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  1. AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #21
    Mitreisende: elbspitze
    14.TAG Das Vogelgezwitscher lockte mich aus erstes aus dem Zelt. Wieder einmal war es dieser kleine, pummelige Vogel, ähnlich einem Spatz, der ganz aufgeregt um unser Zelt flog, immer wieder unsere Nähe suchte. Bis auf einem Meter kam er heran, flog schreckhaft wieder zum nächsten Ast, von wo er Einen weiter beobachtete. Das Spiel war lustig anzusehen und währenddessen wollte ich noch das restliche Geschirr vom Vorabend abwaschen. Der sonst immer am Wassersack deponierte rote Plastikkratzschwamm war aber leider nirgends aufzufinden. Ich war mir aber sicher, dass ich ihn auf dem Stein abgelegt hatte. Nach einer kurzen Suche folgte eine längere Überlegungsphase. Dann war es mir klar. Im Schwamm befanden sich genügend Essensreste, er war leicht und gut zu transportieren. Ich war mir sicher, dass ihn der Vogel geschnappt hatte. Seine Jungen sollten nun für eine Weile versorgt sein. Ich hoffe nur, dass diese Aktion für die Jungen nicht prägend sein wird und sie zukünftig als Eltern nicht mehr Würmer, sondern nur noch Putzschwämme erbeuten wollen. Jedenfalls fand sich der Schwamm auch auf dem Rest der Reise nicht wieder, es war Verlust Nummer 2.


    Blick in das Ende des Taleinschnittes. Hier stürzten mehrere Bäche ins Tal


    Traumhaftes Wetter bescherte uns das abgelegene Tal

    Trotz schönem Wetters frühstückten wir im Zelt, die Bäume spendeten noch so viel Schatten, dass es draußen kühl war. Nach der gestrigen Abstiegstortur sollte heute die andere Hälfte zwar anfangs noch steil und unwegsam sein, aber nach schätzungsweise 400hm auf einer Straße weitergehen. Das Zelt konnte heute zur Abwechslung mal wieder nur feucht eingepackt werden. Gegen 9 Uhr Start. Ich wusste ja, was uns die kommenden Kilometer an Abstieg erwarten würde und es lief heute schon besser, das linke Knie hatte sich beruhigt. Es war leicht bewölkt und beim Abstieg blinzelte die Sonne immer wieder durch die Bäume durch. Der Weg war mittlerweile gut durchgetrocknet und trotz steiler Passagen gut zu gehen. Bald erreichten wir mein Wasserloch von gestern und siehe da, da lag meine Brille im Nadelhaufen auf dem Boden, so unsichtbar, dass Täve fast drauf getreten wäre. Schön, nun hatte ich sie wieder, jedoch noch nichtsahnend, dass Täve hätte auch gleich darauf treten können, da sie ein paar Tage später unbrauchbar war. Auf dem Weg weiter kam keine 100m weiter des Weges die auf der Karte eingezeichnete Abri (Schutzhütte). Auch diese war nicht sonderlich einladend, ein Blechdach, offene Türe. Ideale Brutstätte für alles, was schnell krabbeln und springen kann. Das Rauschen des großen Flusses kam immer näher und bald erreichten wir die Talsenke, das sogenannte Cap Blanc. Eine kleine Holzbrücke half beim überqueren des Flusses, hier sahen wir auch einige Zelte. Sicher ein schöner Platz zum verweilen und campen, doch wir verwarfen den Gedanken, denn wir brauchten Proviant, sehr dringend.


    Danke an alle diese Bäume, die mich in meinen harten Zeiten unterstützten


    Cap Blanc und ein tolles Camp

    Nun ging es am Fluss entlang einen Wanderweg zum kleinen Parkplatz. Hier unten waren schon wieder viele Tagestouristen anzutreffen. Am Parkplatz wurde dann der Roller aufgebaut und da die Steigung meistens moderat war, konnte es Täve nun richtig rollen lassen, während ich nun ein wenig entspannter gehen konnte. Mit jedem Kilometer wurde die Straße breiter, der Verkehr nahm zu. Bald erreichten wir die Grand Galet Wasserfälle, die letzten Tütchen und Becher wurden bei einer kleinen Pause ausgeleckt und wir widmeten uns mehr der Diskussion, was wir aktuell gerne essen würden als dem Anblick des faszinierenden Wasserfalls.


    Die Grand Galet Wasserfälle

    Wir passierten nun weiter Dorf nach Dorf, aber kein Lädchen oder Supermarkt weit und breit. Wir hatten nicht einmal was zum Mittag. Jeder fing nun an zu jammern, sogar ich machte bei dem Spiel mit. Gegen 14 Uhr dann ein Fischrestaurant, wo man seinen Fisch selbst fangen konnte. Ich als Fischhasser fragte nach was "nicht-fischigem". Sie bot uns einen großen Salatteller mit Hühnerstreifen an. Gebongt, dazu Cola und Eis. Nun waren Alle erst einmal vorübergehend zufrieden. Es ging nun weiter auf der Straße hinunter, rechts und links nahmen nun die Picknickplätze zu, die voll belegt von Einheimischen waren. Da die Steigung immer mehr abnahm, liefen sich die letzten Kilometer des Tages zwar entspannter, aber ich konnte in Yvonne's Gesicht erkennen, dass sie nur noch ankommen wollte. Täve dagegen rollte in geschwungenen Kurven mit viel Spaß voran. "Bitte noch einmal eine Pause!" seufzte Yvonne. Es war ein Picknickplatz, rechts der Straße und etwa 1km unterhalb eines Wasserkraftwerkes. Nur aus Interesse ging ich links am Picknickplatz entlang, wo ein Weg am Fluss entlang führte. Keine 50 Meter weiter entdeckte ich einen tollen Lagerplatz. Klar, hier hatten wir Wasser und ein Camp, aber ich wusste, dass ich mit dieser Entscheidung mir auch wieder eine Last aufbürden würde: Nahrungssuche! Egal, wir schlichen uns in einer Sekunde der Stille und Unaufmerksamkeit der Anderen dort hinter und schlugen das Zelt auf. Da es schon 17 Uhr war und ich nicht wusste, wohin ich heute noch musste, zog ich gleich, nachdem das Zelt stand, los.

    Zurück an der Straße, ging es nun weiter bergab, um eine lange Kurve, von der man mit gutem Auge unser grünes Zelt erspähen konnte. Doch für vorbeifahrende Autos keine Chance, der Platz war gut gewählt. In der Ferne erblickte ich Häuser mit Schildern. Ein Supermarkt, ein Restaurant oder doch nur ein Friseur? Je näher ich kam um so sicherer war ich mir, dass es ein Restaurant war, eher sogar ein Mittelding aus Imbiss und Kneipe. Sie boten frisch gebackene frittierte Bananen und Maniok an, aber ich konnte auch Getränke und Süßes im Regal erkennen. Ich orderte 3 Gerichte zum mitnehmen Schwein, Huhn, Rind mit Reis und Soße, dazu Süßes, 20 Teile je von den Bananen und Maniok Dingern, eine Cola und einen Wein, zack 40 Euro. Egal, ich musste nicht weit laufen und wir würden satt und zufrieden werden. 15 Minuten später war ich wieder am Camp und Yvonne war noch nicht einmal fertig mit auspacken. "Essen!" rief ich laut. Ich wurde gestürmt wie die Bastille, mit Göffeln bewaffnet. Es wurde nun geschlemmt und probiert, geteilt und geschmatzt. Trotz kurzer Nieseleinheiten war das Wetter heute gut mit uns gestimmt. Wir saßen nach dem Essen noch gemütlich am Fluss, tranken und quatschten, badeten uns nackt im kühlen Nass und waren trotz harter 2 Tage noch nicht müde als die Dämmerung einbrach. Es fehlten zwar noch 2-3km zum Meer, aber morgen versprach ich den beiden eine kurze Wanderung zum Meer und der Rest des Tages dann relaxen, baden, was auch immer.


    Wasser, Camp und Essen - alles nah bei einander. Das nennt man mal Glück
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  2. AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #22
    15.TAG Heute sollte es zum Frühstück nur diese frittierten Bananen und Manioks geben, sollte aber auch für den kleinen Katzensprung zum Meer reichen. Dort unten in Langevin erhofften wir uns endlich einen Supermarkt, denn auch das Klopapier ging zur Neige. Warum muss meine Frau immer so ein Schwein haben? Heißt es Badetag, knallt die Sonne volle Breitseite runter. Ich war schon beim Einpacken klitschnass und fragte mich, ob ich unsere Klamotten mit den Regenhüllen vor mir schützen sollte. Yvonne lächelte nur mit den Worten "Das ist nicht normal, geh' mal zum Arzt". Auf dem Weg runter zur Küste das gleiche, die Sonne stand hoch, die Büsche und Bäume spendeten kaum noch Schatten. Aber wenn da einer war, war ich da auch. Sogar Täve folgte mir. Wir wollten aber nicht jammern, denn nach den vielen Regentagen waren solche Tage auch ein wenig Balsam auf der verschwitzten Seele. Es war noch nicht einmal Mittag und wir erreichten die Durchgangsstraße nach St.Joseph. Direkt darüber hinweg wollten wir runter zum Meer, die Lage checken, wo Camping möglich wäre. Zuvor gönnte ich den Beiden aber 5 Minuten, ich ging die Hauptstraße entlang und was ich suchte, fand ich dann auch nach 500m: Einen Minimarkt mit allen, was wir brauchten. Hierhin würde ich am Nachmittag noch einmal zurückkehren.


    Strand würde ich das nicht nennen, aber wir hatten ihn für uns allein

    Am Meer angekommen, musste ich Yvonne noch einmal die Augen öffnen, dass hier kein Mauritius mit kilometerlangen Sandstränden ist. Die haben hier nur einen guten Strand und der ist in St.Gilles. "Da will ich hin" seufzte sie. "Nimm' das oder lass es" winkte ich ab, während ich mir die Kleider vom Leib riss. Ich suchte mir am felsigen Steinstrand eine schattige Ecke und genoss das Rauschen des Meeres und das Rollgeräusch der Steine. Täve beschäftigte sich mit dem Müll am Strand. Aus Flaschen und Bambusrohren eine Wasserleitung bauen, ich durfte mich dann immer in die Wellen trauen um Wasser zu holen. Ganz ehrlich: Diese Zeit, diesen Moment brauchte auch ich und ließ die entspannte Lage auf mich wirken. Dabei ließ ich die letzten Tage Revue passieren und war innerlich stolz auf meine kleine Wandergruppe. Nein, zu Hause am Reißbrett hätte ich es ihnen niemals zugetraut, aber sie zogen durch und mit. Dafür allein hatten sie heute den Tag verdient und ich nahm mich mal zurück, denn nach einer Stunde bekam ich eigentlich schon wieder Hummeln im Arsch. Für mich nicht nachvollziehbar, wie Leute das 14 Tage am Stück machen können. Langsam drehte die Sonne und der letzte Schatten war dahin, auch Yvonne hatte nun genug, es war unerträglich und wir zogen den Rückzug in das nahegelegene Wäldchen an, welches nach vorangegangener Inspektion ein Camp versprach.


    Und wieder ein Plätz'l gefunden

    Zwischen Nadelbäumen, etwas abseits des Wegs bauten wir unser Zelt auf. Wir wurden zwar vom Weg bei genauerem Hinschauen gesehen, aber Niemand beschwerte sich. Yvonne richtete das Camp ein, ich verschwand mit Täve noch einmal zum Supermarkt, wo wir alles Nötige bekamen. Wir kauften nur für den Abend und den nächsten Morgen ein, da wir am Folgetag sowie so noch einmal in einen Supermarkt kommen würden. Zurück am Camp diskutierten wir genau diese Folgetage noch einmal. Für morgen war eine Busfahrt ab St.Joseph bis St.Louis angesagt. Ab dort dann weiter mit dem Bus hoch nach Entre-Deux. Ab dort zu Fuß hoch nach Le Dimitile, auf dem Kraterrand in Richtung La Mare und Abstieg dann nach Cilaos. Von dort aus hatten wir dann weitere Optionen, die wir offen ließen, wir wollten nun immer kurze Abschnitte konkretisieren und Wetter, Natur, Laune und Motivation entscheiden lassen.


