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  1. [SE] Unterwegs auf dem Höga Kustenleden

    #1
    Mitreisende: bogus
    Unterwegs auf dem Höga Kustenleden


    Zeitraum: 18.08 – 29.08.2017
    Land: Schweden
    Region: Västernorrlands län
    Reisende: Bogus, Helmut und Stephan

    Route:

    Der Höga kustenleden ist ein 127 km langer Wanderweg im Weltnaturerbe-Gebiet Höga Kusten im Bereich zwischen Hornöberget in der Mündung des Ångermanälven und Varvsberget in Örnsköldsvik




    1. Prolog

    Ich habe hier im Forum schon einige tolle Reiseberichte gelesen und konnte mich anhand der Erzählungen gut in die Reisen hinein versetzen und ein Stück „mitreisen“. Zum Wanderweg an der Hohen Küste gibt es jedoch relativ wenig im Netz. Hier im Forum gerade mal einen Bericht und auch sonst muss man Infos in mühseliger Kleinarbeit aus Blogs und Fotos einzeln zusammentragen. Um diesen schönen Track anderen Wanderern etwas schmackhaft zu machen und die Informationssuche zu erleichtern, habe ich nun den Entschluss gefasst selber unsere Erlebnisse in Wort und Bild festzuhalten und so ein Paar Eindrücke der Reise mit euch zu teilen.

    2. Planung

    Ich kann nicht mehr genau sagen wann es war, als Helmut und ich das erste mal das Bild von der Tärnävettnen Stuga am gleichnamigen See auf Hochglanzpapier in der Outdoor sahen, aber ich kann sagen das es damals um uns geschehen war. Beiden war sofort klar.... da müssen wir hin!



    Doch wie sagen wir es den Frauen, 12 Tage Urlaub alleine, während die liebsten zu hause sitzen. So zogen Tage, Wochen und Monate ins Land....in der Zwischenzeit stellte sich heraus das Helmut sein Schwager, als gebürtiger Schweizer das Wandern quasi in den Genen, ebenfalls den Bericht gelesen hatte und darauf brannte mitzureisen. So waren wir also zu dritt und die Planung konnte beginnen.
    Ein ¾ Jahr vorher setzten wir uns zusammen und buchten drei Flüge Hamburg – Stockholm mit Eurowings für günstige 115€ /Person... hin und zurück (zeitlich so gelegt das wir außerhalb der deutschen sowie schwedischen Ferienzeiten aufbrechen und auf möglichst wenig mitreisende unterwegs treffen, was im Nachhinein auch gut funktioniert hat)
    Das ging schnell und günstig, also gab es von nun an kein zurück mehr. In weiteren treffen wurde es dann konkreter. Die Anreise nach HH sollte mit Flixbus erfolgen. Von STO geht es weiter mit der SJ-Bahn über Sundsvall, Härnösand nach Örnsköldsvik, unserem Startpunkt. Die Reiserichtung sollte auf Grund der besseren Anbindung für die Rückreise, von Nord nach Süd erfolgen. Genau entgegen der ursprünglichen Route, jedoch keineswegs schlechter zu reisen.


    0. Zu Hause – Örnsköldsvik
    Wetter: Niesel - Dauerregen

    Freitag, der 18.08.2017. Wie lange haben wir auf diesen Tag gewartet.... was wird alles auf uns zu kommen? Wird es so schön wie erwartet? Wird das Wetter mitspielen? Läuft alles nach Plan? Fragen über Fragen reißen mich schon früh am Morgen aus dem Schlaf. Der Blick auf den Wecker verrät, dass es noch bis 20h zu warten gilt. Der Tag wird mit letzten Besorgungen, Rucksack ein- und auspacken, kontrollieren und das ganze wieder von vorne verbracht. Eine letzte warme Mahlzeit vom Cerankochfeld und plötzlich hupt das Auto vor der Tür. Helmut hat Stephan schon von zu hause abgeholt...und nun bin ich an der Reihe. Die erste Fahrt führt gerade einmal 3 km zu Helmut`s Heim, wo es erst mal ein Bierchen zur Beruhigung gibt, abermals alles Kontrolliert wird und uns im Anschluss seine Freundin nach Hannover zum ZOB fährt. Der Flixbus startet 22h ab ZOB, also 21h Aufbruch. Nach kurzer Wartezeit klingelt das Telefon.... push Nachricht. Flixbus verspätet sich um ca. 30min! Das geht ja gut los. Da hätten wir auch mit der Bahn fahren können;)
    Also gut, die 30min schaffen wir auch noch.... aus 30 wurden 60, und aus 60 wurden 75min. Der Bus zwischenzeitlich schon von der Anzeige verschwunden, fuhr dann doch noch ein und wir konnten gg. 23:15h Richtung HH starten. Die Fahrt verlief dann problemlos. In HH angekommen galt es noch die Nacht zu vertrödeln. Da am Bhf und Umgebung nicht viel los ist ging es mit der Tram Richtung St. Pauli. Hier ist man im feinsten Fjällräven Zwirn und mit schweren Wanderstiefeln irgendwie fehl am Platz. Also nach zwei Bierchen auf zum Flughafen. Die S1 fährt alle 20min vom Bhf zum Flughafen. Da ging dann alles ganz schnell. Die Rucksäcke wurden ordentlich mit Folie eingetüddelt und aufgegeben. Die Größe der Trekkingrucksäcke gilt als Sperrgut und muss zu einem gesonderten Schalter gleich gegenüber. Als wir endlich im Flieger sitzen und die Landebahn verlassen haben dauert es auch nicht lange und die lange Nacht zwingt uns innerhalb kürzester Zeit in den Schlaf. Als wir wieder wach werden reicht es gerade noch für dieses ekelige Brot was es im Flieger gibt und eine Tasse Kaffee. Schon setzen wir zur Landung an. Stockholm empfängt uns mit einem ordentlichen Landregen.
    Da wir noch 2 Stunden Zeit haben bis die Bahn fährt packen wir unsere Rucksäcke wieder „um“ und genießen ein schönes Burgerfrühstück bei Mc Donalds am Flughafen. Die Centralstation ist direkt unten im Flughafen untergebracht und in kürzester Zeit erreichbar.
    Anders als in Deutschland fährt auf die Minute pünktlich um 10:41h der Zug ein und es geht auf Richtung Sundsvall.



    Dort haben wir 25 min Aufenthalt, welchen wir prompt dazu nutzen, im strömenden Regen zur Q8 Tankstelle zu laufen und eine Flasche Rödsprit für unseren Trangia zu kaufen. Danach geht es weiter nach Örnsköldsvik welches wir, ebenfalls pünktlich um 16:30h erreichen... immer noch im Dauerregen. Im Nachhinein war die Anreise, welche fast 19h gedauert hat sehr anstrengend. Ob ich das nochmal so planen würde sei mal dahin gestellt. Ein schneller Einkauf bei Hemköp, etwas Stadteinwärts für das Essen am Abend und unsere Reise auf dem HKL kann beginnen.


    1. Bhf Örnsköldsvik – Hörnsjön (1.5 km)
    Wetter: Dauerregen



    Am Bhf gibt es einen Fahrstuhl, welcher direkt die ersten Meter Treppe mit dem Rucksäcken erspart und uns hoch auf den Weg bringt. Von hier aus ist schon eine tolle Sicht über die Stadt und die ersten Fotos werden geschossen.





    Die Regenjacken werden zugeschnürt, das Raincover übergestülpt und wir folgen dem Schotterweg ca. 1,5 km an den Hörnsjön See, welcher in einem sehr gepflegten Naturreservat liegt. Ein Shelter bietet Schutz vor dem Regen und Platz für Zelte ist auch vorhanden. Wir beschließen heute Nacht hier zu bleiben und den anstrengenden Tag nicht weiter auszureizen. Der Wetterbericht prophezeit Auflockerung gg. 20:00h und tatsächlich hört es nach gut 2h auf zu Regnen und der Himmel klart auf. Wir machen ein Feuer mit dem bereitgestellten Holz aus dem Shelter, Grillen ein paar Würstchen mit Gemüse und bauen im trockenen unsere Zelte auf...sehr gut.





    Es scheint vielversprechend für morgen früh und die gedrückte Stimmung durch den langen Regentag weicht langsam der Vorfreude auf die kommenden Tage.
    Im Schutz der Dämmerung bekommen wir noch Besuch von einem Fuchs, der gar nicht scheu den Mülleimer durchsucht. Er scheint zu wissen was er macht und ist hier wohl Dauergast.





