Deutscher Wald - Quo Vadis

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  • Intihuitana
    Fuchs
    • 19.06.2014
    • 1651

    • Meine Reisen

    Deutscher Wald - Quo Vadis

    Jeder der in den letzten 2 Jahren in den Mittelgebirgen unterwegs war oder dort wohnt, für den sind dieser Bilder leider mitlerweile vertrauter Alltag.







    Riesige Flächen einstmals starker und gesunder Fichten, stehen vertrocknet und kahl in der Landschaft herum, Kahlschläge so groß wie ich sie seit Kyrillzeiten nicht mehr gesehen habe, der gesamte Waldboden zerfurcht und vernichtet von den Harvesterfahrrinnen und ein LKW nach dem anderen die mit vollbeladenen Holzcontainern auf dem Weg nach Rotterdam oder Bremerhaven sind.
    Nach drei viel zu trockenen Jahren ist das Fichtensterben in vollem Gange. In manchen Regionen hat es praktisch alle Bäume erwischt. Ein Trauerspiel.
    Aber auch andere Bäume leider unter der anhaltenden Trockenheit. Wenn ich durch die Wälder hier im bergischen Land in der Region gehe sehe ich alte Buchen die es nicht mehr schaffen, immer mehr Eichen haben extrem lichte Kronen, einige sind bereits abgestorben. Auf einigen exponierteren felsigen Südhängen hat es ganze Vogelbeerunterhölze weggerrafft. Beim Besenginster ebenfalls und bei den Heidelbeeren sieht man manchmal komplette Flächen von abgestorbenen Trieben. Der Wurzelstock scheint aber noch intakt zu sein und wird wohl nächstes Jahr wieder austreiben.
    Ganz schlimm hat es auch den Hollunder erwischt.
    Waren in diesem Frühsommer noch die Sträucher voller Blüten und ich habe mich im Herbst gefreut die Hollunderweinproduktion meines Leben zu machen, aber nix da. Etliche Hollunderhecken sind völlig weggetrocknet. Hier scheinen die Hauptstämme und ein zwei mickrige Triebe aber zumeist überlebt zu haben und vielleicht fangen sie sich in den nächsten Jahren ja wieder, wenn es genug regnen sollte.
    Von den Eschen, die ja schon seit Jahren langsam durch das Triebsterben krepieren wollen wir gar nicht mehr reden.

    Oft hat man über die Fichtenmonokulturen geschimpft, von wegen Standortfremd und so weiter aber irgendwie fehlen sie mir jetzt doch, seit sie weg sind. Nicht nur waren sie oft gute Pilzwälder, aber sie haben auch den Waldboden gekühlt und feucht gehalten. Jetzt auf den großen Kahlflächen wird die Austrocknung nur noch schneller von statten gehen vermute ich mal.
    Und im November bei dichtem Nebel oder im Schnee sahen die etwas älteren Fichtenwälder auch richtig hübsch aus.
    Und dann ist da natürlich noch der wirtschaftliche Aspekt. Holz hat praktisch keinen Wert mehr und wird nach China verscherbelt. Das kann man den Waldbesitzern nicht verübeln, die müssen ja auch von etwas leben, aber was macht man in einigen Jahren wenn alles weggekarrt ist und nach wie vor Bauholz gebraucht wird?

    Und dann ist da natürlich noch die große Frage, wie geht es weiter? Wie sieht der Wald der Zukunft aus? Mit was sollen die riesigen Kahlschläge jetzt bepflanzt werden? Oder sollen sie einfach gar nicht bepflanzt werden und sollen wir die Natur verjüngen lassen? Auf den Wiebke oder Kyrillflächen, die sich selbst überlassen wurden haben sich teilweise wieder schöne Jungwälder entwickelt. Aber wie sorgt man dafür dass was anderes als Birke, Kiefer und Vogelbeere dort raus kommen kann bei der extrem hohen Wilddichte?
    Und das wird dann auch ziemlich teuer, ein Dachstuhl aus Birkenmultiplex.
    Fragen über Fragen.

    Ich habe daher das Thema hier eröffnet. Wie ist die Situation bei euch, was beobachtet ihr? Wie geht es also weiter mit den Wäldern hier zu lande und was ist Zukunft? Wir haben hier ja auch sicher Waldbesitzer, Förster oder Forstarbeiter, Biologen.
    Russian Roulette is not the same without a gun. - Lady Gaga

  • Baciu
    Dauerbesucher
    • 18.07.2013
    • 961

    • Meine Reisen

    #2
    AW: Deutscher Wald - Quo Vadis

    Na hier im Südschwarzwald scheint man optimistisch zu sein.



