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    [DE] 4 Tage Altmühl mit Scubi und Swing Anfang September

    #1
    Mitreisende: Ziz
    Die Tour auf der Altmühl im September 2017 war die zweite Mehrtagestour meiner Freundin und mir mit unseren beiden Luft-/Faltbooten Nortik Scubi (was ich fahre) und Gumotex Swing 1 (was sie fährt). Gleichzeitig ist es mit 4 Tagen auch unsere bisher längste Paddeltour. Die Altmühl wurde gewählt, weil wir leider bei der Forumspaddeltour auf selbiger nicht dabei sein konnten , sie aber in gut erreichbarer Zugentfernung von Dresden liegt. Klar gibt es auch noch schöne Gewässer in der näheren Umgebung, aber ein bisschen Reisen darf für den Urlaub ja sein.

    Schon bei der Planung der Tour fiel mir dann auf, dass das ansich praktische Quer-durchs-Land-Ticket erst ab 9:00 gilt. Wenn wir aber erst um 9 in den Zug steigen, sind wir erst 15 Uhr am und frühestens 16 Uhr auf dem Wasser - Zugverspätungen und -verpassungen nicht eingerechnet. Also sind wir stattdessen doch ICE gefahren. Gab sogar noch Spartickets, so war es nur knapp 8€ teuer.

    Wer Scubi und Swing nicht kennt, das sind zwei eher leichte Boote mit 9 und 11 kg Gewicht. Praktisch zu transportieren, aber eher unpraktisch zum Transportieren. Wir haben also geschaut, dass wir mit möglichst wenig Extragepäck auskommen. Wir haben durchaus noch Optimierungspotential entdeckt, aber im Großen und Ganzen hat alles gut in diese beiden Packsäcke und später auch in die Boote gepasst (wobei ich das letzte Bild der Tour einfach mal vorwegnehme):


    Die Rucksäcke habe so auch super in alle Züge und sogar in das lächerliche Gepäck"abteil" des ICE gepasst. Da meine Freundin gerade ein wenig Knieprobleme hat, haben wir ihr spontan auch noch eine Sackkarre für ihren Rucksack gekauft, die wirklich sehr praktisch war und sehr klein auf dem Boot verstaut werden konnte.

    Tag 1

    Los ging es gegen 14 Uhr in Solnhofen, bekannt für den Fund des Archaeopteryx und allgemein eine sehr gesteinsträchtige Stadt, in deren Umgebung man wohl auch ganz gut nach Fossilien buddeln kann. Wir sind aber für das Wasser da und schon geht es los:




    Der Fluss ist wirklich langsam. Für die einen ist es ein Fluss, für die anderen der längste See Bayerns. Wir haben unsere Tagestouren also grob mit 3km pro h geplant, damit nebem Paddeln noch genug Zeit für Natureindrücke und Entspannung bleibt. Wir hatten Glück und es waren nur wenig andere Menschen mit auf dem Fluss, aber um die obligatorische Jugendgruppe kamen aber auch wir natürlich nicht drumrum. Die sind mit ihrem Kanadier ganz schön geheizt, dafür beim ersten befahrbaren Wehr Hammerühle auch baden gegangen. Ich fands ehrlich gesagt schon etwas kühl zum Baden, ist aber bis auf Gefluche nicht viel passiert. Wir haben das Wehr umtragen und meine Freundin ist ein wenig dem Gepäck der Burschen hinterhergefahren, die erstmal ihr Kanu entwässern durften.

    Das zweite Wehr Hagenacker habe ich mich dann aber getraut - trotz Faltboot - und es fast unbeschadet überstanden. Ich sollte in Zukunft darauf achten, dass von innen kein Gepäck gegen den Boden drückt, denn solange der Boden nachgeben kann, passiert auch nicht viel. Aber auch so gab es nur einen leichten Kratzer, den ich zwar sicherheitshalber am Abend mit Panzertape versiegelt habe, der aber nur oberflächlich war. Vielleicht hau ich da später nen Flicken rauf, vielleicht lass ich es auch beim Panzerband. Mal schauen. So sah das Wehr jedenfalls aus:



