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[IT][ Wintertour Light: Auf irgendeinem Sentiero irgendwo in Italia 🇮🇹

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Dotti
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Beitrag von Dotti »

Reisetyp :Sonstige Tour
​Wintertour Light? Nun ja, wenn Ich an Wintertouren denke so kommen mir die Leute z.B. hier aus dem Forum in den Sinn die bei -35 Grad im Februar bei meterhohem Schnee, auf Ski mit Pulka, Schneebrille und Benzinkocher in Skandinavien unterwegs sind. Das ist hier nicht der Fall. Aber die Tour fand im Winter statt, Ich habe gelegentlich Schnee geschmolzen, öfter mal Schnee "planiert" um mein Zelt draufzustellen, bin oft durch Schnee gestapft und habe großartige "weisse" Landschaften durchwandert. Also irgendwie schon Wintertour, aber halt die "leichte" Variante.

Es geht also um Italien, genauer gesagt, also grundsätzlich, um den Sentiero Italia. Ich hatte die etwas naive Vorstellung im Januar meine Tour auf dem Sentiero Italia von Visso aus Richtung Süden fortzusetzen. Was steht da auf`m Programm? Sibillini Berge, Gran Sasso, mmmhhh... und das im Winter?

Trotz allem machte Ich mich voller Vorfreude, der Neugier und der Naivität eines Kleinkindes gepaart mit dem Sicherheitsdenken und dem "vernünftig-sein-Mindset" eines Erwachsenen auf die Reise, wohl wissend das es vermutlich etwas abenteuerlich werden und einer gehörigen "Mütze" Flexibilität bedürfen würde. Was dabei rausgekommen ist, das möchte Ich hier gerne berichten.

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Eine Planung hat so wie bei mir fast immer nicht stattgefunden, nur musste Ich überlegen wie Ich dort überhaupt hinkomme. Eine Option wäre nach Bologna zu fliegen, dann mit dem Zug nach Tolentino zu fahren und von dort loszugehen, also dort, wo Ich die letzte Wanderung auf dem SI beendet hatte.

viewtopic.php?t=3393

Aber das gefiel mir irgendwie nicht und passte von den Zeiten auch nicht so recht. Also beschloss Ich mich von der Westseite des "Stiefels" her meinem Zielgebiet zu nähern. Ein Flug nach Rom wurde gebucht, alles andere würde sich schon irgendwie ergeben. Los geht's.
Zuletzt geändert von Dotti am 9. Feb 2026, 18:53, insgesamt 1-mal geändert.
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Dotti
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Beitrag von Dotti »

Tag 01: 09 km // 519 Hm rauf // 88 Hm runter

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© OpenStreetMap contributors

Am 29. Dezember 2024 flog Ich an einem Sonntag Morgen nach Rom, der Vierwaldstättersee zog an meinem Fenster vorbei, dann schlief Ich ein. Kurz vor der Landung, auf der linken Seite, tauchten in der Ferne die Sibillini Berge mit ihren markanten Formen, dann der Gran Sasso auf. Alles weiss. Ich schluckte. Ob da was geht?

Blick nach Osten im Anflug auf Rom
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Ich fuhr vom Flughafen mit dem Zug vom Flughafen Fiumicino zum Bahnhof Roma Termini und von dort weiter nach Spoleto. Ankunft Gleis 23-Abfahrt Gleis 1EST, man beachte "EST". Vom Gleis 1 nochmal gefühlt 2 Kilometer. Umsteigezeit 9 Minuten. Sieht auf dem Zettel easy aus, ist allerdings mit erheblicher Rennerei verbunden. Praktisch zur Abfahrt springe Ich grade noch rein bevor sich die Türen schließen und es losgeht.

Spoleto
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Pünktlich erreiche Ich am frühen Nachmittag Spoleto, ein ruhiger Ort, etwas 36000 Einwohner. Es ist angenehm warm, die Sonne scheint. Unter einem wuchtigen (Kunst?)Objekt hindurch gehe Ich zum Supermarkt Conad der auch Sonntags geöffnet hat einkaufen.

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Spiritus finde Ich erst mal nicht, daher frage Ich eine junge Verkäuferin. Da Ich auf meinem Handy auf die Schnelle das Foto vom "Alcool Etilico Denaturato" nicht finde versuche Ich mich in Pantomime, Händen und Füssen, garniert mit etwas hilflosen Worthülsen aus deutsch, englisch und italienisch. Sie guckt etwas verdutzt und verständnislos, dann hellt sich ihr Gesichtsausdruck auf, Sie lächelt und gibt mir zu verstehen Ihr zu folgen. Dann stehe Ich vor dem Regal mit allerlei Schnäpsen im hohen Prozentbereich. Die brennen bestimmt auch gut-aber für den Moment nicht das Richtige.

Nachdem Ich jetzt auch das entsprechende Foto finde wird erstmal gelacht, dann geht`s weiter in eine andere Ecke des Ladens. Spiritus gibt es hier sogar in 0,5 Liter Flaschen. Aber Ich mag`s ja gerne groß, und schwer-also werden zwei 1 Liter Flaschen gekauft. Zusätzlich noch allerhand Lebensmittel. Wann und wo Ich irgendwann wieder an einem Supermarkt vorbeikommen würde-unbekannt. So habe Ich jedenfalls fast unbegrenzte Freiheit in fast allen Belangen, nur Wasser würde Ich benötigen, aber auch das findet sich sicherlich immer irgendwo.

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Vor dem Supermarkt stopfe Ich erstmal alles in den Rucksack-und mich mit allerhand Süsskram voll. Jetzt gucke Ich mal auf`s Handy um rauszufinden wo Ich überhaupt langgehen könnte. Nach Osten finde Ich einen Wanderweg der anscheinend auch Radweg ist und einer alten Bahntrasse folgt. Mmmmhhh, Radweg... vieleicht nicht unbedingt das richtige für einen Fußgänger. Ich finde einen anderen Wanderweg der nordöstlich in die richtige Richtung führt-den nehm Ich.

Wegweiser Richtung Eggi, also rechts rum
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An der Straße finde ich sogleich auch einen Wegweiser: Eggi 3 Km. Bald verlasse Ich die viel befahrene Straße und erreiche kurz darauf auf einem schmalen geteerten Strässchen den kleinen Ort.

das Dorf Eggi in Sicht
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Der Himmel blau, die Sonne scheint und taucht die Landschaft in ein goldenes Licht, es riecht nach "Süden". Wunderbar. Es ist so warm das Ich nur im T-Shirt unterwegs bin und trotzdem etwas in`s schwitzen gerate.

der Blick nach Norden
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Hinter dem Ort folge Ich einem steinigen Weg der sich durch Olivenhaine aufwärts windet. Immer mal wieder höre Ich Schüsse sowie das entfernte röhren von Motoren. Kurz darauf kommen mir zwei Motorradfahrer entgegen, in der Kurve, etwa zehn Meter vor mir, stürzt einer. Ist aber nix schlimmeres passiert. Ich geh hin um zu helfen, ist aber nicht nötig. Sie haben Schutzanzüge, Handschuhe und Helme aufgehabt. Sind wohl Stürze gewöhnt. Profis.

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Nach dem Schrecken geh Ich weiter-bis zum nächsten erschrecken. Plötzlich knallt`s direkt neben mir. Ein etwas wild aussehender aber freundlich dreinblickender älterer Herr mit gewaltigem weissen Vollbart steckt seinen Kopf aus der dichten Hecke, Flinte in der Hand: Buongiorno.

Auch auf meinem weiteren Weg treffe Ich immer mal wieder auf zweibeinige und vierbeinige Jäger. Teils auf Pfad, dann wieder auf Piste geht es immer weiter hinauf, eine Möglichkeit mein Zelt hier irgendwo hinzustellen finde Ich nicht. Dafür weitere Jäger. Mit Warnwesten. Und schöne Aussichten mit Blick in die Ebene.

