[CH] Bergziege müsste man sein (vom Albulatal nach Savognin)

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  • Pfiffie
    Fuchs
    • 10.10.2017
    • 1966

    • Meine Reisen

    [CH] Bergziege müsste man sein (vom Albulatal nach Savognin)

    Tourentyp
    Lat
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    Mitreisende
    Ein kleiner Bericht von meiner Zweitagestour in der Schweiz / Graubünden im Ela Parc den ich in 3 Teilen schreibe. Ein kleines Dankeschön für die Hilfe aus dem Forum

    Prolog



    Auch wie meine skandinavischen Vorhaben hat dieses kleine Projekt eine Vergangenheit. In den 90érn fuhr ich das erste mal mit der Family in die Alpen. Damals war ich ca. 15 Jahre und wollte natürlich rauf auf die Berge. Egal wie, mit der Gondelbahn, zu Fuß oder mit dem Auto, hauptsache rauf. Ich unternahm eine Wanderung in Savognin, mit dem Sessellift rauf und los (den gab es damals noch und der war/ist viel schöner als diese angehängten Klohäuschen).

    Auf der Karte war ein See eingezeichnet auf über 2400m und da wollte ich hin. Wenig später verlor sich der Weg und ich wurde unsicher so unerfahren wie ich war. Kehrte wenig später um und traf auf eine Kuhherde. Auch diese umging ich und verlor schlußendlich komplett den Weg. Mit krämpfen in den Beinen auf einem neuen Weg gelangt traf ich damals 2 Deutsche die zu meinem Erstaunen den Weg in eine komplett andere Richtung zurück zum Sessellift zeigten als die die ich gerade ging. Ich war in der falschen Richtung unterwegs und bis heute kann ich mir das nicht erklären. Dazu kam das ich nicht in Somtgant auf 2100m ankam wo ich zu Begin der Wanderung ausstieg, sondern bei der Mittelstation.

    Das flöste mir viele Jahre Respekt ein.
    Nun die letzten Jahre tat sich viel, der Mut, die Fitnes und vor allem der Umgang mit „Orientierung in unbekannten Terrain“ selbst wenn es keine Wege gibt. Das war/ist eine gute Grundlage wieder etwas in den Alpen in die Hand zu nehmen. Und so stand dann hier im Forum, als fest stand das ich mit meiner Familie 1,5 Wochen in Savognin bin, ein Thread mit Fragen über mögliche Touren. Denn ich wollte ja nun nicht einfach nur zu einem See latschen. Und eine Sichere Tour beginnt außerdem mit einer guten Vorbereitung.

    Es kristalisierte sich heraus das man sich in Savognin doch auch mal umdrehen sollte. Denn gegenüber des Skihanges gab es ein wunderschönes Naturschutzgebiet wo die Landschaft fast nur von Kühen auf den Almen verändert wird.
    Die Planung war leicht kniffelig, denn ich bin kein Alpiner, nicht mal ne Bergziege. Ich schaute mir die Schwierigkeiten an womit Bergwanderwege klassifiziert werden und wusste recht schnell das ich nicht über T3 gehen sollte. So kam ich auf die „Königstour“, eine 3 Pässewanderung vom Albulatal zurück nach Savognin. Das Höhenprofil war für mich niederschmeternd. Zu sehen hier https://regio.outdooractive.com/oar-...erung/7143464/

    22km lang, 1400m hoch, 2000m runter. Nääääh das geht nicht, weder konditionell noch zeitlich ist das drinnen. Nach meiner Rechnung (4km/h, plus 1h für 300hm und plus 1h für 500hm runter so wie es angeblich in der Schweiz gerechnet wird) wären das 5,5h plus 4,5h plus 4h = 14h ohne Pausen. Geht nicht bei 12h Tageslänge und Pausen die man braucht.
    So plante ich die Tour auf 2 Tage mit einem 500m Abstieg zur Ela Hütte. Der Nachteil war nur das man wieder etwa 500hm am nächsten Tag aufsteigen muss. Die Tour stand fest.



    to be continued
    "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

  • Flachlandtiroler
    Freak
    Moderator
    Liebt das Forum
    • 14.03.2003
    • 23835

    • Meine Reisen

    #2
    AW: [CH] Bergziege müsste man sein (vom Albulatal nach Savognin)

    OT: Die Schweizer nehmen entweder von der Horizontalzeit oder von der Raufrunterzeit die Hälfte, je nachdem was kleiner ist.

