Die Schleimspur

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  • dingsbums
    antwortet
    103. Etappe: 10.10.2013 - 12.10.2013

    Erbeskopf - Echternach: 141,3 km per Rad mit dingsbums


    Heute die restliche Strecke bis Orscholz, gestern wurde ich ja mit dem Bericht nicht fertig.

    Es war klar, dass ich kurz hinter Zerf den Hunsrück-Radweg verlassen würde. Da ich keine Lust auf den 'Umweg' über Greimerath hatte, entschied ich mich, mal wieder ein Stückchen auf der Hauptstraße zu fahren. Das verfluchte ich schnell. Eine Bundesstraße, kein Radweg an der Seite, bergan, außerdem wurde mir zu warm in meinen Regenklamotten. Also erst mal Pause, das Wetter wird schon halten, raus aus den Regensachen. Irgendwann war der (eigentlich harmlose) Anstieg auch geschafft und es rollte sich besser. So erreichte ich doch bald Britten, dort wechselte ich auf die Landstraße, auf die dann auch der Saarland-Radweg stieß. Hm, das Rad rollte ja wunderbar bergab, aber dass auf dieser Straße der offizielle Radweg läuft, verwunderte mich doch etwas. So erreichte ich die B51 und damit Mettlach. Schnell stand ich unten an der Saar - hier kannte das WAI sich aus, Mettlach hatte es schließlich schon passiert, als Torres es die Saar entlang fuhr.

    Ich konnte es mir nicht verkneifen, ein Foto vom Villeroy & Boch Outlet Center zu machen - das weckte Kindheitserinnerungen. Hier war früher der 2. Wahl Verkauf, den man nur nutzen konnte, wenn man eine passende Karte hatte. Aber jeder kannte wen mit Karte - und so hat bei uns in der Gegend jeder das ein oder andere Kaffeeservice von Villeroy & Boch.


    Mettlach, die Saar ist erreicht.


    Mettlach, Brücke


    Mettlach, Villeroy & Boch


    Mettlach, Brückenarbeiten

    Nachdem ich die Saar überquert hatte, fehlte mir ja nur noch das kleine Stückchen bis Orscholz - dachte ich. War eigentlich auch so, aber ich war nun doch recht müde und das letzte Stück zog sich sehr. Meinen Plan, einfach der Straße zu folgen, gab ich schnell auf. Hier mein Einkaufsradel hochschieben - nein, besser nicht. So bog ich in der nächsten Kurve einfach ab in den Wald - die Richtung stimmte, wird schon passen. Hätte ich mich vorab mehr mit dem GPS beschäftigt, hätte ich auch eine passende Karte dazu gehabt. Abends in Ruhe erkannte ich, dass ich die Wege nur deswegen nicht sah, weil noch eine andere Karte aktiviert war und diese überblendete. Na gut, auch ohne Karte habe ich den Weg nach Orscholz gefunden. Ich stieß dann auch auf einen Wegweiser, der mir zeigte, ich bin richtig.

    Ich näherte mich langsam der Saarschleife, die Ausblicke wurden richtig gut. Ohne Karte wählte ich dann aber doch einen 'sicheren' Weg und kam so zurück auf die Straße. Deswegen fuhr ich über diese nach Orscholz rein. Nach dem Check-in im Hotel machte ich aber noch meinen Spaziergang zur Saarschleife, bevor die Sonne untergeht. Schöne Abendstimmung in Mettlach, unterm Strich ein guter Tag.


    Mettlach, weg von der Straße


    Hier bin ich richtig, gut.


    Kurz vor Orscholz, tief geht es runter ins Tal.


    Vor Orscholz, erste Aussicht


    Vor Orscholz, erste Aussicht


    Orscholz, Saarschleife


    Orscholz, Saarschleife


    Orscholz, Saarschleife


    Orscholz, Abendstimmung im Kurpark


    Orscholz, Abendstimmung
    Zuletzt geändert von hotdog; 09.04.2014, 08:51.

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  • dingsbums
    antwortet
    103. Etappe: 10.10.2013 - 12.10.2013

    Erbeskopf - Echternach: 141,3 km per Rad mit dingsbums


    Schon vor unserem Lappland-Urlaub im September hatte ich mit Werner ausgemacht, das WAI Anfang Oktober zu übergeben. Dummerweise wurden die Pläne an den Wochenenden nach dem Urlaub wieder über den Haufen geworfen, so dass die Zeit knapp wurde, dem WAI noch meine Heimat zu zeigen. Was ich aber wollte, nachdem ich es jetzt schon durchs halbe Saarland gebracht hatte.

    Die Wetteraussichten für das Übergabewochenende waren nicht die besten, eine Erkältung im Anmarsch - und ich dachte mir: Jetzt erst recht! So nahm ich kurzfristig zwei Tage Urlaub und machte mich an einem trüben Donnerstagmorgen auf den Weg.

    Erbeskopf - Orscholz

    Holger setzte mich netterweise mitsamt Fahrrad am Erbeskopf ab. Noch schnell ein Bild vom Aussichtsturm im Nebel gemacht, dann rollte ich los. Heute sollte mich mein Weg lange entlang des Hunsrück-Radwegs führen. Leider kam ich nicht weit - nach ca. 2 km hatte ich einen Platten. Ich mache normalerweise keine Radtouren, bin lange sogar gar kein Rad mehr gefahren. (Warum auch immer, als Kind, Jugendlicher, Student war ich viel mit dem Rad unterwegs, aber nachdem mir mein Moutainbike abhanden kam, hörte ich einfach auf.) So war ich komplett ohne Ausrüstung unterwegs, nur eine Luftpumpe hatte ich dabei. Außerdem ist mein Rad, das ich mittlerweile besitze, recht einfach, ich zitiere einfach mal Werner:

    Zitat von Werner Hohn Beitrag anzeigen
    Pünktlich, wie sie es angekündigt hat, radelt "Dingsbums" mit, na, ich möcht' sagen, einem Einkaufsradel auf den Place du Marché in Echternach.
    Da stand ich also mit meinem Einkaufsradel ohne Flickzeugs und hatte eigentlich eine 3-Tagestour vor mir. Was tun? Natürlich versuchte ich es erst mal mit Nachpumpen - das hielt nur ein paar Meter. Hier auf der Südseite des Erbeskopf war auch weit und breit keine Ortschaft, zu der ich hätte schieben können. So fiel mir nur eine Lösung ein: Mit dem Platten weiterfahren, bis ich Hilfe finde. Da es meist bergab ging, war das Fahren sogar halbwegs akzeptabel - obwohl - eigentlich war es furchtbar. Ich hätte es vorab nur für überhaupt nicht möglich gehalten, so ging es dann für mich überraschend 'gut'.


    Erbeskopf im Nebel


    Noch sieht man nicht viel.


    Irgendwann wird die Sicht besser - allerdings bin ich auch schon tiefer.


    Ohne Platten wäre es hier richtig nett.

    Irgendwann erreichte ich Thiergarten, ein Dorf, in dem ich nicht wirklich damit rechnete, dass es einen Fahrradladen gibt. Aber natürlich wurde der erste Anwohner befragt. Die Dame verneinte meine Anfrage höflich, meinte aber, auf dem Weg nach Hermeskeil wäre der Hela, die würden auch Fahrradreparaturen machen. Hela - okay, in einen Baumarkt wäre ich jetzt nicht gegangen. Ich war wirklich dankbar für den Tipp, denn so sparte ich es mir, bis Hermeskeil selbst zu fahren. Nach ca. 3 km tauchte dieses Schild auf:


    Hela - meine Rettung - nichts wie hin!

    Ich schätze, ich war so ca. 13 km mit Platten gefahren. Im Laden waren die Leute sehr nett und meinten, es könnte zwar bis zu einer Stunde dauern, aber ja, sie würden es direkt machen. Juchu! Meine Tour ist gerettet. Ich nutzte die Pause für ein zweites Frühstück und zum Erholen von dem Schock. Der Preis war auch mehr als fair. Und so konnte ich keine Stunde später weiterradeln.


    Hier der Eingang, ich denke, die Abteilung 'Autoteile' sorgte dafür, dass auch mir geholfen wurde.


    Zweites Frühstück

    Ich beschloss, ein kurzes Stück auf der Straße zu fahren, bis ich wieder auf den Hunsrück-Radweg stoßen würde. Hunsrückhöhenstraße - schön war es auf der ja nicht. Aber schnell war die Autobahn erreicht, hier sollte ich wieder auf den Radweg kommen. Nun ja, entweder gab es die Möglichkeit bei der Querung von Straße und Weg nicht, oder ich habe sie verpasst. Aber kurz später sah ich den Weg rechts von mir verlaufen und nutzte eine Wiese, um mein Rad dorthin zu schieben.

    Danach war das Fahren für lange Zeit einfach und angenehm. Der Hunsrück-Radweg läuft hier auf der ehemaligen Trasse der Hochwaldbahn, da rollt es sich richtig gut. Nur das Wetter hätte besser sein können. In Reinsfeld beschloss ich dann auch, dass es Zeit für Regenklamotten ist. Eine gute Entscheidung, denn es regnete immer mehr. Zwischendurch kam ich in einen starken Graupelschauer, Peeling für die Hände. Aber da sonst alles prima lief, war überraschend schnell Zerf erreicht, Zeit für eine nächste Pause.


    Hier wechselte ich von der Straße zurück auf den Radweg.


    Auf der alten Bahntrasse


    Zeit für Regenklamotten: Die im Urlaub liebevoll geflickte, aber da nicht mehr benötigte Regenhose, wird ein letztes Mal genutzt.


    Diverse Radwege hier


    Aufpassen, dass man nicht von einem Auto überfahren wird ...


    ... und auch nicht gegen die Schilder fährt.


    Details am Wegrand


    Es regnete.


    Nett am Bach entlang


    Zerf - passender Straßenname direkt an der Kirche

    Fortsetzung folgt ...
    Zuletzt geändert von hotdog; 09.04.2014, 08:07.

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  • dingsbums
    antwortet
    AW: Saarland/Rheinland-Pfalz: Die Route

    Ich möchte die Reiseberichte über meine letzten Etappen mit dem WAI noch nachreichen. Irgendwie bin ich nie dazu gekommen ... Also heute erst einmal die 'Königsetappe', die Gipfel von Saarland und Rheinland-Pfalz wurden an einem Tag erwandert. Der Bericht wird wohl eher kurz werden, ist einfach schon zu lange her. Aber Fotos sagen ja oft mehr als Worte.

    Endlich war es soweit: Wir hatten sonst keine Wochenendverpflichtungen, das Wetter war nicht mehr zu heiß zum Wandern, und so standen wir an einem Sonntagmorgen im August auf dem Parkplatz unterhalb von Dollberg und Ringwall. Wir - das sind mein Mann Holger und ich. Während ich davor und danach mit Fahrrad und Tretroller als Einzelkämpfer unterwegs war, begleitete Holger mich auf dieser Wanderung, was mich sehr gefreut hat.


    Start am Parkplatz


    Der Weg heute lief entlang des Saar-Hunsrück-Steigs.

    Los ging's, hoch zum Ringwall. Schon bald tauchten die ersten Steine auf, schlau machen dazu konnte man sich auf den Informationstafeln. Auch der Blick runter zum Nonnweiler Stausee war nett.


    Erste Steine am Ringwall


    Nonnweiler Stausee


    Informationstafel

    Über den Nordwall verließen wir den Ringwall dann Richtung Gipfel des Dollberg. Direkt daneben wuchsen viele Blaubeeren. Lecker! Außerdem - Steine und Blaubeeren? Das weckt ja direkt Erinnerungen an Lappland.


    Infotafel zur Hauptmauer


    Rauf geht's.


    Ausblick oben


    Und auf der anderen Seite wieder runter.


    Blaubeeren, fast wie in Lappland

    Weiter ging's und schon bald war der Dollberg erreicht. Das nutzten wir für eine erste kleine Pause, ein Baumstamm lud zum Sitzen ein.


    Beweisfoto am Dollberg - dingsbums und WAI


    Pausenplatz

    Der Weg war einfach zu laufen. Aussicht gab es eher selten, ein typischer Waldweg halt, aber schön. Und so kamen wir nach Börfink und entschlossen uns, einen Abstecher zum Forellenhof zu machen. Mittagessen klang nach einer guten Idee. Die auf einem Schild angekündigten 300 m waren dann doch eher noch 1 km, und ich hatte ein Tief. Aber dann waren wir gut angekommen, und genossen Forelle auf der Terrasse.


    Waldweg


    Bank an einem der seltenen 'Aussichtspunkte'


    Die Aussicht dazu


    Historisches am Wegesrand


    Waldweg


    Waldweg


    Forellenhof


    Mittagessen: lecker Forelle

    So gestärkt konnten wir uns dann auf den Weg zum Erbeskopf machen, schließlich wollte auch dieser Gipfel noch bestiegen werden.


    Zurück zum Wanderweg, hier ging es weiter.


    Ausblick von oben auf die Weiher


    Hm, der springt eher nicht mehr.

    Weiter ging es durch Wald, Wald und Wald. Deswegen gibt es vom nächsten Abschnitt eher weniger Fotos, und dann waren wir schon fast da. Es gab noch einen komischen kleinen Umweg - das Infoschild verriet es: Siegfrieds Quelle. Interessant dabei fand ich auch die Tatzen, die das Hunsrückhaus da nutzt.


    Siegfrieds Quelle


    Infotafel dazu


    Bald geschafft!


    Kurz vor dem Ziel


    Noch einmal die Aussicht genießen

    Und dann waren wir oben. Und ich war richtig geschafft. Man muss dazu sagen, dass ich davor länger nicht mehr wandern war, da ich lange brauchte, bis meine Knieverletzung auskuriert war. Und zwischen anderthalb Stunden Nordic Walking und einer mehrstündigen Wandertour, da gibt es doch einen Unterschied. Zusätzlich, da diese Tagestour die Generalprobe vor dem Wanderurlaub war, hatte ich extra die (für Temperatur und Gelände zu) schweren Wanderstiefel angezogen. Außerdem hatte ich mit gut 16 km die Strecke zu optimistisch abgeschätzt. Wir waren jetzt doch über 22 km unterwegs gewesen. Und so konnte ich auch mit guten Gewissen richtig müde sein.


    Infos über den Erbeskopf


    Der Aussichtsturm


    Skulptur


    Skulptur


    Skulptur


    Plateau mit Aussichtsturm


    Das WAI guckt vom Turm in alle Richtungen.


    Das WAI guckt vom Turm in alle Richtungen.


    Das WAI guckt vom Turm in alle Richtungen.


    Das WAI guckt vom Turm in alle Richtungen.


    Das WAI guckt vom Turm in alle Richtungen.


    Weitere BeWAIsfotos ...


    ... auch in Groß

    Zum Abschluss wurde dann noch die Skulptur Windklang bewundert, bevor es die letzten Meter runter zum Hunsrückhaus ging. Müde, aber auch zufrieden nach einer schönen Wanderung, machten wir uns auf den Heimweg.


    Windklang


    Die letzten Meter


    Windklang


    Windklang


    Windklang


    Ist da etwa jemand verliebt?


    Und zum Abschluss noch einmal Windklang in der tief stehenden Sonne ...

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  • Goettergatte
    antwortet
    106. Etappe: 18.10.2013

    Burg Drachenfels - Bonn: 16,6 km zu Fuß mit Goettergatte, Sabine38, Sarekmaniac, T0M


    Das WAI kommt nach Nordrhein-Westfalen!

    Diese Botschaft erreicht uns am zweitvorletzten Oktoberwochenende des 2013tem Jahr nach Fleischwerdung des Herrn, im vierten Jahr seiner Irrfahrt.
    Damit es auch zügig nach Überschreitung der Grenze WAIter kann, wird flugs ein Empfangskommitee einberufen, welches aus zu je gleicher Stärke aus Rheinländern und Westfalen besteht,
    zumindest was deren momentane Residenz betrifft.
    Rheinländer und Westfalen?
    Ja!
    Es ist furchtbar, aber es geht!

    So treffen wir uns am Morgen des 18.Oktober im südlichen Kastellgraben des Bonner Legionslagers und lagebesprechen unser Vorhaben bei einem reichhaltigen Frühstück.

    Das Molwanisch-Kartographische-Institut hat uns für diesen Zweck die Zusendung einer "das Zielgebiet ausreichend abdeckende Wanderkarte in großem Maßstab" zugesagt,
    und sein Versprechen - wie (auch) immer - gehalten.



    Während der Lagebesprechung, gegen 10.00 Uhr, zu nachtschlafender Zeit, erreicht uns per Fernsprecher die Nachricht, daß das WAI in just jenem Moment die Grenze überschreitet.
    Ihm, dem WAI-Träger wird geheißen, bloß die Ruhe zu bewahren, nicht zu hetzen, denn man esse noch und sei nicht gewillt, die Tour schlecht vorbereitet, in schlechter Verfassung und übereilt anzugehen.

    Nach Abwägen sämtlicher Um-, Ab-, Auf- und Zustände begeben wir uns mittels Fuß und Metro (Partialuntergrundtram) nach Königswinter am Drachenfels.

    Dieser wird binnen 30 Minuten erklommen.

    An der Bergstation der Bahn treffen wir das WAI, zusammen mit Werner Hohn, seinem Träger.



    Nachdem dieser das WAI an Sabine übergeben hat, dürfen wir alle es einmal halten, drücken und kosen.




    O-Ton Werner: "Da hinten ist der Asberg, da überschritt das WAI die Grenze" Foto by T0M

    Göga kann es nicht lassen, ihm einmal die Löwenburg zu zeigen, deren Bergfuß es noch wenige Viertelstunden zuvor passiert hat.


    Der Berg zu des WAIs Rechten, die Löwenburg

    Darauf genießt es einmal die Aussicht den Rhein hinauf, von wo es herkommt und darauf den Blick Rheinab, wohin es getragen werden wird.


    Rheinauf:
    Hier sehen wir die Insel Nonnenwerth (Internat für gutbetuchte Schulversager), auf der die Geliebte eines gewissen Roland als Nonne eintrat, dieweil Roland in Liebesschmerz am Fensterbogen der Burg Rolandseck, rechts der Insel, auf dem Berge, verschmachtete. Links der Insel Röhndorf, Heimat eines alten Politikers




    Blick Rheinab,
    das unsägliche Hochhaus ist das, die Wiege der Republik verunstaltende, Posthochhaus


    Darauf meint das WAI, wenn es schon hier sei, so möchte es auch ganz hinauf, dort wo das Nationaldenkmal der deutschen Schwiegermütter sei,
    der Drachenfels.



    Während der Rest der Deligierten im Windschatten tagt, erklimmen Sabine und Göga den Burgfels und machen, wie es dem WAI gefällt, Gipfelfotos vom höchsten Rheinufergipfel unseres Bundeslandes.




    Romanischer Hybridbau,Verwaltungs- Wohnungs- und Wehrbau, sowie Demonstrationsobjekt.

    Danach ruht das WAI an einem Fenster des Pallas, mit Blick auf die Godesburg.




    Nunmehr gibt es aber kein Halten, wir schreiten jetzt zügig talwärts, die zugige Höhe des Felses hinter uns lassend, streben wir, der Bahntrasse folgend, einer Umleitung entlang, ...



    ... über die Villa Burghof (welche ein nettes ODS-Heim abgäbe),



    ... dem Schloß Drachenburg zu, einem Drehort des Filmes "Schtonk"




    (INFO: Bitte kein Bildmaterial einfügen, das die Rechte Dritter verletzt. d.h. i.d.R. keine Musikvideos, TV-Serien etc. )
    Schloß Drachenburg in Min. 3.49,
    Eva Braun nackt vorm Watzmann findet ihr in Min. 4.30 und hier ab Min. 1.40 )


    Hier begegnet uns einige Male die Drachenfelsbahn. Am Weinhaus (nicht WAIhaus) "Winzerhof" vorbei gelangen wir zur Nibelungenhalle. Sie wird zur Zeit restauriert.








    Königswinter und Reben...


    ... und ohne Reben

    WAIter geht es dann, vorbei am "Vater Rhein Haus", dem Geburtshaus von Prof. Eduard Rhein, Erfinder des nach ihm benannten Rheins. (Somit ist er, zusammen mit Eduard Ruck und Friedrich Sack, sowie Edmund Koffer, einer der Begründer des modernen Tourismus), zur Talstation.


    Vater Rhein Haus

    Hier fordert das WAI uns auf, für die Pufferküsser des Forums einige Bilder der historischen Lokomotive zu machen (wo ist die Baureiennummer?)



    Hier am Anfang des Aufstiegs zum Drachenfels wird ausdrücklich vor Schwiegermüttern gewarnt.


    Achtung Schwiegermütter

    Danach verabschieden das WAI und wir uns von Werner und wir tauchen in Königswinters Altstadt ein, um bald darauf die Fähre zum Godesberger Ufer zu erreichen.


    Partien aus der Altstadt

    Foto by T0M
    Warten auf die Fähre


    Fähre Königswinter

    Foto by T0M
    WAI an Bord

    Nach dem Übersetzen herrscht erst einmal eine gewisse Wirrnis bezüglich des Wegverlaufs, nicht der Richtung wegen, sondern der Nutzungstrennung. Es ist unklar, ob wir auf einem Hybrid- oder einem reinen Radweg sind.

    ]Foto by T0M

    ]Foto by T0M
    Das WAI auf Rheinkilometer 650,1

    Bald stellt sich jedoch heraus, ein Hybridweg ist es nicht, Wanderer sind ca. 3 m höher, hinter den Bäumen besser gelitten.

    Es bieten sich noch einige entzückende Blicke auf Schwiegermutterfels und Siebengebirge, sowie den Petersberg, mit seinem Steuergeldgrab, dem ehemaligen Bundesgästehaus. Es wird nicht das letzte Steuergrab des Tages bleiben.





    Alleeig führt der Weg rheinab, linkerhand befinden sich Villen, tief verborgen hinter weitläufigen Parks säumen sie das Ufer, rechterhand sieht man am jenseitigen Ufer Trachytsteinbrüche, der Trachyt war ein Exportschlager des Mittelalters, vor allem in den Norden Europas, als Mahl und Mühlstein und als Werkstein, die Dome von Ribe und Roskilde (Vorgängerbau) sind bzw. waren aus diesem Stein gebaut.


    Steinbruch



    Ruderer sind neben kleineren Schiffen und großen Schubeinheiten unterwegs.




    Wir kommen auch an einer von Professor Rheins Strömungsmaschinen vorbei, welche den Rhein in Bewegung halten. Eine sehr sinnige Einrichtung, denn stehende Gewässer sind zuweilen recht langweilig. (Prof. Rheins Erfindung hatte Dr. Mosel bei der Seinigen ruhig beherzigen sollen)


    Rheinströmungsmaschine

    Wir kommen am Castanjen-Mausoleum vorbei, früher ein Erbbegräbnis, heute Urnennekropole.
    Am gegenübrigen Ufer grüßt St. Cäcilia von Oberkassel, das WAI grüßt zurück.


    Mausoleum


    St. Cäcilien


    Rheinschiffahrt alt und "neu"

    Bald schon sind wir in den weitläufigen Rheinauenanlagen angelangt und auf dem Beuler Ufer tritt die Rohmühle ins Blickfeld.


    Rohmühle


    Bonn in Sicht

    Danach unterqueren wir die Adenauerbrücke und erreichen das große Steuergeldgrabfeld Bonn-Gronau (OK,Ok, es wurde hier nicht so viel verbrannt, wie im Spreesand versenkt wurde)
    Eine Kackophonie in Glas, die der historischen Würde des Geländes, als Wiege unserer Demokratie, rein garnicht entspricht, ist der unsagbare Trumm des Post/DHL Turms.



    Hinter ihm steht eines der teuersten Bürogebäude der Republik, der nicht ganz lotrechte Schürmannbau .


