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    [SE] Padjelantaleden 2016 oder auch: Try to come to Kvikkjokk

    #1
    Mitreisende: Blubbi
    Padjelantaleden 2016
    oder auch:
    Try to come to Kvikkjokk

    Vorwort:
    Dieser Reisebericht ist der erste Reisebericht, den ich jemals geschrieben habe. Da es schon ziemlich viele Berichte gibt, in denen ausführlich die Landschaft des Padjalantaleden beschrieben wird, gehe ich mehr darauf ein, dass dies die erste Hiking-Tour meines Lebens war. Ich versuche, meine Erfahrungen und Erlebnisse zu schildern, die mir, auch im Nachhinein, besonders in Erinnerung geblieben sind und für mich als besonders wertvoll eingestuft wurden. Es erscheint mir als unmöglich, alle Menschen, die ich unterwegs getroffen habe und mit denen ich gesprochen habe, zu beschreiben und alle Berge und sonstigen atemberaubenden Ausblicke im Detail zu schildern. All diese Erinnerungen an die so tolle Landschaft kann ich gar nicht in Worte fassen. Man muss es selbst erleben. Auch die eingefügten Fotos sind nur eine Andeutung der tollen Landschaften. Da ich ohne GPS-Gerät unterwegs war, sind die Kilometerangaben nur geschätzt bzw. aus Reiseführern/Reiseberichten entnommen. Dieser Bericht soll eher darstellen, wie ich meine erste Tour gemeistert habe und womit ich als unerfahrene Solo-Wandererin zu kämpfen hatte. Vielleicht inspiriert dieser Bericht ja den ein oder anderen Menschen und bestärkt diesen darin, so etwas auch mal in Angriff zu nehmen.
    Ganz nach dem Motto: Am Anfang braucht man Mut, damit man am Ende glücklich ist!!!!!

    Di, 19.7.: Anreise Teil 1
    Und jetzt geht es tatsächlich los. Ein halbes Jahr voller Planung, Vorfreude und Angst liegen hinter mehr. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Ich bin unendlich nervös. Werde ich das alles überleben? Da ich noch nie geflogen bin und ich nur aus theoretischen Erklärungen weiß, wie es an einem Flughafen abläuft bzw. was ich dort zu tun habe, fahren wir früh los. Ich sterbe fast vor Angst. Wir sind bereits ca. eine Stunde vor’m Check-in im Flughafen. Wir setzen uns auf eine nahe gelegene Bank. In meinem Kopf schwirren unendlich viele Gedanken rum. Ich bin weder jemals geflogen, noch jemals mehr als 3 km gewandert, geschweige denn mit so einem schweren Rucksack (23 Kilo Startgewicht inkl. Essen für 9 Tage und 1 Liter Wasser) und noch niemals war ich überhaupt alleine in einem Urlaub gewesen. Meine neuen Wanderschuhe habe ich genau einmal ca. 3 km lang „eingelaufen“ und mein neues Zelt einmal im Garten und zweimal in der Wohnung aufgebaut. Habe ich mir da zuviel zugemutet? Fragen über Fragen. Und dann ist es irgendwann soweit. Wir bringen meinen Rucksack zum ersten Check-in und werden zum Sondergepäck geschickt. Dort angekommen, sind wir die Einzigen und so nehme ich all meinen Mut zusammen und frage, ob ich nach der Sicherheitsüberprüfung den Rucksack noch in Folie einwickeln darf. Tatsächlich gibt mir der Mann den Rucksack nach einer kurzen Röntgenkontrolle zurück und unter seiner Beobachtung wickeln wir so gut es geht den kompletten Rucksack mitsamt des daran außen befestigten Zeltes und der Isomatte ein. Dann geht es mit meinem Handgepäck zum endgültigen Check-in. Ich verabschiede mich von M., lege mein komplettes Handgepäck (eingepackt im wasserdichten Packsack) auf das Förderband und gehe durch das Röntgengerät. Und dann der erste Schock. Nervöse Blicke der Flughafenmitarbeiter/innen in meine Richtung und ein mehrmaliges Vor- und Zurückfahren meiner Sachen auf dem Band. Nee oder? Die erste Komplikation direkt beim Check-in. Das geht ja gut los. Nach einigem Tuscheln und weiteren nervösen Blicken kommt eine der Mitarbeiterinnen auf mich zu und fragt mich, was sich alles in meinem Handgepäck befindet. Da ich keine Ahnung habe, worauf sie hinaus will, erkläre ich, dass ich eine geschlossene Packung Ersatzbatterien für meinen Fotoapparat eingepackt habe, damit nichts damit passieren kann. Nach weiteren wirren Erläuterungen meinerseits stellt sich heraus, dass mein Trangia-Topfset, in welches ich meine Stirnlampe und Süßigkeiten gepackt habe, mitsamt der Batteriepackung obendrauf für eine Bombe gehalten wird!!! Oh mein Gott. Ich erkläre ihr, dass ich das nicht mit Absicht gemacht habe, dass ich noch nie geflogen bin und dass ich natürlich gerne alles auspacken kann vor ihren Augen. Zum Glück scheine ich nicht wie eine Terroristin auszusehen, so dass sie mir anscheinend glaubt. Und als dann klar wird beim Auspacken, dass ich wirklich keine böse Absicht habe, fällt sowohl ihr als auch den anderen Mitarbeiter/innen ein Stein vom Herzen. Sie grinst leicht und erklärt mir, dass ich das so NIE WIEDER einpacken soll. Ich verspreche ihr, dass ich nie wieder Metall und Batterien in die Nähe des Topfes packe. Dann erwähnt sie noch, dass sie kurz davor waren, die Sicherheitsleute von einer Etage drüber herunterzubestellen, mitsamt ihrer Maschinengewehre. Dann wäre alles abgesperrt worden und ich hätte meinen Flug vergessen können. Innerlich völlig geschockt darüber, was ich da (fast) angerichtet hatte, packe ich hastig alles wieder ein. Ich schäme mich unendlich doll, aber die Frau ist zum Glück wirklich nett. Nach diesem ersten Vorfall winke ich noch mal M. zu und gehe in Richtung Warteraum für meinen Flug. Ich schreibe M. schnell eine SMS mit einer kurzen Erklärung, was da gerade passiert ist, denn er stand ja noch hinter der Absperrung und hat das alles aus der Ferne beobachtet. Irgendwann beginnt dann das Boarding. Alle Fluggäste drängeln sich in den Gang zum Flugzeug, aber es geht nicht weiter. Eine Verbindungstür ist noch geschlossen und der Stau, der sich schnell gebildet hat, ist ziemlich eng. Und dann folgt ein Blick durch ein kleines Fenster raus zum Flugzeug. Ich sehe den Mannschaftsairbus vom BVB und frage mich, was dieses Flugzeug da macht.

    Als wir alle dann nach Auflösung des Staus in genau dieses Flugzeug hineingehen, können wir das zwar nicht glauben, aber diverse Fotos bestätigen, dass dies keine Fata Morgana ist. Ein super gepflegtes sauberes Flugzeug mit viel Beinfreiheit. Neben mir sitzt ein deutsches älteres Ehepaar, welches ihre Tochter in Schweden besuchen will. Als ich dann noch ein Wasser, ein Mandelgebäck, eine Dose Cola-Light und einen Sandwich angereicht bekomme (und das alles zum Preis von 61,99 Euro), bin ich begeistert von der Fluggesellschaft.

    Der Flug verläuft wohl ziemlich ruhig, aber mir ist von dem Start und der Landung trotzdem schlecht. Aber ich habe es überlebt. Und mein Gepäck in Stockholm Arlanda ist ziemlich schnell ausgeladen und es ist komplett und unbeschädigt geblieben. Ich frage mich zu einem Schließfach durch und eine total nette Dame, die zufällig vorbeikommt, erklärt mir freundlicherweise auf Englisch, wie ich das Ding mit meiner extra für Schweden erworbenen Kreditkarte benutzen kann (Die Anleitung am Schrank war leider nur auf Schwedisch). Danach versorge ich mich bei Mc Donald’s mit Nervennahrung für die Nacht und ergattere einen gut gepolsterten Sessel mit Beinstütze in Sky City. So möge meine erste Nacht in Schweden beginnen.

    Mein Flug nach Gällivare startet erst morgen früh und vor mir liegen nun 10 Stunden, die ich im Flughafen bzw. in diesem Sessel verbringen muss.
    Von meinem Übernachtungsplatz aus kann ich meinen ersten schwedischen Sonnenuntergang und ein Rollfeld beobachten.

    Da ich anscheinend nicht die Einzige bin, die vorhat, so die Nacht zu verbringen, fühle ich mich besser als gedacht und mache es mir gemütlich.


    Mi, 20.7.: Anreise Teil 2
    An Schlaf ist aber vor Aufregung nicht zu denken und als mir um 6 Uhr morgens endlich die Augen zufallen, setzt sich um 6.10 Uhr direkt neben mich ein Ehepaar, welches direkt neben mir ein komplettes Frühstück auspackt und dabei total laut raschelt und redet. Naja. 10 Minuten Schlaf. Immerhin? Kurz danach halte ich es im Sessel nicht mehr aus, hole meinen Rucksack aus dem Schließfach und schlürfe schon mal in Richtung Check-in, obwohl es noch viel zu früh ist. Ich versuche zu erfragen, ab wann ich denn einchecken könnte, aber niemand der Mitarbeiter weiß eine Antwort und manche bezweifeln sogar, dass dieser Flug überhaupt stattfindet??? Ich werde fast wahnsinnig vor Angst, als ich das höre, aber nach ca. 2 Stunden unendlich großer Anspannung erscheint dann doch noch jemand, der für den Check-in für meinen Flug zuständig ist. Es ist wohl bei diesem kleinen Flug üblich, erst kurz vorher einzuchecken. Mein Rucksack geht wieder problemlos als Sondergepäck durch. Da ich den Bombenvorfall von gestern natürlich nicht vergessen habe, habe ich mein Handgepäck diesmal anders zusammen gepackt und komme so ohne Probleme durch die Sicherheitskontrolle durch und so sitze ich bald ohne weiteren besonderen Vorkommnisse in einem ziemlich leeren kleinen Flugzeug Richtung Gällivare. Trotz blauen Himmels wackelt das kleine Flugzeug für meinen Geschmack sehr stark bzw. zu stark und bei der Landung wird es meinem Körper zuviel und ich fülle die Tüte, die zum Glück vor mir direkt im Fach steckt. Beim Aussteigen überreiche ich dieses Abschiedsgeschenk der Stewardess, welche die Tüte lachend entgegennimmt. Mein Gepäck im Miniflughafen Gällivare befindet sich schon ca. 5 - 10 Minuten später bei mir und eine Taxifahrerin mit einem Schild mit meinem Namen drauf erwartet mich schon dort, wo man das Gepäck entgegennimmt. Ich bin begeistert von diesem Service und muss mit der Taxifahrerin nur bis vor die Tür des kleinen Flughafens gehen, denn dort steht schon ihr Taxi. Ich habe das im Internet bestellte Sammeltaxi also für mich ganz alleine und nutze die Chance, der Taxifahrerin ein paar Fragen zu stellen. Ich versuche ihr auf Englisch zu erklären, dass ich noch Spiritus für meinen Trangia-Kocher brauche, aber meine Englischkenntnisse sind anscheinend zu schlecht und es dauert ziemlich lange, bis sie versteht, was ich meine. Dann aber kommt die positive Wende dieses Themas: Sie fährt tatsächlich mit mir zur Tankstelle, sucht mir sogar die richtige Flasche aus dem Regal und fährt mich dann weiter direkt zum Busbahnhof. Während der weiteren Fahrt bucht sie mir ein Taxi vom Campingsplatz in Gällivare bis zum Flughafen, um meinen Rückflug nicht zu verpassen. Ich kann mein Glück gar nicht fassen und als ich dann am Busbahnhof abgesetzt werde, habe ich sogar noch über eine Stunde Zeit, bis der Bus nach Ritsem abfährt. Meine Sorge, den Bus zu verpassen, stellt sich als absolut überflüssig heraus. Ich erkundige mich zur Sicherheit trotzdem im Busbahnhof, ob und wann und wo der Bus denn genau abfährt und besorge mir von der Imbissbude nebenan eine Pommes und einen Milchshake mit dem Gedanken, dass dies vorerst meine letzte warme gekaufte Mahlzeit sein wird. Der Bus fährt pünktlich ab und auch diesmal bin ich wieder begeistert von der Freundlichkeit der Schweden. Immer, wenn der Busfahrer etwas auf Schwedisch erklärt (z.B. wo und wie lange die nächste Pause stattfindet), übersetzen mir geduldig verschiedene Mitfahrer/innen die Informationen auf Englisch. Wir halten in Kebnats und Stora Sjöfället recht lange, was mich zwar wundert, aber keineswegs stört. Und irgendwann ist es dann soweit. Mit den übrig gebliebenen Fahrgästen verlasse ich in Ritsem den Bus. Ich melde mich in der STF-Hütte an und bezahle die nun kommende Nacht und baue bei perfektem Wetter mein Zelt draußen auf der dafür vorgesehenen Wiese auf.

    Und nun folgt mein zweites Malheur: Ich möchte das erste Mal Deet benutzen und bekomme dieses kleine Fläschchen nicht auf!!! Ich frage mich, wie ich die nächsten 2-3 Wochen überleben soll, wenn ich noch nicht mal so ein lächerliches kleines Fläschchen aufbekomme, aber es ist nicht zu ändern. Es will sich von mir nicht öffnen lassen. Ich suche zwei männliche Zeltnachbarn auf und bitte sie mir zu helfen. Ich schäme mich zwar, sehe aber einfach keine andere Lösung. Naja. Immerhin ist die Flasche jetzt auf. Dann sortiere ich alle meine Sachen im Zelt, habe aber keinen Hunger vor Aufregung und keine Lust zu kochen. Ein kurzer Spaziergang auf dem Gelände der STF-Hütte stellt meine letzte Aktion des Tages dar. Ich stelle mir den Wecker auf 6 Uhr, weil ich morgen früh das Boot um 8.15 Uhr nach Änonjalme nehmen möchte und beende meinen Tag früh.

    Do, 21.7.: Ritsem – Rastplatz ca. 7 km nach Akkastugorna (9 Km)
    Ich stehe pünktlich um 6 Uhr auf und brauche unendlich lange, bis ich alle meine Sachen inkl. Zelt zusammengepackt habe (anderthalb Stunden!!!). Völlig gestresst mache ich mich um 7.30 Uhr mit meinem Berghaferl voller Müsli mit Wasser und Milchpulver in der Hand auf zum Bootsanleger. Angeblich soll man ja nur der Strasse folgen, aber ich schaffe es tatsächlich, mich auf dem Weg dorthin zu verlaufen und biege zu früh rechts in einen Feldweg ab. Zufälligerweise kommt auf diesem Feldweg ein Auto vorbei, hält an und erklärt mir, dass dies der falsche Weg ist und ich noch weiter der Strasse folgen müsste. Ich gehe also wieder zurück zur Strasse und folge der Wegbeschreibung des Autofahrers. Am Bootsanleger angekommen, ist es bereits 8 Uhr, aber niemand in Sicht, weder Mensch noch Boot. Ein Blick nach rechts lässt mich schon wieder nervös werden. Ein paar hundert Meter weiter liegt das Schiff auf dem Trockenen. Bin ich doch wieder falsch? Wenn dort hinten das Schiff ablegt, schaffe ich es niemals so schnell bis dahin. Aber wieso liegt es an Land und nicht an Wasser?

    Passenderweise trudeln auf einmal doch noch andere Menschen ein und irgendwann kommt auf einmal ein kleines blaues Motorboot um die Ecke angebraust.

