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  1. Fuchs
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    [SE] Leavasleden, Vistasvagge, Nallo, Kungsleden

    #1
    Mitreisende: dingsbums
    Land: Schweden
    Reisezeit: September
    Region/Kontinent: Nordeuropa



    Bei der Planung für die nächste Tour, fiel mein Blick auf der Karte auf einen Weg, der mir vorher noch nie bewusst aufgefallen war. Es gibt einen Weg von Årosjåkk nach Alesjaure? Noch nie von gehört. Meine Recherche ergab - der hat sogar einen Namen: Leavasleden. Und so wurde er schnell für unsere Wanderung 2016 auserkoren. Ich fand nur zwei Berichte über diesen Weg im Sommer, aber die machten Lust auf mehr. Weiter gehen sollte es durch das Vistasvagge. Denn obwohl wir schon oft in dieser Gegend waren, dieses Tal war uns noch unbekannt. Bzw. fast, auf unserer Wanderung von Mårma nach Nallo hatten wir es bei Vistas gekreuzt und damals dachte ich schon 'Durch dieses Tal will ich mal durch.' Jetzt war es soweit. Die ursprünglichen Pläne wurden ab Vistas nochmal etwas geändert, so ging es ab dort mal wieder nach Nallo und von Sälka über den Kungsleden zurück nach Abisko.



    Wer meine Reisebericht kennt, weiß: Es gibt einiges an Erzählung über mich und meine Eindrücke, dazu viele, aber unbearbeitete Fotos. Ich wünsche wie immer viel Spaß. Als Fazit vorab zum Leavasleden: Ich kann den Weg nur empfehlen. Nach einer Stunde bergan steht man schon im Kahlfjäll. Erst hat man weites Fjäll und nähert sich dann immer mehr der Bergwelt. Es ist (wenigstens im September) sehr einsam, wir trafen in 6 Tagen nur 1-2 Menschen (dazu später mehr). Wobei man diesen Weg problemlos auch in 4 Tagen zurücklegen kann, aber ich bin nun mal langsam und gemütlich unterwegs.

    04.09. Das falsche Primus


    Da wir am Wochenende unseres Urlaubsstarts sowieso mal wieder mit dem Auto unterwegs waren (Familienfeier im Sauerland), buchten wir früh und damit zu einem akzeptablen Preis das Flughafenparkhaus und ein Zimmer im Hotel im Flughafen. So konnten wir morgens ganz entspannt erst noch frühstücken (lecker, aber bei der Hotelklasse hätte ich noch mehr erwartet) und sind dann zum Terminal spaziert. Unser Flug hatte Verspätung - und wir hatten in Stockholm sowieso nur 55 Minuten zum Umsteigen. Das konnte ja lustig werden.

    Wir waren logischerweise während des Fluges nicht so müde wie sonst, aber trotzdem hielten wir meist Nickerchen. In Stockholm angekommen wurden wir dann auch noch im Bereich F rausgelassen - weiter weg geht ja kaum, na toll. Immerhin wurde das Gepäck, da komplett mit SAS gebucht und geflogen, durchgecheckt. Wir sind dann zackig los, bis Holger auf die Anzeige in Sky City guckte - unser Flug nach Kiruna hat 1 Stunde Verspätung. Na dann! Det ordnar sig! So hatten wir doch noch Zeit für ein Urlaubs-Start-Lättöl - aber diesmal nach dem Security Check im O'Learys. Ich hatte einen netten Plausch mit dem Barkeeper.


    Das obligatorische Urlaubs-Start-Lättöl

    Wir kamen dann in Kiruna logischerweise etwas später an, aber was soll's. Wir haben heute ja nicht mehr viele Pläne. Im Bus habe ich dann derNACHTFALKE hier aus dem Forum angesprochen, wir hatten vorher kurz Messages ausgetauscht, so wusste ich, er ist im gleichen Flieger. Wir haben uns während der Fahrt nett mit ihm und seinem Kumpel unterhalten. Die üblichen Gespräche zwischen Wanderern. Leider lief ihre Wanderung nicht so erfolgreich, aber sie starten dieses Jahr einen neuen Versuch. Alles Gute nochmal.

