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  1. [ID] Talamau. Wildnis pur. Erlebt in den Achtzigerjahren

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    Mitreisende: OutofSaigon


    Wildnis pur, nix für Weicheier, gräßlich feuchtschwül und voller Blutegel, so sind die Dschungel Sumatras. Aber dann gibt es auch Ziele, die einen alle Mühsal vergessen lassen. – Vor einiger Zeit fragte mich ein Trekking-Kamerad: „Hast du irgendeinen Trek schon mehr als einmal gemacht?“ Gute Frage. Ich mußte ein Weilchen nachdenken, dann fiel es mir wieder ein: Talamau. Drei Mal war ich dort oben, wohl öfter als jeder andere Weiße, und jedes Mal war es fantastisch. Wer es eilig hat, macht das in drei Tagen. Ich habe mir allerdings bei meiner zweiten Tour vier Tage Zeit gelassen, bei der dritten sogar fünf Tage; so faszinierend fand ich die Landschaft und die Vegetation.


    Talamau. Ein einfacher aber klangvoller Name. Einen winzigen Tick nördlich des Äquators liegt er, ein erloschener Vulkan, aufragend über der Küstenebene West-Sumatras. Hier seht ihr ihn, zusammen mit seinem „kleineren Bruder“, dem Ophir (in älterer Literatur werden die beiden Namen mitunter auch verwechselt).





    Wie ihr seht, ist der Berg nicht einfach nur ein Kegel sondern hat unterhalb des Gipfels ein deutliches Plateau. Merkt euch diese Bilder – ich komme später noch darauf zu sprechen.

    Auch aus anderen Blickwinkeln dominiert der Talamau die Landschaft; er ist ein Berg, der einen ganzen Bezirk beherrscht.



    Der Talamau ist knapp 3000m hoch, also kein wirklicher Riese. Allerdings liegt der Startpunkt für eine Besteigung auf nur rund 300m Meereshöhe, der Anstieg beträgt also 2700 Höhenmeter, und das ist deutlich mehr als von Garmisch auf die Zugspitze und fast so viel wie von Zermatt auf das Matterhorn. Also kein Park-Spaziergang.

    Wie ich diesem Berg überhaupt „begegnet“ bin? Die deutsche Entwicklungshilfe war damals in West-Sumatra sehr engagiert, vor allem im Bezirk Pasaman, dessen Hauptstadt Lubuk Sikaping hoch in den Bergen liegt, dessen westlicher Teil allerdings – nur schwer zugänglich – zwischen der Bergkette und der Küste liegt und lange Zeit dementsprechend wenig entwickelt war. Eine ziemlich wilde Gegend, jedenfalls in den Achtzigerjahren. In Pasaman unternahm ich übrigens, zusammen mit einem Kameraden, auch eine andere Tour, von der ich an anderer Stelle in diesem Forum berichtet habe.

    Der Talamau überragte die Feldstation unseres deutschen Entwicklungshilfe-Projekts. Diese umfaßte ein Büro, die Wohnhäuser der Kollegen, die permanent dort stationiert waren, und ein Gästehaus, das ihr hier seht.



    Immer wieder schauten wir von jener Feldstation aus auf den Berg, oft fragten wir die Einheimischen, ob man den Berg nicht besteigen könnte, aber immer wieder bekamen wir zur Antwort, das sei ein wilder und wegloser Dschungel, und kaum jemand sei jemals auf dem Gipfel gewesen.

    Einige von uns, mich eingeschlossen, wurden von solchen eher abwiegelnden Auskünften aber gerade noch angestachelt: es mußte doch möglich sein, irgendwie dort hinauf zu kommen. Und so organisierte unser Kollege Dieter im Frühjahr 1986 erstmals eine Besteigung. Es war eine richtige Expedition: mit ca. 15 Gästen und rund 25 einheimischen Führern und Trägern. Solche Großunternehmungen gefallen nicht jedem (mir zum Beispiel auch eher nicht), und so bestieg ich den Talamau später noch zwei weitere Male, 1987 und 1991, mit einer viel kleineren Gruppe.

    Nun will ich euch aber nicht drei separate Einzelberichte von jenen drei Besteigungen präsentieren, sondern will versuchen, daraus einen Cocktail zu mischen, in dem alles irgendwie drin ist. Wer damit nicht einverstanden ist, darf hier mit dem Lesen aufhören. Ein gewisses „Problem“, über den Talamau zu berichten, liegt darin, daß er vielleicht nicht wirklich fotogen ist und sich die wilde Schönheit dieses Berges mit Fotos nur unvollständig wiedergeben läßt. Man muß es erleben (oder erlebt haben wie ich Glückspilz), und ich will versuchen, euch diese Schönheit außer mit Fotos auch mit Worten zu vermitteln.


    Unsere deutsche Feldstation befand sich in einem kleinen Ort namens Sukamenanti. Es war damals in den Achtzigerjahren eine ländliche Idylle, fast wie aus einem alten Bilderbuch. Da gab es noch Büffelkarren mit Rädern aus Holzscheiben, aus Bambus gebaute Wasserräder zur Bewässerung der Reisfelder, da hatten die Dörfler am Bach kleine Hammerwerke gebaut, mit denen sie ihre Kaffeebohnen zerstampften, da waren elektrisches Licht und Telefon noch Dinge, die es nur in der fernen großen Stadt gab. Die folgenden Fotos sollen euch ein wenig darauf einstimmen, wie es damals dort war:









    Die traditionellen Häuser jener Region zeigen auch eine ganz spezielle Architektur, mit Dächern, deren First-Enden in hochgezogenen Spitzen auslaufen:




    Nicht weit von Sukamenanti liegt das Dörfchen Pinagar, noch näher am Fuß des Talamau, auf rund 300m Meereshöhe. Hier ein Blick auf die kleine Dorfmoschee (ein Anblick, der für die Dörfer jener Region sehr typisch ist oder zumindest damals war):



    In Pinagar wohnte ein Mann, den wir jungen Leute in jenen Tagen als alt empfanden – er war damals wohl etwa drei Jahre älter als ich jetzt bin (so verschieben sich die Maßstäbe im Laufe des Lebens ). Alle im Dorf bestätigten, daß der „Alte“ die wenigen Pfade im Bergwald besser kannte als jeder andere, und so wurde er als Führer angeheuert. Der „Alte“ organisierte dann in Pinagar die restlichen Einheimischen. Das waren bei unserer ersten Tour rund zwei Dutzend, bei meinen folgenden Besteigungen nur einige wenige. Auch bei meiner zweiten und dritten Besteigung war der „Alte“ wieder mein/unser Führer.


    Tag Eins : Die Hölle ist grün

    Für jede der drei Besteigungen ließen wir uns mit Autos von Sukamenanti nach Pinagar fahren, trafen dort unsere Begleitmannschaft und starteten.



    Die ersten zwei Stunden waren nur „Warmlaufen“. Es ging durch die Hausgärten und Kokosnußpflanzungen, später dann durch die Trockenfelder. Die Kokosnußpflanzungen liegen nahe am Dorf; denn Kokosnüsse sind schwer, und man will sie nicht weit tragen müssen. Etwas weiter weg findet man dann die Felder für Mais, Bohnen, und vor allem Bergreis (also Reissorten, die nicht in bewässerten Feldern angebaut werden). Die Bauern grüßten uns freundlich:



    Nach zwei Stunden erreichten wir den Waldrand, auf geschätzt 500m Meereshöhe, und hier wurde eine richtig lange Pause gemacht.



