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[RU] Tscherskigebirge: Wildnistrip zu den Perlen Ostsibiriens (2021)

für Tourenberichte von weitweitweg.
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bikevagabond
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[RU] Tscherskigebirge: Wildnistrip zu den Perlen Ostsibiriens (2021)

Beitrag von bikevagabond »

Lat :64.1547054000
Lon :147.9906464000
Reisetyp :Kanutour
Eigentlich wollte ich mit diesem Bericht eine klare Empfehlung an alle aussprechen, die sich für kürzere oder längere Trekking-/Paddeltouren in Sibirien interessieren, denn das Gebiet, das ich letzten Sommer durchquerte, hat durchaus das Potenzial dazu. Doch jetzt... wahrscheinlich wird Russland wohl auf längere Sicht nicht mehr zu den Ländern zählen, die man unbedingt bereisen möchte. Zumal auch noch nicht absehbar ist, wie es in Zukunft mit den Möglichkeiten aussehen wird.

Aber vielleicht ist es auch ganz gut, gerade jetzt mal einen anderen Blick auf Russland zu werfen, auf die faszinierenden Naturräume, die das Land zu bieten hat und auf die Abenteuer, die man abseits der vom Menschen beeinflussten Welt erleben kann. Dort wo die Natur das Sagen hat, wird sich wohl kaum etwas verändert haben...

Vielleicht noch etwas zu mir: ich bin zwar schon eine Weile hier im Forum, die meiste Zeit aber eher passiv. Wenn ein paar interessante Reiseberichte auftauchen, lese ich gerne mit, aber zum schreiben bin ich meist zu faul bzw. finde oft nicht die nötige Zeit, um einen Bericht konsequent zu Ende zu bringen. Dabei hätte ich hier gerne schon die eine oder andere Tourerfahrung mit untergebracht. Ich versuche mich daher kurz fassen ;)

Wo genau war ich? Einige haben sicher schon von der Kolyma-Trasse, auch „Straße der Knochen“ gehört – sie ist die nordöstlichste, ganzjährig fahrbare Straße Russlands, die von Jakutsk nach Magadan durch ein riesiges Gebirgsareal führt. Entlang der Trasse gibt es vor allem auf dem letzten Abschnitt Richtung Magadan etliche Siedlungen, die im Zuge des immer noch umfangreichen Goldbergbaus errichtet wurden. Abseits davon findet man jedoch über hunderte, ja tausende Kilometer nahezu menschenleere Wildnis – eine riesige „Spielwiese“ für den abenteuerlustigen Outdoorer!

Ein Gebiet hatte mich aber ganz besonders gereizt – einerseits, weil ich dort noch nicht gewesen bin, andererseits, weil man dort gleich mehrere landschaftliche Perlen finden kann, und zwar im südlichen Tscherskigebirge. Auf dieses Gebiet aufmerksam wurde ich erstmals durch einen Fotobericht von Robtrek, der einst mit russischen Freunden den Wildfluss Omulevka hinabraftete (zum Bericht)

Für mich, der keine Wildwassererfahrung und –Ausrüstung hat bzw. allein unterwegs sein wollte, kam so eine Flussfahrt leider nicht in Frage, daher schaute ich nach weniger ruppigen Alternativen in diesem Gebiet und wurde nach einigen Recherchen fündig: die Rassocha wäre der perfekte Fluss, um auf einer langen Strecke spektakuläre Landschaften zu durchqueren, wobei der WW-Grad nicht die 3 übersteigen sollte (meine persönliche Obergrenze, die ich mit meinem Packraft bereit bin zu befahren). Blieb nur noch die Frage, welches der spannendste Zugang zum Oberlauf des Flusses sein könnte, ohne dabei auf kostspielige Transportmittel zurückzugreifen?