    Ich erfahre, dass das große Boot/Schiff einen Motorschaden hat und wir deshalb dieses kleine Boot nehmen müssen. Ich lerne erneut, dass Schweden sehr entspannte Menschen sind, denn der Bootsfahrer verabschiedet sich vorerst von uns und teilt uns mit, dass wir erst in einer halben Stunde abfahren. Ich nutze die Zeit, um mein Müsli zu essen, welches ich immer noch in der Hand balanciere, weil ich bis jetzt keine Zeit dafür hatte. Ich komme mit ein paar anderen Wanderern ins Gespräch, aber diese steigen später in Vaisaluokta aus. Da ich bis Änonjalme fahre und stark annehme, dass ich sehr viel langsamer sein werde als alle anderen und weniger Kilometer pro Tag laufen werde, gehe ich nicht davon aus, diese noch mal wiederzusehen. Eine halbe Stunde später fahren wir tatsächlich ab und mir werden von den Mitfahrerinnen verschiedene Dinge erklärt, z.B. über die Fahne der Samen und über den Akka. Ich verstehe nicht alles, was sie mir erzählen, aber zumindest den größten Teil. Und dann stehe ich auf einmal am Bootsanleger in Änonjalme. Alle Mitfahrer/innen sind ziemlich schnell verschwunden und ich stehe da, und muss mich erstmal sortieren. Alleine das Geröllfeld mit meinem 23 Kilo schweren Rucksack auf dem Rücken und meiner Regenjacke in der Hand zu überwinden ist für mich schon eine Herausforderung. Irgendwann stehe ich aber oben am Wegweiser und außer mir ist noch ein Ehepaar übrig geblieben. Ich bitte sie, von mir ein Startfoto mit dem Wegweiser zu machen, und dann geht’s wirklich los.
    Ich befestige die Regenjacke am Rucksack und schnecke los. Ich fühle mich nicht nur wie eine Schnecke, ich bin es wirklich. Zumindest in den ersten Tagen. Der Rucksack ist sehr ungewohnt und leider erfahre ich erst am übernächsten Tag, wie wertvoll es ist, die Trekkingstöcke zu benutzen und nicht am Rucksack hängen zu haben. Naja. Ich muss eben noch viel lernen.
    Nach dem ersten Anstieg blicke ich zurück und verabschiede mich innerlich endgültig von der Zivilisation.

    An der Akkastugorna mache ich meine erste für mich offizielle Rast. Ich setze meinen Rucksack ab bzw. lasse ihn auf den Boden plumpsen und setze mich neben meinen Rucksack und esse einen Snack und trinke etwas.

    Aber bald raffe ich mich wieder auf und schnecke weiter. Ich schnecke und schnecke und schnecke. Mir schmerzt bereits meine Hüfte, meine Schultern und mein linker kleiner Zeh. Dafür ist aber immerhin das Wetter wunderbar. Gestern und heute schien den ganzen Tag die Sonne und fast keine Wolke ist am Himmel zu sehen. Bei angenehmen geschätzten 20 - 25 Grad kann man wunderbar im T-Shirt wandern. Erst ein paar Tage später erfahre ich, dass diese Temperatur für diese Region sehr ungewöhnlich warm ist und ich richtig Glück hatte mit diesem Sommerwetter in den ersten Tagen. Beim Wandern schwanke ich gedanklich viel hin und her. Einerseits bin ich gefüllt mit Freiheitsgefühlen und glücklich darüber, wie schön die Landschaft und die tollen Ausblicke zwischendurch sind, aber andererseits frage ich mich immer wieder, wie das mit den Schmerzen wohl weitergehen wird.

    An der ersten großen Hängebrücke angekommen steigt in mir eine große Angst auf. Der reißende Fluss darunter sieht wahnsinnig gefährlich aus und ich möchte mir nicht vorstellen, was passiert, wenn man dort mitsamt Rucksack hereinfällt.



    Die Brücke sieht zwar modern und stabil aus, aber ich habe trotzdem richtig Angst. Ich bin mit dem ungewohnten Rucksack sowieso total wackelig unterwegs, wie soll ich da nur rüber kommen? Ich setze den Rucksack ab und starte erstmal einen vorsichtigen Test ohne Rucksack. Die Brücke wackelt zwar weniger, als ich vermutet hatte, aber wohl ist mir trotzdem nicht. Irgendwann überwinde ich mich und schnecke vorsichtig hinüber. Ich halte mich teilweise am Geländer fest und bin unendlich froh, als ich drüben angekommen bin. Selbst als ich wieder festen Boden unter den Füßen habe, schlägt mein Herz noch hoch und ich muss erstmal einige Meter weiter weg laufen, um mich zu beruhigen. Ich nutze die Zeit des Beruhigens für ein paar Fotos und versuche mich innerlich wieder zu sammeln.

    Trotz kurzer Pausen zwischendurch kann ich am Rastplatz nach insgesamt heute ca. 9 km nicht mehr und beschließe, meinen ersten Tag hier zu beenden. Ich baue mein Zelt auf und unterhalte mich noch mit zwei deutschen Wanderinnen, die dort vorbeikommen und eine Pause machen. Sie sind die ersten deutschen Menschen, die ich, seit ich in Schweden bin, treffe. Danach hänge ich meine Sachen zum Lüften auf und trinke das erste Mal Wasser aus einem schwedischen Bach. Diese Premiere genieße ich sehr. Ich frage mich zwar immer noch, ob ich das alles so schaffen werde, was ich mir erhofft habe, aber ich bin schon ein bisschen stolz, überhaupt bis hierhin gekommen zu sein. Mein Zelt steht, es ist trocken, ich habe Essen, ich habe Trinken und es sind gar nicht soooo viele Moskitos unterwegs, wie ich es vorher im Internet gelesen hatte.

    Alles in allem hat es bis jetzt gut geklappt. Ich benutze das erste Mal meinen Trangia-Kocher mit dem Rödsprit von der Tankstelle und koche mir das erste Mal in meinem Leben eine Maggi-Nudeltüte in der Wildnis Lapplands. Auch wenn viele Menschen das nicht verstehen können: Sie schmeckt mir in diesem Moment unglaublich lecker. Um 19 Uhr verkrieche ich mich in mein Zelt. Mir tut alles weh und auf meinem kleinen linken Zeh hat sich eine kleine Blase gebildet. Ich beschließe, in dieser Nacht Schlaf nachzuholen, aber an Schlaf ist erstmal nicht zu denken. Überall raschelt und knackst es. Ein Bär? Ein Elch? Ich versuche mir einzureden, dass das nur Geräusche vom Wind sind. Aber das Rascheln und Knacksen hört einfach nicht auf. Irgendwann halte ich es nicht mehr aus. Ich öffne vorsichtig die Zelttür und schaue heraus. Nichts zu sehen. Ich schaue in alle Richtungen, aber kein Tier zu sehen. Ich lege mich also wieder hin. Trotzdem hört das Rascheln nicht auf. Ich stehe noch mal auf, und dann finde ich endlich die Lösung. Unter meiner Zeltunterlage in der Apsis hat sich ein recht großer Käfer verirrt und der raschelt jetzt immer gegen die Plastikplane. Ich befördere ihn vorsichtig in die Freiheit, um ihn nicht zu verletzen, und bin froh, endlich das Rätsel geklärt zu haben. Etwas später höre ich menschliche Geräusche. Ich gucke noch mal aus dem Zelt und sehe, dass sich auf der anderen Seite des Rastplatzes noch ein Zelt dazugesellt hat.

    Fr, 22.7.: Rastplatz ca 7 km hinter Akkastugorna – Kisuris (7 Km)
    Um 4 Uhr morgens kann ich nicht mehr schlafen. Ich stehe auf und habe endlich Zeit. Zeit, Müsli mit Milchpulver und Wasser zu frühstücken, Zeit zum Zähneputzen, frisch machen usw. Um ca. 8 Uhr, als ich gerade los will Richtung Kisuris, erfahre ich, dass der Zeltaufbauende auch deutsch ist und aus dem Sarek kommt. Er will heute das Boot nach Ritsem nehmen. Er erzählt mir ca. 30 Minuten lang unzählige Erfahrungen seiner Reise und dann verabschieden wir uns und ich schnecke los. Meine Hüfte und meine kleine Mini-Blase tun richtig stark weh. Die ersten 2 km geht es noch, aber die nächsten 2 km danach werden zur Qual. Voller Schmerzen quäle ich mich langsam weiter. Genießen kann ich derzeit nichts, aber hier im Birkenwald gibt es ja auch nicht wirklich viele spektakulären Aussichten, die mich ablenken können. Außerdem fliegen heute ziemlich viele verschiedene Tiere um mich herum, so dass ich nicht wirklich Lust habe, mit denen eine Pause zu verbringen. Ich konzentriere mich also auf jeden Schritt. Ab dem 5. Tageskilometer wird es dann aber mit den Schmerzen ein kleines bisschen besser. Es tut zwar immer noch alles weh, aber es ist zumindest wieder auszuhalten.





    Während dieser Kilometer habe ich nur eine größere richtige Pause gemacht, als ich auf einer freien Fläche, wo endlich mal fast keine fliegenden Tiere fliegen, einen großen Stein entdeckt habe. Perfekter Pausenplatz.
    Um 13 Uhr erreiche ich Kisuris. Da ich aber wegen der Schmerzen auf keinen Fall mehr heute weiterlaufen will, stelle ich meinen Rucksack ab und versuche mir einen Überblick zu verschaffen. Die Hüttenwirtin kommt wohl erst abends wieder, erfahre ich von zwei Schwedinnen, die auch gerade eingetroffen sind. Ich bin mir unschlüssig, was ich solange tun soll, aber die Schweden überreden mich, mein Zelt einfach schon mal aufzubauen. Ich bin mir nicht sicher, höre dann aber auf die beiden.
    Wie ich später lerne, machen das alle so, aber da dies meine erste Nacht an einer schwedischen Hütte (außer in Ritsem) ist, muss ich ja erstmal lernen, wie es an solchen Hütten zugeht bzw. wie man sich zu verhalten hat. Dass hier alles so unproblematisch abläuft, freut mich sehr und ich vermisse die Regeln und Gesetze aus Deutschland kein bisschen. Nach dem Zeltaufbau eine weitere Premiere: Ich wasche zum ersten Mal mit kaltem Gebirgswasser und Outdoorseife ein kleines Kleidungsstück. Klappt super und es wird schnell wieder trocken in der Sonne am Zelt hängend. Ich bin froh, Deet, ein Moskitonetz und eine Mini-Fliegenklatsche dabeizuhaben. Moskitos, die es tatsächlich schaffen, mit mir zeitgleich ins Innenzelt einzudringen, haben so keine Überlebenschance
    Den Nachmittag und frühen Abend verbringe ich mit den beiden Schwedinnen in der Küche bzw. den Aufenthaltsraum der Hütte. Es ist ein wunderbarer netter Abend und ich bereue es erneut nicht, hierher gekommen zu sein. Ich ernte zwar kurz überraschte Blicke, als ich erwähne, dass dies hier meine erste Hiking-Tour ever ist (das wird mir auf der Tour noch öfters passieren), aber nach einigen Erklärungen, wie es dazu kam, finden sie die Idee an sich natürlich super und hoffen, dass alles so klappt, wie ich es mir erträume. Sie finden mein Vorhaben alleine als Frau ziemlich mutig und bestärken mich und erzählen mir alles mögliche Wissenswerte, was sie bis jetzt so erfahren haben. Unter anderem erzählen sie mir, dass der zweite Wandertag schmerzenstechnisch immer der Schlimmste ist und es ab morgen jeden Tag besser/einfacher werden wird. Ich versuche ihnen zu glauben und hoffe ganz stark, dass sie Recht haben. Außerdem weihen sie mich in die Künste des Kochens mit Gas in den Hütten ein Eine der beiden schreibt spontan einen kleinen Brief und überreicht mir diesen. Ich soll ihn für sie bei einer Freundin von ihr in Arasluokta abgeben. Sie selbst wandern einen anderen Weg und werden dort nicht vorbeikommen. Ich finde diese Idee total lustig und bin gerne bereit, dies zu tun. Zwischendurch bezahle ich natürlich meine Service-Fee und kaufe mir bei der Hüttenwirtin 100 Gramm Rentierwurst. Als ich mich um ca. 20 Uhr „bettfertig“ mache, mache ich die nächste wichtige Erfahrung meiner Tour. Wenn die Sonne auf das Zelt scheint, kann man es im Zelt, obwohl man sich im hohen Norden befindet, vor Hitze fast nicht aushalten. Es fühlt sich an wie in einer Sauna. Immer wieder muss ich kurz den Reißverschluss öffnen und mir Luft hereinwedeln, das ganze natürlich aber so vorsichtig, das keine Moskitos hereinfliegen. Ich habe wahnsinnig großen Respekt vor der nächsten Etappe bis Laddejakka (24 km) und hoffe, diese Strecke in 2 Tagen bewältigen zu können. Vier wichtige Erkenntnisse, die mir gerade bewusst werden, möchte ich an dieser Stelle schon mal erwähnen: 1. Ich mag es nicht, über Hängebrücken zu gehen. 2. Alleine unterwegs zu sein ist überhaupt kein Problem für mich. Nur wenn es nachts raschelt und knackst, überkommt mich ein bisschen Angst, aber ansonsten fühle ich mich sehr wohl. 3. 23 Kilo Gewicht auf dem Rücken sind schwer. 4. Ich habe nie Langeweile bis jetzt gehabt. Entweder bin ich am auspacken oder einpacken bzw. „rumrödeln“, oder ich werde abgelenkt durch irgendwelche Schmerzen oder ich muss mich beim Laufen darauf konzentrieren, nicht über Steine zu stolpern oder ich bin einfach zu kaputt, um überhaupt irgendetwas zu denken. Und in den wenigen Momenten, wo dies nicht der Fall ist, genieße ich die unglaublich atemberaubende Landschaft und kann mein Glück, hier zu sein, nicht fassen.
    Mein Zeitgefühl habe ich bereits gestern verloren. Da ich keine Uhr mitgenommen habe und ich weiß, dass mein Handyakku nicht bis zum Ende meiner Reise halten wird, wenn ich es mehrmals täglich an und ausmache, um die Uhrzeit abzuchecken, kommt mir plötzlich ein Gedanke. Kann man nicht im Fotoapparat die Uhrzeit sehen bei entsprechender Einstellung? Ich ärgere mich, diese Idee nicht schon vorher gehabt zu haben, denn mein Handy hat schon nur noch 3 Striche Akku (und ich habe aus Gewichtsgründen kein Ladegerät dabei). Leider ist gestern ausversehen das Handy im Rucksack angegangen (vermutlich hat irgendwas dadrauf gedrückt?) und hat mehrere Stunden sinnlos Akku verbraucht. Ich befasse mich also mit dem Fotoapparat und tatsächlich finde ich eine Einstellung, die mir die Uhrzeit bei jedem geschossenen Foto anzeigt. Leider ist mir nicht bewusst, dass jetzt auf jedem Foto die Uhrzeit draufgedruckt bleibt. Erst zuhause in Deutschland werde ich feststellen, dass nun bei jedem Bild unten das Datum und die Uhrzeit zu sehen ist, aber nun gut, ein bisschen Schwund ist immer Ab jetzt werde ich das Handy nicht mehr anmachen, bis ich wieder ein Handynetz habe, damit ich den Restakku dann für „Ich-habe-es-überlebt-SMS“ benutzen kann.
    Um ca. 21.30 Uhr verschwindet die Sonne hinter einem Birkenbaum und schon ist es ruckzuck kühl genug, um ins Land der Träume zu entgleiten.

    Sa, 23.7.: Kisuris – irgendwo zwischen Kisuris und Laddejakka (große Hängebrücke) (13 Km)
    Obwohl es hier ja derzeit fast immer hell ist und fast immer die Sonne scheint, stehe ich heute „erst“ um 7 Uhr auf. Mein Tag heute startete zwar schon um 0.30 Uhr, weil ich eine Stunde lang wach war und ich einfach nicht wieder einschlafen konnte (keine Ahnung warum), aber von 1.30 Uhr bis 7 Uhr gönnte sich mein Körper dann doch noch mal Schlaf, so dass ich relativ fit loslege.



    Ich lüfte meine Sachen, packe alles zusammen, frühstücke bei blauem Himmel und mache mich startklar. Ich treffe noch mal die beiden netten Schwedinnen und verabschiede mich von ihnen. Ich soll einer der beiden von Deutschland aus bei Facebook schreiben, ob ich den Brief abliefern konnte und wie meine Tour verlief
    Die ersten 5 km heute fallen mir tatsächlich viel leichter als gestern und vorgestern. Hatten die beiden Schwedinnen recht? Immerhin gehen die starken Schmerzen heute erst ab Kilometer 6 los. Unterwegs genieße ich mal wieder die Landschaft und das tolle Wetter.



    Mein linker Zeh tut wieder sehr stark weh (die Blase ist bereits größer geworden) und meine Hüfte/Oberschenkel schmerzt immer noch. Trotzdem schaffe ich insgesamt heute für mich unfassbare ca. 13 Kilometer und finde einen wunderbaren Zeltplatz kurz nach der großen Hängebrücke.

