Foren zu Wandern in Deutschland

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  • Prachttaucher
    Freak

    Liebt das Forum
    • 21.01.2008
    • 11418

    • Meine Reisen

    #21
    AW: Foren zu Wandern in Deutschland

    Jein : Zum Sauerland habe ich nur schlechte Karten, die vom Vermessungsamt gibt es nicht mehr. Es würde viel Mühe machen sich den Wegeverlauf (wir reden hier von ca. 65 km die ich dort unterwegs war) dort genau anzusehen. Eine suboptimale Alternative ist da, den Track auf der OSM-Karte anzuschauen. Auch mühsam, weil nicht immer gut zu erkennen, welche Wegeform vorliegt - ist aber letztendlich das was ich nun immer machen werde. Eine kurze Info wäre wesentlich einfacher. Und das ist ja nur ein Beispielbereich, wo Infos nützlich sind.

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    • Enja
      Alter Hase
      • 18.08.2006
      • 4271

      • Meine Reisen

      #22
      AW: Foren zu Wandern in Deutschland

      Vertiefend könntest du noch Infos von dem Wanderverein einholen, der den Weg betreibt. Und vielleicht bei der Wilhelm-Münker-Stiftung?

      Ich lasse mir meist ein Info-Paket von der zuständigen Touri-Info kommen. Die sind meist gut versorgt. Oder vom Hotel/dem Camping-Platz, wo ich dort unterkomme. Bisher hat das immer geklappt.

      Wobei ich natürlich bei Wegen, die nicht in direkter Nachbarschaft liegen, eher die bekannteren nehme. Im eigenen Umfeld gehe ich schon eher mal auf Verdacht irgendwo wandern. Oder nutze auch diese Art Wanderbücher. Da ist der Flop nicht so schmerzhaft, wenn es nicht besonders gefällt, ist man schnell wieder zu Hause.

      Informationen über den Weg-Belag finde ich eher in Wanderführern und auf Karten als in Berichten. Und wirklich zuverlässig ist das selten. Wechselt ja auch jahreszeitlich. Wo man im Sommer gemütlich wandern kann, braucht man vielleicht im Frühjahr zur Schneeschmelze ein Boot. Und wie attraktiv das gefunden wird, ist sehr subjektiv. Was dem einen sin Uhl, ist dem annern sin Nachtigal.

      Genau aus diesem Grund lese ich übrigens so gerne Berichte über Touren, die ich selber auch gemacht habe. Wegen der völlig verschiedenen Sichtweisen. Bei völlig verschiedenen Wetterbedingungen.

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      • Prachttaucher
        Freak

        Liebt das Forum
        • 21.01.2008
        • 11418

        • Meine Reisen

        #23
        AW: Foren zu Wandern in Deutschland

        Im Zweifelsfall bekannte Wege zu nehmen ist sicher nicht verkehrt.

        Ich hatte ja von unserem Fachmann (Bobster) den Tip bekommen mehr auf "Qualitätswege" zu achten. Hier kann man sich die Kriterien dazu genauer ansehen (im pdf). Das erscheint mir zwar in manchen Bereichen großzügig ausgelegt zu sein und auch viel Raum für Merkwürdigkeiten zu lassen (da legen wir den Weg so, daß noch eine Kirche vor kommt und wir bekommen einen Punkt mehr - Asphaltanteil geht dann noch gerade...), ist aber schonmal ein Schritt zu schöneren Wegen.

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        • blauloke

          Lebt im Forum
          • 22.08.2008
          • 6159

          • Meine Reisen

          #24
          AW: Foren zu Wandern in Deutschland

          Zitat von Prachttaucher Beitrag anzeigen
          Eine suboptimale Alternative ist da, den Track auf der OSM-Karte anzuschauen. Auch mühsam, weil nicht immer gut zu erkennen, welche Wegeform vorliegt - ist aber letztendlich das was ich nun immer machen werde.
          Kennst du die Reit- Wanderkarte?
          Schau mal da in die Legende, dort sind die Wege nach ihrer Beschaffenheit aufgegliedert.
          Die Karte kommt dadurch etwas "bunt" daher, sollte aber deinen Ansprüchen genügen. Du kannst auch eigene Routen zusammenstellen und die Tracks dann herunter laden, bzw auch von fertigen Wegen.
          Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

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          • Igelstroem
            Fuchs
            • 30.01.2013
            • 1446

            • Meine Reisen

            #25
            AW: Foren zu Wandern in Deutschland

            Zitat von Prachttaucher Beitrag anzeigen
            Im Zweifelsfall bekannte Wege zu nehmen ist sicher nicht verkehrt.

