AW: Stammtisch Sachsen
Der Bahnhof von Velke Zernoseky ist im Forum
nicht ganz unbekannt, verwirrenderweise liegt er eigentlich in Zalhostice. Wenn man aber rechtselbisch bleiben will, hat das sogar Vorteile, denn hier lässt es sich hervorragend zum Radobyl durchstarten. Auch wenn die Hälfte dieses alten Vulkanschlots schon von einem Steinbruch verzehrt wurde.

Wildcampen wäre theoretisch möglich, rechtlich verboten und praktisch nicht empfehlenswert, da das Techno-Gewummer eines mutmaßlich illegalen Rave-Schuppens auf der anderen Seite des Berges selbst hier im Lärmschatten unüberhörbar ist.

Rätselhafte Treppe

Gipfelkreuz auf Trockenrasenkuppe

Es gab nicht viele Wanderer an diesem Samstag. Aber allen sind wir mindestens dreimal begegnet, so auch dem Pärchen, das hier als belebtes Landschaftselement herhalten muss.
Unser zweites Ziel war die Burgruine Kamyk. Das Burgfräulein hatte sich leider eingeschlossen, daher konnten wir nicht auf den Turm.
Vom Burgplateau ist übrigens auch ganz gut die Stelle zu sehen, wo 2013 ein fettes Stück Hang auf die Autobahn D8 (=A17) abgerutscht ist, was diesem Superbauwerk noch einmal zwei Jahre Verzögerung eingebracht hat.
Inzwischen war es Mittag, und die Dorfkneipe lud zu Smazak s hranolkama (fürs Protokoll: Kneipenbesuch Nr. 1:bg:).
Danach steuerten wir den Plesivec oder Eisberg an. Das Eis am unteren Rand des Blockfeldes , dem er seinen Namen zu verdanken hat, war offenbar lange getaut. Und selbst, wenn es noch dagewesen wäre: Die versprochenen Dampfwolken durch vulkanische Restwärme hätten bei 20 Grad keine Chance gehabt.
Leider war auch die von den Landkarten versprochene Aussicht weitgehend einer eskalierenden Photosynthese zum Opfer gefallen. Die Gründe für die Besteigung dieses Berges lassen sich also im Nachhinein mit "because it's there" zusammenfassen.
Hlinna erreichen wir gleichzeitig mit einem Schauer; den Unterstand unter einem Scheunendach tauschen wir nach kurzer Überlegung mit dem Hostinec, wo uns das bekannte Pärchen vom Radobyl zum dritten Mal begegnete. Fasziniert lausche ich dem Wirt, der ihnen nach einem Blick ins Internet erklärt, dass der Regen in sechs Minuten aufhören soll. Aber das Internet hatte gelogen - der Regen hatte nämlich schon aufgehört, wie ein Blick aus dem Fenster gezeigt hätte. (Kneipenbesuch Nr. 2)
Nur das hohe Gras auf dem sich anschließenden Wanderweg war noch nass. Es gibt Situationen, wo die Regenhose wichtiger wäre als die Regenjacke. "Wer nasses Gras sät, wird feuchte Schuhe ernten." Die Aussicht vom Hradiste - was "Burgstelle" heißt, in diesem Fall aber keine impliziert - entschädigte dafür.
Die vielen Wiesen, die wir auf unserer Tour gequert haben, sind natürlich auch wahre Fundgruben für Schmetterlingsfreunde:
In Skalice steuerten wir die Kneipe an, um Wasser für die Nacht zu tanken und eine Erfrischung einzunehmen (Kneipenbesuch Nr. 3). Auf dem Weg aus dem Ort heraus glaubte ein freilaufender Köter, einen Angriff starten zu müssen, und wurde von mir eingepfeffert. Der Eigentümer, der erst noch gerufen hatte, wir sollten keine Angst haben, wurde daraufhin etwas kleinlauter und begann sich zu entschuldigen.
Auf fast erzgebirgisch öder Forstautobahn ging es nach Nordosten. Zwischen Dlouhy vrch und Spicak - welch unverwechselbare Ortsbezeichnungen!:ignore: - fanden wir eine Aussichtsplateau am Waldrand, wo uns nur der Schotteruntergrund davon abhielt, das Zelt aufzubauen. Ein neuerlicher Schauer ließ uns aber toleranter werden - und wer weiß, ob wir woanders dieses Foto direkt aus dem Zelt hätten machen können?
Ohne die Sonne, die ab fünf Uhr morgens auf das Zelt brutzelte, wären wir vielleicht auch nicht schon um kurz nach neun Uhr abmarschbereit gewesen.
Über Ovcarna steuerten wir die Burgruine Panna an. Von "Ruine" war jedoch nichts zu erkennen; eine Erklärtafel versuchte, diverse Erhebungen im Gelände als ehemaliges Wallsystem zu beschreiben. Das war alles - kein Wunder: Im Kleingedruckten stand, dass Panna eine hölzerne Burg war.
Oh wie süüüüüüß!:bg:
Über Blahov versuchten wir, wie bei der
Tour mit den Sieben kleinen Userlein nach Zubrnice zu gelangen. Der damals genutzte Weg war jedoch von sommerlicher Agrarkultur verdeckt, so dass wir einen Umweg nehmen mussten, der mit der angestrebten Abkürzung nichts mehr zu tun hatte.
In Zubrnice kehrten wir an bewährter Stelle ein (Kneipe Nr. 4:bg:), bevor wir uns an den Anstieg zum Buchenberg/Bukova hora machten. Unterwegs entdeckten wir im Wald einige Hausfundamente aus der Zeit vor der Vertreibung der Deutschen, die jedoch später durch eine Ruinenlandschaft fast pompejanischen Stils noch getoppt wurde.
"Ich hol' mir nur noch ein paar Kirschen!"
Auch die Zecken bekamen eine faire Chance auf eine Mitwandergelegenheit.
In Male Brezno gab es im Restaurant am Bahnhof noch Birell und Tonic "to go"(Kneipe Nr. 5), bevor uns ein Schienenwolf (Fahrkarte beim Fahrer, bitte passend zahlen) nach Decin brachte.
Fazit: Diese Tour war besser als nur "nicht dran sterben"

, die war richtig gxxl.
Technische Daten: 47,9 km, reichlich 1700 hm rauf und runter.