    Weiss nicht wie sich die STrecke genau aufteilt, sagen wir mal
    8km mit +1400hm --> 4,5h + (2h/2) = 5,5h
    und
    14km mit -2000hm --> 4h + (3,5h/2) = 5,75h

    Macht dann 11,25h, bleibt also gerade noch was für paar kleine Pausen über.
    Das von Dir verlinkte Portal kommt übrigens auf nur 8,45h -- ich argwöhne also mal, die dort angegebenen Höhenmeter sind per GPS-Track aufsummiert (was immer mal zu hübschen Artefakten führt...)
    Meine Reisen (Karte)

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    • Pfiffie
      Fuchs
      • 10.10.2017
      • 1966

      • Meine Reisen

      #3
      AW: [CH] Bergziege müsste man sein (vom Albulatal nach Savognin)

      Im Netz fand ich sowas hier: https://www.sicher-bergwandern.ch/be...ten-berechnet/

      Ich greif da mal bissel vor , deswegen hab ich es erwähnt. Von Naz auf den Pass sind es 6km und 1100hm. Nach der Rechnung komme ich auf 6 mal 15min + 11 mal 15min = 17 mal 15 = 255min = 4,25h für den Aufstieg. Auf dem dämlichen Schild stand aber 3h

      Gelaufen bin ich Netto 4,5h so wie in etwa berechnet. Daher hab ich die Vermutung das es drauf ankommt wer in welchen Kanton die Schilder aufstellt und entsprechend Fit oder nciht so Fit ist

      Edit: Ja die Angaben vom Portal sind auch nciht so ganz interessant für mich, nur zum Anschauen für den ersten Eindruck. Da schaue ich nur auf die reinen Längen und Höhendaten
      "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

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      • Pfiffie
        Fuchs
        • 10.10.2017
        • 1966

        • Meine Reisen

        #4
        AW: [CH] Bergziege müsste man sein (vom Albulatal nach Savognin)

        Es war früh um 6 und draußen war es noch dunkel. Vater lag noch im Bett, ich solllte ihn wecken wenn er nicht selbst wach wird.
        Frühstück gab es keins, ich wollte dann unterwegs frühstücken, denn das hier war Neuland, vorallem das Höhenprofil. Und so wie bei allen meinen Planungen versuche ich die Komplette Tageszeit dafür zu nutzen, 100% der Verfügbaren Zeit + Kopflampe (man weiß ja nie).
        Wir fuhren von Savognin los und kamen in der Morgendämmerung am Startpunkt bei Naz in der Nähe von Preda an. Da war schon ein Wanderer und ich dachte, das kann ja was werden wenn die jetzt schon hier rumspringen. Das sollte sich aber nicht bestätigen.
        Ich verabschiedete mich von Vater dem ich sehr Dankbar war so früh auf zu stehen und zu fahren mit über 80. Zumindest bin ich bis hin noch selbst gefahren.
        Ich stiefelte los, schaute mir die Wegweiser genau an und began den Anstieg. Ca. 1150hm auf 6km zum ersten Pass mussten bewältigt werden. Das hatte ich in der Größenordnung noch nie. Einzig mal 1000hm auf 24km, aber da reden wir von anderen Steigungen.
        Bis jetzt war alles gut, sogar noch recht frisch, hier und da war auch etwas Reif zu sehen. Es war ruhig und niemand war zu sehen.
        Nach einer Weile beschloß ich zu frühstücken, noch unterhalb der Baumgrenze und setzte mich auf einen Baumstumpf auf einer Lichtung. Nun saß ich da, links Brot rechts zwei lange Wiener, da kamen zwei Schweizer an. „Hast du scho a Hirsch gesehn“? (das ist eher Bayrisch, aber wie der frug war so ähnlich) Wat hab ich? Hirsche? Könnte mir ja zwei Zweige aufheben. Ich war maximal aufgeregt, denn er vermittelte das Gefühl das es hier Massenweise Wild geben muss.
        Als ich etwas weiter über die Baumgrenze kam konnte ich solange ich mich dort aufhielt die Hirsche röhren hören. Leider konnte ich keinen sehen. Derweil wurde ich von einem älteren Mann überholt dem ich neidisch nach schaute. Manche werden mit Eisenbeinen schon geboren.