    Wir übernachteten im Bishops Arms und ich hatte vorab über Mail gefragt, ob sie uns Reinbenzin besorgen könnten, da an einem Sonntag nachmittag alle passenden Geschäfte geschlossen haben. Dies hatten sie netterweise getan - aber uns eine Primus Gaskartusche gekauft, nicht unser PowerFuel. Schade. Ich habe ihnen dann den Preis für die Kartusche bezahlt, ich denke, er konnte sie bestimmt zurückgeben. Damit hatte er immer noch ein nettes Trinkgeld für seine Bemühungen. Aber der nette Kerl an der Rezeption hat uns vor allen Dingen erzählt, dass der Laden Vildmarkshörnan früher aufmacht als der Intersport, noch bevor am nächsten Tag unser Bus fährt. Wir sind dann mal durchs Fenster gucken - und da stand die von uns gebrauchte Flasche im Regal. Prima, dann können wir die ja am nächsten Morgen doch noch kaufen. AWG! (Alles wird gut, ein Insider.)

    Danach sind wir zu Spis, dort gibt es getrocknetes Rentierfleisch. Noch besser, damit ist unsere Packliste fast abgehakt. Wir wollten an der nächsten Tanke noch Schokolade kaufen, aber die ersten beiden hatten Tankautomaten. Die dritte war keine Tankstelle mehr, dafür aber ein 'AllesMöglicheShop', perfekt für unsere Schokolade. So hatten wir auch unseren Spaziergang durch Kiruna. Wir sind nochmal kurz zurück zum Hotel, danach gab es Abendessen im Spis. Ein leckeres letztes Abendessen, bevor ab morgen wieder Trekkingmahlzeiten auf dem Plan stehen. Ich hatte Renfilet, Holger Pepparstek, alles schmeckte super.

    Wir verzichteten dann sogar auf einen Absacker im Bishops Arms, sondern sind gleich hoch aufs Zimmer. Wir freuen uns auf den nächsten Tag und die Wanderung! Es ist schon richtig herbstlich. Das Wetter sollte am nächsten Tag schön sein, danach durchwachsen, aber nicht schlecht. Wir würden es sehen und nehmen müssen, wie es kommt. Aber die Vorhersage behielt recht. Und unterm Strich war das Wetter wirklich gut, wir wanderten im Ganzen nur ca. 3 Stunden im Regen.


    Kiruna, Blick aus dem Hotelzimmer

  2. AW: [SE] Leavasleden, Vistasvagge, Nallo, Kungsleden

    #2
    Hallo dingsbums,
    dein Bericht fängt ja toll an und lässt auf mehr hoffen. ;)
    Wie sich im Nachhinein feststellte, war das Gewicht garnicht mein größtes Problem (obwohl es mit gut 27Kg definitiv zu viel war), sondern ein bis dahin unbemerkter beidseitiger Leistenbruch der sich dann mal meldete....
    Jetzt, nach der OP und mit deutlich reduziertem Gepäck geht es Anfang Juli wieder hoch.

    Ich freue mich schon auf die Weiterführung deines Berichtes.

    LG
    Andreas

  3. Fuchs
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    AW: [SE] Leavasleden, Vistasvagge, Nallo, Kungsleden

    #3
    05.09. Kneippkur zum Feierabend (Årosjåkk - Vuollajavri)

