Pressemeldungen zum Thema Radfahren

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neue Beiträge

  • Christian J.
    Lebt im Forum
    • 01.06.2002
    • 8749

    • Meine Reisen

    Zitat von SvenW Beitrag anzeigen
    Die Diskussion gibt es ja schon an anderer Stelle aber ich fahre hier in Hamburg wann immer möglich und erlaubt auf der Straße.
    (Hervorhebung von mir)

    Ich sage es eigentlich in jeder Radverkehrs-Debatte hier: Wenn wir von innerstädtichem Radverkehr sprechen, müssen wir in Deutschland 3 Regionen unterscheiden: Hamburg, Berlin und der zivilisierte Rest. Aussagen, die für Hamburg gelten, können andernorts komplett gegenteilig gelten. Das soll jetzt auf keinen Fall Deine Äußerungen abwerten, Sven. Ich möchte nur anmerken, dass meiner Meinungn nach HH ein "Sonderfall" ist.


    Zitat von SvenW Beitrag anzeigen
    Mag sein das hier die gefühlte Sicherheit höher ist, tatsächlich ist es aber auf der Straße deutlich sicherer weil man viel besser zu sehen ist.
    Mein täglicher Arbeitsweg ist einfach 8,9 km lang, davon sind 600 Meter auf "normalen Straßen, 800 Meter auf einer Fahrradstraße, auf der ich Vorfahrt vor den Autos habe (und mir die durch meinen Fahrstil auch nehme) und der Rest auf baulich getrennten Radwegen (zum großen Teil "Radschnellwege) innerorts, durch Kleingartenanlagen, durch Parks, am Waldrand und zwischen den Felder. Und es gibt keinen schöneren Arbeitsweg: ich kann Podcasts hören, jeden morgen grüßt man die vielen bekannten Gesichter im Gegenverkehr, zahlreiche Kolleg*Innen fahren mit dem Rad den gleichen Weg und man kann problemlos nebeneinander fahren und quatschen. Gefährliche Einmündungen gibt es eine einzige, die nur in einer Richtung gefährlich ist. Und wenn ich mir den Zuwachs an ganzjähig radfahrenden Kolleg*innen bei mir im Job ansehe, dann wächst der parallel zum Ausbau der Rad-Infrastruktur.
    Was ich sagen will: Ich kenne die Untersuchungen dazu, dass Mitschwimmen im Autoverkehr für Radfahrer*Innen sicherer sein soll. Ich war auch jahrelang in Leipzig gezwungen, das zu tun und habe überlebt. Und ich möchte es nicht mehr - ich liebe meinen entspannten, baulich getrennten Radweg.
    Zuletzt geändert von Christian J.; 27.04.2021, 16:46.
    "Er hat die Finsternis der Latrinen ertragen, weil in der Scheiße nach Mitternacht sich manchmal die Sterne spiegelten"
    Durs Grünbein über den Menschen

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    • DerNeueHeiko
      Fuchs
      • 07.03.2014
      • 2233

      • Meine Reisen

      Zitat von TanteElfriede Beitrag anzeigen
      ...ich sage nur: Linksabbieger, zack wird auf den Radweg ausgewichen. Dann enden in HH die Radspuren plötzlich vor einer Engstelle - z.B. Verkehrsinsel - und fangen danach wieder an. Nein, so ist das nix.
      Das kenne ich von Radwegen genauso, zudem diese regelmäßig hinter parkenden Autos, eng an Bushaltestellen vorbei, knapp an Häuserecken entlang (mit mangelnder Sicht) geführt werden. Mülltonnen werden am Leerungstag zur Hälfte auf dem Radweg abgestellt (selbst wenn nebendran der Parkstreifen frei ist), Paket- und Lieferdienste, Pflegedienste, Handwerker und vom Familienkauf zurückkehrende Privatpersonen stellen ihre Autos dort zum ein- und ausladen ab - dann doch lieber den Radfahrstreifen (idealerweise mit Pollern abgetrennt) oder die Fahrbahn.

      Gute Radwege wären natürlich etwas ganz anderes. Aber dafür müssten Parkplätze und/oder PKW-Fahrspuren wegfallen. Durchgehende Fahrradstraßen (mit sowas wie Kontrollen, dass da nicht einfach nur ein Schild aufgestellt wird) sind ein häufig sinnvoller Mittelweg.