Ich entschied mich für den Startpunkt Susuman im Magadan Oblast, zumal die Flüge nach Magadan zu jener Zeit preiswerter waren, als die nach Jakutsk (sonst eher umgekehrt) und eine Überlandfahrt auf der Kolyma-Trasse von hier um einiges kürzer sowie mit öffentlichen Verkehrsmitteln möglich. Und – was letztlich auch den Ausschlag gegeben hat – hier würde ich auf dem Weg zum Fluss landschaftlich voll auf meine Kosten kommen, denn es gab die Möglichkeit, gleich mehrere wunderschön gelegene Bergseen in die Route einzubauen – den Malyk, den Momontaj und die Darpir-Seen – so dass dieser Abschnitt fast schon interessanter erschien, als die eigentliche Flussfahrt auf der Rassocha...

Soviel kann ich schon sagen: diese Route hat sich definitiv gelohnt! Einen Monat lang durchquerte ich pure Wildnis mit großartigen Berglandschaften, dazu gab es im August/September bereits knallige Herbstfarben, mystische Polarlichter und während der ganzen Zeit habe ich nur einmal Menschen getroffen, dafür um so häufiger Elche und Bären. Doch es gab auch Tiefpunkte, auf die ich gerne verzichtet hätte – als eines Morgens ein Bär auf meinem Boot herumkaute oder als mir noch vor der eigentlichen Flussfahrt das Paddel brach...

Weg in die Wildnis
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Malyk-See
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Wüste an der Ochandja-Mündung
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Spätsommerliche Waldtundra
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Momontaj-See
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Ochandja-Gebirge
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Momontaj-Fluss
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Pfad zur Basis Margaritto
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Oberlauf der Omulevka
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Sumpfige Landpassage zu den Darpir-Seen (Grenze Magadan-Region/Jakutien)
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Großer Darpir-See
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Darpir-Sien
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Darpir-Jurjach
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Mündungsbereich des Ulachan-Nagain
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Rassocha im Momagebirge
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Elch am Flussufer
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Tief verschneite Bergkette Arga-Tas (2400 m)
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Wildwasserschlucht am Ausgang des Momagebirges
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Rassocha in der Kolyma-Niederung
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Nächtliche Lärchentaiga

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bikevagabond
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[RU] Tscherskigebirge: Wildnistrip zu den Perlen Ostsibiriens (2021)

Beitrag von bikevagabond »

Das Einstellen eines Berichts mit Bildern ist echt zermürbend.. Nach zig Versuchen ist nun der Anhang mit den doppelt angezeigten Bildern weg, aber die Bilder im Text sehe ich nur mit Chrome, jedoch nicht mit Firefox. Ich geb's jetzt auf...
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Flachlandtiroler
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[RU] Tscherskigebirge: Wildnistrip zu den Perlen Ostsibiriens (2021)

Beitrag von Flachlandtiroler »

OT:
Meer Berge hat geschrieben: 22. Apr 2022, 11:21OT: Hallo bikevagabond, ich hoffe, es findet sich noch ein Weg für die Bilder! Ich würde sie nämlich furchtbar gerne sehen! Dein Bericht macht seeehr neugierig!
OT:

Mit der Änderung von 11:18 kann ich die Bilder jetzt sehen (in FF; in Chrome leider nicht); drück' mal Reload...


Tolle Fotos btw. :hearteyes:
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bikevagabond
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[RU] Tscherskigebirge: Wildnistrip zu den Perlen Ostsibiriens (2021)

Beitrag von bikevagabond »

Ich habe nun noch einmal versucht, über externe URL die Bilder einzubinden, da dies bei einem meiner letzten Kommentare auch funktioniert hat. Jetzt sehe ich sie zwar im Firefox Browser, aber nicht mehr mit Chrome.. Hat da jemand vielleicht noch einen Tipp? Ich würde gerne weiterschreiben, mache das aber erst, wenn das mit den Bildern klappt.
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Mortias
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[RU] Tscherskigebirge: Wildnistrip zu den Perlen Ostsibiriens (2021)

Beitrag von Mortias »

