Obere Havel Ostern 2022, 19.-23.4.2022

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  • Spartaner
    Alter Hase
    • 24.01.2011
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    Obere Havel Ostern 2022, 19.-23.4.2022

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    Mitreisende
    Zur 1. Paddeltour in diesem Jahr wollten wir eigentlich auf das Schwarzwasser/Wda in der Kaschubei gehen. Aber kurz vor Beginn der Osterferien erkrankte Andrea an Corona, so richtig mit den ganzen Tag im Bett liegen. Bis sie sich wieder gesund fühlte, war Ostern vorbei und die lange Anfahrt bis zum Schwarzwasser würde sich für die wenigen verbliebenen Paddeltage nicht mehr lohnen.

    Also habe ich noch schnell eine kürzere Tour vorbereitet. Der Wetterbericht sagte erst Nordwind voraus (tatsächlich wurde es dann eher NO-Wind) und dementsprechend sollte die Tour in Hauptrichtung Süden verlaufen. Da gibt es rund um Berlin nicht allzu viele Möglichkeiten.
    Eine davon ist die Obere Havel von Kratzeburg bis Fürstenberg (53km) oder weiter bis Dannenwalde (100km).
    Wir waren schon lange nicht mehr in der Gegend. 1975 war ich das erste mal hier unterwegs, meine erste Faltboottour von Waren nach Oranienburg. Und Ostern 2007 bin ich das zweite Mal hier gewesen und im RZ85 zusammen mit meiner 10-jährigen Tochter in 3 Tagen von Kratzeburg bis Fürstenberg gesegelt und gepaddelt.
    Andrea kannte die Gegend von vielen Paddelurlauben aus ihrer Kindheit und Jugend sowie von letzten Fahrten mit ihren Kindern in den Neunzigern und Anfang der 2000er Jahre. Und zusammen waren wir 1 - 2 mal zu Paddlertreffen mit kurzen Ausfahrten und einer kleineren Tour vom Küstrinchen kommend.

    Spätestens ab Himmelfahrt und während der gesamten warmen Jahreszeit ist die Obere Havel von Massen von Paddelbooten, aber eben so von Motorbooten und ihrer Subspezies, den Hausbooten bevölkert, die jeder Depp mieten kann, was mit Lärm, Wellenschlag und Gestank verbunden ist, sowie besonders in den Schleusen gefährlich werden kann. Da wäre die Gegend definitiv nichts für uns, viel zu überlaufen.
    Zu Ostern hingegen geht es idR noch gemäßigt zu. Die meisten Motorboote sind noch in ihren Winterquartieren eingesperrt, bei den Paddlern ist fast nur die zahlenmäßig kleine Hardcore-Fraktion unterwegs, und auch die Campingplätze sind erst spärlich besiedelt.

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    #2
    Kratzeburg - Hexenwäldchen
    Di 19. April 2021, 🚗166km, 🛶13.4km

    Bereits um ½10 sitzen wir im Auto und tuckern los. Es geht die B96 über Fürstenberg nach Norden. In Neustrelitz werden letzte Einkäufe erledigt, und ¼2 sind wir in Kratzeburg und landen am Aufbaustrand am Nordufer des Käbelicksees.

    1h später ist das Boot aufgebaut und die Ausrüstung verpackt. Ich fahre das Auto zum Bahnhof, wo es auf dem kleinen Parkplatz auf die Rückfahrt warten kann. Wir essen hier noch Mittag und starten kurz nach 3 aufs Wasser.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6604.JPG Ansichten: 310 Größe: 2,57 MB ID: 3128631

    Zunächst geht es Richtung Süd über den Käbelicksee. Am Ufer war es noch relativ windgeschützt, auf der offenen Wasserfläche bauen sich bald die Wellen auf. Wie von mir vorgesehen, kommt der Wind von hinten oder schräg von hinten und treibt uns rasch voran. Allerdings ist es im Ally oft gar nicht so einfach, die Richtung zu halten. Manchmal reicht es nicht einmal, wenn wir beide auf einer Seite paddeln - das Boot möchte dennoch mit aller Macht in den Wind drehen. In der Spitze erreichen wir hier 8km/h, während wir ohne Wind sonst zwischen 4 und 6 km/h paddeln.

    Nachdem wir in den Windschatten der Halbinsel im Südteil des Sees gekommen sind, beruhigt sich das Ganze:
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    Anschließend geht es in den ersten Flussabschnitt der Havel. Die Havel ist jedoch bereits hier nicht mehr richtig naturnah, sondern kanalisiert:
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    Im naturnahen Zustand würde sich ein kleiner Bach durch Sumpfland schlängeln, wahrscheinlich völlig unbefahrbar.
    Der Kanal wurde allerdings schon vor 150 oder mehr Jahren ausgehoben und die meisten denken wahrscheinlich, dass das hier so aussieht wie im Urzustand.

    Nach 1.3km gelangen wir auf das Südende des Granziner Sees. Das ist schnell durchquert und es geht weiter mit der kanalisierten Havel. Nachdem der kleine Schulzensee überquert ist, kommt man zur Granziner Mühle.

    Hier heißt es aussteigen und Boot und Gepäck 750m über Land zu transportieren. Die Havel ist hier tatsächlich ein kleiner Bach und nahezu unbefahrbar. Zu Ostzeiten sollen noch sowjetische Panzer durch das Bachbett gefahren sein, und das hat den heute so schützenswerten Zustand erzeugt (Bild der Fischtreppe aus den 90er Jahren).

    “Vor 20 Jahren war diese Stelle so eine Art „Vielleichtsperrgebiet“, die Panzer dröhnten durchs Gelände und wir treidelten die Boote durch den heute gesperrten Bach. Aber so richtig bedrohlich fand das keiner, waren ja unsere Freunde” (schrieb Paddelrudi vor 10, 15 Jahren).

    Zum Glück muss man 700m der 750m nicht tatsächlich tragen, sondern man kann auf eine Lorenbahn zurückgreifen. Auf jeder der insgesamt 3 Loren können bis zu vier Kanus transportiert werden. In der Hauptsaison kommt es dennoch ab und zu zu Staus. Mit eigenem Bootswagen am Stau vorbei ist auch nur möglich, wenn dieser relativ geländegängig ist (große Räder).

    Wir haben Glück, dass uns gerade zwei Paddler von unten entgegenkommen und eine der Loren mitbringen. Sie sind mit zwei Kajaks mit Ziel Kratzeburg unterwegs und heute in Wesenberg gestartet.

    Nachdem wir das Boot und das gesamte Gepäck auf der Lore verladen haben, geht es los:
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    15 Minuten dauert die gesamte Umtrage im günstigsten Falle. Wir machen am Ende noch eine Pause und gucken uns an der Einsatzstelle in den Pagelsee um.

    Mit einer Vielzahl von Schildern weist die Nationalparkverwaltung auf allerlei Regeln und Verbote im Müritznationalpark hin.
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    Schwarzzelten ist natürlich streng verboten, und so werden immer auch die nächsten legalen Übernachtungsmöglichkeiten angezeigt:
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    Die Zeitangaben sind dabei recht großzügig kalkuliert.

    Pagelsee:
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    Über den Pagelsee paddelt es sich einfach, da die hohen, mit herrlichem Wald bestandenen Ufer guten Windschutz bieten.
    Bevor man den Südteil des Sees erreicht, unterquert man eine alte Holzbrücke, die eine Engstelle des Sees überspannt. Sie wurde von Pionieren der Sowjetarmee errichtet und 2008 schon mal erneuert. Lange hat der erneuerte Bau jedoch nicht gehalten. Zur Zeit ist die Brücke wegen Baufälligkeit gesperrt und bereits teilweise demontiert. Die Anwohner hoffen noch, dass der Nationalpark ihnen eine neue Brücke errichten wird, evtl. dieses Jahr (2022).

    Nach dem Pagelsee fährt man wieder ~700m durch einen kanalisierten Abschnitt der Havel, wieder ~10m breit, bevor man auf den Zotzensee gelangt.
    Diesen darf man nur entlang einer direkten, 1km langen Linie zum Ausfluss befahren, die mit grünen Bojen markiert ist. Wie bereits 2007 hören wir hier unsere ersten Rohrdommeln rufen.

    Wieder auf der kanalisierten Havel gelangt man nach 1.2km an die nächste Umtrage an der Fischerei Babke:
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    Aus irgendwelchen nicht offensichtlichen Gründen fährt der bereitgestellte Schienenwagen nicht bis ins Wasser, sondern man darf das Gepäck aus dem Boot ausladen, das Boot auf den Schienenwagen setzen, das Gepäck ins Boot einladen, die 40m bis zum anderen Ende rollern, und hier das Ganze nochmal. Die Staus zu Spitzenzeiten sind hier wahrscheinlich 3x so lang wie an der Granziner Mühle.