    Das WAI im alten Regierungsviertel

    Hier machen wir an einem unhübschen Kiosk kurz Rast.
    Aber wer rastet rostet und so drängt man zu weiteren Schritten, am Langen Eugen vorbei, zum Wasserwerk, dem einstigen provisorischen Plenarsaal des Bundestages, ...

    Foto by T0M
    Langer Eugen, jetzt UNO


    Wasserwerk

    Foto by T0M
    Neuer Plenarsaal

    ...darauf folgt der unnütze Bau des neuen Plenarsaals, gefolgt von der Villa Hammerschmidt, dem Zweitsitz eines Mannes, der eine Geheimdienstsache ab- und aufarbeitete, aber von einer Abhöhraffäre nichts wissen mag.


    Villa Hammerschmidt



    Rückblicke

    Srtrax sind wir schon am Rheinpavillion, an welchem wir in Richtung Hofgarten abbiegen.
    Das WAI erblickt den Hofgarten im 30ten Jahr der denkwürdigen Ereignisse gegen den Nato-Doppelbeschluß, fast, nur 3 Sonnenaufgänge daneben, auf den Tag genau.
    Man wird Zeuge einer Erinnerungsveranstaltung an jene Tage des „Heißen Herbstes“ 83.




    Danach queren wir die Popp-Allee, das WAI erhascht einen Blick auf das Poppschloß, in dessen Schatten der Bonner Titanwurz zuweilen Blüht.



    Wir Betreten die Bonner Altstadt im Bereich der, auf einem römischen Gräberfeld angelegten Stiftsburg, die Stiftskirche reckt sich uns entgegen und im Straßenpflaster ist das Fundament der ehem. Michaelskirche markiert.


    Bonn Altstadt

    Auf dem Stiftsplatz nimmt das WAI den Bonner Pranger in Augenschein, bevor es sich anschaut, wie Beethoven der Post den Rückenzukehrt (erinnert sich jemand an die alte Frage aus Trivial Pursuit „Wo kehrt Beethoven der Post den Rücken zu")

    Von hier eilen wir, am alten Steintor und dem Bonner Löwen vorbei, zum Friedensplatz, von wo wir eiligst dem Brauhaus Bönnsch zu streben, um bei einigen Gläsern Bönnsch und Grillhaxen, mit krachenden Schwarten, Stärkung zu erfahren.



    Dabei liest uns Sabine aus dem WAI-Tagebuch vor, eine Sache die sich nicht einfach gestaltet, da nicht jeder Stift wasserbeständig und jede Schrift gut lesbar ist.
    Lobend erwänen muß ich hier aber die kunstvollen Ausführungen Baltic Skins und die platzsparende Art novembers .


    WAI und Bönsch - Sabine versucht Herrn Pfad-Finders Bericht zu entziffern

    Nach Mal und Trank verabschiedet sich T0M vom WAI und uns. Wir folgen Sabine und Dem WAI WAIter durch die Bonner Nordstadt zum Römerlager, wo wir dem WAI und Sabine eine Gute Nacht wünschen.

    Ruhe wohl mein WAI.
    Zuletzt geändert von hotdog; 09.04.2014, 08:28.

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  • Werner Hohn
    antwortet
    105. Etappe: 19.10.2013

    Rohtekreuz - Burg Drachenfels: xxx km zu Fuß mit Werner Hohn


    zu Fuß

    Mit dem WAI von Rheinland-Pfalz nach Nordrhein-Westfalen


    Sonntagnachmittag und heute. An der Kreuzung kommt das WAI wieder auf die Route.


    Ginsterhahn und das, was es da zu sehen gibt. Wenn man weiter sehen könnte, könnte man die Eifel sehen. Die kann man so früh am Morgen eh nicht sehen, weil sie sich noch im Morgengrauen versteckt.


    Der Asberg. Auf dessen Rückseite fängt Nordrhein-Westfalen an. Dann mit aller Kraft weiter in die neue Welt.


    Kalenborn. Reste ehemaliger Förderbänder zwischen Basaltstein - oder so. Kunst an der ehemaligen Bahntrasse. Na, immerhin wurde und wird hier Basalt abgebaut.


    Für den Dipl. Hobbykoch mit dem 1.000-Euro-Messerset?


    Das WAI trifft auf eine neue Dimension.


    Samstag, 19. Oktober 2013 9:50: Das WAI errecht NRW. Telefongespräch nach Bonn zum dort tagenden Empfangskomitee. Ankunft Drachenfels 12 Uhr. Aus dem Hintergrund wird die Uhrzeit kommentiert mit "ich soll mir Zeit lassen, man sitze noch bei Kaffee, Brötchen und Marmelade". So sind sie, die aus NRW. Der Rheinländer kämpft im Siebengebirge ums Überleben und die hocken in der alten Hauptstadt in der warmen Stube. Wie gut, dass ich nicht nach Berlin wandern musste.


    Der Stellweg. Ein Weg wie das Land sich gerne sieht. Direkt und geradeaus. So um die 7 Kilometer mit nur einem Knick waren dann doch etwas zäh.


    Wenn du nicht weißt wo du bist, aber solche Wege siehst, bist du im Siebengebirge. Rechts der ist für Pferde, links für den Rest der Welt. Im mit üppigen Beamtenpensionen gesegneten Bonner Umland, legen die Leute Wert auf gutes Geläuf für ihren Gaul.


    Wehrhütte. Es ist ein langer und zäher Anstieg gewesen. Das gefühlte Durchschnittstempo ist von 6 auf 5,7 km/h gesunken. Der Drachenfels taucht immer noch nicht auf. Die Löwenburg, auf die es nicht einmal ein Bruchteil der Drachenfelsbesucher schafft, steht auf jedem Stein.


    Ersatzburg. Man weiß ja nie, wonach noch gefragt wird.


    Dank 25.000-fachem Zoom erkennbar: die Burg auf dem Drachenfels. Noch 40 Minuten zu Fuß. Es ist voll geworden im Wald. Ums Siebengebierge würde ich einen Zaun ziehen und an den Eingängen Kassenhäuschen aufstellen.


    Geschlagene 18 Kilometer musste ich gehen, bis der Drachenfels auf den Wegweisern auftaucht. Von hinten kommt eh keiner und von vorne fahren alle mit der Zahnradbahn hoch.


    Samstag, 18 Oktober 2013, 12:04: Das WAI erreicht den Drachenfels. Pünktlich wie vor 2 Stunden und 10 Minuten geschätzt. Jetzt heißt es warten. Sabine38, Sarekmaniac, Goettergatte und TOM kommen pünktlich die angekündigte halbe Stunde später. Oder war es eine Dreiviertelstunde?


    @hotdog:

    Die ungefähre Route auf Google Maps bei Fußgänger.

    In Worten: Rothe-Kreuz, Leubsdorf - Stellweg, Bad Honnef - Milchhäuschen, Königswinter - Drachenfels, Königswinter
    Zuletzt geändert von hotdog; 21.10.2013, 12:07.

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  • Werner Hohn
    antwortet
    103. Etappe: 12.10.2013 - 13.10.2013

    Echternach - Rothekreuz: xxx km per Rad mit Werner Hohn

    Im Oktober mit dem WAI von Echternach an den Rhein

    oder

    Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist die Bundesstraße

    Erster Tag: Von Echternach bis Weidenbach

    Das WAI in einem Echternacher Café

    Da ist sie nun wieder. Vor ziemlich genau 4 Jahren hatte ich die Dose schon einmal in der Hand, in Norddeutschland, auf einer der ersten Etappen. Heute habe ich 5.000 Beiträge mehr im Forum, bin gealtert und soll die Dose an den Rhein bringen. Pünktlich, wie sie es angekündigt hat, radelt "Dingsbums" mit, na, ich möcht' sagen, einem Einkaufsradel auf den Place du Marché in Echternach. Kaffee, ein paar Worte und dann bin ich weg. Der Wetterbericht treibt und eine Erkältung macht sich in den Knochen breit. Bevor ich auf dem Kaffeehausstuhl noch durch und durch krank werde, will ich auf der Straße sein. Wenn dann doch nix mehr geht, geht ab Bitburg die Deutsche Bahn.

    St.-Willibrord-Basilika in Echternach

    Wahlplakate habe ich in Luxemburg schon wieder ertragen müssen. Auch da ist Wahlkampf. Als Deutscher fällt die Vorstellung schwer, dass die im Großherzogtum wählen gehen. Sogar der Junker will sich tatsächlich wieder wählen lassen. Trotz eher nicht vorhandener Kenntnisse der lokalen Sprache behaupte ich, dass der Inhalt der Wahlplakate, was den Gehalt der Parolen betrifft, gleich dem deutscher Wahlplakate ist. Viele Wanderer sind unterwegs, die üblichen Kirchenbesucher, ansonsten steht völlig überraschend auch in Luxemburg das eine oder andere Gebäude vernagelt in der Stadt rum. Wie wird das hier aussehen, wenn der Ami mit seinem Kampf gegen die Steueroasen fertig ist? Ich will's mir nicht vorstellen.

    Bei Irrel

    Da steht es wieder, jenes ungeliebte Schild. Von wegen Bundesstraße. Auf den Nims-Radweg werde ich gezwungen. Laubbedeckt durch den Wald, dafür eben. Rutschig ist das nasse Laub, zur schmierig, um das Rad laufen zu lassen. Zur Entschädigung bleibt der Radweg mehr oder weniger in der Nähe der Bundesstraße. Mich beschleicht der Verdacht, das wird sich bis Bitburg nicht ändern. Dabei hatte ich schon in Echternacherbrück geschaut, ob ich auf die Bundesstraße darf. Am Norma vorbei und dann hinten den Berg hoch nach Bitburg. Kein Problem. Leider ist sofort Schluss. Die Sauer runter nach Minden werde ich umgeleitet und von da die Prüm kurz hoch bis zu Mündung der Nims. An der Prüm hat ein in den Radweg ragender Ast das dünne Tachokabel zerrissen. In die Fahrbahn einer Bundesstraße ragt kein Ast.

    "Verschiebung" von Albert Hettinger

    Angefangen hat das vor einem Vierteljahrhundert. Überall tauchte Kunst auf, bei der sich viele fragten, was daran Kunst sein soll. Nicht nur weil die Leute mit Spitzweg, Dali und "Mohnblumen im Kornfeld" mehr anfangen können. Auch weil sich nicht wenige die Frage stellten - und viele tun das immer noch -, warum man Landschaft zustellen muss, mit Zeugs, das sonst keiner haben will. Wurde damals der Topf "Kunst im öffentlichen Raum" aufgemacht, der bis heute ergiebig sprudelt? Wanderwege und Radwege kommen scheinbar nicht mehr ohne aus. Kann man so von Sinnen sein?

    Irgendwo am Nims-Radweg

    Du fährst da durch, drehst eine Runde auf der schmalen Dorfstraße, machst ein Foto, nimmst die ganz fest vor, später den Ortsnamen aufzuschreiben und fährst weiter. Tja, Kirche und Dorf bleiben namenlos. Am Radweg jedenfalls, da wo das Nimstal flach und weit ist. Aber das kann überall dort sein.

    Ein Bitburger Foto

    Was wäre das kleine Städtchen da oben am westlichen Rand der Eifel ohne die Brauerei, die hier zum Konzern gewachsen ist. Von wegen beschaulicher Braukeller. Wer sich Bitburg nährt, kommt nicht an den Hallen der Brauerei vorbei. Was wird aus Bitburg, wenn die Brauerei dicht macht? Trinken die Bitburger dann aus lauter Gram für alle Zeiten Altbier, die ganz Verzweifelten sogar Kölsch?

    Ich bin oft mit dem Auto durch Bitburg gefahren, und nie, nie bin ich auf die Idee gekommen, durch ein schönes Städtchen zu fahren. Aus dem Fahrradsattel wird's nicht schöner. Dicht dran vorbei, und gut ist.

    Kreuzung B 257/"Grüne Straße Eifel-Ardennen"

    Unten im Kylltal, am Bitburger Bahnhof in Erdorf, habe ich dem Radweg abgeschworen. Dem Kylltal-Radweg hätte ich ab da steigungsfrei bis Kyllburg folgen können. Die Bundesstraßenwahl ist eine dumme Wahl gewesen, denn er geht steil hoch nach Badem. Oben werde ich mit Fernsichten unter grauen Wolken belohnt. So fern also nicht. Besichtigen könnte ich Einiges, wenn ich den braunen Schildern folgen würde. Im Kloster Himmerod wollte man uns vor Jahren nicht die große Keramikschale eines Töpfers aus Italien verkaufen. "Die können sie sich sowieso nicht leisten!" Die Tür war zu, noch ehe wir antworten konnten. Und auf meinen Eifelquerungen zu Fuß, bin ich schon zweimal am Kloster vorbei gewandert. Heute zieht mich nichts mehr dorthin. Ab jetzt immer dem Nürburgring hinterher. Der ist in der Eifel so großräumig ausgeschildert, als wolle man den für alle eventuellen Ewigkeiten halten.

    Bei Steinborn

    Pause am Rand der Straße auf einer Bank am Abzweig nach Steinborn. Kalt und Wind von Westen. Beim Fahren ist das toll, weil der Wind schiebt, bei der Pause nervt der Wind, weil ich friere. Zwei Mars, ein Müsliriegel, eine Banane. Das Wasser in der Flasche ist vom Fahrtwind auf Eiseskälte gekühlt. Gerne würde ich länger sitzen bleiben, wenn es nur wärmer wäre. Auch die Frage, wo ich heute Nacht schlafe, ist noch offen. Daun? Bis dahin machen die Beine nicht mehr mit. Auf der Höhe eines am Straßenrand auftauchenden Hotels haben sie den Dienst verweigert. Ein Hotel in der Eifel mit einem belgischen Besitzer und - was sonst um diese Jahreszeit - voll mit Urlaubern aus Belgien.

    Zweiter Tag: Von Weidenbach nach Linz am Rhein

    Bei Weidenbach

    In der Nacht hat es geregnet. Mehrmals bin ich davon aufgewacht. Der Morgen ist alles andere als sonntäglich schön. Nebel liegt tief über der Eifel. Vereinzelte Tropfen fallen aus dem unsichtbaren Himmel. Auf der Bundesstraße bin ich alleine unterwegs. Sonntags, bei so einem Wetter, treibt sich nicht auf der Straße rum, wer ein warmes Bett sein Eigen nennt. Einmal rundum in Plastik verpackt, ist der Morgen jedoch auszuhalten. Innen ist es mollig warm. Leider rinnt bei jedem Anstieg der Schweiß, als wäre Hochsommer. Die Reifen zischen bei den Abfahrten auf der nassen Straße. Die Handschuhe sind in wasserdichte Latexhandschuhe verpackt. Eine neue Versuchsreihe, aus der Serie "Aus der Not geboren".

    Das hat Daun nicht verdient

    Dass ich nicht nach Daun hinein fahren werde, ist sonnenklar. Daun ist nicht schlecht fürn Kaffee oder ein Abendessen oder wenn man nach einer Wanderung noch durch ein kurzes Einkaufsmeilchen schlendern möchte. Daun hat einen Nachteil: Egal von wo ich komme, irgendwo muss ich immer einen Hügel hoch. Deshalb vorbei und am Kreisverkehr raus nach Kelberg. Die Ausschilderung zum Nürburgring zählt immer noch. Ach ja, in Pützborn, noch vor Daun, ist die Straße aufgerissen. Das ist toll, denn mit dem Rad ist das kein Problem. Für die zwei Jaguar aus Luxemburg schon, denn an der Absperrung ist für die Schluss. Die Freuden des Radfahrens, sind kleine manchmal kleine Schadenfreuden.

    Landstraße 46 bei Kradenbach

    Die L 46 ist eine tolle Straße. Wer mit dem Fahrrad von Daun zum Nürburgring möchte, tut gut daran diese Straße zu nehmen. Ganz sachte führt die unter der Autobahn her hoch zur Bundesstraße 410 vor Kelberg. Im Regen, oder wie an diesem Tag, der nicht richtig hell werden möchte, ist die Fahrt mit dem Rad auf dieser Landstraße eigentlich noch schöner als an einem trockenen und warmen Tag. Wie das runter zu aussieht, weiß ich nicht. Das könnte bei dem heutigen Wetter ungemütlich werden. Bei dem Schietwetter heute ist die Straße toll, weil ich am flachen Anstieg im Plastik nicht gedünstet werde.

    Pfarrkirche Hilgerath

    Diese Kirche muss in den Bericht. Etwas Kultur muss sein. Abseits der L 36 auf einer Anhöhe gelegen, ist die Pfarrkirche ganz schön weit weg von den Dörfern rundum. Die weiße Kirche steht ganz alleine da oben, und unten am Abzweig steht der Hinweis, dass im Winter nicht gestreut wird. Gottvertrauen hilft oder Winterreifen, vermutlich beides. Wird da oben überhaupt noch die Messe gelesen, oder ist die schöne Kirche das, was heutzutage viele Kirchen sind: eine bessere Friedhofskapelle? Ich bin schon lange nicht mehr da oben gewesen. Früher habe ich oft da gesessen, wenn die von der Firma aufgetragene Arbeit die Arbeitszeit nicht ausgefüllt hat. Auf der Bank neben dem Friedhof sitzen und über eine sonnenbeschienene Eifel schauen im Stundenlohn, war nicht die schlechteste aller Bezahlungen.

    Immer der Bundesstraße nach

    Weiter nach Mayen, auch wenn vorher ein fieses Tal mit einem fiesen Anstieg auf mich wartet, und dann weiter an den Laacher See und zum Schluss durch das Brohltal an den Rhein. In Bad Breisig mit der Autofähre ans andere Ufer, noch einer langer, ehedem schrecklicher, nun locker zu fahrender Anstieg hoch, fertig wäre der WAI-Transport Richtung NRW. Doch Nürburgring oder lieber Mayen und das Kloster Maria Laach? Was für eine Frage! Maria Laach lässt man nicht aus. Dort werde ich sogar die Tupperdose aus der Packtasche kramen, um diese vor das romanische Portal der Kirche zu halten. Klick, schon wäre vereint, was nicht zusammenpasst.

    K 89 bei Reimerath

    In Hünerbach bin ich Richtung Nürburgring abgebogen. Woher der Sinneswandel? Vielleicht lag es an der Baustelle kurz vorher. Die verführerische B 410 ist unter eine Asphaltfräse geraten. Männer vom Straßenbau, habt ihr auch feinere Fräsen, welche, die einem die .... nicht ins Innere treiben? Auf zum Ring, ist ja nur um die Ecke. Und eine schöne Strecke ist es auch, wenn auch eine kurze. Ab dem Nürburgring wird es nur noch den Berg hinab gehen. Hinunter ins Ahrtal, durch das bis an den Rhein bei Linz. Der letzte Anstieg heim, das wäre aber dann allerdings ein Anstieg. Dann ab, zum "Ring", sogar das WAI hat eine Nürburgring-Affäre verdient.

    Kurt-Beck-Gedächnisanlage

    Hier hat der Kurt mit seinen Mannen Millionen versenkt, hat sich die komplette Landesregierung von Rheinland-Pfalz angeblich über den Tisch ziehen lassen, sagen die, die Kurt und seinen Mannen Böses wollen. Gewinne wird der neue Nürburgring nie abwerfen, es sei denn, er bekommt einen Schuldenerlass, sagen Leute, die es wissen sollten. Sonntag, um die Mittagszeit, nebenan, so um die 400 Meter weit weg, findet auf der Nordschleife, das ist die "Grüne Hölle", ein Langstreckenrennen statt. Besucher sind keine zu sehen. Als ich jung war, habe ich mir kein Rennen am Ring entgehen lassen. Freitags hin, Sonntagnachmittag weg; und sich auf der Heimfahrt fragen, wer gewonnen hat. Damals haben wir den Hatzenbach vollgeschissen und vollgekotzt. Der mit dem Auto, der hat Eintritt bezahlt, alle anderen sind hinten rum über die tief im Wald versteckten Zäune geklettert. In Gedenken an Kurt halte ich dann endlich das WAI in die Luft. Hier passt es. Und die Haare könnt ich mir auch mal wieder schneiden lassen, fällt mir ein.

    Adenau

    Schlagartig bessert sich das Wetter, als ich vom Ring hinunter Richtung Ahrtal abbiege. In der Ferne leuchtet der Wald in bunten Herbstfarben. Da will ich hin. Den Berg hinunter gönne ich mir Rennen mit Autos, deren Auspuff meist röhrt und deren Fahrer meist viel zu schnell unterwegs sind. Einen britischen Caterham zwinge ich in zwei Spitzkehren lang hinter mein Rad. Die wollen sich zwingen lassen. Wenn die wollten, wie die Flunder kann, würde ich Abgase atmen. Sie wollen nicht. Ein weißer Ford Focus RS macht kurzen Prozess. Ich bilde mir ein, das dumpfe Klacken des Gaspedals auf dem Bodenblech zu hören.

    Sancta Maria Immaculata bei Pützfeld

    Etwas Ahr-Radweg muss sein. Von Pützfeld bis Altenahr lohnt der. Laub auf den Verbundsteinpflasterwegen. Die ersten Fahrräder seit dem Start an der luxemburger Grenze. Familien im Freizeitdress, versiffte MTBler, doch alles in allem sehr wenig Radverkehr. Das Wetter lockt wohl nicht. Der Radweg wird von Wandergruppen bevölkert. Kleine und ganz große. Altenahr ist wie immer. Eine lange, sich in nach links und nach rechts teilende Hauptstraße. An der Brücke steht seit ich denken kann, die Frittenbude, daneben der "Saloon"; und in den wenigen Cafés sitzen Rentner. Wanderhorden treiben sich auf den Bürgersteigen durchs Dörfchen. Früher begann oder endete hier die Paradestrecke des Rotweinwanderwegs. Heute ist das noch immer so, aber heute kommt noch der Ahrsteig dazu. Volksauflauf in Tatzenjacken, mit Deuter-Rucksäcken. Der Rotweinwanderweg war in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten mein jährliches Pflichtprogramm. Die dreißig Kilometer von Bad Bodendorf nach Altenahr an einem Tag mussten eben sein. An dunklen Frühlings- und Herbstwochentagen konnte man auf dem Weg fast sicher sein, bei einem Herzinfarkt auf sich alleine gestellt zu sein. Ich werde mir einen neuen Weg suchen müssen.

    Mayschoß

    Von der Winzergenossenschaft hämmert Schlagermusik über die Bundesstraße. Von weiter die Straße runter ist Blechmusik zu hören. Hinter der Frittenbude rauscht unhörbar die Ahr. Auf dem Parkplatz neben dem Bahnhof reiht sich ein Wohnmobil an das nächste. Wanderer kommen vom Bahnhof oder gehen zum Bahnhof. Mayschoß ist Feiertourismus im Kleinen. Wenn das am Ballermann so wäre, wie an diesem Sonntag in Mayschoß, würden die den Ballermann als Seniorenresidenz vermarkten. Nicht alle Dörfer an der Ahr sind so. Alle anderen sind komplett verschlafen. Daran ändern auch die vielen spätsommerlichen Winzerfeste nichts.

    Weinberge bei Dernau

    Das Beste an Dernau? Die Tankstelle, die internistische Arztpraxis und das es leiser als in Mayschoß zu geht. Auf der Ahrtalstraße nach dem Ort, ahnt kein Fremder dass unter den Weinreben zu seiner Linken der ehemalige "Ausweichsitz der Verfassungsorgane des Bundes im Krisen- und Verteidigungsfall zur Wahrung von deren Funktionstüchtigkeit"* sich kilometerlang unter den Weinbergen hinzieht. Einen "Regierungsbunker" im märkischen Sand, gibt es wohl nicht. Wohl nicht oder noch nicht?

