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  1. Erfahren
    Avatar von Zwimon
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    AW: [NO/SE/FI] Kilpisjärvi - Innset im März 2017

    #21
    Mitreisende: Horst24
    Sehr coole Tour! Die Ecke interessiert mich sehr, da würde ich auch gerne mal im Winter hin! Ist ja nicht so die gängige gegen für Wintertouren, jedenfalls nicht für Leute aus unseren Breiten Von daher bin ich mal gespannt, wie es weiter geht!

    Hilsen Simon

  2. AW: [NO/SE/FI] Kilpisjärvi - Innset im März 2017

    #22
    Jetzt bin ich auch sehr gespannt was kommt!

    Top Zelt übrigens, wenn das innen etwas länger wär... aber vielleicht ist das neue Lofoten ja ne Alternative.

  3. Erfahren

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    AW: [NO/SE/FI] Kilpisjärvi - Innset im März 2017

    #23
    Zitat Zitat von Jo0ken Beitrag anzeigen
    Jetzt bin ich auch sehr gespannt was kommt!

    Top Zelt übrigens, wenn das innen etwas länger wär... aber vielleicht ist das neue Lofoten ja ne Alternative.

    Leider dauert es noch ein klein wenig mit der Fortsetzung, wir sind am Wochenende unterwegs.

    Mit dem Zelt sind wir wirklich außerordentlich zufrieden und (ohne zuviel vorwegzunehmen) seinen Härtetest hat das Zelt ja tatsächlich in am Folgetag unserer Tour bestanden.

    Das Lofoten ist auch nicht länger, meines Erachtens sogar noch ein klein wenig niedriger. Aber das Spitsbergen hat vorne und hinten senkrecht abfallende Wänder, das könnte für dich interessant sein. Für mich war unser Zelt, trotz der am Fußende schrägen Innenzeltwand allerdings vollkommen ok. Ich bin 1,80m groß.
    Viele Grüße aus Nürnberg.

    Horst

  4. Erfahren

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    AW: [NO/SE/FI] Kilpisjärvi - Innset im März 2017

    #24
    26. März 2017 Abwettern im Camp
    Ab Mitternacht ist es mit der Idylle vorbei. Bei unserer Schlittenhundetour vor einigen Jahren meinte ich etwas schmerzhaft zu unserem norwegischen Guide, daß es bestimmt interessant sei, einen ordentlichen Schneesturm auf Tour zu erleben. Er wurde darauf hin ziemlich sauer. Heute kann ich Jonny Gunnberg gut verstehen. Keine Ahnung, wie hoch die Windstärke bei uns war. Jedenfalls ist plötzlich ein Heidenlärm. Nachts um 2 gehe ich zum ersten Mal raus, um die Abspannleinen zu testen und Schnee von der Zeltwand wegzuschaufeln. Ansonsten sind wir überzeugt, daß unser Winterzelt das alles gut ab kann und schlafen erstmal aus. Beim nächsten Freischaufeln wird klar, daß es keine so schlaue Idee ist, die Schuhe vorne in der Apsis stehen zu lassen, denn sie sind jetzt voller Schnee, der durch die kurz geöffnete Tür reinweht. Die Frage, die uns bei den Pausentagen zuvor beschäftigte, nämlich, ob wir nicht doch loslaufen sollen, ist jedenfalls heute kein Thema.

    Dummerweise hat der Wind auch gedreht und bläst nun von Nordnordwest fast volle Breitseite auf die Längsseite des Zeltes. Das ist ärgerlich, weil InReach genau diese Windrichtung gemeldet hat, wir aber das Zelt gestern Abend natürlich nach der Windrichtung ausgerichtet haben, die zu diesem Zeitpunkt herrschte. Irgendwann wird auch der Toilettengang sehr ungemütlich und wir behelfen uns mir leeren Real Turmat Beuteln.

