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  1. AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #41
    Mitreisende: Torres
    Meine Wanderwoche auf Madeira liegt ja nun schon eine Weile zurück, so dass ich was den ÖPNV anbelangt nicht mehr auf dem neuesten Stand bin. Damals bekam ich von der Touristeninfo einen gedrukten Busplan mit Zeiten und Karten für die gesamte Insel. Nach der nötigen Zeit des Einlesens und Begreifens kam ich mit dem recht gut zurecht.

    Ich weiß nicht, ob ihr diese - sogar deutschsprachige - Seite kennt, die u.a. auch Linienpläne enthält

    http://www.horariosdofunchal.pt/index-de.php

  2. Vorstand
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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #42
    Teilstrecke Rother-Tour 4, Levada „Vale Paraiso“. Charakter: Anfängertour, kinderwagengeeignet. Schwierigkeit: Leicht. Länge: 6 km.

    Die Rother Wanderung Tour 4 ist eine leichte Wanderung zwischen Camacha und Monte, die auch durch das Vale Paraiso führt. Unsere Tour fängt irgendwo in der Mitte in Gegenrichtung an. Leider kann ich in der Streckenbeschreibung dieses Abschnittes nicht wiedererkennen. Der Name der Levada wird aber genannt, es handelt sich definitiv um ein Teilstück.

    Wieder einmal wirft uns der Bus an einer Straße hinaus. Ich fotografiere im Gegenlicht das Schild.





    Die Levada ist trocken und teilweise zugeschüttet. Führer ist wieder M.





    Es ist eine dünn besiedelte Gegend.





    Der Weg ist breit und gut ausgebaut.





    Auch hier hat es gebrannt.





    In der Ferne sieht man gelbe Blüten leuchten. Eine Mitwanderin fragt, was das sei, und ich sage spontan „Ginster“. Oh, ah, oh. Anscheinend habe ich M. in seiner Ehre gekränkt. Ginster blüht noch nicht, fährt er mit über den Mund. Es ist auch tatsächlich kein Ginster, sondern das hier.





    Mehrfach reitet er nun darauf herum, dass es kein Ginster ist, macht mich sozusagen zur Schnecke, während ich höflich genug bin, die gelben Ginsterblüten gegenüber zu übersehen. Er sieht sie auch, und ignoriert sie geflissentlich. Er macht dann aber so weiter, und da wird dann mal ein ganz kurzer verbaler Schub vonHamburger Klartext meinerseits notwendig, um ihm zu zeigen, wo der Hammer hängt. Von da an verstehen wir uns gut.





    Bald wird klar, dass die meisten Gärten hier verwildert sind.








    Die meisten Häuser sind verlassen. Es ist eine Gegend, in der es im Winter kalt ist und in die Täler kommt wenig Sonne hinein. Schnee liegt zwar nicht, aber es ist eben eine feuchte Kälte und gut 10 Grad kälter als in Funchal. Waren die Bewohner früher gezwungen, mit diesen Bedingungen fertig zu werden, so ziehen sie heute einen Wohnortwechsel vor.





    Hier lebt zumindest noch eine Ziege.





    Stellt sich immer die Frage, wie lange noch. Auch M. ist – genauso wie alle anderen Guides - über diese Entwicklung nicht glücklich.








    Ich frage, ob das eine Art von Johanniskraut ist. Leider weiß er das nicht. Es sind sehr große Büsche, aber die Blüten kommen mir so bekannt vor.











    Dieses recht große Anwesen ist noch bewohnt. Früher war in diesem Tal ein große Dorfgemeinschaft. Jetzt sind noch ein oder zwei Familien übrig geblieben.





    Wir überlegen sofort, ob das eine Bunkeranlage ist. M. versteht die Frage nicht, er kennt vermutlich keine Wehranlagen. Es ist eine Mauer, die gebaut wurde, als die Schule und der Sportplatz errichtet wurden, um eine ebene Fläche zu erhalten, die nicht abrutschen kann.





