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  1. Körperliche und geistige Vorbereitung vor Trekkingtour

    #1
    Hallo Leute!

    Aus gegebenem Anlass wollte ich mich mal bei euch umhören wie ihr euch konkret auf eure Trekkingtour - körperlich und geistig - vorbereitet? Wahrscheinlich hat schon jeder einmal während seiner Tour das ein oder andere down gehabt und sich gefragt: "Was zur Hölle mache ich hier eigentlich?" Und hinzu kommen natürlich die üblichen Wehwehchen die dann zusätzlich noch an der Moral kratzen.

    Ich persönlich habe fast jedesmal Probleme meinen Urlaub zu genießen - sei es auf einer Trekkingtour oder bei einem Strandurlaub. Bei mir kommt sofort dieses Gefühl des "Ausgeliefertseins" auf und Nervosität. Ich kann nicht abschalten und genießen, ich will es einfach hinter mich bringen. Irgendwie paradox, weil ich eigentlich für mein Leben gern reise

    Vergangenes Jahr auf dem WHW in Schottland kam mir dieses Gefühl, als ich im Zug von Glasgow nach Milngavie saß und es draußen aus Eimern schüttete. Ich dachte mir dabei nur: Fuck, was zur Hölle treibe ich hier eigentlich?! Ich hätte mir in den Arsch beißen können, wie kam ich nur auf diese verfluchte Idee so eine Tour zu starten? Ich könnte schön gemütlich daheim auf meiner Couch sitzen und entspannen. Aber was hatte ich denn erwartet? Vielleicht hatte ich anfangs vor der Tour zu viel Pfadfinderromantik in meiner Erwartungshaltung. Aber wahrscheinlich darf eine Trekkingtour auch keinen "Spaß" machen, vielleicht soll dabei nur seine Leidensfähigkeit getestet werden

    Ich hatte sogar am Ende des ersten Tages mir ernsthaft überlegt aufzugeben weil meine Motivation einfach am Boden war. Aber als ich dann abends auf dem Conic Hill in meinem Zelt saß und mein Abendessen zu mir nahm, kam dann die Moral wieder zurück. Da sieht man mal wie wichtig gutes Essen sein kann Allerdings kam man nach 1-2 Tagen in seinen "Trott" und man dachte nicht mehr über zuhause nach, man dachte nur an seine nächste Etappe. Zusätzlich wird man noch ständig von seinen Wehwehchen abgelenkt, womit ich zum nächsten Thema komme...

    Schmerzen Die komplette Tour wurde begleitet von Schmerzen. Ersts warens die Füße, da habe ich anfangs meine Schuhe viel zu eng geschnürt und dann hats irgendwann einfach nur noch weh getan. Ich hätte echt mal ein Foto von meinen Schuhen am 1. Tag und am letzten Tag schießen sollen zum Vergleich. Am Ende haben die Schnürsenkel in den Ösen sehr locker runtergehangen... die Füße haben sich bedankt Dann kam der Rücken, bzw. die Schulter: Ich war die gesamte Tour über damit beschäftigt meinen Rucksack zu verstellen, damit meine Schulter nicht mehr wehtut. Ob das jetzt an meiner körperlichen Fitness oder am Rucksack selbst lag, kann ich nicht beurteilen. Ich werde mir jedenfalls für meine Island Tour im Juli einen neuen Rucksack zulegen der für mich besser zu tragen ist.

    Zudem will ich, um aufs Thema wieder konkret zurück zu kommen, jetzt ab Mai anfangen zu trainieren. Ich möchte dass das bei meiner nächsten Tour möglichst ohne körperliche Komplikationen abläuft. Im Studio will ich Übungen für Schulter, Rücken, Rumpf und Beine machen um diese für den Rücksack zu stärken. Zusätzlich würde ich regelmäßig mit meinem gepackten Rucksack ein paar 15-20km Touren gehen um mich "einzulaufen" und um mich an die Distanzen zu gewöhnen. Wie ich mich allerdings geistig auf die Tour einstelle, weiß ich noch nicht.