    Zur Vorsicht werden die restlichen Lebensmittel unerreichbar auf dem Dach des Shelters verstaut. Man weiß ja nie. Die nassen Sachen werden zum trocknen aufgehangen und bald verkriechen wir uns auf eine erholsame Nacht in unsere Schlafsäcke.
    Geändert von bogus (14.09.2017 um 06:22 Uhr)

  2. AW: (SE) Unterwegs auf dem Höga Kustenleden

    #2
    2. Hörnsjön – Bodviken (18,8 km)
    Wetter: blauer Himmel und Sonne, kalt




    Im frühen Morgengrauen hören wir aus Helmut seinem Zelt einen „Schrei“. „Der Fuchs hat mir auf den Kopf gehauen“ sagte er. Stephan und ich schmunzelten kurz auf und schliefen wieder ein. Um kurz vor Acht wurde ich erneut wach und da der versprochene Sonnenschein eingetroffen war, pellte ich mich sogleich aus meinem Schlafsack.





    Im Sonnenschein sieht die ganze Umgebung um ein vielfaches schöner aus. Bunter, lebendiger und es macht Lust auf mehr... mehr Wandern, mehr Schweden und mehr Urlaub. Die Freude auf das was kommen würde war groß.
    Als ich unser Lager auf Vollständigkeit inspiziere fällt mir auf, das mein Hut, den ich gestern zum trocknen in die Hütte gelegt hatte nicht mehr da war. Hä?? Wie kann das sein? Da fiel es mir ein. Ein Hut aus Hasenfilz, getränkt vom salzigen Schweiß meiner Touren... der Fuchs hat ihn geklaut. In diesem Augenblick kriecht Helmut aus seinem Zelt und bemerkt sofort das eine Abspannleine seines Zeltes nicht mehr da ist wo sie hingehört... abgekaut und durchgebissen von (wahrscheinlich) unserem Freund dem Fuchs. Plötzlich war der kleine Kerl nicht mehr so lustig wie gestern Abend und wir hoffen, dass er uns nicht die ganze Reise verfolgt. Nach etwas suchen fand ich meinen Hut 50m abseits des Camps. Angebissen und seines ledernen Hutbandes entledigt. Und das am ersten Tag.



    Wir trocknen noch ein paar Sachen, frühstücken und packen zusammen. Gegen halb 10 brechen wir bei bestem Wetter auf. Der Wind hat etwas zugenommen aber zum Wandern ist es optimal. Wir gehen ein kleines Stück, zum eigentlichen Startpunkt des Tracks zurück um uns noch einmal Ö-vik bei besserem Wetter anzusehen und ein „Startfoto“ zu schießen.





    Danach geht es auf zur ersten kleinen Hütte an einem schönen See, dem Smätjärnarna. Der Weg ist anfangs sehr gut für Jogger präpariert was sich aber außerhalb von Svedje schnell ändert.



    Plötzlich tauchen aus dem Nichts Geröllfelder mit fußballgroßen Steinen auf. Schön anzusehen aber anspruchsvoll zu begehen. Diese Felder werden uns noch die ganze Reise begleiten und immer mal wieder den Weg kreuzen. (Später erfahren wir das diese nach dem abtauen des kilometerdicken Gletschers zurückgeblieben sind)



    Nach gut 2h erreichen wir die kleine Hütte. Direkt am See gelegen, ausgestattet mit den in Schweden üblichen Klos, Feuerholz und Grillstelle. Beim öffnen der Hütte müssen wir allerdings feststellen das diese nur für zwei Personen Betten bietet und auch drum herum kein geeigneter Platz für ein Zelt vorhanden ist. Also bleibt es bei einer kleinen Mittagspause und wir setzen unsere Reise fort.







    Über ein paar bewachsene Wirtschaftswege gelangen wir auf ein kleines Stückchen Bundesstraße welche kurz danach bei Utbysundet in eine Schotterpiste übergeht. Diese führt uns bis Sandlagan, wo wir im Vorfeld ein Shelter in den Schären der Ostseeküste ausgemacht haben. Bei unserer Ankunft müssen wir leider feststellen dass ein eisiger Wind direkt auf dem Lagerplatz liegt.





    Da die Bodviken Stuga nur 2km entfernt, in einer windgeschützten Bucht liegt, beschließen wir noch einmal aufzusatteln und unser Glück dort zu versuchen. Kurz hinter Sandlagan betritt man das Balesudden Naturreservat. Ein geschützter Bereich wo auf mehreren Infotafel nützliches über Tier- und Pflanzen sowie zur Entstehung der Landschaft findet. Es ist auch gleich zu erkennen das hier die Natur sich selbst überlassen - und die Säge höchstens zum freihalten der Wege benutzt wird. Schön !!
    An der Stuga angekommen bemerken wir ein kleines Kuppelzelt. Hoffentlich ist nun nicht alles besetzt. Aber beim öffnen der Tür scheint alles leer. Auch das Zelt ist nicht „bewohnt“. Nun gut, soll uns recht sein. Im inneren der Hütte gibt es Tisch und Bänke, eine kleine Küchenzeile, einen Holzofen und 4 Etagenbetten welche im Notfall für 8 Leute reichen sollen. Wenn vier davon Hobbits sind mag es vielleicht gehen☺









    Wir bereiten was leckeres zu essen, reinigen unsere verschwitzten Körper in der glasklaren aber kalten Ostsee und beenden den Tag mit einer Partie Kniffel.
    Pünktlich zur Dämmerung geht es ins Bett.
    Geändert von bogus (13.09.2017 um 19:18 Uhr)

  3. AW: (SE) Unterwegs auf dem Höga Kustenleden

    #3
    Hej toll! Freue mich auf mehr!

    Danke auch für den Übersichtsplan!

  4. AW: (SE) Unterwegs auf dem Höga Kustenleden

    #4
    3. Bodviken – Köpmanholmen (14km)
    Wetter: morgens sonnig, später am Tage bedeckt




    Nachtrag: Am Abend klärte sich noch der Hintergrund des einsamen Kuppelzeltes. Zwei Studentinnen aus Münster haben es aufgebaut und erst mal ihre Sachen dort untergebracht. Dann haben sie ohne Gepäck noch die kleine Extrarunde über den Balesudden gedreht, welche uns auch gleich für den morgigen Tag nahegelegt wird... „sehr zu empfehlen“ waren ihre Worte.


    Am Morgen werde ich von Sonnenstrahlen, welche durch das kleine Fenster der Stuga auf mein Kopfkissen scheinen geweckt. Um die beiden Langschläfer nicht mit dem dauerndem Knartschen meiner TaR zu wecken, klettere ich aus meinem Hochbett. Beim ersten Bodenkontakt wollen meine Beine am liebsten in sich zusammen fallen. Fast 20km am zweiten Tag waren evtl. doch etwas viel. Der olle Körper fühlt sich komisch an, was sich allerdings nach einer halben Stunde fischen in der warmen Sonne wieder bessert...leider ohne Erfolg.



    Als Helmut und Stephan wach sind gibt es Müsli mit Vollmilchpulver und Kaffee. Die Lebensgeister sind aktiviert und es kann losgehen. Heute geht es über den Balesudden nach Köpmanholmen.... gesagt – getan!

    Nach ca. 1,5km erreichen wir einen kleinen Strandabschnitt mit Sitzgelegenheiten und einer Feuerstelle. Links geht es auf der „blauen Route“ zum Balesudden, rechts weiter auf dem HKL. Wir schlagen die blaue Route ein und nach einem wurzeligen Anstieg stehen wir vor dem glasklaren Wasser des Balestjärnen. Wie in einem riesengroßen Aquarium kann man auch in 5m Tiefe noch auf den Grund schauen. Wir füllen erst mal unsere Wasservorräte auf, da am Bodviken nur ein kleines Rinnsal, ca. 10 Gehminuten entfernt vorhanden war. Da es ein stehendes Gewässer ist nutzen wir trotzdem den Wasserfilter, man weiß ja nie.



    Danach verstauen wir die Rucksäcke hinter einem umgefallen Baumstamm und brechen auf. Die ersten Schritte ohne Rucksack fühlen sich wie fliegen an und Federleicht macht es gleich doppelt so viel Spaß.



    Auf dem Weg hinauf lichten sich allmählich die Bäume sowie das überall vorhandene Heidekraut und blanker, roter Fels kommt zum Vorschein.



    So, oder so ähnlich wird es auf dem Mars wohl auch aussehen☺ Hinter jeder Kuppe erschließt sich eine weitere, und wir sind wirklich froh das Gepäck zurückgelassen zu haben.



