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  1. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
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    Gerüche

    #1
    Es mag für den einen oder anderen ein etwas befremdliches oder gar lächerliches Thema sein, aber ich kann mir die Welt ohne Gerüche nicht vorstellen.
    Während wir Bild und Ton mitlerweile wirklich gut archivarisch festzuhalten sind, bleiben die Gerüche ein Mysterium. Sie können sich immer nur vor Ort und in dem Moment bemerkbar machen. Wir haben noch keine Möglichkeit sie zu archivieren und immer wieder abzurufen, das gibt ihnen etwas geheimnisvolles und einmaliges.
    Wie oft frage ich mich nicht, wenn ich Reiseberichte oder Bilder aus fernen Ländern sehe, wie es dort wohl gerochen hat.
    Manchmal kann ich mir anhand des Bildes ein paar Schlüsse ziehen aber vieles erschließt sich nur wenn man erstmal dort gewesen ist.

    Ich möchte gerne versuchen anektdotisch hier die Welt der Gerüche in der Natur wiederzugeben, wie ich sie erlebt habe. Vielleicht mag sich der eine oder andere hier wiederfinden, er mag auch etwa beitragen oder ergänzen können.
    Gewissermaßen müssen wir uns hier wie Behinderte fortbewegen, da wir eine sehr optische Kultur sind, aber das Reden über Gerüche nie wirklich kultiviert haben. Ich versuche aber mein bestes zu geben.

    Wald und Wiese...

