[D] Kurztour durch den Reinhardswald gen Norden im Sommer

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  • welzijn
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    AW: [D] Kurztour durch den Reinhardswald gen Norden im Sommer

    2. Tag


    Blick vom Ahneberg nach Süden

    Frühmorgens werde ich wach und packe zusammen. Im Frühnebel geht es weiter Richtung Gieselwerder. Es ist noch so früh und so neblig, dass ich im dichten Wald auf dem kleinen Pfad im Halbdunklen laufen muss. Doch nach einigen Kilometern komme ich vom dunklen Pfad runter und wieder auf eine lichte Waldautobahn.

    Schon am Tag zuvor sind mir die Jägerschneisen im Wald aufgefallen und es wird Zeit für mein Frühstück, so erklimme ich einen Hochsitz und lasse die Aussicht am Ahneberg auf mich wirken.


    Die Wildschweinrotte sind die kleinen Punkte auf der Schneise.

    Während ich frühstücke, bemerke ich eine Wildschweinrotte die in einer der Schneisen nach Insekten wühlt. Jetzt sehe ich zumindest, wie gut man von hier oben fürs Essen sorgen könnte. Der Nebel hat sich verzogen und ich mache mich weiter auf.



    Da der Entschluss einige Tage loszuziehen recht kurzfristig gefallen war, war die Wegplanung nicht optimal und mich verschlug es auf die Straße Richtung Gieselwerder. So kam ich in den Genuss der Sehenswürdigkeit „Wasser bergauf“. Der neben der abfallenden Straße abzweigende Graben zu einer ehemaligen Mühle führt Wasser mit leichtem Gefälle, das soll wohl für einige so aussehen, als ob Wasser bergauf fließe.

    Dies erschloss sich mir leider nicht. Aber ein weiteres Schild versprach weitere Events die Freilichtausstellung „Vergangenheit in Miniatur“. Diese war aber auch derart verwahrlost, dass ich von Fotos absah.



    Ein Trauerspiel, wie die gesamte Gegend – bzw. die Ortschaften, die ich jetzt noch zu sehen bekommen sollte. Über den Mühlenpfad ging es hinunter nach Gieselwerder an der Weser. Dort wollte ich mir Backwaren kaufen.

    Der Laden dort hatte kurz zuvor schon für die Mittagspause geschlossen. Also eine Mittagspause mit Brunnenwasser am ebendemselben. Zumindest konnte ich am Rathaus in der Sonne sitzen. Über die Weserbrücke geht es weiter Richtung Bodenfelde.


    Rathaus Gieselwerder


    Weserblick nach Westen

    Eigentlich hätte ich eine Weserfähre nehmen wollen, aber ich war mir unsicher, ob Fährbetrieb gewesen wäre und ich dann Umweg hätte laufen müssen, also die Brücke. Es geht einen geteerten Wirtschaftsweg an der Weser entlang. Und ja, eine Fähre fuhr. Hier das Beweisfoto:





    Der Weg an der Weser lang war eine schöne Abwechslung zum Wald und den Bergen, auch wenn es mir hier zu besiedelt war. In Bodenfelde ging es an einer Kokerei (heißt so eine Firma, die Holzkohle herstellt?) vorbei. Bodenfelde verbreitet einen muffig, morbiden Charme. Dieser hatte mich wohl im Griff, denn ich beschloss meine Wanderung abzubrechen.

    Mental und konditionell war ich irgendwie nicht so vorbereitet auf die Wanderung, aber meine Liebste wollte mich noch nicht zuhause haben und empfahl mir mich zusammenzureißen. So machte ich mich vom Bahnhof wieder auf in den Wald.




    Wer macht hier bloß Ferien?





    Auf einer Bank machte ich wieder eine längere Pause, trocknete mein am Morgen feucht verpacktes Tarp und stieg dann wieder auf in den Höhenzug. Noch war strahlendes Sonnenwetter. Ich kam an einer kleinen gefassten Quelle vorbei, eine Kutsche kam mir entgegen, ein paar Spaziergänger. Von einem älteren Herrn im Geländewagen der Forstverwaltung wurde ich kritisch beäugt.