    * bei der Wikipedia geklaut

    Kloster Kalvarienberg in Ahrweiler

    Wer die Ahr entlang zu Fuß oder mit dem Rad auf dem Weg nach Bad Neuenahr ist, müsste blind sein, wenn er die über die Weinreben ragende "Festung" Kalvarienberg übersieht. Beim Näherkommen verdunkelt sich der Himmel. Beim Näherkommen wird der Mensch klein. Beim Näherkommen könnte man auf die Idee kommen, dass Tebartz-van Elst womöglich alles bischofsmögliche in seinem Limburger Bistum falsch gemacht hat, doch eins mit Sicherheit nicht: er hat sich einen guten Architekt geleistet.

    Rotwein. Was sonst!

    Die Zeit der Weinlese an der Ahr. Das noch dichte, grüne Laub der Weinreben dämpft die Stimmen, verdeckt die Menschen zwischen den Reihen. Kleine Traktoren stehen am Wegrand. "Bütt" an "Bütt" sind gefüllt mir den roten kleinen Weintrauben. Wer Weintrauben nur aus der Gemüseabteilung im Supermarkt kennt, wundert sich, wie klein die Weintrauben sind. Fürn Rotwein fahren sogar eingefleischte Pilstrinker an die Ahr. Heimkommen ohne einen Sechser-Karton Rotwein von der Ahr, möchten die Wenigsten. Perlen vor die Säue, bezeichnet das ein mir bekannter Winzer, ohne die er leider kein Auskommen hat. Prost, ach nee, zum Wohl!

    Ahrtor in Ahrweiler

    Wer ins Ahrtal fährt, wer Rotwein von der Ahr kauft, wer auf dem Rotweinwanderweg wandert, wer auf dem Ahrsteig ein Stückchen geht, wer mit dem Rad den Ahrtal-Radweg abklappert, wer mit der Deutschen Bahn durchs Ahrtal fährt, wer kein Geld für die Spielbank im benachbarten Bad Neuenahr hat, wer einen intakten alten Stadtkern besichtigen will, wer sich an den Tagen rund ums Wochenende durchs Gewühl schieben will, wer einfach nur mal Tapetenwechsel von Maria Laach braucht, wer ein Auto hat, der fährt nach Ahrweiler. Konkurrenz hat das Städtchen im Tal keine.

    Bad Neuenahr

    Tante Ernas sehnlichst erwartete Erbschaft ist nicht so üppig ausgefallen wie erwartet? Die Pension vom selig dahin geschiedenen Ehemann reicht nicht für den Lebenstraum Baden-Baden? Bad Neuenahr ist die Lösung. Mit Kunstpelz im kostenpflichtigen Kurpark wandeln, sollte frau jedoch auch hier nicht. Hündchen halten geht aber auch hier, besonders an der Promenade links und rechts der Ahr. Kinder sollten beim Spielen aufpassen, nicht in deren Hinterlassenschaften im dichten Ufergras zu treten. Was das Hündchen betrifft, kennen alte Frauen kein Erbarmen. Was sagen sie, das ist ein Radweg? Steigen sie gefälligst ab und gehen um meinen Hund herum! Ach-so, Bad Neuenahr pur gibt es schon ewig nicht mehr. Ahrweiler gehört dazu.

    Kripp-Linz - Das WAI überquert den Rhein

    Das war's. Auf der Rheinfähre schaut sich ein Mann die Straßenkarte auf der Lenkertasche an. Wie ich es denn von Bitburg an den Rhein geschafft habe? Die Karte zeigt immer noch die Strecke von Echternach bis Bitburg. Mit dem Rad gefahren, aus'm Kopp, habe ich ihm gesagt. Da hat er zweifelnd geschaut. Geht das? Ja, das geht. Ich hätte auch zu Fuß ohne Karte gehen können, habe ich nachgeschoben. Da ist er nach vorne ans Tor gegangen, welches Fußgänger vom Gang ins Rheinwasser abhält.

    Eifel und Ahrtal von Linz/Roniger Hof

    Das war es dann doch noch nicht. Noch 12 Kilometer bis nach Hause. Einmal muss ich noch den Berg hinauf. So gut wie alles im kleinsten Gang. Belohnt wird das mit einer tollen Fernsicht zurück in die Eifel, ins Ahrtal und rechts vorne, da wo die Eifel hinter Bonn anfängt, wird die große weiße Kugel mit der Radaranlage der Fraunhofer-Gesellschaft den Blick festhalten. Leider gibt das Wetter über der Eifel und dem Ahrtal keinen berauschenden Blick in die Ferne her. Hinter mir, wo die ganz und gar nicht westerwälderischen Ausläufer des Rheinischen Westerwalds ins Tal auslaufen, scheint die Sonne.

    @ hotdog

    Gefahrene Strecke auf Google Maps bei "Autobahnen vermeiden".

    In Worten für Maps: Echternach - Minden - Reimerath - Nürburgring, Nürburgring Boulevard, Nürburg - Altenahr- Kripp (- Linz am Rhein und noch 12 Kilometer weiter)
    Zuletzt geändert von hotdog; 21.10.2013, 12:00.

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  • dingsbums
    antwortet
    101: Etappe: 23.6.2013

    Neunkirchen - Otzenhausen: 50,58 km per Rad mit dingsbums


    Sonntagmorgen, da stehen das WAI, mein Fahrrad und ich also wieder in Neunkirchen am Bahnhof. Hübscher ist er nicht geworden, aber nach dem Foto geht es ja auch gleich los.


    Neunkirchen, Bahnhof

    Heute folge ich bis zum Bostalsee dem Saar-Nahe-Höhen-Radweg. Dieser führt mich erst einmal nach Wiebelskirchen. Bekannt ist dieser Ort höchstens als Geburtsort von Erich Honecker. Ich werfe zum letzten Mal einen Blick auf die Blies. Danach führt der Radweg konstant über die Höhe, über Wirtschafts- und Feldwege. Dabei werden mehr oder weniger alle Orte umgangen, eine schöne Streckenführung (von der ich dann leider etwas abweichen musste, gleich mehr dazu).


    Wiebelskirchen


    Blies, Wiebelskirchen


    Grüne Hänge, mit Wäldern, Wiesen und Feldern, sind typisch für den weiteren Weg.

    Auf und ab gibt es trotz 'Höhenweg' genug. Netterweise stehen vor den meisten längeren Steigungen Hinweisschilder folgender Art, so dass man abschätzen kann, was einen erwartet:


    Typisches Infoschild

    Nach einiger Zeit sehe ich Autos am Straßenrand. Dorffest? Was-auch-immer-Event? Nein, hier gibt es Erdbeeren zum Selberpflücken. Ich widerstehe und fahre weiter. Hier beginnt auch eine Art Erlebnispfad, es gibt nette Dinge zu entdecken. So halte ich immer mal wieder an, gucke, mache Fotos. Außerdem schiebe ich den ein oder anderen Hügel hoch. Dadurch überhole ich eine Läuferin mehrere Male, keine Ahnung, was die wohl von mir denkt.




    Erdbeeren zum Selberpflücken, Naschen inbegriffen


    Details am Straßenrand


    Die Läuferin


    Kornblumen

    So zog sich der Weg immer weiter, und irgendwann war es Zeit für eine Pause. Die nächste Bank sollte es sein. Die ließ dann natürlich auf sich warten, und als ich dort ankam - gab es die ersten Tropfen des Tages. Zum Glück hörten diese aber genauso schnell wieder auf, und so rastete ich erst einmal.


    Radweg, schöne Abwechslung


    Panorama


    Pausenbank


    Pausenaussicht, da hinten ist das Wetter noch schlechter

    Während dieser Pause stellte ich dann fest, dass die Batterien des GPS fast leer sind. Na toll, ich hatte es gestern abend doch extra noch angeschaltet, da sagte die Anzeige was ganz anderes. Half ja nix, ich wollte weiter tracken. Also ließ ich das GPS nach der nächsten Tanke suchen. Es gibt eine in Marpingen, sollte nicht so weit sein. War es auch nicht, unten in Marpingen war ich ganz schnell. Bzw. noch etwas tiefer, nach Marpingen selbst musste ich schon wieder bergan. Und nach Marpingen musste ich so richtig viel bergan, um wieder auf den Radweg zu kommen. Es wurde wieder geschoben. Egal, ich war unterwegs, das Wetter war gut, die Bewegung tat mir gut. Zu Fuß bin ich halt langsamer, aber was soll's.

    Um so schöner war es, wieder auf dem Höhenweg angekommen zu sein, und weiter zu radeln. Belohnt wurde das mit netten Aussichten und einem Waldabschnitt, der Abwechslung bot. Auf der anderen Seite war es dann aber auch wieder gut, nach dem 'dunklen' Wald auf hellen Wiesen anzukommen.


    Höhenweg


    Vorsicht bei Kreuzungen im Wald, hier z.B. geht es links ab.

    Nach weiterem Auf und Ab war ich dann am Bostalsee angekommen. Hier war die Hölle los - huch? Ich zockelte also mit meinem Rad zwischen Menschenmengen und bekam schnell mit - Open Air am Bostalsee. Man hörte auch schon den Soundcheck. Manche Besucher ließen auf nicht zu softe Musik schließen, andere passten zu Heavy aber auch wieder gar nichts ins Bild. Es waren die Hosen, die später ihr Konzert geben sollten. Okay, das erklärte irgendwie das gemischte Publikum. Ich machte eine Pause am Seeufer, guckte Leute, hörte Soundcheck.


    Bostalsee


    Bostalsee


    Bostalsee, die Bühne von hinten


    Bostalsee, auch das WAI genießt die Aussicht

    Danach ging es weiter, jetzt auf dem Saarland-Radweg, eigentlich entlang einer ruhigen Nebenstraße. Außer wenn Tausende Menschen ihren Weg zum Konzert suchen. Viel Gegenverkehr auf dieser Straße, so war ich froh, als der Radweg auf einen Feldweg abbog. Hier traf ich dann tatsächlich noch ein Auto. Sie hielten auch an und fragten mich 'Kommen wir auf diesem Weg nach Bosen?' Da ich genau daher kam, konnte ich ihnen sogar fundierte Auskunft geben.


    Wie gehabt, grüne Hügel ...


    ... soweit das Auge reicht.

    So langsam wurde ich wirklich müde, nun gut, weit war es nicht mehr bis Otzenhausen. Und schon tauchte die A62 in meinem Sichtfeld auf. Diese wurde überquert, nicht ohne Fotos zu machen. Wie oft ich wohl schon unter der Brücke durchgefahren bin, auf der ich jetzt stand? Kurz überlegte ich, einfach auf kürzestem Weg nach Otzenhausen zu rollen, entschied mich dann aber doch dafür, dem Radweg zu folgen.


    Die A62 taucht auf.


    Blick von der Brücke


    Das heutige Ziel ist nach.

    Es fing noch einmal an zu regnen. Sollte ich jetzt wirklich noch meinen Poncho rausholen müssen? Ich tat es und fluchte. Mein Rad fiel mir bei der Aktion um, das Schutzblech war danach etwas verzogen und schleifte. Hatte ich irgendwas an Werkzeug dabei? Nein, natürlich nicht. Ich versuchte immer mal wieder, mit der Hand irgendwas zu biegen und zu ziehen, dass es weniger schleift, wenig Erfolg. Vielleicht ein bisschen. Okay, es war ja nicht mehr weit. Es hörte auch wieder auf zu regnen.


    Fast da. Obwohl es gar nicht zum Ringwall, sondern zur Straße ging. Ich folgte weiter dem Radweg.


    Letzte Hürde

    Und so kam ich dann beim Parkplatz unterhalb des Ringwalls an. Juchu! Nun gut, eigentlich kam ich ein paar Meter daneben aus dem Wald, hockte mich auf die Bank und rief Holger an, der mich abholen kam. Aber dann fuhr ich auch noch die paar Meter zum Parkplatz, da dort die nächste Etappe starten soll. Beim Versuch, ein nettes Foto mit WAI zu machen, stürzte es auch noch in den Graben, wurde aber sofort von mir gerettet. So endete eine Tour, nach der ich zufrieden, aber auch erschöpft war. Bald geht es weiter.


    Die Bank an der Straße. Riskant? Egal, da wird sich jetzt gesetzt und ausgeruht!


    Abgestürzt.


    Hier geht es auf der nächsten Etappe weiter ...
    Zuletzt geändert von hotdog; 20.08.2013, 15:44.

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  • dingsbums
    antwortet
    100. Etappe: 30.5.2013

    Kirkel - Neunkirchen: per Tretroller mit dingsbums


    Da wir gestern einen Feiertag und überraschend gutes Wetter hatten (im Gegensatz zu heute), beschloss ich, meine erste längere Rollertour zum WAI-Transport zu nutzen.

    So ging wieder mit der Bahn 'zurück' nach Kirkel. Schöner ist der Bahnhof nicht geworden, deswegen machte ich am Eingangspfad zum Bahnhof ein Bild von WAI und Roller.


    Bahnhof Kirkel

    Erst musste ich ein kurzes Stück durch den Ort rollern, dann ging es über eine Brücke auf die andere Bahnseite und danach einen Feldweg neben der Bahn hinab. Mein erster 'Downhill' auf einem Feldweg. Aber das Gefälle war sanft und es rollte sich super.


    Kirkel

    Ich blieb heute auf dem Saar-Nahe-Höhen-Radweg, dieser führte mich erst einmal parallel zur Bahn nach Limbach. Schön war es hier, alles blühte und grünte, der Weg war fast eben.


    Kirkel


    Kirkel


    Kirkel

    Kurz später lud dieser Weiher zu einer Pause ein - aber ich war ja erst losgerollert, also keine Pause für mich.


    Weiher kurz vor Limbach

    In Limbach gab es dann eine Infotafel. Die guckte ich mir aber nicht näher an, ich wusste, ich folge diesem Radweg, bis ich keine Lust mehr habe. Ein Foto kann aber nicht schaden ...


    Infotafel in Limbach

    Kurz später querte ich dann die A6. Irgendwie ist es schon ein komisches Gefühl, auf einer Brücke über die Autobahn zu stehen. Gut, ich mache dies auch sehr selten, für andere ist das vielleicht 'normal'.


    A6

    Kurz vor Niederbexbach stieß ich dann auch wieder auf die Blies, die mir ja mehr oder weniger die Richtung heute vorgab.


    Blies kurz vor Niederbexbach

    In Niederbexbach amüsierte ich mich dann über folgendes Verkehrsschild:


    Niederbexbach

    Ich verifizierte auch sofort die Gegenrichtung:


    Niederbexbach

    Ich kann mir richtig vorstellen, wie die in diesem Ort in der Ratssitzung diskutiert haben, dass dieses Slalomfahren auf der Straße ja gar nicht geht und man ein einseitiges Halteverbot machen sollte. Aber welche Seite? Diskussionen über Diskussionen ... und schließlich dieser Kompromiss. Vielleicht ist die Entstehung auch eine ganz andere, aber zumindest an diesem Tag haben sich alle brav daran gehalten. Es war Mai und die Autos standen alle auf 'meiner' Seite, denn der Mai ist nicht gerade.

    Kurz später machte ich dann das letzte nette Bild von weiten, grünen Wiesen und Wald.


    Irgendwo hinter Niederbexbach

    Danach führte der Weg leider auf der Straße weiter, teilweise durch Gewerbe-/Industriegebiete. Dieser Teil war gar nicht schön. Außerdem wurde ich müde und hätte gerne eine Pause gemacht, aber nicht hier. So verpasste ich dann fast den Abzweig auf den Radweg. Nun gut, er war irgendwie auch gesperrt, aber ich beschloss, dieses Schild zu ignorieren.


    Wieder auf den Radweg an der Blies entlang, Neunkirchen

    Ich mutmaßte, dass der Weg noch von der Überschwemmung der Blies gesperrt war, als mir kurz später Radfahrer entgegenkamen, bestärkte mich das darin, dass der Weg gut zu nutzen sei. Nun ja, gesperrt war er eher deswegen:


    Gesperrter Radweg, Neunkirchen

    Wie man sieht, kommt man mit etwas Willen schon vorbei. Ich allerdings hatte vorher, an der ersten Bank, eine kleine Pause gemacht.


    Radweg, Neunkirchen

    Das Trittbrett eignet sich so übrigens hervorragend, um die Füsse drauf zu stellen und richtig entspannt zu sitzen. Ich hatte einen netten Blick auf die Blies, wieder mit normaler Wassermenge, und der weitere Weg war auch wieder netter.


    Blies, Neunkirchen


    Radweg, Neunkirchen

    Nach dieser Pause war ich dann recht schnell in der Innenstadt von Neunkirchen. Ach was soll's, hier auf dem Stummplatz in der Sonne sitzen, klingt gut. Also noch eine Pause.


    Stummplatz, Neunkirchen

    Neugierig machte mich das Industriedenkmal, das hinter den Gebäuden rausguckte. So drehte ich eine Runde und guckte mir das Alte Hüttenareal mit besserem Blick an.


    Altes Hüttenareal, Neunkirchen


    Altes Hüttenareal, Neunkirchen


    Altes Hüttenareal, Neunkirchen


    Altes Hüttenareal, Neunkirchen


    Altes Hüttenareal, Neunkirchen


    Altes Hüttenareal, Neunkirchen

    Direkt dahinter kam ich dann zu dieser Kreuzung und konnte es mir nicht verkneifen, für das Forum auch davon ein Bild zu machen.


    Decathlon, Neunkirchen

    Ursprünglich hatte ich noch etwas weiter rollern wollen, aber meine Knie gaben mir zu verstehen, dass sie das anstrengend finden. Da weiter fahren auch bedeutet hätte, noch einmal mehr umsteigen zu müssen auf der Rückfahrt, entschied ich mich, den Tag für heute zu beenden.

    So ging es ein letztes Mal über die Blies, und das WAI befindet sich jetzt virtuell am Bahnhof in Neunkirchen.


    Blies, Neunkirchen


    Bahnhof, Neunkirchen
    Zuletzt geändert von hotdog; 02.06.2013, 07:18.

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  • dingsbums
    antwortet
    99. Etappe: Saarbrücken - Kirkel

    20.5.2013: 61,8 km per Rad mit dingsbums

    Später als erhofft konnte ich mich mit dem WAI wieder auf den Weg machen. Leider kam ich mit einer Schulterverletzung aus dem Winterurlaub, diese musste erst soweit heilen, dass Radfahren wieder eine Option war. Pfingsten war fast verplant, aber am Montag war noch Zeit. So überlegte ich mir eine schöne Tour an Saar, Blies und Mandelbach entlang. Dass Regen vorhergesagt war, ignorierte ich einfach. Hätte ich mich morgens vor meinem Start nochmal schlau gemacht, hätte ich diese Einstellung evtl. noch geändert. Hatte ich aber nicht und damit war es passiert - ich war 'im Auge des Bösen'. Regen den ganzen Tag, zum Teil erhebliche Mengen. Dies machte die Tour nicht leichter, aber schön war es irgendwie trotzdem. Alles ist saftig grün, viele Bäume blühen. Lange haben wir dieses Jahr darauf gewartet, die Freude an dieser Natur kann mir auch der Regen nicht nehmen.

    Viel zu früh mache ich mich morgens auf den Weg zum Bahnhof, im Zug nach Saarbrücken ist nichts los. Gegen 9:00 komme ich an, es regnet. (Morgens hoffte ich noch darauf, dass es irgendwann auch mal (wenigstens zwischenzeitlich) aufhört. Irgendwann war es mir einfach egal.)


    Start am Bahnhof in Saarbrücken

    Ich mache ein Bild vom WAI am Bahnhof, mit Kastanienbäumen. Torres hat Saarbrücken ja schon genauer gezeigt, ich kenne mich hier kaum aus. Ich weiß, dass ich durch die Fußgängerzone zum St. Johanner Markt und von dort runter zur Saar komme. Also einfach los. Neben dem Theater stoße ich dann auf die Saar, gleich mal ein Panoramafoto machen. Auch hier seht ihr die von Torres beschriebene Stadtautobahn direkt an der Saar.


    Saar(brücken) mit Stadtautobahn

    Kurz später zwingt mich der Radweg, links hoch zu fahren. Dann aber irritiert mich ...


    dieses Schild in Kombination mit ...


    ... dieser Wegführung.

    Ich komme von unten, soll also logischerweise auf die Brücke. Ich komme aber auch vom St. Johanner Markt, also doch nicht über die Brücke. Ach, was soll's, Brücken sind gut. Von oben kann man schöne Fotos machen. Und drüben sehe ich dann den nächsten Wegweiser: Genau, da will ich hin.


    Blick saaraufwärts. Die Saar kommt von der rechten Seite (in Blickrichtung), auf diese Uferseite zu wechseln ist also wirklich eine gute Idee.


    Und hier die Bestätigung.

    Es regnet heftig, es windet auch. Ich stelle fest, dass ich heute morgen einen Aussetzer hatte, was meine Bekleidung betrifft. Man merkt, ich fahre selten Rad. Irgendwie dachte ich, dass ein Poncho zum Radfahren doch super sein muss, der hängt über die Beine, viel besser als meine Regenhose. Und die Ärmel gucken zwar drunter raus, aber das macht nichts. Oh doch! Die Ärmel meines Softshells saugen sich voll, bei einem solchen Regen ist wasserabweisend nicht mehr hilfreich. Der Poncho rutscht immer hoch, außerdem werden die Unterschenkel von vorne und unten nass, die Nässe steigt immer weiter die Beine hoch. Zum Glück ist es nicht wirklich kalt. Irgendwann akzeptiere ich einfach, dass ich durchnässt bin, es hilft ja auch nichts, ich radele weiter und weiter. Interessanterweise war der Poncho später am Tag gar nicht so schlecht. Als es weniger regnete (vielleicht lag es auch am Wind nicht mehr von vorne), hing er brav da, wo ich ihn haben wollte und die Beine waren akzeptabel geschützt. Aber hier und jetzt war der Poncho alles andere als ein Regenschutz!

    Falls es einen Hinweis darauf gibt, dass man die Grenze von Deutschland nach Frankreich übertritt, habe ich diesen übersehen. Irgendwann war einfach durch die ein oder andere Kleinigkeit klar, dass ich mittlerweile in Frankreich bin. Der Weg zog sich nett an der Saar entlang. Für Fotos war mir das Wetter zu schlecht. Einmal machte ich dann doch ein Foto der netten kleinen Kanäle, die jeweils parallel zur Saar mit ihrem Wehr zur Schleuse hin führen.


    Links der Kanal, weiter hinten kommt die Schleuse, rechts die Saar mit Wehr irgendwo.

    Je näher ich Sarreguemines kam, desto größer wurde meine Lust auf ein zweites Frühstück. Milchkaffee und Croissant - das klang gut. Und dann war ich da. Der Zusammenfluss von Blies und Saar lag vor mir, schnell ein Bild gemacht und dann auf die Suche nach einer Boulangerie. Es wurde dann eine Pâtisserie, aber egal. Ich saß warm und trocken, vor mir Café au lait und Croissants - alles wird gut. Und obwohl es nicht schwer ist, dies zu bestellen, so war ich doch happy, dass mir die paar Worte auch 25 Jahre nach meinem Schulfranzösisch noch fließend über die Lippen kamen.


    Zusammenfluss von Blies und Saar, ganz rechts wieder der Weg zur Schleuse.


    Wehr in Sarreguemines


    Zweites Frühstück

    Danach konnte es gestärkt weitergehen. Es ging über die Saar, damit ich dann der Blies folgen konnte. Die Infotafeln beider Flüsse wurden abgelichtet. Es gab regelmäßig zusätzliche Infos über interessante Dinge längs des Wegs, aber bei Regen macht das einfach zu wenig Spaß. Ach, hatte ich erwähnt, dass es natürlich weiter regnete?


    Saartal


    Bliestal

    Die Radwege in Frankreich waren gut markiert, man musste sich nur daran gewöhnen, dass sie grün waren. Es ging durch idyllische Landschaft, nette Details am Wegrand.