            Ich hatte ja von unserem Fachmann (Bobster) den Tip bekommen mehr auf "Qualitätswege" zu achten. Hier kann man sich die Kriterien dazu genauer ansehen (im pdf).
            Ich gestehe, dass ich es nicht schaffe, einen Text wie den verlinkten zu Ende zu lesen. Wahrscheinlich leben wir irgendwie auf verschiedenen Planeten. Andererseits hat mich die Diskussion hier im Thread inspiriert; werde also demnächst mal einen Thread zum nördlichen Brandenburg eröffnen, in dem ich dann später selbst nachschlagen kann, falls mir was entfallen ist.

            OT: Hier noch eine faulige Lesefrucht von der Wanderbares-Deutschland-Website:

            »Wer einmal in einer Qualitätsregion unterwegs war, für den wird das Logo Qualitätsregion Wanderbares Deutschland bei der Wahl seiner Urlaubsregion zum ›Muss‹.«

            Auf so einen mordsdämlichen Gedanken muss man ja erst einmal kommen. Ich würde mich zu Tode schämen, wenn ich meinen Lebensunterhalt mit dem Formulieren solcher Sätze verdienen müsste. Im vorliegenden Fall kann man dem Betreiber zugutehalten, dass seine Texte vermutlich von einem ›Kreativprogramm‹ geschrieben werden, das nur Textbausteine kombiniert; den Umgang mit diesem Programm lernt man dann im Bachelor-Studiengang Tourismusmarketing.
            Zuletzt geändert von Igelstroem; 15.10.2014, 22:26.
            Lebe Deine Albträume und irre umher

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            • Prachttaucher
              Freak

              Liebt das Forum
              • 21.01.2008
              • 11418

              • Meine Reisen

              #26
              AW: Foren zu Wandern in Deutschland

              Zitat von blauloke Beitrag anzeigen
              Kennst du die Reit- Wanderkarte?
              Schau mal da in die Legende, dort sind die Wege nach ihrer Beschaffenheit aufgegliedert.
              Die Karte kommt dadurch etwas "bunt" daher, sollte aber deinen Ansprüchen genügen. Du kannst auch eigene Routen zusammenstellen und die Tracks dann herunter laden, bzw auch von fertigen Wegen.
              Ja, mit der arbeite ich. Das Erstellen eigener Tracks geht damit auch toll, da sieht man genau welchen Wegetyp man benutzt. Bei einem fertigen Track finde ich es zumindest mit Mapsource schwieriger, weil die Trackanzeige (auch bei transparent) den Wegetyp mehr oder weniger überlagert. Bei langen Strecken verliere ich auch schnell den Überblick : War das jetzt viel oder wenig Asphalt ? Toll wäre ein Programm, das eine automatische Analyse durchführt !


              Zitat von Igelstroem Beitrag anzeigen
              Ich gestehe, dass ich es nicht schaffe, einen Text wie den verlinkten zu Ende zu lesen. Wahrscheinlich leben wir irgendwie auf verschiedenen Planeten. Andererseits hat mich die Diskussion hier im Thread inspiriert; werde also demnächst mal einen Thread zum nördlichen Brandenburg eröffnen, in dem ich dann später selbst nachschlagen kann, falls mir was entfallen ist.