    An der Spitze angekommen bekommt man erst einmal ein Gefühl dafür, wie hoch sich hier die Felsen aus dem Meer erhoben haben (ca 120m.ü.n.N) und was für ein Massiv der Balesudden eigentlich ist.





    Auch sieht man hier zum ersten Mal die vielen kleine Inseln und Buchten für welche die Hohe Küste bekannt ist.



    Dieser Umweg ist es wirklich wert und nur für jeden zu empfehlen. Nach einer ausgiebigen Fotosession, bei der wir leider mit grellem Gegenlicht zu kämpfen hatten, geht es wieder zurück zum See.



    Die Rucksäcke geschnappt wollen wir nun mal ein paar Meter machen. Allerdings sieht es der Track etwas anders und stellt sich uns mit übel verwurzelten Wegen und steilen Anstiegen entgegen.



    Na gut, dann eben alles etwas langsamer... gut Ding will Weile haben. Etwa auf der hälfte der Etappe erreichen wir ein Shelter bei Halviken, wo wir gerade passend zu einem kleinem Regenschauer und bei herrlichem Blick über Köpmanholmen eine Rast einlegen.



    Als der Schauer vorbei ist gehen wir weiter und verlassen kurz darauf das Naturreservat Balesudden. Von da an geht es auf einer festgefahrenen Schotterstraße weiter Richtung Köpmanholmen. Am Ostseeufer von Nässjöbäcken gibt es ein Strandbad mit Lagerplatz und Zeltmöglichkeit. Aber auf der Karte ist im Ort ein Coop Laden verzeichnet, und der Wunsch nach kaltem Bier und einer Wurst treibt uns unermüdlich weiter. Über eine hohe Brücke reisen wir in Köpmanholmen ein und erblicken sofort den Gästehafen unterhalb. Ein kleines unscheinbares Schild am Wegesrand weist auf eine weitere Stuga hin die wir uns erst einmal ansehen wollen. Für die Nacht sind Regenschauer angesagt und da schläft es sich „drinnen“ einfach angenehmer. Zu unserem Glück ist die Hütte frei und noch dazu relativ neu möbliert.



    Wasser gibt es an den Stegen für die Boote und ein sauberes Klo ist auch vorhanden.... nur Strom und warme Dusche würden extra kosten. Aber so viel Luxus benötigen wir auch nicht. Beim Blick auf den Hafen fällt mir nur eins ein: „Barschrevier“ lasse ich verlauten, was sich später noch als richtig erweisen sollte.





    Wir machen uns erst mal im Haus breit, nehmen ein Bad etwas abseits im Hafenbecken und gehen im Anschluss zum Coop Markt. Zu Essen gibt es heute Nudeln mit gebratenen Würstchen und Pesto. Für die trockenen Kehlen ein zwei kalte Biere... lecker.



    Am Abend packen wir die Angelrute aus und wollen Jagt auf die Räuber des Hafen`s machen. Beim ersten Wurf gibt es nach wenigen Umdrehungen des Rollenbügels ein „TOCK“ in der Rute und der erste Barsch steigt ein.



    Quasi auf Ansage. Nach kurzer Überredung greift auch Stephan das erste Mal in seinem Leben zur Angel. Er tut es den langjährigen Sportfischern gleich und landet nach einem Wurf seinen ersten Fisch. Der Sportfischerschein kann kommen;)



    Zum Ausklang des Tages entzünden wir noch eine kleines Lagerfeuer mit dem furztrockenen Holz der Hütte, trinken unser letztes Bierchen und gehen dann selig in unsere Betten.



    Morgen steht der Skuleskogen Nationalpark auf dem Programm... wir sind gespannt.
    Geändert von bogus (14.09.2017 um 20:39 Uhr)

  5. Erfahren

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    AW: (SE) Unterwegs auf dem Höga Kustenleden

    #5
    Ein wirklich sehr unterhaltsamer Bericht über eine Ecke, die ich gar nicht kenne, sehr schön.
    Die Story mit dem Hut ist ja echt klasse.
    Viele Grüße
    Horst

  6. AW: [SE] Unterwegs auf dem Höga Kustenleden

    #6
    Muss eine tolle Tour gewesen sein. War dieses Jahr auch für eine Tagestour im Nationalpark Skuleskogen und schwer beeindruckt. Nicht nur von der Landschaft, sondern auch von der Qualität und Ausstattung der Hütten.
    Ein Abenteur ist es nur, wenn es schief geht.

  7. AW: [SE] Unterwegs auf dem Höga Kustenleden

    #7
    4. Köpmanholmen – Tärnättvattnen / Skuleskogen NP (10,7km)
    Wetter: Sonnig, später bewölkt und kalt



    Mal wieder reißt mich das erste Tageslicht aus dem Schlaf und ein baldiges Erwachen meiner Mitreisenden, ist auf Grund ihrer „Schlafgeräusche“ nicht zu erwarten. Werde wohl mal meinen Arbeitgeber auf meine innere, verstellte Uhr ansprechen müssen und meine Arbeitszeiten in die Nachmittagsstunden verlegen lassen. So geht es ja nicht weiter...
    Also gibt es eine kurze Wäsche und ich mache mich aus dem Staub.... Heute morgen inklusive Daunenjacke, denn es ist noch eisig kalt draußen. Mein Ziel ist das Hafenbecken. Gestern gab es zwar einige Barsche, aber an der 25g Rute würde ein Hecht noch mehr Rabatz machen. Beim gestrigen Baden ist mir ein Seerosenfeld, etwas abseits des Hafens aufgefallen, da werde ich den Spinner mal zu Wasser lassen. Und richtig, nach kurzer Zeit steigt Meister Esox ein. Gute 50cm wird er haben, kein Riese, aber an der kleinen Rute macht es Laune. Mit der Größe fällt er allerdings unter das Schonmaß und darf wieder schwimmen. Beim zweiten Wurf in die gleiche Richtung bleibe ich hängen und darf anschließend ohne Hose ins seichte Wasser waten und den Köder befreien. Dies gelingt mir ohne Probleme, jedoch ist danach ist ein Handtuch fällig... ebenso warme Schuhe. Ich gehe zurück zur Hütte wo die beiden sich gerade frisch machen. Wir beschließen schnell die Sachen zu packen und uns auf zum Laden zu begeben. Dort wartet ein leckeres Frühstück als alternative zum Milchpulvermüsli. Wir kaufen auf Grund mangelnder frischer Brötchen ein Leib Brot, Salami, Frischkäse, Kakao und Zutaten für das Abendessen. Gegessen wird direkt auf den Bänken vor dem Laden. Wenn die hier schon stehen können wir sie auch nutzen. Frisch gestärkt geht es eine gute Stunde später auf der wenig attraktiven Bundesstraße 844 Richtung Skuleskogen. Auf dieser Straße begegnen wir sogar mal anderen Rucksackreisenden.... vier an der Zahl. Es bleibt aber bei einem kurzen „hey hey“ im vorbeigehen.
    Nach drei Kilometern verlassen wir endlich den Asphalt, um dann weitere drei Kilometer auf festem Schotter gehen zu dürfen... zur Abwechslung aber nun mit etwas Steigung. Dann endlich der langersehnte „Entry Nord“ zum sagenumwobenen, oft empfohlenen, schönsten Teil des Tracks. Wir werden es sehen.



    Von hier aus geht es auf Kiefernadel bedeckten Wegen, zu einer kleinen seichten Bucht an die Ostsee. Wir sind in Salsviksholmen und machen erst mal eine kleine Rast.



    Nach einer kleinen Kneipp Kur schlüpfen wir wieder in die schweren Wanderstiefel und brechen auf zum Tärnättvattnen. Kurze Zeit später gibt es einen Wegweiser der auf einen steilen, wurzligen Weg zeigt. Dort müssen wir also hinauf.



    Mit zunehmenden Metern dringt langsam aber sicher die erste Schweißperle unter der Hutkrempe durch, als sich wie geschaffen für ein paar Fotos, ein Wasserfall den Hang hinunter schlängelt. Kurze Zeit zum verschnaufen.



    Nach weiteren Metern auf den bekannten, fußballgroßen Felsen wird der Boden langsam weich und matschig, und wir gelangen zu einer grünen, sumpfigen „Hochebene“ wie im Bilderbuch.