    Zwar komme ich viel herum doch sind die Wälder, Auen und Weiden der Mittelgebirge meine Heimatlandschaft, dementsprechend fein ist auch die Geruchsunterscheidung die sich für verschiedene Orte, Zeiten und Momente ergeben.
    Frühjahr...
    Eigentlich ist es noch Winter. Doch die Sonne scheint bereits in die kahlen Eichen und Buchenwälder und taucht aus Mangel an Grün den Wald in Goldene Brauntöne. Das erste Zaghafte Lungenkraut und Huflattich tauchen auf. Tagsüber und bei Wolken riecht der Wald noch nach Winter, doch in der Abenddämmerung riecht man es schwach.
    Der allerstes zaghafte Geruch des Frühlings und der Pflanzen. Besonders stark zu riechen am Waldrand und auf den Weiden. Noch Gemischt mit dem sterilen Geruch des Frostes und doch riecht man es. Der Frühling kommt.
    ...
    Nach Wochen gefühlten Winters hat der Frühling nun entgültig die Oberhand ergriffen, der Bärlauch, Giersch und die ersten Auwaldkräuter erwachen in grün, auch sprießt das Gras nun langsam. Speziell sonnige Abende riechen nun immer grasiger aber auch der Frühlingsregen nach einigen Tagen Trockenheit hat seinen ganz speziellen Geruch. Er trägt den Duft der Kräuter die er benetzt hat.
    Wo es auf den Weiden, am Waldrand und im Auwald schon nach Frühling riecht ist im Fichtenhochwald gefühlt noch Winter nur bei starkem Sonnenschein auf einen Südhang wo die Fichten exponiert stehen, rieche ich vorweggenommene Trockenheit des kommenden Sommers. Der harzige trockene Geruch der von der Sonne verbrannten Fichtenstämme.
    Auch die Kiefern riechen nun endlich wieder stark nach Kiefer. Ein Geruch der mich an meine Kindheit in Rumänien erinnert.
    Dort wo Kalkstein auf Buchenhochwald oder schluchtwald trifft, kommt dieser ganz spezielle wurzelige/rettichartige Geruch auf der so typisch für diese Waldform ist.
    ...
    Es ist Mai und die Blütezeit ist in ihrer Hochzeit. Schon morgens aus dem Haus rieche ich von weitem den starken Geruch des Kirschloorbeers der Nachbarn, etwas weiter in den Wald kommen die starken leicht Aasartigen Gerüche der Vogelbeeren und auch der sanftere Geruch des Weißdorns zum tragen.
    Es ist eine der zwei schönsten Zeiten im Jahr. Die Natur trägt Neonfarben und explodiert geradezu. Man kann kaum zwei Meter gehen ohne neue Gerüche zu entdecken.
    Natürlich ist wie immer, der frühe Morgen und späte Abend am extremsten was die Gerüche angeht.
    Der Fluss ist durch Trockenheit gesunken und riecht etwas brackig, aber er wird überdeckt von der Mondviole, der wohl am traumhaftest duftenden Pflanzen die wir hier haben. Nur in der Nacht und am sehr frühen Morgen verbreiten sie ihren schweren süßen Duft über den Auwald.
    Die Wiesen wurden noch nicht gemäht und stehen in voller Blüte. Besonders in den Magerrasen vermischen sich die hunderten Pflanzenarten zu einem harmonischen etwas schweren Geruch.
    ...
    Sommer...
    Es gibt wenig vergleichbares mit einem sonnigen Juni Morgen, nachdem es in der vorherigen Nacht geregnet hat.
    Der gemischte Geruch des Waldes dringt des morgens an meine Nase. Alles riecht noch so sanft und süßlich.
    In den Buchenwäldern unterscheide ich die Hanglage und den Bodentyp am Geruch.
    Dort w Kalk im Bodne ist und der Waldboden bedeckt mit Kräutern hat sich der starke rettichartige Geruch noch sehr viel stärker ausgebreitet. Es kommt jetzt aber noch der etwas süßlichere Geruch des Efeu dazu.
    Der schwarze Hollunder blüht und das riecht man schon von weitem. Jeder kennt den sanften Geruch der Blüten, welche in so krassem Kontrast stehen zu den stinkenden Blättern.
    Bei den Linden ist es ähnlich zusammen mit dem Summen unzähliger Bienen dringt der Geruch der Lindenblüte der lange Landstraßenalleen umfängt.
    ...
    Es herrscht Gluthitze bereits am Morgen. Die Trockenheit macht sich auch in den Gerüchen bemerkbar. Es riecht nach trockenem Frühsommermorgen. Einige Wiesen wurdne schon gemäht. Das merkt man.
    Auch die Fichten geben nun endlich ihren Sommergeruch ab. Unter ihnen wächst das Adlerfarn, aber es ist noch sehr zaghaft. Kein Vergleich mit dem August, wenn es prominent im Geruch ist.
    Wenn die Sonne im Zenit steht und es am heißesten ist, dringen fast schon exotische schwere Gerüche an mich während ich tief in einem feuchten Bachtal an einem Nordhang den Wald erkunde. Ein kleines Hangmoor rieche ich schon von weitem.
    Die Birkenblätter kann man jetzt noch gerade so sammeln.
    Die ersten Stinkmorcheln machen sich auch bemerkbar. Eigentlich ist es ein Gestank, aber es ist ein Geruch der zum Wald und zum Sommer gehört und würde ihn vermissen, wenn es ihn nicht mehr geben würde.
    Im Bachtal ist der Alant und die Pestwurz allgegenwärtig.
    In den Tälern der Karpaten ist dieser Geruch so markant und stark und dringt durch das ganze Tal.
    Auch der Bach riecht jetzt nach Sommer, noch nicht ganz gut zum angeln, da muss sich eine kleine Nuance ändern. Das passiert wenn es regnet.
    ...
    Es ist Spätsommer. Wenn man Glück hatte war der Sommer trocken.
    Stauden wie Wasserdost und Adlerfarn beherrschen den Geruch des Waldes. Daneben mischt sich immer stärker der Geruch der Pilze, welche jetzt überall aus dem Boden schießen. Es ist aber noch nicht der schwere faulige Geruch der Spätherbstpilze.
    Allgemein wird der Wald immer würziger. Es mischt sich auch der Gruc hvon Johanniskraut und Baldrian.
    Auch auf den Weiden und in der Landwirtschaft geht es immer mehr auf Herbst zu. die fast reifen Maisfelder habne ihren ganz eigenen "stärkehaltigen" Geruch.
    Wenn es sehr trocken und heiß war riecht man das verbrannte und vertrocknete Grasland.
    Etwas was in Siebenbürgen praktisch jeden August vorkommt.

