Ergebnis 1 bis 11 von 11
  1. Anfänger im Forum

    Dabei seit
    17.08.2016
    Beiträge
    10

    Robens Carpathian 1000 - eine Nacht bei bis zu -2° im Zelt

    #1
    Für eine Jotunheimen Rundtour Ende August, habe ich mir den Robens Carpathian 1000 gekauft.
    Dazu möchte ich euch hier berichten, wie es mir vorgestern in eine Testnacht ergangen ist.
    Robens bewirbt ihn als leichten 2-3 Jahreszeiten Kunstfaserschlafsack und was soll ich sagen, das ist er m.E. auch.

    Wissend, dass die vorhergesagte Quecksilbersäule von -2°C in den Morgenstunden das äußerste der Gefühle ist, was wohl noch als "komfortabel" gilt, habe ich die Chance ergriffen und mein Zelt am Freitag Abend nach Sonnenuntergang aufgestellt.
    Ziel war ein Probelauf der zu erwartenden ungemütlichsten Voraussetzungen Ende August (letzte Augustwoche, auch in Gletschernähe, also irgendwo im Monatsmittel ca. 6°C als nächtl. Temperatur).

    Einsatz: Trekkingtouren, Gebirge in Norwegen.

    Hier die Herstellerdaten und der Link zum Hersteller http://www.robens.de/de-DE/Produkte/schlafsacke/carpathian/carpathian-1000:

    Hersteller: Robens
    Modell: Carpathian 1000
    Gewicht: ~1000gr lt. Robens, ~1160gr inkl. Packsack nachgewogen
    max. Körpergröße: 195cm
    Komfort Männer: -2°
    Komfort Frauen: 2°
    Preis: gekauft für 94,00€

    Verarbeitung: Entgegen dem Bericht des Carpathian 1800 hier (Aufhängeschlaufen), war bei mir alles sauber verarbeitet, RV ist leichtgängig und verklemmt sehr selten.


    Passform: Der Schlafsack ist für mich als 186cm und 95kg, Schuhgröße 46 Person recht eng., passt aber noch. 195m halte ich für sehr optimistisch, da man dann mit Sicherheit mit den Füßen stark anstößt.
    Wenn man ruhig am Rücken schläft und nicht viel Platz um sich braucht, ist er aber gut. Für mich auf jeden Fall war es räumlich gut zu schlafen, da wenig unnütze Luft angewärmt werden musste. Schließlich war es ein Test am Rand des Einsatzspektrums.

    Nun zu meinen Erfahrungen:

    Randbedingungen:
    Eigenes Temperaturempfinden: wenig verfroren: T-Shirt ab ersten Sonnenstrahlen bei 10°C ab März und ab dann auch immer ohne Bettwäsche schlafend. Mein Raumthermometer zeigt immer ca. 19°

    Wetterbedingungen: +6°C bis -1,5°C (im Zelt), Wind bis 15km/h

    Zelt: Naturehike CloudUp2 (China Klon des BA Fly Creek2) - hatte ich mir vor Weihnachten mitgebracht, war nen Schnapper

    Isomatte: Therm-a-rest Z-Lite

    Kleidung: Synthetik: dünne lange Unterhose und Longsleeve, Falke TK2 Wollsocken

    Add-On: Alpenverein Seiden-Hüttenschlafsack griffbereit, falls noch 1-2° gepimpt werden müssten (Kommt auf Tour auch mit, wenn ich mal eine Hüttennacht einlege).
    Warmer Tee griffbereit.

    Testverlauf:
    Die Nacht verlief beim Einschlafen (20:00 Uhr) gut, erstmal sortiert, Handy in der Innentasche verstaut (diese musste ich vorher erstmal suchen...) und die Uhr mit dem Thermometer sichtbar platziert, Start: +6°.
    Satt ins "Bett" und in Rückenlage eingeschlafen, Kapuze leicht geöffnet, Wärmekragen geschlossen. Noch ist mir warm!

    23:50 Uhr, Thermometer zeigt 2°C, ich beginne leicht zu frösteln. Gerade von unten wird es aufgrund der einlagigen Konstruktion und der nur mittelwarmen Isomatte doch frisch. Ich entschließe mich also den Hüttenschlafsack rein zu legen und zwar komplett und doppelt unter mich und schließe die Kapuze vollständig bis auf eine Gesichtsöffnung. Somit kann ich wieder einschlafen.

