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  1. [AM/GE] Aragats, Armash-Teiche und Borjomi-Charagauli-NP: "Easy, but beautiful"

    #1
    Mitreisende: LewisTolleni
    Frei nach Forrest Gump könnte man sagen, dass eine Reise wie ein Khinkali ist. Man weiß nie, wie viel Koriander sich in den gefüllten Teigtaschen aus Georgien versteckt Auch bei unserer Reise wussten wir oft nicht, was sie für uns am nächsten Tag bereit hält. Und da eine gemeinsame Reise zwangsläufig auch eine gemeinsame Erzählung nach sich ziehen sollte, hat Momo auch einige Gedanke/Erinnerungen ergänzt, die grün hinterlegt werden. Aber lest selbst


    Prolog

    Knapp drei Wochen befanden wir uns auf einer Exkursion im Land am Ararat. Schon während der Reise, aber auch jetzt im Nachhinein habe ich Armenien als Land der Gegensätze wahrgenommen. Eine im Vergleich wohlhabende Hauptstadt, reiche Kultur, atemberaubende Natur und herzensgute Menschen auf der einen Seite, eine verarmte Landbevölkerung, bewegte Geschichte, geschlossene Grenzen, Korruption und militärisch ausgetragene Konflikte auf der anderen Seite.

    Mitte Mai erhalte ich eine Mail von Momo, in der ich gefragt werde, wie reiselustig ich sei für den Sommer. Als engagierte Biologie-Studentin war sie über das Wochenende auf einer ornithologischen Exkursion in den Alpen und wurde dabei von einem anderen Teilnehmer gefragt, ob sie Interesse hätte, eine dreiwöchige Exkursion in Armenien mit ihrer Expertise und ihrem Equipment zu begleiten.

    Ich war mir unschlüssig, ob dies auch das Richtige für mich sein könnte. Die Exkursion sollte laut Beschreibung neben einigen kulturellen Programmpunkten einerseits ihr Hauptaugenmerk auf geologischen, ökologischen, botanischen und eben ornithologischen Ausflügen andererseits haben, geleitet von WissenschaftlerInnen der Yerevan State University. Prinzipiell würde ich mich als ahnungslos, aber an solchen Themengebieten interessiert bezeichnen, insbesondere wenn die Vermittlung im Feld stattfindet und nicht im Hörsaal. Überzeugend für mich war dann eher, dass viel bzw. eigentlich alles draußen stattfinden soll und es eben auch viele Wanderungen gibt. Untergebracht waren wir die komplette Zeit über im Zelt in insgesamt fünf verschiedenen Camps verteilt über ganz Armenien, von denen wir dann die verschiedenen Ausflüge und Wanderungen unternommen haben.

    Momo wurde mit der Buchung der Flugtickets für sie und mich sowie ihre Kommilitonin Dolly beauftragt, die auch mit zur Exkursion kommen möchte. Wir beide wollten danach allerdings noch eine Woche alleine reisen/wandern/trekken. Was genau stand zu diesem Zeitpunkt noch in den Sternen und sollte dann vor Ort je nach Lust und Laune, gemachten Erfahrungen und Infrastruktur entschieden werden.

    In den nächsten Wochen wurde mir bewusst, wie wenig ich über Armenien weiß und wie wenig generell gewusst wird (außer natürlich, dass Henrikh Mkhitaryan von dort stammt). Das zeigte sich auch insbesondere daran, dass ich öfters mal gefragt wurde, wie denn meine Reisevorbereitungen für Albanien laufen oder ob ich mich sicher fühle, jetzt durch Algerien zu reisen Sowie an der Tatsache, dass meine erste Amtshandlung bevor meine Entscheidung fiel, die Exkursion zu begleiten, ein Blick auf die Landkarte war, um das „Wohin genau eigentlich?“ zu klären.

    Die drei Wochen auf Exkursion gingen rasend schnell vorüber und insgesamt betrachtet habe ich eine tolle Zeit verbracht und viel dazu gelernt. Wir sind unter den Basalt-Säulen im Chosrow-Reservat hindurchgewandert, haben in der ehemaligen Höhlenstadt Chndsoresk gezeltet, beim Lawash backen über die Schultern geschaut, sind in den Nationalparks Dilijan und Shikahogh durch Eichenwälder und tiefe Schluchten gewandert oder haben die Kloster Geghard, Noravank, Tatev und Goshavank besichtigt.

