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  1. [NO] Rundreise Jotunheimen als Solotour

    #1
    Mitreisende: AAllgaier
    Hallo Zusammen!

    Nachdem ich bei der Reisevorbereitung in diesem Forum einiges an Hilfe bekommen habe, möchte ich mich mit einem Reisebericht von meiner Rundtour durch Jotunheimen revanchieren.

    Kurzzusammenfassung:
    Start: Freitag, 14.07 mit dem Flug von München nach Oslo
    Ende: Mittwoch, 02.08 mit dem Flug von Oslo nach München
    Gebiet: Quer durch Jotunheimen
    Art: Trekking mit viel Gepäck, Fotoequipment, Essen und Zelt

    Weitere Bilder meiner Reise unter Klick mich

    Tourenübersicht:
    • Tag 1: Anreise München - Oslo / Haraldsheim Youth Hostel
    • Tag 2: Oslo - Gjendesheim Valdressekspressen
    • Tag 3: Beseggen / Memurubu
    • Tag 4: Wanderung Memurudalen
    • Tag 5: Memurubu - Bukkelægret - Gjendebu
    • Tag 6: Gjedenbu - Svartdalspiggen
    • Tag 7: Gjendebu - Rauddalen - Olavsbu
    • Tag 8: Olavsbu - Leirvassbu
    • Tag 9: Kyrkja
    • Tag 10: Leirvassbu - Spiterstulen
    • Tag 11: Spiterstulen - Lom - Spiterstulen
    • Tag 12: Galdhøpiggen
    • Tag 13: Spiterstulen - Glitterheim
    • Tag 14: Ruhetag (Schlechtwetterpause)
    • Tag 15: Veodalen
    • Tag 16: Glitterheim - Gjendesheim
    • Tag 17 / 18: Ruhetag (Schlechtwetterpause)
    • Tag 19: Gjendesheim - Oslo Valdressekspressen
    • Tag 20: Abreise Oslo - München


    Packliste:
    • Rucksack: Deuter Air Contact 65+10
    • Schlafsack: Carinthia KuFa G 180
    • Isomatte: Therm-a-Rest - ProLite Plus
    • Zelt: Eureka KeeGo Solo 1P -> siehe geschriebener Testbericht
    • Trekkinstöcke
    • Canon EOS 600D inkl. 10-18mm und 50mm Festbrennweite, Stativ und Filter, 4 Akkus
    • MSR Windpro II + 2x 230gr Kartusche
    • Aluminium Topf mit Deckel, Titan-Göffel, Plastiktasse, Schweizer Taschenmesser und Feuerstahl
    • Essen: Couscous, Tomatensoße, Trek&Eat, Schokolade, Müsli, Nüsse, Trockenfleisch, getr. Tomaten -> insgesamt ca. 6kg
    • Erste-Hilfe Set (Rettungsdecke, Verbandsmaterial, Schmerzmittel, Kohletabletten, Aspirin, Neoangin, Arnica)
    • Waschbeutel
    • Karten (Turkart Jotunheimen West und Aust, jeweils 1:50000)
    • Bergschuhe: Hanwag GTX Alaska
    • Flip-Flops
    • Hardshelljacke
    • Fleece
    • Weste
    • Hut
    • 2x Langarmshirt
    • 1x Unterhemd
    • 1x Funktions-Tshirt
    • 1x Baumwollschlafshirt
    • 1x Baumwollschlafhose
    • 1x lange Laufhose
    • 1x kurze Laufhose
    • 2x Laufsocken
    • 2x Laufboxershorts
    • 1x Schlafboxershorts
    • Mütze & Handschuhe
    • E-Book-Reader


    Karte:

    Bitte beachten: Markierungen auf der Karte entsprechen nicht den Tagestouren sondern wurden zum Anlegen des Wegs benötigt!

    Die Reisebereichte werden mit Fotos Stück für Stück erstellt, je nachdem wann ich neben meiner Arbeit Zeit dazu habe!

    Viele Grüße aus dem Allgäu
    Aallgaier
    Geändert von AAllgaier (09.08.2017 um 15:48 Uhr) Grund: Ergänzung
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  2. AW: [NO] Rundreise Jotunheimen

    #2
    Jau, mach mal! Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen!