    Von da an leiten uns Holzplanken durch die Landschaft... immer weiter Richtung Ziel... unserer anfangs besagten Stuga von den Hochglanzseiten.
    Kurz vorm Ziel wechselt der Weg nochmal in ein Geröllfeld auf dem ich mich kurz versehe und das Gleichgewicht verliere. Zack !!! Sind die sündhaft teuren Wanderstöcke in zwei gebrochen.... jedenfalls der linke. Da die Umgebung zu schön ist um sich aufzuregen und mir selber nichts passiert ist, klappe ich die Überbleibsel zusammen, schnaufe einmal durch und weiter geht’s. Kurze Zeit später stehen wir wieder vor einem Wegweiser der uns zur Hütte führt.





    (Hier nochmal die von -petetheneed- angesprochene Innenausstattung)



    Von der kleinen Bank aus sehen wir rechts am Ufer des See`s eine „Hügelkette“ und vermuten dort die imposante Schlucht Slättdalsskrevan.



    Es ist noch früh am Tag und nachdem wir uns entschieden haben hier zu bleiben, verstauen wir die Rucksäcke in der Hütte und brechen erneut auf. Die Schlucht liegt ebenfalls genau auf dem HKL und somit folgen wir ein kurzes Stück der orangenen Markierung. Nach ca 900m über glatten Fels und lichten Wald verschlägt es uns das erste Mal den Atem. Der Ausblick ist überwältigend und dem nicht genug, kommt auch noch die Sonne raus.



    Etliche Fotos später geht es weiter und auf einmal stehen wir inmitten zweier steil aufragenden Felswänden. Die Bilder im Internet und selbst die nachfolgenden können diese Kulisse einfach nicht wiedergeben. Man sollte es gesehen haben.
    Die Tatsache das wir relativ spät in der Saison reisen ermöglicht es uns auch die Schlucht komplett ohne Menschen abzulichten. Wir sind uns einig das dass zu anderen Zeiten wahrscheinlich nicht möglich ist.





    Doch damit nicht genug. Oben, sozusagen auf der Kante geht es noch weiter. Eine zusätzliche blaue Tour macht Hoffnung auf mehr. Und tatsächlich erreicht man nach kurzer Kletterei, die mit 70ltr Rucksack sehr schwer bis unmöglich ist, stehen wir „on Top“ des Hügels. Der ganze NP sowie die Inselwelt der Ostsee ist von hier aus überschaubar. Ebenso der bisherige, sowie der zukünftige Track.







    Die Route geht komplett entlang des Bergrückens und stößt südlich der Schlucht wieder auf den HKL. Von dort aus geht es zurück, erneut durch die Schlucht und ab zur Hütte.





    Oben vor der Treppe begegnen wir einem einsamen, ruhigen Wanderer, ebenfalls mit Rucksack, dem wir aber nicht weiter Beachtung schenken. ...wir werden uns noch wieder sehen.

    Als wir unten am See ankommen haben sich fast alle Tagesbesucher aus dem Staub gemacht. Sehr schön, das wird eine ruhige Nacht. Bevor der Regenschauer, welcher sich am Himmel ankündigt, herein bricht gehen wir uns erst mal baden. Beim abtrocknen prasselt es schon los. Plötzlich gesellt sich der einsame Wanderer zu uns. Als er bemerkt das nur 3 von 4 Betten belegt sind, lädt er sich quasi selber ein bei uns zu nächtigen. Er ist Holländischer Belgier, der nach Schweden ausgewandert ist um hier in der Softwareentwicklung zu arbeiten. Sein Name ist leider unaussprechlich... wir nennen ihn Moby. Auf Grund seines Aussehens mit Glatze und Brille scheint uns das sehr passend.
    Am Abend kochen wir Pfannengemüse mit Würstchen, dazu Couscous. Ach wie schön ist es doch wenn man mit seinem Kocher mehr bereiten kann als Tütennudeln.



    Später gibt es noch das obligatorische Feuerchen und ich versuche meinen Stock mit einer Art Steckverbindung aus Holz zu reparieren.... Trust me, I am an engineer;)




    Geändert von bogus (20.09.2017 um 21:43 Uhr)

  8. AW: [SE] Unterwegs auf dem Höga Kustenleden

    #8
    Klasse! Mehr!
    Irgendwas ist immer ...

  9. AW: [SE] Unterwegs auf dem Höga Kustenleden

    #9
    5. Tärnättvattnen Stuga – Docksta (17,5km)
    Wetter: Sonnig bis heiter



    Pünktlich um 6:30h klingelt Moby`s Wecker. Hektisch fängt er an in seinen Sachen zu kramen, denn wo er es am Abend genau abgelegt hat, weiß er nicht mehr. Alle sind wach, aber niemand bewegt sich. Nach kurzer Zeit kehrt noch einmal Ruhe ein und wir schlafen weiter.
    Eine Stunde später kommt langsam Bewegung in die Sache. Das übliche Ritual mit waschen und Frühstück findet statt und gegen 09:30h sind wir abreisebereit. Moby hat sich derweil schon aus dem Staub gemacht. Er wollte nach Köpmanholmen auf eine Fähre und von da aus weiter Richtung Kungsleden. So genau hat das aber niemand verstanden.

    Die Sonne scheint vom Himmel und bevor wir nach 800m wieder eine Pause, zum ablegen der Sachen einlegen, starten wir lieber gleich im T-Shirt. Bestes Wanderwetter.





    Es geht entlang der blauen Markierung hinunter zum Strand. Wir wollen die anderen Hütten entlang der Küste noch einmal ansehen. Schon während des Abstieges hören wir Motorsense - und Säge. Was geht denn hier ab? Unten am Strand entdecken wir das es hier wohl auch Private Hütten / Grundstücke gibt, und diese gerade gepflegt werden. Nicht sehr nationalpark mäßig☹
    Ein paar Meter weiter kommen wir zur Näskebordana Stuga, welche zwar wunderbar an einem feinen Strandabschnitt gelegen, jedoch überfüllt mit Reisenden ist. Die Hütte war „ausgebucht“, davor standen noch 4 weitere Zelte, es wurde gefrühstückt, abgebaut und die Hütte gereinigt. Ein reges treiben und Gewirr. Nicht das was man am frühen morgen erwartet wenn man gerade „einsam“ inmitten unberührter Natur aufgewacht ist und nicht einen Mucks gehört hat.... schnell ziehen wir weiter. Der Weg führt unmittelbar entlang der Küste mit Blick auf die Ostsee. Ein halbe Stunde später machen wir eine kleine Rast in Kälaviken, bevor es zum Ausgang des NP geht.
    Hier verlassen wir schlagartig die kleinen Wanderpfade und wechseln wieder über auf den altbekannten Schotter. Die Landschaft hat sich schlagartig verändert. Irgendwie gleicht es schon Nutzland für Weide und Vieh und das nur 20min nach dem NP.



    Kurz hinter Käl geht es rechts ab in den Wald. Auf und ab über Stock und Stein kommen wir zu einem kleinen Bach an dem wir kurzerhand unsere Flaschen auffüllen. Wer weiß wie es später aussieht. Auf einmal hören wir in der Ferne Autogeräusche. Die E4 scheint näher zu rücken... schnell hin, schnell weg ist unsere Divise... und schnell muss man auch sein. Der HKL geht 1x quer über die vierspurige Autobahn. In Deutschland unvorstellbar, hier jedoch kein Problem. Der Verkehr ist nicht annähernd vergleichbar mit dem deutschen. Es bleibt sogar noch genug Zeit für ein Foto



    Wir verschwinden wieder im Wald und gelangen über einen Forstweg zum Skuleberget. Das Touristencenter inklusive der Anlage drum herum ist nagelneu, und hier scheint der Hauptspot für Urlauber zu sein. Es gibt Kaffee und Kuchen, eine Kletterschule mit drei möglichen Bahnen am Berg, eine große Grotte mit Ausblick und jede Menge zu erwandern.





    Wir hingegen sind „unten“ geblieben und wollen uns erst einmal das Friluftsbyn auf der anderen Seites des Skulebergets ansehen.
    Auf der Südseite, am Fuße des Berges nehmen wir eine Abkürzung auf gerade neu angelegten Wanderwegen. Hier ist noch nichts festgetreten, nicht mal Kiefernnadeln hatten Zeit sich hier niederzulassen. Einen kräftigen Regenschauer und die Rutschpartie kann beginnen. Zum Glück ist dieser nicht in Sicht.



    Nach einem kleinen Abstieg kommen wir quasi von oben in das Camp. Es sieht sehr gepflegt aus und für 180 Kronen pro Zelt können wir uns einen Platz aussuchen.... inklusive warmer Dusche.
    Des Weiteren gibt es eine kleine Boutique in der Rezeption, einen Minigolfplatz, Küche, Waschraum, Dusche und einen Gemeinschaftsraum, der aussieht wie ein Werbezimmer für IKEA...aber hübsch.
    Wir errichten unsere Schlafplätze vor einer Baumreihe und begeben uns erst einmal zur ersten warmen Dusche des Urlaubs...herrlich.