    Heute kam ich schneller voran als in den ersten 2 Tagen. Die letzten ca. 6 km des heutigen Tages waren für meinen Körper aber dennoch wieder eine große Qual. Das ewige Auf und Ab bin ich noch nicht gewohnt, aber ich hoffe, dass sich dies bald ändert. Mir tut am Zeltplatz wieder alles weh. Beide kleinen Zehen, Schultern, Rücken, Hüfte. Ich bin froh, eine Mini-Tube Voltaren mitgeschleppt zu haben und benutze sie für die Schultern. Beim Zeltaufbau joggt auf einmal ein blasser junger Mann vorbei. Er hat keinen Rucksack auf, grüßt nicht, joggt oben ohne und hält sein T-Shirt in der Hand. Ich frage mich, ob dies eine Fata Morgana ist, aber als er über die große Hängebrücke joggt und aus meiner Sicht entschwindet, bin ich mir doch sehr sicher, mir dies nicht eingebildet zu haben Die Frage, warum man komplett ohne Gepäck (und ohne Trinken?) auf dem Padjelantaleden joggt, werde ich wohl nie beantwortet bekommen. Vielleicht hat er ja in der Nähe ebenfalls sein Zelt aufgeschlagen?
    Trotz des perfekten Zeltplatzes sieht das Wasser aus dem großen Fluss allerdings am Ufer nicht wirklich lecker aus (es schwimmen kleine sichtbare Sachen drin, vermutlich Pflanzenreste). Ich hoffe, morgen schnell einen kleineren Bach zu finden mit dem gewohnten glasklaren Wasser und trinke nur das Nötigste aus dem großen Fluss. Ich probiere die gestern erworbene Rentierwurst. Der erste Bissen war ehrlich gesagt anders als gedacht. Aber je mehr ich davon aß, desto leckerer wurde sie. Obwohl sie unheimlich lecker war, nachdem ich mich daran gewöhnte, packe ich nun aber trotzdem die Hälfte wieder ein und will mir diese für morgen aufbewahren. Nach Erledigung der typischen Tätigkeiten an so einem tollen Zeltplatz wie Zelt einrichten, kochen, essen, spülen, Haare waschen usw., liege ich jetzt um 20 Uhr im Zelt und versuche zu schlafen. Ich hoffe, morgen die 11 km bis Laddejakka zu schaffen. Der Vuoatädno ist ziemlich laut, da mein Zeltplatz ja sehr nah da dran ist, aber ich hoffe trotzdem gut schlafen zu können.

    So, 24.7. Große Hängebrücke – Laddejakka (11 Km)
    Um 3.55 Uhr ist die Nacht heute für mich beendet. Da ich aber immerhin von ca. 20 Uhr bis jetzt gut geschlafen habe und zwischendurch nur drei mal ganz kurz wach war, bin ich wieder fit. Meine Schmerzen sind alle weg. Ein hoch auf Voltaren und die Erholungsphase im Schlaf Gestern Abend war es zur Abwechslung mal nicht zu heiß im Zelt, weil ein paar Wolken unterwegs waren. Leider sind deshalb meine frisch gewaschenen Kleidungsstücke nicht über Nacht getrocknet, aber das macht nichts, weil ich sie dann tagsüber am Rucksack baumelnd trocknen lasse.

    Um 7.18 Uhr starte ich meine heutige Etappe. Die ersten 4 km heute laufen wieder richtig easy.

    Dann aber folgt ein für mich langer anstrengender Aufstieg. Dieser Aufstieg wird für mich zur absoluten Tortur. Bei jedem Hügel denke ich, dass ich doch gleich endlich oben sein muss, aber dem ist leider nicht so. Ein Hügel reiht sich an den nächsten und ein Ende ist einfach nicht in Sicht. Immer wenn ich denke „Gleich bin ich bestimmt oben“, bin ich es doch nicht. Ich erwische mich bei Gedanken wie „Was mache ich hier eigentlich?“ und ich beginne, den „Wegerfinder“ zu hassen.

    Als ich eeeeeeeeeeeeeendlich irgendwann oben ankomme, komme ich aber wieder gut voran, und das ganze sogar mit nur wenig Schmerzen. Ich mache viele Pausen und viele Fotos und bin glücklich.













    Nur der letzte Tageskilometer ist noch mal richtig qualvoll und schmerzvoll für mich, denn nun folgt der Abstieg zu den Laddejakka-Hütten.

    Seit heute liebe ich übrigens meine Trekkingstöcke. Sie erleichtern mir besonders bei Auf- und Abstiegen das ganze Unterfangen sehr und ich werde meine neuen Freunde (= die Stöcke) ab jetzt nie mehr an meinem Rucksack hängen haben, sondern immer benutzen. Um 13.25 Uhr erreiche ich mein heutiges Ziel. Zum ersten Mal habe ich heute keine lange Pause gemacht, sondern ich kam mit mehreren kurzen Pausen ganz gut klar. Auch die Schuhe habe ich heute zum ersten Mal zwischendurch nicht ausgezogen bzw. vor Schmerzen ausziehen müssen. Ich bezahle direkt die Service-Fee und baue mein Zelt auf. Ich bin ziemlich stolz auf mich, es bis hierhin geschafft zu haben. Als nächstes versuche ich, auf der Rastbank vor der Hütte meine Rentierwurst mit dem Taschenmesser zu bearbeiten, was aber leider eher suboptimal verläuft. Ich rutsche mit dem Taschenmesser an der recht harten Wurst ab und schneide mir durch den halben Fingernagel und die Fingerkuppe. Es blutet ziemlich heftig, aber durch Pressen mit Pflaster hört es bald wieder auf, so dass ich es vermutlich überleben werde Nach diesem „Haushaltsunfall“ gehe ich in die Küche zum Kochen. Dort allerdings bin ich nicht alleine: Ein kleiner Vogel hat sich hinein verirrt und flattert aufgeregt vor dem geschlossenen Fenster herum. Ich weiß nicht, wie der Arme sich dort hinein verirren konnte, aber Fakt ist, dass ich ihm seine Freiheit zurückschenken möchte. Ich versuche ihn vorsichtig mit dem Besen des Hauses in Richtung Tür zu scheuchen und dies klappt dann auch nach ein paar Versuchen. Unverletzt fliegt er davon und nun habe ich die Küche für mich alleine und esse erstmal den Rest meiner Rentierwurst. Auf diesen Moment habe ich mich schon sehr gefreut. Leckeeeeer! Ich stelle fest, dass meine Blase am linken Zeh immer größer wird.

    Kurz nach mir kommt ein schwedischer Wanderer herein und wir fangen an, uns auszutauschen. Auf Englisch erzählt er mir, dass er ultraleicht unterwegs ist. Wir vergleichen unser Gewicht und ich falle fast vom Stuhl, als ich erfahre, dass er inklusive Essen für 6 Tage insgesamt nur 12 Kilo dabei hat. Während wir in der Küche essen, baut ein Vater mit seinem Sohn und seiner Tochter ihr Zelt direkt neben meinem auf. Ca. 3 Meter Abstand finde ich persönlich echt unpassend, zumal es trocken ist und auf dem riesigen Gelände überall genauso gute Plätze zu haben sind wie meiner, aber nun gut. Da ist anscheinend jeder anders.
    Um 19.20 Uhr liege ich in meinem Zelt und hoffe, dass diese Menschen nicht schnarchen. Allerdings ist es wieder zu heiß zum schlafen. Es dauert ca. eine Stunde, bis ich mich ins Land der Träume begebe.

    Mo, 25.7. Laddejakka – Arasluokta (13 Km)
    Tatsächlich schlafe ich bis 6.30 Uhr, aber nur, weil ich zum ersten Mal ein weiteres wichtiges Utensil benutzt habe: Ohropax. Meine viel zu nah herangekommenen Zeltnachbarn haben sich extrem laut unterhalten, als ich versucht habe einzuschlafen. Mit den Ohropax war die Nacht dann aber recht gut. Heute Morgen ist zum ersten Mal mein Zelt von außen etwas nass. Auch die Umgebung ist etwas feucht, es scheint wohl etwas geregnet zu haben in der Nacht. Jetzt im Moment ist es etwas nebelig und bewölkt. Ich starte heute um 9.40 Uhr. Heute bestätigt sich endgültig, dass die beiden Schwedinnen in Kisuris Recht hatten, denn auch heute fallen mir einige Kilometer viel leichter, als bei meinen bisherigen Etappen.



    An einem besonders seltsam geformten Stein treffe ich mehrere Wanderer-Parteien, die sich dort zu einem Smalltalk bzw. zu einer Rast zusammengefunden haben.

    Spontan werde ich zu einem Stück Rentierschinken eingeladen. Leider verstehe ich aber nichts von dem, worüber sie reden, da sie sich auf Schwedisch unterhalten, und so verlasse ich bald die lustige Konstellation und ziehe weiter.
    An einem wunderschönen kleinen Wasserfall mache ich eine längere Pause mit Schuhe ausziehen, Socken lüften, Füße waschen usw.



    Ich treffe heute viele Leute unterwegs, aber das besondere Highlight für mich ist heute, dass ich zum ersten Mal andere Wanderer einhole bzw. überhole. Nicht falsch verstehen, natürlich gehe ich immer noch gemütlich, sehe meine Tour nicht als Wettrennen an und genieße die unglaubliche Freiheit, gute Luft und schönen Aussichten. Aber ich scheine langsam nicht mehr die allerlangsamste Schnecke zu sein, was mir große Hoffnung macht, das alles, was das Gehen/Laufen/Wandern an sich betrifft, wie erhofft immer besser klappen wird mit der Zeit. Ich frage mich heute unterwegs zum ersten Mal, ob ich mich jetzt als echte Hikerin/Backpackerin bezeichnen kann. Ohne eine Antwort auf diese Frage zu finden, bin ich mir aber in einem Punkt sehr sicher: Ich fühle mich inzwischen in dieser Wandererwelt des Padjelantaledens dazugehörig. Ich fühle mich als kleiner Teil einer großen Gemeinschaft. Obwohl man sich fast gar nicht kennt, manche Leute nur kurz sieht, manche länger, und obwohl man nie weiß, ob man sich überhaupt noch mal wiedersieht, stelle ich fest, dass ich mich nicht einsam fühle. Zuhause in Deutschland, wo ich von viel mehr Menschen umgeben bin, fühle ich mich mehr einsam als hier, wo ich niemanden wirklich kenne. Ich bin unendlich glücklich. Nur mein linker Zeh schmerzt mal wieder, besonders beim Bergabgehen, wenn ich vorne gegen den Schuh stoße, aber ansonsten geht’s mir super. Das Rucksackgewicht wird immer erträglicher, die Hüftschmerzen haben sich fast in Luft aufgelöst (das war wohl nur eine Art Muskelkater von dem ungewohnten Rucksackgewicht) und auch sonst habe ich im Moment keine Beschwerden. Das einzige nervige Problem ist im Moment die Blase auf dem linken Zeh, die täglich größer wird. Aber wenn es mehr nicht ist: So lässt es sich aushalten.



    Auch das Wetter enttäuscht mich heute nicht wirklich. Erst, als ich bereits ca. 2/3 meiner heutigen Etappe bewältigt habe, fängt es an zu regnen. Ein einziger Donner ist zu hören und ich mache mir Sorgen, ob nun ein großes Gewitter kommt, aber bereits nach ca. 45 Minuten hört es auf zu regnen und alles ist wieder in Ordnung. Als ich in Arasluokta ankomme, erlebe ich etwas Neues: Es gibt keine allgemeine Küche und keinen Aufenthaltsraum, sondern, wenn man als Zelter kochen will, soll man einfach in eine beliebige Hütte reingehen und dort kochen. Dass dort aber Wanderer wohnen, die sich Hüttenübernachtungen gönnen, ist mir irgendwie unangenehm und so koche ich nur ganz kurz meine Nudeln und verschwinde wieder aus der kleinen Hütte. Ich gönne den Hüttenbewohnern ihre Privatsphäre und halte mich deshalb lieber draußen auf dem Rastplatz auf. Auch der Ultraleicht-Schwede übernachtet mit seinem Minizelt in Arasluokta und so wird auch dieser Draußen-Nachmittag/Früher Abend total nett. Den Brief, den ich in Kisuris bekommen hatte, gebe ich der Hüttenwirtin. Sie wird ihn dann morgen an die entsprechende Einwohnerin in Arasluokta übergeben. Außerdem kaufe ich bei ihr ein selbstgebackenes Brot und eine Tube Käse. Das Brot schmeckt köstlich und zusammen mit einer Nudeltüte fühlt sich mein Körper wieder topfit an. Der Ultraleicht-Schwede gibt mir den Namen „Noodle-Woman“ (, da ich jeden Tag nachmittags/abends Nudeln esse), wogegen ich keinen Einwand habe. Jetzt habe ich also schon einen Trail-Namen Arasluokta ist zumindest heute extrem moskitoverseucht, aber bewaffnet mit Moskitonetz und viel Deet ist es auszuhalten. Um ca. 20 Uhr verziehe ich mich in mein Zelt. Wie so oft sortiere ich meine Sachen. Und dabei fällt mir leider etwas sehr Unangenehmes auf: Mein Taschenmesser ist nicht mehr auffindbar. Heute Morgen war es aber noch da, da bin ich mir 100%ig sicher. Habe ich es bei meiner ersten Pause am Wasserfall liegen lassen? Eine andere Möglichkeit fällt mir nicht ein. Da an diesem Mini-Taschenmesser alles dran ist bzw. war (Schere, Zahnstocher, Pinzette usw.), will ich noch nicht glauben, dass es wirklich weg ist. Ich suche und suche und suche, werde aber nicht fündig.
    Geändert von Blubbi (14.02.2017 um 15:10 Uhr)

  2. Erfahren

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    AW: Padjelantaleden 2016 oder auch: Try to come to Kvikkjokk

    #2
    Di, 26.7.: Arasluokta – Staloluokta (12 Km)
    Die Nacht heute war nicht gut. Ich bin zwar um ca. 21 Uhr eingeschlafen, aber es war eine sehr windige Nacht und so bin ich sehr oft wach geworden. Um ca. 2 Uhr war ich richtig lange wach, bin dann zwar noch mal kurz eingeschlafen irgendwann, aber ab 4.50 Uhr war die Nacht dann endgültig beendet für mich.
    Ich suche nochmal mein Taschenmesser, aber auch beim erneuten kompletten Ein -und Auspacken meines Rucksackes taucht es nicht mehr auf. Da ich es heute nicht brauche, beschließe ich, in Staloluokta zu versuchen, ein Neues aufzutreiben. Angeblich kann man dort mit Kreditkarte zahlen und angeblich gibt es dort einen kleinen Shop. Ich hoffe also, dort einen Ersatz auftreiben zu können.
    Ich freue mich auf die letzte Etappe, bevor ich mein erstes großes Zwischenziel erreiche: Staloluokta. Mein Plan war ursprünglich, je nachdem wie viele Tage ich bis dorthin brauche, von dort den Helikopter Richtung Kvikkjokk zu nehmen. Aber seit ich es bis Arasluokta geschafft habe, halte ich es zum ersten Mal für wirklich machbar, auch den weiteren Weg bis Kvikkjokk ohne Helikopter zu bewältigen. Schon häufiger, wenn mich Wanderer nach meiner Route fragten, teilte ich ihnen mit, dass ich versuche, nach Kvikkjokk zu wandern. Aber ganz klar habe ich jedes Mal ergänzt, dass ich nicht weiß, ob ich das überhaupt schaffe und dass ich vielleicht in Staloluokta den Helikopter nehme, wenn das alles für meinen Körper zu viel ist. Aber bis jetzt läuft es gut und ich fange langsam an, an mich zu glauben.
    Für morgen plane ich einen wanderfreien Tag in Staloluokta, einen sogenannten „Rest-day“.
    Der Himmel heute ist mal wieder blau und die Sonne befindet sich noch hinter einem Hügel.

    Es ist windig und meine Anziehsachen sind gut durchgelüftet und fast trocken. Der Mond ist noch am Himmel zu sehen. Um 8.30 Uhr mache ich mich auf Richtung Staloluokta.
    Leider finde ich zuerst den richtigen Weg zur Hängebrücke nicht, weil ich einen falschen Trampelpfad gewählt habe, ohne es zu merken, aber mit einem kleinen Umweg finde ich dann wieder den richtigen Weg und kann die kleine Brücke problemlos überqueren.