  3. AW: [NO] Rundreise Jotunheimen

    #3
    Tag 1 - Anreise München - Oslo / Haraldsheim Youth Hostel:

    Um 04:30 in der Früh ging es von Kempten im Allgäu mit dem Zug zum Flughafen in München. Die Stimmung war gut, die Vorfreude auf die bevorstehende Reise und die Erlebnisse riesig! Bereits im Zug habe ich die 1. Person mit gleichem Ziel getroffen - Norwegen. Das sorgte gleich einmal für Gesprächsstoff.



    Um 09:45 ging der Flug von München nach Oslo Gardermoen, Flugzeit 2 Stunden, 15 Minuten, Ankunft in Oslo also um 12:00 Uhr. Gekostet haben Hin- und Rückflug ungefähr 220€ inkl. Handgepäck und normalem Gepäck bis 20 kg. Die Fluggesellschaft war Norwegian.

    In Oslo angekommen, habe ich erst einmal ein Paar letzte Einkäufe für meinen Solotripp erledigt. Dazu gehören unter anderem Gaskartuschen für den eingesetzten MSR Windpro II. Diese habe ich auf den 1. Anlauf hin im Sportgeschäft "G-Sport" in der Nähe des Hauptbahnhofs gefunden. Geld abheben ging mit der Sparkassen-Maestro Karte problemlos und soweit ich das gesehen habe gebührenfrei.

    Anschließend habe ich mich in aller Ruhe auf den Weg zu meiner Unterkunft gemacht, der Jugendherberge Haraldsheim, die jedoch im Gegensatz zum Namen von Leuten jeglichen Alters genutzt werden kann. Die Räumlichkeiten haben mir sehr gut gefallen, die Nacht im 4-Bett Zimmer hat inklusive Frühstück ca. 35€ gekostet - mit das günstigste Angebot, was ich zu der Zeit finden konnte.

    Blick von unterhalb auf die Herberge (weißes Gebäude) - gerade der Grasbuckel lädt bei gutem Wetter zum verweilen ein:


    Blick über den Garten der Herberge auf Oslo:


    Als Abendessen gab es mitgebrachte Brotzeit und ein gutes Allgäuer Bier - das letzte für 20 Tage.

    Ins Bett gings dann recht zügig, da sich das frühe Aufstehen bemerkbar gemacht hat und auch der nächste Tag früh beginnen sollte.

    Blick auf den Gang der Jugendherberge


    -> Soweit zu meiner Anreise, ich werde im Ausgangspost gleich noch ein paar Ergänzungen zur Packliste schreiben.
    Geändert von AAllgaier (09.08.2017 um 15:48 Uhr)
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  4. AW: [NO] Rundreise Jotunheimen

    #4
    Tag 2 - Oslo - Gjendesheim / Valdressekspressen

    Nach einer Nacht mit unglaublich wenig Schlaf, was vor allem an einer schnarchenden Person bei mir im Zimmer lag, ging es in der Früh um 07:00 Uhr zum Frühstück. Gestärkt mit Kaffee, Toast, Müsli und weiteren Leckereien ging es dann wieder in Richtung Innenstadt. Um 08:35 ging der Bus vom Oslo Busterminal direkt am Hauptbahnhof quer durch Südnorwegen in Richtung Pampa. Ich war froh, meine 23kg Gepäck (6kg davon waren Essen, 3kg Kameraequipment) noch einmal für 5 Stunden während der Busfahrt nicht tragen zu müssen. Positiv überrascht hat mich, dass der Bus Steckdosen und USB-Buchsen hatte, sodass während der Fahrt noch Musik gehört werden konnte.

    Bei bestem Wetter ging die Fahrt durch Fagernes und Beitostolen auf Gjendesheim zu. Im Skigebiet Beitostolen haben mich zwei riesige Schneedepots kurz fasziniert. Als Gjendesheim und Jotunheimen immer näher kam, wurden die Berge höher und schon bald waren erst die Bergspitzen und dann auch die Täler zum Teil mit Schnee bedeckt.