    So wenig Menschen es gab, desto mehr Tiere gab es zu bewundern. Natürlich massenhaft Enten, aber daneben haben wir über die vier Tage auch Reiher, Blässhühner, Teichhühner, Bisamratten, Libellen, Schmetterlinge, Bussarde, Falken, Schafe, Gänse, Schwäne, Katzen, Bachstelzen, Schafsstelzen und ab und zu einen Eisvogel gesehen. Dazu noch Spatzen, Meisen, usw. Vieles davon habe ich fotografiert, aber mehr zur Dokumentation und als "Beweis"; Ansehnlich sind die meisten Bilder mit unserem Objektiv nicht geworden, deshalb hier nur ein kleiner Ausschnitt der Fauna auf der Altmühl (über alle 3 Paddeltage):

    Fast handzahme Enten, die alles auf Essbarkeit hin untersuchen müssen.


    Flauschige Enten, kaum aus dem Kükenkleid raus. Allgemein haben wir sehr viele Jungvögel gesehen, Teichrallen sogar nur juvenil (das hat die Bestimmung hart gemacht).


    Interessant fanden wir die Stockentenhybride, die uns vorher so nicht aufgefallen sind.


    Wie die meisten Tieren waren auch die Schwäne zum Glück eher scheu.


    Nach 3,5h hatten wir dann die grob 12km bis zum Campingplatz Dollnstein zurückgelegt, wo wir unsere Unterkunft aufbauen wollten. Dummerweise muss ich meiner Freundin irgendwann mal versprochen haben, in einem Campingfass zu übernachten und sie hat dieses Versprechen eingefordert. Statt Biwaksack und Tarp gab es also eine Übernachtung in einem Fass. Vorteil: Wir zelteten nicht neben der Jugendgruppe, die am selben Zeltplatz angelegt hat - übrigens der einzige, der in der Jübermannkarte fett mit "keine Jugendgruppen" beschriftet war. Zu früh gefreut.


    An der Stelle bzw. dem Bild kann ich kurz etwas zu der Lösung des Transportproblems sagen. Beide Boote haben innen nur bedingt Platz für Gepäck für mehrere Tage, da die Schläuche das Volumen stark verringern. Nun müssen wir am Ende des Tages über Nacht sowieso etwas Luft ablassen, damit die Sonne am Morgen die Schläuche nicht durch Ausdehnung der Luft beschädigen kann. Also haben wir unser Übernachtungsgepäck einfach eingepackt und dann die Schläuche aufgepumpt, sodass das Gepäck regelrecht ein Teil des Bootes wird. Als Ausgleich haben wir dafür dann eher vorne als hinten Dinge aufs Verdeckt geschnallt. Der Kleidungssack, der vorne auf dem Swing geschnallt war, ist auf dem Bild schon im Fass verstaut.

    Tag 2
    Nach einer sehr erholsamen Nacht ging es an unsere längste Etappe. Da wir keine Lust auf Bus Fahren hatten, war das Ziel bis zum Bahnhof Kinding zu kommen, um dort in den Zug zu steigen. Dummerweise verlässt die Bahnlinie nach ca. der Hälfte der Tour das Altmühltal und vor und nach Kinding gibt es somit keine Alternativbahnhöfe mehr - das Ziel war also sehr fest. Um am letzten Tag dann nicht sehr früh aufstehen zu müssen, um die letzten km bis Kinding zu erpaddeln, haben wir uns deshalb entschieden an diesem Tag ca. 25 km bis zum Bootsrastplatz Inching zu paddeln.

    Generell sind die Ausschilderungen an der Altmühl wirklich vorbildlich, aber die Entferungen überraschen einen doch immer wieder, vor allem was 50m sein sollen.


    Der zweite Tag hat uns einige neue Eindrücke geboten. Zum einen kamen die Steinwände näher.


