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    AW: [DE] Von Tübingen nach Freiburg

    12.7.2020
    Fohrenbühl - Gutach (12 km)



    Dadurch, das das Bett ein Fußende hat, stoße ich in der Nacht manchmal dagegen und wache dadurch auf. Jedesmal gehe ich auf den Balkon und schaue in den Nachthimmel, aber den Kometen Neowise kann ich nicht erblicken. Nur Venus und Aldebaran strahlen um die Wette. Also lege ich mich wieder hin.
    An Morgen gibt es erst einmal Frühstück. Schon komisch, so mit Maske am Buffet. In den Rechauds befindet sich Wurst, Käse und Obst (und leider nicht, wie erwartet, Ei und Würstchen). Die Greifwerkzeuge werden auch nur einmal benutzt. Aber es schmeckt gut und ein Ei wird am Tisch serviert.
    Nun geht es weiter, auf die letzte Etappe. »Völker hört die Signale, auf zum letzten Gefecht« summe ich, als ich Fohrenbühl verlasse und in den Wald eintauche.







    Leider währt die Freude über den Weg nur kurz, denn schon bald führt er auf eine Hochebene und ist vor allem wieder asphaltiert.




    Eine alte Mühle







    Gruß an den Wanderer.




    Aber es nicht so schlimm wie gestern, es weht ein angenehm kühler Wind und die Steigungen halten sich auch in Grenzen. Man könnte meinen, man wäre in Schleswig-Holstein und gleich käme der Deich.










    Das einzig Lästige sind die Autos, die ab und an an mir vorbeifahren – Einmal sogar ein LKW. An einem Sonntag? Ach so, der Milchlaster, der »die Ernte einfährt«.








    Daß hier oben auf der Höhe doch ein regelmäßiger Wind weht, hat wohl auch dazu geführt, daß hier einige Windräder stehen. Sie sind doch verdammt groß, wenn man direkt unter ihnen steht und machen doch ein Geräusch, als ob ein Flugzeug über einem fliegen würde (Aber ein Düsenflugzeug, nicht so eine nervige Propellermaschine).









    Neubau.







    Es geht jedenfalls weiter auf breiten Forststraßen durch den Wald und ich bin doch ganz froh, daß die Kinder nicht mitgekommen sind: Auf diesen Wegen wäre die Motivation doch echt schwer. Und Sitzgelegenheiten sind auch wieder rar.










    Aber schließlich finde ich doch eine, sogar mit Bank. Eine Bank in der Steueroase »Fürstenum Rappenstein« – Wo könnte man hier sein Geld anlegen? Vielleicht in Holz? – Die Fürsten der Nutzholzgewinnung.



    Ein Wegweiser zeigt zum Rappenstein, der zwar nicht direkt am Weg liegt, aber der Umweg ist erträglich und so schaue ich mir das einmal an. Er entpuppt sich als Felsformation mit dazugehöriger Sage.



    Der Rappenstein
    Granitfelsen im Gewann Pilfer, zwischen dem Kirnbachtal und dem Gutachtal, im Eigentum des Landes Baden-Württemberg.
    Vermutlich vorchristliche Kultstätte. Nach der Sage ein zerfallenes Bergschloß, von dem in den Adventsnächten eine von 20 Geißböcken gezogene Geisterkutsche in das Kirnbachtal hinunterfährt.


    Jetzt wird der Weg auf wieder pfadiger. Die Entscheidung, welchen Weg ich nehmen soll, wird wieder durch die Raute des Schwarzwaldvereins erleichtert. Die Raute: Wenn man sie sieht, fühlt man sich sicher, irgendwie mütterlich beschützt. »Schau, die Raute weist Dir den Weg, er mag zwar manchmal etwas beschwerlich sein, und Du wirst manchmal über die Führung der Raute fluchen, aber am Ende wird sie Dich sicher zu Deinem Ziel geleiten. Wir schaffen das.«













    Es geht nun steil bergab, irgendwie muß ich ja wieder ins Tal. Kurz nachdem ich das steilste Stück überwunden habe, kommt mir ein Pärchen mit Kinderkraxe entgegen. Es sind Franzosen, und sie fragen mich, ob es am Ende des Weges denn eine Aussicht gäbe, was ich leider verneinen muß. Sie gehen noch ein Stück weiter, kehren dann aber um. Der Weg ist die Mühe eigentlich auch nicht wert.
    Ich befinde mich jetzt auf dem Gutacher Tälesteig, der immerhin auf schmalen Pfaden in Serpentinen den Berg hinunterführt. Am Weg ist auch eine Aussichtshütte.





    Und hier befinden sich weitere Bänke in der direkten Umgebung. Habe ich 2018 im Gutach-Tal noch vermutet, daß dies so angelegt wäre, um zerstrittene Wandergruppen zu trennen, so erkenne ich auf einmal die Weitsicht der Planer: Hier wurde die Corona-Pandemie schon erahnt und daher Sitzgelegenheiten in ausreichendem Sicherheitsabstand angelegt.




    An einer Wegkreuzung bin ich unsicher: Auf einmal ist die Raute weg und ich bin bei der Wegwahl auf mich alleine gestellt. Ich komme von einem schmalen, schönen Pfad: Vor mir die Wahl zwischen einem breiten Forstweg und einem schmalen, aber steilen Pfad. Der Wegweiser ist nicht eindeutig. Ich entscheide mich für den schmalen Weg. Die falsche Wahl, wie sich herausstellen soll, aber als ich das merke, bin ich schon zu weit abgestiegen und habe ich keine Lust mehr zurückzugehen. Der Weg ist steil und hat einen leicht sandigen Untergrund, was das ganze ziemlich rutschig macht. Langsam taste ich mich mit den Füßen bergab. Puh, geschafft. »Raute, warum hast Du mich verlassen?«




    Das letzte Stück ist jetzt wieder Asphalt, unter der Schwarzwaldbahn hindurch und auf einem Apfellehrpfad nach Gutach hinein.



    Hier werde ich von einem Bollenhutmädchen auf einer Bank begrüßt – wie schon gesagt, Gutach ist Bollenhutland.






    Ich erreiche die Bushaltestelle an der lauten Bundesstraße. Hier habe ich vor zwei Jahren das Stück nach Freiburg begonnen. Ich habe es geschafft, die komplette Strecke von Stuttgart nach Freiburg zu Fuß zu gehen. Ich erwarte Applaus und Jubel, aber der einzige Lärm ist eine Gruppe mittelalter Mopedfahrer, die vorbeiknattert. Nun gut, man nimmt was man kriegt.


    Kurze Zeit späte kommen meine Frau und die Kinder, um mich abzuholen. Wir besichtigen noch das Freilichtmuseum in Gutach und erfahren allerlei über das Leben im Schwarzwald. Auf dem Heimweg halten wir noch einmal beim »Adler« zum Abendessen.
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    Zuletzt geändert von Voronwe; 20.09.2020, 15:10.

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  • Voronwe
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    AW: [DE] Von Tübingen nach Freiburg

    11.7.2020( Teil 2)
    Schiltach – Fohrenbühl (12 km)




    In Schiltach sollte nun also die zweite Etappe des heutigen Tages starten. Als ich am Bahnhof (Haltepunkt trifft es eher) aus dem Zug steige, schlägt mir erst einmal eine warme Faust ins Gesicht: Es ist doch ein Unterschied, ob man sich in Freudenstadt auf 700m oder hier auf 300m befindet – noch dazu in einem Tal, in dem sich gerne die Hitze staut.

    Auch hier fange ich genau dort an, wo wir im Juni aufgehört haben und begebe mich erst einmal in den Ort. Nebenbei beobachte ich noch einen Spatz, der sich ein großes Heupferd gefangen hat – da hat die ganze Familie was von.



    Mir ist aber etwas Süßes lieber und so kann ich der großen Eiswaffel am Straßenrand nicht widerstehen. Mit dem Eis in der Hand schlendere ich wieder aus dem Ort hinaus; vorbei an der ziemlich mächtigen Kirche, die leider nicht zu besichtigen ist.
















    Der Weg führt nun bergauf, als kleiner Pfad. Hier befinde ich mich nun wieder auf dem Mittelweg, der hier auch von einem Bibelpfad vereinnahmt wird. Nun ja, vielleicht kann geistlicher Beistand auf diesem Weg nicht schaden.

















    Leider mündet der Weg viel zu schnell in einen Forstweg, auf dem es – immerhin im Schatten – weiter bergauf geht. Hier stimmt die Beschilderung nicht immer mit der der Karte überein, an einigen Stellen muß ich doch ganz schön suchen, bis ich wieder die Mittelwegsraute finde.
    Bei einer Rast mit Kartenstudium fliegt mir ein Schmalbock auf die Karte. Ob er mir wohl bei der Wegfindung helfen will? Jedenfalls entscheide ich mich, dem Mittelweg weiter zu folgen, obwohl er anscheinend einen Umweg macht. Aber es wird schon alles seine Richtigkeit haben, der Raute zu folgen ist im Schwarzwald nie verkehrt.




    Als ich einen schönen Ausblick mit Liegebank erreiche, ist diese leider schon von Radfahrern besetzt. Aber vielleicht ganz gut so, wer weiß, ob ich hier wieder hochgekommen wäre.










