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    [FR] In 45 Tagen bergauf bergab vom Atlantik zum Mittelmeer- der Pyrenäenweg GR

    #1
    Mitreisende: FatmaG
    Land: Frankreich
    Reisezeit: 28. Juni – 11. August 2016
    Region: Pyrenäen, Südwesten Frankreichs

    Startpunkt: Hendaye
    Endpunkt: Banyuls-sur-mer

    Wandertage: 45
    Kilometer: ca 800

    Womit das alles begann?
    In einem Sommerurlaub im französischen Baskenland vor mehr als 15 Jahren - vor einer halben Ewigkeit und fast in einem anderen Leben - bemerkte ich zum ersten Mal ein weiß-rotes Zeichen winzigklein am Wegesrand. Nichtsahnend befragte ich meinen Reisebegleiter nach der Bedeutung.
    «Ein Fernwanderweg». Dass es sich um den GR10 handelte, fand ich sofort neugierig heraus – ein Blick in den französischen Autoatlas auf meinen Knien genügte. Aha, ein Wanderweg vom Atlantik zum Mittelmeer? «Oder umgekehrt». Wahnsinn!



    „GR10“

    Viele Jahre, Stunden und Sekunden später bin ich nun auf diesem «GR10» unterwegs.
    Begonnen habe ich das Wandern übers Pilgern. Wer kennt das nicht? Fragen an das Leben, den Beruf, die Zukunft haben, und die richtigen Antworten von irgendwoher erhoffen...
    Das Pilgern hat mir definitiv Antworten gegeben, wenn auch auf Fragen, die ich mir nicht unbedingt stellte. Und es hat in mir vor allem die Lust und die Sehnsucht nach dem Zufuss-Unterwegs-Sein geweckt und gestärkt, mir Zuvertrauen gegeben fürs alleine wandern (ich habe immer alle Ziele erreicht, und – anfangs - sogar ohne Handy, Landkarte oder Kompass unterwegs in manchmal einsamen Gegenden mit mehr als dürftigen Wegmarkierungen) und meinen Blick auf diese wunderbare Erde, die wir «beleben» dürfen, gerichtet.
    Der GR10 also. Der letzte meiner begangenen Fernwanderwege. Der definitiv zeitumfassendste und anstrengendste aller bisherigen Wanderwege. Der, auf den ich lange schon hinstrebte, den ich mehrfach verschieben musste. Da ist er!


    Für diejenigen, die nicht jeden Etappentag detailliert mitlesen wollen: Eine Zusammenfassung steht am Ende des Berichts. Nur zu, bitte „scrollen“...


    Für Geduldige, Neugierige oder solche, die den Weg selber ins Auge gefasst haben:


    Am Montag schon bin ich von Brüssel nach Hendaye angereist. Ich mag Hendaye. Mehrfach bin ich schon dort gewesen, mehrfach war es Start oder Ziel einer Wanderreise.
    Der Weg vom Bahnhof zum Hotel am Strand, das ich vorsorglich vorreserviert hatte, zieht sich dahin, jedoch nicht unangenehm. Es ist früher Abend, das Wetter ist freundlich. Vor mir laufen zwei junge Frauen. Sie sprechen Englisch miteinander und, ehrlich gesagt, ihre Rucksäcke sehen ganz schön schwer aus.
    Dann das übliche. Einchecken. Einkehren. Das Meer betrachten. Große Vorfreude. Und Ungewissheit, wie es wird, ob es wird, ob der Körper mitspielt etcetera.
    Der Rucksack ist übersichtlich. Ca 6,3 Kilogramm Grundausstattung, darin alles enthalten, was ich in den nächsten Wochen brauche.
    Die körperliche Fitness lässt zu Wünschen übrig. Selten war ein Jahr so vollgepackt mit Arbeit, so dass alles andere hintenan stand.



    Der Strand von Hendaye bei Sonnenaufgang


    28.6. - 1. Tag: Von Hendaye nach Olhette (20,5 km)

    Früh und guter Dinge werde ich wach. Und da ich ein Zimmer ohne Frühstück gebucht habe (warum isst man in Hotels oft erst so spät?), kann ich gleich losziehen. Den langen Weg am Strand entlang, quer durch die Vororte der Stadt Richtung Natur und Berge.
    Kurz hinter der Stadt zieht der erste Wanderer mit Rucksack an mir vorbei, eine Frau mit zwei Hunden kommt uns entgegen. Sie ruft nach weiteren Vierbeinern, die ihr (und mir) freudestrahlend entgegenhecheln. Wir kommen ins Gespräch und irgendwann erlaubt sie sich, mir dann alle Ängste und Bedenken mitzuteilen, als Frau alleine unterwegs zu sein. Schließlich sei es ja schon riskant, eine frei grasende Kuhherde zu durchqueren, da habe es ja schon Unfälle gegeben...
    Auch ganz schön, wieder alleine unterwegs zu sein...
    Und bis auf einen bellenden Hund auch keine weiteren Gefahren in Verzug.
    Biriatou ist das erste baskische Dorf auf meinem Weg und dort lege ich die Frühstückspause gleich auf einer Parkbank gegenüber der Kirche ein. Leider ist das Dorfcafé noch nicht geöffnet. Dafür aber die kleine, typisch baskische Kirche mit ihren Holzbalkonen auf drei Ebenen.



    Biriatou


    Nach Biriatou geht’s dann erst mal steil hinauf – naja, was ich zu dem Zeitpunkt meiner Wanderung noch als „steil hinauf“ bezeichne (der erste Kamm liegt auf läppischen 486 Metern). Und den ersten Kaffee des Tages genieße ich am Col d'Ibardin, der Grenze zu Spanien mit ihren zahlreichen „Ventas“, den Grenzläden und -gaststätten. Später macht der Weg sogar einen regulären Schlenker nach Spanien rein, bevor es definitiv wieder Richtung Frankreich und Olhette geht, wo ich meine erste Nacht verbringen werde. Obwohl ich nicht vorreserviert habe, bekomme ich ein eigenes Zimmer in dem französischen Wandergîte. Noch kommen dort an im weiteren Verlauf des Nachmittags: ein junger Schweizer aus der entgegengesetzten Richtung sowie zwei Französinnen ebenfalls dorther, eine etwas ältere Frau ohne genaue Pläne, ebenfalls aus der französischsprachigen Schweiz.



    29.6. - 2. Tag: Von Olhette nach Aïnhoa (22,8 km)

    Ein angenehmer Wandertag, nicht zu warm, nicht zu kalt. Die „Rhune“ im Blick und hin und wieder ihre Zahnradbahn, die den Berg hinauf- und wieder hinunterschnurrt. Heute steigt der Wanderweg bis auf 563 Meter am Col des Trois-Fontaines – immer noch nur ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen wird..



    Blick auf die „Rhune“



    Die Zahnradbahn

    Unterwegs treffe ich zunächst auf zwei Damen, nicht mehr so ganz jung, die nachts spontan unterwegs gezeltet haben, da sie es nicht mehr bis zum Gîte schafften. Der GR10 gestaltet sich definitiv als weiblich! Frau traut sich! Sehr schön!
    Und da sind natürlich die morgendlichen Bergjogger, die ich ewig bewundern werde. Joggend, Schwätzchen haltend bergauf und wieder bergab... Hier oben an der Rhune gestaltet sich die Natur etwas schroffer, bevor es wieder hinab ins adrette Dorf Sare (und zum zweiten Frühstück auf dem Dorfplatz) geht.



    Der Dorfplatz von Sare


    Nach der kurzen Pause und ein paar Einkäufen geht es weiter durch das liebliche Baskenland, das sich leicht hügelig dahinzieht. Später folgt der Weg der Grenzlinie zu Spanien, (dort sehe ich die beiden englischsprachigen jungen Frauen auch kurz wieder, sie rasten), bevor er definitiv wieder Richtung Frankreich geht. In Aïnhoa quartiere ich mich im Gîte (beim Camping) ein und bin sehr erstaunt, den 20-Personen-Schlafsaal für mich alleine zu behalten. Der Abend wird kulinarisch! Das einzige geöffnete Lokal ist etwas schicker, mit einer Gault-Millau-Auszeichnung versehen, ich komme mir in meiner (immerhin noch recht sauberen und nicht übelriechenden) Trekkingkleidung jedoch etwas fehl am Platze vor zwischen all den schick gekleideten Menschen; und dennoch ärgert es mich etwas, dass ich als Alleinreisende mal wieder einen „Abstelltisch“ mit Rücken zur illustren Runde serviert bekomme... Tsss...



    Blick zurück auf Aïnhoa


    30.6. - 3. Tag: Von Aïnhoa nach Bidarray (20,8 km)

    Auch heute ist das Wetter recht gut, klare Sicht, frische Luft...
    Direkt nach der Ortschaft geht es bergauf dem „Kreuzweg“ entlang. Auf der (ersten) Kuppel des Tages – die drei riesigen Kreuze oben blicken mir schon den ganzen Aufstieg lang entgegen - möchte ich gerne meine Frühstücksrast einlegen, da ich auch diesmal morgens ohne Frühstück losgezogen bin. Jedoch oben angekommen stelle ich fest, dass unter den Kreuzen ein Zelt steht. Die Wäsche baumelt fröhlich zwischen den alten Grabsteinen im Wind. Der (oder die) Bewohner(in) ist nicht zu sehen, ich möchte nicht stören (und nicht gestört werden). Also gehe ich weiter und frühstücke später auf einem Felsbrocken. Auch gut.



    Kreuze mit Zelt


    Die Aussichten sind jetzt schon toll, wenn auch noch auf bescheidener Höhe. Das Bergauf macht mir heute sehr zu schaffen. Es sind wieder viele Morgensportler unterwegs, alle mit leichtem Gepäck, das ich neidisch betrachte... Eine etwas ältere Dame überholt mich leichten Fußes und wünscht mir guten Morgen, während ich angestrengt den „Berg“ hochkeuche. Später (eine gefühlte Ewigkeit lang und mehrere Kilometer weiter) begegnet sie mir wieder aus der entgegengesetzten Richtung. „Bon courage“, Viel Mut, wünscht sie mir. Vermutlich denkt sie, „die schafft das nie“. Kein Wunder, das würde auch ich denken, wenn ich mir an dem Morgen begegnen würde...
    Allmählich komme ich „in Fahrt“ (kein Wunder, es geht auf gleicher Höhe weiter) und genieße den Tag. Der Wanderweg stößt bei der „Ferme Esteben“ wieder an die französisch-spanische Grenze und folgt ihr ein paar Kilometer lang, bevor es dann landeinwärts sehr steil hinab nach Bidarray geht. Vorsicht ist geboten!



    „Danger falaises!“

    Auf dem Platz neben der Kirche ist ein kleines charmantes Hotel. Und da der einzige Laden schon geschlossen ist, fällt mir die Entscheidung für das Hotel (und gesicherte Nahrungsaufnahme) umso leichter...



    Kleines, charmantes Hotel in Bidarray


    1.7. - 4. Tag: Von Bidarray nach Saint-Etienne-de-Baïgorry (16,2 km)

    Heute, so las ich, soll ich auf einer ersten wirklichen „GR10-Etappe“ unterwegs sein, auf den „Crêtes d'Iparla“ - das baskische „Vorgeplänkel“ sozusagen hinter mir lassen.
    Das Wetter sieht leider an diesem Morgen eher ungünstig aus, tief hängen die Wolken über der Landschaft. Naja, weiter geht es dennoch, schließlich warten noch viele Kilometer und Wandertage auf mich. Zunächst geht es direkt durch eine Schaffarm, die Schafe stehen Spalier, bevor der Weg zu den Crêtes, dem langen Grat, ansteigt. Wieder Sportmotivierte, die „plaudernd“ hochjoggen... Es ist unfassbar! Dann Schafe, Schafe, Schafe, ein Hirt auf einem laut knatternden Moped, sein Hund hinterher. Und nebliges Trüb überall... Ich erhasche einen sehr flüchtigen Blick auf einen Geier – der Grat soll nur so von Geierkolonien wimmeln. Und die Aussicht soll wirklich phänomenal sein, so liest man es zumindest …



    Zu den Crêtes d'Iparla

    Einen Gedanken für den Mann, der vor ein paar Tagen auf diesem Teilstück des GR10s bei einem Bergtrail umgekommen ist, abgerutscht und abgestürzt. Das mahnt zur Vorsicht, besonders bei diesem Wetter.
    Im Nebel wirkt die eine Seite steil und schroff (und ist sie wohl auch), die andere jedoch zieht sich eher lang und langsam nach unten. Überall grasen Schafherden mit unterschiedlichen Farbflecken auf Rücken und Po. Und auch ein paar wilde Poneyherden sind dabei. An der „Gipfelsäule“ vom „Pic d'Iparla“ mache ich eine sehr kurze Rast; um sie wirklich zu genießen ist die Luft zu diesig und kalt.



    Crête im Nebel

    Und so zieht sich der Tag hin, über Unmengen Schafsköttel und durch ganze Wälder aus Farn; gegen Ende des Weges reißt die Wolkendecke ab und zu mal kurz auf, bevor sie sich gleich wieder zuzieht. Appetithäppchen. Beim Abstieg nach Saint-Etienne-de-Baïgorry erhasche ich immerhin Blick auf ein paar Geier, die das Baskenland fröhlich-hungrig bevölkern.



    Geier mit Wanderern

    Im Ort gestaltet sich die Herbergssuche zum ersten Mal 'komplexer'. Letzten Endes schlage ich zum ersten Mal mein Zelt auf - auf dem Camping von Irouléguy, einem Vorort, auf. Meine Zeltnachbarn: ein junger Wanderer mit Hängemattenzelt und die beiden englischen Frauen.
    Ein EM-Spiel läuft im Café gegenüber. Mein Land spielt und ich trinke einen Rosé an der Bar. Mein Land spielt schlecht, so trinke ich das 2. Glas aus und gehe schlafen.


    2.7. - 5. Tag: Von Saint-Etienne-de-Baïgorry nach Saint-Jean-Pied-de-Port (18 km)

    Erfahrungsgemäß dauert mein erstes „Zelte abbrechen“ eine gefühlte Ewigkeit. Café und Croissant auf dem Platz, dann ab in die Natur. Schnell liegt das Städtchen hinter mir. Unterwegs ein alter massiver Schafbock, der seinen Weg durch einen Stacheldrahtzaun forciert, um zur Herde zu gelangen.
    Mittlerweile hat es zu regnen begonnen. Ein fieser Fuselregen, der den ganzen Tag nicht abebben wird. Und das elende Farn, das nun nicht nur hoch, sondern auch klatschnass ist. Schnell bin ich pitschnass trotz Regenkleidung. In meinen Schuhen sammelt sich Wasser an. Und heute morgen habe ich tatsächlich gezögert, ob ich die noch leicht feuchten Socken anziehen soll oder nicht. Lächerlich!



    Blick aufs Tal

    Ewig zieht sich der Tag hin, bevor es endlich ins Tal geht und auch der Regen endlich nachlässt.
    In der Pilgerhochburg Saint-Jean hatte ich vorsorglich ein Bett vorreserviert. Zum Glück, denn Anfang Juli ist der Andrang doch beachtlich...



    Saint-Jean-Pied-de-Port



    3.7. - 6. Tag: Von Saint-Jean-Pied-de-Port nach Kaskoleta (16,5 km)

    Nach den ersten Kilometern lichtet sich der Morgennebel, das Dorf Çaro empfängt mich mit wärmenden Sonnenstrahlen und vierblättrigen Kleeblättern.



    Unterwegs nach Kaskoleta


    Der Weg, schlängelt sich (was sonst) berauf und bergab - ohne größere Schwierigkeiten. Das Bergpanorama läßt mein Herz höher schlagen. Unterwegs erhasche ich einen Blick auf ein „Kadaverfeld“ (Geierrestaurant). Rast im Café in Esterençuby, dort trifft nach mir ein deutsches Paar ein, ebenfalls auf Wanderschaft.
    Ich komme sehr früh schon im kleinen Gîte von Kaskoleta an und, da noch niemand vor Ort ist, inspiziere ich die Räumlichkeiten und dusche schonmal. Angemeldet hatte ich mich vorher und zwar zu „Biwak mit Abendbrot“. Eine Gruppe junger Engländer trifft ein. Sie rasten eine Weile, bevor sie weiterziehen.
    Kurz darauf kommt eine Französin meines Alters an – sie wandert auch alleine; ihr Mann gesellt sich abends hinzu, tagsüber bereist er aus gesundheitlichen Gründen die Gegend per Auto. Die Betreiberin zeigt mir, wo ich mein Ponchotarpzelt aufstellen darf. Anschließend gibt’s leckeres Abendbrot, das deutsche Paar von vorhin und der Ehemann der Französin sind inzwischen eingetroffen. Wir verbringen einen durchaus geselligen Abend miteinander. Der Deutsche ist absoluter „Faust“-Fan und trägt immer ein Exemplar mit sich, aus dem er morgens rezitiert. Der Schwiegersohn der Betreiberin gesellt sich zu uns, er ist Landwirt und berichtet über die großen Schwierigkeiten des Sektors, auch in den Pyrenäen, zumindest halbwegs akzeptabel seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.
    Vorm Schlafengehen noch einmal den Panoramablick genießen. Die Nacht ist ruhig, dennoch werde ich oft wach – naja, die erste Nacht dann doch „im Freien“, wenn auch in der Nähe eines Gîtes.



    Sonnenuntergang bei Kaskoleta



    4.7. - 7. Tag: Von Kaskoleta zu den „Chalets d'Iraty“ (18,1 km)

    Der Weg zeigt sich auch heute wieder von seiner besten Seite und gibt sich abwechslungsreich: Farnwege, Waldwege, Feldwege, kleine Steige; Kühe, Schafe und Geier; eine Zeckenoperation; großartige Aussichten; ein Café für die Rast; und später, perfekt am Ende des Wandertags, eine sich zuziehende Wolkendecke, die noch etwas später sehr kurz aufreißt und den Blick auf die Pyrenäen im Abendlicht freigibt.
    Den Schlüssel zur Unterkunft muss man ca 1 Kilometer vor dem Gîte abholen. An der Türe hängt das Foto eines vor 10 Tagen auf dem GR10 verschwundenen Mannes, der auf der Etappe „Gabas-Gourette“ ein letztes Lebenszeichen von sich gegeben hat. Dies ist eine der höchsten Passagen auf der Strecke, und oft liegt noch weit in den Sommer hinein oben Schnee. Ich mache ein Foto von seinem Foto – für alle Fälle.
    Irgendwie hatte ich mir von den „Chalets d'Iraty“ viel mehr versprochen, jedoch erweist sich der Ort eher als Enttäuschung.
    Das französische Paar von gestern übernachtet auch hier und es ergibt sich ein kurzes Gespräch. Es ist immer nett, miteinander über den Tag auszutauschen...
    Und im Restaurant bekomme ich noch ein paar Tipps von einem Franzosen, der mit seinem Sohn auf der HRP, der Haute Route Pyrénéenne unterwegs ist. Dann krieche ich in meinem Zimmer in die Federn; ein Einzelzimmer kaum größer als das Einzelbett, das darin steht.