    Wie macht ihr das?

  2. Alter Hase

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    AW: Körperliche und geistige Vorbereitung vor Trekkingtour

    #2
    Bei mir gab es bisher keine spezielle Vorbereitung. Würde ich denken "fuck, was mach ich hier" würde ich einfach was anderes machen. Solange ich keime Touren wie Bernie HH mache benötigt es für mich keine Vorbereitung.

  3. AW: Körperliche und geistige Vorbereitung vor Trekkingtour

    #3
    Ich bereite mich körperlich dann vor, wenn die Tour anspruchsvoll wird. Dann bereite ich mich aber auch "ablauforganisatorisch" vor, d.h., dass jeder Handgriff beim Zeltaufbau, Kochen usw. auch blind und in geistigem Dämmerzustand funktioniert.

    Alles weitere ist bei mir nicht nötig. Ich habe da so ein "ich habe mich entschieden"-Gen: wenn ich mich mal für was entscheide, bleibe ich dabei. Ein "ach hätte ich doch stattdessen" kenne ich nicht - jedenfalls nicht von mir .
    So gesehen mache ich es mir selbst einfach. Vielleicht ist das der Hauptgrund, warum ich am liebsten (und am besten) Solotouren mache.
    Für eine Welt ohne Pressspan

  4. Alter Hase
    Avatar von derSammy
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    AW: Körperliche und geistige Vorbereitung vor Trekkingtour

    #4
    Sicherlich gibt es diese Momente auf Tour....

    ...da reicht es ne halbe Sekunde an die Alternative zu denken (..im Büro sitzen und der Lakai von König-Kunde zu sein) und schwupps ist der "Ist Zustand" schon wieder traumhaft!

    (Was mich auf meinen letzten Reisen tatsächlich unglaublich genervt hat, sind die 2...3 Tage vor Rückflug rum zu bringen...
    das 17X im Thamel im Kreis zu laufen und dabei zu denken wie schön ich jetzt daheim auf dem Sofa liegen könnte mit Cafe Creme vor der Nase und dem meditativen Lauschen der 40-60° Buntwäsche...)

    zu den Schmerzen...

    Ich weiss nicht was Ihr da alle so vorher treibt (Das Jahr über) ??

    Zu enge Schuhe z.B. sowas passiert genau Einmal im Leben....dann weiss mans doch....

    Schulter & Rückenaua is die Kombination aus ungewohtes Gewicht, verbogenes Schlafen auf irgendwelchen schiefen, zu harten, zu weichen, buckligen Untergründen und scheppses gehen wegen Aua an den Haxen (siehe enge Schuhe)

    Studio bringt da nicht sooooo viel....


    Vorbereiten.....na ja... Als Nikotin- und Alkoholfreund sollte ich mich ja auch Vorbereiten...
    Aber wie soll des gehen hier am Wendelstein für 5000er treking in Nepalesien?

    Wäscheklammer auf die Nase? LKW Reifen hinter mir her zerren?
    Nee... einfach jedes WE mal auf den Wendel-Treppen-Stein und dann .... hoffen dass es schon wird...und es wird...jedes mal....
    Son bissl Aua gehört ja auch dazu!! Erst dann kann man Abends das "Beinehochlegen" auch rechtschaffen geniessen!!

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    AW: Körperliche und geistige Vorbereitung vor Trekkingtour

    #5
    Du hast die Ursache ja schon selber rausgefunden für solche trostlos scheinenden Momente: Hunger und/oder Müdigkeit. Da Du das jetzt weißt, weißt Du auch das Gegenmittel: Was essen bzw. Pause machen/schlafen. Und Du kannst Dir sagen: Das ist jetzt nur wieder H oder M, das geht wieder weg.

    Bei den Schuhen: Sobald es anfängt zu schmerzen, Schnürung besser einstellen. Das muss man meistens nur 1 x machen, dann funzt es wieder.