        Die Sonne war da und wärmte, die Aussichten jetzt schon Gigantisch. Langsam ging der Anstieg aber schon auf die Beine und ich hatte nicht mal die Hälfte davon geschafft. Der Plan war viele Pausen und auf den Puls achten. Lieber 5m laufen und stehen bleiben als 10 und keine Luft mehr bekommen. Aber soweit war es noch nicht. Eine Kekspause am Bach und 10min später gehts weiter. Mittlerweile lief ich beständig aber langsam und in Kaffebohnen. Sind ja nur 6km, muss man ja nicht in 1h runter reißen.....





        Ich schwitzte, ich hechelte und es war anstrengend, aber der Körper hielt es aus. Die Rückblicke waren nun fast schon wie aus dem Flieger. Das Tal aus dem ich kam wirkte jetzt schon sehr klein und der Blick gab eine große Struktur wieder. Herrlich.
        Ich erreichte das erste auf der Karte erkennbare Plateau wo es dann auch endlich mal wieder ein paar 100m flach zu werke ging. Ich blickte den Berg hinauf und fragte mich wo denn hier der Weg sei. Geht es da etwa hoch? Sieht eher wie ne Sackgasse aus. Und wie so oft in den Bergen (auch in Skandinavien) sieht von weitem alles unmöglicher aus als es tatsächlich ist. Aber! Wie ich bereits wusste begann jetzt aber erst der harte Teil, es kam die Rampe mit über 30% Steigung und die sah ziemlich lang aus. Mit jedem Schritt wurde es steiler und natürlich kam der Moment wo man sich fragte „Du bist echt bescheuert so ein Blödsinn hier hoch zu laufen“. Es begann ein Intervalllaufen mit zwischendrinn 30-240sek Luft holen.
        Nach 70% des Hanges sah ich hinter mir jemanden kommen. Sie kam schnell näher und ich schüttelte den Kopf. Wir begrüßte einander und tauschten uns ein wenig aus. Die Frau war sehr freundlich und mindestens 20 Jahre älter als ich. Nennen wir sie die Frau aus Eisen. Allerdings überholten wir uns bis zum Pass mind. 3 mal, was mich schon wieder beruhigte das sie vll doch ein Mensch ist. Ihr Ziel war Tinizong und nach dem Pass begann quasi ihr Abstieg.
        Zum Pass selbst wurde das Profil wieder erträglicher, es ging über das 2. Plateau und dann noch einen kleinen Stich nach oben. Hier gab es selbst kein Gras mehr. Aber was für mich persönlich wichtig ist, es war abgeschieden, ich war allein, es war wie im Urlaub in Lappland. Eine kurze kleine Flucht und ich erinnerte zurück an die Sachen die ich dieses Jahr alles so unternahm und die Grenzen die ich immer wieder überschritt. Denn hier war ich gerade dabei eine zu überschreiten. So hoch war ich noch nie, niemals nie. Damals zu dem See auf 2400m vll, aber auch nur das eine mal.











        Und da war auch schon der Pass und ein Ausblick wie ausm Flugzeug. Die Mühe hatte sich gelohnt und zu meiner Verwunderung waren die Beine nicht übersäuert, also konnte es weiter gehen zum nächsten Pass den man von hier aus schon sehen konnte. Ich musste ein paar neue kleine Schneefelder überqueren, denn auf der Rücksseite des Passes lag etwas Schnee der wohl vor 2-3 Wochen schon gefallen war.