    Radweg in Frankreich


    Netter Anblick


    Immer wieder saftige Wiesen und Hügel


    Nette Deko am Straßenrand

    In den nächsten Orten gab es einen Wander-Trink-Event - mir kamen regelmäßig Leute entgegen, die ein Weinglas um den Hals trugen. Außerdem passierte ich zwei kleine Festzelte. Hm, einkehren und ein Schlückchen Wein? Nein, lieber doch nicht. Meine Pause war ja noch gar nicht lange her, außerdem bezweifle ich, dass ich nach (selbst nur mäßigem) Weinkonsum noch weit hätte weiter radeln können.


    Auch auf dieser Brücke kamen mir Wanderer entgegen. Wohl ein internationaler Event ...


    Auch die Blies hat viel Wasser ...

    Weiter ging meine Reise, allerdings nicht über die Brücke, sondern weiter auf der französischen Seite. Hier gab es zwar zwischendurch keinen Radweg mehr, aber wenn die Straße direkt an der Blies verläuft und kein einziges Auto vorbeikommt, dann stört es nicht wirklich, dass man auf der Straße fahren muss.

    In Frauenberg passte ich dann nicht auf - es mag daran gelegen haben, dass ich erstens nur nach Karte im Kopf fuhr und zweitens mein Blick nach oben zu einer Burgruine ging. Ich radelte weiter und am Ausgang des Orts stoppte ich erst mal kurz, um mir einen alten Friedhof anzugucken.


    Friedhof in Frauenberg


    Friedhofstor und Blies

    Außerdem musste endlich mal ein Kanaldeckel fotografiert werden. Dieser hier ist zwar nicht wirklich besonders, aber ich habe mir irgendwann angewöhnt, in fremden Orten Kanaldeckel abzulichten. Da gibt es manchmal ganz tolle Exemplare!


    Kanaldeckel in Frauenberg

    Als ich dann aber im nächsten Ort angekommen war, fragte ich mich doch: "Müsste ich nicht so langsam über die Blies zurück nach Deutschland, damit ich ins Mandelbachtal komme? Dieser Ort mit H müsste doch schon längst da sein." Da half nix, mal das GPS ausgepackt. Ja, der Ort mit H heißt Habkirchen und liegt gegenüber von Frauenberg. Hm, noch etwas weiter zur nächsten Brücke und dann auf der deutschen Seite zurück oder lieber gleich zurück? Ach, ich gucke mal, es gibt doch bestimmt einen kleinen Weg direkt an der Blies, dann fahre ich gleich zurück. Der Versuch, einen Weg direkt an der Blies zu finden, endete fast in der Blies. Also doch entlang der Straße zurück. Die Fußgängerbrücke in Frauenberg war dann aber schnell gefunden. Okay, die war natürlich nicht ausgeschildert, an der durfte ich auch vorbeigefahren sein.


    Sackgasse auf der Suche nach einem Weg an der Blies


    Auf dem Rückweg wurde die Burgruine dann auch fotografiert.


    Über die Brücke der französischen Freundschaft zurück nach Deutschland


    Immer mehr Wasser in der Blies ...

    In Habkirchen entschied ich mich, noch bis zum nächsten Ort zu fahren, um dort eine Pause in irgendeiner Gaststätte einzulegen. Ich sah das Mandelbachtal-Infoschild zum ersten Mal und guckte runter ins Tal - das muss der Mandelbach sein.


    Mandelbachtal, angekommen

    In den nächsten Feldweg bog ich ein, aber nur um festzustellen, dass ich hier lieber doch nicht fahren will. Aber ansonsten war die Stelle traumhaft. Hach, würde jetzt die Sonne scheinen, dann könnte man sich hier hinhocken, den Blick genießen, Beine und Seele baumeln lassen. Hatte ich schon erwähnt, dass es immer noch regnete?


    Mandelbach, ein Traum


    Mandelbach, auch mit Hochwasser


    Mandelbach, ein Traum


    Mandelbach, auch mit Hochwasser

    Also doch lieber in den nächsten Ort, den mit B. Ich radelte die Bundesstraße entlang, das war doof. Allerdings entschädigte der Blick nach rechts dafür - immer Idylle pur, diese weißen Blumen, der Mandelbach selbst, schön.

    Endlich kam ich im Ort mit B an - Bebelsheim heißt er, verriet mir das Ortsschild. Nur eine Kneipe konnte ich nicht finden. Also weiter. Da, dort, ein Gaststättenschild. Tja, an einem verregneten Pfingstmontag in ländlicher Idylle war der leider geschlossen. Ich war aber reif für eine Pause. Also einen der Stühle unters Vordach gestellt und da gehockt. Schön ist anders, warm ist anders, aber es war immerhin geschützt vorm Regen - trocken wage ich nicht wirklich zu sagen.


    Alles dicht.


    Improvisierte Pause

    So langsam wurde mein Körper müde, aber ein bisschen des Weges wollte ich schon noch. Eigentlich hatte ich hier rechts hoch zu dieser Kuppe wollen, um die wunderbare Aussicht aufs Mandelbachtal zu genießen. Aber Regen, Müdigkeit und die Beschaffenheit der Feldwege bei diesem Wetter hielten mich dann doch davon ab. Allerdings muss ich sagen, auch so sah ich saftige Wiesen, blühende Obstbäume, geschwungene Hügel - schön war es hier schon.


    Der verschmähte Hügel


    Mandelbachtal


    Obstbäume ...


    ... in voller Blüte


    Mandelbachtal

    Und so fuhr ich langsam, aber stetig von einem Dörfchen zum nächsten. Die wenigen Gaststätten wurden genau begutachtet, aber alles geschlossen. In Biesingen war der Plan gewesen, durchs 'lange Tal' nach Lautzkirchen zu fahren. Die Abzweigung verpasste ich irgendwie, aber das war dann gut. So landete ich zwar wieder an der B423, aber hier verlief ein Radweg neben der Straße, dazwischen eine wunderschöne Platanenallee. Obwohl ich stoppte, um diese zu fotografieren, hatte ich nachher nur den Blick in Richtung 'langes Tal' abgelichtet.


    Aussicht an der B423


    Habe ich schon erwähnt, wie toll ich die blühenden Bäume immer finde?

    Der Vorteil dieser Variante war, dass ich auf Höhe blieb, und so ohne große Mühen zum Gollenstein fahren konnte. Wäre ich unten im Tal gewesen, ich glaube nicht, dass ich - geplant hin oder her - wirklich nochmal zu dem hoch gefahren (bzw. eher gelaufen) wäre.

    So konnte ich den größten Menhir Mitteleuropas bewundern und mit und ohne WAI ablichten. Da steht so ein Hinkelstein im Saarland rum, und ich wusste es mal nicht. Aber genau darum ist unser WAI ja unterwegs durch Deutschland und Nachbarländer. Damit wir unsere Heimat besser kennenlernen.


    Gollenstein


    Gollenstein


    Gollenstein

    Danach fuhr ich dann runter ins lange Tal und weiter nach Lautzkirchen. Von hier war es nur noch ein Katzensprung nach Kirkel und damit dem Ende der heutigen Reise. Kirkel liegt an der Bahnstrecke Saarbrücken - Kaiserslautern, von hier kam ich problemlos wieder nachhause. Die letzten Kilometer zogen sich dann nochmal sehr. Ich war immer noch in keiner Gaststätte gewesen, mittlerweile wollte ich auch nicht mehr. Und eigentlich ist es ja nett, wenn der Radweg statt an der Straße parallel dazu geschützt durch den Wald verläuft. Aber nasse Waldwege machen das Fahren nicht leichter.


    Das letzte Stück Radweg

    Der Bahnhof in Kirkel war kleiner als erwartet, und es gab keine Möglichkeit, was zum Trinken zu kaufen. Hätte ich doch nur weiter nach einer Gaststätte gesucht! Zum Glück kam recht bald eine Bahn nach Homburg. So nahm ich erst die, dort beim Umsteigen konnte ich Wasser erstehen, und dann ging es mit der nächsten Bahn wirklich nachhause bis Kaiserslautern.


    Das 'Beweisfoto' in Kirkel

    Im Zug unterhielt ich mich noch mit einem anderen Radfahrer. Er war die Blies entlang bis Blieskastel gefahren - und mehr als einmal 'durch die Blies', weil sie schon so hoch auf dem Radweg stand. Am nächsten Tag erfuhr ich von heftigen Überschwemmungen der Blies, die Wassermenge, die hier an diesem Montag gefallen war, war einfach gigantisch.
    Zuletzt geändert von hotdog; 25.05.2013, 07:31.

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  • dingsbums
    antwortet
    97. Etappe: 16.12.2012

    Bullay - Mühlheim: 53,6 km per Rad mit dingsbums

    Tatsächlich steht mein Bericht der Moseletappe noch aus, außerdem dann der vom letzten Montag. Also, los geht es mit meiner Moselstrecke.

    Torres hatte sich bereiterklärt, das WAI kurz vor Weihnachten bis Saarbrücken zu tragen. Ich half dadurch mit, dass ich diese Strecke etwas verkürzte, und an einem verregneten 3. Advent mit dem WAI die Mosel hoch radelte. Virtuell war das gute Stück in Bullay, physikalisch noch bei Mondsee, die zusammen mit buntekuh die (ebenso verregnete) Strecke von Bingen bis Bullay zurückgelegt hatte.

    Allerdings passte es ganz gut, dass sie an diesem 3. Advent irgendwo im Hunsrück Feuerzangenbowle genoss, und ich so morgens auf meinem Weg zur Mosel kurz stoppte, um danach mit WAI meinen Weg nach Bullay fortzusetzen, mein Fahrrad im Kofferraum.

    In Bullay angekommen parkte ich am Bahnhof und los ging die Reise. Ich hatte beschlossen, erst einmal hoch zum Prinzenkopfturm zu 'fahren', um von dort den Blick auf die Moselschleife zu genießen. Danach sollte die Tour dann so richtig losgehen.

    Dazu musste ich erst mal über die Doppelstockbrücke, unten Autos (und Fahrräder), oben die Bahn. Ein erster Blick auf die Mosel ließ schon erahnen - Hochwasser. Was wird mit den Radwegen sein? Ich bin gespannt ...


    Doppelstockbrücke Bullay


    Das sieht nach Hochwasser aus ...

    Aber erst hieß es hoch zum Prinzenkopfturm, den ich von hier unten schon erkennen konnte. Ich hatte mich während meiner Planung für den kürzesten Weg entschieden. Ich dachte mir, wenn es da einen Wanderweg hoch gibt, dann kann ich ja die Serpentinen hoch schieben, aber immer noch besser als 'hintenrum' zu fahren. Nun ja, dieser Weg war schmal und rutschig, weder für meine Schuhe noch für mein Fahrrad neben mir geeignet. Aber gut, umkehren wollte ich auch nicht mehr, Augen zu und durch.


    Kein Weg für mich und mein Fahrrad ...


    Aber der erste Blick zurück ist schon nett!

    Die Aussicht vom Prinzenkopf war das auch auf alle Fälle wert, obwohl mich dieses erste Stück Zeit und Energie kostete, die ich später am Tag vermissen würde. Leidtragender war im Zweifelsfall Torres, weil ich einfach nicht so weit kam, wie ursprünglich geplant. So wurde die nächste Etappe länger als erhofft.


    Aussicht vom Prinzenkopfturm


    Aussichtsturm Prinzenkopf

    Es gab auch ein Turmbuch, in das das WAI sich eintrug.


    WAI und Turmbuch


    Turmbucheintrag


    Das WAI genießt die Aussicht.

    Ich mag diese Stelle, an der man die Schleife selbst ja gar nicht sieht, und so den Eindruck gewinnen könnte, dass man sich zwischen 2 Flüssen befindet. Auf der Marienburg habe ich in jungen Jahren auch mal ein nettes Wochenende verbracht, da wurden Erinnerungen wach ... Sie befindet sich im Besitz des Bistums und wird zur Jugendarbeit genutzt.


    Marienburg


    Pünderich

    Ich hatte entschieden, alle Moselschleifen 'auszufahren'. So ging es vom Prinzenkopf an der Marienburg vorbei runter nach Zell und über die nächste Moselbrücke auf die rechte Moselseite, auf der ich dann auch blieb.

    Hier passierte es zum ersten Mal: Radweg unter Wasser. Zum Glück stand das Wasser immer gleich vorne auf den Radwegen. Ich hätte um so mehr geflucht, je weiter ich hätte zurückfahren müssen. Der Weg direkt an der Straße war natürlich weniger schön, aber immerhin gab es einen Randstreifen, den man auch als Radweg ansehen konnte, so musste ich nicht direkt auf der Straße fahren.


    Radweg, Hochwasser

    In Burg wurde es dann Zeit für die erste Pause. Während die Einheimischen noch beim Frühschoppen saßen (aber nicht mehr lange, es wurde Zeit fürs Mittagessen), gab es für mich vor allen Dingen einen warmen Tee. Es war regnerisch, windig, für Dezember zwar nicht wirklich kalt, aber ungemütlich.


    Pause in Burg

    Frisch gestärkt ging es dann weiter, die nächste Schleife wartete. In Enkirch zeigte auch die Staustufe - ja, das Wasser steht hoch.


    Staustufe Enkirch


    Weinberg mit Transportbahn

    Ich habe dann auch mal ein Foto einer dieser recht verbreiteten Transportbahnen hier in den Steilhängen gemacht. Ohne diese ist die Arbeit in den Steillagen noch aufwändiger. Bei den Weinbergen war ich etwas überrascht, wie wenige erst geschnitten waren. Zumal Torres ein paar Tage später wohl andere Winzer schon beim Binden antraf.

    In Traben-Trarbach erwischte mich dann ein richtiger Guss. So stellte ich mich kurz unter der Brücke unter, machte eine Pause, meine Fotos. Nachdem der heftigste Regen vorbei war, ging die Reise weiter.


    Traben-Trarbach, es regnet.


    Schutz unter der Brücke


    Blick zurück auf Traben-Trarbach

    Auch Kröv auf der anderen Moselseite stand unter Wasser. Obwohl es ja viele ausgefallene Namen für Weinlagen gibt, gehört der Kröver Nacktarsch vermutlich schon zu den speziellsten. Wieder wurden Jugenderinnerungen wach, internationales Trachtentreffen in Kröv, schwimmende Bühne auf der Mosel, viel Wein, ...


    Kröv auf der anderen Moselseite

    Die Ürziger Hänge nutze ich dann, um mal die netten Steillagen an der Mosel zu fotografieren. An der Saar habe ich in ähnlichen Hängen schon Trauben gelesen - eine echte Herausforderung. Und sicher nichts für Leute mit Höhenangst. Wie man sieht, hatte ich zwischendurch sogar richtig schönes Wetter.


    Weinberge bei Ürzig


    Weinberge bei Ürzig


    Weinberge bei Ürzig

    In Rachtig war dann wieder eine Pause fällig. Das von mir auserkorene Restaurant hatte einen netten 'Wintergarten', im Eck stand ein Heizöfchen, da ließ ich mich nieder. Offensichtlich unbemerkt vom Kellner. Sonst war niemand da, er dachte der Wintergarten sei komplett leer, betritt diesen und rülpst laut. Dann entdeckt er mich - war ihm das peinlich. Mich hat es nicht gestört, und er hat mich danach um so zuvorkommender bedient.

    Mittlerweile wurde mir aber klar - mein Plan für heute war zu ambitioniert. Bis zum nächsten Ort mit Bahnhof würde ich nicht mehr kommen. Busanbindung war sowohl für mich als auch für Torres schlecht, die Fahrräder mussten ja transportiert werden. Was tun? Jetzt nach Wittlich zu fahren, dazu hatte ich gar keine Lust. Aber eine Option sah okay aus: Von Wittlich könnte man recht nett an der Lieser entlang nach Mülheim 'rollen', also könnte ich heute noch bis Mülheim fahren. Irgendwie würde ich von dort schon zu einem Ort mit Bahnhof kommen, zwar vermutlich ohne Fahrrad, aber dann mit der Bahn zurück nach Bullay zu meinem Auto.

    Gesagt, getan. Auf zum Endspurt. Die Staustufe bei Zeltingen war fast gar nicht mehr zu sehen. Allerdings ist die Stufe selbst auch kleiner als die bei Enkirch, habe ich später gelesen.


    Staustufen Zeltingen

    Kurz vor Bernkastel-Kues sehe ich dann das erste (und einzige) Schiff des Tages. Wenig los heute auf der Mosel, muss am Sonntag oder Weihnachten liegen.


    Ein Schiff! Bernkastel schon im Hintergrund.

    In Bernkastel ist Weihnachtsmarkt, aber auf den habe ich heute auch keine Lust mehr. Die Mosel steigt weiter, ich denke, die Autos haben nicht von Anfang an in der Mosel geparkt.


    Bernkastel-Kues


    Radweg und Parkplatz unter Wasser


    Bernkastel-Kues

    Ich mache mich auf die letzten Meter, pünktlich zur Dämmerung komme ich in Mülheim an. Ein letztes Beweisfoto mit WAI, dann denke ich über den Heimweg nach. Der gestaltete sich aufwändiger als geplant, denn von Mülheim fährt kein Bus nach Wittlich, nur nach Trier. Egal, irgendwann steige ich in Bullay aus dem Zug, fahre (eine etwas andere Strecke) mit dem Auto nach Mülheim, lade mein Rad ein und ab nach Hause!


    Das WAI in Mülheim, Endpunkt der heutigen Reise.
    Zuletzt geändert von hotdog; 25.05.2013, 07:34.

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  • Torres
    antwortet
    AW: Saarland/Rheinland-Pfalz: Die Route

    Und dann kommt die Völklinger Hütte in Sicht. Kohle und Stahl. Diese Region hier war einmal das Herz des Saargebietes. Die Hütte(n) bestimmte(n) das Leben und die Landschaft. Sie war laut und dreckig und der Geruch lag überall in der Luft. Und heute? Nur noch wenige Teile sind in Betrieb und der größte Teil ist Museum. Bald wird dieser Teil der Geschichte aus der lebendigen Erinnerung der Menschen verschwunden sein.





    Meiner Erinnerung nach war das hier einmal die längste Fertigungsstraße Europas. Lange war sie allerdings nicht in Betrieb, denn seit den 80iger Jahren des letzten Jahrunderts begann die Stahlindustrie in Deutschland zu wanken. Die Völklinger Hütte wurde 1986 geschlossen, die Burbacher Hütte bereits in den 70iger Jahren.









    Es ist ein langes Gebäude und ich brauche ziemlich lang, bis ich es passiert habe. Und dann entfaltet sich vor meinen Augen das Wahrzeichen der Völklinger Hütte: Die Glasgebläsehalle mit ihren charakteristischen Türmen.









    Die Atmosphäre hat etwas Fremdes, Distanziertes, Irreales. Es ist nämlich unglaublich ruhig hier. Nur eine Gruppe Mountainbiker stört die Stille. Es fehlt der Lärm, die Geräusche der Maschinen, das Zischen und vor allem der Geruch. Menschen sieht man keine. Bleierne Stille liegt über der Szenerie. Hier ist eine Welt untergegangen, die ich – wenn auch nur kurz – noch erleben konnte und die sich tief in das Gedächtnis eingeprägt hat. Seit 1994 ist die Völklinger Hütte UNESCO Weltkulturerbe und steht damit auf einer Stufe mit dem Kölner Dom.









    In der Glasgebläsehalle befindet sich ein wirklich sehenswertes, interaktives Museum, das ein Stück von der Vergangenheit aufleben lässt. Wer in der Gegend ist, sollte es besichtigen. http://www.voelklinger-huette.org/








    Ich denke an die Häuser an der Elbe, in denen früher die Lotsen wohnten – ihren Arbeitsplatz vor Augen. Heute wohnen dort reiche Städter. Wird es hier auch einmal so sein?





    Ein produzierendes Werk von Saarstahl gerät in mein Blickfeld und ich fotografiere die Flamme. Leider wird sie streckenweise von dem Qualm verdeckt.












    Ein letzter Blick auf Völklingen und wer Völklingen von früher kennt, sieht die Veränderung des Stadtbildes. Früher waren die Häuser grau in grau. Ein Anstrich lohnte sich nicht, er hielt nicht lange. Seitdem es die Hütte nicht mehr gibt, ist das anders. Das gilt übrigens auch für Saarbrücken und Dörfer in der Umgebung, die von dem Ruß und dem Dreck betroffen waren. Heute leuchten die Häuser in freundlichen Farben und haben ihre Tristheit abgeschüttelt.





    Der Radweg führt nun direkt an der Autobahn entlang.





    In der Ferne sieht man zwei Fördertürme. Auch sie sind Überbleibsel einer vergangenen Zeit. Sie gehören zu der ehemaligen Grube (Völklingen-) Luisenthal. Hier waren 1962 299 Bergleute verunglückt. Es war mit das schwerste Grubenunglück der Bundesrepublik überhaupt.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Grube_Luisenthal. 1994 wurde der Betrieb eingestellt.






    Am Wehr bei Gersweiler gibt es einen Kanurastplatz. Gut zu wissen. In der Ferne sieht man (Saarbrücken-) Burbach auf. Der Feierabendverkehr nimmt zu. Anscheinend sind die meisten Geschenke gekauft und nun geht es heim zur Familie.





    Ich überhole zwei Spaziergänger. Der Fahrradweg führt nun ein kurzes Stück regenfrei unter der Autobahn entlang und ich genieße das Stück.





    Auf der Höhe der Messehallen zeigt sich die Innenstadt von Saarbrücken zeigt in der Ferne.








    Ein Zug holpert auf der anderen Seite ganz nahe am Wasser vorbei und ich vermute, dass er das Stahlwerk beliefert. Der Bürgerpark mit seinem pseudorömischhistorischem Bauwerk kommt in Sicht. Ich sage dazu nix. Saarbrücken hat eine Begabung, Dinge zu realisieren, die knapp daneben sind. Aber man gibt sich Mühe.






    Die Berliner (sic!) Promenade kommt in Sicht.





    Zur Innenstadt geht es nun rechts ab, aber ich fahre noch ein Stück geradeaus, um ein Foto von der Alten Brücke zu machen.





    Und an dieses Bild kann sich dann endlich die allseits bekannte Frage anschließen:
    Wie heißt der Nebenfluss der Saar mit 13 Buchstaben?

    Na? Nicht schummeln!

    Genau!: Stadtautobahn.

    An den Lichtern sieht man, wie tief die Stadtautobahn neben der Saar liegt. Um sie zu erstellen wurde vor vielen Jahren – waren es die 60iger? – Teile des Schlossparkes abgebrochen und die Autobahn direkt an der Saar unterhalb des Schlosses gebaut. Damals war natürlich noch nicht so viel Verkehr und da man Geld sparen wollte, wurde die günstigere und damit tiefere Lösung gewählt. Man wusste zwar von Überschwemmungen der Saar, schätzte diese aber als ein seltenes Ereignis ein. Diese Theorie hat sich in der Folge leider nicht bewahrheitet und so tritt die Saar regelmäßig über die Ufer. Dann wird die Autobahn gesperrt und umgeleitet und hinterher muss alles wieder aufwändig gereinigt werden. Die teurere Lösung wäre folglich die günstigere geworden. Inzwischen denkt man sogar über eine Tunnellösung nach, wobei hier wohl auch die Lärmbelästigung durch den ständig zunehmenden Verkehr eine Rolle spielt. In den idyllischen Saaranlagen am Staden – dort, wo die alten Villen stehen -, ist der ständige Geräuschpegel gegenwärtig.

    Ich wende, um Richtung Innenstadt ab zu biegen und während ich das Rad zur Brücke hochschiebe, überlege ich, was man auf die Schnelle Touristen so zeigt. Ludwigskirche, Schloss, St. Johanner Markt. Okay. Das ist zu schaffen. Zwar geht mir der Regen inzwischen richtig auf den Keks, aber Saarbrücken bei Nacht sieht nett aus. Das muss ich ausnutzen.

