[DE] Upland- & Diemelsteig – Eine kulinarische Annäherung

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  • walu
    antwortet
    Vielen Dank für Eure Kommentare! 😀


    Zum Schluss noch eine Empfehlung für ein Buch, das ich während der Tour gelesen habe:

    "Sommernächte" von Aharon Appelfeld

    Ukraine 1943: Ein elfjähriger jüdischer Junge, dessen Eltern fliehen mussten, wandert mit dem blinden Landstreicher "Großvater Sergei" durchs Land. Trotz seiner Blindheit kann Großvater Sergei dem Jungen Vieles beibringen und seine Lebensweisheiten weitergeben - oder sie sitzen einfach schweigend am Lagerfeuer.

    Ein "langsames", sehr anrührendes Buch, das perfekt zum Wandern passt...

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  • Blubbi
    antwortet
    Auch von mir danke für den schönen Bericht
    Es ist doch immer wieder schön, Berichte über Trails zu lesen, die man selber schon gegangen ist. Sich zurückerinnern zu können macht doch immer wieder Spaß.
    Danke

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  • Pflaume09
    antwortet
    Danke für den Bericht. Sehr lesenswert!

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  • walu
    antwortet
    Tag 6 – 20.04.2022: Usseln – Willingen

    25 km

    Heute Morgen prophezeit wetteronline das Gewitter bereits um 14:00 Uhr.
    Da werde ich wohl nass werden, zumal ich nicht vor 8:00 Uhr frühstücken kann.
    Egal, das Frühstück ist gut und reichhaltig und um 8:45 Uhr starte ich die letzte Etappe bei trockenem, kühlem Wetter.

    Gleich hinter dem Sportplatz gelange ich in einen schmalen Pfad mit nassen Büschen, unterquere das Viadukt und erreiche wenig später die Diemelquelle.

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    Dahinter folgt ein Fahrweg durch gesunden(!) Fichtenwald, der auf schmalerem Weg in einen schaurig schönen nebligen Mischwald übergeht.

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    In der ersten Wanderstunde schaffe ich 5,3 km. Mit diesem Schnitt könnte ich es bis 14:00 Uhr nach Willingen schaffen, aber das wird wohl nicht klappen.

    Eine halbe Stunde später hole ich ein Paar mit Rucksäcken ein. Sie machen heute nur eine Halbtagestour, sind aber sehr am Weitwandern interessiert. In zwei Jahren, wenn sie in Rente sind, wollen sie durch Schottland wandern. So haben wir interessanten Gesprächsstoff und laufen eine ganze Zeit zusammen.

    Inzwischen haben wir den Rothaarsteig erreicht. An der Hillekopfhütte verabschiede ich mich von meinen Kurzzeitbegleitern und schlage eine andere Richtung ein.

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    Uplandsteig meets Rothaarsteig


    Ein herrlicher Single Trail führt mich zu einem Höhepunkt der Tour, der Hochheide.
    Inzwischen kommt auch die Sonne immer wieder mal hervor und sorgt für Lichtstimmungen in dieser besonderen Landschaft.

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    Viele Wege führen durchs Sauerland


    Hier sind auch einige Sparziergänger und vor allem Radfahrer unterwegs.

    Wo viele Menschen sind, ist auch eine Gaststätte (oder umgekehrt?), hier die „Hochheidehütte“. Eine Einkehr spare ich aber, da ich wegen des angekündigten Gewitters schneller unterwegs sein will. Außerdem gibt es am weiteren Weg viele leckere Fichtenspitzen zu naschen.

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    Aussicht an der Hochheidehütte


    Schließlich erreiche ich den Langenberg, mit 843 Metern der höchste Punkt Nordrhein-Westfalens. Hier muss ich doch mal eine Pause machen. Auf dem Rothaarsteig gibt es gefühlt noch mehr Bänke (und vor allem Liegebänke) als auf dem Upland- oder Diemelsteig.

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    Gipfel des Langenbergs


    Kurz darauf warnt ein Schild vor dem schwer begehbaren Uplandsteig. Ich merke davon allerdings nichts – aber es ist ja auch (noch) trocken.

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    Jetzt geht es nur noch bergab. Nach einem alten Richtplatz kommt bald Willingen in Sicht.

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    Erster Blick auf Willingen


    Der Weg beschreibt nochmal eine große Schleife und trifft schließlich auf meinen Weg vom letzten Sonntag. Noch zwei Kilometer und ich stehe vor dem Bahnhof, den ich um tatsächlich um Punkt 14:00 Uhr erreiche.

    Geschafft!