    Aufregung am Nachmittag: der Wind wird nochmal stärker und die mittlere zentrale Zeltstange biegt sich auf einmal ziemlich weit durch. Wir hatten die Ski und die guten Schneeheringe zum Abspannen der Zeltenden verwendet und die Abspannleinen in der Mitte nur mit den normalen dünnen V-Heringen gesichert. Genau einer dieser zentralen Heringe hat sich nun gelockert. Beim Check draußen stolpere ich über die Leine, die den großen Gestängebogen gleich an der Tür absichert und reiße diesen Hering auch noch raus. Mist. Um schnell auf Nummer Sicher zu gehen, schnappe ich mir eine unserer beiden Schaufeln, um die zentrale Zeltmitte abzuspannen. Den Gestängebogen an der Tür sichere ich mit einem Skistock. Kurzes banges Warten - aber alles scheint zu halten. Waren wir bis dahin felsenfest davon überzeugt, daß uns in unserem Zelt nichts passieren kann, kommt nun etwas Verunsicherung auf. Was, wenn sich erneut ein Hering lockert und wir das nicht mitkriegen? Wir stützen den mittleren Bogen zusätzlich mit einem Schaufelkonstrukt von innen ab und spielen Notfallszenarien eines Gestängebruchs durch.


    Sturm hin oder her - der Geburtstagsblumenstrauß darf nicht fehlen


    Irgendwann am Nachmittag geht der Sturm echt auf die Nerven. Vor allem, als der Wind erst ein wenig nachlässt,um dann umso vehementer wieder loszulegen. Auf der Innenseite des Reißverschlusses bildet sich eine kleine Schneeburg, irgendwie bläst der Wind sogar durch den Reißverschluss. Gott sei Dank hat das Zelt einen zweiten und also windabgewandten Ausgang. Gerade an dieser windabgewandten Seite der Zeltwand türmt sich aber um so mehr Schnee auf.
    Irgendwann ist es dann egal. Am besten ist Lesen oder Schlafen und alle zwei Stunden Schaufeln.
    Nach Mitternacht wird es ruhiger.


    27. März 2017 Camp Jerta - Havgahütte
    Morgens herrscht eine ganz eigenartige Nach-Sturmstimmung. Es ist viel heller, teilweise blauer Himmel, aber noch immer sehr neblig, wenngleich sich schwach Konturen der Berge erkennen lassen. Am wichtigsten: der Wind hat deutlich nachgelassen. Wir sehen zu, daß wir gleich nach dem Frühstück loskommen. Das Ausbuddeln der Heringe geht schneller als gedacht.


    An der windabgewandten Seite liegt seltsamerweise mehr Schnee als gegenüber


    Diese Seite war eigentlich voll im Wind




    Zuerst queren wir die Ebene Jierttavuoppmi, anschließend beginnt der Aufstieg entlang der Westseite des Jerta. Natürlich entdecken wir etliche Stellen, die vermeintlich viel besser und weil windgeschützter als Zeltplatz geeignet gewesen wären. Trotz des 24-stündigen Schneefalls liegt nicht viel Neuschnee, scheinbar hat es alles durchgepustet. Langsam aber sicher wird es immer heller. Trotz des Nebels ist die Sicht gut. Auf der Hochebene des Julosvaggi erkennen wir am Horizont zwei Gestalten, die uns kräftigen und schnellen Schrittes entgegenkommen. Offenbar mit größeren Pulkas im Schlepptau. Wir vermuten kräftige Norweger. die den Sturm irgendwo abgewettert haben. Beim Näherkommen dann die große Überraschung: statt der erwarteten Haudegen begegnen uns zwei hübsche junge Schwedinnen, lächelnd, mit den begrüßenden Worten: "what a beautiful day, today…".. Dann der Hammer. Die Tour der beiden: Von Sulitjelma nach Kautokeino. 2 Monate auf Tour. Puh.
    Vorgestern sind die beiden am Morgen noch von der Havgahütte losgelaufen, mußten kurze Zeit später aber wegen des Windes abbrechen und ihr Zelt aufbauen. Immerhin.