    Die 3 Tage alte Verletzung schmerzte immer noch, aber war am abheilen

    Den Rest des Tages beobachteten wir die Wellen, die Felsen, die Angler und saßen einfach nur da, quatschten, philosophierten über ein Leben auf Reunion und Täve kletterte derweil auf den Bäumen herum. Unterhalb unseres Camps war ein 4x4m großes Wasserbecken, gefüllt mit Salzwasser und abgetrennt von der rauen See. Hier badeten wir mit anderen kleinen Fischchen und anschließend genossen wir den lauen Winterabend bei 20 Grad.
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  3. AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #23
    5.Reiseabschnitt - Zum Kraterrand Le Dimitile und in den Cirque de Cilaos (6 Tage)


    Urheber Google Maps

    16.TAG Heute mussten wir mal wieder seit langem den Blick auf die Uhr wagen, wir waren unter Zeitdruck, da um 11 Uhr der Bus nach St.Louis im 4km entfernten St.Joseph starten würde. Ich plante ca. 1.5 Std ein, so starteten wir nach einem ausgiebigen Frühstück in der Sonne gegen 9.30 Uhr. An der Hauptstraße ging es nun bei ziemlich dichtem Verkehr voran. Wir waren nicht die Einzigen, denn auch Einheimische und Touristen nutzten die Straße als Fußweg. Sehr gefährlich, gerade, wenn die breiten Lkw's die volle Breite der Straße brauchten. Es war also ein hastiges Gehoppse von Einfahrt zu Einfahrt. Irgendwie rannte die Zeit aber gegen uns. Bald waren wir im Ort St. Joseph, aber der Bus sollte in 15 Minuten fahren, die Station noch 1km entfernt. Sollte machbar sein, aber der Schritt musste größer und schneller werden, Yvonne trudelte hinterher, während Täve und ich förmlich rannten. Wir fingen gerade noch so den Bus ab und klitschnass, und sicher nicht wohlriechend, stiegen wir in den Bus ein. Entspannung, die Klimaanlage lief, ich konnte runterkommen und nebenbei im Bus an den USB-Ports Handy und Akkus laden. Ziel St.Louis!

    Gegen Mittag waren wir dann da, mussten nun 45 Minuten auf den Bus nach Entre-Deux warten. Hier an dieser Busstation stand man mitten im Leben von Reunion. Viele junge Menschen, die herumlungern, Alkohol trinken, laut Musik hören und nichts tun. Okay "nichts tun" ist falsch, sie verkauften Drogen, sogar ich sollte doch einfach mal was probieren. Hier wollte ich schnell wieder weg. Da gefielen uns die Berge besser, auch Yvonne fühlte sich erstmals in den Bergen sicherer und wohler. Abfahrt nach Entre-Deux, Ankunft gegen Nachmittag. Der Plan war nun, alles Wichtige einzukaufen und noch die ersten Meter Richtung Le Dimitile in Angriff zu nehmen. Doch im Bus stellte ich fest, dass sich an einem Schuh bei mir die halbe Sohle ablöste. Diesen Schaden musste ich erst einmal beheben, wir steuerten das Camp Entre2Songes an, das einzige, was es in Entre-Deux noch gibt. Sofort bei Ankunft in dem sehr authentischen Ort waren wir begeistert vom Flair, von der Umgebung und von den Menschen. Hier fühlten wir uns schon wohler. Im Camp das Zelt schnell aufgebaut, zog es uns sofort wieder in den Ortskern, einkaufen, Geld abheben, Benzin auftanken.


    Fortan musste ich aller zwei Tage den Meindl Schuh mit Sekundenkleber reparieren


    Unser Camp Entre2Songes


    Hinter diesen Bergen liegt der Cirque Cilaos

    Die ersten beiden Erledigungen waren leichte Sache, bei der Benzinflasche gab es wieder komische Blicke, skeptisches Abwinken, aber mit Hartnäckigkeit bekam ich auch die 3.Füllung. Nie musste ich so um Benzin betteln. Isabelle aus dem Camp gab uns einen Essenstipp, wir wollten mal typisch kreolisch essen. Wir waren am Abend die einzigen Gäste in dem kleinen Lokal, lag es an der Qualität oder dem Preis? Am Ende konnten wir nur eins feststellen. Für diese hohe Qualität und den Gaumengenuss waren wir bereit, diesen hohen Preis zu bezahlen. Normalerweise stellt sich bei uns beim Essen nur die Frage nach der Quantität, aber hier schwärmten wir abends im Zelt noch davon. Zurück im Camp spielten wir noch in einem Baumhaus Karten und verbrachten die letzten Momente des Tages in 5m Höhe. Auch sonst war das Camp eines der besonderen Art. Nicht, weil es unordentlich und vermüllt war, sondern weil in einem kleinen Dschungel Zelte und Hütten standen und es irgendwie urig und originell angelegt war. Über den Müll konnten wir hinwegsehen, da wir uns nach knapp drei Wochen hier auf französischem Boden daran gewöhnt hatten. Die Einheimischen gehen mit ihrer Natur echt grausam um. Da wird alles an Ort und Stelle fallen gelassen, auch wegen der oft fehlenden Mülleimer.

    Gegen 22 Uhr gingen wir ins Zelt, Isabelle gab uns noch den Bustipp hoch nach Dimitile. Dieser fuhr die ersten 300hm hoch. So konnten wir ausschlafen, was wir auch taten.
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  4. AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #24
    Tolle Reise und toller Bericht!

  5. AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #25
    Zitat Zitat von Blahake Beitrag anzeigen
    Tolle Reise und toller Bericht!
    Vielen Dank für das Feedback, das motiviert zum weiter schreiben
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  6. AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #26
    17.TAG Wie auch das Remparts Tal war auch dieser Abschnitt nicht auf unserem Plan. Keine große Recherche vorab, was da kommen mag. Doch umso begeisterter waren wir vom Remparts Tal. Sollte das nun auch für die folgenden Tage zutreffen? Erst einmal mussten wir mehr Zeit im Camp einplanen.

    Isabelle bot uns auf Nachfrage an, unsere Wäsche zu waschen, aber Waschmaschine und Trockner benötigten zwei Durchläufe um unsere Sachen zu desinfizieren und zu reinigen. Endlich waren mal wieder alle Klamotten trocken, auch das Zelt wurde trocken verpackt. Gut gelaunt, aber irgendwie schon wieder im Stress, begaben wir uns zur Haltestelle. Mit ordentlichen Puls kamen wir im Ortszentrum an, dieses Mal hatte ich mich bei drei Quellen nach dem Abfahrtsort erkundigt. Ein 2.Mal sollte der Bus nicht wieder an uns vorbeifahren. Der 20-Sitzer hielt an, doch da kam ein anderes Problem auf uns zu. Die Nachfrage war meinem ersten Anschein nach größer als das Angebot, im Bus war es eng und Keiner der Einheimischen war bereit, die vorderen Plätze zu räumen und hinter zu rutschen. So musste ich nun alle drei Rucksäcke über die Leute drüberheben und nach hinten in die letzte Reihe befördern. Zum Glück fanden wir noch drei Plätze. Yvonne und Täve hinten und ich weit vorn beim Fahrer. Geschafft! Während der Fahrt lächelte mich Yvonne immer wieder an, wenn ich mich umdrehte. Flirten nach all den Jahren? Nee, es hatte einen anderen Grund, den ich bald erfahren sollte. Die Fahrt war rasant und kurvig, nach 30 Minuten war sie zu Ende, nachdem wir mehrere Haltestellen mit der Aufschrift "Haus Nr. 534" oder Haus Nr. 611" passiert hatten. Hier oben gab es keine Straßennamen mehr, der Bus hielt immer gleich direkt vor einem Haus, was gleichzeitig die Haltestelle war. Bald war Endstation auf 650m Höhe. Nun mussten wir die restlichen 1200m allein zu Fuß bewältigen.

    Nach dem Ausstieg erfuhr ich nun auch die lächelnde Blicke von Yvonne. Beim Einsteigen saß gleich vorn an der Tür eine ältere Frau mit einer neu gekauften Orchidee. Sie machte keine Anstalten, ein wenig Platz zu machen, dass ich durchkam. Ich tat dagegen mein Bestes, Keinen zu verletzen und hob die Rucksäcke so hoch es nur ging. Jedoch baumelte die Kameratasche herum und knickte so die Orchidee der Frau ab. Im ersten Moment tat sie mir leid, hätte ich es mitbekommen, ich hätte ihr womöglich das Geld dafür gegeben. Im 2.Moment meinte Yvonne jedoch, dass sie es kommen sah und einfach nur dasaß und nicht auswich. Lachen auf Kosten Anderer? Nein, eher nicht. Yvonne lachte eher über mich, dass ich wie ein Trampel durch den Bus ging.

    Wir gingen nun weiter die Straße hinauf, sie war gut asphaltiert, sollte aber nun immer weniger befahren sein, da es hier oben nur noch kleine Dörfer oder Gites gab. Gefühlt gingen wir ca. 2km und 100hm hoch als mir der Satz "Also wenn Jemand anhalten sollte, der bis ins nächste Dorf fährt, sagen wir nicht nein, oder?" über die Lippen ging. Keine Sekunde später hielt ein in die Jahre gekommener Opel Corsa an. Im Auto ein ältere weißhäutiger Franzose am Steuer, ein jüngerer Dunkelhäutiger als Beifahrer. Sie gaben uns zu verstehen, dass sie uns mitnehmen wollten, nur wohin? Die beiden suspekten Gestalten machten nicht gerade einen vertrauenswürdigem Eindruck. Ich ließ Yvonne entscheiden, sie stimmte zu und wir stiegen in die fahrende Müllhalde ein. Egal, Yvonne freute sich, wieder mal 500hm zu sparen. Mann Mann, sind wir faul geworden, war die Motivation schon aufgebraucht? Die Fahrt war sehr unterhaltsam, obwohl wir Alle an einander vorbeiredeten oder uns nicht verstanden. Nach der Hälfte des Weges wiesen die Beiden nach rechts und gaben uns zu verstehen, dass sie hier wohnten. Sie fuhren aber weiter und weiter und weiter. Langsam wurde ich nervös, aber das Navi meinte, dass wir immer noch auf dem richtigem Weg waren. Auf 1130m an einem Parkplatz hielten sie an. Die Fahrt war zu Ende, weil nun die Straße in eine Offroadpiste überging. Wir bedankten uns bei den Beiden und hatten uns doch in ihnen getäuscht. Sie hatten uns zwar freiwillig mitgenommen, waren aber einen großen Umweg für uns gefahren. Wir sahen uns verpflichtet, ihnen wenigstens 20 Euro dafür zu geben, sie nahmen es dankend an und Alle waren zufrieden.

    Nun ging es zu Fuß weiter und ich verordnete ab jetzt ein Mitfahrverbot. Ein Raunen kam mir entgegen, aber das war mir egal. Ich wollte endlich mal wieder im Arsch sein. Gesagt, getan. Die Piste bestand zwar aus festgefahrener Erde und der Roller lief relativ gut hoch, aber die Steigung war ab und an mörderisch, dass ich mal wieder die üblichen Stöhn-Geräusche von mir gab, die bei Allen für Belustigung sorgte. Die Sonne vom Morgen war mittlerweile weg, Wolken begleiteten uns, die wenigstens nicht übersättigt vom Wasser waren. Trocken ging es also Meter um Meter nach oben. Alle waren gut gelaunt, bei Spielen, Unterhaltungen und Pausen verging die Zeit schnell und irgendwie war ich immer wieder erstaunt als ich aufs Navi sah und wieder 100hm geschafft waren. Gesamt waren es ab der Offroadpiste 700hm, die wir nun bis Nachmittag locker schaffen würden. Auf dem Weg nach oben war uns aber klar, dass wir heute ohne den mysteriösen Transfer Le Dimitile nie erreicht hätten. Ab und an kamen uns ein paar Pickup entgegen, da dort oben am Kraterrand einige wenige Unterkünfte zum vermieten und Gites waren, die meisten davon aber aufgrund der Nebensaison geschlossen. Gegen 16 Uhr erreichten wir eine kleine Kapelle. Dieser schenkte ich weniger Aufmerksamkeit, da ich hier oben das Wasserproblem im Kopf hatte und hinter dieser Kapelle ein Mege-Wassertank stand. Einziges Problem: Der Wasserhahn war abgedreht und man brauchte ein Werkzeug um ihn zu öffnen, der Knauf war abgebaut. Okay, irgendwie würde ich da schon herankommen. Eine dieser vielen Mac Gyver Serien würden mir wohl helfen, eine Lösung zu finden.