    Ausblick aus dem Bus bei der Fahrt nach Gjendesheim


    Angekommen in Gjendesheim hatte ich gleich einen kleinen Schock zu überstehen - mit so vielen Leuten, Zelten und Autos hatte ich dann doch nicht gerechnet. Vermutlich lag das an meinen wirklich einsamen Touren, die ich vor 3 Jahren in der Hardangervidda hatte..

    Ausblik über den See Gjende von Gjendesheim aus


    Nichtsdestotrotz habe ich mich entschieden, das gute Wetter noch für ein paar Höhenmeter Aufstieg in Richtung Beseggen zu nutzen, um die nächste Tagesetappe ein wenig zu entschärfen. Dabei haben mich die zahlreichen Tiefblicke auf Gjendesheim, den See Gjende und auf die verschneiten Berge am Westufer des Sees in den Bann gezogen.

    Tiefblicke über den See bem Aufstieg zum Beseggen


    Auf etwa 1.500 Metern Höhe habe ich mich entschieden, aufgrund der für die Nacht schlechten Vorhersage und bereits aufkommenden Wolken ein geeignetes Quartier für die Nacht zu suchen. Am geeignetsten dafür erschien mir dafür ein Plateau oberhalb des Ostufers des Bessvatnet in der Nähe von 2 kleinen Seen. Das Zelt war schnell aufgebaut, zum Essen gab es mangels eines Baches in getautem Schnee gekochten Couscous in Tomatensoße - ein Gericht, das ich nicht das letzte Mal für diese Tour essen sollte..

    Der Erste Zeltplatz - die Wolken haben den Sturm schon angekündigt


    Im Laufe des Abends hat sich das Wetter dann immer weiter verschlechtert, bis die norwegische Rettung begonnen hat, Wanderer, die noch auf dem Beseggen unterwegs waren, mit dem Helikopter nach Gjendesheim auszufliegen - nicht gerade beruhigend für die 1. Nacht allein in den Bergen.
    In der Nacht kam dann tatsächlich ein ordentlicher Sturm, der mir eine zweite Nacht mit wenig Schlaf gebracht hat, da ich noch nicht an die Geräusche des Zelts gewohnt war und generell unsicher war, wie sich mein 140€ Zelt in Jotunheimen so schlagen wird..
    Geändert von AAllgaier (09.08.2017 um 15:48 Uhr)
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  5. AW: [NO] Rundreise Jotunheimen

    #5
    Tag 3: Beseggen / Memurubu

    Wie schon zuvor geschrieben, war die Nacht doch recht unruhig. Der starke Wind hat - trotz provisorisch gebauter Steinmauer als Windfang - die Seitenwände meines Zelts ein gutes Stück weit eingedrückt. Ich war gespannt, ob Boden und Außenzelt dem Regen Herr werden konnten. In der Früh dann die Überraschung: alles trocken, nicht einmal die Heringe hat es gelockert.

    Kurzer Blick nach draussen - stark bewölkt, windig. Über Nacht hat sich in der Nähe noch ein Pärchen an einer Stelle mit Zelt niedergelassen, die ich am Vortag noch wegen Feuchtigkeit ausgeschlossen habe.

    See, direkt neben meinem Zeltplatz bei noch starker Bewölkung


    Das Frühstück bestand aus Früchtemüsli mit Nüssen, vermischt mit einer wasserlöslichen Milchpulver/Kabapulver-Mischung, überraschend schokoladig im Geschmack, das sollte Kraft geben für den Tag.

    Während des Frühstücks haben sich dann auch die Wolken immer weiter gelichtet, blaue Fetzen am Himmel haben den Ausblick auf einen schönen, richtigen ersten Lauftag gegeben. S ging es dann auch bei Sonnenschein aber starken Wind auf die Tour über den Beseggen in Richtung Memurubu.