    Früher durfte man hier auch noch auf einer großen Zeltwiese biwakieren, aber das wurde jetzt verboten. Auf den von der Nationalparkverwaltung aufgestellten Karten ist diese Zeltmöglichkeit noch ausgewiesen (“Naturzeltplatz Wehr Babke”).
    Selbst mal kurz pieseln ist verboten, der Fischer warnt eindrücklich:
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6630.JPG Ansichten: 274 Größe: 1,61 MB ID: 3128640

    Wir halten uns hier nicht länger auf. Es ist bereits nach um 6 Uhr und wir möchten noch zum ersten legalen Campingplatz, zum “Hexenwäldchen” paddeln.

    Aufs Wildzelten verzichten wir auf dieser Tour ausnahmsweise. Schon im Landschaftsschutzgebiet ist es teuer, im Nationalpark wie hier sicherlich mehr, und mit Feuer für den Frühstückskaffee sicher noch mehr.

    Vor uns liegt jetzt der Jähtensee:
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6635.JPG Ansichten: 277 Größe: 1,94 MB ID: 3128644

    Auch hier geht es nur entlang einer gekennzeichneten Linie auf kürzestem Weg über den See. Hat man den See verlassen, dann findet sich nach 300m rechterhand ein nur 2.5m breiter, flacher Graben, der zum Jamelsee führt. Wir haben Glück und das Wasser ist gerade so tief genug. Bei niedrigeren Wasserständen muss man die Strecke treideln. Wobei das Paddeln in diesem extrem flachen und schmalen Kanal auch sehr speziell ist. Der vollbeladene Ally füllt einen großen Teil der Querschnittsfläche aus, man fühlt sich quasi wie festgesaugt.

    Andrea hat vom Campingplatz “Hexenwäldchen” noch nie gehört, aber als wir den flachen Kanal passieren, erinnert sie sich, hier bereits vor einem Vierteljahrhundert mit 2 Familien durchgetreidelt zu sein.

    Am Ostufer des Jamelsees liegt dann der Zeltplatz “Hexenwäldchen”, unser heutiges Tagesziel. Von dem Platz hatte ich schon viel gelesen, viele Besucher hatten von ihm geschwärmt, und ich bin gespannt, was uns hier tatsächlich erwartet.
    Das Google-Satellitenbild zeigt ihn übrigens am 8. Mai 2020 absolut unbelegt. Zu diesem Zeitpunkt war während des ersten Corona-Lockdowns alles Touristische geschlossen. Speziell in Mecklenburg war wirklich alles verboten.

    19 Uhr landen wir an:
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6649.JPG Ansichten: 275 Größe: 2,12 MB ID: 3128647

    Schon im allernächsten Uferbereich stehen Wohnwagen und Wohnmobile. Allerdings stehen sie nicht so dicht wie auf anderen Campingplätzen, und die Stellplätze sind auch nicht geteert oder gesplittet, sondern Wiese. Dazwischen wäre auch noch genug Platz für unser Zelt.

    Wir melden uns bei der Rezeption, und der junge Mann geht mit uns über den Platz, um uns mögliche Stellplätze zu zeigen. Die Plätze ganz nah am Wasser erlaubt er uns nicht, die sind für besser bezahlende Camper reserviert.
    Wir hätten auch noch weit ab vom Schuss oben im Kiefernwald zelten können, aber am Ende bekommen wir einen Platz, der mit einem Abstand von 30m doch noch relativ nahe am Strand liegt.

    Wir bezahlen je 10€ für die Übernachtung (Spezial-Angebot für Wasser-, Rad- und Fußwanderer), je 1€ für die vor kurzem eingeführte Kurtaxe, sowie 2€ für 2 Duschmarken für “Warmduschen je 3,5min”, also in der Summe 24€. Nicht gerade billig, finde ich.

    Auf dem Klo gibt es dennoch kein Klopapier. Die Campingplatzbetreiber begründen das so: “Nachdem es uns über Jahre hinweg bei unserer wechselnden Toilettenpapierauswahl nie gelungen ist, den Geschmack all unserer Gäste zu treffen – zu weich, zu rau, zu flauschig, zu dick, zu dünn,… – sind wir dazu übergegangen, unseren Gästen selbst zu überlassen, welche Papiersorte sie brauchen, um auch im Urlaub glücklich zur Toilette gehen zu können …
    Das heißt für Sie: In unseren Toilettenanlagen finden Sie KEIN TOILETTENPAPIER vor, bitte bringen Sie Ihre eigene, bevorzugte Sorte mit!
    Bei dringenden Notfällen erhalten Sie bei uns im Kiosk natürlich gerne eine gewisse Anzahl abgezählter Blätter 😉”. Abgezählte Blätter! Das ist hier Prinzip.

    Und Warmduschen ist auch ein ganz besonderer Akt. Man muss also die Duschmarke einwerfen, daraufhin strömt das Wasser. In der ersten halben Minute ist es viel zu heiß (ich frage mich gerade, wie man das mit der populären Forderung “Frieren für die Ukraine” in Einklang bringt). Ich fürchte, mich zu verbrühen und muss das Wasser ablaufen lassen. Die nächste halbe Minute geht es halbwegs. Dann stoppt die Dusche automatisch. Das ist die Zeit, in der man sich einseifen soll. Nur benutze ich keine Seife und stehe derweil dumm herum. Nach einer Weile geht die Dusche wieder an und es gibt den Rest des Wassers. Insgesamt ein Prozedere, dem ich mich nur widerwillig unterwerfe.
    Ihr findet das wahrscheinlich alles ganz normal, aber für mich ist das schon sehr seltsam und deshalb schreibe ich das alles auf.
    Wie einfach ist es dagegen in Polen oder sonst wo im Osten. Da duscht man einfach, wie man es auch zu Hause machen würde und fertig. Ohne Marke.

    Davon abgesehen ist es aber ganz nett hier. Schon während des Zeltaufbaus kommt ein Nachbar zu uns rüber und bietet Hilfe an, und Platz an seinem Feuerkorb zum Plaudern. Die beiden Familien kommen aus dem Berliner Umland und waren sogar schon mal mit dem Wohnmobil in der Ukraine.

    Überall stehen hölzerne Skulpturen herum, und manchmal werden sie von der Sonne hübsch angestrahlt:
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6636.JPG Ansichten: 283 Größe: 2,35 MB ID: 3128643

    Den ganzen Abend streunen mehrere Gangs kleiner und größerer Kinder über den Platz und sind voll ins Spiel vertieft. Ich habe den Eindruck, dass sie sich hier schnell zu größeren Gruppen zusammenfinden, und ich glaube nicht, dass die beteiligten Familien sich vorher schon kannten. Für Kinder und Familien wirklich eine nette Umgebung.

    Weitere Bilder vom Campingplatz “Hexenwäldchen”:
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6645.JPG Ansichten: 276 Größe: 2,30 MB ID: 3128646
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6646.JPG Ansichten: 267 Größe: 2,03 MB ID: 3128649
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6648.JPG Ansichten: 278 Größe: 2,35 MB ID: 3128650
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6642.JPG Ansichten: 276 Größe: 2,32 MB ID: 3128645

    Auf dem Platz kann man die verschiedensten Arten von Booten ausleihen:
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6650.JPG Ansichten: 278 Größe: 2,43 MB ID: 3128648

    Da ist fast für jeden etwas dabei, u.a. auch recht schnittige Seekajaks.

    Kochen mit dem Künzi wurde mir auf Nachfrage beim Platzwart verboten, obwohl unser Funkenflug nie bis zum Kiefernwald gelangen würde. So sind wir gezwungen, zum außerhalb des Campingplatzes gelegenen, 200m entfernten Lagerfeuerplatz zu gehen. Der Campingplatz selber bietet keine Kochmöglichkeiten an, das muss man schon selbst mitbringen. Heute Abend kochen wir jedoch sowieso nichts mehr.

    Aber wir sehen uns den Lagerfeuerplatz trotzdem schon mal an. Regelmäßig versammeln sich abends einige Bewohner des Platzes zu Lagerfeuer und selbstgemachter Musik. So auch heute, mit 2 Gitarren. Für die Kinder ist das natürlich auch Klasse. Dort können sie ein bisschen kokeln, aber auch Stockbrot oder selbstgefangene kleine Fischchen garen.

    Ab 22 Uhr ist Nachtruhe. Und tatsächlich ist es sehr still hier. Einzig ein paar Eulen hört man rufen in der Nacht.
    Zuletzt geändert von Spartaner; 12.05.2022, 08:36.

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    • Sternenstaub
      Alter Hase
      • 14.03.2012
      • 2598

      • Meine Reisen

      #3
      das liest sich schon mal sehr gut, bin gespannt, wie es weiter geht.
      Two roads diverged in a wood, and I—
      I took the one less traveled by,
      And that has made all the difference (Robert Frost)

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      • Spartaner
        Alter Hase
        • 24.01.2011
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        • Meine Reisen

        #4
        Hexenwäldchen - C59 Useriner See
        Mi 20. April 2021, 🛶 8.2km, 🥾9km


        Fürs Frühstück ziehen wir 10 Uhr morgens mit Lebensmitteltasche, weißem Fass, 5L-Wasserflasche, Kochzeug und Sitzen 200m an den offiziellen Lagerfeuerplatz und künzeln dort Kaffeewasser und später die Nudeln, unter die Andrea noch Tomatenmark und eine Fischbüchse rührt.