    Ich radele auf bekannten Wegen zur Ludwigskirche. Leider ist es nicht mehr so einfach, die Linse des Objektivs trocken zu halten. Mittlerweile ist auch das Trockentuch klitschnass. So stellt es die falsche Kirche scharf. Aber das zweite Bild ist alles besser.









    Das barocke Schloss ist in der Nähe. Es war lange Jahre in einem schlechten Zustand und verfiel zusehens. Erst überlegte man, es ab zu reißen, dann entschied man sich in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, das Schloss grundlegend zu sanieren. Der Architekt Gottfried Böhm entwarf einen modernen Mittelbau und ich finde, die Lösung ist gut gelungen. Stichwort für die barocke Architektur Saarbrückens ist übrigens das Wort „Stengelbauten“. Friedrich Joachim Stengel (1694-1787, geboren in Zerbst und gestorben in Saarbrücken) ist der Name des Architekten, der das Stadtbild prägt und u.a. Ludwigskirche, Schloss und die St. Johanner Kirche entworfen hat.








    Das Schloss bildete früher eine Sichtachse mit der Ludwigskirche und dem St. Johanner Markt. Diese ist allerdings durch Neubauten eingeschränkt worden.





    Ich will gerade mein Fahrrad in Richtung Innenstadt schieben,




    da fällt mir glücklicherweise noch ein, dass man vom Schlosspark einen Blick über die ganze Stadt hat. Verdammt, fast hätte ich das tatsächlich vergessen. Nichts wie hin.


    Und hier also Saarbrücken von oben. Leider bekomme ich die Linse wieder nicht ganz trocken.











    Das große imposante Gebäude ist übrigens das Saarbrücker Staatstheater, dass 1937-1938 im neoklassizistischen Stil nach den Entwürfen von P.O. Baumgarten gebaut wurde.

    Als ich zurück zum Schlossplatz schiebe, hat jemand das Licht im Mittelteil des Schlosses angestellt. Also noch einmal die Kamera auspacken.





    Und dann entscheide ich mich, auch das WAI zu fotografieren. Ein Schloss ist doch genau der richtige Hintergrund. Und das bisschen Regen macht doch nichts. Ich platziere es auf der Hinweistafel zu der Skulptur auf der linken Seite, die hier leider vom Baum fast verdeckt wird. Sie ist ein Mahnmal gegen Rassismus.








    Dann schiebe ich mein Fahrrad über die Alte Brücke, die zum Altstadtfest in einer Richtung gesperrt wird, damit sie unter den gleichmäßigen Schritten der Leute nicht zusammen bricht. Auf dem St. Johanner Markt ist Weihnachtsmarkt.





    Die Fröschengasse.










    Der Schwenker. Schwenkbraten ist Nationalgericht.





    Das traditionelle Gasthaus „Zum Stiefel“. Viele Lokale kenne ich nicht mehr, aber der Stiefel ist geblieben.





    Nun fehlt noch das Foto vom Brunnen des St. Johanner Marktes, aber er wird durch singende Weihnachtsmänner versperrt. Auch an der Seite kommt man nicht ran. So mache ich nur zwei Bilder von der – ja was ist das eigentlich? Eine Säule?








    In grauer Vorzeit ging hier noch die Straße durch. Dann wurde vermutlich in den 70iger Jahren des letzten Jahrhunderts aus dem St. Johanner Markt eine Fußgängerzone gemacht und der Brunnen in die Mitte versetzt. Seither ist er der zentrale Platz Saarbrückens.

    Der Regen zermürbt mich und mir ist kalt geworden. So radele ich so gut es angesichts der Massen von unkonzentrierten Menschen geht, durch die zur Fußgängerzone der Bahnhofstraße (Fahrrad frei) Richtung Bahnhof.








    Die ehemalige Bergwerksdirektion ist jetzt ein Konsumtempel, für den auch der Bahnhofsvorplatz umgestaltet wurde.











    Und dann stehe ich auch schon am Bahnhof.






    Hier ist das WAI jetzt virtuell zu Hause. Die letzten Schritte habe ich auf der Hinfahrt bereits gemacht.

    Auf mich wartet nun noch in einiger Entfernung eine lange Schiebestrecke und so gebe ich Gas. Ich wähle die mir bekannten Schleichwege und bin überrascht, dass sie für Fahrräder freigegeben sind. Hier hat sich einiges getan. Als ich mit müden Beinen die gewohnte Bergstrecke hochschiebe – 25 lange Minuten lang – überlege ich, ob die Menschen wohl früher auch wegen jeder Kleinigkeit ins Tal gelaufen sind, als es noch keine Autos gab und man schnell mal ins Auto hüpfen und in den Supermarkt und wieder zurück fahren konnte. Dann überlege ich, warum es mir mal wieder nicht eingefallen ist, mein Auto unten zu parken. Dann hätte ich das Fahrrad einladen können und mit dem Auto hoch fahren können. Anderen wäre das eingefallen, da bin ich mir sicher.

    Aber dann bin ich irgendwann da und Weihnachten kann beginnen.

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  • Torres
    antwortet
    AW: Saarland/Rheinland-Pfalz: Die Route

    22.01.2012

    Dreisbach- Saarbrücken

    Wetter: Kein Regen, ergiebiger Dauerregen bei um die 7-9 Grad.

    66 Kilometer


    Ich hole mein Fahrrad aus dem Tischtennisplatzschuppen und schließe es vor der Tür an. Es ist kurz nach 7 Uhr. Meine Nase ist zu und ich huste erbärmlich. Die Freck?
    Das Frühstück ist luxuriös und auch die wichtigsten Lebensmittel sind vorhanden: Fleischkäs und Lyoner. Nur Doppelwecks gibt es nicht. Dafür gesunde Vollkornbrötchen.








    Der rote Sand klebt beharrlich am Fahrrad fest, und wie ich mein Glück kenne, wird es regnen. In der Tat, das wird es, aber erst einmal ist es nur neblig.





    Ich verlasse die Jugendherberge und radele den Hügel herunter. Noch ein Blick zurück zur Saarschleife:






    und einer nach vorne.





    Es ist feucht und kühl, aber erheblich wärmer als gestern. Die Regenhose kann den ganzen Tag im Rucksack bleiben. Am Straßenrand lädt ein Haus trotz des Weltuntergangs zu einer Party am 26.12.2012 ein. Der Weihnachtsmann war nicht so optimistisch und hat sich erhängt.





    Der Radweg führt an der Straße entlang, doch Autos sind keine unterwegs. Es ist Samstag. Eine Siedlung taucht im Dunst auf – vermutlich Schwemlingen - und die ersten Hundespaziergänger sind zu sehen.





    Ich befinde mich nun an einem Anleger und als ich die Kirche gegenüber fotografiere – gehört sie noch zu Mettlach oder schon zu Besseringen? – schwimmt eine Schwanfamilie auf mich zu: Eltern und Kind.




    Zitat von hosentreger Beitrag anzeigen
    Die Kirche auf der anderen Saarseite ist St. Gangolf, das Überbleibsel des früheren Kapuzinerklosters St.Gangolf, von dem nur noch die Kirche steht (war mal ganz früher die Pfarrkirche von Besseringen - bis die irgendwann Anfang des 20. Jhdt. mitten im Dorf gebaut wurde). Das Kloster wurde irgendwann in den 80ern des zurückliegenden letzen Jahrhunderts des zurückliegenden Jahrtausends - also ca. 1985 - mangels Ordens-Nachwuchses abgerissen.


    Noch weiß ich nicht, dass ich gleich in ein Familiendrama verwickelt werde.





    Der junge Schwan sucht die Nähe von Mama, die sich von ihrer besten Seite zeigt.





    Das missfällt Papa aufs Tiefste.












    Interessiert schaut Mama zu,





    während der junge Schwan mit dem Schnabel malträtiert wird.





    Um dann zufrieden in das Wochenende zu gleiten.



    Ich passiere die Maria Cronn, einen Ausflugsdampfer, der Touristen zur Saarschleife fährt. Die Namensgeberin Maria Croon (1891-1983) ist eine aus dem Bauerndorf Meurich in der Region Trier-Saarburg stammende Lehrerin und Schriftstellerin, die später nach Merzig übergesiedelt ist. Sie hat in kleinen Geschichten die bäuerliche Welt und das Brauchtum ihrer Heimat geschildert, so dass ihr Werk volkskundlichen Wert hat. 1966 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz und seit 1984 gibt es den Maria-Croon-Preis, mit dem Personen und Institutionen im Saarland ausgezeichnet werden, die den Heimatgedanken pflegen.





    Ich radele nun Richtung Besseringen.











    Ich schmunzele. Der Radweg endet und die Auffahrt zur Brücke ist für Fahrzeuge aller Art gesperrt. Dabei ist hier eine Fahrradhauptverkehrsstraße.





    Oder?





    Ich fahre über die Eisenbahnbrücke und sehe den Tunnel, durch den der Regionalzug aus Saarbrücken nach Mettlach fährt. Dann finde ich kurz den Radweg nicht wieder (es geht links ab und das steht auch da, aber ich bin unkonzentriert und fahre erst geradeaus und biege dann rechts ab und muss wieder umkehren) und dann bin ich wieder am Wasser.





    Regungslos sitzt der Graureiher am Uferrand und ich bedauere, dass mir kein besseres Bild gelingt. Gestern hatte ich unerwarteterweise einen auf meiner Seite der Saar gesehen und wir hatten uns kurz in die Augen geschaut, aber als ich nach der Kamera griff, flog er davon. Vielleicht habe ich heute mehr Glück und begegne weiteren Tieren.

    Der Radweg wechselt erneut die Seite, ich bliebe aber an der Straße, da ich den Wolfspark Werner Freunds besichtigen möchte. Freund ist der Mann, der mit den Wölfen lebt. Die Zugangsstraße wird bebaut, aber Hosentreger hatte mir erklärt, an welcher Stelle ich der Baustelle ausweichen kann. Als ich auf die Zufahrt einbiege, sind viele Autos unterwegs und nach kurzer Zeit wird mir das alles zuviel. 2 km Schiebestrecke liegen vor mir, die Zeit und Nerven kosten werden. Ich mache noch ein Foto, dann wende ich und fahre zurück zur Natur.

    Denke ich.

    Denn schon bald wird die Autobahn nach Saarbrücken mein mehr oder weniger laut hörbarer Begleiter sein. Übrigens ist die Gegend hier ein bekanntes Obstanbaugebiet: Merziger Apfelsaft.

    Zwei große rot-weiße Stahlschranken queren den Radweg. Eine clevere Art, Fahrradfahrer zu ballettösen Einlagen zu zwingen. Gut, es soll die Autos abhalten, das sehe ich ein. Aber mit Packtaschen ist das schon ziemlich knapp hier. Ausprobiert Kein Wunder, dass die meisten Radfahrer über den Rasen fahren.


    An dieser Stelle sieht man bereits die Autobahn, die wie ein Band das Land von der Saar trennt. Das Geräusch ist mir vertraut – kein Sonnenbad in den Saaranlagen Saarbrückens ohne das Geräusch der Autobahn.










    Auf der Höhe von Hilbringen wird es touristisch: Yachthafen, Kids-Indoorhalle, McDonalds und bombastischer Radwegweiser. Der Müll der MacMenues wird mich ungefähr einen Kilometer begleiten. Anscheinend gefällt es, romantisch am Wasser zu essen und die Reste liegen lassen. Andere essen im Auto und machen dann die Tür auf, werfen den Müll raus und fahren wieder. Jemand anderes wird es schon wegräumen. Auch hier ist ein typischer Hundeausführplatz, wie überall, wo es eine Zufahrtmöglichkeit mit dem Auto gibt.








    Und dann fahre ich doch noch dem Firmennamen vorbei, der die Region zwischen Mettlach und Merzig mitgeprägt hat. Hier das Werk in Merzig.





    Der Radweg verläuft jetzt parallel zur Autobahn und mir tun die Ohren weh. Im Sommer schützen vielleicht die Bäume, im Winter wird der Schall weit getragen. Dennoch ist es schön hier. Die Hinweisschilder sind unter einer Autobahnbrücke angebracht.














    Eine Infotafel weist auf die Fähre Fremersdorf hin, die jahrzehntelang die Seiten der Saar miteinander verbunden hat.






    Die Autobahn wechselt nun die Seite und der Radweg wird über die Nied geführt.








    Die Nied führt Hochwasser und die Flusslandschaft ist typisch für diese Region.





    Der Radweg wird durch ein Waldstück zurück an die Saar gelenkt und wieder findet sich ein Bild für den Leuchtturmthread. Der „Leuchtturm“ befindet sich auf der Höhe von Beckingen.











    Langsam nähere ich mich Dillingen und der Dillinger Hütte. Dillingen ist immer noch ein wichtiger Industriestandort und der Ausbau der Saar bis Dillingen ist abgeschlossen, damit das Schiff als Transportmittel genutzt werden kann. Neuerdings ist im Gespräch, die Moselwehre zu verbreitern, damit größere Schiffe die Saar hinauffahren können.














    Die Dillinger Hütte kommt in Sicht. Die meisten anderen Hütten der Region sind entweder stillgelegt oder produzieren nur noch sehr spezialisiert. Die Dillinger Hütte ist ca. 300 Jahre alt und das größte Grobblechwerk Europas. Dillinger Bleche finden sich in vielen industriellen Großprojekten wieder und in den Hochöfen wird noch Roheisen produziert. Es ist eine dieser Industrien, welche die Grundlage für unseren heutigen Wohlstand geschaffen haben. Früher hieß es: Mein Großvadder schafft uff der Hütt, mei Vadder schafft uff der Hütt unn ich geh aach uff der Hütt schaffe. Das ist längst vorbei. Heute heißt es: Ich schaff im Büro.





    Eine ökologische Ausgleichsfläche ist Rückzugsgebiet für die Wasservögel.





    Als ein buntgekleideter Jogger um die Ecke kommt, fliegen die beiden davon. Kurze Zeit später sehe ich sie an einem anderen Gewässer. Doch ein Foto gelingt mir nicht. Wieder kommen Jogger und Radfahrer dazu und die Vögel fliegen eilig davon. Es ist viel los hier, das warme Wetter hat die Wochenendsportler angezogen. Die Dillinger machen ihren Wochenendsport. Reiseradler begegnen mir keine. Dafür freue ich mich über einen Kajakfahrer, der ruhig seine Bahn zieht.





    Die Einmündung der Prims, ein weiterer Reiher und dann rückt die Hütte mit der Hochofenanlage wieder in das Blickfeld.














    Rechts von mir liegen nun landwirtschaftliche Flächen, auf denen sich eine Giebeltunnelkonstruktion befindet. Das Hochhaus mit dem typischen Emblem zeigt mir sofort, wo ich mich befinde: Saarlouis. Immer noch ist das Werk einer der bedeutendsten Arbeitgeber der Region: Ay gucke mol, do ist mei Auto. Du hascht doch gar ke Auto. Ay jo, awwer von dem Auto hann ich die Stoßstang gemach. Heute ist leider auch dieser Standort von Stellenabbau betroffen.





    Und dann zeigt Saarlouis, dass es perfekt auslännisch parliere kann: Man fährt also nicht in den Oart, sondern in die Zity.








    Da Saarlouis als heimliche Hauptstadt des Saarlandes gilt, entscheide ich mich für einen Schlenker. Göga wird es freuen, denn die ehemalige Festung Saarlouis mit in die Stadt integrierten Wällen, Gräben und Bauwerken von Vauban sollte nach seinem Geschmack sein. Ich nähere mich der Vauban- Insel mit Denkmälern für Marschall Ney und den (vergessene) Soldaten Lacroix. Die Legende besagt, dass er von den Franzosen beim Abzug vergessen wurde.












    Es ist viel Verkehr, man fährt zum Weihnachtseinkauf in den Globus. Das ist DER Supermarkt im Saarland und dort gibt es (angeblich) die besten Schwenker zu einem guten Preis.





    Ein Blick zur Seite, als ich mein Fahrrad über die Brücke schiebe.





    Und dann stehe ich vor einer Kanone.








    Auf der anderen Seite der Straße sind die Kasematten.









    In den Kasematten befinden sich verschiedene Restaurants. Auch das Restaurant „Zum Leuchtturm“ ist vertreten. In Saarlouis habe ich übrigens das erste Mal im Leben Champagner getrunken. Es war der Empfang des Bürgermeisters und als man mir ein wenige Zentimeter hohes Glas in die Hand drückte („Champagnerschale“), schwante mir Fürchterliches. Nach zwei ruinierten Silvesternächten aufgrund eines Billigsektes, stand mir nach Sekt nicht der Sinn. Aber mein Ansinnen nach Mineralwasser wurde mit einem entsetzten Blick zurückgewiesen. Also nippte ich an dem Champagnerglas und nach dem ersten Schluck wurde die Welt bunt und schön und mir schlagartig klar, dass ein guter Champagner nichts, aber auch gar nichts, mit einem schlechten Sekt gemeinsam hat. Der Champagner war übrigens eine Spezialanfertigung für die Gäste des Bürgermeisters.

    Ich lenke meine Schritte in Richtung Markplatz. Es ist lange her, dass ich das letzte Mal hier war. Das Kaufhaus Pieper gibt es noch. Wenn man früher etwas auf sich hielt, fuhr man von Saarbrücken aus zu Pieper nach Saarlouis, um shoppen zu gehen. Das machte Eindruck. Ich war nur einmal darin.








    Autos suchen einen Parkplatz und der kleine Wochen-/Weihnachtsmarkt schließt gerade. Man spricht saarländisch, hochdeutsch, französisch und lothringisch. Ich verspüre Hunger und mach ein Bild für lina und alle anderen Anhänger des wahren Apostrokatastrophen.





    Ein Hamburger und ein hotdog erscheinen mir nicht schmackhaft genug. Ich entscheide mich für Merguez. Es sind die kleinen und sie schmecken gut. Die Dame fragt auf hochdeutsch, ob ich ein halbes Brötchen möchte. Sie hat mich als Tourist eingestuft. Ich nicke, wohlwissend, dass sie mir ein halbes Doppelweck geben wird. Also ein ganzes Brötchen. Das aber mit einem anderen Brötchen (Weck) zu einem Doppelbrötchen verbunden war (Doppelweck). In direkter Übersetzung aus dem Saarländischen ist die Bezeichnung halbes Brötchen = halbes (Doppel)Weck naheliegend. Genaugenommen ist die Bezeichnung aber nicht ganz richtig. Im Hochdeutschen wäre ein halbes Brötchen sozusagen ein Viertel-Doppelweck. Verstanden?


    Kaum habe ich mein Essen in der Hand, fängt es an: Genau. Es fängt an zu regnen. Erst ein wenig und dann immer mehr.

    Ich breche meine Stadtbesichtigung ab und eile am Globus vorbei in Richtung Saar. Und da steht wieder einer. Und rührt sich nicht. Zunächst. Als ich ihm nachsteige, sehe ich ihn wieder. Und mir gelingen endlich einmal ein paar Bilder aus der Nähe. Bis auch er wegfliegt.








    Der Regen ist noch stärker geworden und wird bis zum Abend nicht mehr aufhören. Immerhin ist es nicht mehr so kalt wie gestern und so kann ich nur mit der Softshellhose fahren. Sie ist wasserabweisend genug und erfüllt meine vollsten Erwartungen.


    Ich nähere mich nun Lisdorf und fahre an der Lisdorfer Au vorbei. Sie ist einerseits ein Schutzgebiet, andererseits ist sie aber auch das bedeutendste landwirtschaftliche Nutzgebiet dieser Region.






    Auf der linken Seite befindet sich eine Abraumhalde. Welche Fabrik sich am Fuße befindet, weiß ich nicht. Aber die Maschine auf dem Berg fasziniert. Später werde ich noch andere Schlackenberge sehen, die mittlerweile so stark bewachsen sind, so dass man ihren Ursprung nur noch erahnen kann. Sie werde touristisch genutzt.










    Zitat von hosentreger Beitrag anzeigen
    Die Fabrik am Fuße des Tafelberges bei Ensdorf ist das Grubengebäude mit Förderturm der Grube Ensdorf - seit Sommer 2012 wird dort keine - wie auch an der Saar überhaupt - Kohle mehr gefördert. Der Berg - ich schätze mal 150 m hoch - besteht nicht aus Schlacke (also das, was bei der Verhüttung übrig bleibt), sondern ist der Abraum aus der Grube, also sog. totes Gestein. Seit letzem Jahr wird ganz oben übrigen Wein angebaut. Und: Dort soll irgendein Naherholungsgebiet errichtet werden.


    Ich passiere die Lisdorfer Kirche und erreiche das Kraftwerk Ensdorf.





    Rechts schimmert ein gelber Lichtpunkt durch den Regen und ich mache ein paar Fotoexperimente.





    Unter der Brücke nach Bous mache ich Halt. Der strömende Regen „Ergiebiger Dauerregen“ zermürbt. Hundebesitzer fahren mit dem Auto vor, lassen den Hund kurz kacken und flüchten zurück in die warme Wohnung. Ich tröste mich mit schokoladiger Wegzehrung, die mir Hosentreger überreicht hatte. ☺ Danke noch einmal dafür.





    Ich passiere die Villa Zind und dank google kann ich mir endlich merken, dass es sich um eine Weinhandlung handelt.





    Auf der Höhe liegt die Hermann Röchling Höhe, ein Stadteil von Völklingen. Die Benennung ist umstritten, da der Unternehmer Röchling, der das Stahlwerk zur Blüte führte, dem Nationalsozialismus nahe stand und während des Krieges bis zu 70000 Zwangsarbeiter im Stahlwerk beschäftigt hatte. Er wurde nach dem Krieg als Kriegsverbrecher verurteilt, aus dem Saarland verbannt und das Privatvermögen wurde ihm entzogen. Später erhielt die Familie das Unternehmen zurück, hat sich aber in den 80iger Jahren des letzten Jahrhunderts aus dem Stahlbereich zurückgezogen.
    Dennoch hat der Name für viele Saarländer bis heute immer noch einen guten Klang. Der Name Röchling stand ein Jahrhundert lang für Arbeit und die Aussicht auf bescheidenen Wohlstand. Um die Arbeitskräfte vor Ort zu halten, förderte Röchling den Eigenheimbau seiner Arbeiter und dieser wurde durch einen hohen Anteil an Eigenleistung nach der Schicht realisiert. Das mag dazu beigetragen haben, dass es im Saarland eine der höchsten, wenn nicht sogar die höchste Eigenheimquote in Deutschland gibt.


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  • Torres
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    AW: Saarland/Rheinland-Pfalz: Die Route

    Freitag, 21.12.2012 (ehemaliger Weltuntertagstag)

    Trier - Dreisbach.

    Wetter: Nebelfeuchte, Dribbsregen, Nieselregen, Ficelle = Bindfadenregen.
    Wegbeschaffenheit: Asphalt oder Batsch. Temperaturen geschätzt um 4 Grad.

    60 km


    Ich habe gut geschlafen und das Frühstück ist perfekt. Meine Sachen sind alle getrocknet. Leichte Anflüge von Erkältung zeigen sich. Der Himmel ist diesig und es sieht nach Regen aus. Der angekündigte Schnee- und Eisregen wird ausbleiben. Die Temperaturen schwanken um die 4 Grad.





    Ich folge den Radwegschildern und durchquere Trier-Pfälzel.





    Ab und zu wird man an die Jahreszeit erinnert. In drei Tagen ist Weihnachten.





    Wieder befinde ich mich an der Mosel. Von hier aus sind es ca. 6 km bis nach Trier.








    Der Radweg ist eigentlich gesperrt. Das sehe ich aber erst in Trier. Auf dem Schild steht „Hochwasser“.