    So schlecht war die Sicht in Wirklichkeit gar nicht






    Aufstieg zum Julosvaggi


    Wir marschieren über das lange und flache Hochtal Julosvaggi, ein optimales Pulkagelände, sehen einige hundert Meter weiter rechts im Nebel noch eine weitere Gruppe Skifahrer, die sicher von den Dividalhütten kommen und müssen dann eine grundsätzliche Entscheidung hinsichtlich des Weiterweges treffen. Den Slot, links abzubiegen und den BergJulosvarri im Uhrzeigersinn zu umfahren, haben wir bereits verpasst. Bevor das Tal Julosvaggi ins Dividalen abfällt, gräbt sich der Fluß Julosjahka tief ins Gelände ein und wir haben die Wahl, entweder auf der linken oder rechten Talseite abzufahren. Viel schlauer ist natürlich die linke südlicheTalseite, weil wir auf diese Weise einen Teil des Weges zur Hütte im leichteren Gelände oberhalb der Baumgrenze abkürzen könnten. Warum auch immer folgen wir aber der vermeintlich bequemeren Abfahrt, scheuen den kleinen Gegenanstieg und dann ist es zu spät. Wir stehen vor der finalen Abfahrt ins Dividalen. Links von uns ist ein kleiner, steil abfallender Canyon, die Querung auf die Südseite ist also zu passé. Angesichts des überwältigenden Ausblicks über das weite Dividal ist uns das aber zunächst egal. Mittlerweile scheint die Sonne und unterhalb liegt das riesige bewaldete Tal. Gegenüber sehen wir das Galggotal, durch das wir morgen aufsteigen wollen. Super.


    Blick aufs Dividalen




    Die Abfahrt durch den lichten Birkenwald ist einfach und um halb 3 stehen wir im Tal. Zur Hütte sind es noch gut 5 Kilometer. Es werden die härtesten 5 Kilometer der Tour.

    Nach den Schneefällen der letzten Tage ist weit und breit keine Spur zu sehen. Der Schnee ist dafür umso tiefer und durch die warmen Temperaturen so richtig schwer. Das Gelände ist ohne Ende hügelig und es ergibt sich irgendwie keine schlüssige Route.
    Also starten wir mit dem beschwerlichen Gestapfe nach Süden, in Richtung Hütte. Als erstes ist aber noch den Fluß Julosjahka zu queren und nach wenigen Metern stehen wir kurz vor einer ersten Geländekante. Offenbar der Einschnitt des Flussbettes. Um es zu umgehen, gehen wir ein wenig weiter ins Tal hinab, in der Hoffnung, daß der Übergang dort ein wenig flacher wird, aber das ist ein Trugschluss, das Gelände wird immer zerklüfteter. Also wieder zurück. Weggewinn in dieser ersten Stunde knapp 500 Meter. Wolken ziehen auf, es beginnt zu schneien. Ich schimpfe erst Mal wie ein Rohrspatz. Hilft aber nichts. Es ist klar, auf einem bequemen Weg werden wir also nicht weiterkommen. Dann also rustikal. Elli schnallt die Pulka ab und rutscht eine Wächte ins Flussbett hinab. Ich lasse die beiden Schlitten hinab und rutsche hinterher, dann geht's weiter. Der Aufstieg aus dem Flussbett ist glücklicherweise moderater und weniger steil. Es folgen noch zwei weitere solche Taleinschnitte, die genau nach dem gleichen Procedere ablaufen. Dann beginnt endlich eine flache, weniger bewachsene, im Sommer sicher sumpfige Ebene auf der wir wieder Zeit gut machen. Bei Anbruch der Dämmerung kommen wir schließlich in Havga an.

    Die Havgahütte ist dafür die gemütlichste Hütte unserer Tour. ein kleiner Teil dieser Hütte ist quasi als Schutzhütte geöffnet. Zwei Betten, ein Tisch und der obligatorische Holzofen. Supergemütlich. Wir hauen gleich ein erstes warmes Essen rein und legen uns dann auf eine der Pritschen zum Ausruhen, bevor wir zu Abend essen.