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        Schilder verbieten das Betreten des Hanges im Hintergrund. An die dort liegenden Holzstämme kommt man also nicht heran. Aber egal, im Gegensatz zum gewöhnlichen russischen Camper hat hier auch kaum jemand die Motorsäge parat, die nötig wäre, um die Stämme kleinzuschneiden.

        Aber dafür liegt nebenan ein großer Berg bereitgestelltes Brennmaterial: Müll und frische grüne Kiefernäste, die der letzte Sturm heruntergeholt hat
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6640.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,61 MB ID: 3129284

        Das brennt nur gut, wenn das Lagerfeuer schon recht groß ist.
        Das verwende ich natürlich nicht. Für den Künzi findet sich noch genug trockenes Kleinholz in der Umgebung.

        Nebenan hinter einem Erdwall werkeln eine junge Frau und ein älterer Mann an einem Holzstamm, Holzbildhauer offensichtlich:
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        Der Mann arbeitet mit Kettensäge und Beitel, die Frau mit einem Schleifer.
        Ihr SUV mit ukrainischen Nummernschild verrät ihre Herkunft.

        Wir unterhalten uns etwas mit ihnen. Sie arbeiteten beide an einer Kiewer Kunsthochschule. Vor 4 Wochen sind sie nach Deutschland geflohen und seit 2 Wochen leben und arbeiten sie hier auf dem Campingplatz. Sie hält sich ziemlich zurück, er dagegen macht aus seinem Herzen keine Mördergrube und wettert gegen die Russen in seinem Land.

        Unsere Einladung zum Kaffee schlagen sie erst mal aus, überlegen es sich aber noch mal und kommen später zu unserer Feuerstelle rüber. Kaffee ist schnell noch mal gekocht, und wir unterhalten uns eine Weile. Vlad kommt ursprünglich aus Gomel (Weißrussland), Sina aus Kiew.

        Kurz vor 2 haben wir alles aufgeklart und sind abfahrbereit. Nach Jamelsee und Treidelkanal sind wir wieder auf der Havel. Sie durchquert den Ort Kakeldütt und fließt weiter zum Görtowsee, den man wieder nur auf kürzester Linie entlang der grünen Tonnen überqueren darf.
        Anschließend geht es durch einen besonders schönen Havelabschnitt, der umgeben ist von hohem Mischwald.

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        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6656.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,60 MB ID: 3129289

        Natürlich ist auch hier alles verboten:
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6651.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,57 MB ID: 3129281

        Hier sehen wir zum ersten Mal während dieser Haveltour Fraßspuren des Bibers. Höher ist er offensichtlich noch nicht gewandert.

        Jede Stelle, die zum Anlanden einlädt, ist extra durch Schilder gesperrt worden:
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6652.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,36 MB ID: 3129282

        Hier sitzt ein Äffchen am Ufer:
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6658.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,38 MB ID: 3129288

        Auf dem Zierzsee habe ich diese eigenartigen Wolken festgehalten (Lenticularis?):
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6659.JPG Ansichten: 0 Größe: 1,50 MB ID: 3129286

        Kurz vor Erreichen des großen Useriner Sees legen wir an und ziehen die Spritzdecke über. Der kräftige NO-Wind könnte so hohe Wellen aufbauen, dass sie auch ins Boot schwappen könnten, so unsere Befürchtung.
        Auf dem See sind die Wellen dann doch viel harmloser als gedacht. Es ist schon fast ½4 und der Wind bereits am Abflauen.

        Kurz vor 4, nach ganzen 8km Paddelstrecke heute, erreichen wir den Zeltplatz C59 am Westufer des Useriner Sees. Andrea möchte sich den Platz wenigsten mal anschauen, ich möchte eigentlich noch weiter. Vor uns läge eine Schleuse, die es zu Umfahren gilt, und am darauffolgenden Großen Labussee ein weiterer möglicher Campingplatz.

        Ich kenne den Zeltplatz bereits von der Tour mit meiner Tochter 2007, als wir hier übernachteten. Heute sieht er nicht viel anders aus. Es gibt einen wirklich großen Bereich für Wasserwanderer direkt am Wasser (~0.4ha), zwei flache Stege zum Anlanden, sandiger Zugang ins Wasser zum Baden gehen direkt am Steg, überdachte und nicht überdachte Sitzgelegenheiten, und eine Feuerstelle direkt am Ufer. Im Vergleich zu vielen anderen Campingplätzen sind das hier sehr gute Bedingungen für Wasserwanderer.

        Und so bleiben wir hier für heute:
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6665.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,49 MB ID: 3129297

        Der C59 ist schon seit Ostzeiten als FKK-Platz den Nackten vorbehalten. Zum Glück sieht man das nicht allzu dogmatisch, und so dürfen wir in der kalten Jahreszeit unsere Klamotten anlassen.

        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6660.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,29 MB ID: 3129290
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        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6666.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,42 MB ID: 3129293

        Selbst im Sommer darf man im Wasserwanderbereich auch mit Badehose herumspazieren (aber wer will das schon?):
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6662.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,14 MB ID: 3129292
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6663.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,62 MB ID: 3129294

        Gewöhnlich schirmt der Hochwald auf dem Platz die Westwinde gut ab. Aber heute haben wir NO-Wind, und der bläst bis zu 3km über offene Wasserfläche direkt an unser Ufer.
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6668.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,16 MB ID: 3129296
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6670.JPG Ansichten: 0 Größe: 1,77 MB ID: 3129295

        Der Platz ist der einzige, der direkt im Müritz-Nationalpark liegt. Auf etwa 7ha stehen die üblichen Wohnmobile und Campinganhänger, oft Dauercamper, die sich hier immer opulent und manchmal kitschig eingerichtet haben. Hier im vorderen Bereich hat zur Zeit jeder sehr viel Platz, und nur wenige der Dauercamper sind überhaupt anwesend. Wie es im Sommer aussieht, weiß ich natürlich nicht. Weiter nördlich stehen sie enger, wie auf anderen Campingplätzen normal.

        Vom Wasserwanderplatz läuft man 100 - 150m zum großen Sanitärgebäude und maximal 180m bis zu den Mülltonnen hinter der Rezeption. Hier zahlen wir “Außersaison” 90 Cent für ein Kanu/Faltboot, 2x5.50€ für 2 Erwachsene, 4.80€ für ein kleines Zelt und je 1€ für 2 Duschmarken, Summe 18.70€. Zum Bezahlen von Duschen, Kochplatten etc. gibt es einen elektronischen Schlüssel (15€ Pfand).

        Im Sanitärgebäude finden sich neben Toiletten und Duschen auch ein Familienbad, Waschmaschinen/Trockner, und im Raum zum Geschirrspülen (mit Warmwasser) 2 elektrische Kochplatten (ich glaube mich zu erinnern 1€ für 15min Benutzung).

        Die Duschen schreiben im Gegensatz zum Hexenwäldchen nicht vor, dass man nach soundsoviel Sekunden eine soundsoviele Sekunden andauernde Duschpause einzulegen hat, sondern man kann das 3min Duschen auf Knopfdruck unterbrechen, oder auch nicht. Außerdem kann man im Gegensatz zum Hexenwäldchen die Temperatur des Wassers einstellen.

        Noch komfortabler als die normalen Duschen ist das “Familienbad”. Da vermisse ich zwar erst den Knopf zur Unterbrechung des Duschens, aber das geht trotzdem, so oft man will, einfach über Schließen des Hahns. Die 3min-Schaltuhr stoppt dann ihren Lauf.
        Das ist ja fast schon wie zu Hause.
        Das Familienbad ist zwar laut Beschilderung nur Familien mit Kindern gestattet, aber wir wurden an der Rezeption ausdrücklich eingeladen, es zu benutzen.

        Kinder sehen wir im Gegensatz zum Hexenwäldchen nur wenige herumziehen und sie spielen heute maximal zu zweit. Im Sommer, wenn der Platz voll belegt ist, mag das anders sein.

        Wir haben nun noch einen ganze Menge Zeit heute Abend. Mich interessiert sehr, ob bzw wie die Schleuse Zwenzow passiert werden kann. So mache ich mich kurz nach 6 auf zu einer kleinen Wanderung. Zunächst geht es durch den sehr schönen Laubmischwald in Richtung Süden.

        An der Straße überquert man den Havelkanal, über den wir morgen den Useriner See verlassen werden:
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6673.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,55 MB ID: 3129304
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6674.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,11 MB ID: 3129302

        Nach einer ½h bin ich an der Schleuse. Das Gelände ist abgeschlossen. An einer Stelle ist der Maschendrahtzaun bereits heruntergedrückt und man kann mit entsprechend langen Beinen drübersteigen.

