Vom Meerwasser zum Trinkwasser?

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  • lemon
    Fuchs
    • 28.01.2012
    • 1937

    • Meine Reisen

    Vom Meerwasser zum Trinkwasser?

    Servus, eine Survival-Frage und bitte korrigiert mich, wenn ich was Falsches schreibe!

    (1) Der Katadyn Survivor presst das Meerwasser durch eine Membrane und ... ? Entfernt es das Salz oder auch andere "Inhaltsstoffe"? Mich irritiert ein wenig, dass der Survivor in Rettungsinseln scheinbar dazu gehört, aber dass es dort keinen Wasserfilter gibt. Ist Meerwasser weniger verunreinigt als ich dachte oder macht der Survivor durch die Membran das Wasser gleichzeitig "trinkbar"?

    (2) Alternative Vorgehensweise ohne einen Wasserfilter und Entsalzer:

    Meerwasser ist doch deshalb nicht trinkbar, weil die Salzkonzentration zu hoch ist und dieses dem Körper nur noch mehr Wasser entziehen würde, so dass man verdurstet! Und Trinkwasser enthält auch Salze in geringer Konzentration. Jetzt kann man ja "Salzwasser" verdampfen und das Kondensat auffangen und hat destilliertes Wasser. Jetzt fehlen da aber "Mineralien" und "Salze"! Wie bekommt man die Salze wieder in einer "gesunden" Mischung rein?

    Mischt man etwas nun "salziger" angereichertes Wasser, das man als Destillat genutzt hat oder mischt man "frisches" Meerwasser hinzu? Welches Verhältnis wäre da wohl "angebracht"?

    Gibt es andere Methoden, um Wasser ohne "Technik" (wie z.B. Katadyn Survivor) zu entsalzen? Mir gehts nicht um die Luxusvariante des geschmacklich neutralisierten Wassers, sondern um Trinkwasser was "genießbar" ist, auch wenns nicht schmeckt!

  • Serienchiller
    Fuchs
    • 03.10.2010
    • 1299

    • Meine Reisen

    #2
    AW: Vom Meerwasser zum Trinkwasser?

    Zitat von lemon Beitrag anzeigen
    (1) Der Katadyn Survivor presst das Meerwasser durch eine Membrane und ... ? Entfernt es das Salz oder auch andere "Inhaltsstoffe"?
    Durch die Umkehrosmose wird fast alles aus dem Wasser entfernt. Auf jeden Fall auch Bakterien, Viren und Protozoen.

    Das alte Märchen, dass man stirbt, wenn man destilliertes Wasser trinkt, ist nicht wahr. Der Körper kann normalerweise damit umgehen, solange du nicht über deinen Durst trinkst. Spätestens die Magensäure erhöht auch wieder die Osmolarität. Wenn du allerdings tagelang ohne Nahrung auf einem Floß im Meer treibst und durch den Schweiß viel Salz verlierst, kann es sein, dass du in eine Natriummangelsituation kommst, die durch das destillierte Wasser natürlich nicht behoben werden kann. Deswegen kann es nicht schaden, ein wenig Meerwasser wieder zum Destillat hinzuzugeben. Ob du jetzt frisches Meerwasser oder das Konzentrat nimmst, dürfte ziemlich egal sein. Nimm so viel, dass das Wasser leicht salzig schmeckt. Und der Katadyn Survivor entfernt ja ohnehin nicht alles Salz. Kopfschmerzen, Übelkeit, Zittern oder gar Krampfanfälle können auf einen Natriummangel hindeuten. In dem Fall solltest du vielleicht etwas mehr Meerwasser dazutun, aber bitte langsam steigern und nicht von jetzt auf gleich die Natriumzufuhr vervielfachen.