    Hier ein paar wenige - am Erlebten gemessenen – und selektive Eindrücke dieser drei Wochen:


    Die soganannte Violine - Blick vom Garni-Tempel


    Basaltsäulen im Chosrow-Reservat; kann man auch vom Garni-Tempel aus sehen


    Pferde auf einer Ebene im Chosrow-Reservat


    Raupe Nimmersatt


    Eine Kirchenruine im Chosrow-Reservat


    Eine kleine Kapelle beim Kloster Geghard


    Berge um das Kloster Geghard


    Überall kann man am Straßenrand lokale Erzeugnisse kaufen: Honig, Rotwein (in Cola Flaschen), Nüsse mit eingedicktem Kirschsaftüberzug, gegrillter Mais, Räucherfisch, Schnittblumen, Obst, ...


    Sonnenaufgang in Bjurakan, vorne ein Observatorium


    In der ehemaligen Höhlenstadt von Chndsoresk


    Auch bei Chndsoresk


    Von Exil-Armeniern spendierte Hängebrücke zur Belebung des örtlichen Tourismus um Chndsoresk


    Ein Mönch lebt noch in diesem ansonsten verlassenen Kloster unterhalb Tatevs


    In der Lawash-Bäckerei


    Im Shikahogh State Reserve


    Heute quicklebendig, morgen Schaschlik


    Im Gebirge beim Ort Hors


    Im Dilijan-Nationalpark - hier gibt es übrigens auch einen ca. 7 Kilometer langen, ausgeschilderten Wanderweg zum Kloster Goshavank


    Auf Wanderung bei Hankavan

    So schön die Zeit auf der Exkursion auch war, es fühlte sich irgendwie nie wie die eigene Reise an. Der Reisebericht startet deshalb am Abend des 17. Tages auf Exkursion, der dies für mich ändern sollte:


    Tag 17: Light upon the lake: Sewan-See


    Von einer Wanderung bei Hankavan kehren wir zum letzten Mal zurück zum Sewan-See in unser Camp unweit der Grenze zu Aserbaidschan. Morgen werden wir zum Ende unserer Armenien-Reise nochmals nach Bjurakan fahren, bevor wir am anschließenden Tag den Aragats besteigen. Zum Abendessen gibt es: logisch, Schaschlik mit äußerst köstlicher Grillkartoffel. An unserem Tisch läuft ‚September’ von Earth, Wind and Fire. Es könnte nicht besser passen zu diesem Moment: wir schreiben den neunten Monat, etwa die Hälfte von Momos und meiner Reise ist nun vorbei – ‚never was a cloudy day’ Getrieben durch ein unbändige Tanzeslust bitten wir unseren Fahrer Roman, seinen Transporter an den Strand zu stellen. Wir tanzen zur Musik am Strand und bald gesellen sich auch die armenischen Soldaten dazu, die hier mit uns im Camp untergebracht sind und reichen fleißig eine Flasche selbstgebrannten Wodka herum. An der Böschung beobachtet ihr Chef das Ganze von oben und schwingt im Takt seine Waffe.

    Bald gehe ich müde ins Bett. Neben der armenischen Soldatengesellschaft schwirren mir im Moment noch ganz andere Sachen im Kopf herum. Langsam wird es Zeit, sich ernsthaft Gedanken zu machen über die Woche nach der Exkursion, die wir noch vor uns haben. Alle Überlegungen haben einen Haken, sei es hier in Armenien drauf los zu wandern ohne wirklichen Plan oder den Dschanapar-Trail in Bergkarabach in Angriff zu nehmen. Zum gefühlt hundertsten Mal schlage ich meinen Reiseführer auf, der mich bisher auch auf keine besseren Ideen gebracht hat. Armenien, so toll die Natur hier ist und auch die weglosen Wandermöglichkeiten, ohne Planung so spontan loszuziehen macht für uns keinen Sinn. Aber halt, warum muss es eigentlich Armenien sein?! Hastig suche ich im Kapitel über Georgien nach Wandermöglichkeiten und werde schnell fündig. Borjomi-Charagauli-Nationalpark!