    Der Anstieg danach fällt mir nicht schwer, obwohl er nicht nur aus normalem Gehen besteht, sondern teilweise aus richtigem Klettern. Für mich ist das mal wieder ein Beweis, dass sich mein Körper immer besser an die Belastungen gewöhnt, worüber ich mich sehr freue.
    Bei diesem Aufstieg muss ich ziemlich oft über/auf riesige Felsblöcke/Cliffs klettern. Mit dem schweren Rucksack ist das teilweise echt heikel, da ich an manchen Stellen riesige Schritte machen muss (mit nur wenig Halt an den Füßen und Händen), um mich irgendwie zum nächsten Felsen hochzuwuchten. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob mir das so gut gelingen würde, wenn ich nicht zuhause in Deutschland zufällig regelmäßig Indoor-Sportklettern betreiben würde. Obwohl ich diesen Anstieg vom Körperlichen her als nicht anstrengend empfinde, bin ich auf jeden Fall trotzdem sehr froh, dass mir dabei nichts passiert ist.
    Oben angekommen genieße ich mehrere Kilometer lang die atemberaubende Aussicht.











    Schmerzen habe ich mal wieder nur in den kleinen Zehen, sonst aber nirgendwo. Heute ist es sehr windig, was mich aber nicht stört, denn so sind wenigstens keine Moskitos in meiner Nähe. Für mich ist das heute trotz des Windes wieder das perfekte Wetter. Ich liebe die frische Luft einfach.



    Mir kommt ein junger Mann entgegen, der mir berichtet, dass hinter Duottar unendlich viele Moskitos unterwegs wären. Allein auf einer Schulter zeigt er mir ca. 50 Stiche, was mich dann doch etwas schockt. Aber auch diese nicht so schönen Informationen lassen mich vermutlich nicht mehr davon abbringen, es bis Kvikkjokk zu Fuß zu versuchen.

    Erst ca. 2 km vor Staloluokta bzw. ab diesem Schild ändert sich das Wetter und im Sarek hat sich ein Gewitter gebildet. Bei mir regnet es nun für ca. eine halbe Stunde. Da ich mir nicht sicher bin, ob das Gewitter nicht doch noch hier herüber zieht, fange ich das erste Mal an, mein Wandertempo bewusst zu erhöhen.
    Ich gehe so schnell wie noch nie auf dieser Tour und fange an zu schwitzen unter der Regenjacke, die ich mir übergezogen habe. Doch kurz vor meinem Tagesziel hört es schon wieder auf mit dem Regen und die Sonne kommt wieder durch.

    Um 14.25 Uhr habe ich es geschafft. Ich bin in Staloluokta!!!!!!! Nach 6 Wandertagen habe ich mein erstes großes Ziel tatsächlich erreicht und bin unglaublich stolz auf mich.

    Bevor ich mir einen Zeltplatz suche, mache ich erstmal eine kurze Pause in der Hütte, bezahle die Service-Fee für die nächsten zwei Nächte und feiere innerlich eine kurze Party, weil ich es bis hierhin geschafft habe
    Der Tag heute hat die bisherigen Wandertage meine Tour noch mal getoppt. Es gibt einfach keine Worte für diese tollen Aussichten und diese unbeschreiblichen Freiheitsgefühle.
    Nach der Pause im Aufenthaltsraum baue ich mein Zelt nah am See auf und richte mich in meinem Luxustempel für den kommenden wanderfreien Tag ein.
    Seit gestern treffe ich verschiedene Wanderer immer wieder. Ich weiß, für die meisten, die das hier lesen werden, ist das völlig normal, aber für mich, die bis jetzt immer nur hintergeschneckt ist, nicht. Seit gestern aber hat sich dies geändert. In Staloluokta treffe ich deshalb auch wieder den UL-Schwede, der z.B. viel schneller unterwegs ist als ich. Eigentlich wollte er einen anderen Weg nehmen und dachte, dass wir uns nicht mehr wieder sehen, aber er hat anscheinend seine Pläne geändert und will morgen von Staloluokta aus einen Tagesausflug machen.
    Nach meinem Zeltaufbau kaufe ich mir Köttbullar, Ravioli und Dosenfrüchte im Kiosk und stelle leider fest, dass erstens meine Kreditkarte dort nicht funktioniert und der Kiosk zweitens keine Taschenmesser im Verkauf anbietet. Auch eine Schere gibt es nicht im Sortiment. Dafür kann man für viel Geld eine Art Machete kaufen, welche mir aber natürlich viel zu riesig und vor allem zu schwer ist. Mir wird also nichts anderes übrig bleiben, als die Pflaster für die Blase gleich in der Fjällhütte schon mal zurechtzuschneiden für die kommenden Tage und dann ohne „Werkzeug“ auszukommen.
    Nach meiner Shoppingtour gehe ich wieder in den Aufenthaltsraum und verbringe meinen Abend wie immer mit Nudeln (+ Köttbullar) und spiele mit 2 jungen Schweizern, die den kompletten Nordkalottleden laufen wollen und noch 2 Monate dafür brauchen werden, Uno.
    Ich freue mich auf einen faulen Tag morgen und schlafe um ca. 22 Uhr bei leichtem Regen ein.

    Mi, 27.7.: Ruhetag in Staloluokta
    Obwohl es die ganze Nacht geregnet hat, habe ich gut geschlafen und bin nur ein paar Mal kurz aufgewacht zwischendurch. Um 6.30 Uhr hat sich mein Körper erstmal genug ausgeruht und ich stelle fest, dass mein Zelt von innen immer noch trocken ist und somit den ersten kleinen „Härtetest“ überstanden hat.

    Ich verbringe meinen freien Tag mit faulenzen, Wäsche waschen, Essen für die nächsten Tage sortieren usw. und frage mich, ob mein Bargeld für den Rest der Tour reichen wird. Ich bin mal wieder froh, unabhängig zu sein und bin außerdem insgesamt froh, keine Hüttentour zu machen. Ich genieße es, draußen alleine im Zelt zu schlafen und möchte es nicht missen, wann und wo mir danach ist, das Zelt aufzuschlagen. Heute versuche ich soviel zu essen und zu trinken, wie es nur irgendwie möglich ist. Seit vorgestern fühlt sich mein Körper in ganz wenigen Momenten kurzzeitig so an, als ob ihm irgendetwas fehlt. Leichte Schwindelgefühle überkommen mich dann. Nicht wirklich schlimm, aber da ich es ja noch bis Kvikkjokk schaffen möchte, stopfe ich heute meinen Körper mit viel Tee, Vitamin C-Pulver, Studentenfutter, Nüssen, Dosenfrüchten, Ravioli, Müsli usw. voll. Morgen früh werde ich meine Tour fortsetzen. Essen habe ich dann noch für vier Tage dabei und mein Plan ist es, in Sammarlappa dann noch mal Essen für drei Tage nachzukaufen. Im Aufenthaltsraum treffe ich eine Frau, die mein Rucksackgewicht noch toppt und mit 29 Kilo unterwegs ist. Sie gönnt sich gerade fünf Tage mit Staloluokta als Basislager. Außerdem treffe ich eine Frau, die es von Ritsem bis Staloluokta in drei Tagen geschafft hat. Doppelt so viele Kilometer pro Tag zu laufen, wie ich es bis hierher getan habe, ist für mich immer noch eine krasse Vorstellung.
    Heute hat es den ganzen Tag über immer wieder geregnet und es war durchgängig bewölkt. Der erste komplette Tag meiner bisherigen Tour ohne Sonnenschein.
    Jetzt, wo ich im Bett liege, stelle ich fest, dass der heutige Tag der erste Tag war, an dem ich keinen einzigen Moskito gesehen habe. Wunderbar.

    Do, 28.7.: Staloluokta – ca. 4 km vor Duottar (15 km)
    Heute Nacht habe ich von ca. 19.30 Uhr bis 6.10 Uhr geschlafen und als ich aus meinem mobilen Hotel rauskrabbele, stelle ich fest, dass dies ein wunderbarer Morgen ist. Blauer Himmel, Sonne und 0 Moskitos in Sicht.







    Alle Sachen inklusive Zelt lasse ich vor meinem Aufbruch noch schnell in der Sonne trocknen, da im Trockenraum der Fjällhütte leider nicht alles komplett über Nacht getrocknet ist, was ich gestern gewaschen hatte. Jetzt riecht meine Wäsche endlich mal wieder richtig gut nach einer Wanderwoche + Anreise
    Um 9.21 Uhr starte ich Richtung Duottar.
    Ich verabschiede mich innerlich von diesem wunderbaren idyllischen Ort Staloluokta und drehe mich noch oft um, weil ich mich einfach nicht satt sehen kann.

    Mein grober Plan ist es heute, irgendwo zwischen Staloluokta und Duottar zu zelten. Meinem Körper geht es im Moment nach dem wanderfreien Tag super und so genieße ich wie immer die Freiheit und mache bei dem schönen Wetter unterwegs wieder viele Fotos.
    Ich stelle fest, dass Fotos mit Selbstauslöser mit dem Rucksack auf dem Rücken eine anstrengende Sache sind, aber für so tolle Erinnerungen nehme ich die zusätzlichen Belastungen in Kauf.

    Auch diese Etappe ist landschaftlich wieder besonders reizvoll und absolut empfehlenswert.
    Heute habe ich außer dem linken Zeh keine Schmerzen und so kann ich die Etappe wieder besonders genießen.











    Meinen Zeltplatz wähle ich ca. 4 km vor Duottar und lasse dort den Tag bei mal wieder perfektem Wetter gemütlich ausklingen. Mit vielen Pausen und vielen Fotos habe ich heute ca. 15 km in ca. 6 Stunden bei meinem üblichen gemütlichen Tempo hinter mich gebracht. Heute habe ich das erste Mal kein Deet benutzt, da ich außer beim Kochen wieder genau 0 Moskitos gesehen habe Genau, als meine Spaghetti Carbonara fertig gekocht sind, fängt es allerdings an zu tröpfeln und so verziehe ich mich ins Zelt und genieße mein Hauptgericht dort. Der Regen wird immer fester und dazu wird plötzlich der Wind immer stärker. Doch schon nach einer halben Stunde hat die Wetterfee ein Einsehen und so kann ich im Trockenen den Abwasch usw. hinter mich bringen. Noch eine Premiere muss ich an dieser Stelle erwähnen: Heute hat zum ersten Mal seit Tourbeginn kein Moskitostich gejuckt (Bis jetzt bin ich jeden Tag trotz Fenistilgel kratzend durch die Gegend gelaufen)
    Heute habe ich das erste Mal abends nach dem Wandern Knieschmerzen. Auch bei Abstiegen merke ich inzwischen oft die harten Belastungen im Knie, aber beim Geradeauslaufen und Hochlaufen ist davon zum Glück nichts zu spüren.





    Fr, 29.7.: Ca. 4 km vor Duottar – Ca. 2 km vor Tarreluopal (13 km)
    Um 5.50 Uhr wache ich auf und erblicke mit Freude, dass der Himmel zumindest teilweise wieder blaue Stellen aufweist. Die letzte Nacht war ziemlich unruhig und ich war oft lange wach. Außerdem hat es mehrere Stunden gedauert, bis ich überhaupt eingeschlafen bin. Seit gestern Abend nach dem Abwasch haben sich hier außerdem doch noch ziemlich viele Moskitos versammelt. Nachts hat es wohl wieder etwas geregnet, aber als ich mein Zelt einpacke, ist es fast trocken.
    Um 7.53 Uhr mache ich mich deshalb wieder auf den Weg, weg von diesem inzwischen moskitoverseuchten Platz.
    Auf meinen ersten Metern habe ich heute Schmerzen in der rechten Hüfte, aber zum Glück legt sich das schnell wieder, so dass erstmal nur der übliche linke Zeh schmerzt. Später kommen dazu starke Schulterschmerzen.
    Heute durchwandere ich zum ersten Mal ein kleines Schneefeld und benutze das erste Mal zum Furten eines Baches meine Crocs, die mir zudem nachmittags/abends als Campschuhe dienen.







    In Duottar mache ich eine längere Pause und erwerbe dort ein frisch selbstgebackenes Brot. Da ich noch einen Rest Tubenkäse habe, steht einem zweiten Frühstück nichts mehr im Wege Als die Hüttenwirtin sieht, dass ich nicht genug Kleingeld habe und ihr einen Schein herüberreichen will, überlässt sie mir das Brot für weniger Geld, damit ich nicht noch mehr Kleingeld mit mir herumschleppen muss. So nimmt sie alles das Kleingeld, was ich habe und ist damit zufrieden. In Deutschland ist so eine nette Geste für mich unvorstellbar. Doch auch die schönsten Pausen haben irgendwann ein Ende und so geht es bei abwechslungsreichem Wetter weiter Richtung Tarreluopal.

    Leider verwandelt sich das windige Wetter von abwechslungsreich zu Dauerregen und so regnet es nun mehrere Stunden lang am Stück. Schnell stelle ich fest, dass meine uralte Regenhose trotz frischer Imprägnierung zuhause in Deutschland überhaupt nicht mehr dicht ist. Zum Glück kommt der Wind und der Regen hauptsächlich von hinten, so dass zumindest vorne die Regenhose nicht komplett an mir dran klebt.
    Irgendwann erblicke ich die Tarreluopal-Hütten und beschließe, hier mein Zeltlager einzurichten. Glücklicherweise hat endlich kurzzeitig der Regen aufgehört und Moskitos sehe ich im Moment auch keine.
    Um ca. 15 Uhr steht deshalb mein aufgebautes Zelt an einem guten Platz mit guter Sicht hinunter zu den Hütten und so bereite ich alles für den kommenden Abend und die nächste Nacht vor.

    Die Regenpause hält weiter an, die Sonne kommt sogar ganz kurz raus und so schaffe ich es sogar, ohne Regen zu kochen, draußen ohne Moskitos zu essen und meine Sachen zu trocknen.
    Ich genieße die zweite Hälfte des selbstgebackenen Brotes mit Tubenkäse und meine wohl verdiente Nudeltüte.



    Noch nie hatte ich so wenig Insekten in meinem Vorzelt wie heute und auch die kleinen Schwindelanfälle sind seit dem selbstgebackenen Brot heute morgen etwas weniger geworden. Meine Blase auf dem linken Zeh ist mal wieder um ein paar Millimeter gewachsen, aber immerhin hat sich rechts immer noch gar keine gebildet, obwohl der kleine Zeh auch dort oft beim Wandern schmerzt (allerdings nicht so stark wie links).

    Rechts ist der kleine Zeh zwar auch immer nachmittags etwas dick, rot und hart, aber eine Blase ist bis jetzt immer noch nicht sichtbar. Auch den heutigen Tag habe ich gut ohne die Chemiekeule Deet überstanden.
    Auch heute habe ich abends wieder Knieschmerzen und so versuche ich meinem Körper möglichst viel Ruhe zu bieten vor der nächsten Etappe.
    Um 19.30 Uhr schlafe ich ein.

    Sa, 30.7.: Ca. 2 km vor Tarreluopal – Sammarlappa (17 Km)
    Um 7.15 Uhr stehe ich auf und um 9.45 Uhr starte ich meine heutige Etappe. Die Nacht war auf jeden Fall viel besser als die Letzte, obwohl ich von ca. 22.30 Uhr bis ca. 0.30 Uhr noch mal zwei Stunden lang wach war. Ich habe keinen Regen gehört, sondern nur den Wind und das Rauschen eines nahe gelegenen Baches.
    Beim Einpacken des Zeltes unterläuft mir heute ein Fehler, aus dem ich aber sofort gelernt habe und der mir nie wieder passieren wird. Da auf dem Zelt noch ziemlich viele Tropfen waren, habe ich heute ausprobiert, diese mit einem Mini-Lappen abzuwischen. Leider hat sich die Feuchtigkeit dann aber sofort durch die dünne Außenschicht gedrückt und zum ersten Mal war somit das Zelt von innen etwas nass. Naja. Ich lerne ja noch. Ab jetzt muss dann das leichte Abschütteln der größten Tropfen wieder ausreichen.
    Jetzt ist es bewölkt, aber trocken, und ein paar kleine blaue Flecken am Himmel sind erkennbar. Der schöne frische Wind, der mir schon sehr ans Herz gewachsen ist, begleitet mich mal wieder. Nach einem Abstieg voller Knieschmerzen hinab zu den Hütten gibt es dort leider kein frisches Brot zu kaufen und so mache ich mich weiter auf den Weg Richtung Sammarlappa.