    Und zum Rucksacktragen: Ein gut passendes Modell ist natürlich wichtig. Aber auch: Nicht nur einmal im Jahr losziehen, sondern bei jeder Gelegenheit wenn auch kleinere, aber trotzdem Touren machen.
    Geändert von lina (21.04.2017 um 07:43 Uhr)

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    AW: Körperliche und geistige Vorbereitung vor Trekkingtour

    #6
    Hallo,

    von der Theorie sehe ich es so, das dein Training immer möglichst nah an dem sein sollte was du auf Tour vor hast. Wenn du also Wandern gehen wirst, dann wird dir Fitnessstudio oder Radfahren dafür weniger bringen als Wandern selbst. Zusätzlich versuche ich es so zu machen, das die Vorbereitung auf die Tour generell härter ist als die Tour selbst. Heißt, wenn ich weiß meine Etappen, werden im Schnitt 20km lang, dann trainiere ich vorher mit Etappen größer 20km. Hat den Vorteil, wenn es auf Tour mal etwas mehr wird als die geplanten 20km, bist drauf vorbereitet, sowohl physisch als auch psychisch.
    Ist natürlich nicht immer so machbar aber auch nicht für jede Tour notwendig.

  7. AW: Körperliche und geistige Vorbereitung vor Trekkingtour

    #7
    Zitat Zitat von crunchly Beitrag anzeigen
    Zusätzlich versuche ich es so zu machen, das die Vorbereitung auf die Tour generell härter ist als die Tour selbst. Heißt, wenn ich weiß meine Etappen, werden im Schnitt 20km lang, dann trainiere ich vorher mit Etappen größer 20km. Hat den Vorteil, wenn es auf Tour mal etwas mehr wird als die geplanten 20km, bist drauf vorbereitet, sowohl physisch als auch psychisch.
    Super Idee! Ich glaube das ist garnicht so verkehrt wenn ich das auch so mache

    Zitat Zitat von crunchly Beitrag anzeigen
    von der Theorie sehe ich es so, das dein Training immer möglichst nah an dem sein sollte was du auf Tour vor hast. Wenn du also Wandern gehen wirst, dann wird dir Fitnessstudio oder Radfahren dafür weniger bringen als Wandern selbst.
    Ich verstehe was du meinst aber ich sehe das anders. Wenn du eine Tour mit 15kg auf dem Rücken läufst, werden bestimmte Muskelgruppen und natürlich die Kondition gefordert. Wenn ich radeln oder joggen gehe stärkt das meine Kondition. Und wenn ich zusätzlich im Studio noch die ensprechenden Muskelgruppen (Rücken, Schulter, Beine) trainiere, werde ich wahrscheinlich besser mit dem Gewicht des Rucksacks klarkommen als wenn ich garnichts mache. Selbstverständlich sollte das quasi als Ergänzung zu den "Vorbereitungs-Touren" sein.

  8. AW: Körperliche und geistige Vorbereitung vor Trekkingtour

    #8
    Bewegung sollte Spaß machen, jeden Tag. Kann auch mal anstrengend sein,
    um so mehr kann ich dann die Erholung genießen.
    Touren
    Wichtig ist es ich zu fragen:
    Warum mache ich das, denn am Erfolg erkennt man die Motivation.
    Die Ferne oder Exkusivität ist als Motiv dabei fast nebensächlich.
    Wenn du dich fragst "Was mache ich hier" bist du noch nicht da,
    sondern noch in deinem Alltag. Erst seit dem ich mal eine längere Tour (> 4 Wochen),
    gemacht habe, konnte ich meinen Alltag hinter mir lassen, war "draußen mein zu Hause", ich outdoorsozialisiert.
    Konnte outdoorsein auch später mit meiner Familie vermitteln.
    Gute Ausrüstung zu haben ist selbstverständlich, man muss aber mit ihr quasi verwachsen.