    Geschafft - endlich an der Havgahütte





    Geändert von Horst24 (04.05.2017 um 06:54 Uhr)

  5. Erfahren

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    AW: [NO/SE/FI] Kilpisjärvi - Innset im März 2017

    #25
    28. März Havgahütte - Vuomahütte
    Schade, daß wir nicht mehr Zeit in dieser knuffigen Hütte verbringen. Gestern auf der Julosvaggi Hochebene haben wir aus der Ferne einen Vielfraß gesehen. Gerade für Tierbeobachtungen ist das Dividalen ja auch berühmt. Am Morgen bin ich ziemlich kaputt, der gestrige Nachmittag hängt in den Knochen. Für die heutige Querung des Tals legen wir uns eine genaue Strategie zurecht. In einem kleinen Südbogen wollen wir auf die Westseite des Dividalen laufen und das klappt auch gut. Immer wieder ergeben sich in unserer Marschrichtung schlüssige Ebenen, auf denen wir gut vorankommen. Erst auf Höhe des Flusses wird das Gelände unübersichtlicher. Diesmal gehe ich ohne Pulka auskundschaften und tatsächlich ergibt sich ein wunderbarer Übergang. Selbst ein Gegenanstieg auf der gegenüberliegenden Seite läßt sich einfach umgehen. Wir stoßen auf eine Rentierherde.


    Start von der Havgahütte


    Kniffliger Gegenanstieg…….


    ………der sich dann doch leicht umgehen läßt.


    Einmal wird das Gelände noch steiler und der Schnee etwas tiefer, aber mit den mittlerweile montierten Fellen ist das kein Problem. Langsam verlassen wir das bewaldete Gebiet und prompt wird der Untergrund wieder eisenhart. Der Wind hat hier den ganzen Schnee abgeblasen bzw. festgebacken. Die Landschaft wirkt surreal mit einzeln stehenden Baumstümpfen, die wie abgestorben im eisig-glänzenden Schnee stecken. Kaum ist das Gelände ein wenig exponierter, legt der auch Wind ganz erheblich an Stärke zu. Zur ersten Pause nutzen wir einen Stein als Windschutz.


    Willkommener Windschutz


    Eigenartige Landschaft




    Dann biegen wir ins Galggotal ein. Der Aufstieg ist so moderat, daß wir entscheiden, die Felle runter zu tun. Das war aber keine gute Idee. Es ist zwar nicht steil, aber der Wind, der mittlerweile genau von vorne kommt, ist so stark, daß es ohne Felle nur mit enormem Stockeinsatz überhaupt vorangeht. Nach 500 Metern basteln wir die Felle also wieder hin. Mitten in diesem Wechselvorgang steht plötzlich eine zehnköpfige Gruppe Skifahrer vor uns. Eine Tourengruppe des DNT Oslo. Viel Geflachse und kurzer Infoaustausch. Wegen des stürmischen Wetters hat de Gruppe ihren Startpunkt von Abisko auf den Altevatn verschoben, jetzt sind sie auf dem Weg zur Dividalhütte und freuen sich über den Dauerrückenwind für sie auf dieser Etappe. Uns wird klar, daß Gegenwind für uns also zumindest übers Galggotal eher noch zunehmen wird. Auf der Paßhöhe stellen wir die Pulkas aufeinender und basteln uns einen Pausen-Windschutz. Für die Abfahrt machen wir ein zweites Mal die Felle runter, nur um erneut wenige Meter später festzustellen, daß das nichts bringt, zumal bei der Abfahrt auch noch ein paar kurze Gegenanstiege auftauchen. Blöderweise wird es neblig und leichter Schneefall setzt ein. Die Spuren der Zehnergruppe lotsen uns aber ganz gut durch das zum Teil unübersichtliche Gelände.

    Plötzlich reißt es auf, rechts ist nochmal das Dividalen in seiner ganzen Weite zu erkennen und vor uns liegt das breite Tal in der Sonne, dem wir nach links (Westen) in leichtem Anstieg bis zum Vuomasee und den Hütten folgen wollen. Und noch besser: der Wind läßt fast ganz nach, je weiter wir ins Tal hinabkommen. Dritter Versuch, ohne Felle zu laufen. Diesmal wars die richtige Entscheidung. Bei prima Nachmittagslicht laufen wir gemütlich die letzten Kilometer zu den Vuomahütten.