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Auf der "Strada Comunale Forca di Bazzano", also eigentlich einer selten bis gar nicht befahrenen steinigen Piste, so mein Eindruck, erreiche Ich schließlich den Pass. Dort steht ein Gebäude, anscheinend ein Hotel, scheint aber verlassen zu sein, Niemand da, weder Menschen, noch Hunde noch Autos weit und breit. Dafür das heulen von (vermutlich) Schakalen gut zu hören.

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Da sich hier die einzigste Möglichkeit zum zelten findet stelle Ich kurzerhand mein Zelt hinter dem Zaun auf die Wiese. Ziemlich k.o. aber glücklich endlich wieder unterwegs zu sein, dem Sylvestertrubel entkommen, voller Vorfreude auf die nächsten Wochen, schlafe Ich kurz darauf zufrieden ein.

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Zweimal wache Ich noch auf als tatsächlich zwei Autos hier oben entlang gefahren kommen und mein Zelt mit ihren Scheinwerfern wie in einer Manage in Szene setzen. Irgendwas ist ja immer. Buona notte!
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Dotti
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Beitrag von Dotti »

Tag 02: 17 km // 1007 Hm rauf // 589 Hm runter

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© OpenStreetMap contributors

Der Morgen ist etwas "hart". Was ist denn los? Ach herje, die Luftmatratze hat erheblich Luft verloren. Die ist ganz neu, es ist die erste Nacht nach einem kostenlosen Austausch. So was blödes, aber selber Schuld, Ich hab gestern Abend bei Dunkelheit wohl nicht richtig aufgepasst. Was tun? Reparieren? Aussichtslos. Ein kleines Loch außerhalb des eigenen Badezimmers mit gefüllter Badewanne zu finden so gut wie unmöglich. Tour deshalb abbrechen? Auf keinen Fall.

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Frohgemut packe Ich mein Zeugs während der Morgen so vor sich hindämmert. Ich folge der Strada ein Stück, dann finde Ich einen Pfad der links hoch geht. Hoch finde Ich ja immer gut also geht`s da lang. Erst durch Wald, weiter oben habe Ich bei fortschreitendem Vormittag einen schönen Blick zurück zu meinem Zeltplatz. Teilweise liegt hier schon etwas Schnee, sehr schön, mal sehen wie sich die Tour so schneemäßig entwickelt.

Blick zurück zu meinem Zeltplatz, hinter dem Berg liegt Spoleto
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Über den Monte Giove (1039m) an der Funkstation vorbei auf einem Pfad etwas hinab, dann wieder hinauf. Die Landschaft ist hügelig, die Kuppen unbewaldet, vermutlich Weideland, dort wo wenig Sonne hinkommt liegt eine durchgängige gefrorene Schneeschicht. Im Schatten ist es ordentlich kalt-in der Sonne angenehm warm.

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Ich folge irgendwelchen Pfaden die in meiner App verzeichnet sind, aber eigentlich ist es mehr ein wegloses gehen über Wiesen, Fahrspuren, ein ständiges auf und ab. Sehr schön, macht mir richtig Freude. Menschen sehe Ich keine, geschossen wird anscheinend auch nicht mehr. Wochenende vorbei. Oder Jagdsaison.

da will Ich hin, die Sibillini Berge kommen in Sicht
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Immer öfter tauchen hinter den Bergkuppen weiße Berge auf, die Sibillini Berge, die mich mit ihrer markanten Form schon letztes Jahr so begeistert haben. Dort will Ich demnächst mal ankommen um dann auf dem Sentiero Italia weiter nach Süden zu gehen.

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Als nächstes kommt mir ein Hinderniss in Form eines bestens gesicherten Zaun in die Quere an dem Ich mich eine ganze Zeit abarbeite bis Ich es endlich schaffe die diversen Drähte zu entknoten um das Tor zu öffnen. dann wieder entsprechend zu verschließen. Dann kann`s weiter gehen.

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Der selbstgesuchte Weg fällt von nun an ab zum Passo Cattivo (1110m), im Schatten liegt angetauter Schnee, Ich wate durch knöcheltiefe Sulze, nasse Füsse vorprogrammiert. Von nun an eher Dauerzustand. Von dort steige Ich auf einem Fahrweg durch Wald hinauf bis zu einer kleinen Steinhütte wo Ich eine Pause mache.

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Das Wetter auch heute wieder so schön, der Himmel wolkenlos blau, die Sonne strahlt, die Powerbank lädt Energie, Ich lade Energie während Ich vor der Hütte in der Sonne sitze.

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Gestärkt geht es von hier irgendwie weglos über weite Weide- und Wiesenflächen hinauf auf den Monte Maggiore (1428m). Meine Güte, ist das schön hier, die Aussicht wunderbar. Am liebsten hätte Ich hier sofort mein Zelt hingestellt, um diese schönen Eindrücke noch länger zu erleben. Aber es ist erst drei Uhr Nachmittags, mir dann doch etwas zu früh.

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Monte Maggiore (1428m)
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Ich guck mal wieder auf die App, der weitere Weg sollte theoretisch vor meiner Nase nach Norden hinunter führen, davon ist allerdings nix zu sehen. Nach kurzer Erkundung ohne Rucksack setz Ich mich erst mal wieder hin und mach Micro-Spikes an die Schuhe. Der Nordhang sehr steil, mit einer dünnen Schneeschicht bedeckt die zudem noch vereist ist.

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So geht es allerdings gut, Ich steige auf`s gratewohl einfach mal runter. Dort auf der Schattenseite liegt deutlich mehr Schnee, es finden sich halbwegs frische Fahrspuren. Ich folge dem Fahrweg bis Ich einen Brunnen finde den Ich schon auf meiner Karte gesehen hatte, und der produziert zu meiner Freude auch Wasser. Damit hatte Ich eigentlich gar nicht gerechnet.

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Ich mach alles was Ich an Flaschen dabei habe voll, damit bin Ich gut für den Abend gerüstet und kann sogar heute was warmes zu essen machen. Fehlt nur noch der passende Zeltplatz zu meinem Glück.

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Und der findet sich sogar kurze Zeit später. In der Abenddämmerung während die Berge im Osten in der Abendsonne glühen baue Ich mein Zelt auf einer abgefressenen Wiese auf, zufrieden und glücklich über diesen schönen Tag.

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Dotti
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Beitrag von Dotti »

Tag 03: 21 km // 814 Hm rauf // 924 Hm runter

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© OpenStreetMap contributors

Es sind die kleinen Dinge, solche Momente wie morgens von der Sonne geweckt zu werden, die mich so freuen am draussen sein, dem schlafen im Zelt und die Ich immer wieder auf`s neue sehr schätze. So wie auch heute morgen, dem 31. Dezember 2024, dem letzten Tag des Jahres.

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Ich erreiche den kleinen Weiler Agliano und werde durch schwachbrüstiges aber lautes bellen schon angekündigt und anscheinend auch erwartet. Ein weisses Knäul stürzt auf mich zu, Ich meine Pfeife schon in der Hand da merke Ich das es ein ganz junger, tollpatschiger Hund ist der mir etwas unbeholfen entgegen stürmt. Ein älterer Herr ist auch schon auf den Beinen, hebt aus der Entfernung nur die Hand und winkt ab.

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Ich setz mich erstmal in einen kleinen offenen Unterstand der wohl als Rastplatz dient, mach Pause und betätige mich an meinem neuen vierbeinigen Kumpel. Irgendwann reicht`s, Ich widme mich anderen Dingen, er trollt sich.

Nachdem alles erledigt ist will Ich weitergehen und... ja wo ist denn meine Kappe? Aus den Augenwinkeln sehe Ich den Hund liegen, abschätziger Blick in meine Richtung und tatsächlich, er hat sich die Kappe vorhin geschnappt und kaut genüßlich darauf rum. So ein Schlitzohr.