              OT: Hier noch eine faulige Lesefrucht von der Wanderbares-Deutschland-Website:

              »Wer einmal in einer Qualitätsregion unterwegs war, für den wird das Logo Qualitätsregion Wanderbares Deutschland bei der Wahl seiner Urlaubsregion zum ›Muss‹.«

              Auf so einen mordsdämlichen Gedanken muss man ja erst einmal kommen. Ich würde mich zu Tode schämen, wenn ich meinen Lebensunterhalt mit dem Formulieren solcher Sätze verdienen müsste. Im vorliegenden Fall kann man dem Betreiber zugutehalten, dass seine Texte vermutlich von einem ›Kreativprogramm‹ geschrieben werden, das nur Textbausteine kombiniert; den Umgang mit diesem Programm lernt man dann im Bachelor-Studiengang Tourismusmarketing.
              Es ging mir wirklich nur um das pdf-File mit den Kriterien. Diesen Ansatz finde ich zumindest interessant. Daß aber z.B. bis 20 % der Gesamtstrecke aus "Verbunddecke" bestehen darf, finde ich z.B. zu hoch.

              Würde ich übrigens in einer Region leben, wo ich von der Haustüre oder in der Nähe loslaufen könnte, wäre ich sicher auch so unterwegs wie Du. Wanderungen in ferneren Regionen mit langer Anreise, daher knappem Zeitplan und vielleicht nur schlechten Anschlüssen werden durch vorhandene Wege oder alternativ vorgeplante Routen erst praktikabel durchführbar, zumindest wenn man einen bestimmten Zug für die Rückfahrt erreichen möchte (meine ich).
              Zuletzt geändert von Prachttaucher; 16.10.2014, 15:20.

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              • Enja
                Alter Hase
                • 18.08.2006
                • 4271

                • Meine Reisen

                #27
                AW: Foren zu Wandern in Deutschland

                Bei unseren Sauerland-Touren handelt es sich um 1-3 Tagestouren. Am ersten Tag ist naturgemäß Ab- und am letzten Heimreise. Das sind lange Tage. Und viel Reserve für Ortskenntnis erweiternde Umwege ist da nicht. Ich habe es gern, wenn pünktlich die Bushaltestelle oder was auch immer in Sicht kommt. Und plane diese Unternehmungen sehr akribisch.

                Natürlich ist es schöner ohne Zeitlimit einfach loszulaufen. Aber das geht nur begrenzt.

                Den Marketing-Kram überlese ich mühelos. Infos muss man sich halt erarbeiten.

                Beim Rothaarsteig habe ich oft bestaunt, wie sich "der Steig" neben der Forstautobahn durchs Gebüsch schlängelt. Jetzt habe ich verstanden, warum er das tut. Die Schlange war für uns bisher nur selten begehbar, da fast durchgängig völlig versumpft oder bis zur Unkenntlichkeit beschneit.

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                • Prachttaucher
                  Freak

                  Liebt das Forum
                  • 21.01.2008
                  • 11418

                  • Meine Reisen

                  #28
                  AW: Foren zu Wandern in Deutschland

                  @Enja : Da machen wir sehr ähnliche Touren.

                  @Igelstroem : Der Westweg ist übrigens sogar ein Prädikatsweg wobei mir nicht so klar ist, ob das nur eine andere Bezeichnung für Qualitätsweg ist.

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                  • kroessebastian

                    Gerne im Forum
                    • 16.10.2014
                    • 79

                    • Meine Reisen

                    #29
                    AW: Foren zu Wandern in Deutschland

                    Hallo!

                    Im Wanderforum sind leider nicht viele User Aktiv.

                    Habe dort schon 2 Strecken aus OWL eingestellt, aber ich würde mich auch hier für einen extra Bereich für "Spaziergänger" freuen, da man auch als solcher von vielen Tipps hier im Forum profitieren kann.

                    Gruß

                    Sebastian

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                    • Igelstroem
                      Fuchs
                      • 30.01.2013
                      • 1446

                      • Meine Reisen

                      #30
                      AW: Foren zu Wandern in Deutschland

                      @Prachttaucher: Danke für die (angemessen spitze) Antwort. Der Westweg ist ein Prädikatsweg, und auch in Mecklenburg war ich auf einem markierten Wanderweg unterwegs. Ich habe auch nichts dagegen, dass es markierte Wanderwege gibt in dem Sinne, dass irgendjemand schon mal für Andere den angenehmeren Weg herausgesucht hat.

                      Was ich an der sogenannten Qualitätsoffensive enorm provozierend finde, ist der sprachlich ganz unverblümte Versuch, das Wandern auf das Niveau eines Erlebniskonsumprogramms zu bringen, dessen Wertschöpfung maximiert werden kann.