    Noch einmal schauten wir zurück auf die Felder, durch die wir gerade gewandert waren:



    Die Häuschen, die ihr hier seht, sind keine Dauerwohnungen. Reine Rastplätze für die Mittagshitze sind sie aber auch nicht. Hier verbringen die Bauern die letzte Zeit vor der Ernte, wenn sie ihre Felder vor den Wildschweinen schützen müssen. Dazu haben sie vielfach recht ausgeklügelte Alarmsysteme gebastelt: beispielsweise schwarze Bindfäden, die straff gespannt in 20-50cm Höhe um die Felder laufen und irgendeinen alten Kochtopf o. ä. scheppernd herunter werfen, sobald ein Wildschwein in der Dunkelheit den Bindfaden aus der Position bringt.


    Bei der ersten Tour war mir/uns noch nicht ganz klar, warum wir hier derartig ausgiebig rasteten; aber das kapierten wir dann bald, und die geneigte Leserschaft wird es nach kurzem weiteren Lesen auch verstehen.

    Wir nahmen hier also ein durchaus kräftiges zweites Frühstück ein. Ein leiser, aber doch vernehmbarer, kläglich quäkender Laut weckte unsere Aufmerksamkeit; wir sahen eine Schlange, die ebenfalls gerade frühstückte, indem sie - Guten Appetit! - einen Frosch lebendig hinunterschlang:

    Als ich das Foto machte, zappelte der Frosch noch mit den Beinen, aber da sein Kopf ja schon im Rachen der Schlange steckte, wird ihm wohl bald danach die Luft ausgegangen sein.


    Die zweistündige Wanderung durch die Felder war immer ganz angenehm: erstens war es noch früher Morgen, also noch nicht so heiß, zweitens weht über die offenen Felder immer ein gewisses Lüftchen, drittens ist jenes Lüftchen vergleichsweise trocken, so daß man beim Wandern nicht allzu sehr ins Schwitzen kommt, und viertens konnten wir auch immer wieder ein paar Augenblicke stehen bleiben, etwas abkühlen und die Landschaft genießen. Das alles änderte sich aber bald. Ab etwa zehn Uhr morgens wird es am Äquator richtig heiß; das leuchtet wohl auch denen ein, die dort weniger Zeit verbracht haben als ich. Zweitens weht im Dschungel kein Wind mehr, sondern die Luft steht praktisch. Drittens ist die Luftfeuchtigkeit im Dschungel deutlicher höher als draußen auf den Feldern.

    Aber wir waren ja nicht zum Herumhängen hierher gekommen, sondern waren voller Ehrgeiz, den Talamau zu besteigen, auch wenn das anstrengend werden würde. Also: hinein in den Wald, dem Führer nach!



    Das ging auch eine Weile ganz gut. Dann allerdings kamen wir aus den genannten drei Gründen immer mehr ins Schwitzen und Schnaufen. Als wir aber stehen bleiben wollten, um etwas abzukühlen und zu verschnaufen, da kam das „Viertens“, das oben noch fehlte: wir durften im Dschungel zwischen 500m und 1500m Meereshöhe praktisch nicht stehen bleiben, oder höchstens nur für ein paar Sekunden, denn sonst fielen die Blutegel über uns her, wie ihr euch das gar nicht vorstellen könnt. Mit ihrem exzellenten Geruchssinn orten die Biester den Wanderer und bewegen sich mit ganz erstaunlicher Geschwindigkeit auf ihn zu. „Ungefüllt“ sind sie 3-4cm lang und 4-5mm dick, und sie sind in unglaublichen Mengen überall vorhanden. Die zwei oder drei Meter Distanz von ihrem „Warteplatz“ irgendwo im Unterwuchs bis zu den Schuhen des Wanderers haben sie in einer Minute überwunden, und weil du ja niemals weißt, von welcher Richtung her sie über dich herfallen werden, muß du dich ständig drehen und schauen, ob da vielleicht gerade einer kommt. Dennoch stehen deine Chancen schlecht: den einen oder anderen wirst du nicht rechtzeitig sehen, er kriecht über deinen Schuh in dein Hosenbein und saugt sich dann an deiner Haut fest. Damit nicht genug: auch andere haben dich gerochen (ganz buchstäblich) und lassen sich aus dem Blätterdach auf dein Hemd, deinen Hut, oder deinen Rucksack fallen – das merkst du überhaupt nicht; da muß schon dein Kamerad dein Hemd, deinen Hut und deinen Rucksack ständig ganz genau beobachten. Du selbst mußt ihm selbstredend genau den gleichen Dienst erweisen. Ein Höllenspiel. Erstaunlich fand ich immer wieder, daß die Blutegel in solch rauhen Mengen entlang eines doch sehr wenig begangenen Pfades vorhanden sind – sie haben wohl beim Warten („im Standby-Modus“, würde der Besitzer eines modernen Samsung-Fernsehers sagen) nur einen extrem geringen Energiebedarf für ihr Überleben – warm genug ist es ja ohnehin.

    Sich dieser Biester zu erwehren, ist wohl die größte Herausforderung im Dschungel, und wir haben allerlei verschiedene Taktiken ausprobiert. Der eine schwört auf hohe Stiefel und Gamaschen, die ganz fest über lange Hosen gezogen werden, so daß da nichts hineinkriechen kann. Der andere schwört umgekehrt auf kurze Hosen und kurzärmelige Hemden mit dem Argument, daß er die Biester dann wenigstens rechtzeitig sehen und herunterputzen kann. Andere empfehlen, allerlei Tinkturen auf die Kleidung aufzutragen. Nützlich ist auf jeden Fall, ein Feuerzeug bereit zu halten; denn von hinten angesengt werden, das mögen die Blutegel gar nicht, da lassen sie sofort von dir ab. Meiner langen Rede kurzer Sinn ist aber der, daß nichts wirklich hundertprozentig hilft und dir bestimmt der eine oder andere Blutegel doch durch die Lappen geht. Der beißt sich dann an deiner Haut fest, und dann wird es unangenehm: nicht wegen des Schmerzes – der Blutegel ritzt deine Haut auf, ohne daß du irgendetwas spürst – sondern weil der Blutegel ein äußerst effektives Anti-Gerinnungs-Mittel besitzt, welches er in die Bißstelle injiziert. Daher blutet die Wunde dann noch mehrere Stunden lang, und das läßt sich kaum stoppen – sehr unangenehm. Damit war uns nun also klar, warum wir so ein ausgiebiges, genüßliches zweites Frühstück zu uns genommen hatten: die nächste Pause gab es erst am Nachmittag.


    Wir durchstiegen also den Dschungel, so zügig, wie es eben nur ging. Das heißt vor allem: nicht zu schnell gehen und immer daran denken, daß du einige Stunden lang praktisch keinen Halt machen darfst! Genüßliche Pausen oder längere Fotohalte kommen also gar nicht in Frage. Das ist eigentlich sehr schade; denn der tropische Dschungel ist faszinierend (so finde ich jedenfalls, andere finden ihn möglicherweise gräßlich).