    Wer outdoor vorwiegend mit Schmerzen, Kälte, Hunger, Müdigkeit, Nässe, Dreck, Quälerei assoziert,
    hat etwas verkehrt gemacht - dazu gehört dies aber schon.

    Thomas
    Geändert von atlinblau (21.04.2017 um 09:58 Uhr)

  9. Freak Moderator
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    AW: Körperliche und geistige Vorbereitung vor Trekkingtour

    #9
    Zitat Zitat von crunchly Beitrag anzeigen
    Zusätzlich versuche ich es so zu machen, das die Vorbereitung auf die Tour generell härter ist als die Tour selbst. Heißt, wenn ich weiß meine Etappen, werden im Schnitt 20km lang, dann trainiere ich vorher mit Etappen größer 20km.
    Beim technischen Anspruch (d.h. Klettern) mache ich das auch so. Schließlich muss auf Tour die Schwierigkeit unter deutlich verschärften Bedingungen (Absicherung, Höhe, Rucksack usw.) geklettert werden als im Klettergarten.
    Bei der Streckenlänge würde ich mich aber tatsächlich von unten rantasten, mehr dann durchaus erst im Rahmen der eigentlichen Tour. Heisst, ich gewöhne mich ans Wandern, Schuhwerk usw. daheim in kürzeren Touren und steigere dann langsam die Streckenlänge.
    Daheim hätte ich für die genannten Trainingsdistanzen überhaupt nicht die Zeit...
    Meine Reisen (Karte)

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    AW: Körperliche und geistige Vorbereitung vor Trekkingtour

    #10
    Zitat Zitat von Omitier Beitrag anzeigen
    Super Idee! Ich glaube das ist garnicht so verkehrt wenn ich das auch so mache


    Ich verstehe was du meinst aber ich sehe das anders. Wenn du eine Tour mit 15kg auf dem Rücken läufst, werden bestimmte Muskelgruppen und natürlich die Kondition gefordert. Wenn ich radeln oder joggen gehe stärkt das meine Kondition. Und wenn ich zusätzlich im Studio noch die ensprechenden Muskelgruppen (Rücken, Schulter, Beine) trainiere, werde ich wahrscheinlich besser mit dem Gewicht des Rucksacks klarkommen als wenn ich garnichts mache. Selbstverständlich sollte das quasi als Ergänzung zu den "Vorbereitungs-Touren" sein.
    Das ist natürlich richtig, das Training jedes Training besser als gar keins ist. Meine damit nur, die beste Vorbereitung aufs Wandern ist nun mal wandern und das möglichst mit dem gleichen Gewicht und Equipment wie du es auf Tour dann hast. Vor ein paar Jahren bin hab ich eine 560km Radtour mit Gepäck gemacht mit geplanten Etappenlängen zwischen 90 und 120km pro Tag. Ich fahre zwar täglich mit dem Rad 30km zur Arbeit und gehe nebenbei laufen, habe aber trotzdem vor der Radtour mehrere Touren über 150km am Tag gemacht um zu wissen ob es machbar ist, wo es es evtl. zwickt.

  11. Alter Hase

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    AW: Körperliche und geistige Vorbereitung vor Trekkingtour

    #11
    Zitat Zitat von Omitier Beitrag anzeigen
    Super Idee! Ich glaube das ist garnicht so verkehrt wenn ich das auch so mache


    Ich verstehe was du meinst aber ich sehe das anders. Wenn du eine Tour mit 15kg auf dem Rücken läufst, werden bestimmte Muskelgruppen und natürlich die Kondition gefordert. Wenn ich radeln oder joggen gehe stärkt das meine Kondition. Und wenn ich zusätzlich im Studio noch die ensprechenden Muskelgruppen (Rücken, Schulter, Beine) trainiere, werde ich wahrscheinlich besser mit dem Gewicht des Rucksacks klarkommen als wenn ich garnichts mache. Selbstverständlich sollte das quasi als Ergänzung zu den "Vorbereitungs-Touren" sein.