    Herbst...
    Es riecht kümmelig, würzig, faulig, Fruchtig.
    Der Herbst ist da.
    Fast jeden freien Tag bin ich jetzt auf Pilzsuche. Im September ist der Wettergott noch einmal gnädig. Er schenkt uns noch einmal ein par schöne Wochen.
    Doch so warm die Tage sind, werden die Nächte doch recht kühl. Man riecht den nebligen Wald im frühesten Morgen auf dem Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad.
    Die Apfel, Pflaumen und Birnenbäume sind jetzt reif, manchmal schon überreif und geben ihr fruchtiges Aroma in die Landschaft ab.
    Pilze und ihre vielfältigen Gerüche finden sich jetzt überall.
    Auch der Wald und die Bäume an sich sind jetzt deutlich modriger im Geruch. Aber irgendwo drückt sich noch der Sommer durch. Besonders in der Tagesmitte.
    Auch die Tiere riechen jetzt immer stärker.
    Es beginnen die ersten Brunftzeiten. Gleichzeitig gehen die vegetabilen Gerüche Stück für Stück zurück.
    Der Geruch der Wildschweine dringt immer stärker durch die Wälder. Ich komme an Mahlbäumen vorbei und rieche schon von weitem das unverwechselbare Aroma.
    Es ist diese magische Zeit, wo sich die Natur noch einmal vor dem kommenden Winter aufbäumt. Ich bin gefangen in magischen Farben, Gerüchen und einer nicht zu beschreibenden Stimmung.
    ...
    Der Grosse Blattfall beginnt und dies ist nicht nur sichtbar. Besonders in den Eichenwäldern riecht es nach einem undefinierbaren Gewürz. Ich würde es gerne konzentrieren und mir aufs Essen tun, aber wie so oft bei den Gerüchen des Waldes ist es ein Zusammenspiel von so vielen Faktoren und man kann gar nicht erklären was von wo kommt.
    Das was im Sommer durch den starken Geruch der Pflanzen unterging kommt jetzt mehr zum Vorschein.
    Tiere, modriges Holz, Torf, Erde.
    Dies wird sich immer mehr verstärken je weiter der Herbst voranschreitet.
    Auc hdie ersten Frostnächte machen sich bemerkbar. Der glasige kalte Geruch des Frostes dringt nun immer stärker in meine Nase.
    ...
    Winter
    Der Winter ist keinesfalls frei von Gerüchen, aber sie sind diffiziler und schwerer zu beschreiben als die, der anderen Jahreszeiten.
    Mit Voranschreiten des Novembers gehen immer mehr der herbstlichen Gerüche verloren.
    Was bleibt sind kahle Wälder, Nebel und endlose Wolkenverhangene Tage. Der Geruch von Moder, Erde und Verfall ist nun immer stärker zu spüren.
    Auch das feine Aroma des Mooses kann man jetzt wieder stärker spüren.
    Die Fichtenwälder riechen tendenziell stärker, vor allem im Regen als die kahlen Laubwälder.
    ...
    Frost und Eis haben das Land fest im Griff. Kaum noch dringen Gerüch an die Nase. Doch dafür riecht man jedes entfernte Reh und Wildschwein, weil nix ihre Gerüche überdeckt.
    Wenn der Schnee in dicken Flocken fällt, riecht man das. Mir fällt keine Beschreibung dazu ein.
    Ebenfalls en verschneiter Wald nach frostiger Nacht.
    Es sind fast eher mineralische Gerüche, unmöglich in Worte zu fassen. Zumindest jetzt noch. Es fehlt mir an der Bildung Gerüche adäquat zu beschreiben. Und wir haben auch keine wirkliche Kultur dafür.
    ...
    Der Schnee schmilzt. Nun dies ist ein ganz spezieller Geruch. Wolkenverhangene verregnete Tage, die den Schnee schmelzen lassen. Die düstersten und unangenehmsten im ganzen Jahr und auch der kalte nasse Geruc hder Schneeschmelze fügt sich dort ein. Doch findet sich dort auch ein ganz sanfter und leichter Anklang an einen noch fernen Frühling.