    Auf Grund des guten Wetters beschließen wir auch gleich mal die vorhandene Waschmaschine zu nutzen und unsere Kleidung durchzuspülen. Es ist bitter nötig.
    Danach bereiten wir unser Abendbrot... es gibt deftige Fladen mit Zwiebeln und Speck. Etwas weiter unten, im Ort Docksta gibt es eine Tankstelle. Das verlangen nach einer kalten Dose Bier wird langsam aber stetig größer. Ich habe jedoch irgendwie mit meinen Kräften zu kämpfen, und so nehmen Stephan und Helmut die Reise zur Tanke alleine auf sich.
    Als ich gerade vom Waschen komme und mich eigentlich in meinen kuscheligen Schlafsack mümmeln wollte, stehen sie auf einmal vor mir. In der Hand golden glänzende, halbe Liter Noorlands Guld. Na gut, Bier hat ja keinen Zucker....! das wird den Zähnen nicht schaden☺
    Und so sitzen wir bis zum Einbruch der Dunkelheit auf den Bänken vorm Platz und unterhalten uns. Der Abend lässt schon vermuten das es eine kalte Nacht wird.



    Gute Nacht



    .
    Geändert von bogus (16.09.2017 um 14:43 Uhr)

  10. AW: [SE] Unterwegs auf dem Höga Kustenleden

    #10
    5. Docksta – Mäjabodarna (12,5km)
    Wetter: Dauerregen, später sonnig



    Wie bereits vermutet war die Nacht kalt, laut Wetterapp im einstelligen Bereich. Für mich persönlich jedoch auch sehr erholsam. Das kann Helmut von sich aus leider nicht behaupten. Sein Nachbar, einen Platz weiter hat die Nacht über den halben Regenwald abgeholzt und ihn um den Schlaf gebracht. Hinzu kamen die tiefen Temperaturen die seine Isomatte an die Grenze des machbaren gebracht haben.... und kälte von unten raubt jedem den Schlaf. Dem entsprechen gerädert kam er aus dem Zelt gekrochen und verschwand nach kurzen Sticheleien gegen schwedische, schnarchende Riesen wortlos unter der warmen Dusche.
    Nach einer schönen Tasse Kaffee in der wärmenden Sonne ging es an den Zeltabbau, Sachen packen, Rucksack schnüren.... das übliche. Heute stehen 15km mit Umweg über den Fäberget an. Da auf den letzten Etappen keine Einkaufsmöglichkeit mehr vorhanden ist, beschließen wir unsere Vorräte im Rucksack zu lassen, und solange die Möglichkeit besteht uns aus den Märkten zu versorgen. Also der erste Stop: ICA Docksta
    Direkt am Ortseingang gibt es eine Preem –Tankstelle, an der wir präventiv erst mal eine neue Flasche Rödsprit kaufen. Ohne Brennstoff für den Trangia will niemand da stehen. 500 Meter weiter erreichen wir den kleinen, aber voll ausgestatteten ICA Markt.
    Zum Frühstück gibt’s Ciabatta Brötchen, frischen Saft und als Belag ne leckere Tapas Platte. Genau das richtige.
    Als wir 10 Minuten später den Laden verlassen hat sich das Wetter komplett gewendet. Die Sonne ist verschwunden und es fängt an zu nieseln. Na toll ! Wir beschließen das Frühstück unter dem Vordach einzunehmen und einen Moment abzuwarten. Aber nichts ändert sich... jdfl nicht zum positiven. Über dem Fjord hängen dicke, dunkle Regenwolken und es gießt mittlerweile wie aus Eimern. Die App sagt Besserung in 5 Stunden.
    Da hier zu warten keine Option ist, ziehen wir unsere Regenklamotten an, Rain Cover über die Rucksäcke und los. Bereits nach 10 Minuten fühle ich im Nacken wie das kalte Regenwasser zwischen meiner Regenjacke und den Rucksack läuft. Der Weg wird zunehmend einsamer, da sich jeder stillschweigend in seiner Kapuze verkrochen hat und in seinen Gedanken vor sich hin Marschiert. Fast Gebetsmühlenartig setzt jeder einen Fuß vor den anderen, angetrieben vom lauten prasseln der Regentropfen auf den Kapuzen. Getoppt wird das ganze nur noch als nach einer kleinen Waldpassage der Weg unmittelbar entlang der E4 verläuft. Jeder LKW entlädt seine Gischt direkt in dein Gesicht... juhu.
    Auch die Alternativroute über den Fäberget fällt aus genannten Gründen aus. Zumal es sowieso bei dieser Sicht keinen Mehrwert gehabt hätte.
    Nach dem Stück an der Autobahn verläuft der HKL wieder rechts ins Gelände. Eine Schotterpiste führt weitere sechs Kilometer zum Etappenziel, der Mäjabodarna.
    Das ist eine Art Siedlung aus Holzhütten gebaut, mitten im Wald, herrlich gelegen an einem See, dem Majasjön.





    Beim „abklappern“ der Türen müssen wir leider feststellen das alle verschlossen sind. Wir ahnen böses. Erst beim letzten Versuch lässt sich eine Tür öffnen. Das Gemeinschaftshaus mit offenem Kamin, Bänken und Tischen meint es gut mit uns. Auch der alte Holzschober nebenan ist Randvoll mit Holzstücken für den Ofen. Es sieht so aus als stammen diese von Renovierungsmaßnahmen im Außenbereich. Einige Bänke und Geländer scheinen erst kürzlich erneuert... allgemein hat es den Anschein als wenn hier zur Saison oder am Mittsommerfest ordentlich die Party steigt. Wir bleiben also hier, entfachen ein Feuer, ziehen unsere Sachen aus und spannen kreuz und quer Wäscheleinen zum trocknen.



    Wir müssen feststellen, dass selbst die besten Regenjacken bei so einem Wetter an ihre Grenzen kommen. Der Regen bleib zwar draußen, aber durch die Körperliche Anstrengung mit Rucksack und Steigung auf dem Weg schmort der Körper im eigenen Saft... wir sind klatschnass.
    Das ist auch der Grund wieso es bei strömenden Regen und kaltem Wind gleich ein Bad im See gibt. Nass ist man sowieso, also wozu 2x aufwärmen?
    Die Zeit danach verbringen wir mit aufwärmen, lesen, warten und stopfen von Erdnüssen.
    Gegen 17h dann endlich die ersehnte Besserung. Genau so schnell wie der Regen gekommen ist hört er wieder auf. Keine 10 Minuten später ist blauer Himmel und die Sonne scheint durch die lichten Bäume in das kleine Dorf. Ein Farb – und Schattenspiel was gleich für ein paar Fotos genutzt wird.













    Als die dicken Wanderstiefel so einigermaßen trocken sind wollen wir noch einmal aufbrechen. 800 Meter weiter auf einem Berg soll es eine schöne Hütte geben die wir gerne inspizieren wollen. Nach 10 Minuten Fußmarsch kommen wir an und staunen nicht schlecht. Wunderbar gelegen mit Blick auf Ullanger, eingerichtet wie eine Wohnung mit Küche, Ofen, Schreibtisch, Sofas sowie Sitzecke.





    Und das Beste ist die große Sonnenterasse mit schöner Sicht auf den weiteren Weg Richtung Süden.



    Da es aber weder Betten noch Feuerholz gibt, verwerfen wir den Plan des Umzuges wieder und machen uns auf den Weg zurück zur Mäjabodarna. Hier können wir sicher sein das morgen wenigstens alles wieder trocken ist.
    Am Abend inspizieren wir noch etwas das Gelände, genießen die Abendsonne und bereiten unser Abendbrot.





    Bald darauf werden die Isomatten aufgeblasen, die Schlafsäcke bereitgelegt und zum knacken der Holzscheite schlummern wir ein.




    Geändert von bogus (20.09.2017 um 18:26 Uhr)

  11. AW: [SE] Unterwegs auf dem Höga Kustenleden

    #11
    Jer chöön!
    Weiter!
    Irgendwas ist immer ...