    Ich denke tatsächlich dass Wandern nur durch Wandern geübt werden kann. Daran wird radeln oder joggen nix ändern, sind ganz andere Muskelgruppen. Das habe ich mal beim Golfen gelernt, weil man das immer für Pille-Palle hält. Die Muskeln ohne Namen machten sich noch 1 Woche lang bemerkbar. Eine Grundkondition hat nix mit de rSpezialisierung zu tun.

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    AW: Körperliche und geistige Vorbereitung vor Trekkingtour

    #12
    Nicht ganz ... Radeln fördert die Ausdauer stärker als Wandern. Das hat zur Folge, dass man beim Wandern weniger schnell müde wird. Was eventuellen Muskelkater angeht (bspw. von Bergabwandern), hilft es aber nicht.

  13. AW: Körperliche und geistige Vorbereitung vor Trekkingtour

    #13
    Zitat Zitat von crunchly Beitrag anzeigen
    Das ist natürlich richtig, das Training jedes Training besser als gar keins ist. Meine damit nur, die beste Vorbereitung aufs Wandern ist nun mal wandern und das möglichst mit dem gleichen Gewicht und Equipment wie du es auf Tour dann hast.
    bin jetzt nich der trainigsfachmann und auch kein großer wanderer, aber ich denke schon, dass ein bisschen abwechlsung nicht schadet. wenn du regelmäßgi mit dem gleichen gewicht am rücken ähnliche streckenlängen wanderst, stellt sich wahrscheinlich schon irgenwann ein plateau ein, wo es nicht mehr weitergeht.

    in der realität kommt man wahrscheinlich schon aus zeitgründen nicht darum herum, extensive, lange belastungen im training durch intensivere, kürzere belastungen zu ersetzten (= 10km joggen statt 20 wandern). außerdem ist nicht ganz unwichtig, dass das trainiing spass macht. und regelmäßig im heimischen umfeld 20 km wandern - ich weiß nicht, stelle ich mir ziemlich fad vor...

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    AW: Körperliche und geistige Vorbereitung vor Trekkingtour

    #14
    Ziemlich viele Themen in einem Thread.

    Zitat Zitat von Omitier Beitrag anzeigen
    Ich persönlich habe fast jedesmal Probleme meinen Urlaub zu genießen - sei es auf einer Trekkingtour oder bei einem Strandurlaub. Bei mir kommt sofort dieses Gefühl des "Ausgeliefertseins" auf und Nervosität. Ich kann nicht abschalten und genießen, ich will es einfach hinter mich bringen.
    Irgendwie finde ich diese Beschreibung schön, sozusagen weil sie ungeschönt ist. Das Phänomen kommt mir sehr bekannt vor, wenn auch nicht unbedingt von meinen letzten Wandertouren, wo es nur für kurze Zeit auftrat. German Tourist schreibt irgendwo, dass sie jedes Mal vor Tourbeginn unmäßig nervös ist; das kommt also auch bei erfahrenen Fernwanderern vor.