    Ich schiebe das Fahrrad die Brückenauffahrt hoch, um einen Schlenker in die Innenstadt des (ehemaligen) Augusta treverorum („Stadt des Augustus im Land der Treverer“) zu machen. Ich will dem WAI die Porta Nigra zeigen. Die Porta Nigra war die größte Enttäuschung meines römisch angehauchten Lebens. So wie sie in meinem Lateinbuch abgedruckt war, hatte ich sie mir als ein monumentales Bauwerk vorgestellt. Und dann stand ich vor einem winzigen, schmutzigen Stadttor. Mal sehen, was ich heute von ihr denke.





    Aber zunächst fällt mein Blick auf ein Plakat und ich träume von Sommer und Musik.





    Ich finde den Radweg zur Porta Nigra. Nur wenige Menschen sind auf der Straße und die Ampelschaltung für Radfahrer ist gelinde gesagt idiotisch. Und dann steht die Porta Nigra auch schon vor mir und ich bin ganz überrascht: Eigentlich macht sie ja doch was her!









    Die erste Schulklasse taucht auf und ich rolle durch das Tor. Ich überlege, noch andere Bauwerke zu fotografieren, aber ich bin locker mit Hosentreger in Merzig verabredet. Lieber nicht so viel Zeit verlieren. So fotografiere ich noch eine Figur und wende mich in Richtung Touristeninformation. Vielleicht haben die dort einen Aufkleber für mich.




    Und da sehe ich die Porta Nigra von anderen Seite. Das war also der Anblick beim ersten Mal! Von vorne ist sie beeindruckend, von hinten nicht. Sie hat sozusagen eine Schokoladenseite.





    Ich erwerbe einen Aufkleber von der Porta Nigra, denn mehr Aufkleber haben sie nicht. Aber sie haben die ADFC Radkarte Rheinland-Pfalz / Saarland. Natürlich habe ich das gewusst, das gehörte zu meiner professionellen Vorbereitungsstrategie. Sie erleichtert die Wegfindung ungemein.

    Langsam füllt sich der Innenhof der Porta Nigra und die Reisebusse kommen. Die Schülergruppe, besteht aus Franzosen, die nun aufgeregt eine Trierer Rallye absolvieren und hektisch nach schlüssigen Informationen suchen. Eine amerikanische Reisegruppe und einige Engländer sind ebenfalls unterwegs. Ich dagegen flüchte und fahre zurück an die Mosel, um mich wieder in die Einsamkeit zu begeben.








    Auf der gegenüberliegenden Seite schimmert auf dem Hügel etwas durch den Nebel. Ich erinnere mich dunkel an eine Kapelle oder ein Kreuz auf einem Berg, aber es lässt sich nicht erkennen, ob es sich tatsächlich um dieses Objekt handelt. Kurz darauf ist es ganz im Nebel verschwunden.




    Edit:
    Zitat von Kris Beitrag anzeigen
    Kapelle und Kreuz stehen (unscheinbarer und nicht auf dem Foto) ein paar hundert Meter weiter... Was du fotografiert hast, ist die Mariensäule.

    Hier besungen von den Leiendecker Bloas.


    Der Radweg verläuft parallel der Straße und das mit der Stille war nichts. Die Autos tun meinen Ohren weh. Auch die Bahnlinie bahnt sich auf der Höhe der Staustufe Trier ihren Weg parallel durch das Moseltal.








    Kurze Zeit später sehe ich Schwäne und als sie mich sehen, kommen sie sofort angeschwommen. Anscheinend werden sie hier im Sommer von Touristen und Spaziergängern verwöhnt.





    Andere Vögel machen es ihnen nach.





    Und so gelingen mir schöne Bilder.











    Auf der anderen Seite sieht man schemenhaft Schloss Monaise.





    Und dann bin ich auch schon in Konz.





    Und radele auf die Saarmündung zu. Die Mosel knickt nun nach rechts ab und ganz links im Bild unter der Brücke beginnt die Saar.





    Der Radweg führt über die Brücke hinweg und am Ende in einer Schleife hinunter, so dass man direkt an der Saarmündung herauskommt.









    Ein Schild zeigt, dass der Radweg nach rechts abknickt. Ich bedanke mich, fast wäre ich geradeaus gefahren.





    Und nun beginnt der schönste, landschaftlich vielfältigste und naturbelassenste Abschnitt dieser Tour, der bis Merzig seine Faszination entfalten wird. Viele Teile dieser Gegend sind besonders geschützt und auch Angeln ist an vielen Stellen unterbunden. Auch wenn das Tal von Auto, Schiff und Eisenbahn genutzt wird, so nimmt man dieses doch nicht wahr.











    Eine große Artenvielfalt und magische Momente sind der Dank.





    Ein Naturcampingplatz zeugt von menschlichen Spuren.





    Herbstfarben und immer wieder Nebel.















    Es ist wärmer geworden und ich ziehe die Regenhose aus. Ein Fehler, sofort wird mir wieder kalt. An der Staustufe Kanzem entdecke ich ein Schild. Ein MYOG-Projekt?





    Eine künstliche Wassereinleitung fasziniert mich.








    Ich ziehe meine Regenhose wieder an, da es zu nieseln angefangen hat und überlege, ob der Spruch „Ich bin ein Stein, lasst mich hier raus“, einen Sinn ergibt.





    Ich fühle eine gewissen Befriedigung über den Beweis der Überlegenheit der norddeutschen Kultur , werde ihn aber weder Ditschi noch Göga zum Raten vorlegen.





    Ich bin jetzt in Saarburg und das bisherige Nieseln geht in Regen über. Erst schwach, dann immer stärker.














    Und dennoch finde ich es schön hier. Das Landschaftsbild wirkt vertraut.








    Ein Naturschutzgebiet kommt und man muss 200 Meter lang das Fahrrad schieben. Das ist auch geboten, denn der Weg ist schmal, abschüssig und glitschig. Im Sommer wird es hier wunderschön sein. Das Schild scheint sich allerdings nur an Männer zu richten, denn es ist spricht Mann und Frau mit "Lieber Radfahrer" an.








    Diesmal ein natürlicher Wasserzufluss.





    An der Schleuse Serrig regnet es noch, aber dann wird der Regen schwächer und hört auf. Und ich nähere mich einem Gebiet, das Hosentreger als erschreckend und ich als faszinierend empfinde: Dem Berg des Bergwerkes in Taben.





    Der Radweg führt hier links über die Brücke und dann auf der anderen Seite der Saar entlang weiter. Der Weg ist nicht asphaltiert und überall ist das Wasser rötlich gefärbt von der Farbe der Steine der Umgebung. Von Anfang an hat es mich fasziniert, wie hier Menschen dem Berg ihre Lebensgrundlage abtrotzen. Hosentreger dagegen empfindet ein Schaudern, wie der Mensch in die Natur eingreift.












    Wieder schließt sich ein unglaublich schönes Teilstück an und an einer Stelle verpasse ich das Foto meines Lebens, als ich die Kamera zu spät zücken kann. Aber diejenigen, die mir gelingen, sind auch schön.














    Dann führt der Weg in den Wald und ich schiebe mit meine durchgefrorenen Beinen das Fahrrad gute zwanzig Minuten den Hügel hinauf. Vor mir sind zwei Spaziergänger und ich vermute, dass Mettlach nahe ist. Der Weg führt zu der Lutwinuskapelle. Von dort aus sieht man Mettlach in der Ferne liegen.
















    Ich telefoniere mit Hosentreger und teile ihm mit, dass ich es wohl nicht bis Merzig schaffen werden, sondern schauen werden, ob die JH in Dreisbach geöffnet ist. Er ruft zurück und teilt mir mit, dass die JH geöffnet hat und er mich dann dort besuchen kommen wird. Damit ist Zelten gestrichen und mein Ziel steht fest.





    Ich biege in einen Vorort von Mettlach ein, dort ist ein Gästehaus von Villeroy und Boch, aber eine Fabrik oder das Museum liegt nicht am Weg. Dafür entdecke ich urplötzlich, dass mein Navi nicht mitloggt. Gut. Von jetzt an schon.


    Ich biege nun in Richtung Saarschleife ab. Es wird wieder kühl und hier ist die völlige Einsamkeit. Es ist still. Vögel hört man kaum. Der Zug fährt durch den Berg und eine Straße gibt es hier nicht. Eine unheimliche Gegend, die schon immer meine Phantasie angeregt hat. Wunderschön.


















    Fangzäune gegen Steinschlag: Hässlich, aber nützlich.





    Die Saarschleife beginnt. Und ich erschreckend mich furchtbar, als lautlos ein Schiff in die Saarschleife einbiegt und geräuschlos an mir vorbei fährt.












    Dann bin ich an einem Punkt ziemlich in der Mitte. Hinter mir oben auf dem Berg wird der Aussichtspunkt sein, von dem aus die berühmten Saarschleife-Fotos gemacht werden.





    Ich finde die richtige Stelle für das WAI






    und will es gerade aus dem Rucksack holen, da fängt es auf einmal an, Bindfäden zu regnen. Das kann ich dem WAI nicht an tun. Von dem schönen Ausblick von eben ist nichts mehr zu sehen.








    Eilig ziehe ich die Regenjacke über und verstaue WAI und Kamera. Es besteht kein Zweifel, dass die Jugendherberge eine gute Idee ist.

    Ein letzter Blick zurück.





    Dann schiebe ich mein Fahrrad den Berg zur Jugendherberge hoch. Die Herberge ist renoviert, professionell geführt und ich erhalte für 21 Euro inklusive Frühstück ein Vierbettzimmer. Nur Handyempfang sucht man hier vergebens. Dafür kann ich mir für 3 Euro für 24 Stunden W-Lan erkaufen. Ich rufe Hosentreger von der Telefonzelle in der JH an. Er holt mich ab und ich verbringe einen sehr schönen Abend bei Abendbrot in seiner Familie. Und erfahre, dass Fritz eine Fritzin ist. Aber das ist eine andere Geschichte.

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  • Torres
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    AW: Saarland/Rheinland-Pfalz: Die Route

    Donnerstag, 20.12.2012

    (Wittlich) Mühlheim - Trier.

    Transportart: Fahrrad
    Wetter gut : Erst kein Regen, dann Schneeregen, dann Regen, dann viel Regen bei 0 bis 4 Grad.

    52 km + 2 km Lokalbesuch (Gesamt 64 + 2 km)


    Warum transportiert ein aus Hamburg stammendes Nordlicht das WAI ins Saarland? Nun, ich wurde mit 14 Jahren ins Saarland „zwangsverschleppt“: In eine Region, deren Kultur mir fremd war, deren Sprache ich nicht verstand und mühsam lernen musste (um nicht gleich als „aus dem Reich“ stammend identifiziert zu werden) und wo (danke Ditschi für diesen Ausspruch ) sich jede Menge Hügel (hier: Berge genannt) befinden, welche die Sicht versperren.

    Den Saarradweg bin ich nie gefahren. Früher gab es keinen durchgängigen Radweg von Trier nach Saarbrücken, sondern nur den Leinpfad, der dazu diente, die Schiffe zu ziehen. Fahrrad fahren konnte man da nicht. So bin ich gespannt, was mich erwartet. Große Teile der Strecke kenne ich zwar vom Auto oder der Bahn aus, aber mit dem Fahrrad ist das natürlich etwas anderes.

    Aber fangen wir von vorne an:

    Am Mittwoch abend besuche ich dingsbums in Kaiserslautern und hole das WAI.



    Schnell werden noch die letzten Zeilen in das Tourentagebuch geschrieben, das sich im WAI befindet.

    Virtuell befindet sich das WAI in Mühlheim an der Mosel. So stehe ich den nächsten Tag heldenhaft früh auf und radele (meist bergab) 4 km zum Saarbrücker Bahnhof. Es ist recht frostig und die wenigen Fußgänger schauen mich an, als hätte ich einen an der Scheibe. Aber das bin ich ja schon gewohnt.

    Gegen halb neun bin ich am Hauptbahnhof, der sich nun Eurobahnhof nennt. Ich dachte immer, dass nenne man Sparkasse. Auch der Werbespruch neben dem Vorplatz gefällt mir.








    Das Reisezentrum ist leer und ich erwerbe bei der Auszubildenden einen Fahrschein für 17,55 Euro. Die Fahrradmitnahme ist frei. Der Zug steht bereits am Gleis und ich schließe mein Fahrrad an. Dann stelle ich mich auf den Bahnsteig. Der Schaffner kommt und fragt: „Frische Luft schnappen“ und ich sage mit Blick in den bedeckten Himmel: „Ja, vielleicht werde ich ja noch sonnenbraun im Gesicht “. Er stutzt, dann versteht er und lacht. Ich setze noch einen drauf: „ Morgen ist Weltuntergang, da muss man noch etwas für den Teng tun“.





    In Wittlich steige ich aus. Erst einmal die Winterhandschuhe anziehen, ohne ist es zu kalt. Vor dem Kindergarten - oder ist es die Schule? - ist ein kleines Gehege.





    Auf gut ausgebauten und gut ausgeschilderten Radwegen geht es auf flacher Strecke Richtung Mülheim.





    Nach 12 Kilometern erreiche ich um 11.48 Uhr die Mosel, fahre über die Brücke zum Moselradweg und dann wieder zurück, da ich im Gegensatz zu dingsbums auf dieser Seite der Mosel bleiben möchte. Naiv wie ich bin, denke ich, weil Trier von hier aus gesehen rechts der Mosel ist, würde ich besser rechts Mosel fahren (Edit: Eigentlich ist die Innenstadt von Trier auf der linken Seite. Aber der Campingplatz ist auf der rechten Seite). Leider ist das nicht praktikabel, denn es gibt Stellen, an denen die Berge direkt in die Mosel fallen.


    Die Luft ist frisch bei um die 0 Grad und die Straßen sind menschenleer. Aber noch fühlt sich die Luft trocken an und so ist mir angenehmen warm. Ich gebe Gas und mache die ersten Fotos, nicht wissend, dass mein Navi den Track nicht aufzeichnet. Die Funktion war ausgestellt. WER WAR DAS? Ich hasse es, Schuld zu sein!.Aber im Moment macht mir das nichts aus, denn ich merke es erst am nächsten Abend. Leider kann ich dadurch nicht jedes Bild einem konkreten Ort zuweisen.
    Die ersten Bilder entstehen kurz hinter Mülheim. Majestätisch liegen die Weinberge neben mir und die Weinstöcke zeigen herbstlichen Glanz. Stille liegt über der Mosel. Wenn es nicht so kalt wäre, würde ich jetzt romantische Gefühle entwickeln. Das dies nicht geschieht, ist gut so, denn der Tag ist kurz. In ungefähr vier Stunden wird es schon wieder dunkel werden.














    Hier sieht man den Randstreifen an der Straße. Da ich nicht auf dem offiziellen Moselradweg bin, fehlt eine separate Fahrradspur. Belagstechnisch ein Vorteil, denn der Asphalt auf Straßen ist erfahrungsgemäß besser zu fahren als Radwege. Es ist viel Betrieb: Insgesamt werden mich in der nächsten Stunde drei Fahrzeuge überholen. Dieses geschieht aber laut. Immer wieder erstaunlich, wie wenig es einem als Autofahrer bewusst ist, wie laut ein fahrendes Auto ist.





    Ich erreiche den ersten Ort namens Kesten und verliere prompt den Radweg, der wohl jetzt über die Hügel geht. Der Moselradweg ist also nur auf einer Seite, soviel ist mir jetzt klar. Vielleicht hätte ich mir doch vorher eine Karte besorgen sollen.





    Religiöse Symbole in Form von kleinen Kreuzen oder Felsandachtsstätten säumen den Weg und ein Kreuz in der Ferne beeindruckt mich.




    Edit:
    Zitat von Werner Hohn Beitrag anzeigen
    Das Kreuz müsste der "Große Herrgott" auf dem Geierkopf bei Wintrich sein.


    Und immer wieder Weinstöcke. Später werde ich Winzer sehen, die gewandt die Stöcke beschneiden und hochbinden. Was für eine Arbeit bei der Kälte und angesichts der Vielzahl der zu bearbeitenden Pflanzen. Das wäre nichts für mich.






    Ich fahre an Minheim vorbei und dann ist der Weg zu Ende und ich muss auf die andere Seite wechseln. Und nicht nur das: Leicht fängt es an zu nieseln. Das kann ja heiter werden.

    Nein, das Rad ist nicht von mir, das lag da schon....





    Ein Wegweiser für die Wanderer:





    Ich schiebe das Rad einen schmalen Weg zur Brücke hoch, wo ich von St. Johannes begrüßt werde.





    Die andere Seite der Brücke bewacht St. Nikolaus. Ein leichter Wind kommt auf und ohne ein weiteres Foto zu machen, eile ich weiter.


    Im nächsten Ort (Niederemmel?) gefällt mir ein Haus. Es sieht geheimnisvoll aus.





    Das Wasser ist höher als sonst.








    Ich erreiche Piesport und man sieht recht gut, wie hochwassergefährdet Moseldörfer sein können. Ich habe schon viele Moselhochwasser an der luxemburgischen Grenze gesehen und möchte mit den Anwohnern nicht tauschen. Das Wasser selbst ist kein Problem. Aber das was dann zurückbleibt, ist einfach nur ekelhaft.








    Das Wetter wird immer ungemütlicher und ich kühle stark aus. Das macht sich in einer deutlichen Leistungseinbuße bemerkbar, die mit einer nachlassenden Geschwindigkeit einhergeht. An der Kondition kann das nicht liegen. Und mein Gepäck ist ausnahmsweise moderat. Ich habe zwar die Ausrüstung dabei, aber nur das Notwendigste: Zelt (Dragonfly), Antelope, NeoAir, Evazote, Reactor, 2 Tüten Suppe und ein Satz warme Merinobekleidung. So leicht war ich lange nicht mehr unterwegs. Aber die feuchte Kälte lässt die Beine durch eisen und es kommt mir vor, als hätten die Muskeln die Aktivität eingestellt.

    In Drohn macht der Radweg einen kleinen Schlenker und an einem Flüsschen halte ich an und ziehe mir die Regenhose und die zusätzliche Regenjacke über, um meine wasserabweisenden Klamotten vor dem einsetzenden Regen zu schützen. Letzte Woche, als ich den Wetterbericht gecheckt hatte, waren Sonne und 10 Grad angesagt. Dabei hätte es bleiben können. Noch weiß ich nicht, dass der Regen kurz darauf in Schneeregen übergeht. Genau das Wetter, was ich hasse wie die Pest. Diese fiese, feuchte Nullgrad Sch..... Schnee wäre kein Problem, ich habe Winterreifen drauf. Aber das hier ist nichts halbes und nichts ganzes. Die kleinen Schneeflocken schmelzen nämlich sofort und werden zu Wassertropfen. Zeitweise regnet es auch kleine Eispartikel, die im Gesicht weh tun.

    Unter diesen Bedingungen versuche ich diszipliniert Strecke zu machen. Ohne an zu halten passiere ich Neumagen(-Drohn) und verzichte auf das Foto: Ältester Weinort Deutschlands. Auf der gegenüberliegenden Seite liegt Trittenheim und mit entgeht das einzig erhaltene Fährturmpärchen völlig. Ich friere.


    In Leiwen (?) stoße ich das erste Mal auf die kritischen drei Buchstaben. Nämlich die Frage: LNT oder nicht?





    Anders ausgedrückt: Wähle ich hier die Option a) auf dem Weg bleiben oder b) am Randstreifen entlang hangeln und den Rasen zerstören. Ich entscheide mich wie üblich für c) umdrehen und fahre in der Folge die parallel verlaufende Landstraße weiter. Eine sehr gute Entscheidung, denn der Blick nach unten zeigt mehrfach, dass eine Fahrt auf dem Radweg lebensgefährlich sein kann. Auf der anderen Seite der Überflutungsstelle steht eine kleine Kirche. Um welche es sich handelt, habe ich bisher nicht herausgefunden, aber vielleicht kennt sie hier ja jemand.




    Edit:
    Zitat von Werner Hohn Beitrag anzeigen
    Klar, ist ja fast Heimat. Das ist die Laurentius-Kapelle, hier im Sommer, oberhalb Trittenheim, und Blick nach Klüsserath von da oben.


    Und noch ein kurzer Blick zurück:





    Der Radweg gefällt mir. Die Weinberge strahlen die Ruhe der Jahrtausende aus und die Mosel fließt unerschütterlich träge. Von wie vielen Weltuntergängen die Hänge an den Seiten wohl erzählen könnten? Morgen, am 21.12.2012, soll ja laut Maya- Kalender der Weltuntergang statt finden. Für mich ist es schon der Dritte.

    Knapp eine Stunde später komme ich an einer Felsenmadonna vorbei. Sie fasziniert mich und so mache ich Fotos. Im Sommer wird es hier wunderschön sein und der Platz kostbaren Schatten spenden. Ich mache dagegen Zehengymnastik. Zwar sind die Schuhe warm genug, aber angesichts dieser Feuchtigkeit kommen mir meine Füße steifgefroren vor. Immerhin verspüre ich keine Schmerzen, sie sind also nicht wirklich kalt.









    Und weiter geht es.









    Etwas später fahre ich an einem Weinort vorbei und erinnere mich, dass ich die Landstraße schon einmal gefahren bin. Damals war brütende Hitze, viele Menschen und Stoßstangen-Urlaubsverkehr. Heute kann ich die Begegnungen mit Menschen an einer Hand abzählen. Spaziergänger sind keine unterwegs. Von Zeit zu Zeit hört man allerdings die Autos auf der Landstraße auf der anderen Seite.


    Routinemäßig halte ich nach Zeltplätzen Ausschau, doch gut sieht es hier nicht aus. Die Campingplätze haben alle geschlossen und Wiesen und Weinberge sind tabu. Der schmale Streifen in Ufernähe käme als Notlösung vielleicht in Frage, aber der Untergrund ist so feucht, dass er ungeeignet ist. Und wer weiß, wie viel Wasser noch von oben und unten kommt. Langsam beschleicht mich der Verdacht, ich hätte das Zelt auch zu Hause lassen können. Dabei hätte ich Lust, aus dem kuscheligen Schlafsack heraus auf die Mosel zu schauen. Dass es bald dunkel sein wird, dringt noch nicht ganz zu mir vor.


    An Wegesrand häufen sich nun kleine römische Kulturdenkmäler. Erst denke ich, dass auf dem Schild „Trinken verboten“ steht, aber es weist auf einen römischen Fund hin: „“Trinkender Satyr. Römisches Relief aus dem 2. Jh. n. Chr. gefunden in Neumagen“. Später werden ein Kopf, ein Stein und sonst was hin zu kommen.





    Wieder passiere ich einen geschlossenen Campingplatz. Die Wohnwagen sehen furchtbar aus, vergammelt. Es wird die Feuchtigkeit sein, die ihnen zusetzt. Auch neuere Wagen sind bereits von einem grünlichen Schimmer überzogen.


    Ich nähere ich mich Longuich und dieses Bild zeigt den Blick zurück:





    Dass ich meinen Fotoapparat zücke, hat aber einen anderen Grund:





    Vor lauter Schreck ziehe ich erst einmal den Kopf ein. Das ist aber erst unter der Brücke nötig. Sie ist tatsächlich nicht sehr hoch und das könnte unbedarfte Radfahrer durchaus den Kopf kosten. Oder eine Gehirnerschütterung auslösen. Ich stelle das WAI auf mein Fahrrad, damit es besser gucken kann und mache die Bilder.