    Heute gab es unterwegs viele Arbeitstitel für den Tag, angefangen mit 'So kann das Wetter bleiben' über 'Sonne', 'Kalter Wind' und 'Uff!' bis hin zu 'Fast bis zur Kota'. Wir wanderten dann aber doch bis zur Kota hin, allerdings standen wir 100m vor Schluss vor einem Fluss, der war einfach zu tief. Also eigentlich sah er popelig aus, aber an der Stelle, wo der Weg auf ihn trifft, sammelte er sich in einem kleinen Becken und war einfach zu tief, um in Wanderschuhen durchzugehen. Auf den ersten Blick war weiter oben oder unten keine gute Stelle zu sehen und wir waren in einem Gebiet, das voller Sumpf und Gebüsch war - da geht man nicht mal einfach so ein paar Meter gucken. Also traffen wir die Entscheidung: Schuhe wechseln kurz vor Schluss. Es war klar, dass wir kurz danach vor der Kota stehen und uns sowieso einen Zeltplatz suchen würden, von daher war es nicht ganz so aufwändig. Wir gingen nach der Furt einfach in Crocs weiter und fanden auch einen schönen Zeltplatz.

    Aber beginnen wir am Morgen. Das Frühstück war lecker, wir haben soweit unsere Rucksäcke fertig gemacht und sind dann zu Vildmarkshörnan und haben unser PowerFuel gekauft und auch noch eine schöne Merinounterhose für Holger. Der hatte nämlich in Frankfurt erst festgestellt, dass seine ein Riesenloch hat.


    Umfüllen des Benzins im Freien

    Dann sind wir zum Busbahnhof, unser Bus stand schon da. Der Fahrer war sehr nett. Ich fragte ihn, ob er auch automatisch in Årosjåkk hält, weil ich mir nicht sicher war, ob ich es auch wirklich erkenne (taten wir aber.) Er grinste, meinte 'Wenn ich es nicht vergesse' und schrieb es sich extra auf einen Zettel. Damit waren wir später aber anscheinend die ersten, die geplant dort ausstiegen, wo sie wollten. Der Bus fuhr erst zum Bahnhof, es stieg aber keiner ein. Dann noch in Kiruna war eine Frau verwirrt und wohl falsch und stieg dann kurz vor der Abzweigung aus. Unterwegs wollte dann eine alte Frau noch irgendwo mittendrin raus, es wirkte so, als sei auch sie an ihrem Ziel schon vorbei. Wir erkannten dann Årosjåkk, als wir dort ankamen, und drückten, aber der Fahrer hatte auch schon langsam gemacht. Da standen wir an der Parkbucht.


    Am Start in Årosjåkk


    Das Hinweisschild des Leavasleden. Im Sommer ihm aber nicht folgen, sondern nebenan am Häuschen starten.

    Das Schild wurde fotografiert, alles gerichtet, und gegen 11:15 ging die Wanderung an dem Häuschen los (nicht am Schild, wie ich vorher gelesen hatte). An dem Haus, zu dem dieser Weg von der Straße führte, mussten wir mehr oder weniger über den 'Rasen', aber dort fanden wir den Einstieg zum Wanderweg. Es war nicht sonderlich steil, ging aber konstant bergan. Nach einer guten Stunde war die Baumgrenze erreicht und wir machten unsere erste Pause. Das Wetter war gut, viel Sonne, aber ein sehr kalter Wind.


    Während des Aufstiegs, ein einfacher Pfad nach oben


    Während des Aufstiegs, erster Blick zurück


    Erste Pause, da geht es gleich weiter


    Erste Pause, Blick nach Nordwesten


    Erste Pause, Blick nach Südwesten


    Dort am Seeende liegt Nikkaluokta.

    Hochmotiviert ging ich nach der Pause weiter, der Weg war auch gut zu gehen. Ich war dann etwas frustriert, als wir an der nächsten Pause, nach 75 Minuten, 'nur' 3,5 km hinter uns hatten. Werde ich es je lernen, gleich von Anfang an meine Ansprüche realistisch einzuschätzen? Vermutlich nicht, aber ich merke es ja dann immer, was geht und was nicht. Während dieser Pause hockten wir gemütlich im Windschatten eines großen Steins, Holger lüftete sogar seine Füße. Ich tue das mittlerweile nicht mehr. So angenehm es ist, die Schuhe auszuziehen, um so schwerer fällt es mir, sie danach wieder anzuziehen.