    Gut, daß die Spuren der norwegischen Gruppe trotz des Windes gut erkennbar bleiben


    Es reißt auf und rechter Hand taucht das Dividalen auf


    Dritter Fellwechselversuch - hinten das Galggotal


    Aller guten Dinge sind drei - es klappt auch ohne Felle



    Aus der Ferne sehen wir schon die neue Hütte, die aber noch im Bau ist. Die Inneneinrichtung fehlt noch, samt Ofen. Die neuere der beiden Kleien Vuomahütten ist mit zwei Gruppen rappelvoll. Wir beziehen also die alte Hütte, die vermutlich bald dem Neubau weichen wird. Abends kriegen wir noch Besuch von zwei Norwegern, die in der anderen Hütte sind und uns einen Eimer Quellwasser vorbeibringen, plus einigen nicht unwichtigen Tips für die kommenden Etappen.








  6. Lebt im Forum
    Avatar von Fjaellraev
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    AW: [NO/SE/FI] Kilpisjärvi - Innset im März 2017

    #26
    Der Bericht weckt eine mehrfache Sehnsucht in mir.
    Einerseits natürlich nach dem dieses Jahr verpassten skandinavischen Winter und andererseits nach der Havgahytta und ihrer Umgebung - da will ich auch unbedingt mal wieder hin (aber ob es schon 2019 so weit ist???).
    Den Querweg nach Vuoma habe ich auf der Karte natürlich auch angeschaut gehabt, im Sommer wäre es bei mir aber wohl eher das südlichere "Doarrovaggi" geworden - aber ich hatte ja eine Verabredung in der Dividalshytta

    Bei den Fellen gehöre ich zur faulen Sorte, entweder sind sie den ganzen Tag drauf oder eben nicht, im Falle eines Falles würde ich sie aber natürlich auch unterwegs montieren . Unterwegs demontiert habe ich sie soweit ich mich erinnere nie, ab und zu war ich um ihre Bremswirkung auf der Abfahrt durchaus froh und in der Ebene macht es bei meiner (nicht vorhandenen) Technik auch keinen sehr grossen Unterschied...

    Gruss
    Henning
    Es gibt kein schlechtes Wetter,
    nur unpassende Kleidung.

  7. Erfahren

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    AW: [NO/SE/FI] Kilpisjärvi - Innset im März 2017

    #27
    Zitat Zitat von Fjaellraev Beitrag anzeigen
    ---------
    Gruss
    Henning

    Hallo Henning,

    Erstmal vielen Dank für den netten Kommentar, das freut mich, wenn der Bericht etwas Begeisterung für diese schöne Ecke als Wintertourenrevier geweckt hat.

    Was die Felle angeht, sind wir in der Tat ungeduldige Gesellen, Elli noch mehr als ich, vor allem bei leichten Abfahrten müssen die Dinger weg.
    Interessant ist, dass du die Skitechnik gerade beim Gehen mit Pulka ansprichst. Wir haben darüber lange diskutiert während der Tour. Ich habe nämlich aus alter Skitourentradition in den Alpen die Angewohnheit, sehr lange Schritte zu machen. Ski immer auf es Schnee, das ist klar. Wir haben nun aber etliche Norweger getroffen, die eher schnelle kurze Schritte gemacht haben. Elli stellte die These auf, dass sich die Pulka so ruckelfreier ziehen lassen könne. Ich bin mit dieser Methode gar nicht zurecht gekommen.

    Das Duarrotal war übrigens in unserer Routenplanung zuhause auch erste Wahl für,den Übergang nach Vuoma. Da war aber keine Reservetage mehr hatten, haben wir diese lange Etappe dann gecancelt, zumal das Galggotal ebenso attraktiv erschien. Bei dem Gegenwind an dem Tag (und angesichts der Strapazen der Etappe am Vortag) war die kürzere Galggovariante aber definitiv das einzig sinnvolle.

    Und, ja, Havga,ist echt klasse.

    Viele Grüße
    Horst


    P.S.
    Sehr interessanter Link.

  8. Erfahren

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    AW: [NO/SE/FI] Kilpisjärvi - Innset im März 2017

    #28
    29. März 2017 Vuomahütte - Gaskashütte
    Die alte Vuomahütte (später erfahren wir, daß die örtlichen Jäger und Angler am liebsten in die alte Hütte gehen) zeigt deutliche Spuren des Sturms von vorgestern, an den Ritzen einiger Fenster haben sich kunstvolle Schneeformationen gebildet.