        Heute sieht der Bootswagen zum Umfahren der Schleuse benutzbar aus:
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6675.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,26 MB ID: 3129301

        Vor 15 Jahren zur selben Jahreszeit hatten die Genies von der mecklenburgischen Wasserstraßenverwaltung einen Schwimmponton genau auf den Schienen platziert, so dass man nicht in den Labussee fahren konnte. Dieses Jahr haben sie auf die Schikane verzichtet.

        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6678.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,17 MB ID: 3129300
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6677.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,15 MB ID: 3129299

        Die tiefstehende Sonne scheint über den Großen Labussee und an seinem Westufer erkenne ich den Zeltplatz, der heute als Alternative in Frage gekommen wäre. Ich möchte wissen, wie es dort für die Wasserwanderer aussieht und verlängere meinen Spaziergang ins Dorf Zwenzow.

        Piratenhaus in Zwenzow:
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6680.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,23 MB ID: 3129303

        Um 7 bin ich am Campingplatz C56 Zwenzower Ufer am Großen Labussee:
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6681.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,26 MB ID: 3129306

        Der ~2ha große Campingplatz wird von denselben Betreibern bewirtschaftet wie der am Useriner See. Auch die Preise für Wasserwanderer unterscheiden sich nicht (die anderen habe ich nicht verglichen).

        Auf dem Campingplatz grast diese Graugansfamilie, flüchtet aber aufs Wasser, als ich mich etwas nähere:
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6682.JPG Ansichten: 0 Größe: 1,46 MB ID: 3129305

        Die Zeltwiese für die Wasserwanderer ist hier nur ein ~8m schmaler Streifen zwischen Weg und Ufer:
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6695.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,23 MB ID: 3129312
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6703.JPG Ansichten: 0 Größe: 1,65 MB ID: 3129310

        Steg für die Wasserwanderer:
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6698.JPG Ansichten: 0 Größe: 1,92 MB ID: 3129309
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6702.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,29 MB ID: 3129307

        Eine Feuerstelle gibt es hier nicht. Da haben wir es an unserem Useriner See eindeutig viel schöner.

        Großer Labussee:
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6700.JPG Ansichten: 0 Größe: 1,65 MB ID: 3129308

        Kurz nach 8 und fast 8km in den Füßen bin ich zurück “zu Hause”. Für den Abend im kühlen Wind ziehe ich mir schon alle 4 Schichten lange Hosen an, die ich für die Nächte mitgenommen habe. Obenrum genauso und Fleecemütze auf den Kopf. Man will ja nicht frieren, und ja, das ist mollig warm.

        Letzter Blick auf den Useriner See heute:
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6704.JPG Ansichten: 0 Größe: 1,66 MB ID: 3129311

        Hier schaut man übrigens genau auf die Insel im Useriner See (Map). Noch in den 90er Jahren durften bis zu 2 Familien auf der privaten Insel übernachten. Sie gehörte einem pensionierten Lehrer, der Wasserwanderern auf telefonische Nachfrage diese schöne Möglichkeit bot. Andrea hat das auf ihren damaligen Familientouren gemacht. Heute ist das natürlich streng verboten.
        Zuletzt geändert von Spartaner; 04.05.2022, 12:15.

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        • bikevagabond
          Gerne im Forum
          • 22.11.2013
          • 98

          • Meine Reisen

          #5
          Zitat von Spartaner Beitrag anzeigen
          Auf dem Zierzsee habe ich diese eigenartigen Wolken festgehalten (Lenticularis?):
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Y6659.JPG Ansichten: 0 Größe: 1,50 MB ID: 3129286
          Genau - das sind Altocumulus lenticularis (Ac len) - gehen meist mit windigen Wetterwechseln einher (um mich mit dieser Expertenaussage gleich mal zu revanchieren 😉)

          Die Gegend um die Obere Havel finde ich sehr reizvoll, bin dort schon viele Male mit dem Rad unterwegs gewesen, natürlich immer in Gewässernähe (und oft auch wild campend..). Im Winter vor einem Jahr sind wir auch mal über den Useriner See zum Zierzsee gefahren - über das Eis
          „Es gibt einen Weg, den keiner geht, wenn du ihn nicht gehst.“
          Meine bisherigen Reisen

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          • Folivorus
            Anfänger im Forum
            • 02.09.2013
            • 21

            • Meine Reisen

            #6
            Schöner Bericht, danke für die Anregung !
            Zu #4 SCNR und Erfahrungsbericht, keine Werbung: Über die (Akku-) Motorsäge hatte ich (für's Wohnmobil) auch nachgedacht, bis ich die Silky-Sägen (https://www.silky-europe.de/) entdeckt habe. 10 cm mehr Blattlänge als Zieldurchmesser (ich habe jetzt 2, eine für Auto und Kanu und eine für den Rucksack...) und Dein Feuerholz oder der Weg durch den Verhau sind gesichert. Fleiß-, Arbeitssicherheits- und Rechtsaspekte bitte eigenverantwortlich berücksichtigen.

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            • Spartaner
              Alter Hase
              • 24.01.2011
              • 3507

              • Meine Reisen

              #7
              Zitat von bikevagabond Beitrag anzeigen
              Genau - das sind Altocumulus lenticularis (Ac len) - gehen meist mit windigen Wetterwechseln einher ...
              Danke!

              OT:
              Zitat von bikevagabond Beitrag anzeigen
              Die Gegend um die Obere Havel finde ich sehr reizvoll, bin dort schon viele Male mit dem Rad unterwegs gewesen, natürlich immer in Gewässernähe (und oft auch wild campend..). Im Winter vor einem Jahr sind wir auch mal über den Useriner See zum Zierzsee gefahren - über das Eis
              Schaurig schön, hier durch den Nebel in der Dämmerung

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              • Spartaner
                Alter Hase
                • 24.01.2011
                • 3507

                • Meine Reisen

                #8
                Zitat von Folivorus Beitrag anzeigen
                ... Silky-Sägen (https://www.silky-europe.de/) ... Fleiß- ... aspekte bitte eigenverantwortlich berücksichtigen.
                Genau das tue ich, und da ich recht faul bin, wird es mir wohl niemals einfallen, mühsam Holz zu sägen, solange man ganz einfach knochentrockenes Kleinholz aufsammeln kann.

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                • Spartaner
                  Alter Hase
                  • 24.01.2011
                  • 3507

                  • Meine Reisen

                  #9
                  C59 Useriner See - Kanuhof Wustrow
                  Do 21. April 2021, 🛶 19km, 🥾3km

                  Morgens haben wir wieder so um die 5 - 6°C, und der Wind streicht weiter aus NO über die Wasserfläche des Useriner Sees auf unser Ufer (Windböen von maximal 5 - 6m/s). Unseren Kaffee und das Frühstück koche ich an der großen Feuerstelle im Windschutz der dicken Baumstämme, die die Feuerstelle als Sitzgelegenheiten umgrenzen. Auch hier auf diesem aufgeräumten Campingplatz findet sich genügend kleines, trockenes Holz für den Künzi. Der Platzwart hat zwar alles herumliegende Kleinholz einsammeln lassen, aber das gesammelte Holz liegt noch auf vielen kleinen Haufen zur Abholung bereit. Im Sommer mag das hier schwieriger sein mit der Brennholzversorgung.

                  Wir lassen uns wieder viel Zeit, gehen Duschen, waschen ab mit Warmwasser aus dem Hahn, kosten also allen Luxus aus, den so ein Campingplatz zu bieten hat. Als wir dann den elektronischen Schlüssel abgeben wollen, hat die Rezeption bereits Mittagspause (11 - 15 Uhr). Zum Glück ist das kein Problem. Die Chefin wohnt (zumindest tagsüber) auf dem Platz und schließt mir die Rezeption auf Nachfrage bereitwillig auf. Sie zahlt uns die 15€ sowie 1€ nicht genutztes Duschgeld aus (im Familienbad reichte eine Einheit für uns beide). Sehr nett hier.

                  ¼1 starten wir aufs Wasser. Andrea hat ihren Teil der Spritzdecke wieder übergezogen, ich bevorzuge es hinten offen. Nach 1km über den Südteil des Useriner Sees erreichen wir den Havelkanal, den 800m langen Durchstich zur Schleuse Zwenzow und zum Großen Labussee. Mit dem an der Schleuse bereitgestellten Schienenwagen lässt sich das Boot mit allem Gepäck schnell die 150m ans andere Ende fahren. Nur am Beginn ist es ziemlich steil, so dass wir das schwerbeladene Boot nur zu zweit hochziehen können. 20min dauert das Umsetzen an der Schleuse Zwenzow inklusive kurzem Päuschen.

                  Um 1 geht es weiter 1km entlang des NO-Ufers des Großen Labussees:
                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20220421_130429k.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,08 MB ID: 3129680

                  Bisher sind wir im Müritz-Nationalpark unterwegs gewesen. Dessen Gewässer sind für Motorboote gesperrt (außer für den jeweiligen örtlichen Fischer). Ab dem Großen Labussee dürfen Motorboote fahren, und das wird im Sommer auch reichlich genutzt. Wir jedoch begegnen hier noch keinen fahrenden Motorbooten. Anstatt Motorenlärm hören wir wieder die Rohrdommel im Röhricht rufen.