    Ich teile diesen Optimismus nicht...

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    • woodcutter
      Dauerbesucher
      • 13.11.2011
      • 598

      • Meine Reisen

      #3
      AW: Deutscher Wald - Quo Vadis

      Zitat von Intihuitana Beitrag anzeigen
      ...Wie geht es also weiter mit den Wäldern hier zu lande und was ist Zukunft?
      Sich breiter aufstellen. Und zusammentun.

      Privat beziehen wir seit Wechsel von Scheitholz auf Pellets unsere Ware hier, wegen Ökobilanz/langer Anfahrt bestelle ich nur noch alle zwei Jahre die Spedition und lagere ein. Funktioniert ohne wie mit Genossenschaftsmitgliedschaft:
      https://www.biomassehof.de/

      Dort lese ich immer nach wohin die Reise geht, Pflanzenkohle, sehr spannend.

      Wir hängen an Fernwärme, halte ich für städtische Energieversorger/Müllverbrennungsanlagen für durchaus zukunftsfähig, trotzdem können wir als Verbraucher ein Stück weit steuern, was wir woher an Holz u. Holzabfallprodukten konsumieren. Lifestyle/Möbel ist das eine, der Energiebedarf für ganze Landstriche das andere, die Holzindustrie soll von mir aus ihr CO2 Argument überstrapazieren, Hauptsache sie tun was und bleiben im Spiel. Die Bambusindustrie hat sich auch mit ihren Abfallprodukten ihre Nische aufgebaut, aus deren Fehlern sollte man lernen, Stichwort cradle to cradle.

      Schulen sollten ihren Wald-Wandertag verpflichtend machen... o.k., o.k., belassen wir´s bei Sträuchern über Körpergröße. Zu meiner Zeit gab es den Schulausflug mit Bus zu irgendeinem Museum, historischem Ort o.ä., alternativ den Waldspaziergang von der Bio Lehrerin zum Müllsammeln im Wald. Wirklich gewandert sind wir nur in der 5. und 6. Klasse. Damals für uns Landeier ziemlich .... bekannt das alles.
      Heute: Hauptsache tief rein in den Wald, (Förster und Waldarbeiter als suvival guides mit Käferlarven ), wo es keinen Handy Netzempfang gibt, dann hören die Schüler richtig zu. Äh bzw. rufen die entsprechende App auf ... (ich empfehle "Hilfe im Wald" und "PlantNet") oder sie spielen Handyverstecken, jeder gibt dem Nachbarn sein Handy, der versteckt es, alle drehen sich 10 mal um die eigene Achse und suchen. Wer´s findet darf´s behalten wäre die verschärfte Regel. Beim Verstecken findet und auf der Suche entdeckt man die tollsten Höhlen, Tiere, Insekten ... Klar, durch WLAN/Bluetooth Sammelruf lassen sich die besten Verstecke lüften, ausser ... der Akku macht schlapp, dann wird das verlustig gegangene Gerät dem Waldgott geopfert ups den Archäologen des nächsten Jahrhunderts umgewidmet.

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      • morit.z
        Dauerbesucher
        • 16.03.2009
        • 647

        • Meine Reisen

        #4
        AW: Deutscher Wald - Quo Vadis

        Zitat von Intihuitana Beitrag anzeigen
        Oft hat man über die Fichtenmonokulturen geschimpft, von wegen Standortfremd und so weiter aber irgendwie fehlen sie mir jetzt doch, seit sie weg sind. Nicht nur waren sie oft gute Pilzwälder, aber sie haben auch den Waldboden gekühlt und feucht gehalten. Jetzt auf den großen Kahlflächen wird die Austrocknung nur noch schneller von statten gehen vermute ich mal.
        [..]
        Und dann ist da natürlich noch die große Frage, wie geht es weiter? Wie sieht der Wald der Zukunft aus? Mit was sollen die riesigen Kahlschläge jetzt bepflanzt werden? Oder sollen sie einfach gar nicht bepflanzt werden und sollen wir die Natur verjüngen lassen? Auf den Wiebke oder Kyrillflächen, die sich selbst überlassen wurden haben sich teilweise wieder schöne Jungwälder entwickelt. Aber wie sorgt man dafür dass was anderes als Birke, Kiefer und Vogelbeere dort raus kommen kann bei der extrem hohen Wilddichte?
        Das kann ich gut verstehen, schließlich kommt selbst bei den Monokulturen ein gewisses "Waldgefühl" auf. Aber imho ist das einer der Knackpunkte: die Monokulturen entsprechen iddR nicht der natürlichen Vegetation Deutschlands und sind quasi das Forstäquivalent zur Massentierhaltung. Wird das System an seine Grenzen gebracht (verschärfte klimatische Bedingungen, Borkenkäfer, u.ä. bzw. Schweinepest, MKS, u.ä. in der Tierhaltung), geht das schnell mal nach hinten los bzw. hat drastische Folgen.