    Nach ca. 1,5 trockenen Km mit ganz leichter Sonne zwischendurch bildet sich genau über mir ein Gewitter und es hagelt sogar. Der danach anfangende Dauerregen sorgt dafür, dass ich irgendwann klitschnass bis auf die Unterhose bin. Dass die Regenhose nicht dicht ist, wusste ich ja inzwischen schon, aber auch die neue teure Goretex-Jacke hat diesem Wetter heute nicht stand gehalten. Am Bauch, an den Seiten und an den Schultern bin ich überall klitschnass. Nur eine ganz kleine Stelle an der Brust ist trocken geblieben (ca. 5 mal 5 cm). In meinen Schuhen haben sich Seen gebildet. Zweimal habe ich zwischendurch den Wasserschwall ausgekippt, aber als ich gemerkt habe, dass es sich nach 2 Minuten schon wieder so anfühlt wie vor dem Auskippen, habe ich das Unterfangen ab dann gelassen. Ich schwappe also vor mich hin. Der Weg hat sich in einen Bach verwandelt und alles ist superrutschig. Ich falle das erste Mal auf meiner Tour einmal hin, aber zum Glück hat mich der Rucksack gut abgedämpft, so dass nichts passiert ist. Sehr oft rutsche ich weg und bin kurz vor weiteren Stürzen, aber irgendwie schaffe ich es doch immer wieder, das Gleichgewicht zu halten.
    Als sich das Gewitter verzieht, kommen Unmengen an Moskitos hervor und begleiten mich bis zu meinem Tagesziel. Ab dem ca. 6. bis 9. km meiner heutigen Wanderung befinde ich mich gefühlt in einer Art Dschungel. Überall sind hohe Sträucher und Büsche und Äste von Birkenbäumen. Der Weg bzw. Bach windet sich sehr eng durch dieses Pflanzengewirr, so dass man automatisch an den Beinen und Schuhen immer durchgängig nass blieb. Selbst wenn es aufgehört hätte zu regnen, wäre an trocknen nicht zu denken. Meine Gamaschen haben überhaupt nichts gebracht, überall war alles voller Wasser. Das Einzige, was noch wirklich trocken geblieben ist, ist mein Kopf unter der Kapuze.
    Irgendwann gefühlt zwischen 16 und 18 Uhr erreiche ich klitschnass nach ca. 17 Tageskilometern die Sammarlappa-Hütte. Da ich so komplett durchnässt bin bis auf die Unterhose, vergesse ich, auf die Uhrzeit zu achten. Und da ich im Regen eh generell nie Fotos mache aus Angst, dass der Fotoapparat dann kaputt geht, muss heute mal eine Schätzung ausreichen.
    Mitten im Eingang der Sammarlappa-Hütte ziehe ich mich um und schäle mich aus den klitschnassen Sachen heraus. Ich kann ja unmöglich so triefend in die Hütte reingehen. Als ich wieder einigermaßen trocken bin, gehe ich rein, melde mich an und treffe ein älteres Ehepaar wieder, dass ich, seit ich in Staloluokta aufgebrochen bin, immer wieder mal kurz gesehen habe. Mal habe ich sie überholt, mal sie mich. Sie machen eine reine Hüttentour mit weniger Gepäck. Ich freue mich, sie wohlbehalten wiederzusehen und wir erzählen uns gegenseitig, wie unser heutiger Tag verlaufen ist. Auch sie mussten durch das Gewitter und sind gestürzt. Ich erfahre, dass die Lappen diesen Hagel als Eisregen bezeichnen. Das Ehepaar bewundert, dass ich trotz der nassen Umstände draußen im Zelt schlafen will, aber ich erkläre ihnen, dass es ja im Zelt eigentlich trocken ist (außer der paar Tropfen vom morgigen Fehler) und dass, wenn meine Sachen hier über Nacht trocknen können, alles für mich bestens ist. Ich hingegen bewundere die beiden und nicht mich. Sie sind wirklich nicht mehr die jüngsten und man merkt, dass sie ihre köperlich fittesten Zeiten bereits hinter sich haben. Für mich ist es ein kleines Rätsel, wie sie so eine Tour auf sich nehmen, aber ihren Berichten nach haben sie schon ihr ganzes Leben lang viele Wandertouren gemacht und von daher können sie wahrscheinlich einfach von sehr viel Erfahrung profitieren (im Gegensatz zu mir).
    Leider sind in der Hütte ziemlich viele hungrige Moskitos unterwegs.
    Die heutigen insgesamt ca. 17 Kilometer haben meinem Körper viel abverlangt. Mir tut heute besonders die linke Schulter weh, keine Ahnung warum. Die Schmerzen meiner Füße und Beine halten sich für die heutigen Umstände aber eigentlich in Grenzen und ich bin einfach nur insgesamt froh, diese Etappe hinter mich gebracht zu haben. Obwohl ich ca. 3 – 4 km mit den Seen in den Schuhen vor mich hingeschwappt bin, hat sich rechts immer noch keine Blase gebildet und die auf dem linken Zeh ist nicht viel größer geworden im Vergleich zu heute morgen.
    Ich darf alle meine klitschnassen Sachen bis morgen über das Feuer hängen zum Trocknen (dort hängen extra Wäscheleinen dafür), worüber ich mich sehr freue
    Heute hatte ich den ganzen Tag lang keine Schwindelgefühle mehr und so nehme ich das als gutes Zeichen auf, dass es meinem Körper von der Nahrungszufuhr her wieder besser geht.
    Als ich später das Zelt aufbaue (auf einem kleinen Wiesenstück ca. 50 m von der Hütte entfernt mitten zwischen den ganzen Sträuchern und Büschen, entdecke ich im Innenzelt auf dem Boden ein paar Tropfen, die sich wohl von der Decke herunter fallen lassen haben. Dies muss wohl die Folge meines morgigen Fehlers sein Aber wie gesagt, dieser Anfängerfehler wird sich nicht wiederholen. Mit meinem Zeltplatz hier bin ich heute nicht so ganz zufrieden, da er leicht schief ist und dies eine rutschige Angelegenheit werden wird nachts. Da dies aber der einzige Zeltplatz nah an der Hütte gelegen ist und ich keine Lust habe noch weiterzuwandern, muss ich mich wohl damit begnügen und hoffe, trotzdem ausreichend Schlaf zu finden.
    Ich mache einen Ausrüstungscheck und stelle fest, dass der Rucksack innendrin größtenteils trocken geblieben ist. Der wasserdichte Packsack meines Schlafsackes ist von außen zwar leicht nass geworden, aber der Schlafsack an sich ist trocken. Alle anderen Sachen im Rucksack scheinen trocken geblieben zu sein und der Rucksack an sich ist dank der Regenhülle größtenteils trocken geblieben. Nur an den Seiten, unten und an den Schulterriemen ist er komplett durchnässt. Da ich aber alles immer in Tüten oder wasserdichten UL-Packsäcken verstaut habe, ist dies kein Problem. Meine Regenhose gilt seit heute für mich offiziell als ein Stück Müll. Der nasse Rucksack muss heute mal über Nacht im Vorzelt bleiben und ich hole nur die Packsäcke und Tüten ins Innenzelt. Das Vorzelt ist bereits komplett gefüllt mit Moskitos und so begebe ich mich erstmal wieder in die Hütte und werde von vier jungen australischen Hippies zu Kartoffelpürree und einer komischen grauen Pampe aus einer Konservendose eingeladen, von welcher ich den Namen vergessen habe. Es schmeckt besser als es aussieht, aber da ich den vier natürlich nicht ihr Essen wegessen will, koche ich mir trotzdem eine Nudeltüte. Wenn bei ihnen und mir alles so klappt, wie wir es geplant haben, werde ich sie übermorgen am Bootsanleger in Bobäcken wiedertreffen, denn auch sie möchten das Boot um 17 Uhr nehmen. Während ich mir meine Nudeln koche, spielen die Australier Poker. Sie fragen, ob ich mitspielen will, aber ich verneine, da ich ja gerade am kochen bin und gleich essen will. Als ich fertig bin mit Essen, haben sie aber schon keine Lust mehr weiterzupokern, sondern wir tauschen uns stattdessen noch ein bisschen aus. Sie haben einen Zeltplatz gewählt einige hundert Meter entfernt von der Hütte.
    Als ich die Hüttenwärtin frage, ob ich ein paar Sachen bei ihr einkaufen könnte, gibt sie mir den Schlüssel. Ich soll selber zum Shop laufen, mir alles rausnehmen, was ich brauche und nicht vergessen, wieder abzuschließen. Dann erklärt sie mir, dass hier alles auf gegenseitigem Vertrauen basiert und ich ihr nach meiner Shoppingtour einfach zeigen soll, was ich mir ausgesucht habe und dann bezahlen soll. Gesagt, getan. In einer Hütte ca. 50 m weiter finde ich ein für meine bisherigen Erfahrungen unglaublich großes Sortiment. Von Pflastern bis zu Bonbons gibt es hier alles zu kaufen. Ich suche mir wie geplant Proviant aus für die nächsten drei Tage. Außerdem finde ich hier Pulver in Sticks für Kakao, wovon ich einen testen will.
    Irgendwann verziehe ich mich ins Zelt und hoffe, trotz der leichten Schieflage gut zu schlafen.

    So, 31.7.: Sammarlappa – Nunjes (19 Km)
    Es hat anscheinend die ganze Nacht weiter in Strömen geregnet. Das Zelt ist von außen klitschnass und die Umgebung auch. Trotz der Schieflage habe ich gut geschlafen, wenn auch kurz. Es ist gerade mal 4.50 Uhr und ich kann schon nicht mehr schlafen. So früh will ich aber auch nicht schon in der Hütte rumrödeln und so sortiere ich schon mal alle Sachen vor, damit es nachher beim Zusammenpacken schneller geht. Ich döse noch ein bisschen vor mich hin, und gehe irgendwann später als erstes nach einer Anziehaktion im Liegen (, damit ich nicht an das Zeltdach stoße und es wieder nass wird), in die Hütte und schaue nach, ob meine Sachen über Nacht getrocknet sind. Begeistert stelle ich fest, dass alles absolut trocken ist. Nur die Schuhe sind noch sehr feucht, aber das wundert mich kein bisschen. Immerhin sind sie durch das Feuer aber schön vorgewärmt, so dass das Anziehen nachher vielleicht etwas angenehmer ausfällt als befürchtet.
    Ich schütte mir das gestern gekaufte Kakaopulver in heißes Wasser und bin total überrascht. Mit so einem leckeren Ergebnis hatte ich nicht gerechnet. Das vor mir stehende Getränk schmeckt wirklich, wie ich mir einen richtig leckeren Kakao eben vorstelle. Dazu frühstücke ich wie immer Müsli in Wasser und Milchpulver.
    Ich kaufe mir noch mal zwei solche Sticks für die nächsten Tage.
    Jetzt steht mir eigentlich nur noch eine Sache bevor: Das komplette klitschnasse Zelt zusammenpacken. Die Hüttenwärtin schlägt mir vor, in ihrem Schuppen nebenan mein Zelt aufzuhängen, um zumindest die größte Nässe raustropfen zu lassen. Ich finde die Idee gar nicht schlecht und so mache ich mich auf zu einer Aktion, die sich später als suboptimal herausstellt. Ich schüttele die größten Tropfen vom Zelt ab, aber da es immer noch regnet, hat das wenig Sinn. Also ziehe ich nur die Stangen aus dem Zelt und trage es so, wie es dann ist, zu dem besagten Schuppen. Dort angekommen ist alles voller Holz. Ich klettere auf Brennholz herum, um irgendwie das Zelt aufzuhängen, und das Ergebnis ist, dass es zwar nun hängt, aber von außen voller Holzspäne ist. Ich lasse es also so hängen und gehe wieder in die Hütte, aber auch eine Stunde später sieht man nicht wirklich Fortschritte im Trocknen.

    Alle anderen Wanderer sind inzwischen aufgebrochen und ich stehe da und weiß nicht, was nun am besten ist. Nach einer weiteren halben Stunde entscheide ich mich, dass es keinen Sinn hat, hier zu warten. Ich packe das Zelt vorsichtig zusammen, obwohl es immer noch nass und voller Holzspäne ist und starte meine Etappe um 10.13 Uhr.
    Heute treffe ich unterwegs immer wieder die vier Australier und das ältere Ehepaar.
    Jeder einzelne Schritt heute erfordert vollste Konzentration. Bei wirklich jedem Schritt muss ich aufpassen, nicht umzuknicken oder auszurutschen. Überall sind Steine, Geröllfelder, Matsche, Wasser, Dschungel usw. Ein lockeres Daherwandern ist seit gestern nicht mehr möglich.

    Auf einmal höre ich ein immer näher kommendes lautes Rauschen eines Gebirgsbaches. Je näher ich komme, desto lauter wird er. Als ich ihn erreiche, stelle ich mit Erschrecken fest, dass es hier keine Brücke gibt. Der „Bach“ ist voller riesiger Steine und ist von dem Regen der letzten Tage ziemlich gefüllt. Ratlos stehe ich vor dem Gewässer und frage mich, wie ich da jemals lebend rüberkommen soll. Die Abstände dieser rutschigen Steine erscheinen mir teilweise als zu groß, um von Stein zu Stein zu „hüpfen“.

    In mir steigt Angst auf. Es ist immer noch am Regnen, und trotz des Regens schwirren Moskitos um mich herum. Auf dem Foto kann man nicht wirklich erkennen, wie gefährlich für mich dieser Bach aussah, da hinter der kleinen Steine-Insel der breitere Abschnitt folgt.
    Ich gucke den „Bach“ weiter hinab, um evtl. eine bessere Stelle zur Überquerung zu finden. Nichts in Sicht. Ich blicke nach links den „Bach“ hinauf und traue meinen Augen kaum, als ich ein paar hundert Meter weiter die vier Australier stehen sehe. Sie winken zu mir herunter und scheinen mich aufzufordern, herauf zu kommen zu ihnen. Es ist viel zu laut und sie sind viel zu weit weg, um etwas zu rufen oder zu hören, aber da ich mich hier sowieso nicht herübertraue, nehme ich also den Weg über das ganze Geröll auf mich und kämpfe mich Meter um Meter zu ihnen hinauf.
    Bei ihnen angekommen, teilen sie mir mit, dass sie für sich diese Stelle ausgewählt haben, um einen Versuch zu wagen und sie fragen mich, ob ich mit ihnen zusammen das Abenteuer begehen will. Ich bin unendlich froh, dass ich das hier nicht alleine in Angriff nehmen muss und so startet der erste mutige Australier das Wagnis. An der Insel angekommen wartet er auf den nächsten und so wackeln wir alle nacheinander von Stein zu Stein und hoffen, dass wir nicht abrutschen oder dass ein Stein einfach wegkippt und wir stürzen. Tatsächlich schaffen wir es alle bis zur Insel und überlegen dann, wie wir den Rest bewältigen könnten. Einer der Australier fängt auf einmal an, riesige Steine anzuheben und ins Wasser zu werfen. Er baut uns allen so nach und nach einen Weg durch das reißende Gewässer. Unglaublich, wie oft er riesige Steine anhebt und ins Wasser plumpsen lässt, aber ich bin einfach nur froh für diese Hilfe und schaffe es so genau wie die anderen, mit teilweise riesigen Schritten von Stein zu Stein zu balancieren. Ich versuche gar nicht erst, rüberzukommen, ohne das Wasser in meine Schuhe schwappt, da sie ja sowieso schon komplett voll Wasser sind und so konzentriere ich mich komplett „nur“ darauf, mit meinen Stöcken einigermaßen im Gleichgewicht zu bleiben. Als wir alle mitsamt unserer treuen Begleiter (Moskitos) drüben angekommen sind, kann ich es nicht fassen. Wir machen gegenseitig von uns Fotos und so entsteht das zweite von zwei Fotos meiner gesamten Tour, welches ich nicht selber geschossen habe.
    Nach dieser abenteuerlichen Überquerung trennen wir uns wieder, da die Australier generell schneller unterwegs sind als ich. Wir überholen uns zwar manchmal gegenseitig (ich sie bei Pausen und sie mich einfach so, weil ich langsamer laufe), aber ihre durchschnittliche Wandergeschwindigkeit ist einfach höher als meine.
    In den wenigen Momenten, in denen es nicht regnet, schieße ich ein paar wenige Fotos. Der Weg bleibt weiterhin voller Steine, mal gleicht der Weg einem Bach und mal nicht, aber angenehmer wird der Weg heute nicht mehr.

