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  1. AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #41
    Mitreisende: Torres
    Meine Wanderwoche auf Madeira liegt ja nun schon eine Weile zurück, so dass ich was den ÖPNV anbelangt nicht mehr auf dem neuesten Stand bin. Damals bekam ich von der Touristeninfo einen gedrukten Busplan mit Zeiten und Karten für die gesamte Insel. Nach der nötigen Zeit des Einlesens und Begreifens kam ich mit dem recht gut zurecht.

    Ich weiß nicht, ob ihr diese - sogar deutschsprachige - Seite kennt, die u.a. auch Linienpläne enthält

    http://www.horariosdofunchal.pt/index-de.php

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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #42
    Teilstrecke Rother-Tour 4, Levada „Vale Paraiso“. Charakter: Anfängertour, kinderwagengeeignet. Schwierigkeit: Leicht. Länge: 6 km.

    Die Rother Wanderung Tour 4 ist eine leichte Wanderung zwischen Camacha und Monte, die auch durch das Vale Paraiso führt. Unsere Tour fängt irgendwo in der Mitte in Gegenrichtung an. Leider kann ich in der Streckenbeschreibung dieses Abschnittes nicht wiedererkennen. Der Name der Levada wird aber genannt, es handelt sich definitiv um ein Teilstück.

    Wieder einmal wirft uns der Bus an einer Straße hinaus. Ich fotografiere im Gegenlicht das Schild.





    Die Levada ist trocken und teilweise zugeschüttet. Führer ist wieder M.





    Es ist eine dünn besiedelte Gegend.





    Der Weg ist breit und gut ausgebaut.





    Auch hier hat es gebrannt.





    In der Ferne sieht man gelbe Blüten leuchten. Eine Mitwanderin fragt, was das sei, und ich sage spontan „Ginster“. Oh, ah, oh. Anscheinend habe ich M. in seiner Ehre gekränkt. Ginster blüht noch nicht, fährt er mit über den Mund. Es ist auch tatsächlich kein Ginster, sondern das hier.





    Mehrfach reitet er nun darauf herum, dass es kein Ginster ist, macht mich sozusagen zur Schnecke, während ich höflich genug bin, die gelben Ginsterblüten gegenüber zu übersehen. Er sieht sie auch, und ignoriert sie geflissentlich. Er macht dann aber so weiter, und da wird dann mal ein ganz kurzer verbaler Schub vonHamburger Klartext meinerseits notwendig, um ihm zu zeigen, wo der Hammer hängt. Von da an verstehen wir uns gut.





    Bald wird klar, dass die meisten Gärten hier verwildert sind.








    Die meisten Häuser sind verlassen. Es ist eine Gegend, in der es im Winter kalt ist und in die Täler kommt wenig Sonne hinein. Schnee liegt zwar nicht, aber es ist eben eine feuchte Kälte und gut 10 Grad kälter als in Funchal. Waren die Bewohner früher gezwungen, mit diesen Bedingungen fertig zu werden, so ziehen sie heute einen Wohnortwechsel vor.





    Hier lebt zumindest noch eine Ziege.





    Stellt sich immer die Frage, wie lange noch. Auch M. ist – genauso wie alle anderen Guides - über diese Entwicklung nicht glücklich.








    Ich frage, ob das eine Art von Johanniskraut ist. Leider weiß er das nicht. Es sind sehr große Büsche, aber die Blüten kommen mir so bekannt vor.











    Dieses recht große Anwesen ist noch bewohnt. Früher war in diesem Tal ein große Dorfgemeinschaft. Jetzt sind noch ein oder zwei Familien übrig geblieben.





    Wir überlegen sofort, ob das eine Bunkeranlage ist. M. versteht die Frage nicht, er kennt vermutlich keine Wehranlagen. Es ist eine Mauer, die gebaut wurde, als die Schule und der Sportplatz errichtet wurden, um eine ebene Fläche zu erhalten, die nicht abrutschen kann.





    Der Ginster lässt sich nun nicht mehr ganz ignorieren, aber ich lerne, dass es kein Ginster ist (madeirischer), sondern Stechginster ist! Die Antwort Ginster bleibt falsch. Wir einigen uns, dass alles, was gelb ist, Ginster ist.





    Zwei Wege kreuzen sich. An dieser Stelle merke ich, dass sich meine Ferse am Schuhrand heiß anführt. Oh, nein. Ich hatte heute morgen ein Steinchen entfernt und den Strumpf nicht sorgfältig angezogen. Eine Falte hat sich gebildet. Schnell ziehe ich ihn zurecht, aber es ist zu spät. Auch das noch. In diesem Urlaub bleibt mir nichts erspart.








    Ginster, ruft M., und ich frage ihn, ob er orange und gelb nicht auseinanderhalten kann. Er spricht wirklich am besten Deutsch von allen, und wir flachsen herum.





    Klee. Den erkenne ja sogar ich. Purpur-Sauerklee.





    Das nächste Dorf. Auch hier sieht man, dass die Terrassen nicht mehr bewirtschaftet sind.





    Eine der Treppen, die zu den Häusern führen. Für alte Leute ist das zunehmend ein Problem, dass die Jungen wegziehen.








    Glöckchenlauch.




















    Im Grund genommen – auch klimatisch gesehen – ein völlig normaler deutscher Waldspaziergang im Frühjahr. Wären da nicht die Pflanzen. Engelstrompete.





    Geldbaum. WG-Gewächs.





    Wicke.




    Was wollt ihr hier.





    Baumtomate





    Kalla.





    Jetzt bräuchte ich ein Supertele.





    Und dann sind wir auch schon beim touristischen Zwischenhalt. Hier kaufe ich jetzt Baumtomaten und Banane-Passionsfrucht. Der Verkäufer spricht ein wenig deutsch.





    Sauer.








    Ein Wolf.





    Natürlich ist jetzt Lokalbesuch angesagt. Dabei wäre ich eigentlich lieber noch ein paar Kilometer gegangen. Zur Feier des Tages gönne ich mir einen Poncha. Vitamine können nie schaden.








    Nach einer halben Stunde geht es weiter, da die nächsten Gruppen nachdrängen.


    Fuchsia. Als Kind habe ich die geliebt.





    Fuchs.





    Begleiter.








    Zaun.














    Wir sind oberhalb des Ortes. Ein Bauer verbrennt Gartenabfälle, und ich denke in alter Tradition instinktiv: Harry, bist Du das?








    Sitruuna.





    Die Schornsteine sind immer so hübsch.





    Kunst?





    Und dann wartet auch schon der Bus auf uns und fährt uns zurück.





    Ich frage M., ob die Tour Caldeirao Verde etwas für mich ist, und er rät mir ab. Zu schwer. Auch ich hatte mir Schwindelfreiheit notiert und die Wanderung ausgeschlossen, dennoch bin ich etwas enttäuscht. Mittlerweile traue ich mich doch einiges zu, halte mich aber lieber an das Versprechen, das ich M. aus Timmendorf gegeben hatte: Nicht alleine loszuziehen.
    Der Bus hält vor dem Hotel und mit steifen Knien (dank Sao Lourenco) quäle ich mich die Stufen herunter und humpele los (die Blase), steif wie ein alter Seemann. Ich spüre M. Blick im Rücken, wobei ich nicht weiß, ob er mitleidig schaut oder besorgt. Es ist auch ziemlich egal. Was man auch immer man an Heldentaten in seiner Jugend erbracht hat: Wenn der Körper erst einmal nicht so will, ist alles vergessen.





    Eine nette junge Portugiesin zeigt mir das Blasenpflaster im Regal. Herzlichen Dank. Das Pflaster ist gut und wirkt Wunder.





    Persönliches Fazit:
    Ich fand die Tour enttäuschend. Ein gemütlicher Spaziergang, aber keine Herausforderung. Zivilisationsnah. Eine nette Anfängertour für Menschen mit wenig Kondition oder für Familien mit kleinen Kindern.

    In Gegenrichtung wäre es Richtung Monte durch völlig verbrannten Wald gegangen. Ob dieser Abschnitt weiterhin begehbar ist, oder zu den gesperrten Touren gehört, entzieht sich meiner Kenntnis, ebenso seine Qualität.
    Geändert von Torres (16.02.2017 um 22:04 Uhr)
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  3. AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #43
    Ja, das ist das Großblättrige Johanniskraut, ganz richtig.

    Den Weg von Camacha nach Monte sind wir 2013 im Sommer gegangen, das war eine Ganztagstour, die nicht ganz ohne war, zumal eines der Täler durchquert wurde, da gab es auch ein paar Höhnemeter. Dieses Jahr ist ein Teil des Weges gesperrt, aber ich erinnere mich grad nicht dran, warum.

    Die Bewirtschaftung der Terassen hat in den letzten Jahren tatsächlich wieder zugenommen. Die schlechte Wirtschaftslage bringt die Leute dazu, wenigstens ein paar Nahrungsmittel aus dem eigenen Garten zu erzeugen. Aber das Klima, der fruchtbare Boden und die geregelte Wasserversorgung durch das nach wie vor gut funktionierende Levada-System) sorgen für gute Erträge auch auf kleinen Flächen, 3 Kartoffelernten im Jahr ...

    Die verlassenen Grundstücke sind nicht alle eigentümerlos, oft ist die junge Generation für ein paar Jahre ins Ausland gegangen und kommt zurück, um vom Ersparten auf dem Grundstück der Eltern ein schönes neues Haus zu bauen. Davon sind inzwischen viele zu sehen.
    Liebe Grüße
    von der Bielefelderin

    _______________________________________________________________________
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  4. Erfahren
    Avatar von Biki
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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #44
    Vielen Dank für die Beschreibung der Touren. Das sind ein paar gute Hinweise für unsere Reise zu Pfingsten.

    Mit meinen komplett kaputten Knie gehe ich Treppen und unbefestigte Abhänge konsequent rückwärts. Geht super, unfallfrei, bei steilen Felsabsätzen evtl. mit meinen Mann als Aufpasser unten. Mit der erworbenen Routine so schnell wie andere vorwärts und sooo viel knieschonender... Und ich klettere echt viel in der Gegend herum :-)

    Auch wenn man damit oft belächelt wird: ich versteh nicht, warum nicht noch mehr Leute es so machen. Beim Klettern hab ich es so gelernt und die würden nie den Berg vorwärts runter abseilen und runterklettern.

  5. Alter Hase
    Avatar von peter-hoehle
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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #45
    Zitat Zitat von Torres Beitrag anzeigen
    In Gegenrichtung wäre es Richtung Monte durch völlig verbrannten Wald gegangen. Ob dieser Abschnitt weiterhin begehbar ist, oder zu den gesperrten Touren gehört, entzieht sich meiner Kenntnis, ebenso seine Qualität.
    Im November war die Tour gesperrt. In Monte bekam ich die Info,
    das es noch ein halbes Jahr dauern wird, bis alles wieder hergerichtet ist.