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Nachdem das geklärt ist geht`s weiter. Meistens weglos auf nicht vorhandenen Pfaden ohne Markierungen oder Schildern, aber es gibt einen Überstieg über einen Zaun, anscheinend bin Ich richtig.

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Dann erreiche Ich das kleine Dorf Apagni, auch hier ein irres Gebell, allerdings diesmal veranstaltet von drei ausgewachsenen Herdenschutzhunden. Ich bringe mich in das Konzert lautstark mit diversen Pfiffen aus meiner Pfeife ein, dann ist Ruhe, sie ziehen die Ohren ein und trollen sich. Es sollte nicht die letzte Begebenheit mit Vierbeinern sein die so endet.

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Langsam näher Ich mich Sellano, ein etwas größerer Ort wie Ich später feststelle. Auf der anderen Seite des Tals befindet sich das Castello di Montesanto. Es führt eine Art Hängebrücke, die tibetanische Brücke (Ponte Tibetano) hinüber die aber geschlossen war und kostenpflichtig ist. Ob Ich mir das zugetraut hätte? Wohl eher nicht. Mann sollte man auf jeden Fall schwindelfrei sein und keine Höhenangst haben.

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unten im Tal liegt Sellano, dahinter das Castello di Montesanto zu erkennen
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Da Ich zufällig an einem kleinen Geschäft vorbeikomme, es geöffnet hat und Ich Lust auf Kuchen habe kaufe Ich mir Kuchen, logo. Sogar Spiritus hätte es hier gegeben. Am nächsten Brunnen mach Ich Pause, esse den Süsskram und trinke Wasser.

Sellano
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Pause und Kuchen essen am Brunnen
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Das Städtchen ist sehr schön, sauber, Ich schlender ein bischen durch die engen Gassen. Was mir auffällt das viele Gebäude eingefasst sind mit modernen Stützkonstruktionen. Vielleicht damit sie nicht einstürzen denke Ich.

Diese Gerüste werde Ich in den nächsten Tagen in einigen weiteren Dörfern immer wieder sehen, besonders in der Region Visso wo es 2016 zu mehreren schweren Erdbeben kam die fast alle Häuser zerstörten oder stark beschädigten.

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die tibetanische Brücke (Ponte Tibetano)
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Ich nehm also den Weg untenrum durchs Tal, dort mache Ich eine Pause. Dann beginnt der Aufstieg auf schönem Pfad, von oben hat man wieder einen wunderbaren Blick zurück auf Sellano.

im Tal der Lago del Vigi zu erkennen
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mal wieder eine Pause
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Blick von der anderen Talseite Richtung Sellano
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Ich folge der Straße am Castello di Montesanto vorbei, gehe zwar mal kurz hinein und schaue mich etwas um, entscheide mich dann aber doch weiter zu gehen, möchte heute einen ruhigen etwas abgelegenen Zeltplatz finden.

Die nächsten fünf Kilometer gehe Ich auf einer Straße, an mehreren kleinen Dörfern vorbei. Dort haben sich in kleinen Gruppen Menschen zusammen gefunden, stehen zusammen, essen, lachen und genießen die letzten Stunden des Jahres draussen in der Sonne.

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Ab Piaggia folge Ich wieder einem Pfad, also einem Weg der zu Weiden führt. Das hatte Ich eigentlich vor, aber der Weg voller weichem Schnee, teils einen knappen Meter, sehr unangenehm zum gehen, Ich komme nur schlecht voran. Ich versuchte es links und rechts auf den aufgeweichten und matschigen Wiesen, aber auch das war eher wenig erquicklich. Hier auf diesem aufgeweichten und schlammigen Boden zelten-diese Vorstellung sorgte dafür das Ich immer weiter ging.

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Irgendwann reichte es mir und Ich entschied einfach mal irgendwo hochzusteigen. Und das war eine sehr gute Idee.

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Nachdem Ich einige Wildpferde vor mir hergetrieben hatte erreichte Ich die flache Kuppe des Monte di Valiano (1062m), ein fast perfekter Ort für mich um das Jahr ausklingen zu lassen. Hier war Ich dem Himmel ganz nah und hatte einen schönen Blick in alle Himmelsrichtungen.​

Monte di Valiano (1062m)
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Zeltplatz 03
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Bottoey
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Beitrag von Bottoey »

Hi Dotti,
das ist ja mal eine coole Wintertour. Ich lese gern mit und bin gespannt, wie es weitergeht.​
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Dotti
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Beitrag von Dotti »

Tag 04: 12 km // 572 Hm rauf // 303 Hm runter

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©OpenStreetMap contributors

Nachts werde Ich wach-es ist kurz nach Mitternacht. Auch in Italien, in dieser eher dünn besiedelten Region, wird gefeiert und geböllert. Ich freue mich aus der Ferne, immer wieder erhellen Blitze die Dörfer, Raketen steigen auf. Dann ebbt es ab, Ich schlaf weiter.

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Am Morgen ist es mal wieder die Sonne die mich aus den Federn treibt. Stahlblauer Himmel, die Sonne ballert in`s Zelt, eine geschlossene Wolkendecke bedeckt alles, nur die Bergspitzen gucken heraus. Ich schmelze Schnee, dann wird Kaffee getrunken.

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Das Gipfelkreuz eignet sich übrigens ganz gut um nasses Zeugs zum trocknen und lüften aufzuhängen. Ein fast perfekter Wäscheständer.

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Durch gestrüppigen Wald steige Ich weglos wieder hinunter Richtung Weg und komme zufällig an einem Brunnen vorbei wo sogar Wasser fließt, frisch, kalt und richtig wohltuend. Also erstmal Gesicht waschen, dann die Bekleidung etwas abwischen und den Schmutz und Schlamm von gestern entfernen. Wenn Ich gewußt hätte was noch kommt hätte Ich mir das allerdings sparen können.

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Der Weg vom aufgetauten Schnee komplett vermatscht und aufgeweicht, von unzähligen Schafen richtig schön aufgewühlt, wate Ich durch zentimeterhohen Schlamm, es läuft sich wie auf rohen Eiern.

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Als Ich die Straße erreiche wartet schon das Begrüßungskommando in Form von acht großen Schutzhunden auf mich die auf der Mauer des angrenzenden Gehöfts aggressiv hin und her toben und ein ohrenbetäubendes "Bellkonzert" veranstalten. Meine Pfeife lass Ich stecken, die Tiere verteidigen einfach ihr Revier und verlassen es nicht. Ich geh weiter.

hier links verlasse Ich die Strasse in Richtung SI
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Ich folge der Straße an einem kleinen Weiler vorbei, Riofreddo (1014m), hier wird schon hart gearbeitet, die Ställe entmistet. Egal ob Neujahr oder 20. Februar, die Arbeit wartet und muss getan werden.

Heute werde Ich den Sentiero Italia erreichen, die Strecke bis Visso kenne Ich ja schon, bin mal gespannt wie es heute mit Schnee aussieht.

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Der erste Abzweig den Ich in meiner App ausgesucht hatte ist ziemlich zugewachsen und auch sonst eher weniger einladend, der nächste Feldweg deutlich besser für meine Zwecke geeignet. Auf einer fast durchgängigen Schneeschicht die allerdings schon angetaut ist stapfe Ich langsam voran. Erst als Ich den ersten Holzpfahl mit einer rot weissen Markierung der aus dem Schnee heraus lugt sehe merke Ich das Ich schon auf dem Sentiero angelangt bin. Kommt mir alles völlig unbekannt und neu vor.

am Ende des Zaunes geht es nach links weiter
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zur Vietränke
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dann gradeaus hoch und rechts zwischen den Hügeln durch hinunter zur Hütte
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Nach und nach kommt langsam die Erinnerung zurück, als Ich an dem Zaun entlang gehe, dann nach links an der zugefrorenen Weidetränke vorbei, den Hang hinauf an dem mich letztes Jahr die Carabinieri in ihrem Landrover überholt hatte, zur Berghütte Casale Saliere.