    Am Ende der Exkursion steht ein Zelt am See


    Verkehr auf dem Sewan-See


    Abendliches Naturschauspiel am Sewan-See




    Tag 18, Überfahrt nach Bjurakan


    Da der heutige Tag fast ausschließlich von der Autofahrt quer durch Armenien geprägt ist, wird hier auf detaillierte Ausführungen der Lage sämtlicher Schlaglöcher auf den armenischen Straßen verzichtet. An diesem Tag fällt allerdings die Entscheidung, im Borjomi-Charagauli-Nationalpark in Georgien zu wandern, da auch Momo von dieser Idee sehr angetan ist.

    Ansonsten erwähnenswert am heutigen Tag ist:
    --> Lewis wäscht endlich seine Wäsche

    - Fortsetzung folgt -
    Geändert von LewisTolleni (18.04.2017 um 22:55 Uhr) Grund: Titel geändert

  2. AW: [AM/GE] Aragats, Armash-Teiche und Bordjomi-Charagauli-NP: "Easy, but beauti

    #2
    Wow... super schön, super interessant... bitte weiter, weiter, weiter....

  3. AW: [AM/GE] Aragats, Armash-Teiche und Bordjomi-Charagauli-NP: "Easy, but beauti

    #3
    Tag 19, I have been to the mountain: Aragats (fast) ganz nach oben

    Um 5:30 Uhr bereits köchelt der Haferbrei und wartet darauf, gefrühstückt zu werden. Der frühe Aufbruch ist weniger den zu erwartenden Temperaturen oder der Dauer der Wanderung geschuldet, als der Tatsache, dass der Ararat, den man während unseres heutigen Vorhabens ständig im Blick behalten wird, mit zunehmender Uhrzeit im Dunst verschwindet. Also machen wir uns direkt nach dem Abwasch auf, wobei ich während der Fahrt kaum meine Augen offen halten kann und erst wieder aufwache, als mich die in den Minibus kriechende Kälte ärgert. Roman, unser Fahrer, fährt uns bis auf ca. 3.200 Meter zu einer meteorologischen Station, von wo unsere Reise zu Fuß weitergeht.


    Dort soll es hoch gehen


    Der Kari-See


    Der Ararat in der Ferne

    Nachdem wir aussteigen ziehe ich mir noch eine vierte Lage an. Im Vergleich zu den letzten drei Wochen schüttelt es mich nun richtig vor Kälte. Es wird Zeit, dass wir loslaufen und ich so warm werde. Der Aragats ist ein erloschener Vulkan, der in seiner heutigen Form aus vier Gipfeln besteht, wovon der höchste 4090 m hoch ist. Wir backen kleine Brötchen und so ist unser Ziel der kleinste, 3879 m messende Südgipfel, der einfach und auf Wanderwegen zu erreichen ist. Recht langsam und gemütlich gehen wir los und passieren eines der Häuser, die am Kari-See liegen. Kurz wandern wir entlang des Seeufers, bevor wir mit dem Aufstieg beginnen. In den am Weg liegenden Zelten beginnt sich langsam etwas zu regen. Mir scheint die Höhe nichts anzuhaben und so kann ich das Tempo gut gehen und trotzdem (wohl etwas zu viele ) Fotos schießen. Schade, dass wir keine Augen im Hinterkopf haben, mit denen wir den Ararat in der Ferne sehen könnten. So aber müssen wir uns jedes Mal umdrehen, um erinnert zu werden, in welcher Kulisse wir uns gerade bewegen.