    Nach dieser Pause fühlte ich mich unfit, ich hatte ein ziemliches Tief. Und dachte, der Titel wird 'Uff!' und weit kommen wir nicht mehr. Aber siehe da, nach knapp anderthalb Stunden (die Zeit war schnell vorbei) zur nächsten Pause, hatten wir über 4 km zurückgelegt. Das gab mir doch nochmal Aufschwung. Und so entschieden wir, bis zur nächsten Zeltmöglichkeit weiterzuwandern.


    Dritte Pause, Blick zurück


    Dritte Pause, die Seen sind schon zu sehen.

    Kurz nach Aufbruch tauchte schon die erste Zeltmöglichkeit auf, da wollten wir dann doch noch ein bisschen weiter. Und wie es so geht - dann kam ganz lange nix mehr - in diesem Fall, bis wir an der Kota waren. Und ich war happy und stolz, dass wir da waren. Ich war ziemlich fertig, aber nicht stehend k.o. wie früher manchmal am Ende eines Tages. (Ich glaube, ich gehe einfach nicht mehr so schnell und weit - vielleicht werde ich in manchen Dingen ja doch klüger. ) Es war gegen 18:15. Wir waren also ca. 7 Stunden unterwegs. Wer mich kennt, weiß, dass meine Zeiten keinerlei Richtwert darstellen - das ist für 13 km schon lange. Kommt durch langsames Tempo plus längere Pausen.

    Als das Zelt stand, ging ich wie immer Wasser holen, zum See war nicht weit. Da ich mich nicht bücken wollte, hockte ich mich einfach an den See, das ging prima. Die Füße standen dabei im Wasser, aber das störte mich gar nicht, dabei bin ich sonst immer empfindlich, wenn z.B. zum Waschen die Füße länger im kalten Wasser stehen sollen. Da saß ich einfach nur wunderbar zufrieden und fertig in der Sonne und füllte meinen Wassersack.


    Zeltplatz am Vuollajavri in der Abendsonne


    Zeltplatz am Vuollajavri, die Kota im Hintergrund

    Wieder zurück wurde alles notwendige ins Zelt geschmissen, aber bevor ich rein bin, um Matten und Schlafsäcke zu richten, ging es waschen, solange die Sonne noch schien. Das Waschen im See war nach etwas Überwindung super, auch die Füße waren immer noch überraschend unempfindlich. Nur meine Hände waren danach so eiskalt wie noch nie. Ab ins Zelt. Nachdem alles gerichtet war, gab es erst mal den restlichen Tee mit Schokolade. Dann kochte Holger. Ich war nach dem halben Topf schon satt, anscheinend war es doch anstrengend heute. Auch die Snacks (es gibt zum Abschluss des Tages immmer für jeden ein Stückchen Käse und Rentierfleisch) hätte ich nicht gebraucht heute, aber ich aß brav, der Körper braucht Energie. Es wurde heute am Abend auch sehr schnell kalt. Das Zelt hatte schon Raureif und mein Buff, das ich zum Waschen nutzte und draußen hing, war Bretthart. Im Zelt sagte das Thermometer (noch) 0°.

    So lagen wir also im Zelt, happy und zufrieden. Es war ein toller Tag, alles hatte gut geklappt. So konnte es weitergehen. Als wir später nochmal kurz raus sind, gab es die Belohnung: Tanzendes rotes Nordlicht! Geil! Während wir draußen am Zähneputzen waren, zeigte Holger nach oben: Polarlicht! Es war rot und blassgrün und bewegte sich so richtig schnell. Mich fragte mal ein Arbeitskollege, ob die Nordlichtaufnahmen Zeitraffer sind oder es wirklich so schnell tanzt. Ich sagte damals 'Vermutlich beides. Oft ist es Zeitraffer, ich weiß nicht, ob es auch so schnell sein kann.' Jetzt weiß ich es - es kann. Obwohl viele Aufnahmen trotzdem Zeitraffer sind. Ein Nordlicht wurde dann so richtig rosa, auch klasse. Leider war diese Show schnell wieder vorbei, schade. Oder auch gut, schließlich war es schweinekalt draußen. Mir war im Schlafsack auch erst ein bisschen kalt, aber das wurde bald gut. Holger machte kurz später nochmal ein Polarlichtfoto, es war zwar nicht vergleichbar mit dem Erlebnis vorher, aber trotzdem eine schöne Erinnerung.