    Abendstimmung an den Chalets d'Iraty


    5.7. - 8. Tag: Von den „Chalets d'Iraty“ zur „Auberge de Logibar“ (16,9 km)

    Beim Start morgens scheint das Wetter ganz gut. Ein Irrtum! Den ganzen Tag lang bin ich in Nebel und Wolken unterwegs. Bergflanke um Bergflanke umrunden – es ist unendlich! Ab irgendwann (sehr schnell) sind meine Füsse klatschnass und tonnenschwer. Durch nasses Farn waten plus eine ewig scheinende Schlamm-Matsch-Passage geben mir den Rest. An eine wirkliche Rast ist nicht zu denken. Und der Abstieg nach Logibar zieht sich dahin.




    Willkommensgruß...

    Dort angekommen, bin ich irgendwie „zu früh“, denn auch der Rest des Tages zieht sich hin wie Kaugummi. Ich teile ein äußerst rustikales Zimmer mit einem älteren Asiaten. Leider können wir nicht wirklich kommunizieren – all die Sprachen, die ich spreche, spricht er nicht. Wie er sich mit seinem sehr gebrochenen Englisch und ganz ohne Französisch hier durchschlägt, ist mir ein Rätsel... Die Wirtin berichtet, dass er immer 2 Etappen an einem Tag zurücklegt. Hammer!
    Den Abend und das Abendbrot verbringe ich mit dem französischen Paar, Myriam und Pascal. Man kommt sich näher – wir haben uns vorgestellt!



    Blick auf die Herberge von Logibar


    6.7. - 9. Tag: Von der „Auberge de Logibar“ nach Saint-Engrâce (21 km)

    Am heutigen Morgen steige ich erst einmal schnellen Fusses auf bis zur „Passerelle d'Holzarté“, und lasse schwungvoll mehrere Tagestouristen hinter mir. Die „Passerelle“ ist eine kuriose Hängebrücke, die rund 1920 erbaut wurde, um den Holzfällern die Arbeit zu erleichtern.



    Die Hängebrücke von Holzarté

    Das Wetter bleibt wechselhaft. Heute treffe ich mehr Wanderer, darunter einige, die ich schon etliche Tagesetappen ferner wähnte, so 'Sam', der junge Lehrer, mit seiner Zelthängematte oder die beiden jungen englischen Frauen. Und Myriam.



    Wolkenlandschaft

    Mitten auf dem Weg, dem GR10, haben es sich ein paar Kühe gemütlich gemacht und denken nicht daran, Platz zu machen. Eine kritische Stelle: Im kopfhohen Farn schlängelt sich ein matschiger schmaler Pfad talwärts. Und genau dort attackieren sie, die Bremsen. Die wissen ganz genau, wenn man alle Hände voll zu tun hat! Ein paar flachgedrückte Stellen im Dickicht weisen auf einen Sturz hin. Später treffe ich erneut auf Sam, der von links herunterkommt und imNebel eine Markierung übersehen hatte.



    Bremsenparadies Baskenland

    Am Zugang zu den „Gorges de Kakoueta“ hat sich ein Eis-und-Getränkeverkäufer installiert. Er kommt wie gerufen. Bevor ich die letzten 4 Kilometer angehe, tut eine Pause sehr wohl. Gestärkt treffe ich anderthalb Stunden später in Saint-Engrâce ein, einem Ort, der vor allem aus seiner Kirche und seiner Herberge besteht. Und drumherum hier und da ein Haus...
    Das Gîte ist sehr bescheiden gereinigt – das Abendbrot im Café nebendran ist gut, die versammelte Gesellschaft gesellig: Myriam und Pascal, ein junger Wanderer (im Zelt), ein Jugendlicher, der 4 Tage alleine unterwegs ist, eine Dame, die morgen nach Hause reisen wird.


    7.7. - 10. Tag: Von Saint-Engrâce nach La Pierre-Saint-Martin (Arette) (10,8 km)

    In den sehr frühen Morgenstunden stürmt es draußen, man hört die Zeltplanen wild im Wind flattern und die Camper fluchen. Sie flüchten sich mitsamt ihrer Habe ins Innere. Eine Fenstertüre knallt geräuschvoll zu. Die Nacht ist zu Ende.
    Jedoch treibt der Sturm die Wolkendecke fort. Tolles Wetter, endlich ! Der Weg führt erst durch eine Felsschlucht, „le ravin d'Arpidia“; dann geht es lange Zeit hoch, durch Laubwald, über „freies Feld“. Die Wegmarkierungen sind hier oben extrem spärlich, bei Nebel muss das die Hölle sein (in den frz. Wanderbüchern, die ich nutze, wird daher eine „Schlecht-Wetter-Variante“ beschrieben, was für diese Etappe eindeutig Sinn macht!).



    Laubwald im Morgenlicht



    Frühstück

    Oben, am Col Saint-Pierre angekommen, ändert die Landschaft ganz plötzlich: die lieblichen grünen Hügel machen grauem schroffen Karstgestein Platz. Ich kaufe in einer kleinen „Bergerie“ Ziegenkäse, lege eine Rast ein, bewundere Berg und Tal und Schaf.





    Der letzte kleine Teil der Etappe ist schnell geschafft, schon um 13 Uhr komme ich im Refuge Jeandel an, das über die verlassene Skistation La Pierre-Saint-Martin blickt. Sie gleicht einer Phantomstadt; alles, ALLES, ist geschlossen abgesehen vom Refuge. So treffen allmählich auch recht viele Wanderer ein, mehr als ich je zuvor abends getroffen habe (die Zentralpyrenäen und die rauheren Berglandschaften lassen grüßen!).
    Was machen, wenn man so früh eintrifft? Essen, dösen, rumlungern, essen, plaudern, frühen Aperitif genießen, Landschaft bewundern und den Blick auf den Pic Anie …



    Heimatliche Gefühle – mit Weitblick

    Plötzlich, kurz vorm Ende des schönen Sonnentages, füllt sich die Geisterstadt: Schafe, Kühe, Ziegen, Pferde, Hirtenhunde und sogar ein paar Schweine bevölkern den Ort. Welch ein Spektakel! Animal Farm lässt grüßen...



    Animal Farm lässt grüßen...

    Nach dem gemeinsamen Abendbrot leert sich der Gemeinschaftsraum schnell, die müden Wanderer ziehen sich in ihre Zimmer und Zelte zurück...



    Abendlicht

    8.7. - 11. Tag: Von La Pierre-Saint-Martin (Arette) nach Lescun (14,9 km)

    Auch heute Morgen ist bestes Wanderwetter. Zügiger Start und Vorankommen durch die steinige Skipistenlandschaft, über das karstige Gestein, das immer mal wieder am Wegesrand Einblicke in die berüchtigten Felsspalten freigibt, die diese Etappe bei Schnee oder Nebel so trügerisch machen.
    Am „Pas de l'Osque“, einer ca 3 m hohen Felswand, die es zu überwinden gilt, treffen sich wunderbarerweise alle „GR10ler“ des Refuges wieder. Ich steige als letzte hoch, einer der jungen Franzosen empfiehlt uns, nicht an dem Drahtseil entlang zu klettern, das etwas abseits angebracht ist, sondern mittig an der Felswand hochzusteigen, sie bietet genügend Halt. Nach einem kurzen Hadern in der Mitte (wo greifen und Halt finden) überwinde ich schließlich auch dieses Hindernis.



    Pas d' l'Osque



    Oben!

    Ich lasse die anderen Wanderer weiterziehen, genieße die wunderbare Bergwelt um mich herum und gehe dann beglückt alleine weiter. Immer noch strahlt die Sonne, wenn auch im Laufe des Nachmittags sich der Himmel im Westen gewittrig gibt. In Lescun gibt es erst einmal einen Aperitif (was gibt es Schöneres, als nach einem Wandertag genüsslich mit anderen Wanderern ein Gläschen zu trinken und auszutauschen?). Dann ziehe ich in die „Maison de la Montagne“ ein und lande diesmal sogar im Zimmer mit Myriam und Pascal. Es ist unser letzter gemeinsamer Abend, der wieder sehr nett ist, jedoch auch früh endet: Um 9 Uhr abends bin ich platt und gehe ins Bett.
    Das Abendbrot war übrigens memorabel: viel viel Rohkost und Gemüse, eine absolute Seltenheit hier auf dem GR10.



    Blumenmeer




    Wunderbare Bergwelt


    9.7. - 12. Tag: Von Lescun zur Cabane de la Baigt-de-Saint-Cours (23,5 km)

    Wie bisher so oft habe ich eine unruhige und wenig entspannende Nacht hinter mir. Kurzer Gruß meiner neugewonnen französischen Freundin – die Abende mit ihr und Pascal werde ich vermissen...
    Und ein schnelles Frühstück mit Spaniern, die einen der nahen Gipfel erklimmen wollen.
    Das Wetter ist wunderbar.



    Strahlendblauer Himmel

    Der Weg schlängelt sich zunächst durchs Dorf hinab an den Bach, dann am Campingplatz wieder hinauf, an Bergflanken entlang Richung Lhers und durch eines der vielen vielen Farnfelder hinauf durch ein kühlendes Waldstück zum Col de Barrancq. Ein Hinweisschild macht auf die Schafherde mitsamt Patou, dem Hirtenhund, aufmerksam. Und prompt -noch im Wald höre ich vor mir aufgeregtes Hundegebell und kurz darauf Männerschreie.
    Als ich aus dem Waldstück heraustrete, sehe ich die Szenerie vor mir: Weit unten eine Männergruppe mit Hund (es sind die jungen Franzosen von gestern) und zwischen ihnen und mir ein aufgebrachter Patou. Der zweite bellt irgendwo rechts von mir im Wald. Der Patou wendet sich nun ganz mir zu, kommt drohend auf mich zu. Es bedarf einiges an Zeit und gutem Zureden, den Hund davon zu überzeugen, dass ich lediglich vorbei möchte und keine Lust habe, in seine Schafe zu beißen. Schließlich läßt er mich weitergehen. Ganz geheuer ist mir dabei nicht, ich bin vor ein paar Jahren auf einer Wanderung von einem Hund gebissen worden.
    Übrigens sieht man von genau dieser Stelle aus zum ersten Mal den Gipfel des „Pic du Midi d'Ossau“. Aber den bemerke ich verständlicherweise erst später...

    Der weitere Abstieg Richtung Borce ist wie erwartet steil. Und happig! Unterwegs treffe ich – in Gegenrichtung unterwegs – eine junge Frau, die seit genau 30 Tagen alleine auf dem GR10 wandert. Der Austausch mit ihr ist sehr ermutigend. Motiviert gehe ich weiter, durch die Farnfelder bis Borce, das ich am frühen Nachmittag erreicht. Statt wie ursprünglich geplant dort zu bleiben, ziehe ich nach einer guten Rast, mit viel Wasser und mit neuem Proviant weiter. Es ist noch früh...
    Übrigens. Es ist schon verrückt – ab dem 10. Wandertag ist die Nahrungssuche eines der wichtigsten Themen überhaupt geworden. Habe ich genug dabei, auch für den Notfall? Der Notfall, der übrigens nie wirklich eintreffen wird. Und wie immer schleppe ich tage- und wochenlang die in Belgien gekauften Müsliriegel mit mir herum. Aber gut, der Körper reklamiert vehement Energiezufuhr, und der Kopf kümmert sich um das Organisieren dieser Reserven.
    Der Weg von Etsaut zum „Chemin de la Mâture“ zieht sich endlos auf der kleinen Landstraße dahin, die Sonne brennt inzwischen knallheiß auf die Wanderer nieder. Am Beginn dieses in den Felsen gehauenen Weges sieht man das „Fort du Portalet“ und den Zickzackweg, der sich in endlosen Schlaufen dorthin windet. Kletterer seilen sich an der Felswand über mir auf und ab. Der Weg ist eine Touristenattraktion und der blanke Felsweg wirkt, als sei er vom vielen Begehen aalglatt geworden. Und er ist erbarmungslos der Nachmittagssonne ausgeliefert. Ich schleppe mich recht kraftlos hinauf und suche immer wieder in dem wenigen Schatten etwas Erfrischung... Rechts klafft steiler Abgrund.



    Der in den Felsen gehauene „Chemin de la Mâture“

    Höher oben, die meisten Tagestouristen haben schon kehrtgemacht, erblicke ich von Weitem ein Hindernis auf dem Weg, ohne es klar erkennen zu können. Beim Näherkommen erweist es sich als eine tote, aufgedunsene Kuh, die auf dem Rücken liegt und den Weg komplett versperrt. Ich binde mir meinen Buff über Nase und Mund und folge entschlossen und so schnell es geht meinen Vorgängern, die sich links durch das Gebüsch schon einen Weg gebannt haben. Hunderttausende Fliegen fliegen von dem Kadaver auf, der bestialische Gestank dringt mir in die Nase. Ekelhaft!
    Viel später in einem Waldstück treffe ich auf Sam, den jungen Engländer, der seine Zelthängematte schon installiert hat und sich vergnügt ein frühes Abendbrot bereitet. Dahinter beginnt das Pyrenäen-Naturschutzgebiet (bzw einer der vielen Nationalparks) und dort ist auch schon die Hütte, die „Cabane de la Baigt-de-Saint-Cours“, zu sehen. Die Hütte ist schon „besetzt“ und auch die einzig flache Fläche weit und breit. Etwas höher setze ich mich auf einen flachen Felsen und berate mit mir selber, was zu tun sei.
    Bis zum Refuge vom Lac d'Ayous sind es bestimmt noch zwei Wanderstunden, zehneinhalb liegen nun schon hinter mir. Die beiden jungen Franzosen, die ich in den letzten Tagen öfters getroffen habe, überzeugen mich, mein Zelt hier aufzuschlagen. Und sehr gentlemanlike helfen sie mir, den geeigneten Zeltplatz zu finden. Der Tag neigt sich seinem Ende zu, wir sind mittlerweile zu einer kleinen Zeltkolonie geworden. Heute sind also erstes wirkliches Biwakieren, Katzenwäsche und frühes in die Federn kriechen angesagt – die Geschichten von der Bärenattacke im Tal von Saint-Engrâce und den Vipern, die einer der Wanderer hier schon gesehen hat, sind die beste Voraussetzung für eine ruhige Nacht...




    10.7. - 13. Tag: Von der Cabane de la Baigt-de-Saint-Cours nach Gabas (14,1 km)

    Schon um 7 Uhr morgens bin ich startklar; das Zelt wider Erwarten völlig trocken, was das Packen vereinfacht. Der Aufstieg zum nächsten Kamm ist lang und anstrengend, wie weise, die Nacht an der Hütte verbracht zu haben! Die frische Morgenluft und die ersten Sonnenstrahlen jedoch versüßen das ganze. Und, am Col d'Ayous angekommen, welche Aussicht!



    Der Pic du Midi d'Ossau

    Nach der gebührenden Bewunderung geht’s wieder hinab. Mein Plan: zum Refuge gehen, dort Frühstück, Dusche, Wäsche machen. Allerdings war das die Rechnung ohne den Wirt machen, bzw ohne die Refuge-Betreiberin. Es gibt keine Duschen und ein reguläres Frühstück gibt es auch nicht mehr. Jedoch improvisiert mir die freundliche Dame eines; als Dankeschön nehme ich später ein paar Pakete Müll mit ins Tal hinunter. Am Lac Gentau werden die letzten Zelte abgebaut, die ersten Kühe ziehen ein, bald gefolgt von den Schafherden. Kreischende junge Frauen hüpfen in den eiskalten Bergsee. Brrr!
    Beim weiteren Abstieg sage ich gefühlte tausende Male „Bonjour“, denn die Massen strömen mir entgegen Richtung Refuge: Familien mit Kindern jeden Alters, Senioren, Pfadfinder, Paare, Jugendgruppen... Ab dem Parkplatz an dem See von Bious-Artigues wird es wieder ruhig, denn „GR10ler“ sind hier in der Minderheit. Alleine und vor allem der langen langweiligen Landstraße entlang geht es weiter nach Gabas, wo ich sehr bald meinen Liebsten treffen werde. Die nächsten sieben Tage werden wir zu zweit unterwegs sein.


    11.7. - 14. Tag: Von Gabas nach Gourette (20,1 km)

    Der heutige Tag wird lang und führt zu einer der höchsten Stellen dieses Parcours, der „Hourquette d'Arre“ auf 2465m. Dort oben soll noch Schnee liegen, bis vor kurzem wurde den Wanderern von dieser Etappe (zumindest ohne Schneeausrüstung) abgeraten. So im Prinzip auch uns. Jedoch waren am Vortag schon Wanderer nach Gourette aufgebrochen, und so hatten wir uns im Refuge (CAF de Gourette) erkundigt. Es läge noch etwas Schnee, aber die Strecke sei mittlerweile gefahrlos passierbar.
    Spät, eigentlich zu spät für eine solche Etappe brechen wir nun zu zweit auf, aber wir hatten uns für das Frühstück im Hotel entschieden. Das Wetter ist nicht besonders, grau, diesig, feucht. Bei der ersten Schlecht-Wetter-Variante zögern wir nicht, denn die „Corniche des Alhas“ ist ein schmaler Balkonpfad an einer Felswand entlang. Vor ihm wird schon bei gutem Wetter gewarnt, bei diesen Bedingungen erscheint uns das Risiko es nicht wert. Bis zur einer kurzen Pause im späten Vormittag wandern wir in den Wolken, im Wald hinan und stehen plötzlich vor einer beeindruckenden Felswand, die wir entlanglaufen bis hin zu einem ersten Plateau. Rast. Die Wolkendecke reißt auf und lässt kurz den Blick frei auf das Tal des Artouste. Ich glaube sogar, das Pfeifen des kleinen Zuges im Tal zu vernehmen. Wir treffen zunächst auf Tony, den Briten, dann auf ein bretonisches Paar, das diese lange Etappe aufteilt und irgendwo biwakieren wird, und auf einen jungen Franzosen. Der Weg steigt unaufhörlich hinan, ein etwas breiterer Gebirgsbach wird überquert – auf Steinen balancierend. Meine Stäbe sind eine wertvolle Hilfe bei dem Balanceakt! Anstrengend wird es nun, der Weg nicht ganz einfach, schmal und mit kleinem Geröll; tapfer kämpfen wir uns hoch. Schließlich liegt das Schneefeld an der Hourquette vor uns, weiß und beeindruckend. Der Brite steht am Rande, geht vor, wir folgen. Er wählt einen Weg, der uns etwas seitlich abdriften lässt – er möchte dem Schnee entgehen, dafür landen wir mitten im steilen Geröll, das wir nun Richtung Hourquette begehen müssen. Eine rutschige Angelegenheit! Mir ist nicht wohl bei der Sache. Die letzten Meter legen wir wieder im Schnee zurück, mein Füße sind eiskalt und klamm. Um den Diskussionspausen zu entgehen, starte ich durch und an den Männern vorbei. Ich will nur eines: aus dem Schnee heraus!