Berghütte Casale Saliere in Sicht
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Die ist geschlossen, die Brunnen die sich in der Umgebung befinden nicht in Betrieb. Ich mach Pause, setz mich in die Sonne, zieh die Daunenjacke über die Hardshelljacke einfach drüber und ess was: Brot mit Schmelzkäse, zwei Knoblauchzehen in die Ich beherzt reinbeisse sowie eine halbe Paprika.

diesem Pfad folge Ich
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Von hier geht es auf einem schönen Pfad entlang aufwärts. Schneebedeckt, der allerdings oft nicht mehr tragfähig ist so das Ich öfter mal einbreche. Der Verlauf mal gut zu erkennen, mal nur zu erahnen. Ich mach langsam, bin vorsichtig, hier tritt man immer mal wieder in`s leere, also aufpassen. Die Sicht großartig, die Lichtstimmung so einzigartig in dieser Gegend wie Ich sie in Erinnerung habe.

ein ganz schönes gestocher und gestapfe
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im Tal ist Visso zu erkennen
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Während Ich so voranschritt erinnerte Ich mich an einen kleinen Bergrücken den Ich letztes Jahr schon als möglichen Zeltplatz überlegt aber dann verworfen hatte. Vieleicht ein anderes mal dachte Ich damals bei mir. Und das andere mal-das ist jetzt!

dort unten auf dem Bergrücken steht schon mein Zelt
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es ist kaum zu erkennen
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Zeltplatz 04 (1309m)
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Ich muss ein bischen suchen, sieht alles nicht so wirklich eben aus, trotzdem finde Ich einen Platz der mir sehr gefällt. Nachdem alles erledigt ist gehe Ich mit einer Plastiktüte erstmal los, Schnee sammeln-dann gibt`s Kaffee. Mit Keksen. Mit Blick nach Süden auf die Berge.

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Dotti
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Beitrag von Dotti »

Tag 05: 13 km // 663 Hm rauf // 756 Hm runter

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©OpenStreetMap contributors

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Was soll Ich da noch schreiben? Wieder einmal ist es die Sonne die mich weckt. Ich kann es selbst kaum fassen. Tut einfach unheimlich gut. Die Temperatur -3 Grad, es weht ein leichter Wind. Es fühlt sich eisig an. Ich mach den einen Zelteingang zu-den anderen auf, so ist es besser.

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Heute ist es bewölkt, die Sonne verkriecht sich immer mehr, Ich mich in diverse Schichten von Jacken, Mütze und Handschuhen. Ich folge dem Pfad hinab, Visso taucht immer mal wieder im Tal auf, auch meinen weiteren Weg ins Valle di Visso kann Ich schon erkennen.

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Der steile Abstieg auf einer mit Steinen durchsetzten Piste hat mir letztes Jahr doch einiges an Konzentration abverlangt, jetzt mit Schnee bedeckt ist es irgendwie einfacher. Kommt mir jedenfalls so vor. Vieleicht aber auch weil ich grade erst losgelaufen, ausgeruht und bei Kräften bin.

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Den Ort Visso der von oben so schön aussah hat mir nicht sonderlich gefallen, Ich habe auch keine Fotos gemacht. Sehr viele Häuser sind immer noch beschädigt oder eingestürzt, es wird viel gebaut. Ich kann mir kaum vorstellen wie es hier kurz nach den Erdbeben 2016 ausgesehen hat. Jetzt sind neun Jahre vergangen und es ist immer ziemlich viel kaputt und wird abgerissen.

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Am Ortsausgang geht es auf einem Feldweg in`s Valle di Visso, es wird ruhiger, einsamer. Erst kann Ich noch auf gefrorenen Reifenspuren gehen die das fortkommen einfach machen doch die enden irgendwann, dann sind noch ein paar Fußspuren vor mir die aber anscheinend umgedreht sind, dann wird es anstrengend. Ziemlich anstrengend. Die Schneeschicht weich und feucht, bei jedem Schritt sinke Ich teilweise 30cm ein. Also geht es sehr langsam voran. Schön ist es trotzdem, Ich höre nur ein paar Vögel zwitschern. Neben meinem schnaufen.

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Pause im stehen-fast wie im Alltag 😆
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Im stehen mache Ich mal kurz Pause und stopf mir auf die schnelle mal was rein. Brauche Energie. Dann geht`s besser. Sanft ansteigend öffnet sich schließlich das Tal nach etwa fünf Kilometern, eine Hütte kommt in Sicht.

da geht`s lang
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Ich brauch dringend mal eine Erholungspause, würde mich gerne mal irgendwo hinsetzten, so kämpfe Ich mich durch noch tieferen Schnee abseits des Weges dort hin. Das die Schuhe komplett nass sind bedarf eigentlich keiner Erwähnung, Stört mich aber nicht denn solange Ich mich bewege sind sie schön warm.

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An der Hütte finde Ich allerdings nicht das was Ich suche, alles verrammelt, keine Möglichkeit sich mal zu setzen, also geh Ich weiter. Meine Kräfte haben doch erheblich nachgelassen, Ich stapfe immer langsamer durch den Schnee. Trotzdem bin Ich`s zufrieden, es geht weiter aufwärts, Ich habe immer schönere Ausblicke, die Bewegung und die Kälte tun mir gut.

Blick zurück in`s Valle di Visso nach Norden
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Oben auf dem Pass wo mehrere Wege zusammen führen entscheide Ich mich mir einen Platz für`s Zelt zu suchen und erkläre den Monte Macchialunga (1274) als den Ort wo Ich die Nacht verbringen möchte. Also nochmal Kräfte sammeln und hochsteigen.

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Und es hat sich gelohnt wie Ich finde. Von dem kleinen Steinmännchen borge Ich mir ein paar große Steine um das Zelt ordentlich zu sichern denn es weht immer noch etwas Wind.

Zeltplatz 04 (1257m)
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Zufrieden mit dem Tag mach Ich mich mit meiner Plastiktüte auf Schneesuche, den weiteren Nachmittag verbringe Ich größtenteils im Zelt und erhole mich von den Anstrengungen.​

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Dann folgt das Übliche: Schnee schmelzen, Knoblauch und Paprika kleinschneiden, zwischendurch paar Kekse mampfen, Wasser heiss machen, China Nudeln reinkippen, aufkochen, warten und dann endlich essen.

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paddel
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Beitrag von paddel »

Oh wie schön, wieder ein Bericht von dir. Das freut mich ungemein :hearteyes:
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Dotti
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Beitrag von Dotti »

Tag 06: 9 km // 863 Hm rauf // 495 Hm runter

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Jeden Morgen Sonne wäre ja auch langweilig. Wenn Ich mich dran gewöhnen würde wäre es auch nichts besonderes mehr für mich. Also heute mal eher grau und wolkig. Sehr gut.

Richtung Campi
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Ich bau mein Zelt ab, geb die Steine zurück (vielen Dank Steinmännchen) und mach mich auf den Weg in`s Tal nach Campi, auch dort sind viele Häuser eingerüstet. Der Sentiero Italia verläuft von hier südlich Richtung Norcia, aber da hab Ich irgendwie keine Lust drauf.

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Zu meiner Linken, also östlich, da hat es einige Berge, ja, da will Ich hin. Ich finde sogar einen Wegweiser. Auch ein Sentiero, auch in Italien. Der Titel des Reiseberichts passt also.