    Zum anderen wuchsen ab und zu diese Pilze an Weiden, ich vermute ein Goldfell-Schüppling oder Verwandter:


    Generell besticht die Altmühl durch kleine Dörfer und Städte direkt am Wasser. Leider zeigt sich das auch durch den ständigen Zug- und Autolärm, der erst am dritten Tag dauerhaft weniger wird. Ich würde sagen, das ist der größte Minuspunkt der Tour gewesen, aber der Ausblick vom Wasser war trotzdem traumhaft:





    In Eichstätt gab es dann beim Umtragen eines größere Einkaufspause. Dannk der hohen Discounterdichte in Deutschland muss man auch im bayerischen Hinterland nicht Proviant für alle Tage mitschleppen, was uns sehr geholfen hat. Wo ein reiner Bootsrastplatz war, gab es jedoch meist kein Frischwasser oder Kaufhallen, deshalb mussten die vorhandenen Möglichkeiten schon in die Tourplanung integriert werden.



    In Eichstätt hat auch eine der echt schönen Stockentenhybriden einen der vorzüglichen Ausstiegspunkte richtig schön vollgeschissen.


    Obwohl es die größte Stadt war, die wir durchpaddelten, hat man sich immernoch sehr in der Natur gefühlt (wenn man den Autolärm ignorierte...):



    Man beachte hier, welcher besondere Service hier schon direkt am Aussteig beworben wird. Jup, wir sind in Bayern.


    Kurz vor Inching ging es durch eine der ältesten und historisch wichtigsten Brücken Bayerns. Hätte mein Reiseführer sie nicht so beworben, hätte ich vielleicht nicht mal ein Bild gemacht... Aber in der untergehenden Sonne, war sie doch sehr hübsch - und dahinter gabs nen netten Schwall.


    In Inching konnte ich dann endlich das Setup aufbauen, wie es gedacht war: Biwaksäcke und ein Tarp als Abwetterlösung. Geregnet hat es die Nacht dann nicht, aber wäre kein Problem gewesen! Eigentlich zahlt man da pro Nacht und Zelt 3€, aber weder hier, noch beim nächsten Rastplatz wollte irgendjemand unser Geld.


    Tag 3
    Am nächsten Tag waren dann nur 18 km bis zum Azur Camping Kipfenberg geplant. Wir sind also sehr entspannt und langam aufgestanden. Erstmal Kaffee!


    Und nach nur wenigen km das erste und einzige Wehr für diesen Tag und das letzte der ganzen Tour.


    Es folgen kleine Städte und Dörfer. Angenehm ist, dass man kaum noch die Ziviliasation hört.



    An dem Tag hat meine Freundin darauf bestanden, dass auch ich einmal fotografiert werden müsse. Es ist zwar schon etwas früh im Jahr, aber ich habe mich für die Tour entschieden schon den Trocki anzuziehen mit nur einem T-Shirt drunter. Es war wirklich angenehm und hat den Vorteil, dass ich Wechselkleidung auf ein Minimum reduzieren konnte. Ein paar mal hat es die Tage auch kurz geregnet, davon habe ich kaum was gemerkt. Vielleicht war der Anzug für Jahreszeit und Fluss etwas overdressed, aber der war wirklich angenehm atmungsaktiv. Würde ich wieder so machen.


    Wo es für den Trocki schon fast zu früh war, war es für Seerosen leider schon etwas zu spät. Ein spärliches Feld haben wir aber noch entdeckt.



    Schon um 15:30 waren wir trotz dem extrem entspannten Paddeln dann schon in Kipfenberg, wo die Tour für diesen Tag enden sollte. Kipfenberg hat mich jedoch nicht so richtig überzeugt. Die Dorfjugend war nervig und der Campingplatz mir irgendwie zu edel. Außerdem war die Wettervorhersage für den nächsten Tag nicht so rosig und nach den Erfahrungen der letzten Tage, wäre mein Plan möglichst nah an der Bahnstation auszusteigen und 800 m zu laufen, wahrscheinlich nicht aufgegangen, weil die Ufer immer sehr star, bewachsen sind. Deshalb haben wir uns spontan entschieden nach einer längeren Pause nochmal 4,5 km bis Ilbling zu paddeln, bei gutem Wetter abzubauen und am nächsten Tag nur noch nach Hause zu fahren.

    Die Burg Kipfenberg war echt schön...


    ... der Müll nicht.


    Der Bootsrastplatz Ilbling lag näher am/im Dorf als Inching, nachts hatten wir trotzdem gut Ruhe (abgesehen von der nahen Autobahn ). Das Gepäck haben wir fertig verpackt (siehe allererstes Bild) in den Unterstand gepackt und unsere Biwaksäcke direkt danebengelegt. Dort haben wir abends auch gekocht und morgens gefrühstückt.