    Irgendwann erreiche ich die Tarrekaise-Hütte. Die vier Australier sind bereits da und machen hier eine größere Pause mit Schuhe ausziehen, kochen usw. Ich hingegen entscheide mich, schnell weiterzugehen. Wenn ich jetzt eine längere Pause mache, stelle ich es mir noch härter vor, gleich noch mal loszulegen. Mir tut bereits jetzt jeder Muskel und jeder Köperteil weh und dann gleich noch mal die nassen Sachen und Schuhe anzuziehen, ist für mich irgendwie nicht vorstellbar. Ich habe zwar schon von vielen Wanderern und Berichten gehört, dass die nun kommenden 6 km sehr hart werden, weil es ein sehr steiler und langer und rutschiger Abstieg zu Nunjes ist, aber dennoch laufe ich also wieder alleine los, weil ich hier nicht bleiben will. Es regnet immer noch, eine Hüttenwärtin ist nicht in Sicht und einen schönen Zeltplatz kann ich auch nirgendwo entdecken.
    Ich laufe also wieder los und verlaufe mich erstmal kurz, weil ich nicht den richtigen Weg nehme. Nach ca. 10 – 20 Minuten Weg-Suchen bin ich wieder richtig.
    Natürlich hat sich nichts an den steinigen Wegzuständen geändert.



    Der Weg ist manchmal immer noch ein dahin fließender Bach, knöcheltief versinke ich regelmäßig in ihm. Jeder Schritt tut weh, besonders der Abstieg ist für die Knie der absolute Horror. Beim Abstieg bin ich das erste Mal kurz davor in Tränen auszubrechen. Aber es kommt nichts raus. Was mach ich hier nur? Den Abstieg kann ich nicht wirklich in Worte fassen, zu extrem sind die Schmerzen.
    Um ca. 19.30 Uhr erreiche ich nach 19 Tageskilometern eeeeeeeeeeeeeeeendlich die Nunjes-Hütte. Mir tut ALLES weh. Jeder Knochen, jeder Muskel, alles. Komplett durchnässt bis auf die Unterhose betrete ich genau wie gestern die Hütte. Passenderweise gibt es hier so etwas wie einen kleinen Vorraum, der als Moskitoschleuse dient. Dort versuche ich also, mich in einen trockenen Zustand zu bringen. Ich streife alle Sachen von mir ab, versuche mich irgendwie abzutrocknen und ziehe mir schon jetzt meine Schlafsachen an, da diese wenigstens komplett trocken sind. Als mir dies einigermaßen gelungen ist, gehe ich in die Hütte und treffe einige Wanderer wieder, die ich in den letzten Tagen schon mehrmals getroffen habe, unter anderem das ältere Ehepaar.
    Auch heute freue ich mich, sie wiederzusehen, aber ich frage mich auch heute wieder ernsthaft, wie sie das geschafft haben. Ich habe großen Respekt vor ihnen, bin aber zu geschafft, um groß zu erzählen oder zuzuhören. Ich lasse mich in meinen Schlafsachen auf einen Stuhl plumpsen und liege mehr auf ihm als dass ich sitze. Ich ernte bemitleidende Blicke der Anderen, aber das ist mir im Moment egal. Ich bin froh, einfach nur zu sitzen/liegen und möchte mich nicht mehr bewegen. Die anderen raten mir, für diese Nacht doch ein Bett in der Hütte zu gönnen. Tatsächlich habe ich heute nichts dagegen. Mein Zelt ist immer noch nass (wahrscheinlich durch das Zusammenpressen im Packsack inzwischen auch von innen), es ist voller Holzspäne, es regnet noch immer und ich will mich nicht mehr bewegen. Ich hänge also auf meinem Stuhl und starre vor mich hin und kann noch gar nicht fassen, dass ich die 19 km überstanden habe und ohne Unfall hinter mich gebracht habe.
    Als ich irgendwann wieder fähig bin, mich zu bewegen, creme ich meine Schultern mit Voltaren ein, begutachte meine Blase, hänge meine Sachen zum Trocknen auf und richte mich im Zimmer des älteren Ehepaars ein. Die beiden haben sich schon für die beiden unteren Betten entschieden, so dass ich das Bett über ihm auswähle.
    Danach versuche ich mich aufzuraffen, um zu kochen, aber überraschenderweise hat sich das Ehepaar dazu entschlossen, dass ich heute nicht mehr kochen soll, sondern bei ihnen mitessen soll. Sie haben angeblich eh zu viel Essen und so sitze ich ein paar Minuten später mit den beiden am Tisch und vor mir steht ein Teller voll chinesischer Nudeln mit Gemüse. Sie haben ihre Gerichte zuhause selbst vorbereitet und dann verschweißt. Normalerweise würde ich so etwas nicht essen, weil das nicht meinen Geschmack trifft, aber heute nehme ich die Einladung dankend an und da mir sowieso im Moment alles egal ist, schmecken mir diese Nudeln sogar gut. Das einzige, was ich den beiden als Dank anbieten kann, ist später eine Tüte Weingummi, die ich mir in Sammarlappa besorgt hatte und von denen sie nun ein bisschen bei mir mitessen. So langsam kehrt in meinen Körper wieder Leben ein und ich sortiere meine Sachen und kontrolliere mal wieder, ob noch alles trocken ist. Nichts ist nass, perfekt. Da ich viel mehr Sachen dabei habe als die Hüttenwanderer, darf ich einen kleinen Tisch am Rand des Aufenthaltsraumes für mich alleine nutzen und dort alles ausbreiten und sortieren.
    Später kommt dem Mann des Ehepaars noch eine Idee: Ich soll doch einfach mein nasses Zelt über den Essenstisch hängen, mitten durch den Raum verteilt. Da inzwischen alle Wanderer fertig mit kochen und essen sind, hat niemand etwas dagegen, und so hänge ich mithilfe des Mannes tatsächlich quer durch das Zimmer mein Zelt. Ein Traum.
    Der Tag heute war mit riesigem Abstand der härteste und schlimmste Tag meiner bisherigen Tour. Ich war insgesamt über 9 Stunden unterwegs, habe fast gar keine Pausen gemacht und wenn dann nur sehr kurz. Ich war nach kurzer Zeit schon durchnässt und mein Körper kühlte äußerlich nach und nach immer mehr ab, obwohl ich ständig in Bewegung war. Ich habe insgesamt nur 3 oder 4 kurze Pausen im Stehen gemacht, um etwas zu essen (es war ja viel zu kalt und zu nass, um mich mit meiner „Müllhose“ hinzusetzen. Die einzige Pause im Sitzen war ganz kurz auf der Treppe von der Tarrekaise-Hütte, aber auch dort wurde mir ziemlich schnell kalt, so dass ich bereits nach ca. 3 Minuten schnell weiter wollte, um nicht noch mehr abzukühlen. Insgesamt kann ich mich nicht daran erinnern, jemals in meinem Leben so durchnässt so viele Stunden am Stück unterwegs gewesen zu sein und dabei so unendlich große Schmerzen gehabt zu haben. Bei jedem einzelnen Schritt dieser 13 + 6 km war vollste Konzentration erforderlich. Bei jedem Schritt musste ich aufpassen, nicht umzuknicken oder auszurutschen. Überall waren Steine, Geröllfelder, Matsche, Wasser, Dschungel usw.
    Trotz der Moskitoschleuse schwirren auch hier einige Moskitos durch den Raum.
    Ich bin so kaputt, dass es mir aber egal ist und ich noch nicht mal mehr meine üblichen Notizen über den Tag in mein Tagebuch schreibe.
    Nach dem Aufhängen des Zeltes falle ich in mein Bett. Ich schlafe und schlafe und schlafe.
    Geändert von Blubbi (11.02.2017 um 21:16 Uhr)

  3. Anfänger im Forum

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    AW: Padjelantaleden 2016 oder auch: Try to come to Kvikkjokk

    #3
    Danke für den schönen Bericht - vor allem weil wir in der gleichen Zeit unterwegs waren und er mir das wechselhafte Wetter in Erinnerung ruft! Und dein Fazit, dass du nichts wirklich bereust: beeindruckend dafür, dass du dir gleich als erstes so eine Tour vorgenommen hast

    23 kg erscheint mir allerdings etwas viel - wir hatten zwischen 15 und 18 zu Beginn, aber im Grundsatz ging es uns genauso: hätten wir gewusst, was wir wo kriegen, hätten wir weniger von Anfang an mitgeschleppt. Sammarlappa hatte wirklich noch ein gut gefülltes Lager, in Stalo gibts eh viel Auswahl, und frisches Brot und Fisch hier und dort...

    Noch ein Wort zu deinem langen Tag nach Njunjes - das ist rückblickend in meiner Erinnerung der anstrengendste Tag, weil mit ziemlich vielen auch recht großen Blöcken durchsetzt, relativ dicht bewachsen, und wenn Regen und Erde sich zu einer schlammigen Rutschbahn verbinden

    Wir sind dir wohl kurz nach Duottar begegnet (für uns kurz davor), da kamen uns noch im Bereich der ganzen kleinen Seen einige Wanderer entgegen, darunter ein/zwei einzelne Frauen (eine mit umgehängter Spiegelreflex, die andere ohne - eine in kurzen Hosen?) und auch ein älteres Ehepaar. Wir waren da nicht gerade gesprächig, sorry... wir waren zu dritt unterwegs, meine Frau und ich mit unserem 17jährigen Sohn, evtl. alle mit oliven Hüten gegen den Nieselregen. Und in Duottar gabs dann Brot, und wir freuten uns Antonella (die Stugvärdin) wiederzusehen, die das Jahr davor in Kisuris war

    Viele Grüsse
    Fuxxx

  4. Erfahren

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    AW: Padjelantaleden 2016 oder auch: Try to come to Kvikkjokk

    #4
    Mo, 1.8.: Nunjes – Kvikkjokk (13 Km)
    Als ich um ca. 7 Uhr aufwache, ist das erste, was ich tue, zu überprüfen, wie es meinem Körper geht. Ich rechne nach der gestrigen Tortur mit dem Schlimmsten, aber ich werde eines Besseren belehrt. Ich bin topfit und nichts tut mehr weh. Ich kann es nicht glauben, aber mein Körper hat sich über Nacht supergut erholt. Selbst die Moskitos haben mir den Schlaf gegönnt und so stehe ich entspannt auf und überprüfe den Zustand meines Zeltes. Erfreut finde ich heraus, dass es fast komplett trocken ist. Ich versuche es, so gut es geht, von Holzspänen zu befreien, fege natürlich danach die Hütte und den Tisch sauber, bevor die Anderen gleich frühstücken kommen und packe es ordentlich zusammen. Da die anderen noch schlafen oder zumindest im Bett liegen, hat es also niemanden gestört, dass es dort über Nacht hing
    Am Himmel sehe ich blaue Stellen, die Sonne scheint im Moment und in mir besteht eine kleine Hoffnung, dass der Tag heute besser wird als der gestrige.

    Die Hüttenwärtin erzählt mir, dass sie noch nie so viele Bäche an dem Abhang gesehen hat und dass es in dieser Saison noch nie soviel geregnet hat wie gestern.



    Um 9.35 Uhr starte ich also gut erholt zu meiner letzten Etappe. Mir wird bewusst, dass all meine Ängste, es nicht soweit zu schaffen, Abschied von meinem Gehirn nehmen müssen, denn heute bin ich mir sehr sicher. Ich werde es bis Kvikkjokk schaffen.
    Draußen sehe ich ein paar hundert Meter weiter, dass es auch die Australier hierher geschafft haben und dort etwas abseits gezeltet haben.
    Der Weg heute ist anders als wie der der letzten zwei Tage. Heute geht es größtenteils über einen Forstweg und man merkt, dass man der Zivilisation immer näher kommt.

    Die ersten 1 – 2 km tut wie so oft mein linker Zeh sehr weh, aber dieser Schmerz legt sich ab dem ca. 3. km etwas. Ich komme gut voran. Das Wetter ist sehr abwechslungsreich. Mal regnet es, mal bleibt es trocken, mal kommt die Sonne durch. Die dschungelartigen Zustände wechseln mit Waldwegen ab und mir fällt das Laufen viel leichter als gestern. Erst auf den letzten 2 km vor Bobäcken wird meinem Körper die Belastung zuviel und es fängt wieder an alles wehzutun. Aber das ist alles kein Vergleich zu gestern, denn nun habe ich es ja bald geschafft. Das Ende zieht sich wegen der Schmerzen noch mal hin, aber der Mittelteil des heutigen Tages hat gut geklappt und ich konnte noch mal die Landschaft genießen.







    Und dann ist es irgendwann soweit. Ich überquere eine Hängebrücke und kurz danach erblicke ich eine Infotafel bezüglich der Bootsabfahrzeiten usw.

    Sofort wird mir bewusst, dass es nun nicht mehr weit sein kann. Mir läuft vor Stolz ein Schauer über den Rücken. I’ve done it!!!!!! Padjelantaleden 2016!!!!!

    Die letzten Meter zum Bootsanleger fliege ich wie auf einer Wolke dahin.
    Meine Ankunftszeit am Bootsanleger Bobäcken ist um 14.35 Uhr. Ich bin mal wieder unendlich glücklich, dass ich es geschafft habe. Und das ganze sogar, ohne komplett durchnässt zu sein, denn in der letzten Stunde hat es fast nicht mehr geregnet. Am Bootsanleger sitzt schon eine Familie und wartet auf das Boot, welches aber erst in 2 ½ Stunden kommt. Sie haben ihre Jacken und Schuhe usw. in die Sonne gelegt und genießen die Pause und das Glück, trocken sitzen zu können. Auch ich ziehe meine Schuhe aus und lasse mich auf den Stufen nieder. Ich versuche mich innerlich zu sammeln und versuche zu verstehen, dass mein Abenteuer nun fast zu Ende ist, aber zu wirr und aufgewühlt sind meine Gedanken. Die Familie ist deutsch und so erzählen wir uns ein paar Erlebnisse unserer Tour. Ich habe die Familie noch nie gesehen, obwohl wir anscheinend zeitgleich in Staloluokta gestartet sind. Kurz danach kommen auch die vier Australier und später auch das ältere Ehepaar. Schließlich taucht um 16.30 Uhr auf einmal noch eine 7er-Gruppe auf, die ich noch nie gesehen habe. Jetzt sind wir zu viele, um alle ins Boot zu passen, und so nutzt einer der 7er-Gruppe das Telefon in der Hütte, um dem Bootsführer Björn schon mal Bescheid zu sagen.
    Ein paar Minuten vor 17 Uhr kommt dann pünktlich Björn mit seinem Motorboot angedüst. Er stapelt das viele Gepäck übereinander und dann geht’s los.

    Die 7er-Gruppe wird Björn gleich bei einer zweiten Tour abholen und ich fahre nun mit den vier Australiern, der Familie und dem Ehepaar Richtung Kvikkjokk. Bei herrlichem Wetter geht die Bootsfahrt los.
    Aber nicht, dass jetzt jemand denkt, dass diese Tour also ein trockenes Ende nimmt. NEIN! Wir sind gerade eben losgefahren und auf einmal meint eine gemeine Wolke, ihren kompletten Inhalt über uns auszuschütten. Wie, als ob jemand über uns Eimer auskippt, schüttet es plötzlich. Auch Eisregen ist wieder dabei. Björn reicht Isomatten durch für uns alle als Beinschutz, aber die nutzen nichts mehr. Das Wasser dringt in unsere Hosen von hinten ein, und mal wieder bin ich jetzt bis auf die Unterhose nass.
    Trotzdem will Björn uns unbedingt noch ein paar Stellen am Flusssystem zeigen und so fahren wir, als ob nichts wäre, im Eisregen durch’s Delta.
    Fotos gibt’s davon natürlich keine, denn das hätte mein Fotoapparat nicht überlebt.
    Klitschnass steigen wir alle irgendwann in Kvikkjokk aus und bezahlen unsere Überfahrt bei Björn. Ich schließe mich dem Ehepaar an, denn auch sie gehen nun hoch zur Fjällstation. Leider wusste ich bis jetzt nicht, dass man als Zelter normalerweise nicht an der Fjällstation zeltet, sondern den Campingplatz wählt. Ich laufe also mit dem Ehepaar den Berg hoch und auf einmal sehe ich, wie die Australier mit fragendem Blick nach rechts abbiegen. Sie rufen zu mir rüber, wo ich denn hin wolle und erst dann erfahre ich von der zweiten Möglichkeit. Ich kann mich so spontan aber nicht entscheiden und gehe trotzdem weiter mit dem Ehepaar zur Fjällstation. Die Australier winken mir zum Abschied zu und ich winke ihnen zurück und leider werde ich sie nicht mehr wieder sehen.
    In der Fjällstation angekommen nimmt sich das Ehepaar ein Zimmer und ich erfrage, wo ich denn mein Zelt aufbauen könnte. Björn ist so nett und zeigt mir den Platz. Leider sagt der Platz mir überhaupt nicht zu, da er etwas schief ist. Nun gut, aber da ich immer noch durchnässt bin, stelle ich schnell mein Zelt auf, gehe immer noch nass wieder in die Fjällstation und gehe erstmal duschen. Was ein Gefühl. Eine warme Dusche. Obwohl es unglaublich angenehm ist, hat es mir irgendwie gar nicht gefehlt. Das Waschen in den Gebirgsbächen hat mir ausgereicht. Und auch diese Zustände hier in der Fjällstation habe ich überhaupt nicht vermisst. Viel zu viele Menschen. Von der Gemütlichkeit des Padjelantaledens ist hier irgendwie nichts zu spüren.
    Ich hänge meine Sachen im völlig überfüllten Drying-Room auf.
    Später koche ich in der Küche meine Nudeln und unterhalte mich mit einer anderen Solowandererin, aber irgendwie fühle ich mich selbst in dieser Küche nicht wirklich wohl.
    Als ich im Zelt liege, beschließe ich, dass ich hier nicht länger bleiben will und beschließe, schon morgen früh den Bus nach Jokkmokk zu nehmen und dann weiterzufahren nach Gällivare. Eigentlich wollte ich ein paar Nächte in Kvikkjokk verbringen, aber da ich mir das alles hier idyllischer vorgestellt habe, als wie es mir heute erscheint, entscheide ich mich um.
    Doch jetzt steht erstmal etwas anderes an: Ich will endlich die Blase auf dem linken Zeh zerpieksen, denn diese hat sich noch mal vergrößert.