    Vorne der Kari-See, im Hintergrund der Ararat


    Die Umgebung beim Aufstieg




    Nicht nur wir haben mit den Umständen hier oben zu kämpfen

    Um auch noch ein anderes Bild zu zeichnen: Ich fand die Umstellung von kleineren Wanderungen auf maximal 2000 m Höhe auf hier zu wandernde 600 Höhenmeter konditionell schon herausfordernd. Das mag allerdings auch an meiner sportlichen Verfassung und an den immer wieder wiederholten Worten „Ihr könnt auch umdrehen, wenns zu anstregend wird“ gelegen haben

    Es ist nicht besonders steil und so kommen wir gut voran. Wir bewegen uns so mehr oder weniger geradewegs auf den angepeilten Südgipfel zu. Der Untergrund ist steinig, immer wieder wackelt einer der Steine unter den Füßen, als ich drauf trete. Mit jedem Höhenmeter, den wir aufsteigen, gibt unsere Umgebung etwas mehr über sich preis. Hinter sanften Hügeln in der Nähe tauchen weitere in Ferne auf. Hier und dort kann man plötzlich in ein grünes Tal blicken. Mit jeder weiteren Minute steigt aber auch der Dunst über dem Ararat-Tal höher, als ob er die Spitze des Ararats vor unserer Ankunft auf dem Gipfel verschluckt haben möchte. Begleitet wird unser Aufstieg von Ohrenlerchen, die Dolly entdeckt.

    Nachdem wir lange keinem bestimmten Weg gefolgt sind, queren wir eine kleine Senke, von wo an ein ausgebauter Weg bis zum Gipfel führt. In Serpentinen geht es nun bergauf und recht schnell befinden wir uns auf einem Gratweg, von wo wir zum Einen auf den zurückgelegten Weg blicken können, zum Anderen aber auch zum ersten Mal auf das, was hinter dem Grat liegt: die anderen Gipfel! Etwa 200 Meter sind es am Grat und dann haben wir den Südgipfel mit einem zur Hälfte fertig gestellten Steinhaus und Gipfelkreuz erreicht.


    Angekommen


    Ausblicke vom Südgipfel





    Wir machen erstmal eine Pause, mit einem Atem raubenden Blick eine Steilwand hinunter. Zwar ist es etwas windig, aber durch die Sonne ist es einigermaßen angenehm. Auch wenn mit zunehmender Höhe die Geschmacksknospen etwas von ihrer Zuverlässigkeit einbüßen sollen, schmeckt unser Lawash, Käse, gekochtes Ei und Kartoffel lecker. Nachdem ich mich in der Sonne ausreichend aufgewärmt habe, erkunde ich die Gipfelumgebung. Auf der unserem Weg gegenüberliegenden Seite steige ich wieder etwas ab, hin zu einem Felsvorsprung, von dem man große Teile des Ararat-Tals überblicken kann.







    Dolly und ich nutzen die Zeit, um die Gegend ornithologisch zu erkunden: Kurz vor dem letzten Aufstieg auf den Gipfel, flog schon ein Pärchen Mauerläufer direkt vor unserer Nase die Felsen entlang, so dass wir uns noch den ein oder anderen Blick auf diese prächtigen Vögel mit den roten Flügeln erhoffen. Die Mauerläufer lassen sich leider nicht mehr blicken, dafür zeigen sich ein Zwergschnäpper, Schnee- und Steinsperlinge, eine Alpenbraunelle und Alpenkrähen und das alles während wir nach und nach von den Felsenschwalben in ihre Gemeinschaft aufgenommen werden. Oder auch dringendst gebeten werden, ihre Flugschneise zu verlassen – Auslegungssache.




    Nach etwa einer Stunde packen wir ein und steigen ab, was recht einfach und zügig geht. Unten am See angekommen setzen wir uns aber trotzdem erstmal auf ein kleines Mäuerchen, naschen Kekse und schauen dabei zu, wie Leute im See baden



    Auf unserem Weg zurück zum Camp passieren wir am Wegesrand Schafherde und Zelte einer Jesiden-Familie, die uns in ihr Zelt und auf Brot, Schafskäse, Ajran und Hochprozentiges einlädt und über ihren Alltag, d.h. das Leben in riesigen Zelten, welch wichtige Rolle ihre Tiere spielen, die Herstellung ihrer Lebensmittel und ihr Leben erzählt.