    Der Ginster lässt sich nun nicht mehr ganz ignorieren, aber ich lerne, dass es kein Ginster ist (madeirischer), sondern Stechginster ist! Die Antwort Ginster bleibt falsch. Wir einigen uns, dass alles, was gelb ist, Ginster ist.





    Zwei Wege kreuzen sich. An dieser Stelle merke ich, dass sich meine Ferse am Schuhrand heiß anführt. Oh, nein. Ich hatte heute morgen ein Steinchen entfernt und den Strumpf nicht sorgfältig angezogen. Eine Falte hat sich gebildet. Schnell ziehe ich ihn zurecht, aber es ist zu spät. Auch das noch. In diesem Urlaub bleibt mir nichts erspart.








    Ginster, ruft M., und ich frage ihn, ob er orange und gelb nicht auseinanderhalten kann. Er spricht wirklich am besten Deutsch von allen, und wir flachsen herum.





    Klee. Den erkenne ja sogar ich. Purpur-Sauerklee.





    Das nächste Dorf. Auch hier sieht man, dass die Terrassen nicht mehr bewirtschaftet sind.





    Eine der Treppen, die zu den Häusern führen. Für alte Leute ist das zunehmend ein Problem, dass die Jungen wegziehen.








    Glöckchenlauch.




















    Im Grund genommen – auch klimatisch gesehen – ein völlig normaler deutscher Waldspaziergang im Frühjahr. Wären da nicht die Pflanzen. Engelstrompete.





    Geldbaum. WG-Gewächs.





    Wicke.




    Was wollt ihr hier.





    Baumtomate





    Kalla.





    Jetzt bräuchte ich ein Supertele.





    Und dann sind wir auch schon beim touristischen Zwischenhalt. Hier kaufe ich jetzt Baumtomaten und Banane-Passionsfrucht. Der Verkäufer spricht ein wenig deutsch.





    Sauer.








    Ein Wolf.





    Natürlich ist jetzt Lokalbesuch angesagt. Dabei wäre ich eigentlich lieber noch ein paar Kilometer gegangen. Zur Feier des Tages gönne ich mir einen Poncha. Vitamine können nie schaden.








    Nach einer halben Stunde geht es weiter, da die nächsten Gruppen nachdrängen.


    Fuchsia. Als Kind habe ich die geliebt.





    Fuchs.





    Begleiter.








    Zaun.














    Wir sind oberhalb des Ortes. Ein Bauer verbrennt Gartenabfälle, und ich denke in alter Tradition instinktiv: Harry, bist Du das?








    Sitruuna.





    Die Schornsteine sind immer so hübsch.





    Kunst?





    Und dann wartet auch schon der Bus auf uns und fährt uns zurück.





    Ich frage M., ob die Tour Caldeirao Verde etwas für mich ist, und er rät mir ab. Zu schwer. Auch ich hatte mir Schwindelfreiheit notiert und die Wanderung ausgeschlossen, dennoch bin ich etwas enttäuscht. Mittlerweile traue ich mich doch einiges zu, halte mich aber lieber an das Versprechen, das ich M. aus Timmendorf gegeben hatte: Nicht alleine loszuziehen.
    Der Bus hält vor dem Hotel und mit steifen Knien (dank Sao Lourenco) quäle ich mich die Stufen herunter und humpele los (die Blase), steif wie ein alter Seemann. Ich spüre M. Blick im Rücken, wobei ich nicht weiß, ob er mitleidig schaut oder besorgt. Es ist auch ziemlich egal. Was man auch immer man an Heldentaten in seiner Jugend erbracht hat: Wenn der Körper erst einmal nicht so will, ist alles vergessen.





    Eine nette junge Portugiesin zeigt mir das Blasenpflaster im Regal. Herzlichen Dank. Das Pflaster ist gut und wirkt Wunder.