    Der Weg wird leider nicht flacher, dafür verändert er sich immer mehr zur Forststraße: Hier wurde eine Straße richtiggehend in den Berghang gefräst. Schönes Wandern geht anders, besonders weil auf diesem Abschnitt natürlich keinerlei Rastmöglichkeit vorhanden ist – nicht einmal Baumstämme am Wegesrand. Stumpfes Marschieren ist angesagt.










    Ich fluche schon innerlich über diese Wegführung; denke noch, das es ja noch schlimmer kommen könnte, es könnte ja Asphalt sein. Und meine Flüche werden erhört: Der Weg mündet in eine Asphaltstraße, die sich für 1km den Berg hinaufzieht.




    Jetzt fluche ich nicht mehr nur innerlich, insbesondere der Verantwortliche für die Wegführung kriegt hier sein Fett weg. Premiumweg? Am Arsch! Dazu klingen aus dem Wald noch die klassischen Brunftschreie der Motorsägen: sie scheinen Futter gefunden zu haben. In der traditionellen Brunft der Motorsägen kommt es ja vor allem auf die Lautstärke und die Blattlänge an, damit soll gezeigt werden, daß für ordentlich Holz vor der Hütte gesorgt werden kann.
    Da diese Tiere nicht unter Naturschutz stehen, träume ich doch eher vom Blattschuß und versuche, sie mit Flüchen zu vertreiben – leider vergebens. Auch der Weg lässt sich von Flüchen nur mäßig beeindrucken, jedenfalls bleibt er hart.




    Aber auch dieses Teilstück hat mal ein Ende und dort winkt immerhin mit der Heuwiese eine Lokalität, auf die mich schon vorher diverse Schilder aufmerksam gemacht haben (Wahrscheinlich stehen die da, damit man überhaupt weitergeht). Kaffee, Kuchen und Apfelschorle wecken wieder die Lebensgeister, die sehr zutrauliche Katze bekommt aber nichts ab.






    So gestärkt geht es weiter und glücklicherweise wird der Weg auch besser, d.h. schmaler und waldiger.



    Wobei man sich schon fragen kann, ob es eine gute Idee ist, einen Wanderweg auf einem Downhill-Pfad entlang zu führen. Aber ist ja nur ein kurzes Stück.




    Es geht durch Heidelbeerbüsche und an einem Forellenteich vorbei,




    und auch über einen Bohlenweg.







    Eigentlich sehr schön zum Wandern, aber der Anstieg hat Tribut gefordert und meine Füße sind schon etwas müde. Daher kommt die Bank am Kapfhäusle sehr recht, obwohl ich kurz zurückschrecke, habe ich doch erst »Kopfläusebank« gelesen.











    Bei ein paar Erdnüssen in Honig-Salz-Kruste (idealer Snack, nur zu empfehlen – enthält alles, wonach der Körper verlangt) genieße ich die Aussicht und mache mich dann weiter auf den Weg. Nebenbei versuche ich im Hotel anzurufen, um zu sagen, daß ich unterwegs bin, aber obwohl mit das Handy 4G vorgauckelt, bricht die Verbindung beim Versuch zu telefonieren jedes Mal ab. Na ja, wer telefoniert auch heute noch mit dem Handy? Wahrscheinlich nur so alte Midlifesäcke wie ich.





    Also geht es weiter, immer schön am Wald entlang, vorbei am »Bienenhäusle« welches den müden Wanderer zu einer Übernachtung einlädt.





    Die Quelle nebenan ist leider versiegt oder zumindest abgestellt. Nur ein einsamer Becher zeugt noch von vergangenen Zechereien.





    Und es geht immer noch weiter, jetzt eine Hohlweg hinauf, der Sonne entgegen, und dann wieder durch den Wald.






    Ja, der Weg ist schön, aber noch schöner wäre es, wenn endlich der Fohrenbühlturm auftauchen würde, denn von da ist es nicht mehr weit bis zum Ziel.
    Aber mein GPS frustriert mich zuverlässig bei jedem Blick: »Wie, so weit ist es noch? Habe ich mich denn seit dem letzten Mal gar nicht fortbewegt?«
    Schließlich ist er aber doch erreicht, der Turm mit dem Gedächnishaus auf dem Fohrenbühl. Warum denn Gedächnishaus? Aha, zum Gedächnis der Gefallenen des ersten Weltkriegs. Und es liegt auch noch auf der Grenze zwischen Baden und Württemberg – die habe ich ja auf dieser Tour öfters überquert.




    Ich habe allerdings keine Lust mehr, den Turm zu besteigen, mache nur eine kurze Trinkpause auf einer Bank und gehe dann steil bergab, meinem heutigen Ziel entgegen. Wieder führt der Weg durch Heidelbeeren, und hier treffe ich auch zwei Familien bei der Ernte.



    Kurz nach 18 Uhr erreiche ich das Gasthaus »Adler« und beziehe mein Zimmer.



    Erst mal auf dem Bett ausstrecken, dann duschen und danach ein Abendessen (Schnecken und Kartoffel-Nuß-Rösti) mit diversen Bieren. Es fällt mir auf, daß ich eine lange Jacke vergessen habe, hier oben wird es abends doch noch empfindlich kalt.








    Ich setze mich noch nach drinnen zum Tagebuch schreiben. Sehr seltsame Situation, wenn die Tische coronabedingt so weit auseinanderstehen. Irgendwie fühlt man sich wie bei einer Party, bei der man viel zu früh angekommen ist und somit etwas verloren in einer großen, leeren Halle steht.
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    Zuletzt geändert von Voronwe; 20.09.2020, 15:04.

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  • Voronwe
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    AW: [DE] Von Tübingen nach Freiburg

    11.7.2020( Teil 1)
    Dornstetten – Freudenstadt (10 km)



    Jetzt fehlten also immer noch ein paar kleine Stücke, um die Route komplett zu machen. Man könnte sagen, »Na ja, ist gut, man muß es ja nicht vollständig machen«, aber irgendwie wurmt das schon, und auf der Karte sieht es auch komisch aus. Und außerdem hat es etwas von einer »Unvollendeten« und es würde immer im Hinterkopf nagen. Nein, ich wollte mit dieser Tour komplett abschließen, um mich dann neuen Zielen zuzuwenden – wo immer diese auch sein werden.
    Also bestimmte ich kurzfristig ein Wochenende im Juli für die Resttour. Eigentlich wollte meine Frau auch mitkommen, aber mit den freien Samstagen wurde es schwierig, und somit beschloss ich schließlich, die Tour alleine zu machen. Ursprünglicher Plan war Schiltach – Gutach an einem Tag, aber da wäre die Anreise aufwändig gewesen. Praktischerweise fand ich bei der Suche nach einer Unterkunft in Schiltach den Gasthof »Adler« auf Mitte der Strecke. Und da die Anreise eh über Freudenstadt erfolgen würde, könnte ich auch noch Dornstetten – Freudenstadt einfügen und somit alles komplett machen.

    So gehe ich also am Samstagmorgen um kurz nach sieben mit Rucksack zum Bahnhof. Und beim Heruntergehen der Treppe zu Gleis 2 meldet sich schon mein Knie, als wollte es mir sagen: »Alter, was hast Du denn vor? Lass es lieber!«
    Aber ich lasse mich nicht abschrecken: Die Bahn ist pünktlich, Maske auf und ab mit den Zug nach Tübingen. Dort im Hauptbahnhof kaufe ich noch ein zweites Frühstück und begebe mich in den Zug nach Entringen. Eigentlich sollte der Zug bis Herrenberg fahren, aber es gibt einen Schienenersatzverkehr.

    Auch dies klappt problemlos, und so warte ich in Herrenberg auf die Bahn nach Freudenstadt, die auch pünktlich kommt. Was ist denn mit der Bahn los? Kurze Irritation, welcher Zugteil der richtige ist, und dann geht es auch schon weiter, sogar mit Wifi (im Nahverkehr!). Die Maske macht etwas schläfrig, aber das ist keine so gute Idee, denn sonst würde ich ja meinen Austiegspunkt Dornstetten verfehlen. Also bleibe ich tapfer wach und steige an der richtigen Station aus.
    Dieser Bahnhof befindet sich an anderer Stelle als von mir gedacht – anscheinend gibt es hier zwei. Nun gut, so bin ich näher an der Stadt und begebe mich in dieselbige – vorbei am Busbahnhof, womit ich an die Wanderung von Horb nach Dornstetten anschließe.
    Dornstetten hat eine ziemlich hübsche, auf einem Bergrücken gelegene Altstadt, die ich nun durchschreite, um am südlichen Ende ins Tal abzusteigen.

























    Zuerst geht es noch auf Asphalt, aber dann in einer Kleingartensiedlung auf Schotter weiter.




    Der Weg ist hier nicht markiert und daher auch etwas schwer zu finden. Er verliert sich dann in einer Wiese und ist nur noch als Trampelpfad im hohen Gras erkennbar – wie gut, daß ich noch die langen Hosenbeine anhabe.








    Aber hübsch ist es hier, überall blüht es und Schmetterlinge flattern herum – die schwarz-weißen sind allerdings sehr unstet und setzen sich nicht einmal zum fotografieren auf eine Blume – Diven halt.








    Laut Karte soll es jetzt in den Wald hineingehen, man kann so eine Art von Weg erkennen, mit viel Phantasie kann man ihn als Hohlweg bezeichnen.