        Deshalb denke ich, dass der Wandel zu natürlich(er) gewachsenen Wäldern sicher eine Option ist: in der dabei entstehenden Diversität liegt auch die Chance, Extremereignisse besser abwettern zu können. Wobei hier auch angemerkt sei: Windwurf (und auch Waldbrände) gehören in vielen Waldökosystemen zum normalen Prozess, und selbst wenn man nichts macht, werden die meisten Flächen in Deutschland von alleine zu Wäldern. Eine vermeintliche Verjüngung ist daher vor allem in der zeitlichen Wahrnehmung des Menschen begründet. Ein Wald braucht halt doch auch mal ein Menschenleben oder länger um zur Entfaltung zu kommen (siehe zB die wenigen Urwälder in Deutschland).

        Soweit mein Senf in Kürze; das ließe sich noch (fast beliebig) weiter erörtern
        Bilder.

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        • atlinblau
          Alter Hase
          • 10.06.2007
          • 2773

          • Meine Reisen

          #5
          AW: Deutscher Wald - Quo Vadis

          Schade, dass dieser ZEIT-Artikel nur für Abonenten ist...Wald der Zukunft
          Ich wohne in Südbrandenburg - der Wald zu einem hohen Grad Monokultur aus Kiefern. Seit drei Jahren regelmäßige Brände in der Lieberoser Heide. Wenn es mit den Wetterereignissen so bleibt, ist der Klimawandel 40 Jahre früher da, als erwartet. Elbe und Oder haben derzeit übrigens wieder Hochwasser.
          Zum Waldumbau hier mal drei Bilder. Sie sind alle von der gleichen Position aufgenommen, ...







          Thomas

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          • Martin1978
            Fuchs
            • 16.08.2012
            • 1657

            • Meine Reisen

            #6
            AW: Deutscher Wald - Quo Vadis

            In der Masse und vor allen in den Lagen gehört die Fichte gar nicht als dominierende Baumart in den Deutschen Wald. Sie wächst halt schnell und ist leicht zu ernten.....
            Ich bin froh, dass wir hier noch fast flächendeckend Buchenmischwald haben und nur ganz wenige Fichtenmonokulturen. Die paar die wir haben, werden sukzessive geschlagen. Wir baden heute in der Fläche die Fehler der letzten Generationen aus, es bleibt nur zu hoffen, dass wir für die nachfolgenden Generationen einiges besser machen.

            Auf meinem Grundstück nehme ich jetzt proaktiv alle Fichten raus. Auch wenn die heute noch gut da stehen, kann sich das zu schnell ändern und als flachwurzler fällt sie gerne recht schnell.
            Du gamla, Du fria, Du fjällhöga nord
            Du tysta, Du glädjerika sköna!
            Jag hälsar Dig, vänaste land uppå jord,
            Din sol, Din himmel, Dina ängder gröna.

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            • wilbert
              Fuchs
              • 23.06.2011
              • 2460

              • Meine Reisen

              #7
              AW: Deutscher Wald - Quo Vadis


              barcode Bäume ...

              Filmempfehlung: Das geheime Leben der Bäume
              https://www.youtube.com/watch?v=4D4vmNOW5qE
              Gibt es im streaming

              VG. -Wilbert-
              www.wilbert-weigend.de

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              • Bambus
                Fuchs
                • 31.10.2017
                • 1076

                • Meine Reisen

                #8
                AW: Deutscher Wald - Quo Vadis

                @Intihuitana, du hast Recht und der Wandel bedrückt mich auch. Aber ich sehe auch, das hier eine Diskrepanz zw. dem Zeitmaßstab "des Waldes" und "des Menschen" vorliegt. Der Wald, in Ruhe gelassen würde sich in den nächsten 50 bis 150 Jahren zu einem dem jeweiligen Standort gerechten Ökosystem umbauen, kein nennenswerter Zeitraum im Naturgeschehen. Für uns Menschen sind das 2 bis 6 Generationen, also eine gefühlte Ewigkeit.