    2:42 Uhr, Das Thermometer zeigt im Zelt -1,5°C, draußen sicher noch ein bisschen frischer. Ich merke, wie es von unten kalt wird. Kurz zur Seite Rollen und zurück benötigt einiges an Zeit, bis ich wieder angewärmt werde. Keine Gliedmaßen sind mehr abgestreckt und ich optimiere meine Lage auf max. thermische Effizienz. Es ist für mich nicht mehr T-Comf. Ich fröstele leicht, kann aber wieder einschlafen. Den warmen Tee lasse ich dennoch in der Thermoskanne. Allerdings schließe ich die Kapuze noch enger, so dass nur die Nase noch rausschaut und lege mir einen Handschuh über die Augen, da die Tränenflüssigkeit an den Wimpern beginnt unangenehm kalt zu werden.

    4:05: Temp Konstant bei -1,5°C Abbruch, ich habe erfahren, was ich wollte. Trotz -zugegeben nicht sehr dicker- langärmliger Kleidungslage und mit nur mittelwarmer Isomatte -oder gerade deswegen kann ich in der Konfiguration keine Frostnacht auf Tour gebrauchen. Schließlich kommt davor im Schnitt ja ein 15-20km Tagesmarsch und ggf. noch Regen oder worst case Schnee und leichter Hunger dazu.


    Beim Aussteigen merke ich übrigens, was mein Körper an Energie benötigt hat, um sich warm zu halten. Kaum im nächtlichen Draußen sind die 20m bis in die Küche sehr eklig, ich zittere am ganzen Körper und benötige erstmal den warmen Tee und Traubenzucker um den eigenen Ofen anzuheizen.

    Fazit: Temperaturangaben wohl etwas optimistisch, bei sehr warmer Isomatte und wenig kälteempfindlichen wohl noch verträglich, ggf. mit ner langen 200er Merino-Unterwäsche auch.

    Pro/Contra:
    + leicht
    + günstig (hatte hier Preis-Leistung, aber aufgrund des Feedback und der Erwartungshaltung -2° noch Komfortabel angepasst)
    + gute Verarbeitung
    + leichtgängiger RV
    + gut komprimierbar
    + recht robust und wasserabweisendes Außenmaterial

    o Unterseite weniger Isolierung

    - m.E. optimistischer Temperaturangaben
    - nicht so gut zugängliche Innentasche

    Bei dem Gewicht für Rückenschläfer sicherlich ein günstiges Angebot für das Gewicht.
    Verglichen mit einem Carnthia G180 bei gleichen Zahlenwerten weniger als halber Preis und nur 100g mehr. Ob dieser zum Beispiel den Test besser bestanden hätte, kann ich leider nicht beurteilen.

    Fazit: Für meine Belange wird es der Carpathian 1400 werden. Dieser hat noch ein paar Grad Temperaturreserve und ich werde wohl für die 300-400g Mehr mal schauen, ob ich nicht evtl. was unnützes eingepackt habe. Das Risiko einer kalten Nacht auf Tour ist mir definitiv zu groß.

    Hoffe euch ein paar Eindrücke verschafft zu haben.
    Geändert von ogger (28.02.2017 um 13:19 Uhr) Grund: Pro/Contra aktualisiert

  2. Alter Hase

    Dabei seit
    10.05.2014
    Ort
    Provinz Berlin
    Beiträge
    3.769

    AW: Robens Carpathian 1000 - eine Nacht bei bis zu -2° im Zelt

    #2
    Wenn der Schlafsack den TComf, trotzdem Du wenig verfroren scheinst nicht einhält, würde ich weder von leicht noch gutem P/L Verhältnis sprechen. Der scheint ja dann eher TComf +7 und da gibt es durchaus auch andere zumindest in der Gewichtsklasse.

