Kaufdatum: 07/2009
Gebrauchszeitraum: 07-11/2009
Wetter-/Klimabedingungen: unbegrenzt
Art des Einsatzes: Trekking, Alpin-Bergsport, Expedition, Basis- und Höhen-Lager-Versorgung
Hersteller: Millet (franz. Ausrüster)
Modellbezeichnung: Expedition 65
Modelljahr: 2008er Expert-Serie
Unverbindliche Preisempfehlung: 130,-
Garantie: 2 Jahre
Rucksacktyp: Innengestell
Liter: 65 + 10
Verarbeitungsqualität: sehr gut
Passform: sehr gut
Komfort: sehr gut
Bedienung: sehr gut
Alter Testperson: 40+
Körpergrösse Testperson (in cm): 175
Körperstatur Testperson: schlank, 68 kg
Geschlecht Testperson: männlich
Outdoorerfahrung Testperson (1-wenig bis 7-hoch): 5

Hauptmaterialien:
Aufteilung:
Hauptfach:
Deckeltasche:

... mit MYOG-Tragegurt ergänzte Deckeltasche
Seitentaschen:
Regenhülle: nein
Tragesystem:

... herausnehmbarer Aluminium-Rohrrahmen

... Dicke des Schultergurts
Besonderheiten:

... obere Ski/Eispickelhalterung als dünner Gummizug ausgelegt

... untere Ski/Eispickelhalterung als breites Materialband ausgelegt

... Materialschlaufe am Hüftgurt

... Eispickelhalterung am Hüftgurt

... keilförmiger Reepschnur-Stopper
Gewicht:
Link zum Hersteller: www.millet.fr
Tests:
Einlaufen:
Beim ersten Test zum Einlaufen des Rucksacks habe ich jeweils einen 7 km Rundkurs mit 10 kg, 15 kg, 20 kg, 25 kg absolviert. Der Rundkurs hat je 250 Höhenmeter bergauf und bergab (ich nutze diese Crossstrecke normalerweise zum Lauftraining). Das Gewicht wurde von Runde zu Runde gesteigert und bestand aus profanen, abgewogenen 5 L Wassersäcken. Das restliche Volumen wurde zusätzlich mit einem nur teilkomprimierten Schlafsack ausgefüllt.
Das Einlaufen gestaltete sich bis zu einem Gewicht von 20 kg als absolut problemfrei (kein lästiges Druckgefühl, keine nervenden Rucksackgeräusche). Beim Test mit 25 kg traten zum ersten Mal bei zwei Bewegungen Rucksackgeräusche auf, welche ich als ein temporäres Verformen des am Becken aufsitzenden, thermisch vorgeformten Rückenteils des Tragesystems identifiziert habe. Dabei springt bei mir am Rückenknochen der Hüfte kurzfristig das vorgeformte Rückenteil minimal in eine andere Bogenform. Das tut weder weh noch hat es sonst einen Einfluss auf den Tragekomfort. Es macht einfach nur kurz zweimal Klack. Diese Geräusche traten aber nur beim Überwinden einer steileren Kletterstelle auf, bei welcher eines der Beine relativ hoch angesetzt werden muss (es kann also auch an meiner Körperhaltung gelegen haben). Nach den vier Testrunden war ich etwas platt, so dass ich mir die letzte Testrunde mit 30 kg gespart habe. Den Test habe ich natürlich in meiner üblichen Montur durchgeführt, insbesondere mit den „La Sportiva Top Nepal“ Schuhen, um das Gehgefühl besser einschätzen zu können.
Mehrtagestour:
Meine Wanderungen führen mich regelmäßig in alpines Gelände, wobei ich i.d.R. ein Rucksackgewicht zwischen 15 kg (schneefreie Lagen) bis 25 kg (verschneite Lagen) auch klettertechnisch zu meistern habe. Das bedeutet, dass der Rucksack bei mir möglichst schlank aufgebaut und fest fixiert am Körper sein sollte. Eine selbständige Lageveränderung des Rucksacks (z.B. Herumpendeln) wäre für mich also nicht nur unangenehm sondern evtl. auch gefährlich.
Die erste Tour, welche ich mit diesem Rucksack absolviert habe, war die alpine Variante des GR-20 unter herbst- bis teils frühwinterlichen Bedingungen mit trockenem, nassen, verschneitem oder vereisten Fels. Somit könnte zumindest von Seiten der Witterungsbedingungen der Test als vollständig gelten.