Alle Achtung der Herr, welch eine Freude nun auch hier bei ODS ein bisschen was zu Eurer letzten Sommertour zu lesen. 😎 Wahrhaftig höchst beeindruckende Landschaftsbilder die Ihr da präsentiert und die ziemlich gut die Schönheit der Natur dort aufzeigen. 👍 Ebenso muss ich Euch erneut meine Hochachtung aussprechen, dass Ihr solch eine abenteuerliche Tour auf Euch genommen habt. Da gehört mit Sicherheit einiges an Ausdauer, Erfahrung, Planung und Willenskraft dazu um dies durchzuziehen. Aber bisher hatte ich ja stets den Eindruck, dass es Euch an solchen Tugenden wahrlich nicht gemangelt hat. 😉

Ebenso muss ich gestehen, dass ich auch Eure Einleitung zum Bericht sehr angemessen fand: Eben weg von den politischen Themen und einfach den Fokus darauf setzen, welche tollen Landschaften Russland zu bieten hat. Immerhin ist dies hier ein Outdoor- und kein Politik-Forum. Und die Wildnis Sibiriens wird ja nicht dadurch häßlicher, nur weil grad son häßlicher Typ im Kreml sitzt und mit höchst häßlicher Politik von sich reden macht. :ignore:
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bikevagabond
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[RU] Tscherskigebirge: Wildnistrip zu den Perlen Ostsibiriens (2021)

Beitrag von bikevagabond »

sibirier hat geschrieben: 22. Apr 2022, 12:55Ich glaube irgendwas von Dir und Deiner Tour 2021 in russ. Forum gelesen zu haben.
Könnte sein, dass Mestnikov (alias Meic?) etwas geschrieben hat, mit ihm habe ich mich nach der Reise in Jakutsk getroffen. Selbst habe zu dieser Tour noch in keinem Forum berichtet..
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bikevagabond
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[RU] Tscherskigebirge: Wildnistrip zu den Perlen Ostsibiriens (2021)

Beitrag von bikevagabond »

Mortias hat geschrieben: 22. Apr 2022, 18:59Alle Achtung der Herr, welch eine Freude nun auch hier bei ODS ein bisschen was zu Eurer letzten Sommertour zu lesen. 😎
Du bist ja schon ganz gut im Bilde.. aber jetzt rücke ich noch ein paar mehr Details heraus 😁
Mortias hat geschrieben: 22. Apr 2022, 18:59Und die Wildnis Sibiriens wird ja nicht dadurch häßlicher, nur weil grad son häßlicher Typ im Kreml sitzt und mit höchst häßlicher Politik von sich reden macht. :ignore:
Hoffentlich kommt es in Zukunft nicht auch noch zu häßlichen Einreisebestimmungen...
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bikevagabond
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[RU] Tscherskigebirge: Wildnistrip zu den Perlen Ostsibiriens (2021)

Beitrag von bikevagabond »

Teil 1: Vom Goldgräberland in die Wildnis (Susuman – Malyk)

Da es für den einen oder anderen vielleicht mal relevant sein könnte, vorneweg noch ein paar Worte zur Anreise und den Vorbereitungen:

Nachdem die Route feststand und das dafür nötige Zeitfenster berechnet war, habe ich mir ein Visum mit genug Zeitpuffer beantragt (6 Wochen) und den Hinflug gebucht. Den Rückflug lasse ich bei solchen Touren immer offen, auch auf die Gefahr hin, dass dieser dann recht teuer werden kann. Ist mir immer noch lieber, als unter Zeitdruck zu stehen oder wenn es gut läuft, am Ende eine Woche oder so abbummeln zu müssen... Der Hinflug ging mit der Airline S7 von Berlin über Moskau und Novosibirsk nach Magadan und kostete mich 537 Euro (im Preis enthalten: 2 Gepäckstücke bis 23 kg, Handgepäck durfte 10 kg wiegen). Dieser Flug war allerdings eine kleine Odyssee, da die zwei Umstiege in Moskau und Novo mit jeweils sehr langen Aufenthalten in der Nacht verbunden waren. Ich fühlte mich ziemlich gerädert, als ich nach gefühlt drei Tagen endlich auf dem Flughafen Sokol bei Magadan landete.

Kurz vor der Landung am 12. August.