    Am Morgen gibts wieder Porridge, mit Zimt (Elli) bzw. Schokolade (ich). Wetter: leichter Wind, irgendwie neblig, aber wir verlassen uns darauf, daß das Wetter wie an den letzten beiden Tagen im Laufe des Tages besser wird oder zumindest nicht komplett abschmiert.
    Heute ist eine der Königsetappen. Immerhin erreichen wir heute den höchsten Punkt der Tour. Der ältere der beiden Norweger hat uns gestern Abend darauf hingewiesen, am Paßübergang nicht gleich der Sommerroute folgend ins Gaskasvaggi abzufahren, sondern am Paß noch ein wenig aufzusteigen und eine ganze Weile auf einer Höhe von gut 1.000 Metern an der Südflankendes Coalbmoaivi entlangzufahren und eben keinesfalls zu früh ins Tal abzufahren. Diesen Verlauf hatten wir aber ohnehin vorgesehen, die Norweger aus Stavanger hatten dies genauso in unsere Karte eingezeichnet.






    Los geht's. Elli marschiert voraus. Es ist die ganze Zeit ein recht diffuses Licht, jedoch gute Sicht und eine richtig spannende Atmosphäre. Mittlerweile sind wir gut eingelaufen und kommen auf dem hartgefrorenen Schnee recht zügig voran. Die Felle haben wir wegen des Anstieges nach etwa 3 Kilometern gleich dranmontiert, Die Orientierung ist leicht, alle markanten Berge sind gut sichtbar. Dennoch herrscht eine eigenartige Stimmung, weil die Sicht eben nur gerade so gut und der Wind einigermaßen akzeptabel ist. Wir erinnern uns noch gut daran, daß Jonny Gunnberg bei unserer Hundeschlittentour nicht in Vuoma übernachten wollte, sondern das gute Wetter genutzt hat, um schleunigst ins Dividalen abzufahren.














    Letztes Bild vor dem Paß und dem White Out

    Am späten Vormittag stehen wir vor dem finalen Schlußanstieg zum Paß. Es geht nochmal steil hoch. Oben markiert ein riesiger Steinhaufen die Paßhöhe. Und genau ab hier ist es mit der einigermaßen akzeptablen Sicht vorbei. Es zieht völlig zu. White Out erster Güte. Klasse. Ausgerechnet hier. Pausieren und Abzuwarten macht an dieser exponierten Stelle keinen Sinn. Also Navigation mit dem GPS. Trotz mittlerweile fast null Sicht geht das erstaunlich gut. Es geht ja glücklicherweise immer in eine Richtung nach Westen.
    Unsere Taktik: ich gehe voraus. Elligeht mit etwas Abstand hinter mir und gibt mir ein Signal, wenn ich eine leichte Kurve laufe und von unserer sturen Westroute abweiche. Irgendwann fange ich an Schritte zu zählen und schaue nach 250 Schritten zur Kontrolle aufs eTrex. Das klappt tatsächlich gut, bis auf einen Schlenker halten wir ganz gut Kurs. Sporadisch beginnt die Sonne durchzuschimmern und ist eine gute Orientierungshilfe. Jeder Stein, der aus dem Schnee rausragt sowieso. Nach einer Dreiviertelstunde relativem Blindflug (mittlerweile laufen wir seit einiger Zeit auf der Sollhöhe von etwa 1.050 Höhenmetern) wird es endlich heller. Die Berge auf der gegenüberliegenden Talseite schälen sich schemenhaft aus dem Dunst heraus. Durch die Karte und die Erinnerung an unsere Sommertour vor einigen Jahren haben wir eine ungefähre Vorstellung, wo wir rumlaufen. Endlich sehen wir etwas von dieser grandiosen Bergwelt. Dann geht es. zunächst langsam, dann stetiger bergab. Sicherheitshalber lassen wir auch bei der Abfahrt die Felle dran, was angesichts des schweren Schnees wohl eine übertriebene Vorsichtsmaßnahme ist.