                Was du als starke und kerngesunde Fichtenwälder festgestellt hast - war es auch nach dem ersten Anschein. Allerdings auch nur zu den damals gegebenen Umweltbedingungen und als Monokulturen schon immer nahe oder jenseits der Grenze des natürlichen Verbreitungsgebietes.

                Ich zumindest sehe dem Umbau des Waldes in den nächsten 25 Jahren (solange werde ich es hoffentlich noch beobachten können) mit gespanntem Interesse entgegen.
                Und, wenn der Wald nicht mehr primär als Wirtschaftsraum und Ertragsbringer gesehen wird und somit eher "in Ruhe gelassen wird --- (auch wenn es jetzt ketzerisch klingt) um so besser. Er ist mit unsere Lebens- aber nicht Wirtschaftsgrundlage!

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                • ronaldo
                  Moderator
                  Lebt im Forum
                  • 24.01.2011
                  • 9407

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: Deutscher Wald - Quo Vadis

                  Tote Fichten, Kiefern, Borkenkäfertod. Mich beunruhigt das überhaupts nicht. Was ich bedenklich finde ist, dass die Waldbauer händeringend auf der ganzen Welt nach Bäumen suchen, die mit den künftigen Klimaverhältnissen zurecht kommen. Das gibt dann Waldplantagen, gegen die die vergangenen Fichtenmonokulturen die reinen Ökoparadiese gewesen sein werden.

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                  • Goettergatte
                    Freak

                    Liebt das Forum
                    • 13.01.2009
                    • 25545

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: Deutscher Wald - Quo Vadis

                    Jau, mit Bäumen, die hier nicht hingehören - z.B. Tulpenbaum, bekannt als Tulip-/American-Whitewood
                    und anderen Bäumen, die unsere heimische Insektenwelt nicht verträgt
                    "Wärme wünscht/ der vom Wege kommt----------------------
                    Mit erkaltetem Knie;------------------------------
                    Mit Kost und Kleidern/ erquicke den Wandrer,-----------------
                    Der über Felsen fuhr."________havamal
                    --------

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                    • lina
                      Freak

                      Vorstand
                      Liebt das Forum
                      • 12.07.2008
                      • 36706

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: Deutscher Wald - Quo Vadis

                      Wie schon mal drüben bei den Pressemeldungen verlinkt: klick – there is hope! :-)

                      Einfach in Ruhe lassen und gucken, was sich ansiedelt.
                      Plus Wild-Management.

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                      • Martin1978
                        Fuchs
                        • 16.08.2012
                        • 1657

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: Deutscher Wald - Quo Vadis

                        Je nach Region nichts gutes.....

                        Bei uns sind dann sofort Robinien und Götterbäume am Start, die alles andere im Keim ersticken.
                        Du gamla, Du fria, Du fjällhöga nord
                        Du tysta, Du glädjerika sköna!
                        Jag hälsar Dig, vänaste land uppå jord,
                        Din sol, Din himmel, Dina ängder gröna.

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                        • Pfad-Finder
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                          Liebt das Forum
                          • 18.04.2008
                          • 11277

                          • Meine Reisen

                          #13
                          AW: Deutscher Wald - Quo Vadis

                          Nix gegen Robinien. Die sind die einzige Baumart, gegen die die Kiefernplantagen-Waldbrände in Brandenburg 2018 und 2019 vergeblich angerannt sind. Eiche und Birke waren weit weniger robust.
                          Schutzgemeinschaft Grüne Schrankwand - "Wir nehmen nur das Nötigste mit"

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                          • Martin1978
                            Fuchs
                            • 16.08.2012
                            • 1657

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: Deutscher Wald - Quo Vadis

                            Robinien sind eigentlich toll. Eine wundervolle Tracht für Bienen (wer in Deutschland Akazien Honig kauft, kauft eigentlich Robinienhonig) und das Holz ist auch super. Aber......Robinie ist nicht heimisch und sie drängt in erster Linie in die Waldsaumbereiche. Dahin, wo eigentlich ganz andere Pflanzen wachsen. Wenn die Robinie erstmal da ist, werden andere Arten verdrängt.
                            Du gamla, Du fria, Du fjällhöga nord
                            Du tysta, Du glädjerika sköna!
                            Jag hälsar Dig, vänaste land uppå jord,
                            Din sol, Din himmel, Dina ängder gröna.