Ganz Sibirien war zu dieser Zeit von riesigen Waldbränden eingeräuchert. In manchen Regionen war die Situation so kritisch, dass die dort lebenden Menschen Rauchvergiftungen erlitten. Magadan schien aber nicht ganz so stark betroffen zu sein, obwohl man auch hier zeitweilig deutlichen Brandgeruch in der Luft hatte. Natürlich hoffte ich, dass der nahende Herbst zu einer baldigen Entspannung der katastrophalen Situation führt. In so einem Dunst würde ich sonst auch nicht viel von den schönen Landschaften zu sehen bekommen...

Ich hatte mich übrigens dazu entschieden, diese Tour nicht nur mit Rucksack und Packraft zu bestreiten, sondern auch mit einem Fahrrad, welches mir als eine Art „Sherpa“ den Gepäcktransport in die Wildnis und später dann auf den Portagen zwischen den Paddeletappen erleichtern sollte. Soweit ich das in Erfahrung bringen konnte, gibt es etliche Kettenfahrzeugpisten, die weit in das Gebirge hineinreichen – an diesen wollte ich mich orientieren und hoffte, dort auch mit dem Rad einigermaßen voranzukommen. Ob ich es bis ans geplante Ziel Zyrjanka mitnehmen würde, ließ ich offen, denn sobald ich damit die Zubringer der Rassocha erreichen würde, wäre es nur noch Ballast, für den ich fortan keine Verwendung mehr hätte. Daher war es auch kein teures Rad, sondern ein ziemlich einfaches – eines, dass ich 2006 mal auf einem mongolischen Bazar für umgerechnet 68 Euro erstand... Mit diesem radelte ich nun auch die 50 km vom Flughafen direkt in die Küstenstadt Magadan.



Ich hatte mir über booking.com für zwei Nächte eine Unterkunft gebucht, um in Ruhe den Jetlag auszuschlafen, Geld zu tauschen, eine Simkarte zu kaufen, Proviant zu besorgen und alles für die Reise zu portionieren und zu verpacken. Auch hierbei half mir das Rad, denn ich brauchte keine Taxis oder Busse besteigen, um quer durch die Stadt zu fahren, Sightseeing inclusive. Natürlich wollte ich auch an die Küste, den Pazifik sehen, und fuhr nach meinen Einkäufen noch an die westliche Bucht. Während im Landesinneren trockenes und sonniges Wetter mit Temperaturen bis 26 Grad herrschte, war die Stadt vor allem morgens und abends von kaltem Seenebel umhüllt.







Mein kompletter Proviant für 5 Wochen in der Wildnis. Ein paar Dinge hatte ich mir schon aus Berlin mitgebracht (sowas wie Ei- und Milchpulver). Das Einzige, was man auf dem Bild nicht sieht, ist das Trockengemüse für die Abendmahlzeiten (hatte ich vergessen dazuzulegen...)


Ein Sammeltaxi für die Fahrt nach Susuman zu finden war dann allerdings nicht so einfach, wie erhofft. Es gab nicht sonderlich viele Angebote, was möglicherweise auch damit zusammenhing, dass hier auch richtige Überlandbusse verkehren, von denen ich anfangs nichts wusste. Auf dem zentralen Busplatz bekam ich dann die Info, dass täglich 11 Uhr einer die 600 km bis Susuman fährt, Ticket könnte ich mir dann bei Abfahrt holen und Fahrradmitnahme sollte auch kein Problem sein... Da es schon später Nachmittag war und ich meinen Aufenthalt im Hostel nicht verlängern konnte, fuhr ich spontan an die etwas abgelegenere östliche Pazifikbucht und schlug einfach mein Zelt auf – ich hatte eh schon alles in Sack und Tüten und brauchte keine feste Unterkunft mehr.





Mein Bus nach Susuman. Das Ticket bekomme ich am Schalter für 2600 Rubel (30 Euro), fürs Rad bzw. Übergepäck kommen noch 500 Rubel (5,80 Euro) dazu, die ich direkt beim Fahrer bezahle.




Rot markiert die Busroute auf der Kolyma-Trasse – Susuman befindet sich am äußeren oberen Ende.