    Schließlich sind wir wieder auf Höhe der Sommerroute des Nordkalottledens. Gerade als ich überlege, nun doch die Felle abzumontieren, erwartet uns ein Gegenanstieg, der die Entscheidung abnimmt. Ich checke die Route im GPS, ziehe dazu den Handschuh aus, es ist nicht sonderlich kalt, halte also das eTrax in der einen Hand, die Stöcke unter den anderen Arm geklemmt, dazu den Handschuh im Mund, als ich plötzlich Fahrt aufnehme. Es geht steil bergab. Kurz habe ich Hoffnung, das ganze ausbalancieren zu können. Aber keine Chance. Der Sturz ist unvermeidlich. Ich manage es gerade noch, das GPS Gerät beim Sturz in die Höhe zu halten, dann liege ich im schweren Schnee. Ich rufe Elli zu Hilfe, damit sie mir zumindest das eTrex abnimmt, rege mich auf, warum sie nicht schneller kommt. Dann wird das Malheur klarer. Ich bin eine kleine Wächte runtergesaust. Das Ding war nicht zu erkennen in diesem diffusen Licht. Schlussendlich geht alles gut, aber es dauert eine ganze Weile bis ich mich aus dem Schnee befreit habe und wieder alles geordnet ist.

    Die restliche Strecke nach Gaskas führt angenehm leicht bergab durch wunderschöne Winterlandschaft in anfangs noch lichtem Wald. Eine Gelegenheit, frühzeitig auf die andere Talseite wechseln, nehmen wir nicht wahr. Dann stoßen wir auf die Sommerbrücke. Mit der Pulka im Schlepptau ist die Abfahrt zur Brücke im steilen Hang knifflig und auch noch völlig vergebens, weil die Brücke gerade an der gegenüberliegenden Tagseite dermaßen zugeschneit ist, daß wir erst mal eine ganze Weile zu schaufeln hätten, um hier weiterzukommen. Das ist aber kein großes Drama, denn wenige Meter flussabwärts kommen wir ganz leicht rüber. Ein kurzer Gegenanstieg und wir stehen bei den Gaskas-Hütten.


    Endlich wieder Sicht










    Downhill zur Brücke

    Wir sind überglücklich. Hier war vor einigen Jahren der Ausgangspunkt dieser Reise, als uns der Chef der norwegischen Gruppe seine Route der Tour in unsere Karte eingezeichnet hat. Auch wenn es zeitlichtheoretisch machbar ist, bis Abisko durchzulaufen und am Samstag (heute ist Donnerstag) den Nachmittagszug nach Stockholm zu erwischen, beschließen wir, die Tour morgen in Innset zu beenden. Das Wetter ist so wechselhaft und die letzten Tage waren ziemlich anstrengend. Außerdem lockt natürlich die Huskyfarm. Es gibt noch eine kleine Irritation als Elli dreimal die falsche PIN in ihr Telefon eingibt und damit das Teil sperrt, aber wir haben ja noch das InReach, um Regina auf der Huskyfarm Bescheid zu geben.






    Am Abend bekommen wir noch Besuch von einem norwegischen Eisfischer, der seinen Aufstieg zur Vuomahütte wegen der miserablen Sicht heute Morgen verschoben hat. Und dies, obwohl er schon öfters dort war und den Weg eigentlich kennt, diesmal aber kein Risiko eingehen will, weil er alleine unterwegs ist.

  9. AW: [NO/SE/FI] Kilpisjärvi - Innset im März 2017

    #29
    Super Bilder. Ich erinnere mich daran, dass wir ein bisschen rumgesucht haben bis wir den Weg zur Gaskas-Hütte gefunden haben, obwohl man gefühlt schon direkt davor stand. Hätte wohl auch so gehandelt und wäre nicht weiter nach Abisko. Man weiß nie was passiert. Die Strecke über den Torneträsk kann bei Wind auch unschön werden.

    Beste Grüße

  10. Erfahren

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    AW: [NO/SE/FI] Kilpisjärvi - Innset im März 2017

    #30
    @Jo0ken: Dankeschön. Dein toller Bericht gab sicher auch nochmal einen Anstoß für unsere Reise. Warst du eigentlich zwischenzeitlich wieder im Winter unterwegs?