Die Tour war 10 Tage lang, führte über eine Strecke von 130 km und hatte 6.700 Höhenmeter bergauf sowie 7.500 Höhenmeter bergab. Die gesamte Tragezeit betrug 50 Stunden, die längste Einzeltragezeit 8 Stunden.
Die beim Einlaufen des Rucksacks gemachten Beobachtungen wurden auch in der Praxis bestätigt. An einigen wenigen, etwas exponierteren Stellen hat das Tragesystem wieder diese Klackgeräusche bei dynamischen Kletterbewegungen von sich gegeben (insgesamt sechs mal), ohne dass sich dadurch etwas am Material oder am Tragekomfort verändert hätte. Das Tragesystem hat einen für meine Ansprüche völlig ausreichenden Komfort. Anders ausgedrückt, ich mag bei meinen Unternehmungen mehr das direkte Feedback der Raumlage des Rucksacks und die absolute Lagestabilität als ein sehr weich gepolstertes Tragesystem, welches mich die Lage des Rucksacks mehr erahnen als spüren lässt. Ein Tragesystem mit drehbarem Hüftgelenk wäre z.B. für mich bei alpinen Touren undenkbar, ein sehr dünner und minimalistisch ausgelegter Schultergurt bzw. Hüftgurt aber ebenfalls. Beim Tragen der Dauerlast von 16 kg verspürte ich auch bei den längeren Touren keine Ermüdungserscheinungen oder Druckstellen. Alles war genau so, wie ich es mir wünsche und bevorzuge.
Die Schlaufe und die Eispickelhalterung am Hüftgurt habe ich während der Tour nicht genutzt, alle anderen Features aber schon (inkl. Signalpfeife im Schneesturm).
Unter dem Hüftgurt des Rucksacks habe ich an einem Tag bei einer etwas unangenehmen Kletterei im verschneiten Gelände für ca. zwei Stunden einen Klettergurt (Edelrid Loopo) zur Selbstsicherung getragen, ohne dies als unangenehm zu empfinden.
Verarbeitung:
Bis heute habe ich keine Mängel oder Verarbeitungsfehler feststellen können. Bisher sind weder Nähte aufgegangen noch Teile ein/abgerissen, wobei die bisherige Beanspruchung als üblicherweise alpin zu bezeichnen ist. Das bedeutet, dass an den immer wieder einmal auftretenden Kletterstellen der Rucksack auch Felskontakt hatte, manchmal im Schnee lag bzw. stürmischem Regen oder Vereisung ausgesetzt war. Das relativ leichte Gewebe zeigt bisher keine Verschleißerscheinungen.
Die Reißverschlüsse funktionieren einwandfrei, wenngleich der wasserdichte Reißverschluss in meinen Augen, wie übrigens alle anderen derzeit angebotenen wasserdichten Reißverschlüsse auch, unter Belastung das Prädikat wasserdicht nicht verdient hat (dies hatte ich bereits daheim unter der Dusche mit einem starken Wasserstrahl getestet und bin deshalb während der Tour bei Schlechtwetter kein Risiko mehr eingegangen).
Trotz des als wasserabweisend deklarierten Materials ist dieser Rucksack, wie jeder andere derzeit angebotene ebenfalls, nicht wasserdicht. Einen leichten Nieselregen kann man ihn bestimmt bedenkenlos aussetzen, einen Regen bei höheren Windgeschwindigkeiten schon nicht mehr. Gründe hierfür sind vor allem die nicht abgedeckte (verschweißte) Verarbeitung der Nähte und der nicht wasserdicht ausgeführte, vertikale Reißverschluss, unter dessen vollflächige Abdeckung stürmische Winde das Wasser eventuell eindrücken könnten. Bei Regen und Schneefall habe ich mit Erfolg also immer eine zusätzliche Regenabdeckung (110 g) verwendet. Einzig am letzten Tag hat bei sintflutartigen Regenfällen, welche mir seit langer Zeit wieder einmal respektable Flüche entlockt haben, auch diese Schutzmaßnahme nicht mehr richtig geholfen. Da presste der Sturm etwas Wasser am Rücken in den Rucksack, was aber aufgrund des wasserdicht verpackten Materials kein Problem darstellte. An diesem besagten Tag hatte ich übrigens auch einen „Wassereinbruch“ durch einen „wasserdichten“ Reißverschluss meiner TNF-Heathen-Jacke, was wenige Kilometer vor dem Tourende zu einem Komplettausfall meiner Pocket-Kamera führte.