    Er endet dann allerdings an einer Wiese, die eingezäunt ist. Ich versuche, parallel zur Wiese durch den Wald zu gehen, aber das Unterholz wird hier immer dichter, sodaß ich schließlich aufgeben und zurückgehen muß – gegen die Brennesseln hier helfen die langen Hosen auch nur bedingt. Also wieder weiter durch die Wiese. Immerhin ist es hier sehr angenehm zu gehen und so beobachte ich noch ein bisschen länger die Schmetterlinge.







    Schließlich mündet der Weg auf einen Feldweg, der – wie der Name schon sagt – über die Felder führt, leider nach kurzer Zeit asphaltiert.











    Aber immerhin schweift der Blick Richtung Freudenstadt. Es liegt so nah, aber leider muß ich noch durch ein Tal.





    In diesem Tal liegt Aach, daß ich durch ein Neubaugebiet betrete. Es geht durch den Wald, vorbei an einer Grillstelle mit Blick auf die Eisenbahnbrücke und schließlich auf einem Wanderstöcke tötendem Fußweg (die Stöcke verhaken sich gerne im Pflaster) in den Ort.








    Hier steht zwar ein Ortsplan, aber leider ohne »Sie sind hier«-Angabe, sodaß er mir nicht wirklich weiterhilft. Es sind zwar Wegweiser vorhanden, aber auch die schwächeln an den entscheidenen Stellen. Wohl dem der – wie ich – eine Karte dabei hat, auch wenn man ihr nicht immer trauen sollte. Am Flößerdenkmal (von hier wurden Baumstämme über Neckar und Rhein nach Holland geflößt) muß ich mich daher erst einmal kurz orientieren, und gehe dann erst einmal an der Glatt entlang, vorbei an einem Sportplatz, an dessen Seite die Sportjugend »Buffta-Buffta«-Musik spielt, jedoch ohne die dazu passenden Leibesübungen. Die Bässe machen aggressiv, also schnell weiter.





    An einer Brücke, an der ich die Glatt verlasse, ist ein kleiner Flohmarkt aufgebaut. Aber ich verkneife mir die große, kupferne Weltkarte und auch alle anderen Kleinigkeiten.
    Es geht jetzt steil bergauf und der Weg ist mit Ziegelbruch belegt, was dazu führt, das die Füße immer wieder zurückrutschen – Geröllfeldfeeling im Schwarzwald. Aber schließlich ist der Hügel erklommen und es geht auf einer Wiese weiter. Dann leider ein Stück Straße, bis ich an einem Rinderhof abbiege. Den Hofverkauf verkneife ich mir ebenfalls, Rinderhälften tragen sich doch etwas unpraktisch.
    Jetzt geht es noch ein kurzes Stück bergauf und dann auf einer Forststraße durch den Wald über einen Höhenrücken. Der Weg mündet in eine Kreisstraße, an der es ca. 200m entlang geht, bis ich sie glücklicherweise wieder verlassen kann. Hier findet sich auch eine Bank für die Rast. Vor mir ein Blick Richtung Alb (der Plettenberg ist an seinem Fernsehturm erkennbar), hinter mir das Ploppen der Bälle vom Tennisplatz.








    Frisch gestärkt geht es weiter. Ich liege gut in der Zeit, schließlich will ich ja heute noch nach Schiltach und der Zug geht stündlich von Freudenstadt. Der Weg führt wieder über die Felder, leider auch hier asphaltiert.










    Ich biege nach rechts in den »Arbeitsdienstweg« ein und finde dort tatsächlich einen Gedenkstein, auf dem behauptet wird, das dieser Weg von »Freiwilligen« des »Lagers Dietersweiler« angelegt wurde. Ja, nee, ist klar. Die Spuren über die Inschrift deuten darauf hin, daß hier zumindestens das nach 1945 nicht mehr wirklich gern gesehene Symbol entfernt wurde. Nun gut, auf diesem Weg findet man sich auch ohne Führer zurecht, er läuft einfach auf Freudenstadt zu.








    Freudenstadt empfängt mich etwas abweisend, mit Mehrfamilienhäusern mit wenig Fenstern an der Seitenwand und Garagen.




    Aber immerhin wird ein Pfad zum Bahnhof ausgewiesen, der auch noch kurzer als der Weg durch das Wohngebiet ist. So erreiche ich schließlich den Bahnhof von Freudenstadt, nicht ohne zuvor den Versuchungen des Konsums am örtlichen Flohmarkt widerstanden zu haben.







    Mein Konsum äußert sich in einer Flasche »Mountain Dew«, die ich mehr oder minder exe, und einer Butterbrezel, die aber nicht zu den Highlights ihrer Gattung zählt.
    So warte ich schließlich auf den Zug nach Schiltach, froh und befriedigt, diese Zwischenetappe abgeschlossen zu haben. Es war damals eine gute Entscheidung, die Tour in Dornstetten enden zu lassen, das hier wäre dann doch noch sehr zäh geworden.
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  • Voronwe
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    AW: [DE] Von Tübingen nach Freiburg

    Tja, vor zwei Jahren habe ich diese Wanderung gemacht, aber es fehlten ja noch ein paar Teilstücke: Das kleine Stück zwischen Dornstetten und Freudenstadt und das etwas größere Stück zwischen Schapbach und Gutach.


    Und das nagte doch an mir, denn so hatte die Tour hässliche Löcher und ich hatte immer das Gefühl, daß da noch was fehlen würde und ich das Ganze nicht richtig abgeschlossen hätte. 



    Und so begab es sich im Jahr 2020, daß es an der Zeit war und sich Gelegenheiten ergaben, die Lücken zu schließen. 



Denn das Jahr 2020 war das Jahr der Corona-Pandemie, und es hieß:
    "Bleibet zu Hause und gehet nicht unter Leute, denn um die Ansteckung zu minimieren, müssen wir ab März alles schließen."

    Und als sich die Anstekkungszahlen besserten, da hieß es, ihr könnt wieder reisen, aber nicht so weit fort und auch nur mit Maske im Gesicht. Aber bewegt Euch an der frischen Luft, denn das Virus liebt die Innenräume und die Menschenansammlungen.

    Also geht wandern, denn da trefft ihr nur wenig andere Leute.

    So sei es und so tat ich wie geheißen.

    8.6.2020

    Zwieselberg nach Schiltach - 23km

    Zwieselberg? Da waren wir doch schon mal? Wieso kommt das noch einmal vor?
    Ja, es fehlte ja noch ein Teilstück, nachdem wir die Wanderung im Mai 2018 in Schapbach abgebrochen hatten und ich sie im August 2018 in Gutach wieder aufgenommen hatte. Und dieses Teilstück sollte jetzt teilweise geschlossen werden, und zwar mit der ganzen Familie.
    In den Pfingstferien mussten wir einfach mal raus und praktischerweise besitzen unsere Nachbarn ein Ferienhaus im Schwarzwald, in dem wir ein paar Tage wohnen durften - praktischerweise ganz in der Nähe von Freudenstadt.

    Der ursprüngliche Plan war folgender: Das Auto wird in Schiltach stehengelassen, dann würden wir mit dem Zug nach Freudenstadt fahren, und von dort mit dem Taxi nach Zwieselberg (eine Busfahrt scheiterte an dem doch sehr übersichtlichen Fahrplan). Nun ja, erzähl Buddha von Deinen Plänen, dann hat er auch was zu lachen …
    Also stehen wir morgens frohgemut auf, der Wetterbericht hatte trockenes Wetter versprochen (die Woche um Fronleichnam präsentierte sich ansonsten sehr wechselhaft), die Rucksäcke waren schon gut gepackt – mit viel Wasser, da die Versorgung mit selbigem auf der Strecke knapp sein sollte, packen das Auto und fahren los, nur um nach kurzer Zeit festzustellen, daß Tochter_1 ihre Regenjacke vergessen hat – nun gut, noch mal umkehren, wir haben ja einen guten Zeitpuffer eingeplant und die Bahnfahrkarten haben wir auch schon.

    In Schramberg stellen wir allerdings fest, daß der direkte Weg nach Schiltach gesperrt ist. Eine Umleitung ist ausgeschildert, der wir auch folgen, sie führt uns aber irgendwie immer weiter weg vom eigentlichen Ziel. Und bald ist der Zeitpunkt erreicht, wo wir den Zug in Schiltach nicht mehr kriegen würden.
    Was also tun? Spontane Planänderung: Wir fahren nach Freudenstadt, lassen das Auto dort stehen und fahren dann abends mit dem Zug. Nachteil dieses Plans: Unsere Wanderung ist nun von Fahrplänen abhängig, etwas, was ich eigentlich vermeiden wollte. Aber was soll man machen?
    Nach einem kurzen Zwischenstopp, bei dem wir uns noch mit Brezeln eindecken, erreichen wir um 10:00 Uhr schließlich Freudenstadt. Das Taxi wartet schon auf uns. In Zeiten von Corona war es doch geschickter, eins vorzubestellen, bei 4 Personen ist dann doch ein Bus nötig. Wir sind vom Fahrer durch Folie getrennt, brauchen also keine Masken zu tragen, und erreichen so auf kurviger Strecke Zwieselberg. Erinnerungen werden wach, hier sind wir ja vor zwei Jahren auch gestartet.