      Zitat von TanteElfriede Beitrag anzeigen
      Und natürlich müsste ein getrennter Radweg (so wie früher) auch in Stand gehalten werden und von parkenden Autos gesäubert sein.
      Vor allem müsste er kreuzungsfreier, weniger verschwenkt, besser einsehbar und mit eindeutigerer (durchaus farblich markierter) Vorfahrtregelung geführt werden als die Fahrbahn, wenn er sicherer sein sollte. Die wenigsten Radfahrer werden im Parallelverkehr angefahren, die meisten im Kreuzungsverkehr - oder von geöffneten Autotüren abgeräumt.

      Und noch mehr werden Radfahrer davon abgeschreckt, wenn sie alle paar Meter einem Hindernis ausweichen oder an Bettelampeln auf Grün warten müssen, und so wieder ins Auto getrieben, was den Stau weiter verlängert - eigentlich geht es bei den Programmen ja primär um mehr Radverkehr, nicht um mehr Sicherheit (die kommt schon von alleine, wenn ausreichend Radfahrer unterwegs sind und dem Autoverkehr auffallen).

      Zitat von lina Beitrag anzeigen
      Ja. Fernradwege sind häufig (größtenteils) so angelegt.
      Kommt drauf an. Pendlerschnellwege ja (wobei ich die besten davon in Belgien erlebt habe, Richtung Westen aus Antwerpen raus, fast kreuzungsfrei 20km an der Bahn entlang), touristische Fernwege nein, die führen im Zickzack von Kopfsteinpflaster-Fußgängerzone zu Kopfsteinpflaster-Fußgängerzone. Ein bisschen, als würden Autobahnen über jeden Parkplatz am Weg führen...

      MfG, Heiko

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      • Becks
        Freak

        Liebt das Forum
        • 11.10.2001
        • 18780

        • Meine Reisen

        Zitat von Mus Beitrag anzeigen
        Könntest du dir vorstellen, dass es eventuell Dinge gibt, die außerhalb deiner persönlichen Vorstellungskraft liegt? Etwa, was man brauchen könnte, wenn man den täglichen Weg zur Arbeit/zum Einkaufen/zur Schule... mit dem Fahrrad erledigen und dabei bis zu 100 km zurücklegen würde?
        Darfste gerne davon träumen. Ist eventuell in Richtung Polarkreis (Norddeutschland) möglich, aber hier z.B. hätte ich einen Radweg (hab kurz meinen Weg mit OSMAnd berechnet) in eine Richtung mit 660Hm rauf und 950Hm runter (mit umgekehrtem Vorzeichen heim), 47km Strecke und einer Maximalhöhe von 1000m üNN. Ab spätestens November bis eventuell Mitte April haste da des öfteren eine geschlossene Schneedecke, und die laut OSMAnd berechneten 2:15h für den Hinweg wären auf dm Rückweg sicher auch fällig bzw nicht haltbar.

        Ich fahr u.A deswegen Bahn und nicht Auto, weil im Winter regelmässig die Autobahn wegen Glatteis und den daraus resultierenden Unfällen dicht und am Ende die Bahn trotz 45Min mehr Fahrzeit (pro Richtung) schneller und bequemer ist.

        After much research, consideration, and experimentation, I have decided that adulthood is nothing for me. Thank you for the opportunity.

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        • Chouchen
          Freak

          Liebt das Forum
          • 07.04.2008
          • 19128

          • Meine Reisen

          Wayne interessiert‘s
          "I pity snails and all that carry their homes on their backs." Frodo Baggins

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          • Mus
            Freak

            Vorstand
            Liebt das Forum
            • 13.08.2011
            • 12517

            • Meine Reisen

            Zitat von Mus Beitrag anzeigen
            Könntest du dir vorstellen, dass es eventuell Dinge gibt, die außerhalb deiner persönlichen Vorstellungskraft liegt?
            Zitat von Becks Beitrag anzeigen
            Darfste gerne davon träumen. Ist eventuell in Richtung Polarkreis (Norddeutschland) möglich, aber hier z.B. hätte ich [...]
            Also nein.

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            • LihofDirk
              Freak

              Liebt das Forum
              • 15.02.2011
              • 13053

              • Meine Reisen

              Genau, die Bundesregierung in D soll nichts mehr Beschliessen, weil in CH Berge sind.
              Das Problem mit dem Tellerrand ...
              Zuletzt geändert von LihofDirk; 01.05.2021, 07:17.