    Eher habe ich mich aber nicht getraut zu zerpieksen aus Angst, dass sich der Zeh dann in der täglichen Matsche im Schuh entzündet. Nun aber ist es soweit und ich beende diese Schote. Das Zerpieksen tut weniger weh als ich dachte. Trotzdem sprühe ich die heruntergefallene Haut noch mit Octanisept ein und so kann ich mit einem guten Gefühl bezüglich meiner Gesundheit einschlafen.

    Di, 2.8.:
    Ich wache bereits um 5.30 Uhr auf, packe alle Sachen zusammen und gehe mit allen Sachen, außer dem Zelt, was ich noch stehen lassen will zum Trocknen, in die Fjällstation. Dort sortiere ich im Aufenthaltsraum alle Sachen und packe alles ordentlich zusammen. Ich mache ein paar Fotos von der Station, denn gestern war das wegen dem Regen nicht mehr möglich. Ich bin ganz alleine im Aufenthaltsraum, denn es ist erst 5.45 Uhr. Es tropft durch die Decke und auf dem Boden im Eingang der Station hat sich schon eine riesige Pfütze gebildet. Ich stelle einen Mülleimer dorthin, wo es tropft.
    Als es irgendwann aufhört zu regnen, warte ich noch ein paar Minuten in der Hoffnung, dass das Zelt ein bisschen trocknet. Meinen Rucksack lasse ich hier stehen und ich gehe also zurück zum Zelt, um es nun möglichst trocken zusammenzupacken. Doch falsch gedacht. Genau, als ich anfange es zusammenzupacken, kippt die Wetterfee wieder über mir Wassereimer aus. Ich habe noch nicht mal meine Regenjacke an, da es bis gerade nicht nach Regen aussah und so bleibt mir nichts anderes übrig, als das klitschnasse triefende Zelt in eine Tüte zu stopfen und zurück zur Station zu rennen.
    Ich habe immer noch etwas Zeit, bis ich zum Bus muss, und so hänge ich zumindest das Innenzelt noch für ca. eine Stunde im Trockenraum auf. Diese Entscheidung war im Nachhinein gut, denn zumindest dies ist jetzt fast trocken und so kann ich es getrennt verpacken. So langsam erwachen auch andere Menschen und kurz bevor ich mich zur Bushaltestelle aufmache, treffe ich noch ein letztes Mal das ältere Ehepaar. Wir verabschieden uns voneinander. Auch wenn ich sie nie mehr wieder sehen werde, werde ich sie nicht vergessen. Ich werde noch oft an sie denken.
    Ein anderes Ehepaar, welches ich seit Staloluokta schon ein paar Mal getroffen habe, nimmt auch den Bus nach Jokkmokk. In Jokkmokk verabschieden auch wir uns voneinander und die Frau umarmt mich sogar kurz zum Tschüß-Sagen.
    In Jokkmokk drehe ich eine kurze Runde, aber allzu weit kann ich mich nicht entfernen, denn ich will gleich den nächsten Bus nach Gällivare nehmen.
    Dieser kommt sehr pünktlich und so sitze ich mit meiner Tüte mit dem nassen Zelt und meinem Rucksack im Bus und komme mir komisch vor. Diese Zivilisation hat mir einfach nicht gefehlt.
    In Gällivare angekommen kaufe ich mir unterwegs zum Campingplatz in einer Bäckerei ein großes Baguette gefüllt mit Hähnchen und Salat.
    Am Campingplatz angekommen bezahle ich die nächsten fünf Nächte, denn erst dann fliegt mein Flugzeug. Ich habe die ganze Zeltwiese für mich alleine. Ein paar andere Zelte stehen auf der Wiese direkt vor dem Servicehaus, aber das ist mir zu voll da und außerdem sind dort überall große Bäume, die nur das Zelt nass tropfen würden. So habe ich also die Wiese am Fluss für mich ganz alleine. Ich baue das Außenzelt auf und habe Glück: Es regnet nicht. Das Zelt trocknet superschnell im Wind und als ich das Innenzelt einhänge habe ich keine Angst mehr, dass dies eine feuchte Nacht werden könnte. In aller Ruhe räume ich alle Sachen ein und dann gönne ich mir endlich, auf dem Schlafsack liegend, das Baguette. Es ist das leckerste Baguette meines Lebens und ich genieße es sehr.

    Ich beschließe, ab jetzt nur noch in Crocs durch die Gegend zu laufen, denn die Wanderschuhe sind immer noch extrem nass.

    Mi, 3.8. – Di, 8.8.: Gällivare + Rückreise
    Meine nächsten Tage verlaufen komplett problemlos, schmerzlos und sehr entspannt. Ich spaziere durch Gällivare, kundschafte die Supermärkte aus und fülle meinen Körper mit Vitaminen, Eiweiß und Kohlenhydraten auf. Außerdem mache ich in Crocs verschiedene Ausflüge, das „Highlight“ war die Wanderung auf den Hausberg Dundret. Ich versuche mich wieder an die Zivilsation zu gewöhnen, aber es mag mir nicht gelingen. Mir fehlen die Freiheit, die Landschaft, die tollen Menschen und fast alles, was sonst noch zu meiner Tour gehört hat, jetzt schon. Das Einzige, was ich nicht vermisse und auch nicht vermissen werde, sind die Schmerzen.
    Das Wetter hier in Gällivare ist sehr abwechslungsreich. Mal Sonne, mal bewölkt, und mal Schauer. Von einem richtigen Dauerregen bleibe ich in Gällivare allerdings in meinen verbleibenden Tagen verschont.















    Ich bleibe bei meinem Vorhaben, die Wanderschuhe in Schweden in diesem Jahr nicht mehr anzuziehen und so trete ich auch die Rückreise in Crocs an. Komische Blicke zivilisierter Menschen sind mir dabei egal.
    Das bestellte Taxi bringt mich pünktlich zum Flughafen und der Rückflug nach Stockholm Arlanda und die anschließende Nacht in Sky City verlaufen problemlos ohne besondere weitere erwähnenswerte Vorkommnisse. Als ich aber am nächsten Morgen für meinen Flug zurück nach Düsseldorf einchecke und mich in den Warteraum zum Boarding begebe, traue ich meinen Augen nicht. Da sitzt doch tatsächlich die deutsche Familie (Vater, Mutter, Tochter), die vor mir an der Bootsanlegestelle in Bobäcken angekommen sind und mit denen ich dort ziemlich lange geredet habe, bis Björn mit seinem Boot kam. Nach der Bootsfahrt haben wir uns nicht mehr wiedergesehen, weil sie ihre letzten Tage ganz anders verbringen wollten als ich. Aber sie jetzt, 5 Tage später, morgens in Stockholm Arlanda wiederzusehen, ist ja wirklich ein ungewöhnlich großer Zufall. So nutzen wir also zum zweiten Mal gemeinsam eine Wartezeit, erzählen uns noch mal ein paar Sachen und fliegen dann, drei Reihen voneinander getrennt, im gleichen Flugzeug nach Düsseldorf. An der Gepäckausgabe sehen wir uns zum letzten Mal wieder und verabschieden uns. Jetzt ist sowohl meins, als auch ihr Abenteuer endgültig beendet und ich mache mich auf, M. zu suchen, welcher mich schon hinter der Sicherheitsabsperrung erwartet.

    Nachwort
    Im Nachhinein habe ich es kein einziges Mal bereut, dieses Abenteuer angetreten zu haben. Das einzige, was mir auch im Nachhinein als negativ in Erinnerung bleibt, sind die Schmerzen, vor allem die auf dem linken Zeh und die in den Knien beim Runterlaufen. Aber alles andere hat insgesamt super geklappt. Die 23 Kilo Startgewicht waren für mein Körpergewicht (ca. 65 Kilo) zwar viel zu viel, aber auch das kann man schaffen, wenn man wirklich will. Eine gute Sache konnte ich daraus sogar ziehen: Auf der Rückreise war ich mit „nur“ noch 15 Kilo unterwegs, welche im Gegensatz zu den 23 Kilo wirklich ein Witz waren. Es war für mich nach so vielen Tagen inzwischen zu einer Leichtigkeit geworden, 15 Kilo zu tragen. Zum Thema Moskitos kann ich nur sagen, dass die Informationen, die ich aus unzähligen Erfahrungsberichten zusammengesammelt hatte, dafür gesorgt haben, das ganze erträglich zu machen. Ein paar Kleidungsstücke hatte ich zuhause vorher mit Nobite für Kleidung eingesprüht (Schuhe, Hut, Wanderhose), morgens habe ich freie Körperstellen wie Hände oder Arme regelmäßig mit Deet (erst Sonnencreme, dann Deet) eingeschmiert, im Zelt habe ich jeden Moskito sofort mit der Mini-Fliegenklatsche getötet bzw. zermatscht und mein Moskitonetz habe ich, wenn es nötig war, über meinem Hut getragen. Klar habe ich trotzdem insgesamt geschätzt 20 – 40 Stiche entdeckt (viele davon an den Schultern, weil die Viecher durch das T-Shirt gestochen haben) und diese haben sehr viel gejuckt, aber dennoch haben die Schutzmaßnahmen mir insgesamt das Zusammenleben mit den Insekten wirklich erträglich gemacht. Zum Thema Essen kann ich im Nachhinein nur sagen, dass ich nichts vermisst habe. Ich habe (im Gegensatz zu zuhause) nie Fressattacken gehabt abends im Zelt. Die Fertigtüten von Maggi und Knorr waren für mich völlig in Ordnung und auch Müsli mit Milchpulver und Wasser ist für mich nicht langweilig geworden während der Tour. Außer den Schwindelgefühlen (ca. 3 Tage lang) war ich nicht einmal krank. Ich hatte keine Magenprobleme und keine Erkältung oder so was. Ich bin im Nachhinein unendlich froh, dass ich außer in den letzten Tagen immer gutes Wetter hatte. Dies weiß ich auch jetzt noch sehr zu schätzen Auch mit meiner sonstigen Planung im Vorfeld bin ich im Nachhinein sehr zufrieden. Ich habe nichts vergessen, nichts vermisst und auch die Planung meiner Nahrungsmittelversorgung hat sehr gut geklappt. Zwar würde ich bei einer nächsten Tour weniger Nahrung mitnehmen und unterwegs mehr nachkaufen, aber dies war mir bei meiner ersten Tour zu heikel, da ich nicht genau was wusste, was man wo nachkaufen konnte und wie lange ich bis zur nächsten Einkaufsmöglichkeit unterwegs sein würde. Außerdem war ich mit dem größten Teil meiner Ausrüstung sehr zufrieden. Allerdings würde ich bei einer nächsten Tour mehrere Dinge aus meiner Packliste streichen. Aber solche Dinge lernt man eben nur aus Erfahrung. Meine Regenhose muss natürlich ausgetauscht werden gegen ein neues Exemplar. Aber es gab wirklich viele Dinge, die ich sehr zu schätzen gelernt habe unterwegs, beispielsweise mein Exped Cetus 2, die Billig-Trekkingstöcke von Lidl oder die Nudeltüten von Maggi/Knorr mit verschiedenen Geschmacksrichtungen. Obwohl ich die meiste Zeit alleine verbracht habe, habe ich mich nie einsam gefühlt. Ich kann jedem, der von so einer Tour träumt, nur raten, es auch zu tun. Lasst den Traum wahr werden, denn wenn man es wirklich will, kann man es schaffen. Klar hatte ich auch manchmal Angst in manchen Situationen, z.B. vor der ersten großen Hängebrücke, vor der Flussüberquerung mit den Australiern oder als ein Gewitter genau über mir war. Aber so was gehört nun mal meiner Meinung nach zu einem Abenteuer dazu. Ich habe unglaublich viele wertvolle Erfahrungen gemacht, habe tolle Menschen kennen gelernt und werde die gesamte Tour, solange mein Gehirn noch intakt ist, nicht vergessen. Die Tour hat mein Leben bereichert und mir neue Ansichten dieser (oft schlimmen) Welt gezeigt. Padjelantaleden – Ich vermisse dich!!!
    Geändert von Blubbi (11.02.2017 um 21:35 Uhr)

  5. Erfahren

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    AW: Padjelantaleden 2016 oder auch: Try to come to Kvikkjokk

    #5
    Zitat Zitat von Fuxxx Beitrag anzeigen
    Danke für den schönen Bericht - vor allem weil wir in der gleichen Zeit unterwegs waren und er mir das wechselhafte Wetter in Erinnerung ruft! Und dein Fazit, dass du nichts wirklich bereust: beeindruckend dafür, dass du dir gleich als erstes so eine Tour vorgenommen hast

    23 kg erscheint mir allerdings etwas viel - wir hatten zwischen 15 und 18 zu Beginn, aber im Grundsatz ging es uns genauso: hätten wir gewusst, was wir wo kriegen, hätten wir weniger von Anfang an mitgeschleppt. Sammarlappa hatte wirklich noch ein gut gefülltes Lager, in Stalo gibts eh viel Auswahl, und frisches Brot und Fisch hier und dort...

    Noch ein Wort zu deinem langen Tag nach Njunjes - das ist rückblickend in meiner Erinnerung der anstrengendste Tag, weil mit ziemlich vielen auch recht großen Blöcken durchsetzt, relativ dicht bewachsen, und wenn Regen und Erde sich zu einer schlammigen Rutschbahn verbinden

    Wir sind dir wohl kurz nach Duottar begegnet (für uns kurz davor), da kamen uns noch im Bereich der ganzen kleinen Seen einige Wanderer entgegen, darunter ein/zwei einzelne Frauen (eine mit umgehängter Spiegelreflex, die andere ohne - eine in kurzen Hosen?) und auch ein älteres Ehepaar. Wir waren da nicht gerade gesprächig, sorry... wir waren zu dritt unterwegs, meine Frau und ich mit unserem 17jährigen Sohn, evtl. alle mit oliven Hüten gegen den Nieselregen. Und in Duottar gabs dann Brot, und wir freuten uns Antonella (die Stugvärdin) wiederzusehen, die das Jahr davor in Kisuris war

    Viele Grüsse
    Fuxxx
    Hi Fuxx!!!!!
    Schön, von dir zu hören!!!!
    Ich kämpfe gerade damit, viele weitere Fotos einzufügen, was mich gerade ziemlich überfordert...deshalb antworte ich dir später ausführlich
    LG,
    Blubbi
    Geändert von Blubbi (11.02.2017 um 23:18 Uhr)

  6. Dauerbesucher

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    AW: Padjelantaleden 2016 oder auch: Try to come to Kvikkjokk

    #6
    Schöner Bericht und schönes Fazit - freut mich, dass Lappland wieder jemanden in den Bann gezogen hat ich freue mich, wenn du noch ein paar Fotos hochlädst, die Strecke möchte ich nämlich auch irgendwann einmal laufen.

    23kg trage ich auch, mit Essen für ca. 12 Tage und 3kg Fotozeug sinds dann eher 26kg - ich vermute, mit der abgespeckten Packliste wirst du sicherlich etwas angenehmer loslaufen können. Aber jetzt kennst du ja auch den Ablauf, am ersten Tag geht alles langsam, am zweiten und dritten Tag tut alles weh und ab dem vierten Tag läufts.