  12. Fuchs
    Avatar von blauloke
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    AW: [SE] Unterwegs auf dem Höga Kustenleden

    #12
    Mal eine andere Gegend von Schweden. Sehr schön.
    Freue mich auch über die Karten der Wegstrecken, das wird viel zu selten gemacht.
    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

  13. AW: [SE] Unterwegs auf dem Höga Kustenleden

    #13
    Danke Danke, ich gebe mir Mühe. Das mit den Karten ist bei mir kein Problem da ich die Tour im Vorfeld sowieso mit GE geplant habe, wenn man das allerdings erst noch alles erstellen muss.... ist halt alles viel Arbeit. 1 1/2 bis 2h pro Etappe kann man schon rechnen denke ich.
    Nun aber mal weiter....

  14. AW: [SE] Unterwegs auf dem Höga Kustenleden

    #14
    6. Mäjabodarna – Lappuden (20km)
    Wetter: sonnig und kalt, leichte Schleierwolken



    Als mitten in der Nacht ein Schnarchkonzert losbricht, welches auch durch kurze Rufe nicht zu unterbrechen ist, beschließe ich nach draußen zu wandern. Erst unter dem sicheren Vordach der kleinen Freiluftbühne, bemerke ich kurze Zeit später, dass sich die Feuchtigkeit der Luft auf meinem Schlafsack niederlegt. Bei Daunen nicht das optimalste und so verlege ich mein Bett noch einmal in die geschlossene Kabine auf der anderen Seite des Areals. Hier ratze ich durch bis mich wieder einmal die Strahlen der Sonne wecken. Durch den schmalen Türspalt sehe ich draußen schon einen Schlafsack in der Sonne lüften und ich bin heute tatsächlich mal nicht der erste ;)
    Also raus aus den Federn und das übliche Morgenritual. Heute vielleicht mal eine kleine Etappe um auch den Beinen mal etwas Ruhe zu gönnen. Kurz vor 11 brechen wir auf. Als erstes vorbei an der Stuga, die wir gestern noch besucht haben, geht es weiter Richtung Ullanger. Auf dem Weg genießen wir noch ein mal die wunderschöne Aussicht vom Hausberg, kommen vorbei an Holzhäusern, welche in allen üblichen Schwedischen Farben strahlen und gelangen schließlich zum ersten Ziel, dem örtlichen ICA Markt.





    Hier gibt es ein ausgiebiges Frühstück. Super leckere Baguettstange mit Frischkäse, Tapasteller und drei Flaschen Carlsberg... Ist ja auch schon 12.



    Im Anschluss noch eine Packung Tabak von der angrenzenden Tanke und zurück auf den Trail. Der Weg führt hinauf in die Wälder... mit jedem gelaufenen Meter wird der Weg immer kleiner und mit dem Charme eines Trampelpfades erreichen wir die Erikskojan, welche einsam und verlassen auf dem Ringräberget liegt. Im inneren gibt es eine kleine Hütte mit zwei Betten und einem Ofen. Leider viel zu klein für uns und so bleiben wir nur für eine Pause hier vor Ort. Das war es dann mit Mini-Pausen-Etappe.





    Als es weiter geht entdecken wir ein Schild, welches uns das nächste Ziel aufzeigt- „Lappuden Center bei Nordingrä- 10,7km“.... denn mal los. Der Weg führt vorbei an einigen kleinen Seen, welche wie Diamanten in der grellen Sonne glänzen. Leider ohne Möglichkeit sein Zelt aufzuschlagen. So geht es links und rechts vorbei am kühlen Nass, Berg auf und Berg ab, bis wir plötzlich am Rand „Körningsberget“ stehen. Was für ein schöner Ausblick, inklusive Sicht auf unseren heutigen Rastplatz.









    Doch bevor wir dort ankommen besuchen wir ein letztes Mal auf unserer Reise einen Einkaufsmarkt. Noch einmal Schlemmen „wie die Könige“. Die nächsten Tage heißt es dann „leben aus der Tüte“.
    Über eine asphaltierte Straße gehen wir vorbei an der Dorfkirche und gelangen so in die Dorfmitte, mit eben dem angesprochenen ICA, einer Eisdiele sowie Italiener und Cafe`. Wir entscheiden uns für Rührei mit Speck zum Frühstück, Eis auf die Hand und weitere Leckereien in Form von Schoki und Chips. So wird es auf jeden Fall nichts mit Abnehmen auf der Reise, aber deswegen sind wir ja auch nicht hier;)
    Zurück auf selbiger Straße, links ab in einen Feldweg kann man das Lappudden Center schon sehen. Es gibt ein Windshelter, Sanitärhaus, Miethütten, Kanus usw usw. Im Sommer kann man hier bestimmt Allerhand erleben und veranstalten aber heute ist niemand hier. Und so wie es aussieht werden diese Saison auch nicht mehr viele kommen. Für 200 Kronen pro Zelt können wir uns auf dem Gelände einen Platz aussuchen. Wir entscheiden uns, den Bereich um das Shelter zu belegen, mit Sitzgelegenheiten und Windschutz ist es optimal.







    Der Rest ist der übliche Ablauf an einem Lagerplatz, außer das es hier eine Dusche ohne Zeitbegrenzung gibt;) Am Abend sitzen wir bei Bier und Chips zusammen und beratschlagen die verbleibenden Tage. Die nasse Luft bringt auch die Kälte mit und so verziehen wir uns bald in unsere Zelte. Bis morgen...

  15. AW: [SE] Unterwegs auf dem Höga Kustenleden

    #15
    Grattis! Tolle Bilder! Wunderschön!

  16. AW: [SE] Unterwegs auf dem Höga Kustenleden

    #16
    7. Lappudden – Lidebro (17,5 km)
    Wetter: sonnig, frisch und windig



    Die Nacht war wärmer als erwartet. Mittendrin werde ich schweißgebadet wach und muss mein Longsleeve ausziehen, sowie den Schlafsack zur Decke umfunktionieren. Naja, allemal besser als zu kalt.
    Als ich das nächste Mal aufwache scheint bereits wieder die Sonne auf unser Zelt.

    Es wird langsam unheimlich. Die Arbeitskollegen kamen meist mit den Worten: „So ein Mistwetter, den ganzen Urlaub nur geregnet“ wieder zur Arbeit, und wir fahren ins mittlere Skandinavien, um 14 Tage (fast) nur Sonne zu ernten. Jeder so wie er es verdient würde meine Oma sagen;)
    Um meine Wäsche noch vor dem Aufbruch trocken zu bekommen stehe ich auf und hänge die Leine vom trockenen Unterstand in die Sonne. Selbst nach dem Waschen riecht sie immer noch nach dem Kaminofen aus der Mäjabodarna. Ebenso wie unser verrußtes Geschirr. Aber wir haben alles vor Ort, und so sieht es auch das erste mal Spüli auf der Reise. Als ich wieder zum Platz komme sind Marc und Stephan erwacht und wir bereiten zum gesunden Start in der Tag eine ordentliche Pfanne Rührei, mit frischen Zwiebeln und Speck.... für jeden.



    Kurze Zeit später steht fest: Das war zu viel, viel zu viel. Wir sollten hier bleiben und die Plauze in die Sonne halten☺ aber das Wetter ist zu schön zum rumlungern. Gegen halb 12 sind alle Sachen verpackt und es geht los.



    Anfangs, ein kleiner Trampelfpad zwischen Teichen, weicht dieser schnell einer Schotterpiste. Und die will einfach nicht aufhören. Meter für Meter geht es durch Täler und über Berge, von Autos begleitet Richtung Gavik. Unterwegs auf Höhe Mädan haben die Anwohner kleiner Häuschen zu Mini- Museen umgebaut und auf Infotafeln kann man etwas über die Geschichte der Gegend erfahren. Nett gemacht.
    Kurz darauf entdecken wir eine blaue Alternativroute auf den Rödklitten. Enttäuscht vom bisherigen Weg halten wir fest, das die blauen Routen immer sehenswert waren und wir beschließen hinauf zu kraxeln. Die Rucksäcke verstauen wir am Fuße des Berges im Gebüsch. Unterwegs passieren wir eine alte Wehranlage die hier zum Schutz vor Feinden einst errichtet wurde. Übrig sind noch die Reste einer Mauer, welche moosbewachsen zwischen den Bäumen liegen.



    Oben am angekündigten Ausblick sind wir erst einmal sprachlos. Das ist wirklich ein schöner Platz und entschädigt tatsächlich für die letzten Kilometer.





    Wir verweilen hier einige Zeit bevor es wieder bergab geht. Glück gehabt, die Rucksäcke sind noch an Ort und Stelle. Und weiter geht’s. Ein bißchen Sorgen macht uns der Gedanke daran, das es in Gavik keinen richtigen Platz zum nächtigen gibt.