    Nun freilich, ich habe wahrscheinlic mehr vergessen, als an was ich mich errinere, aber dieses Thema ist wirklich sehr komplex und meine Worte können dies nur ganz marginal wiederbringen. Welche Gefühle ich bei den verschiedensten Gerüchen empfinde kann ich gar nicht beschreiben, aber die Gerüche in ihrem Jahreszyklus haben mich mit Sicherheit genauso stark, wenn nicht noch stärker geprägt als die visuellen und akustischen Reize.

    Es ist ein schräges Thema, aber ich wäre froh wenn ihr auch etwas dazu beitragen könnt. Vielleicht finde ich mich in einigen Beschreibungen wirklich wieder.
    Geändert von Intihuitana (04.08.2017 um 10:04 Uhr)

  2. AW: Gerüche

    #2
    Du schreibst sehr viel und sehr viel Richtiges über Gerüche.

    Da ich oft in Asien unterwegs bin, gibt bin ich oft "Gerüchen" ausgesetzt, die viele Menschen als "schlimm" oder "ekelhaft" beschreiben.

    ich habe mir überlegt, dass ich Gerüche als Information wahrnehmen will. So, wie ich alles sehen will. Auch Schlimmes, Ungewohntes oder Schreckliches.

    Mit Gerüchen geht es mir nach der Entscheidung, diese wahrnehmen zu wollen genau so. Ich will mich nicht angewidert abwenden, sondern den Informationsgehalt aufnehmen. Dann ist vieles nicht mehr schlimm, sondern nur interessant und aufschlussreich.

    Das geht natürlich nicht gut, wenn man von anderen Europäern umgeben ist. Die drängeln dann ihre Wahrnehmung und sich selbst so in den Vordergrund, dass man nicht mehr unvorgeingenommen beobachten kann.

    Ich habe sogar den "Stinkenden Tofu" Chinas schätzen gelernt. Aber das wird wohl nicht jedem Mitteleuropäer gelingen ...


    -chinoook
    Realität ist ein Problem von Leuten, die nicht mit Alkohol umgehen können.

  3. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
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    AW: Gerüche

    #3
    Das mit der Informationsquelle stimmt voll und ganz.

    Der Geruch bietet auch etliche Informationen über ein Gebiet und was einen dort erwartet.

    Ich errinere mich an ein Erlebnis in der Wüste, bzw. einem Wadi. Dieser spaltete sich in mehrere Arme auf und mein Wasser ging langsam zur Neige, die Entscheidung darüber in welche Richtung ich gehen sollte traf ich per Geruch, denn aus dem einem Arm konnte ich ganz fein, den süßlichen Geruch der Dattelpalmen wahrnehmen. Und Dattelpalmen bedeutet immer das Wasser nah ist und so war das in dem Fall auch.
    Dies ist nur einer von etlichen Fällen, wo ich der "Nase nach" bin.

    Aber vielleicht ist dieses Thema etwas zu abgehoben für ein Forum.

  4. Dauerbesucher
    Avatar von Sternenstaub
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    AW: Gerüche

    #4
    ein wirklich schönes Thema! Ich habe zuletzt im Klostergarten von Jerichow über Gerüche nachgedacht. Selten habe ich sie woanders so stark empfunden wie dort. Im Garten sind viele alte Nutzpflanzen und ich habe immer wieder lange dort gestanden/gesessen und habe sozusagen nur auf meine Nase "gelauscht".
    Aber so schön beschreiben wie du kann ich es leider nicht. Wenn ich mir jedoch die Fotos von dort anschaue, kann ich mir den Geruch wieder hoch holen.
    Two roads diverged in a wood, and I—
    I took the one less traveled by,
    And that has made all the difference (Robert Frost)

  5. Moderator
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    Avatar von Vegareve
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    AW: Gerüche

    #5
    Der Geruchssinn ist einer der stärksten und wichtigsten Sinne, die wir haben, obwohl wir ihm wenig Beachtung schenken. Auch ist er (ich schreibe pur empirisch und laienhaft) sehr stark mit Emotionen und Erinnerungen verlinkt.