    Ich kenne diese Tage, an denen alles weh tut, und die Tage, an denen der Rucksack immer leichter wird und alle Schmerzen vergehen...

    MfG, Heiko

  7. Erfahren

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    AW: Padjelantaleden 2016 oder auch: Try to come to Kvikkjokk

    #7
    Zitat Zitat von Fuxxx Beitrag anzeigen
    Danke für den schönen Bericht - vor allem weil wir in der gleichen Zeit unterwegs waren und er mir das wechselhafte Wetter in Erinnerung ruft! Und dein Fazit, dass du nichts wirklich bereust: beeindruckend dafür, dass du dir gleich als erstes so eine Tour vorgenommen hast

    23 kg erscheint mir allerdings etwas viel - wir hatten zwischen 15 und 18 zu Beginn, aber im Grundsatz ging es uns genauso: hätten wir gewusst, was wir wo kriegen, hätten wir weniger von Anfang an mitgeschleppt. Sammarlappa hatte wirklich noch ein gut gefülltes Lager, in Stalo gibts eh viel Auswahl, und frisches Brot und Fisch hier und dort...

    Noch ein Wort zu deinem langen Tag nach Njunjes - das ist rückblickend in meiner Erinnerung der anstrengendste Tag, weil mit ziemlich vielen auch recht großen Blöcken durchsetzt, relativ dicht bewachsen, und wenn Regen und Erde sich zu einer schlammigen Rutschbahn verbinden

    Wir sind dir wohl kurz nach Duottar begegnet (für uns kurz davor), da kamen uns noch im Bereich der ganzen kleinen Seen einige Wanderer entgegen, darunter ein/zwei einzelne Frauen (eine mit umgehängter Spiegelreflex, die andere ohne - eine in kurzen Hosen?) und auch ein älteres Ehepaar. Wir waren da nicht gerade gesprächig, sorry... wir waren zu dritt unterwegs, meine Frau und ich mit unserem 17jährigen Sohn, evtl. alle mit oliven Hüten gegen den Nieselregen. Und in Duottar gabs dann Brot, und wir freuten uns Antonella (die Stugvärdin) wiederzusehen, die das Jahr davor in Kisuris war

    Viele Grüsse
    Fuxxx
    Soooooooooo, endlich alle Fotos hochgeladen
    Also ich war die Wandererin in kurzer Hose. Eine Spiegelreflexkamera hatte ich nicht mit trotz meiner 23 Kilo Startgewicht Aber irgendwann schon vor Staloluokta hatte ich mal die Beine abgenommen von meiner Zipp-Hose und danach habe ich sie nie mehr dran gemacht bis hier zuhause in Schweden. Mir war immer warm genug, wenn ich oben dick genug eingepackt war und außerdem hat die Hose so nicht so sehr an der Müll-Regenhose geklebt
    Ich kann mich übrigens noch sehr genau an unsere kurze Begegnung erinnern. Allerdings ist mir erst am nächsten Tag eingefallen, dass du das wahrscheinlich warst. Als wir uns getroffen haben, habe ich euch gefragt, wie weit es noch bis zur nächsten Hütte ist. Du warst aber gerade damit beschäftigt, deinem Junior klarzumachen, dass er seine Kapuze aufsetzen sollte (was er nicht wollte) und deshalb kam dann deine Frau ins Spiel und du hast sie zurückgerufen, um die Frage zu beantworten Ihr habt auf mich tatsächlich recht unentspannt gewirkt und ein richtiges Gespräch hat sich so ja leider nicht entwickelt.
    Das ältere Ehepaar muss das gewesen sein, was mich in Nunjes zu den chinesischen Nudeln eingeladen hat
    Naja wie auch immer - ich freue mich, dass auch ihr eure Tour überlebt habt Wie war es denn insgesamt bei euch? Hat alles geklappt, wie ihr es euch vorgestellt habt? Was gab es für besondere Ereignisse? Folgt von euch auch noch irgendwann ein Reisebericht?
    Fragen über Fragen
    LG,
    Blubbi
    Geändert von Blubbi (11.02.2017 um 23:17 Uhr)

  8. Erfahren

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    AW: Padjelantaleden 2016 oder auch: Try to come to Kvikkjokk

    #8
    Zitat Zitat von DerNeueHeiko Beitrag anzeigen
    Schöner Bericht und schönes Fazit - freut mich, dass Lappland wieder jemanden in den Bann gezogen hat ich freue mich, wenn du noch ein paar Fotos hochlädst, die Strecke möchte ich nämlich auch irgendwann einmal laufen.

    23kg trage ich auch, mit Essen für ca. 12 Tage und 3kg Fotozeug sinds dann eher 26kg - ich vermute, mit der abgespeckten Packliste wirst du sicherlich etwas angenehmer loslaufen können. Aber jetzt kennst du ja auch den Ablauf, am ersten Tag geht alles langsam, am zweiten und dritten Tag tut alles weh und ab dem vierten Tag läufts.

    Ich kenne diese Tage, an denen alles weh tut, und die Tage, an denen der Rucksack immer leichter wird und alle Schmerzen vergehen...

    MfG, Heiko
    Hallo Heiko!
    Vielen Dank für dein nettes Feedback
    Soeben habe ich alle Fotos eingefügt und bin damit deinem Wunsch nachgegangen
    Und ja - mich hat Lappland tatsächlich in den Bann gezogen...meine nächste Tour ist bereits in Planung, allerdings erst für 2018
    LG,
    Blubbi
    Geändert von Blubbi (11.02.2017 um 23:16 Uhr)

  9. Anfänger im Forum

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    AW: Padjelantaleden 2016 oder auch: Try to come to Kvikkjokk

    #9
    Toller Bericht, herrlich zu lesen :-)

  10. Erfahren

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    AW: Padjelantaleden 2016 oder auch: Try to come to Kvikkjokk

    #10
    Zitat Zitat von sunchild Beitrag anzeigen
    Toller Bericht, herrlich zu lesen :-)
    Vielen Dank,
    das freut mich sehr :-) :-) :-)

  11. Erfahren
    Avatar von vobo
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    AW: Padjelantaleden 2016 oder auch: Try to come to Kvikkjokk

    #11
    Vielen Dank für den schönen und langen Bericht. Besonders gefallen hat mir die ausführliche Darstellung der Zweifel aber auch immer wieder der Stolz in den jeweiligen Momenten. Lachen musste ich beim Aufbruch um 09:21 Uhr, das Thema Ihrzeit hat mich auch verfolgt, weswegen ich mir irgendwann so nen Uhr, Höhenmesser, Thermometerteil für 10 Eur zugelegt habe, dass dann in der Hosentasche mitläuft. Ich freue mich auf weitere Berichte spätestens in 2018.

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    AW: Padjelantaleden 2016 oder auch: Try to come to Kvikkjokk

    #12
    Zitat Zitat von Blubbi Beitrag anzeigen
    Hallo Heiko!
    Vielen Dank für dein nettes Feedback
    Soeben habe ich alle Fotos eingefügt und bin damit deinem Wunsch nachgegangen
    Und ja - mich hat Lappland tatsächlich in den Bann gezogen...meine nächste Tour ist bereits in Planung, allerdings erst für 2018
    Danke - ich hab mir die Bilder gleich mal angesehen, das sieht ja wirklich gut aus (außer deiner wachsenden Blase... die tut schon vom Hinsehen weh )

    Bei mir steht der Urlaub 2017 auch noch in den Sternen, kann gut sein, dass ich auch erst 2018 wieder hoch komme

    MfG, Heiko

  13. Erfahren

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    AW: Padjelantaleden 2016 oder auch: Try to come to Kvikkjokk

    #13
    Zitat Zitat von vobo Beitrag anzeigen
    Vielen Dank für den schönen und langen Bericht. Besonders gefallen hat mir die ausführliche Darstellung der Zweifel aber auch immer wieder der Stolz in den jeweiligen Momenten. Lachen musste ich beim Aufbruch um 09:21 Uhr, das Thema Ihrzeit hat mich auch verfolgt, weswegen ich mir irgendwann so nen Uhr, Höhenmesser, Thermometerteil für 10 Eur zugelegt habe, dass dann in der Hosentasche mitläuft. Ich freue mich auf weitere Berichte spätestens in 2018.
    Hallo vobo!
    Vielen Dank für dein nettes Feedback!
    Ja das mit dem Zweifel und dem Stolz war echt eine Sache, die mich auch im Nachhinein berührt und mich immer noch in eine emotionale Achterbahnfahrt wirft, wenn ich selber den Bericht lese
    Das mit der Uhrzeit hatte sich so entwickelt, weil ich ab irgendwann damit angefangen habe, immer ein Foto zu machen, wenn ich aufwache, aufbreche, am Übernachtungsplatz ankomme usw. So konnte ich mir sicher sein, dass ich zuhause irgendwann noch den Bericht zusammenbekomme. Eine Uhr hatte ich nicht mitgenommen, da mein Gewicht ja eh schon so hoch war
    Aber es freut mich sehr zu hören, dass es auch anderen Menschen in manchen Themen ähnlich erging wie mir

  14. Erfahren

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    AW: Padjelantaleden 2016 oder auch: Try to come to Kvikkjokk

    #14
    Zitat Zitat von DerNeueHeiko Beitrag anzeigen
    Danke - ich hab mir die Bilder gleich mal angesehen, das sieht ja wirklich gut aus (außer deiner wachsenden Blase... die tut schon vom Hinsehen weh )

    Bei mir steht der Urlaub 2017 auch noch in den Sternen, kann gut sein, dass ich auch erst 2018 wieder hoch komme

    MfG, Heiko
    Hachja, die Blase...bis heute ist am linken Zeh die Haut immer noch etwas rosa. Also der Zeh insgesamt obendrauf hat immer noch nicht ganz die gleiche Farbe erreicht wie rechts. Aber das ist nicht schlimm, denn Schmerzen hatte ich seit dem Zerpieksen gar nicht mehr

  15. Erfahren
    Avatar von Wanderreiterin
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    AW: Padjelantaleden 2016 oder auch: Try to come to Kvikkjokk

    #15
    Vielen Dank für den schönen Bericht

    Ich habe mich nur bei der Blase gefragt, warum man sich so quält???

    Für das nächste Mal: Blase am unteren Rand aufstechen und ausdrücken ( und zwar gleich wenn sie entstanden ist!) , ein Blasenpfaster drüber und anschließend Tape um den Zeh ( komplett rum, damit das Blasenpflaster nicht verrutscht) - das Blasenpflaster kann locker 4-5 Tage drauf bleiben, auch bei Nässe etc. Da passiert gar nix. Ich hab mir auf verschiedenen Touren schon öfters Mal ein paar Blasen gelaufen und bis auf evtl. ein leichtes brennen hat man so keine Schmerzen mehr... Und wenn Du nicht grad Diabetiker bist, entzündet sich da auch nix
    Die meisten Menschen sind so glücklich, wie sie es sich selbst vorgenommen haben. Abraham Lincoln

  16. Erfahren

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    AW: Padjelantaleden 2016 oder auch: Try to come to Kvikkjokk

    #16
    Zitat Zitat von Wanderreiterin Beitrag anzeigen
    Vielen Dank für den schönen Bericht

    Ich habe mich nur bei der Blase gefragt, warum man sich so quält???

    Für das nächste Mal: Blase am unteren Rand aufstechen und ausdrücken ( und zwar gleich wenn sie entstanden ist!) , ein Blasenpfaster drüber und anschließend Tape um den Zeh ( komplett rum, damit das Blasenpflaster nicht verrutscht) - das Blasenpflaster kann locker 4-5 Tage drauf bleiben, auch bei Nässe etc. Da passiert gar nix. Ich hab mir auf verschiedenen Touren schon öfters Mal ein paar Blasen gelaufen und bis auf evtl. ein leichtes brennen hat man so keine Schmerzen mehr... Und wenn Du nicht grad Diabetiker bist, entzündet sich da auch nix
    Hi Wanderreiterin,
    nein ich bin keine Diabetikerin. Danke für deinen Tipp mit dem Tape, ich werde ihn beim nächsten Mal auf jeden Fall umsetzen. Das Problem bezüglich Blasenpflaster war, dass ich nur große dicke dabei hatte für die Ferse. Ich hätte vorher nie gedacht, dass sich am kleinen Zeh sowas bei mir bildet. Auf die Idee mit dem Tape kam ich leider nicht und so hätte das dicke Fersenpflaster ja niemals gehalten. Aber ich habe daraus gelernt. Nächste Mal habe ich verschiedene Größen dabei. Hihi.

  17. Erfahren
    Avatar von Wanderreiterin
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    AW: Padjelantaleden 2016 oder auch: Try to come to Kvikkjokk

    #17
    Ich hab auch immer nur die großen dabei... Ich schneide sie mir zurecht, wie ich sie brauche. Durch das Tape halten sie bombenfest

    Sogar beim Hund: Meine Hündin hatte sich die Pfote etwas aufgerieben - so konnte sie super ohne humpeln weiter laufen

    Die meisten Menschen sind so glücklich, wie sie es sich selbst vorgenommen haben. Abraham Lincoln

  18. Erfahren

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    AW: Padjelantaleden 2016 oder auch: Try to come to Kvikkjokk

    #18
    Zitat Zitat von Wanderreiterin Beitrag anzeigen
    Ich hab auch immer nur die großen dabei... Ich schneide sie mir zurecht, wie ich sie brauche. Durch das Tape halten sie bombenfest

    Sogar beim Hund: Meine Hündin hatte sich die Pfote etwas aufgerieben - so konnte sie super ohne humpeln weiter laufen

    Oh ok. Naja ich muss halt noch viel lernen
    Bin deshalb immer dankbar für Verbesserungsvorschläge

  19. Dauerbesucher
    Avatar von Leitwolf
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    #19
    Hey, sehr Cooler Reisebericht!
    Ich mag es sehr wenn berichte so ehrlich verfasst werden. Grade in den Zweifeln am anfamng erkenne ich mich gut wieder auch wenn ich nochkeien so große tour gemacht habe. Aber Irgendwelche momente die nicht glatt liefen, pannen, schmerzen, bedenken oder sorgen hat man doch immer, und sowas macht eine reise doch aus - zumindest erinert man sich meist an solche momente ganz besonders und mit stolz. Ich finde sowas macht einen bericht spannend und lässt einen mitfiebern was wohl als nächtses passiert und wie mit der Situatuion umgegangen wird. Reisebericht die reiseführermäßig route und landschaft beschreiben können zwar auch schön sein baer oft fehlt mir mir da die persöhnlich perspektive.

    Wir sind blinde Passagiere unter einem Sternenzelt.Wir sind Koenige und Bettler auf der Suche nach uns selbst. Sind die Herrscher des Planeten, bis sie auseinander fällt.
    Und nur zu Nur zu Gast auf dieser Welt.

  20. Dauerbesucher

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    #20
    Hey Blubbi,

    auch von mir herzlichen Dank, ein sehr gelungener Reisebericht-Einstand.

    Vieles von dem Geschilderten kommt mir bekannt vor, meine erste Tour in Schweden auf dem Kungsleden fühlte sich ähnlich an, an allen Stellen lauerte noch das große Unbekannte, das große Abenteuer.
    War beim nächsten Mal weniger, heißt aber nicht, dass es dadurch weniger Spaß gemacht hätte. Man macht sich halt weniger Sorgen um KM, Schmerzen etc. sondern genießt es einfach "endlich wieder in Lappland zu sein". Wetten das geht dir bei deiner nächsten Tour auch so? (Glaub ja nicht, dass der Nordlandvirus nicht permanent wäre... )

    23kg sind heftig, die hatte ich auch bei meiner ersten Tour, allerdings wiege ich noch gut ein Drittel mehr als du. Beim nächsten Mal wirst du wissen was du gebraucht hast und was nicht. Evtl. nimmt man ja auch Weihnachts/Geburtstags-Geld in die Hand und reduziert das Gewicht dadurch, dass man sich bei den schweren Ausrüstungsgegenständen doch was leichteres gönnt.

    Die Blase hätte ich auch am ersten Tag zerstochen, der Druckschmerz wäre dadurch zumindest deutlich zurückgegangen. Das haben dir ja nun aber schon alle gesagt, beim nächsten Mal wirste wohl gleich *pieks* machen.

    Padjelantaleden steht bei mir auch noch an, evtl. wird es dieses Jahr noch was.

    Vielen Dank nochmal und hier folgt gleich eine Verpflichtung: Die nächste Reise auch so ausführlich dokumentieren !

    liebe Grüße
    Daniel

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