    Bei Tourenstart dann schon viel freundlicher


    Zusammen mit 3 oder 4 anderen, in gebührendem Abstand laufenden Wanderern ging es dann recht zügig über das Veslfjellet. Der starke Wind trug dazu bei, Pausen auf ein nötiges zu beschränken. Das ganze kombiniert mit einem Wettermix aus strahlender Sonne, Regen und kurzzeitig auch Schneeschauern hat zu meinem einmaligen "Beseggen-Erlebnis" beigetragen. Bei den Fotopausen war dann zumeist gutes Wetter, wie zum Beispiel auf folgendem Panorama:


    In der Bildmitte zeigen sich die verschneiten Gipfel des Westufers, rechts unterhalb versteckt sich der ausgestreckte Bessvatnet. In meiner Galerie ist eine größere Version verfügbar.

    Weiter ging es in Richtung Beseggen, die ersten Leute kamen bereits aus Memurubu. Von einigen Wanderern wurde ich überholt, wohl noch ein Zeichen dafür, dass meine Kondition noch nicht die Beste und der Rucksack immer noch 23kg schwer ist. Der Weg zog sich überraschend lang, dann jedoch kam der Beseggen in den Blick und ich hatte eine fantastische Aussicht über den Bessvatnet und den 400m darunter liegenden See Gjende. Auch das Wetter hat wieder mitgespielt.



    Unten am Kamm habe ich eine ausgiebige Mittagspause gemacht, anschließend ging es weiter in Richtung Memurubu. Ein kleines Stück ging es noch bergauf, dann begann der wunderschöne Abstieg. Auf etwa der Hälfte sind wunderschöne Zeltplätze, lediglich die Wasserversorgung hätte sich etwas schwierig gestaltet.

    Ausblick auf Memurubu


    Deshalb habe ich auch den Entschluss gefasst, ganz nach Memurubu abzusteigen und dort auf dem Campingplatz für 2 Nächte zu übernachten. Die Kosten dafür lagen bei 70kr pro Nacht, eine Dusche kostet 10kr, Kaffee mit Waffel und kostemlosen Nachfüllen kosteten 70kr.

    Am Abend blieb dann im gemütlichen Aufenthaltsraum viel Zeit zum Reden und Lesen. Draussen schlugen immer wieder Regentropfen an die Scheibe. Der Weg zurück zum Zelt war schon wieder frisch und windig, die Nacht schien kalt und windig zu werden.

    Soviel zu Tag 3. Ich bin gerne offen für Anregungen!
    Geändert von AAllgaier (09.08.2017 um 15:48 Uhr)
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  6. AW: [NO] Rundreise Jotunheimen

    #6
    Wirklich schöne Fotos! Bitte weiter schreiben
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  7. AW: [NO] Rundreise Jotunheimen

    #7
    Jep, sagenhaft!

  8. AW: [NO] Rundreise Jotunheimen

    #8
    Tag 4: Wanderung Memurudalen

    Um 05:00 Uhr in der Früh hat mich die Kälte im Zelt aufgeweckt. Trotz relativ windstillem Zeltplatz habe ich gefroren, also Mütze auf, Fleece an und nochmal 2 Stunden schlafen. Um 07:00 Uhr dann der erste Blick aus dem Zelt: der leichte Regen hat sich verzogen, der blaue Himmel lässt wieder von einem schönen Lauftag träumen. Beim Blick über den See dann die Überraschung: ab ca. 1.800hm lag Neuschnee - eine Tour auf den 2.368m hohen Surtningssue und 2.302m hohen Sørtoppen war so wohl nicht durchführbar. Also erst einmal gemütlich gefrühstückt, die Wetterprognose gecheckt, die leider keine ganz so guten Tagesaussichten wie gedacht versprach und dann an der Hütte nachgefragt, was diese von der Tour auf den Surningssue halten. Ergebnis: Es wurde dringend wegen Neuschnee und starkem, böigen Wind abgeraten.

    Eine Alternativroute habe ich jedoch recht schnell ausgemacht. Südlich des Gletscherflusses Muru sollte es stetig bergauf ins Memurudalen gehen. Anschließend gemütlich über die Querverbindung Memurubu - Gjendebu auf dem Bergrücken über dem See Gjende zurück nach Memurubu. Eine Tour mit leichtem Gepäck also, dazu hatte ich extra einen leichten 10l Quechua Rucksack dabei.