    Wir erreichten nach einem rechten Abzweig keine 10 Minuten später den Aussichtpunkt Le Dimitile und es machte sich Enttäuschung breit. 0% Sicht, 100% Wolken und 100% Enttäuschung. Wir gingen nun parallel zur Abbruchkante auf der Piste relativ eben weiter und kamen nach 500m zu einem weiteren Aussichtpunkt, der auch gut als Camp geeignet war. Besser noch, es war hier oben die einzige Stelle, ein Zelt aufzuschlagen. Ich stand als Erster am Geländer und erwartete den gleich Null-Ausblick wie kurz zuvor. Doch was ich nun zu sehen bekam, ließ mich innehalten. Ein langes "Wooooow" kam über meine Lippen. Yvonne und Täve dachten, es wäre mal wieder eine meiner vielen Tricks, sie zu verarschen. Sie sahen aber bald, dass ich die Wahrheit sprach, sie lehnten genau wie ich auf dem Geländer und wir versuchten, so glaube ich, Alle, dieses eine Bild auf die Festplatte im Gehirn zu brennen. Erst Minuten später dachte mal Jemand daran, es auch zu fotografieren. Während wir nun genau hier unser Zelt aufbauten, standen wir immer wieder am Ausblick. Es war wie eine kleine Eisenbahnplatte, die immer in Bewegung war, mit Wolken und Geräuschen. Hier waren wir Alle geflasht.


    Ein großes Wow für diesen Ausblick


    Genießen gehört auch zu unseren Stärken


    Und wieder verändert sich die Szenerie


    Da macht der Aufbau des Zeltes Spaß

    Nachdem wir uns beruhigt hatten und unsere Gefühle im Griff hatten, begab ich mich mit allen Tools, die ich hatte, zurück zum Wassertank, darunter ein Schweizer Messer, ein Opinel und der Werkzeugschlüssel vom Polaris Kocher. Täve begleitete mich, da er die Sache an sich interessant fand, an dem Tank rumzufummeln. Dort angekommen, passte gleich das erste Werkzeug wie angegossen. Danke Optimus, Euer Kochertool ist super geeignet um Wasserhähne zu öffnen. Täve öffnete nun langsam den Hahn und wir befüllten den Wassersack mit 10 Liter, den Trinkrucksack mit 3 Liter und gingen zurück zum Zelt.
    Hier genossen wir dann noch sehr lange die Aussicht beim Abendessen, bald gaben die Wolken sogar noch den Piton des Neiges frei, der Sonnenuntergang atemberaubend. Hier oben war eine Totenstille, die immer nur von den Geräuschen aus dem 1000m weiter unten gelegenen Talkessel gestört worden. Endlich hatten sich unsere Mühen gelohnt, glücklich gingen wir zu Bett und waren gut geschafft. Das morgen die wohl schwerste Tour Reunion's vor uns stand, wussten wir bis dahin nicht.


    Daumen hoch für den höchsten Gipfel der Insel


    Sonnenuntergang
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  7. Gerne im Forum

    Dabei seit
    16.10.2014
    Ort
    Warburg
    Beiträge
    50

    AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #27
    Habe schon den Madeira-Bericht genossen und genieße auch diesen!

  8. AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #28
    @kroessebastian: Danke für Dein Feedback

    18.TAG Was für ein fataler Fehler, die heutige Tour unter Ulk zu verbuchen und den Vormittag langsam angehen zu lassen. So genossen wir wiederum die Szenerie, die bei aufgehender Sonne ganz anders ausschaute. Entspannt frühstückten wir bei diesem schönem Ausblick, die ersten Wanderer kamen des Weges und fragten uns, wo es dann langgehen würde und wie der Weg denn im weiteren Verlauf sei. Stand bei mir Google Street View auf der Stirn? Keine Ahnung, waren die echt so unvorbereitet? Gut wir waren es am Ende ja auch und wussten nicht, was uns erwarten würde, aber wenigstens wussten wir, wo es lang geht. Ist ja auch nicht schwer beim Verlauf dieses Pfades. 2 Meter nach links 1000m Abgrund, also immer an der Kante entlang.


    Die verschwitzten Klamotten von gestern trockneten in der heißen Morgensonne

    Es war nun alles verpackt, die ersten paar Meter konnten wir noch auf der Piste am Hang entlang gehen, während der Trail bereits parallel verlief. Dann kam das Schild, welches auf den nun folgenden Trail verwies. Roller eingeklappt, Ortliebsack geschultert und ohne große Aufwärmphase ging es steil gen Himmel. Gott, war ich wieder froh, ein paar mickrige Bäume am Wegesrand als Stütze und Zugpunkt zu haben. Es war ein Hochgewuchte besonderer Art. Die Sonne schien zwar voll auf uns, aber in den Büschen und Bäumen war ein angenehmes Klima, ich war noch nicht am Limit, noch nicht! Die gerate gemachten Höhenmeter wurden immer wieder in kurzen, knackigen Abstiegen fast gänzlich vernichtet. Die nur kurzen ebenen Passagen reichten zur Regeneration keinesfalls. Yvonne unterstützte mich also ein wenig beim Roller tragen, noch!


    Hier der Verlauf der heutigen Passage

    Von 1800m mussten wir heute noch auf 2350m hoch, also merkte man schon bald, dass die Abstiege weniger worden, die Anstiege zunahmen und die Geraden wegfielen. Da wir eine Woche zuvor von der Nez de Boeuf (Walzen-Camp) den Kraterrand erkennen konnten, wussten wir ungefähr, wie es bald ausschauen würde. Bald erreichten wir eine 4m breite Waldschneise, die weithin sichtbar war. Eine gerade Schneise vom Kraterrand schnurgerade nach unten in Richtung Küste. Hier genau machten wir Pause und blickten auf das Grand Bassin Tal und rüber auf den Vulkan. Dabei diskutierten wir über den Sinn dieser Schneise. Einzig konnte sie dazu dienen, einen Waldbrand hier oben einzudämmen. Wir zogen weiter, aber es war absehbar, dass die nächste Pause Mittag heißen würde. Gegen 14 Uhr pausierten wir mitten auf dem Weg, ich schmiss den Kocher an und es gab Nudeln mit Zucker, das sollte Kraft für den kommenden Abschnitt geben. Mittlerweile war die Sonne weg, die Wolken ließen nur selten einen Einblick in die Umgebung zu. Hee, aber ehrlich, mir war sowie so die ganze Zeit schwarz vor Augen und mein Interesse galt eher anderen Dingen, wie zum Beispiel den bald folgenden 14 Leitern. Diese leiteten nun die Passage ein, wo es nun rechts UND links steil runterging.


    Der Einstieg, los geht's!


    Die kleineren Leitern schienen neu zu sein


    Im grünen Gegenanstieg sind ein paar Leitern zu erkennen

    Gleich die erste Leiter war der Hammer, mit der wir gleich mal 10hm vernichteten. Um Täve musste ich mir keine Sorgen machen, der sogar meinte, dass ich mich doch eher um Mama kümmern sollte. Die stand nämlich schon wieder panisch an der Leiter und irritierte mich mit ihrer Frage "Wie soll ich denn da runter kommen?" Ich hatte heute und hier nicht mehr das Problem, Täve zu motivieren, der fand die Leitern und Seilsicherungen cool. Nun war Mama mein Problem. Mit Sorgfalt und Vorsicht betreute ich die kleine Herde Stufe um Stufe. Dieser Abschnitt war gerade mal 1km lang, gemessen vom Abstieg 100hm runter bis in die Senke und drüben wieder 200hm hoch. Teilweise kam man nur durch die engen Passagen durch, indem man Rucksack und Person von einander trennte. Yvonne hing sogar mal in einer Spalte fest, wo ich nun auch noch von hinten schieben durfte. Gott, es war ein Kampf. Wir waren aber schon wieder im Anstieg und die 14.Leiter wurde vor Wut noch einmal getreten. Täve schrie als Einziger nach weiteren Leitern. Nun hatten wir ein Plateau erreicht, die enge Passage war überwunden. Kurze Pause und Diskussion, wie es nun weitergehen sollte. Die Wolken zogen mehr und mehr zu und die angepeilten beiden Seen waren nicht mehr weit. Das hatte aber heute bei dieser Tour nichts zu sagen. Es standen 5km auf der Uhr und 4,5 Stunden in Bewegung. Da es hier oben ansonsten sehr trocken schien, war es nicht zwingend wahrscheinlich, dass die Seen nicht periodisch sind. Wir liefen also erst einmal weiter. Vor uns wartete noch ein harter 200hm Abstieg, doch der konnte uns gestohlen bleiben, für heute jedenfalls.


    Unser rettendes Camp mit Wasseranschluss

    Wir kamen auf eine Wiese, etwas durchgefeuchtet im Zentrum, relativ trocken am Rand. Überall Wasserlöcher mit klarem Wasser. Gleich hinter diesem Platz würde der Abstieg zu den Seen beginnen, ich wagte einen Blick hinunter, konnte aber nichts sehen. Dann doch lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach, zumal das Wetter hier oben noch ein wenig einladender war. Wir schlugen erschöpft das Zelt auf, es war mittlerweile kurz vor 17 Uhr. Was für eine Tour. In dem einen Wasserloch wurde sich gewaschen, in einem anderen Wasser geschöpft fürs Abendessen. Im Zelt machten wir es uns gemütlich, genossen den Abend zu Dritt im trockenen Zelt, denn draußen war das Wetter schon wieder grau in grau mit Nieselregen, die tiefe Nacht sollte noch extra Wind von der Seite mit sich bringen.
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  9. AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #29
    19.TAG Die Nacht war unruhig und als die ersten Sonnenstrahlen an der Zeltwand kitzelten, konnte ich es kaum erwarten, aufzustehen. Der frühe Vogel weckt die Anderen. Hätte ich mich nicht immer mal bequemt aufzustehen, die beiden Schnarchnasen hätten weiter in ihrer Totesstarre-Position verweilt. Ich konnte so vorm Zelt einen wolkenfreien Himmel und die Umgebung bestaunen. Ein traumhafter Morgen hier oben, den ich nur für mich hatte. Dieser Abschnitt schien wirklich sehr wenig begangen zu sein, naja. Den Grund dafür lieferte uns die gestrige Tour. Sicher mit Tagesrucksack kein Problem, aber auch Tagestouristen sah man hier oben nicht, da die Tour einfach zu weit ab vom Schuss ist und man Hin wie Rück einen Transfer benötigt.


    Traumhafter Morgen, der nicht lange hielt


    Paar Momente später sah es dann so aus

    Als ich mich ans Frühstück machte, standen dann auch Täve und Yvi auf, zu spät, das Wetter hatte umgeschlagen, Frühstück also wieder mal im Zelt. Was würde uns heute erwarten, wo würde es uns hin verschlagen? Erst einmal los laufen, sehen wie es läuft und spontan entscheiden. Wir hatten noch Proviant für 2 Tage, also keine Not, heute in einem Abwasch nach Cilaos runter zu kommen. Noch kurz eine Rauferei zum Aufwärmen, dann ging es ans Einpacken. Täve übte schon mal das Abseilen, wusste er etwas, was uns da gleich erwarten würde?