                      Letzteren Aspekt kann man sehr schön an dem System der Unterkunftszertifizierung erkennen. Ich habe das mal für den Burgenweg im südlichen Brandenburg und für den Märkischen Landweg untersucht. Die zertifizierten Gastgeber sind alle zu teuer; als Berliner könnte man für diesen Preis abends mit dem Taxi zum nächsten Bahnhof fahren, zuhause schlafen und morgens wieder rausfahren. Das Gastgeberzertifikat ist also praktisch ein Ausschlusskriterium, und bei der Suche nach alternativen Übernachtungsmöglichkeiten (Campingplätze oder einfachstes Zimmer mit Duschmöglichkeit) ist die Qualitätsoffensive keine Hilfe.

                      Durch die Qualitätsoffensive wird allerdings auf den Punkt gebracht, dass es verschiedene ›Herangehensweisen‹ an das Wandern gibt.

                      Die Eckpunkte eines Gegenmodells sind die folgenden: Jeder Weg, den man zu Fuß gehen kann, ist ein möglicher Wanderweg. Es kommt nicht auf Erlebnisorganisation an, sondern auf die Durchlässigkeit jeder Landschaft für die nichtmotorisierte Bewegung. Typische Planungsinstrumente sind dann OSM, komoot und topografische Karten. Camping- und Biwakplätze, Schutzhütten und in manchen Gegenden auch Wanderheime, bewirtschaftete Hütten etc. sind mögliche Übernachtungsplätze – oder man schläft irgendwo im Freien. Die Wertschöpfung bei diesem Modell ist natürlich geringer, auch wenn man sie nicht zwanghaft minimiert (indem man zum Beispiel einen Bogen um Einkehrmöglichkeiten macht). Zu den Reizen für mich gehört aber, dass man prinzipiell auf diese Weise unterwegs sein kann, ohne signifikant mehr Geld auszugeben als zuhause.

                      Das Tourismusmarketing kann mit dieser Intention natürlich nichts anfangen und suggeriert lieber, dass der moderne Wanderer eben anspruchsvoll und erlebnishungrig ist; dann kann man ihn an die Leine nehmen und so behandeln, wie man Konsumenten sonst auch zu behandeln pflegt. Und die Qualitätswege, wie sie jetzt präsentiert werden, sind eine solche Leine – auch wenn das ›Suchen eines Weges für jemand anderen‹ als solches verdienstvoll sein kann. Den Westweg gibt es ja schon lange. Früher hätte man sich aber wohl gewundert, wenn jemand gesagt hätte, er steigere die Wettbewerbsfähigkeit des Schwarzwaldes.
                      Lebe Deine Albträume und irre umher

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                      • Prachttaucher
                        Freak

                        Liebt das Forum
                        • 21.01.2008
                        • 11418

                        • Meine Reisen

                        #31
                        AW: Foren zu Wandern in Deutschland

                        Eigentlich bin ich mit Dir vollkommen einer Meinung. Mich stört auch sehr, daß die Wege auf biegen und brechen durch Orte mit Übernachtungsmöglichkeiten durchgeführt werden - einen darauf angewiesenen Wanderer sicher nicht. Da hatte ich mich schon mal gefragt (war der Hünenweg) : Wofür bin ich jetzt eigentlich soviel Asphalt abgelaufen und dann noch durch ein endloses Neubaugebiet. Eine entsprechende Abänderung des Weges mache ich deshalb schon oft.

                        Auf der anderen Seite habe ich auch unter den neueren Wegen schöne gefunden, z.B. die Waldroute. Die bin ich allerdings auch erst gelaufen, nachdem sich jemand hier im Forum sehr positiv geäußert hat. Diese ganzen Sprüche wie "Zauberhaft mystisch und immer anders", "Nur Fliegen ist schöner", "Weg der Sinne" finde ich dann aber auch eher zum

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                        • lina
                          Freak

                          Vorstand
                          Liebt das Forum
                          • 12.07.2008
                          • 37522

                          • Meine Reisen

                          #32
                          AW: Foren zu Wandern in Deutschland

                          Wobei ich das Tourismusmarketing auch irgendwie verstehen kann.
                          Man nehme z.B. Teilgebiete im Harz. Neulich fuhr ich da entlang, sah Gebäude/Hotels etc. in diversen Verfallstufen und am Ortsausgang ein Gruß-Schild. Noch im Nachhang des eben Gesehenen las mein Kopf: "Besuchen Sie uns bitte nie wieder". Etwas irritiert schaute ich nochmal genauer hin, und da stand natürlich "Besuchen Sie uns gerne bald wieder" (oder so ähnlich) ...