    Polarlicht und Sterne


    Polarlicht und Sterne

  4. AW: [SE] Leavasleden, Vistasvagge, Nallo, Kungsleden

    #4
    Juhu, ein weiterer Wundervolle-Herbstfarben-im-Fjäll-auf-unbekannten-Wegen-Bericht von Dir! Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung und werde Dir bestimmt wieder ein paar Streckenabschnitte abgucken, um sie bei Gelegenheit nachzumachen
    Bin ein bisschen neidisch auf Eure Sichtung von mehrfarbigen Polarlichtern und dankbar für Deine Infos zur Geschwindigkeit derselben. Mir ging es da genauso wie Deinem Arbeitskollegen.

  5. Erfahren
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    AW: [SE] Leavasleden, Vistasvagge, Nallo, Kungsleden

    #5
    wie schön - endlich mal wieder ein Reisebericht von dir!
    Ich lese deine Berichte nämlich besonders gerne, weil ihr euch Zeit nehmt und nicht sportlich durch die Gegend hechtet. das soll kein Affront für/gegen sportliche Wanderer sein, es mag halt jeder etwas anderes/hat andere Vorstellungen.
    Aber Wandergenuss hat bei mir viel mit Zeit nehmen zu tun. ;)

    freu mich schon auf weiteres.
    ab 01.09.2017 bin ich frei wie ein Vogel im Wind

  6. Fuchs
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    AW: [SE] Leavasleden, Vistasvagge, Nallo, Kungsleden

    #6
    Bei den netten Kommentaren (vielen Dank) muss ich doch noch ein bisschen was schreiben, bevor ich ins Bett gehe.

    06.09. Früher Zeltaufbau durch Regen (Vuollajavri - Leavasjohka)

    Nach einer guten Nacht hörte ich zwar um 7:00 Holgers Wecker - die beiden Nachklingeln aber nicht mehr. So sind wir dann mit Verspätung, aber doch noch vor 8:00 in die Pötte gekommen. Es war nicht mehr so kalt - aber deswegen war unser Zelt sehr nass, außen wie innen (also die innere Seite des Außenzelts). Die Morgenroutine klappte schon ganz gut. Trotzdem war es 10:30, bis wir abmarschbereit waren, aber das ist ja normal für uns. Die Kota guckte ich mir noch ein bisschen genauer an, schön ist sie nicht mehr.


    Die alte Kota am Vuollajavri


    Vuollajavri am Morgen


    In diese Richtung geht es gleich weiter.

    Es war klar, dass wir gleich am Anfang durch einen Fluss müssen. Wir sind problemlos durch - nur um dann vor dem wirklichen Fluss zu stehen. Mit so einem großen hatte ich nicht gerechnet. Allerdings hatte er wenig Wasser, wir konnten in Wanderschuhen durch. Zeit kostete das aber schon ein bisschen, so war es dann kurz vor 11, bis wir drüben waren und wirklich losziehen konnten.

    Die Blicke waren schön, geradeaus hatte man immer einen Blick auf einen richtig schönen weißen Berg in der Ferne. In ca. 4 km sollte der nächste Fluss kommen, aber der ließ dann irgendwie doch auf sich warten. Vorab gab es sumpfige Stellen. Dementsprechend auch wirklich lange Strecken über Bohlen, eigentlich sollten wir uns nicht beschweren. Aber manchmal vermissten wir sie doch, wenn es mal wieder so richtig sumpfig wurde und gerade keine da waren.


    Da geht es entlang - Blick kurz nach der ersten Furt.


    Und da kommen wir her.