    Es war schon so gegen 18 Uhr und ich machte an einem der wenigen Rastplätze mit Sitzgelegenheit und Tisch Pause und überlegte, wo und wann ich mein Tarp aufschlagen sollte. Die Forstverwaltung kam auch wieder vorbei.

    Auf einmal begann es zu gewittern, Sturzregen kam herunter und ich beschloss an Ort und Stelle zu verbleiben. Ich erklomm einen kleinen Abhang und stellte mein Tarp auf, als es weniger goss. Der Wind rüttelte am Tarp und zog von allen Seiten durch. Ich schob Laub zusammen und baute mir aus meinen Habseligkeiten notdürftig einen gewissen Windschutz. In der Nacht zog ich wieder alles an, um der Kälte zu begegnen.






    3. Tag



    Das Wetter war aufgeklart und ich hatte einen schönen Blick auf die wolkenverhangene Weser. Nun wollte ich wirklich zurück. Am Rastplatz Lug ins Land machte ich noch eine kurze Pause, bevor ich an einem Steinbruch nach Bad Karlshafen abstieg. Vom dortigen Bahnhof ging es wieder zurück.




    Rastplatz Lug ins Land

    Insgesamt hatte ich mir diese Wanderung schöner vorgestellt. Die Landschaft war in Ordnung, die Orte eine Erfahrung. Wie provinziell Deutschland doch sein kann. Das Wetter war leider kälter als Mitte August zu erwarten war. Insgesamt ist es wohl für mich besser auch kurze Wanderungen nur gut vorbereitet und geplant zu beginnen. Gute Planung zahlt sich halt aus.


    Meine nächsten Wanderungen führten mich dann in die Vogesen, von Saverne bis Le Bonhomme. An diesem Bericht arbeite ich auch schon. In Zeiten des social distancing und Homeoffice habe ich nun wieder Zeit dafür. Wenigstens etwas Gutes!

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  • Sternenstaub
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    AW: [D] Kurztour durch den Reinhardswald gen Norden im Sommer

    hm, wenn ich eine negative Kritik los werden darf?
    Eigentlich dachte ich am Anfang - das klingt ja erst einmal spannend, weil ich da auch mal unterwegs war für einige Stücke. Dann jedoch hat mich schlicht und einfach verärgert? - ja, so ist das in etwa richtig - dass du dieses Pärchen dermaßen abgewertet und sogar angesprochen hast, du liebst offensichtliche eine direkte Sprache: Das geht ja mal gar nicht!! Du weißt absolut nichts über sie und haust solche Sachen heraus? Finde ich ein Stück weit schon beschämend! ok, dich, nicht mich - sry, no pardon

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  • Prachttaucher
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    AW: [D] Kurztour durch den Reinhardswald gen Norden im Sommer

    Stimmt - im Herbst hatte ich da eine sehr unruhige Nacht !

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  • Bulli53
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    AW: [D] Kurztour durch den Reinhardswald gen Norden im Sommer

    Reinhardswald und Bramwald waren meine kindheitsspielplätze. Der Reinhardswald ist heute mit seine Stärken Hirschen hessische Staatsjagd. Die „Wiesen“ dürften Brunftplätze sein. Dorthin sind wir schon Anfang der 70er nachts mit dem Käfer gefahren. Genauer gesagt mit zweien. Einer im Auto und natürlich der VW. Bei Vollmond im frühen Herbst sehr romantisch. Besonders wenn ein dicker Hirsch in der Nähe losröhrt. Wenn Man die Berufsjäger ärgern wollte kam die Zinkkanne mit. Die gibt mit dem richtigen Ansatz wunderbare Töne.
    Mit der Sababurg bist du selbst schuld. Touri Hotspot. Nächstes Mal: Gasthaus zur Fähre in Hemeln im Wesertal. Idyllisch und urig.
    Die Geschichten des R‘waldes, der Bergbau zum Abbau von Farbstoff etc. ist durchaus interessant.