    Im Camp in Bjurakan angekommen, hänge ich meine Wäsche ab, lege mich in den „Swimming-Pool“ und gönne mir nach dem Aufstieg ein nachträgliches Gipfelbier, während Momo Karten spielt und über dem Grill bereits das finale Schaschlik brutzelt und für uns gegrillte Aubergine. Dazu Salat mit einer ordentlichen Ladung Koriander, mit dem ich auch nach drei Wochen immer noch auf Kriegsfuß stehe Eine saftige Honigmelone bildet den Abschluss.


    Bjurakan-Spa

    Nach dem Essen mache ich mich alleine auf zu einem kleinen Verdauungsspaziergang zum in der Nähe liegenden Friedhof, den wir bereits am zweiten Tag unserer Reise besucht haben. Wobei die Verdauung nur teilweise im Magen stattfindet, sondern es auch einiges im Kopf zu verschaffen gibt. Ich lasse noch einmal die letzten drei Wochen in Armenien Revue passieren, es war eine schöne und in vielerlei Hinsicht auch unvergessliche Zeit. Vieles werde ich vermissen, insbesondere die Herzlichkeit der Menschen, die sich immer wieder sehr gefreut haben, dass wie sie und ihr Land besucht haben. Dabei schaue ich zu, wie die Sonne langsam untergeht und die Silhouette des Ararats in ein liebliches Rot hüllt.


    Letzter Blick ins Ararat-Tal

    Als ich durch das große Eisentor das Camp betrete, ist die Abschiedsparty bereits im Gange. Ich bekomme eine Flasche Bier in die Hand gedrückt und wir tanzen bis tief in die Nacht, singen und trinken.


    Tag 19, Jerewan Jerewan: Willkommen in der Hauptstadt

    Schon früh am Morgen brechen wir zum nun letzten Mal unsere Zelte ab. Eine komische Stimmung liegt über dem Camp in Bjurakan. Müdigkeit von der Abschiedsfeier mischt sich mit der Gewissheit, dass dieses Abenteuer zu Ende geht – fast! Denn ein letzter gemeinsamer Tag in Jerewan wartet auf uns und auf Momo und mich natürlich noch viel viel mehr.


    Graffiti in der Stadt


    Den kenn ich doch auch?!

    Unsere erste Station in Jerewan ist eine riesige Mall. Auf den blitzeblank polierten Fußböden komme ich mir in meiner staubigen Kleidung etwas deplatziert vor. Früher war hier eine Markthalle, jetzt findet man Supermärkte, Cafés, Geldautomaten, Schmuckgeschäfte etc. Während die anderen im Supermarkt Kräuter, Gewürze und Süßigkeiten für die lieben Menschen zu Hause besorgen, denken Momo und ich an unsere geplante Wanderung in Georgien und kaufen dafür schon einmal Nüsse, Müsliriegel (Sonnenblumenkerne zusammengehalten von Glukosesirup), Marmelade und geräucherte Auberginenpaste. Ein Ararat Cognac und Parliament Wodka (für umgerechnet 2,80 Euro der Liter oO) wandern in meinen Besitz, allerdings nicht für die Wanderung. Don’t drink and hike


    Entscheidungsprobleme: eines von drei Wodka-Regalen


    Die blaue Moschee

    In der verbleibenden Freizeit besichtigen wir die direkt in der Nachbarschaft liegende „blaue Moschee“ und gehen dann auf den Basar in der Innenstadt. Eine verworrene Geschichte, die damit endet, dass Momo stolze Neu-Besitzerin zweier Rucksäcke ist, wovon einer gar der schönste der Welt ist Im Grunde ist es gut, dass Momo sich nicht entscheiden konnte, denn so können wir unsere gekauften Andenken und Mitbringsel verstauen.