Tragesystem:
Es sind alle Einstellmöglichkeiten, welche ich erwarte und für notwendig erachte, vorhanden (siehe oben). Ein konstruktiv verstellbares Tragesystem zum Umhängen des Tragesystems als Verkürzung oder Verlängerung der Rückenlänge hatte ich in früheren Zeiten schon einmal getestet und für mich als puren Unsinn verworfen. Das dadurch höhere Gewicht rechtfertigt kein Feature, welches ich bei einem mir passenden Tragesystem nie wieder anwenden werde. Einzig, wenn ich mir den Rucksack mit einer deutlich größeren oder kleineren Person teilen müsste, würde dies in meinen Augen eventuell einen Sinn ergeben.
Tragekomfort:
Das Tragesystem überträgt die Last ohne Probleme auf den Körper des Nutzers. Die vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten und auch die Handschlaufen an den Schultergurten ermöglichen ein recht ermüdungsfreies Gehen. Druckstellen oder Schlimmeres sind bei mir bisher noch nicht aufgetreten.
Leichte Fehler beim Verpacken der Ausrüstung verzeiht der Rucksack durch das vorgeformte und ausreichend gepolsterte Tragesystem (z.B. sperrig verpackte Gaskartusche am Rücken). Eine richtig falsche und/oder grob nachlässige Austarierung der Einzelgewichte im Rucksack wird aber relativ direkt an den Nutzer übertragen und erinnert ihn an die Einhaltung der goldenen Regeln zum Verpacken der Ausrüstung.
Wenn der Rucksack richtig gepackt wird, stellen m. E. auch Lasten mit 25 – 30 kg noch kein Problem für das Tragesystem dar (auch wenn der Nutzer dann schon deutlich mehr ächzen wird – aber das liegt in der Natur der immer wieder sporadisch auftretenden Schwerkraft).
Verbesserungsvorschläge:
Fazit:
Die Features, welche letztlich den Ausschlag zum Kauf des Rucksacks gegeben haben, sind die Folgenden:
Aufgrund seiner Konzeption (Verzicht auf ein separates Schlafsackfach, Begrenzung auf die notwendigen Funktionen, optimierte Materialwahl) ist der Rucksack sehr leicht geraten. Seine Funktionalität und ausreichende Robustheit habe ich auf der ersten vollwertigen Tour ausgiebig testen können. Der Rucksack hat bereits nach der ersten Tour ein ziemliches Suchtpotential bei mir ausgelöst, da er recht genau meinen aktuellen Vorstellungen entspricht. Nach langer Suche habe ich also endlich wieder gefunden, was ich für meine Zwecke benötige und bin seit langer Zeit wieder einmal mit einem Ausrüstungsgegenstand wirklich zufrieden.
Viele Grüße, Tom.
Gebrauchszeitraum: 07-11/2009
Wetter-/Klimabedingungen: unbegrenzt
Art des Einsatzes: Trekking, Alpin-Bergsport, Expedition, Basis- und Höhen-Lager-Versorgung
Hersteller: Millet (franz. Ausrüster)
Modellbezeichnung: Expedition 65
Modelljahr: 2008er Expert-Serie
Unverbindliche Preisempfehlung: 130,-
Garantie: 2 Jahre
Rucksacktyp: Innengestell
Liter: 65 + 10
Verarbeitungsqualität: sehr gut
Passform: sehr gut
Komfort: sehr gut
Bedienung: sehr gut
Alter Testperson: 40+
Körpergrösse Testperson (in cm): 175
Körperstatur Testperson: schlank, 68 kg
Geschlecht Testperson: männlich
Outdoorerfahrung Testperson (1-wenig bis 7-hoch): 5