    Persönliches Fazit:
    Ich fand die Tour enttäuschend. Ein gemütlicher Spaziergang, aber keine Herausforderung. Zivilisationsnah. Eine nette Anfängertour für Menschen mit wenig Kondition oder für Familien mit kleinen Kindern.

    In Gegenrichtung wäre es Richtung Monte durch völlig verbrannten Wald gegangen. Ob dieser Abschnitt weiterhin begehbar ist, oder zu den gesperrten Touren gehört, entzieht sich meiner Kenntnis, ebenso seine Qualität.
    Geändert von Torres (16.02.2017 um 22:04 Uhr)
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  3. AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #43
    Ja, das ist das Großblättrige Johanniskraut, ganz richtig.

    Den Weg von Camacha nach Monte sind wir 2013 im Sommer gegangen, das war eine Ganztagstour, die nicht ganz ohne war, zumal eines der Täler durchquert wurde, da gab es auch ein paar Höhnemeter. Dieses Jahr ist ein Teil des Weges gesperrt, aber ich erinnere mich grad nicht dran, warum.

    Die Bewirtschaftung der Terassen hat in den letzten Jahren tatsächlich wieder zugenommen. Die schlechte Wirtschaftslage bringt die Leute dazu, wenigstens ein paar Nahrungsmittel aus dem eigenen Garten zu erzeugen. Aber das Klima, der fruchtbare Boden und die geregelte Wasserversorgung durch das nach wie vor gut funktionierende Levada-System) sorgen für gute Erträge auch auf kleinen Flächen, 3 Kartoffelernten im Jahr ...

    Die verlassenen Grundstücke sind nicht alle eigentümerlos, oft ist die junge Generation für ein paar Jahre ins Ausland gegangen und kommt zurück, um vom Ersparten auf dem Grundstück der Eltern ein schönes neues Haus zu bauen. Davon sind inzwischen viele zu sehen.
    Liebe Grüße
    von der Bielefelderin

    _______________________________________________________________________
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  4. Erfahren
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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #44
    Vielen Dank für die Beschreibung der Touren. Das sind ein paar gute Hinweise für unsere Reise zu Pfingsten.

    Mit meinen komplett kaputten Knie gehe ich Treppen und unbefestigte Abhänge konsequent rückwärts. Geht super, unfallfrei, bei steilen Felsabsätzen evtl. mit meinen Mann als Aufpasser unten. Mit der erworbenen Routine so schnell wie andere vorwärts und sooo viel knieschonender... Und ich klettere echt viel in der Gegend herum :-)

    Auch wenn man damit oft belächelt wird: ich versteh nicht, warum nicht noch mehr Leute es so machen. Beim Klettern hab ich es so gelernt und die würden nie den Berg vorwärts runter abseilen und runterklettern.

  5. Alter Hase
    Avatar von peter-hoehle
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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #45
    Zitat Zitat von Torres Beitrag anzeigen
    In Gegenrichtung wäre es Richtung Monte durch völlig verbrannten Wald gegangen. Ob dieser Abschnitt weiterhin begehbar ist, oder zu den gesperrten Touren gehört, entzieht sich meiner Kenntnis, ebenso seine Qualität.
    Im November war die Tour gesperrt. In Monte bekam ich die Info,
    das es noch ein halbes Jahr dauern wird, bis alles wieder hergerichtet ist.

    Gruß Peter
    Geändert von peter-hoehle (20.02.2017 um 16:08 Uhr) Grund: Schreibfehler
    Wir reisen um die Welt, und verleben unser Geld.
    Wer sich auf Patagonien einlässt, muss mit Allem rechnen, auch mit dem Schönsten.