Campi Vecchio
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Oberhalb von Campi liegt ein kleiner Ort, Campi Vecchio, sieht imposant aus wie er dort oben tront. Was man aus der Entfernung nicht sieht das fast alle Gebäude zerstört oder stark beschädigt sind. Dort treffe Ich ein paar Arbeiter, einer der Jungs spricht englisch und er berichtet mir ein bischen über das Geschehen und wie sie voran kommen. Von dem kleinen Ort sind 90% der Häuser so zerstört das sie nicht bewohnbar sind.

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Blick zurück nach Campi
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Am Hang entlang auf halber Höhe geht es weiter auf einfach zu gehendem schönen Pfad bis zum Schloss Castelfranco, eine Ruine von der man schöne Ausblicke hat.

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Nach Norden geht es ab hier hinauf in die Berge, zunächst noch geschützt durch Wald doch kurz darauf erreiche Ich die Baumgrenze. Wind peitscht mir in`s Gesicht, der Regen prasselt auf mich nieder, die Sicht wird immer schlechter, Nebelschwaden blasen über die Bergkuppen.

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Die Wegspur habe Ich bereits verloren, die Wegmarkierungen sind nur noch sporadisch auszumachen. Die Benutzung des Handys ist unter solchen Umständen nahezu unmöglich. Ich hab den Kompass ja immer griffbereit so das Ich so grob in die Richtung gehe die Ich mir vorher eingeprägt hatte. Das Gelände eigentlich leicht, Absturzgefahr besteht hier auch nicht.

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Zeltplatz 06 (1625m)
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Als Ich im hohen goldgelben Gras eine ebene Stelle ausmache stelle Ich umgehend mein Zelt dort hin und pack mich in den Schlafsack. Kälte, Regen und Wind sind keine so angenehme Mischung.

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Nachdem mir wieder warm ist und Ich ein Nickerchen gemacht habe hat sich auch der Wind etwas gelegt. So gehe Ich noch mal vor die Tür, pack Schnee in meine Plastiktüte und mach mir was zu essen.

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Dotti
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Beitrag von Dotti »

Tag 07: 8 km // 495 Hm rauf // 485 Hm runter

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Heute ist es soweit, Ich bin angekommen, in den Bergen der Sibillini. Ich öffne mit einiger Mühe und viel Geduld das Zelt und bin baff: Der Nebel hat sich über Nacht komplett aufgelöst, mir strahlt die Sonne in`s Gesicht, direkt vor meiner Nase der Gipfel des Monte Patino (1859m). Am blauen Himmel sind nur wenige Schleierwolken zu sehen. Ich kann`s gar nicht fassen, nach dem "Schmuddel" gestern. Schütttel immer wieder ungläubig den Kopf und nuschel irgendwas von wegen "meine Güte ist das schön hier" in meinen Bart. Und das sollte sich über den ganzen Tag hinziehen. Es wurde ein Hammer Tag!

links der Monte Patino
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Aber erstmal leichte Scherereien die mich etwas ausbremsen-die Freuden des Wintercampings sozusagen. Nachdem es Gestern ja gut geregnet hat und alles nass war ist es heute Morgen kalt: -4 Grad. Soweit-so schlecht. Alles komplett eingefroren.

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Den einen Zelteingang krieg Ich also auf und kann ihn aufklappen, der Reissverschluss des anderen Zelteingangs lässt sich keinen Millimeter bewegen. Das Zelt mit einer festen Eisschicht bedeckt, sozusagen freistehend, das Innenzelt an manchen Stellen am Außenzelt festgefroren. Das Wasser im Topf sowie in den Flaschen gefroren.

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Die Schuhe bestehen praktisch nur aus Eis, auch durch vorsichtiges reiben und biegen nix zu machen ist. Also rein in einen Müllsack und dann in den Schlafsack packen. Während alles etwas antaut trinke Ich derweil Kaffee und guck raus.

Monte Colventoso (1725m), links hinter dem Bergrücken war mein Zeltplatz
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Mit Micro-Spikes an den Schuhen mache Ich mich an den Aufstieg. Es ist windstill, die Sonne brennt, Sonnencreme und Sonnenbrille ein Muss. Die Spikes krallen sich mit einem satten knarzen in den überfrorenen Schnee, es ist eine wahre Freude. Ohne würde es an manchen Stellen nicht weiter gehen. Je dünner die Schnee- und Eisschicht war, desto glatter der Boden.

Blick nach Norden
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Langsam kommen die weissen Kuppen der Berge in Sicht, das Lichtspiel zwischen dem sterilen weiss und den fast schwarzen Schatten in der Morgensonne ist faszinierend, fast magisch. Kommt auf den Fotos irgend nicht so eindrucksvoll rüber wie Ich es in Erinnerung habe.

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unendliche weisse Weite
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vor mir der Monte delle Rose (1861m), da geht`s hoch
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Einem Weg brauche Ich nicht zu folgen, ist auch selten einer erkennbar. Ich orientiere mich an den den gut zu identifizierenden Bergen. Über den Monte Fausole (1753m) auf den Monte delle Rose (1861m). Den Monte Patino lass Ich rechts liegen und freue mich aus der Entfernung über den imposanten Anblick.

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rechts von mir, also südwestlich der Monte Patino mit Gipfelkreutz
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Ich erreiche den Pogio de Croce. Eigentlich nicht schwierig aber der Regen von Gestern ist über Nacht so stark gefroren das Ich mit den Micro-Spikes bei jedem Schritt mehrmals ins Eis kleine Stufen hacken muss bis Ich sicheren Halt habe. Die haben vorne mehrere Zacken und das funktioniert wirklich sehr gut. Hier das Gleichgewicht zu verlieren würde in einer Rutschpartie mit ungewissem Ziel enden.

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Hier oben ist es wie eigentlich überall so unglaublich schön, Ich kann mich kaum von den Eindrücken lösen, lasse meinen Rucksack stehen, gehe hin und her, stehe und staune. Ich bin versucht hier umgehend mein Zelt hinzustellen, das wäre sicherlich möglich gewesen, gehe aber dann schweren Herzens doch weiter.

diesen Bergrücken steige Ich hinunter, mein Zeltplatz wird links in der Mitte sein
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Spuren von Schneeschuhen führen nach Norden steil den Hang hinunter aber auch mit meinen Spikes geht es. Langsam näher Ich mich dem kleinen Ort Castelluccio den Ich im Tal immer mal wieder sehen kann, dort auf dem Wanderweg sind einige Menschen unterwegs.

Castelluccio, rechts der Monte Vettore (2458m), in diese Richtung geht`s morgen
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Da Ich heute nicht mehr hinunter zum Ort gehen möchte steige Ich links irgendwo hoch Fußspuren folgend. Diese führen mich auf einem kleinen Bergrücken nach Norden und enden an einem Kreuz. Dort treffe Ich auch die ersten Menschen heute, zwei Tageswanderer.

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Von hier geht es nicht weiter, das Gelände zu steil um hinunter zu steigen. So kehre Ich wieder um auf der Suche nach einem Zeltplatz. Der findet sich eher weniger aber da es schon später Nachmittag ist stelle Ich mein Zelt einfach quer über den unter einer Schneeschicht nicht sichtbaren Weg den Ich etwas "planiere".

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Während Ich noch mit dem Aufbau beschäftigt bin setzt bereits die Dämmerung ein und taucht die Berge in ein sanftes geldgelbes, dann rötliches Abendlicht.

So neigt sich ein schöner, einer der schönsten Tage dieser Wanderung, dem Ende entgegen. Während Ich mittlerweile im warmen im Zelt liege bricht sogar nochmal die Sonne durch die Wolken, die Berge glühen ein letztes mal in der untergehenden Abendsonne.