    Das Wetter ist angenehm zum Wandern, trocken, aber nur 15°.
    Am südlichen Ortsende stoßen wir auf den ersten Wegweiser. Wir halten uns Richtung Schiltach, auf dem Mittelweg, der heute unser Leitweg sein soll. Ein kurzes Stück gehen wir noch auf der Forststraße entlang wechseln dann – wie vor zwei Jahren – auf den kleinen Grenzweg und tauchen in den Wald ein.





    Hier empfängt uns wieder die Waldesstille, das einzige Geräusch ist das Zwitschern der Vögel (Stille ist also relativ). »Waldbaden« heißt das wohl im Wellness-Sprech. Der Weg ist immer noch schmal, waldig und von Blaubeersträuchern gesäumt. In regelmäßigen Abständen stehen die alten Grenzsteine, welche die Grenze zwischen Württemberg und Baden markieren – Waldbaden also nur auf der westlichen Seite, auf der östlichen Seite ist Waldwürttemberg.





    Der Orkan Sabine scheint hier im Februar ordentlich gewütet zu haben, überall liegen Baumstämme wie ein Riesenmikado herum. Der Weg ist aber freigeräumt, und dafür wurde auch schweres Gerät benutzt: An einigen Stellen ist der Weg doch ziemlich zerfurcht und das Gehen hier gleicht mehr einem Balancieren zwischen großen Pfützen.





    Aber das sind glücklicherweise nur kurze Teilstücke, die meiste Zeit ist es ein angenehmer Wanderweg mit kaum merklichen Steigungen.









    Wer schneidet hier denn mitten im Wald Bäume unten ab?



    Die Kinder sind vom Weg begeistert – Tochter_1 kannte ihn ja schon, aber auch Tochter_2 macht gut mit. Während wir so wandern erzählt sie uns alles über Stocktiere, die hier im Wald leben. Die wichtigsten Eigenschaften dieser faszinierenden Lebewesen:

    Stocktiere sehen aus wie normale Stöcke, sind aber lebendig und können fliegen. Ihre Lebensräume sind der Schwarzwald und Spanien (warum sie nicht auch in Frankreich vorkommen ist wissenschaftlich noch nicht geklärt); Im Sommer ziehen sie nach Norwegen. Ihre Ernährung ist pflanzlich, besonders gerne mögen sie junge Tannentriebe. Hauptfeinde sind Fuchs und Blindschleiche. Im Herbst schmückt sich das Männchen mit bunten Blättern und führt dann für das Weibchen einen Balztanz auf. Sie sind Säugetiere und ziehen ihre Jungen in verlassenen Spechthöhlen groß. Nach 3 Jahren sind die Jungen flügge (vorher werden sie von ihren Eltern nach Norwegen getragen).





    Und trinken müssen Stocktiere auch:




    Mit diesen Informationen vergeht die Zeit auf dem Weg wie im Flug und nach 2 ½ Stunden verlassen wir den schönen Weg und erreichen den Schmiedsberger Platz, der erste Ort mit Sitzgelegenheiten. Denn so schön der Weg auch ist, Rastplätze sind immer noch rar gesäht. Interessanterweise fängt mein Rucksack ungefähr am selben Ort wie 2018 an den Schultern zu drücken, obwohl ich deutlich weniger dabei habe – er scheint wir wohl sagen zu wollen, das zwei Stunden am Stück doch genug wären.
    Kurz vor dem Platz überholt uns noch ein Wanderer mit den Worten »Mal sehen, wie weit ich noch komme, bevor ich vor Hunger anhalten muss.« Nun ja, anscheinend doch noch weiter, denn wir werden ihn nicht mehr wiedersehen.
    Unser Hunger sagt uns aber: Mittagsrast mit Brötchen und Landjägern. Nebenbei beobachten wir in einer Pfütze zwei Erdkröten bei der Paarung. Man scheint es in Krötenkreisen eher gemütlich zu mögen, jedenfalls haben sich die Tiere während unserer Anwesenheit nicht groß bewegt, nur eine Laichspur zeugt von ihren Wanderungen in der Pfütze.






    Während der Rast haben wir auch weitere Begegnung mit einem anderen Wanderer. Er hat aber einen Hund dabei und hält sich auf Abstand.
    Nach der Pause betreten wir unbekanntes Terrain, denn mit Tocher_1 bin ich hier ja abgestiegen. Diesmal folgen wir aber weiter den Mittelweg. Und er ist auch einzige schmale Weg, der hier vom Schmiedsberger Platz wegführt – Glück gehabt. Also geht es weiter an der ehemaligen Grenze entlang, durch den finsteren Forst. Stocktiere begleiten uns.





    Sturmschäden:






    Nach einiger Zeit geht es steil bergab und wir kommen auf eine Forststraße, der wir ein relativ kurzes Stück folgen müssen. Ob es am plötzlich nicht mehr so interessanten Weg liegt oder an der Mittagszeit: Müdigkeit macht sich in der Truppe breit und wir Eltern müssen Motivationsarbeit leisten.








    Der Weg wird dann zwar wieder unforststraßiger, dafür geht es nun aber steil bergauf, und auch dieser Anstieg sieht so aus, als ob hier mit schweren Gerät gefahren wurde. Aber langsam und mit dem Versprechen, daß es am Ende der Steigung einen Müsliriegel gäbe, schaffen wir auch dieses Stück.





    In einer tiefen Pfütze, die sich in den Reifenspuren der Monsterforstmaschinen gebildet hat, finden die Kinder Molche und Kaulquappen. Und dann ist endlich ist der Gipfel erreicht, und der versprochene Müsliriegel wird verzehrt – Mmmh, Schoko-Banane.

    An einem alten Wegzeichen vorbei geht es wieder abwärts und wir erreichen eine schöne Hütte – Die Emilhütte. Der Weg ist ab hier leider nicht mehr schön: Forststraße! Und wir versuchen etwas schneller zu sein, wir wollen doch noch einen Zug in Schiltach erreichen. Aber das kommt nur so mittelgut an.



    An der Salzlecke denken wir, daß der Weg wieder besser wird, aber hier sind wir auf die irreführende Beschilderung reingefallen. Oder war es etwa der Bohnet? Da gab es doch eine Warnung an der Salzlecke:
    Auf der Höhe zwischen dem Witticher- und dem Heubachtal geht der »Bohnet« um. Der »Bohnet« ist der Geist eines Hofbauern, dem bei einem Holzdiebstahl das Ochsengespann verunglückte, und der sich auch Gram darüber erhängte. Der »Bohnet« erschreckt die Holzhauer, die ihre Arbeitszeit überschreiten und führt die Wanderer in die Irre. (…) Salzhaltige Absonderungen im Gestein zogen die Rehe zum Lecken an. Deshalb der Name »Salzlecke«.
    Jedenfalls stelle ich nach einiger Zeit fest, daß wir auf einem Parallelweg zum Mittelweg sind. Nun gut, laut Karte sollen sie wieder zusammenführen, aber unser Weg endet auf einmal im Gebüsch. Als Retter erweist sich hier das GPS, welches uns 100 m quer durch den Wald zum Mittelweg zurückführt. Der entpuppt sich hier allerdings wieder als Forstautobahn. Das hebt die Stimmung nicht gerade, besonders weil sich inzwischen doch einige Müdigkeitserscheinungen einschleichen. Und es sind noch 6 Kilometer nach Schiltach. Was tun?



    Meine Frau hat die geniale Idee, Tocher_2 ihre Pulsuhr zu geben und sie damit zum Pacemaker zu befördern. Sie kontrolliert somit unsere Geschwindigkeit und vermeldet immer wieder, wie unser Tempo ist: so 15 min/km.
    Leider wird der Weg nicht wirklich besser, es bleibt eine Forststraße, die auch noch langsam bergauf geht – nach den Versprechungen vom Anfang ist dies doch eine deutliche Verschlechterung, aber stoisch wird das Schicksal ertragen. Und leider müssen wir ein gewisses Tempo halten, um den Zug zu erreichen. Verflucht seien die Straßenbauarbeiten und die damit einhergehenden Umleitungen; stünde das Auto in Schiltach, wäre alles entspannter. Immerhin gibt es an einigen Stellen einen Ausblick auf die umliegenden Berge.



    Und wir betrachten noch Schnitztiere





    Und Riesenameisen



    Endlich führt der Weg weg von der Forststraße und nach kurzer Zeit erreichen wir den Abzweig zum Teisenkopfturm. Ist nicht weit, also gehen wir dort hin. Und wir werden nicht enttäuscht. Der Turm ist eigentlich eine Wanderhütte, innen schön mit Tisch und Bank ausgestattet, und eine Etage höher könnte man wunderbar biwakieren. Nur Wasser muss man selber mitbringen, und das aus größerer Entfernung, denn wir sind bis jetzt an keiner Wasserstelle vorbeigekommen.





    Wir machen draußen Rast und essen mit Blick auf die Schwarzwald unsere Brezeln. Hier sehen wir auch die ersten schon fast reifen Blaubeeren, nur geschmacklich sind sie noch sauer.
    Mit neuen Kräften geht es nun an den Abstieg nach Schiltach, und der hat es in sich. Es geht erst einmal steil hinunter zum Teisenhof, nicht wirklich schön für unsere schon müden Knochen.