    Vom angekündigten Gewitter keine Spur, dafür Menschenmassen, die gerade aus einem extralangen Zug aussteigen. Frauen- und Männergruppen aller Altersschichten mit großen Koffern. Man meint, Willingen sei der deutsche Ballermann…

    Ich habe noch eine gute Stunde, bis mein SEV-Bus fährt und beschließe die Tour mit Käsespätzle im Bavaria-Stadl.



    Fazit

    Wie erwartet eine unspektakuläre gemütliche Tour. Viel abgeholzter Wald, immer wieder Lärm durch mähende Bauern und Motorradfahrer, aber auch weite Fernblicke, offenes Land und da, wo er gesund ist, richtig schöner Wald. Außer an Diemelsee und Hochheide so gut wie keine Menschen.

    Die Trekkingplätze sind gut gepflegt und liegen fast alle an schönen Orten, aber meistens nicht versteckt. Mit ein bisschen Planung klappt auch die Wasserversorgung. Für längere Touren muss man allerdings frühzeitig reservieren. Besonders die Wochenenden sind auf Monate hin ausgebucht.

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  • walu
    antwortet
    Tag 5 – 19.04.2022: Trekkingplatz D/U – Usseln

    27 km ↑ 600 m ↓ 480 m

    Schade, das war schon die letzte Nacht im Zelt für diese Tour. Ich habe gar keine Lust auf die Pension heute Abend.

    Das Wasser musste ich gestern wirklich streng rationieren, heute springen gerade mal noch 100 ml für den Kaffee heraus, der dafür besonders stark wird. Aber im nächsten Ort gibt es ja einen Friedhof.

    Ich packe zusammen, zum Glück ist erneut alles trocken geblieben, und laufe los.
    Am Aussichtspunkt bei der Schutzhütte Niegelscheid sieht man nochmal den Diemelsee. Das war mir vorgestern gar nicht aufgefallen.

    Aus einem Impuls heraus betrachte ich meinen rechten Unterschenkel und sehe, was man nicht sehen will: Einen schwarzen Punkt. Die Lupen-App bestätigt es, eine Zecke!
    Na warte, du Mistvieh!
    Wenigstens hat sie mir den Gefallen getan, sich da festzubeißen, wo ich sie gut erreichen kann.
    Also Zeckenzange rausgekramt und da ist es auch schon um sie geschehen.

    Das Vieh hat mir die Laune gründlich verdorben und etwas missmutig stapfe ich weiter. Es geht aber auch dauernd durch hohes Gras.

    Kurz vor Hemminghausen trennen sich Upland- und Diemelstieg wieder. Heute bleibe ich natürlich auf dem Uplandsteig und erreiche bald den Friedhof mit köstlichem Wasser.

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    Ortsausgang von Hemminghausen


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    700 Meter später stehe ich am Ortsrand von Eimelrod. Der Weg führt nicht hinein sondern in mehreren Bögen herum, unter anderem über einen tollen Kammweg. Nach einigem Hoch und Runter komme ich zum Trekkingplatz U2, auch dieser mit toller Aussicht, einer Schutzhütte und sogar einer Liegebank. Zur Belohnung für den Schreck heute Morgen gibt’s eine ganze Tafel Ritter Sport, die ich schon die ganze Tour mit mir rumschleppe. Rum-Trauben-Nuss, die „old school“ Sorte.

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    Blick von der Liegebank bei Plattform U2

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    Neerdar


    Gut gestärkt geht es runter nach Neerdar und von dort wieder bergauf. Eine Frau mit zwei großen Hunden kommt mir entgegen, einer davon pitschnass.
    Als ich nach 500 Metern das Wassertretbecken erreiche, weiß ich auch warum. Der Hund war im Becken (obwohl das für Hunde verboten ist).
    Ich gehe trotzdem hinein und nutze auch das Armbecken. Erst danach lese ich, dass die gleichzeitige Anwendung für Beine und Arme die Wirkung aufhebt. Hm, erfrischend war es allemal.

    Es geht noch 200 Meter auf dem Sträßchen weiter bergauf, bis ein Wegweiser in eine hohe Wiese hineinzeigt. Es ist aber absolut kein Weg zu erkennen. Beim Blick auf den GPS-Track stelle ich fest, dass der Track mal wieder nicht mit dem Weg übereinstimmt.
    Ich suche eine ganze Weile. Dem platt getreten Gras nach zu urteilen, war ich nicht der erste, der hier gesucht hat.
    Schließlich finde ich am Waldrand einen schmalen Pfad, der steil abwärts führt, und kurz darauf auch wieder Markierungen. Weg und Track stimmen weiterhin nicht überein. Die Markierungspfosten sehen sehr neu aus, also wahrscheinlich eine neue Wegführung.