    Auf dem Basar



    Am Nachmittag besuchen wir das historische Museum in der Stadtmitte, am Platz der Republik gelegen. Von Ausstellungsstücken aus einer Zeit weit vor dem Jahr 0 bis zur neueren Geschichte ein wirklich lohnender Besuch und ein weiteres Mosaik des Bildes von Armenien, das wir gewinnen durften. Hier liegt auch der älteste erhaltene Schuh aus der Areni-Höhle, die wir an Tag 11 besucht haben.
    Während ich im Museum verweile, erhält Momo eine persönliche Stadtführung von der Ökologin Tatevik. Aus ornithologischer Sicht sehr interessant, da uns auf unserem Spaziergang durch die Stadt Palmtauben auf den entlang der Straße gepflanzten Bäumen begegnen. Aber auch aus politischer Sicht sehr spannend, da Tatevik ein zumindest dezent hoffnungsvolles Bild der jungen ArmenierInnen zeichnet, die jetzt, 25 Jahre nach der Unabhängigkeit des Landes, anfängt, sich zu emanzipieren und ihre Meinung, wenn nötig auch durch Demonstrationen, vor der armenischen Regierung zu vertreten.
    Nach den Erlebnissen des Tages checken wir ein ins Envoy Hostel in der Pushkin Straße und verabschieden uns von den ersten Mitreisenden.


    Das historische Museum


    Auf dem Platz der Republik


    Setzkastenprinzip

    Abends gehen wir lecker armenisch Essen und lassen den Abend in einer Bar direkt um die Ecke ausklingen, in der ein tschechischer Experimentalmusiker spielt und wir beinahe nicht Schritt halten können mit den Wodka-Apfelsaft-Zimt-Shots, die wir spendiert bekommen

  4. AW: [AM/GE] Aragats, Armash-Teiche und Bordjomi-Charagauli-NP: "Easy, but beauti

    #4
    ... ja sehr schöne Bilder und sehr interessant, landschaftlich, historisch und gesellschaftspolitisch... die Gegend habe ich auf jeden Fall auf der Liste...

  5. AW: [AM/GE] Aragats, Armash-Teiche und Bordjomi-Charagauli-NP: "Easy, but beauti

    #5
    Zitat Zitat von Galadriel Beitrag anzeigen
    ... ja sehr schöne Bilder und sehr interessant, landschaftlich, historisch und gesellschaftspolitisch... die Gegend habe ich auf jeden Fall auf der Liste...
    Absolut, du würdest es sicher auch nicht bereuen, diesen Punkt deiner Liste zu verwirklichen Noch immer bin ich sprachlos angesichts der Gastfreundschaft, gerade der Menschen auf dem Land, die sich ausnahmslos gefreut haben, uns zu sehen und in Bjurakan beispielsweise auf der Straße zugehupt haben, wenn sie uns gesehen haben, um uns willkommen zu heißen. Keine Begegnung endete damit, ohne dass wir eigene Brombeeren, Granatäpfel, Trauben oder ähnliches für unsere weitere Reise geschenkt bekommen hätten. Ich war sicherlich auch nicht das letzte Mal in Armenien. Seit unserer Reise lerne ich fleißig russisch, damit ich dann beim nächsten Besuch auch selbst mehr mit den Menschen kommunzieren kann :-)

  6. AW: [AM/GE] Aragats, Armash-Teiche und Bordjomi-Charagauli-NP: "Easy, but beauti

    #6
    ... jaja wir werden auf jeden Fall dorthin gehen... wir planen ein Sabbatical und überlegen den transcaucasus trail zu gehen... dauert aber noch ein bissl... und mit russisch kommt man gut weiter ? Wie sieht es aus mit englisch?

  7. AW: [AM/GE] Aragats, Armash-Teiche und Bordjomi-Charagauli-NP: "Easy, but beauti

    #7
    Zitat Zitat von Galadriel Beitrag anzeigen
    ... jaja wir werden auf jeden Fall dorthin gehen... wir planen ein Sabbatical und überlegen den transcaucasus trail zu gehen... dauert aber noch ein bissl... und mit russisch kommt man gut weiter ? Wie sieht es aus mit englisch?
    Unser Exkursionsleiter konnte, wenn ich mich recht erinnere, alles auf Russisch klären/organisieren. Als wir dann alleine unterwegs waren und mit Englisch angefangen haben oder als es auf Englisch problematisch wurde, wurden wir sehr oft gefragt, ob wir nicht russisch könnten. Abgesehen von touristischen Punkten war Englisch oft problematisch und nicht selten ging garnichts auf Englisch. Die Menschen, die wir getroffen haben, waren aber immer sehr geduldig mit uns und daran interessiert, uns zu helfen Lösungen haben wir immer gefunden und zur Not gab es Hände und Füße. Das hat übrigens auch was, so haben wir beispielsweise von einem Bauer im Süden Armeniens gelernt, wie man am besten Granatäpfel schneidet - ganz ohne etwas verstanden zu haben, was er sagt Und ansonsten ist es in Armenien genauso ist wie eigentlich überall auf der Welt: je ländlicher die Gegend oder je Älter die Gegenüber, desto dünner wurde es schnell mit der Kommunikation auf Englisch. Klar, Ausnahmen gibt es.