    Die letzte starke Erfahrung, die ich bezüglich Gerüche machen konnte, war der erste Tag im Fangebirge. Wie Becks schon schrieb, ist die Vegetation dort stark einfältig, ausser Wacholderbäume und Estragon wachsen nur noch vereinzelt ein paar Wildkräuter. Die Menge aber an Estragon und die Kombi mit dem Rest war so überwältigend, dass es wie "im Suppentopf meiner Grossmutter" roch . So stark habe ich Gerüche in den Bergen selten erlebt.

    Auch immer wieder schön: wenn man nach mehreren Tagen im Hochgebirge absteigt und wieder überhaupt etwas (=Vegetation) riecht (da wieder um einen herum etwas wächst)...
    "Niemand hört den Ruf des Meeres oder der Berge, nur derjenige, der dem Meer oder den Bergen wesensverwandt ist" (O. Chambers)

  6. Vorstand
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    AW: Gerüche

    #6
    Schönes Thema :-)
    Auch ich habe festgestellt, dass die Gerüche einen sehr großen Teil meiner Ortswahrnehmung bilden. Allein dieses "es riecht nach Regen", nach Pilzen, nach Schnee, nach Waldmeister (gemähte Wiesen im Spätsommer: Ursache: das Cumarin, das auch in welkendem Waldmeister zur Geltung kommt). Dann Südfrankreich mit den Pinien und anderen Nadelbäumen und, was Du auch erwähntest: die Stinkmorcheln im Spätsommer. Fies finde ich vor allem den schweren, fast Übelkeit erregenden Geruch von blühendem Springkraut (Optimisten beschreiben ihn als aprikosenartig – aber evtl. haben sie nur eine anders sozialisierte Geruchswahrnehmung?), etc.

    Das Erstaunlichste aber finde ich, dass Düfte Erinnerungen triggern. Laufe ich hier im Sommer durch ein Kiefernwäldchen, dann "bin" ich in Südfrankreich. Und natürlich passieren Düfte nicht nur draußen, sondern sind für mich, in Verbindung mit dem Geschmackssinn auch ein wesentlicher Teil beim Kochen: Zitrone + Zimt = Limette. Inwieweit sich das im Bereich food pairing (noch ein Beispiel) niederschlägt, ist noch ein weite/re/s Feld, das man erforschen kann.
    Geändert von lina (04.08.2017 um 13:06 Uhr)

  7. Gerne im Forum

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    AW: Gerüche

    #7
    Tolles Thema!

    Ich mache für bestimmte Gerüche sogar einen Umweg: Zwischen meinem Wohnort und meinem Arbeitsort ist ziemlich viel plattes Land. An einer Ecke gibt es eine Wiese, die für landwirtschaftliche Zwecke offensichtlich nicht taugt - ewig feucht im Frühjahr, und das Gras wächst da auch nicht so dicht wie auf anderem Grünland. ABER: Wenn sie dann im Sommer gemäht wird, dann duftet sie unglaublich aromatisch. Im Sommer fahre ich gern den Umweg, um zu schauen und zu schnuppern, ob diese Wiese endlich gemäht wurde. Heute war endlich der Tag.

    Und ja, an Gerüchen hängen ganz viele Gefühle, mal eben von der Nase durchs Unterbewusstsein ...
    Liebe Grüße
    von der Bielefelderin

    _______________________________________________________________________
    Der weiteste Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

  8. Moderator
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    Avatar von Becks
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    AW: Gerüche

    #8
    Zitat Zitat von Intihuitana Beitrag anzeigen
    Es ist ein schräges Thema, aber ich wäre froh wenn ihr auch etwas dazu beitragen könnt. Vielleicht finde ich mich in einigen Beschreibungen wirklich wieder.
    Kennst Du den Geruch eines Zeltes nach dem Genuß einer Doppelportion Linsen (mit Speck) von Travellunch? Den Fehler habe ich nur einmal gemacht, das war ein 24-stündiges Erlebnis, bei dem es mir fast den Schlafsack gelupft hat.
    After much research, consideration, and experimentation, I have decided that adulthood is nothing for me. Thank you for the opportunity.