        Als ich in das Flachstück kam um zu dem Pass d Ela rüber zu laufen, nutzte ich die Zeit zur Regeneration. Leider schaltete ich auch das Hirn aus und lief sehr unkonzentriert. Wie auch immer, der rechte Fuß klingte sich auf den einzigen beweglichen Stein im Umkreis von 10m ein, die Stöcker natürlich gerade hinten und bevor das Kleinhirn an Großhirn meldete „richtig laufen“, lag ich auch schon da und wurde von meinem Rucksack begraben. Augenblicklich wurde ich aus meinem Schlaf gerissen und viele Stellen am Körper meldeten jetzt Panik. Ich drehte mich um und lag nun da wie eine Schildkröte. Erstmal warten, wer weiß was kaputt ist und ging Stück für Stück die Störungspunkte ab. Zog einige Steinsplitter aus Ellbogen und Handflächen und konnte wenig später vermelden „Nix Kaputt“. Allerdings war ich auch auf den Kopf gefallen, der weder eine Beule bekam noch blutig war. Aber ich bekam eine Weile später Kopfschmerzen was ich nicht so gut fand.
        Das war ein Wink mit dem Zaunspfahl und wie auf meiner großen Tour fluchte ich das ich wieder mal auf einem technisch einfachen (dem einfachsten Stück) Stück wieder sturzte. Im Gegenteil, es kotzte mich richtig an, sowas darf einfach nicht passieren und wozu hab ich die Stöcker dabei? Man!



        Ich passierte die beiden smaragtgrünen Seen und begann den Aufstieg zum 2. Pass. Ich entschied mich für die längere Variante da ich schon einige Höhenmeter auf der Uhr hatte. Am Fuß des Anstiegs kam mir ein Fahrradfahrer entgegen und wie Oberlix so schön sagte „Die spinnen die Schweizer“, schüttelte den Kopf und wartete nun gespannt auf einen Rollschuhfahrer. Der kam aber nicht. Wie kann man hier runter fahren, allein den Hang schräg zu passieren, zu Fuß war schon Schwindelerregend, vorallem wenn der 2 Füße breite Pfad auch noch schräg abfällt und nur aus Schotter besteht. Ich hatte Respekt vor dem Fahrer, denn er hatte noch nicht mal nen Akku dran...




        Auf den 2. Und letzten Pass für heute angekommen war ich schon ziemlich kaputt. Ich konnte den Kamweg sehen der rüber zum 3. Pass geht und sah die Schotterserpentinen wo es runter zur Ela Hütte ging. Von hier aus war auch der Aufstiegshang vom 3. Pass zu sehen und mir wurde schlecht...da willst du morgen hoch...das ist doch gar kein Pass. Und die Steigung sah unmöglich aus...oh man was hast du dir hier vorgenommen und stieg langsam ab. Immer wieder schaute ich rüber und mir wurde immer unwohler, dazu kamen die Kopfschmerzen.





        Gegen 16Uhr kam ich an der Hütte an und war richtig Glücklich. 9,5h incl. Pausen für 12,5km 1450m hoch und ca. 800m runter (insgesamt). Das war gefühlt sehr langsam, aber insgesamt für mich eine richtig tolle Zeit.