    Die Hourquette d'Arre



    Schneefeld an der Hourquette d'Arre

    Auf der Hourquette angekommen die Desillusion: Vor uns liegt ein weiteres Schneefeld!
    Mein Liebster möchte nun die wohlverdiente Mittagsrast antreten – es ist mittlerweile schon 17 Uhr. Wir haben noch einen sehr langen Weg vor uns wieder ins Tal, die Wolken wirken bedrohlich und für das Ende des Tages war Gewitterneigung angesagt. Kurz und gut, mir ist mulmig und kalt!
    Er findet dennoch hier oben ein windgeschütztes Plätzchen und so rasten wir eine zeitlang. Und, ja, genießen - sogar beide -die Bergwelt von oben.
    Irgendwann beginne ich zu drängeln und wir ziehen los, zum Glück müssen wir links an dem Schneefeld vorbei und nicht durch. Dennoch gibt es immer wieder kleinere Schneepassagen und auch Gebirgsbäche zu durchqueren. Eine gefühlte Ewigkeit später sind wir am Lac d'Anglas, der immer noch auf 2000 Metern liegt. Die Wolkendecke ist wieder dichter geworden. Wir gehen durch alte Minenanlagen, wilde Pferde laufen umher.



    Lac d'Anglas

    Kurze Zeit später ertönt ein erstes Donnergrollen, das mich mit Panik erfüllt. Das gefürchtete Szenario ist eingetroffen: Gewitter draußen in den Bergen. Entgegen allen Wissens um das Verhalten in den Bergen hetze ich hinab, dicht gefolgt von meinem Liebsten, der mich natürlich nicht alleine lassen will. Schnell und immer schneller, Ausschau haltend nach der Baumgrenze, die einfach nicht kommen will... Gefühlte Ewigkeiten, durch Regen und Hagel jagend, klatschnass und mit blitzblanken Nerven erreichen wir endlich diese – verdammte – schützende Baumgrenze. Nach einem kurzen Innehalten gehen wir ruhigeren Schrittes weiter, bis wir das im Nebel versunkene Gourette erreichen. Um 19:40 Uhr erreichen wir das Refuge des französischen Bergverbandes, das von einer strengen etwas skurrilen Madame Martine eisern verwaltet wird. Die „Hütte“ ist etwas heruntergekommen, dennoch sind wir froh, dort zu sein, ein warmes Abendbrot und ein kühles (belgisches!) Bier zu bekommen.
    Was für ein Tag! Dass ich eines Tages mit voller Ausrüstung einen Berg hinunterjoggen würde, hätte ich mir vor kurzem noch nicht vorstellen können...


    12.7. - 15. Tag: Von Gourette nach Arrens-Marsous (11,9 km)
    und weiter per „Navette“ zum Gîte „Les Vieillettes“

    Es regnet in Strömen. Als wir das Gîte in kompletter Regenmontur – in den noch nassen Schuhen vom Vortag - verlassen, kommt just ein Lieferant an. Lapidar äußert er „Mieses Wetter. Das macht einem definiv keine Lust, in die Berge zu wandern...“ Oh wie wahr, aber shut up!
    Bis der erste Kamm erreicht ist... es erscheint mir, uns, endlos. Geschweige denn der zweite... Bei der hastigen Pause im Regen in dem kleinen Waldstück mehr als dürftig geschützt kommt auch keine rechte Freude auf. Und auch nicht bei dem kurzen Schwatz mit dem Hirten...
    Unterwegs nach Arrens entscheiden wir beide – unabhängig voneinander – dass wir zu zweit andere „Regeln“ geltend machen wollen, damit wir das gemeinsame Wandern und die Zeit genießen können.
    Die erste Entscheidung: Ich reserviere sofort per Telefon eine Unterkunft, und als das Tourismusamt uns ein Gîte mit Shuttleservice ab Arrens vorschlägt, zögern wir keine Sekunde.
    Es ist so ziemlich das erste Mal, dass ich nicht alle Kilometer zu Fuss machen werde, aber nur Idioten halten an ihren Prinzipien fest...

    Und so schaffen wir dann auch noch die letzte Stunde bis Arrens. Dort ziehen wir uns erst einmal im öffentlichen WC um, setzen uns in ein Café, genehmigen uns Kaffee und Bier und warten im Trockenen darauf, dass die Gîtebetreiberin uns abholen kommt.
    Sie: ein Wirbelwind, der einen Anhalter aus dem Auto steigen, uns einsteigen lässt, mit Kind und Kegel und zwei Hunden und einem toten Ferkel im Wagen zum Bauern fährt; Ferkel abliefern, Milch abholen, Sightseing Tour – schliesslich verpassen wir ja ca 2 Stunden Fussmarsch, Privathaus nebst schwarze-Schweine-Zucht besuchen, Feld mit Poney, Kuh, Ziegen und Schafen besichtigen; und weiter zum Gîte, in dem wir zunächst alleine sind und Feuer im offenen Kamin anzünden dürfen...
    Genau das richtige, einem frustigen Regentag doch etwas Gutes abzugewinnen...
    Das Abendbrot nehmen wir mit drei anderen Wanderern zu uns, die ebenso wie wir vor dem Regen Schutz gesucht haben.
    Geändert von FatmaG (11.03.2017 um 11:45 Uhr)

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    AW: (FR) In 45 Tagen bergauf bergab vom Atlantik zum Mittelmeer- der Pyrenäenweg

    #2
    13.7. - 16. Tag : Von „Les Vieillettes“ zum Lac d'Estaing (2,6 km)

    Der kürzeste meiner Wandertage: Nach einem sehr späten Frühstück kommen wir schon um 11:30 Uhr am Etappenziel, im Hotel am Lac d'Estaing, an. Den Tag gestalten wir gemütlich. Ruhen, schreiben, mittags eine „petite douceur“ mit einem Glas „Jurasson moelleux“ im Restaurant, eine Runde um den See, Picknick mit Kaffee in der Buvette vom See. Und ein wirklich leckeres Abendessen im Hotelrestaurant.



    Auch gemütlich, der Gang der Kühe...

    Das war die richtige Entscheidung! Und welch Glück, so spontan am Vorabend ein Zimmer bekommen zu haben, da es deren nur 8 gibt!



    Lac d'Estaing


    14.7. - 17. Tag : Vom Lac D'Estaing zum Lac d'Ilhéou (7,4 km)

    Heute ist französischer Nationalfeiertag. Da wir vorgestern entschieden hatten, es an unseren gemeinsamen Wandertagen „mollo“ angehen zu lassen, hatten wir im Vorfeld im Refuge des Lac d'Ilhéou angerufen, um zwei Schlafstätten sicherzustellen. Die Betten waren schon ausgebucht, doch wurden uns zumindest zwei Matratzen auf dem Boden zugesichert. Gut so, sonst hätten wir dennoch an einem Tag bis Cauterets wandern müssen.





    Das Wetter ist wieder freundlich, die Sonne scheint, als wir nach einem leckeren Frühstück das Hotel verlassen.
    Wie (fast) jeden Morgen steigen wir ein paar Stunden bergan, an Kühen und Schafen vorbei. Kurz vorm Kamm bekommen wir endlich Murmeltiere zu Gesicht. Am Col d'Ilhéou angekommen, ziehen uns tiefhängende Wolken entgegen. Es ist sehr windig und die Sicht gleich null. Wir verweilen nicht lange hier oben, und kommen daher sehr früh am Refuge an. Die Betreiber sind nett, aber beschäftigt. Die Gegend um Cauterets in den Zentralpyrenäen ist – nicht nur am Nationalfeiertag – beliebt...



    Refuge du Lac d'Ilhéou

    Wir müssen einige Zeit warten, bis wir in den Schlafsaal und die Duschen dürfen. Die Zeit bis zum Abend vergeht langsam – im Halbdunkel des Refuges verbringen wir sie mit dösen, Glühwein und Crêpes; das Wetter lädt nicht ein, eine Runde um den Lac d'Ilhéou zu drehen und im Schlafsaal tobt eine Gruppe Jugendlicher, deren Eltern im Essraum beisammen sitzen...
    Schliesslich bekommen wir sogar zwei ganz reguläre „Matratzen“ zugewiesen und schlafen nach dem gemeinsamen Abendbrot nebeneinander ein – die Ohren fest zugestöpselt gegen das penetrante Schnarchen der müden Wanderer.


    15.7. - 18. Tag : Vom Lac d'Ilhéou nach Cauterets (7,6 km)

    Als wir zum Frühstück erscheinen, erfahren wir von der jungen Frau mit der schön-rauchigen Stimme die scheußliche Nachricht der Attentate in Nizza. Nach dem Frühstück in beklommener Atmosphäre gehen wir los. Die Sonne scheint – als sei alles beim Alten und die Welt noch in Ordnung...

    David, ein lieber Freund, Weggefährte und Autor, sagte uns neulich, dass er seine Liebe zu den Menschen am intensivsten spüre, wenn er in 2000- oder 3000-Meter Höhe unterwegs sei. Beim Niederschreiben meiner Erlebnisse muss ich in diesem Zusammenhang spontan an seine Äußerung denken. Die Natur, die Welt, das Leben ist – erscheint - „dort oben“ so rein, Hass und Gewalt erscheinen so irreal...

    Wir haben heute einen weiteren kurzen Tag vor uns; und das nur bergab. Viele Menschen sind unterwegs in die Berge, die Gegend um Cauterets ist wie gesagt sehr beliebt.
    Die Thermenstadt Cauterets erreichen wir kurz vor Mittag; wir quartieren uns in einem Hotel ein, und legen einen weiteren Entspannungstag, diesmal in der „City“, ein – Café auf der sonnigen Terrasse, Einkäufe, Thermenbesuch, leckeres Abendbrot, sogar ein Frisörtermin für „Madame“ ist drin. Und Wäschewaschen, eine herrliche Aktivität bei Gefahr von Langeweile: 1. in den Waschsalon gehen; 2. in einer Bar Geld wechseln; 3. Waschpulver im Supermarkt kaufen; 4. Wäschen in Waschmaschinen 4x wechseln bis 5. wir feststellen, dass mein Liebster ein Jeton für den Trockner, statt für die Waschmaschine gezogen hat... 6. wieder Geld wechseln in einer anderen Bar (Kleingeld vom ersten Wechsel für Trocknerjeton und Waschpulverkauf verbraucht) und dann endlich – ENDLICH – 7. Wäsche waschen...

    Das kleine sympathische Städtchen gefällt uns sehr gut; es gibt zwei Thermen, die Therme César, die verschiedenste Therapien anbietet (in der Eingangshalle waren wir mit Abstand die Jüngsten, und dass mit Ende 40, Anfang 50!) und die Therme du Rocher, in der wir ein paar sehr angenehme Stunden im plätschernden Wasser verbringen. Und, wie schon gesagt, zum krönenden Abschluss genießen wir ein wirklich ausgezeichnetes Abendessen, mit Champagner zum Aperitif und einem spendierten „Génépi“, einem lokalen Schnaps aus der Edelraute, als Digestif...


    16.7. - 19. Tag : Von Cauterets nach Grust (ca 13,5 km) – Variante über den Col de Riou

    Auch heute legen wir keine Eile an den Tag, trinken Kaffee in Cauterets und ziehen gemütlich los. Auch heute scheint die Sonne. Der Weg zieht sich in langen Schlaufen bis zum Col de Riou, erst durch dunklen Wald, dann streckenweise über Landstraße, später über Weiden und Wiesen bis zum Kamm, von dem aus wir den Pic du Midi de Bigorre erspähen. Nach einer Rast und dem gebührenden Bewundern der Natur gehen wir wieder hinab, erst durch eine Kuhherde, dann durch eine Murmeltiersiedlung, in der es pfeifft, was das Zeug hält. Kurze (frühe) Apéro-Rast in einer Skibar auf dem Weg, die Kühe von eben gesellen sich allmählich zu uns, weiter hinunter Richtung Tal.



    Rast mit Kuh

    Die Gräser sind zum Teil sehr hoch – dies ist eine Teilstrecke des GR10, die kaum begangen wird, die meisten wählen die Variante über den Lac de Gaube, am Vignemalemassiv entlang.
    Und sie, die Gräser, wimmeln nur so von Bremsen, die uns lautlos – aber gekonnt – attackieren. Wie viele von denen wir innerhalb kürzester Zeit totschlagen (müssen), kann ich nicht mehr sagen, aber es waren deren etliche...
    Endlich wieder im Wald, allmählich können wir bremsenfrei weiterziehen, durch einen wunderschönen schattigen Hohlweg; der Duft von frischgemähtem Heu – noch per Hand, so wie „früher“ - begleitet uns bis Grust, einem sehr schönen Bergdorf, an und in dessen Gassen Wasser sprudelt und fließt. Sogar in einem Kanal unter der Kapelle durch, an deren linken Seite der Friedhof und an der rechten ein Gemüsegarten angelegt sind. Im Gîte am Dorfrand genießen wir die Ruhe, den Blick auf das Tal und Luz-Saint-Sauveur, das sehr leckere Abendessen und die Gesellschaft der anderen Gäste.



    Blick auf Luz-Saint-Sauveur


    17.7. - 20. Tag : Von Grust nach Barèges (20,2 km) – und zweimal Abschied in Luz-Saint-Sauveur

    Heute Morgen geht es unter strahlendblauem Himmel zunächst bis Sazos, einem ähnlich idyllischen Bergdorf wie Grust. Unterwegs Richtung Luz treffen sich die beiden GR10-Varianten wieder. Wir wandern über den Pont Napoléon, an Paraglidern und der Promenade Napoléon entlang, bis wir schlließlich in Luz-Saint-Sauveur eintreffen. Dort shoppen wir erst einmal (Nahrung), mein Freund für seine Rückreise, ich für die nächsten Tage. Nach einem ausgiebigen Aufenthalt auf einer sonnigen Terrasse, suchen wir ein schattiges Plätzchen auf, packen und verstauen unsere Einkäufe. M. bereitet seinen ersten „Abschied“ von heute vor, der von seinen Wanderschuhen, die ihn viele Jahre treu in die Berge begleitet haben, aber nun definitiv ihre letzten Schritte zurückgelegt haben und unromantisch – und mittlerweile unbrauchbar - in einer Mülltonne landen werden.
    Und dann steht der zweite Abschied bevor, unser Abschied – für wie lange, wissen wir noch nicht. Ich werde den GR10 von nun an wieder alleine weiterlaufen, größere Etappen einlegen, mit mir Selbstgespräche führen, mich alleine allen Herausforderungen stellen müssen, alleine Entscheidungen treffen etc etc etc.
    Mein Liebster begleitet mich noch zum Ortsausgang, ein paar Tränen fließen – schnell weiter!
    Der Weg führt mich zunächst an einer Burgruine vorbei, dann weiter durch kleinere Bergdörfer; ein paar Bremsenattacken lenken mich von der wiedergewonnenen Einsamkeit ab, und auch die stickige Hitze des Nachmittags. Die reguläre Wegführung des GR10 ist hier nicht besonders prickelnd – Aussagen zufolge wurde sie nur eingeführt, weil ein einflussreicher Franzose potentielle Kundschaft an seiner Crêperie vorbeiführen wollte. Und siehe da, da ist sie, die Crêperie; ganz sicher ist die Aussicht von der Terrasse aus phänomenal, dennoch zieht es mich ohne Pause weiter nach Barèges.
    Der Empfang im Gîte ist recht spröde – das ist mir aber gerade ziemlich gleich, Hauptsache es gibt ein Bett für mich! Ein Abendpicknick nehme ich auf einer Parkbank in der Stadt zu mir – schliesslich habe ich nicht umsonst die vielen Lebensmittel bis hierher geschleppt!


    18.7. - 21. Tag : Von Barèges zum Lac d'Orédon (ca 16,3 km)

    Kurz nach meinem Start um 6:30 Uhr blicken mir ein paar erstaune Müllmänner hinterher, wie ich zügig die Stadt verlasse, ganz im Banne des Morgenlichtes. Auf dem staubigen Weg zwischen den Feldern zieht eine Frau im Auto vorbei und bietet mir an, mich ein Stück mitzunehmen. C'est bien gentil, mais non merci... Unterwegs hoffe ich – vergebens – auf einen Kaffee in einem der Lokale am Straßenrand. Am Parkplatz von Tournaboup verlässt der GR10 endlich die Landstraße, weiter geht's zwischen Kühen und Schafen bis zur Cabane d'Aygues-Cluses. Viele Tageswanderer und Trailer sind auch hier unterwegs, so wie ich wollen sie zum Col de Madamète. Je höher wir kommen links und rechts vom Weg wunderschöne Bergseen, dann der Col, der den Blick auf der einen Seite auf den Nationalpark „Néouvielle“ freigibt, und auf der anderen auf den Pic du Midi de Bigorre, der majestätisch über dem Ganzen thront.



    Am Col de Madamète – Blick auf den Nationalpark „Néouvielle“

    Bei einer Pause in der Sonne entscheide ich mich für den weiteren Verlauf des heutigen Tages: nämlich für die Variante bis zum Lac d'Orédon, die nicht dem „regulären“ Verlauf des Fernwanderweges folgt. Auch beim Abstieg komme ich an wunderschönen Bergseen vorbei, über riesige Granitsteine steigend beim Gourg de Rabas, zum himmelblauen Lac d'Aumar. Ein erster Biwakplatz liegt beim Lac d'Aubert, der Weg zum Refuge d'Orédon geht jedenfalls noch weiter hinab, entlang der „Laquettes“ mit seinem hellgrünen Wasser.




    Seenlandschaft

    Nun schon Stunden unterwegs seit dem Col de Madamète und immer noch kein Lac d'Orédon in Sicht... Irgendwann verfluche ich 1. die Entscheidung für diese Variante und 2. mich, da ich nie ordentlich die Karten vorab studiere, denn 3. dämmert es mir (während ich das Studieren nun nachhole), dass der GR10 „auf Höhe“ bleibt, ich jedoch völlig umsonst mir einen zusätzlichen Abstieg (und morgen früh einen Aufstieg) gönne...
    Tja, so ist es nun – und ich ziehe (innerlich) fluchend weiter, bis ich endlich (!) am Chalet-Refuge ankomme, wo ich nett empfangen werde (das macht vieles wett) und sowohl Bett, als auch Apéro und Abendbrot bekomme.


    19.7. - 22. Tag : Vom Lac d'Orédon nach Bourisp (ca 20,5 km)

    Nach einer elenden, heißen und völlig sauerstofffreien Nacht (dank der Mitschläfer, die alle – ALLE – Fenster im Zimmer hermetisch abgeriegelt haben, um halbentblößt auf ihren Betten ruhen zu können !) und einem frühen Frühstück um 6 Uhr ziehe ich mit erstaunlich viel Energie los, hinauf zum Col d'Estoudou, wo ich wieder auf den „regulären“ GR10 stosse, hinab zum Lac de l'Oule und wieder hinauf bis zur Abzweigung zum Refuge du Bastan (einer GR10-Variante).