    "Ein bisschen Spaß muss sein..." Kampfarena Innenzelt - Keiner kann fliehen


    Das Seil diente als Sicherung für Täve, Wäscheseil oder Spielleine

    Alles war gepackt und nun kam wie verabredet die Sonne zum Abmarsch heraus. Kurzer Aufstieg heraus aus der Senke und nun eröffnete sich der Blick auf den Piton des Neiges, sogar das ferne Bellouve war zu sehen, der Aussichtpunkt zum Cirque Salazie, der die Schlechtwetterphase damals einläutete. Auch zu sehen waren die beiden Seen. Zwischen ihnen und uns lagen 150hm, 100 davon verliefen über eine gefühlte Steilwand, bewachsen mit Büschen und Bäumen. Man hätte den Verlauf ruhig auch relaxter wählen können, aber nein, hier wollte Jemand einen schnellen Weg nach unten anlegen.


    Die beiden Seen mittig zu sehen


    Die Abbruchkante, links davon Cirque Cilaos, direkt in den Wolken versteckt der Piton des Neiges

    Die Knie schmerzten, aber waren nach den ersten Serpentinen nun aufgewärmt und weich getreten, es lief wie geschmiert. Der Weg war klitschig, einige Bäume mussten als Sicherung herhalten, aber im steilen Gelände verliert man halt schnell an Höhe. Wir erreichten nach eine halben Stunde das Plateau. Atempause! Ein Keks zum stärken, Sonne und Ausblick genießen.


    Freier Blick auf den Gipfel

    Hier oben gefiel es mir mega. Wenig los, tolle Landschaft, atemberaubender Weitsicht und 360 Grad Blick. Schon beim Abstieg hatte ich die Idee gefasst, an den Seen für heute Stopp einzulegen. Bereits vor dieser Reise hatte ich mir gesagt und wir uns auch so verständigt, dass wir auch mal einfach sagen "Stopp", wo es schön ist, wo wir uns wohl fühlen. Ich sprach also meinen Gedanken aus. "Was jetzt schon?" Naja, wir hätten auch noch 20 Runden um die Seen laufen können, aber so konnten wir hier oben einfach mal die Seele baumeln lassen. Beide willigten ein und so wurde diese Pause auch gleich noch ausgedehnt.


    Die Stimmung war gut- Sonne und bald am Camp

    Es war dann doch noch einen Kilometer bis zu den Seen, wo sich drei Wege trafen. Der zum Gipfel, der zum Col de Bebor und unserer. Wir fanden eine relativ trockene Stelle am Rande des sumpfigen Gebietes. Die Seen waren nur 10-15cm tief, aber reichten völlig aus. Nach 1.5 km wurde alles sorgfältig Eingepackte wieder ausgepackt. Nun gut, wir hatten Zeit und die ließen wir uns auch. Entspannt wurde alles her gerichtet, danach hieß es sonnen, baden, entspannen, spielen oder schlummern.


    Das Camp La Mare

    Immer wieder kreuzten nun Trailrunner und Wanderer unser Camp, die vom Col de Bebor zur Dufour Berghütte oder weiter zum Gipfel wollten. Anscheinend der leichteste Weg um den Piton des Neiges zu erreichen. Von hier aus sah der Gipfel zum greifen nah aus. Es wären nur noch 800hm gewesen, mit Tagesrucksack sicher machbar gewesen, mit Täve und Yvonne zusammen vielleicht möglich, aber schwierig. Auf den Gedanken kam ich erst später, sicher wäre es eine fabelhafte Tour geworden, aber so haben wir nun einen Grund, nach Reunion noch einmal zurück zu kehren.

    Ich sammelte im Umkreis Holz, heute Abend sollte es mal ein Lagerfeuer geben, Täve wollte seine Marshmallows grillen. Täve war voll beschäftigt und kaum ansprechbar. Er baute in den Teichen eine Brücke, fing mit einer Tasse Krebse, Würmer und Raupen.


    Täve in seinem Element - in der Natur


    Etwas unterhalb der rechten Kuppe im Hintergrund war der steile Abstieg

    Gegen 16 Uhr fingen wir langsam an, die Feuerstelle herzurichten, das feuchte Gras ausheben, Steine herum, auf die Erde kleinere Steine legen, fertig. Da wir kein Mittag hatten, machten wir uns an das vorgezogene Abendessen. Der Wanderstrom ließ nach und bald waren wir hier oben wieder für uns allein. Die Nudeln waren verzehrt, Alle waren gewaschen, es kam der gemütliche Teil am Lagerfeuer. Gegen 20 Uhr erschienen aus dem dunklen Nichts zwei Trailrunner, die noch aufsteigen wollten, beide Parteien waren erschrocken von deren Erscheinen, ein netter Gruß und bald war nur noch der Lichtkegel ihrer Stirnlampen im Dickicht sichtbar. Ruhe kehrte wieder ein, entspannt schaukelten wir in unseren TAR Chairs, bestaunten den sternenklaren Himmel und trotz der kurzen Tour hatte die Sonne es geschafft, uns müde zu machen. Gegen 22 Uhr trat Einer nach dem Anderen den Weg in den Schlafsack an. Die heutige Nacht war so kalt, dass ich den 3-Jahreszeiten-Schlafsack richtig schließen musste und trotzdem fror.

    Mitten in der Nacht weckte mich ein Unwohlsein im Magen, Übelkeit. Ich wollte mich übergeben. In der Eile, zog ich den Reißverschluss mehrmals hin und her ohne das es sich öffnen ließ, es war leider das Moskitonetz, hastig suchte ich nach dem richtigen Zipper. Kaum vorzustellen, ich würde mich hier im Innenzelt übergeben. Dann war es auf, raus aus dem Zelt und das Essen des Abends landete auf der Wiese. Hatte ich was Verderbliches gegessen? Warum ging es den beiden Anderen gut. Als alles raus war, ging es mir schon ein wenig besser, aber ich schlief unruhig weiter.

    + + + +

    20.TAG Aufgrund meiner Übelkeit musste ich mich auch noch am Morgen übergeben, ich fühlte mich schwach auf den Beinen und an Weitergehen war nicht zu denken. Wir sortierten den Proviant und mit etwas strecken würden wir noch eine Nacht hier ausharren können. Das Wetter wurde am Nachmittag wieder schön und das Camp war sowie so schon zur Nummer 1 gekürt worden, also waren Alle froh über einen vollen Gammeltag. Was hatte ich mir eingefangen? Keine Ahnung, doch mit jeder Stunde ging es mir besser, nach einem Vormittagsschläfchen war fast gar nichts mehr zu spüren. Am Nachmittag fühlte ich mich dann insoweit wieder fit, dass ich den 2km entfernten Abstieg inspizieren wollte. Täve und ich spazierten dorthin und genossen den Ausblick auf Cilaos.


    Hier beginnt der 800hm Abstieg

    Zurück am Camp war nun das Abendessen heiß umkämpft, ich hielt mich zurück, wollte nicht viel in meinen Magen lassen. Etwas Süßes war auch noch vorhanden und wurde restlos verspeist. Wir würden morgen mit sehr leichtem Gepäck reisen, das war klar. Vom Frühstück würde morgen auch nicht mehr viel übrig bleiben. Mit etwas Magenknurren gingen wir zeitig zu Bett, Yvonne titulierte diesen Tag als "sinnlos", doch da der ganze Vormittag verregnet war, hätte ich den klitschigen, steilen Abstieg in meinem Zustand nicht machen wollen. Mal sehen, was uns das Wetter morgen bringen würde. Wieder einmal waren wir die Nacht über erstaunt, dass Trailrunner hier lang kamen. Natürlich waren sie so rücksichtsvoll, dass sie sich laut an unserem Zelt unterhielten und mit ihren Stirnlampen das Zelt ausgiebig durchleuchteten. Ich gab meinerseits ein kleines Signal mit meiner Lupine, natürlich auch rücksichtsvoll auf höchster Stufe. Wir hatten uns anscheinend ohne Worte verstanden, sie zogen weiter und ich konnte weiterschlafen.
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  10. AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #30
    Spannend! Immer schön weiterschreiben
    Das Leben ist schön. Von einfach war nie die Rede.

  11. AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #31
    @Rattus: Danke, und Dein Wunsch wird erfüllt.

    20.TAG Bereits gestern war klar, dass die heutige Tour zu einer der letzten Kilometer gehören würde. Der Wunsch, auch noch am Mafate Kraterrand zum Maido Ausblick zu wandern, ging nicht in Erfüllung, reiht sich aber somit in die Reihe der Wünsche, was wir bei einem 2.Besuch sehen wollen, ganz oben ein. Dafür war das Wetter heute voll auf unserer Seite. Die Sonne kitzelte uns aus dem Zelt, wir aßen vorm Zelt, während Trailrunner unser mickriges Buffet kreuzten. Der Tag würde nicht wie gewohnt laufen, wenn wir nicht mal wieder ein Problem hätten. Während wir den Kaffee genossen, spielte Täve im Zelt am Handy herum. Bald kam er aus dem Zelt und meinte "Papa, das geht nicht". Ich schaute aufs Display und dort wurde ich zur PUK Eingabe aufgefordert. Ich hätte schreien können. PUK Code, woher soll ich den jetzt nehmen? Nun merkte man, wie aufgeschmissen man ist, wenn das Handy nicht geht. Gut, es war die meiste Zeit im Urlaub aus, aber ab und an kommunizierten wir mit unserem Transferservice und der wartete noch auf eine Antwort von uns, wo und wann er uns nun genau abholen sollte. Gut, richtig sauer konnte ich Täve nicht sein, er merkte aber, dass ich nun nicht mehr so gut gelaunt war. Woher nun den PUK Code bekommen?

    Da nun der Proviant Rucksack (roter Ortlieb) nahezu leer war, kam ich auf die Idee, den Roller im Rucksack genau so zu verstauen wie den Ortliebsack. So hatten wir nun die Hände frei und alles auf den Schultern. Das würde es einfacher machen, dachte ich. Ein wenig hatte ich Respekt, heute erst die 800m am Stück in den Cirque abzusteigen, um dann weiter 400m weiter runter nach Cilaos zu gehen. Ich war echt gespannt, wenn ich wann und wo motivieren musste. Bei Täve war das ja immer leicht, in dem man ihn in Gespräche oder Spiel verwickelte. Wenn jedoch Yvonne der Problemfall war, konnte ich mit "Ich sehe was, was Du nicht siehst" nicht mehr trumpfen, da halfen nur warme Worte und Lügen wie "Es ist nicht mehr weit" oder "Wir haben die Hälfte geschafft".


    Blick auf den Cirque, rechts der Ort Cilaos

    Bis zum besagten Abstieg waren es ca. 2km durch Dickicht und auf schlammigen Wegen. So falsch war es nicht, die Tour heute zu gehen, denn gestern um die Zeit pisste es aus Eimern, heute dagegen fast wolkenfreier Himmel, der Trail zum Glück im Schatten. Der Weg begann sanft und eben und wechselte bald in einen schmalen, steinigen, stufigen und engen Bergfad, durchsetzt mit gelegentlichen Stahlseilen und Leitern. Letzteres mal wieder sehr zur Freude von Täve, zack Motivation von selbst erledigt. Bei Yvonne half mir die Sonne, die weiter unten im Hang das Buschwerk hell erleuchtete. Das motivierte sie, erst einmal bis dorthin durchzuziehen. Die Stimmung war super, trotz halbleerer Mägen und des bald endenden Urlaubs auf Reunion. Irgendwie lief sich der Weg super bequem. Am Einstieg standen 2 Stunden Gehzeit. Nach einer kleiner Pause nach 400hm Abstieg erreichten wir nach knapp 2 Stunden die Straße, die nach Bras-Sec.


    Oberhalb der rechten Baumspitzen war der Beginn des Abstieges

    Dieser folgten wir nun auch oder war es der Hunger, der dieser Straße folgte. Gott, wir hätten ein vorbeilaufendes Schwein lebendig verspeist. Im nächstmöglichen Supermarkt würden wir wohl erst über die Regale herfallen und dann bezahlen. Es war Sonntag und im Urlaub verliert man irgendwie immer die Relation zu Wochentagen und Uhrzeit. Tja, und da Bras-Sec nicht gerade eine pulsierende Weltmetropole ist, war alles geschlossen. Keine Kneipe, keine Tankstelle, kein Supermarkt. Während Yvonne am Abzweig wartete, wo es nach Cilaos ging, durchstreifte ich mit Täve den Ort, was nicht lange dauerte. Am Ortsende standen vor einer offenen Garagentür mehrere Autos, Stimmen drangen nach draußen. Ich nahm an, da haben sich paar Bastler zum Sonntagsplausch getroffen und drehte um. Ein letzter Blick zurück und ich sah einen Mann mit einem Sixpack und Wasserflaschen herauskommen. Okay, das musste ich prüfen. Es war kleiner Imbiss mit Kneipe. Cola, Mars und Eis - her damit, aber schnell. Richtiges zu essen hatte er nur solche komischen fleischgefüllten Teigtaschen. "10 Stück bitte!", ach, komm, was soll der Geiz, ich orderte gleich 20 von diesen leckeren Dingern.