                          An den Übernachtungsmöglichkeiten (auch für die Gepäcktransport-Wanderer) muss schon etwas verbessert werden. Die Zelter sind eben keine Zielgruppe (oder jedenfalls nicht auf den ersten Blick, ein Sprecher in einer neulich zufällig gesehene TV-Sendung über den Pfälzer Wald vertrat zum Glück schon mal eine andere Meinung).

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                          • Prachttaucher
                            Freak

                            Liebt das Forum
                            • 21.01.2008
                            • 11418

                            • Meine Reisen

                            #33
                            AW: Foren zu Wandern in Deutschland

                            Das stimmt. Die Touren die ich früher zu zweit gemacht habe und wo es mit Pension/ Hotel sein mußte, habe ich meist in sehr schlechter Erinnerung. Die Übernachtungen in halb zerfallenen Quartieren (eins in Buntebock/ Harz) hatte da schon wieder was. Meistens ältere Inhaber, die sich noch an die guten alten Zeiten erinnerten und kurz vor der Schließung standen.

                            Zumindest beim Einkehren lasse ich ja schon etwas Geld dort und natürlich auch durch An-und Abreise, soweit mal ein Bus dabei ist.

                            Um nochmal eine Lanze für die Qualitäts-, Prädikats-, Premium- oder was auch immer zu brechen. Als ich neulich wegen der Asphaltlast am Verzweifeln war folgte ein Blick auf die Karte : Ah ja in einigen km kommt eine Zuwegung zum Rothaarsteig. Normalerweise bin ich ja völlig auf aufgespielte Tracks angewiesen. In dem Fall war das wirklich narrensicher. Mit Karte und Beschilderung konnte ich das Gerät getrost wegstecken. Nicht daß der Rothaarsteig zu den schönsten Wegen gehört, die ich kenne - z.B. die Wiederaufforstung der Kyrillflächen mit Christbäumen trägt bestimmt nicht zur Attraktivität bei - aber in dem Fall konnte ich so meine Wanderung passabel weiterführen, am Schluß gepflegt einen Kaffee auf dem Kahlen Asten einnehmen und zufrieden wieder abreisen.

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                            • Igelstroem
                              Fuchs
                              • 30.01.2013
                              • 1446

                              • Meine Reisen

                              #34
                              AW: Foren zu Wandern in Deutschland

                              Ich muss ja das Tourismusmarketing nicht verantworten und habe so was auch nicht studiert. Für meine eigene Region bzw. für Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern könnte ich mir aber, wenn ich diese Perspektive einnehme, auch eine Strategie vorstellen, die nicht auf ein Mittelschichtspublikum und auf kurzfristige Wertschöpfungsmaximierung zielt.

                              Vorüberlegung: Die genannten Regionen sind Abwanderungsregionen und gehören schon heute zu den am dünnsten besiedelten Gegenden Deutschlands. Die Landschaft gilt als unspektakulär, hat aber gleichwohl emotionales Bindungspotential.

                              Weitere Überlegung: Im Großraum Berlin leben Hunderttausende von jungen Menschen mit begrenztem Reisebudget, und die Low-budget-Wanderer von heute sind die Familienurlauber und Zuzügler von morgen.

                              Man könnte also die entsprechenden Regionen auch abseits der bereits vorhandenen touristischen Zentren (Müritz-Nationalpark) systematisch als Low-budget-Wanderregionen vermarkten. Und zwar mit relativ geringem infrastrukturellem Aufwand.