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                            • carsten140771
                              Anfänger im Forum
                              • 18.07.2020
                              • 45

                              • Meine Reisen

                              #15
                              AW: Deutscher Wald - Quo Vadis

                              Zitat von Martin1978 Beitrag anzeigen
                              Robinien sind eigentlich toll. Eine wundervolle Tracht für Bienen (wer in Deutschland Akazien Honig kauft, kauft eigentlich Robinienhonig) und das Holz ist auch super. Aber......Robinie ist nicht heimisch und sie drängt in erster Linie in die Waldsaumbereiche. Dahin, wo eigentlich ganz andere Pflanzen wachsen. Wenn die Robinie erstmal da ist, werden andere Arten verdrängt.


                              Die Robinie ist bereits vielerorts eine Plage und verdrängt eigentlich jeden anderen Pflanzenwuchs. Aus meiner Sicht müsste man bereits jetzt die Verbreitung eindämmen.

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                              • thomas79
                                Dauerbesucher
                                • 12.06.2010
                                • 961

                                • Meine Reisen

                                #16
                                AW: Deutscher Wald - Quo Vadis

                                Was wächst denn ganz natürlich, also sich selbst überlassen, in den Naturschutzgebieten wie z.B. in der Kernzone des Bayerischen Waldes? Da ist doch einiges in den letzten Jahrzehnten wieder ganz ohne Forstwirtschaft hochgekommen, oder?
                                TrekkingTrails.de: Touren - Ausrüstung - Packlisten

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                                • Lobo

                                  Vorstand
                                  Moderator
                                  Lebt im Forum
                                  • 27.08.2008
                                  • 5564

                                  • Meine Reisen

                                  #17
                                  AW: Deutscher Wald - Quo Vadis

                                  Zitat von Martin1978 Beitrag anzeigen
                                  Robinien sind eigentlich toll. Eine wundervolle Tracht für Bienen (wer in Deutschland Akazien Honig kauft, kauft eigentlich Robinienhonig) und das Holz ist auch super. Aber......Robinie ist nicht heimisch und sie drängt in erster Linie in die Waldsaumbereiche. Dahin, wo eigentlich ganz andere Pflanzen wachsen. Wenn die Robinie erstmal da ist, werden andere Arten verdrängt.
                                  Zitat von carsten140771 Beitrag anzeigen
                                  Die Robinie ist bereits vielerorts eine Plage und verdrängt eigentlich jeden anderen Pflanzenwuchs. Aus meiner Sicht müsste man bereits jetzt die Verbreitung eindämmen.
                                  Das sehen scheinbar nicht alle so.

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                                  • morit.z
                                    Dauerbesucher
                                    • 16.03.2009
                                    • 647

                                    • Meine Reisen

                                    #18
                                    AW: Deutscher Wald - Quo Vadis

                                    Zitat von thomas79 Beitrag anzeigen
                                    Was wächst denn ganz natürlich, also sich selbst überlassen, in den Naturschutzgebieten wie z.B. in der Kernzone des Bayerischen Waldes? Da ist doch einiges in den letzten Jahrzehnten wieder ganz ohne Forstwirtschaft hochgekommen, oder?
                                    Allgemein gesprochen: Das "was" wird zunächst in erster Linie davon bestimmt, was auch vorher da war bzw. was an Samen und Jungpflanzen vorhanden ist. Erst auf lange Sicht könnte (!) sich die natürliche Vegetation einstellen (sofern nicht schon vorhanden).
                                    Der größte Unterschied zwischen Forst und unbewirtschafteten Wäldern liegt in der Altersstruktur. Während ein bewirtschafteter Wald tendenziell jünger ist (weil die älteren Bäume entnommen werden) und dadurch auch homogener in der Altersstruktur ist, existieren in den unbewirtschafteten Wäldern alle Altersstadien nebeneinander (inkl. Totholz).

                                    Siehe z.B. auch hier oder hier.
                                    Bilder.