                  Dann geht es weiter die kanalisierte Havel, vorbei an Klein Quassow und weitere 3km bis zur Mündung in den Woblitzsee. Kurz vor der Mündung werden wir von 2 weißhaarigen Alten aus Emden überholt, die im 2er-Seekajak und mit strammem Paddelschlag an uns vorbeidüsen. Weit haben sie es nicht mehr. Sie residieren gleich um die Ecke auf dem 3. Campingplatz des Betreibers “Haveltourist”, dem “Camping-und Ferienpark Havelberge”.

                  Da wir auf dem Woblitzsee wieder hohe Wellen befürchten, der Wind hätte hier bis zu 2km Angriffslänge, ziehen wir die Spritzdecke jetzt ganz auf. Die Windwellen sind aber wieder niedriger als erwartet. Dafür sind jetzt doch einige Motorboote unterwegs und die machen die höchsten Wellen. Am Westufer gibt es eine ausgeschilderte Wasserskistrecke, und spätestens da drehen die Motorbootkapitäne auf. Aber letztlich sind auch diese Wellen gefahrlos.

                  Ein, zwei Paddelboote kommen uns auch entgegen.

                  Theoretisch kann man vom Woblitzsee in Richtung Norden über den 5km langen Kammerkanal und den Zierker See bis nach Neustrelitz paddeln. Das war mir nicht so bewusst.
                  Wir fahren weiter in Richtung Süden, bis wir den Auslauf der kanalisierten Havel östlich von Wesenberg erreichen. Ein paar Meter weiter unterquert man die Brücke der B198 und gleich dahinter biegen wir links auf das Gelände der Kanumühle Wesenberg ein. Hier möchten wir Mittagspause machen. Es ist kurz vor 3 und unser Tageskilometerzähler steht bei 10km.

                  Der Laden ist besetzt, und Andrea kauft eine Übersichtskarte für die Nordostdeutschen Gewässer aus dem Jübermann-Verlag im Maßstab 1:100000 (9.90€). Sie möchte einen besseren Überblick über die befahrenen Gewässer haben. Die Karte ist zwar schon 2012 herausgekommen, bietet aber immerhin für alle vor uns liegenden Streckenabschnitte einen Kilometrierung an, die die Planung erleichtert.

                  Dann setzen wir uns auf eine Bank am Ufer des Kanals und mampfen Stullen und Tee. Immer mehr Motorboote fahren vorbei, aber auch wieder ein paar Paddler. Der letzte Sturm hat neben unserer Bank eine Erle umgeworfen, welche dabei ein Baumhaus und weitere Einrichtungsteile zerstört hat. Das Bild hier ist nicht mehr ganz aktuell.

                  Theoretisch könnte man hier übernachten, sogar eine der Hütten ist belegt. Andrea hatte das heute Morgen noch vor, aber der Tag ist noch jung, der Platz neben der vielbefahrenen Landstraße nicht besonders anheimelnd, und so paddeln wir nach einer ¾h Pause weiter.

                  Nächstes Hindernis ist die Schleuse Wesenberg. Wir sehen noch, wie ein Motorboot einfährt und sich die Schleusentore schließen. 2min später kommen wir an. Wir möchten nicht warten, bis wir eventuell an der Reihe sind (vielleicht werden wir auch nur geschleust, solange auch ein Motorboot dabei ist?), und so verwenden wir wieder die hier 120m lange Gleislore rechts an der Schleuse. Das dauert <6min mit allem drum und dran.

                  600m weiter erreichen wir die Mündung der Alten Havel:
                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20220421_161352k.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,51 MB ID: 3129684

                  Sie kommt von rechts und mündet in den Kanal. 2007 bin ich die Alte Havel mit meiner Tochter gefahren, als wegen dem Ersatzneubaus des Dükers Wesenberg der Kanal voll gesperrt war und ein Umtragen unmöglich (alle Details zu diesem Bau hier).
                  Dass die Alte Havel für Paddler generell gesperrt ist, habe ich erst am Ende der Strecke am Sperrschild kurz vor der Mündung in den Kanal gesehen.

                  Wenn man die Mündung der Alten Havel rechts liegen lässt, fährt man geradeaus die kanalisierte Havel weiter. 2007 habe ich diesen kurzen Weg über Drewensee, Wangnitzsee und Großen Priepertsee nach Fürstenberg gewählt.
                  Aber hier gibt es auch eine Alternative, die Schwaanhavel. Sie mündet 120m rein in die Alte Havel.

                  Von der Schwaanhavel habe ich schon viel gelesen. Sie ist seit Generationen von Paddlern beliebt. Ich kenne sie bisher noch nicht aus eigener Anschauung und bin sehr interessiert. Andrea kannte sie bereits von mehreren Befahrungen seit ihrer Kindheit, hatte gute Erinnerungen daran und wollte sie auch mal wieder sehen.

                  So wählen wir also die Schwaanhavel, verbunden mit einem 16km langen “Umweg” über weitere Seen.
                  So richtig klar ist mir nicht, was es mit der Schwaanhavel auf sich hat. Ich dachte bisher immer, es sei ein schmaler Nebenarm der Havel, also dass sie von der Havel abzweigt, von Nord nach Süd fließt, und dann weiter südlich in einen der Seen mündet.

                  In Wirklichkeit hat die Schwaanhavel aber gar nichts weiter mit der Havel zu tun, als dass sie in die Havel mündet. Sie entwässert nur den Plätlinsee und man paddelt entsprechend gegen den Strom. Dieser “Strom” ist allerdings so gut wie nie spürbar, dafür fließt einfach zu wenig Wasser ab.

                  Am Ende des Plätlinsees muss man dann Land übertragen, um in die Gewässer der Müritz-Havel-Wasserstraße zu gelangen, die dann wieder in Richtung Fürstenberg entwässern.

                  Auf der Karte wird das klarer:
                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: KarteSchwaanhavelUmweg.png Ansichten: 0 Größe: 1,22 MB ID: 3129682

                  Beide Varianten lasse ich oben an der Mündung der Alten Havel in den Havelkanal starten. Dick blau mit den Pfeilen die direkte Route ist 8.9km lang. Pink-violett in großem Bogen ist die Variante über die Schwaanhavel und die Müritz-Havel-Wasserstraße, 25km bis sie wieder auf die direkte Variante mündet.

                  Diese Variante ist aber nicht nur länger, sie birgt auch 3 zusätzliche Hindernisse. Einmal die Umtragung Wustrow, plus zwei Schleusen (Canow & Strasen).
                  Trotzdem, wir haben bis Fürstenberg noch genug Zeit und können uns das leisten.

                  Wir biegen also in die Alte Havel ein (Fremdluftbild) und kurz darauf in die Schwaanhavel. Die Schwaanhavel ist flach und schmal und anfangs vor allem von Weidenbüschen gerahmt, die weit ins Wasser hineinragen.

                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6705.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,47 MB ID: 3129685
                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6706.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,36 MB ID: 3129686
                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6707.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,37 MB ID: 3129688
                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6709.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,27 MB ID: 3129687
                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20220421_162348k.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,79 MB ID: 3129683

                  Noch ist die Vegetation unbelaubt. Ein, zwei Monate später im Jahr sieht es hier wirklich aus wie im Dschungel. Dann grünt es über und unter Wasser und die Insektenwelt ist aktiv (Videos, zu selten mit originaler Soundkulisse, Einfahrt finden, Schwaanhavel komplett im Frühherbst).

                  Später führen begradigte Abschnitte durch Erlenhochwald. Uns fällt auf, dass überall Bäume von den Winterstürmen "Nadia", "Ylenia", "Zeynep" und "Antonia" umgerissen wurden. In McPomm beziffert man den Schaden auf Hunderttausende umgestürzte Bäume mit ~1Mio Festmeter Schadholz. Aber: die Wasserstraßenverwaltung oder wer auch immer hier zuständig ist, war auf Trab und hat schon auf unserer gesamten Reiseroute bereits alle Bäume, die Paddler behindern könnten, zersägt und die Reste auf Land gezogen. Selbst hier auf der abgelegenen Schwaanhavel.
                  Ok, ganz so abgelegen ist sie nicht. Hier ist der Ort, wo uns während der gesamten Tour die meisten Paddler entgegenkommen.

                  Nach 3.4km ist das Vergnügen vorbei und wir gelangen auf den Plätlinsee:
                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6711.JPG Ansichten: 0 Größe: 1,39 MB ID: 3129689

                  Der Nordteil des Sees steht unter Naturschutz und man darf ihn wieder nur entlang einer Bojenreihe queren. Angler haben es sich im Naturschutzgebiet gemütlich eingerichtet.

                  Am Südwestende des Sees stoßen wir kurz vor ½7 auf den Ort Wustrow:
                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20220421_180113.png Ansichten: 0 Größe: 3,78 MB ID: 3130079

                  Hier ist eine längere Umtrage angesagt. Da wir hier sowieso alles Gepäck aus dem Boot ausladen, bietet es sich an, auch gleich hier auf dem Kanuhof Wustrow zu Übernachten. Der nächste Campingplatz wäre erst am Gobenowsee zu finden, 4km weiter.