  3. Fuchs
    Avatar von Martin206
    Dabei seit
    16.06.2016
    Ort
    Franken (Nordbayern)
    Beiträge
    1.503

    AW: Robens Carpathian 1000 - eine Nacht bei bis zu -2° im Zelt

    #3
    Hmm, das klingt eher wie die Erfahrungen mit meinem Carinthia 850 aus Ende der 90iger.
    Ich würde hier - also als Ergebnis Deines Tests - auch eher ein mangelhaft vergeben.
    Geändert von Martin206 (27.02.2017 um 13:54 Uhr)
    “Wenn du denkst, wir können diese Welt nicht verändern, bedeutet das nur, daß du nicht einer derjenigen bist, die es tun werden.” — Jacques Fresco

  4. AW: Robens Carpathian 1000 - eine Nacht bei bis zu -2° im Zelt

    #4
    Die Z-Lite Isomatte (R-Wert: 2,2) könnte auch ihren Teil beigetragen haben.

  5. Anfänger im Forum

    Dabei seit
    17.08.2016
    Beiträge
    10

    AW: Robens Carpathian 1000 - eine Nacht bei bis zu -2° im Zelt

    #5
    Aufgrund der Rückmeldungen und nochmaligen Vergleiche (hab mal nen älteres Modell von einem Kumpel ausprobiert) erfolgte eine Abwertung. Absolut betrachtet finde ich ihn immer noch günstig und bei dem oberen TComf. Wert für mich noch ok. Aber in Anbetracht des recht starken Abfalls des Wärmeempfindens bei nur wenigen Grad drunter folgt die Abwertung.
    Wegen der Einschränkung der Matte habe ich es auch nicht komplett auf den Schlafsack übertragen, schließlich ist er ja auch so beschrieben, dass er von unten weniger isoliert ist.

    Für alternative Vorschläge bin ich noch offen.

    Hat jemand evtl. Erfahrung mit dem Deuter Orbit -5 oder dem Mountain Equipment Starlight II? Der Mountain Hardwear Lamina Z - Flame macht vom Datenblatt und den Beschreibungen hier im Forum auch nen guten Eindruck, allerdings ist er preislich schon in einer anderen Liga.
    Geändert von ogger (28.02.2017 um 13:40 Uhr)

  6. Moderator
    Alter Hase
    Avatar von TanteElfriede
    Dabei seit
    15.11.2010
    Ort
    Norden
    Beiträge
    2.936

    AW: Robens Carpathian 1000 - eine Nacht bei bis zu -2° im Zelt

    #6
    ...ich misch mich mal ein und schiebe einen großen Teil der Schuld auf Deine Iso Matte. Ich war lange auch so unterwegs, dass der Schlafsack es richten soll... und hab die Kälte von unten, die Du auch beschreibst... auf den Schlafsack geschoben. Ist aber nicht richtig. Der isoliert halt unten, weil gedrückt, gar nicht. Auch Dein Seidenzeug unter dem Körper bringt so gut wie nix... .Dein Sack auf einer Downmat 7 würde vermutlich exakt das machen können was auf der Verpackung steht...

    Seit ich quasi nach unten immer mit Granaten auf Spatzen schieße, sprich auch bei milden Temperaturen die Downmat nutze ist mir auch immer warm. Selbst jetzt neulich wieder auf Schnee. Die Downmat richtet es. Und oben muß dann der Sack nur noch mit der tatsächlichen Temperatur klar kommen.

    Probier das mal aus, ich denke Du wirst überrascht sein.. so wie ich es war.

  7. Anfänger im Forum

    Dabei seit
    17.08.2016
    Beiträge
    10

    AW: Robens Carpathian 1000 - eine Nacht bei bis zu -2° im Zelt

    #7
    Zitat Zitat von TanteElfriede Beitrag anzeigen
    ...ich misch mich mal ein und schiebe einen großen Teil der Schuld auf Deine Iso Matte. Ich war lange auch so unterwegs, dass der Schlafsack es richten soll... .Dein Sack auf einer Downmat 7 würde vermutlich exakt das machen können was auf der Verpackung steht...

    Seit ich quasi nach unten immer mit Granaten auf Spatzen schieße, sprich auch bei milden Temperaturen die Downmat nutze ist mir auch immer warm. Selbst jetzt neulich wieder auf Schnee. Die Downmat richtet es. Und oben muß dann der Sack nur noch mit der tatsächlichen Temperatur klar kommen.