  8. AW: [AM/GE] Aragats, Armash-Teiche und Bordjomi-Charagauli-NP: "Easy, but beauti

    #8
    Tag 20, Blackbird: ornithologischer Wahnsinn bei den Armash-Teichen

    Jerewan ist eine tolle Stadt, überall gibt es etwas zu entdecken. Trotzdem entscheiden Dolly, Momo und ich uns dazu, zu den Armash-Teichen zu fahren. Dies war eigentlich schon während der Exkursion vorgesehen, wurde dann aber wegen der zwar kleinen, aber durchaus vorhandenen Wahrscheinlichkeit, mit Malaria infiziert zu werden, aus dem Programm gestrichen. Die Armash-Teiche sind, wie der Name schon sagt, eine größere Fläche mehrerer unter Naturschutz stehender Gewässer, früher zur Fischzucht angelegt, heute bis auf dezente Freizeitnutzung mehr oder weniger unberührt. Begleitet werden wir von der Zoologin Ilona von der Jerewan State University und Slavek, dem Koch der Exkursion, der uns netterweise für diese zweistündige Fahrt kutschiert.


    Hinter dem Haupteingang


    Abermals der Ararat in der Ferne


    Äußerst fotogen


    Eine alte Informationstafel zeigt, was für Vögel es hier unter anderem gibt

    Vor dem Tor des Naturschutzgebiets spricht Ilona kurz mit dem Wachmann und dann dürfen wir passieren und gehen zu Fuß hinein. Was soll ich sagen, es wurde uns nicht zu viel versprochen. Selbst für mich als ornithologischen Laien ist es beeindruckend, wie viele verschiedene Vögel hier zu sehen sind. Momo und Dolly fotografieren fleißig und lassen mich hin und wieder auch mal durch das Spektiv linsen.







    Wir sehen unter anderem Hauben-, Rothals-, Schwarzhals- und Zwergtaucher, Purpur-, Rallen-, Seiden- und Nachtreiher, einen Weißschwanzkiebitz, Bekassinen, Bruchwasserläufer, Säbelschnäbler, Weißflügel- und Weißbartseeschwalben, Blauwangenspinte, einen Wendehals und Haubenlerchen. Nur eine Amsel war keine dabei.


    Bei der Arbeit





    Bevor wir nach Jerewan zurückkehren besuchen wir noch Slaveks Familie und sehen dabei Leila wieder, die unsere Küchenfee auf der Reise war. Ihre Tochter zeigt uns stolz, welche deutschen Wörter sie schon in der Schule gelernt hat und der etwa fünfjährige Sohn führt uns vor, dass er bereits mit Slaveks Quad fahren kann (sehr gut sogar).

    In Jerewan verabschieden wir uns von Ilona und kehren schnell zurück ins Hostel, wo wir alles zusammenpacken, was wir nicht für die Wanderung in Georgien benötigen (z.B. das Spektiv und Mitbringsel), um es zu unserem Exkursionsleiter Evgenij nach Hause zu bringen, wo wir es für die nächste Woche netterweise verstauen dürfen.

    Ich gehe noch alleine in die Stadt und besuche die Kaskaden, von wo aus man einen tollen Blick auf die Stadt und Ararat hat. Als ich ins Hostel zurückkehre, planen wir den morgigen Tag und machen uns auf zum Abendessen.