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Zuletzt geändert von Dotti am 9. Feb 2026, 16:09, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von Dotti »

dominik_bsl hat geschrieben: 1. Feb 2026, 19:15Wie schön!
Das war es auch. Ich hoffe Ich finde die richtigen Worte und Bilder um es auch so rüberzubringen und für Leser erlebbar zu machen.
paddel hat geschrieben: 2. Feb 2026, 14:14Oh wie schön, wieder ein Bericht von dir. Das freut mich ungemein :hearteyes:
Ich dachte es wäre mal wieder an der Zeit etwas aus Italien zu berichten, das findet man hier ja eher selten. Schön das es Dich freut!
lina hat geschrieben: 2. Feb 2026, 15:07 [+1] :-)
👍
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Beitrag von Dotti »

Tag 08: 21 km // 495 Hm rauf // 479 Hm runter

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©OpenStreetMap contributors

Neuer Tag-neuer "Schmuddel". Da hab Ich ja gestern richtig Glück mit dem Wetter gehabt, das wird mir beim morgendlichen Blick aus dem Zelt bewusst. Das schreit ja förmlich nach `nem "Kurzen". Zunächst aber mal einen "Langen". Also Kaffee.

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Gerstern hatte Ich noch einen schönen Ausblick auf die Berge wo Ich herkam
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Auf dem Weg Richtung Castelluccio kommen mir ein paar Wanderer entgegen, in dem kleinen Ort der auf einem Hügel tront macht sich eine Wandergruppe mit Schneeschuhen bereit. Die Strassen spiegelglatt, Ich war kurz davor meine Spikes anzulegen.

Castelluccio wurde auch stark beschädigt durch das Erdbeben 2016
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Es gibt einen kleinen Lebensmittelladen, ein Familienbetrieb, alle Generationen sind da und helfen mit. Eigentlich brauche Ich nix, geh aber trotzdem mal rein. Hätte gerne Brot. Die Tochter sieht hübsch aus, ist nett und spricht englisch, Brot gäbe es, aber eigentlich nur als Sandwich. Das Familienoberhaupt, die Mama, sieht streng aus-und ist es auch: nur belegt als Sandwich zu verkaufen. Ich versuch mich noch mal an der Tochter, aber nix zu machen. Ende vom Lied: 20 Euro weniger, dafür ein Sandwich und eine Flasche Schnaps in den Händen steh Ich kurze Zeit später wieder vor dem Laden.

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Wo geht`s denn eigentlich heute hin? Ich hab keine Ahnung, Ich guck mal besser in die App. Der SI verläuft irgendwo weiter westlich, Ich geh also erstmal nach Südosten in der Ebene weiter, einfach da lang wo`s mir gefällt. Erst ein Stück auf der Straße, dann geh Ich einfach rechts rein, mal auf Schnee, mal durch etwas Matsche oder aufgeweichter Wiese.

die Wolkendecke sinkt immer weiter ab
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Dann teilt sich der Weg, es findet sich auch ein Wegweiser, sagt mir aber alles nix. Ich nehm erst mal `nen Schluck, mach "Ene mene miste, es rappelt in der Kiste, ene mene meck, und du bist weg". Aha. Also links. Gefällt mir aber irgendwie nicht. Also doch rechts.

im Osten die Berge, aber dort geht es dieses mal nicht hin
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Pause machen, Sandwich essen, Schnaps trinken
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Ich finde zu meiner Freude mehrere Brunnen wo auch Wasser läuft. Da mach Ich erst mal Pause, verspeise das Sandwich trinke dies und jenes, wasche dies und das.

nächster Brunnen...
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nächster Schluck... ja, das ist ein gutes Tempo
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Weiter geht`s. Das die Füße nach wie vor nass sind möchte Ich nur mal wieder am Rande erwähnt haben. Das Wetter verschlechtert sich zunehmend, nach und nach ziehen vermehrt graue Wolken auf, die Sicht verschlechtert sich, es regnet hin und wieder. Trotzdem ist meine Laune gut, Ich hab Freude am gehen. Prozente machen`s möglich. Aber nicht nur.

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Über aufgeweichte Wiesen, dann irgendwo hoch, durch Wald erreiche Ich eher zufällig und auf anderen Wegen als Ich eigentlich vorhatte schließlich den Pass Forca Ventosola (1514m). Hier stoße Ich wieder auf den Sentiero Italia dem Ich ab jetzt weiter folgen möchte.

am Pass stehen ein paar Häuser sowie junge Menschen die irgendwas trinken
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Ich hab mir in den Kopf gesetzt bis zu den Seen I Pantani zu gehen um dort zu zelten. Warum weiß Ich nicht mehr. Auch vorher wäre es oft möglich gewesen, sogar besser wie sich noch herausstellen sollte.

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Das gehen ziemlich anstrengend, der Schnee aufgeweicht und feucht, Ich sinke bei jedem Schritt ein, manchmal bis zum Knie. Da haben es ein paar Wildpferde einfacher die plötzlich vor mir im dichten Nebel auftauchen und davon preschen.

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Auf dem Parkplatz am Pass Forca Canapine (1543m) steht ein Auto, die zugehörigen beiden Menschen kommen mir kurz darauf entgegen. Es dunkelt schon, Ich komme nur schlecht voran, bei jedem Schritt breche Ich durch die angefrorene Schneeschicht. Schön ist es trotzdem, auch wenn die Sichtweite nur wenige Meter beträgt.

Pass Forca Canapine
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Bei Dunkelheit erreiche Ich schließlich die Seen, ohne auf`s Handy zu gucken hätte Ich sie gar nicht wahrgenommen. Das Gelände irgendwie überall schief und schepp, zum zelten nicht so gut geeignet. Nach ewigen rumsuchen im Schein der Stirnlampe finde Ich dann doch noch eine Stelle die für die Nacht taugt. Erschöpft stelle Ich mein Zelt auf, mach mir noch was zu essen und bin sozusagen mit dem Suppenlöffel in der Hand umgehend eingeschlafen. Den Rest habe Ich am nächsten Morgen gegessen.​

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Dotti
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Beitrag von Dotti »

Tag 09: 21 km // 910 Hm rauf // 1174 Hm runter

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©OpenStreetMap contributors

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Zeltplatz 08 am Morgen an den I Pantani Seen
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Heute mal keine Sonne, kein "Schmuddel", sondern ein Morgenrot wie Ich es schon lange nicht mehr so intensiv gesehen und erlebt habe. Da mach Ich mir doch grad noch `nen zweiten Kaffee und freu mich über die Eindrücke.

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Schön das die Sicht wieder gut ist und Ich sehen kann wo Ich hier gelandet bin. Kurz bevor Ich aufbreche bricht sogar doch noch die Sonne durch die Wolken und taucht die Landschaft in ein kühles, silbriges Licht. Wunderschöne Momente.

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Nach dem packen geht`s los, der Schnee tief und weich, nur die oberste Schicht ist gefroren. Es ist ziemlich anstrengend, mir wird schnell warm. Auch gut.

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Zu meiner Freude taucht hinter mir aus den Wolken der Monte Vettore (2451m) auf und erstrahlt förmlich im Sonnenlicht.

Blick zurück zu den Seen, dahinter der Monte Vettore, ca. 12 Kilometer Luftlinie entfernt
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da geht`s lang
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der E1 verläuft anscheinend hier auf dem Sentiero Italia
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Der Weg verliert langsam an Höhe, der Schnee wird weniger, das gehen einfacher. Je näher Ich Accumoli komme desto öfter stehen Häuser rechts und links der Straße. Ab und an hör Ich`s hinter Zäunen kleffen, geh weiter.

von da oben komm Ich her
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Schilderwald, Ich vermute deutscher Bauunternehmer am Werk
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Irgendwann spüre Ich irgendwas in meiner Kniekehle, einen Stubs, dachte erst Ich hätte etwas unbeholfen mit meinem Stock hantiert, aber nein, seht her: dieser kleine Hund ist mir hinterher gelaufen, Ich bin gerührt, was für ein liebes Tier. Den hätte Ich am liebsten mitgenommen und nie wieder hergegeben.