        In der Hütte waren bereits 2 Schweizer die am Abend noch Käse im Topf mit Knobi kochten, sabber. Dazu kamen späte rnoch 2 weitere und wir quatschten ein wenig. Der normale Smaltalk. Wo kommst du her, wo bist du gestartet, wo ist dein Ziel usw. usw.
        Ich erzählt vom Sturtz und das der Kopf weh tut. Ein Schweizer war gleich sehr besorgt und fragte so Sachen mit schlecht ist, ob ich gebrochen habe und sowas. Was ich mit nein beantwortete. Ihn fragte ich auch nach dem Pass wie schwierig der ist und das ich nicht weiß ob ich absteige oder laufe. Das hing auch mit dem Kopfschmerzen zusammen, denn wenn die am morgen nciht weg wären würde ich definitiv absteigen nach Filisur oder Bergün und mich abhoolen lassen. Der Schweizer übertrieb ganz ganz schön. Große Steine, loser Schotter, sehr sehr Steil. Er vermittelte mir das Gefühl das man da geradewegs ohne serpentinen da hoch und runter laufen muss. Als er zum schlafen gehen noch sagte ich solle mich in die obere Koje legen wegen CO2 vom Ofen konnte ich seine Passbeschreibung ganz gut einordnen und sagte mir, wenn Kopfweh weg, schauste dir das erst mal an. Umdrehen kannste dann immer noch.
        Es aß mein Wurtzelbrot und 500g Schwarzwälder Schinken, nahm mir aus dem Vertrauenschrank ne Dose Cola und Bier und döste vor mich hin. Das war ganz schön viel Aufregung heute und in der Hütte musste ich erstmal 1-2h tief durchatmen, der erste Tag war echt spannend und vorallem war es bedeutend Schöner als ich es mir vorgestellt habe.









        "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

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        • qwertzui
          Fuchs
          • 17.07.2013
          • 1975

          • Meine Reisen

          #5
          AW: [CH] Bergziege müsste man sein (vom Albulatal nach Savognin)

          Das mit dem Sturz am einfachsten Stück ist klassisch. Konzentrationserschöpfung sozusagen. Geht mit der körperlichen Erschöpfung Hand in Hand. Nach besonders anspruchsvollen Passagen empfiehlt sich eine kurze Trink-, Schokoladen- oder sonstige Pause (auch Zigaretten habe ich schon gesehen) um den Kopf vom Adrenalinrausch wieder nüchtern zu bekommen, das Hirn mit einem Zuckerschub wieder auf Arbeitsmodus zu stellen und nicht im Laufen auf Ruhemodus zu schalten.

          Das mit dem Kopfweh auf der ungewohnten Höhe ist übrigens auch klassisch und hatte möglicherweise nichts mit dem Sturz zu tun.

          Wieder mal: Schöne Fotos und total wie du deine persönlichen Grenzen immer weiter verschiebst.

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          • Flachlandtiroler
            Freak
            Moderator
            Liebt das Forum
            • 14.03.2003
            • 23835

            • Meine Reisen

            #6
            AW: [CH] Bergziege müsste man sein (vom Albulatal nach Savognin)

            Zitat von qwertzui Beitrag anzeigen
            Das mit dem Kopfweh auf der ungewohnten Höhe ist übrigens auch klassisch und hatte möglicherweise nichts mit dem Sturz zu tun.
            Sonnenstich, Dehydration durch starkes Schwitzen und Schnappatmung, ...

            Schön zu lesen, danke für's Teilhaben lassen!
            Die Berge sind jedesmal wieder anstrengend, wenn man aus dem Flachland kommt... irgendwann sieht man das nicht mehr als Problem, aber ganz ohne Schweiß geht's halt nicht
            Meine Reisen (Karte)

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            • Pfiffie
              Fuchs
              • 10.10.2017
              • 1966

              • Meine Reisen

              #7
              AW: [CH] Bergziege müsste man sein (vom Albulatal nach Savognin)

              Danke , ein kleiner Teil kommt ja noch.

              Die Höhe war auch ungewohnt und ich hab schon gemerkt das die Luft dünner ist. Die Kopfschmerzen hatten sich nach dem Sturtz eingestellt, vielleicht eine Kombination aus allem. Dafür hatte ich zum Glück wie immer ein paar IBU´s einstecken die ich dann abends eingenommen habe.
              "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

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              • blackteah
                Dauerbesucher
                • 22.05.2010
                • 777

                • Meine Reisen

                #8
                AW: [CH] Bergziege müsste man sein (vom Albulatal nach Savognin)

                Danke für den Bericht, tolle Bilder hast du mitgebracht

                Das mit dem Sturz ist ärgerlich, kenne ich. Ich stolpere auch manchmal, und auch immer nur auf einfachen ungefährlichen Wegen. Ich denke dann immer, das Hirn weiß schon wann es abschalten darf