                  Wir schleppen also den ersten Schwung Gepäck die insgesamt 250m erst steil hoch auf die Straße und dann runter zur Zeltwiese des Kanuhofes. Zwei kleine Zelte stehen schon da, eine Familie mit 2 Kindern. Der Platzwart ist jetzt um ½7 schon zu Hause. Wir stellen uns daneben. Das Gelände ist abschüssig und relativ ebene Zeltfläche findet sich nur wenig. Immerhin, die Toiletten und Waschräume stehen offen, und man braucht auch keinen Chip zum Duschen, sondern kann echte Euros in den Schlitz stecken.

                  Während Andrea das Zelt aufbaut, versuche ich alleine das Boot zu holen. Wir schleppen die ganze Zeit einen eigenen Bootswagen mit, und den möchte ich jetzt wieder einmal ausprobieren. Trotz seiner kleinen Räder (P5) funktioniert das erstaunlich gut. Man könnte sich hier aber auch einen Bootswagen ausleihen, sofern der Platzwart anwesend ist.
                  Der Weg hoch zur Straße ist übrigens Privatweg und wird nach 20:30 Uhr verschlossen!

                  Später drehe ich noch eine kleine Runde durch den Ort Wustrow. Viel ist nicht los. Von den 2 Gaststätten im Ort war eine noch bis 20 Uhr geöffnet.

                  Einzig bemerkenswert ist dieses Infoschild an der “Galerie der Alleen”:
                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20220421_203138.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,65 MB ID: 3129681
                  Zuletzt geändert von Spartaner; 10.05.2022, 11:18.

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                  • Spartaner
                    Alter Hase
                    • 24.01.2011
                    • 3507

                    • Meine Reisen

                    #10
                    Kanuhof Wustrow - Biwakplatz Steinförde
                    Fr 22. April 2021, 🛶 23km, 🥾4km


                    Wir stehen relativ früh auf. Um die Familie in den beiden Zelten nebenan nicht zu sehr mit unserem Küchenqualm zu stören und weil es sich sowieso bequemer sitzen lässt, verlegen wir unser Frühstück gleich an die Einsatzstelle.
                    Dort stehen eine überdachte Sitzgruppe und es existiert bereits eine Feuerstelle:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6713.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,04 MB ID: 3130432
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6712.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,55 MB ID: 3130435

                    Holz gibt es auch genügend, zumeist Erle. Diese brennt nicht ganz so gut wie das Kiefernholz, welches wir bisher verbrannt haben.
                    Während ich den Kaffee koche, parkt ein Paddler am Parkplatz des Kanuhofes und fängt an, sein Faltboot aufzubauen. Von der Ferne denke ich angesichts der blanken Alu-Rohre zunächst an einen Ally. Ich schau mir das näher an und bemerke die spitzen Enden (Bug und Heck), also wird es ein Kajak. Nachdem er meint, die Herstellerfirma sei bereits vom Markt verschwunden, glaube ich an Feathercraft. Doch dann stellt sich heraus, es handelt sich um ein Folbot. Wahrscheinlich ein Folbot Cooper. Auch diese amerikanische Herstellerfirma hat 2016 aufgegeben.

                    Kurz vor 10 Uhr ist dann auch die Rezeption besetzt und wir können zahlen, und kurz vor 11 starten wir aufs Wasser.

                    Nach dem kleinen Balinkasee gelangen wir in diesen schmalen Verbindungskanal zum Klenzsee:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6714.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,52 MB ID: 3130434
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6715.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,42 MB ID: 3130440

                    Auf dem Klenzsee finden wir nicht gleich die Ausfahrt. Im Uferwald an der Verengung in Seemitte haben sich 2 Schwarzzelter “versteckt”. Naja, nicht richtig versteckt, ihr großes Zelt, die 2 Boote und das Lagerfeuer sind leicht auszumachen.

                    Nachdem wir die Durchfahrt zum Gobenowsee gefunden haben, unterqueren wir eine kleine Landstraßenbrücke (Map):
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6717.JPG Ansichten: 0 Größe: 1,99 MB ID: 3130439
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6719.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,02 MB ID: 3130436
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6722.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,07 MB ID: 3130438

                    Der Brücken-Neubau (?) fällt durch extra auf beiden Seiten angebrachte Laufbretter für Fischotter etc auf. Diese Tiere haben tatsächlich Angst vor Brücken und würden bei ihren Wanderungen entlang der Ufer bevorzugt über die Straße laufen. Dort werden sie oft Opfer von Zusammenstößen.

                    Das Auffällige an diesen Laufbrettern ist, dass keines der Bretter Anschluss ans Land aufweist. Nur ist eine gute Anbindung ans Ufer sehr wichtig! (siehe Handlungsleitfaden für den ottergerechten Umbau von Brücken). Was sich der Bauträger oder Konstrukteur da wieder gedacht hat? Oder hat das Geld nicht ganz gereicht?

                    Nur an einer der 4 Enden hat mal jemand nachträglich versucht, diesem Missstand mit ein paar dicken Ästen provisorisch abzuhelfen:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6721.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,06 MB ID: 3130437

                    ½12 erreichen wir den Gobenowsee. Hier wäre am Nordufer der nächste offizielle Zeltplatz gewesen. Wir kennen diesen Platz bereits von einem Canadiertreffen 2009, und Andrea erinnert sich an ihre Kindheit, als sie in den 70er Jahren am Gobenowsee noch regulär “wildzelten” konnten (mit Erlaubnis des Försters).

                    Am Nordende des Gobenowsees könnten wir theoretisch den “Umweg” noch weiter ausbauen. Dort kann man über die sehr schöne Drosedower Bek zum motorboot-freien Rätzsee paddeln, und dann über die Oberbek (Fleether Mühle mit Umtragung) in den Vilzsee und von da über den Müritz-Havel-Kanal mit der Schleuse Diemitz in den Labussee paddeln.

                    Aber wir wenden uns auf dem Gobenowsee gleich nach Süden, passieren die Dollbek und landen auf kurzem Weg nach 2km im Labussee. Der oben beschriebene zusätzliche Umweg wäre 14km länger gewesen. Wir kennen diese Runde bereits vom oben erwähnten Canadiertreffen.

                    Über den Labussee geht es nach Süden auf den Müritz-Havel-Kanal. Hier werden wir von 2 schnellen Canadierpaddlern mit Trapperhüten überholt. Ihr Kanu ist ein Kevlar-Leichtbau von Wenonah, aber wenn ich das richtig sehe, auch ein Leihboot. Sie erreichen die Schleuse Canow kurz vor uns. Die Schleusenkammer steht offen. Dort diskutieren die beiden mit dem Schleusenwart. Der möchte aber nicht weiter diskutieren, meint, er hätte jetzt Mittagspause, und überhaupt, ob sie die rote Ampel nicht beachten wollen. Wir selber haben die Ampel gerade passiert, ein rotes Licht ist uns nicht aufgefallen. Wir paddeln extra nochmal 10m zurück, und nein, da brennt kein rotes Licht. Allerdings auch kein grünes.
                    Während die beiden “Raser” dann wieder aus dem Schleusenbecken raus und zum Beginn der Lorenbahn neben der Schleuse paddeln, fahren wir (mit Erlaubnis des Schleusenwarts) rein ans unterstromige Ende der Schleusenkammer und umtragen sie auf kurzem Wege.

                    180m weiter erreichen wir den Canow-See. Von jetzt an paddeln wir überwiegend in Richtung Ost - gegen den Wind, der jetzt ziemlich kräftig aus O - NO weht. Wir ziehen noch eine ½h durch bis in den Kleinen Pälitzsee, wo Andrea dann nicht mehr kann und plötzlich Pause machen möchte. Unser Tageskilometerzähler steht bei 10km. Am Ufer des Campingplatzes am Pälitzsee bietet sich einen Sitzgruppe an, leider direkt im Wind.

                    Während unserer Pause paddeln die beiden “Raser” in ihrem Leichtkanu an uns vorbei, ebenfalls in Richtung Osten. Ihr Boot ist zwar erheblich leichter als unseres, aber sie haben keine Spritzdecke, sind deshalb nicht so windschnittig wie unser Ally und müssen kräftig an den Paddeln ziehen.

                    Wir machen eine ¾h Pause, essen Schnitten und trinken den Tee aus Thermosflaschen. Kochen möchten wir an diesem Privatstrand nicht mit unserem Künzi.
                    Immerhin, der Platz bietet auch Wasserwanderern Möglichkeiten zum Zelten (Wasserwanderpauschale incl. 1 Kanu, 1 Minizelt, 2 Personen 15€ + Kanu, Kajak, Faltboot 2€).

                    Kurz nach 2 paddeln wir weiter. 3km weiter mündet der Kleine in den Großen Pälitzsee. Auf dem geht es weiter in Richtung NO bis nach Strasen, wo die nächste Schleuse auf uns wartet.