    Beim Aufbruch dann wieder bestes Wetter


    Mit dem leichten Rucksack war der sanfte Aufstieg entlang der Muru ein wahrer Traum. Vor mir die schneebedeckten Gipfel, rechts von mir ein reißender Gletscherfluss, links von mir der Bergrücken, der mich gen Ende meiner heutigen Tour zurück nach Memurubu bringen soll.





    Die Muru mäandert im oberen Teil des Memurudalen


    Nach eineinhalb Stunden Gehzeit lasse ich die Muru rechts liegen, der Weg wendet sich immer weiter in Richtung Süden auf die Memurutunga zu.

    Um einen Umweg zu vermeiden bin ich anschließend querfeldein zwischen 2 kleineren Seen durch in Richtung Süden gelaufen, um nach kurzer Zeit auf den Weg zurück nach Memurubu zu stoßen Das Wetter wurde zunehmend schlechter, schon bald setzten leichte Schneeschauer aus noch lichten Wolken aus.

    Über den Bergrücken, der Steil ins Memurudalen und auf den See Gjende abfällt, hat man einen, auch bei schlechtem Wetter traumhaften Ausblick.



    Das letzte Stück des Weges führt über einen steilen Abhang hinab vom Sjugurdtinden (ganz vorn im Bild oben) zurück zur Herberge.

    Dort habe ich, wie auch am Tag zuvor, eine ausgiebige warme Dusche genossen und den Nachmittag und Abend bei Kaffee, Waffeln und Elon Musks Biographie ausklingen lassen.



    Abends stand dann wie gewöhnlich noch die One-Man-Kochshow an, diesmal auf dem Programm: Couscous mit Tomatensoße und getrockneten Tomaten. Schon nach dem 4. Tag war ich neidisch auf all jene, die ihren Speiseplan mit frisch gefangenem Fisch ergänzen konnten...
    Geändert von AAllgaier (09.08.2017 um 15:49 Uhr)
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  9. AW: [NO] Rundreise Jotunheimen

    #9
    Hat sich erübrigt, denn es geht weiter - sehr schön bisher.

  10. AW: [NO] Rundreise Jotunheimen

    #10
    Tag 5: Memurubu - Bukkelægret - Gjendebu

    Die Nacht war wieder kalt, jedoch hatte ich diesmal bereits vorausschauend und lernbereit meine Mütze angezogen, sodass es sich im Schlafsack eingekuschelt recht gut aushalten ließ. Aufgrund der kurzen Etappe am Vortag habe ich mich bereits um 08:00 Uhr verdammt erholt gefühlt und bin mit dem Gang zur Toilette, Zähneputzen und Wasserholen in den Tag gestartet.

    Auch schien es, dass es der Wettergott ein weiteres Mal mit mir gut meint - am Himmel waren nur wenige Wolken zu sehen und der am Vortag noch recht frische Wind hat sich zu einer angenehmen Briese abgeschwächt. Kurz kam mir der Gedanke, an diesem Tag auf den Surtnigssue zu gehen, wurde jedoch alsbald von der Neugier auf die Unterkunft in Gjendebu verdrängt. Zu überlegen war nur noch, ob ein erneuter, langer dafür flacher Anstieg durch das Memurudalen oder der kurze, dafür steile Anstieg am See entlang gewählt werden sollte. Nachdem ich gefrühstückt hatte und mein Zelt und den anderen Krempel wieder im Rucksack verstaut hatte und die ersten 2 Meter der heutigen Tour hinter mir lagen, fiel die Entscheidung aufgrund des Gewichts des Rucksacks wieder auf das Memurudalen.

    Diesmal im Tempo deutlich langsamer, genoss ich den erneuten Aufstieg. Immer wieder drehte ich mich um, um den herrlichen Tiefblick gen Memurubu zu genießen.



    Wie auch gestern schon kam ich dabei an einem Wegweiser Richtung Gjendebu vorbei, auch diesmal entschied ich mich, dort eine kleine Pause zur Stärkung einzulegen. Für gewöhnlich gab es dabei einen Müsliriegel, ein wenig Knäckebrot und einen Fetzen Trockenfleisch - dieses mitzunehmen war definitiv eine der besten Ideen, die ich vor der Tour hatte.