    Probier das mal aus, ich denke Du wirst überrascht sein.. so wie ich es war.
    Danke für das Feedback. Hatte ich schon fast vermutet, da ich es auch wirklich von unten orten konnte. Daher wären die anderen alternativen Säcke halt welche mit doppellage oder Schindelkonstruktion auch unten. Allerdings ist bei meinem Gewicht die Kompression (ich bin eben auch kein Norm Mann mit 70kg) das größere Problem.

    Werde es mal in der Konfig. testen. Dann wäre der Schlafsack kein overkill und die Problemstelle direkt bekämpft.

    Wie ist denn in der EN13537 der R-Wert nach unten genau definiert (ich habe bisher nur in Erfahrung bringen können, dass eine Isomatte verwendet wird. Das würde einiges erklären, hätte dann was von Verbrauchsangaben bei Autos...)

  8. Moderator
    Alter Hase
    Avatar von TanteElfriede
    Dabei seit
    15.11.2010
    Ort
    Norden
    Beiträge
    2.936

    AW: Robens Carpathian 1000 - eine Nacht bei bis zu -2° im Zelt

    #8
    R Wert ist der Kehrwert der Wärmeleitung. Ich hab irgendwo mal folgende Faustformel gefunden
    Richtwerte (ungenormt):
    R-Wert 1: Bodentemperatur bis 7 °C
    R-Wert 2: Bodentemperatur bis 2 °C
    R-Wert 3: Bodentemperatur bis -5 °C
    R-Wert 4: Bodentemperatur bis -11 °C
    R-Wert 5: Bodentemperatur bis -17 °C
    R-Wert 6: Bodentemperatur bis -24 °C
    R-Wert 7: Bodentemperatur bis -32 °C
    R-Wert 8: Bodentemperatur bis -38 °C

    Die Downmat liegt bei R 4,7

    Term-a-Rest zshield 1cm wird mit R 1,5 und Ridge Rest 1,5cm mit R 2,8 angegeben.. die zlite mit 2cm und einem R von 2,2 ... Wobei ich da meine Zweifel habe... gerade, weil bei der Struktur auch Stellen sein werden wo Du "durchliegst".. teste mal eine Down oder Synmat wenn Du kannst.

  9. Alter Hase

    Dabei seit
    10.05.2014
    Ort
    Provinz Berlin
    Beiträge
    3.769

    AW: Robens Carpathian 1000 - eine Nacht bei bis zu -2° im Zelt

    #9
    Ich muss zugegen, das mit der Z-Lite habe ich überlesen. Hätte ihr einen höheren R-Wert zugedacht. Da kann es natürlich schon sein, dass die Matte mitverantwortlich ist. Ich denke aber generell, dass der Schlafsack nicht ganz so hinkommt, vor allem wenn Du so wenig verfroren bist. Aber Versuch macht klug. Einfach auf zwei Matten ausprobieren...

  10. Moderator
    Alter Hase
    Avatar von TanteElfriede
    Dabei seit
    15.11.2010
    Ort
    Norden
    Beiträge
    2.936

    AW: Robens Carpathian 1000 - eine Nacht bei bis zu -2° im Zelt

    #10
    Sodele.. hier im Forum vor vielen Jahren... war das schon mal Thema. Da wurde wohl auch noch gefunden wie der künstliche Boden im Test aussehen soll

    https://www.outdoorseiten.net/forum/...l=1#post772658

    ich denke da liegt der Hund begraben.. wenn dieser Boden "unterlüftet" ist, dann kühlt der m.E. niemals so stark wie ein echter, kalter, feuchter (wahlweise gefrorener) Boden....

  11. Anfänger im Forum

    Dabei seit
    17.08.2016
    Beiträge
    10

    AW: Robens Carpathian 1000 - eine Nacht bei bis zu -2° im Zelt

    #11
    Danke für die Info.

    Der Boden hier war definitiv an der 0-Grad Marke, stark feucht (hat vorher 2 Tage geregnet und leicht geschneit) und auch einige Mengen an Kondens waren noch dabei.
    Sicher kein vergleich zu ner trockenen Holzplatte mit nem Matrazenbezug.

    Werde jetzt mal den Weg über die Matte gehen. Ist zwar kein Pappenstiel, aber was nützt eine unausgeruhte Nacht... Denke auch, dass es eine langfristige Investition ist.
    Habe mal die TAR NeoAir XTherm oder All Season ins Auge gefasst. Die Expeds habe ich hier weniger im Zugriff.

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)