    Und dann noch eins mit Wasser





    Noch ca. eine halbe Stunde habe ich Zeit, bis es dunkel wird. Ich muss mich sputen. Und dann finde ich den ultimativen Zeltplatz: Trocken, sandig, eben und Flussblick. Er ist direkt unter der Autobahnbrücke. Soll ich oder soll ich nicht? Um die Jahreszeit rechnet damit keiner Gut, es ist ein wenig (ziemlich) laut dort, die Aussicht ist bescheiden, aber ich könnte das Zelt morgen trocken einpacken. Ich ringe mit mir. Bis Trier sind es immer noch ca. 15 Kilometer und eigentlich wollte ich es bis Trier schaffen, damit ich mein Pensum morgen gut schaffe. Und soll ich jetzt wirklich hier herum stehen, bis es dunkel wird? Es wäre dumm, Tageslicht zu verschwenden. Ich entscheide mich, weiter zu fahren. In Trier ist ein Reisemobilstellplatz. Ihn werde ich nutzen.


    Etwas später wird der Radweg auf die andere Seite der Mosel geführt. Auf der Brücke wird eindringlich darauf hingewiesen, dass das Fahrrad zu schieben ist, aber ich kann nicht mehr laufen. Meine Beine sind in Schockstarre. Also radele ich, da sich ja der Fußgängerverkehr in Grenzen hält. Genau Null Personen begegnen mir. Aber, ich bin ehrlich: Wäre es wärmer, hätte ich geschoben. Ich bin so b... Nichts einreißen lassen und der Fußgängerweg ist wirklich eng.

    Erstaunlich schnell erreiche ich eine städtische Umgebung – es ist das 1969 in Trier eingemeindete Ehrang. Ich folge den Radwegschildern und begegne den üblichen Anzeichen nahenden städtischen Wohnens: Hundebesitzern mit Hunden. Der Radweg schlängelt sich, es wird überraschend schnell dunkel und der Regen nimmt zu. An einem Gebäude checke ich im Navi die Entfernung zur Innenstadt von Trier, es sind noch 6 km. Das ist geschätzt eine halbe Stunde Fahrzeit. Vorausgesetzt ich verfahre mich nicht. Ein Auto kommt auf mich zu und sucht einen Autohändler. Als ich sage, dass ich das erste Mal hier bin und hier ein Fahrradweg ist, stöhnt der Fahrer auf. Irgendeine Straße ist wohl gesperrt. Er irrt geradeaus weiter.

    Der Regen wird stärker und die Luftfeuchtigkeit steigt. Wetter, das man besser vor dem Ofen absitzt. Ich suche im Navi den Campingplatz. Und finde ihn nicht. Aber ich weiß ja, wie die Straße heißt, soviel Vorbereitung habe ich investiert. Und dann beginne ich nach zu denken. Ich habe Lust zu zelten, aber ist es auch sinnvoll? Wo ist denn nun der Campingplatz? Will ich wirklich die ganzen nassen Klamotten die Nacht über in der Apsis lagern und morgen wieder anziehen? Die ersten beiden Schichten sind durch, das steht fest. In den Schlafsack brauche ich die Sachen nicht zu nehmen, der wird sowieso zusammen gefallen sein. Und dann morgen das klitschnasse Zelt einpacken? Und in der Nacht darauf bei diesen Temperaturen ein nassen Zelt aufbauen? Wandern und Fahrrad fahren sind einfach zwei unterschiedliche Dinge. Ich schalte ein wenig mehr Hirn ein und entscheide heute mal wieder - - und zu meinem Bedauern, echt! - darauf zu verzichten, den Helden zu spielen. Ich schaue nach Unterkünften. Trier hat eine Jugendherberge. Leider stimmt die vom Navi ausgewiesene Telefonnummer nicht. Mist. Umsonst hat es mir in die Jacke geregnet. Und nun? Ich könnte jetzt mit dem anderen Telefon googeln, aber der Regen geht mir gewaltig auf den Keks. Was solls, ich fahre einfach spontan vorbei und notfalls zelte ich im Garten.


    Ich biege hinter dem Gebäude rechts um die Ecke, denn der Fahrradweg verlässt nun die Mosel. Am Ende des Weges ist eine Tankstelle und hier ist auch die gesuchte Werkstatt. Der Typ hatte gesagt, die Werkstatt wäre genau hinter dem Gebäude. Ja, er hatte Recht. Er hätte nur links abbiegen müssen, statt gerade aus weiter zu fahren.


    Ich schiebe mein Fahrrad über die Bahngleise und biege in die Landstraße ein. Hinter mir leuchtet eine weihnachtliche Einkaufsstraße und ich bekomme eine meiner Eingebungen. Ich bin nämlich einfach platt. Batterie leer. Ich schiebe zur Tankstelle zurück und frage nach einem günstigen Hotel. Man empfiehlt mir das „Haus am Berg“ und ich radele vorbei am Bahnhof Ehrangauf dem Bürgersteig dort hin. Es brennt Licht und ich schleppe mein Rad samt Radtaschen die steile Treppe zum Eingang hoch. Ich klingele doch nicht ohne mein Fahrrad! Die Begrüßung ist nett und ich bekomme ein schönes Zimmer für 43 Euro mit Frühstück. Das Fahrrad könnte sogar in einen Trockenraum in die Tiefgarage stellen, aber die ist ein paar Häuser weiter und vor dem Hotel kann ich besser packen. Also parke ich auf der Terasse.


    Im warmen Zimmer merke ich, wie durchgefroren ich bin. Das fühlt sich verdammt stark nach Erkältungsalarm an. Ich dusche so heiß es geht und ziehe alle warmen Klamotten an, die ich habe. Zittern tue ich trotzdem noch eine Weile. Das war knapp. Gut, dass ich nicht gezeltet habe.

    Der Pensionsbesitzer reserviert mir einen Tisch in besten Restaurant der Umgebung und ich schnappe das WAI und radele zur „Zur Kanzel“.












    Derartige Lokale findet man in Hamburg nicht. Funktionell und dennoch gemütlich. Es ist Weihnachtsfeierzeit und jeder Platz ist besetzt. Wer nicht reserviert hat, wird abgewiesen. Ich bestelle erst einmal ein Bitburger für das WAI. Nachdem ich eine warme Suppe geschlabbert habe, geht es mir merklich besser. Langsam aber sicher wird mir warm.





    Gegen 20 Uhr radele ich durch menschenleere Straßen zurück zum Hotel. Es befindet sich im Drosselweg (Insider vom letzten Wochenende, Stammtisch Hamburg).

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  • dingsbums
    antwortet
    93. Etappe: 9.9.2012

    Kaiserslautern - Lauterecken: 41,9 km per Rad mit dingsbums


    Während ich am Samstag fleißig am Schreibtisch saß, kümmerte sich mein Mann um den Vorderreifen. Super, ich war ihm dankbar. So konnte ich mit dem WAI am Sonntag weiter die Lauter entlang.

    Der erste Stop war dann am Kaiserbrunnen, den ich freitags nicht mehr erreicht hatte. Die Details sind wirklich ganz nett, die Elemente sind typisch für Kaiserslautern bzw. die Pfalz.


    Kaiserbrunnen


    Der Fisch als Wahrzeichen der Stadt, auch im Stadtwappen. Warum auch immer, schließlich gibt es in Lautern nicht wirklich Wasser!


    Nähmaschine - Pfaff


    Ein Fußball von Fritz Walter

    Zuerst übersah ich tatsächlich die Elwetritsche, wusste aber, dass sie da sein mussten - und fand sie dann auch.


    Die versteckte Elwetritsch

    Weiter ging's, vorbei am Japanischen Garten, und schon kurz später kam ich am Gelände der Gartenschau an. Hier wurde damals für die Landesgartenschau extra die Lauter wieder ans Tageslicht geholt, heute kann man beim Bummel entlang dieser Neuen Lauter Dinos beobachten. Ich habe ein paar Zaungastfotos gemacht. Besonders gut gefällt mir immer der lange Hals, der vor den Sandsteinfelsen rausguckt. Von oben auf der Brücke sieht man ihn besser als auf meinem Foto, aber ich wollte ja weiter an der Lauter entlang.


    Gartenschaugelände, hier 'entspringt' die Neue Lauter.


    Gartenschaugelände


    Mein Lieblingsdino

    So nach und nach sah man dann etwas mehr Fluss. Die gemütliche Fahrt am Sonntagmorgen, im Sonnenschein, war wirklich schön. In den Dörfern sah man z.B. die typischen Fußballspiele am Sonntag, es waren zwar einige Ausflügler unterwegs, aber noch nicht zuviel los.


    Ein erster Blick auf die Lauter


    So langsam wird es ein Flüsschen


    Immer am Fluss entlang


    Auch das Radwegschild ist hübsch.

    Und schneller als gedacht war ich in Wolfstein, damit war tatsächlich schon ein Großteil der Strecke hinter mir. Kurz danach guckte die Burg Alt-Wolfstein idyllisch zwischen den Bäumen raus.


    Wolfstein


    24:11


    Burg Alt-Wolfstein


    Kurz vor Lauterecken

    In Lauterecken angekommen, war ich vom Zusammenfluss von Lauter und Glan aber sehr enttäuscht.


    Hier fließt die Lauter in die Glan.

    So setzte ich mich an eine schönere Ecke, hatte ein Mini-Picknick, fotografierte das WAI in der Lauter (der Stein war so rutschig, deswegen ging ich lieber nicht selbst weiter rein :-) und dann ging es ab zum Bahnhof, zurück nachhause und zur Arbeit. (Tatsächlich hatte ich sogar Unterlagen dabei und arbeitete schon auf dem Rückweg. Deadlines sind Scheiße.)


    Nette Ecke an der Lauter, wurde mein Picknickplatz.


    Das WAI in der Lauter

    Auf dem Weg zum Bahnhof bot sich noch dieser nette Blick auf das Kriegerdenkmal in Lauterecken, warum auch immer die schwedische Fahne hier weht. Ich fand es gut! Und freute mich, dass ich dank WAI den Tag nicht wieder komplett am Schreibtisch verbracht hatte, sondern eine nette kleine Radtour genießen konnte.


    Kriegerdenkmal in Lauterecken


    Hier geht's zum Bahnhof. Außerdem gibt's hier dann auch den Glan-Blies-Weg.


    Die Glan, Blick flussaufwärts.


    Die Glan, Blick flussabwärts. In diese Richtung führte dann schussels nächste Etappe.

    Edit: Es heißt übrigens der Glan. Finde ich komisch ... hätte ich nie gedacht. Vergesse ich auch immer wieder.
    Zuletzt geändert von hotdog; 08.11.2012, 09:31.

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  • dingsbums
    antwortet
    93. Etappe: 7.9.2012

    Kaiserslautern - Lauterecken: 41,9 km per Rad mit dingsbums


    Auch zu mir kam das WAI zu einem eher schlechten Zeitpunkt. Wie immer hatte ich viel zu spät angefangen, an meinem aktuellen Projekt zu arbeiten. Die Deadline saß mir im Nacken, im Forum hatte sich kein WAIterträger gemeldet, und so saß das WAI auf meinem Schreibtisch und schaute mir bei der Arbeit zu. Zu der Zeit hatte ich auch noch Mailkontakt mit jemandem, dessen Signature "I love deadlines. I love the whooshing noise they make as they go by. Douglas Adams." lautete. Kam mir wie Hohn vor, obwohl es ja eigentlich ein Trost war, dass Douglas Adams anscheinend genauso faul im Schreiben war wie ich.

    Zurück zum WAI, es tat sich was im Forum, Mondsee meldete sich und wollte dem WAI Rhein und Mosel zeigen. Da bis dahin aus dem Saarland noch kein Lebenszeichen gekommen war, hatte ich bisher eine Tour in Richtung Erbeskopf geplant. Aber warum sollte das WAI nicht erst nach Mainz. Nur an meiner schon geplanten Etappe entlang der Lauter wollte ich wenn möglich festhalten, und warum auch nicht? Lauter, Glan, Nahe, Flusstäler sind schön. Der Donnersberg als höchster Berg der Pfalz wurde damit zwar leider ausgelassen, aber wenn wir alles mitnehmen, braucht das WAI ja noch länger ...

    Ich plante also einige Stunden Pause vom Schreiben. Kris hatte das WAI zum Bremerhof gebracht, von da sollte es weitergehen. An einem Freitagnachmittag entschied ich mich, das WAI schon mal von dort zur Lauterspring zu bringen. So würden wir zum einen wirklich die gesamte Lauter entlangradeln, die schließlich namensgebend für Kaiserslautern ist. Außerdem musste auch ich einfach mit dem WAI noch ein bisschen durch den Pfälzerwald. Obwohl ich seit über 20 Jahren in Kaiserslautern lebe und auch nicht vorhabe, daran etwas zu ändern, fällt es mir schwer, es als Wahlheimat zu bezeichnen. Aber egal, was man von Kaiserslautern als Stadt hält, eines ist einfach nur toll: Egal in welche Richtung man sich aus der Stadt hinaus bewegt, nach spätestens 5 Minuten steht man mitten im Wald. Okay, wenn man sich Richtung Ramstein Air Base bewegt, wird man schnell von einem Zaun gestoppt, aber dann ist man auch selbst schuld, weil es schließlich noch genügend andere Himmelsrichtungen gibt.

    Für das Fahrrad hatte ich mich entschieden, weil ich seit meinem Sturz im März immer noch leichte Probleme mit dem Knie habe. Wandern ist noch keine so gute Idee, musste ich kurz vorher bei einer Probewanderung feststellen. Mein Fahrrad ist zwar nicht wirlich geeignet für so manchen Weg im Pfälzerwald, weswegen ich nicht nur bergan, sondern manchmal auch bergab abstieg und schob, aber egal. Vor allen Dingen erinnerte ich mich an die vielen Touren, die ich zu meiner Studentenzeit mit dem Mountainbike unterwegs war - schön war das. Und die Überlegung, mir doch mal wieder ein solches zuzulegen, kam auf. (Mein altes ist leider aus dem Fahrradschuppen verschwunden, vermutlich mit einem der studentischen Mitbewohner der Hauses, die recht häufig wechseln. Es steht zwar eins in einer ähnlichen Farbe da, aber da ist ein Neukauf vermutlich billiger, als das wieder fahrtüchtig zu machen. Aber wer weiß, vielleicht wurden die beiden einfach verwechselt ...)

    Start war am Bremerhof, ich radelte also raus aus der Stadt, kehrte aber nicht im (wirklich schönen) Biergarten ein, sondern startete von dort meine Tour.


    Start am Bremerhof, erst später fiel mir auf, dass passenderweise der Bremen-Aufkleber vorne ist.

    Erstes Ziel war der Dreieckstein. Ich zitiere aus einer Broschüre der Stadt KL: "Nach überwundenem Anstieg gelangt man zum Dreieckstein. Hier treffen Staats-, Stifts- und Stadtwald zusammen. Die drei Seiten des Steins zeigen noch heute das Wappen der Kurpfalz als einstigem Besitzer des Reichs- und damit Staatswaldes, das städtische Wappen und die sogenannte Stiftsangel des Chorherrenstiftes, das aus dem Prämonstratenserkloster hervorgegangen ist und Besitzer des sogenannten Stiftswaldes war."







    Von hier gingen viele Wege ab, wo sollte ich weiter? Da ich später als geplant losgekommen war, außerdem langsamer war als erhofft, ließ ich den Abstecher zur Pälzer Weltachs weg und machte mich auf kürzerem Weg zur Lauterspring.







    Dies bedeutete, dass ich doch am Humbergturm vorbei kam.



    Da Kris den aber schon mit dem WAI bestiegen hatte, bewunderte ich ihn nur kurz in der Abendsonne und fuhr weiter, auf meinem früher absoluten Lieblingsweg. Heute würde man das Ding wohl als Singletrail bezeichnen, für mich war es immer nur ein schöner Weg, der sich mit einer angenehmen Steigung am Hang entlang zieht. So sah ich das wenigstens früher, mit etlichen Kilos weniger und auf einem Mountainbike. Mit meinem jetzigen Eigengewicht und Fahrrad stieg ich tatsächlich zwischendurch ab, das Tempo, die nicht allzu breiten Reifen und Wurzeln auf dem Weg waren einfach keine gute Kombination. Schön war der Weg trotzdem.







    Danach blieb ich dann auf einem breiteren Forstweg, der auch mit meinem Fahrrad gut zu machen war.



    Bei solchen Wegen wir hier auf dem Foto bin ich immer ganz fasziniert und frage mich, wann wohl genau dies als Straße angelegt worden ist ... Außerdem war ich froh, dass ich hier hoch und nicht runter musste - ich mag das gar nicht, wenn das so in die Arme schlägt.

    Und schon war die Lauterspring erreicht. Die Lauterquelle selbst liegt unzugänglich in einem eingezäunten Wasserschutzgebiet, dieser Stein in der Nähe macht aber darauf aufmerksam. Er ist einer der vielen Rittersteine im Pfälzerwald. Wäre auch mal ein Projekt, die alle abzuwandern. :-)



    Die Lauter fließt dann mehr oder weniger entlang der Landesstraße, auf dieser machte ich mich auch zurück nach Kaiserslautern. In der Stadt selbst ist die Lauter leider kanalisiert und verläuft unterirdisch. Als Kind der Mosel habe ich das auch erst gar nicht kapiert, als ich nach Lautern zog. "Wo ist denn hier der Fluss? Wie kann man denn eine Stadt ohne Wasser bauen?" Gut, bevor die Lauter kanalisiert war, wurden wohl regelmäßig Teile der Stadt überflutet. Die waren früher Feuchtgebiet und nicht umsonst tragen viele Straßen die Bezeichnung Woog in ihrem Namen.

    Der Weg zurück führte mich dann vorbei an der Gaststätte Quack, der Kleingartenanlage Licht-Luft und dem Warmfreibad. Zum Schluss ging es noch durch den Volkspark. Auch diese Strecke weckte einige Erinnerungen, vor allen Dingen, als ich zum ersten Mal in dieser Ecke war. Ich hatte Studienfrust und dachte, ich muss einfach mal raus und meinen Frust ablaufen. Gesagt, getan, schließlich haben wir ja den Pfälzerwald vor der Tür. Ein Schild unterwegs zeigte einen Rundwanderweg über großen und kleinen Humberg, das klang gut, auf dem Humbergturm war ich auch vorab schon mal gewesen. Ich folgte also immer dem Wanderweg mit der Nummer 5 - bis irgendwo auf dem kleinen Humberg keine 5 mehr zu sehen war. Entweder ich hatte eine Abzweigung verpasst oder der Weg mit der Nummer 5 wurde nicht mehr gepflegt. Egal warum, der Weg Nummer 5 war nicht mehr da. Verlaufen hatte ich mich nicht wirklich, ich hätte jederzeit den bisherigen Weg zurücklaufen können. Aber das wäre weit gewesen, darauf hatte ich gar keine Lust. Und obwohl ich die Nummer 5 verloren hatte, sah man mittlerweile eine schöne rote 3 auf den Bäumen. Da dachte ich mir, irgendwo wird dieser Weg ja auch hinführen und folgte diesem weiter. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam mir ein Mann entgegen - juchu, ich konnte nach dem Weg fragen. Ich erkläre diesem Mann also, dass ich mich mehr oder weniger verlaufen habe und frage ihn, ob er mir weiterhelfen kann. Er guckt leicht verwirrt, was mich im Nachhinein nicht verwundert, denn keine 300 Meter weiter kam ich zur Unterführung der Bahnstrecke, dahinter ist die Straße, und meint nur "Dahinten ist gleich das Quack." Quack? Jetzt gucke ich verwirrt. Was er wohl erkennt und ergänzt: "Bei Licht-Luft." Quack? Licht-Luft? Hilfe, wo bin ich hier gelandet? Er erkennt meine Verwirrung und meint nur "Sie sind nicht von hier, oder?" Das konnte ich nur bejahen, ein gutes Jahr in Kaiserslautern reichte nicht aus, um diese Ortskenntnisse zu gewinnen. Hilfreich ergänzte er dann: "Hinten beim Warmfreibad raus." Freibad - ja, das kannte ich als Student natürlich, ich war gerettet. Und so lernte ich Quack und Licht-Luft kennen. Bei Licht-Luft gab es übrigens eine Telefonzelle, von der aus ich meinen Freund anrief, damit er sich keine Sorgen mehr machen muss - war unnötig, er hatte mich noch nicht vermisst. :-)

    An diese und andere Geschichten dachte ich, während ich das WAI in die Stadt und Richtung Kaiserbrunnen brachte. Lustigerweise ist die Gegend 'hinten beim Quack rein in den Wald' mittlerweile 'meine Ecke' geworden. Ist von mir zuhause aus mit am nächsten und einfach weniger los, als wenn man von Wildpark, Betzenberg oder Bremerhof kommt. Und so konnte ich mich auch schon für die Hilfe damals 'bedanken', indem jetzt ich Joggern Auskunft erteile, wie sie wieder zurück auf Wege kommen, die sie kennen.

    Fotos gibt es vom letzten Stück keine mehr, da es mittlerweile dunkel wurde. Den Kaiserbrunnen haben wir an diesem Tag auch nicht mehr erreicht, da kurz vorher mein Vorderreifen der Meinung war, er hätte seinen Dienst getan und die Luft verlor. So schob ich dann die letzten Meter nachhause, auf der einen Seite fluchend, auf der anderen Seite aber auch zufrieden über eine kleine Tour, die irgendwie auch eine Reise in die Vergangenheit war.
    Zuletzt geändert von hotdog; 08.11.2012, 09:29.

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  • Kris
    antwortet
    92. Etappe: 2.8.2012

    Neustadt - Kaiserslautern: 56,7 km per Rad mit Kris


    Zitat von Kris Beitrag anzeigen
    Ausführlicher Bericht folgt dann nach meinem Umzug...
    Zitat von hotdog Beitrag anzeigen
    So, nu aber... Auch wenns die nicht vorhandene Reihenfolge hier weiter untergräbt.
    ______________________________________________________________________________


    2. August 2012

    Mit der Bahn mache ich mich an diesem Vormittag auf den Weg zum virtuellen Standort des Wai: Neustadt a.d. Weinstraße. Wenige Tage zuvor hatte dort in standesgemäß pfälzischem Ambiente am Elwetritschebrunnen und ebensolchen Getränken die Übergabe des Wai mit Dirk stattgefunden…

    Eigentlich hatte ich ja ganz andere Ideen, was ich der Plastikdose alles zeigen wollte; doch auf einmal drängte wegen eines hoppladihopp anstehenden Umzugs die Zeit. Schade, aber so blieb nur die Direttissima durch den nördlicheren Teil des Pfälzerwalds. Aber es gibt ja auch Schlimmeres.

    Das erste Etappenziel ist bereits aus dem Zug heraus unverkennbar; Fernsehturm und Wetterstation auf dem Gipfel der Kalmit machen es einem leicht. Do geht’s später enuff, Wai!




    Wenig später stehe ich dann auch in Neustadt, wo mein Mitstreiter und sein Ross schon auf mich warten… Das Wai ist zufrieden mit seinem gut gepolsterten und schattigen Plätzchen im Packsack und so kanns endlich losgehen.




    Ziemlich Oldschool. Doch irgendwie sympathischer als all diese Premiumprädikatswanderkonzeptgedöns-Schilder, ne?




    Das Städtchen liegt hinter uns. Von nun an gibt’s Wald. Und Höhenmeter…



    Es ist wie so oft im Pfälzerwald: Stundenlang weit und breit kein Mensch – es sein denn, eine Hütte ist in der Nähe. Und so sind die Wanderer, denen wir nun öfters begegnen dann auch ein sicheres Indiz dafür, dass wir es bis zur ersten Pause nicht mehr weit haben: die Hellerhütte naht, die ersten gut 300 Höhenmeter sind geschafft. Spannende Geschichten hat es schon erlebt, das Wai…




    Für den CC -30° wär das hier heute nix. Schätzungsweise 60 Grad zu warm.