    Und auch ein Blick zur Seite ins Tal des Leavasjohka

    Wie auch schon am Vortag war der Weg oft eine Quadspur. Und genau dort querten wir auch den Fluss - in Sumpf und Büschen versteckt. Gleich vorne, als wir auf den Fluss stießen, war ein richtiges 'Loch', aber auch dahinter sah man wenige Steine im Fluss. Ich schlug vor, gleich die Schuhe zu wechseln, konnte mir kaum vorstellen, einen Weg in Wanderschuhen zu finden. Holger wollte nicht wirklich (gut, Lust hatte ich dazu auch nicht :-) und wollte erst mal um diese tiefe 'Pfütze' außen rum, um den Fluss selbst zu begutachten. Tja, das ging schief. Vielleicht auch erschrocken durch ein auffliegendes Ripa landete sein Fuß im Sumpfmatsch und war dreckig und leicht nass. Zum Glück nicht schlimm. Gut, danach wollte er dann auch Schuhe wechseln. Der Fluss war voller Matsch und Schlamm, es war nicht gut zu sehen, wo man hintreten konnte. Aber in Crocs kamen wir doch gut rüber. Wir gingen noch ein paar Meter weiter aus den Büschen raus, dann gab es Pause, und wir wechselten zurück in die Wanderschuhe. Es war ca. 12:30, dafür, dass wir schon durch zwei Flüsse waren, fand ich das okay.


    Blick zurück nach der zweiten Furt. In diesen Büschen versteckt sich der Fluss.


    Und wieder der Blick nach vorne

    Danach lief sich der Weg wieder gut, allerdings hatte ich irgendwie vergessen, dass es noch einen Fluss vor dem Leavasjohka gab. Hoffentlich mussten wir da nicht nochmal Schuhe wechseln, da hatte ich ja keine Lust drauf. Nein, mussten wir nicht, da kamen wir gut durch. Die auf der Karte eingezeichnete Stuga sah man schon länger - war das daneben die Kota? (Wir sahen die Kota, die in Nähe sein sollte, nicht. Ich habe jetzt festgestellt, das die Online Karte sie auch nicht mehr eingezeichnet hat. Ich denke, sie existiert nicht mehr.) Es stellte sich heraus, dass das daneben ein recht großes Tipi war. Von weitem sah man auch, dass jemand da ist, aber als wir näherkamen, gingen sie rein und machten zu. Okay, die haben keine Lust auf ein Gespräch, auch gut.

    Bald darauf, gegen 14:00, war der Leavasjohka erreicht. Der ist breit! Wir haben gleich die Schuhe gewechselt. Schon da fragte ich mich: Wird hier etwa die Luft feucht? Bitte nicht! Ziemlich zugezogen hatte es sich mittlerweile. Der Fluss war kalt und breit, aber wir kamen problemlos durch. Im Prinzip konnten wir in unseren Watschuhen locker durchlaufen. Das kann laut der (wenigen) Berichte, die ich gefunden hatte, früher im Jahr um einiges schwerer sein.


    Leavasjohka - Blick nach oben


    Leavasjohka - Blick nach unten


    Leavasjohka - da geht's rüber.

    Auf der anderen Seite angekommen gab es die nächste Pause. Wir überlegten kurz, ob wir weitergehen sollen, weil die Karte mutmaßen ließ, dass es evtl. die nächsten 6 km keinen Zeltplatz gleich am Weg mit Wasser gibt. Wir beschlossen, dass es noch zu früh ist, um zu bleiben, und wir das wagen. Zur Not gäbe es halt einen langen Tag. Dummerweise hatte der Leavasjohka einen zweiten Arm, da hatten wir die Karte vor dem Furten nicht gut geguckt. Jetzt in der Pause fiel es mir auf, als wir die Wanderschuhe schon wieder anhatten. Wir hofften, dass wir auch in diesen durchkommen.