                              Man macht also Folgendes:
                              – Ausweisung von kommunalen Biwakplätzen auf niedrigstem infrastrukturellem Level (sozusagen nur als Erleichterung und Steuerung des in Mecklenburg-Vorpommern unter bestimmten Bedingungen zulässigen Zeltens abseits von Campingplätzen);
                              – Ausweisung von getesteten Routenvorschlägen in einer topografischen Karte (ohne Markierung in der Landschaft, d.h. es geht nur um die Erleichterung der Routenfindung für Kartenbenutzer – elektronisch und auf Papier);
                              – Verzeichnis von billigen Unterkünften, privaten Biwakplätzen, Einkehrmöglichkeiten etc.;
                              – nutzungsoptimiertes Verzeichnis von Verkehrsverbindungen verschiedener Anbieter;
                              – Informationsportal im Internet, auf dem evtl. auch Reiseberichte geschrieben werden können. Nützlich wäre hier z.B. auch eine ausführliche und systematische Anknüpfung an die Geschichte und naturräumliche Eigenart der Region, die sich nicht nur auf einzelne Sehenswürdigkeiten konzentriert.
                              Zuletzt geändert von Igelstroem; 16.10.2014, 17:05.
                              Lebe Deine Albträume und irre umher

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                              • Enja
                                Alter Hase
                                • 18.08.2006
                                • 4271

                                • Meine Reisen

                                #35
                                AW: Foren zu Wandern in Deutschland

                                Warum sollte man das tun?

                                Um viele Wanderer anzulocken, die in der erklärten Absicht kommen, möglichst keinen Cent auszugeben aber die Gegend belasten?

                                Damit die später mal wiederkommen (in einer Lebensphase, in der sie nicht mehr zum Konzept passen und mit dem Angebot voraussichtlich unzufrieden sein werden)?

                                Oder dort hinziehen?

                                Dein Konzept halte ich eher für eine Art Fremdenverkehrseinsteigermodell. Kostet erst einmal nicht die Welt. Und vielleicht entwickelt sich was. Oder ein Konzept, dass man ehrenamtlich betreiben könnte. Ein Wanderverein. Oder ODS. Oder was weiß ich, wer.

                                Ich bin zum Beispiel dankbar dafür, dass viele Campingplätze von Dauercampern am Leben gehalten werden. Weil sie von den drei Wanderern/Radlern pro Woche, die dort auflaufen, nicht leben können. Wir sind doch eher die Trittbrettfahrer des Fremdenverkehrs. Erwarten Infrastruktur, aber wollen sie nicht bezahlen.

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                                • Igelstroem
                                  Fuchs
                                  • 30.01.2013
                                  • 1446

                                  • Meine Reisen

                                  #36
                                  AW: Foren zu Wandern in Deutschland

                                  @Enja: Ich versuche mal, Deine Position so zusammenzufassen, wie ich sie (bösartigstenfalls) verstehe:

                                  (1) Wenn man die Rendite nicht zuverlässig ausrechnen kann, sollte man es nicht machen (sondern sich bei der Tourismusförderung an Maßnahmen mit kalkulierbarer Rendite halten).

                                  (2) Wandern wird entweder kommerzialisiert oder bleibt eine parasitäre Tätigkeit. (Insofern bringt zum Beispiel die ›Qualitätsoffensive‹ das Wandern erst ins ökonomische und moralische Gleichgewicht.)


                                  Sicher eine Karikatur. Ich markiere das nicht als OT, weil ich glaube, dass wir uns hier tatsächlich über das Wandern austauschen. Zwar nicht über bestimmte Wege, aber über Denk- und Verhaltensmodelle. Mich interessiert ja immer, was in den tausend anderen Köpfen des Forums so vorgeht.
                                  Lebe Deine Albträume und irre umher

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                                  • Torres
                                    Freak

                                    Liebt das Forum
                                    • 16.08.2008
                                    • 26780

                                    • Meine Reisen

                                    #37
                                    AW: Foren zu Wandern in Deutschland

                                    Den Beitrag finde ich wirklich bösartig. Tourismusförderung einer Region hat die Aufgabe und das Ziel, die Wirtschaftskraft einer Region zu steigern. Dafür wird sie bezahlt und unterstützt.