    Als Alternative zum Survivor kannst du natürlich versuchen, Regenwasser aufzufangen. Wenn du am Strand möglichst weit weg vom Meer gehst und da im Sand nach Wasser gräbst, soll das angeblich weniger Salz als das Meerwasser haben. Das habe ich aber selber noch nicht ausprobiert, wahrscheinlich hängt es damit zusammen, dass sich das Grundwasser mit dem Meerwasser vermischt. Dürfte also auch nicht überall funktionieren.

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    • berni71
      Musteruser
      Fuchs
      • 27.01.2005
      • 1612

      • Meine Reisen

      #3
      AW: Vom Meerwasser zum Trinkwasser?

      Zitat von Serienchiller Beitrag anzeigen
      Wenn du am Strand möglichst weit weg vom Meer gehst und da im Sand nach Wasser gräbst, soll das angeblich weniger Salz als das Meerwasser haben. Das habe ich aber selber noch nicht ausprobiert, wahrscheinlich hängt es damit zusammen, dass sich das Grundwasser mit dem Meerwasser vermischt. Dürfte also auch nicht überall funktionieren.
      Genial ist das auf Kreta am Sweetwater Beach. Da Kreta Karstgebiet ist, findet man auf weiten Strecken ums Verrecken kein Oberflächenwasser, aber auf Meereshöhe strömt das kalte klare Süßwasser nur so ins Meer.

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      • TSK
        Erfahren
        • 03.07.2011
        • 183

        • Meine Reisen

        #4
        AW: Vom Meerwasser zum Trinkwasser?

        Der Katadyn Survivor ist sehr teuer (wie wohl alle handbetriebenen Osmose-Geräte) in der prallen Sonne verbraucht man angeblich mehr Wasser durch Schwitzen beim betätigen des Gerätes, als man am Ende gewinnt.

        Und Wasserdampf auffangen ist verflucht viel Aufwand für wenig Wasser. Abgesehen, dass man dafür die geeigneten Gerätschaften (Topf mit Deckel, Schläuche etc.) und viel Feuerholz braucht. Auf einem Boot zündet sowieso niemand ein Lagerfeuer an.

        Es gibt ja auch diese Dinger, die die Sonne nutzen, um in 24h vielleicht ein halben Liter zu gewinnen. Gleiches bastelt man ja selber mit der Grube im Sand und Rettungsfolie drüber, um das Kondenswasser aufzufangen.

        Und diesen Plasiktütentrick, den man über eine Pflanze zieht und abbindet.

        ABER: Für größere Wassermassen ohne Aufwand ist das alles nicht wirklich praktikabel. Dauert zu lange. Zu teuer. Zu aufwändig.


        Ich frage mich, ob es noch irgendwo da draussen eine "bessere" Lösung dafür gibt, die ich noch nicht kenne.
        Was chemisches vielleicht? Elektrolyse? Per Einfrieren?
        Und dann am besten noch günstig und für die Hosentasche...

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        • BukitTimah
          Dauerbesucher
          • 14.08.2010
          • 995

          • Meine Reisen

          #5
          AW: Vom Meerwasser zum Trinkwasser?

          Grosse Mengen Trinkwasser aus Salzwasser billig und ohne Aufwand. Hoert sich an wie der sturmsichere Geodaetenbunker der unter 2 kg wiegt und auch nichts kostet. Was verstehst du unter Grossen Mengen? Fuers ueberleben auf der Rettungsinsel oder industriell zum Entsalzen in trockenen Gebieten?
          New Chinese wisdom: If it doesn't make sense, it's most probably right

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          • blue0711

            Alter Hase
            • 13.07.2009
            • 3621

            • Meine Reisen

            #6
            AW: Vom Meerwasser zum Trinkwasser?

