danke für das viele Lob.

                                      Zitat von Kai
                                      Klasse
                                      habt ihr euch mal ans guinesbuch gewandt?
                                      Nö, haben wir nicht. Ich glaub auch nicht, das es für sowas eine
                                      Kategorie gibt. Obwohl, da stehen ja teilweise noch viel blödsinnigere
                                      Sachen drin.

                                      Zitat von Eifel-Yeti
                                      Wenn der Iniziator dieses Threads dazu Ambitionen hat, so kann er sich gerne bei mir melden. Würde das sehr gerne umsetzen

                                      Gruß,
                                      Matthias
                                      siehe PN.
                                      Bin schwer begeistert.

                                      Gruß

                                      Michael

                                      Kommentar


                                      • Flachlandtiroler
                                        Freak
                                        Moderator
                                        Liebt das Forum
                                        • 14.03.2003
                                        • 23210

                                        • Meine Reisen

                                        #20
                                        Zitat von MichaelL
                                        Zitat von Kai
                                        Klasse
                                        habt ihr euch mal ans guinesbuch gewandt?
                                        Nö, haben wir nicht. Ich glaub auch nicht, das es für sowas eine
                                        Kategorie gibt.
                                        Also diese 16 summits waren ja schon 2x Thema in dra; insofern wird es sicher einige "16-summiter" geben. Ob das jetzt in einem Jahr gemacht wurde ist sicher auch noch steigerungsfähig.
                                        In CH wird es mit der Unzahl von Kantonen schon schwieriger, da gibt es sowas jedenfalls auch. USA dito.

                                        Gruß, Martin
                                        Meine Reisen (Karte)

                                        Kommentar

                                        Lädt...
                                        X