    Abzweigung nach Bastan

    Ich begegne Geiern, einem Staub (und Stein) aufwirbelndem Schaftrieb, vielen Tagestouristen (sie fahren mit dem Auto zum Col du Portet, dem Ausgangspunkt ihrer Tageswanderung), einer erschöpften älteren Dame, die von ihrer Familie zum Ausruhen am Wegesrand „geparkt“ wird, vielen Kühen, Bremsen (!!!) und ein paar Mitwanderern. Ab dem Col du Portet und seinen Skiliften geht es lange Zeit an einer Bergflanke entlang, über einen langezogenen Grat, über so etwas wie einer Hochebene und wieder einen endlos langen Abstieg bis nach Vielle-Aure. Dies ist ein sehr hübsches Dorf. Dennoch gehe ich noch ein paar Kilometer weiter bis Bourisp, wo ich mein Zelt auf dem Campingplatz aufschlage. Auf dem Abendprogramm: Einkaufen im Supermarkt, Essen, den Kilometer zurück nach Vielle-Aure gehen, da das Dorfcafé mich anlockte, und wieder zurück zum Camping und in die Federn.



    Parkplatz an der Friedhofsmauer


    20.7. - 23. Tag : Von Bourisp nach Germ (ca 11,3 km)

    Auch die heutige Nacht sorgt leider nicht für genügend Schlaf – erst ist mir zu heiß, dann zu kalt. Und so starte ich wieder unausgeschlafen – das scheint irgendwie dazuzugehören... Unterwegs gönne ich mir ein spätes Frühstück am Wegesrand, töte dabei gleich ein paar von den lästigen Bremsen, verlaufe mich fast ein, oder zweimal – nichts Bedeutendes.



    Die einen ruhen, die anderen rasen...

    In Loudenvielle mache ich eine längere Pause – unnötig zu sagen, dass es wie jeden Tag einige Höhenmeter in die eine und die andere Richtung zu bewältigen gibt. Mittlerweile verdunkelt sich der Himmel, ich ziehe also zügig weiter, Windstöße zerren an mir, aber ich erreiche Germ schneller als erwartet und vor allem zeitgleich mit den ersten Regentropfen. Im Gîte ist noch Platz frei und am Abend tritt Franc Lepage auf, ein Künstler-Kritiker, den ich schon in Brüssel sehen durfte. Ein unglaublicher Zufall, denn Germ ist ein winziger Ort. Leider dauern seine Darbietungen einige Stunden und so schaffe ich es nicht, so lange aufzubleiben. Nach dem Abendessen in interessanter Wandergesellen-Gesellschaft beobachte ich noch einige Minuten lang den Himmel und wie sich die aufgestaute Spannung des Tages nun endlich kraftvoll entleert.


    21.7. - 24. Tag : Von Germ zum Refuge d'Espingo (ca 16,2 km)

    Zeitig breche ich an diesem Morgen auf, ausgeschlafen und gut gelaunt. Noch vor Dorfende entscheide ich mich für die Schlecht-Wetter-Variante – bestimmt sind die Wege völlig verschlammt nach dem gestrigen Unwetter.



    Morgennebel

    Der Morgennebel löst sich unerwartet schnell auf. Am Knotenpunkt treffe ich dann auf all die anderen Wanderer, die den „regulären“ Weg gegangen sind, wir werden uns im Laufe des Tages noch einige Male gegenseitig überholen. Recht schnell gelange ich über den Kamm, unterhalte mich unterwegs nett mit einem Herrn, der zwei Hunde spazieren führt – seiner Tochter bin ich vorher schon begegnet, sie läuft den Berg hoch und wieder herunter. Kurz nach Erreichen der Baumgrenze treffe ich auf zwei Frauen, die gestern ebenfalls in Germ übernachteten. Sie werde ich weiteren Verlauf des Weges noch einige Male treffen. Der Abstieg erscheint mir diesmal weniger heftig und schon mittags stehe ich an den „Granges d'Astau“ und schlecke Eis. Das Wetter ist bestens, und da ich eigentlich schon gestern sozusagen entschieden habe, so weit es geht zu gelangen, ziehe ich unmittelbar weiter, an dem Lac d'Oo vorbei bis zum „Refuge d'Espingo“, das eigentlich nicht auf dem GR10 liegt, jedoch einen so geringfügigen Umweg ausmacht, dass ich nur jedem Wanderer auf dieser Strecke einen Halt dort ans Herz legen kann. Es liegt unbeschreiblich schön da!



    Am Refuge d'Espingo


    22.7. - 25. Tag : Vom Refuge d'Espingo nach Bagnères-de-Luchon – allerdings kam alles anders als geplant... (im Normalfall ca 16 km – zu Fuss zurückgelegt ca 6 km)

    Von dem Skiort Superbagnères aus kann man den anscheinend nicht sehr interessanten Abstieg nach Bagnères abkürzen, indem man sich in die Seilbahn setzt. Genau das ist mein Plan. Einen kurzen Wandertag gefolgt von einem erholsamen langen Stadtaufenthalt mit Entspannung, Einkauf, Wäsche, Restaurant, Internet etc. Wunderbar!
    Nach einer wie so oft schwierigen Nacht im stickigen Drei-Etagen-Betten-Lager bin ich schon sehr früh wach. Während ich meinen Rucksack packe, es muss kurz nach 6 Uhr sein, zerreißt ein lauter Donner die Luft. Mist! Gewitter und Regen lassen uns nun alle länger im Refuge verweilen. Um 8 Uhr gehe ich los, die Luft scheint „rein“. Jedoch auf halber Höhe zu den „Hounts-Secs“ grollt es wieder und der Himmel verfärbt sich dunkel-bleiern. Recht intuitiv kehre ich um und eile an den vier jungen und etwas später an den sechs älteren Franzosen vorbei zurück Richtung Refuge. Dort verharre ich schliesslich bis mittags, da es immer wieder donnert und blitzt. Dann versuche ich es aufs Neue. Jedoch fast genau an der Stelle, an der ich heute Morgen umgekehrt bin, beobachte ich, wie sich der Himmel wieder arg verdüstert. Die Strecke, die bis Superbagnères noch vor mir liegt, wird nicht so beschrieben, als sei sie besonders anregend bei Gewitter... Nach einigem Zögern entscheide ich mich abermals zur Umkehr, diesmal jedoch am Lac d'Oo vorbei bis zu den Granges d'Astau. Von dort aus fährt (zumindest im Sommer) eine „navette“ (ein Shuttlebus) bis nach Bagnères. Die Zeit bis zur Fahrt verbringe ich sehr angenehm in der Bar von dem Gîte; und auch der Abend in Bagnères mit einem kleinen Hotelzimmer tut gut.
    Und so endet also mein Weg durch die Zentralpyrenäen sozusagen mit einer Busfahrt...


    23.7. - 26. Tag : Von Bagnères-de-Luchon nach Artigue (7,5 km)

    Da der heutige Wandertag kurz sein wird, gehe ich erst mittags los. Vorher skypen mit der Heimat, Einkäufe, zweiter Kaffee in der Sonne, kurzum Genuss pur...

    Der Weg führt 3 Stunden lang fast nur bergauf durch den Wald – abgesehen von dem Start in Bagnères und dem Angelparadies am Stadtrand. Artigues ist ein ruhiges, verschlafenes Dorf. Der Verwalter des Gîtes werkelt an der Türe herum, um ein Fliegennetz anzubringen und eine Wanderin sitzt in der Sonne. Kurz darauf trifft ihre Wanderpartnerin ein.
    Im Dorf halte ich ein „Schwätzchen“ mit einem Ortsansässigen, der mit seinem Hund am Aussichtspunkt des Dorfes steht. Von dort aus sehe ich in der Ferne, wo ich gestern hätte langlaufen sollen... Und genau darüber reden wir; Gewitter und Gefahr in den Bergen, denn er ist einmal von einem Blitz getroffen worden und hat das wunderbarerweise ohne bleibende Schäden überstanden...

    Geändert von FatmaG (10.03.2017 um 22:55 Uhr)

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    AW: (FR) In 45 Tagen bergauf bergab vom Atlantik zum Mittelmeer- der Pyrenäenweg

    #3
    24.7. - 27. Tag : Von Artigue nach Fos (19,3 km)

    Trotz der erholsamen Nacht fällt mir der Tagesbeginn schwer. Nescafé und Nebel; und müde Beine.
    Immerhin hebt sich der Nebel für kurze Moment und lässt die Bergpracht erahnen, die bei Sonnenschein zu sehen sind. Auf einem Grenzstein - der GR10 verläuft einige Zeit entlang der spanisch-französischen Grenze - thront ein junger Schäfer und überwacht seine Schäfchen – und obendrein die vielen Wolkenschafe ringsumher.



    Unterwegs



    Dichter Nebel



    Schafe und Wolkenschafe

    Am Grenzstein 401 lege ich eine Pause ein, hoffe – vergebens – darauf, dass ich endlich das Maladeta-Massiv klarer sehen kann; und ziehe schliesslich etwas resigniert (und fröstelnd) weiter.
    Hier ist übrigens ein kleines Schaf-Paradies; ich ziehe an einer zweiten; kurz nach dem Kamm sogar an einer dritten Herde vorbei. Hinunter geht es zunächst durch blühende (und kratzende) Sträucher, über Weiden und ab in den Wald.
    Die Ariège ist für ihre vielen Wälder bekannt, und hier beginnt er! Der Wanderpfad ist stellenweise ziemlich überwuchert, hohe Gräser, Brennnesseln und Dornen lassen grüßen. Auch muss ich einmal durch ein zum Teil ausgetrocknetes Bachbett, wo ich die Markierung verliere. Irgendwie wirkt das hier fast wie eine Sackgasse. Meine „Wanderapp“ und mein Wanderführer stimmen überhaupt nicht mehr überein. Womöglich hat sich die Wegführung verändert. So entscheide ich mich für das Wanderbuch. Ich muss eine „riesige“ Stufe aus dem Bachbett in Richtung „richtige Richtung“ machen, strauchele, falle aus der Hocke auf den Rücken und liege da wie ein Käfer etwas hilflos mit Armen und Beinen zappelnd. Beim Aufstehen merke ich, dass ich einen meiner Wanderstöcke völlig verbogen habe. Mist. Sie sind das Erbe eines lieben Freundes und mir ständige und treue Wegbegleiter auf meinen Wegen.



    Die Ariège lässt grüßen...

    Die vielen hohen Gräser sind ein Zeckenparadies vom Feinsten. Endlich, ENDLICH, lichtet sich der düstere Wald und wird lichter. Doch noch ist nicht aller Tage Abend: Der Weg zieht sich in mehr als 40 langen endlosen Schlaufen bis hinab ins Tal und nach Fos.
    Fos zu beschreiben, dazu fehlen mir die Worte. Der Ort ist wahrscheinlich wirklich genauso gottverlassen, wie er in der Nachmittagssonne daliegt. An dem geschlossenen Camping hängt ein Schild mit einer Schlecht-Wetter-Warnung aus dem Jahre 2014. Das einzige Hotel hat am Sonntagnachmittag geschlossen, und somit auch die Bar. Die in meinem (aktuellen!) Wanderführer noch vermerkte Epicerie ist wohl auch schon lange Geschichte. Nachdem ich mir den offiziellen Biwak-Platz (gegenüber der alten Schule) angeschaut habe, entscheide ich mich für die Nacht im Gîte.
    Dort gönne ich mir ein Bier, erzähle mit Sophie und Marie-Pierre, die ebenfalls dort nächtigen, aber verzichte dankend aufs Abendbrot.
    Es kann nur noch bergauf gehen... (im wahrsten Sinne des Wortes)




    Bär oder nicht Bär...



    25.7. - 28. Tag : Von Fos zum Etang d'Araing (17,6 km)

    Die junge Dame, die im Gîte für Abendbrot gesorgt hatte, erzählte uns, dass im nächsten Örtchen, Melles, die „Auberge“ auch „Notépicerie“ für Wanderer macht.
    So verlasse ich frühmorgens hoffnungsvoll Fos – vor meinem geistigen Auge erscheinen Café au lait, Croissant und Reserven für den Tag...



    Fos


    Ich bin froh, das triste Fos mit seinen zum Teil zerfallenen Häusern hinter mir zu lassen, treffe unterwegs auf die ersten Langstrecken-Trailer der Transpyrenea, deren Teilnehmer den fast kompletten GR10 laufend zurücklegen werden (verrückt!) und treffe bald schon in dem sehr malerischen Melles ein. Sofort mache ich meine am Vortag vorgefasste Meinung über die Arriège rückgängig. Allerdings folgt gleich eine herbe Enttäuschung. An der Auberge de Melles hängt ein Schild „wegen Sterbefall geschlossen“. Kein Frühstück, kein Kaffee, nicht einmal ein Apfel oder ein Stück Brot für unterwegs...



    Melles

    Nach einer kurzen Rast vorm Rathaus geht es weiter, zunächst an einer kleinen Landstraße entlang, dann hinein in den Wald. Dort treffe ich die beiden Frauen, die mir meinen zugeteilten Spitznamen verraten: „Janet“, ich sei so Rock'n Roll... Ha!
    Kurz darauf überholt uns der „Speed-Mann“, ein Wanderer, der mich gestern schon einmal angesprochen hatte – fast an mir vorbeilaufend – und mich lobte, dass ich den GR10 mache. Heute will er wissen, ob ich denn spät in Fos angekommen sei, und bei meinem Verneinen wirkt er fast enttäuscht.
    Nun kommt uns die erste Trailerin der Transpyrenea entgegengelaufen. Sie sieht überraschend frisch aus und wirkt, als sei sie gerade aus der Dusche gestiegen. (Später erfahre ich, dass sie Deutsche ist und das Rennen als erste Frau und überhaupt bei den ersten abgeschlossen hat).
    Der Weg bis zu dem morastigen Hochplateau an der Cabane d'Uls zieht sich lange Höhenmeter hinauf, irgendwann lasse ich die beiden Französinnen hinter mir, mache immer mal wieder Läufern Platz, die mir entgegenkommen. Und erreiche dann das Plateau, das mich sehr an das „Hohe Venn“, ein Naturschutzgebiet meiner Heimat, erinnert.



    Hochplateau bei Uls



    (Fast) wie daheim...

    Der weitere Weg führt über das Plateau, über einen ersten Kamm, an einer Bergflanke entlang und wieder bis zum nächsten Col. Von dort sehe ich im Nebel den Lac d'Araing, den Gipfel des Crabère, von dem ein paar Bergsteiger gerade euphorisch zurückkehren, ein Schneefeld, das Gîte und zwei Engländer, die mir entgegenkommen und hoffnungs das Schild „Fos – 4 Stunden“ betrachten. (nur 4 Stunden, das kann ich mir kaum vorstellen, aber gut. Ich will ja niemandem die Illusionen rauben)
    Kurz darauf komme ich im Gîte an, das mittlerweile in einer dichten Suppe verschwunden ist. Ich mache eine ausgiebige Rast bei Café au lait und Omelette mit Speck und Zwiebeln. Köstlich! Und obwohl es eigentlich noch zu früh zum Haltmachen ist, entscheide ich mich dafür, den Rest des Tages hier zu verbringen. Eine Entscheidung, die ich nicht bereuen werde.



    Dichter Nebel am Etang d'Araing

    Die meiste Zeit verbringe ich in Gesellschaft anderer Wanderer auf der Terrasse, u.a. mit Marie-Pierre und Sophie. Wir werden zu einem frühen Apéro, einer „bière artisanale“ eingeladen. Und haben den idealen Beobachtungsposten – obwohl die ganze Umgebung gespenstisch in Nebel gehüllt ist. Immer wieder tauchen kurz vor uns ein oder mehrere Läufer auf, denn viele haben sich solidarisch in Gruppen und Grüppchen zusammengetan. Bestimmt sinnvoll bei einer solchen Herausforderung. Mit einigen tauschen wir aus, denn fast alle wollen im Refuge etwas essen bzw trinken oder aber nur kurz verschnaufen. Einige wirken relativ fit, einige müde, aber entschlossen, einer ist völlig apathisch, ein Witzbold ist auch dabei (ein Belgier übrigens, was mich in Anbetracht seiner Art Humor und seines Akzentes nicht wundert).
    Allmählich senkt sich die Nacht über die Hütte, wir werden zum Abendbrot hereingebeten. An meinem 6er-Frauentisch wird rege ausgetauscht – wen wunderts!? Und dann ab in den wunderbar-warm-weichen Schlafsack.


    26.7. - 29. Tag : Vom Etang d'Araing nach Sentein - und die (eigentlich schon längst gefällte) Entscheidung, auf dem Weg durch die Ariège mitunter alternative Strecken zu wählen... (ca 14,5 km)

    Im Schlafsaal werde ich als erste wach, die kühle frische Bergluft kitzelt meine Nase. Eilig stürme ich hinaus, um den grandiosen Sonnenaufgang auf der einen Seite und den Monduntergang auf der anderen zu beobachten. Ich bin glücklich. Der Nebel hat sich (momentan) komplett gelichtet und der Cirque und der See liegen glasklar vor mir.



    Gigantischer Sonnenaufgang

    Gegen 7 Uhr füllt sich der Esssaal fürs gemeinsame Frühstück. Draußen treffen wieder ein paar Trailer ein, darunter eine Vierer-Gruppe mit einer deutschsprachigen Schweizerin. Nach dem Frühstück verabschiede ich mich von Marie-Pierre und Sophie und ziehe los, erst einmal hinab zur „Staumauer“ des Sees, daran entlang und auf der anderen Seite wieder hinauf. Diese ganze Gegend ist ehemaliges Bergbaugebiet, unterwegs werde ich oft Reste von irgendwelchen Metallminen sehen. Die ersten gleich beim ersten Kamm.
    Sehr neugierig gehe ich ein paar Schritte vor, um mir das Ganze genauer anzuschauen, da kommt ein Mann mit Hund, ein Schafhirte, um die Ecke und meint, ich solle nicht erschrecken, ein Schaftrieb sei unterwegs hierher. Ich folge ihm und da kommen sie mir schon entgegen, Schafe, Schafe, Schafe, Schafe. Und ein paar Patous. Aber in der Gesellschaft des Schäfers wird meine Anwesenheit kommentarlos geduldet.



    Schaftrieb

    Insgesamt 2 Schäfer und 7 Hirtenhunde sorgen sich um das Wohl der 1400 Schafe, erfahre ich. Und dass sie, wie so viele in der Gegend, gegen das Wiederansiedeln der Bären sind. Der ältere Hirte entschuldigt sich sogar für seine Direktheit. Auf alle Fälle ist es äußerst interessant, sich als Gast mit beiden Parteien zu unterhalten, den Befürwortern und den Gegnern...