    Gruß Peter
    Geändert von peter-hoehle (20.02.2017 um 16:08 Uhr) Grund: Schreibfehler
    Wir reisen um die Welt, und verleben unser Geld.
    Wer sich auf Patagonien einlässt, muss mit Allem rechnen, auch mit dem Schönsten.

  6. Vorstand
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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #46
    Ich hatte den Eindruck, dass es noch eine andere Möglichkeit gibt, bei Monte zu wandern, daher war ich mir nicht sicher, ob es diese Verlängerung ist, die gesperrt ist. Laut Internet ist noch im Dezember 2016 ein Deutscher oberhalb Funchals ums Leben gekommen, möglicherweise ist das der Unfall, von dem die Guides berichtet haben (mal abgesehen von den Däninnnen, die 2012 abgestürzt sind). Klick. Insofern habe ich die Verbindung Monte und Levada komplett aus meinen Plänen gestrichen.


    @biki
    Rückwärtslaufen? Uff. Interessante Idee. Habe das gestern mal probiert, geht ganz gut. Aber nur runter, oder? Ob ich bei den doch sehr individuell gefertigten Felstreppen aber hätte rückwärts gehen wollen? Da bräuchte ich wohl viel Übung.


    @bielelfelderin
    Also doch ein Johanniskraut. Danke.
    Ja, einige kommen sicher zurück, aber es klang schon so, dass die besonders schattigen Gebiete und auch viele Ortschaften im Westen davon nicht betroffen sind. Teilweise sind gerade noch 20 Prozent der Häuser bewohnt, was aber nicht so auffällt, weil sich die Nachbarn drum kümmern. Zum Teil sieht man aber auch Verfall, als wären die Besitzer verstorben oder kämen nicht mehr zurück. Enteignet wird in dem Fall nicht, das Land bleibt so, es liegt dann brach. Hoffen wir, dass es den Bewohnern so gut geht, dass sich das bessert und viele wirklich zurückkommen (können). Dass an bestimmten Stellen neu gebaut wird, sieht man natürlich auch, da hast Du Recht. Aber man sieht eben auch anderes. Ich wollte vor Jahren mal nach Portugal auswandern und das verändert den Blick.
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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #47
    Ost-Tour by bus. Charakter Urban Outdoor, um an Plätze zu gelangen, für die man ein Auto braucht. Schwierigkeit: Null. Erlebnisqualität: Hoch.


    Natürlich bin ich zwischen den Wanderungen, die ich hier schildere, auch alleine in Funchal herumgelaufen. Dazu komme ich aber später noch. Um nun auch Santana zu sehen, hatte ich mich entschieden, als I-Tüpfelchen der drei Wanderungen in der zweiten Woche, die Osttour zu buchen und mal einen echten Ruhetag einzulegen.
    Am besagten Morgen würde ich aber viel lieber mit einem Auto zum Pico Ruivo fahren, da soll es in der Nähe einen Parkplatz geben, von dem man den Gipfel sieht. Eine Dame im Hotel hatte mir vorgeschwärmt, dass sie gestern mit Bekannten im Auto diesen Ausflug gemacht hatte und sie tolle Sicht hatten. Ich bin ganz neidisch. B. hat bereits gestern die Wandertour auf den Pico Ruivo absolviert, aber die Tour ist schwer und weit außerhalb meines Könnens, da bin ich ehrlich. Ein kurzhosiger Bremer, mit dem ich am Buffet spreche, hat die Wandertour für heute gebucht, und ich empfehle nach meinen Erfahrungen mit dem hiesigen Wetter lange Hosen. Er lacht und schüttelt den Kopf, so dass ich ihm rate, sie zumindest mitzunehmen. Abends wird er mir lächelnd erzählen, dass niemand mit kurzen Hosen gelaufen sei, auch er nicht. Die Guides hatten wohl etwas dagegen. Der Bremer gehört zu einer Vielzahl neuer, teil ins Gruppen anreisender Gäste, die am nächsten Tag, Sonntag, den Marathon laufen werden.


    Erster Halt ist Camacha. Die Korbmachersiedlung. Die Wanderung gestern endete nicht weit von dem Ort, daher auch die Körbe im Auto des Obstverkäufers. Ich bin müde, die Mitfahrer sind gewöhnungsbedürftig, zu meiner Irritation senke ich den Altersschnitt nach unten. Der kleine Bus meiner Agentur, in dem auch Leute aus meinen Hotel sitzen, war ausgebucht, vermutlich hatte die Reiseleiterin wieder vergessen, mich auf die Liste zu setzen, und ich wurde in einen anderen Bus einquartiert.

    Das Thema der Fotochallenge ist „Vergänglichkeit“, und so fühle ich mich auch.





    Die Straße ist mit Bussen vollgequetscht, und ich verziehe mich Richtung Garten. Ich bin selbst Tourist, aber man muss nicht übertreiben.





    Auf diesem Platz hat das erste Fußballspiel Portugals stattgefunden.





    Eine Blüte liegt auf einer Mauer, und ich mache eine Vergänglichkeitsserie. Eines der Handyfotos werde ich später einstellen.





    Schön, dass noch nicht überall alles automatisiert ist.





    Warten auf Kundschaft.





    Blütenmeer.





    Vergänglichkeit.





    Die Lichteinstrahlung ist ganz besonders.





    Ich bummele zurück zum Bus, und da fällt mir ein, was der Busfahrer gesagt hat, und ich begreife, dass die Hauptsehenswürdigkeit hier die Korbflechterei ist. Also noch ein schneller Blick, fünf Minuten habe ich noch. Ich sage ja, ich bin noch nicht wach.





    Natürlich muss ich jetzt ein paar Treppen runter, aber mit etwas Willen geht alles.





    Ich habe mich nun warm fotografiert. Der Bus klettert eine der Straßen hoch, die ich schon kenne, hier sind wir zu Ribeiro Frio gefahren. Für eine Sekunde sehe ich im Wald einen Rennradler einen Waldweg entlang heizen. Es sieht aus, als ende der Weg im Nichts. Ein Fahrrad wäre jetzt schön.

    Ein Wegweiser Richtung Pico Arieiro (1810m). Ich bin gespannt, was jetzt kommt. Dann werden wir von Dunst eingehüllt. Der Busfahrer erklärt. Hier oben haben früher Kühe gegrast und Schafe geweidet. Das ist nicht mehr erlaubt, es ist Naturschutzgebiet. Eine Grillstelle. Hier trifft man sich im Sommer und macht Espetada.








    Der Nebel schwindet.








    Die Hochebene wird von einer Schlucht abgelöst. Ich fotografiere wie wild. Fußgänger sind auf der engen Straße. Anscheinend ist irgendwo eine Bushaltestelle, aber vom Ziel weit entfernt.





    Ein Nebelband webt sich über die Straße, und hüllt uns erneut in Nebel, dann sind wir über dem Nebel, und ich stürze aus dem Bus. Unglaublich. Wunderschön.





    Es ist, als würden wir fliegen.


    Ich stürme die Treppen zum Aussichtspunkt hinauf. Voll ist es. Ein touristischer Hotspot. Im Sommer wird hier die Hölle los sein, man sieht es an der Infrastruktur.








    Links könnte der Pico do Gato sein. Dann sieht man den Pico das Torres und rechts neben der grauen, einem dünnen Zipfel vorgelagerten Platte ist der Pico do Ruivo. Der Aussichtspunkt am Gipfel mit dem Kreuz sieht etwas niedriger aus, eine Rundung zwischen Zacken.


    Vorsichtig taste ich mich an die Brüstung heran. Schwindelfrei bin ich noch nicht. Und dann heißt es genießen.





    Die kleine, in den Fels gekratzte, mundförmige Linie, die unten rechts über dem geschwungenen Felsabsatz zu sehen ist, besteht aus Treppen.





    Ich würde es so gerne versuchen.





    Das muss doch zu schaffen sein.





    Die andere Seite nicht weniger spektakulär.

















    Kein Leuchtturm.





    Das auch nicht. Sondern den Fotos nach zu urteilen, der begehbare Gipfel des Pico Ruivo.








    Immer mehr Menschen machen sich auf den Weg.





    In der Mitte der Aussichtsplattform ist eine Erhebung aus Steinen. Junge Leute klettern hinauf und machen Selfies. Ich will es ihnen gleichtun, aber es geht nicht. Schwindelig. Sobald ich mich nähere, schwankt alles. Es sind nur ein paar Zentimeter, aber es gibt kein Geländer und das ist schon wieder ein Quentchen zuviel. Angst ist ein merkwürdiges Phänomen.





    Sieht so nah aus.





    Die Hochebene Paul da Serra mit den Windrädern.





    Wanderung mit Baby.





    An einer Stelle lichtet sich der Nebel.





    Hier müsste man jetzt den ganzen Tag stehen bleiben können.








    Am Abend frage ich den Bremer, ob er er gute Sicht hatte. Er bejaht. Ob er mir nicht Bilder vom Pico Ruivo zeigen könne. Ja, kann er. Wird er zwar dann nicht tun, weil wir uns nicht mehr sehen, aber er erzählt, dass er seine Wanderung mit einer Drohne gefilmt hat. Das sind die neuen Zeiten, denke ich.

    Es geht die gleiche Straße zurück. Kurz hält der Fahrer: An einer sonnenabgewandten Wand ist das Wasser zu Eis gefroren. Es geht nun nach Ribeiro Frio. Die Sonne scheint und plötzlich sieht es hier ganz anders aus. So sommerlich.


    Die Forellenbecken.





    Man könnte jetzt vieles hier tun. Sich in die Sonne setzen, Souvenirs kaufen, Poncha trinken oder spazierengehen. Ich muss ausgerechnet den Ehrgeiz entwickeln, diesen kleinen ADHS Vogel zu fotografieren, der ständig herumzappeln muss, die Madeira Gebirgsstelze.








    Dann sind es plötzlich zwei, die sich gegenseitig jagen und dann sind sie weg. Da unten sind wir damals gestartet.





    Die Osterglocken blühen.





    Wir fahren nun Richtung Santana, an dem Lokal der netten Tour „da Referta“ vorbei. Immer wieder werden wir auf Obst und Gemüse aufmerksam gemacht. Ratespiel: Was ist das?








    Die Kartbahn, dann sind wir in Santana. Santana ist für seine Mikrohäuser berühmt, alte traditionelle Häuschen, die winzig sind und nur aus zwei Räumen bestehen. Viele wurden später erweitert und eine Küche und ein Bad eingebaut. In Gebrauch sind sie heute nur noch selten.





