Tag 11: 15 km // 832 Hm rauf // 382 Hm runter

©OpenStreetMap contributors
Gut geschlafen, "unverscheucht", freue Ich mich morgens über blauen Himmel und ein paar Sonnenstrahlen.
Auf dem Strässchen erreiche Ich die Vororte vom Amatrice, auch hier stehen überall diese Fertighäuser, daneben die zerstörten und beschädigten Gebäude. Aber es gibt auch was für´s Herz: zwei Hunde, ein kleinerer brauner und ein großer schwarzer, tapsen schwanzwedelnd auf mich zu.
Den kleinen braunen gibts auf Instagram zu sehen:
https://www.instagram.com/reel/DLfr0lBtLyl/
Da kann Ich nicht anders, setz meinen Rucksack ab, mich auf`s Pflaster und streichel die beiden. Was für liebe Tiere, die mich mit ihren treuen Augen erwartungsvoll angucken. Nur-was jetzt? Ich rede auf sie ein, erkläre, das sie nicht mitkommen können, aber nix zu machen.
Also gehen wir zu Dritt, die beiden vorne weg, Ich hinter her. Als Ich einmal abbiege kommen sie umgehend zurückgerannt, Ich ernte vorwurfsvolle Blicke, sie folgen mir weiterhin, gehen wieder voraus. Wenn Ich stehenbleibe setzen sie sich neben mich und warten friedlich. Was tun? Böse sein? Mit Ihnen schimpfen? Schaff Ich nicht.
Als wir an einem Grundstück auf dem mehrere Hunde aggressiv hinter einem Zaun ungestüm bellen vorbeigehen müssen, guckt der kleine ängstlich zu mir hoch, drückt sich eng an meine Knie, zittert sogar ein bischen. Was für ein mutiger Kerl, Ich heb ihn hoch auf den Arm. Das macht die Sache weder für ihn noch für mich einfacher. Aber Ich bin eben auch Mensch. Die Trennung wird kommen, so oder so, und zwar bald.
kurz bevor wir drei Amatrice erreichen
Wir erreichen Amatrice, Ich schau mich im Park um, die beiden trollen sich in die Büsche, aber als Ich mich auf mache zum Supermarkt hab Ich sie wieder im Schlepptau. Die Menschen denen Ich mit meinen Hunden begegne lächeln mitleidig, wohl wissend das es nicht meine sind.
auch hier sind viele Häuser besschädigt, es wird gebaut und restauriert
Der Supermarkt befindet sich im kommunalen kleinen Einkaufszentrum mit mehreren Geschäften. Ich schaue nicht zurück und geh rein. Am Ende des langgezogenen kahlen Eingangsbereichs kann Ich nicht anders, dreh mich doch noch mal um, ein letzter Blick zurück, vileicht mit der Hoffnung, nichts zu sehen. Aber, da sitzen die beiden, draussen, vor dem Eingang. Und warten. Auf mich. Es war das letzte mal. Ich komme nicht zurück. Es gibt einen Hinterausgang.
Pause und Bier. Und Hunde abhaken. Fühlt sich nicht gut an...
Ich kauf einiges ein, pack alles erstmal in Plastiktüten und schleich mich zum anderen Ausgang hinaus und folge der Hauptstraße für einige hundert Meter. Dann setz Ich mich auf ein Mäuerchen, lehne mich an den Zaun, reiß eine Dose Bier auf und hake die beiden Hunde ab.
Die Sonne scheint, es ist richtig angenehm warm geworden. Also pack Ich zusätzlich zu den Lebensmitteln noch die ganzen Jacken in den Rucksack, passt grade so.
auch hier finden sich oft Fertighäuser
Zunächst folge Ich noch dem Sentiero Italia. Bis zum Ortsausgang, dann ein Stück auf der Straße bis rechts ein Pfad sanft, dann weniger sanft bergan führt. Hier liegt wieder etwas mehr Schnee, teils schon geschmolzen, so das Ich es an manchen Stellen mit erheblicher Matsche zu tun bekomme.
Irgendwann teilt sich der Weg, nach rechts führt der SI aber links, da gefällt`s mir irgendwie besser, also geh Ich natürlich links. Ist auch richtig schön, auf einer Wiese mit Blick auf die Berge mach Ich eine Pause-jeder Italiener würde vermutlich die Nase rümpfen: Peroni aus der Dose, Rotwein aus dem Karton, Brot mit Schmelzkäse. Und das am Vormittag.
Ich folge verschiedenen Wegen und Pfaden, manche markiert, manche nicht und kaum zu sehen. Ich erreiche eine große Weidefläche, auf der anderen Seite ein kahler grasbewachsener Bergrücken, dahinter müsste der Lago di Campotosto liegen, den würde Ich heute noch gerne zu Gesicht bekommen.
Ich denk mir da oben, das wäre sicher schön zum zelten, aber Ich hab kein Wasser mehr. Zu meiner linken sehe Ich eine Berghütte auf meiner Karte, sogar mit Quelle. Aber irgendwie hab Ich keine Lust da hin zu gehen.
So mach Ich mich ohne Wasser unbedarft optimistisch daran die Ebene zu durchqueren und such mir meinen Weg zwischen Bäumen und Sträuchern den Hang hinauf. Und was soll Ich sagen, irgendwann hör Ich`s leise plätschern und finde einen unscheinbaren Wasserlauf, es ist Schmelzwasser was aus einem Schneefeld läuft. Was hab Ich ein Glück. Oder Vertrauen auf`s Glück haben.
hier links würde es zum Rifugio Le Serre gehen
Blick zurück
Als Ich den flachen und breiten, mit hohem Gras bewachsenen Kamm erreiche ist es bereits Nachmittag. Und hier gefällt es mir richtig gut. Wie erwartet kann Ich den See, den Lago di Campotosto im Süden sehen, im Osten wunderbare Berge die im Laufe des anbrechenden Abends immer wieder von den tiefhängenden Wolken freigegeben werden im im goldenen Licht der Abendsonne leuchten.
Zeltplatz 11
im hintergrund der Lago di Campotosto
So gut es mir hier gefällt, die Zeltplatzsuche gestaltet sich als etwas zäh, das Gras buckelig durchsetzt mit unzähligen Kuhfladen die sich fast symetrisch in kurzen regelmäßigen Abständen über die Wiese verteilen.
Blick direkt auf den See
Habs aber nach einigem auskundschaften doch noch hinbekommen einen "unbeflekten" Platz zu finden, gutes Augenmaß und präzises arbeiten war allerdings erforderlich um das Zelt zwischen den "Haufen" unterzubringen. Mit dem Ergebnis bin Ich`s zufrieden.