    Eine Wichtelwohnung



    Ab dem Teisenhof verläuft der Weg für ein kurzes Stück auf Asphalt, und dann geht es wieder in den Wald. Und jetzt wird es richtig steil und es zeigt sich, wie anstrengend auch ein Abstieg sein kann. Die Kinder ertragen es mit wachsender Unlust, gleichzeitig aber auch mit beeindruckendem Durchhaltevermögen, Aufgeben ist halt keine Option, und der Weg wird ja auch wieder flacher. Und dort fließt auch noch ein Bach, dem wir jetzt bis Schiltach folgen, immer noch abwärts, aber wesentlich einfacher zu gehen. Allerdings zieht sich der Weg dann doch noch, aber das haben Endstücke einer Wanderung ja generell an sich.



    Schließlich ist aber Schiltach erreicht, wir folgen den Schienen zum Bahnhof und lassen uns auf die Bank fallen. Geschafft! Müde, aber stolz ob der Leistung warten wir auf den Zug. Als er kommt, humpeln wir langsam hinein – unglaublich, wie langsam man nach einer Pause wieder auf die Beine kommt. Masken auf, einsteigen, es ist viel Platz im Zug, Sitzplätze besetzen, entspannen. Die Kinder schlafen schnell ein, glücklicherweise ist Freudenstadt Endstation (nicht die Entstation, die wäre ja mitten im Wald).
    Die erfolgreiche Wanderung wollen wir noch in Freudenstadt beim Burger King feiern, aber hier heißt es: Wegen Corona nur Drive-In. Also verzehren wir unsere Burger im Auto auf dem Parkplatz, immerhin mit Blick auf die schwäbische Alb.

    Fazit: Die Kinder fanden die Wanderung zwar anstrengend, aber toll, obwohl der Weg doch zum Ende hin an Attraktivität deutlich nachließ. Und am nächsten Tag haben wir zwar etwas Schmerzen beim Aufstehen, die aber schnell nachlassen.
    Angehängte Dateien
    Zuletzt geändert von Voronwe; 20.09.2020, 11:32.

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  • Meer Berge
    antwortet
    AW: [DE] Von Tübingen nach Freiburg

    Danke für den prima Bericht!
    Er rückt den Schwarzwald auf meiner Wander-Wunschliste wieder einmal ein paar Plätze nach oben.

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  • Nordlandpirat
    antwortet
    AW: [DE] Von Tübingen nach Freiburg

    Zitat von Voronwe Beitrag anzeigen

    @Nordlandpirat: Soso, ist dir den Baden auf die Knochen gegangen?
    Nicht ganz, hab mein Bike nur das erste Stück des Baden to the Bone runtergejagt und bin dann dem Hubbelfuchs gefolgt
    Und entgegen dem R, das irgendein Witzbold dem Schild beizeiten mal hinzugefügt hat ist selbige Erscheinung des männlichen Körpers gerade dem Mountainbiker doch eher... hinderlich.

    Aber ich hör auf zu spinnen, da geh ich morgen lieber wieder Fahrrad fahren

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  • Voronwe
    antwortet
    AW: [DE] Von Tübingen nach Freiburg

    Zitat von Juno234 Beitrag anzeigen
    Sehr schön Eine tolle Tochter hast du
    Tja, wenn man bedenkt, daß sie dieselbe wie auf meinen Avatarbild ist... 10 Jahre sind schon eine lange Zeit.



    @geier: Den Mittelweg muß ich wohl noch mal teilweise laufen, allein um Lücke zu füllen

    @Nordlandpirat: Soso, ist dir den Baden auf die Knochen gegangen?

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  • Nordlandpirat
    antwortet
    AW: [DE] Von Tübingen nach Freiburg

    Sehr schön geschriebener und bebilderter Bericht aus einer tollen Gegend, die ich spätestens seit meinem Schwarzwaldcross dieses Jahr doch sehr ins Herz geschlossen habe. Der Kandelhöhenweg hat es mir auch mit dem Mountainbike echt angetan. Also nicht nur zu Fuß ein Genuss.
    Ich bin dort gestern erst wieder lang, nur der Weg vom Roßkopfturm nach Freiburg runter dürfte sich wohl ein wenig unterschieden haben ;)

    Aber dem Bericht nach muss ich wohl auch mal Richtung Tübingen die ein oder andere Tour machen

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  • Juno234
    antwortet
    AW: [DE] Von Tübingen nach Freiburg

    Sehr schön Eine tolle Tochter hast du

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  • geier
    antwortet
    AW: [DE] Von Tübingen nach Freiburg

    Voronwe

    Das Highlight war definitiv der Mittelweg ab Zwieselberg, die Strecke ist einfach ein Traum.
    Der Mittelweg führt gegenüber dem Westweg zu Unrecht ein Schattendasein. Auf dem Mittelweg sind zwar nicht die ganz großen Sensationen. Gerade die Etappe von Freudenstadt über Zwieselberg nach Schiltach und die nächste Etappe über den Fohrenbühl nach St. Georgen bieten m.E. noch mehr typisches Schwarzwaldflair als der Westweg.

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  • Voronwe
    antwortet
    AW: [DE] Von Tübingen nach Freiburg

    Zitat von Wafer Beitrag anzeigen
    Hallo.

    Sehr schöner Bericht. Danke! Da warst du ja recht lange auf dem Westweg unterwegs. Ich habe einiges wiedererkannt. Es war schön mit dir durch eine bekannte Gegend zu wandern/surfen. Zumal ich auch die Strecke Tübingen - Horb auch schon unter den Sohlen hatte. Da kam mit dem Westweg zusammen dann einiges zusammen, das ich kannte.

    Gruß Wafer
    Danke, wobei ich sagen muß, daß ich den Westweg eigentlich als enttäuschend empfunden habe, zumindestens das Stück, welches ich erwandert habe. Das waren zu 70% Asphalt- und Forstwege.

    Das Highlight war definitiv der Mittelweg ab Zwieselberg, die Strecke ist einfach ein Traum.

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  • Babsbara
    antwortet
    AW: [DE] Von Tübingen nach Freiburg

    Das hat mir gut gefallen! Ist doch sehr interessant zu erwandern, was sich manchmal so nah vor der Haustür befindet. Vielen Dank auch für die schönen Fotos!

    LG,
    Babs

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  • Wafer
    antwortet
    AW: [DE] Von Tübingen nach Freiburg

    Hallo.

    Sehr schöner Bericht. Danke! Da warst du ja recht lange auf dem Westweg unterwegs. Ich habe einiges wiedererkannt. Es war schön mit dir durch eine bekannte Gegend zu wandern/surfen. Zumal ich die Strecke Tübingen - Horb auch schon unter den Sohlen hatte. Da kam mit dem Westweg und dem Neckarweg einiges zusammen, das ich kannte.

    Gruß Wafer
    Zuletzt geändert von Wafer; 13.09.2018, 09:27.

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  • Voronwe
    antwortet
    AW: [DE] Von Tübingen nach Freiburg

    30.8.2018

    St. Peter nach Freiburg - 20km

    Als ich am Morgen aufwache ist es draußen dunkel und es regnet. Somit habe ich es eigentlich nicht eilig loszukommen, aber ich will das letzte Stück noch schaffen, da mich meine Frau ja in Freiburg treffen will. Also aufstehen und zum Frühstück. Es gibt ein kleines Buffett, Wurst und Käse werden extra serviert - keine schlechte Idee, so muß man am Ende nicht so viel wegschmeißen.
    Also hinaus in den Nieselregen (denn wie sagte Igelstoem so schön: "Das Wetter ist keine Dienstleistung, sondern eine Tatsache") und an der Kirche vorbei - jetzt kommt zum ersten Mal meine neue Regenjacke zum Einsatz


    Die Wolken hängen ziemlich tief




    Es geht anfangs ein Stück bergauf, und da ich zu der Gruppe der Vielschwitzer gehöre ist die Jacke zwar von außen dicht, aber leider von innen doch ziemlich nass.
    Tja, die Schafe fragen sich wohl auch, was der Idiot bei dem Wetter da macht.


    Heute werde ich mich die ganze Zeit von der K-Raute leiten lassen: Dem Kandelhöhenweg


    Zunächst geht es erstmal auf Asphalt weiter.
    Das Wandern mit Kapuze bringt mir den Nachteil, daß meine Brille beschlägt und ich somit mehr Nebel sehe als eigentlich da ist. Der Versuch ohne Brille zu laufen bringt zwar bessere Sicht, führt aber auch zu Kopfschmerzen und der Gefahr, daß ich Wegmarkierungen übersehe. Tja, Pest oder Cholera, eine gute Lösung finde ich nicht.


    Ein Drama in den Lüften


    Der Regen lässt glücklicherweise nach und so kann ich bald ohne Kapuze laufen.


    Es geht wieder vorbei an Einödhöfen


    Der Weg führt nun in den Wald und wird deutlich schmaler.


    Der Weg bleibt konstant auf einer Höhe und ist ein schöner Waldweg - ein ideales Kilometerfresserle


    Da nutzt jemand einen Standortvorteil.


    Ab und zu gibt es Ausblicke, aber leider nur nach Süden, da der Weg nicht über die höchsten Erhebungen führt, sondern südlich dran vorbei.




    Ein Stück Bannwald






    Langsam kommt die Sonne raus


    An einem Brunnen (der erste, den ich sehe, an dem deutlich "Kein Trinkwasser" steht) mache ich kurze Rast und entledige mich der Regenjacke




    Auf ungefähr der Hälfte der Strecke gibt es zum ersten Mal auch einen kurzen Ausblick nach Norden.