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  • Prachttaucher
    antwortet
    AW: [D] Kurztour durch den Reinhardswald gen Norden im Sommer

    Danke für den Bericht. Zum einen gibt es wirklich viele sehr breite Wege, aber wenn man sucht doch auch richtig schöne, einsame und verwunschene Kandidaten. Die wenigen Spaziergänger finden sich meist auf der breiten Variante.

    Den im Bereich Sababurg bin ich wohl auch gelaufen. Schön ist zudem daß es sich zu großen Teilen um Laubwald handelt. Und natürlich, daß es sich um die Inspirationsquelle der Gebrüder Grimm handelt.

    Wenn ich Deinen Bericht so lese, denke ich daß es für mich auch mal wieder Zeit wird....

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  • AlfBerlin
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    AW: [D] Kurztour durch den Reinhardswald gen Norden im Sommer

    Hast Du noch mehr Infos über den Förster Depenbrock? Ist ihm was passiert?

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  • welzijn
    hat ein Thema erstellt [D] Kurztour durch den Reinhardswald gen Norden im Sommer.

    [D] Kurztour durch den Reinhardswald gen Norden im Sommer

    3 Tage im Reinhardswald: Von Immenhausen bis Bad Karlshafen


    Spontan wollte ich noch die letzten Tage Im August nutzen und überlegte mir ein schnelles Ziel, das ich gut erreichen konnte. Zuerst dachte ich an den Ith, der mir aber bei kurzem Nachdenken nicht genug Strecke bot und mir zu schmal war. So suchte ich bei google Earth nach anderen waldreichen Gebieten, die sich als Ziel anboten. Fündig wurde ich beim Reinhardswald: Gut mit der Bahn zu erreichen und wenig besiedelt. Die Route wurde schnell mit Basecamp geplant und auf mein Garmin gezogen. Am nächsten Tag ging es auch schon los. Das Packen war kein Problem, da ich nur drei Tage unterwegs sein konnte. Also leichtes Gepäck: den kleinen Rucksack meiner Frau, Tarp und Sommerschlafsack.

    Mit dem Niedersachsenticket fuhr ich bis Immenhausen. Dort ging es durchs Dorf Richtung Wald. Im Dorf saß vor einem Haus ein junges Pärchen, das mir durch eine durch mangelnde Bewegung verursachte Gewichtszunahme auffiel. Auch ich schien ihnen aufzufallen, denn ein Typ mit mittlerem Rucksack und Stock schien es nicht so oft in Immenhausen zu geben. Bald konnte ich die Häuser hinter mir lassen und entlang der Holzkape den Höhenzug hinaufgehen. Nach einigen hundert Metern musste ich die Holzkape kreuzen und - bemerkenswerterweise für Deutschland - mit dem Fahrweg furten, auch wenn sie nur 3-4 Meter breit war. Wasser war dann auch für den Rest der Wanderung mein Begleiter, denn der gesamte Wald und die Strecke war wohl durch die großzügigen Regenfälle im Sommer überall feucht, nass, schlammig und matschig. Nur die Waldautobahnen waren häufiger davon ausgenommen.





    Ich versuchte die Waldautobahnen zu vermeiden. Die erste Rast legte ich an einer Wegekreuzung ein, an der eine Picknickbank stand und ein Gedenkstein für Förster Depenbrock. Bis hierher war die Wanderung ganz nett, bot mir aber landschaftlich kaum Reizvolles, was ich aber auch so erwartet hatte.





    Nach der Rast wurde es erfreulicherweise interessanter, denn auf dem Weg zum Wanderparkplatz Udenhäuser Stock schien die Forstverwaltung oder wer auch immer Spaß daran gehabt zu haben großzügige breite Schneisen durch den Wald zu schlagen und diese als Alleen auszubauen. Neben dem Weg gab es 3-4 Meter breite gemähte Grünstreifen auf beiden Seiten und eigens gepflanzte Zierbäume. Zusätzlich eine große Wiese, die mich an einen Festplatz erinnerte. Keine Ahnung, was die Hessen dort treiben.