                Bin schon auf den nächsten Pass gespannt. Deine Beine haben ja dann schon ganz schön viele Höhenmeter intus, vom ersten Tag

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                • mcinnitzer
                  Anfänger im Forum
                  • 08.08.2019
                  • 39

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: [CH] Bergziege müsste man sein (vom Albulatal nach Savognin)

                  Toller Bericht, tolle Fotos. Ja, es läuft manchmal anders als geplant, ich freue mich schon auf die Fortsetzung.
                  Habe übrigens Ende September eine Tour durch Graubünden gemacht, und kam auch an der Elahütte vorbei

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                  • Pfiffie
                    Fuchs
                    • 10.10.2017
                    • 1966

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: [CH] Bergziege müsste man sein (vom Albulatal nach Savognin)

                    Am Abend war ich ziemlich fertig, als ich langsam zur Ruhe kam machte sich die Erschöpfung breit und die nun vor Hitze glühende Hütte machte dies nicht besser. Noch vor dem schlafen gehen frischte der Wind auf und heulte um die Hütte. Das kam nicht ganz unerwartet, da man das aus dem Wetterbericht lesen konnte. Irgend so eine Front in der Nacht. Früh morgens sollte aber alles beim alten sein. Kein Wind, kalt vor Sonnenaufgang und strahlender Sonnenschein.
                    So richtig gut schlafen konnte ich nicht und als mich dann auch noch einer der Klogänger mitten ins Gesicht leuchtete konnte ich noch schlechter einschlafen, da nun der Puls sehr weit oben war. Trotzdem konnte ich sehr gut regenerieren und machte mich bereits vor Sonnenaufgang auf zum Frühstück. Einmal Spielgelei mit Brot bitte..., aber es blieb bei Wurtzelbrot und Schinken. Viele Gedanken zur 2 Tagesversorgung hatte ich mir nicht gemacht. Fleisch, Brot und Süßes. Kein Kocher, maximal ein Teebeutel für den Hüttenabend.
                    Alle schliefen noch als ich die Hütte verließ und meine Flaschen noch mal auffüllte. Neben meiner Literflasche füllte ich auch die 1,5l Petflasche, denn ich vermutete das es bis zum Lai Taigel auf der anderen Seite des Passes wohl nix mehr großartig geben wird, außer der eine Platz den ich recht schnell erreichen werde. Die Kopfschmerzen waren weg, Gott sei dank. Allerdings waren es auch 2x800er IBU.
                    Ich lief den ersten Hügel hoch, war gleich kaputt und blieb stehen. Meine Fresse ist das anstrengend. Kein Muskelkater aber keine Ausdauer. Der letzte Tag hat Spuren hinterlassen. Ich tröstete mich das es heute nur 500hm waren und die in den nächsten 3h hinter mir liegen, sofern ich da hoch komme. So wie der Schweizer erzählte war das ein halber Klettersteig, was ich nicht mehr so glauben konnte.



                    Der Weg bis zum Einstieg des Passes war eglich, zum einen bin ich ihn schon mal gelaufen und zum anderen lag überall loser Schotter.
                    Schließlich sah ich jetzt den unschaffbaren Hang vor mir. Er sah wirklich bedrohlich aus. Ich kannte es ja auch nicht. Absolutes Neuland. Aber ich erkannte eine kleine Schlängellinie und hielt das für sowas wie eine Spur. So kämpfte ich mich durch das riesig angekündigte Blockfeld mit hausgroßen Steinen, der Schweizer war wirklich lustig. Das Blockfeld war total einfach und ca. 50m lang. Es sah aber jetzt wirklich sehr Steil aus, aber mit einem kleinen Weg und die Entscheidung war gefallen:



                    Blick zum Ela Pass


                    Hier kommste zwar net Runter aber auf jeden Fall hoch. In Kaffebohnenschritten und kleinen Pausen lief ich stück für Stück hoch. Die Ausblicke wurden immer besser und der Anblick dieser Pfeifenähnlichen Felsen war extrem beindruckend. Am Ende des Anstieges schaute ich über den Kamm in die kleinen Wolken die zum anfassen nah waren und schließlich stand ich auf dem Passkamm.