Der Bus ist zum Glück recht leer. Corona scheint man hier nicht besonders ernst zu nehmen – keiner trägt eine Maske, obwohl es wie bei uns eine offizielle Maskenpflicht gibt (sogar mit entsprechendem Hinweis an der Bustüre). Als irgendwann die drei Trunkenbolde direkt vor mir mit ihren Alkoholfahnen aussteigen, setze auch ich meine ab...


Zwischenstopp an einem Café in Atka.


Nächtliche Ankunft nach 12-stündiger Fahrt.


Im Dunkeln fahre ich noch aus dem Ort und suche mir ein ruhiges Plätzchen für die Nacht. Direkt am Abzweig nach Norden starte ich dann meine Tour. Ab jetzt bin ich frei und auf niemanden mehr angewiesen.
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bikevagabond
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[RU] Tscherskigebirge: Wildnistrip zu den Perlen Ostsibiriens (2021)

Beitrag von bikevagabond »

Die ersten 50 km hätte ich gerne übersprungen, denn es geht durch regelrechte Mondlandschaften, die von den Goldgräberfirmen hinterlassen wurden bzw. immer noch aktiv bearbeitet werden. Hier wird einem auf unverblümte Art vor Augen geführt, wie rücksichtslos der profitorientierte Mensch mit der Natur umgeht. Irgendwie auch ein wichtiger Part auf dieser Tour, denn nur wegen der Goldvorkommen gibt es hier überhaupt Wege, die so weit in die Wildnis hineinführen... (in diesem Fall über 100 km)




Ja, auch hier draußen findet man Müll, den es vor zwei Jahren noch nicht gab...


Vor mir brennt auf einmal die Taiga – und mein Weg führt natürlich genau dort hin... Ein entgegenkommender Autofahrer erzählt mir, dass sich der Brandherd in der Nähe der nächsten Brücke befindet.


Am Abend komme ich der stickigen Qualmwolke schon viel zu nahe und fahre für die Übernachtung wieder ein Stück zurück. Wenn es schlimmer werden sollte, muss ich vielleicht komplett umdrehen...


Der zweite Tag präsentiert sich regnerisch und kalt – gut so! Den Brand hat es offenbar gelöscht, zumindest habe ich nichts mehr davon gesehen.


Brücke über den Fluss Bereljoch.


Schließlich erreiche ich den verfallenen und nicht mehr bewohnten Ort Burkandja.


Hier zweigt sich der Weg auf und ermöglicht zwei ganz unterschiedliche Routen, die beide ihren Reiz haben und am Ende zum gleichen Ziel führen. Unmittelbar nach Norden würde ich über einen 1340 m hohen Bergpass direkt zum Oberlauf der Omulevka kommen, was auch mein initialer Plan war (ich vermute mal, dass auch Robtrek über diese Route zur Omulevka gelangte). Doch als ich kurz vor meiner Abreise noch auf einen sehr ausführlichen Expeditionsbericht des bekannten russischen Landschaftsfotografen Sergej Karpuchin stieß, der im Sommer 2009 ganze zwei Monate in diesem Gebiet verbrachte, um alle Bergseen fotografisch zu dokumentieren, wurde mir klar, dass der Abzweig nach Nordosten um einiges interessanter werden könnte, wenn auch deutlich schwieriger.

Mein Plan mit beiden Routen... Jetzt am Abzweig muss ich entscheiden: welche Strecke will ich versuchen? Die Wahl fällt mit einem guten Gefühl der Überzeugung auf die Bergseenvariante.


Dann taucht kurz vor Ende des Fahrweges ein Schlagbaum auf. Das Wärterhäuschen ist unbesetzt, ich komme durch, ohne mich bei irgendjemanden erklären zu müssen.


Es gibt hier noch eine letzte aktive Mine. Im Hintergrund sieht man schon die Berge um den Malyk-See.


Unterstand an der Furt durch den Kjurbeljach. Es scheint, dass sich hier öfter Leute bringen oder abholen lassen. Bis hierhin könnte man sich noch mit einem normalen Geländewagen fahren lassen.