    Wir sollten es dann aber nicht mehr am selben Tag rausfinden. Wir wollten gerade zusammenpacken und los, da wurde die Luft wirklich feucht. Das sahen wir als Zeichen und bauten gleich am Fluss das Zelt auf, keine 10m weiter fand sich eine gute Stelle. Und so lagen wir dann im Zelt, leider noch ungewaschen, aber kuschelig warm. Mal regnete es mehr, mal weniger, aber wir fanden unsere Entscheidung gut. Natürlich hofften wir, dass das Wetter am nächsten Tag wieder besser wird.

    Und dann begann ein altes Problem: Ich zitterte. Und das, obwohl ich mich gar nicht kalt fühlte. Wir koppelten die Schlafsäcke, aber es half nur bedingt, ich zitterte weiter, wenn auch nicht konstant. Dies sollte sich durch den Urlaub ziehen. Meist half das Abendessen. Ich machte dann irgendwann später dumme Witze und sagte jedesmal 'Ich schüttel mal wieder das Fett raus.'

    Irgendwann wollte ich aber doch waschen, obwohl es leider nicht aufhörte zu regnen. Also gut, dann halt nackt runter zum Fluss. Als ich aus dem Zelt kroch, dachte ich erst ja kurz, ich habe einen Schuss. Holger wollte auch schon einen Rückzieher machen, aber da ich auf mein Waschen bestand, ist er dann doch mit. Sobald wir im Fluss waren, ging es auch. Und danach fühlte ich mich einfach gut. Hände und Füße waren zwar erst ziemlich kalt, aber das ließ schnell nach. Vielleicht half dabei auch der restliche Tee und die Schokolade. Nach dem Abendessen fühlte ich mich erst leider etwas unwohl, ich musste dummerweise nochmal aufs Klo. Also altbewährte Methode - oben verpackt, unten nackig, alles prima. Und danach ging es mir viel besser.

    07.09. Wind (Leavasjohka - Kleiner See unterhalb/hinter Lahtekcohkka)


    Unser Zelt am Morgen


    Unser Zelt am Morgen

    Obwohl wir heute so ziemlich alles an Wetter hatten, leider auch wieder Regen, war der Wind am Schluss so vorherrschend, dass er es in den Titel schaffte.

    Ich habe diese Nacht nicht ganz so gut geschlafen wie die zuvor. Aber immer, wenn ich mich drehte, war es draußen trocken (im Zelt hört man ja jeden Tropfen), das stimmte mich optimistisch. Wir kamen heute auch schneller in die Pötte als am Vortag. Aber gerade, als wir alles aus dem Zelt rausschaffen wollten, fing es an zu regnen. Also erst mal wieder alles rein, was schon draußen war (vor allen Dingen Holgers Rucksack), und abwarten.

    Zum Glück hörte es bald wieder auf. Also Zelt nochmal abgewischt, und diesmal klappte auch alles. Kurz nach 10:00 konnten wir los. Ich hatte mich erst mal auf die Regenhose beschränkt, oben trug ich nur meinen Merinopulli. Holger lief gleich in kompletter Regenmontur. Der zweite Arm des Leavasjohka war fast nicht existent und es gab eine kleine 'Bohlenbrücke'. Es kamen ab und zu ein paar Tropfen, das hörte aber wieder auf. Zwischendurch kam sogar die Sonne raus. Ich war optimistisch.


    Leavasjohka, Blick nach Westen, kurz vor Abmarsch


    Blick zurück nach den ersten Metern


    Da laufe ich in meiner viel zu großen Regenhose. Das machte sie aber sehr bewegungsfreundlich.

    Die erste Pause gab es auf Höhe des Gearggejavri, schön war es da. Sowieso, die Gegend gefiel mir ausgesprochen gut, der Blick ins Tal immer lohnenswert. Deswegen nötigte ich Holger auch zu vielen Fotos, es wurde einfach immer besser.


    Der Gearggejavri taucht auf.