    Yvonne empfing mich mit offenen Armen und die 20 Kügelchen waren heiß umkämpft, ich hatte schon Angst, dass Einer der drei Holzspieße noch in einem Auge landen würde. Ich hielt mich zurück und zehrte an meinen Fettreserven. Nun noch einmal 150hm runter ins enge Tal des Flusses Bras de Benjoin und auf der anderen Seite nur noch 100hm wieder hoch, dann war Cilaos erreicht. Am Fluss pausierten wir noch einmal, genossen zum letzten Mal die Einsamkeit und die Ruhe. Hier unten war ursprünglich eine Nacht geplant und dies wäre sicher ein toller Platz gewesen, einen Stellplatz mit Lagerfeuerstelle gab es linksseitig des Flusses, etwa 10m unterhalb der Querung auch. Wir mussten aber weiter, kein Proviant und keine Ahnung, wo es sonntags noch was geben würde. Und da war doch noch was mit dem PUK Code? Meine Idee, ein kostenfreies Wlan suchen und meine Vermieterin per Whatsapp anschreiben, dass sie in unserer Wohnung die Vodafone Unterlagen nach PUK Codes durchsucht.

    In Cilaos zogen wir durch die engen Gassen, am Ortsteich vorbei. Der Ort war trotz seiner Größe hübsch und sauber angelegt, das hätten wir so nicht erwartet. Unser Camp im Ort lag südlich und außerhalb des Ortes ruhig und abgeschieden. Dort angekommen, beeindruckte uns dieses rudimentär eingerichtete Camp mit seinen Bäumen und der schattigen Wiese, die wir nur mit einem Quechua Popoup Zelt teilen mussten. Meine erste Aktion war nun, ein offenes Wlan zu finden und mein Hilferuf wurde bald erhört. Der Anbieter Orange hat auf der Insel Wlan Netze verteilt, wo man sich gegen Gebühr einwählen kann. Ein schwaches Netz hatte ich, 10 Euro für 24 Stunden musste ich berappen. Dann war ich drin, die Vermieterin angeschrieben, nun half nur warten. In dieser Zeit googelte ich mein Problem und siehe da, ich war nicht der Erste. Vodafone hatte eine Lösung parat. Online auf der Vodafone Seite in den eigenen Bereich gehen und PUK Code abfragen, fertig. So hatte ich diesen nun wieder schnell zur Hand. 10 Minuten später sendete mir meine Vermieterin 10 PUK Codes zu. Ohje, ich sollte zu Hause mal wieder aufräumen.

    Am Camp zurück hatte Yvonne derweil versucht, dass 4,20m lange Kaitum zwischen zwei 4m von einander getrennten Bäume zu platzieren. "Warum versuchst Du es nicht quer aufzustellen?" Oh, da konnte Jemand nicht konstruktiver Kritik umgehen. "Mach's doch selbst". Tat ich dann auch. Parallel erschienen ein Wanderpärchen mit großen Mehrtagesrucksäcken. Sie platzierten ihr Zelt neben uns und wir kamen mit ihnen ins Gespräch. Tina und Felix waren auch nur zu Fuß auf der Insel unterwegs, auch wild zelten, auch kreuz und quer. Wir waren sehr neugierig, wo sie überall waren, tauschten unsere Erfahrungen und Eindrücke aus. Felix kannte auch das ODS Forum und meinte nur, dass das Zitat des letzten Reiseberichtes hier zu Reunion voll zutrifft:

    "Nehmt Euer Zelt mit, Reunion mit Zelt rockt"....was wir natürlich so unterschreiben konnten.

    Wir zogen dann aber erst einmal los, um Proviant zu besorgen und fanden einen kleinen Laden, der noch offen hatte. Wir merkten uns diesen vor, denn zur Belohnung sollte Täve eine Bootsfahrt im Elektroboot im Ortsteich bekommen. Danach aßen wir noch gleich am Imbiss zu Abend, Pommes und Baguette mit Rindfleisch und Käse. Mit einem kleinem Umweg über den Shop waren wir dann bei Einbruch der Dunkelheit wieder am Camp, unterhielten uns noch ein wenig mit Tina und Felix und gingen früh ins Bett, die letzte Tour hatte noch einmal ordentlich geschlaucht.
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  12. AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #32
    21.TAG Wir konnten ausschlafen, doch die Vögel über uns in den Bäumen wollten das nicht und weil wir den nervigen Lockrufen nicht gleich folgten, schissen sie uns auch noch das Außenzelt zu. Die Natur kann so grausam sein. Während wir uns erst einmal vorm Zelt streckten, waren Tina und Felix schon bereit zum Abmarsch. Sie kamen gestern von der Küste mit dem Bus hoch, was wir heute in umgekehrter Richtung vor uns hatten. Die Beiden zog es heute hoch in die Berge, sie wollten morgen den Piton des Neiges stürmen und wir hofften, dass das Wetter mitspielte. Wir verabschiedeten uns und gingen nun unseren Dingen nach. Kaffee genießen, Klamotten packen und gegen 10 Uhr den Weg zum Bus antreten, der uns auf über 200 Serpentinen nach St.Louis bringen sollte.

    Die Fahrt war spektakulär, in den Tunneln zwischen Bus und Felswand manchmal nur 10cm Platz. Der Blick nach oben an den Kraterrand beeindruckte uns im Hinblick, was wir geschafft hatten. Die andere Perspektive von unten nach oben zu schauen war gleichermaßen interessant.

    In St.Louis wechselten wir den Bus und ich hatte mich nun doch noch breitschlagen lassen, an den schönsten Strand Reunions u fahren, wo auch die meisten tödlichen Haiangriffe weltweit registriert worden. Gegen frühen Nachmittag waren wir in St.Gilles angekommen. Wir waren dem Tipp von Felix gefolgt, den Ermitage Campingplatz anzusteuern, der einer der besseren sein sollte. Nicht so rudimentär wie die Camps in den Bergen, dafür aber auch ordentlich was los hier. Direkt am naturbelassen Sandstrand gelegen, hieß es nun: runterfahren, den letzten Tag genießen. Morgen Transfer zum Flughafen und Weiterflug nach Mauritius. Ich mailte unserem Transferservice noch die aktuellen Daten und nachdem auch das Zelt stand, entspannten wir am Strand, der voller Korallen und außergewöhnlichen Muscheln war. Zwischendurch ein letzter Gang in den Supermarkt und dann läutete ein atemberaubender Sonnenuntergang den Abend ein, den wir am Zelt bei Wein, Schokolade und und und genossen.

    Wir hakten einstimmig Reunion als gelungen ab, Erwartungen voll erfüllt, eine Wiederkehr nicht auszuschließen. So reiht sich Reunion in unserer bis jetzt bereisten Favoritenliste ganz weit oben nach Kirgistan ein.

    22.TAG Unspektakuläres frühes Aufstehen um 4.30 Uhr, das halbe Camp war schon wach. Nach Aussagen einer Einheimischen ist das aber hier Usus, zeitig aufstehen, früh ins Bett gehen. 6 Uhr Abfahrt und Ankunft um 8 Uhr am Flughafen. Abflug sollte 10.50 Uhr sein, wir hatten genügend Zeit, frühstückten und kauften Souvenirs. Dann hieß es:

    Au revoir La Reunion
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  13. AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #33
    6.Reiseabschnitt - Mauritius | Black River Gorges Nationalpark | Le Morne | Strände (6 Tage)

    VORWORT
    Mauritius war ja nicht unbedingt erste Wahl, aber es lag nun auf dem Weg und nach ersten Recherchen, was man da machen konnte, stieß ich auf den größten Nationalpark der Insel Black River Gorges, der im Südwesten liegt. Dort fand ich auch einige Wandertouren und sogar am westlichen Eingang Black River ein Piktogramm auf der Karte, dass auf ein Camp verwies. Dass nun Mauritius nicht gerade das Wanderparadies ist, erwarteten wir auch nicht, aber trotzdem waren wir gespannt, was uns da erwarten würde. Täve freute sich am meisten auf die Affen. Also planten wir eine Woche ein.

    REISEART
    Natürlich wollten wir auch hier wild zelten, einmal auch das ausgewiesene Camp Black River nutzen und die restlichen Tage am Strand verbringen. Zu Letzterem las ich immer viel Gegensätzliches im Netz. Vor Ort konnten wir dann unsere Erfahrungen selbst sammeln. An öffentlichen Stränden (Public Beach), die es in jedem kleineren Ort gibt und immer gut ausgeschildert und gepflegt sind, darf man wild zelten. Zweimal kamen Polizisten vorbei, einmal fragte ich explizit nach. "Camping, no problem". Dieses Mal buchten wir uns aber einen Mietwagen, der nur für die kurzen Transferwege zwischen Flughafen und den Start-/Endpunkten gedacht war. Er war so günstig, dass wir lieber diesen buchten als uns vor Ort von geschäftstüchtigen Taxifahrern übers Ohr hauen zu lassen.

    PLANUNG
    Wir wollten zuerst den Nationalpark in 3-4 Tagen einmal von Süd nach Nord und dann von Nord nach Süd durchwandern. Der Park war überschaubar klein, wir wollten es dieses Mal ohne Roller versuchen. Für die paar Tage blieb auch das Solarpanel und andere kleinere Dinge im Auto. Ziel zum Baden sollte der Le Morne Felsen sein. Ich müsste dann noch das Auto aus dem 20km entfernt Bel Ombre wieder abholen, mit trampen oder Bus kein Problem. Wir konzentrierten uns auf den Südwesten. Es war jedoch schwer an Informationen zu herangekommen. Kaum Jemand, der Erfahrungen kund gab, kaum Beschreibung der Weg. Ich musste mich an Vermutungen und Eindrücke von Bilder einen Reim daraus machen, was vor Ort möglich war.

    TOUR
    Da vor Ort alles anders kommen sollte, hier der Überblick, wie es gedacht war. Flughafen - Bel Ombre mit Mietwagen - Wanderung zum südlichen Rand vom NP (Camp) - quer durch den Park, zentral im NP zelten - weiter zum Camp Black River (Camp) - Piton de la Petite 828m - Piton du Canot 525m (Camp) - zur Le Morne Halbinsel (Camp, 2 Nächte)


    Urheber: OpenStreetmap
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  14. AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #34
    22.TAG Gegen Mittag und bei ordentlicher Hitze kamen wir am Flughafen an. So richtig sollten wir aber nun bei der Einreisekontrolle ins Schwitzen kommen. Bei der Einreise muss man zwei Formulare ausfüllen, sog. Einreisekarten, eine für die Personalien, die andere für mögliche Krankheiten. Die Felder Hotel, Telefonnummer und Kontaktperson ließen wir frei, denn wir wollten nicht lügen, aber auch nicht zu ehrlich sein. Der dienstbeflissene Beamte wollte aber eine Reservierung sehen. Wir entgegneten ihm, dass wir im Camp im Nationalpark schlafen würden und keine Reservierung nötig sei. Nun sollten wir Adressen, Name und Telefonnummer der Kontaktperson aufschreiben, also Handy an, im Internet irgendwelche Daten zusammengesammelt und eingetragen. Fängt ja schon gut an, dass man hier nur reinkommt, wenn man ein Hotel vorweisen kann. Mein Hals begann dicker zu werden, ein innerer Hilfeschrei rief "Reunion, wo bist du?" Da kam ja aber nun noch die Gesundheitsbehörde, die auch noch paar Fragen hatte. Ich kam mir wie in "DDR reloaded" vor. Wo und was ist Madeira, was hat dieser Stempel zu bedeuten? Was ist Bishkek? Hallo, wenn der keine Ahnung von der Weltkarte hat, sollte er vielleicht nicht am Flughafen arbeiten. Irgendwann hatten wir auch diese Spione bewältigt.