    Wenn das Unbehagen anhält, müsste man überlegen, welche Erwartungen man an die Reise hat. Wenn man z.B. das ›perfekte Trekkingerlebnis‹ in Schottland imaginiert, weil andere das nach Auskunft ihrer Reiseberichte offenbar gehabt haben, dann könnte es ein Problem geben, wenn man plötzlich mit Dauerregen konfrontiert ist (der ja eigentlich nur landestypisch ist). Da würde es helfen, wenn man sozusagen mit einer Mischung aus 70 % Außenorientierung und 30 % heroischem Narzissmus an die Sache herangehen könnte. Mit Außenorientierung (das ist der wichtigere Teil) ist gemeint, dass man sich sagt: Na ja, ich möchte die Highlands kennenlernen, so wie sie halt sind zu der Zeit meines Aufenthaltes. Nicht »ICH erlebe etwas«, sondern »Ich erlebe ETWAS«; dann kann sich der Blick ein bisschen leichter von der eigenen Befindlichkeit lösen, und dann könnte man auch diese reale Möglichkeit, dass die Tour überwiegend verregnet sein könnte, schon mal im Vorfeld durchgespielt und akzeptiert haben. Der heroische Narzissmus macht dann den Rest: Diese Möglichkeit, dass die Tour nicht das ›perfekte Trekkingerlebnis‹ ist, kann ich mit meiner Ausrüstung und meinen Fähigkeiten gerade noch bewältigen, und das wird dann eben die Erfahrung sein, die ich anstelle des perfekten Trekkingerlebnisses haben werde. Das Ausgeliefertsein ist aber jedenfalls leichter auszuhalten, wenn man auch unter ungünstigen Bedingungen noch ein bisschen von sich absehen und der Außenwelt noch etwas abgewinnen kann (deshalb finde ich die Außenorientierung wichtiger als den Heroismus). Also einfach mal untätig dasitzen und dem Regenrauschen zuhören, weil das eben eine Eigenschaft der Landschaft ist, in der man sich befindet. »Das Wetter ist keine Dienstleistung, sondern eine Tatsache«, und eine Trekkingtour ist dazu da, verschiedene Arten von Tatsachen kennenzulernen.

    Zitat Zitat von Omitier Beitrag anzeigen
    Vergangenes Jahr auf dem WHW in Schottland kam mir dieses Gefühl, als ich im Zug von Glasgow nach Milngavie saß und es draußen aus Eimern schüttete. Ich dachte mir dabei nur: Fuck, was zur Hölle treibe ich hier eigentlich?! Ich hätte mir in den Arsch beißen können, wie kam ich nur auf diese verfluchte Idee so eine Tour zu starten? Ich könnte schön gemütlich daheim auf meiner Couch sitzen und entspannen. Aber was hatte ich denn erwartet? Vielleicht hatte ich anfangs vor der Tour zu viel Pfadfinderromantik in meiner Erwartungshaltung. Aber wahrscheinlich darf eine Trekkingtour auch keinen "Spaß" machen, vielleicht soll dabei nur seine Leidensfähigkeit getestet werden.


    Zitat Zitat von Omitier Beitrag anzeigen
    Die komplette Tour wurde begleitet von Schmerzen. Ersts warens die Füße, da habe ich anfangs meine Schuhe viel zu eng geschnürt und dann hats irgendwann einfach nur noch weh getan. [...] Dann kam der Rücken, bzw. die Schulter: Ich war die gesamte Tour über damit beschäftigt meinen Rucksack zu verstellen, damit meine Schulter nicht mehr wehtut. Ob das jetzt an meiner körperlichen Fitness oder am Rucksack selbst lag, kann ich nicht beurteilen. Ich werde mir jedenfalls für meine Island Tour im Juli einen neuen Rucksack zulegen der für mich besser zu tragen ist.