    Noch ein wenig über den Wolken trödeln, dann steige ich hinein ins Wolkenmeer und hinunter Richtung Minen von Bentaillou. Unterwegs stehen zwei verlassene Schafe am Wegesrand, sie hinken und schauen aus, als würden sie auf ihr Schicksal (den Bären?) warten... Mmmh, wurden sie vielleicht von den Schäfern und den Hunden hier zurückgelassen? ...
    Das verlassene Minengebiet wirkt im Nebel gespenstisch-schön. Und die Zeit bis Eylie zieht sich dahin.



    Eylie

    Ab Eylie verlasse ich den GR10 und folge der Landstraße bis Sentein. Dort gibt es eine geöffnete (!) Epicerie, viel frisches Obst und Gemüse, einen sehr sehr ruhigen Campingplatz und sogar eine Waschmaschine! Was will man mehr?!



    Sentein



    27.7. - 30. Tag : Von Sentein nach Aunac (ca 14,5 km)

    Der Nachbarort Bonac ist heute morgen schnell per Landstraße erreicht. Ab dort treffe ich wieder auf den GR, bzw auf eine seiner Varianten.



    Bonac und seine Brunnen...

    Heute werde ich vor allem durch Wald gehen. Und gleich hinter Bonac beginnt er schon. Ein paar Dörfer durchquere ich auch, darunter eines mit dem in meinen Ohren sehr faszinierenden Namen „Uchentein“, aber weit und breit kein nettes Dorfcafé für eine Rast. Dann führt der Weg zur Abwechslung mal entlang eines kleinen Wasserkanals und mündet etwas später am Etang de Bethmale, einem Anglerparadies. Trotz des diesigen Wetters (und des in meinen Augen sehr relativen Interesses, das der Ort bietet) sind viele Menschen, Angler, Familien, Spaziergänger hier. Da ich die Wegmarkierung bei der Anglerhütte nicht sehen kann, frage ich einen der Angler nach dem Weg. Er gibt mir einen Hinweis, dem ich folge. Ich verfilze mich jedoch total und hänge im Unterholz. Ob das nicht ein Fehler war? Da jedoch eine junge Frau mit ihren beiden Kindern auch dort rumkrabbt, gehe, suche ich weiter. Endlich stoße ich auf einen Weg. Uff, es ist der GR...
    Bis zum Pas de la Core passiere ich ein riesiges Stahlnetz (ein Steinschlag- bzw Steinlawinenschutz) und laufe die letzten Meter an einer breiten Straße entlang. Am Pass steht ein anderer Wanderer, der seinen Weg sucht – mehrere GR10-Varianten treffen hier zusammen. Meine, unsere, geht geradeaus durchs Farn bis hin zu einem Kuhzaun. Der junge Mann ist längst schon außer Sicht. Und hinter dem Stacheldraht steht eine Herde Kühe mit Kälbern, gut bewacht von ihrem Stier. Dummerweise stehen sie genau auf dem Weg, grasen mal links, mal rechts davon gemütlich und wollen sich einfach nicht verziehen. Ich warte und warte, traue mich nicht über den Zaun, Stiere flößen mir immer wieder großen Respekt ein...
    Eine gefühlte Ewigkeit später (es gibt definitiv keine akzeptable Variante, diese Stelle zu umgehen) rücken sie etwas zur Seite, ich traue mich, schleiche mich an der Herde vorbei und hetze alsbald die langgezogene Weide hinab. Das nächste Dorf ist Espints, ein verschlafener Weiler am Hang. Trotz des sehr verlockenden Gîtes (im von einem jungen Paar betriebenen Biohof) gehe ich heute bis zum nächsten Ort, Aunac. Was sage ich „gehe“, ich hetze hinab, von boshaften Bremsen ohne Erbarmen verfolgt.
    Kurz vorm Gîte sehe ich den jungen Mann vom Pas de la Core wieder, er sitzt als Beifahrer in einem Auto und fragt, ob ich aus dem Nachbarstädtchen was bräuchte.
    Im Gîte bekomme ich Bett und Abendbrot, letzteres wie so oft nehme ich gemeinsam mit anderen Wanderern zu mir.


    28.7. - 31. Tag : Von Aunac nach Saint-Lizier d'Ustou (ca 17 km???)

    Die ganze Welt ist in Nebel gehüllt. Der Gîte-Betreiber meint, etwas stoisch, „ça peut se lever, ça peut ne pas se lever“. Soviel zum Thema Nebel...

    Für den heutigen Tag habe ich mir gestern schon eine Variante ausgekuckt, die lange Schlaufe bis Couflens und den Mont Vallier spare ich aus.
    Und zwar nehme ich einen der regionalen Wanderwege, einen GRP (grande randonnée du pays), der sich als zum Teil doch abenteuerlich erweist. Sehr viele fußbreite Pfade an trügerischen Steilhängen entlang, die volle Aufmerksamkeit ist gefragt. Wald und Buchsbaumhecken. Mitunter ist es düster und immer noch neblig, so habe ich die Ariège auch von anderen Wanderungen in Erinnerung behalten. Als die Sonne sich endlich ihren Weg durch die Wolken bahnt, begrüße ich sie freudig. Leider ist der schöne Sonnenplatz mit Aussicht auf die Berge schon von einem streitenden Paar besetzt. Etwas weiter finde ich fast mitten auf dem Weg einen kleinen Fleck für eine Pause – gut, dass so wenige Wanderer heute hier unterwegs sind.



    Blumenwiese



    Kühles Plätzchen

    Nach dem morgendlichen Hinauf und dem nachmittäglichen Hinab geht es noch kurz an einem kleinen Fluss vorbei, an einer Burgruine, bis ich mich in Saint-Lizier auf dem Campingplatz für eine Nacht häuslich niederlasse. Die Epicerie gehört zum Camping, dort decke ich mich ein. Und genieße viel Obst und Gemüse zum Abendbrot.


    29.7. - 32. Tag : Von Saint-Lizier d'Ustou nach Aulus-les-Bains (20,9 km)

    Der Himmel ist prächtig und lädt zu einem langen Wandertag ein. Wie meist beginnt es bergauf, und wie meist in der Ariège beginnt es im Wald... Wieder geht es an Skipisten vorbei und diesmal auch an einer Mountainbike-Strecke. Mitunter ist der Pfad unangenehm schmal.



    Nur keinen Schritt daneben tun...

    Vor mir ist eine Frau mit zwei Jugendlichen. Wo der schmale Pfad auf eine Piste stösst, belästigen wildgewordene Bienen das junge Mädchen, das kreischend und um sich fuchtelnd die Bienen noch aggressiver macht. Als ich an der Stelle eintreffe, sind die Insekten immer noch wild. Eine verfängt sich in meinem Haar, ich kann sie jedoch herausstreifen und unbehelligt weitergehen.
    Es ist ungefähr 10:30 Uhr morgens und das erste Ziel des Tages liegt unmittelbar vor mir: eine Raststätte. Ich bin glücklich, dass ich auf der Terrasse um die Uhrzeit schon einen Milchkaffee bestellen darf. Träge betrachte ich von weitem das Dreier-Grüppchen, das der Landstraße entlang weiterzieht, um ein paar hundert Meter weiter wiederumzukehren. Sie haben wohl eine Wegmarkierung übersehen. Ich widme mich wieder meinem Kaffee und der Aussicht.
    Anschließend folge ich dem, wie mir scheint, sehr klar ausgetretenen Weg hoch, suche kurz darauf vergebens neue Wegmarkierungen und kehre suchend um. Da ich vergessen habe, Wasser nachzufüllen, gehe ich zurück zur Raststätte, wo die Betreiber ein sehr frühes Mittagessen einnehmen und mir sagen, dass sehr viele Wanderer sich an genau der Stelle irren...
    Neuer Start, neues Glück. Weiter geht’s, diesmal auf dem „rechten Weg“.
    Trotz der schönen Landschaften zieht sich der Weg schier endlos bis zur Abzweigung zum „Etang de Guzet“. Dort kann man entweder direkt nach Aulus absteigen, oder aber eine – sehr ! - lange Schlaufe dranhängen, die zu wohl sehenswerten Wasserfällen führt. Das Wetter ist gut, ich entscheide mich für die Wasserfälle. Genauso lang und endlos geht es nun weiter, bis hin zur Passerelle d'Ars. In dem natürlichen Pool sitzt eine gutgenährte Familie und hält die Stellung. Nun geht es hinab, an der „Cascade d'Ars“ vorbei, deren volle Pracht ich etwas später erst mit genügendem Abstand bewundern kann. Es ist angeblich einer der schönsten Wasserfälle der Pyrenäen. Ja, in der Tat beeindruckend, aber jetzt, in genau diesem Moment, weiß ich nicht, ob sich der Umweg wirklich gelohnt hat – ich bin müde, der Himmel zieht sich zu und ich möchte nur eines: ankommen, Nahrung sichern, einen Schlafplatz finden und ein kühles Bier trinken...



    Station Thermale du Cholestérol

    Gegen 18 Uhr erreiche ich endlich Aulus – das Paradies: Shops, Bars, was will man mehr!?
    Als es aber auf dem Weg zum Campingplatz heftig zu regnen beginnt, weiß ich, was zumindest ich mehr will: ein Bett im Trockenen.
    Ich kehre um, jedoch sind die beiden Gîtes voll, mein Internet funktioniert nicht, um eine Alternative zu finden. Da zwei junge Wanderer an mir vorbeiziehen, wie ich triefend auf den Stufen des verlassenen Hotels sitze (den einen hatte ich Tage zuvor schon vor und in Aunac getroffen), lasse ich mich von ihnen dazu anstecken, wieder zum Camping zurückzugehen.
    Obwohl die Rezeption eigentlich geschlossen ist – es ist schon nach 20 Uhr, kommt der Betreiber uns empfangen, empfiehlt uns die Plätze um den kleinen Pavillon herum, da wir darunter zumindest fürs Abendbrot vor dem Regen Schutz finden können.
    Unter der Plane sitzen schon andere Wanderer zum Abendbrot an den Tischen, wir setzen uns hinzu. Wegen des hartnäckigen Regens kehre ich meine Gewohnheiten zuunterst: erster Gang vom Abendbrot, duschen (Heureka, es gibt sogar einen Haartrockner hier, ein Segen bei dem Wetter), zweiter Gang vom Abendbrot, erster Versuch, das Zelt aufzubauen (wird jedoch vom wieder einsetzenden Regen vereitelt), zweiter Versuch schon im Dunkeln. Endlich liege ich unter der Zeltplane in meinem wunderbar-warmen Schlafsack, bereit, die Augen zu schließen, als ein junges Ding zu nah an meinem Zelt vorbeiläuft, über eine Spannschnur stolpert, so einen Hering herauszieht und ohne Entschuldigung in der Nacht untertaucht. Fluchend befreie ich mich aus meinen Schichten, um den Schaden zu reparieren. Gute Nacht!


    30.7. - 33. Tag : Von Aulus-les-Bains nach Auzat (25,8 km)

    Nach der wider Erwarten „guten“ Nacht bin ich recht früh auf den Beinen. Die Sonne blinzelt schon träge vom Himmel und kündigt sich für den Tag an. Unterm Pavillondach packe ich meine Siebensachen ein. Der Mann von dem „streitenden Paar“ sitzt auch schon da – auch ihnen bin ich inzwischen mehrfach begegnet. Zwei Frauen spendieren mir einen löslichen Kaffee, den ich dankend annehme. Der Streit-Paar-Mann sucht das Gespräch mit mir. Ich erfahre, dass die beiden unterwegs sind, weil ihr Sohn „seine Schwester verloren hat“. Kein Wunder also, dass die beiden kaum lächeln. Es ist nicht das erste Mal, dass ich meine vorgefertigte Meinung revidieren muss, allerdings immer wieder eine sehr heilsame Erfahrung...

    Gegen 8 Uhr verabschiede ich mich von der kleinen Wandergemeinde und ziehe los... bis zum Café auf dem Platz. Der freundliche Besitzer fragt nach, ob die Nacht nicht zu nass-kalt gewesen sei und macht mir einen Milchkaffee. Der Tag ist gerettet!
    Nun aber los! Im Wald erschreckt mich ein „hustendes“ Reh, hoch oben schon auf den Weiden kommt mir gemächlich eine riesige Kuhfamilie entgegen. Anfangs bleibe ich am Rand stehen, lasse die Kühe, Kälber und den ersten Stier an mir vorbeiziehen. Kurz darauf erblicke ich Stier zwei, drei und vier sowie besorgt blickende Kuhmütter, hangele mich sicherheitshalber die Böschung hinauf, halte mich an den Haselnusssträuchern fest und lasse ehrfurchtsvoll die Tierchen passieren...
    Etwas später überholen mich die beiden jungen Franzosen von gestern; ich hoffe inständig, dass sie mich nicht in den Sträuchern hängend gesehen haben...
    Am Kamm (nichts ungewöhnliches hier) wunderbare Aussichten in alle vier Himmelsrichtungen, und eine Ovomaltine-Pause. Ich danke innerlich dem Campingbesitzer, der mir gestern dringend angeraten hatte, diese Etappe nicht fallenzulassen – womit ich bei dem miesen Wetter laut geliebäugelt hatte.



    Wunderbare Aussichten, wunderbares Wetter

    Später, höher oben, liegt ein Weiher inmitten einer Felsbrockenlandschaft. Herrlich!



    Blick auf das Refuge de Bassiès

    Nach einem zweiten Kamm geht es zum Refuge de Bassiès hinab, wo ich mir ein göttlich-gutes Omelette in feinster Umgebung gönne. Die jungen Wanderer sitzen schon am Nebentisch. Das Wetter droht zu kippen, und so beeile ich mich über die Ebene, an den Seen entlang, bis es weiter hinab Richtung Tal geht. Die Landschaft erinnert mich an das Naturschutzgebiet der „Neouvielle“, wunderschön ist es hier.



    Tolle Landschaften

    Der Abstieg erscheint mir sehr mühsam; einmal führt der Weg sogar durch einen Bach, ich muss mich verlaufen habe. Ich kehre um, da kommen mir die beiden jungen Männer entgegen. Doch nicht falsch gelaufen... Später treffe ich auf zwei kleinere Grüppchen, 2 flämische Männer mit (Klein-)Kindern, die hochkraxeln, und ein paar Franzosen, die mir versichern, dass ich seit meinem Start gut vorangekommen sei und bestimmt schon 4/5 des Weges hinter mir habe. (naja, ob das wohl so stimmt?)
    Nach einer zweiten Bachüberquerung verlaufe ich mich diesmal definitiv, jetzt, um die Uhrzeit ist das besonders penibel, mein Kopf hat schon auf „Ankunft“ geschaltet...
    Endlich komme ich in Auzat an, die Herberge ist ausgebucht, so richte ich mich auf dem Camping ein. Das Städtchen gefällt mir erst auf den zweiten Blick, und ich gönne mir einen entspannten Abend auf der Terrasse des Café-Restaurants.
    Einziger Schatten am Himmel : Mein Steak ist leider verkohlt statt „gut durch“ ...



    Auzat


    31.7. - 34. Tag : Von Auzat zur Cabane de Balledreyt (ca 19,4 km)

    Dies ist der mit Abstand verrückteste Tag bisher.
    Aber von vorne... Nach einigen morgendlichen organisatorisch-logistischen Handlungen (Versorgen bzw Nachtrocknen der Wäsche, Zeltabbau, Provianteinkauf, Postamt...) und einem skandalös überteuerten Frühstück im Campingplatz starte ich erst um 9:30 Uhr; kurz zuvor erst habe ich mich für die Variante der Straße entlang bis Siguer entschieden... Die Wolken hängen so niedrig, ich muss eigentlich nur die Hand ausstrecken, um sie zu greifen. Da spare ich mir gerne Kamm, Farn und was auch immer.
    In Vicdessos gibt es erst einmal einen Latte Macchiato, der seinen Namen mit Würde trägt.
    Gegen Mittag schon erreiche ich in Siguer, froh, die öde Landstraße hinter mir lassen zu können. Es nieselt mehr oder weniger stark. In voller Regenmontur geht es nun bis Gesties, einem recht hübschen Dorf. Dort treffe ich die beiden jungen Franzosen, Arno und Gabriel, wieder, die einen Unterschlupf zum Kochen gefunden haben. Es sei für 14 Uhr Gewitter gemeldet, berichten sie. Zwei Herren des Dorfes, darauf befragt, wissen von nichts. Der eine meint „morgen vielleicht“ und der andere behauptet sogar kühn, dass es möglicherweise „dort oben“ besser sei als hier...
    Hurtig eile ich von dannen, hoch durch den Wald, bin schon am Col de Gamel vorbei in Richtung Grat, als in der Ferne die Kirchturmuhr zwei Uhr schlägt. Genau zeitgleich ist ein erstes, noch fernes Donnergrollen zu vernehmen, das sich rasch nähert. Panisch verschwinde ich in den Wald, lasse Rucksack und Stöcke zurück und mache mich unter meinem Poncho so klein es geht. Sobald „die Luft rein“ ist, spurte ich auf dem Grat weiter, der zum Glück weitestgehend am Wald entlang verläuft.



    Mieses Wetter


    Zwei Engländer in Gegenrichtung kommen mir entgegen, sie sehen wahrlich bemitleidenswert aus, wie pitschnasse Katzen oder Käuze. Und so muss wohl auch ich aussehen: Ganz oben am Kamm stehen Pferde, betrachten mich, kommen näher, erschrecken sich vor mir (!!!) und rasen weg. Eines stürzt dabei, rappelt sich jedoch sofort wieder auf. Zum Glück. Die eh schon miserable Sicht wird hier oben noch etwas miserabler. Erneutes Donnergrollen. Und jetzt keine Wegmarkierungen mehr zu sehen... Mit klamm-kalten Händen packe ich mein Telefon aus zwecks GPS und Orientierung, finde endlich wieder eine Markierung, der ich folge. Im Nebel kommen mir 2 Wanderer entgegen. Es sind Arno und Gabriel, die eigentlich hinter mir sind - ich bin in der falschen Richtung unterwegs! Mist!
    Gemeinsam hasten wir weiter, erneutes Donnergrollen. Eine Hütte, ein rauchender Kamin werden sichtbar. Kurzerhand trete ich ein und starre in 20 Gesichter – eine Familienfeier. Dort können wir nicht bleiben. Immerhin wird uns die nächste Hütte beschrieben, die nur ein paar Minuten weiter und öffentlich ist!
    In der winzigen Hütte hat schon ein Paar Feuer gemacht und sich einquartiert; dennoch laden sie uns höflich dazu ein, hierzubleiben für eine Weile oder gar für die ganze Nacht. Jedoch klart es ein wenig auf, weder die beiden jungen Männer noch ich haben Lust auf ein geteiltes Nachtlager auf 2x2 m2 zu fünft, und so geht es weiter. Noch eine Weile gemeinsam, bzw ich irgendwann „im Schlepptau“ bis zu einer weiteren privaten Hütte, die Sommerquartier für hiesige Herdenbesitzer ist. Sie sind soeben ins Tal gefahren, die beiden reizenden Töchter empfangen uns und erklären uns, wo die nächste offene Hütte liegt, nämlich genau 30 Meter entfernt. Laut Wanderbuch soll sie winzig sein, und jeder Wanderer kann dort bei Bedarf ein paar Lebensmittel als Notfallration „kaufen“, die er zwei Etappen weiter am Refuge du Rulhe bezahlen soll. Neugierig werfe ich einen Blick hinein, bevor ich weitergehe und den beiden Franzosen diesen 2x2m Schlafplatz überlassen, ihr vorab auserkorenes Etappenziel.