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Dazu gibt`s ein Kurzvideo (Reel) auf Instagram falls sich das Jemand ansehen möchte:
https://www.instagram.com/reel/DLxyHRXNCI-/

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Aber alles hat ein Ende, also auch diese Hundebegegnung. Am nächsten Picknikplatz mache Ich Pause, der Hund bekommt eine Wurst, dann trollt er sich.

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Je näher Ich Accumoli komme desto öfter sehe Ich solche barackenartigen Fertighäuser mit Klimaanlagen obendrauf. Erst dachte Ich das es sich eventuell um temporäre Unterkünfte für Arbeiter handelt aber nachdem Ich auch in den nächsten Tagen überall in und außerhalb der Dörfer diese Art von Häusern stehen sah vermute Ich das es Häuser, also Notunterkünfte für die Bewohner der zerstörten Dörfer sind. Das Stadtbild hat sich also entsprechend verändert, auch Restaurants und Bars habe Ich gesehen die in Containern ihren Betrieb fortsetzen. Es ist sauber, es gibt die komplette Infrastruktur, wirkt eben alles sehr steril. Aber Hauptsache die Menschen haben einen Platz zum leben, zum wohnen, ein Dach über dem Kopf.

der guckt auch ganz traurig
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Accumoli
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Als Ich den Ort erreiche sehe Ich das vieles zerstört und beschädigt ist. Aber es wird auch neues gebaut. Trotzdem liegt irgendwie eine Schwere über der Gegend, kam mir jedenfalls so vor.

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Nachdem Ich den Ort gequert hatte, keinen Brunnen gefunden hatte der Wasser führte stieg Ich wasserlos auf einem schönen Wanderpfad wieder hinauf und siehe da, dort oben, am Friedhof, fand Ich zufällig einen Wasserhahn. Wie sich manchmal Dinge einfach fügen. Das ist kein Zufall. Ich glaub da irgendwie dran.

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Der weitere Weg führt mehrere Kilometer auf halber Höhe, meist durch Wald und ohne größere Besonderheiten Richtung Amatrice. Zunehmend bin Ich auf einer Asphaltstraße unterwegs, stört mich aber eigentlich gar nicht, das normale gehen tut zwischendurch auch mal gut. Immer mal wieder komme Ich durch verlassen wirkende Ansammlungen von Häusern, die Brunnen abgestellt.

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Der Tag schreitet voran, langsam dämmert es. Hier stehen überall Häuser, zum zelten eher ungeeignet. Ich guck mal wieder auf meine App ob Ich nicht eine Alternative finden könnte und finde einen Wanderpfad der hoch in die Berge führt. Obwohl es ziemlich weiss dort aussieht werde Ich das mal in Angriff nehmen.

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Ich geh also auf der Straße einen Kilometer zurück bis zur Siedlung Cossito und nehme von dort den Pfad. Steil geht es bergan, erst auf wenig Schnee, dann mehr, dann sehr viel mehr, die Hose bis zu den Knien vom feuchten Schnee ganz nass, erreiche Ich ziemlich verschwitzt bei Dunkelheit den Fosso San Lorenzo, einen ganz kleinen, aufgestauten See. Dort finde Ich auch den einzig möglichen Zeltplatz. Nehm Ich.

Zeltplatz 09 (1350m)
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blauloke
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Beitrag von blauloke »

Sehr schön, deine ruhigen Berichte lese ich gerne.
Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.
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Dotti
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Beitrag von Dotti »

Tag 10: 11 km // 705 Hm rauf // 898 Hm runter

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Neuer Tag, nächster Kaffee. Das aufwachen allerdings eher auf die harte Tour. Es ist kalt, Ich liege fast auf dem Boden, die Luftmatratze hat kaum noch Luft, so wie die letzten Tage auch. Ich hatte sie ja bereits während der ersten Nacht beschädigt. Mit der Suche nach der Ursache habe Ich mich nicht weiter beschäftigt, sie hält mehrere Stunden und verliert nur langsam Luft, das reicht mir. Meistens habe Ich irgendwann in der Nacht gemerkt das es mir etwas kühl von unten wurde, mich dann zur Seite gedreht und mehrmals rein gepustet, das hat dann bis morgens gereicht. Und so bin Ich auch bis zum Ende der Wanderung damit zurecht gekommen. Nach Rückkehr habe Ich sie eingeschickt und eine neue erhalten.

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Der Plan für heute ist folgender: einfach mal weiter nach Osten hochsteigen, dann nach Süden irgendwie über die Berge um dann runterzusteigen nach Amatrice, dort einzukaufen, dann auf dem SI weiter. Was mich dort oben erwarten würde? Keine Ahnung. Ich schaute doch besser mal in die App. Die eingezeichneten Wege T2 bis T3, der Pizzo di Sevo 2419m hoch, Ich war tendenziell eher "pessimistisch-optimistisch".

Ich komme an einem Gebäude, einer kleinen Kapelle, vorbei
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da schau Ich natürlich mal rein
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Ich packte also mein Zeugs, schulter den Rucksack und stapfte langsam durch den Winterwald bergan, die rot weissen Markierungen an den Bäumen waren gut zu sehen.

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der Pizzo di Sevo kommt das erst mal in mein Blickfeld
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Ich erreichte die Baumgrenze, ein zünftiger Wind blies mir entgegen, die schneebedeckten Berge kamen in Sicht, sah gut aus, Ich freute mich drauf. Langsam Schritt für Schritt kämpfte Ich mich weglos steile Hänge mit verblasenem teils gefrorenem Schnee hinauf bis ein Gebäude in Sicht kam, wie sich rausstellte eine Schutzhütte, das Refugio Inversaturo (1710m).

Blick nach Nordwest, aus dieser Richtung bin Ich die letzten Tage hier her gewandert
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Refugio Inversaturo
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Ohne Türe, dafür mit Gitter, drinnen ein Kamin, kaum Einrichtung, nichtmal als Windschutz zu gebrauchen, der eiskalte Wind pfiff zum Eingang hinein es fühlte sich kälter an als draussen. Ich brachte mich an der Rückseite im Windschatten in Sicherheit, kauerte mich hinter meinen Rucksack um kurz Pause zu machen.

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Ich wollte also Richtung Pizzo die Sevo gehen, der war auch gut zu erkennen, der Weg schien eher einfach. Noch kam Ich gut voran, das gehen leicht, der Schnee gefroren, die Spikes krallten sich in`s Eis und gaben mir guten Halt.

Blick zurück zum Refugio
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Aber je höher Ich komme, desto mehr Angriffsfläche biete Ich dem Wind der erheblich zugenommen hat und unbarmherzig in Böen an mir zerrt. Manchmal halfen auch Ausfallschritte nicht um auf den Beinen zu bleiben, mehrmals musste Ich mich hinkauern und warten bis der Wind nachließ.

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Ich merkte das das so nix werden würde, stieg ein bischen nach Westen auf der anderen Seite des Kamms runter, versuchte es dann auf der Ostseite, aber der Wind attackierte mich nach wie vor mit einer Brachialität wie Ich sie selten erlebt hatte. Als dann plötzlich mein Solarpanel welches mit mehreren stramm gespannten Gummibändern befestigt vom Rucksack gerissen und so weit weggeschleudert wurde das Ich es nicht mehr sehen konnte war die Sache klar: Ich dreh um.

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Mit einiger Mühe und etwas suchen fand Ich es schließlich wieder. Ich packte es erstmal nur schnell ein und stieg umgehend wieder etwas hinunter bis der Wind nachließ. Erstmal verschnaufen, das Solarpanel scheint auf den ersten Blick unbeschädigt.