Hauptmaterialien:
- 420D HD Oxford Nylon (wasserdichter Rucksackboden)
- 210D SD Velocity Nylon (leichtes, stabiles Material für Rucksack-Korpus)
- Mesh-Gewebe im Bereich der außenliegenden Seitentaschen
Aufteilung:
Hauptfach:
- ein einziges, in der Höhe nicht unterteiltes Hauptfach
- am Rücken befindliches, innenliegendes Vertikalfach (z.B. für Trinksystem)
- verschnürbarer, oberer Zugang unter dem Deckelfach
- über die volle Höhe zu öffnender, abgedeckter Frontreißverschluss (unter dem Millet-Logo)
Deckeltasche:
- Deckeltasche mit wasserdichtem Reißverschluss
- innenliegendes Dokumentenfach
- Deckeltasche ist über Gurtriemen höhenverstellbar
- Deckeltasche ist an vier Punkten mit Schnellverschlüssen befestigt und kann somit auch abgenommen werden
- wenn man sich ein kleines, leichtes Trägersystem baut (MYOG), kann die Deckeltasche als winziges 5L-Daypack auf Tour separat genutzt werden

... mit MYOG-Tragegurt ergänzte Deckeltasche
Seitentaschen:
- zwei beidseitige Netztaschen für Wasserflaschen, Stöcke, etc.
Regenhülle: nein
Tragesystem:
- sog. „Ergo-Lite“ Tragesystem mit thermisch vorgeformtem Rückenteil, Lüftungskanälen und herausnehmbarem Aluminium-Rohrrahmen
- das vorgeformte Tragesystem liegt i.d.R. je nach Packzustand hauptsächlich an der Hüfte und an den Schulterblättern auf und weist in der Rückenzone einen deutlichen Abstand zwischen Rucksack und Rücken auf
- die ergonomisch geformten Schultergurte sind zweifach einstellbar (oberer Abstand zwischen Rucksack und Schulter, Länge des Schultergurts) aber nicht noch extra konstruktiv höhenverstellbar
- Brustgurt zur Anpassung des Abstands der Schultergurte
- zwei an den Schultergurten befestigte Handschlaufen
- zweifach verstellbarer Hüftgurt (ein Klettergurt kann relativ störungsfrei unter dem Hüftgurt getragen werden, getestet mit Edelrid Loopo)

... herausnehmbarer Aluminium-Rohrrahmen

... Dicke des Schultergurts
Besonderheiten:
- zwei Ski- bzw. Eispickelhalterungen an der Rucksackfront

... obere Ski/Eispickelhalterung als dünner Gummizug ausgelegt

... untere Ski/Eispickelhalterung als breites Materialband ausgelegt
- Materialschlaufe an der rechten Flosse des Hüftgurts (z.B. für Karabiner)

... Materialschlaufe am Hüftgurt
- Eispickelhalterung an der linken Flosse des Hüftgurts

... Eispickelhalterung am Hüftgurt
- Signalpfeife am Brustgurt
- Vorbereitung für Trinksystem (Schlauchdurchführung)
- drei Kompressionsriemen an jeder Seite des Rucksacks
- Kompressionsriemen am Zugang unter der Deckeltasche (am Schneefang)
- die Reepschnur-Stopper sind nicht mit dem üblichen Federmechanismus ausgestattet, welche öfters bei Minusgraden kapput gehen - statt dessen wurde ein unverwüstlicher, keilförmiger Klemmmechanismus verwendet