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    Erst kurz vor dem Tretbecken von Bömighausen führen sie wieder zusammen.
    Dort mache ich nur eine Armanwendung – für optimale Wirkung!

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    Tretbecken der modernen Art


    Ab jetzt gibt es ein paar Abkürzungsmöglichkeiten. Ich laufe jedoch alles komplett aus bis zum Campingplatz am Bömighäuser Teich. Dort hat der Uplandsteig seinen östlichsten Punkt erreicht und macht eine 170 Gradwende.

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    Ich wandere westwärts durch die typische offene Sauerland-Landschaft. Nachdem ich eine große Wiese überquert habe und ein Stück am Waldrand entlang gelaufen bin, sagt mir komoot, dass ich die Tour verlassen hätte. Hm, ich habe keine Abzweigung gesehen, aber da muss eine gewesen sein.
    Ich laufe zurück und entdecke tatsächlich einen Wegweiser zwischen lauter umgestürzten Bäumen. Das ist vielleicht erst am Montag bei dem Unwetter passiert, jedenfalls gibt es kein Durchkommen.

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    Kein Durchkommen 😕


    Laut Karte müsste ich wieder zurück über die große Wiese und einen ziemlich großen Umweg machen. Der Weg am Waldrand sieht richtungsmäßig eigentlich gut aus, aber er ist nicht in der Karte verzeichnet. Ich laufe ihn trotzdem und finde problemlos wieder zum Uplandsteig.

    Nun folgt ein quälend langes Wegstück, größtenteils auf Asphalt. Mir schmerzt die linke Schulter, ich müsste dringend mal den Rucksack absetzen, aber jetzt kommt natürlich keine Bank.

    Kurz vor Usseln teilt sich der Uplandsteig in eine Berg- und eine Talvariante. Da ich in Usseln eine Pension gebucht habe, muss ich die Talvariante gehen, die durch den Ort führt.

    30 Minuten später stehe ich an der Rezeption. Eine Radiostimme im Hintergrund kündigt für heute Abend und morgen schlimme Unwetter an.
    Aber nun steht erst mal die heiße Dusche an, welch eine Wohltat.
    Kurz darauf bricht tatsächlich ein Gewitter los, das sich über mehrere Stunden hinzieht. Laut wetteronline soll es morgen um 15:00 Uhr wieder gewittern.
    Später laufe ich im Regen zur Ortsmitte und finde ein passables deutsches Restaurant mit sauerländischen Spezialitäten, z.B. Schnitzel.

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  • walu
    antwortet
    Tag 4 – 18.04.2022: Trekkingplatz D2 – Trekkingplatz D/U

    27 km ↑ 650 m ↓ 490 m

    Um 6:20 Uhr höre ich ein Auto heranfahren. Türen schlagen.
    Im Unterschied zu gestern bin ich gerade aufgestanden und befinde mich auf der Komposttoilette.
    Der Mann, der jetzt auf mich zukommt, ist ein Angestellter der Gemeinde Diemelsee und bringt Klopapier und Desinfektionsmittel für die Toilette. Der hat ja frühe Arbeitszeiten.

    Er fragt nach falschen oder fehlenden Markierungen am Diemelsteig. Ich kann ihm nur welche vom Uplandsteig nennen, aber die interessieren ihn nicht. Als ich ihm erzähle, dass ich heute zur Plattform D/U wandern möchte, kann er es gar nicht fassen.
    „D/U? Das sind ja……. Moment D/U? …….das sind ja über 30 Kilometer!“
    „29,6 laut Komoot“.
    „….und am Schluss nochmal schlimme Anstiege. Und das bei dieser Hitze! Da müssen Sie abkürzen.“
    Er sucht angestrengt nach Abkürzungen, findet aber nur eine Möglichkeit direkt hinter Adorf, wo man die Schleife zur Grube Christiane auslassen könnte. Das hatte ich selbst auch schon überlegt. Es sollte über 2 km und einige Höhenmeter einsparen.

    Wir reden noch ein paar Minuten weiter über die Trekkingplätze, den Borkenkäfer und den Tourismus im Sauerland bevor er wieder abrauscht.

    Ich lasse heute das Frühstück ausfallen. Nach 3 Kilometern werde ich Adorf erreichen, wo es einen Supermarkt gibt und ich hoffentlich einen Kaffee bekomme.