    Zudem will ich, um aufs Thema wieder konkret zurück zu kommen, jetzt ab Mai anfangen zu trainieren. Ich möchte dass das bei meiner nächsten Tour möglichst ohne körperliche Komplikationen abläuft. Im Studio will ich Übungen für Schulter, Rücken, Rumpf und Beine machen um diese für den Rücksack zu stärken. Zusätzlich würde ich regelmäßig mit meinem gepackten Rucksack ein paar 15-20km Touren gehen um mich "einzulaufen" und um mich an die Distanzen zu gewöhnen.
    An den essenziellen Komponenten der Ausrüstung, hier Schuhe und Rucksack, muss man nach meinem Eindruck eine Weile experimentell arbeiten, bis es passt. (Und wenn es irgendwann passt, darf man es auch mal so lassen.) Eine dauernde Schmerzbelästigung zeigt einfach an, dass dieser Vorgang noch nicht abgeschlossen ist.
    Bei mir ist es z.B. so, dass der Rucksack dank (oder trotz) des unorthodoxen Tragesystems von vornherein keine Beschwerden verursacht hat; das ist aber ein bisschen Zufall, und ich weiß genau, dass es nur bis ca. 13 kg funktioniert.
    Du kommst also (würde ich sagen) nicht umhin, zum einen das Gesamtgewicht Deiner Ausrüstung in Frage zu stellen und zum anderen so lange verschiedene Rucksäcke auszuprobieren, bis Du den richtigen findest. Das ist irgendwie eine Arbeit, die man machen muss; das kann eine Weile dauern.
    Bei den Schuhen hat es bei mir z.B. auch eine Weile gedauert. Zuletzt konnte ich trotz manifesten Fersensporns schmerzfrei wandern, aber das ist das Ergebnis von einigen Experimenten inklusive Beschaffung individueller Einlagen. Schuhe teste ich in der Stadt beim Spazierengehen oder dann in der nächsten Stufe bei einer Tageswanderung ohne Gepäck. Das ist nicht der ultimative Test, aber er genügt schon, um bestimmte Lösungen auszuschließen, bis irgendwann eine einstweilen richtige Lösung übrigbleibt. In beiden Fällen (Rucksack und Stiefel) hat übrigens die gefundene Lösung wenig Ähnlichkeit mit dem, was normalerweise im Forum empfohlen wird. Das zeigt an, dass funktionierende Lösungen, wenn sie eine orthopädische Komponente haben, grundsätzlich individuell sind, also eine persönliche Experimentierphase erfordern.

    Krafttraining schadet nicht. Ich nehme aber an, dass bei mir das schmerzfreie Rucksacktragen nur zu 20 % auf früherem Krafttraining und zu 80 % auf dem Bewegungs- und Trageprogramm im Alltag beruht. Wenn man von dieser privaten Erfahrung abstrahiert, könnte man vielleicht sagen, dass jede Belastungsadaption im Alltag für das Wandern einen Vorteil bringt, keineswegs nur das gezielte Training mit realistischer Belastung oder leichter Überlast. Schon wer es schafft, über längere Zeit jeden Tag vier bis fünf Kilometer zu Fuß zu gehen statt der üblichen zwei, hat bei der plötzlich einsetzenden 25-km-Belastung einer Trekkingtour einen spürbaren Trainingsvorteil. Das nur als Ergänzung zu dem, was schon von anderen gesagt worden ist. Natürlich wäre es ideal, sich mit häufigen Tagestouren und gelegentlichen Zweitagestouren unter realistischer Belastung und bei wechselndem Wetter vorzubereiten. Dabei könnten dann auch viele andere Komponenten der Ausrüstung (z.B. Zwiebelschichten für verschiedene Temperaturen) getestet werden.
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  15. Moderator
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    AW: Körperliche und geistige Vorbereitung vor Trekkingtour

    #15
    Zitat Zitat von Omitier Beitrag anzeigen
    Bei mir kommt sofort dieses Gefühl des "Ausgeliefertseins" auf und Nervosität. Ich kann nicht abschalten und genießen,
    Story dazu: als ich fürs Autofahren ne Brille verordnet bekam, meinten meine Kollegen nur:"jetzt wissen wir endlich, warum Du so völlig ungerührt irgendwo einsteigst. Du siehst einfach nicht (wie wir), was da auf dich zukommt".

    Fazit: Augen zu machen oder Brille nicht aufsetzen, und schon ist alles viel entspannter.

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    AW: Körperliche und geistige Vorbereitung vor Trekkingtour

    #16
    Zitat Zitat von Igelstroem Beitrag anzeigen
    German Tourist schreibt irgendwo, dass sie jedes Mal vor Tourbeginn unmäßig nervös ist; das kommt also auch bei erfahrenen Fernwanderern vor.
    Vorher ist aber was Anderes als während

    Ich habe auch regelmäßig bevor es losgeht keine Lust mehr, los zu gehen. Sobald ich dann aber mal unterwegs bin, ist alles wunderbar. Und wenn ich zurück bin, frage ich mich regelmäßig, warum ich nicht öfter losziehe, wenn sich eine Zeitgelegenheit auftut.