Schuhwechsel ist angesagt.


Von nun an gibt es nur noch versumpfte Kettenfahrzeugpisten, deren Verlauf ich vorab über Satellitenbilder analysierte und in meine Kartenblätter zeichnete. Mich wunderte, dass diese für die lokalen Fischer recht attraktive Route in den alten Sowjetkarten nicht zu finden war...


Endlich in der Wildnis und dann noch so ein Licht...




Im Großen und Ganzen fuhr sich der Weg nicht schlecht. Ich kam gut voran, besser als erwartet. Mit zwei Rucksäcken im Wechsel hätte ich für diese letzten 15 km zum Malyk-See zwei ganze Tage gebraucht, mit dem Rad waren es letztlich zwei halbe...


Große Furt am Ausfluss des Sees. War aber nicht tief, man konnte bequem durchlaufen.


Ankunft am Malyk – die erste Paddeletappe steht an.


Rad und Gepäck kommen jetzt aufs Boot.


Bei Sonnenuntergang paddle ich endlich auf den See hinaus. Das Abenteuer kann beginnen!
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ronaldo
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[RU] Tscherskigebirge: Wildnistrip zu den Perlen Ostsibiriens (2021)

Beitrag von ronaldo »

Spannend, ungewöhnlich - danke! :D
Besonders interessant finde ich natürlich die Rad-Boot-Kombi.
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sibirier
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[RU] Tscherskigebirge: Wildnistrip zu den Perlen Ostsibiriens (2021)

Beitrag von sibirier »

ronaldo hat geschrieben: 23. Apr 2022, 08:30 Besonders interessant finde ich natürlich die Rad-Boot-Kombi.
Es ist aber nicht neu )) Bikerafting heisst so eine Kombination und wird z.Z. oft verwendet.
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Mortias
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Beitrag von Mortias »

sibirier hat geschrieben: 23. Apr 2022, 10:01 Es ist aber nicht neu )) Bikerafting heisst so eine Kombination und wird z.Z. oft verwendet.
Das mag sein, aber ich denke hier im Forum ist es noch recht neu. ;-) Die meisten von uns (mich eingeschlossen) sind doch größtenteils per pedes unterwegs. Selbst die Variante einer kombinierten Wander-und Paddeltour mit Packfraft wird noch eher selten beschreiben. Und einen Bikerafting-Bericht habe ich hier bisher noch gar nicht zu Gesicht bekommen.

Davon abgesehen liest es sich wirklich spannend und die Fotos sind auch echt genial. Das weckt definitv Lust auf mehr. :cool:
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bikevagabond
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Beitrag von bikevagabond »

sibirier hat geschrieben: 23. Apr 2022, 10:01 Es ist aber nicht neu )) Bikerafting heisst so eine Kombination und wird z.Z. oft verwendet.
In Russland hat man sogar schon Bikerafting betrieben, als das bei uns noch gar kein Thema war. Ich erinnere mich da an Viktor Atlasov, der sich im Sommer 2014 von Magadan nach Kamtschatka durcharbeitete - mit einem Ruderschlauchboot und billigen Paddeln, bei denen unterwegs die Paddelblätter abbrachen. Oder der Jakute Njurgun Efremov, der bereits 2006 per Rad von Jakutsk bis Omsuktschan im Magadan Oblast fuhr, um dann quer durch die wegelose Wildnis nach Tschukotka zu gelangen - er hatte ein Faltkajak dabei (und eine Armbrust, um sich offenbar auch selbst zu versorgen...)

Das sind aber schon krasse Ausnahmen, die meisten "Bikerafter" machen Kurztrips von wenigen Tagen und mit entsprechend weniger Gepäck. Da, wo es richtig in die Wildnis geht, ergibt ein Fahrrad idR. kaum noch Sinn. Ich habe auch lange überlegt, aber die Vorteile des Gepäcktransports lagen für mich klar auf der Hand (zumal ich auch nicht gerne schwere Rucksäcke schleppe) - in meinen Augen ist es einfach Mittel zum Zweck :)
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