    Um 7:15 Uhr starte ich, komme wieder an einem schönen Wassertretbecken vorbei und stehe um kurz vor 8 am Edeka. Eigentlich brauche ich gar nicht viel. Cracker, Wasser und natürlich Rotwein. In der angeschlossenen Bäckerei mache ich einen Kaffee-Croissant-Stopp und fülle den Wein in die Platypusflasche um.

    Ich entscheide mich für die Abkürzung, trotzdem muss ich eine lange Strecke unter der Sauerländer Sonne bergauf wandern.

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    Ich passiere den Trekkingplatz D1 und erspähe zum ersten Mal den Diemelsee.

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    Toilettenhäuschen von Plattform D1


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    Die Ausblicke werden nun immer besser, auch ein Foto des berühmten Schutzhüttenfensters St. Muffert darf nicht fehlen.

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    In diesem Bereich sind, im Gegensatz zur restlichen Tour, sehr viele Spaziergänger unterwegs.


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    Nach dem höchsten Punkt der Gemeinde Marsberg geht es lange bergab zum Diemelsee und wenig später zur Staumauer.

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    Abgeholzte Waldflächen - leider ein sehr häufiges Bild
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    Endlich am Diemelsee angekommen
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    Die Staumauer


    Dahinter diverse Großparkplätze, viele Menschen und Motorradfahrer.
    Da taucht der Fritten-Jupp auf. Nach dem vielen Grünzeug könnte ich eine Vitamin-Pause vertragen.
    Ich muss noch eine halbe Stunde warten, kann mich aber schon setzen und den Blick auf den See genießen. Als die Küche öffnet entscheide ich mich für das Zigeunerschnitzel (Gibt’s das noch?).
    Mein Fehler! Von einer Imbissbude kann man keine selbstgemachte Paprikasauce erwarten, das ist süßes Ketchup. Naja, der Rest ist in Ordnung, macht satt und schon bald werde ich einen schönen Wildkräuter-Nachtisch haben.

    Nun geht es oberhalb des linken Seitenarms des Diemelsees weiter.

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    Am Ende überquere ich den zweiten Seezufluss, die Itter, danach folgt ein langer Anstieg. Mitten drin liegt der Trekkingplatz D4 mit herrlicher Aussicht, aber auch viel Wind.


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    Aussicht von Plattform D4


    Hier mache ich Pause und merke, dass mein Wasser knapp wird. Dummerweise habe ich an der Toilette am Diemelsee nicht nachgefüllt.
    Gerade als ich weiterwandern will kommt die junge Frau, die ich gestern in Flechtdorf getroffen habe. Heute will sie hier übernachten und wir unterhalten uns noch eine Weile.

    Mir stehen noch 6 km bevor. Erst mal ein weiterer Anstieg und dann runter zum Dommelhof, wohin ich vorgestern über den Uplandsteig gekommen bin.
    Den Diemelsteig habe ich also schon mal geschafft, bleibt noch der Rest vom Uplandsteig, der jetzt mit den 5,5 vertrauten Kilometern beginnt.

    Ohne große Anstrengung erreiche ich meinen Übernachtungsplatz D/U gegen 16:30 Uhr. Ich fühle mich recht fit, hätte also auch die Schleife hinter Adorf noch gut geschafft.
    Den D/U hatte ich ja vorgestern Mittag bereits inspiziert. Jetzt sehe ich, dass er in der prallen Sonne liegt, was sich bis Sonnenuntergang auch nicht ändern wird. Außer mitten auf dem Wanderweg gibt es keine Möglichkeit, Schatten zu finden.

    Was solls, lieber Sonne als Regen!
    Nach 18:00 Uhr wird es ein paar Grad kühler, ich baue mein Zelt langsam auf und schreite zum Abendmenü.


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    Heute gibt es Hummus, das man mit kaltem Wasser anrühren kann, natürlich wieder mit Zutaten wie Olivenöl, Röstzwiebeln, getrockneten Tomaten und viel Knoblauchsrauke. So schmeckt das gar nicht so übel. Dazu die Cracker vom Edeka und nach dem zweiten Glas Bordeaux geht’s mir richtig gut.

    Tiere sehe ich keine mehr, außer den Vögeln, die mich später in den Schlaf singen.

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  • walu
    antwortet
    Hast Du denn die Bärlauchfrüchte auch verwendet? Die sind toll :-)
    Wenn man sie kurz blanchiert, sind sie nicht ganz so prägnant.
    Auf dieser Tour nicht, da war der Bärlauch noch im Blütenstadium.
    Daheim habe ich schon alle Teile vom Bärlauch verarbeitet, allerdings noch nicht auf diese Art. Danke für den Tipp 🙂

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  • lina
    antwortet
    Hast Du denn die Bärlauchfrüchte auch verwendet? Die sind toll :-)
    Wenn man sie kurz blanchiert, sind sie nicht ganz so prägnant.