    Stolz Madeiras.





    Wieder habe ich Essen vorbestellt und der Degenfisch ist lecker. Die Gruppe am Tisch dagegen äußerst gewöhnungsbedürftig. Man könnte denken, es ist Comedyfolge, wenn es nicht so furchtbar echt wäre. Was ist bloß in unserem Land passiert. Wehmütig denke ich an die lustige Truppe der West-Tour zurück. Irgendwann reicht es mir, und ich gehe wortlos. So etwas mache ich selten. Immerhin werden mich ein paar Andere später anlächeln.





    Ich trotte eine Nebenstraße hinunter und werde eingeladen, das Haus anzuschauen. Das Haus der Großeltern. Vorne ein kleiner Raum, dann das Schlafzimmer mit einem Bett, das ich auf 1.60 Länge schätze. Hinten, hinter der Tür, ist schon der Anbau mit kleinem Bad und Küche.





    Einen kleinen Schnaps gibt es auch, und ich liefere eine Spende ab, davon lebt er ja. Bei einem gesetzlichen Mindestlohn von 570,00 Euro auf der Insel könnte das sogar klappen. Ca. 30 Euro pro Tag muss er verdienen, wenn er sich an Arbeitszeiten hält. Öffnet er jeden Tag, würden auch 20 Euro pro Tag reichen. Die Arbeits- und Urlaubszeiten von Arbeitnehmern sind auf Madeira mit unseren vergleichbar.





    Der Garten ist voller Gartenzwerge, Nippes und Blumen.





    Am Straßenrand sind Häuser zu verkaufen.





    Ich gehe in die Kirche, sie ist voll und einen Moment denke ich, dass ein Gottesdienst beginnt. Dann sehe ich plötzlich Kränze und merke, ich bin in eine Beerdigung geraten. Ruhig schleiche ich mich wieder heraus und sehe erst jetzt vor der Tür den Leichenwagen. Das Foto werde ich in die Fotochallenge einstellen.

    Eine deutsche Stimme erzählt etwas von „Hafen“ und ich laufe ins Tal, um den Hafen zu finden. Aber es ist zu wenig Zeit. Eine französische Jugendgruppe labert dummes Zeug.





    Auf dem kleinen Wochenmarkt kaufe ich noch zwei riesige Avocados für wenig Geld. 3,60 Euro, ungefähr, für Avocados die gut zwei- bis dreifach so groß sind, wie bei uns.





    Einen Tag später werde ich die Größenverhältnisse fotografieren. Der Kern der Avocados ist übrigens auch doppelt so groß. Selbst die Paprika sind auf Madeira riesig.





    Es geht nun Richtung Porto da Cruz. Am Fuße des Adlerfelsen hat Landgewinnung stattgefunden. Der Berg ist abgerutscht und hat Madeiras Fläche vergrößert.





    Die anderen besuchen die Zuckerrohrdestillerie und probieren Poncha.





    Ich dagegen habe das Trailrunnerschild gesehen und laufe zur Promenade. Ich muss mich bewegen. Die Wellen rauschen.








    Balanceakt.





    Poff.








    Schon schön hier.








    Am Adlerfelsen erkenne ich mit dem Tele kleine Schafställe.





    Nächster Halt ist nun Portela, wo ich nach der Ribeiro Frio Wanderung die Traumbilder gemacht habe. Ich verzichte, den Ausblick zu bewundern, den ersten Eindruck will ich nicht zerstören. Eine portugiesische Wandertruppe ist gerade angekommen, und sie haben die Stöcke aus Maiglöckchenbaum dabei. Wenn ich wüsste, wie man die in den Flieger bekommt, würde ich mir glatt einen mitnehmen.





    Aus dem Bus heraus sieht man deutlich, wie die Autobahn die Insel prägt.





    Wir fahren nun noch einen Aussichtspunkt an.





    Der Flughafen.





    Die Landebahn ist künstlich verlängert worden und steht auf dicken Stelzen aus Beton. 1977 war eine Boing 727 wegen Aquaplaning ins Meer gerast, 125 Menschen starben. Kurz darauf war eine Schweizer Maschine mit 56 Passagieren an Bord beim Landeanflug zu früh in den Sinkflug gegangen und 4 km vor dem Flughafen auf dem Atlantik aufgeschlagen, 36 Menschen starben. Die Länge der Piste wurde daraufhin erst um 200 Meter und schließlich um fast 1 Kilometer auf 2777 Meter verlängert. Derzeit ist geplant, sie noch weiter zu verlängern, damit auch größere Flugzeuge landen können. Bisher muss in Lissabon zwischengelandet werden. Dennoch bleibt der Anflug gefährlich, da Scherwinde die Landung erschweren. Piloten müssen eine besondere Ausbildung haben, um dort landen zu dürfen. Die Bilder habe ich von Sao Lourenco ausgemacht.











    Über Canical geht es Richtung Sao Lourenco zu einer Luxusanlage mit weitgehend leerstehenden Gebäuden, die für solvente Käufer gedacht ist. Eine Geisterstadt. Hier war der Endpunkt der Bootstour von Sao Lourenco geplant. Ein Ehepaar verlässt nun den Bus, es wohnt in dem angeschlossenen Hotel.
    Auch Santa Crux wird angefahren und gefällt mir ausnehmend gut. Ein weiterer Pluspunkt für die geführten Touren, man sieht unerwartet viel von der Insel. Auf diesen Straßen möchte ich nämlich nicht fahren. Eng, steil und der Verkehr teilweise chaotisch. Und an einigen Stellen erhöhte Schwindelgefahr. Nichts für mich.
    Geändert von Torres (20.02.2017 um 21:36 Uhr)
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  8. Moderator
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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #48
    Du hast wohl Eindruck gemacht, wenn die gleich einen Pico nach dir benennen...

    Danke fuers miterleben lassen.

  9. Fuchs
    Avatar von PWD
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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #49
    Zitat Zitat von Torres Beitrag anzeigen
    Auf diesen Straßen möchte ich nämlich nicht fahren. Eng, steil und der Verkehr teilweise chaotisch. Und an einigen Stellen erhöhte Schwindelgefahr. Nichts für mich.
    z.B. im städt. Bus erhöht hinten sitzend auf der Abgrundseite von Funchal die R. Conde Carvalhal hinauf oder auf der alten Straße, die ins Nonnental führt bei einem Ausweichmanöver...

  10. Vorstand
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    Avatar von Torres
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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #50
    Rother-Tour 28, Levada „Caldeirão Verde“. Charakter: Anspruchsvoll, schöne Ausblicke. Schwierigkeit: Mittel. Länge: 13 km.

    Die Reiseleiterin hatte auf mein Nachfragen die Levadawanderung „Caldeirao Verde“ als problemlos machbar dargestellt. Die Aussage von M. steht dem entgegen, und im Nachhinein würde ich sagen, dass beide Recht haben.
    Ein bisschen aufgeregt bin ich schon. Schwindelfreiheit wird empfohlen. Ob wohl das Wetter hält? Ich eile dem Treffpunkt entgegen. Zwei selbstorganisierte Tage haben meinen Beinen gut getan. Sie fühlen sich weich und belastbar an. Meine Knie erlauben mir sogar, die ersten Treppen zu gehen.





    Die Wanderung führt durch den Naturpark Queimadas.





    Unser Ziel ist Caldeirao Verde, das Grüne Tal, man kann aber auch noch weiterlaufen ins Qualdeirao do Inferno, ins Höllental.

    Auch wenn nichts passiert ist, so wundert es mich, dass M. auf jegliche Sicherheitsanweisungen verzichtet. So bin ich es, die im Verlaufe der Wanderung eine Mitwanderin darauf hinweist, dass die Sicherungsseile lose sein können – an einer Stelle sind sie bereits ausgebrochen, sehen tückischerweise aber verlässlich aus – und man sich nicht mit dem Körpergewicht dagegen lehnen sollte. Auch von seiner Führung haben sie sich mehr versprochen, er läuft mehr oder weniger mit sich beschäftigt vor uns her. Immerhin ohne Smartphone, hier ist kaum Empfang.





    Ich hatte heute in einem Anfall von Blödheit meine Gamaschen nicht mitgenommen, war aber immerhin so klug, mir in dem oben schon erwähnten Einkaufszentrum, das zu dieser Tour wieder angesteuert wurde, eine Regenjacke zu kaufen. Die Verkäuferin hatte umgeräumt, aber ich fand die Jacken dennoch auf Anhieb, und sie schloss etwas erstaunt den Schrank auf. Die Jacke ist überteuerter Billigschrott, aber meine Rettung, denn sie lässt sich erheblich besser an- und ausziehen, als der Poncho, und sitzt perfekt.


    Das Wetter ist trüb.











    Der Weg wird eng.





    Weitblick





    Immerhin ist die Gruppe recht fotofreudig, so dass es nicht stört, wenn ich mal stehen bleibe.








    Trittsicherheit. Sieht einfacher aus, als es ist.











    Immer wieder unglaublich, wieviel hier wächst.














    Die Farne.





    Regen.











    Wieder rinnt Wasser von den Hängen in die Levada.





    Ein Weg an dem gegenüberliegenden Felsen?








    Unser Ziel?





    Abgrund.











    Kopf einziehen.











    Ein Schmuckstück. Wir müssen aber nicht durch.











    Könnte auch ein wenig schmerzhaft sein.








    Der erste Wasserfall ist nur der Appetitanreger. Die Wanderung geht jetzt richtig los.








    Unerwarteterweise kommt auch die Sonne heraus.








    Hier gibt es keine Sicherung mehr, sie wurde durch den Baum zerstört. Stört mich erstaunlicherweise nicht.








    Der Weg ist jetzt wieder eng, und ich beglückwünsche mich, die Regenjacke gekauft zu haben. Ein Ehepaar läuft mit zwei Stöcken, und ich muss lächeln – Anfängerprobleme. An so einer Stelle sind die Pfosten locker, man sollte sich also nicht auf sie verlassen.





    Blick zurück.





    Brombeeren darf man im Sommer hier übrigens pflücken. Sie sind nicht endemisch.





    Tunnel.





    Ich habe diesmal statt meiner kleinen Petzl, die den Vorteil hat, dass man sie nicht unbemerkt anstellen kann, eine BD mitgenommen. Der Lichtstrahl dankt es mir, einer der Tunnel ist erheblich länger und schwieriger als der Tunnel der 25 Fontas..

    Nun sammeln wir uns. Das wird unser Treffpunkt auf dem Rückweg sein.





    Von hier aus kann man auch andere Touren gehen.





    Eine Katze kommt aus dem Nichts. Vermutlich wurde sie ausgesetzt. M. kontrolliert die Lampen.