    Nach der wirklich unansehnlichen Tour, bis auf den Rödklitten, wäre zumindest ein schöner Platz drin.
    Wir biegen rechts von der Straße in den Wald und erreichen bald die Ostseeucht Svartsviken. In der wärmenden Sonne machen wir hier halt für einen Snack. Der besteht aus Hauseigenen ICA- Cookies, mit weißer Schokolade und Heidelbeeren. Es sind die besten Cookies die wir je gegessen haben.





    Kurz darauf erreichen wir Gavik, und hier gibt es tatsächlich mal gar nichts. Ein Schild wo der „Etappenübergang“ vermerkt ist, sonst nichts. Keine Feuerstelle, keine Bank, nicht mal einen Zugang zum Meer, wo man eventuell am Strand Zelten könnte. Es ist enttäuschend und degradiert diese Etappe zur bislang schlechtesten auf dem Weg. Und das wird sich auf dem Rest auch nicht mehr ändern. (Wenn jemand aus dem touristischen Bereich der Höga Kusten dies hier lesen sollte... hier ist wirklich Handlungsbedarf!)

    Wir müssen weiter... und kehren auch alsbald auf die alt bekannten Schotterpisten zurück. Wo jetzt eine Wiese sich anbietet, stehen Kühe oder Schafe drauf und auch die Aussicht auf Trinkwasser schwindet. Selbst für den Filter steht kein Bächlein zur Verfügung. Bei dem Örtchen Lidebro geht es rechts ab zur Nipstugan. Aber wir haben weder Wasser, noch wissen wir wie es in der Hütte aussieht. Wenn sie besetzt ist wird es auf dem Berg mit Zelten auch eng. Dafür extra den Aufstieg nach dieser ohnehin schon so langen Etappe? Wir beschließen an einem Haus zu klingeln und nach Wasser und einer Option zu fragen. Als wir die Augen nach potenziellen Familien Ausschau halten werden wir auch schon von einer Frau angesprochen. Sie muss allerdings erst ihren Mann fragen ob wir Wasser bekommen können. Hä? Aber schließlich geht das klar und als Tipp verweist sie auf eine Wiese hinter einer Feldscheune. Na gut, besser als nichts und so bedanken wir uns freundlich und gehen die letzten Meter des Weges hinter das Dorf. Die Wiese ist halbwegs gemäht und trocken... noch.



    .

    Als wir die Zelte errichtet haben, bemerken wir, wie abends die Dämmerung das Gras feucht werden lässt. Das lockt Schnecken sowie allerhand Mücken an. Zu sitzen gibt es nichts außer unseren Raincovern und allgemein war der Tag eher mäßig. Wir bereiten also unsere Tütennahrung, und machen uns dann bald auf ins Bett. Morgen sieht es wieder anders aus. Der Berg ruft und dann geht’s hoch zur Nipstugan.

  17. AW: [SE] Unterwegs auf dem Höga Kustenleden

    #17
    7. Lidebro – Halsviken (13,2 km)
    Wetter: sonnig und windstill



    Gegen halb acht werde ich wach und fühle mich top fit. Kein Wunder bei gut 10h Schlaf. Als ich aus der Apsis schaue steht der Schatten der Bäume bis 3m vor das Zelt. Wunderbar, dann hat die Sonne noch Zeit die Massen an Kondens abzutrocknen. Durch die nasse Wiese und die windstille Nacht ist einiges an Wasser im Zelt angefallen. Später helfe ich noch etwas nach und wische das grobe mit meinem Trekkinghandtuch von innen ab. Der Rest geht so schnell, man kann fast dabei zusehen. Auf Grund der fehlenden Sitzmöglichkeiten und der Viecher im Graß machen wir uns pünktlich um zehn auf zur Hütte. Kurz vor uns haben einige Leute, im alter meiner Großeltern, bereits den Weg erklommen. Von denen ist nichts mehr zu sehen...und es geht nicht gerade zimperlich zur Sache. Hut ab!
    Oben angekommen gibt es mit den letzten Resten Wasser erst mal ein Müsli zur Stärkung.





    Danach noch ein bißchen aalen in der Sonne bevor es die andere Flanke des Berges wieder hinab geht.
    Nach ein paar Metern, an einem kleinen Plateau steht eine Bank zum Rasten. Der Ausblick ist toll und wir schießen Fotos... doch bei genauerem hinsehen entdecken wir rechts oben am Horizont die Türme der Höga Kusten Bron durch die Wälder ragen. Da wurde uns plötzlich klar... es geht dem Ende entgegen ;(
    Den ganzen Weg stellt man sich den Anblick der Brücke vor, ein gigantisches Bauwerk inmitten unberührter Natur. Doch wenn es so weit ist und man die ersten Blicke erhaschen kann, möchte man am liebsten wieder umdrehen.



    Es hilft alles nichts. Der Weg führt uns weiter Richtung Küste. Kurz vor den Fjärdbotten Stugas, einer Ansammlung von Hütten ähnlich der Mäjabodarna, gabelt sich der Weg in zwei. Rechts direkt zu den Stugas und links zum Härsäng Campingplatz. Da ich die Bilder hiervon noch im Kopf habe und das Wetter zum rumliegen einlädt, gehen wir zum Campingplatz.... auch mit der Aussicht auf eine leckere Flasche Bier;)
    Als wir aus dem Wald kommen sehen wir schon die ersten roten Hütten, gelegen an einem schönen Sandstrand inmitten einer langen Bucht.




    Doch trotz des hervorragenden Wetters scheint hier nichts los zu sein. Ein zwei Wohnmobile stehen an der Seite und eine Menge verlassener Wohnwagen. Nicht mal die Rezeption hat auf. So machen wir es uns auf einer Bank gemütlich, Trinken lecker Kaffee und essen ein paar Kekse. Da wir heute auch keinen Zeitdruck haben fällt die Pause gleich etwas länger aus.





    Bevor es wieder los geht füllen wir noch unsere Flaschen in den Sanitärräumen auf... endlich wieder was zu trinken.
    Es geht ca. 3km entlang der 822 was in Ordnung ist. Der Verkehr ist sehr gering und stört hier nicht. Unterwegs kann man von einem Aussichtsplatz die Fjärdbotten Stugas sehen... ebenfalls verlassen.







    Danach geht es wieder links ab auf eine kleine Zubringerstraße zum Strand. Sofort ändert sich das Landschaftsbild und wir fühlen uns zurückversetzt in den Skuleskogen NP. Im Licht der Sonne und mit dem Meer im Hintergrund ist es eine wunderschöne Atmosphäre.





    Der von Steinen übersäte Weg, direkt an der Küste scheint uns für den gestrigen Tag entschädigen zu wollen. Und da es von gestern auch keine tollen Bilder gab, hier der Nachtrag für euch.













    Am Shelter Grönviksfjärden ziehen wir auf Grund Platzmangel vorbei und hoffen noch etwas „besseres“ für den letzten Abend zu finden. Und tatsächlich.... in der Bucht von Halsviken gibt es den perfekten Platz für die letzte Nacht auf diesem Trail. Der Shelter liegt bis unter das Dach voll mit trockenem Holz, dahinter bietet sich Platz für mehrere Zelte und nebenan gibt es sogar einen Bach für Trinkwasser. Was will man mehr?









    Wir entfachen ein schönes Lagerfeuer und springen ein letztes Mal in die eisigen Fluten der Ostsee um uns vom Schweiß des Tages rein zu waschen. Trotz der Kälte werde ich das wohl zu Hause vermissen.
    Zu Essen gibt es heute Trek n´eat Stroganoff mit Reis und Nudeln Zigeuner Art. Es wird als lecker und ausreichend empfunden. Durchaus als Nahrung auf Touren zu empfehlen. Als die Dämmerung herein bricht wird es abseits des Feuers blitzschnell kalt. Gut das unser Holzlager voll ist und wir uns ausreichend wärmen können. Bis 22:00 Uhr sitzen wir am Feuer und erzählen, immer noch begeistert von der heutigen Etappe und vom letzten schönen Platz der Reise. Dann geht es in die Schlafsäcke.