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  • walu
    antwortet
    Tag 3 – 17.04.2022: Trekkingplatz D3 – Trekkingplatz D2

    16 km ↑ 260 m ↓ 400 m

    Um 6:20 Uhr höre ich ein Auto heranfahren. Türen schlagen. Aber als ich eine halbe Stunde später aus dem Zelt krieche, ist nichts zu sehen.

    Toll, die Sonne scheint wieder.
    Heute habe ich nur 16 km vor mir, da kann ich mir viel Zeit lassen. Hier ist es so schön, und vielleicht trocknet das Zelt auch noch ein bisschen.
    Ich wasche mich an der Quelle in Gegenwart eines kleinen Froschs und frühstücke Cracker in Lindenblättern und Kaffee.

    In 1,5 bis 2 Stunden werde ich nach Flechtdorf und zur angeblich besten Bäckerei des Sauerlands kommen. Dort spekuliere ich auf ein zweites Frühstück.

    Aber jetzt heißt es erst mal zusammenpacken. Es ist so angenehm, dass das Zeltmaterial kein Wasser aufsaugt. So bekomme ich es problemlos verpackt und bin trotz Trödeleien bald abmarschbereit.

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    Im ersten Waldstück treffe ich auf den „Weg der Stille“, das Pendant zum Besinnungsweg auf dem Uplandsteig. Und bald sehe ich Flechtdorf liegen. Der Weg zieht sich dann noch etwas bis zur Ortsmitte, aber irgendwann bin ich da und steuere geradewegs in die kleine Bäckerei.
    Die junge Verkäuferin ist hinter der Maske kaum zu verstehen, aber ich bekomme ein belegtes Brötchen, ein Croissant, einen nicht ganz so guten Kaffee und kann mein Mobiltelefon aufladen.
    Ich nehme noch zwei herzhafte Teilchen mit für unterwegs, eines mit Oliven, eines mit Sauerkraut(!).

    Hier im Ort gibt es auch ein altes Kloster mit einer großen Kirche und einen Friedhof mit gutem Wasser.

    Am Friedhof merke ich, dass die Diemelsteig-Markierung von meinem GPS-Track abweicht. Man soll wohl noch eine weitere Schleife um Flechtdorf herumlaufen. Hinter dem Dorfteich führt ein kaum erkennbarer Pfad nach oben.
    Und dort sitzt eine junge Frau auf einer Bank. Sie richtet ein Solarladegerät nach der Sonne aus.
    „Das sieht nach Trekkingtour aus“, begrüße ich sie.
    Ja, sie wandert den Diemelsteig in entgegengesetzter Richtung und wir tauschen unsere Übernachtungsplätze von gestern und heute.
    Immer wieder schön, Gleichgesinnte zu treffen.

    Weiter geht’s durch herrlichen Laubwald, vorbei an Bärlauchfeldern und über den Lenkenberg mit weiten Ausblicken.

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    Bärlauch mit Bach

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    Bärlauch mit Bank
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    Lenkenberg


    Bald darauf erreiche ich den Trekkingplatz D2, versteckt im Wald. 30 Meter entfernt steht eine Bank, von der man eine schöne Aussicht auf die Felder hat.

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    Für das Abendessen war eigentlich kalte Küche mit Hummus geplant, aber ich habe noch die Teilchen aus der Bäckerei. Also gibt’s das Hummus morgen.
    Besonders das Sauerkraut-Teil schmeckt hervorragend.

    Mit einem ruhigen Abendausklang wird es leider nichts, denn zwei Bauern mähen mit riesigen Traktoren ihre Felder. Ich bewundere jeden Bauer, der sich diesen Job antut, aber müssen die ausgerechnet heute Abend mähen? Wahrscheinlich schon…
    Als ich gegen Mitternacht aufwache sind sie immer noch zugange.

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  • walu
    antwortet
    Danke für die netten Kommentare!

    Hallo Blubbi,
    ja, das Forum ist einfach eine tolle Inspirationsquelle. Bornholm habe ich übrigens auch auf meine Liste gesetzt 🙂
    Für essbare Wildpflanzen interessiere ich mich schon länger. Das lässt sich perfekt mit Wandern kombinieren.