    Wer von euch hofft, daß ich nun von allerlei Tieren im Dschungel berichten kann, den muß ich leider enttäuschen: wir sahen fast nichts und hörten auch nur wenig, nicht einmal viele Vogelstimmen. Allemal hörten wir ab und an hoch im oder über dem Blätterdach rhythmische, rauschende Geräusche: die Flügelschläge von Nashornvögeln. Erst viele Jahre später, in den Urwäldern des Amazonas-Gebiets ( siehe hier ), fand ich dann das Tierleben vor, das ich mir als Bücher lesender Junge immer vorgestellt hatte. Im Dschungel des Talamau sahen wir höchstens einmal einen schönen Käfer wie diesen:




    Ich schrieb es schon einmal an anderer Stelle: der ungestörte Primärwald ist gar nicht das undurchdringliche Dickicht, das viele sich so vorstellen. Im Gegenteil. Nahe dem Boden ist es ziemlich dunkel (einen 100-ASA-Film kriegte ich mit Blende 2,8 und 1/30-Sekunde gerade eben noch richtig belichtet), und so wachsen die jungen Bäumchen als ziemlich gerade und glatte Stangen ohne größere Seitentriebe in die Höhe so rasch es geht, auf der Suche nach dem Licht. Wer trödelt, geht zugrunde. Und so kommt der Wanderer relativ problemlos durch das Unterholz.

    Stundenlang stiegen wir also durch den Dschungel den Berghang hinauf. Bei der Hitze und Schwüle im Dschungel und bei unserem bewußt gemäßigten Tempo kamen wir wohl kaum mehr als 200-250 Höhenmeter pro Stunde aufwärts. So dauerte es logischerweise rund vier oder fünf Stunden, bis wir von 500m auf 1500m Meereshöhe aufgestiegen waren, also von etwa zehn Uhr morgens bis zwei oder drei Uhr nachmittags. Warum beziehe ich mich hier auf eine Höhe von 1500m? Ganz einfach: von etwa hier an sind keine Blutegel mehr im Wald; es ist ihnen offensichtlich ab 1500m Höhe zu kalt.

    Dort endlich kamen unsere Indonesier dann zu etwas, wonach sie schon seit Stunden geschmachtet hatten: Zigarettenpause!




    Nicht mehr viel weiter, rund 1700m hoch lag dann „Camp 1“. Hier wurden die Zelte aufgeschlagen.



    An dieser Stelle möchte ich erwähnen, wie wir damals ausgerüstet waren: Zelte aller Macharten (z. B. jenes Campingzelt aus imprägnierter Baumwolle, das ich als Student zum Camping in Marokko und am Atlantik-Strand benutzt hatte), Schlafsäcke mit Füllmaterial, an das ich lieber gar nicht denken will, schwere gummi-beschichtete Luftmatratzen, Baumwollhemden (oder T-Shirts) und Hosen, die heute kein vernünftiger Mensch mehr fürs Wandern benutzen würde (einige von uns hatten sogar Jeans an!). Die „professionellen“ Outdoorer heutiger Tage würden sich totlachen. Aber damals war „Outdoor“ eben noch mehr ein Lebensgefühl als ein Wirtschaftszweig, es gab (noch) gar nicht die vielen Produkte, die ihr heute kennt, und in Sumatra gab es schon gar nix. Umgekehrt kann ich dann ein Schmunzeln nicht unterdrücken, wenn ich auf einem einschlägigen Forum lese, wie inbrünstig manche Nutzer darüber diskutieren, welches von 20 verschiedenen Hosen- oder Rucksackmodellen wohl für ihre Tour am besten geeignet ist. Ich sage euch: jedes dieser 20 Modelle ist immer noch weit besser als das, was wir damals hatten, und wir haben trotzdem tolle Touren gemacht.


    In Camp 1 wurde dann also erst einmal gekocht: Reis für die meisten (vor allem die Einheimischen natürlich), vielleicht auch Nudeln, sowie Kaffee und Tee. Zum Feuermachen schlugen unsere Leute stets frisches Holz ab, dieses brennt nämlich besser als Totholz. Das überrascht den Mitteleuropäer, der das Umgekehrte gewohnt ist. Im tropischen Regenwald aber saugt sich Totholz derartig mit Wasser voll, daß es nicht mehr brennt. Ebenso gut könntest du versuchen, einen nassen Schwamm anzuzünden. Freund: das wird nix!

    Ich weiß nicht mehr genau, was es zum Reis gab, aber sicherlich war auch „Rendang“ dabei; das ist eine Art von stark gewürztem Gulasch, das so lange gekocht wird, bis die Soße eingedickt ist. So bleibt diese Zubereitung dann – vor allem wegen des vielen Chilis – auch ungekühlt mindestens mehrere Tage haltbar und eignet sich damit logischerweise sehr gut für so einen Trek. Rendang gehört zu West-Sumatra wie Maultaschen zu Schwaben. Meist verwendet man für seine Zubereitung Wasserbüffelfleisch, dessen zähe Konsistenz hervorragend paßt zu der Notwendigkeit des mehrstündigen Kochens: wenn die Soße endlich eingedickt ist, dann ist auch das Fleisch gerade richtig. Womöglich gab es auch „Abon“. Das wird hergestellt aus Rindfleisch, welches in ganz kleine Fitzelchen gerupft wird; diese Fitzelchen, ebenfalls stark gewürzt und dann getrocknet, halten sich wochen- und monatelang auch ohne Kühlung. Durch das Trocknen ist die Zubereitung natürlich sehr leicht, und durch das starke Würzen braucht man nur sehr wenig davon – vielleicht einen Eßlöffel pro Teller Reis – um eine ausgewogene Mischung zu erhalten. Alle diese Eigenschaften sind dem Trekker natürlich sehr willkommen.

    Wir waren hier in der totalen Wildnis, wo es absolut nichts gibt außer Wasser. Daran dachte ich immer wieder in späteren Jahren, etwa auf den Teehaus-Treks in Nepal, wo man alle 30 Minuten am Wegesrand Spaghetti Bolognese oder Apfel-Streuselkuchen kaufen kann. Pfff – wie dekadent!

    Total zerschwitzt wie wir alle waren, wollten wir uns natürlich irgendwie erfrischen. Dazu gab es einen schönen Bach knapp unterhalb des Camps. Da dieser selbstredend von den höheren Hängen herunter kommt, ist sein Wasser allerdings erstaunlich kalt – vielleicht 12 Grad oder so – und die gewünschte Erfrischung ist in wenigen Sekunden erreicht



    So kam der Abend, und das ist hier am Äquator pünktlich um sechs Uhr, egal zu welcher Jahreszeit. Dann, an einem ganz bestimmten Punkt der kurzen Dämmerung, täglich das gleiche Ereignis: mit einem Mal beginnen sämtliche Zikaden des Dschungels ein Konzert von überraschender Lautstärke, aber dieses Konzert klingt nach rund einer Viertelstunde dann fast ebenso schnell wieder aus wie es angefangen hatte. Wer das zum ersten Mal erlebt, ist fasziniert; aber man lernt schnell, das dies eben ein Teil des Tagesablaufs im Dschungel ist und einfach zur Abenddämmerung im Dschungel gehört wie das Glockenläuten zu einem Samstagabend in Österreich.

    Kurz vor oder nach Sonnenuntergang beginnt es dann auch oft zu regnen. Unsere Einheimischen besaßen keine Zelte (und wir hatten auch keine überzähligen, die wir ihnen hätten leihen können), und so übernachteten sie dann unter billigen mitgebrachten Plastikplanen.



    Bis hierhin war der erste Tag meiner drei Besteigungen eigentlich immer sehr ähnlich gewesen. Nur beim zweiten Mal gab es eine kleine Abweichung. Damals wollte mein indonesischer Fahrer mit mir auf den Berg (wir wären also nur zwei Gäste gewesen) – ihr seht ihn auf dem Gruppenfoto oben mit seinen blauen Jeans; er war aber bei ziemlich schlechter Kondition und klagte schon am späten Vormittag des ersten Tages über ein schmerzendes Knie. Da sagte ich dann kurz nach Mittag zu ihm: „Kehr um und geh zurück, jetzt gleich hier sofort! Am zweiten und dritten Tag wird es noch viel anstrengender. Wenn du jetzt umkehrst, erreichst du Pinagar noch bevor die Nacht hereinbricht.“ Da ging er mit einem unserer vier Begleiter wieder zurück, und ich ging nur mit den drei anderen weiter.