    Pause mit Blick auf den Gearggejavri


    Gearggejavri, Panorama


    Unterwegs, Blick zurück


    Unterwegs, so langsam sieht man das Tal Vealevuomus


    Unterwegs, so langsam sieht man das Tal Vealevuomus

    Die nächste Pause gab es an dem ersten eingezeichneten Fluss. Vermutlich hätten wir dort einen Zeltplatz finden können, aber wir hatten das am Vortag schon gut gemacht, dass wir am Leavasjohka geblieben waren. Man hatte von diesem Fluss aus einen tollen Blick auf das Vealevuomas-Tal. Darauf hatte ich mich gefreut! Das Wetter war gerade auch schön, auch deswegen hatten wir hier schon wieder Pause gemacht. Und wir wollten Wasser nachfüllen.


    Pausenblick, Vealevuomus


    Pausenblick, Vealevuomus, Panorama

    Holger entschloss sich, seine Regenhose auszuziehen. Leider musste er das kurz später bereuen. Auf der kleinen Anhöhe angekommen, zog plötzlich Wind mit Regen rein. Und während ich kurz dachte, ich warte mal ab, ob mein Softshell nicht noch etwas länger ausreicht, reichte dann aber ein weiterer Blick nach vorne. Da kam eine dunkle Wand auf uns zu, also holte auch ich meine Regenjacke raus.

    Vor der Regenfront gab es noch ein paar Fotos Richtung Vealevuomus. Mit jedem Meter, den man höher kam, wurde der Blick einfach besser.


    Vealevuomus


    Vealevuomus


    Vealevuomus

    Als nächstes war der Orusjohka zu furten. Er lag etwas tiefer, in den Hang eingeschnitten, man kam aber gut runter und wieder hoch. Und auch durch. Ich rutschte zwar einmal kurz von einem Stein weg und setzte so tiefer auf als geplant, konnte das kalte Wasser auch oberhalb des Schuhs fühlen, aber durch die Regenhose war das kein Problem und die Socke nicht wirklich nass. Holger fragte kurz an, da wir ja hier Wasser in der Nähe hatten, ob wir bleiben wollen. Nein. Ich sagte noch mutig, wir gehen, bis wir und das Wetter wieder trocken sind. Dem war nicht so, aber wir gingen noch ein Stück weiter.

    Es wurde dann steiniger. Also: nass, Wind & Regen von vorne, Steine, bergauf. Fazit: Claudia langsam. Ich ging aber einfach tapfer weiter. Doch irgendwann war der Körper müde und in einer Senke, in der es weniger windig war, machten wir eine Pause. In diesem Moment regnete es auch gar nicht so viel. Wobei das ganz sicher auch daran lag, dass wir dort dem Wind nicht so ausgesetzt waren. Wir waren kurz vor dem Minisee unterhalb des Lahtekcohkka.

    Die Pause erwies sich als goldrichtig, denn danach ging die Post - pardon, der Wind, so richtig ab. Und wie! Während der Pause hatten wir gesagt, wir gehen bis zum nächsten geeigneten Zeltplatz. Gut, so ganz exponiert sollte es bei diesem Wind vielleicht nicht sein. Beim nächsten kleinen See angekommen, war die Frage: Hier bleiben oder weiter runtergehen? Einladend sah das unten im Moment von hier oben auch nicht aus. Einen guten Platz konnten wir hier am See aber erst mal auch nicht sehen. Wir entschieden uns dann für eine relativ windgeschützte Senke, wenn die Stelle auch nicht ganz gerade war. Das bisschen Gefälle sollten wir mit Klamotten ausgleichen können.

    Unser großes Zelt passte gerade so. Mein Vorzelt hatte Steine und war auch leicht auf dem Weg. Aber egal. Ich war happy, besonders als wir dann kuschelig warm in unserem Zelt lagen. Mal regnete es mehr, mal weniger. Trotz Wind trauten wir uns raus zum Waschen, wir erwischten sogar einen Moment ohne Regen. Aber kalt war das! Kurz vor dem Einschlafen war es sogar mehr oder weniger trocken draußen. Das ließ doch auf einen guten nächsten Tag hoffen.


    Unser Zeltplatz am nächsten Morgen
    Geändert von dingsbums (20.06.2017 um 15:28 Uhr) Grund: Tippfehler

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