    Als ich meine Pause beendete und den Weiterweg antrat, erschienen mir die Wolken am Himmel ein wenig dichter - nichtsdestotrotz genoss ich die sich mir bietenden Ausblicke, wie beispielsweise hier auf den Ursprung der Muru und den Memurubrean.



    Ich näherte mich dem von Gesprächspartnern aus Memurubu als "Worst path ever" beschriebenen Bukkelægret immer weiter. Dieser steile Pfad bringt einen von der Hochebene zurück ans Ufer des Sees Gjende. Alternativ kann aber ein Abstieg durch das Storadalen gewählt werden. Dieser Weg nähert sich Gjendebu dann von nordwestlicher Seite aus. Ich habe mich jedoch für den direkteren Weg über den Bukkelægret entschieden. Um mich noch ein bisschen länger davor drücken zu können, habe ich ein paar weitere Pausen eingelegt, um die Landschaft zu genießen und den Speicher der Kamera weiter vollzubringen.



    Dann kam jedoch der gefürchtete Bukkelægret. Ca. 480hm auf 1.5km Laufstrecke. Ich konnte mir an dem Ort dieses Fotos noch nicht einmal denken, wo der Pfad entlanggehen sollte:



    Bereits nach wenigen Metern kommt mir ein sichtlich erschöpfter Vater mit 3 Rucksäcken, seiner Frau und seiner weinenden Tochter im Schlepptau entgegen. Ob die Erschöpfung von den 3 Rucksäcken oder seiner meckernden Ehefrau kam, konnte ich wollte ich nicht fragen. Ich begann mit dem Abstieg, sichtlich bemüht, keine Steine loszutreten, was man vom Wanderer hinter mir leider nicht behaupten konnte.
    Immer wieder flogen größere Steine talwärts an mir vorbei, auf eine Warnung wartete ich vergeblich.

    Mit mulmigem Gefühl versuchte ich, den Abstieg so schnell wie möglich hinter mich zu bringen und war froh, das Ufer des Sees näher kommen zu sehen. Bis zum Ufer mussten dann noch einige drahtseilversicherte Passagen gemeistert werden, spätestens hier waren meine Trekkingstöcke mehr im Weg als dass sie von Nutzen waren.

    Ich war erleichtert, als ich den Bukkelægret gemeistert hatte und umso mehr fasziniert vom artenreichen Birkenwald, in dem ich mich nun befand. Schon nach kurzer Zeit habe ich eine perfekte Stelle mit Ausblick auf die gegenüberliegenden Berge gefunden, an der ich eine ausgiebige Mittags- und Badepause eingelegt habe.



    Anschließend folgte ein angenehmer, erholsamer Marsch durch den schattenspendenden Wald und schon bald hatte ich den Fähranleger und dann die Herberge Gjendebu erreicht. Ein Zeltplatz kostete hier wieder 70kr, eine Nacht im Schlafsaal als Jungmitglied des DNT 90kr - da war die Entscheidung für den besser überdachten Schlafplatz einfach und schnell getroffen. Trotz großem Ansturm aufgrund eines Rock-Festivals in Eidsbugarden kam ich in einem gemütlichen 6er-Zimmer unter.



    Den restlichen Nachmittag habe ich wieder mit ein Paar Tassen Kaffee, einem weiteren guten Buch und bei strahlender Sonne auf der Terasse der DNT-Hütte verbracht. Auch an diesem Tag durfte ich Jotunheimen bei gutem Wetter kennen lernen - ein Umstand, der hoffentlich noch ein paar weitere Tage andauern würde..
    Geändert von AAllgaier (09.08.2017 um 15:49 Uhr)
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    Avatar von Dogmann
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    AW: [NO] Rundreise Jotunheimen

    #11
    Gefällt mir! Sehr schön.
    Richtig wohl fühle ich mich nur draußen !

  12. AW: [NO] Rundreise Jotunheimen

    #12
    Kurzes Update: Ich bin momentan noch am Bilder sichten und bis Mittwoch im Montafon beim Bergsteigen. Danach kommen weitere Berichte!
    Weitere Bilder von mir: Hier!

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