    Mit dem verbleibenden Rest der Exkursionsmeute feiern wir ein berauschendes Abschiedsdinner. Die lange Tafel ist mit so viel köstlich ausschauenden Speisen bedeckt, dass wir gar nicht alles probieren können. Wir gehen anschließenden in verschiedene (Tanz-)Bars und lassen den Abend mit unseren auf der Reise gehörten Liedern ausklingen, die wir uns wünschen dürfen.

    Tag 21, New Slang: Jerewan - Borjomi

    Am nächsten Morgen schlucken wir Müsli und Brote schnell hinunter, sodass wir pünktlich und zerknautscht um 09:00 Uhr auf den Stufen des Hostels sitzen und auf das Shared Taxi nach Tiflis warten, das uns das Hostel organisierte. Nur, es kommt und kommt kein Taxi und so haben wir noch Zeit, ein Hostel in Borjomi zu buchen, bis wir dann um 10:30 tatsächlich abgeholt werden. Auf der Rückbank zeigt uns eine slovakische Mitfahrerin Bilder aus ihrer Heimat.

    Die rasante Fahrt vergeht sehr schnell, auch da wir einmal von der Polizei angehalten werden, an unserem Lieblingssupermarkt nahe des Sewan-Sees mit Bäckerei halten und durch Dilijan fahren. An der Grenze zu Georgien wartet dann eine große Überraschung auf uns. Wir treffen unseren Reisebegleiter Gor dort, der bereits eine andere Reisegruppe unter seinen Fittichen hat. Wir freuen uns sehr über das Wiedersehen. Wie klein die Welt doch ist!: „The world is not small, it is just because I am everywhere.“ sagt er mit zur Hybris umschlagendem Selbstbewusstsein und hat damit die Lacher auf seiner Seite. Wir erzählen ihm von unserem Vorhaben im Borjomi-Nationalpark und er ist begeistert davon: „It’s easy, but beautiful!“

    Während unserer Unterhaltung haben es unser Taxi und die anderen Mitfahrenden bereits über die Grenze geschafft. Es fehlen nur noch wir. Man muss uns zu Gute halten, dass wir aus einer Generation stammen, in der man es nicht mehr gewohnt ist, auf dem Landweg geschlossene Grenzen zu überqueren. Jedenfalls liegt Momos Reisepass im Taxi bereits auf georgischer Seite, während wir noch in Armenien sind. In einer unübersichtlichen Situation kann ich passieren, krame ihn aus dem Rucksack und gebe ihn Momo, die dann auch einreisen darf. Wir von den anderen empörten Fahrgästen energisch und pantomimisch erklärt, wie wichtig es ist, den Reisepass immer bei sich zu führen, wobei uns die dabei verwendeten Gesten eher deutlich zu verstehen geben: Seid ihr eigentlich blöd, oder was?. Haha

    Wir haben keine Ahnung, wo wir in Tiflis ankommen. Gegenüber aber gibt es eine Metro-Station, in der wir zuerst Geld wechseln lassen und uns dann soweit orientieren können, dass wir nicht weit entfernt von der Metro-Station Dedube sind, von wo unsere Marshrutka nach Borjomi abfährt. In Dedube ist die Orientierung etwas kompliziert, da hier viele Marshrutkas stehen und in der Windschutzscheibe teilweise nur Schilder mit georgischen Schriftzeichen hängen. Schnell bekommen wir aber Hilfe von einem netten Mann und kurze Zeit später befinden wir uns auf dem Weg nach Borjomi.

    Nach kurzer Orientierungsphase in der Tourismusinformation machen wir uns auf zum Hostel. Das Problem: an der Hausnummer 15 ist gar kein Hostel. Nebenan werden Gästezimmer angeboten, aber die Frau, die uns die Tür öffnet, versteht kein Englisch. Ihr Sohn hilft aus und gemeinsam gehen wir wieder nebenan zur 15, wo uns eine Frau im pinken Bademantel öffnet. Nein, hier sei auch kein Hostel, aber sie habe ein Gästezimmer, in dem wir schlafen können. Wir sind ziemlich fertig von der heutigen Fahrt und wollen uns nur noch hinlegen. Es ist 20 Uhr. Wir speisen im Liegen im Bett und leeren unseren letzten Rotwein

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