            Umkehrosmose ist so ziemlich die effektivste Reinigungsmethode

            OT:
            Zitat von Serienchiller Beitrag anzeigen
            Das alte Märchen, dass man stirbt, wenn man destilliertes Wasser trinkt, ist nicht wahr. Der Körper kann normalerweise damit umgehen, solange du nicht über deinen Durst trinkst.
            Na, Vorsicht. Keiner fällt sofort tot um, aber entmineralisiertes Wasser führt recht schnell zu Magenblutungen. Die Demineralisierung im Körper ist auch nicht ohne. Schon bei Bergwasser kann es nach wenigen Tagen zu Kreislaufproblemen führen. Sind halt Langzeitfolgen.

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            • TSK
              Erfahren
              • 03.07.2011
              • 183

              • Meine Reisen

              #7
              AW: Vom Meerwasser zum Trinkwasser?

              Zitat von BukitTimah Beitrag anzeigen
              Was verstehst du unter Grossen Mengen?
              Tagesbedarf an Trinkwasser einer Person in ganz kurzer Zeit.

              Optimalerweise ein Verfahren, was so oder so ähnlich funktionert:
              Pille in die Flasche mit Salzwasser schmeissen, Salz fällt am Boden aus, Trinkwasser in wenigen Minuten vorhanden.

              Gibt es keine Chemiker hier, die uns erklären, warum es so etwas nicht längst gibt?

              Zitat von BukitTimah Beitrag anzeigen
              Hoert sich an wie der sturmsichere Geodaetenbunker der unter 2 kg wiegt und auch nichts kostet.
              nichts kostet war nicht die Rede. Aber halt nicht tausende von Euros, wie die Osmose-Geräte.

              Zitat von blue0711 Beitrag anzeigen
              OT: Na, Vorsicht. Keiner fällt sofort tot um, aber entmineralisiertes Wasser führt recht schnell zu Magenblutungen. Die Demineralisierung im Körper ist auch nicht ohne. Schon bei Bergwasser kann es nach wenigen Tagen zu Kreislaufproblemen führen. Sind halt Langzeitfolgen.
              Wikipedia sagt (Zitat): Destilliertes Wasser ist also erst in großer Menge gefährlich und nur dann, wenn auch über die Nahrung die dadurch fehlende Elektrolytmenge nicht ausgeglichen wird.

              Da man sich ne Hand voll Asche oder ein paar grüne Pflanzen allemal zuführen kann, sollte es auch langfristig kein Problem sein, ausser man befindet sich in der Wüste und schwitzt extrem viel aus, und schüttet wirklich SEHR viel Wasser nach.

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              • blue0711

                Alter Hase
                • 13.07.2009
                • 3621

                • Meine Reisen

                #8
                AW: Vom Meerwasser zum Trinkwasser?

                OT: Ich spreche in dem Fall aus eigener Erfahrung - hätt ich viellecht dazu sagen sollen.

                Die Magenblutungen sind offenbar keine mittelbare Folge, sondern unmittelbare durch das Wasser im Magen und wie gesagt reichen dazu auch 2-3 Tage Quellwasser in mineralienarmem Gebiet (Gebirge zB.). Mineralienzufuhr ergab bei mir sofortige Symptomauflösung.

                Die Stoffwechselprobleme lassen sich sicherlich durch Nahrung ausgleichen, aber auch da: Wer eher zurückhaltend mit Salz umgeht, kommt innerhalb weniger Tage in Schwierigkeiten, das sogar im Alltag bei Verwendung von sogenanntem Mineralwasser, das aber tatsächlich entmineralisierend wirkt (zB. Volvic).

                Meine Mädels wollten es mir auch nicht glauben und Mineralien-Zusätze schmecken ja doof. Ergebnis: Nach 2 Tagen plötzlicher Leistungseinbruch mit Kreislaufproblemen. Durch schlichte Mineralienzufuhr innerhalb kürzester Zeit behoben, daher seh ich den Zusammenhang als bewiesen an.

                Bei Volvic als Hauptwasserzufuhr ebenfalls nach etwa 1 Woche Leistungseinbruch und Kreislaufprobleme. Mineralienzufuhr und gut wars.

