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  1. Gerne im Forum

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    [IT] Altopiano di Gardetta (Alta Val Maira) und Rocca la Meja

    #1
    Mitreisende: donjohannes


    Wer nicht lesen will: https://www.youtube.com/watch?v=_HG3t9eIbos

    Vorgeschichte:
    Im Sommer 2010 habe ich meinen Urlaub das erste Mal in den Westalpen verbracht. Meinen alten Renault Megane habe ich umgerüstet (Holzplatte mit Matrazze statt Rückbank und Beifahrersitz) und so bin ich von einem Tal ins andere um überall 2-3 Tage durch die Landschaft gelaufen (nicht immer dort wo ich wollte - dank dem fürchterlich veralteten Kartenmaterial). Während einer Tour durch das Val Maira meinte jemand, ich solle unbedingt zur Rocca la Meja. Also bin ich nach meiner Rückkehr ins Val Grana (San Magno) die enge Strasse weiter hoch bis zum Einstieg in die Hochebene der Gardetta. Die Meja war eine traumhafte Erscheinung im Morgenlicht, doch uneinnehmbar schien ihr Gipfel (von Osten kommend). Und weil ich wenig später tatsächlich einem Zustieg zu einer Kletterroute auf den Leim ging war irgendwann vor einer Felswand für mich Schluss.

    Oktober 2017
    Nachdem ich nun einen guten Teil des Jahres im Piemont verbringe, wanderten die Gedanken unlängst zurück zur herrlichen Landschaft rund um die Meja. Eine Internetrechereche ergab schnell, dass es einen T4 Weg mit 2 versicherten Kletterstellen gibt, und man Seil und Seilschaft zuhause lassen kann. Und das Wetter war seit (zu langen) Ewigkeiten warm und trocken. Worauf warten?

    13. Oktober
    Ankunft am Colle Valcavera (2416m) mit dem Auto um 15.30h. Das ist nicht sonderlich früh für eine Wanderung im Herbst (Sonnenuntergang ca 18:45h) , aber ich hatte keine Monstertour vor mir. Im Grund war ich nur schon am Vorabend angereist, um nicht in den grauen Morgenstunden den Weg antreten zu müssen. Und auf diese Weise konnte ich doch noch ein bisschen mehr als nur die Meja erkunden.
    Tagesziel: irgendwo an anderen Ende der Hochebene nahe dem Rifugio Gardetta. Gemütlich. Im Grunde ging es 12 km ohne signifikante Höhenmeter einfach entlang der südlichen Flanke des Hochtals vorbei an den für den Grenzraum (I-FR) obligaten Militärruinen. Auch der erste Gipfel der Tour war nicht viel mehr als ein Balkon entlang des Weges. Das wechselnde Licht des Abends zauberte Farben an das Dolomitgestein und eine gute Stunde war ich mit Filmen und Fotos beschäftigt. Die Sonne stand bereits tief, als ich das (geschlossene) Rifugio erreicht und mit dem Aufstieg zum Passo della Gardetta begann. Dort angekommen wandte ich mich nach Norden um auf dem Sattel (La Piastra) zwischen Bric Cassin und Monte Cassorso mein Lager zwischen verblühenden Edelweiss aufzuschlagen. Den erstgenannten Gipfel (2635) erreichte ich im letzten Licht der Dämmerung nach dem Zeltaufbau. Es folgte eine mondlose, kalte Sternennacht in wundersamer windloser Stille.

    14. Oktober
    Die Nächte im Herbst sind lange. Spät steigt die Sonne in den Himmel. Hätte ich die Stirnlampe nicht daheim vergessen, dann wäre ich früher zum ersten Tagesgipfel (2776) aufgebrochen. So wartete ich auf die Dämmerung. Der Monte Cassorso bietet eine schöne Aussicht, die ich allerdings nur kurz genoss. Es drängte mich, den Berg in Angriff zu nehmen, für den ich angereist war. So kehrte ich zu meinem Zelt zurück, packte die Sachen und wanderte zurück zum Rifugio um nun auf der Nordseite des Hochtals (über den Col del Preit) zum Fuss der Meja zu marschieren. Es war Samstag und damit auch andere Wanderer unterwegs. Beim Einstieg zur Meja folgte ich 2 Italienern und landete glatt wieder am falschen Weg (wie 2010), aber diesmal fand ich den verpassten Aufstiegspunkt (40 Meter weiter östlich). Der Weg von dort war als T4 mit 2x kurz II nicht so schwer, wie es der Berg gerade von Osten her vermuten lassen würde. Der Fels war trocken (kein Wunder) und griffig. Das letzte Stück geht durch einen Canello, wo mancher an geschäftigen Tagen zum Helm greift, aber technische Ausrüstung ist eigentlich nur auf den zahlreichen Kletterrouten erforderlich. Und so stand ich nach einer knappen Stunde Aufstieg (vom Fuss des Geröllfeldes) neben dem Gipfel und ließ den Blick in alle Richtungen schweifen. Was für ein herrlicher Tag mit der ruhigen Farbpalette des späten Herbsts.
    Nach dem problemlosen Abstieg ging es zurück zum Auto. 24 Stunden waren verstrichen.
    Die Rückfahrt über Marmora ins Val Maira hat mein Auto nicht in bester Erinnerung. Auf dem schmalen Band Asphalt will zügig gefahren werden, wenn es die Sicht zulässt, damit man dem Gegenverkehr zwischen den Ausweichstellen gering halten kann. Eine unerwartete Senke in der Strasse sorgte dabei plötzlich für Bodenkontakt der unschönen Art. Es folgte ein metallisches Klappern, dass ich auch bei einem kurzen Boxenstopp nicht lokalisieren konnte. Irgendwann hörte es auf. Seitdem gilt: Aus den Ohren, aus dem Sinn.

    Fazit: Tolles Wandergebiet, das bei einem Besuch der Südalpen nicht ausgelassen werden sollte!

    Den Reisebericht gibt es wie immer auch in einer farbigen, bewegten Fassung:
    https://www.youtube.com/watch?v=_HG3t9eIbos

  2. Fuchs
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    AW: [IT] Altopiano di Gardetta (Alta Val Maira) und Rocca la Meja

    #2
    Es gibt Leute, die können nicht nur in wunderschönen Gebieten wandern, sondern auch exzellente Filme davon machen. Respekt!

  3. Fuchs

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    AW: [IT] Altopiano di Gardetta (Alta Val Maira) und Rocca la Meja

    #3
    Wow, diesen Bericht aus meiner Lieblingsgegend hatte ich übersehen.

    Danke!

  4. Gerne im Forum

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    AW: [IT] Altopiano di Gardetta (Alta Val Maira) und Rocca la Meja

    #4
    Oh, da bin ich aber froh das der Bericht nochmal nach oben gespült worden ist, denn das Video ist wirklich schön! Vielen Dank fürs Zeigen!

  5. Gerne im Forum

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    AW: [IT] Altopiano di Gardetta (Alta Val Maira) und Rocca la Meja

    #5
    Ein sehr schön geschriebener Bericht - und ein noch schönerer Film! Vor allem in diesen grauen Dezembertagen.
    Danke!

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