                    Freude machte sich breit und drehte mich im Kreis. Von hier konnte man in beide Täler schauen, der Wahnsinn. Eine Belohnung so früh am Tag.
                    Lange hielt ich mich hier nicht auf, wie auf den anderen Pässen auch. Denn meist wehte hier ein guter Wind und machte deswegen immer in Windgeschützten ecken Pause.

                    Blick zurück zum Pass




                    Jetzt ging es nur noch berg ab Richtung Savognin, der Steilhang sah auch nicht besonders gefährlich aus und hatte ebenfalls die verschwiegenen Serpentinen und weiter unten ein etwas längeres Blockfeld, was aber an einem T3 Weg keine besonderen Ansprüche stellte. Irgendwo röhrte hier wieder so ein Hirsch rum und als ich den tollen See passierte kam ich an einer ausgedehnten Pause mit Keksen nicht drum rum. Mit Blick auf den Pass saß ich da und summte zufrieden vor mich hin, trank mein Wasser und war einfach im siebten Himmel.









                    Später querrte ich eine Alm bevor der richtige Abstieg begann. Der Weg war von Muhs ziemlich löchrig und jetzt konnte ich auch nach Savognin fast runter schauen. Oh weh, so weit runter laufen. Ziemlich bald kam dann auch die Baumgrenze und die kleinen Pausen häuften sich. Der Obschenkel tat langsam weh und schließlich musste ich auch mal aus den Schuhen raus. Meine Zehen brannten wie feuer.
                    Ja und irgendwann war ich dann auch zurück kehrte bei Volg ein und kaufte 2 große Becher gekühlte Latte die ich mir genüßlich einverleibte.

                    Fazit:
                    Ganz kurz: Einfach schön. Schlußendlich hat es sehr viel Spaß gemacht und ich bin wieder einige Efahrungen reicher.
                    Die 3 Wertvollsten Erfahrungen: „glaub nicht alles was man dir erzählt„, „von weitem sieht alles viel zu Schlimm aus als es wirklich ist“, „Konzentrier dich man“
                    Ich weiß nicht wann und wie, aber ich könnte mir eine 3-4 Tagestour vorstellen. Ich hab da wirklich lust drauf und mit noch mehr Training hab ich noch einige Reserven.

                    Vielen Dank fürs lesen und ich bedanke mich für Eure Hilfe 
                    Grüße Maik
                    "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

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                    • Rattus
                      Lebt im Forum
                      • 15.09.2011
                      • 5177

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: [CH] Bergziege müsste man sein (vom Albulatal nach Savognin)

                      Tolle Bilder und vor allem sehr sympathisch geschrieben Danke
                      Das Leben ist schön. Von einfach war nie die Rede.

                      Kommentar


                      • Vegareve
                        Freak

                        Liebt das Forum
                        • 19.08.2009
                        • 13996

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: [CH] Bergziege müsste man sein (vom Albulatal nach Savognin)

                        Gut gemacht, Pfiffie, ich hoffe Du bist jetzt gründlich infiziert . Und ja, es wird immer besser, wenn man es öfters macht, sowohl mit der Höhe als auch mit dem Tempo (und Du wirst irgendwann keine 1600 Mg Ibu mehr brauchen ). Man lernt zu laufen und zu atmen (und rechtzeitig zu trinken).
                        Und diese Gegend ist im Herbst tatsächlich sehr hübsch.
                        "Niemand hört den Ruf des Meeres oder der Berge, nur derjenige, der dem Meer oder den Bergen wesensverwandt ist" (O. Chambers)

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                        • November
                          Freak

                          Moderator
                          Liebt das Forum
                          • 17.11.2006
                          • 10538

                          • Meine Reisen

                          #13
                          AW: [CH] Bergziege müsste man sein (vom Albulatal nach Savognin)

                          Ganz schön pfiffig inzwischen, der Pfiffie.
                          Wirklich sehr schön.
                          Wer sich nicht in Gefahr begibt, kommt darin um.