                Für die Zweifler:
                Alle drei "Probanden" haben 1A Blutwerte, keinerlei Kreislauf- oder Stoffwechselstörungen und auch sonst keine Krankheiten oder Empfindlichkeiten. Der unfreiwillige Volvic-Versuch fand im Alter von etwa 35 statt, die Magenblut-Geschichte im Alter von etwa 27 und die Kreislaufstörungen wurden gleichzeiig bei einer sportlichen 10jährigen und einer körperlich eher durchschnittlich belastbaren 45jährigen festgestellt.

                Ich sehe das aus diesen über Jahre verteilten gleichen Erfahrungen heraus als erwiesen an, bis mir jemand das Gegenteil mit handfesten Argumenten beweist


                Zum eigentlichen Thema:
                IMHO ist eine Handentsalzung von Meerwasser immer eine Notfallmaßnahme. Die Stoffwechselproblematik dürfte in solchen Fällen sekundär sein.
                Zumal in diesem Umfeld mit einer erhöhten Mineralienaufnahme durch die Nahrung zu rechnen ist.

                Nur sollte man sich im Klaren sein, dass es sehr wohl im Rahmen von wenigen Tagen unangenehme Folgen haben kann, wenn man sich ausschließlich mit demineralisiertem Wasser versorgt. Außerhalb von Notfällen sollt man das IMHO nicht vergessen.

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                • blue0711

                  Alter Hase
                  • 13.07.2009
                  • 3621

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: Vom Meerwasser zum Trinkwasser?

                  Zitat von TSK Beitrag anzeigen
                  Optimalerweise ein Verfahren, was so oder so ähnlich funktionert:
                  Pille in die Flasche mit Salzwasser schmeissen, Salz fällt am Boden aus, Trinkwasser in wenigen Minuten vorhanden.
                  Kann nicht funktionieren. Das widerspricht der Natur der Salze, die nunmal wasserlöslich sind. Erst, wenn Sättigung erreicht ist, fällt Salz aus, oder man entfernt es eben durch die gängigen Verfahren, die alle sehr aufwändig sind.

                  Kommentar


                  • Robiwahn
                    Fuchs
                    • 01.11.2004
                    • 2099

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: Vom Meerwasser zum Trinkwasser?

                    Zitat von TSK Beitrag anzeigen
                    ...
                    Ich frage mich, ob es noch irgendwo da draussen eine "bessere" Lösung dafür gibt, die ich noch nicht kenne.
                    Was chemisches vielleicht? Elektrolyse? Per Einfrieren?
                    Und dann am besten noch günstig und für die Hosentasche...
                    Diese Frage stellen sich auch einige Ingenieure, Techniker, Chemiker und Politiker in vielen Ländern dieser Erde, vor allem in wärmeren Gefilden, also v.a. dort, wo es wirklich nötig ist. Wo wir wieder bei der Aussage aus dem anderen Thread wären, das Wasserkonflikte in Zukunft für einige Länder sehr wahrscheinlich werden können. Aber was wirklich einfaches, wenig energieverbrauchendes ist bei allem konzentriertem Sachverstand noch nicht rausgekommen, scheint also wirklich nicht ganz banal zu sein.

                    Grüße, Robert
                    quien se apura, pierde el tiempo

                    Kommentar


                    • Wanderzwerg
                      Fuchs
                      • 09.07.2009
                      • 1200

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: Vom Meerwasser zum Trinkwasser?

                      Hallo!

                      Das widerspricht der Natur der Salze, die nunmal wasserlöslich sind.
                      Es gibt durchaus wasserunlösliche Salze, und das ausfällen wird durchaus bei amderen Stoffen angewendet. Unglücklicherweise ist NaCl eine sehr stabile Vernbindung, so daß es hier m. W. keine Möglichkeit gibt es auszufällen (zudem ja auch nichtnoch etwas anders möglicherweise giftiges geben darf, daß nachher in Lösung geht.