                    Die Schleuse Strasen ist schwer zu umtragen. Es gibt keine Lorenbahn auf dem Gelände, und man müsste angeblich an einer hohen Spundwand einsetzen, wenn man nicht sehr lange Umtragewege in Kauf nehmen möchte. Wir spekulieren also darauf, jetzt zum ersten mal in Mecklenburg geschleust zu werden.

                    Den Wartebereich für die Sportboote erreichen wir um ¼4. Er liegt bereits 200m vor der Schleuse. Bei der letzten Schleuse haben wir ja bereits gelernt, dass man auf die Ampel achten sollte, die hier steht. Die zwei Motorboote, die uns auf dem Großen Pälitzsee überholt hatten, wollen nicht durch die Schleuse und wenden hier.

                    Wir müssen warten. Unangenehm ist an dieser Schleuse, dass es in der Sichtachse auch noch einen Knick und Gebäude gibt, so dass man überhaupt nicht sehen kann, ob etwas an der Schleuse passiert. Eine Telefonnummer ist nach meiner Erinnerung nicht ausgeschildert. Man hängt also da und hofft, dass man irgendwann geschleust wird.

                    Wir verbringen unsere Wartezeit bei Stulle und Tee und lauern auf das grüne Licht. Nach 10min kommen einige Motorboote aus der Schleuse, und nach weiteren 3min schaltet die Ampel auf Grün. Wir haben Glück und werden einzeln geschleust. Unterstrom warten bereits wieder ein paar Motorboote.

                    600m nach der Schleuse erreichen wir den Ellbogensee. Die ersten 1½km geht es weiter gegen den Wind, der aber bereits schwächer wird.
                    Die Ufer sind hier wie bereits zuvor an vielen Stellen mit Ferieneinrichtungen bebaut.

                    Ferienpark am Ellbogensee:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20220422_154926k.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,30 MB ID: 3130433

                    ¼5 passieren wir Priepert und sind jetzt wieder auf der Havel. Hier wären wir auf dem kurzen Weg herausgekommen, wenn wir nicht in die Schwaanhavel eingebogen wären.

                    Der NO-Wind ist bereits so schwach, dass wir nicht einmal mehr das windabgeschirmte Ostufer aufsuchen. Das Westufer ist von schönen Wäldern auf hohem Steilufer geprägt. Dennoch gibt es auch hier ein paar Urlauber-Siedlungsinseln.

                    Als wir den “Ellbogen” passiert haben und wieder in Richtung Nodost paddeln, kommt nach und nach die Sonne raus. Es wird richtig freundlich.

                    Nach einem 300m langen Kanalabschnitt der Havel sind wir auf dem Ziernsee. Vor 15 Jahren habe ich hier wild im Wald übernachtet. Andrea möchte sich erst den Campingplatz am Ziernsee anschauen (Map), wieder mit Haveltourist als Betreiber. Aber schon von der Ferne ist die dichte Belegung zu erkennen und wir fahren nicht extra rüber.

                    Es gibt nämlich noch eine weitere Alternative für eine legale Übernachtung, den Biwakplatz Steinförde. Der liegt noch 2½km weiter die Havel abwärts. ¾6 ereichen wir den Platz, nach rekordverdächtigen 23km Gesamtpaddelstrecke heute.

                    Er ist unbesetzt, der Rasen ist kurzgeschnitten, es gibt 3 Sitzgruppen und eine große Feuerstelle.

                    Die hölzerne Uferbefestigung ist bereits morsch:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6725.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,11 MB ID: 3130443

                    Am unterstromigen Ende gibt es eine kleine tiefergelegte Stelle, wo man mit dem Kanu gut aussteigen kann.

                    Eine der 3 überdachten Sitzgruppen ist sogar für Erwachsene zu gebrauchen.
                    Bei den anderen zwei ist das Dach viel zu niedrig:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6723.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,37 MB ID: 3130441
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6726.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,47 MB ID: 3130442

                    Feuerholz ist erwartungsgemäß nicht viel zu finden. Für den Künzi reicht es aber immer.
                    Hier zahlt man 7€ für ein 2-Personenzelt. Wenn man das Kanu im Wasser lässt, kommen noch einmal 15€ dazu (Platzordnung). Nimmt man es aus dem Wasser, bleibt es kostenlos.
                    Naja, die 15€ sind eigentlich für Motorboote gedacht, die hier über Nacht anlegen dürfen. Aber das würde ich zZ niemandem raten, denn die Uferbefestigung, auf die man vom Boot aus steigen würde, ist wirklich schon am Zerfallen. Mindestens 1 Brett liegt nur noch lose oben drauf.

                    Für morgen verbleiben uns noch 4km Paddelstrecke bis zum Campingplatz am Röblinsee, demselben Endpunkt wie bei meiner Tour vor 15 Jahren. Von dort wäre es nicht weit zum Bahnhof Fürstenberg (Map).

                    Es gibt nur ein Hindernis auf dem Weg, die Schleuse Steinhavel (Map). Ich weiß bereits, dass die Schleuse derzeit umfassend neugebaut wird und zZ außer Betrieb ist. Unklar ist, ob die Schleuse umtragen werden kann. Eine diesbezügliche Anfrage meinerseits blieb bis zu unserer Tour ohne Resonanz. Darum möchte ich mir das jetzt mal selber anschauen und mache einen Abendspaziergang zur Schleuse. Bis zur Schleuse sind es 1½km auf Wanderwegen.

                    Der Weg führt oberhalb des rechten Ufers durch schönen Hochwald:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6727.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,61 MB ID: 3130445

                    Unten schlängelt sich die kanalisierte Havel:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6728.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,59 MB ID: 3130444
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6730.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,64 MB ID: 3130449

                    Die Winterstürme haben auch hier gewütet:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6729.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,66 MB ID: 3130446

                    Aussichtspunkt:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6731.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,47 MB ID: 3130448

                    Unten ist das entsprechend dem Wunschbild einer Wasserstraßenverwaltung neu gestaltete Ufer zu erkennen.

                    Schwarzcamper:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6732.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,67 MB ID: 3130447

                    Um ½7 bin ich am Ziel. Gegenüber sind die Ruinen der Steinhavelmühle zu sehen:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6735.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,43 MB ID: 3130450

                    1350 wurde erstmals eine Wassermühle an der namensgebenden „steinigen Furth“ der Havel erwähnt. Im 15. und 16. Jhdt wurden hier durch den Grafen von Dewitz sowie die Mecklenburger Fürsten Graupen- und Ölmühlen betrieben (Zeittafel).

                    1840 wurde die Steinhavel schiffbar gemacht und die erste Schleuse gebaut, neben der Schleuse wurden die noch heute erhaltenen Mühlengebäude errichtet. 1953 ging die damalige Mühlenbesitzerfamilie Moncke in den Westen und wurde in der DDR enteignet. Die Mühle wurde in “Volkseigentum” überführt. Verfall. 1992 wurde die Mühle an die ehemaligen Besitzer restituiert.
                    Seit 2008 werden die denkmalgeschützten Mühlengebäude saniert, um “Lohas” anzuziehen. “Lohas” steht für “lifestyle of health and sustainability”. Ziel ist ein “Qualitätvolles Lifestyle-Refugium im Einklang mit der Natur, das mit seinem vielfältigen Sport- und Freizeitangebot die individuellen Bedürfnisse umweltbewusster Großstädter erfüllt” (Investorengesülze).

                    Jetzt zur Schleuse. Das Schleusengelände ist immer noch großflächig Baustelle:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6734.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,42 MB ID: 3130451
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Y6736.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,18 MB ID: 3130452

                    “Seit 2019 werden an der Staustufe Steinhavel alle wasserbaulichen Anlagen ersetzt. Insgesamt werden in fünf Jahren 38 Millionen Euro investiert” (Die Zeit).
                    Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Schleuse im Mai 22 wieder voll nutzbar sein soll. Das Wasserstraßen-Neubauamt Berlin bekräftigte jedoch erst kürzlich, dass der Termin gehalten werden soll.

                    Soweit ich dass von hier übersehen kann, gibt es keinerlei Möglichkeit, die Schleuse zu umtragen. Die Baustelle ist großflächig eingezäunt und hier am rechten Ufer müsste man sich durch Wald und Sumpf schlagen. Drüben ist Privatgelände, das sieht genauso unzugänglich aus.
                    Naja, dann hat sich wohl die Weiterfahrt erledigt.

                    Um 7 bin ich zurück bei Andrea auf dem Biwakplatz und wir besprechen unsere Möglichkeiten für morgen. Vom Biwakplatz Steinförde sind es etwas über 4km zum Bahnhof Fürstenberg zu laufen (Map). Der Bus Linie 848 fährt nur in der Woche.
                    So werde ich mich morgen früh zu Fuß auf den Weg machen, um das Auto aus Kratzeburg zurückzuholen. Vielleicht nimmt mich ja auch jemand mit. Am Nachmittag hätten wir dann noch genügend Zeit für einen Abstecher zum Stechlinsee.