    Endlich mit dem Gepäck im Schlepptau ging es ab zur Mietstation. Dort nahmen wir die sehr herunter gekommene Karre in Empfang, weder sauber gemacht, noch voll getankt. Die Stoßstange hing auf halb Acht. Der Mitarbeiter nahm alle Vorschäden auf und markierte sie auch dem Vertrag. Wir wären schneller fertig gewesen, hätte er die noch intakten Stellen am Auto markiert. Yvonne stieg auf der rechten Seite wie gewohnt ein und auch gleich wieder aus. Tja, hier auf Mauritius sitzt der Fahrer auf der rechten Seite. Zum Glück ein Automatik-Getriebe, so konnte ich mich 100%ig auf den ab und an entgegenkommenden Verkehr konzentrieren, der mir auf der rechten Spur entgegenkam und mit bewusst machte, dass ich falsch war.

    Es zog uns schnell nach Süden an die Küste und weiter gen Westen. Die beiden Inseln Reunion und Mauritius konnten unterschiedlicher nicht sein. Während man auf Reunion den doch sehr europäischen (finanziellen) Einfluss bemerkt und doch zu sehen ist, dass da viel Geld von der EU hier ankommt, wird Mauritius doch eher von einem indischen Flair behaftet. Genau so stelle ich mir Indien vor. Die Menschen, die Orte, die Autos, die Kleidung, die Lebensweise. Da Indien bei uns nicht auf der Liste der Traumländer steht, fühlten wir uns anfangs auch ein wenig unwohler hier, was sich aber bald legte. Alles war unbegründet, die Menschen nett, zuvorkommend und vor allem der englischen Sprache mächtig. Zuerst wurde aber immer französisch gesprochen, schnell aber zu englisch gewechselt.

    Nach einem Stopp am Supermarkt und an der Tankstelle waren wir schnell in Bel Ombre angekommen. Übrigens, auch hier war das Volltanken der Benzinflasche mit hitzigen Diskussionen verbunden, aber wurde dann doch gemacht. Wir parkten unser Auto an einen der vielen 5 Sterne Hotels, die so gar nicht in das Bild passten. Heile, saubere, teure Welt getrennt mit hohem Zaun von der Realität hier draußen. Wie kann man als Pauschaltourist, der womöglich nie aus der Anlage herauskommt, dann behaupten, dass man auf Mauritius war?


    Die Hügel in der Ferne markieren den Nationalpark

    Die Rucksäcke waren gepackt und abgespeckt, Essen für die 4 nächsten Tage verstaut. Bei ordentlicher Hitze, auch ohne Sonne ging es nun zwischen ausgedehnten Zuckerrohplantagen Richtung Norden zum Nationalpark, der sich schon in der Ferne mit seinen grünen Hügeln verriet. Überall wurden Teile der Plantagen abgebrannt um so das Zuckerrohr einfacher und schneller ernten zu können. Auf dem Weg sprachen uns immer wieder Arbeiter von diesen Feldern an, wo wir denn hinwollen. Zum Glück gab es Verständigungsprobleme und wir zogen weiter. Bald hielt ein Safari Jeep mit Kundschaft. Der Fahrer und Guide konnte gut englisch sprechen und schaffte es dass mein Halsdurchmesser auf ein Maximum anwuchs. "Was Ihr wollt durch den Nationalpark und das allein ohne Guide?" Er klärte uns auf, dass der Park komplett eingezäunt sei und man dort nur mit Guide reinkommt, den man an den 4 Parkeingängen buchen kann. Waaaaas? Ich hätte gern mein Gesicht gesehen. Sowas hatten wir nirgends gelesen, okay soviel Berichte über Individualtouristen gab es ja nicht. Gott, ich war so am Boden zerstört, durfte es mir aber gegenüber Yvonne und Täve nicht anmerken lassen. Er fuhr weiter, wir gingen trotzdem weiter. Ich wollte es vermutlich nicht wahrhaben, wollte mich selbst überzeugen und wenigstens noch bis zum Zaun laufen, dann halt dort irgendwo wild zelten.


    Tiere konnte man auch sehen, aber nur im Nationalpark

    Kennt Ihr das Lied "Leck' mich am Arsch, Marie"? Irgendwann auf Reunion hatte es Täve in "Leck' mich am Arsch Mauritius" umgetextet. Hatte er eine Vorahnung gehabt, was uns hier erwarten würde? Mit diesem Lied und Text auf den Lippen beschritten wir weiter den sanft ansteigenden Weg zur Parkgrenze. In der Ferne konnten wir Pavillons auf einer Anhöhe ausmachen, die wir für unser heutiges Camp ins Visier nahmen. Dorthin sollten wir aber nie kommen, denn mehr und mehr kamen wir an eingezäuntem Wald vorbei, dahinter die Pavillons. Bald standen wir umgeben von Zaun ratlos da. Ich beschloss, dass wir wieder runter zu einem kurz vorher passierten See zurückgehen und dort campen. Nun war die Laune völlig am Boden, alle Planungen über den Haufen geworfen. Es sollte aber noch dicker kommen.

    Am See, hinter einem Hügel bauten wir unser Zelt auf, gut versteckt und nah am See auf einem lange nicht mehr benutztem Feldweg. Der Blick über den See in die Ferne und kahlen Hügel entschädigte uns ein wenig. Doch diese tolle Aussicht sollte auch noch jemand Anderes genießen, nur in umgekehrte Richtung. Wir bauten in den letzten Sonnenstrahlen das Zelt auf, badeten Alle nackt im See, Täve spielte noch ein wenig, während wir Essen kochten. Es war hier oben sehr ruhig, man konnte in der Ferne einen Jeep hören, den wir bald auch sahen. Er fuhr langsam am See lang. In der Abenddämmerung konnten wir ihn wohl besser sehen als er uns. Er drehte um und fuhr in unsere Richtung, wohl vorbei an uns hoch zu ein paar Hütten. Ich hüpfte zwischen Zelt, Feld und Buschwerk gehockt umher um zu sehen, welchen Weg der Jeep einschlagen würde. Ich ließ meinen Standardspruch in diesem Urlaub wieder los "Wenn der weiterfährt, ist alles im Lot". Wieder war nichts im Lot, er bog auf den Feldweg ein, auf dem wir campierten. Mist, erwischt!

    Ein Mann, gerade am Telefon in ein Gespräch vertieft, stieg aus dem Auto und begrüßte mich mit Handschlag. Während sich Yvonne weiter am Zelt um das Essen kümmerte, kamen wir beide 20 Meter weiter entfernt ins Gespräch. Ich fragte ihn, was er denn hier oben so spät am Abend mache, nach was er schauen würde. "I am just looking for you" wir Beide mussten lachen, wobei mir eher zum Heulen war. Der nette junge Mann fragte uns, ob wir denn eine Genehmigung vom Besitzer haben, da es sich um Privatland handle. Okay? Nein hatten wir nicht, aber wir konnten auch kein Hinweisschild erkennen. Die Großländereien sind hier mehr oder weniger gar nicht als Privatbesitz deklariert. Ich erklärte ihm unsere Notlage, dramatisierte ein wenig und begründete natürlich das Wild zelten auch ein wenig mit unserer Einstellung zur Natur und der Einsamkeit. Er meinte nur, dass er uns verstehen würde, da er ja selbst hier oben wohnen würde, er aber nicht der Besitzer, sondern nur Angestellter sei. Wieder rief er Jemanden an, dieses Mal Mr Nickolas, der Eigentümer, den er fragen und aufklären wollte.

    Kurz darauf sprach ich mit ihm, auch ihm erklärte ich unsere Situation und bat ihn höflich darum uns eine Nacht hier schlafen zu lassen. Wir würden den Platz ohne jegliche Hinterlassenschaften wieder verlassen. Er erteilte uns eine Ausnahmegenehmigung und fragte mich, ob er uns denn morgen an eine Stelle am Parkrand bringen solle, wo wir in den Park hineinkämen. Ich verneinte, da wir ja nun einen Guide bräuchten und ich nicht noch einmal in eine peinliche Situation kommen wollte. Ich bedankte mich für das nette Gespräch und legte auf. Doch ein wenig neugierig war ich schon, wie er uns gefunden hatte.

    Der Angestellte rief abermals Jemanden an, schaute in die Richtung der kahlen Berghänge, wo schemenhaft Hochstände oder Berghütten erkennbar waren. Er winkte und bekam als Antwort ein Lichtsignal. Er legte wieder auf und meinte, dass er dem Typen da drüben auf dem Berghang nur Bescheid gegeben hätte, dass wir hier eine Nacht bleiben dürften und alles nun Okay wäre. Diesem Typen hatten wir es zu verdanken, dass wir erwischt worden. Er schaute uns bei allem zu, was wir taten: Zeltaufbau, nackt baden und auch mein Rumgehoppse zwischen Zelt und Feld. Mann Mann, musste der einen Spaß mit seinem Fernglas gehabt haben. Er informierte dann den Besitzer des Landes, der schickte seinen Angestellten usw.


    Dort drüben auf den Hügeln saß der Spion

    Der Jeep verschwand bald in der Ferne und beim Abendessen hatten wir uns so nun genug zu erzählen. Der Typ gab uns am Abend dann noch einmal ein Lichtzeichen, was wir mit der Lupine erwiderten. So wurde es noch ein schöner lauer Abend und es war doch nicht alles negativ auf Mauritius und Jeder und Alles gegen uns.
    Geändert von elbspitze (15.09.2017 um 13:51 Uhr)
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    AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #35
    Gaaanz großes Kino, muss immer zwischen Staunen und Grinsen wechseln. Danke dafür!

  16. AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #36
    @Ronaldo: Glaub' mir, so ging es uns auch des öfteren im Urlaub. Zum Glück waren wir mehr am Grinsen und Totlachen

    23.TAG Die Nacht war nun ohne Angst erwischt zu werden ruhig verlaufen. Kaum wurde es heller im Zelt, da hörte man schon die Arbeiter im Umkreis. Ein Blick aus dem Zelt und sie waren überall. Spätestens jetzt hätte man uns erwischt. Bald kam die Sonne über die flache Insel. Ab 7 Uhr hieß es nun schwitzen. Während ich den niedrigen Schatten des Zeltes ausnutzte (Gott warum muss der Schweiß schon am Morgen laufen?), saß Yvonne mit dem Gesicht zur Sonne, Beide strahlten sich an.


    Der Wachtum

    Wie sah nun der Plan aus. Alles war dahin, wirklich alles? Ich wollte nun die Bestätigung der gestrigen Aussage haben und schlug vor, den Rückweg zum Auto anzutreten, zum Black River Eingang zu fahren um dort erstens nähere Infos zu erhalten und um von dort ggf. einen neuen Start zu wagen oder wenigstens in dem Camp zu nächtigen. Erst einmal frühstücken und Kaffee rausschwitzen. Nach dem Abbau und Einpacken konnte ich mich erst einmal im See abkühlen, bevor es dann den gleichen Weg zurückging. Am Auto angekommen war alles noch okay. Wir hatten Bedenken, dass Jemand in das Auto einbricht, aber wer sollte das Teil klauen? Sogar die schlimmsten Karren von den Einheimischen sahen intakter aus als unserer Suzuki. Ein Vorteil hatte es aber, wir mussten nicht Rücksicht darauf nehmen, ihn sauber zu halten und zu pflegen. Nach 1.5 Stunde Fahrt und Zwischenstopp am Supermarkt erreichten wir den Black River Eingang im Westen das Parks. Wir checkten die Lokalitäten, aber kein Gebäude und keine Person schien hier für uns die richtige Wahl. An einer Hütte wurden Sonnenpaneelen montiert, in einer Hütte im Wald? Okay, ich hoffe, die Funktionsweise ist denen bewusst. Die Hütte schien die Information zu sein, es war am Mittag, die Türen warne verschlossen. Mal vorweg genommen: Die Türen sollten sich den ganzen Tag nicht öffnen. Das wunderte uns aber nicht so sehr wie der Anblick der vielen Wanderer, die hier ohne Guide in den Park gingen. Der Heinz von gestern hatte gefährliches Halbwissen verbreitet, doch mit einem hatte er Recht. Der Park war komplett eingezäunt, teilweise sogar die Trails, die wirklich nur hier im Park ausgeschildert waren.