  11. Erfahren

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    AW: [NO/SE/FI] Kilpisjärvi - Innset im März 2017

    #31
    30. März Gaskashütte - Innset
    So starten wir also sehr gemütlich zu unserer letzten Etappe. Das leichte Schneetreiben, auch in der Nacht hat es einige Zentimeter Neuschnee gegeben, und die miese Sicht in Richtung Krokdalen, lassen erst gar keine Zweifel aufkommen,ob ein Weitermarsch nach Abisko nicht doch eine Option ist. Die Strecke entlang zum Altevatn und dann entlang des Nordufers ist noch einigermaßen vertraut und richtig verlaufen kann manisch hier auch kaum. Dennoch sind es bis Innset 16 Kilometer. Un die ziehen sich dann ganz schön hin. An den Ferienhäusern des Altevatn ist die Zivilisation nach fast 14 Tagen im Gebirge wieder erreicht. Schneemobil-Tracks sind eine willkommene Erleichterung gegenüber dem Spuren im tiefen und schweren Schnee. Am frühen Nachmittag kommt die Sonne heraus. Prima. So kommen wir nochmal in den Genuß des Bergpanoramas um den Altevatn.


    Leichter Schneefall zum Abmarsch




    Soviel Schnee waren wir bisher gar nicht gewohnt








    Aber kein Tag ohne spezielle Herausforderung. Kurz vor dem Erreichen des Seeendes stehen wir vor der Wahl, risikolos entlang der Sraße bin zur Huskyfarm abzufahren, oder zunächst auf der anderen Flußsseite einen Weg durchs Gelände zu finden. Björn Klauet und sein Team hatte dort einen Weg für seine Hunde angelegt und vor der Farm eine Brücke gebaut, so daß man bequem vor seiner Farm die Flußseite wechseln kann. Gutgelaunt entscheiden wir uns für die letztere Variante, was sich allerdings bereits nach wenigen Metern als keine so gute Entscheidung herausstellt. Nach dem vielen Neuschnee der letzten Tage ist das Spuren im schweren Schnee derart beschwerlich, daß wir kurzerhand die Reißleine ziehen und umdrehen.

    Also zurück zum Damm, hinüber, Felle drauf und die letzten Kilometer die Straße hinab.

    Auf der Huskyfarm geht unsere Reise zu Ende. Wir freuen uns, Regina und die Hunde weiterzusehen. Björn ist mit den meisten Husky unterwegs auf einer langen Tour.
    Am nächsten Tag lassen wir die Reise ausklingen, Elli mit Tagebuchschreiben und Lesen. Ich mache noch eine kleine Tagestour. Am folgenden Samstagmorgen fährt uns Regina (gemeinsam mit einer tschechischen Gruppe, die gestern Abend von der Altvasshütte angerufen hatte) nach Setermoen. Dort nehmen wir (nach Proviantnachkauf für die Heimreise) den Bus zum Bahnhof nach Narvik, wo wir wenig später in den Zug für die lange Reise nach Stockholm steigen. 18 Stunden Fahrt. Aber das ist im Nachtzug kein Problem. Und der erste Teil der Fahrt geht durch spektakuläre Landschaft, wo eh keine Langeweile aufkommt. In den Wintersportgebieten an der norwegisch-schwedischen Grenze werden uns zum ersten Mal die Schneemassen der letzten Tage bewußt, die wir während der Tour gar nicht so wahrgenommen haben. Spannend ist es dann auch in Kiruna, wo viele Tourengeher zusteigen.

    Der Zug hält früh pünktlich in Stockholm Arlanda und wir fliegen wieder zurück nach Frankfurt.










    Unser Zug




    Fazit
    Es war eine eindrucksvolle Reise, trotz, oder vielleicht gerade weil es doch einige Hürden zu überwinden gab und auch wettermäßig wirklich alles geboten war. Wir sind jedenfalls schon wieder am Planen, Nachdenken und Tüfteln für die nächste Wintertour. Das Wintertourfieber hat uns sicher gepackt. Der erste Gedanke ist, im Narvikfjäll die Tour quasi fortzusetzen……mal sehen, wo wir landen werden.
    Geändert von Horst24 (29.05.2017 um 15:20 Uhr)

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