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              • Marhabal
                Erfahren
                • 08.06.2013
                • 410

                • Meine Reisen

                https://www.berliner-zeitung.de/woch...b-global-de-DE

                und letztens

                https://www.berliner-zeitung.de/mens...rlin-li.153480

                Und zur Diskussion oben: wenn es entsprechende Schnellwege fürs Rad gäbe, würde man vielleicht nicht von Stuttgart nach München damit fahren, aber auf dem Weg, der von Stuttgart bis München durchgängig ausgebaut ist, von Burgau nach Augsburg oder in die andere Richtung nach Ulm. Die wenigsten Autofahrer fahren auch jeden Tag auf der A1 von Lübeck bis Saarbrücken ... Aber verdammt viele von Hamburg nach Bremen oder von Köln nach Münster ...

                Abgesehen davon bringt eine bestimmte Infrastruktur, bringen bestimmte Verkehrswege auch bestimmte Verkehrsmittel hervor... Velomobile z.B. würden sicher attraktiver. Auch S-Pedelecs wären u.U. eine häufigere Eerscheinung (wenngleich ich die eigentlich nicht auf solchen Radwegen haben wollen würde).

                Zwei meiner Kollegen pedeln jeden Tag 35 km einfache Strecke (einer mit RR, der andere mit S-Pedelec), also so absurd sind Strecken von 50 km auf vernüftigen Straßen nicht. Und nur weil etwas in den Alpen nicht sinnvoll ist, heißt es nicht, es sei in ganz Deutschland doof. Wenn mehr KFZ-Verkehr verboten wäre oder die Kosten schlicht mal auf die Autofahrer (entsprechend deren Nutzung!) und nicht die Steuerzahler allgemein umgeschlagen würden, käme mancher auch auf die Idee, dass er nicht so weit vom Arbetsplatz entfernt wohnen muss. Ich sage nur die Freiheit des einzelnen endet da, wo die Freiheit des (der) anderen anfängt.

                Es gibt selbstverständlich immer Fälle, in denen es sich nicht vermeiden lässt, dass man pendelt (meien Frau und ich haben z.B. sehr weit auseinanderliegende Arbeitsplätze). Aber oft ist es doch so, der eine arbeitet in Bonn, der andere in Köln, aber man wohnt schön in Korschenbroich (weil da die Grundstückspreise so schön niedrig sind) und beide müssen pendeln.

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                • Christian J.
                  Lebt im Forum
                  • 01.06.2002
                  • 8749

                  • Meine Reisen

                  Volle Zustimmung zu Marhabal!
                  Auch die jetzige Situation, in der es jeden Tag gigantischen Autoverkehr gibt, ist nicht "gottgegeben" oder "natürlich" sondern politisch so gewollt und eingerichtet: Autobahnen wurden gebaut, Wohnen in der Provinz wurde begünstigt (Eigenheimzulage und Pendlerpauschale), Autos wurden subventioniert, Radfahr-Infrastrutkur wurde vernachlässigt usw.
                  Und genau so kann man das alles politisch ganz anders regeln. Und darauf hoffe ich und dafür (wahl-)kämpfe ich.
                  "Er hat die Finsternis der Latrinen ertragen, weil in der Scheiße nach Mitternacht sich manchmal die Sterne spiegelten"
                  Durs Grünbein über den Menschen

                  Kommentar


                  • ronaldo
                    Moderator
                    Lebt im Forum
                    • 24.01.2011
                    • 9549

                    • Meine Reisen

                    Kommentar


                    • lina
                      Freak

                      Vorstand
                      Liebt das Forum
                      • 12.07.2008
                      • 37020

                      • Meine Reisen

                      Zitat von Christian J. Beitrag anzeigen
                      Wohnen in der Provinz wurde begünstigt (Eigenheimzulage und Pendlerpauschale), Autos wurden subventioniert, Radfahr-Infrastrutkur wurde vernachlässigt usw.
                      Ich finde, Du schmeißt da einiges durcheinander, das man getrennt betrachten sollte: Wenn alle in die Städte ziehen und deswegen nachverdichtet wird (und dafür städtische Grünflächen abgeholzt werden), ist das auch nicht so toll – im Gegenteil! Aus inzwischen sehr entvölkerten Landstrichen mit dem Rad in die nächste Stadt zu pendeln sollte attraktiver werden, nicht das Wohnen in der Provinz verteufelt.