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Weglos stieg Ich vorsichtig über etwas unwegsame Schneehänge wieder herab nach Westen bis Ich auf meine Fußspuren traf denen Ich zurück folgte. Mehrere Stunden später stand Ich also wieder an meinem Zeltplatz von heute Morgen. Obwohl es nicht so geklappt hatte wie Ich mir vorgenommen hatte bin Ich mehr als zufrieden, glücklich über meine Entscheidung, darüber, umgekehrt zu sein. Genauso so wie Ich es mir vor der Tour auch vorgenommen hatte. Vor Jahren hat sich sowas für mich noch als versagen angefühlt, mittlerweile eher wie ein Sieg.

Nachdem Ich mich innerlich beglückwünscht und mir ein Denkmal gebaut sowie eine Packung Kekse verdrückt hatte folge Ich dem ganz normalen Wanderweg bis Ich auf ein schmales asphaltiertes Sträßchen stieß welches mich in mehreren Serpentinen hinab in besiedeltes Gebiet Richtung Amatrice führen würde.

Zeltplatz 10 (1154m)
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Da es schon dämmerte und sich hier keine Zeltplätze finden stellte Ich kurz entschlossen mein Zelt in eine der Kehren, hier würde sicherlich um diese Jahreszeit Niemand vorbeifahren und mich verscheuchen.

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Beitrag von Dotti »

Tag 11: 15 km // 832 Hm rauf // 382 Hm runter

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©OpenStreetMap contributors

Gut geschlafen, "unverscheucht", freue Ich mich morgens über blauen Himmel und ein paar Sonnenstrahlen.

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Auf dem Strässchen erreiche Ich die Vororte vom Amatrice, auch hier stehen überall diese Fertighäuser, daneben die zerstörten und beschädigten Gebäude. Aber es gibt auch was für´s Herz: zwei Hunde, ein kleinerer brauner und ein großer schwarzer, tapsen schwanzwedelnd auf mich zu.

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Den kleinen braunen gibts auf Instagram zu sehen:
https://www.instagram.com/reel/DLfr0lBtLyl/

Da kann Ich nicht anders, setz meinen Rucksack ab, mich auf`s Pflaster und streichel die beiden. Was für liebe Tiere, die mich mit ihren treuen Augen erwartungsvoll angucken. Nur-was jetzt? Ich rede auf sie ein, erkläre, das sie nicht mitkommen können, aber nix zu machen.

Also gehen wir zu Dritt, die beiden vorne weg, Ich hinter her. Als Ich einmal abbiege kommen sie umgehend zurückgerannt, Ich ernte vorwurfsvolle Blicke, sie folgen mir weiterhin, gehen wieder voraus. Wenn Ich stehenbleibe setzen sie sich neben mich und warten friedlich. Was tun? Böse sein? Mit Ihnen schimpfen? Schaff Ich nicht.

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Als wir an einem Grundstück auf dem mehrere Hunde aggressiv hinter einem Zaun ungestüm bellen vorbeigehen müssen, guckt der kleine ängstlich zu mir hoch, drückt sich eng an meine Knie, zittert sogar ein bischen. Was für ein mutiger Kerl, Ich heb ihn hoch auf den Arm. Das macht die Sache weder für ihn noch für mich einfacher. Aber Ich bin eben auch Mensch. Die Trennung wird kommen, so oder so, und zwar bald.

kurz bevor wir drei Amatrice erreichen
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Wir erreichen Amatrice, Ich schau mich im Park um, die beiden trollen sich in die Büsche, aber als Ich mich auf mache zum Supermarkt hab Ich sie wieder im Schlepptau. Die Menschen denen Ich mit meinen Hunden begegne lächeln mitleidig, wohl wissend das es nicht meine sind.

auch hier sind viele Häuser besschädigt, es wird gebaut und restauriert
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Der Supermarkt befindet sich im kommunalen kleinen Einkaufszentrum mit mehreren Geschäften. Ich schaue nicht zurück und geh rein. Am Ende des langgezogenen kahlen Eingangsbereichs kann Ich nicht anders, dreh mich doch noch mal um, ein letzter Blick zurück, vileicht mit der Hoffnung, nichts zu sehen. Aber, da sitzen die beiden, draussen, vor dem Eingang. Und warten. Auf mich. Es war das letzte mal. Ich komme nicht zurück. Es gibt einen Hinterausgang.

Pause und Bier. Und Hunde abhaken. Fühlt sich nicht gut an...
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Ich kauf einiges ein, pack alles erstmal in Plastiktüten und schleich mich zum anderen Ausgang hinaus und folge der Hauptstraße für einige hundert Meter. Dann setz Ich mich auf ein Mäuerchen, lehne mich an den Zaun, reiß eine Dose Bier auf und hake die beiden Hunde ab.

Die Sonne scheint, es ist richtig angenehm warm geworden. Also pack Ich zusätzlich zu den Lebensmitteln noch die ganzen Jacken in den Rucksack, passt grade so.

auch hier finden sich oft Fertighäuser
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Zunächst folge Ich noch dem Sentiero Italia. Bis zum Ortsausgang, dann ein Stück auf der Straße bis rechts ein Pfad sanft, dann weniger sanft bergan führt. Hier liegt wieder etwas mehr Schnee, teils schon geschmolzen, so das Ich es an manchen Stellen mit erheblicher Matsche zu tun bekomme.

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Irgendwann teilt sich der Weg, nach rechts führt der SI aber links, da gefällt`s mir irgendwie besser, also geh Ich natürlich links. Ist auch richtig schön, auf einer Wiese mit Blick auf die Berge mach Ich eine Pause-jeder Italiener würde vermutlich die Nase rümpfen: Peroni aus der Dose, Rotwein aus dem Karton, Brot mit Schmelzkäse. Und das am Vormittag.

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Ich folge verschiedenen Wegen und Pfaden, manche markiert, manche nicht und kaum zu sehen. Ich erreiche eine große Weidefläche, auf der anderen Seite ein kahler grasbewachsener Bergrücken, dahinter müsste der Lago di Campotosto liegen, den würde Ich heute noch gerne zu Gesicht bekommen.

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Ich denk mir da oben, das wäre sicher schön zum zelten, aber Ich hab kein Wasser mehr. Zu meiner linken sehe Ich eine Berghütte auf meiner Karte, sogar mit Quelle. Aber irgendwie hab Ich keine Lust da hin zu gehen.
So mach Ich mich ohne Wasser unbedarft optimistisch daran die Ebene zu durchqueren und such mir meinen Weg zwischen Bäumen und Sträuchern den Hang hinauf. Und was soll Ich sagen, irgendwann hör Ich`s leise plätschern und finde einen unscheinbaren Wasserlauf, es ist Schmelzwasser was aus einem Schneefeld läuft. Was hab Ich ein Glück. Oder Vertrauen auf`s Glück haben.

hier links würde es zum Rifugio Le Serre gehen
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Blick zurück
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Als Ich den flachen und breiten, mit hohem Gras bewachsenen Kamm erreiche ist es bereits Nachmittag. Und hier gefällt es mir richtig gut. Wie erwartet kann Ich den See, den Lago di Campotosto im Süden sehen, im Osten wunderbare Berge die im Laufe des anbrechenden Abends immer wieder von den tiefhängenden Wolken freigegeben werden im im goldenen Licht der Abendsonne leuchten.​

Zeltplatz 11
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im hintergrund der Lago di Campotosto
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So gut es mir hier gefällt, die Zeltplatzsuche gestaltet sich als etwas zäh, das Gras buckelig durchsetzt mit unzähligen Kuhfladen die sich fast symetrisch in kurzen regelmäßigen Abständen über die Wiese verteilen.

Blick direkt auf den See
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Habs aber nach einigem auskundschaften doch noch hinbekommen einen "unbeflekten" Platz zu finden, gutes Augenmaß und präzises arbeiten war allerdings erforderlich um das Zelt zwischen den "Haufen" unterzubringen. Mit dem Ergebnis bin Ich`s zufrieden.

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Zuletzt geändert von Dotti am 9. Feb 2026, 16:17, insgesamt 1-mal geändert.
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