  6. Vorstand
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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #46
    Ich hatte den Eindruck, dass es noch eine andere Möglichkeit gibt, bei Monte zu wandern, daher war ich mir nicht sicher, ob es diese Verlängerung ist, die gesperrt ist. Laut Internet ist noch im Dezember 2016 ein Deutscher oberhalb Funchals ums Leben gekommen, möglicherweise ist das der Unfall, von dem die Guides berichtet haben (mal abgesehen von den Däninnnen, die 2012 abgestürzt sind). Klick. Insofern habe ich die Verbindung Monte und Levada komplett aus meinen Plänen gestrichen.


    @biki
    Rückwärtslaufen? Uff. Interessante Idee. Habe das gestern mal probiert, geht ganz gut. Aber nur runter, oder? Ob ich bei den doch sehr individuell gefertigten Felstreppen aber hätte rückwärts gehen wollen? Da bräuchte ich wohl viel Übung.


    @bielelfelderin
    Also doch ein Johanniskraut. Danke.
    Ja, einige kommen sicher zurück, aber es klang schon so, dass die besonders schattigen Gebiete und auch viele Ortschaften im Westen davon nicht betroffen sind. Teilweise sind gerade noch 20 Prozent der Häuser bewohnt, was aber nicht so auffällt, weil sich die Nachbarn drum kümmern. Zum Teil sieht man aber auch Verfall, als wären die Besitzer verstorben oder kämen nicht mehr zurück. Enteignet wird in dem Fall nicht, das Land bleibt so, es liegt dann brach. Hoffen wir, dass es den Bewohnern so gut geht, dass sich das bessert und viele wirklich zurückkommen (können). Dass an bestimmten Stellen neu gebaut wird, sieht man natürlich auch, da hast Du Recht. Aber man sieht eben auch anderes. Ich wollte vor Jahren mal nach Portugal auswandern und das verändert den Blick.
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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #47
    Ost-Tour by bus. Charakter Urban Outdoor, um an Plätze zu gelangen, für die man ein Auto braucht. Schwierigkeit: Null. Erlebnisqualität: Hoch.


    Natürlich bin ich zwischen den Wanderungen, die ich hier schildere, auch alleine in Funchal herumgelaufen. Dazu komme ich aber später noch. Um nun auch Santana zu sehen, hatte ich mich entschieden, als I-Tüpfelchen der drei Wanderungen in der zweiten Woche, die Osttour zu buchen und mal einen echten Ruhetag einzulegen.
    Am besagten Morgen würde ich aber viel lieber mit einem Auto zum Pico Ruivo fahren, da soll es in der Nähe einen Parkplatz geben, von dem man den Gipfel sieht. Eine Dame im Hotel hatte mir vorgeschwärmt, dass sie gestern mit Bekannten im Auto diesen Ausflug gemacht hatte und sie tolle Sicht hatten. Ich bin ganz neidisch. B. hat bereits gestern die Wandertour auf den Pico Ruivo absolviert, aber die Tour ist schwer und weit außerhalb meines Könnens, da bin ich ehrlich. Ein kurzhosiger Bremer, mit dem ich am Buffet spreche, hat die Wandertour für heute gebucht, und ich empfehle nach meinen Erfahrungen mit dem hiesigen Wetter lange Hosen. Er lacht und schüttelt den Kopf, so dass ich ihm rate, sie zumindest mitzunehmen. Abends wird er mir lächelnd erzählen, dass niemand mit kurzen Hosen gelaufen sei, auch er nicht. Die Guides hatten wohl etwas dagegen. Der Bremer gehört zu einer Vielzahl neuer, teil ins Gruppen anreisender Gäste, die am nächsten Tag, Sonntag, den Marathon laufen werden.


    Erster Halt ist Camacha. Die Korbmachersiedlung. Die Wanderung gestern endete nicht weit von dem Ort, daher auch die Körbe im Auto des Obstverkäufers. Ich bin müde, die Mitfahrer sind gewöhnungsbedürftig, zu meiner Irritation senke ich den Altersschnitt nach unten. Der kleine Bus meiner Agentur, in dem auch Leute aus meinen Hotel sitzen, war ausgebucht, vermutlich hatte die Reiseleiterin wieder vergessen, mich auf die Liste zu setzen, und ich wurde in einen anderen Bus einquartiert.