                      Kommentar


                      • Torres
                        Freak

                        Liebt das Forum
                        • 16.08.2008
                        • 26582

                        • Meine Reisen

                        zu Elfriede:

                        Ich denke mal, dass die E-Bikes den Prozess des Ausbaus zur Radstadt noch einmal beschleunigen werden. E-Bikes auf innerstädtischen Rad/fußwegen sind allerdings der Horror, weshalb ich kaum denke, dass sich die Radwegpolitik in Hamburg komplett ändern wird und von den Radstreifen Abstand nehmen wird. Natürlich werden die Radwege auf der Straße nicht von allen angenommen, sei es Gewohnheit, sei es, dass es unbequem ist, das Rad auf den Gehweg heben zu müssen, um zu parken. Aber die Situation vor der Verlagerung des Radverkehrs auf die Straße ist auch nicht mehr denkbar. Damals war der Konflikt zwar ein anderer, nämlich, dass die Schnellen auf die Straße ausgewichen sind, obwohl es (noch) nicht erlaubt war, aber auch, dass dort einfach kein Platz war, was durch die Radspuren entschärft wurde. Aber: Solange die Verkehrsregeln nicht konsequent überwacht werden, wird eine neue Radverkehrpolitik nur neue Opfer schaffen, derzeit sind das die Fußgänger. Sie werden in der Diskussion Rad-Auto gerne vergessen, obwohl sie die schwächsten Verkehrsteilnehmer sind und gleichzeitig ebenfalls die Straßen von Autos entlasten. Solange Gehwege kürzer sind, werden Radfahrer sie nutzen und während Autos mit Pollern zurückgedrängt werden konnten, geht das bei Fahrrädern einfach nicht.

                        Zu Christian und Marhabal
                        Grundsätzlich ist es natürlich richtig, dass viele Jahre Autobahnen gebaut und Pendelverkehr begünstigt wurde. Aber gab es da wirklich Widerstand gegen? Waren viele Menschen nicht einfach froh, mal nicht mehr radeln zu müssen, sondern mit dem Auto einkaufen fahren zu können? Überhaupt mal rauszukommen? Und wie hätte es ausgesehen, wenn man Pendeln einfach nicht gefördert hätte? Leere Dörfer, volle Städte mit Slums und allem drum und dran? Ich erinnere mich noch, dass es Zeiten gab, wo Landflucht ein echtes Problem war (bis dann die reichen Städter das Land für sich entdeckten, Resthöfe kauften etc.etc.) Klar kann man Förderung einstellen, Pendlerpauschale, Eigenheimzulage etc. etc. Dann ziehen eben noch mehr Leute wieder in die Zentren. Stellt sich nur die Frage: Wohin?

                        Ich weiß nicht, ob sich alle klarmachen, was es heißt, in einer wachsenden Stadt zu wohnen. Die Zielgruppe von ADFC und Co sind doch im Grunde privilegierte städtische Akademiker mit ihren modischen Lastenrädern (jetzt im Verleih auch als E-Bike, na toll) oder ihren teuren Renn- und Trekkingrädern, die aus den innerstädtischen Modestadtteilen oder dem wohlhabenden Speckgürtel zu ihren klimatisierten, sauberen Arbeitsplätzen radeln (wollen). Mit Kilometerleistungen, die in einem Outdoorforum normal, für Mütter mit Kindern aber eher nicht normal sind. Dieses Klientel hat meist einen Büroarbeitsplatz (und lässt sich den Mittagstisch oder das Kleinteil liefern, aber das nur am Rande). Diese Gesellschaftsschicht wird von Städten und dem nahegelegenen Umland derzeit magisch angesogen, weil man die Infrastruktur schätzt, mit dem Ergebnis, dass es voll und voller wird, dass man anfängt in die Höhe zu bauen, dass immer mehr Grünstreifen verschwinden, dass Viertel gentrifiziert werden, dass die Preise so exorbitant hoch geworden sind, dass die Geringverdiener an den Rand ziehen müssen. Also diejenigen, die keine 35 km per Rad pendeln möchten oder können, weil sie körperlich schuften müssen oder krasse Arbeitszeiten haben, diejenigen, die mit dem Werkstattwagen unterwegs sind und ihr Material transportieren müssen, diejenigen, die als Auslieferungsfahrer prekär beschäftigt sind, so dass sie weit außerhalb wohnen müssen, um mit einer bezahlbaren Wohnung die Familie halbwegs ernähren zu können. Natürlich kann man denen sagen, dass Autos nicht mehr zeitgemäß sind, aus den Städten verschwinden sollen, dass sie gefälligst dafür bezahlen sollen, dass sie soviel Platz und Raum einnehmen. Was das wohl mit unserem gesellschaftlichen Wohlstand macht?