                      Bleibt Verdapfen/ Verdunsten mit anschließender Kondensation und Umkehrosmose.

                      Gruß
                      Zwerg

                      Kommentar


                      • LihofDirk
                        Freak

                        Liebt das Forum
                        • 15.02.2011
                        • 13449

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: Vom Meerwasser zum Trinkwasser?

                        Zitat von Wanderzwerg Beitrag anzeigen
                        Hallo!



                        Es gibt durchaus wasserunlösliche Salze, und das ausfällen wird durchaus bei amderen Stoffen angewendet. Unglücklicherweise ist NaCl eine sehr stabile Vernbindung, so daß es hier m. W. keine Möglichkeit gibt es auszufällen (zudem ja auch nichtnoch etwas anders möglicherweise giftiges geben darf, daß nachher in Lösung geht.
                        Wasserunlösliche Salze treten aber nicht als Verunreinigung in Wasser auf, stören insofern nicht bei der Trinkwasseraufbereitung.

                        Ausfällen bedeutet normalerweise, durch Zugabe einer anderen Substanz die Löslichkeit herabzusetzen. Man könnte also ein leichter lösliches Salz nehmen, irgendwann fällt das schwerer lösliche aus. In der Regel wird aber NaCl benutzt, um andere Salze auszufällen. Außerdem ist dann immer noch das Wasser salzig, nur anders. Fällen dient halt in der Regel dazu einen Wertstoff aus dem Lösungsmittel zu entfernen.

                        Eine Möglichkeit wäre noch das Ausfällen durch abkühlen, man kann das Salz also ausfrieren, ob das energetisch günstiger ist (vom Packmaß und Ausrüstungsgewicht nicht zu reden) als Verdampfen sei dahingestellt.

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                        • TSK
                          Erfahren
                          • 03.07.2011
                          • 183

                          • Meine Reisen

                          #13
                          AW: Vom Meerwasser zum Trinkwasser?

                          Das Thema ist NOCH deutlich interessanter, als ich zunächst dachte.

                          Augezeichneter Vortrag dazu von der ETH Zürich, der mir vor die Google-Flinte gelaufen kam:
                          e-collection.library.ethz.ch/eserv/eth:2576/eth-2576-08.pdf

                          Schade dass kein Autor angegeben ist, den Namen hätte ich mir gerne gemerkt für Fragen.
                          Zuletzt geändert von TSK; 14.05.2012, 20:14.

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                          • DTL
                            Erfahren
                            • 11.04.2011
                            • 156

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: Vom Meerwasser zum Trinkwasser?

                            Zitat von blue0711 Beitrag anzeigen
                            OT: Na, Vorsicht. Keiner fällt sofort tot um, aber entmineralisiertes Wasser führt recht schnell zu Magenblutungen.
                            OT: Du solltest vielleicht nicht von Dir und Deiner Familie auf alle anderen schließen. Ich glaube Dir zwar Deine Erfahrungen und dass es am Wasser gelegen hat. Aber das muss ja nun nicht jedem so gehen, sonst wären die Spitäler wohl voll mit magenblutenden Alpinisten...


                            Zitat von TSK Beitrag anzeigen
                            Pille in die Flasche mit Salzwasser schmeissen, Salz fällt am Boden aus, Trinkwasser in wenigen Minuten vorhanden.
                            Gibt es keine Chemiker hier, die uns erklären, warum es so etwas nicht längst gibt?
                            Aaaaalso....