    Wieder Tunnel, und einer ist richtig lang und richtig übel. M. Stockfinster. Man muss sehr genau auf der linken Seite an der Levadawand entlang gehen. Es ist feucht, voller Pfützen, die vorsichtig ausbalanciert werden wollen. Und den Kopf einziehen. Allein für diese Hinweise gehe ich gerne mit einem Guide. Neben den Steinen ist dicker, tiefer Schmodder, wie ich mit dem Trekkingstock feststellen kann. Eine Frau tritt hinein und wird bis zur Wade nass. Sie lacht und tut unbekümmert. Bei den doch eher kühlen Temperaturen ist das aber nicht so ganz ohne. Fotos aus dem Inneren des Tunnels folgen später.





    Geschafft.








    Der Weg wird nun voller.





    Treppen. Aber nicht viele.











    An der Küste scheint dagegen die Sonne, man sieht sie am Horizont blitzen. Ein paar junge Leute überholen uns, den Säugling in einer Kraxe auf den Rücken geschnallt, der Kopf des Babys thront über dem des Vaters. Einige Mitwanderinnen werden darüber später diskutieren. Bei den niedrigen Tunneln, den tiefen Ästen und dem schwierigen, hält das nicht jeder für eine gute Idee.

    Noch ein Tunnel.





    Von den Bildern könnte mir glatt schwindlich werden.











    Auf schmaler Kante geht es jetzt weiter und weiter. Immer wieder bleibe ich mit der neuerstandenen Regenjacke an den Pfosten der Seilsicherung hängen, und ein paar Male denke ich, sie reißt gleich, aber sie hält sich wacker.





    Und dann sind wir plötzlich am Ziel. Man erkennt es dadurch, dass Menschen ihr Pausenbrot essen. Und man hört den Wasserfall.





    Aber um ihn richtig sehen zu können, muss man erst ein wenig über Felsblöcke und lose Steine turnen. Die schwierigen Stellen fotografiere ich natürlich nicht.








    Und da ist das Ziel. Kamera.





    Handy.








    Und wieder zurück, damit auch andere fotografieren können.





    Ich glaube, es ist sogar Handyempfang hier, und auch ich komme nicht umhin, sofort das Bild zu versenden. J. kommt mit einer Gruppe Franzosen, und ich grüße ihn erfreut.

    Ich esse schnell eine Kleinigkeit, dann brechen die ersten der Gruppe zum Treffpunkt auf. J. begrüßt mich mit Handschlag. Schade, ich hätte mit ihm gerne noch eine Tour gemacht. Dadurch bin ich aber plötzlich auf dem letzten Platz. Auch gut, dann habe ich genug Zeit, zu fotografieren.




















    Ob das auf der anderen Seite der Weg zum Inferno ist?





    Wie hat man die Levadas und die Wege nur aus dem Felsen gekloppt.








    Der kleine Tunnel.





    Etwas irritierend die Platten.





    Überall tropft das Wasser.














    Sonne.











    Der lange Tunnel. Links sieht man die Schmodderrinne. Man muss sich eng an die Levadamauer halten und den Kopf einziehen.





    Eine Aussichtsplattform im Tunnel.








    Das Ende naht.








    Kleiner Tunnel.





    Fast wäre ich am Treffpunkt vorbeigelaufen. Dort blinzelt die Sonne durch die Bäume. Ich greife nach meinem Brot, aber M. war kurz hinter mir, und so ist leider keine Zeit für eine Pause. Wir laufen zügig weiter.





    Wie anders es hier mit Sonne aussieht.





    Der erste Wasserfall.





    Ballett. Auch ich bin da nicht anders vorbei.





    Eine Familie mit kleinem Kind taucht auf und die Frau fragt auf englisch, wie weit es noch ist. Ich tippe auf Polen. 6 Kilometer, sage ich, sehr eng und zwei dunkle Tunnel. Als ich nachrechne, sind es sind wohl nur 4 Kilometer. Aber da nun der komplizierte Teil erst beginnt, dürfte es für diese langsame Gruppe und bei dem zu erwartenden Gegenverkehr verdammt weit sein. Ich hoffe, sie überlegen sich das noch einmal. Der kleine Wasserfall ist auch schön.











    In der Ferne scheint wieder die Sonne. An der Südküste wird es warm sein.





    Als ich in den Bus steige, fröstele ich jedoch. Auch wenn man sich bewegt, so kühlt man doch schleichend aus. Mein Navi zeigt eine Strecke von 15 Kilometern. Möglicherweise hat es fiktive Bewegungen aufgezeichnet, überprüft habe ich die Tracks bisher nicht.

    In Santana machen wir Rast, und ich traue meine Augen kaum, als ich B. auf das Lokal zuschlendern sehe, die gerade von ihrer zweiten Pico Ruivo Tour zurückkommt. Madeira ist auch nur ein Dorf. Leider brechen wir gerade auf. Die heutige Tour war schön, und ich frage mich, ob die Halbtageswanderung, die ich übermorgen machen will, da mithalten kann.


    Fazit:
    Die Levada „Caldeirao Verde“ hat mir sehr gut gefallen. Die Wanderung war abenteuerlich und herausfordernd mit schöner Vegetation und tollen Ausblicken. Ein echter Höhepunkt. Dass es den gleichen Weg wieder zurückging, hat mich nicht gestört. Ob ich die Tour jedoch am Anfang hätte machen wollen, bin ich mir nicht sicher. Mittlerweile war ich den Blick in den Abgrund gewohnt, bei einer ersten Wanderung hätte ich vielleicht Probleme gekriegt. Zudem erfordert die Tour Trittsicherheit, wenn es über die Steine geht. Insofern ist die Wanderung aus meiner Perspektive heraus im Vergleich gesehen etwas schwerer als mittel.
    Geändert von Torres (22.02.2017 um 20:40 Uhr)
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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #51
    Urban Outdoor. West-Tour by bus.


    Eigentlich sollte hier nun ein Bericht der Lavagrottenwanderung stehen. Ich hatte mich sehr darauf gefreut, etwas über die Gesteinsgeschichte der Insel zu erfahren und in den Grotten herumzulaufen. Leider fiel die Besichtigung aus. Die Erkältung, die mich in den nächsten zwei Wochen beschäftigen wird und sich in der Nacht mit beginnendem Halsweh ankündigte, hatte anscheinend die deutschsprachigen Gäste außer Gefecht gesetzt. Die Nachricht von der Absage erreichte mich aber nicht, wie üblich, am Nachmittag zuvor, so dass ich keine anderen Anbieter anfragen konnte oder eine englische Tour buchen konnte, die nämlich zustande kam. Vielmehr wurde ich – nachdem ich eine Viertstunde auf den Bus gewartet hatte und zum Telefon gegriffen hatte – von der Reisebegleiterin aufgesammelt, nach Câmara de Lobos gefahren und in den wartenden Bus der West-Tour verfrachtet, wo ich als Entschädigung kostenlos mitfahren durfte. Warum ich das erzähle?

    Weil ich natürlich die Gelegenheit genutzt habe, noch einmal zum Aussichtspunkt des Cabo Girao zu laufen. Und?

    Jawoll. Ich habe das Foto gemacht. Okay, als dann unbedingt ein Deutscher auf der Plattform herumspringen musste, um zu prüfen, ob sie deutschen Sicherheitsbestimmungen entspricht, wurde mir kurz noch einmal flau. Aber das Foto von der Brüstung herunter, habe ich selbst gemacht. Hier ist der Beweis:








    Hah, war ich stolz. Natürlich wäre ich lieber die Levada gelaufen, die dort hinführt, ich hatte es für den letzten Tag noch fest vor, aber das hat die Erkältung leider zunichte gemacht.





    In Ribeira Brava gehe ich erst einmal auf die Suche nach einer Apotheke. Der Vorteil einer beginnenden Erkältung ist bei mir ein unstillbarer Bewegungsdrang. So verzichte ich auf jegliche Form der Besichtigung und streife herum. In der Apotheke steht die Polizei hinter, man plaudert, und ich bekomme die schmerzlindernden Lutschtabletten. Am Strand bemühe ich mich um alles, was fliegt. Thema der Fotochallenge. So richtig wird das aber nichts.





    Bus oben, Bus unten.





    Wir fahren diesmal weiter an der Küste entlang, durch viele hübsche Dörfer, die Meisten sind nicht mehr bewohnt. Es sind die Nachbarn, die den Eindruck aufrecht erhalten, hier wäre Leben. Viele Bewohner sind längst fort und kommen nicht zurück. Die Hochebene liegt, wie so häufig, in fettem Nebel, nur einmal gelingt ein Blick.





    In Porto Moniz verzichte ich auf den Degenfisch, um mir endlich die Wellen anzuschauen. Ich werde nicht enttäuscht. Hatte ich schon mal erwähnt, dass ich mich stundenlang mit dem Fotografieren von Wellen beschäftigen könnte?





    Der Turm auf dem Felsen.








    Es dauert gefühlt eine halbe Stunde, bis ich auf die Idee komme, die Perspektive zu wechseln.











    Es sind recht viele Touristen unterwegs, die sich auf die Terrassen der Restaurants setzen. Ich bekomme einen unstillbaren Hunger auf eine Tüte Pommes mit Ketchup, aber eine Frittenbuden-Kultur gibt es hier nicht. Man setzt sich in ein Restaurant, wenn man essen möchte. Auf Sitzen habe ich keine Lust, und so knabbere ich mein selbstgeschmiertes, recht trockenes Brot.





    Blick auf das Schwimmbad.





    Anscheinend ist hier das Aquarium.





    Etwas weiter ungeahnte Ausblicke. Von der Straße aus hatte ich die Felsen schon gesehen, aber das hier gefällt.





    Ein Mann fotografiert vom Hubschrauberlandplatz aus, und ich beschließe, es ihm gleich zu tun.





    Wow.











    Ich laufe hinter dem Museum herum. Ein kleiner Löwenzahn auf einem Felsen.














    Ein Regenschauer ergießt sich, der aber schnell vorbei ist.





    Ich suche den kleinen Supermarkt, um mich mit frischem Brot einzudecken. Der hier hat geschlossen.





    Ein perfektes Exemplar. Ich spiele ein wenig mit meiner Kamera herum. Irgendein Kitschmodus. Kommt aber gut.





    Prompt wende ich mich wieder den Wellen zu. Leider wirkt der Kitschmodus hier nicht.





    Am besten gleich Schwarz-Weiß-Dramatisch.





    Wehmütig schaue ich aus dem Fenster, als wir an den Lavagrotten vorbeifahren. Auf dem Encumeada Pass ein natürliches Spiel der Farben.