    Tag Zwei : Der Himmel ist ebenfalls grün

    Ein neuer Tag im Dschungel beginnt nicht mit einem Konzert der Zikaden, sondern mit einem Konzert der Siamang-Affen. Zumindest im ländlichen West-Sumatra ist das so, oder zumindest vor 30 Jahren war das so. Die Siamangs gehören zu den Menschenaffen, genauer gesagt zur Familie der Gibbons, sind aber weit größer als die Gibbons, die ihr aus dem Zoo kennt. Wunderschöne Tiere. Die Männchen läuten den neuen Tag ein, indem sie sich mit lauten Raufen bemerkbar machen (was selbstredend auch der Markierung ihres Territoriums dient). Je lauter und beeindruckender der Ruf, desto vorsichtiger werden Konkurrenten, desto größer ist dann also das Territorium des Siamang sowie des ihn begleitenden Weibchens und Jungen (Siamangs leben in Kleinfamilien, nicht in größeren Horden wie andere Affenarten). Das Morgenkonzert der Siamangs ist einfach wunderbar und wird für immer in meinem Gedächtnis haften bleiben. Ich werde ganz deprimiert, wenn ich daran denke, daß fortschreitende Zerstörung ihres Lebensraumes diese herrlichen Tiere wohl immer mehr zurück drängt und womöglich noch zu meinen Lebzeiten praktisch ausrotten wird.

    Ein neuer Tag für uns Wanderer begann damit, daß wir unsere Kleider zusammen suchten. Ich sage euch: ein am Vortag durchgeschwitztes Baumwollhemd, das dann die ganze Nacht im schwülen Dschungel gehangen hat, verströmt am nächsten Morgen einen Geruch, den man sehr effektiv als „Appetitzügler“ einsetzen könnte Einiges andere ist vielleicht über Nacht am Feuer ein wenig getrocknet. Das gilt vor allem für die „Jungle Boots“, die ich bei meiner zweiten und dritten Besteigung trug: diese bestehen aus einer grobstolligen aber relativ weichen Gummisohle und einem langen Schaft aus Segeltuch. Die Zunge ist fest mit dem Schaft vernäht und gibt daher Blutegeln keine Chance zum Eindringen. Solche Stiefel hatte ich mir irgendwann in Malaysia gekauft (das Design haben sich wohl die Briten ausgedacht, sehr clever); komischerweise sehe ich sie aber gar nicht mehr in den modernen Outdoor-Kollektionen. Dabei fand ich sie total praktisch für genau diesen Zweck. Dschungeltouren wie unsere damals sind womöglich aus der Mode geraten.

    Dann gab es Frühstück. Eine selbst zubereitete Mischung aus Müsli, Nüssen, Rosinen und Milchpulver sagte mir immer am besten zu. Wasser gab es ja, und mehr als kaltes Wasser brauchte man nicht, um dieses Frühstück zuzubereiten.

    Anschließend begann der zweite Wandertag immer etwas anstrengend: da Camp 1 ja nahe am Bach lag, war es eben auch in einem Einschnitt, und aus diesem mußten wir dann logischerweise – ziemlich steil – als erstes hinaus steigen auf den eigentlichen Hang. Dort aber erreichten wir dann eine Vegetationszone von unglaublicher Schönheit.







    Diesen Teil des Hanges fand ich immer wunderbar. Bei meiner dritten Besteigung verbrachte ich hier einen ganzen Tag allein mit zwei Indonesiern, bevor dann meine deutschen Kameraden Ulli, Thomas und Wolfram einen Tag nach mir im Camp 1 eintrafen und wir gemeinsam den Aufstieg fortsetzten. Diese Schönheit der Pflanzen, diese herrliche Stille! Und dann diese angenehme Temperatur! Wahrlich ein Paradies...


    Bald erreichten wir die Region des sogenannten Nebelwaldes, und in der Tat kamen wir hier mehrfach in den Nebel, also die Wolken, die den Berg umhüllen. Das machte aber nicht nur nichts, sondern es verlieh der Vegetation – ja, der gesamten Szenerie – noch einen zusätzlichen Reiz, etwas Geheimnisvolles, fast Mystisches.








    Mit zunehmender Höhe wurde der Wald natürlich immer lichter, und wir hatten immer öfter einen überwältigenden Ausblick auf die kleineren Hügel und das Tiefland:





    Je weiter wir in die Höhe stiegen, desto spärlicher wurden die Bäume, und wir erreichten bald den obersten Teil des Hanges. Dieser wird bewachsen von Farnen, die etwa 1,50 Meter hoch werden, also deutlich größer sind als die Farne, die wir aus mitteleuropäischen Wäldern kennen, aber auch wieder weit kleiner als die 5-8m hohen Riesenfarne in tieferen Lagen des tropischen Regenwaldes (in Asien wie auch in Afrika). Allerdings stehen diese Farne sehr, sehr dicht und sind dem Wanderer hinderlicher als der Primärwald in den unteren Lagen: ohne Hacken gäbe es hier gar keinen Weg, und selbst nachdem ein Pfad gehackt worden ist, muß man aufpassen, denselben nicht wieder zu verlieren, denn manchmal gibt es doch, rein aus Zufall, in diesem Dickicht eine natürliche kleine Lücke, die man irrtümlicherweise für den Pfad halten könnte, und dann ist es passiert (und DASS es passieren kann, beschreibe ich weiter unten in diesem kleinen Bericht).

    Aber mit solchen Gedanken hielten wir uns während des Anstiegs nicht lange auf (daß genau darin ein schwerer Fehler liegen kann, ist eine andere Sache – siehe Nachwort).


    Etwa kurz nach Mittag erreichten wir dann immer den Punkt, wo der Hang endet und das Plateau unterhalb des Gipfels beginnt. Erinnert ihr euch noch an die ersten Fotos? Dort war dieses Plateau schon zu sehen. Sowie man das Plateau betritt sind auf einmal die ganzen Farne nicht mehr da. Aus irgendeinem Grund wachsen sie nur am Hang so dicht. Der Grund dafür ist möglicherweise, daß ihre Wurzeln kein stehendes Wasser mögen und immer gut drainiert sein müssen.

    Das Erreichen des Plateaurandes war immer ein besonders schöner Moment für uns. Der steile Anstieg ohne viel Sicht nach oben ist geschafft, der Gipfel ist nun fast zum Greifen nahe, wir wandern nur noch mehr oder weniger eben dahin, einen halben Kilometer oder so, bis zum Camp 2. Die Sonne scheint (normalerweise), es herrscht eine angenehme Temperatur, und es weht – wen wundert´s? – natürlich auch ein spürbares frisches Lüftchen hier oben. Einfach herrlich...








    Der Gipfel selbst liegt etwa 150m oberhalb dieses Plateaus, und wenn das Wetter nicht ganz schlecht ist, dann besteigt man ihn noch an demselben Nachmittag. Das taten wir auch jedes Mal. Bei der ersten Besteigung allerdings geschah etwas, was mir so nie wieder passiert ist: eine von unserer Gruppe blieb auf einmal, etwa 50m unterhalb des Gipfels, stehen und sagte „ich gehe nicht mehr weiter“. – „Was?“ riefen wir alle „jetzt bist du so weit aufgestiegen und willst nun die letzten 50 Meter nicht mehr machen?“. Aber so war es und so blieb es: sie wollte nicht mehr weiter, obwohl diese letzten 50m technisch nicht schwieriger waren als alle anderen Teile des Weges. Wir anderen erklommen dann eben ohne sie den Gipfel, und sie wartete – immer in Rufweite – auf unsere Rückkehr. Leicht bizarr, das muß ich selbst im Rückblick sagen.