  9. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
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    AW: Gerüche

    #9
    Zitat Zitat von Becks Beitrag anzeigen
    Kennst Du den Geruch eines Zeltes nach dem Genuß einer Doppelportion Linsen (mit Speck) von Travellunch? Den Fehler habe ich nur einmal gemacht, das war ein 24-stündiges Erlebnis, bei dem es mir fast den Schlafsack gelupft hat.
    Meinst diese Gerüche die tief und festi m Schlafsack verschlossen bleiben und sich sammeln und wenn man dann rauskrabbelt kommt plötzlich alles zusammen raus?

  10. Erfahren

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    AW: Gerüche

    #10
    Was mich immer wieder überrascht ist der Geruch der von der Strasse/wege aufsteigt frisch nach einem Sommergewitter/Regen.
    Irgendwie angenehm, obwohl nicht wirklich wohlriechend.

    Aber es gibt da auch die Jugenderinnerung:
    Auf dem SchulnachHauseradelweg vorbei an einer Kiesgrube gab es immer bei Regen eine überwiegend aus Nacktschnecken bestehende Querungsstelle. Und da bei der Menge kein Radfahrer allen Schnecken ausweichen konnte gab es dann dort einen fiesen Geruch von den zermatschten Schnecken....

  11. Vorstand
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    Avatar von lina
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    AW: Gerüche

    #11
    Gestern abend roch es eindeutig nach Sommer

  12. Alter Hase
    Avatar von LihofDirk
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    AW: Gerüche

    #12
    Zitat Zitat von lina Beitrag anzeigen
    Gestern abend roch es eindeutig nach Sommer
    Eher nach Winter ...

    Aber faszinierend finde ich, wie "anders" Australien riecht. Nicht nur die Pflanzen, gerade in den Laubwäldern ist immer eine leichte Eukalyptus Note, besonders verstärkt bei Waldarbeiten, auch der Ozean riecht anders als Nord- oder Ostsee.
    Die Nase ist bei mir (wenn nicht Heuschnupfen Zeit ist ) auch einer der größten Eindrücke Sammler.

  13. Fuchs
    Avatar von Rattus
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    AW: Gerüche

    #13
    Intuhitana, du schreibst mir aus der Seele  Ich stelle mir manchmal vor, wie es wäre, nicht mehr riechen zu können. Einfach nur entsetzlich. Ich bin schwerhörig, das ist schlimm genug, kein Hörgerät der Welt kommt an das authentische Hören ran, und das Leben ist auf vielerlei Weise beschwerlich und anstrengend. Aber nicht riechen können - da wäre ich wohl vollkommen desorientiert. Vieles hat man ja schon über den Geruch begriffen, bevor eine sprachliche oder optische Information das Gehirn erreicht.

    Und die Erinnerungen. Ich nehme einen Geruch wahr und schon entfaltet sich ein Panorama an Erlebtem, wie es allein durch sehen oder hören nie zustande käme.

    Da sind wohl noch große Anteile von Schnüffeltieren in uns Menschen 
    Das Leben ist schön. Von einfach war nie die Rede.

  14. Gerne im Forum

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    AW: Gerüche

    #14
    Ich war in den letzten Wochen auf der GTA unterwegs.
    Aus meinen Aufzeichnungen, die ich unabhängig von diesem thread gemacht habe:

    "So sind es zum Beispiel olfaktorische Impressionen, die mir nachhaltig in Erinnerung geblieben sind:

    * Die reflektierte Wärme der Eidechsenfelsen (doch, doch, die riecht auch)
    * Das Lärchenholz der 400 Jahre alten Walserhäuser
    * Leere ausdünstende Kuhställe in der Mittagshitze (Maccagna-Alm)
    * Die ganz unterschiedlichen, aus der Zeit gefallenen odori der gegenüberliegenden Läden in Oropa.
    * Die Veränderungen, wie der Wald unterschiedlich riecht beim Abwärtssteigen: Lärchen – Kiefern – Eichen – Esskastanien
    * Dies nur als einige Beispiele, was von außen herein kommt und inhaltlich bleibt."