    Mini-Schutzhütte mit Not-“Epicerie“


    Die nächste Hütte ist in höchstens einem Kilometer erreicht, laut Wanderführer soll sie eine Ruine sein, im Netz fanden sich jedoch Berichte darüber, dass sie komplett renoviert sei.
    Und das ist sie! Eine wahre Luxusstätte unter den Schutzhütten, die ich am Ende des Nachmittags erreiche, müde aber zufrieden. Ich bin und bleibe wider Erwarten alleine, habe zwei Räume, Notfallkonserven, Holz und Bier für mich allein. Nach einigen Startschwierigkeiten gelingt es mir sogar, ein Feuer zu zünden. Das Programm: die klatschnassen Sachen versorgen, mich häuslich einrichten, zu Abend essen, nach dem Feuer schauen. Dann rolle ich mich zufrieden in meinen Schlafsack. Donnergrollen in der Ferne und Kuhglocken um mich herum...




    „Feuer, Bier... und Bett“


    1.8. - 35. Tag : Von der Cabane de Balledreyt zum Plateau de Beille (ca 11 km)

    Mein Wecker klingelt um 6 Uhr. Mir fällt es schwer, aus dem Bett zu hüpfen. Mein Schlafsack ist so kuschelig warm und um mich herum ist es so düster...
    Jetzt aber! Beim Packen bemerke ich ein dezentes Rascheln, da muss sich wohl eine Plastiktüte selbstständig gemacht haben... Kurz danach wieder ein Rascheln. Mein Blick fällt auf den Boden, wo zu meinem Erstaunen einer meiner Müsliriegel (die eiserne Reserve) liegt. Ich will schon danach greifen, da sehe ich, wie sich eine kleine graue Schnauze dem Riegel nähert. Ha! Unverfroren! Und naiv von mir, nicht abends an Mäuse gedacht zu haben. Ich habe noch Glück gehabt, dass nur der eine Riegel angeknabbert wurde.
    Ich gönne mir noch einen Nescafé – denn in dem Raum nebenan stehen sowohl Gaskocher mit Gas (eine Beteiligung daran ist logischerweise ebenfalls erbeten) als auch ein paar Nescafétütchen. Die Kuhglocken klingen fern, ein guter Moment zum Starten. Draußen ist es neblig, die Wiesen sind feucht. Die Orientierung fällt nicht ganz einfach auf der Weide. Und nach nicht einmal 5 Minuten sind meine über Nacht getrockneten Socken und Schuhe wieder triefend nass...



    Nasskalter Weg

    Der Weg führt in eine Talsenke, durch das Tal, steil durch einen ersten Wald bergauf, über einen ersten Kamm im Nebel, durch den mittlerweile beharrlichen Regen wieder durch Wald hinunter an einem wilden Bach entlang bis zur Cabane de Clarans, wieder im Wald hinauf , durch Nebel, Nieselregen, Nebel, Farn und nochmal Farn und Ginster bis zu einem zweiten Kamm. Dort erblicke ich in der Ferne die ersten Menschen für heute, eine Touristenfamilie in fluoreszierenden Farben. Nochmal über eine Kuhweide, an einer Huskyhundezucht entlang bis zum Plateau de Beille, einem weiteren jetzt verlassenen Skiparadies.



    Waldauf, waldab

    Immerhin ist die Cafeteria geöffnet, die Terrasse (im Nebel) sitzt voller Menschen, Tagesbesucher, die darauf hoffen, einen Blick in die Ferne zu erhaschen.
    Zwei Stunden bleibe ich dort hocken, lasse es mir gutgehen, bevor ich im „Village nordique“ eine Jurte (nur für mich!) beziehe. Nach und nach treffen die anderen ein, das Paar aus der Mini-Hütte von gestern und die beiden jungen Franzosen, die morgens den Weg bis hin zu meiner Hütte kaum ausmachen konnten und wohl deshalb so viel später als ich hier eintreffen...


    2.8. - 36. Tag : Vom Plateau de Beille zum Refuge du Rulhe (13,7 km)

    Um 6 Uhr werde ich wach, ein Blick nach draußen und wie von der Tarantel gestochen bzw wie vom Bären verfolgt springe ich auf! Freie Sicht auf die Berge und Andorra! Ich spurte mich, um den Sonnenaufgang im Freien zu erleben. Welch klare Luft...



    Andorra!

    Anschließend packe und frühstücke ich, und so geht es schließlich doch erst um 8 Uhr los.
    Ein wunderbarer Tag!
    Abgesehen von dem Rundum-Blick und der Sonne, die um die Wette strahlt, ist es eine gelungene Abwechslung, dass der heutige Rhythmus mal nicht „bergauf, Kamm, bergab“ ist, sondern dass der Weg mehr oder weniger „auf Höhe“ bleibt. Eine Quelle mit feinstem Wasser sprudelt am Wegesrand, ich fülle sämtliche Bestände auf.
    Immer wieder treffe ich auf die anderen Wanderer, das Paar sowie Arno und Gabriel, die jungen Männer. Unsere Wege trennen sich definitiv kurz vor dem Weg über den Grat. Die „crêtes des Isards“ sind sehr bemerkenswert, aber auch etwas anspruchsvoller; mehrmals muss ich Stöcke wegpacken, und beide Hände zur Hilfe nehmen.



    Zu den Crêtes des Isards

    All die Pracht um mich herum kann ich nur schwer in Worte fassen, der kleine Bach, der tief durchs Tal mäandert, der Raubvogel, der zugleich lautlos und geräuschvoll über meinem Kopf zum Flug ansetzt und sich durch die Lüfte schwingt, der Blick auf die Berge Andorras...
    Früh schon komme ich im Refuge an, bewundere die tibetanischen Gebetsfahnen, die fröhlich im Wind schwingen, stelle mein Zelt in der Nähe auf, genieße die Sonne und den Tag.
    Morgen werde ich ab Merens einen Ausflug nach Ax-les-Thermes machen. Dort war ich vor Jahren schon einmal, und ich mochte das Städtchen sehr!



    Malerische Gebetsfahnen am Refuge du Rulhe



    Refuge du Rulhe


    3.8. - 37. Tag : Vom Refuge du Rulhe nach Merens-les-Vals (10,9 km)

    Auch heute starte ich später als gewollt, Schuld daran das Frühstück in netter Runde.
    Der Tag lässt sich gut an, bestes Wetter und Gelände, wie ich es liebe. Großes Geröll, über das sich leicht balancieren lässt. Immer wieder bleibe ich stehen, schieße ein Foto nach dem anderen und halte Ausschau nach Gämsen. Wenn nicht hier wo dann?!
    Ich genieße alles, die karge Landschaft, das Grau der Steine, den blauen Himmel. Und dann sehe ich sie, über mir, die Gams; sie scheint mich anzustarren, verharrt ein paar Sekunden, springt mit 2 Sätzen auf den Felsen darüber, verharrt wieder, wie um sich von mir portraitieren zu lassen. Und springt nach dem Foto blitzschnell weg.





    Ein weiterer Höhepunkt ist die Aussicht an der 'crête de la Lhasse“; und der Weg bis ins Tal bleibt immerhin recht nett. Ein kurzer Ausrutscher zwischen Ginster, Geröll und Gras mit Zuschauern, ein Grüppchen der Tagestouristen, die das Tal bevölkern.
    Immerhin rutsche ich bisher nur an ungefährlichen Passagen aus, auch etwas!

    Nachdem ich früh schon mein Bett im Gîte bezogen und geduscht habe, fahre ich – auf Empfehlung der sehr netten Betreiberin, Madame Jackie – per Autostopp nach dem ein paar Kilometer entfernten Ax-les-Thermes.
    Das Städtchen hatte ich anders – sehenwerter – in Erinnerung, so beschränkt sich mein Besuch auf die praktischen Dinge: Waschsalon, den fehlenden Wanderführer suchen (und finden, Heureka!), ein paar Einkäufe, Kosmetiksalon (tja, das muss jetzt sein). Am späten Nachmittag sitze ich im Zug zurück nach Merens. Auch Merens hat sich verändert: Sowohl die kleine Epicerie als auch die Bar sind mittlerweile geschlossen.
    Und das Abendessen im Gîte werde ich mit völlig neuen Gesichtern teilen...
    Geändert von FatmaG (10.03.2017 um 23:04 Uhr)

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    AW: (FR) In 45 Tagen bergauf bergab vom Atlantik zum Mittelmeer- der Pyrenäenweg

    #4
    4.8. - 38. Tag : Von Merens-les-Vals zur Cabane de Rouzet (13,8 km)

    Wie so oft werde ich um 6 Uhr auch ohne Wecker wach. Reichlich Zeit bis zum Frühstück, das es ab 7 Uhr gibt. Dreiviertelstunde später und fein satt bin ich unterwegs voller Vorfreude auf den Tag. Diese Etappe bin ich vor ein paar Jahren schon gelaufen (GR107 – Cami dels Bons Homes) und ich begrüße jeden Kilometer wie einen alten Freund. In den heißen Schwefelquellen sitzt ein Herr im Slip. Die Senke ist viel bewachsener als ich sie in Erinnerung habe. Der kleine See, bzw Teich, l'Estangnas ist viel grüner, als ich ihn in Erinnerung habe. Und viel leerer irgendwie... Und an die vielen lästigen bissigen Bremsen kann ich mich nun überhaupt nicht erinnern.



    Zum Col de Besines



    Zum Refuge de Besines

    Am Col de Besines bläst ein scharfer Wind, und so steige ich sofort hinab Richtung Refuge, welches ich schon um 12 Uhr erreiche – viel zu früh, um dort zu bleiben. Nach einer ausgiebigen Mittagspause ziehe ich weiter, orientiere mich an den beiden Steinmännchen, die am Refuge wie eine Eingangspforte aussehen. Sofort lande ich im Geröll, an das ich mich auch nicht mehr erinnern kann. Tiefer unten am Bach führt ein Weg entlang und ich frage mich, ob ich nicht zu weit „oben“ bin. Dennoch folge ich den Steinmännchen, jetzt umkehren bringt nichts. Später erweist sich meine Vermutung als richtig, ich sehe zwei Wanderer ganz gemütlich unten entlang gehen, während ich oben doch recht mühselig herumkraxele... Die beiden Wege treffen jedoch bald aufeinander und ich kann dem GR wieder folgen. Hoch und höher geht es bis zum Col de Comma de Anyell, steil hinauf über riesige Felsbrocken und an letzten Schneeresten vorbei. Viele Wanderer kommen mir entgegen, sie wollen alle zum Refuge. Der Weg vom Kamm hinunter zum Etang de Lanoux strengt meine Knie an, überhaupt schmerzen sie immer öfter, aber das ist wohl der Langzeitanstrengung geschuldet...



    Die Cabane de Rouzet...



    … am Lac de Lanoux


    Als ich an der Cabane de Rouzet ankomme, erwarte ich „Massen“, die sich dort einrichten wollen, jedoch sind da lediglich zwei junge Männer, die ihr Zelt neben der Schutzhütte aufbauen. Die beiden sind aus Berlin und spontan in die Berge gefahren. Spontan, dh ohne genauere Pläne oder Ziele und vor allem ohne Landkarten. Jetzt gehen sie im See baden.
    Der See, also der Etang de Lanoux, liegt am Fuße des Carlit. Welch ein Panorama!
    Die obligatorische Kuhherde ist unterwegs mit allem Drum und Dran, Glockengebimmel, Kühen, Kälbern, Rindern, Stieren; sie werden unsere Nachbarn für eine Nacht bleiben.
    Da immer noch niemand hier eintrifft und Mitbewohnerschaft in der winzigen Hütte einfordert, richte ich mich nach einer Katzenwäsche, so weit das die spartanische Bleibe erlaubt, häuslich ein, hänge diesmal vorsorglich meine Lebensmittel an die Decke und entspanne mich.
    Die Massen treffen übrigens kurz vor Abend doch ein: 5 junge Holländer, die eigentlich auch gerne drinnen übernachten würden. Aber zu 6 in einer Hütte für maximal 4 ist schwierig, vor allem bei ihrer Körpergröße. Und so bauen sie Zelte auf. Dann treffen noch 8 französische Pfadfinder ein, die nach ausgiebiger Beratung schliesslich ebenfalls weiterziehen zu einer nächsten Hütte auf der anderen Seite des Sees, die sie auf ihrer Karte ausmachen. Die Holländer klopfen später nochmal an, sie möchten hier drinnen essen. Und bieten mir sogar eine Portion an. Sehr zuvorkommend.
    Das mit dem Einschlafen ist schwierig, ich dämmere vor mich hin. Höre und spüre die Kuhherde um die Hütte stampfen. Irgendwann - noch später - taucht einer der jungen Niederländer auf. Er will nicht in seinem Zelt bleiben und fühlt sich von den Hufen der lieben Tierchen bedroht. Verständlich.

    Das Quietschen der Türe weckt mich in der Nacht immer wieder auf. Verdammt, hat mein Mitbewohner eine so schwache Blase? Erst früh morgens – diesmal muss ich ihn wecken, da ich losziehen will und in so intimer Umgebung klappt das nicht mit Diskretion – verstehe ich, was los ist: Er bekam die Türe nicht zu, doch wegen des eisigen Windes hat er es immer wieder versucht. Tsss...


    5.8. - 39. Tag : Von der Cabane de Rouzet nach Planès (28,5 km)

    Die Luft heute morgen ist neblig und sehr feucht. Ich hülle mich in meine Regensachen. Dass meine Handschuhe ganz unten im Rucksack sind und ich keine Lust habe, sie zu suchen, werde ich schnell bereuen. Es ist bitterkalt.
    Endlich, ewig lange nach dem nächsten Kamm, erste zaghafte Versuche der Sonne, sich durch Wolken und Nebel zu fressen. Endlich bricht die Wolkendecke auf und allmählich wird es etwas wärmer.



    Zum Lac des Bouillouses

    Und zum Glück sind diesmal meine Schuhe tatsächlich mehr oder weniger trocken geblieben!
    Ungeduldig gehe ich weiter, kann kaum das schöne Tal genießen. Eine von rechts nach links über den Weg rasende Kuhherde, der ich lieber ausweiche. Je mehr der Morgen voranschreitet, desto mehr Tageswanderer kommen mir entgegen. Ich nähere mich dem Lac des Bouillouses. Und erreiche endlich die Staumauer. Erst einmal ein Frühstück im Hotel – es gibt keine Croissants mehr, mir werden aber Baguette mit Marmelade angeboten. Lecker!



    Die Staumauer vom Lac des Bouillouses

    Gestärkt geht es dann weiter bergab, vorbei an mehreren Seen, an vielen Touristen und an der Skistation Superbolquère bis hinunter zum Ort Bolquère, durch die zwei Dörfer La Perche (mit seinem verblassten Touristenkomplex aus einer anderen Ära) und La Cabanasse, die beide in dem langgezogenen Tal liegen, durch das der „petit train jaune“ im Sommer lustig pfeifend und schnaufend fährt.
    Mein sehr langer Wandertag geht heute in Planès zu Ende. Dort habe ich ein „éco-gîte“ auserkoren, wo ich mein Zelt aufschlagen kann und gleichzeitig ein leckeres Abendbrot erhalte.



    Wunderschönes Tal


    6.8. - 40. Tag : Von Planès zum Refuge de l'Alemany (20 km)

    Die Betreiber des gîtes hatten mir abends zuvor ein „frühes Frühstück“ angeboten, dh statt des normalen Buffets ab 8 Uhr ein Self-Service-Frühstück ab 7 Uhr. Nach einigem morgendlichen Hin und Her sitze ich um zehn nach sieben am Tisch, mache mir meine Milch für den Kaffee warm, schmiere mir ein Brot, esse ein Müsli, nähe ein Loch in meinem strapazierten T-Shirt, lasse den Tag langsam angehen. Ich habe Zeit.
    Gegen 7:30 Uhr höre ich die Betreiber im Hintergrund aktiv werden. Ich bin dabei, mir einen zweiten Milchkaffee zu wärmen, ein 2. Brot mit Butter zu schmieren – diese Marmeladen sind einfach zu lecker. Es ist 7:40 Uhr. Plötzlich stürmt der Betreiber an meinen Tisch, schnappt sich die Marmeladengläser vom Tisch und meint, er würde nun hier abräumen. Unglaublich! Wir argumentieren hin und her. „Ich bin aber noch nicht fertig“, „Ich muss jetzt das Buffet für die anderen Gäste vorbereiten“, „Ich darf aber doch noch zu Ende frühstücken“, „Sie haben genug Zeit gehabt“, „Also, ich habe doch das Recht, mein Frühstück aufzuessen“, „Sie haben einen 'service spécial' gefragt, eine Stunde reicht ja wohl“, „Es ist jetzt gerade mal 7:40 Uhr“, „Irgendwann muss man abhauen (foutre le camp)“, „Also, sowas ist mir auf dem ganzen Weg noch nicht vorgekommen“... Ich bin perplex!
    Erbost erhebe ich mich, lasse alles stehen und liegen und muss draußen erstmal Luft herauslassen, dennoch werde ich den halben Tag brauchen, dieses Frühstück zu verdauen...

    Zum Glück sind Wetter und Weg angenehm! Und den letzten Rest (des Vergessens) geben mir der Weg hinauf zum windigen Col Mitja und hinab zum Refuge du Ras de la Carança über viel heimtückisches kleines loses Geröll.



    Am Col Mitja

    In der sehr idyllischen Talsenke liegt das Refuge, vor und in dem einige Männer sitzen. Auf zweiten Blick sehen sie etwas beschwipst aus. Sie trinken Alkohol und quatschen alle Ankommenden an. Ich mache kurz Rast, bestelle ein Getränk und fülle Wasser auf. Da höre ich eine Pfeife. Meine Pfeife. Einer der betrunkenen Männer hat sie benutzt. Ruhig weise ich ihn zurecht, dass das nicht in Ordnung ist, was er zunächst akzeptiert und sich gleich anschließend aufregt über mich im Einzelnen und „die Wanderer“ im allgemeinen.
    Ich ziehe eilig weiter – was für ein Tag! So schnell es geht möchte ich die Carança hinter mir lassen. Am zweiten Kamm des Tages grast eine weitere riesige Schafherde, der Hirte sitzt reglos in der Mitte. Wir winken uns zu. Die Hochebene bietet einen unglaublichen Ausblick auf das Languedoc und dort in der Ferne im Osten muss das Mittelmeer liegen.
    Der Abstieg ist holprig und happig. Definitiv nicht für kurze Beine gemacht und ganz definitiv nicht für das Ende eines langen Tages. Aber da hilft nichts, hier im Hang kann ich schlecht bleiben...
    Und endlich, um 19:20 Uhr komme ich im Refuge de l'Alemany an, das verlassen da liegt. Etwas tiefer kann ich ein einsames Zelt ausmachen. Kurz nachdem ich mich eingerichtet und gewaschen habe, erscheint ein junger Mann – die Vorhut einer kleinen deutschen Vierer-Gruppe, die von Andorra und dem GR11 hierüber gewandert sind. Gut, dass es einen Zwei-Etagen-Schlafplatz für uns gibt.
    Und da mir wieder kalt ist, mache ich ein Feuerchen, vor dem ich mein Abendbrot zu mir nehme.