                        Ich habe schon einmal geschrieben, dass in meinem Stadtteil mehr als 50 Prozent der Bewohner keine Autos mehr haben. Der Verkehr nimmt dennoch ständig zu, auch durch Carsharing etc. Zwar werden Autos immer weiter aus den inneren Stadtbezirken gedrängt. Dennoch nimmt die Zahl der Zulassungen zu und das hat sicher auch mit einer alternden Gesellschaft zu tun, die irgendwann entscheidet, nur noch im Urlaub Rad zu fahren. Mit Beschäftigten, die zu Arbeitszeiten arbeiten, wo keine Bahn mehr fährt. Aber auch mit der Bequemlichkeit von Menschen, die das Geld hätten, das Fünffache zu zahlen und trotzdem weiter Auto fahren würden.

                        Und im dörflichen Hügelland? In hügeligen Regionen abseits großer Städte sind Räder im Berufsverkehr kaum verbreitet. Saarbrücken hat tolle Radspuren angelegt, gesehen habe ich in den Randbezirken bisher keine Radfahrer, das ist zu steil. E-Bikes sind daher sicher eine Lösung. Sie werden den Bedarf nach Schnellverbindungen steigern. Ich denke aber, dass es sich auch hier vor allem um Verbindungen zwischen Metropolen oder zu den Metropolen handeln wird, dass heißt, das sind Bedürfnisse von Städtern und einer outdooraffinen Gesellschaftsschicht. Bitte nicht falsch verstehen, ich unterstütze das ohne Einschränkungen. Man sollte nur nicht die eigenen Bedürfnisse über alles stellen, sondern für Ausgewogenheit sorgen. In abgelegeneren hügeligen Regionen, die abseits von Touristenstandorten liegen, halte ich die Verkehrswende hin zu einer Radinfrastruktur für illusorisch. Dort gibt es keine Nahversorgung, größere Geschäfte sind 25 km oder mehr entfernt. Da fährt man einmal die Woche einkaufen und den Rest liefert der Paketbote. Der Arbeitsplatz wird höchstens noch per Bahn angesteuert (kürzer als mit dem Auto) oder man pendelt. Jeden Tag über die Höhe, das machen nur Radrennfahrer und auch nicht bei Schnee und Eis. Ich fahre derzeit zumindest wieder mit dem Auto einkaufen, da ich weder Lust hätte, eine Stunde den Berg hochzuschieben noch mit einem Rad voll schwerer Einkäufe ins Tal zu donnern. Soviel Auto bin ich die letzten 12 Jahre nicht gefahren. Pendeln tue ich mit dem Zug, denn mit dem Rad ist HH zu weit. An der flachen Mosel ist dagegen Pendeln mit dem Rad durchaus normal und angenehm, zumindest, wenn Touristen nicht in Schwärmen den Radweg blockieren. Becks Bemerkungen mögen also mal wieder provozierend sein, haben aber zumindest einen wahren Kern.

                        "Oft habe ich die Welt durchwandert, und habe immer gesehen, wie das Grosse am Kleinlichen scheitert, und das Edle von dem ätzenden Gift des Alltäglichen zerfressen wird."... Hg. B. Tauchnitz: E. v. Arnim, The Princess Priscilla´s Fortnight, 1906, archive.org.