    Leider habe ich keine genaue Waage, aber das Basisgewicht lag bei etwas über 5 kg. Dazu noch Wasser und Essen ca. 3,5 kg.
    Viele Grüße, Wolfgang

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  • Blubbi
    antwortet
    Hallo walu,
    es freut mich sehr zu hören, dass dir mein Bericht gefallen hatte und du dadurch inspiriert wurdest. Genau dafür gibt man sich doch die ganze Mühe
    Hübsche Bilder, ich bin gespannt auf mehr. Deine Ernährung ist zwar bis jetzt überhaupt nicht mit meiner damals zu vergleichen, aber ansonsten erinnert man sich ja doch immer wieder gerne zurück. Der Trekkingplatz an der frischen Quelle Rhene ist z.B. schon wirklich sehr luxuriös.
    Wieviel hatte dein Rucksack beim Start gewogen und wie war das Basisgewicht?
    Viele Grüße, Blubbi

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  • lina
    antwortet
    Zitat von Pflaume09 Beitrag anzeigen
    Sehr schön, freu mich auf die Fortsetzung!
    [+1]!

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  • walu
    antwortet
    Tag 2 – 16.04.2022: Trekkingplatz U1 – Trekkingplatz D3

    24 km ↑ 510 m ↓ 550 m

    Viel geschlafen habe ich nicht, aber ich fühle mich fit. Der Quilt hat mich in der kalten Nacht warm gehalten.
    Zum Frühstück gibt es Cracker in Buchen- und Birkenblättern und Kaffee.

    Fix packe ich zusammen – es ist alles trocken – und starte gegen 8:30 Uhr. Am Himmel hängen ein paar Wolken, es ist ziemlich schwül.
    Zuerst laufe ich, wie gestern abend, zur Schwalenburg, dann auf schmalem Pfad steil bergab.

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    Und immer weiter abwärts über Wiesen und kleine Sträßchen bis zu einem gut gepflegten Wassertretbecken!

    Wahnsinn, gibt es so etwas noch? Das erinnert mich an meine frühe Kindheit.
    Ich zögere nicht lange, ziehe Schuhe und Strümpfe aus und drehe ein paar Runden im Storchenschritt. Herrlich!
    Auch eine Katzenwäsche kann ich hier noch nachholen.

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    Dann folgt ein fieser Anstieg im Wald, später treffe ich auf einen Besinnungsweg. Auf Tafeln stehen Sprüche und Bibelzitate, über die man nachdenken kann.

    Am Ausgang des Mini-Ortes Rattlar lasse ich mich von einer Markierung in die Irre führen und merke es erst einen halben Kilometer später. Es lässt sich nicht korrigieren, ich muss wieder zurück.

    Mit weiten Blicken über Felder wandere ich zum Dommelhof, wo der Upland- mit dem Diemelsteig zusammentrifft. Ab da verlaufen beide Wege 5,5 km deckungsgleich. Diese 5,5 km werde ich übermorgen, wenn ich den Diemelsteig beendet habe, nochmal laufen (sofern alles glatt geht).

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    Treffpunkt von Diemel- und Uplandsteig


    Der Himmel zieht sich immer mehr zu und es beginnt zu nieseln. Langsam wird es so stark, dass man sich fragt: Regenschirm auf oder nicht?
    Nachdem ich mich einige Minuten unter einen Baum gestellt habe spanne ich ihn doch auf – um ihn fünf Minuten später wieder einzupacken.

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    Kurz darauf erreiche ich die Plattform D/U, den Trekkingplatz, den Upland- und Diemelsteig gemeinsam nutzen. Er gefällt mir nicht so besonders, liegt direkt am Weg, hat keine zusätzlichen Bänke. Immerhin nach einer Richtung eine passable Aussicht. Übermorgen werde ich hier übernachten, heute mache ich hier Mittagspause.

    Vor Hemminghausen trennen sich die beiden Wege wieder. Für mich gilt es ab jetzt, dem Diemelsteig zu folgen. Der nächste kleine Ort heißt Deisfeld mit der berühmten Diemelüberquerung. Viel mehr gibt es hier nicht zu sehen. Aber halt, der Friedhof ist essentiell, denn dort gibt es frisches Wasser.
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    Die Diemel in Deichsfeld

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    Der Weg macht dann im Wechsel zwischen Wald und Feld einen riesigen Bogen um Schweinsbühl, um nach einem weiteren Anstieg den Trekkingplatz D3 zu erreichen. Dieser ist im Ranking wieder weit oben und wie ein kleiner Park gestaltet. Schutzhütte, mehrere Picknickbänke, ein paar große Bäume, darunter auch mein kulinarischer Favorit, die Linde – und das Beste: Frischwasseranschluss - die Quelle der Rhene.