    Die Zwischentiefs unterwegs kommen, wenn, wie ich oben schon schrub, aufgrund Hunger oder Müdigkeit.

    Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, ist mir interessanterweise wesentlich häufiger trostlos zumute. Da hilft nur Aussteigen, Auto stehen lassen und lostigern. Also wohnen im Kofferraum inzwischen ein Paar Wanderstiefel plus Socken

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    AW: Körperliche und geistige Vorbereitung vor Trekkingtour

    #17
    Kann mir jemand sagen, was die Beiträge von Becks und opa mit dem Thema des Threads zu tun haben? Ich möchte ja gerne verstehen, wie dieses Forum funktioniert.
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    AW: Körperliche und geistige Vorbereitung vor Trekkingtour

    #18
    Zitat Zitat von Igelstroem Beitrag anzeigen
    Kann mir jemand sagen, was die Beiträge von Becks und opa mit dem Thema des Threads zu tun haben? Ich möchte ja gerne verstehen, wie dieses Forum funktioniert.

    Post als Moderator
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  19. AW: Körperliche und geistige Vorbereitung vor Trekkingtour

    #19
    Körperlich? Als Berliner ist man ja körperlich vorbereitet, wenn man im 4. Stock wohnt und ÖPNV nutzt.
    Geistig? Notfalls kann ich immer noch einen Reisebericht schreiben und dabei Spass haben.

  20. Vorstand
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    AW: Körperliche und geistige Vorbereitung vor Trekkingtour

    #20
    Also ich bin da eher so bei Sammy. Wenn ich mir aus irgendeinem Grund eine Tourenidee in den Kopf setze, dann laufe ich vielleicht mal zwei Wochen vorher ein bisschen um den Block um warm zu werden, aber der Rest findet sich unterwegs. Dafür nutze ich die Ausrüstung regelmäßig, damit die Schuhe auch passen.

    Klar frage ich mich auch mal, was ich da so mache, aber das ist nach dem ersten Tag vorbei, irgendwas wird schon passieren, das weiß ich und alles was passiert, wird passen. Ob ich nun hier bin oder woanders ist doch völlig egal, Hauptsache ich muss nicht bei der Arbeit sein. Und wenn ich keine Lust mehr habe oder merke, dass irgendwas nicht passt (zuviel Schnee, zuwenig Schnee), dann mache ich halt was anderes.
    Natürlich tut dann mal was weh. Aber das gehört dazu und geht auch wieder weg. Klar, ich fahre regelmäßig Fahrrad, aber eine zeitlang bin ich wenig Fahrrad gefahren und das klappte mit der Tour auch. Ich plane halt keine Höchstleistungen, sondern schaue, was geht, was nicht heißt, dass dann nicht doch Reserven mobilisiere (n muss), weil ich keinen Übernachtungsplatz finde oder mir irgendwas nicht passt.

    Abends liege ich dann im Zelt und weiß, dass ich mich nie wieder werde bewegen können, weil alles Mögliche wehtut. Im Traum kommt dann noch die Selbstbeobachtung hinzu, und es reift in den frühen Morgenstunden die Erkenntnis, dass ich nun für immer gelähmt bin, und dies das Ende meiner Tour ist. Dann bin ich irgendwann wach, blinzele in den Himmel, packe mein Zeug und laufe weiter, bis ich abends wieder im Zelt liege und weiß, dass ich mich nie wieder werde bewegen können, weil alles wehtut. Nach einer Woche hat sich der Körper dran gewöhnt und selbst wenn es dann noch irgendwo was zwickt, ignoriere ich das einfach.
    Das Tragische an jeder Erfahrung ist, dass man sie erst macht, nachdem man sie gebraucht hätte. F. W. Nietzsche

    Nordlicht bleibt Nordlicht und Tüdelkram is Tüdelkram.

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