    Zurück im Hotel sage ich meine Levadawanderung für den nächsten Tag ab. Mein Kreislauf spinnt und mir geht es richtig mies. Aber eine Wanderung steht noch aus, dessen bin ich mir bewusst. Jede Reise braucht einen Abschluss.
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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #52
    Hallo Torres

    Danke für`s kurzweilige weiterschreiben.

    Zitat Zitat von Torres Beitrag anzeigen
    ...Stolz Madeiras......
    Die Königsprotea stammt aber aus Südamerika / Südafrika.
    Es ist die Nationalblume von Südafrika.

    Gruß Peter
    Wir reisen um die Welt, und verleben unser Geld.
    Wer sich auf Patagonien einlässt, muss mit Allem rechnen, auch mit dem Schönsten.

  13. AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #53
    Sehr fein (bis auf den Kreislauf).
    Zur bisherigen Empfindung erdiger Gerüche gesellt sich jetzt noch die einer ordentlichen Portion Seeluft.
    Es ist wie Urlaub, Deinen Berichten zu folgen!

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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #54
    Zitat Zitat von peter-hoehle Beitrag anzeigen
    Hallo Torres

    Danke für`s kurzweilige weiterschreiben.


    Die Königsprotea stammt aber aus Südamerika / Südafrika.
    Es ist die Nationalblume von Südafrika.

    Gruß Peter
    Ja, ist unglücklich formuliert, Stolz Madeiras ist eine andere Pflanze, da komme ich noch zu. Hätte ich wohl anders formulieren sollen: Auf diese Blume sind die Gärtner Madeiras besonders stolz (Aussage des Guides). Aber der Stolz Madeiras ist etwas anderes.

    Es ist wie Urlaub, Deinen Berichten zu folgen!
    Danke! Das freut mich.
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  15. AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #55
    Danke Torres für deine schönen Schilderungen.

    Darf ich ein paar Ergänzungen nachtragen?

    Bei meinem ersten Besuch auf Madeira 2008 hatte ich das zweifelhafte Glück, eine Wandertour gebucht zu haben, die dann einfach nicht stattfand. Seit ich mit Christa (und inzwischen ihren Kindern) unterwegs bin, ist mir das nie wieder passiert. Wenn das eingeplante Ziel wegen schlechten Wetters nicht funktioniert, wird die Tagesplanung einfach geändert, aber es gibt auf jeden Fall eine Tour. Auf dem Hin- und Rückweg werden gleich noch ein paar Sehenswürdigkeiten abgeklappert, so dass man nach einer Woche Wandern mit Christa meist auch die ganze Insel irgendwie gesehen hat. Und obwohl ich nun schon oft da war und mich gut auskenne, bin ich doch immer noch am liebsten mit dem Christa-Team unterwegs: Ich muss mir keine Gedanken über An- und Abfahrt, Wetter, Wegeführung, gesperrte Strecken etc. machen, es sind immer nette Leute mit dabei und es herrscht eine unangestrengte Herzlichkeit. Und die schlimmsten Touri-Hotspots werden zu Tages-/Jahreszeiten angesteuert, wo es nicht ganz so voll ist, ganz früh aufs Cabo Giraou, spätnachmittags zu den 25 Quellen.

    Sonntags gibt es übrigens einen Hopp-On-Hopp-Off-Bus, der die östlichen Touri-Highlights abklappert (Camacha, Santo da Serra mit dem riesigen Einheimischen-Markt, Santana etc.) für 25 Euro pro Nase. Ab drei Leuten lohnt sich dann aber auch ein Auto. Dann darf eben einer keine Poncha auf dem Markt trinken.
    Liebe Grüße
    von der Bielefelderin

    _______________________________________________________________________
    Der weiteste Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #56
    Ich war mir meiner Agentur auch sehr zufrieden, nur die Kommunikation mit der Reiseleiterin hakte eben mal, aber irgendwie hat sie es immer hinbekommen. Wir waren auf den Wandertouren auch oft die erste Gruppe und die Absage - ach ja - so ist das Leben. Ich bin da ziemlich pragmatisch, dafür habe ich eben Porto Moniz mit neuen Augen gesehen und das sogar kostenlos. Ich fand das spannend, beim zweiten Anlauf sieht man viele neue Details.
    Hopp-On-Hoff-Off Busse sind nicht so mein Ding, ich fahre gerne mit einer festen Gruppe. Die Stadtrundfahrten (gab es dazu) fand ich übrigens grottig, ich bin nicht einmal ausgestiegen, da gehe ich lieber zu Fuß. Wäre ich länger geblieben, hätte ich sicherlich mehr alleine gemacht, langsam kenne ich mich ja aus.
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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #57
    Abschied.


    Rother-Tour 1, Teilstrecke Funchal – Camara de Lobos. Charakter Strandspaziergang. Schwierigkeit: Leicht. Geschätzt 3 km.


    Meine Erkältung ist kaum besser. Ein schwerer Infekt sorgt für Hustenanfälle, Abgeschlagenheit und Kopfweh (wegen der starken Hustenanfälle). Lange stehe ich auf der Terrasse des Hotels, und dann gebe ich mir den Ruck. Jeden Tag habe ich zweimal auf den Strand geblickt. Es wird Zeit, ihn zu begehen. Morgen geht es zurück. Der Startpunkt.





    Gestern hatte ich einem englischen Paar, das gerade die Straße hochgekeucht war und mich an der Bushaltestelle fragte, ob es an der Straße nach Camara de Lobos ginge, erklärt, der Weg führe am Ende der Promenade die Treppen hinunter und durch das Restaurant hindurch. So stand es im Rother. „Nein, nein. Da geht es nicht weiter.“ „Doch, da geht es weiter, es sieht so aus, als ginge es nicht weiter, aber es geht weiter.“ „Es kamen uns ständig Leute entgegen, da geht es nicht weiter.“ Schließlich hatte ich sie einfach zur Rezeption meines Hotels geschickt, und als sie wiederkamen, bedankten sie sich, ja, ich hätte Recht. Nun bin ich selbst an der Stelle. Im Sommer ein Schwimmbad.





    Mein Hotel. Oben, natürlich.











    Im Winter geschlossen.








    Steht mein Hotel auf diesem Felsen? Sieht nicht vertrauenserweckend aus. Wie gut, dass es nicht bis zur Abbruchkante reicht.





    Sightseeing.





    Es weht ein rauer Wind. Zudem fängt es an zu nieseln.





    Da muss man sich schon mal unterstellen.





    Wasserregenbogen. Ich brauche leider etwas zu lange, um die Kamera herauszuziehen, Sekunden früher war der Regenbogen deutlicher.





    Tach.








    Krawumm.





    In hoher Lautstärke donnern die Wellen an den Felsen. Im Tunnel hört man sie auch. Mir wird ein wenig mulmig. Nichts für Ängstliche.





    Blick in eine Bucht.





    Mit den harmlosen Wellen am flachen Ufer hat dieses Wasser nichts zu tun.





    Der Weg in die Freiheit.








    Eine ganze Familie.








    Noch ein Regenbogen.





    Ich treffe Bekannte, mit denen ich gewandert war und erfahre, dass bei deren Tour das Boot ab Sao Lorenco gefahren ist. Die Levada zum Cabo Girao ist gut begehbar, die sind sie gestern gelaufen. Eine Woche länger Urlaub müsste man haben. Unfassbar, dass ich es hier so lange ausgehalten habe und mich jetzt erst richtig eingelebt habe. Normalerweise bleibe ich doch ungern länger als 5 Tage an einem Ort. Jetzt habe ich das Gefühl, als käme ich langsam an.











    Blick zurück.





    Ein Holzsteg erleichtert den Weg über die groben Steine.





    Wellen. Nordseegefühle. Der Lavasand tiefschwarz.





    Bohlenweg. Nicht ganz ungefährlich. An einigen Stellen ist das Holz gebrochen.





    Am Ende wird der Weg auf Asphalt und über ein Stück Straße geführt. Ich entscheide mich für die Steine, M. aus Timmendorf hatte mir von dem offiziellen Weg abgeraten. Trittsicherheitsübung. Dafür aber fast alleine.











    Ich laufe an einem Steinesammler vorbei, dann beginnt eine Promenade. Sommerfreuden.





    Wochenende.





    Wie es hier wohl im Sommer ist?








    Überall Wasser.





    Blauer Himmel.





    Das Hotelvierte von Funchal. Eines der hohen Hotels gehört einer Familie aus Madeira, die eine Kette begründet hat. Das Hotel, in dem ich war, ist der Flachbau vorne links. Das lange Rechteck in der Mitte des Bildes ist die Begrenzung der Terrasse.





    Idylle.





    Kaum glauben sie sich unbeobachtet, gucken erst die Köpfe zwischen den Steinen hervor, bevor sie die Mauer hinunterhuschen.





    Ich laufe zur Insel. Treppen. Egal. Es ist der letzte Tag. Am Flughafen gibt es Rolltreppen.





    Oben.








    Eine Frau sitzt auf den Steinen und liest. Es wird voller, und ich steige vorsichtig ab. Ein junges Mädchen schaut mich mitleidig an. Ein Mann spielt glücklich mit seinem Kind und baut ein Steinmännchen. Seine Frau trägt Kopftuch. Mich ärgert, dass es mir überhaupt auffällt. Ob es Einheimische sind? Oder Engländer? Ich traue mich nicht, zu fragen.





    Gleich darauf bindet ein Schmetterling meine Aufmerksamkeit. Er flattert wild umher, hüpft von Blüte zu Blüte und setzt sich nicht nieder. Dann erwische ich ihn doch, leider unscharf.





    Die Vögel bleiben dagegen ruhig.








    Dieser Vogel ist schneeweiß. Ich hoffe inständig, dass er endlich aufwacht, aber er tut mir den Gefallen nicht.
















    Blick auf eine Bausünde – eines der wenigen Hotels, in denen alle Zimmer Meerblick haben – es ist ausgebucht.





    Schnell vorbei.








    Prächtiger Natternkopf oder sogar der „Stolz von Madeira“, der Madeira-Natternkopf? Ich bin mir unsicher, der Stolz von Madeira wächst laut Bestimmungsbuch landschaftlich viel höher und die Blüte im Tropischen Garten sah voller aus. Allerdings findet er sich auch in Heidelandschaften und die Farbe stimmt.











    Das Land der Treppen. Allerdings wirkt das Gelände ziemlich verfallen.





    Nun wird es technisch.





    Baustoffhandel.





    Ich gehe auf die grünen Häuser zu, zu denen ich von der Terrasse aus oft geblickt habe. Ärmlich sehen sie aus. Der Wind treibt den Duft von Pflanzen in meine Nase, es riecht nach Sonne, nach Blumen und nach Unbeschwertheit.