    Geändert von bogus (25.09.2017 um 19:10 Uhr)

  18. AW: [SE] Unterwegs auf dem Höga Kustenleden

    #18
    8. Halsviken – Hornöberget E4 (15.5 km)
    Wetter: sonnig



    Am nächsten Morgen ist es wieder einmal die Sonne die mich früh aus dem Schlaf holt. Es ist der letzte Morgen und den möchte ich bei diesem herrlichen Wetter nicht im Zelt verbringen.... also auf auf. Ich gehe hinunter zum Strand um mich in der Ostsee zu waschen und Zähne zu putzen. Als mir das kalte Wasser den Schlaf aus den Augen spült erinnere ich mich daran, dass es heute Nacht etwas frisch war im Zelt. Scheint also doch kälter gewesen zu sein. Dafür ist es nun umso schöner. Mit dem Fotoapparat in der Hand mache ich mich auf über den Steinstrand zur Spitze der Bucht. Ich möchte den Blick „vom Wasser“ aus festhalten.



    Zurück im Camp bereite ich mir eine leckere Tasse Kaffee und setze mich damit auf eine kleine Bank am Wasser. Die Sonne scheint mir ins Gesicht, der Kaffee schmeckt gut und ich aktualisiere etwas das Tagebuch.... Zeit ist ja genug. Was die letzten 15 km heute wohl bringen werden??
    Kurze Zeit später macht sich leben breit im Camp und wir fangen langsam an die Sachen zu packen. Am nahegelegenen Bach werden noch einmal die Wasservorräte aufgestockt und dann brechen wir um 11 Uhr Richtung Valkallen auf.





    Der Weg führt immer entlang des Tal`s bis nach ca 15min der Wegweiser mit der blauen „Detour“ kommt. Unsere Rucksäcke behalten wir heute auf, da man hier nicht her zurückkehren muss, sondern der Weg wieder in den HKL über geht. Der Anstieg gestaltet sich anstrengender als Gedacht. Mit beachtlicher Steigung geht es voran. Unterwegs kommen uns schon die ersten Pilzsammler entgegen. Der frühe Vogel fängt den Wurm.
    Nach 240 hm und einer Menge Schweiß werden wir mit einem bombastischen Ausblick belohnt. Der Blick reicht über die gesamte Inselwelt des Storfjärden bis hin zur alles überragenden Höga Kustenbron. Einzig der Wind auf durchgeschwitzter Haut ist eisig und wir müssen uns erst mal umziehen.







    Die Valkallen Stuga ist ein Traum von einer Hütte. Zwar nicht mit Betten ausgestattet, dafür aber liebevoll eingerichtet, ansehnlich uns sehr sauber...vom Standort ganz zu schweigen Es liegen einige Bücher und Fotoalben aus, in denen der Aufbau und Errichtung der Hütte dokumentiert sind.









    Für Leute die hier nächtigen wollen gibt es sogar EVA Matten und einen Ofen wenn es kälter werden sollte. Nach gefühlten 200 Fotos und einer ordentlichen Rast geht es auf der anderen Seite wieder hinunter.



    Da der Abstieg sehr steil ist wurde eine Treppe installiert, wenig später hängen Handseile von Baum zu Baum. Bei Regen oder schlechten Witterungsverhältnissen bestimmt kein Spaß. In Lövvik auf einem Stück Asphalt geht es bald wieder rechts in den Wald. Nun müssen wir der Länge nach 1x komplett über den Kulberget. Landschaftlich zwar wieder auf einsamen Trampelpfaden zieht sich der Weg jedoch wie Kaugummi. On the top gibt es einen Shelter, gerade frisch erbaut mit einem Ausleger zur besseren Aussicht....wundervoll.





    Weiter geht es am Rande einer Bucht durch die Hintergärten einiger Häuser, über zugewachsene Wiesen wieder in den Wald hinein. Dieses Landschaftsbild passt irgendwie nicht zum Rest des Trails und das nahende Ende hinterlässt ein komisches Gefühl. Wir gehen zügig voran, aber so richtig weniger werden die Kilometer nicht.
    In Skallerbacken ist der Trampelfpad endgültig vorbei und wir müssen auf der Straße weiter. Das wird sich bis zum Ende wohl auch nicht mehr ändern. Eine lange Brücke liegt vor uns, von der man eine gute Aussicht über die Bucht sowie einige Prachtbauten an deren Ufern hat. Schwede müsste man sein und hier ein Grundstück... hach wie wär das schön.







    Am anderen Ende der Brücke ist es wieder. Das Lärmen der Autos die auf der E4 umher rasen. Spätestens ab hier wollen wir es nur noch beenden und sind gedanklich eigentlich schon wieder unterwegs, mitten im nirgendwo, irgendwo auf dem Trail. Vorbei an einigen Häusern und einem kleinen Gästehafen gelangen wir zum Fuße der Brücke. Sie ist wirklich riesig und beeindruckend.



    Der Weg macht einen kleinen Bogen und plötzlich stehen wir auf dem Parkplatz des Höga Kusten Hotels. Dieser markiert das Ende des Höga Kustenledens und nach 127 km sind wir am Ziel. Ich hatte das Wort „endlich“ auf der Zunge, aber jetzt wo man hier ist wünsche ich mir wir würden noch 4 Tage brauchen.





    So ist es nun einmal. Es war eine tolle Reise und von den gewonnenen Eindrücken werden wir noch lange zehren. Wir gehen ins Hotel und Fragen nach einem Zimmer. Der Gedanke an ein richtiges Bett und die Nutzung des Spa Bereichs heitert uns etwas auf. Leider ist auf Grund einer „hughe Conference“ das komplette Hotel ausgebucht und wir müssen uns was anderes einfallen lassen. Erst mal ein leckeres Bierchen bestellen. Zu unserem Glück gibt es auch hier das Höga Kustenbier, welches wir schon am Flughafen gesehen, jedoch nirgends bekommen haben. Es schmeckt unglaublich lecker, was durch dieses Ambiente und die 5,3% sicherlich noch verstärkt wird.



    Eine Stunde und sechs Bier später sind wir 410 Kronen leichter. Was soll´s... hier kommt man so schnell nicht wieder her. Der Plan für den Abend ist:

    - zurück zum Gästehafen
    - Essen
    - Waschen
    - Warten
    - Nachtbus Richtung Stockholm

    Gesagt getan. Wir schultern unsere Rucksäcke und gehen die 1000m zurück zum Wasser. Hier gibt es Sitzgelegenheiten, Strom, eine Toilette mit Dusche und einen Aufenthaltsraum.



    Wir bereiten uns die letzten Tüten Trek n Eat, nehmen jeder eine wohltuende Dusche und packen unsere Rucksäcke flugtauglich zusammen. Als es dunkel wird setzen wir uns in den warmen Aufenthaltsraum und warten die letzten zwei Stunden bei Radio und Zeitung. Ob der Bus wirklich ohne Buchung um 23 Uhr am Parkplatz der E4 anhält wissen wir nicht. Aber wenn wir hier nicht Zelten wollen haben wir auch keine andere Möglichkeit als erneut hochzugehen und zu warten. So geht es um halb elf ein letztes Mal den Berg hinauf, die letzten Meter des Weges noch ein mal beschreiten und den Blick ein letztes Mal über die mittlerweile beleuchtetet Brücke schweifen lassen.



    Pünktlich um kurz nach elf fährt der Bus auf den Parkplatz, bezahlen können wir mit VISA direkt im Bus... etwa 300 Kronen pro Person und schon sitzen wir in der ersten Reihe zurück in die zivilisierte Welt.
    Das war er dann also, der Höga Kustenleden. Er hat alles gehalten was auf den Hochglanzseiten der Outdoor versprochen wurde. Einsame Hütten, tolle Landschaft, wenig frequentierte Wege, einen atemberaubenden Skuleskogen und vieles mehr. Er ist eine gute Mischung aus ruhiger Natur einerseits und Nähe zur Zivilisation (zwecks Einkauf) anderseits. Wer also was erleben möchte, mal raus will und sich nicht sicher ist, ob 10/14 Tage Zelten ohne Einkaufsmöglichkeit problemlos machbar sind, der ist hier genau Richtig. Für die Erfahrenen unter uns, die jeden Meter im Sarek und Umgebung bereits gegangen sind könnte es hier aber etwas langweilig werden. Für uns war es wunderschön und genau die richtige Wahl. Ein super Urlaub zur besten Zeit des Jahres....und eines steht sowieso fest: nach Schweden kehre ich zurück, immer und immer wieder.

  19. Erfahren
    Avatar von rtwhiker
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    AW: [SE] Unterwegs auf dem Höga Kustenleden

    #19
    Danke für den tollen Bericht!
    So präzise, gut bebildert und ausführlich - das ist mehr als vorbildlich!

    Bei mir wurden jede Menge Erinnerungen wach - meine HKL-Tour ist schon ein paar Jährchen her. Ich fand ihn echt schön, und das, obwohl ich auch schon viele Wege in Nordschweden kenne...
    Happy trails!

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