    7.8. - 41. Tag : Vom Refuge de l'Alemany zum Refuge de Mariailles (17,1 km)

    Nach einer sehr unruhigen Nacht stehe ich (endlich!) um 7 Uhr auf; aus Rücksicht auf die Mitbewohner hatte ich meinen Wecker so spät gestellt, aber nun muss ich raus aus den Federn!
    Kurz vor 8, nach einem Austausch mit der Camperin, die hier Wasser holen kommt, geht es los, durchs Tal bis nach Mantet.



    Blick auf den Canigou

    Am Dorfausgang des sehr idyllischen Dörfchens bekomme ich auf dem Balkon des Cafés sogar ein Frühstück. Heute ist Dorffest, zwei junge Männer nehmen gemeinsam einen stärkenden Kaffee zu sich. Der eine, so stellt sich heraus, sieht in dem Refuge nach dem Rechten. Die Cafébesitzerin erzählt, dass das Dorf in den 60er Jahren völlig verlassen und zum Teil zerfallen war; nach und nach haben die Menschen es wieder aufgebaut und bevölkert. Sie sei von Anfang an dabeigewesen und sogar eine Zeit lang die Bürgermeisterin. Stolz schwingt in ihrer Stimme mit. Zurecht!
    Das nächste Dorf, Py, erreiche ich schnell, der Weg dorthin ist einfach. Eine zweite Pause, meine Mittagspause, wieder auf einer sonnigen Terrasse: ein leckerer Salatteller. Das zeltende Paar trifft auch hier ein, Sophie und Manu aus den französischen Alpen. Sehr angeregt unterhalten wir uns, so sehr, dass ich spät erst weiterziehe. Es ist schon nach 13:30 Uhr.
    Der Weg bis zum Refuge de Marialles scheint mir ewig – vor allem wegen der Nachmittagshitze der „pyrénées orientales“... Angenehmer wird es, als der GR an einem kleinen Bewässerungskanal im Wald entlangläuft.
    Das Refuge ist bevölkert, ich frage erschöpft nach dem Biwakplatz. Der Hüttenwirt, erst etwas unwirsch (sein Ruf eilte ihm schon voraus), zeigt mir wohin und dass über der Kuppe rüber auch eine kleine unbewirtete Hütte stehe, falls... Genau dort quartiere ich mich ein, Dusche im Refuge, Apéro auf der Terrasse, Picknick in „meiner“ Hütte - und diese Panoramas zum wahnsinnig werden um mich herum...



    Beim Refuge de Mariailles


    Morgen werde ich das Massiv des Canigou und die letzten 2000er hinter mir lassen und das Mittelmeer fast schon riechen können.


    8.8. - 42. Tag : Vom Refuge de Mariailles zur Maison forestière de l'Estanyol (ca 23,9 km)

    Nächtliches Geraschel um mich herum. Zweimal leuchte ich umher, und siehe da: eines der grauen Tierchen rast geblendet von dannen.
    Ich erscheine dank der Nager später zum Frühstück als gedacht, sitze am Tisch einer etepeteten Madame, die leicht pikiert die Marmelade zu sich rüber zieht. Sie wollte den Tisch für sich und ihr Vierergrüppchen alleine beschlagnahmen. Pfff, Menschheit! Ich wechsle zum Nebentisch.
    Ein guter Tausch, ich komme mit einem sehr netten Paar in Kontakt, die mir einen guten Tipp geben: Statt um den Canigou herum (GR10) lieber über ihn drüber bzw an seinem Gipfel vorbei wandern. Der Wirt, seltsamerweise sehr freundlich heute morgen, schlägt mir sogar eine weitere Variante vor. Und stimmt mir zu, dass es das beste sei, loszulaufen, ohne das Etappenende vorherzuplanen. Ganz gemütlich steigt der sehr gut ausgewiesene Weg zum Gipfel des Canigou an, kommt an einer schnuckeligen kleinen Hütte vorbei, die auf Schläfer wartet. Und allmählich, ganz langsam, füllt sich die Strecke – Menschen, die ich einhole, Menschen, die mich einholen und so wird der Weg so nah am Gipfel zur Autobahn. Eine Autobahn, die nun aber ganz schön steil wird. Irgendwann werfe ich einen Blick zurück und stelle fest, dass wir die falsche Autobahn genommen haben und dass es einen weiteren, doch wesentlich gemütlicheren Weg hinauf gibt. Vor allem habe ich beinahe die Abzweigung zum Barbet-Grat verpasst. In Anbetracht der Massen ist es mir mehr als recht, nicht über den Gipfel zu steigen. Die Aussicht ist eh geil: auf der einen Seite der Canigou-Gipfel (voller „Ameisen“),auf der anderen das Mittelmeer! Juchuuu!!!



    Den Canigou links liegen lassen

    Ich entscheide mich für den kleinen Umweg über das „Chalet des Cortalets“, wo ich eine wunderbar entspannende Mittagspause einlege. Der zweite Teil des Tages ist anstrengender. Der Weg zieht sich endlos dahin, um Bergflanke und Bergflanke herum bis hin zur „Maison forestière“, ein zweigeteiltes Haus, dessen eine Seite einem Schäfer zur Verfügung steht und die andere eine Hütte ist. Leider ist sie voll, bzw die 8 Personen, die sich installiert haben, mögen nicht enger zusammenrücken (eigentlich ist die Hütte als 10-Personen-Hütte angegeben). Naja, kurz darauf steht mein Zelt, wenn auch nicht so ideal, so steht es immerhin. Als ich ein spätes Abendbrot einnehme, kommt ein junges Paar an, das gleich weiterzieht, und noch später zwei junge Männer, die auch hier ihr Zelt aufbauen.



    Reste eines abgestürzten Flugzeugs


    9.8. - 43. Tag : Von Estanyol zum Mas de la Griffe (ca 26,3 + ein paar zusätzliche km)

    Für heute Nachmittag gibt es Gewittermeldung, also nicht trödeln. Um 7 Uhr gehe ich zügig los, erlaube mir jedoch im Gîte der „Mines de la Batère“ ein Milchkaffee-Stopp. Welch weise Entscheidung! Und die Maschine, die etwas Zeit zum Kaffeebrauen braucht, ist ein echter Hinkucker!



    Die Morgensonne spiegelt sich im Mittelmeer

    Kurz vor 13 Uhr komme ich in Arles-sur-Tech an und ziehe los für ein paar Besorgungen, u.a. reserviere ich (im Tourismusbüro gibt’s Wlan) mein Rückfahrtticket und meine Unterkunft mit Abendbrot in einem Ort etwas abseits des Weges. Arles entpuppt sich als hübsches Städtchen. Ich lasse mir Zeit. Mittlerweile ist es 14 Uhr, das versprochene Gewitter ist über der Stadt. Ich lasse mir noch mehr Zeit, gehe irgendwann bis zum Stadtrand, warte... Jetzt scheint es sich zu beruhigen, ich verlasse etwas zögernd die Stadt, überquere das Flüsschen und befinde mich fast sofort im Wald und in der Steigung zum Col. Der Himmel hinter mir sieht düster aus. Ich beeile mich. Plötzlich lösen sich über mir wieder alle Himmelsschleusen und es regnet in Strömen. Blitz und Donner. Ich stelle Gepäck ab, entferne mich halbentschlossen ein paar Meter und hocke mich hin, wartend. Hagel! Keine zehn Minuten später, meine Knie schreien schon vor Schmerz, sehe ich, wie sich der Weg urplötzlich in einen strömenden Gebirgsbach verwandelt, in dessen Mitte mein Rucksack steht! Gewitter hin, Gewitter her, ich eile herbei, um meine Sachen und vor allem meine Daunen vor dem Wasser zu retten... Gerade nochmal gutgegangen, sie sind fast ganz trocken geblieben. Warten, ausharren. Irgendwo über mir höre ich Stimmen. Sobald der Himmel ein wenig heller wird, gehe ich weiter. Mir kommt eine völlig durchnässte Familie in Sommersachen entgegen. Später ein Wanderer. Dann legt das Gewitter wieder los. Rucksack abstellen (diesmal an einen besseren Ort), sich hinhocken (meine Knie schreien!), warten... Sobald der Himmel über mir klarer scheint, gehe ich weiter. Eile zum Kamm hinauf und gleich wieder hinunter. Auf dieser Seite ist das Wetter freundlicher. Ich gehe durch den Wald zum „Moulin de la Palette“, wohl eine als Wanderunterkunft umfunktionierte Mühle, und verlasse kurz dahinter den GR10, um auf direktestem Weg zum „Mas de la Griffe“ zu gelangen. Als meine Kleider fast trocken sind, fängt es wieder an zu regnen. Und als ich am Mas ankomme, ist es schon fast 19:30 Uhr.



    Gewitterwetter

    Das Mas de la Griffe ist eine Oase des Ausstiegs. Alles ist sehr einfach, der Empfang unglaublich herzlich. Trockenwcs, Duschhütten draußen (natürlich solarbeheizt, dh heute eher lauwarmes Wasser; dafür mit Blick auf den Canigou, wie ich am nächsten Morgen feststellen darf), Jurten und zusammengebastelte, -gezimmerte Behausungen. So auch die Küche, eine Art überdachter Terrasse.
    Ich bekomme den „Dome“ für mich, eine runde zeltartige Holz- und Plastikkonstruktion mit hoher Kuppel, ein paar Betten und Holzofen. Ich darf Feuer machen, um meine Sachen zu trocknen. Wunderbar!
    Abendbrot mit den Bewohnern und Langzeitsommergästen, die die Jurten bewohnen, und mit drei jungen Wanderern, die ein Teilstück des GR nach Westen zurücklegen.
    Das Essen ist bio und vegetarisch. Und vor allem sehr sehr lecker.
    Bevor ich zu Bett gehe, lege ich noch einen Scheit in den Ofen und schlafe im Warmen gemütlich ein...


    10.8. - 44. Tag : Vom Mas de la Griffe zum Chalet de l'Albère (ca 38,4 km)

    Gut ausgeruht und mit einem reichhaltigen Frühstück im Bauch geht es um 8 Uhr spät los. Bis ich den Weg zum GR finde, vergeht einige Zeit. Der Wanderweg verläuft größtenteils durch ganz schön windige Waldgebiete, an Berghängen entlang in Nähe der französisch-spanischen Grenze. Bevor es nach Las Illas hinabgeht, habe ich schon einige Kämme über- bzw umschritten und mit dem Wind gekämpft. An einem staubigen Hang rutsche ich aus und lande unsanft auf dem Allerwertesten.
    Nach Las Illas folgt der Weg zunächst der Landstraße – scheint eine neuere Variante zu sein, zumindest ist das so im „Topoguide“, dem französischen Wanderführer, nicht verzeichnet – und kommt dann in das Gebiet vom „Mas Nou“, einem Nudistenhof, an dessen Außengrenze ein Schild mit der „Randonnue“ wirbt – 5 Kilometer lang ist FKK-Wandern erlaubt. Ich treffe jedoch weder auf die Bewohner noch auf Wanderer oder sonstige Nackedeis, sondern habe die sehr staubige Piste für mich alleine.



    Die Ruinen von Panissars und die Festung von Bellegarde

    Kurz vor Le Perthus schon im späten Nachmittag begegne ich einer jungen Frau, die mir allerwärmstens ans Herz legt, bis zum Chalet de l'Albère zu gehen – die Aussicht sei einfach unglaublich dort oben!
    Immer schön eins nach dem anderen.
    Erst einmal Le Perthus unten im Tal. Die Stadt ein einziger Parkplatz, an mir vorbeieilende Plastiktüten voller Alkoholika und Zigaretten, das traurige Schicksal der Grenzstadt... In einer Bäckerei direkt am Weg kaufe ich ein Eis und ein Törtchen, beides verschlinge ich sofort in der schattigen Bushaltestelle nebendran. Ich kann mich nicht dazu motivieren, weiter in die Stadt reinzugehen, um wenigstens ein Stück Käse zu besorgen und schon gar nicht, über Nacht hierzubleiben, obwohl ich eigentlich recht müde bin...




    Beeindruckende Korkeichen

    Also weiter! Der Weg zieht sich endlos dahin, immerhin bieten die Korkeichen Abwechslung. Ab Saint Martin geht der Weg durch Ginsterfelder bergauf, vor mir erspähe ich hin und wieder ein Paar. Ich bin also noch richtig. Die Sonne steht schon tief, nun schlängelt sich der GR durch dichten Wald bis endlich das Chalet de l'Albère vor mir liegt. Auf dem Picknickplatz gegenüber darf gezeltet werden, ich stelle meines mit etwas Abstand zum Nachbarn auf. Nach einer wohltuenden Dusche kehre ich ins Restaurant vom Chalet zurück, auf dessen Terrasse mich der grandiose Sonnenuntergang schier umhaut. Mittlerweile ist es 21 Uhr. Obwohl ein kühles Lüftchen weht, meine Haar nass sind und ich eine wirkliche Frostbeule bin, esse ich draußen statt im lauten Essraum. An dem Ausblick vor meinen staunenden Augen kann ich mich nicht sattsehen...


    Foto

    Sprachlos

    In der Dunkelheit gehe ich schließlich zum Zelt zurück, an dem der wieder aufkommende Wind rüttelt und zerrt, und kuschele mich zufrieden in meine Schlafsäcke.


    11.8. - 45. Tag : Vom Chalet de l'Albère nach Banyuls-sur-mer (22 km)

    Wie eigentlich immer werde ich früh wach.
    Trotz des heftigen Windes, der die ganze Nacht über an meiner Zeltplane zerrt, habe ich recht gut geschlafen. Und das Zelt, das wunderbare, hat standgehalten. Und kalt war mir auch nicht.

    Das sowie das gute Frühstück im Chalet sind lediglich einige der Gründe, weshalb ich gutgelaunt bin. Heute ist mein letzter Wandertag, den ich ungeduldig angehe. Noch eine nette Unterhaltung mit einer Solowanderin auf der HRP, dann gehe ich gegen 8 Uhr los. Der Tag wird bestimmt locker, es sind ja höchstens 7 Stunden bis Banyuls.
    Aber das ist die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Es stürmt heute noch heftiger als gestern. Und die erste Hälfte des Tages führt von Bergrücken über Grat über Bergrücken, immer der französisch-spanischen Grenze entlang. Ich torkele vorwärts, als hätte ich heftigst getrunken und könnte mich kaum noch auf den Beinen halten... Ich bin mir sicher, ohne Rucksack und Trekkingstöcke hinge ich schon längst im Stacheldraht-Grenzzaun. Es ist ein regelrechter Kampf mit bzw gegen den Sturm, der den malerischen Namen Tramontane trägt. Fluchend strauchele ich langsam und gebückt vorwärts, die vielen Kuhherden am Weg kaum beachtend. Lediglich einmal lasse ich gebührend Zeit verstreichen, bevor ich weitergehe. Ein massiver Stier grast träge auf dem Weg und lässt sich unendlich viel Zeit, bevor er sich endlich vom Bergrücken in Richtung Baumgrüppchen verzieht.



    Stacheldraht-Grenzzaun


    Nach diesem schier endlos wirkenden Weg über den allerletzten Grat meines GR10s noch schnell hinterher geschlabbert ein elender steiler Abstieg. Meine Knie streiken. Aber das dürfen sie nun auch allmählich, die treuen! Der Col des Gascons, der letzte Kamm, lässt sich bitten. Dann, und das ist nun wirklich der Hammer, ist ein kurzer Abstieg direkt dahinter sogar noch krasser. Dabei dachte ich schon, noch schlimmer gibt es gar nicht! „GR10, du mich auch“ fluchend kann ich die Weinberge von Banyuls gar nicht mehr recht würdigen; dieses kleine Weingebiet, eines der wenigen, das wegen seiner schwierigen Lage noch komplett per Hand abgeerntet wird.



    Die Weinberge von Banyuls

    Dann endlich – ENDLICH - Banyuls-sur-mer, seine Vororte, sein Zentrum, seine Strandpromenade und die „Zielplakette“, vor der sich jeder müde ankommende Wanderer noch schnell ablichtet.
    So auch ich! Müde, aber doch stolz darüber, den Weg geschafft zu haben...



    Angekommen!

    Ursprünglich wollte ich mir ein Hotelzimmer suchen, was sich Mitte August jedoch als kompliziert erweist. So fahre ich mit dem Sommer-Shuttle-Bus durch Banyuls bis zum Campingplatz, wo ich vor ein paar Jahren schon einmal übernachtet habe, und ergattere tatsächlich den allerletzten freien Platz. Glück im Unglück.
    Nachdem ich mehr schlecht als recht das Zelt zum Stehen bekomme, der Platz ist steinig, der Boden steinhart, fahre ich frisch geduscht und wieder mit dem GR10 versöhnt zum Zentrum am Strand zurück. In einer tollen „Bar à vin“ feiere ich beim Sonnenuntergang mein Ankommen am Ziel mit einem phänomenalen Rosé Banyuls.
    Gemütlich schlendere ich in der Nacht bis zum Campingplatz zurück.



    Banyuls by night

    Epilog
    Den letzten Urlaubstag möchte ich in Perpignan verbringen. Dorthin fahre ich also morgens mit dem Bus - nach einer sehr schlechten Nacht, einem sehr leckeren Frühstück auf dem kleinen Platz und einem mit Vorfreude getätigten Weineinkauf.
    In Perpignan versucht ein junger Mitarbeiter der Touristeninformation, ein Zimmer für mich zu finden - vergeblich. Perpignan ist ausgebucht! So reserviere ich von dort aus schließlich per Telefon in Banyuls in einer Pension das letzte freie Zimmer! So fahre ich unverrichteter Dinge mit dem Bus wieder an meinen heutigen Ausgangspunkt zurück – den Tag hätte ich echt netter verbringen können ! -, als mein Telefon klingelt. Die Dame der Pension mit der Hiobsbotschaft, parallel habe jemand via „booking.com“ reserviert, das könne sie unmöglich annullieren...
    Zum Glück hilft das Tourismusbüro in Banyuls freundlich weiter; der Camping sei nun zwar auch ausgebucht, sowie alle – ALLE – Zimmer in Banyuls, aber ein paar Dörfer weiter gäbe es noch Zimmer in Cerbère. Sie sind so freundlich und reservieren für mich. So fahre ich mit dem Bus in Begleitung einiger anderer zimmerloser Wanderer und Reisender nach Cerbère.
    Das Städtchen ist das letzte vor der spanischen Grenze, recht ruhig und nett, wie es im Spätnachmittagssonnenschein da liegt. Ohne dieses Hin und Her hätte mich nichts hierher verschlagen. Und so hat alles immer auch seine guten Seiten...