... keilförmiger Reepschnur-Stopper
Gewicht:
- 1.560 g lt. Hersteller (für die Größe sehr leicht)
- 1.560 g lt. Küchenwaage
Link zum Hersteller: www.millet.fr
Tests:
- mehrstündiges Einlaufen unter Last (10 kg, 15 kg, 20 kg, 25 kg)
- Mehrtagestour unter alpinen Bedingungen mit anfangs 16 kg
Einlaufen:
Beim ersten Test zum Einlaufen des Rucksacks habe ich jeweils einen 7 km Rundkurs mit 10 kg, 15 kg, 20 kg, 25 kg absolviert. Der Rundkurs hat je 250 Höhenmeter bergauf und bergab (ich nutze diese Crossstrecke normalerweise zum Lauftraining). Das Gewicht wurde von Runde zu Runde gesteigert und bestand aus profanen, abgewogenen 5 L Wassersäcken. Das restliche Volumen wurde zusätzlich mit einem nur teilkomprimierten Schlafsack ausgefüllt.
Das Einlaufen gestaltete sich bis zu einem Gewicht von 20 kg als absolut problemfrei (kein lästiges Druckgefühl, keine nervenden Rucksackgeräusche). Beim Test mit 25 kg traten zum ersten Mal bei zwei Bewegungen Rucksackgeräusche auf, welche ich als ein temporäres Verformen des am Becken aufsitzenden, thermisch vorgeformten Rückenteils des Tragesystems identifiziert habe. Dabei springt bei mir am Rückenknochen der Hüfte kurzfristig das vorgeformte Rückenteil minimal in eine andere Bogenform. Das tut weder weh noch hat es sonst einen Einfluss auf den Tragekomfort. Es macht einfach nur kurz zweimal Klack. Diese Geräusche traten aber nur beim Überwinden einer steileren Kletterstelle auf, bei welcher eines der Beine relativ hoch angesetzt werden muss (es kann also auch an meiner Körperhaltung gelegen haben). Nach den vier Testrunden war ich etwas platt, so dass ich mir die letzte Testrunde mit 30 kg gespart habe. Den Test habe ich natürlich in meiner üblichen Montur durchgeführt, insbesondere mit den „La Sportiva Top Nepal“ Schuhen, um das Gehgefühl besser einschätzen zu können.
Mehrtagestour:
Meine Wanderungen führen mich regelmäßig in alpines Gelände, wobei ich i.d.R. ein Rucksackgewicht zwischen 15 kg (schneefreie Lagen) bis 25 kg (verschneite Lagen) auch klettertechnisch zu meistern habe. Das bedeutet, dass der Rucksack bei mir möglichst schlank aufgebaut und fest fixiert am Körper sein sollte. Eine selbständige Lageveränderung des Rucksacks (z.B. Herumpendeln) wäre für mich also nicht nur unangenehm sondern evtl. auch gefährlich.
Die erste Tour, welche ich mit diesem Rucksack absolviert habe, war die alpine Variante des GR-20 unter herbst- bis teils frühwinterlichen Bedingungen mit trockenem, nassen, verschneitem oder vereisten Fels. Somit könnte zumindest von Seiten der Witterungsbedingungen der Test als vollständig gelten.
Die Tour war 10 Tage lang, führte über eine Strecke von 130 km und hatte 6.700 Höhenmeter bergauf sowie 7.500 Höhenmeter bergab. Die gesamte Tragezeit betrug 50 Stunden, die längste Einzeltragezeit 8 Stunden.
Die beim Einlaufen des Rucksacks gemachten Beobachtungen wurden auch in der Praxis bestätigt. An einigen wenigen, etwas exponierteren Stellen hat das Tragesystem wieder diese Klackgeräusche bei dynamischen Kletterbewegungen von sich gegeben (insgesamt sechs mal), ohne dass sich dadurch etwas am Material oder am Tragekomfort verändert hätte. Das Tragesystem hat einen für meine Ansprüche völlig ausreichenden Komfort. Anders ausgedrückt, ich mag bei meinen Unternehmungen mehr das direkte Feedback der Raumlage des Rucksacks und die absolute Lagestabilität als ein sehr weich gepolstertes Tragesystem, welches mich die Lage des Rucksacks mehr erahnen als spüren lässt. Ein Tragesystem mit drehbarem Hüftgelenk wäre z.B. für mich bei alpinen Touren undenkbar, ein sehr dünner und minimalistisch ausgelegter Schultergurt bzw. Hüftgurt aber ebenfalls. Beim Tragen der Dauerlast von 16 kg verspürte ich auch bei den längeren Touren keine Ermüdungserscheinungen oder Druckstellen. Alles war genau so, wie ich es mir wünsche und bevorzuge.