    Trail durch den Nationalpark

    Wenn wir schon mal da waren, konnten wir in diesen Park, der uns eigentlich nicht haben wollte, auch mal hinein spazieren. Mit leichtem Tagesrucksack bepackt schlenderten wir durch die lichten Wälder, durchsetzt von Steinfeldern und pausierten dann nach 1 Stunde an einem Flüsschen, umgeben von vielen unbekannten Tiergeräuschen. Ich war schon ein wenig in mich gekehrt, kämpfte mit der Enttäuschung. Nein, nicht, weil mal wieder ein Plan nicht funktioniert hatte, sondern weil Einem hier als Individualtourist das Leben schwer gemacht wird. Klar, nur die Pauschaltouristen dürfen kommen, die bringen ja Geld mit, bleiben in ihren Anlagen und stören nicht. Täve gefiel das Örtchen, das war die Hauptsache. Gegen frühen Nachmittag waren wir dann wieder am Parkeingang, da wir nun wissen wollten, wo wir unser Zelt aufschlagen könnten und kein geeigneter Platz zu sehen war, fragten wir die Arbeiter, die sich mit den Solarpaneels quälten. "Zelten hier im Nationalpark verboten, hier auch kein Camp. Morgen erst wieder Jemand da, der Ahnung hätte". Am liebsten hätte ich ein Paneel durchgetreten, aber es konnte ja Keiner was dafür, dass wir strikt Hotels ablehnen. Ab ins Auto, mit quietschenden Reifen zogen wir davon. Während der Fahrt ratterte der Kopf. Spontan umplanen war hier nun nicht mehr nur ab und an auf der Tagesordnung, sondern es war Hauptbeschäftigung.


    Blick über den Nationalpark

    Jetzt wollten wir denen zeigen, wo der Hammer hängt. Ab hoch ins Zentrum des Parks, es führte eine große Straße quer durch. Hier oben wollten wir uns mal wieder beim wild zelten erwischen lassen. "Mal sehen, wann die uns von der Insel schmeißen?" lachte Yvonne im Auto. Auf einer Hochebene fanden wir dann eine breite Piste, die selten befahren wurde. In einer Einbuchtung bauten wir unser Zelt auf, Wasser hatten wir zuvor bei einem nahe gelegenen Wasserfall abgefüllt. Das Abendessen mussten wir schon im Dunkeln zubereiten, während über uns die Flughunde in geringer Höhe mit einem leisen Rauschen hinwegflogen. Es wurde dann noch ein lustiger Abend, wir hatten oft Kopfkino, was uns hier noch alles passieren könnte oder was uns schon passiert war.
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  17. AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #37
    24.TAG wir überstanden die Nacht ohne erwischt zu werden, wollten aber vermeiden, von Wanderern gesehen zu werden. Mit den ersten Sonnenstrahlen standen wir auf, bauten das Zelt ab und frühstückten erst dann entspannt. Zur unserer Unterhaltung trugen viele kleine Echsen an den Bäumen bei, die sich durch die Blätter jagten.


    Wieder illegal gezeltet


    Niedlich anzuschauen

    Wir wollten heute hier oben bleiben und eine weitere Rangerstation anlaufen. Dazu fuhren wir, nachdem alles ins Auto geworfen wurde, nach Le Petrin und siehe da, es gab Personen, die sich für unsere Fragen zuständig fühlten. Nun erfuhren wir, warum wir in Black River nicht zelten durften und es auch sonst im Nationalpark nicht gestattet sei. Das Piktogramm auf der Parkkarte, was ein Camp zeigt, ist kein Camp. Nur autorisierte Gruppen und Vereine dürften dort zelten, keine Individualreisende. Achso, schön, dafür darf man sich aber im Park ohne Guide bewegen. Wir fragten noch kurz nach den Affen, wo man sie finden könnte, der Tipp: Grand Bassin, eine heilige Stätte, wo die Affen oft Bananen abgriffen. Also kamen wir Täve's Wunsch nach, die Affen zu sehen und zu füttern. Auf der Fahrt zum besagten Ort, kreischte Yvonne auf einmal "Ein Affe". Ich fühlte mich angesprochen, sie meinte aber den Affen am Wegesrand. Nachdem wir abrupt stoppten, wurden es immer mehr. "Verriegelt die Türen!". Nein, sie hielten doch Abstand, waren zurückhaltend und scheu. Wir fütterten sie mit Brot und Bananen. Es macht einen Vater doch immer wieder zufrieden, ein glücklichen Sohn zu sehen. Wir dehnten diesen Besuch also aus bis alle Leckerlis verbraucht waren.


    Manche Affen flößten Täve Angst ein

    Dann ging es wieder zurück nach Le Petrin, Rucksack gepackt und ab auf den Machabee Trail, der gesamt ca. 10km lang sein und an dessen Ende sich eine atemberaubende Aussicht bieten sollte. Wir wollten uns überzeugen und schlenderten durch den Park, hielten die Augen nach besonderen Tieren und Pflanzen auf, entdeckten Echsen und Vögel, die wir noch nie gesehen hatten. Nur hier oben bekamen wir zum ersten Mal paar Tropfen ab, ansonsten begleitete uns die Sonne und brannte an der Küste richtig gut. Gegen Nachmittag waren wir wieder am Auto, saßen wieder einmal ratlos da, wohin es uns heute treiben sollte.


    Tolle Aussicht gab es wirklich, wie gern wären wir da unten lang gewandert


    Gut getarnt, aber trotzdem entdeckt

    Ich zog nun das Camp am Le Morne Felsen vor, wo wir am Ende hinwollten. Das kannte ich erst einmal, hatte davon Bilder mit Zelten gesehen, hier war ich mir halbwegs sicher, dass da was gehen könnte. Also 30 Minuten Autofahrt bis zum Le Morne Felsen, dann kam endlich der passende Abschnitt um mich abzureagieren. Eine festgefahrener Erdweg mit ordentlichen Löchern. Wetten, wir würden heute am Camp ohne Stoßstange ankommen? Ich rauschte über die Piste hinweg, auf halber Strecke fuhren wir am Parkplatz vorbei, wo man parken konnte, um auf den über 500m hohen Le Morne Felsen zu steigen. Dann öffnete sich der Wald, eine große Wiese mit Nadelbäumen. Kein Zelt, nur noch wenige Kite Surfer, die am Zusammenpacken waren. Mir war es eigentlich egal, ob es nun ein öffentlicher Strand war oder ob wir gerade wieder gegen irgendwelche Gesetze verstoßen hatten. Das Zelt war schneller als sonst aufgebaut, denn der Traumstrand lud zum baden und verweilen ein. Nach den ganzen psychischen Strapazen konnte man genau hier wieder runterkommen.

    Yvonne und Täve nervten gleich mit der Frage, wie lange wir hier bleiben würden. Wir einigten uns auf zwei Nächte unter der Auflage, dass ich morgen allein auf den Le Morne Felsen gehen könne. Es war keine wirkliche Auflage, sie hatten beim Anblick des Felsens eh die Lust verloren, dass sah nach richtig harter Arbeit und schwindelerregender Höhe aus. Wir chillten am Strand, fühlten uns wie Aussteiger, unweit des Camps, 300m entfernt die ersten 5*Luxus-Resorts. Bald hatten wir den Abschnitt für uns allein, ab und an kreuzten joggende Hotelgäste unser Camp, die aufgrund ihres schlechten Gewissens sicher die eine oder andere Einheit machen mussten und nicht wollten.


    Sonnenuntergang auf Le Morne Island

    Außerdem warfen sie uns sehr mitleidgefüllte Blicke zu, dass wir hier zelten mussten und nicht in so einem tollen 5*Resort wohne könnten. Wir waren echt arm dran. Leider warfen wir den Hotelgästen aber den gleichen Blick zu, dass sie leider in dem Hotel wohnen und nicht diese Idylle hier genießen können. Jedem das Seine. Wir lauschten dem fernen Rauschen der Brandung, bereiteten unser Abendessen zu und danach ergoss ich mal etwas mehr als sonst meinen noch restlichen vorhandenen Frust mit einem guten Wein.
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  18. AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #38
    25.TAG Was für eine laue Nacht, immer mit Blick auf das Meer bei weit geöffneter Apside. Ausschlafen war nicht drin, denn mit der aufgehenden Sonne wurde es unerträglich heiß im Zelt, wo ich doch so schon nur in Unterwäsche auf dem Schlafsack lag. Mit Vorfreude und Blick auf den Le Morne Felsen frühstückte ich heute ausgiebiger als sonst. Mich drängelte Keiner dazu, aber dort hoch wollte ich mal seit langem wieder am Limit laufen, mich fordern, Pauschaltouristen abschlachten.


    Guten Morgen schöne Welt da draußen


    Rechts die kleine Zacke mit der Scharte war der Gipfel

    Täve war vom Meer nicht weg zu bekommen, er ließ das Frühstück aus, was man bei dem Strand und diesem exklusiven Spielplatz auch nachvollziehen konnte.


    Vollzeitbeschäftigt

    Gegen 9 Uhr war ich dann startbereit, Rucksack gepackt, 3L Camelbag dabei und los ging es. Erst einmal flach ca. 2km zurück zum Startpunkt. Am Eingang verlangten sie zu meinem Erstaunen keinen Eintritt, doch man musste sich registrieren und ratet mal, was sie wissen wollten? Genau, das Hotel, wo wir wohnten. Mittlerweile war das hier schon ein Running Gag. Ich an der Kasse im Supermarkt zu Yvonne "Die wollen bestimmt unsere Hotelreservierung sehen!" Ich schrieb mich ein und ab ging es den ersten gemütlichen Teil von 3.5km hoch. Als erstes überholte ich eine Familie mit zwei Kindern, ca. 3 und 5 Jahre. Der Größere sagte zu seiner Mama "Schau mal wie der Mann schwitzt" Ohja, da lief alles raus, was an Flüssigem im Körper war und nicht rein gehörte. Ich überholte nun Einen nach dem Anderen, meist waren Paare unterwegs, wo die Männer immer locker woraus gingen, während die Frauen hinterherhechelten. Ich musste schmunzeln, weil es bei mir nicht anders gelaufen wäre, hätte ich Yvonne im Schlepptau gehabt. Genau aus diesem Grund war sie am Zelt geblieben. "Wenn Du Dich abschießen willst, dann tu' das bitte allein!" waren ihre Worte. Also arbeitete ich weiter an meinem Vorhaben.

    Ich war gerade warm gelaufen, die Pumpe schlug spürbar, ich fühlte mich wieder wohl, was zu machen, nicht im Auto zu sitzen und herumzufahren. Doch dann stand ich am Ende des Anstieges. War`s das etwa schon? Da erblickte ich ein Hinweisschild "Dangerous climbing", ein großes Schild wies auf Do's and Dont's hin. Ab jetzt endete der breite Weg und ging in einem schmalen Pfad über. Ich hatte festes Schuhwerk an und wollte so weit gehen wie es ohne Kletterausrüstung möglich gewesen wäre. In einem Steilstück, schätzungsweise UIAA II, wo schon Balance und Klettertechniken gefragt waren, kamen mir ein paar Inder in Badelatschen entgegen. Keinerlei Stahlseile, nur ab und an in Stein gehauene Stufen. Ich fand es riskant von denen, aber die sahen erwachsen aus, sollten sie mal machen. Auf dem Weg nach oben überholte ich hier Keinen mehr, es kamen mir nur immer wieder Leute entgegen. An exponierten Stellen hielt ich paar Sekunden inne und ließe den Blick schweifen, dann weiter und weiter bis ich nach 450hm Aufstieg nach einer Stunde ab dem Camp am Gipfelkreuz angekommen war. Nun hatte ich eine Pause verdient. Gerade in diesem Moment hatte ich den Gipfel für mich allein.