    Neues Leben auf alten Bäumen.


    Am Streckereck gibt es zum ersten Mal eine gute Aussicht in's Glottertal.


    Hier beschließe ich, Mittagsrast zu halten.


    Ein blinder Passagier auf meinen Rucksack.


    Das nächste Ziel ist nun der Rosskopfturm.
    Vorbei an einem PowerTower ist das die einzige Stelle des Weges, an der es merklich bergauf geht.


    Schließlich ist es geschafft, und ich stehe am Turm.


    Man merkt, daß man Freiburg näher kommt, denn hier treffe ich zum ersten Mal auf andere Wanderer und Mountainbiker, die sich hier beweisen können.




    Der Blick vom Turm ist wegen der Wolken leider nicht so gut, einiges kann man aber erkennen.


    Links hinten der Belchen


    Der Schauinsland macht seinem Namen heute keine Ehre.


    Jetzt wird der Weg leider wieder forststraßig und führt hinab nach Freiburg.


    Es gibt auch schmalere Abschnitte, aber auch hier ist der Weg sehr hart - man merkt, daß dies ein beliebtes Ausflugsziel ist.


    Auch hier zieht sich der Abstieg wieder, und meine Füße machen sich bemerkbar und wollen eine längere Rast. Aber es ist ja nicht mehr weit.
    Schließlich sehe ich zum ersten Mal Freiburg.


    Den Aufstieg über die Treppen zum Schloßberg verkneife ich mir, ich will nur noch ankommen.
    Ein kurzes Stück weiter komme ich um eine Ecke und da liegt das Münster vor mir.


    Eine wunderbare Art in einer Stadt anzukommen - direkt im Zentrum und nicht erst durch öde Vororte latschen.




    Der Abstieg in die Stadt ist schnell erledigt, und so betrete ich Freiburg durch das schwäbische Tor.


    Jetzt geht es durch die Stadt zum vorgebuchten Hotel. Dort warte ich auf meine Frau, die kurze Zeit später mit dem Bus aus Tübingen eintrifft.
    Gemeinsam besichtigen wir noch ein wenig die Innenstadt(vor allem das Münster) und treffen uns abends mit einem alten Schulfreund von mir, der inzwischen in Freiburg lebt.


    Fenster im Münster.






    Aha...


    Leider sind wegen dier langen Trockenheit die Bächle in Freiburg ohne Wasser.


    Als wir am nächsten Tag die Heimreise mit dem Bus antreten, ist es den ganzen Tag am regnen. Da habe ich nochmal Glück gehabt.



    Damit ist diese Wanderung im Schwarzwald wohl für dieses Jahr beendet, Freiburg hatte ich mir als Ziel im April gesteckt und auch erreicht. Mal sehen, wie es weitergeht, eventuell nach Basel?
    Was ich auf jeden Fall gelernt habe ist, daß es sich nicht lohnt, für ein paar Wasserfallbilder das Stativ mitzuschleppen, ich krieg das eigentlich auch ganz gut aus der Hand hin.


    Und zu guter Letzt noch die Strecke:

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  • Voronwe
    antwortet
    AW: [DE] Von Tübingen nach Freiburg

    29.8.2018

    Furtwangen nach St. Peter - 18km

    Die Nacht war nicht sehr erholsam, da das Bett ein Fußende hatte und natürlich mal wieder zu kurz war.
    Das Frühstück ist auch sehr übersichtlich und im Haus liegt ein muffiger Geruch, der mich darin bestärkt, möglichst bald hier rauszukommen.
    Also schnell packen, bezahlen und los. Außerdem sind für den Nachmittag Gewitter angesagt, und da wäre ich gerne schon an meinem nächsten Etappenziel.
    Gleich zum Anfang komme ich an einer Bank vorbei, die für kribbelige Erlebnisse sorgen dürfte.




    Ich verlasse nun wieder den Westweg, jetzt geht es zunächst bergab nach Güntenbach




    Mitten im Wald plötzlich ein Verbotsschild, aber hinter mir ist gar keine Kreuzung oder ähnliches.


    Eine Mini-Kapelle im Wald.


    Es geht einen steilen Weg hinab, mit ziemlich losen Steinen als Untergrund. Trotzdem sind Fahrspuren zu sehen. Ich frage mich, mit was für Fahrzeugen hier hoch gefahren wird.


    Schließlich ist Güntenbach erreicht


    Als ich einen Passanten nach einem Bäcker im Ort frage (es gibt ein kleines Lebensmittelgeschäft mit Bäcker und Metzger, wo ich erst einmal ein zweites Frühstück nehme und mir für Mittags einen Wurstsalat kaufe), fällt mir auf, daß der Herr ein T-Shirt mit dem Faller-Logo trägt. Und tatsächlich, hier im Ort sitzt die Firma Faller, bekannt für ihre Modelhäuschen. Sieh an, das wußte ich gar nicht.


    Es gibt einen Laden mit diversen Dioramen und ein kleines Museum, kostenlos zu besichtigen (sehr kleines Museum, extra hinfahren lohnt vermutlich nicht), dem ich erst einmal einen Besuch abstatte.
    Erinnerungen werden wach, mein Opa hatte auch einen Katalog von Faller für seine Modeleisenbahn, und den habe ich als Kind immer mit Begeisterung durchgeblättert.


    Ein Dioram aus den 50ern.


    Und eine Landschaft, wie ich sie gerade durchwandere.


    Nun geht es weiter hinab durch die Teichschlucht in's Tal der Wilden Gutach (es gibt anscheinend mehr als eine Gutach, sehr verwirrend).
    In der Ferne sehe ich schon den Gegenaufstieg, der mich später erwartet.


    Zunächst geht es steil auf Asphalt bergab (die Zufahrt zur Kläranlage).


    Dann aber betrete ich die eigentliche Teichschlucht: Ein Idyll - Ein Pfad führt entlang eines Baches durch einen Bannwald.












    In der Schlucht treffe ich auch zum ersten Mal auf Weitwanderer: Drei junge Männer, die den Zweischluchtensteig erwandern








    Nachdem ich im Gutach Tal aus dem schattigen Wald herausgekommen bin, trifft mich erst einmal Wärme. Stickige Wärme. Nun gut, war ja vorhergesagt, trotzdem nicht schön für den vor mit liegenden Anstieg.
    Und es geht auch gleich steil über eine sonnige Wiese, danach aber erst einmal langsam aufsteigend im Schatten. Auf Asphalt, aber gut, man kann ja nicht alles haben.
    Es eröffnen sich immer wieder Ausblicke in's Tal.


    Das hier sieht nach einem schönen Platz für Ferien aus


    Der Weg soll mich zunächst über die Zweribachfälle führen, am Beginn des Aufstiegs steht netterweise noch ein Brunnen.


    Zunächst geht es noch gemächlich bergan, das ändert sich aber nach dem nächsten Haus.


    Ein letzter Blick in's Tal: Die Kühe machen es richtig, einfach da liegen.


    Schließlich erreiche ich die Zweribachfälle.


    Auch dieser Fall besteht aus mehreren Kaskanden.


    Am obersten Fall packe ich doch noch mal mein Stativ aus.




    Sehr schön ist der Regenbogen im Wasserfall.


    Jetzt geht es steil bergauf.




    Jaha, vom müden Wanderer rauben tut er sie.


    Als ich dann schließlich den Aufstieg geschafft habe, ist erst einmal ein Freudenschrei fällig.


    Jetzt folgt eine Forststraße.


    Eigentlich würde ich endlich gerne Mittagsrast machen, aber es ist keine Bank in Sicht. Vielleicht eignet sich ja dieser Baumstumpf?


    Na ,vielleicht lieber doch nicht.


    Schließlich finde ich doch einen Baumstumpf zur Rast. Beim Auspacken des Salats fällt mir auf, daß ich gar kein Besteck dabei habe. Was tun? Ich habe noch einen Löffel dabei, dessen eigentlicher Verwendungszweck sein sollte, bei Notfällen im Wald ein Löchlein zu graben. Da ich ihn dafür noch nicht eingesetzt habe, kann ich ihn glücklicherweise benutzen.

    Schließlich verlasse ich den Wald. Auf einem Wegweiser steht zum ersten Mal mein eigentliches Ziel: Freiburg.
    "Kandel über Potsdamer Pl."? Bin ich versehentlich Richtung Berlin gelaufen?


    St. Peter liegt vor mir.


    Es wird dominiert von seiner Klosterkirche.


    Der Abstieg zieht sich hin.


    Aber ich komme dem Ort näher. Ich muß ja schließlich noch eine Unterkunft für heute Nacht finden, da ich hierher ohne zu buchen gewandert bin.


    Im Ort finde ich Selbstbedienungsterminal der Touristeninformation (das es nebenan auch eine richtige Info gibt, sehe ich erst später). Im Bürgerstüble ist noch etwas frei. Also hin.


    Das Zimmer ist gut, typischer Landhausstil.
    Ich besichtige noch den Ort und die Kirche.


    Überquellender Barock.


    Als ich aus der Kirche trete, fängt es an zu regnen. Da habe ich ja Glück gehabt.