Die Schlaufe und die Eispickelhalterung am Hüftgurt habe ich während der Tour nicht genutzt, alle anderen Features aber schon (inkl. Signalpfeife im Schneesturm).
Unter dem Hüftgurt des Rucksacks habe ich an einem Tag bei einer etwas unangenehmen Kletterei im verschneiten Gelände für ca. zwei Stunden einen Klettergurt (Edelrid Loopo) zur Selbstsicherung getragen, ohne dies als unangenehm zu empfinden.
Verarbeitung:
Bis heute habe ich keine Mängel oder Verarbeitungsfehler feststellen können. Bisher sind weder Nähte aufgegangen noch Teile ein/abgerissen, wobei die bisherige Beanspruchung als üblicherweise alpin zu bezeichnen ist. Das bedeutet, dass an den immer wieder einmal auftretenden Kletterstellen der Rucksack auch Felskontakt hatte, manchmal im Schnee lag bzw. stürmischem Regen oder Vereisung ausgesetzt war. Das relativ leichte Gewebe zeigt bisher keine Verschleißerscheinungen.
Die Reißverschlüsse funktionieren einwandfrei, wenngleich der wasserdichte Reißverschluss in meinen Augen, wie übrigens alle anderen derzeit angebotenen wasserdichten Reißverschlüsse auch, unter Belastung das Prädikat wasserdicht nicht verdient hat (dies hatte ich bereits daheim unter der Dusche mit einem starken Wasserstrahl getestet und bin deshalb während der Tour bei Schlechtwetter kein Risiko mehr eingegangen).
Trotz des als wasserabweisend deklarierten Materials ist dieser Rucksack, wie jeder andere derzeit angebotene ebenfalls, nicht wasserdicht. Einen leichten Nieselregen kann man ihn bestimmt bedenkenlos aussetzen, einen Regen bei höheren Windgeschwindigkeiten schon nicht mehr. Gründe hierfür sind vor allem die nicht abgedeckte (verschweißte) Verarbeitung der Nähte und der nicht wasserdicht ausgeführte, vertikale Reißverschluss, unter dessen vollflächige Abdeckung stürmische Winde das Wasser eventuell eindrücken könnten. Bei Regen und Schneefall habe ich mit Erfolg also immer eine zusätzliche Regenabdeckung (110 g) verwendet. Einzig am letzten Tag hat bei sintflutartigen Regenfällen, welche mir seit langer Zeit wieder einmal respektable Flüche entlockt haben, auch diese Schutzmaßnahme nicht mehr richtig geholfen. Da presste der Sturm etwas Wasser am Rücken in den Rucksack, was aber aufgrund des wasserdicht verpackten Materials kein Problem darstellte. An diesem besagten Tag hatte ich übrigens auch einen „Wassereinbruch“ durch einen „wasserdichten“ Reißverschluss meiner TNF-Heathen-Jacke, was wenige Kilometer vor dem Tourende zu einem Komplettausfall meiner Pocket-Kamera führte.
Tragesystem:
Es sind alle Einstellmöglichkeiten, welche ich erwarte und für notwendig erachte, vorhanden (siehe oben). Ein konstruktiv verstellbares Tragesystem zum Umhängen des Tragesystems als Verkürzung oder Verlängerung der Rückenlänge hatte ich in früheren Zeiten schon einmal getestet und für mich als puren Unsinn verworfen. Das dadurch höhere Gewicht rechtfertigt kein Feature, welches ich bei einem mir passenden Tragesystem nie wieder anwenden werde. Einzig, wenn ich mir den Rucksack mit einer deutlich größeren oder kleineren Person teilen müsste, würde dies in meinen Augen eventuell einen Sinn ergeben.