    Und plötzlich, ich kann gar nichts dagegen tun, läuft in meinem Kopf ein Film ab und die längst verblassten Erinnerungen an Portugal sind wieder da. „Ich wollte nicht arm sein“, das ist das Erste, was mir einfällt, und die Erkenntnis sticht mir ins Herz. Ich wollte nicht mehr arm sein. Und als ich weitergehe, sehe ich alles wieder vor mir, als wäre es gestern, Fotos habe ich damals nicht gemacht, es war nicht wichtig.








    Die schlichte Lehmhütte, in der wir gewohnt haben. Zum Ausbessern holte man sich Lehm vom Feld. Mit weißem Kalk verschönt. Fenster oder Türen hatten wir nicht, es reichten Decken. Der Brunnen, das Wasser kostbar, der Ort wäre sonst unbewohnbar. Die Kochstelle, ein Holzfeuer, rauchig und dunkel. Im Steinofen das Brot. Der Bäcker will es am Strand verkaufen. Weintrauben. Oliven. Gemüse vom Markt. Noch reicht das Geld aus Deutschland. Eine Toilette haben wir nicht. Zurück zu einem Leben in der Natur, frei von Zwängen und von Konsum. Armut als Vision.





    Der Stolz des Portugiesen, der uns in sein neues Haus führt. „Deutschland, gutes Land! Gutes Geld! Wir haben jetzt zwei Stockwerke und Elektrizität.“ Er betätigt als Beweis mehrmals den Lichtschalter und strahlt. Wir nicken höflich und schweigen. Seine Frau schaut still, sie versteht die Sprache nicht. „Wieso wohnt ihr freiwillig in unserem alten Haus?“ Er lacht, schüttelt den Kopf und versteht es nicht. „Das Lehmhaus hat doch kein Wasser und keine Elektrizität. Wer will schon so leben, so wie wir früher!“ Er lacht und schüttelt wieder den Kopf. Was sollen wir sagen? Wir suchen das wahre Leben, ohne Luxus und Strom? Der Überdruss einer reichen Generation?





    Der Bauernhof. Die Frau voll Sorge, der Mann nachdenklich und still. Den Hof in Bayern teuer verkauft, der Sonne und dem naturnahen Leben entgegen, ohne Bürokratie und Druck. Sie reden von Plänen, doch ich glaube ihnen nicht, und sie sich auch nicht. Der Boden ist schlecht, und sie sind nur Fremde. Aussteiger aus Deutschland arbeiten für Hungerlöhne auf dem Feld. Auf dem Rückweg Eukalyptuswälder. Sie duften betörend und saugen das kostbare Wasser aus dem Boden. Korkeichen am Wege, sie sind krank. Ein paar Halme auf den steinigen Böden.





    Hinter Lagos. War es Sagres? Es kann nur Sagres sein. Ein Fischerdorf, die Häuser weiß getüncht. So still. Als wäre die Welt vergessen. Ein paar englische Touristen am Strand, nicht viele. Ein Appartementhaus, in portugiesischem Stil, nicht groß, ganz neu. Die meisten Zimmer sind leer. Der Niederländer, ein Bekannter, reibt sich die Hände. Noch hat er Schulden, aber mit den Appartements hat er ausgesorgt, da ist es sich sicher. „Vermietung, das wird bald das große Geschäft. Die portugiesischen Fischer können das nicht. Die denken immer noch, Geld verdient man mit Fischen.“ Ein netter Typ, sympathisch. aber auf der falschen Seite. Am Wasser liegen die Boote. Heiter und friedlich. Drei Engländerinnen laufen die schmale Straße hinauf. Ein kleiner Laden bietet Keramik an. Friedlich ist es hier. Als wäre die Zeit stehen geblieben. Hier sollte man bleiben. Hier könnte man sterben. Nur ungern reiße ich mich los. Vielleicht hat der Niederländer Recht. Die Zeit geht weiter, man kann sie nicht anhalten. Macht er es nicht, macht es ein anderer.














    Der junge Großgrundbesitzer. Freundlich, aber geschäftstüchtig. Für ihn sind wir Touristen, und das nutzt er aus. Ein Teil der Ernte verschwindet. Der alte Großgrundbesitzer auf seinem Maultier. Lautlos dem Nebel entstiegen, reitet er in der Nacht an mir vorbei. Ich erschrecke mich zu Tode. In der Woche laufen die Frauen drei Stunden zum Markt in der Stadt, um Feldfrüchte zu kaufen oder zu verkaufen. Das einzige Auto der Gegend haben wir. Sie winken uns zu, als wir sie überholen. Sie sehen älter aus, als wir, aber sind sie es auch? In den Bars nur Männer. Frauen sieht man nicht im Ort. Der Blick des alten Mannes, als wir in einem kleinen Laden einkaufen gehen. Wir kaufen viel und finden es preiswert. Ob das wohl ein Monatslohn war? Als wir gehen, schäme ich mich. Albufeira. Der Strand. So einsam und leer. Der Wind weht heiß herüber, er duftet verheißungsvoll, hinter dem Wasser liegt Afrika. Ein paar Deutsche mit Gitarre betteln an der Straße um Geld, bald wird die Polizei sie wegjagen. Der Markt in Silves, das Obst leuchtet in der Sonne. Die Bauern sehnig von der harten Arbeit, die meisten haben schlechte Zähne. Ein Jeep verirrt sich zu unseren Hütten, junge Leute, Touristen, reich, laut. Es ist eine Sackgasse und ihr Lachen erstirbt. Wir schauen sie schweigend an, und kleinlaut drehen sie um. Sie wissen nicht, dass wir sie verstehen. Jahre später wird eine ähnliche Situation zum Werbespot, und ich muss lachen. Die Werkstatt repariert den Kühlergrill von Hand für 20 Mark. Drei Tage dauert das, ein Neuteil ist viel zu teuer, da gibt es keine Diskussion. Ihr müsst warten. Die Uhren gingen langsam damals, so langsam.














    Ein letzter Blick.





    Ich bin nun an der Straße. Es herrscht Verkehr. Als nächstes benötige ich eine Apotheke, aber die dürfte weiter im Zentrum sein. Ich will jetzt aber nicht suchen, die Erkältung macht mich schlapp. Ein dunkles Lokal oder eine Bäckerei, vielleicht beides. Eine Frau eilt an mir vorbei. Männer stehen an der Straße und reden, eine Frau wirft ihnen ein paar Sätze zu und sie lachen. Eine füllige Frau keucht in Bluse und Rock mühsam die Straße hinauf, die Schuhe abgetreten und schief. Am Hang die Bushaltestelle, Touristen in hellen Kleidern drängeln sich auf dem schmalen Streifen, sie wirken trotz fortgeschrittenen Alters lebenslustig und wach, ihre Kleidung zeigt Wohlstand. Ich atme noch einmal tief durch und blicke zum Hafen. Dann gehe ich den Schritt voran in meine Welt. Und reihe mich in die Reihe der Wohlhabenden ein. Ich war damals nicht geblieben. Und nie zurückgekehrt. Ich wollte nicht mehr arm sein. Und habe weiterstudiert.


    Die Busfahrt mit dem S.A.M. Bus ist ein Erlebnis. Die Sitze weich und federnd. Das erste Mal stoßen sich meine Knie nicht am Vordersitz, die anderen Busse sind so eng. Wann der Bus wohl gebaut wurde? Ich steige eine Station zu früh aus, ich will noch ein Foto von der Skulptur machen.
    Das Denkmal des Gefallenen Engels, gewidmet den Arbeitern Madeiras, die beim Aufbau und der Bewirtschaftung der Insel ihr Leben ließen.





    Ein paar Meter weiter erspähe ich eine weitere Apotheke. Die Apothekerin ist nett und freut sich, als ich ihr das Medikament sage, da braucht sie nicht lange zu raten. Ich kaufe noch ein kleines Brot für morgen an einer kleinen Bar, der junge Mann und ich sprechen ein völlig vergurktes Englisch - ich bin kränker, als ich dachte - und verstehen uns trotzdem, wir lachen. Ich nehme mir vor, das nächste Mal nicht in den Supermarkt zu gehen, sondern kleine Läden zu suchen. Ich schlucke die erste Tablette und beginne zu packen. Die geliehenen Bücher müssen in die Bibliothek zurück, und ich mache noch ein Foto vom Dach aus. Für eine Ruhepause ist es zu windig.





    Morgen bin ich nicht mehr hier. Der Blick auf das Meer wird mir fehlen.











    Als am Morgen die Sonne aufgeht, graut mir vor der Kälte in der Heimat. B. hatte bereits geschrieben, ich solle bloß dableiben. Und eine Grippeepidemie gäbe es auch.





    Es wird ein schöner Tag werden. Ohne mich.








    Aus der Luft sieht man die Autos der Wanderer parken, die auf Sao Lourenco wandern wollen.





    Ein letzter Blick durch den Nebel.





    Das Schlimme ist dann aber doch nicht die Kälte. Das Schlimme ist das Fehlen der Blumen.
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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #58
    Auch wenn der Reisebericht bereits zu Ende ist, möchte ich nun doch noch ein paar weitere Eindrücke hinzufügen. Charakter: Urban.


    Monte und der Tropische Garten


    Der Bus 48 bringt mich über verwinkelte Straßen nach Monte. Monte liegt oberhalb von Funchal und gehört zu den beliebtesten Touristenattraktionen, zumal die Seilbahn vom Hafen aus nach Monte fährt. Daher hatte ich geplant, Monte zu besuchen, wenn keine Kreuzfahrtschiffe vor Anker liegen. Der Plan klappt aber nicht. Egal. Zur Kirche geht es am Rande des Platzes steil nach oben.






    Monte.





    Es ist Montag der zweiten Woche und mir tun von den Wanderungen noch die Beine weh. In der letzten Woche wäre der Ansteig ein Klacks gewesen, wie ich nachträglich feststellen muss.





    Die Kirche Nossa Senhora do Monte. Das Ziel der Ausflüge. Ein Bild ohne Menschen ist nicht möglich.





    In der Kirche drängeln sich die Touristen, viele fotografieren ohne Rücksicht auf andere aus der ersten Reihe und mit Blitz. Es scheint, als wäre man nur hier, weil man eben hier zu sein hat (steht ja im Reiseführer). Das Staunen scheint ihnen abhanden gekommen zu sein, es gilt nur das Bild als Beweis der Anwesenheit. Rein, Foto, raus. Ruhe ist nicht möglich, und so flüchte ich gegen meine sonstige Gewohnheit, in Kirchen zu verweilen, nach draußen. An der Seite geht es auf die Aussichtsplattform. Die Treppen kommen mir endlos vor.





    Oben schwankt mal wieder der Boden.