    Das Abendessein im Bürgerstüble besteht aus Badischer Schneckensuppe und Hirschgulasch - genau das richtige nach einem Wandertag. Und während des Essens geht das vorhergesagte Gewitter nieder.

    Und zu guter Letzt noch die Strecke:

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  • Voronwe
    antwortet
    AW: [DE] Von Tübingen nach Freiburg

    28.8.2018

    Triberg nach Furtwangen - 19km

    Nach einer guten Nacht sehe ich morgens, daß die Sonne scheint. Gutes Wanderwetter wird vorhergesagt, was auch mein Blick aus dem Fenster bestätigt.


    Beim Frühstück unterhalte ich mich mit einem kanadischem Paar, das gerade auf Deutschlandtour ist. Das Publikum ist überhaupt sehr international hier, wusste gar nicht, daß Triberg so ein Hotspot ist.
    Der Weg soll mich heute an den Triberger Wasserfällen vorbei Richtung Westweg führen, wo ich in der Nähe von Furtwangen schon ein Zimmer gebucht habe.
    Wärend ich durch den Ort gehe machen die Souvenirläden gerade auf.
    Für den Wasserfallweg muß man Eintritt bezahlen, da ich aber in Triberg übernachtet habe, komme ich mit der Gästekarte kostenlos rein.
    Und da ich heute noch einiges vor habe, entscheide ich mich für den bequemen Aufgang.


    Anfänglich ist noch wenig los an den Wasserfällen, aber das ändert sich schnell. Auch hier ein sehr internationales Publikum, die Hauptsprache scheint Spanisch zu sein.
    Und hier ein paar Eindrücke von den Fällen, schließlich soll es sich ja gelohnt haben, daß ich das Stativ mitgeschleppt habe:












    Ein Blick von oben auf Triberg


    Das letzte Stück zum Parkplatz zieht sich ziemlich (warum sehen Steigungen auf Fotos eigentlich immer flacher als in Wirklichkeit aus?)


    Endlich ist der obere Parkplatz erreicht. Hier wird nochmal mit "Deutschlands höchster Wasserfall" geworben, was ich aber für eine Übertreibung halte, den schließlich ist es ja nicht ein großer Wasserfall, sondern mehrere Kaskaden.

    Der Weg führt jetzt weiter durch einen Wald, und endlich hört man keinen Lärm mehr. Was für eine Erholung im Vergleich zu gestern.


    Es geht an einigen Einödhöfen vorbei, sehr typisch für den Schwarzwald.




    Und wieder in den Wald, der Weg ist schön und ermöglicht ein erholsames Wandern.


    Die Brombeeren sind klein und etwas sauer, und auch nicht sehr zahlreich. Ich überlasse sie lieber den Tieren.


    Weiter durch den Nadelwald.




    Ab und an eine Lichtung mit Gehöft.


    Flanierwegle, so so. Wer oder was Leptig ist konnte ich nicht in Erfahrung bringen.


    Am Weg teilweise Springkraut, das fleißig von den Bienen besucht wird. Manchmal brechen die Blüten unter der Last der Bienen ab.




    Auch andere Insekten sonnen sich.


    Der Weg ist hervorragend ausgeschildert, allerdings sollte man wissen, wo man hin will.


    An dieser Weggabelung mache ich eine kurze Rast und lausche dem Summen der Insekten. Ein Radfahrer kommt vorbei, mit einem Rennrad auf diesem Schotterweg - Respekt.


    Schließlich ist der Westweg erreicht.


    Leider präsentiert er sich nicht von seiner besten Seite, hier ist er asphaltiert.


    Aber nach kurzer Zeit zweigt er in's Hochmoor zum Blindensee ab. Jetzt geht es auf Bohlen weiter.
    Auch hier zeigt sich die Trockenheit der letzten Monate, das Moor ist ausgetrocknet.


    Aber der Blindensee selber ist noch da und ein wahres Idyll. Ein ideales Plätzchen für eine Mittagsrast.


    Der See ist bevölkert von vielen Libellen.


    Es ist schwer, die Tiere zu fotografieren, aber einige Aufnahmen gelingen mir.




    Und die Libellenbevölkerung bleibt wohl erhalten.


    Wie gesagt, ein Idyll, da schließt sich sogar das Windrad fast harmonisch ein.


    Das einzige, was bei der Mittagspause stört, sind zwei Ehepaare, die sich auf bayrisch unterhalten. Kann man nicht einfach mal still die Natur genießen?

    Schließlich mache ich mich wieder auf den Weg durch das Moor.


    Nach kurzer Zeit ist das Ende des Bohlenwegs erreicht und auf normalen Forststraßen (teils asphaltiert) geht es weiter an mehreren Einödhöfen vorbei.




    Ach guck, Jesus war Kanadier und hatte eine Biberfellmütze.


    Der Weg wird dann auch wieder angenehmer.


    Nach einem Abstieg und wieder längerem Austieg (Im Tal warb zwar ein Cafe, es hatte aber leider geschlossen) erreiche ich schließlich den Kolmenhof an der Bregquelle.


    Hier an der europäischen Wasserscheide, bekomme ich endlich meinen ersehnten Kaffee.


    Und mache noch einen Abstecher zur Bregquelle, die als die Donauquelle gilt, die am weitesten entfernt von der Mündung liegt.


    Noch ein Schluck Donauwasser, dann geht es weiter


    Hinweis am Wegesrand.


    Der Weg ist weiterhin Forstweg, bis auf einen kurzen Abstecher zu den Günterfelsen.


    Am Naturfreundehaus Brend mache ich noch eine kurze Rast.


    Wäre ideal zum Übernachten gewesen, aber leider geschlossen.


    Den Aussichtsturm am Brend spare ich mir, es ist eh ziemlich diesig.
    Jetzt geht es vom Brend hinab Richtung Furtwangen


    Vorbei an einem ziemlich großen Ameisenhaufen.




    Das letzte Stück ist wieder Straße.


    Schließlich stehe ich vorm "Goldenen Raben" bei Furtwagen, meine Unterkunft für heute


    An einem großen Hund vorbei betrete ich die Gaststube und vermute, mich in einer Zeitkapsel zu befinden. Hier sieht es aus, als ob seit 50 Jahren nichts mehr wesentlich verändert wurde


    Ich mache mich auf zu meinem Zimmer im ersten Stock, der Geruch im Treppenhaus erinnert mich an Urlaube Anfang der 80er Jahre.


    Und auch mein Zimmer ist eher old-style.


    Aber mit Dusche


    Und moderner Bettlektüre


    Nun, für eine Nacht wird es wohl gehen - dachte sich Janet Leigh wohl auch.
    Das Abendessen besteht aus Schnitzel mit Pommes - irgendwie fehlt mir das Vertrauen in die Küche.
    Ich unterhalte mich noch länger mit zwei Radlern (Vater und Sohn), die den Schwarzwald durchradeln.

    Und zu guter Letzt noch die Strecke:

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  • Voronwe
    antwortet
    AW: [DE] Von Tübingen nach Freiburg

    Zitat von Wafer Beitrag anzeigen
    Hallo Voronwe.

    Vielen Dank für's mitreisen! Ich finde Mittelgebirge auch immer sehr spannend. Und in der Gegend bin ich auf dem Westweg ja auch gerade unterwegs. Bin mal gespannt, wo sich unsere Wege kreuzen.
    Ich glaub du hast hier im letzten Post ein Bild doppelt drin.

    Gruß Wafer
    Ich würde sagen, der nächste Tag ist es

    Und danke für den Hinweis, habe ich geändert.

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  • Wafer
    antwortet
    AW: [DE] Von Tübingen nach Freiburg

    Hallo Voronwe.

    Vielen Dank für's mitreisen! Ich finde Mittelgebirge auch immer sehr spannend. Und in der Gegend bin ich auf dem Westweg ja auch gerade unterwegs. Bin mal gespannt, wo sich unsere Wege kreuzen.
    Ich glaub du hast hier im letzten Post ein Bild doppelt drin.

    Gruß Wafer

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  • Voronwe
    antwortet
    AW: [DE] Von Tübingen nach Freiburg

    27.8.2018

    Gutach nach Triberg - 17km

    Im August gab es für mich die Möglichkeit, die Tour bis Freiburg fortzusetzen. Meine Kinder sind auf einer Ferienfreizeit, meine Frau, die eigentlich einen Teil des Weges mitwollte, musste leider arbeiten, also machte ich mich allein auf den Weg.
    Ein Stück des Weges lasse ich aus, um rechtzeitig in Freiburg zu sein. Geplant sind 4 Tage mit jeweils etwas unter 20km, es soll ja nicht in Stress übergehen.
    So saß ich also am 27.8. morgens im Zug, der mich mit diversen Umsteigen Richtung Gutach bringen sollte. Ein längerer Aufenthalt in Horb wurde dazu benutzt, noch ein paar Sachen einzukaufen und auch zu erfahren, daß man auf dem Bahnhofklo dort das Wasser im Waschbecken dadurch anmacht, daß man den Hahn anfasst. Könnte mal jemand drauf hinweisen: Ich habe lange versucht, den Auslöser zu finden und bin nur durch Zufall auf diese Lösung gestoßen.