    Mittlerweile hatten unsere einheimischen Begleiter das Camp 2 aufgeschlagen und mit dem Kochen begonnen.



    Dann ging die Sonne unter. Auf dem Gipfelplateau gibt es allerdings kein Zikadenkonzert in der Abenddämmerung wie im Camp 1. Dafür hörten wir überraschend deutlich den Ruf des Muezzins aus den Dorfmoscheen von Pinagar und Sukamenanti. Zwar sind diese mehrere Kilometer Luftlinie entfernt, aber auf dem Gipfelplateau ist es so wunderbar still, daß der Schall bis dort oben hin zu hören ist. Nach dem Abendessen kam dann sehr bald die Nachtruhe, wobei die Betonung durchaus auf „-ruhe“ liegt.


    Tag Drei : Der Himmel ist Grau (oder auch Blau, je nachdem)

    Am Morgen des dritten Tages scheiden sich die Geister. Die es eilig haben, treten sofort den Rückweg an und schaffen es am selben Tag noch bis nach Pinagar. Die Genießer bleiben einfach noch einen weiteren Tag dort oben. Oder noch einen. Ob man zum Genießer wird oder nicht, hängt allerdings auch von den Umständen ab: bei unserer ersten Besteigung war es die ganze Nacht sowie am folgenden Morgen regnerisch, windig und kalt (sechs Grad, gemessen von Michael), und wir sahen wenig Aussicht auf Genuß durch längeres Verbleiben. Es war richtig mitteleuropäisches November-Wetter, und da findet man das Zelten und Draußen-Sitzen nicht so prickelnd. Bei meinen späteren Besteigungen war es allerdings sonnig und warm, und dann war es dort oben einfach „gottvoll schön“, wie der Österreicher sagt.

    Schon beim Wandern über das Gipfelplateau, und noch besser beim Blick vom Gipfel zurück nach unten, hatten wir gesehen, daß sich auf dem Plateau mehrere kleine Tümpel befinden, dazu noch ein sehr steilwandiges Loch, das offensichtlich den jüngsten Ausbruchs-Krater markiert und auf dessen Boden ebenfalls ein kleiner See liegt. Das alles zu erkunden ist an einem Schönwettertag in der Tat ein Genuß. Ich watete, Erfrischung suchend, in einen der kleinen Tümpel hinein – das Wasser ist nur etwa einen halben Meter tief – aber erschrak dann ordentlich, als ich schon nach wenigen Schritten bis zur halben Wade in den Boden einsank; so wenig konsolidiert ist der Untergrund. Das ganze Plateau besteht offenbar nur aus sehr jungen und losen Sedimenten, weswegen es auch insgesamt recht weich und sumpfig ist. In den eigentlichen Kraterschlund lugten wir nur hinunter; seine Hänge sind viel zu steil, als daß man ohne Seil dort wieder hinauf kommen könnte, aber ein Seil hatten wir nicht dabei.





    Wie sich dieses Plateau wohl gebildet haben mag, darüber habe ich viel nachgedacht. Vielleicht war es einmal ein großer Krater, der dann durch Sedimente zugeschüttet worden ist. Aber woher kamen diese Sedimente? Der Gipfelaufbau besteht aus großen Felsbrocken, aber die Sedimente sind grobsandig. Der Gipfelaufbau hat auch gar nicht das Volumen, das erforderlich wäre, um soviel Sedimente zu erzeugen, daß sie den ganzen Krater verschütten könnten. Des Rätsels Lösung habe ich nicht gefunden.

    Viel tun kann man nicht dort oben, außer vielleicht noch einmal den Gipfel besteigen oder einfach so herum wandern, die Vögel beobachten und/oder botanische Studien betreiben.





    Von dem sehr ausgeprägt scharfen Rand des Plateaus schauten wir hinunter auf die Küstenebene und die Dörfer. Dabei machten wir einmal auch ein Experiment: wir hatten batteriebetriebene Walkie-Talkies dabei (die waren damals im ländlichen Indonesien sehr populär, denn es gab ja kein Telefonnetz, moderne Handys natürlich schon gleich gar nicht), und so riefen wir unsere Kollegen in der deutschen Feldstation an: es solle sich einer auf die Wiese stellen und versuchen, uns mit einem Spiegel ein Signal zu geben. Ihr werdet lachen: das funktionierte sogar, und Roland (der mittlerweile leider nicht mehr lebt) schwenkte einen Spiegel, dessen Reflexionen wir dort oben am Rande des Gipfelplateaus ganz deutlich blitzen sahen, was wir dann wieder per Walkie-Talkie bestätigten.




    Es ist eine Besonderheit des Talamau, daß man von dort oben die ganze Küstenebene überblicken kann: mehrere Dutzend Kilometer nach Südosten wie auch Nordwesten, ohne jede Sichtbehinderung durch kleinere Hügel oder gar andere Berge. Und man beachte: der Höhenunterschied vom Gipfel bis in die Küstenebene ist fast 3.000 Meter in einem einzigen langen Abhang! Von keinem Alpenberg hat man einen solchen Ausblick. Viktor von Scheffel´s Worte „Ich wollt´, mir wüchsen Flügel“ kamen mir in den Sinn. Wenn der nicht nur den Staffelberg in Oberfranken, sondern auch den Talamau bestiegen hätte...

    Nach Südosten hin geht der Blick auf andere Berge; auf dem folgenden Bild rechts der Tandikat und links der Merapi, ein aktiver Vulkan, den ich ebenfalls einmal bestiegen habe. Dazwischen seht ihr den Singgalang, von dem im Nachwort noch die Rede sein wird.





    Es war aber eben immer primär ein Tag des Genusses und nicht ein Tag besonderer Leistungen, und so habe ich auch nicht allzu viel Spannendes davon zu erzählen. Ich kann euch nur versichern, daß es jedes Mal wunderschön war.


    Tag Was-auch-immer : Abstieg

    Mit etwas ermüdeten Beinen, aber auch glücklich über das Erlebte, traten wir dann den Rückweg an. Bei meinen drei Besteigungen war dies jeweils einmal der dritte, vierte und fünfte Tag der gesamten Unternehmung. Der Pfad quer über das Gipfelplateau ist nicht zu verfehlen, dann geht es wieder durch den dichten Farnbewuchs den Hang hinunter. Dort allerdings ist der Pfad, wie ich bereits schrieb, oft nur schwer zu erkennen. So passierte bei unserer ersten Unternehmung dann auch das Malheur, und der Erste unserer Gruppe rief auf einmal: „Verdammt, wo ist der Weg?“. Wir hatten den Weg verloren! So ein Mist! Ob der richtige Weg nun rechts oder links von uns irgendwo im Gestrüpp dieser Farne verlief, konnten wir natürlich nicht wissen. Nach kurzer Beratung kamen wir überein: es gibt nur eine vernünftige Lösung, und die ist: zurück gehen, wieder aufsteigen bis an den Rand des Plateaus und dort den Pfad wieder aufnehmen. Zum Glück hatten wir uns gemerkt, daß an der Stelle, wo der Pfad das Plateau verließ, ein besonders charakteristischer Baum stand, und diesen fanden wir auch problemlos wieder. Dann versuchten wir es noch einmal, hielten die Augen besonders offen und konnten so tatsächlich dem richtigen Pfad folgen. Andere kommen in solchen Situationen nicht so leicht davon – siehe Nachwort.