    Nur mühsam gelingt es mir, an das Geländer zu kommen und ein Foto des Geschehens unten zu machen. Die Skulptur stellt den letzten Kaiser Österreichs, Kaiser Karl I. von Habsburg-Lothringen, dar, der 1922 in Monte, Funchal gestorben ist und in der soeben besichtigten Kirche begraben ist.





    Zitter. Jedes Foto ist in dieser Woche noch eine Überwindung.








    Die berühmten Schlitten, mit denen man ins Tal fahren kann.





    San Martinho. Die Kirche sehe ich vom Hotel aus, und ich mag ihre schlichte Schönheit. Nachts ist sie angeleuchtet. Sie gibt dem Stadtteil ihren Namen.





    Das Wetter zweigeteilt.





    Wieder drängen Touristen nach, Selfie am Geländer, Klick, sehe ich gut aus? Der größte Teil der Selfiemacher sind Deutsche. Ich zwänge mich bei Gegenverkehr die engen Treppen hinunter und laufe in Richtung Schlitten. Hoffnung auf Almosen.





    Und los geht es.





    Meine Sache ist das allerdings nicht. Schon gar nicht, wenn ich nicht selbst die Richtung bestimmen darf. Dabei ist die Warteschlangen. Das wird in der Hochsaison anders sein. Gemütlich gehe ich Richtung Tropischer Garten.





    Einen Moment überlege ich, ob ich die Wanderwege Richtung Funchal suchen soll, aber da ich nicht weiß, welche Wege gesperrt sind, beschließe ich, den Eintritt zu zahlen und mir den Garten anzugucken. Oben eine Kapelle, sie gehört zu einem Herrenhaus, das heute als Hotel genutzt wird.





    Im Garten.








    Wieder der Zappelvogel.








    Als er sich endlich an mich gewöhnt hat, kommen natürlich Touristen. Ich begnüge mich mit ihm, er ist ein wenig langsamer.





    Der Tropische Garten vereint architektonische Elemente mit ca. 10.000 Pflanzen. Das ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, denn ich habe überbordende Natur erwartet und weniger die sorgfältig angelegten Steinmauern, Brücken und asiatischen Bauelemente. Teile des Gartens erinnern mich an Hagenbecks Tierpark. Ich fotografiere sie nicht. Aufgebaut wurde der Garten von José Berardo, der durch Reisen nach Japan und China inspiriert wurde. Teil des Gartens ist eine Ausstellung mit afrikanischen Skulpturen, eine Gesteinssammlung und die bedeutendste Kachelsammlung Portugals des 15. und 16. Jahrhunderts.





    Ich lasse mich treiben. Lange bleibe ich auf einem Weg, verharre an der gleichen Stelle und hören den wenigen Vögeln zu. Und fotografiere. Teile des Parks besichtige ich gar nicht. Es geht mir um Ruhe. Ein paar andere Besucher laufen mehr oder weniger hektisch herum, und ich versuche, ihnen zu entgehen.















































    Das Fotografieren gelber Blumen gelingt nicht. Die Kamera stellt einfach nicht richtig scharf. Auch als ich das Objektiv wechsele und näher herangehe, gelb ist anscheinend nicht die gewünschte Farbe.




















    Heidelbeere.





    Orchidee.








    In der Ferne immer wieder der Blick auf das Meer vor Funchal.





    Noch blühen wenige Blumen, das wird im Frühjahr anders sein. Kurz bevor ich abreise, merke ich schon den Unterschied, der zwischen der ersten und der dritten Woche liegt.

















    Ich höre Vögel, aber sie zeigen sich nicht.








    Am Herrenhaus.











    Die Schwäne verstecken sich rechts im Bild.





    Eine deutsche Schülergruppe verteilt sich auf dem Platz, die Führerin spricht mit einem harten portugiesischen Akzent Deutsch und erklärt zielstrebig, was hier zu sehen ist. Dann strebt die Gruppe ("weiter, weiter") dem Orchideengarten zu. So biege ich in ruhigere Gefilde ab.





    Wunderkerzen.





    Eine der Attraktionen. Das Koi-Becken.





    Aus irgendeinem Grund erscheint mir diese Blüte besonders, obwohl ich nicht weiß, was es ist, und sie gegenüber den anderen Pflanzen eher unauffällig wirkt. Mein Tele erfasst sie dennoch. Echium Candicans, der Madeira-Natternkopf, auch „Stolz Madeiras (Pride of Madeira)“ genannt.





    Ein Pflanzenbestimmungsbuch (in dem leider nicht alle 10.000 Pflanzen drin stehen) kaufe ich erst später. So wende ich mich anderen Dingen zu.














    Schön länger wurde ich von Vogellärm begleitet, es sind Sittiche, die in einer großen Voliere ohrenbetäubend zwitschern und schwatzen.





    Frei wären sie mir lieber.





    Auch bei den Seerosen stellt die Kamera nicht richtig scharf, trotz mehrerer Versuche.





    Und dann erschrecke ich mich zu Tode, als plötzlich ein Pfau um die Ecke biegt. Er erschrickt genauso, und kurz starren wir uns an. Ich greife nach der Kamera,





    und schon ist er verschwunden. Es sind ungefähr sechs Tiere, gut getarnt.





    Ich versuche, ihn noch einmal zu erwischen, aber irgendwann gebe ich auf.

















    Glöckchenlauch.





    Die habe ich zu Hause, eine Asparagus-Art.





    Langsam werde ich müde.





    Zukünftige Christiano Ronaldos.





    Zurück nach Monte.





    Die Schlitten werden den Berg hochgefahren. Wehe, ein Auto versperrt den Weg, die Schlittentransporte haben Vorfahrt.








    Ein junger Mann hat gerade Feierabend, er sieht müde aus.





    Treppenvermeidung.








    Noch einmal setze ich mich in die Kirche und finde tatsächlich einen Moment Ruhe. Ein älteres Paar nimmt sich liebevoll in den Arm.





    Dann eile ich zum Bus und habe tatsächlich Glück, dass er noch nicht gefahren ist. Abenteuerlich geht es durch die viel zu engen Straßen zum Hotel zurück.


    Geändert von Torres (03.03.2017 um 16:21 Uhr)
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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #59
    Marathon – Day (29. Januar 2017)

    Es ist Marathon-Tag. Seit zwei Tagen sind bereits größere Gruppen am Buffett zu sehen, die anscheinend ein Gruppenpaket gebucht haben. Einige der Mitglieder werde ich am Marathon-Tag als Teilnehmer identifizieren. Von dem kurzhosigen Bremer hatte ich ja bereits berichtet, ich werde ihn allerdings nicht laufen sehen. Dafür erkenne ich am nächsten Tag einige Engländer wieder, die den Marathon gelaufen sind.
    M. vom Bodensee ist beim Frühstück ganz nervös. Ihr Shuttle zum Flughafen will sie um 9.45 Uhr abholen, der Start des Marathons ist aber bereits früher. Sie hatte gestern bereits bei der Rezeption nachgefragt, ob der Shuttle überhaupt durchkommt, aber die Angestellten konnten ihr nicht helfen. Die Reiseleitung sprach von Sondergenehmigung. Der Start ist nämlich ausgerechnet am Forum Madeira und die Straße vor dem Hotel ist folglich Rennstrecke. Ich beruhige sie. Beim Hamburg Marathon zieht sich das Feld morgens auch recht schnell auseinander, das wird schon klappen. Es wird bestimmt eine Lücke geben. Vor meinem geistigen Auge sehe ich die Läufe, bei denen ich vor ein paar Jahren in Hamburg als Zuschauer dabei war: Zwischen 12.000 und 18.000 Starter erreichten in den letzten Jahren das Ziel, an den Straßen waren ca. 70.000 Zuschauer. Da habe ich morgens auch die Straße überquert. So groß wird der Marathon hier vielleicht auch nicht gar nicht sein. Die Reiseleitung wird schon dafür sorgen, dass sie ihr Flugzeug nach Stuttgart bekommt. Sie fliegt ja erst gegen 12.00 Uhr.
    Der Mann am Nebentisch entpuppt sich als Starter und M. fragt nach, ob er eine Chance sehe, dass der Bus am Morgen durchkäme. Er müsse ja eigentlich nur ein kleines Stück kreuzen und kann dann über die Berge zum Flughafen fahren. Nein, das wüsste er nicht. Er ist Hobbyläufer und ist schon in vielen Ländern gestartet. Wieviele Starter es denn gäbe? Das wüsste er auch nicht, es gäbe ja auch kürzere Läufe. "So ungefähr 5000 Starter oder 10.000 Starter oder 50.000 oder mehr?", versuche ich ihm eine Antwort aus der Nase zu ziehen. Er könne nur vom Marathon über die volle Distanz reden. Im letzten Jahr gab es laut Liste 152 Finisher . 152 Finischer. Fast muss ich lachen. Ich würde sagen, nein, der Shuttlebus bekommt kein Problem (laut der offiziellen Website waren es sogar nur 114 Finisher).

    Den Start des Marathons verpasse ich und höre nur die Anfeuerrungsrufe. Ich will mich von M. verabschieden. Der Bus kommt pünktlich, und wir winken uns zum Abschied zu. In der Ferne hört man erneut Anfeuerungsrufe.

    Ich gehe durch mein Hotel zur Straße und dann wundere ich mich. (Der Brite vorne mit der Nr. 92 wird übrigens Erster in der Gruppe der über 60jährigen und 59igster der Gesamtwertung).





    Keine Absperrgitter. Keine Spuren. Man läuft hier einfach so rum.











    Später werde ich lernen, dass die jeweiligen Starter unter ihrer Startnummer unterschiedliche Farben haben. Ich hoffe, ich liege richtig: Grün = Marathon (158 Finisher), blau = Halbmarathon (451 Finisher), orange = Minimarathon (5,9 km, 441 Starter). Bald spiegeln sich die unterschiedlichen Distanzen auch im Laufstil.





    Die Marathonläufer laufen sehr ökonomisch, viele sind drahtig und durchtrainiert. Die Starter des Kurzmarathons laufen eher unruhig. Auch Übergewicht ist für viele Läufer überhaupt kein Problem.








    Viele Portugiesen laufen in Gruppen. Sie stammen aus dem gleichen Ort oder dem gleichen Verein.





    Ich begebe mich langsam zum Start.








    Immer wieder werden Autos durchgelassen. Alles kein Problem.





    Posing.





    Am Start. Im letzten Moment macht einer der Männer die Spur rechts für einen Marathon-Läufer frei, der beim Ausweichen kurz aus dem Tritt gekommen war. Der Läufer ist darüber nicht glücklich, nimmt es aber mit Fassung. Danach passen die Offiziellen besser aus.





    Ein Volkslauf. Wie charmant. Chaotisch, improvisiert und Mitmachen ist alles.











    Ein Knall. Und los geht es.








    Die nächsten Starter stehen schon wieder bereit.