    Die Fahrt mit der Bahn war für mich in Wolfach beendet, von hier aus geht es weiter mit dem Bus. Gutach liegt zwar an der Schwarzwaldbahn, es heißt sogar offiziell Gutach (Schwarzwaldbahn), hat aber im Ort keinen Bahnhof. Seltsame Sache das.
    Hier werde ich an der Haltestelle erstmal nett begrüßt.


    Hier ist die Heimat des Bollenhuts, Gutach ist sozusagen die Essenz des Schwarzwalds. Der Ort selber ist allerdings nicht besonders sehenswert, und wird von der B33 geteilt, der ich nun mehr oder minder bis Triberg folgen werde und die sich leider durch erhöhten Schwerlastverkehr auszeichnet.
    Das erste Stück des Weges geht auch direkt an der B33 entlang, immerhin auf einem Bürgersteig, trotzdem kein schönes Gehen.
    Nach kurzer Zeit kann ich immerhin auf einen Radweg wechseln, der etwas weiter von der Straße entfernt verläuft, der Asphalt bleibt mir aber erhalten.
    Aber immerhin geht es entlang der Gutach






    Kurz vor Hornberg komme ich an einem kleinen Betrieb vorbei, bei dem die Angestellten ihre Mittagspause damit verbringen, ein Nickerchen an der Gutach zu halten.
    Als nach ca. 4km Hornberg in Sicht kommt beschließe ich auch, daß jetzt Zeit für eine Mittagsrast sei.


    Sozusagen Mittagsrast im Zeichen der Burg.


    Gestärkt geht es weiter nach Hornberg hinein, bekannt durch das gleichnamige Schießen.
    Ein hübsches Städtchen, doch leider an diesem Montag Mittag ziemlich ausgestorben.








    Ich gönne mir am Marktplatz jedenfalls als Nachtisch eine Schwarzwälder Kirschtorte - netterweise gibt es sogar ein doppeltes Stück, denn die Bedienung hatte es nicht mehr geschafft, das Stück sauber zu teilen. Nun gut, dann muß ich mich halt opfern.


    Die Torte verleiht ungeahnte Kräfte - jetzt habe ich meine Geschwindigkeit auch amtlich


    Die Brauerei Ketterer spendiert netterweise Trinkwasser, was ich gerne annehme


    Und nicht nur ich


    Nun gut, vielleicht hilft das Wasser auch beim Ausdenken von Slogans




    Weiter geht es nach Niederwasser - leider immer noch auf Asphalt


    Auch hier genehmige ich mir einen Schluck am Brunnen und besichtige anschließend die Kirche.




    Und, ja, das hier ist Kuckucksuhrenland.


    Oh ha, bin ich ordentlich ausgerüstet für den weiteren Weg?


    Ja, denke schon.


    Nach einem kurzem, steilen Aufstieg endlich die Erlösung: Der Weg wird zu einem Waldpfad




    Optisch ist der Weg ein Genuß, akkustisch leider nicht, man hört immer die nahe Bundesstraße.


    Ein kleines Wartehäuschen für die Pause.


    Und ca. 20m weiter, aber durch eine Kurve verdeckt, eine Hütte. Wer plant denn hier die Aufstellung der Bänke?


    Es geht wieder ein Stück in's Gutach-Tal runter


    Und dann wieder hoch zur nächsten Hütte.


    Tja, ich befürchte, da ist viel wahres dran - leider.




    Nun gut, richtig schön kann man es hier aber nur finden, wenn man sich die Ohren zuhält. Lärm von der Straße, dazu ein Hammerwerk und rückwerts fahrende LKW in einem Steibruch - Nicht wirklich eine schöne Symphonie.

    In diesem Video gibt es ein Beispiel

    Aber immerhin ein schöner Pfad


    Mit Felsstücken.


    Als ich doch merke, daß meine Wasservorräte zur Neige gehen, treffe ich zufällig auf diesen Brunnen. Er steht in der Nähe der Schwarzwaldbahn. Die Züge höre ich zwar ab und zu mal, aber auf der ganzen Strecke kann man die Bahn eigentlich nie sehen.


    Auch ein interessantes Fundstück, zu dem ich leider keine nähere Erklärung gefunden habe. Die Schuhe waren jedenfalls ziemlich neu


    Schließlich ist der Bahnhof in Triberg erreicht.


    Und jetzt geht es noch ziemlich lang in den Ort hinein. Der Weg zieht sich und mein einziger Trost ist, daß ich das nicht morgen gehen muß.
    Ich quartiere mich im "Hotel Garni Central" ein, direkt am Marktplatz. Dusche, weiches Bett und Abendessen im Restaurant gegenüber, dazu dann tatsächlich auch ein Ketterer Bier. Was will man mehr (jedenfalls zur Zeit keine Kuckucksuhr).


    Und zu guter Letzt noch die Strecke:
    Zuletzt geändert von Voronwe; 08.09.2018, 09:40.

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  • Voronwe
    antwortet
    AW: [DE] Vom Albvorland in den Schwarzwald hinein

    11.5.2018

    Zwieselberg nach Schapbach

    Nach einer angenehmen Nachtruhe empfängt uns der Morgen mit strahlendem Sonnenschein. Wir beglückwünschen uns zu unserer Übernachtungsentscheidung und freuen uns schon auf den weiteren Weg. Aber zuerst einmal Frühstück: das klassische Pensionsfrühstück: Kaffee, Kakao, Brötchen, Wurst, Käse, Marmelade, alles da. Und auch hier das ganze in einem Frühstücksraum, der an die 80er zurückdenken lässt, das einzige Zugeständnis an die Moderne ist ein Flachbildfernseher.
    An der Wand hängt sogar ein Plakat, auf dem für diverse Tagesausflüge geworben wird, und die Preise sind noch in DM (hab allerdings nicht geschaut, ob die Postleitzahl noch vierstellig ist) - hach, herrlich so ein Abtauchen in der Zeit
    Beim Bezahlen gibt es dann noch die Kurkarte, die ich für unseren Rückweg schon fest eingeplant hatte, mit der kann man nämlich im Schwarzwald kostenlos Bus und Bahn fahren.
    Der ganze Spaß hat mich 57€ gekostet, kann man nichts von sagen, darum eine klare Empfehlung für's Haus Gerlinde.
    Die Wirtin erzählt mir noch, daß hier der Tourismushöhepunkt in den 70er Jahren war, danach war wohl vielen der Schwarzwald zu langweilig und entferntere Ziele wurden interessanter. Über meine Erlebnisse mit dem Hotel gestern ist sie doch irritiert.
    Wir schultern aber wieder unsere Rücksäcke und weiter geht es, zum Ort hinaus.




    Plan wäre heute Richtung Schiltach


    Nach kurzer Zeit verzweigt sich der Weg, der Mittelweg geht links in den Wald hinein.


    Und nun folgen 8km Traumwandern: Ein schmaler Waldweg, immer genau auf der Grenze zwischen Württemberg und Baden entlang, keine Steigungen, nur wir und der Wald. Ein absoluter Traum, auf dem wir "dahinfliegen". Und einmal mehr bestätigt sich die Richtigkeit unserer Übernachtungsentscheidung: Dieser Weg ist viel zu schade um ihn bei Regen zu laufen.






    Regelmäßig stehen alte Grenzsteine am Weg und in der Fantasie sieht man hier Grenztruppen in farbigen Uniformen vorbeimarschieren.




    Eine Ranne


    Der Weg ist teilweise gesäumt mit Blaubeerbüschen, die allerdings unsere Hosen ganz schon einnässen - aber damit kann man leben, trocknet ja wieder.












    Leider noch lange nicht reif






    Aber auch Holzwirtschaft wird hier betrieben und ab und zu hören wir in der Ferne das Sirren eines Fichtenmopets - sonst nur die Vögel.




    Schließlich erreichen wir den Schmiedsberger Platz.




    Hier machen sich insbesondere bei der Ermüdungserscheinungen bemerkbar, was wohl vor allem daran liegt, daß sie seit gestern ziemlich schnieft. Wir entscheiden uns also von hier nach Schapbach abzusteigen und somit uns Ziel von gestern anzusteuern.
    Aber zuerst einmal gibt es ein Mittagessen: Uncle Bence Reisgericht: Schmeckt eigentlich ganz gut, aber das mit den zwei Portionen pro Packung ist eine infame Lüge für Wanderer.


    Nach dem Mittag geht es an den Abstieg. Zuerst über Forststraße.


    Aber schon bald geht es wieder auf schmalen Pfaden steil bergab.


    Man muß nur vorher am Wegwächter vorbei.


    Am Schmiedsberger Platz stand eine Tafel, die über die alten Holzrückwege informierte, auf denen früher das Holz in's Tal gerollt wurde, und das das wohl eine sehr gefährliche Arbeit gewesen ist, bei der man leicht zu Tode kommen konnte, wenn die Stämme erst einmal in's Rutschen gerieten.




    Ein Ent am Weg




    Kurz vor Tal verlassen wir den Wald und haben zum ersten Mal eine richtige Aussicht


    Schließlich erreichen wir unser ursprüngliches Ziel, den Campingplatz Schapbach. Hier erfahren wir, daß in einer Stunde ein Bus nach Freudenstadt fährt. Das warten überbrücken wir mit Eis und einer Zitronenlimo, die leider extrem nach Süßstoff schmeckt.

    Und so sind wieder zwei schöne Tage im Schwarzwald vergangen, auf denen wir auch um einige Erfahrungen reicher geworden sind.

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