    Kurzgefasst:
    Von Ende Juni bis Mitte August war ich also auf dem GR10, dem Pyrenäenweg unterwegs. Es war gewaltig, soviel vorweg.

    Ich hatte mich für die Gehrichtung vom Atlantik zum Mittelmeer entschieden, nicht nur weil der Weg in den (insgesamt 4) französischen Wanderführern der „Fédération française de randonnée“ von West nach Ost beschrieben wird, sondern auch und vor allem, weil ich mir von dem doch eher lieblichen Profil der baskischen Pyrenäen einen sanfteren Einstieg und allmähliches Fitwerden erhoffte. Es war die richtige Entscheidung!

    Insgesamt war ich 45 Tage unterwegs, abgesehen von einer Woche mit meinem Liebsten, allein. Natürlich bin ich immer wieder anderen Wanderern begegnet, der Weg ist jedoch alles andere als „überlaufen“, zumindest war das bei mir so. Es gibt touristische Höhepunkte, bzw Hütten, Gruppenunterkünfte oder Ausflugsziele, die von Tagestouristen besucht werden, da waren zB natürlich wesentlich mehr Menschen unterwegs. Ein paar sehr nette Begegnungen mit anderen Wanderern bleiben mir in Erinnerung, manche traf ich mehrere Tage bzw Abende hintereinander, meist weil wir dieselbe Unterkunft gewählt hatten, mit anderen habe ich nur kurz ausgetauscht.

    Bis auf wenige Ausnahmen habe ich die Unterkünfte nicht vorreserviert – ich wollte mir die Freiheit behalten, die Tage so lang (oder kurz) zu gestalten, wie es gerade passt. Nur ein einziges Mal waren alle Wanderunterkünfte der kleinen Stadt ausgebucht und ich musste im strömenden Regen auf den Campingplatz ausweichen. Mit einem Ponchozelt, Matratze und Schlafsack im Gepäck war ich natürlich auf der sicheren Seite, was Schlafplätze betrifft.
    Anfangs habe ich vor allem in Gruppenunterkünften übernachtet, Ende Juni war ich mehrmals sogar der einzige Übernachtungsgast dort; auch habe ich mir ein paar Mal ein Hotelzimmer gegönnt. Geschlafen habe ich ferner in Berghütten (refuges), in einer Jurte, in einem Aussteigerparadies und mehrfach in meinem Ponchozelt (meist auf Campingplätzen oder in der Nähe einer Unterkunft). In der Ariège gibt es Etappen, die für eine Tageswanderung zu lange sind – die meisten Wanderer planen daher eine Übernachtung in einer der Schutzhütten. So auch ich. Zu meinem Glück war diese allererste Erfahrung positiv und die Hütte renoviert und top in Ordnung. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mehrfach in solchen oft sehr einfachen Unterkünften übernachtet und mehr und mehr auf die Gruppenschlafsäle mit ihren Schnarchern und Fensterverriegelern verzichtet.

    Was die Verpflegung betrifft, so habe ich nicht einmal einen wirklichen Engpass erlebt - trotz meiner im Laufe der Zeit größer werdenden Sorge darum, immer was zu essen zu haben. Das tägliche Wandern auf dem anspruchsvollen Weg frisst schnell alle Energiereserven des Körpers auf und da muss natürlich von „außen“ Reserve ran! Das Essen in den Gîtes war durchaus lecker und nahrhaft, nicht ganz billig, dh wer auf sein Portemonnaie achten mag, sollte besser eine kleine Kochausrüstung vorsehen.

    Die kürzeste meiner Etappen dauerte eine knappe Stunde, die längsten ca 12 Stunden. Zweimal habe ich eine Etappe durch eine Fahrt verkürzt, die eine weil das Tourismusamt uns eine Unterkunft mit Shuttledienst angeboten hat und wir den anhaltenden Regen gründlich satt hatten, die andere wegen der anhaltenden Gewitter, bzw Gewitterneigung. Mehrfach bietet der Verlauf des GR10 Varianten des Weges an, so haben wir zB aus terminlichen Gründen die Schlaufe nach Gavarnie ausgelassen (gebuchtes Rückfahrtticket meines Freundes), in der Ariège habe ich einmal einen GRP gewählt, und bin dreimal kurz auf Landstraßen ausgewichen, wegen Proviantankauf, wegen Wetter oder aber um die Etappe zu verkürzen (Ich habe die Schlaufen nach Marc und Mounicou, und somit zwei düstere Ariège-Täler ausgelassen). Insgesamt habe ich ca 100 Km weniger zurückgelegt als die 900 Km des Pyrenäenweges mit all seinen Schlaufen und die Wanderung um ein paar Tage verkürzt.

    Das Wetter war recht gut, anfangs im dafür bekannten Baskenland wechselhaft, bzw feucht (nicht umsonst wächst dort viel Farn), und auch die Ariège hielt, was sie verspricht, nämlich mehrfach feucht-nebliges Wetter. An den letzten zwei Tagen machte mir der Tramontane zu schaffen. Gewitter habe ich draußen nur viermal erlebt, und zu meinem großen Glück war keine der Situationen sehr brenzlig. Und viel viel Sonne und blauer Himmel!

    Der Pyrenäenweg ist ein wirklicher Wanderweg. Sicher, anspruchsvoll - schon allein wegen seiner Länge und der zu bewältigenden Höhenmeter. (ca 45.000 rauf und die auch wieder herunter...). Ein paar Passagen wie der „Pas de l'Osque“ zB sind etwas kniffeliger und mancherorts sind die Pfade sehr schmal und direkt am Steilhang oder Abgrund. Trittsicher sowie schwindelfrei sollte jeder sein. Oft werden in den französischen Topoguides Schlecht-Wetter-Alternativen beschrieben, die Sinn machen. Und bevor die Etappe von Gabas nach Gourette (oder auch die Schlaufe nach Gavarnie) angegangen wird, ist es gut, sich zu informieren, ob noch Schnee liegt! 2016 war diese erstgenannte Etappe zB Anfang Juli nicht gefahrlos passierbar ohne Winterausrüstung.

    Noch eine kleine Anregung in Sachen Ausrüstung: leicht! So leicht und spartanisch wie möglich. Meine ca 6,3 Kg Grundausrüstung wurden im Höchstfall auf + 4 Liter Wasser (fürs Biwak) und 1,5 Kg für Verpflegung erhöht. Mehr hätte ich nicht geschafft. Auch muss ich betonen, dass meine Wanderstöcke wunderbare Dienste taten und sowohl meine Knie als auch Hüfte entlasteten. Und mich so manches Mal vorm Sturz bewahrten.
    Und noch ein allerletzter Tipp: Dehnt Euch! Ich tat es nicht, noch mehrere Wochen lang schmerzten meine Knie, bzw die durch die einseitige Anstrengung verkürzte Muskulatur über diesen, ganz gewaltig...
    Geändert von FatmaG (10.03.2017 um 23:07 Uhr)

  5. Fuchs
    Avatar von PWD
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    1.264

    AW: (FR) In 45 Tagen bergauf bergab vom Atlantik zum Mittelmeer- der Pyrenäenweg

    #5
    Chapeau! Und danke für's Miterleben dürfen. Das ist einfach eine tolle Gegend. Leider, leider komme ich dort mit meinem Wanderanhänger, der heute eine conditio sine qua non für meine "Reisen" ist, nicht durch.

  6. Anfänger im Forum

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    AW: (FR) In 45 Tagen bergauf bergab vom Atlantik zum Mittelmeer- der Pyrenäenweg

    #6
    Danke fürs lesen. Hat spass gemacht.

  7. Gerne im Forum

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    AW: (FR) In 45 Tagen bergauf bergab vom Atlantik zum Mittelmeer- der Pyrenäenweg

    #7
    Auch von mir vielen Dank für den spannenden Bericht, ich musste ihn in einem Rutsch zu Ende lesen.

  8. Vorstand
    Liebt das Forum
    Avatar von lina
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    AW: (FR) In 45 Tagen bergauf bergab vom Atlantik zum Mittelmeer- der Pyrenäenweg

    #8
    Ich schließe mich an, vielen Dank für’s Mitnehmen!

  9. Neu im Forum
    Avatar von bonnico
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    AW: (FR) In 45 Tagen bergauf bergab vom Atlantik zum Mittelmeer- der Pyrenäenweg

    #9
    hallo,
    erst mal herzlichen Glückwunsch, das du den GR10 geschafft hast(deine ersten Überlegungen hier
    im Forum habe ich verfolgt und dir die Daumen gedrückt)
    ich bin den GR10 2014 (Juni-Juli)komplett gewandert und habe deine Bericht und die schönen Fotos danken "verschlungen".

    lustig , habe fast die gleichen Etappen wie du gemeistert. wir hatten allerdings auf der berühmt berüchtigten Etappe von Gabas nach Gourette komplett viel Schnee ( 2m Neuschnee im Mai). da war der Auf.-und Abstieg ein echtes Abenteuer. mit heftigem Sturz einer Wanderfreundin!

    könnte jetzt noch viele ähnliche Erlebnisse aufzählen...wäre das für dich vielleicht spannnend?

    Vielen Dank und jetzt ist wieder Träumen von den Pyrenäen angesagt !!

  10. Erfahren

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    AW: (FR) In 45 Tagen bergauf bergab vom Atlantik zum Mittelmeer- der Pyrenäenweg

    #10
    Toller Bericht, vielen Dank! Deine Art zu Schreiben, gefällt mir. Und natürlich Hut ab vor Deiner Leistung.

    Viele Grüße,
    Eisen

  11. Fuchs
    Avatar von blauloke
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    AW: [FR] In 45 Tagen bergauf bergab vom Atlantik zum Mittelmeer- der Pyrenäenwe

    #11
    Sehr schöner und informativer Bericht.
    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

  12. Fuchs

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    AW: [FR] In 45 Tagen bergauf bergab vom Atlantik zum Mittelmeer- der Pyrenäenwe

    #12
    Danke für deinen tollen Bericht.
    Ein paar Etappen vom GR 10 kenne ich ja auch... die Crete de Iparla bin ich bei etwas besseren Wetter gelaufen
    - daher hier ein Bild mit Aussicht :-)


    LG
    Folko
    www.mitrucksack.de
    Ganz viel Pyrenäen ( HRP- Haute Randonnée Pyrénéenne - komplett) und ein bisschen La Gomera

  13. Erfahren
    Avatar von Wanderreiterin
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    AW: [FR] In 45 Tagen bergauf bergab vom Atlantik zum Mittelmeer- der Pyrenäenwe

    #13
    Vielen Dank für den informativen und gut geschriebenen Bericht Ich hatte einen tollen Abend auf der Couch und das Fernweh plagt mich jetzt wieder
    Die meisten Menschen sind so glücklich, wie sie es sich selbst vorgenommen haben. Abraham Lincoln

  14. Alter Hase

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    AW: [FR] In 45 Tagen bergauf bergab vom Atlantik zum Mittelmeer- der Pyrenäenwe

    #14
    *schmacht*

    Danke für den uneitlen, informativen Bericht, den ich bisher nur überfliegen konnte.

    Kurze Fragen. Mit Hund möglich? Weitere Frage. Das mit dem schwindelfrei. Ist da so extrem mit schmalen Pfaden am Abgrund? Oder gibt es Sicherungsmöglichkeiten?

  15. AW: [FR] In 45 Tagen bergauf bergab vom Atlantik zum Mittelmeer- der Pyrenäenwe

    #15
    Danke für's mitwandern lassen!
    Was genau ist denn ein Ponchozelt? Muss ich mir das wie ein Tarp vorstellen, mit den Wanderstöcken aufgebaut?

    Grüße aus Nordhessen
    Hanno

  16. Neu im Forum
    Avatar von bonnico
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    AW: [FR] In 45 Tagen bergauf bergab vom Atlantik zum Mittelmeer- der Pyrenäenwe

    #16
    Zitat Zitat von mitreisender Beitrag anzeigen
    *schmacht*



    Kurze Fragen. Mit Hund möglich? Weitere Frage. Das mit dem schwindelfrei. Ist da so extrem mit schmalen Pfaden am Abgrund? Oder gibt es Sicherungsmöglichkeiten?
    wenn sonst keiner antwortet: Hunde sind im Nationalpark Pyrenäen nicht erlaubt!
    und im Hochgebirge gibt es schon einige Passagen über Blockgestein, mit teilweise Schritthöhe ca. 60 cm(z.b. Richtung Mantet)weiß nicht wie viel Bergziege" in deinem Hund steckt

    Manche Stellen erfordern Schwindelfreihet, aber bei gutem Wetter und innerer Ruhe alles sehr gut zu meistern.

  17. Gerne im Forum
    Avatar von FatmaG
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    AW: [FR] In 45 Tagen bergauf bergab vom Atlantik zum Mittelmeer- der Pyrenäenwe

    #17
    Vielen Dank für Eure sehr positiven Rückmeldungen. Das freut mich sehr!
    Ehrlich gesagt, ich habe in diesem Forum selber so viele gute Tipps und vor allem reichlich Inspiration für verschiedene Wanderwege erhalten, dass ich sehr gerne davon etwas zurückgebe.

    @pwd : Ja, mit Wanderanhänger ist das ganze eher schwierig, bzw zumindest Etappenweise. Aber es gibt in Frankreich immer mal wieder Angebote, sein Gepäck von Hütte zu Hütte transportieren zu lassen. Vielleicht findet sich so ein Angebot für den GR10?

    @bonnico: Gabas-Gourette im Mai und mit Neuschnee... der Hammer! Ihr ward ja echt sehr früh unterwegs. Sehr gerne möchte ich mehr von euren Erlebnissen lesen. Dies ist ja ein interaktives Forum, gelle!?
    Und in dem Sinne fein, dass Du schon auf die Frage von "mitreisender" geantwortet hast!

    @ folko: Diese Etappe muss ich unbedingt nochmals zurücklegen - spätestens Dein Foto hat mich davon überzeugt! Überwältigende Aussicht...
    Übrigens habe ich sehr gerne im Vorfeld (und nicht nur für diese Wanderung) auf Deiner Webseite Informationen eingeholt. Besten Dank!

    @mitreisender: bonnico hat ja schon geantwortet. Also, ich bin immer mal wieder Wanderern mit Hund begegnet. So auch auf der Etappe von La Pierre Saint-Martin bis Lescun, wo es in der Tat eine kleine Kletterpassage zu überwinden gilt. Ich habe das "Herrchen" gefragt, wie sein Hund das denn geschafft habe, er meinte, ganz ohne Probleme und besser als er selber...
    Allerdings denke ich ebenfalls, dass es für einen Hund nicht immer so ohne ist - zB wenn es über spitze Steine geht... Und, was für mich die größte Komplikation darstellen würde, sind die vielen Herden, die die Pyrenäen im Sommer bevölkern. Vor allem, wenn keine Hirte dabei ist und die Hirtenhunde alleine ihre Herde bewachen.
    Alternativwege um die Nationalparks herum ließen sich bestimmt finden.
    Das mit dem "schwindelfrei" ist in der Tat relativ. An manchen Stellen ging mir schon durch den Kopf 'nun keinen falschen Schritt machen'. Man balanciert jedoch nicht wie beim Seiltanz durch die Pyrenäen. bonnico hat es schön formuliert: Ruhe bewahren!

    @Hanno: In der Tat ist es ein Tarp mit Kapuze und Öffnungen für die Arme. Sieht eigentlich lächerlich aus, sowohl der Poncho als auch das Zelt. Ist aber super leicht und effizient. Und es gibt sogar ein Moskitonetz-Innenzelt. Du brauchst im Grunde nur einen Stock dazu und ein paar Heringe. Hier das passende Foto ;)


  18. Neu im Forum
    Avatar von bonnico
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    AW: [FR] In 45 Tagen bergauf bergab vom Atlantik zum Mittelmeer- der Pyrenäenwe

    #18

    hallo fatma,
    also der Neuschnee kam damals im Mai und als wir Anfang Juni da vorbei kamen ,war halt noch ne Menge
    davon da. Vor allem auf der Nordseite!
    Wir sind von Arrens Marsous mit dem Bus nach Cauterets ,weil es hieß das die Schleife über d´Ilheon und Vignemale
    wegen Schnee unpassierbar sein. Von Cauterets sind wir dann nach Luz Saint Sauveur weitergewandert.
    Die Schleife über den Vignemale haben wir dann ein Jahr später nachgeholt. Und die lohnt sich wirklich. Wunderschön!

    Ich war damals am Tag 4 auf der Crete de Iparla (wir hatten Super Wetter)echt beeindruckt, von dem Hammeraufstieg und dann der Blick über die Pyrenäen...was da noch alles kommen sollte.
    Ich war mit meinem Mann unterwegs und wir hatten ein MSR Hubba Hubba Zelt dabei und Kocher. So hatte mein Rucksack
    ein Netto-Gewicht von ca. 11 kg.

    Ich hatte übrigens noch zwei Wochen nach Ende des Gr10 Muskelzucken in den Oberschenkel, wenn ich entspannt im Bett lag

  19. Gerne im Forum
    Avatar von FatmaG
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    #19
    Waow! Das Foto von der Hourquette spricht Bände! Sehr beeindruckend...

    Bei mir stehen die Schlaufe am Vignemale vorbei und die Crête d'Iparla (bei gutem Wetter!) auch fest auf der "To Walk"-Liste.

    Mit 11 Kg (plus plus) auf dem Rücken hätte ich den GR10 sicher nicht geschafft. Kein Wunder, dass Du Muskelzucken hattest.
    Mein Zelt wiegt ca 0,5 Kg Innenzelt inklusive. Allerdings habe ich mich für "weniger Gewicht" statt "Komfort" entschieden. Und daher auch für "Kalte Küche" bzw. Essen in Hütten...

  20. Alter Hase

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    AW: [FR] In 45 Tagen bergauf bergab vom Atlantik zum Mittelmeer- der Pyrenäenwe

    #20
    Zitat Zitat von bonnico Beitrag anzeigen
    wenn sonst keiner antwortet: Hunde sind im Nationalpark Pyrenäen nicht erlaubt!
    und im Hochgebirge gibt es schon einige Passagen über Blockgestein, mit teilweise Schritthöhe ca. 60 cm(z.b. Richtung Mantet)weiß nicht wie viel Bergziege" in deinem Hund steckt

    Manche Stellen erfordern Schwindelfreihet, aber bei gutem Wetter und innerer Ruhe alles sehr gut zu meistern.
    Danke Dir. Bergziege nicht, eher Muli, zumindest vom Kopf her. Dachte mit Leine würde im Nationalpark gehen. Aber ok. Möchte dem Kerl einmal in seinem Leben eine schöne lange Tour gönnen.

    Danke auch an FatmaG.

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