                            Zitat von blue0711 Beitrag anzeigen
                            Kann nicht funktionieren. Das widerspricht der Natur der Salze, die nunmal wasserlöslich sind. Erst, wenn Sättigung erreicht ist, fällt Salz aus [...]
                            Pauschal nur bedingt richtig. Sättigung kann bei einigen Salzen schon im Milligramm/Liter Bereich liegen, entsprechend fallen diese dann aus, bzw. lösen sich gar nicht erst. Das Zauberwort heißt hier: Löslichkeitsprodukt
                            Man sollte natürlich nicht das umgangssprachliche "Salz" (= Kochsalz = NaCl) mit dem chemischen Begriff "Salz" (= ionische Verbindung) durcheinander werfen. Als Anschauungsbeispiel: Quecksilber(II)chlorid ist mit 74 g/L mittelmäßig gut in Wasser löslich und erwartungsgemäß giftig. Quecksilber(II)sulfid (landläufig als Zinnoberrot bekannt) ist so unslöslich in Wasser, dass man es einfach unverstoffwechselt wieder ausscheiden würde, und damit ungiftig.

                            Unglücklicherweise ist NaCl eine sehr stabile Vernbindung, so daß es hier m. W. keine Möglichkeit gibt es auszufällen (zudem ja auch nichtnoch etwas anders möglicherweise giftiges geben darf, daß nachher in Lösung geht.
                            Naja eben nicht... wenn es eine so sehr stabile Verbindung wär, dann würde sie nicht sofort vollst. dissoziieren und sich so gut in Wasser lösen sondern... genau: ausfallen. Der Grund ist ein anderer ... s.u.

                            Zitat von LihofDirk Beitrag anzeigen
                            Ausfällen bedeutet normalerweise, durch Zugabe einer anderen Substanz die Löslichkeit herabzusetzen. Man könnte also ein leichter lösliches Salz nehmen, irgendwann fällt das schwerer lösliche aus. In der Regel wird aber NaCl benutzt, um andere Salze auszufällen. Außerdem ist dann immer noch das Wasser salzig, nur anders. Fällen dient halt in der Regel dazu einen Wertstoff aus dem Lösungsmittel zu entfernen.
                            Eigentlich verhält es sich anders herum. Durch die Zugabe von Fremdionen wird die Löslichkeit eines schlecht löslichen Salzes erhöht. Hingegen durch die Zugabe von gleichen Ionen die Löslichkeit herabgesetzt. D.h. NaCl würde man nur zusetzen, wenn man Chloride eines anderen Metalls ausfällen wollte.

                            Das grundlegende Problem mit der "Wunderpille" - kennt jeder Chemiestudent im ersten oder zweiten Semester, der versucht Natrium anders als durch Flammfärbung nachzuweisen - ist, dass Natrium nahezu keine schwerlöslichen Verbindungen in Wasser eingeht. Ausnahmen mit: Magnesiumuranylacetat (ja genau uranyl wie in "Uran") oder Kaliumhexahydroxoantimonat. Beides keine wirklichen Alternativen zum anschließenden Genuss der verbleibenden Lösung als Trinkwasser.


                            Zitat von LihofDirk Beitrag anzeigen
                            Eine Möglichkeit wäre noch das Ausfällen durch abkühlen, man kann das Salz also ausfrieren, ob das energetisch günstiger ist (vom Packmaß und Ausrüstungsgewicht nicht zu reden) als Verdampfen sei dahingestellt.
                            Du sagst es selbst: es ist energetisch ungünstiger. Generell ist kühlen meist energetisch und maschinell aufwendiger als heizen. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass der Gefrierpunkt salzhaltigen Wassers noch um einige Grad herabgesetzt ist.

                            Umkehrosmose ist z.Z. der "State-of-the-Art" in Sachen Wasserentsalzung.

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                            • Gast-Avatar

                              #15
                              AW: Vom Meerwasser zum Trinkwasser?

                              Zitat von DTL Beitrag anzeigen
                              [OT]

                              Sättigung kann bei einigen Salzen schon im Milligramm/Liter Bereich liegen, entsprechend fallen diese dann aus, bzw. lösen sich gar nicht erst. Das Zauberwort heißt hier: Löslichkeitsprodukt
                              Man sollte natürlich nicht das umgangssprachliche "Salz" (= Kochsalz = NaCl) mit dem chemischen Begriff "Salz" (= ionische Verbindung) durcheinander werfen.
                              so pauschal kann das nicht gesagt werden weil stark temperaturabhängig.