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                        • Flachlandtiroler
                          Freak
                          Moderator
                          Liebt das Forum
                          • 14.03.2003
                          • 24003

                          • Meine Reisen

                          Zitat von Torres Beitrag anzeigen
                          Ich weiß nicht, ob sich alle klarmachen, was es heißt, in einer wachsenden Stadt zu wohnen. Die Zielgruppe von ADFC und Co sind doch im Grunde privilegierte städtische Akademiker mit ihren modischen Lastenrädern (jetzt im Verleih auch als E-Bike, na toll) oder ihren teuren Renn- und Trekkingrädern, die aus den innerstädtischen Modestadtteilen oder dem wohlhabenden Speckgürtel zu ihren klimatisierten, sauberen Arbeitsplätzen radeln (wollen). Mit Kilometerleistungen, die in einem Outdoorforum normal, für Mütter mit Kindern aber eher nicht normal sind. Dieses Klientel hat meist [...]
                          undsoweiterundsofort -- Dein Vorurteil sei Dir unbenommen, ob es nun HH oder der ADFC-Mitgliederwerbung entnommen ist.
                          Hierzulande (ich bin jetzt nicht Mitgliederbeauftragter, aber langjährig im ADFC aktiv und habe folglich einen gewissen Einblick) stützt sich der ADFC auf die Arbeiterschicht, also durchaus Leute die in den zentralen Stadtteilen wohnen, mit dem Rad zur (körperlichen) Arbeit pendeln und folglich mit "diebstahlsicheren" Billigrädern fahren.



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                          • Torres
                            Freak

                            Liebt das Forum
                            • 16.08.2008
                            • 26582

                            • Meine Reisen

                            Das habe ich bisher so nicht wahrgenommen als langjähriges ADFC Mitglied. Liegt wohl daran, dass es in HH kaum nennenswerte Industrie gibt.
                            "Oft habe ich die Welt durchwandert, und habe immer gesehen, wie das Grosse am Kleinlichen scheitert, und das Edle von dem ätzenden Gift des Alltäglichen zerfressen wird."... Hg. B. Tauchnitz: E. v. Arnim, The Princess Priscilla´s Fortnight, 1906, archive.org.

                            Kommentar


                            • Flachlandtiroler
                              Freak
                              Moderator
                              Liebt das Forum
                              • 14.03.2003
                              • 24003

                              • Meine Reisen

                              Zitat von Torres Beitrag anzeigen
                              Das habe ich bisher so nicht wahrgenommen als langjähriges ADFC Mitglied.
                              D.h. Du kennst die Mitgliederwerbung

                              Zitat von Torres Beitrag anzeigen
                              Liegt wohl daran, dass es in HH kaum nennenswerte Industrie gibt.
                              Jo, klar...
                              Meine Reisen (Karte)

                              Kommentar


                              • Christian J.
                                Lebt im Forum
                                • 01.06.2002
                                • 8749

                                • Meine Reisen

                                Zitat von Torres Beitrag anzeigen
                                Zu Christian und Marhabal
                                Grundsätzlich ist es natürlich richtig, dass viele Jahre Autobahnen gebaut und Pendelverkehr begünstigt wurde. Aber gab es da wirklich Widerstand gegen?
                                Ja, gab es. Z.B. geht der Widerstand gegen die A49 bis in die 1970er zurück. Aber klar - es gab in der Zeit, bevor allen die Auswirkungen der Klimakrise klar waren, weniger Widerstand. Das ist aber kein Grund, heute nicht Infrastruktur um- und zurükzubauen.

                                Zitat von Torres Beitrag anzeigen
                                Waren viele Menschen nicht einfach froh, mal nicht mehr radeln zu müssen, sondern mit dem Auto einkaufen fahren zu können?
                                Die Autoindustrie war und ist auf jeden Fall froh, ihre Produkte verkaufen zu können. Im Kapitalismus ist es ja nun so, dass Bedürfnisse geschaffen werden, um sie gegen Geld befriedigen zu können. Wir haben zwar heute alle ein Smartphone, aber garantiert hatten wir auch alle nicht in den 1990er-Jahren jeden tag schlechte Laune, weil wir uns so sehr Taschencomputer gewünscht haben, mit denen ich Selfies mit Hundeohren verzieren und ins Internet stellen kann.

                                Zitat von Torres Beitrag anzeigen
                                Überhaupt mal rauszukommen? Und wie hätte es ausgesehen, wenn man Pendeln einfach nicht gefördert hätte? Leere Dörfer, volle Städte mit Slums und allem drum und dran? Ich erinnere mich noch, dass es Zeiten gab, wo Landflucht ein echtes Problem war (bis dann die reichen Städter das Land für sich entdeckten, Resthöfe kauften etc.etc.)
                                Wann soll das gewesen sein? Die Urbanisierung ab den 1870er-Jahren ging mit einem allgemeinem Bevölkerungswachstum einher. Es wurde nie leerer auf dem Land, nur voller in den Städten. Und sicher kann man jetzt mit einem Beispiel aus einem Dorf an der polnischen Grenze kommen, wo der letzte Bäcker vor 20 Jahren geschlossen hat aber in der Fläche gibt es keine Landflucht in Deutschland.