    Blick in den Süden und auf die Halbinsel, wo unser Zelt stand


    Wahnsinn, dieses Panorama


    Die vorgelagerten Korallen sorgten dafür, dass es am Strand nie hohe Wellen gab


    Blick Richtung Norden

    Eigentlich wollte ich hier oben die Drohne steigen lassen, aber der Wind war mir zu hoch, ich machte mich wieder in den Abstieg. Bergauf sah es schwerer aus und ich machte mir Gedanken, wie ich hier wieder runterkäme. Doch es lief sogar so gut runter, dass ich in den trittsicheren Passagen es den Trailrunnern gleich machte. Hüpf, Spring, Stütz! Machte echt Gaudi. Ich überholte eine kleine Gruppe mit Guide, der Alle inklusive mir dazu ermahnte, dass dieser Trail nur mit Guide gemacht werden kann, sonst zahlt man umgerechnet 250 Euro Strafe. Hach, da war sie wieder, die DDR reloaded. Ich konnte nirgends einen derartigen Hinweis lesen und der orangene Hinweis auf eine gefährliche Kletterpartei bedeutet ja nicht zwingend, dass es verboten ist. Was ich dann aber fahrlässig fand, war die Familie mit den beiden Kinder 3/5 Jahre. Täve ist 6 und ich wäre mit ihm da nicht hinauf gegangen oder nur mit der Brustsicherung. Ich stieg also weiter ab, erreichte den breiten Weg und war bald nach zügigem Abstieg wieder am Ausgang, schrieb mich wieder aus und ging geradewegs zum Zelt.

    Dort angekommen, sprang ich erst einmal samt Klamotten ins Meer, durfte hier aber nicht ruhig liegenbleiben. Die Gefahr wäre zu hoch gewesen, von einen der viele Kite-Surfer gerammt zu werden, die teilweise 1-2m am Strand langflitzten. Meine heutige Aufgabe war noch: Kokosnuss öffnen! Danach hatte ich frei, Mittagessen, sonnen, relaxen, den Kite-Surfern zuschauen, am Strand spazieren gehen.


    200ml Kokoswasser sind nicht gerade ein Durstlöscher

    Mit jeder Stunde, die die Sonne mehr und mehr hinter den Palmen verschwand, wurde auch die See ruhiger, die Kite-Surfer weniger und nach Sonnenuntergang, waren wir wieder mit uns und den Flughunden allein. Der 2.Tag am Stück am Strand, was war mit uns los. Gaben wir so schnell auf und wurden selbst unbemerkt zu Badeurlaubern?
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  19. AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #39
    27.TAG Das wild zelten in den Bergen hatten wir uns abgeschminkt, wir wollten nun tagsüber in den Bergen wandern und abends am Strand zelten. In der Ferne hatten wir immer interessante Zacken gesehen und zu Hause hatte ich dort auch Wanderwege gesehen. Nach dem Packen fuhren wir also an der Südküste und über Mahebourg an die Ostküste. Es war eine lange Fahrt mit immer wieder kleinen Stopps: Fotos, Mittag, Pinkeln. So kamen wir erst gegen 12 Uhr am Abzweig an, wo wir nun Richtung Berge auf einer unbefestigten Straße weiterfuhren. Wir wurden schon wieder von den Einheimischen am Wegesrand komisch beäugt, bald war klar warum. Wir kamen nicht einmal zu den Startpunkten der Wanderwege, denn ein Privatgrund war komplett eingezäunt. Hat hier Jeder seine eigenen Wanderwege? Sorry, ich hatte keinen Bock mehr, verzweifelt nach irgendwelchen Aktivitäten zu suchen. Abbruch!

    Wieder runter an die Straße, ab ein Camp am Strand suchen. Die Insel konnte mich mal kreuzweise, auch Yvonne und Täve waren gefrustet. In Belle Mare, zwischen eine Reihe von Unmassen an Hotels gab es einen kleinen öffentlichen Abschnitt, wenig besucht von den Einheimischen. Das Auto stand abseits auf dem Parkplatz, alles wurde zum Strand gebracht und das Zelt unweit davon aufgebaut. Klar, Täve gefiel es hier besser und immer noch hatten wir ihm gegenüber viel gutzumachen, war er doch auf Reunion echt unermüdlich. Am Nachmittag waren Alle entspannt, alles war getan, der Wind fegte von Osten aufs Land und kühlte mich ab. Zwischen den Lavafelsen im Wasser erkundeten wir viele noch nie gesehene Wassertierchen, Fische und Muscheln. Täve war voll in seinem Element. Zeitig aßen wir zu Abend, ich hatte sonst nichts Besseres zu tun. Die Sonne war schon zeitig im Westen verschwunden, der Sonnenuntergang würde uns verwehrt bleiben, dafür sollte morgen früh die Sonne aus dem Meer auftauchen.


    Wozu so eine TAR alles gut ist


    Traumcamp, wenn auch am Meer

    + + + + + + +

    28.TAG Was für ein Morgen, schon durch die Lüftung war zu erkennen, dass uns ein genialer Sonnenaufgang bevorstand. Yvonne interessierte das nicht, sie kam wie immer als Letzte aus dem Zelt. Täve und ich dagegen beobachteten den Aufgang.


    Die Sonne lacht wieder


    Der Hilleberg-Spion-Ausblick


    Wieder mal allein am Strand

    Ich wollte mich nicht geschlagen geben und hatte auf der Karte noch einen Gebirgszug entdeckt, der auf dem Weg zur Südküste lag. Wir wollten sowie so wieder runter Richtung Soulliac, der Yvonne dort erstens einen tollen öffentlichen Strand am ersten Tag erspäht hatte und zweitens würde es von dort aus nicht weit zum Flughafen sein. Morgen sollte es ja wieder gen Heimat gehen. Wir fuhren also quer von Ost nach West, Vacoas war der Richtwert. Dort angekommen steuerten wir die Bergkette Trois Mamelles an und parkten in einer Kurve unser Auto. Gleich der Feldweg begann mit einem großen Stein und einer noch kaum lesbaren Aufschrift "No trespassing - private". Wir wollten einfach nur wandern und nicht Grund und Boden annektieren. Wir gingen also den Feldweg lang, rechts unbestellte Felder, links große Hallen, eingezäunt! So sah es für uns aus, dass dieser Hinweis eher für das linke Grundstück galt. Nach 500m kamen wir an einem Pförtnerhaus vorbei, es kamen 8 Leute raus, die wissen wollten, was wir hier machen. Wir verwiesen auf den Wanderweg hoch auf die Bergkette. Sie erwähnten nur, dass es Privatgrund ist und wir aber trotzdem passieren konnten, Gott wie gnädig. Nee, ich war ihnen dankbar, wenigsten hier lang zu wandern. Zwischen großen Zuckerrohrfeldern ging es bald ohne jeglichen Hinweis und immer nur dem Navi folgend immer weiter hoch. Wanderspuren waren zu erkennen, aber heute waren wir hier die Einzigen.


    Bizarr, wie zwischen dem flachen Land immer wieder solche Gipfel herausragen



    Im dichtem Buschwerk ging es höher und höher. 300hm trennten uns vom Ausblick. Der Weg wurde nun immer ausgesetzter, um Yvonne wurde es ruhiger. Auf dem Zwischenplateau angekommen, rannte Yvonne panisch rum. "Ich muss hier runter". Okay wenigstens zwei Bilder, ab wieder runter. Yvonne war es zu exponiert, zu hoch und zu viel Weitblick. Schneller als gedacht ging der Abstieg und schneller als gedacht fand die Wandertour ein jähes Ende. Wenigstens hatten wir uns aber ein paar Meter mal zu Fuß bewegt, nun bewältigen wir den Weg gen Süden. Es war schon nach Mittag und es war wieder mal Sonntag, alles war geschlossen und wir brauchten noch ein wenig Sachen aus dem Supermarkt. In Riambel wählten wir den öffentlichen Strand aus, mussten nun aber doch noch mal nach Souillac rein, zum Glück hatte noch ein Supermarkt auf, einkaufen und zurück zum Strand.


    So gutes Milchpulver, dass wir eine Packung mit nach Deutschland nahmen, klumpt nicht und schmeckt
    ganz lecker nach frischer Milch



    Witzig, den kleinen Krabbeltieren zu zusehen, vor allem wenn man was hinwirft, dann rennen alle durcheinander

    Ein letztes Mal bauten wir unser Zelt auf. Hier an der Südwestküste war es windstill und die Lage eröffnete uns einen traumhaften Sonnenuntergang. Danach waren auch die letzten Einheimischen fort und wieder waren wir allein auf weiter Flur. Wir packten schon ein wenig für Morgen vor, gingen nach dem Abendessen und einem letzten salzigem Waschgang im Meer zeitig ins Bett, denn morgen hieß es, Wecker stellen, 4.30 Uhr aufstehen.



    + + + + + + +

    29.TAG
    Kurz und schmerzlos: Aufstehen 4.30 Uhr, schnelles Packen und Transfer zum Flughafen im Berufsverkehr. Noch einmal kurz ein kleines Streitgespräch bei der Mietwagenrückgabe. Klar, haben wir die ganzen Schäden an das Auto gemacht. Nach einigen Diskussionen lenkte er ein und dann ging es zum Checkin, Koffer aufgeben, die übliche Sicherheitskontrolle mit ausgedehnten Fragen und ausführlicher Gepäckinspektion. Dann ging es nach Hause.
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  20. AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #40
    ZUSAMMENFASSUNG | FAZIT | FAKTEN
    Reunion
    - Reunion ist ein Traum, für Wanderer ein El Dorado, für Wildcamper ebenso
    - Le Bivouac lässt auf einem schmalen Grat der Legalität das wild zelten auf Reunion zu
    - es gibt immer und überall einen Platz um sein Zelt aufzustellen, manchmal muss man aber suchen
    - Wasser gibt es meistens (Flüsse, Sümpfe, Wasserlöcher), nur die Vulkanregion ist wasserarm
    - überall verstreut auf der Insel gibt es immer wieder rudimentäre bezahlbare Campingplätze
    - französisch ist von Vorteil, die Einheimischen bemühen sich aber, sich auch so zu verständigen
    - Wetterseite ist Osten, tendenziell ist Salazie und die Hochebene also anfälliger für Regen
    - das Wanderwegenetz ist ausgezeichnet und super beschildert
    - mit den Bussen kommt man gut, sicher und zuverlässig voran
    - trampen ist leicht, man wartet nie lange
    - das Wetter wechselt schnell: heiße Sonne, kalte Nächte, Wind und Regen (keine Schönwetterinsel)
    - doch noch sehr europäischer Einfluss, vieles wird neu gemacht oder ist neu (Dank an die EU)
    - es gibt wenig Tiere zu sehen, dafür Unmassen an Pflanzenarten, wahrlich ein Dschungel

    Mauritius
    - Mauritius ist nichts für Individualtouristen, 3 Tage als Badeverlängerung reicht allemal
    - wild zelten nur an öffentlichen Stränden erlaubt
    - es gibt keine bezahlbaren Campingplätze
    - Wanderwege nur im Nationalpark beschildert
    - traumhafte Strände
    - bei der Einreise mit dem Hotel besser lügen als Diskussionen zu provozieren
    - Schönwetterinsel, viele Pauschaltouristen
    - verarmter, indischer Touch
    - es gibt Affen, Schweine und Hirsche auf der Insel, sicher nicht endemischer Herkunft

    Im Rahmen einer Reise nach Madagaskar oder in die Drakensberge könnten wir uns noch einmal einen Abstecher nach Reunion vorstellen. Die Natur begeistert einen dermaßen, dass man als Einsamkeit Suchender die meist allgegenwärtige Zivilisation ausblendet. Ohne Einschränkung können wir Reunion empfehlen. Zu Mauritius sei nur eines gesagt: Es ist das erste aller unser bisher bereisten Gebiete, was wir Keinem weiterempfehlen würden, der auf unsere Art reisen möchte.

    +++++++++++++++++++++ E N D E +++++++++++++++++++++++
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