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                              • DTL
                                Erfahren
                                • 11.04.2011
                                • 156

                                • Meine Reisen

                                #16
                                AW: Vom Meerwasser zum Trinkwasser?

                                Doch so pauschal kann man das sagen!

                                Natürlich ist Löslichkeit temperaturabhängig.

                                Dennoch liegt bei einigen Salzen die max. Löslichkeit im Milligrammbereich (und weit darunter), auch wenn man die Temperatur erhöht.

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                                • Gast-Avatar

                                  #17
                                  AW: Vom Meerwasser zum Trinkwasser?

                                  ok so gesehen natürlich. wollte deine ausführungen auch nicht kritisieren.

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                                  • themuck
                                    Erfahren
                                    • 04.09.2010
                                    • 154

                                    • Meine Reisen

                                    #18
                                    AW: Vom Meerwasser zum Trinkwasser?

                                    Zitat von TSK Beitrag anzeigen
                                    Das Thema ist NOCH deutlich interessanter, als ich zunächst dachte.

                                    Augezeichneter Vortrag dazu von der ETH Zürich, der mir vor die Google-Flinte gelaufen kam:
                                    e-collection.library.ethz.ch/eserv/eth:2576/eth-2576-08.pdf

                                    Schade dass kein Autor angegeben ist, den Namen hätte ich mir gerne gemerkt für Fragen.
                                    OT: Vielleicht hilft dir der Link weiter?


                                    Autor(en): Brüesch, Peter

                                    http://e-collection.library.ethz.ch/view/eth:2576

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                                    • Ingwer
                                      Alter Hase
                                      • 28.09.2011
                                      • 3237

                                      • Meine Reisen

                                      #19
                                      AW: Vom Meerwasser zum Trinkwasser?

                                      Hallo,

                                      ich möchte kein gefährliches Halbwissen in die Welt setzen, deswegen würde ich mich darüber freuen wenn mich jemand wissenschaftlich korregieren könnte falls mich meine Erinnerung trügt.

                                      Zum Thema Meerwasser & Trinkwasser möchte ich sagen, dass ich im Jahre 2005 im SoSe in der Vorlesung Physiologie für Mediziner saß und sich eines Tages die Vorlesung um das Thema Trinken&Salzhaushalt drehte. Es wurden die Mechanismen erklärt, wieso es destilliertes Wasser nicht so gut ist und wieso man auch kein Salzwasser trinken sollte. Ich erinnere mich so ziemlich an gar nichts mehr, aber eines ist mir noch sehr präsent. Der Dozent meinte, dass es für den menschlichen Körper schädlich ist, in normalen Umfang Salzwasser zu sich zu nehmen (weil dann irgendwelche Prozesse ablaufen, an die ich mich nicht mehr genau erinnere). Es ging irgendwie um irgendeinen Druck und einen Gradienten, der durch das Salz im Wasser erzeugt werden würde, der schlecht ist.
                                      Aber, er meinte auch, theoretisch wäre es möglich Salzwasser unbeschadet zu trinken, wenn man unglaublich viel davon trinken würde. Wie hoch die Menge war, das konnte er nicht sagen, er schätzte aber 12-15l die man täglich an Salzwasser trinken müßte. Es würde den Prozeß irgendwie umkehren, das habe ich noch in den Ohren. Mehr aber nicht
                                      Ich habe keine Ahnung wie man es schaffen sollte 15l Salzwasser am Tag runterzupumpen, und ich glaube auch schon deswegen ist Aussage so ziemlich unnütz für einen Survivaler.
                                      Aber vielleicht ist ja selbst jemand von euch Physiologie oder hat zu Hause einen Schmidt-Thewes(Thews?) zu Hause rumliegen und könnte mal nachschauen falls ihr Zeit habt und mein Halbwissen widerlegen.