Tragekomfort:
Das Tragesystem überträgt die Last ohne Probleme auf den Körper des Nutzers. Die vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten und auch die Handschlaufen an den Schultergurten ermöglichen ein recht ermüdungsfreies Gehen. Druckstellen oder Schlimmeres sind bei mir bisher noch nicht aufgetreten.
Leichte Fehler beim Verpacken der Ausrüstung verzeiht der Rucksack durch das vorgeformte und ausreichend gepolsterte Tragesystem (z.B. sperrig verpackte Gaskartusche am Rücken). Eine richtig falsche und/oder grob nachlässige Austarierung der Einzelgewichte im Rucksack wird aber relativ direkt an den Nutzer übertragen und erinnert ihn an die Einhaltung der goldenen Regeln zum Verpacken der Ausrüstung.
Wenn der Rucksack richtig gepackt wird, stellen m. E. auch Lasten mit 25 – 30 kg noch kein Problem für das Tragesystem dar (auch wenn der Nutzer dann schon deutlich mehr ächzen wird – aber das liegt in der Natur der immer wieder sporadisch auftretenden Schwerkraft).
Verbesserungsvorschläge:
- die Integration eines Regenschutzes würde die Ausstattung vervollständigen
- der vertikale Längsreißverschluss sollte nach Möglichkeit als wasserdichte Version ausgeführt werden, sofern man diesen dafür ausreichend stabil konstruieren kann
- alternativ würde ein durchgehender Klettverschluss an der Abdeckung des vertikalen Längsreißverschlusses wie beim JW-Spider zwar das Gewicht etwas erhöhen, aber zugleich die Regendichtheit an dieser Stelle verbessern (eher akademisches Argument)
- an der Rucksackfront würden vier kleine Schlaufen zur optionalen Befestigung weiterer Ausrüstung (z.B. Isomatte) dienlich sein – das geht zwar momentan, ist aber nicht ganz so komfortabel wie möglich
- ein an der Stirn- oder Rückseite des Deckelfachs horizontal angebrachter wasserdichter und ggf. abgedeckter Reißverschluss wäre m. E. noch praktikabler als die derzeit modischen und mittig angebrachten Versionen
Fazit:
Die Features, welche letztlich den Ausschlag zum Kauf des Rucksacks gegeben haben, sind die Folgenden:
- ein in dieser Kategorie bisher einmaliges Gewicht von 1,56 kg
- eine für meine Anforderungen perfekte Größe mit 65 L +10 L
- ein ausreichender Kompromiss bei der Materialwahl (ist zwar nicht das gewünschte Cordura 1000 oder 500, dafür aber sehr leicht und mit deutlich besserer Beschichtung)
- eine ausreichende aber zugleich minimalistische Ausstattung, wie sie mein uralter JW-Spider aufweist (als hätte Millet diesen mit neuen Materialien kopiert, weiterentwickelt und im Detail deutlich verbessert)
- ein Preis von nur 130 EUR (ohne weiteren Kommentar)
Aufgrund seiner Konzeption (Verzicht auf ein separates Schlafsackfach, Begrenzung auf die notwendigen Funktionen, optimierte Materialwahl) ist der Rucksack sehr leicht geraten. Seine Funktionalität und ausreichende Robustheit habe ich auf der ersten vollwertigen Tour ausgiebig testen können. Der Rucksack hat bereits nach der ersten Tour ein ziemliches Suchtpotential bei mir ausgelöst, da er recht genau meinen aktuellen Vorstellungen entspricht. Nach langer Suche habe ich also endlich wieder gefunden, was ich für meine Zwecke benötige und bin seit langer Zeit wieder einmal mit einem Ausrüstungsgegenstand wirklich zufrieden.
Viele Grüße, Tom.
Kommentar