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    Die Rhene-Quelle


    Gerade habe ich mein Zelt aufgebaut und eingeräumt, da verfinstert sich der Himmel und es beginnt zu donnern. Wenige Minuten später, ich habe mich gerade hingelegt, prasselt es los und hämmert aufs Zelt. Jetzt kann das Free Duo zeigen, was es kann.
    Auf der Plattform steht sofort das Wasser. Durch die harten Tropfen spritzt es etwas von unten ins Zelt, aber ansonsten hält es hervorragend stand.
    Ich liege auf dem Rücken und beobachte die Tropfen, die sich auf dem Zeltdach sammeln und dann in Bächen hinunterlaufen.

    Es schüttet und schüttet. Nach zwei Stunden nimmt der Hunger überhand. Kochen im Zelt kann ich vergessen. Also sammle ich meine Küche und Vorräte zusammen, ziehe die Schuhe an, öffne das Zelt und spurte zur Schutzhütte. Die ist nur 10 Meter entfernt, aber das reicht, um ziemlich nass zu werden.


    Egal, jetzt bin ich im Trockenen und kann mich dem wohlverdienten Abendessen widmen: Kichererbsen-Couscous de luxe.
    Dazu weiche ich getrocknete Steinpilze ein, koche das Wasser auf und gebe das Couscous hinein, dazu kommen wieder getrocknete Tomaten und Scarmorzetti, sowie Röstzwiebeln und Olivenöl. Wäre das Wetter besser, würde ich noch Kräuter dazu sammeln, oder wenigstens Lindenblätter, aber das ist momentan nicht möglich.
    Es schmeckt aber auch so hervorragend und ich bin guter Dinge.

    Nach weiteren zwei Stunden hört der Regen endlich auf. Ich laufe ein paar Meter, sehe einen Feldhasen und entfernt am Waldrand drei Wildschweine.
    Der Mond bleibt heute hinter den Wolken, aber ich gehe zur gleichen Zeit wie gestern ins Zelt.
    Kaum habe ich es mir gemütlich gemacht, beginnt es erneut zu regnen. Zum Glück nicht mehr so stark, sodass mir bald die Augen zufallen.

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  • Pflaume09
    antwortet
    Sehr schön, freu mich auf die Fortsetzung!

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  • walu
    hat ein Thema erstellt [DE] Upland- & Diemelsteig – Eine kulinarische Annäherung.

    [DE] Upland- & Diemelsteig – Eine kulinarische Annäherung

    Vorneweg


    Corona sei Dank! Ja, die Krise hatte auch etwas Positives.
    Seit Jahrzehnten war ich am Hadern, ob ich mir nochmal eine Zeltausrüstung zulegen soll. Mein Rücken und eine dünne UL-Matratze, die würden bestimmt keine Freunde werden.

    Doch als im letzten Jahr Lockdowns und G-Regeln eine Hotel-Weitwanderung unmöglich machten, habe ich es einfach probiert. Und siehe da, es funktionierte und hat Riesenspaß gemacht. Draußen übernachten hebt das Wandern nochmal auf eine andere Stufe.

    Also geht es weiter, erst mal in Deutschland mit Trekkingplätzen. Und mit dabei: mein neues Zelt Free Duo von zpacks (warum Kleckern wenn man auch klotzen kann 😊 )

    Blubbis schöner Bericht vom Diemelsteig weckte mein Interesse für das Sauerland. In Kombination mit dem Uplandsteig kann man immerhin eine knappe Wanderwoche mit Trekkingplätzen gestalten. Beide sind gut 60 km lange Rundwanderwege, die sich berühren.

    Hier sieht man eine Karte mit dem groben Wegverlauf, den Trekkingplätzen und den Wasserstellen.


    So buchte ich sechs Nächte für Anfang April. Erst im Anschluss merkte ich, dass das Upland im Wetterbericht immer genannt wird, wenn es um die hessischen Tiefsttemperaturen geht. Prompt gab es im April einen Wintereinbruch mit Schnee und Minustemperaturen.
    Zum Glück konnte ich umbuchen. Sechs Nächte in Folge wären allerdings erst im September wieder möglich gewesen. Die Plätze sind extrem beliebt. Also umplanen. Vier Nächte auf Trekkingplätzen mit längeren Etappen und eine letzte Nacht in einer Pension. Ist vielleicht nicht so schlecht, wenn man nochmal duschen kann, bevor man in die Zivilisation zurückkehrt.

    Willingen sollte der Startpunkt sein. Weil es von dort aber nur 7 Kilometer bis zum ersten Trekkingplatz sind, setzte ich noch gut 8 Kilometer davor und startete in Brilon Wald.