                                    Nun ist es sicherlich ein netter Ansatz, wie von und gefordert, eine Infrastruktur für Outdoorer zu errichten, die höchstmögliche Freiheit ermöglicht.
                                    Gleichzeitig ist es aber immer der Spagat, dass es gerade in strukturschwachen Gebieten den Ansässigen schwer zu vermitteln ist, wieso ihnen die sowieso schon teils prekäre Existenz mit all den deutschen Auflagen, Kosten und Regularien durch low budget Angebote ohne diese Regularien abspenstig gemacht wird. Viele Hotels sind ja nicht heruntergekommen, weil man Touristen ärgern will, sondern weil das Geld nicht reicht. Sinn von Tourismusmarketing ist, Wege zu vermarkten, in der Hoffnung, ein zahlungskräftiges Publikum anzuziehen.

                                    Funktionieren kann also ein alternativer Ansatz nur, wenn auch die Leute vor Ort davon profitieren und nicht noch Kaufkraft entzogen wird, indem der gutverdienende Sparfuchs zwar die Annehmlichkeiten nutzt, aber keinerlei Beitrag für den Erhslt der Infrastruktur leistet (und dazu gehört eben auch: Erhalt der Wege, Müll, Abwaser etcetc).
                                    "Oft habe ich die Welt durchwandert, und habe immer gesehen, wie das Grosse am Kleinlichen scheitert, und das Edle von dem ätzenden Gift des Alltäglichen zerfressen wird."... Hg. B. Tauchnitz: E. v. Arnim, The Princess Priscilla´s Fortnight, 1906, archive.org.

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                                    • Prachttaucher
                                      Freak

                                      Liebt das Forum
                                      • 21.01.2008
                                      • 11418

                                      • Meine Reisen

                                      #38
                                      AW: Foren zu Wandern in Deutschland

                                      Mal ein Beispiel für den kommerziellen Nutzen eines Wanderweges : Nahe Hilchenbach findet sich "Helmuts Rothaarhütte". Ohne den Rothaarsteig würde es die sicher nicht geben und der Wanderer der den (auch dort verlaufenden) eher unbekannten Wilhelm Münker Weg geht, müßte auf den Genuß der sauerländischen Würste verzichten. Für mich ist das eigentlich eine "win win Situation".

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                                      • Torres
                                        Freak

                                        Liebt das Forum
                                        • 16.08.2008
                                        • 26780

                                        • Meine Reisen

                                        #39
                                        AW: Foren zu Wandern in Deutschland

                                        Genau. Das Sauerland vermarktet die Region übrigens sehr gut. Der Weg der Sinne und die damit verbundene Infrastruktur hat mich damals als Neuwanderer in die Region gelockt. Das gebe ich offen zu.
                                        Auch in England ist das Marketing übrigens nicht anders. Das Organisieren des Gepäcks auf den bekannten Wanderwegen zieht viele Wanderer an, die dann die Gastronomie und die Unterkünfte am Weg nutzen. Auch das ist winwin.
                                        "Oft habe ich die Welt durchwandert, und habe immer gesehen, wie das Grosse am Kleinlichen scheitert, und das Edle von dem ätzenden Gift des Alltäglichen zerfressen wird."... Hg. B. Tauchnitz: E. v. Arnim, The Princess Priscilla´s Fortnight, 1906, archive.org.

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                                        • kroessebastian

                                          Gerne im Forum
                                          • 16.10.2014
                                          • 79

                                          • Meine Reisen

                                          #40
                                          AW: Foren zu Wandern in Deutschland

                                          Ich finde es manchmal nur etwas schade, dass bei uns hier in OWL teilweise der Eindruck entsteht, dass alte Wanderwege wie der Eggeweg (seit 1900 als Wanderweg ausgewiesen) nicht gestärkt werden, dafür dann aber neue Wege ausgedacht werden, die dann einen ganz tollen Namen bekommen und die letztendlich schlechter zu gehen sind als die schon lange bestehenden Pfade.

                                          Premiumwanderweg etc, hat übrigens viel mit der Wegebeschaffenheit zu tun, da müssen so und so viel Prozent Naturwege enthalten sein und dürfen auch nur wenige Meter Asphaltstrecke am Stück enthalten sein.

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