    Eine Combo gibt alles.





    Ich laufe nun an der Laufstrecke Richtung Innenstadt. So still hier. Keine Autos. Keine Busse. Ich kenne die Straße nur vielbefahren oder verstopft. Heute himmlische Ruhe.








    Foto von dem Garten, den ich schon in der ersten Woche fotografieren wollte. Nun ist mal Zeit.





    Immer wieder feuern die Ehepartner oder Freunde ihre Läufer an. Viele Briten, einige Deutsche und natürlich Portugal. Eine zeitlos uralte Engländerin läuft vorbei, und die Umstehenden applaudieren. Man feiert zusammen. Und für einen kurzen Moment überlege ich, wo die Brexiters und Trumps und all die anderen dieser Welt eigentlich falsch abgebogen sind.





    Ich entdecke Sissi. Kaum zu glauben, was mach die denn hier? Später lese ich, dass sie hier oft ihren Urlaub verbracht hat. Die Statue war früher die meist fotografierte Statue Madeiras, wurde aber durch die Ronaldo-Statue abgelöst, die nun im Museum steht.





    Ein Flohmarkt. Ich bummele an den Ständen entlang, aber es ist nichts dabei, was ich brauche. Das Haus hat schon bessere Zeiten gesehen.





    Ich verlasse die Laufstrecke und laufe durch den Park. Hier habe ich einen guten Ausblick. Das Ziel des Marathons ist am Museum Ronaldos. Einen Moment überlege ich, dort hinzugehen.





    Aber dann schlendere ich lieber zum Hafen. Kanuten. Da war doch was. Mein Boot. Ich hätte jetzt richtig Lust, hier ein wenig herumzupaddeln.








    Einen kurzen Moment bin ich neidisch.





    Da müsste man vielleicht auch mal hin.





    Ich laufe in Richtung der vielen Whale-Watching-Anbieter.





    Aber dann entscheide ich, keine Lust zu haben. Das Wetter ist durchwachsen, gut für die Läufer, aber ein wenig mehr Sonne wäre bei so einer Tour doch schön. Nächste Woche, ich habe ja noch Zeit. So esse ich erst einmal Maronen und schaue zu, wie der Maronimann die Tauben mit Maronen füttert.

    Ich laufe noch ein wenig herum.





    Eine deutsche Familie steht verwundert und enttäuscht vor dem geschlossenen Museum. Vermutlich die Folge des Marathons.





    Mit Wucht drückt das Wasser in das Stadtzentrum.











    Ich setze mich auf eine Bank und warte auf den Bus. Ich hatte gehört, dass die Busse am 13.00 Uhr wieder fahren.





    Und dann warte ich.





    Und warte.





    Und warte. Immer noch tauchen rechts von mir vereinzelt Läufer auf, die langsam, aber stetig ihre Kreise ziehen. Einer pro Minute, höchstens. Manchmal dauert es auch länger. Doch solange sie hier laufen, fahren mit Sicherheit die Busse nicht. Und als ich genug gewartet habe, entscheide ich mich, die Busse zu suchen. Ich laufe zu dem Einkaufszentrum gegenüber der Markthalle. Mehrere Busfahrer stehen dort und ein Mann mit einem Klemmbrett scheint die Koordination vorzunehmen. Er erklärt mir, dass ich weiter in Richtung Innenstadt laufen muss. Hier fahren anscheinend nur die Busse Richtung Norden.
    Also laufe ich in die gewünschte Richtung und erfahre an der Fußgängerzone, nein, hier fahren die Busse auch nicht. Ich muss in Richtung Kreisverkehr, ob ich wisse, wo das sei. Ja, das weiß ich. Die Blase an meinem Fuß ist getapet und ich hoffe, dass sie mich in Ruhe lässt. Mit Erstaunen stelle ich fest, dass ein lange Gebäude eine Jesuitenkirche ist, und die ehemalige Jesuitenschule zur Universität Madeiras gehört. Das könnte man sich natürlich mal näher betrachten, aber nicht heute.

    Als ich endlich am Kreisverkehr bin, könnte ich eigentlich gleich weiterlaufen, Lust dazu hätte ich. Aber die Stimmung an der Haltestelle ist so toll. Die Läufer dürfen die Busse kostenlos nutzen und stehen fröhlich mit ihren Angehörigen oder Freunden zusammen. Auch die Sitznachbarn von gestern sind dabei, die Plakette baumelt auf seiner Brust. Schade, dass er so wenig Humor hat, auch seine Platzierung will er mir nicht verraten. Dafür freuen sich die Portugiesen und die Engländer. Auch ein Däne ist mitgelaufen. Ein ca. 14 jähriges Mädchen mit Zahnspange strahlt und plappert auf seine Eltern ein.
    Ein Bus kommt, und die stinkenden Abgase fallen angesichts des fehlenden Verkehrs schmerzlich auf, denn der Fahrer stellt den Motor nicht aus. Nach einer halben Stunde ist auch mein Bus da, ich ergattere einen guten Sitzplatz. Auch dieser Bus wartet, bis er fast überfüllt ist, und das Stimmengewirr zeugt von den verschiedenen Sprachen der Teilnehmer. Ein paar junge Portugiesen feiern ihren Erfolg, eine junge Frau wirft ab und zu ein paar Worte ein, auch sie hat teilgenommen und schreibt jetzt intensiv in ihr Smartphone. Ein junger Portugiese spricht fließend französisch, die anderen portugiesischen Läufer lachen über ihn, und stupsen ihn an. Schüchtern gesteht er einem Briten, dass er Dritter in seiner Kategorie geworden ist. Großer Jubel, einige klatschen und der Brite fragt ihn aus, er antwortet in holprigem Englisch. Der Bus schaukelt abenteuerlich um die Kurven.

    Was für eine Atmosphäre, denke ich. Das ist Europa.
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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #60
    Funchal


    Das Thema der Fotochallenge ist „blau“. So nutze ich das schöne Wetter, um das Blau einzufangen. In der Nähe der Seilbahn kaufe ich mir ein Fotobuch und dann laufe ich einfach los, ins Blaue hinein. Ein bemaltes Haus. Interessant.





    Seitenstraße. Irgendwo da hinten muss die Markthalle sein.





    Nicht ganz Venedig, aber immerhin.





    Nett. Im Sommer wird hier Trubel sein.





    Dieses leuchtende Rot der Blüten.





    Dabei ist Winter.





    Ich laufe weiter geradeaus. Auch hier findet man Malereien. Ich bin erstaunt. Vielleicht sollte man doch mal Reiseführer lesen.








    Kunst im öffentlichen Raum hätte ich hier nicht erwartet.











    Hübsch. Ein beschwingtes Lächeln zaubert sich in mein Gesicht.





    Das Fortaleza de Santiago. Es sollte dem Schutz vor Piratenüberfällen dienen, die im 16. Jh. Madeira bedrohten. Errichtet wurde es aber erst 1614. Nachdem es bis 1992 militärischen Zwecken diente, beinhaltet es heute ein Museum und bietet Ausstellungen und Veranstaltungen Raum.








    Links neben dem Fort geht ein kleiner Weg hoch.








    Am Ende meine heißgeliebten Treppen. Oben zeugt ein Autoreifen von einer Straße.





    Die Straße ist eng, nur mühsam können die Autos Fußgänger überholen.





    Seufz. Da ist es. Das Blau.





    Nur zur Info: Ich befinde mich hier:








    Der Platz ist öffentlich zugänglich. Ich überlege, die Kacheln und das Meer auf das Foto zu bannen: Zwei Sorten von Blau.





    Aber irgendwie habe ich das Gefühl, das Blau auf den Kacheln ist nur schlecht zu sehen. Und dieser Ast. Der geht gar nicht.






    Oder so?





    Aber jetzt sieht jeder die Inseln und weiß, wo ich bin.


    So, vielleicht.





    Aber da sind die Kacheln nicht drauf. Also besser so.





    Jetzt sind die Kacheln aber nicht mehr blau. Zwei Jungs entern den Platz. Das Motiv wird es. Ich pfeife auf die Kacheln.





    Jetzt noch mal ein Foto vom Meer. An dieser Stelle könnte ich ewig bleiben.











    Die Sonne ist so traumhaft, dass ich mich erst einmal auf die Bank setze und die Sonnenstrahlen genieße. Kaiserwetter. Natürlich bin ich piekfein, wie es sich für Touristen gehört.





    Nach einer angemessenen Zeit – längst haben Liebespaare und Familien den Platz für sich entdeckt – laufe ich zurück und sehe den Parkautomaten. Das Bild soll es zunächst sein, bis ich entdecke, dass ja Funchal drauf steht. Mist.





    So muss ich das Motiv von hinten fotografieren.





    Ich glaube, das Bild wurde es jetzt. (Oder doch ein anderes? Egal.) Ich laufe nun die Straße zurück. Auch hier die Zweiteilung des Wetters.





    In dem Café sitzen vor allem Engländer und Deutsche. Einige mit dem großstädtisch-provozierenden Blick des Platzinhabers, der keinen Millimeter wegrückt, wenn jemand durchgehen will. Ich mache meine Fotos trotzdem.








    Das Schwimmbad. Einen Moment überlege ich, den blau gestrichenen Aufzug zu fotografieren, aber das wäre ja Urban Outdoor.








    Und weil die Farben so wunderschön sind:





    Leider wird es langsam kühl. Es ist Nachmittag.








    Den kleinen Weg habe ich verpasst, so laufe ich die Straße hinunter. Ab und zu wird es eng, wenn ein Auto kommt.








    Wieder die Farbe Blau. Ob ich das wohl in die Fotochallenge reinstelle?





    Eher nicht.











    Ich nähere mich nun dem Restaurantviertel. Die Berlinerin wird später berichten, dass sie hier gut gegessen hat, und es auch immer sehr lustig war.





    Ich fotografiere nur einen Bruchteil der Türen. Es gibt noch viel mehr.











    Die Türen sind das Ergebnis einen 2010 ins Leben gerufenen Kunstprojekts, zu dem Künstler der Region und Urlauber aufgerufen waren. Mit dem Projekt wollte man heruntergekommene oder farblose Türen aufwerten. http://www.arteportasabertas.com/. Es ist gelungen, wie ich finde.





    Ich benötige noch ein wenig Nahrung und laufe zum Supermarkt.





    Die Grundnahrungsmittel sind äußerst preiswert, sie werden subventioniert. Die Fischtheke wird von heimischem Fisch dominiert.






    Und so sieht ein Degenfisch aus, bevor er in leckere Portionen geteilt, paniert, gebraten und mit Banane versehen wurde. Ich frage, bevor ich ihn fotografiere. Leider wird das Foto nicht ganz scharf. Ein imposantes Tier.


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