                                      Grüße

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                                      • Serienchiller
                                        Fuchs
                                        • 03.10.2010
                                        • 1299

                                        • Meine Reisen

                                        #20
                                        AW: Vom Meerwasser zum Trinkwasser?

                                        Bin zwar kein Physiologe, aber Mediziner, der Physiologie immer interessant fand

                                        Erstmal grundsätzlich zur Funktion der Nieren: Die produzieren jeden Tag ungefähr 150 Liter (!) Primärharn. Das ist der Teil, der direkt aus dem Blut abgepresst wird. Wir würden sofort verdursten, wenn die Nieren nicht diesen Primärharn aufkonzentrieren und den größten Teil des Wassers wieder zurück in die Blutbahn führen würden. So bleiben am Ende ungefähr 1,5 Liter konzentrierter Harn. Normalerweise hat dieser Harn eine Osmolarität von 600-900 mosmol/l, das ist die Anzahl der gelösten Teilchen. Diese Zahl schwankt aber ziemlich stark, wenn man z.B. literweise Bier getrunken hat, ist die Osmolarität viel geringer, weil natürlich mehr Wasser ausgeschieden werden muss (das geht bis auf 50mosmol/l runter). Andersrum können die Nieren den Harn (theoretisch) maximal bis zu einer Osmolarität von 1200 mosmol/l aufkonzentrieren. Mehr geht auf keinen Fall.

                                        Jetzt schauen wir uns den Körper als ganzes an: Egal was du oben reingibst, unten kommen maximal 1200mosmol/l raus. Wenn das Wasser, das du trinkst, 1200mosmol/l hat, dann ist das (im besten Fall) ein Nullsummenspiel, du kannst kein Wasser mehr rausziehen, verlierst aber auch nichts. Trinkst du dagegen etwas mit einer Osmolarität von 600mosmol/l, so kannst du maximal die Hälfte des Wassers nutzen, den Rest scheidest du aus. Trinkst du eine Flüssigkeit mit 2400mosmol/l, verlierst du doppelt so viel Flüssigkeit, wie du trinkst.

                                        Meerwasser hat ungefähr 1200mosmol/l - es müsste also eigentlich egal sein, ob man es trinkt oder nicht. Tatsächlich erreicht dein Urin aber nicht immer die höchste Konzentration. Dazu kommt, dass es neben dem aufgenommenen Salz ja auch noch andere Substanzen gibt, die mit dem Harn ausgeschieden werden müssen und auch die spielen in die 1200mosmol/l mit rein, ein großer Teil des Salzes kann also nicht ausgeschieden werden. Das führt zu einer Hypernatriämie (zu viel Natrium im Blut) und letztlich zum Tod.

                                        Die Idee, dass man hier irgendetwas umkehren kann, finde ich nicht plausibel. Um den Urin aufzukonzentrieren gibt es Bereiche im Nierengewebe, in denen extrem viel Harnstoff abgelagert ist. In diesen Bereichen strömt dann das Wasser aus dem (noch verdünnten) Urin sozusagen ins Nierengewebe, um den Konzentrationsunterschied auszugleichen. Dadurch wird der Urin dann konzentriert. Mithilfe von Kochsalz lässt sich das nicht verbessern, wenn überhaupt, dann mit Harnstoff, aber auch das würde nicht ohne größere Umbauten in der Niere funktionieren, da sonst der abgelagerte Harnstoff einfach wieder abtransportiert werden würde.

                                        Unabhängig davon stirbt man so oder so, wenn man mehrere Liter Meerwasser trinkt. Wenn schon nicht am Wasserverlust, dann aber doch durch den Natriumüberschuss.

                                        Wenn du willst, kann ich aber auch nochmal meinen alten Professor (Nierenspezialist) fragen.

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