    Kurz vor dem Wanderparkplatz, gab es dann auch wieder Menschen im Wald, Pilzsucher. Am Parkplatz setzte ich mich wieder auf eine Bank und verdrückte etwas Proviant. Hier fuhren einige Pilzsammler an und ab.



    Auf einem Nebenpfad ging es weiter Richtung Sababurg. Auch hier gab es wider Erwarten etwas, was ich so von Deutschland her nicht so kannte: Einen mehrere Kilometer langen schnurgeraden Weg durch den Wald. Zuerst war das Ganze nicht so erkennbar, denn der Weg war im ersten Teilstück kaum begangen. So konnte ich 1-2 Kilometer auf grünem Gras gehen. Allerdings war das Teilstück so voller Matsch und auch teilweise moorig, dass ich fast mit meinen Stiefeln ganz versunken wäre. Aber ein tolles Gefühl, hier ganz allein im Wald zu sein und einer schnurgeraden grünen "Waldwiese" zu folgen.







    Irgendwann stieß der Weg auf eine Waldautobahn, die man erst sehen konnte, als man eine kleine Birkengruppe hinter sich gelassen hatte. Nun ging es wiederum fast 2 Kilometer geradeaus Richtung Sababurg. Am kleinen NSG Holzape machte ich bei der Hütte "Knaufs Ausblick"eine kurze Rast, auch fing hier mein linkes Bein an muskuläre Probleme zu bereiten.










    Nach ein paar Dehnübungen wurde es aber erträglich. Auf dem Weg zur Burg kam mir auch an diesem Tag der einzige Mensch entgegen, der sich im Wald aufhielt: ein Mountainbiker.
    Kurz darauf kam ich zum Tierpark Sababurg, an dessen Mauer ich bis zur Burg entlangging. Auf der etwas heruntergekommenen Burg angekommen, bestellte ich mir eine Cola auf der zugigen Terrasse (Übrigens war die Cola mit 5 Euro genauso teuer wie die, die ich mir ein paar Wochen vorher am Pantheon in Rom mit allerbesten Ausblick bestellt hatte - die Sababurg mit ihren Abzockerpreisen war natürlich kein Vergleich dazu) und füllte meine Wasserflasche auf. Dort traf ich das anfangs erwähnte Pärchen aus Immenhausen wieder. Ich konnte mich nicht zurückhalten und ihnen zu sagen, dass man zu Fuß auch herkommen könne und es wohl auch besser für die Figur sei.



    Nach der teuren Cola ging es an einem Forsthaus wieder vorbei in den Wald. Dort versperrte ein Flatterband den Waldweg. Ich störte mich nicht daran. Wenn hier jemand sägen sollte, würde man es hören. Bald lagen dann auch massenweise Bäume quer über dem Weg; und das für eine recht lange Strecke. Nach einem halben Kilometer Plackerei, bog ich dann rechts in einen kleineren Forstpfad ab und baute mein Tarp neben einem kleinen Bach auf. Zwar hatte ich nun fließendes Wasser, aber auch nervige Mücken. Mist!

    Als es dämmerte wurde mir auch in meinem Schlafsack kühl. Die Komforttemperatur von 10 Grad war wohl doch nicht ausreichend für eine Übernachtung im Wald Mitte August. So musste ich notgedrungen alle meine restlichen Klamotten anziehen, der Preis für einen leichten Sack. Trotz allem wurde es keine richtig warme Nacht. Als ich meine Lektüre beendet hatte und mich schlafen legte, hob ein wildes Geknalle an. Holla, Treibjagd im Reinhardswald? Mitnichten. Auf der Sababurg gab es Freilufttheater und wohl Feuerwerk. Nach einem kleinen Schauer schlief ich ein.



    geotagged
    Zuletzt geändert von welzijn; 29.03.2020, 15:02.
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