    Gestärkt machen wir uns wieder auf den Weg und schwuppsdiwupp sind wir oben auf der Kalmit, den mit 673 Metern höchsten Berg des Haardtrandes und gleichzeitig höchster Punkt der Tour. Zwar kein strahlender Sonnenschein, dafür aber Philippsburg immer schön im Blick. Über dem Schwarzwald, in dem sich das Wai in jungen Jahren einst für längere Zeit verlaufen hatte, liegt ein gnädiger Schleier.




    Unsere Stimmung hingegen ist ungetrübt. Auf der Terrasse vorm Kalmithaus werden verlorengegangene Elektrolyte aufgefrischt und der Vorrat vorsichtshalber noch um einige Rationen aufgestockt. Richtung Bett rollt es von hier aus - was will man mehr?

    Dank Satellitenunterstützung fällt es nicht weiter schwer, den für die Nacht auserkorenen Trekkingplatz aufzustöbern. Unsere Nachbarn, die Stunden später ankommen, berichten da von etwas größeren Problemen. Den Beiden ist auch entgangen, dass die in der Karte eingezeichnete Quelle zwar nicht sehr weit entfernt, dafür aber gute 200 Höhenmeter tiefer liegt. Nach anderthalb Stunden sind sie wieder da – ohne Wasser.

    Unterdessen sind wir – drei Jungs mit riesigen Rucksäcken und Hängematten-Malerplanen-Kombos sind noch zu uns gestoßen, so dass wir heute insgesamt zu siebt den Trekkingplatz bevölkern - zum gemütlichen Teil des Abends übergegangen. Das ist das wirklich nette an der Idee der offiziellen Plätze – Lagerfeuer ohne Angst vorm Förster.




    Weniger toll ist hingegen die Erkenntnis, dass es offensichtlich auch an solchen Orten A….löcher gibt, die sich nicht zu benehmen wissen. In den Sträuchern am Boden findet sich ohne große Ambitionen versteckter Müll – Fertigfrikadellenpackungen und Co. Wenig überraschend daher wohl auch die prächtig gedeihende Mäuseschar auf dem Platz...den ganzen Abend über wieselt es. Als irgendwann der ruft, entdecke ich als erstes ein Loch im Moskitonetz meines Zeltes – keine halbe Minute später befördere ich den aufgeschreckten pelzigen Verursacher mit einem Rückhand-Volley Longline aus meiner Schlafstatt. Schleich dich!


    3. August 2012
    Als wir uns aus Zelten und Hängematten schälen, hält der Tag bereits strahlenden Sonnenschein für uns parat... Ich mache ein paar Schnappschüsse und stelle fest, dass der Akku der geliehenen Kamera offensichtlich nicht viel auf der Pfanne hat – also sparsam sein mit Fotos, damit er das Ende der Tour noch mitbekommt. Egal, wir sonnen uns noch ein bisschen und bald darauf sitzen wir wieder im Sattel gen Kaiserslautern.








    Sobald wir vom Trekkingplatz aus wieder die ersten Höhenmeter zum Abzweig erklommen haben, rollt es. Mit Ausnahme eines kleinen Gegenanstiegs zur Totenkopfhütte bedeutet das knappe 11 Kilometer ausschließlich bergab, bis wir schließlich im Speyerbachtal auf etwa 200m NN ankommen. Eine nette Abfahrt auf leider sehr ausgewaschenen Schotterpisten – die Bremsen an meinem Rad haben mit dem Zusatzgewicht und den häufig notwendigen Bremsmanövern so ihre Probleme und kreischen schrill durch den Wald.




    Wie verloren, so zerronnen (oder wie war das nochmal), könnte das Motto nun lauten: Kaum unten angekommen, erwartet uns der nächste Anstieg hinauf zum ehemaligen Forsthaus Schwarzsohl. Die Höhenmeter ziehen sich wie Kaugummi auf dem sandigen und von schwerem Forstgerät zerfahrenen Wegen. Das kostet ne Menge Körner und macht nicht wirklich Spaß… Aber die Aussicht auf eine Gerstenkaltschale auf Schwarzsohl schiebt ein wenig an.




    Endlich oben angekommen dann doppelte Erkenntnis: Das Forsthaus hat geschlossen und mein Begleiter merkt, dass es keine gute Idee war, ausschließlich mit Rucksack unterwegs zu sein. Durch die ständige Last hat er Nackenprobleme und beschließt, sich auf zum nächsten Bahnhof zu machen… Schade. Aber die Mission muss natürlich erfüllt werden: Für mich geht es daher erstmal wieder bergab nach Waldleiningen. In der Mittagshitze gönne ich mir nochmal ein Päuschen.




    Offensichtlich kennt die gewählte Route nur zwei Zustände: steil rauf oder steil runter. Kaum habe ich Waldleiningen hinter mir gelassen, steht der nächste Stich an. Zwei Kilometer später bin ich oben und stehe an der B48 um sie zu queren. Wäre ich am Berg 10 Sekunden schneller gewesen, würde der Bericht hier nun recht abrupt enden. Mit geschätzten 230 kommt ein Motorrad ums Eck. Wenigstens hört man sie vorher.

    Noch einmal folgt auf den nächsten Kilometern das altbekannte auf & ab-Spielchen, bis ich mich langsam aber sicher auf den letzten Anstieg hinauf zum Humberg freuen darf. Und tatsächlich steht er dann vor mir, der Humbergturm.




    Die letzten positiven Höhenmeter der Tour lege ich zu Fuß zurück: 163 Stufen führen hinauf auf den 35 Meter hohen Turm. Die Aussicht ist gar nicht mal übel, findet auch das Wai.




    Deutschlands höchster Fußballberg hat schon bessere Zeiten erlebt. Ich mag ihn aber trotzdem...




    Oben links liegt offenbar ein Schatz versteckt. Blöd, dass ich das erst jetzt sehe.




    Da kommen wir her. Die Kalmit – in der Lücke zwischen den Baumkronen zu erahnen - trägt die Nummer 9. Luftlinie 24,3 Kilometer entfernt, weiß die schlaue Tafel.




    Das Etappenziel liegt uns zu Füßen: Kaiserslautern. Auf dem Bremerhof, links einsam im Wald gelegen, werden wir das Ende einer schönen Tour begießen – und Dingsbums hat gleichzeitig einen ordentlichen Ausgangspunkt für die waiteren Etappen.




    Machs gut, WAI!
    Zuletzt geändert von hotdog; 01.11.2012, 15:14.

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  • Chouchen
    antwortet
    AW: Saarland/Rheinland-Pfalz: Die Route

    T'schuldigung, etwas später als versprochen und mit wenig Text (<chronische Faulheit)


    2. Tourtag:
    Goldner Oktober, die Sonne lacht, der Muskelkater ist besser, der Hund heiss aufs Rennen.
    Nach den knapp 28 km von vorgestern stehen heute nur ca. 18 km an.
    Erstes Dörfli nach Bad Kreuznach ist Bretzenheim.

    Endlich denke ich daran, das WAI aus dem Rucksack zu nehmen und ihm die Umgebung zu zeigen. Das habe ich beim ersten Tourtag total vergessen.

    Durch Weinreben überrankte Gassen


    und mit netten Begegnungen am Wegesrand


    geht es wieder Richtung Nahe.


    Oh, Gott, hier gibt es DÜKER!!! Hoffentlich sind sie satt. Trotz meiner Angst, wage mich aber doch über die Brücke. Hätte ich gut mein Dükerspray oder wenigstens die Dükerglocke dabei! Aber beides liegt zu Hause!


    Geschafft, wir leben noch.

    Jetzt zeige ich dem WAI zum ersten Mal die Nahe.

    Es blinzelt verschüchtert ins glitzernde Wasser.

    Nach einer Weile kommen wir an dieser Dükerschleuse vorbei:

    Sehr praktisch, erwachsene Düker und Radfahrer kommen hier nicht durch, wohl aber Hunde, 20''-Roller und lediglich leicht geduckte Chouchens. Eine sehr umsichtige Einrichtung, die im weiteren Verlauf das Dükerspray überflüssig macht.

    Ohne Zwischenfälle komme ich gut voran.


    Die Nahe auf ihren allerletzen Kilometern:


    Am bereits sichtbaren Rheinufer befinden sich seltsame Botschaften:


    In Bingen angekommen bekommt das WAI nach dieser kräftezehrenden Tour eine Kürbissuppe und ein Glas Riesling.
    Es lässt mich probieren. Der Riesling ist zwar aus dem Rheingau, aber dennoch genießbar.
    Rechts unter dem Teller kann man mein detailliertes Kartenmaterial, ein Sonderdruck von russischen Armeekarten, sehr schwer zu bekommen, erkennen.


    Der Beginn des Mittelrheins: Schiffe, Burgen, Weinberge, Güterzüge und viel Krach:


    Goethe schaufelt richtig rein:


    Weil ich so schnell voran gekommen bin, möchte ich ein paar Kilometer auf den nächsten Tourtag gut machen und rollere rheinaufwärts nach Gaulsheim. Dort stelle ich fest, dass von dort die Zugverbindung zurück zum Auto besch...eiden ist. Also zurück nach Bingen Hbf und von dort zurück zum Smartie und nach Hause. Macht aber nichts, denn so komme ich direkt an der Nahemündung vorbei. (Im Hintergrund ist der Mäuseturm zu sehen.) Das WAI schweigt ehrfurchtsvoll.


    Also bin ich am Ende doch bei knapp 30 km gelandet.
    Macht nichts, Wolle und ich sind gut drauf, das Wetter war traumhaft, morgen kann es auf zur finalen Etappe gehen!

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  • Chouchen
    antwortet
    AW: Saarland/Rheinland-Pfalz: Die Route

    2. Oktoberwoche:
    Es ist früh morgens, so gegen 11 Uhr. Ich kann nicht länger schlafen, ich bin zu nervös. Heute soll es los gehen; ich werde mit dem WAI die Strecke Bad Sobernheim - Mainz in Angriff nehmen. Geplant sind 3 Tagesetappen.
    Bereits vor 10 Tagen habe ich dem WAI zur Akklimatisierung das sehr sehenswerte Freilichtmuseum Bad Sobernheims gezeigt.

    Nein, da sind keine Leckerli drin!

    Heute aber wird es ernst.
    Obwohl ich mich gewissenhaft vorbereitet habe, frage ich mich immer wieder, warum ich mir das antue. Eine Tour im Oktober! Immerhin befindet sich Mainz ungefähr auf dem selben Breitengrad wie Rubbeldiekatzk, äh, Irkutsk! (Mainz 50° Nord, Irkutsk 52° Nord.) Ich hoffe, meine Ausrüstung reicht für dieses Abenteuer aus. Vorsichtshalber habe ich mir in den letzten 1,5 Jahren einiges an Gewicht angefuttert. Es ist damit zu rechnen, auf große Kälte zu stoßen. Ausserdem sieht es vermutlich an den einsamen Streifen der Nahe sehr schlecht mit der Lebensmittelversorgung aus. Aber für das Sammeln von Pilzen und Beeren unterwegs habe ich keine Zeit. Dafür ist die Strecke zu gewaltig, mein Zeitplan zu eng bemessen. Also muss der Körper auf seine eigenen Reserven zurückgreifen.
    Treu-genervter Begleiter wird mein Hund Wolle sein. Meine Katzen habe ich am Abend vor dem Aufbruch beim abendlichen Spaziergang mit Hund gefragt, ob sie mit möchten, sie haben aber dankend abgelehnt. Vernünftige Tiere. Der Hund hingegen wedelte mich ob der Aussichten begeistert an. Tja, der kleine, doofe Kerl weiss es nicht besser. In seiner Straßenhundezeit hat ihn nichts auf die folgende Tortour vorbereitet…

    Fortbewegungsmittel wird ein Hochleistungs-Tretroller aus Tschechien sein (Kostka Uni Sport).


    Als andere Verkehrsmittel waren kurz das Fahrrad und Inline-Skates in Überlegung. Das Fahrrad fiel raus, weil ich bei normalen Rad-Tagesetappen den Hundeanhänger hätte mitnehmen müssen. Das wollte ich mir im Zug nicht antuen und ins Auto passen Rad, Hänger und Hund nicht.
    Von den Inlinskates bin ich abgekommen, da ich z.T. auf nicht geteerten Wegen und Landstrassen mit Hund unterwegs sein werde. Ausserdem ist strichweise Regen vorhergesagt. Da ist mir die Kombination Skates und Hund zu gefährlich.

    In Mainz herrscht wunderbarstes Oktoberwetter. Ich überprüfe den Luftdruck des Rollers, packe den Lenkerkorb und meinen Rucksack, gehe in Gedanken noch einmal kurz die Packliste durch: Alles dabei, es kann losgehen.

    Meine Packliste:
    Im Lenkerkorb (von Reisenthel):
    Kamera mit Ersatzakku (Canon 600d mit Sigma 17-70)
    Handy mit Ersatzakku (Motorola 08/15)
    hochspezialisiertes Kartenmaterial
    1 Stück Zwetschenkuchen
    Kackebeutel für Hundehinterlassenschaften


    Im Rucksack (Ortlieb, dient im Notfall auch als Biwaksack):
    1 Baumwollnicki-Jacke (von ???,bordeauxrot)
    1 Packung Papiertaschentücher (Danke)
    Schlüssel
    Wasser für den Hund
    und natürlich das WAI

    am Körper:
    1 Unnerbux (Sloggi)
    1 BH (Passionata)
    Socken (Falke TK1)
    Hose (Schöffel Medusa)
    Baumwoll-T-Shirt mit Werbeaufdruck (Fruit of the Loom)
    Turnschuhe (Adidas)
    orthopädische Einlagen
    Brille (Jump up)
    Basecap (Stetson 5-panel-Cap)
    kleiner Beutel mit Leckerli (Trixie)
    Uhr (von Dingsbums)

    am Roller:
    Wasserflasche, 0,6 Liter
    Zugleine für den Hund

    am Hund:
    Geschirr
    normale Leine
    viel Wolle und zunehmend Dreck

    Ich lade Roller, Gepäck und Hund ins Auto und ab geht es durch unwirtliche Gebiete zum Startpunkt im Hinterland, nach Bad Sobernheim an der Nahe. Das Auto wird im Parkhaus verstaut, der Roller ausgeladen. Bevor es aber endlich losgeht, werfe ich noch einen Blick in den Stadtkern von Bad Sobernheim.

    Da war das Wetter noch schön.

    Ich überlege kurz, ob jemand eine Neutronenbombe über Sobernheim abgeworfen hat: Die Straßen und Gassen sind menschenleer. Kein Mensch ist unterwegs, auch nicht in der Fußgängerzone. Das eigentlich malerische Städtchen, der letzte Außenposten der Zivilisation vor der Wildnis, wirkt trostlos. Schließlich finde ich doch noch am Wegesrand ein paar
    Lebensmittel.

    Wer weiss, wann ich wieder was bekomme, also greife ich zu.
    Ausserdem spare ich mir so ganze 50 Cent:


    Weiter schaue ich mir den Ort dann nicht mehr an. Trotz meiner Nervosität vor der geplanten Expedition mit ihren Unwägbarkeiten zieht es mich hinaus. Ich möchte mich körperlich und psychisch an meine Grenzen bringen, möchte Eichhörnchen und Elstern Auge in Auge gegenüber stehen, ich möchte den Fahrtwind spüren und eins mit der Natur auf bisher ungerollerten Wegen werden.
    Ausserdem ist mein Zeitplan eng. Ich muss mich beeilen um nicht vom ersten Schnee überrascht zu werden. In Irkutsk sind es gerade um die Null Grad… Pünktlich zum Aufbruch ist auch an der Nahe das gute Wetter weg, es zieht sich zunehmend zu.
    Gedankenvoll mache ich mich auf den Weg. Ich hoffe, ich bin nicht zu spät aufgebrochen. Leise fluchend bereue ich, dass ich aus Kostengründen keinen SPOT dabei habe. Aber egal, man wächst an seinen Aufgaben.
    Trotz des schlechter werdenden Wetters komme ich auf gut geteerten Wegen gut voran. Zunächst links an der Bahnlinie entlang, rechts ganz nah aber leider ausser Sicht, fließt die Nahe dahin.
    Bald treten Bahn und Fluss zurück, der Weg ist breit und gut überschaubar, zu beiden Seiten gibt es Wiesen und Felder: Hier darf Wolle noch leinenlos mitflitzen.


    Noch ist er munter und fröhlich, ist sich dem Ernst und der Gefährlichkeit der Tour nicht bewusst. Ein Segen für ihn, ich wünschte, ich wäre auch so unbekümmert.

    galoppelgaloppel

    Im weiteren Verlauf folgt der Weg immer mehr oder weniger dicht der Nahe.
    Für ein paar Kilometer muss man den separaten Radweg leider verlassen, der Naheradweg verläuft über die Landstraße:


    Er steigt zunehmend an und führt in die Weinberge hinein hoch zur Gutsverwaltung Schloss Böckelheim:


    Ich packe die Steigeisen aus, mit Mühe kommen wir hoch. Aber wo's hoch geht, warten auch schöne Abfahrten:


    Bei Niederhausen ist die Nahe zu einem kleinen Stausee aufgestaut. Vorsichtig bewegen wir uns über die schmale, morsche Hängebrücke, der zur anderen Seite führt.

    Puh, Glück gehabt, das Vorhaben gelingt.

    Wolle ergötzt sich an den Pfützen auf dem Weg.

    Zum Glück, ich habe den Wasserfilter zu Hause vergessen.

    Richtung Bad Münster am Stein - Ebernburg führt der Weg durch dichte Urwälder:


    Bald jedoch öffnet sich die Landschaft wieder. Der Blick schweift linker Hand über die Nahe. Ich erhasche einen ersten Blick auf den erfurchtgebietenden Rotenfels, mit 202 Metern Wandhöhe die höchste Steilwand nördlich der Alpen. (Naja, wenn man Skandinavien auch mal raus lässt.)


    Zu seinen Füßen liegen Bad Münster am Stein und Ebernburg.


    Zu Besichtigungen bleiben keine Zeit, wir müssen heute noch bis Bad Kreuznach durchkommen. Ausserdem wirkt Bad Münster noch ausgestorbener als Bad Sobernheim. Nur wenige Leute unterwegs, verrammelte Läden. Liegt es an der Nachsaison, am Montag Nachmittag, fährt man heute nicht mehr zur Kur oder erlebte die Stadt einen Zombie-Angriff?
    Einer der wenigen Hinweise auf Menschen ist ein Portemonnaie, das ich auf dem Radweg finde. Ich schaue hinein, finde eine eindeutige Adresse und stecke es ein, um es dem Besitzer wieder zukommen zu lassen. Ein Kurgast, der mich beobachtet hat, dem ich nicht geheuer bin und dem offensichtlich langweilig ist belehrt mich mit erhobenem Zeigefinger: "Was Sie da gerade eingesteckt haben... Das geht so nicht! Sie haben alles, was sie hier finden, drüben in der Klinik abzugeben!" Ja, danke, Du mich auch. Die Klinik freut sich bestimmt, wenn sie den Geldbeutel eines 14-jährigen Schülers bekommt.

    Ich rollere weiter auf den letzten paar Kilometern Richtung Bad Kreuznach. Die Nahe wird breiter, ich auch.


    Kreuznacher Brückenhäuser:


    Ein letzter Blick in der Dämmerung von der Brücke Richtung meiner nächsten Etappe und ich rollere zum Bahnhof.


    Den ersten Tag habe ich wider Erwarten überlebt. Auch dem Hund geht es noch gut und ich musste ihn nicht als Notproviant schlachten. Mal schauen, was die nächste Etappe bringt.

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  • Moltebaer
    antwortet
    89. Etappe: 12.-13.7.2012

    Zeutern - Rheinbrücke: 45,3 km auf dem Rennrad mit Moltebaer



    Do/Fr 12./13.07.12:

    Wer radelt so spät durch Nacht und Prärie?
    Es ist der Molte mit dem WAI.
    Die Nachtluft ist frisch doch das Radeln hält warm,
    aber so richtig Lust hat er nicht und eine Adaption des Erlkönigs macht es auch nicht besser.


    Route: Zeutern-Rheinbrücke

    Da sich Sinsheim als totes Gleis herausstellte und dem nächsten in der Reihe völlig überraschend klar wurde, daß er nur am kommenden Wochenende Zeit hätte und ausschließlich von Karlsruhe nach Mannheim paddelnd das WAI tragen könne, mußte die ach-so-vernachlässigte Tupperbox kurzfristig irgendwie wieder aus dem Kraichgau ans Rheinufer der Beamtenstadt gelangen. Und wer soll's ausbaden? Blöde Frage...
    Also hieß es: nach der Arbeit etwas entspannen, Sachen richten, Energiespeicher füllen und mit der S-Bahn ins beschauliche Zeutern fahren.
    Um zehn vor elf geht die Reise mit voller Christbaumbeleuchtung los, bis Stettfeld noch recht idyllisch zwischen Kraichgaudörfern entlang, in der Rheinebene von Ubstadt-Weiher bis Karlsdorf-Neuthard jedoch etwas hektischer wegen des höheren Verkehrsaufkommens in der Nähe der A5.
    Nahe der Ortschaft Forst böte sich der Heidesee für ein wenig Entspannung an und jährlich wird dort ein Triathlon ausgerichtet, den diesmal wohl ein gewisser Sebastian gewonnen hat. Der könnte sich mal ein Scheibchen von mir abschneiden!
    Aber es geht weiter, vorbei an Bruchsal, unter der A5 entlang, durch Karlsdorf-Neuthard, Spöck, Friedrichstal und schon bin ich in höchst vertrautem Gebiet - denkste! Nordöstlich des FZK fahre ich erstmal 500 m in die falsche Richtung, in der dunklen Nacht sieht der Wald halt einfach ganz anders aus...



    Nun aber, ich passiere die Grabener Allee und den Nordeingang des FZK, umrunde das Areal am westlichen Zaun und fahre nach Leopoldshafen hinein. Nun ist es wirklich nur noch ein Kinderspiel, hinter Eggenstein halte ich mich westlich und rolle leise durch das Altrheingebiet 'Kleiner Bodensee' und schon tut sich der Ölhafen vor mir auf.
    Hier wird stündlich frisches Rohöl aus Rotterdam herangekuttert und in den nebengelegenen Raffinerien in handelsübliche Kettenlängen gecrackt, destilliert usw. Die Szenerie ist ein wenig unheimlich, besticht aber durch ihren außergewöhnlichen Mix aus Industrie und Natur. Ein kilometerlanger, schnurgerader Weg säumt die begradigte Alb und führt mitten durch das Raffineriegelände hindurch. Rechts und links rund um die Uhr Licht, Dampf, Geräusche, Lokomotiven, Aggregate, Kessel, Rohre, keinerlei Menschen, stattdessen Kaninchen, Rehe und... tja... und Mücken...
    Altrhein, Sommer: Mücken, logo! Zum Glück bin ich gegen Malaria immun aber dennoch nerven die kleinen, juckenden Knubbel an den rasierten Waden irgendwann zu sehr um noch weitere Nachtaufnahmen zu machen, ich fahre weiter.



    Bei des Großen Ensos Papierfabrik rechts abbiegen, nicht über die Brücke in die Pfalz fahren und am Yachthafen Maxau deponiere ich das WAI schließlich bei den Hochwassermarkierungen des Wasser- und Schifffahrtsamts Mannheim.
    Das WAI ist nun offiziell nicht mehr in Karlsruhe und LihofDirk sollte mit seinem Kajak passabel am Rheinufer anlegen und die Treppe am Ufer hinaufsteigen können, um die Forenlade an sich zu nehmen.



    Und hier liegt das WAI nun, sofern es nicht von den Vater Rheins Wellen mitgerissen und nach Rotterdam geschwemmt wird. Knapp 5 km entfernt von Pfad-Finders Route vor 114 Tagen...
    Nach 375,8 km konnte ich der Schnecke endlich mal Beine machen! Juhu!
    Zuletzt geändert von hotdog; 17.02.2013, 16:35.

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