    Anschließend durchquerten wir wiederum das Farndickicht und den Nebelwald, die ich oben beschrieben hatte. Das Camp 1 erreichten wir bereits am späteren Vormittag und machten hier noch einmal Rast. Dann ging es durch den Hochwald hinunter. Allerdings, liebe Leute: ein Urwaldpfad, auf dem in den letzten zwei oder drei Tagen mehrere Dutzend Leute gegangen sind, ist unheimlich ausgetreten und glitschig; man kann ihn kaum noch „normal“ in Abwärtsrichtung begehen, ohne auszurutschen. Naja, dachten wir, wenn man denn sowieso schon rutscht, dann rutschen wir eben gleich von Anfang an; und mit einer gewissen „Snowboard“-Technik kamen wir tatsächlich noch am besten zurecht, wobei wir immer wieder Stämmchen von Schwachholz benutzten, um uns abzufangen bzw. die Balance zu halten.

    Die verdammten Blutegel konnten dieses Mal gar nicht so schnell aus ihren Verstecken kommen, wie wir an ihnen vorbei liefen oder rutschten, und so hatten sie dieses Mal das Nachsehen. Etwa am mittleren Nachmittag hatten wir dann auch wieder den Waldrand erreicht; ihr wißt schon: dieselbe Stelle, wo wir beim Aufstieg so ausgiebig gerastet hatten. Wir rasteten auch dieses Mal wieder und genossen die Pause noch mehr als am ersten Tag. Anschließend ging es – wiederum etwa zwei Stunden lang – durch die Felder und Gärten zurück nach Pinagar. Dort gab es dann ein großes Händeschütteln, Zahltag war natürlich auch, und wir wurden von unseren Autos wieder nach Sukamenanti zurück gebracht.

    Dort angekommen, wollten zuallererst einmal meine drei Kinder mit mir spielen, und das tat ich auch gerne. Eine Kameradin sagte noch zu mir: „Daß du jetzt noch die Energie hast, mit den Kindern zu spielen! Ich bin total geschafft.“

    Später genossen wir dann die abendliche Kühle. Für seine geringe Meereshöhe (nur 170m) hat Sukamenanti nämlich ein erstaunlich kühles Mikroklima. Aber wir wußten: diese herrlich kühle frische Luft, die kommt von den bewaldeten Hängen des Talamau...





    Jahrzehnte später – Rückblick mit Wehmut

    Tja, so war das, liebe Leser/innen. Für uns alle und ganz besonders für mich war es eine der tollsten und schönsten Wanderungen, die wir je gemacht haben; das bestätigten wir uns auch noch gegenseitig viele Jahre danach.

    Ob der Talamau jetzt noch so weitgehend unberührt und schön ist wie in den Achtzigerjahren, das weiß ich nicht; ich bezweifle es eher. Inzwischen sind wohl mehr Wanderer dort unterwegs. Wenn ihr im Internet nach Bildern zum Begriff „Talamau“ sucht, findet ihr schon einiges. Ich gönne es den Leuten ja auch, wenn sie mir nur nicht diesen wunderschönen Berg mit ihrem Müll versauen...


    Vor dreißig Jahren gab es noch nicht diese schönen Outdoorseiten mit all den vielen tollen Berichten von spektakulären Touren. Wir hatten damals noch viel niedrigere Standards und Erwartungen, und so könnt ihr es mir hoffentlich nachsehen, daß ich in den Talamau vielleicht ein bißchen mehr verliebt war (und eigentlich bis heute immer noch bin) als ihr das aus heutiger Sicht nachvollziehen könnt. Macht nichts! Für mich war es, wie schon gesagt, ein ganz wunderbares Erlebnis: dieser herrliche Berg, diese Abgeschiedenheit, diese wunderbare Unberührtheit der Natur. Erst ein Vierteljahrhundert später bestieg ich einen anderen Berg, der in gewisser Weise ähnlich war: ein erloschener Vulkan in den feuchten Tropen, bedeckt von einer ähnlichen Hochgebirgsheide, ähnlich abgeschieden und unberührt; das war der Elgon in Uganda ( siehe hier ).




    Nachwort

    Ich hoffe, mein kleiner Bericht hat euch gefallen. Er enthält ja auch – von den Blutegeln abgesehen – eigentlich nur Positives. Hin und wieder aber geht es durch die Medien (auf jeden Fall die indonesischen, mitunter sogar die internationalen), daß auf solchen Dschungeltouren Wanderer zu Tode kommen. Manchmal sind es nur einzelne, aber es hat auch schon ganze Gruppen erwischt (auf dem Mt. Slamet, dem Mt. Salak und anderen Bergen auf Java sind schon mehrere Studenten-Wandergruppen umgekommen – siehe zum Beispiel hier ). Darüber habe ich lange nachgedacht. Wie können Menschen sterben nur zwei oder drei Tage nach dem Abmarsch, bei Temperaturen von deutlich über dem Gefrierpunkt?? Fast immer haben sie den Weg verloren und sind dann in Panik geraten. Eine tief sitzende Angst vor dem Dschungel ist ja weit verbreitet.

    Man muß beim „Navigieren“ durch den Dschungel schon gut aufpassen. Das Trügerische ist dabei, daß der Abstieg anspruchsvoller ist als der Aufstieg; denn wenn man beim Aufstieg an eine Weggabelung kommt, wobei ein Weg nach unten und der andere nach oben führt, dann ist es ja klar, welcher der beiden zum Gipfel führt. Beim Abstieg ist es allerdings oft nicht zu erraten, ob der Weg nach rechts oder der nach links der richtige ist. Einer der beiden ist womöglich ohnehin nur ein Wildwechsel, der irgendwann an einer Wasserstelle blind endet. Man ist also gut beraten, sich beim Aufstieg alle Weggabelungen gut zu merken, besser noch: sie zu markieren. Eine Rolle Tesakrepp kann da sehr nützlich sein. Das Allertückischste aber ist, daß man es beim Aufstieg mitunter kaum sieht, wenn von seitlich hinten ein anderer Pfad einmündet; erst beim Wiederabstieg bemerkt man die Gabelung und steht dann arg dumm da. Wie wir selbst erlebt haben (siehe oben), kann ein Wiederaufstieg bis an einen bekannten Punkt mitunter die einzig vernünftige Option sein. Sich in Panik und ohne Orientierung mehrere Kilometer durch wegloses und bergiges Gelände schlagen zu wollen, das wird nichts. Zum Wiederaufstieg aber braucht man mentale und körperliche Kraft, und genau die sind leider nicht immer ausreichend vorhanden. Die objektiven Herausforderungen der Orientierung beim Abstieg werden noch verstärkt durch das Nachlassen von Aufmerksamkeit und Konzentration infolge subjektiver Ermüdung. Und das kann dann eben böse enden.

    Die Indonesier, die im Wald zu Tode kommen, sind meist jung und unerfahren (auch eine Lehrkraft, die sie eventuell „führt“, ist oft ziemlich unbedarft), haben keine Ahnung, wie anspruchsvoll so eine Tour werden kann, und sind oft völlig unzureichend ausgerüstet: manchmal nur mit T-Shirt, kurzen Hosen und Turnschuhen. Dann verlieren sie irgendwann irgendwo irgendwie den Weg, es fängt an zu regnen und wird entsprechend kühl, die Dunkelheit bricht herein, Angst und Panik ergreifen die Wanderer, und dann verstärken diese psychischen Phänomene die physische Belastung durch Erschöpfung und Unterkühlung mitunter bis zum Tod.