    Nachts bekamen wir dann nochmal Besuch.


    Tag 4
    Obwohl als letzer Paddeltag geplant, ging es hier wie gesagt nur nach Hause. Die RE in Bayern fahren wirklich fix. Wir waren nur kaum langsamer als mit dem ICE und mit dem Schönes-Wochenende-Ticket wirklich günstig unterwegs. Sogar die nur 4 Minuten Umsteigezeit in Hof waren gut geplant (Bahnsteig gegenüber) und haben mich sehr an die Schweiz erinnert.

    Fazit
    Eine sehr schöne, anfängerfreundliche Tour, in der wir ausprobieren konnten, wie gut sich unsere Boote für Mehrtagestouren eignen. Es ging wirklich gut, das Umtragen war auch gut zu bewerkstelligen, aber wir hatten Glück, dass wir immer nur wenige Meter laufen mussten. Für längere Strecken plane ich den Kauf eines Bootswagens. Auch für den Transport der Bootsrucksäcke ist das sehr praktisch. Die Altmühl ist teilweise leider sehr laut, obwohl man eine Menge Natur sehen kann. Aber davon abgesehen, kann man den Fluss durchaus weiterempfehlen.
    Geändert von Ziz (12.09.2017 um 15:57 Uhr)
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  2. AW: [DE] 4 Tage Altmühl mit Scubi und Swing Anfang September

    #2
    Toller Bericht und sehr schöne Fotos!!

  3. AW: [DE] 4 Tage Altmühl mit Scubi und Swing Anfang September

    #3
    Sehr schöner Bericht mit schönen Fotos!

    Ich kenne das Altmühltal nur von der Autobahn aus... Der Bericht macht aber richtig Lust auf einen Paddelausflug. Sehr cool, dass ihr so schöne Biwak-Plätze gefunden habt. Bietet sich ja auch hervorragend für eine spontane Wochenendtour an. (ich wollte ja dieses Jahr eh noch ein Paddelwochenende unterbringen )

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    AW: [DE] 4 Tage Altmühl mit Scubi und Swing Anfang September

    #4
    Zitat Zitat von blackteah Beitrag anzeigen
    Sehr schöner Bericht mit schönen Fotos!

    Ich kenne das Altmühltal nur von der Autobahn aus... Der Bericht macht aber richtig Lust auf einen Paddelausflug. Sehr cool, dass ihr so schöne Biwak-Plätze gefunden habt. Bietet sich ja auch hervorragend für eine spontane Wochenendtour an. (ich wollte ja dieses Jahr eh noch ein Paddelwochenende unterbringen )
    Die Biwak- und Zeltplätze liegen immer so zwischen 5 und 20 km auseinander, es findet sich also eigentlich immer etwas. Nur wild sollte man nicht biwakieren - geht aber eh kaum.

    Bei der Autobahn sind wir raus, die kreuzt bei Kinding.
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    AW: [DE] 4 Tage Altmühl mit Scubi und Swing Anfang September

    #5
    Schöner Bericht!
    War heuer schon 2x für je 5 Tage auf der Altmühl ...war echt schön.

    Etwas ruhiger wird es meist am Regen in eine paar Wochen zugehen. Liegt halt doch etwas mehr Abseits und vor allem ist da ab Mitte September keine Saison mehr.

    cu
    „Genaugenommen leben sehr wenige Menschen in der Gegenwart,
    die meisten bereiten sich gerade vor, demnächst zu leben.“ - Jonathan Swift

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    AW: [DE] 4 Tage Altmühl mit Scubi und Swing Anfang September

    #6
    Zitat Zitat von Martin206 Beitrag anzeigen
    Schöner Bericht!
    War heuer schon 2x für je 5 Tage auf der Altmühl ...war echt schön.

    Etwas ruhiger wird es meist am Regen in eine paar Wochen zugehen. Liegt halt doch etwas mehr Abseits und vor allem ist da ab Mitte September keine Saison mehr.

    cu
    Wir sind schon am Planen für die kälteren Temperaturen.
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