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                          • lina
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                            Vorstand
                            Liebt das Forum
                            • 12.07.2008
                            • 36741

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: [CH] Bergziege müsste man sein (vom Albulatal nach Savognin)

                            Super!! *mitfreu*

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                            • Pfiffie
                              Fuchs
                              • 10.10.2017
                              • 1966

                              • Meine Reisen

                              #15
                              AW: [CH] Bergziege müsste man sein (vom Albulatal nach Savognin)

                              Vielen Dank Euch Mal sehen was so noch passiert, nach jeder Wanderung wird die Welt irgendwie grad größer
                              "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

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                              • Becks
                                Freak

                                Liebt das Forum
                                • 11.10.2001
                                • 18754

                                • Meine Reisen

                                #16
                                AW: [CH] Bergziege müsste man sein (vom Albulatal nach Savognin)

                                Zitat von Pfiffie Beitrag anzeigen
                                22km lang, 1400m hoch, 2000m runter. Nääääh das geht nicht, weder konditionell noch zeitlich ist das drinnen. Nach meiner Rechnung (4km/h, plus 1h für 300hm und plus 1h für 500hm runter so wie es angeblich in der Schweiz gerechnet wird) wären das 5,5h plus 4,5h plus 4h = 14h ohne Pausen. Geht nicht bei 12h Tageslänge und Pausen die man braucht.
                                Oh ja, Ela Park ist sehr hübsch, und die Hütte dort ist auch klasse (wenn nicht gerade überfüllt). Die Strecken rechnet man, indem man vertikale und horizontale Strecken zuerst getrennt rechnet (rauf: 400 m/h, runter 600 m/h, horizontal 4 km/h) und dann den kleineren der beiden Werte halbiert und zum grösseren Wert addiert. Das wären dann grob 4h für die Höhenmeter und 5.5h für die Strecke, bzw. insgesamt dann rund 7.5 bis 8h.
                                After much research, consideration, and experimentation, I have decided that adulthood is nothing for me. Thank you for the opportunity.

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                                • Pfiffie
                                  Fuchs
                                  • 10.10.2017
                                  • 1966

                                  • Meine Reisen

                                  #17
                                  AW: [CH] Bergziege müsste man sein (vom Albulatal nach Savognin)

                                  Danke für das Beispiel Becks , für mich aber unvorstellbar so eine Zeit. Aber bei den Schildern kommt das wieder hin. Wahrscheinlich ist es aber eh besser so eine eigene Rechnung auf zu machen (angepasst auf sich ganz persönlich), da ich meist eh vorher weiß wie weit und wieviel Höhenmeter. Zumindest schau ich immer wie lange ich gebraucht habe.
                                  "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

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                                  • Hundewanderer
                                    Gerne im Forum
                                    • 17.09.2016
                                    • 73

                                    • Meine Reisen

                                    #18
                                    AW: [CH] Bergziege müsste man sein (vom Albulatal nach Savognin)

                                    Hallo Pfiffie,

                                    was für tolle Bilder!

                                    Diese Wanderung kommt in meine Sammlung für Wochenend-Wanderungen mit dem Zelt und mit Übernachtung am Lai Tigiel. Meinen Knien zuliebe allerdings in umgekehrter Richtung.

                                    Gruß, Thomas

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                                    • blackteah
                                      Dauerbesucher
                                      • 22.05.2010
                                      • 777

                                      • Meine Reisen

                                      #19
                                      AW: [CH] Bergziege müsste man sein (vom Albulatal nach Savognin)

                                      Danke auch für den zweiten Teil. Ich muss auch endlich mal in die Schweiz

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                                      • danobaja
                                        Alter Hase
                                        • 27.02.2016
                                        • 2770

                                        • Meine Reisen

                                        #20
                                        AW: [CH] Bergziege müsste man sein (vom Albulatal nach Savognin)



                                        wenn du so weiter machst steht der everest übernächstes jahr aufm programm! respekt!
                                        danobaja
                                        __________________
                                        resist much, obey little!

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