    Ich habe keine Statistik zur Hand, aber ich glaube, auf den Bergen Javas kommen mehr Menschen um als am Matterhorn. Letzteres nimmt nämlich niemand auf die leichte Schulter.

    In den Bergen Sumatras, besonders auf dem Mount Singgalang, sind immer wieder Menschen spurlos verschwunden. Davon schrieb ich schon einmal an anderer Stelle, aber wiederhole es hier noch einmal. Der Singgalang bei Bukittinggi ist ein klein wenig niedriger als der Talamau und technisch gesehen ein Klacks: da kann man mit den Händen in den Hosentaschen hinauf laufen. Ich war nur einmal auf dem Gipfel, aber da hatten wir einen Stocknebel, weshalb ich leider keinen Bericht davon präsentieren kann. Ohnehin ist der Singgalang bis zum Gipfel dicht bewaldet, man hat also keinerlei Aussicht.

    Von diesem Berg sind schon etliche Wanderer nie mehr zurückgekehrt, warum auch immer. In den Achtzigerjahren war einmal der Sohn des Provinz-Polizei-Kommandanten darunter. Der Kommandant hatte natürlich Zugriff auf Ressourcen, und ganze Hundertschaften haben den Berg abgesucht. Aber der junge Mann bzw. seine Leiche wurde nie gefunden. Und er war nicht der einzige. Eine rationale Erklärung dafür ist nicht leicht zu finden. Treten da irgendwo giftige Gase aus? Der Singgalang ist ja ein Vulkan, wenn auch derzeit als „schlafend“ klassifiziert. Oder gibt es dort immer noch Tiger? Das würde mich nicht wundern, und in Anbetracht ihrer immer kleiner werdenden Lebensräume bzw. Jagdreviere fallen sie in ihrer Verzweiflung vielleicht sogar Menschen an. Oder sind die Wanderer irgendwo in eine Schlucht gestürzt? – Die Einheimischen führen das alles auf die Anwesenheit von Geistern zurück; noch bei meinem letzten Besuch im Jahr 2013 habe ich das wieder gehört. Manche Wanderer wären wohl lebend zurück gekommen, wird erzählt, wenn auch nach ganz unverhältnismäßig langer Zeit; sie hätten berichtet, sie wären wie in einer anderen Welt gewesen. Waren das durch Gase hervorgerufene Halluzinationen? – Jedenfalls wurde mir 2013 gesagt, die Besteigung des Singgalang sei mittlerweile verboten (was eigentlich schade ist).

    Kurz und gut: zu spaßen ist mit diesen wilden Bergen nicht, auch heute noch nicht...
    Geändert von OutofSaigon (21.07.2017 um 06:22 Uhr)

  2. Moderator
    Fuchs
    Avatar von MaxD
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    AW: [ID] Talamau. Wildnis pur. Erlebt in den Achtzigerjahren

    #2
    Eine aufregende Tour ohne Gearhype, ohne Wanderwege oder gar Wanderwegmarkierungen. Das Ganze in einer aufregenden und wenig ungefährlichen Umgebung. Die athmosphärischen Bilder mit analoger Technik geschossen. Danke für den fesselnden Bericht über ein echtes und ursprüngliches Outdoor-Abenteuer.
    ministry of silly hikes

  3. Fuchs
    Avatar von dingsbums
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    AW: [ID] Talamau. Wildnis pur. Erlebt in den Achtzigerjahren

    #3
    Auch von mir ein Danke, gefällt mir sehr gut, dein Bericht.

  4. AW: [ID] Talamau. Wildnis pur. Erlebt in den Achtzigerjahren

    #4
    Genial. Toller Bericht. Sticht natürlich unter dem in diesem Forum üblichen ganz klar heraus. Vielen Dank!

  5. AW: [ID] Talamau. Wildnis pur. Erlebt in den Achtzigerjahren

    #5
    Auch hier mal wieder mein grosser Dank für den tollen Bericht!

  6. AW: [ID] Talamau. Wildnis pur. Erlebt in den Achtzigerjahren

    #6
    Vielen Dank für euere Aufmerksamkeit und die positiven Kommentare!

    MaxD hat recht: es war ein echtes und ursprüngliches Outdoor-Abenteuer, Wanderwege und -markierungen gab es nicht (und von GPS-Tracks reden wir gar nicht erst, hahaha!). - "Gearhype" ist eine nette Wort-Kreation, und sinngemäß habe ich mich ja auch ein wenig belustigt darüber, was natürlich nicht heißen soll, daß man für wirklich anspruchsvolle Unternehmungen nicht an die Qualität seiner Ausrüstung denken sollte. - Wenn ich die Semantik des Ausdrucks "wenig ungefährlich" korrekt als "durchaus etwas gefährlich" interpretiere, kann ich aber nicht zustimmen. Wir fanden es zu keiner Zeit gefährlich auf dem Talamau. Es wird im Dschungel sicher Schlangen gegeben haben, mit einiger Wahrscheinlichkeit auch große Pythons, aber wir haben keine gesehen. Möglicherweise gab es auch einige Tiger dort, aber die waren klug genug, den Menschen aus dem Weg zu gehen. Na, und die Blutegel waren zwar enorm lästig, aber nicht gefährlich (wenn man von der sekundären Gefahr einer Wund-Infektion einmal absieht).

    Kurz gesagt: es waren drei tolle Touren auf den Talamau hinauf.

    Nun werde ich aber drei Wochen nicht weiter antworten, weil ich nämlich auf Reisen gehe *freu*

  7. AW: [ID] Talamau. Wildnis pur. Erlebt in den Achtzigerjahren

    #7
    Auch von mir vielen Dank für diesen wunderbaren, toll geschriebenen Bericht!
    Da bekommt man richtig Lust darauf, mal wieder analog zu fotografieren.

    Über das schöne Wort "Gearhype" bin ich auch gestolpert. Auch wenn ich heutzutage zugegebenermaßen selbst immer wieder darauf achten muss, eben diesem nicht zu sehr zu verfallen, denke ich gerne an die Radtouren zurück, die meine Eltern Anfang der 80er mit mir gemacht haben. Das waren zwar keine fernen Reiseziele, sondern Italien, Frankreich, Jugoslawien. Aber mit Dreigangschaltung und Rücktrittbremse über die Alpen, die Klamotten im auf dem Gepäckträger befestigten Gefriertruheneinhängekorb (und Müllsack)... das hat auch funktioniert. Die erste Regennacht in Heiligenblut in unserem schweren Baumwollzelt, als wir feststellten, dass das Teil gar nicht dicht ist, werde ich auch nie vergessen...

  8. Moderator
    Alter Hase
    Avatar von ronaldo
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    AW: [ID] Talamau. Wildnis pur. Erlebt in den Achtzigerjahren

    #8
    Danke für diesen wunderbaren Bericht!
    Neugierig geworden hab ich mir den Berg mal auf dem Satellitenfoto angesehen. Ja, er steht noch und ist waldig, aber drumherum - generell in Westsumatra - ist die Entwaldung doch erschreckend.