  15. Dauerbesucher
    Avatar von Baciu
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    AW: Gerüche

    #15
    Auf unserer Wanderung diesen Frühling in Bosnien haben wir Wasser erschnüffelt. Denn es herrschte meist Wasserknappheit aber dort wo Bärlauch wuchs, gabs meist welches und der duftete unverkennbar, der ganze Wald hat schon von weitem danach gerochen.

  16. Dauerbesucher
    Avatar von elbspitze
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    AW: Gerüche

    #16
    Mein lieblingsgeruch: Der Harz und oder die Nadeln im Wald, wenn die Sonne drauf scheint.
    Auch fantastisch, wenn es noch nicht regnet. man ihn aber schon riechen kann.
    Nur wenn ich bestimmte Gerüche wahrnehme, assoziiere ich damit Natur und Wildnis.
    Daher sind sie für mich wichtig, zumal man sich immer wieder eine Dosis holen muss weil sie nicht konservierbar ist.

  17. Erfahren

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    AW: Gerüche

    #17
    Sehr schönes Thema,
    ich finde es auch immer wieder absolut schön wie Gerüche Errinnerungen hervorrufen ,bei mir besonders stark ausgeprägt sind es dann ganz oft welche aus Kindertagen,natürlich nicht nur Naturgerüche,irgendwie eben alles. Ein Beispiel: der Geruch eines Kuhstalles oder von Heu ist für mich schöner wie jedes gut riechende Essen(kommt allerdings drauf an wie groß grad der Kohldampf ist) denn dieser Geruch oder vielleicht Gestank ist für mich an meine schönsten Kinderzeiten auf einem Bauernhof im Münsterlandgekoppelt.Mann war das schön,glückliche ,unbeschwerte Kinderzeit in den 60igern,die hatten noch Magd und Knecht und Tante Ia hat die Kühe noch mit Hand gemolken ,Das Heu noch mit Pferdewagen,und diese ganzen Gerüche eines Bauernhofes machen mich einfach nur glückseelig. Vielleicht ist es sogar so,wenn sich der Mensch sehr gut an Gerüche errinnern kann ,vielleicht kann er sich dann allgemein sehr gut zurückerrinnern? Ach jetzt riecht mein in Schutt und Asche liegender Balkon auch ganz lecker nach verfaulten Blättern und nasser Blumenerde.
    In meiner Abwesenheit fegte der Orkan dadrüber. ich könnt nun noch unendlich weiterschreiben!!!! Der andre Lieblingsgeruch sind bei mir Zelte,die richen doch auch irgendwie lecker

  18. Dauerbesucher
    Avatar von danobaja
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    AW: Gerüche

    #18
    was mich seit 1991 immer ganz intensiv begleitet ist der geruch eines ungeschlagenen sandelholzwaldes. die geschlagenen stämme neben der strasse konnte man schon von weitem riechen, aber kein vergleich zum spaziergang im wald. das ist ein so harmonischer, friedlicher geruch, man kann gar nicht anders als immer entspannter zu werden.

    das krasse gegenteil ist für mich der gestank neben einer schweinezuchtanlage mit 3x300 schweinen. da hab ich mich geweigert draussen zu essen. für die anwohner dort war das schon so normal, die hat es nicht so sonderlich gestört. die haben gesagt: draussen essen kann man nicht wenn die gefüttert werden. dann versteht man sein eigenes wort nicht mehr. das war für mich letztendlich dann auch der grund ein sehr günstiges haus in dieser gegend nicht zu kaufen. also der gestank, nicht der lärm. möcht nicht wissen wie das ist wenn die gülle ausgebracht wird auf die felder.

    was ich auch sehr gerne rieche ist der geruch von kaffee. selbst zu zeiten in denen ich keinen trinke ist es schön wenn der geruch durchs haus zieht.
    danobaja
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