                                Zitat von Torres Beitrag anzeigen
                                Klar kann man Förderung einstellen, Pendlerpauschale, Eigenheimzulage etc. etc. Dann ziehen eben noch mehr Leute wieder in die Zentren. Stellt sich nur die Frage: Wohin?
                                Unter anderem (!!!) auf die Flächen die freiwerden, weil man flächenfressende Autoinfrastruktur zurückbaut.

                                Zitat von Torres Beitrag anzeigen
                                Also diejenigen, die keine 35 km per Rad pendeln möchten oder können, weil sie körperlich schuften müssen oder krasse Arbeitszeiten haben, diejenigen, die mit dem Werkstattwagen unterwegs sind und ihr Material transportieren müssen, diejenigen, die als Auslieferungsfahrer prekär beschäftigt sind, so dass sie weit außerhalb wohnen müssen, um mit einer bezahlbaren Wohnung die Familie halbwegs ernähren zu können. Natürlich kann man denen sagen, dass Autos nicht mehr zeitgemäß sind, aus den Städten verschwinden sollen, dass sie gefälligst dafür bezahlen sollen, dass sie soviel Platz und Raum einnehmen. Was das wohl mit unserem gesellschaftlichen Wohlstand macht?.
                                Wenn nur noch die Handwerkerautos übrig sind, passen Busse uns Straßenbahnen viel besser auf die Straße.

                                Zitat von Torres Beitrag anzeigen
                                Und im dörflichen Hügelland? [...] In abgelegeneren hügeligen Regionen, die abseits von Touristenstandorten liegen, halte ich die Verkehrswende hin zu einer Radinfrastruktur für illusorisch. Dort gibt es keine Nahversorgung, größere Geschäfte sind 25 km oder mehr entfernt.
                                Da haben wir eine klassische Henne-Ei-Problematik. Die Dorfläden haben ja nicht geschlossen, weil niemand mehr Lust hatte, sein Geld aus den Lebensmitteleinkäufen der Landbewohner*Innen zu verdienen. Die Dorfläden haben geschlossen, weil in den Ballungsräumen auf der grünen Wiese Supermärkte mit Riesenparkplätzen eröffnet haben und weil es politisch gewollt war, den Preis für das Autofahren von seinen Kosten zu entkoppeln und massiv zu subentionieren.
                                Es fordert niemand eine Verkehrswende hin zur einer reinen Fahrrad-Infrastruktur. Wir fordern eine Verkehrswende weg von der Autozentriertheit. Das Fahrrad ist dabei ein zentraler Baustein der Mobiliät für mittlere Distanzen. Für Sachen darüber gibt es den ÖPNV und das Auto will niemand verbieten. Es wird weiterhin für bestimmte Szenarien die erste Wahl bleiben. Niemand fordert, dass Gerüstbauer*Innen ihr Material zur Baustelle tragen und der Notarzt wird auch weiterhin nicht mit dem Fahrrad kommen.

                                Übrigens wohnen nur 15% der Deutschen in Dörfern unter 5000 Einwohner*Innen. (Quelle) Und da sind auch die Dörfer dabei, die direkt an einem größeren Ort kleben und per Rad oder S-Bahn bequem erreichbar sind. Vielleicht kommen wir mal da hin, dass also nur noch 10% der Deutschen Bedarf an einem eigenen PKW haben.
                                "Er hat die Finsternis der Latrinen ertragen, weil in der Scheiße nach Mitternacht sich manchmal die Sterne spiegelten"
                                Durs Grünbein über den Menschen

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                                • Torres
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                                  Liebt das Forum
                                  • 16.08.2008
                                  • 26582