  9. AW: [ID] Talamau. Wildnis pur. Erlebt in den Achtzigerjahren

    #9
    Hallo Out Of Saigon,
    Ein weiterer sagenhafter Reisebericht aus deiner Feder, der das Forum bereichert.
    Ich finde es großartige, wie du solchen doch lange zurückliegenden Erinnerungen mit deinen Worten Leben einhauchst und uns mit auf diese Reise nimmst.
    Ganz ganz toll, dass so in diesem Forum nicht nur die aktuellen Reiseberichte Anklang finden, sonder auch dass, was damals vielleicht schon möglich war, woran man heutzutage gar nicht gedacht hätte.
    Außerdem gefällt mir, wie reflektiert du jede deiner Touren und Gegenden, samt Land und Leuten in deinen Berichten beleuchtest. Das gibt einem wirklich das Gefühl, es geht dir nicht nur darum, diese Trophäe dein Eigen zu nennen, sondern wirklich das Große Ganze mit in die Expedition miteinzubeziehen.
    Großartig, vielen Dank für diese Berichte!
    Jetzt wäre ich nur neugierig, einen aktuellen Vergleich zu lesen.
    War wer anders erneut in dem Gebiet? Wie hat sich die Infrastruktur dort verändert? Was macht der Tourismus? Und ist die deutsche Entwicklungshilfe dort nach wie vor aktiv?

  10. AW: [ID] Talamau. Wildnis pur. Erlebt in den Achtzigerjahren

    #10
    Danke euch beiden für euere Kommentare! Es freut mich sehr, daß ihr euch so intensiv mit meiner Erzählung beschäftigt habt.

    Zitat Zitat von ronaldo Beitrag anzeigen
    Danke für diesen wunderbaren Bericht!
    Neugierig geworden hab ich mir den Berg mal auf dem Satellitenfoto angesehen. Ja, er steht noch und ist waldig, aber drumherum - generell in Westsumatra - ist die Entwaldung doch erschreckend.
    Hahaha, daß der Tamalau noch steht, glaube ich gerne. Wer will, kann sich den Berg und vor allem das Gipfelplateau auf Google Earth anschauen. – Entwaldung? Ja, natürlich; aber in diesem Bereich Sumatras vielleicht nicht so schlimm. Warum sage ich das? Erstens hat der Großteil der Entwaldung schon vor Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten stattgefunden. Zweitens ist dabei eine relative kleinteilige und vielgestaltige Agrarlandschaft entstanden. Schon in meinem Bericht von den Virungas gab ich ja zu bedenken, daß solches die ökologische Vielfalt einer Region sogar erhöht haben mag. Das war ja auch in Mitteleuropa so: im ursprünglichen Buchenwald gab es keine Feldlerchen, keine Rebhühner, keine Wachtelkönige. In West-Sumatra findet ihr zahlreiche Pflanzungen, oft nur einen Hektar klein oder sogar noch weniger: Kautschuk, Kaffee, Zimt, Nelken, Kokosnüsse, Obst aller Art. Dazu Trockenfelder, auf denen verschiedenes angebaut wird sowie natürlich auch bewässerte Felder für den Reisanbau, mit Feldrainen und Büschen dazwischen. Und jede Landnutzungsart ist eine eigene kleine ökologische Nische, die es im ursprünglichen Regenwald nicht genau so gegeben hatte. – Furchtbar ist dagegen, was im östlichen Flachland Sumatras in jüngster Vergangenheit geschehen ist und immer noch geschieht: das werden Dutzende von Quadratkilometern ratzekahl geschlagen, um Platz zu machen für Ölpalm-Monokulturen, deren ökologische Vielfalt an Null grenzt. DAS ist gräßlich!


    Zitat Zitat von snemelch Beitrag anzeigen
    Hallo Out Of Saigon,
    Ein weiterer sagenhafter Reisebericht aus deiner Feder, der das Forum bereichert.
    Ich finde es großartige, wie du solchen doch lange zurückliegenden Erinnerungen mit deinen Worten Leben einhauchst und uns mit auf diese Reise nimmst.
    Ganz ganz toll, dass so in diesem Forum nicht nur die aktuellen Reiseberichte Anklang finden, sondern auch dass, was damals vielleicht schon möglich war, woran man heutzutage gar nicht gedacht hätte.
    Außerdem gefällt mir, wie reflektiert du jede deiner Touren und Gegenden, samt Land und Leuten in deinen Berichten beleuchtest. Das gibt einem wirklich das Gefühl, es geht dir nicht nur darum, diese Trophäe dein Eigen zu nennen, sondern wirklich das Große Ganze mit in die Expedition miteinzubeziehen.
    Großartig, vielen Dank für diese Berichte!
    Jetzt wäre ich nur neugierig, einen aktuellen Vergleich zu lesen.
    War wer anders erneut in dem Gebiet? Wie hat sich die Infrastruktur dort verändert? Was macht der Tourismus? Und ist die deutsche Entwicklungshilfe dort nach wie vor aktiv?
    Danke für die Blumen, mein Bester! „Sagenhaft“ ist aber eine freundliche Übertreibung. Wenn meine Berichte als Bereicherung des Forums angesehen werden, macht es mich glücklich; denn dies sollte doch wohl der Zweck aller Beiträge sein. Die Zahl der Leser*innen, die Snemelch´s Meinung teilen, mag nicht sehr groß sein, aber wenn auch hier gilt: „Klasse statt Masse“ bin ich zufrieden.

    Land und Leute sowie das ganze Ambiente habe ich natürlich in diesem speziellen Bericht sehr intensiv beleuchtet; denn hier beschreibe ich ja nicht nur eine sehr entlegene Gegend, sondern auch eine vergangene Zeit. Weil dies aber nicht bei allen meinen Berichten so ist, passe ich meinen Schreibstil schon dem jeweiligen Thema an. Mein nächster Bericht (gerade in Arbeit) wird anders sein.

    Den Talamau habe ich nie als Trophäe betrachtet; den Piz Buin aber schon (den Grund dafür könnt ihr in meinem entsprechenden Bericht nachlesen).

    Ich war zuletzt im Januar 2005 in Pasaman. Da hatte sich seit 1990 schon viel verändert, und inzwischen ist es noch mehr. Straßen sind ausgebaut worden, und große Flächen von seinerzeit kaum genutztem Buschland sind mittlerweile Ölpalmplantagen (eine ökologische Verarmung, keine Frage; siehe oben). Tourismus gibt es wahrscheinlich nur in sehr, sehr bescheidenem Maß; denn außer dem Talamau gibt es nur wenig zu sehen (das Wenige könnte ich euch beschreiben, sofern der Wunsch besteht). Und die deutsche Entwicklungshilfe ist dort wohl nicht mehr aktiv, was ja auch gut ist; denn es ist im Kern ihr Zweck, sich über kurz oder lang selbst überflüssig zu machen. – Wenn aber jemand mehr vom Pasaman der Gegenwart weiß, dann nur heraus damit!
    Geändert von OutofSaigon (29.08.2017 um 15:27 Uhr)

  11. AW: [ID] Talamau. Wildnis pur. Erlebt in den Achtzigerjahren

    #11
    Klasse! Dein erster Bericht aus Sumatra ist mir noch in Erinnerung; da war ja eine Menge Frust im Spiel. Aber jetzt: gelungene Besteigungen, tolle Fotos davon, dazu ein unterhaltsam und spannend geschriebener Text. Und du versetzt uns gekonnt in die Welt von damals zurück. Nostalgie... Neid...

  12. AW: [ID] Talamau. Wildnis pur. Erlebt in den Achtzigerjahren

    #12
    Moderator Ronaldo hatte das Stichwort "Entwaldung" fallen gelassen, und der Autor hat es aufgegriffen. Siehe obige Beiträge. Dazu las ich neulich folgende Meldung: klick

    Traurig, schrecklich sogar, aber bei einer explodierenden Weltbevölkerung, multipliziert mit einem ständig steigenden Pro-Kopf-Konsum, sind die Auswirkungen zunehmend nicht mehr nur umweltschädlich, sondern sogar umwelttödlich

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