                    Jetzt um 7 soll eigentlich laut Aushang auf dem Biwakplatz jemand vorbeikommen, der die Toilette aufschließt und das Geld abkassiert. Aber es kommt niemand.
                    Zuletzt geändert von Spartaner; 12.05.2022, 08:28.

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                    • AlfBerlin
                      Alter Hase
                      • 16.09.2013
                      • 4824

                      • Meine Reisen

                      #11
                      Danke für den schönen Reisebericht, der schon eher ein Reiseführer ist. Und es bleibt unterhaltsam und spannend bis zum Schluss.

                      Ich staune wie gut Du Spartaner Dich an frühere Reisen erinnerst. Oder schreibst Du jedes Mal einen Reisebericht und schaust dann nach?

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                      • Spartaner
                        Alter Hase
                        • 24.01.2011
                        • 3507

                        • Meine Reisen

                        #12
                        Zitat von AlfBerlin Beitrag anzeigen
                        Ich staune wie gut Du Spartaner Dich an frühere Reisen erinnerst. Oder schreibst Du jedes Mal einen Reisebericht und schaust dann nach?
                        Die Osterpaddltour 2007 war die erste Tour, für die ich einen Bericht verfasst habe. Damals noch ein PDF, geschrieben mit FrameMaker (hat mich begeistert damals, dieses Programm).

                        Nur ganz zu Beginn meiner Paddeltouren Mitte der 70er Jahre habe ich noch ein Logbuch geführt. Danach, zB von den jährlichen Reisen meist auf den Balkan, existieren nur noch Fotoserien. Da kann ich mich tatsächlich an viele Details nicht mehr erinnern. Schmerzlich vermisse ich auch, dass auf den Dias und den Negativen keine EXIF-Daten mit Aufnahmezeitpunkt und Koordinaten gespeichert sind.

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                        • Spartaner
                          Alter Hase
                          • 24.01.2011
                          • 3507

                          • Meine Reisen

                          #13
                          Biwakplatz Steinförde - Stechlinsee - Berlin
                          Sa 23. April 2021, 🚙3.5km, 🚂35km, 🥾14km, 🚗153km


                          Aufstehen um 8, angepeilter Zug ist 9:46 Uhr ab Fürstenberg. Die Zugverbindung zwischen Fürstenberg und Kratzeburg ist ausgesprochen gut (bahn.de). Alle 2 Stunden gibt es eine Direktverbindung, beginnend 7:46 Uhr. Der letzte Zug fährt 23:43 Uhr.
                          Während Andrea mir schnell eine Thermoskanne Tee auf dem Gaskocher kocht und ein paar Schnitten schmiert, baue ich das Boot auseinander.

                          Eine Stunde rechne ich in etwa für die 4.1km Fußweg. Kurz nach ½9 laufe ich los, immer bereit, auch den Daumen hochzuhalten, wenn ein Auto vorbeikommt. Ein Handwerker hat es eilig und fährt vorbei. Nach 800m erreiche ich die Verbindungsstraße von Kleinmenow nach Fürstenberg. Als sich ein zweites Auto nähert, ein großer roter SUV, halte ich wieder den Daumen raus und bin schon erfolgreich. Ein alter weißer Mann, ausgewandert aus Berlin, dass ihm immer mehr gestunken hat, nimmt mich mit bis Fürstenberg und setzt mich direkt vor dem Bahnhof ab. Genau um 8:46, exakt eine Stunde vor meinem Zug.
                          Am Bahnsteig setzt sich gerade der Regionalzug vor meinem in Bewegung. Der fährt zwar auch erst mal in die richtige Richtung, nach Neustrelitz, aber nach Kratzeburg hätte ich dann dort warten müssen. Also nichts verpasst.

                          Ich ziehe meine Fahrkarte aus dem Automaten (10.30€) und nutze die Zeit, eine Runde durch die Stadt zu wandern. Schön, der Markt so in der prallen Morgensonne.
                          Die Bahn ist pünktlich und bringt mich in 30min 35km bis Kratzeburg. Das Auto steht noch heil da, die Batterie hat auch noch genügend Saft, um den Motor zu starten, und so bin ich kurz nach 11 wieder zurück am Biwakplatz Steinförde.

                          Andrea hatte derweil Zeit, das Boot zu trocknen und alles andere Gepäck aufzuklaren. Übrigens kam am Morgen doch noch jemand vorbei und kontrollierte das abgeschlossene Klo. Auf Geld hat er verzichtet.

                          Um 12 starten wir zum Stechlinsee. An der Steinhavelmühle legen wir jedoch noch einen Stopp ein. Der alte weiße Mann, der mich nach Fürstenberg gefahren hat, erzählte mir nämlich, dass er hier an der Straße ab und zu Leute beim Umfahren der Steinhavelschleuse mit ihren Kanus beobachtet. Kann man sie also doch umtragen bzw umfahren. Das möchte ich mir näher anschauen.

                          Zunächst sehen wir uns den Ausstieg oberstrom der Schleuse an. Direkt an der Schleuse gibt es keine Möglichkeit:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20220423_120921.jpg Ansichten: 0 Größe: 3,04 MB ID: 3130761

                          Zwei Damen auf SUPs verraten uns aber, wo man aussteigen und von dort hoch zur Straße rollern kann. Das ist genau hier, wie von diesem Aussichtspunkt aus gesehen:

                          Zitat von Spartaner Beitrag anzeigen
                          Aussichtspunkt:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Y6731.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,47 MB ID: 3130448
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20220423_121236.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,76 MB ID: 3130763
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20220423_121240.jpg Ansichten: 0 Größe: 3,13 MB ID: 3130758


                          Der 250m lange Weg zur Straße hoch ist erstmal nicht direkt ein Weg, sondern nur Wiese mit einer leichten Fahrspur. Da sind wohl am Bootswagen größere Räder angeraten. Oben geht es dann 450m entlang der Straße bzw teilweise auf dem Radweg neben der Straße. Am Ende geht es wieder 200m unbefestigt runter durch den Wald und links am Waldrand entlang bis zum Beginn der Spundwand am Wartebereich für die Sportboote:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20220423_122509.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,55 MB ID: 3130759
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20220423_122737_1.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,61 MB ID: 3130769

                          Gleich am Ende der Spundwand gibt es einen klitzekleinen geschotterten Direktzugang zum Wasser:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20220423_122758.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,74 MB ID: 3130765

                          Blick stromauf zur Baustelle der Steinhavelschleuse:
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20220423_122652.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,32 MB ID: 3130760

                          Alles in allem keine schöne Umtrage, und dazu 900m lang. Aber schön, das jetzt zu wissen.

                          Karte Umfahrmöglichkeit Schleuse Steinhavelmühle (blaue Pfeile):
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: UmtrageSteinhavelmühle.png Ansichten: 0 Größe: 657,7 KB ID: 3130770

                          Dann fahren wir weiter nach Neuglobsow zum Stechlinsee, wo wir kurz vor 1 ankommen. Hier ist alles auf Massentourismus ausgelegt und streng reguliert. Zur Zeit ist aber relativ geringer Besucherandrang. Man findet gut Platz auf den Parkplätzen und in den Restaurants, und auch am See ist es nicht zu voll.

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                          4 km Spaziergang am See:
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                          Der Stechlinsee galt einmal als klarster See der DDR. Irgendwie sieht das hier aber nicht mehr richtig gut aus:
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                          Die Sichttiefe lag vor 20 Jahren noch bei rund 9m im Jahresmittel. Sie beträgt heute im Mittel weniger als 6m. In Perioden ausgeprägter Algenblüten wurden kurzfristig sogar weniger als 3m gemessen. Grund sind höhere Phosphat-Werte im Wasser durch verstärkte Rücklösung aus dem Sediment, und zwar erst nachdem das KKW abgeschaltet wurde (IGB).

                          Über Wasser sieht er aber schön aus wie immer. Nur der Schornstein des ehemaligen KKWs Rheinsberg stört das Bild reiner Natur:
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                          Und wieder viele Sturmopfer im Wald:
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                          Andrea geht baden, ich Warmduscher bleibe in der Sonne liegen:
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                          Am Ende holt Andrea noch Fisch vom örtlichen Fischer, ua eingefrorene Maräne hier aus dem See. ¾6 sind wir zurück am Auto und 2½h später staufrei zu Hause.

                          Es war schon ein eigenartiges Gefühl während dieser 64km-Paddeltour durch eines der beliebtesten Paddelreviere Deutschlands. Sicher sieht die Natur hier oft sehr gut aus. Unterwegs habe ich mir öfter mal vorgestellt, wie es hier wäre, wenn die Landschaft so dünn besiedelt wäre wie entsprechende Gegenden in Lappland, Nord-Russland oder Nordamerika.
                          Aber die vollkommene Erschließung für den Massentourismus und die Gewissheit, dass hier alles streng durchreguliert ist und auch kontrolliert wird, macht es für mich nicht gerade attraktiv. An der Spree oder in Polen haben wir es da definitiv besser.
                          Zuletzt geändert von Spartaner; 14.05.2022, 08:48.

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