                                  • Meine Reisen

                                  OT: Erwischt. Das ist die Industrie südlich der Elbe, diskutiert wird aber meist die Radwegssituation nördlich der Elbe, wo es außer Beiersdorf keine sehr großen Arbeitgeber gibt. Aber gut, ich lasse mich ja gerne belehren, dass der ADFC die Arbeiterschaft vertritt. Habe es halt nie bemerkt. Die größten Arbeitgeber in HH waren bisher übrigens Airbus, 2x Gesundheitswesen, Lufthansa (Technik), Otto, Bahn, Post, Kinderbetreuung, Edeka und Sparkasse, alle anderen hatten unter 5000 Mitarbeiter, durch Corona kann sich das geändert haben.
                                  "Oft habe ich die Welt durchwandert, und habe immer gesehen, wie das Grosse am Kleinlichen scheitert, und das Edle von dem ätzenden Gift des Alltäglichen zerfressen wird."... Hg. B. Tauchnitz: E. v. Arnim, The Princess Priscilla´s Fortnight, 1906, archive.org.

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                                  • Torres
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                                    Liebt das Forum
                                    • 16.08.2008
                                    • 26582

                                    • Meine Reisen

                                    Zu Christian,

                                    nun, die neue Generation, die dem Auto entwöhnt ist, kann das ja ändern. Ich kenne nur kaum jemand, der es lange aushält, auf dem Land ohne Auto zu wohnen. Auch nicht, wenn der Supermarkt in der Nähe ist. Mit Grillen im Garten gibt sich eben nicht mehr jeder zufrieden. Und das mit dem Gründen für das Dorflädensterben, naja, die sind in HH auch gestorben, weil die Leute nicht mehr das gleiche haben wollten, weil sie den Cent mehr nicht zahlen wollten, die der kleine Laden nehmen muss, um zu überleben. Das hat nix mit Auto zu tun, sondern mit Geiz ist geil. Die kleinen puristischen R...City-Filialen, die ich so mochte, sind jetzt auch langsam wieder zu hypermodernen Yuppieteilen umgebaut worden, passend zur kaufkräftigen Klientel, welche in die Städte strömt, anscheinend bringt nur das das Geld...

                                    Aber gut, Utopien haben noch nie geschadet. Ich bin auf jeden Fall froh, eine (noch bezahlbare) Wohnung in der Stadt zu haben und mir das Verkehrsmittel aussuchen zu können.

                                    P.S. Ich wäre ja schon froh, wenn die Autos wieder kleiner würden.
                                    "Oft habe ich die Welt durchwandert, und habe immer gesehen, wie das Grosse am Kleinlichen scheitert, und das Edle von dem ätzenden Gift des Alltäglichen zerfressen wird."... Hg. B. Tauchnitz: E. v. Arnim, The Princess Priscilla´s Fortnight, 1906, archive.org.

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                                    • lina
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                                      • 12.07.2008
                                      • 37020

                                      • Meine Reisen

                                      Zitat von Christian J. Beitrag anzeigen
                                      Die Dorfläden haben ja nicht geschlossen, weil niemand mehr Lust hatte, sein Geld aus den Lebensmitteleinkäufen der Landbewohner*Innen zu verdienen. Die Dorfläden haben geschlossen, weil in den Ballungsräumen auf der grünen Wiese Supermärkte mit Riesenparkplätzen eröffnet haben und weil es politisch gewollt war, den Preis für das Autofahren von seinen Kosten zu entkoppeln und massiv zu subentionieren.
                                      Die Argumentation ist inzwischen veraltet: Dorfläden gibt es wieder sehr zahlreich, es werden immer mehr und sie werden aktiv gefördert. Hier mal mehr Infos dazu am Beispiel Niedersachsen: klick

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                                      • Christian J.
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                                        • 01.06.2002
                                        • 8749

                                        • Meine Reisen

                                        Zitat von Torres Beitrag anzeigen
                                        P.S. Ich wäre ja schon froh, wenn die Autos wieder kleiner würden.
                                        Das ist in der Tat ein Punkt, auf den wir uns einigen können: Die aktuellen Generationen von Autos sind viel zu groß! Beim Carsharing freue ich mich am meisten, wenn der VW e-up verfügbar ist. Mein absoluter Horror war, als ich mal bei Sixt "Golfklasse" gebucht hatte und die mir einen SUV hingestellt haben.
                                        "Er hat die Finsternis der Latrinen ertragen, weil in der Scheiße nach Mitternacht sich manchmal die Sterne spiegelten"
                                        Durs Grünbein über den Menschen

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