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                                    • Intihuitana
                                      Fuchs
                                      • 19.06.2014
                                      • 1651

                                      • Meine Reisen

                                      #19
                                      AW: Deutscher Wald - Quo Vadis

                                      Zitat von ronaldo Beitrag anzeigen
                                      Tote Fichten, Kiefern, Borkenkäfertod. Mich beunruhigt das überhaupts nicht. Was ich bedenklich finde ist, dass die Waldbauer händeringend auf der ganzen Welt nach Bäumen suchen, die mit den künftigen Klimaverhältnissen zurecht kommen. Das gibt dann Waldplantagen, gegen die die vergangenen Fichtenmonokulturen die reinen Ökoparadiese gewesen sein werden.
                                      Das sehe ich auch so.
                                      Die Fichten sind vielleicht nicht standorttypisch, aber immerhin gewissermaßen heimisch, nur halt ein paar hundert Meter höher als wo sie jetzt gepflanzt sind. Es kann sich also schon eine gewisse Mykhorizza einstellen und Tiere und Bodendecker ansiedeln.
                                      Aber was wird bei völlig fremden Bäumen passieren? Welchen ökologischen Wert haben solche Wälder?
                                      In warmen Ländern rund um den Globus kann man schon mal sehen was das gibt. Eukalyptus ersetzt dort oft heimische Baumarten und die Plantagen sind ökologisch so steril wie ein Maisfeld.
                                      Der heißeste Kandidat die Fichten zu ersetzen scheinen ja momentan Douglasien zu sein. Bisher habe ich noch keine ältere Douglasienpflanzung entdeckt wo ich rumgekommen bin, anhand derer man urteilen könnte was da drunter alles noch wächst und lebt.
                                      Das was ich bisher bei jüngeren Plantagen gesehen habe sieht ziemlich trist aus.

                                      Es wäre natürlich für die Ökologie Waldgesundheit schön, wenn man einfach alles so wachsen lassen würde und dann nur noch auf Plenterwaldbetrieb umstellen wird. Ich würde mir auch wünschen Natur großflächig Natur sein zu lassen.
                                      Aber ist das realistisch gesehen auch durchführbar? Wird man auch in Zukunft ohne Plantagen auskommen? Ich bezweifle dass der Holzhunger in Deutschland nur durch naturnah bewirtschaftete Wälder gedeckt werden kann.
                                      Und sich hier die heile Waldwelt zu schaffen und dann Holz aus Ländern wo gnadenlos geraubt und geholzt wird, zu importieren wäre wohl auch nicht das gelbe vom Ei.
                                      Russian Roulette is not the same without a gun. - Lady Gaga

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                                      • Martin1978
                                        Fuchs
                                        • 16.08.2012
                                        • 1657

                                        • Meine Reisen

                                        #20
                                        AW: Deutscher Wald - Quo Vadis

                                        Das Problem an der Robinie ist, dass sie sich da wohlfühlt, wo heimische Baumarten eigentlich nicht wachsen, oder nicht so stark zumindest. Im Wald wird man keine Robinien finden, die brauchen viel Licht. Am Waldrand, auf Lichtungen oder Flächen die gerodet wurden, da schlägt die Stunde der Robinie. 2-3 Meter Wachstum im Jahr gehen locker, da kommt nichts heimisches mit. Robinien verdrängen auch eigentlich keine anderen Baumarten, sondern Sträucher, Gräser und Ähnliches. Die für Flora und Fauna immens wichtigen Saumbereiche werden von Robinien besiedelt und zerstört.
                                        Das beste Beispiel habe ich direkt hinter meinem küchenfenster. Da befindet sich ein steiler Hang einige Hektar groß. Früher gab es da eine typische Vegetation mit diversen Straucharten, kleinen Flächen mit Gräsern und Wildblumen und einige mittelhohe Bäume. Vor einigen Jahren hat der Besitzer den Hang roden lassen um Sicht zu schaffen. Heute sehe ich aus dem küchenfenster nur noch Robinien und götterbäume. Alles andere ist verschwunden. Wir haben jetzt 3 Jahre harte Arbeit investiert um zumindest einen Streifen von einigen Metern wieder von Robinien zu befreien, das ist aber ein Kampf gegen Windmühlen.
                                        Du gamla, Du fria, Du fjällhöga nord
                                        Du tysta, Du glädjerika sköna!
                                        Jag hälsar Dig, vänaste land uppå jord,
                                        Din sol, Din himmel, Dina ängder gröna.

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