    Tag 1 – 15.04.2022: (Brilon Wald - ) Willingen – Trekkingplatz U1

    15,7 km ↑ 350 m ↓ 210 m


    Pünktlich um 11:40 Uhr läuft mein Zug in Brilon Wald ein. Hier war mal ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt und schon der Name hatte für mich immer etwas Geheimnisvolles.
    Nach den vielen Rationalisierungen der Deutschen Bahn ist davon nicht mehr viel zu spüren, und so laufe ich direkt los.

    Knapp 20 Grad, blauer Himmel, Sonnenschein, so kann es bleiben. Mein Weg führt mehr oder weniger im Tal an der Bahn entlang auf breiten Forstpisten. Nichts Tolles, aber so komme ich langsam in Schwung.

    Am Wegrand wachsen Wildkräuter in Massen, aber mit Rucksack fällt das Bücken schwer. Zum Glück ist gerade Baumblatthochsaison. Super Snacks „on the fly“: Buche, Birke, Spitzahorn, Fichtenspitzen. Ich schmecke mich ins Sauerland ein…

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    Allzu viel passiert nicht auf dem Weg. Nach 1,5 Stunden habe ich den ersten Blick auf Willingen und die Markierung des Uplandsteigs hat sich unbemerkt zu mir gesellt.
    Ich wandere vorbei an der Sommerrodelbahn, diversen Liften und Seilbahnen und über riesige Parkplätze mit ziemlich vielen Wohnmobilen. Nach dem hübschen kleinen Kurpark erreiche ich die belebte Hauptstraße und das „Bavaria-Stadl“. Zeit für ein zünftiges Mittagessen!

    Einen Spießbraten später finde ich mich wieder auf dem Uplandsteig. Ab jetzt nur noch Superfood!
    Schon bald lasse ich die letzten Häuser hinter mir, laufe über blühende Wiesen und in den schattigen Wald hinein. Außer mir scheint niemand unterwegs zu sein.

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    Irgendwie geht es total schnell: Ein Bärlauchfeld, ein Tal mit belebter Straße, ein schmaler ansteigender Pfad und schon stehe ich um 15:30 Uhr am Trekkingplatz an der Schwalenburg.
    Etwas abseits vom Weg mit phantastischer Aussicht. So gefällt mir das.
    Nur direkt an der Plattform ist Holz aufgestapelt, sonst hätte man auch aus dem Zelt einen tollen Blick.

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    So, jetzt geht es an den ersten ernsthaften Aufbau des Free Duo. Trotz etwas Wind läuft das völlig easy. Mit vier speziellen Plattformheringen steht es bombenfest. Innen großzügig und geräumig, sodass ich problemlos meinen ganzen Kram hineinbekomme.
    Die Temperaturen sind so, dass man es im Zelt gut aushält. So lege ich eine kleine Schlummerrunde ein.

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    Gegen 18:00 Uhr mache ich einen Spaziergang zur Schwalenburg, von der allerdings nichts mehr zu sehen ist. Gerade in der Abendsonne herrscht hier eine besondere Stimmung, Es gibt Picknickbänke und einen Aussichtsturm, aber keine Menschen.

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    Auf dem Rückweg sammle ich Kräuter fürs Abendessen.

    Wie wird aus einer 5-Minuten-Terrine Superfood?
    Ganz einfach, durch viele, viele gute Zutaten.
    In dem Wasser für die Terrine blanchiere ich kurz ein paar Löwenzahnknospen. Die kommen dann zusammen mit Knoblauchsrauke, Scamorzetti, getrockneten Tomaten und frischen Sprossen (von daheim mitgebracht) in den Kartoffelsnack. Ein herrliches Essen!
    Zur Krönung leiste ich mir noch einen ganz besonderen Luxus: Rotwein.
    (Von Platypus gibt es tatsächlich eine Faltflasche für Rotwein)
    Abgesehen vom Motoradlärm der eigentlich weit entfernt liegenden Straße ein perfekter Abend!

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    Später gibt es noch ein paar Tierbegegnungen: Ein laut bellender Fuchs, ein Reh und ein kleines Tier, das ich nicht genau erkennen kann. Am Trekkingplatz hängt ein Plakat mit Wildkatzen, die es hier geben soll. Von der Größe könnte das hinkommen, aber so scheu wie die sind, werden sie mir eher nicht über den Weg laufen…

    Gegen 21:20 Uhr geht ein riesiger Vollmond auf, kurz darauf verschwinde ich ins Zelt.
    Zuletzt geändert von walu; 27.06.2022, 11:36.
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