    Das Thema der Fotochallenge ist „Vergänglichkeit“, und so fühle ich mich auch.





    Die Straße ist mit Bussen vollgequetscht, und ich verziehe mich Richtung Garten. Ich bin selbst Tourist, aber man muss nicht übertreiben.





    Auf diesem Platz hat das erste Fußballspiel Portugals stattgefunden.





    Eine Blüte liegt auf einer Mauer, und ich mache eine Vergänglichkeitsserie. Eines der Handyfotos werde ich später einstellen.





    Schön, dass noch nicht überall alles automatisiert ist.





    Warten auf Kundschaft.





    Blütenmeer.





    Vergänglichkeit.





    Die Lichteinstrahlung ist ganz besonders.





    Ich bummele zurück zum Bus, und da fällt mir ein, was der Busfahrer gesagt hat, und ich begreife, dass die Hauptsehenswürdigkeit hier die Korbflechterei ist. Also noch ein schneller Blick, fünf Minuten habe ich noch. Ich sage ja, ich bin noch nicht wach.





    Natürlich muss ich jetzt ein paar Treppen runter, aber mit etwas Willen geht alles.





    Ich habe mich nun warm fotografiert. Der Bus klettert eine der Straßen hoch, die ich schon kenne, hier sind wir zu Ribeiro Frio gefahren. Für eine Sekunde sehe ich im Wald einen Rennradler einen Waldweg entlang heizen. Es sieht aus, als ende der Weg im Nichts. Ein Fahrrad wäre jetzt schön.

    Ein Wegweiser Richtung Pico Arieiro (1810m). Ich bin gespannt, was jetzt kommt. Dann werden wir von Dunst eingehüllt. Der Busfahrer erklärt. Hier oben haben früher Kühe gegrast und Schafe geweidet. Das ist nicht mehr erlaubt, es ist Naturschutzgebiet. Eine Grillstelle. Hier trifft man sich im Sommer und macht Espetada.








    Der Nebel schwindet.








    Die Hochebene wird von einer Schlucht abgelöst. Ich fotografiere wie wild. Fußgänger sind auf der engen Straße. Anscheinend ist irgendwo eine Bushaltestelle, aber vom Ziel weit entfernt.





    Ein Nebelband webt sich über die Straße, und hüllt uns erneut in Nebel, dann sind wir über dem Nebel, und ich stürze aus dem Bus. Unglaublich. Wunderschön.





    Es ist, als würden wir fliegen.


    Ich stürme die Treppen zum Aussichtspunkt hinauf. Voll ist es. Ein touristischer Hotspot. Im Sommer wird hier die Hölle los sein, man sieht es an der Infrastruktur.








    Links könnte der Pico do Gato sein. Dann sieht man den Pico das Torres und rechts neben der grauen, einem dünnen Zipfel vorgelagerten Platte ist der Pico do Ruivo. Der Aussichtspunkt am Gipfel mit dem Kreuz sieht etwas niedriger aus, eine Rundung zwischen Zacken.


    Vorsichtig taste ich mich an die Brüstung heran. Schwindelfrei bin ich noch nicht. Und dann heißt es genießen.





    Die kleine, in den Fels gekratzte, mundförmige Linie, die unten rechts über dem geschwungenen Felsabsatz zu sehen ist, besteht aus Treppen.





    Ich würde es so gerne versuchen.





    Das muss doch zu schaffen sein.





    Die andere Seite nicht weniger spektakulär.

















    Kein Leuchtturm.





    Das auch nicht. Sondern den Fotos nach zu urteilen, der begehbare Gipfel des Pico Ruivo.








    Immer mehr Menschen machen sich auf den Weg.





    In der Mitte der Aussichtsplattform ist eine Erhebung aus Steinen. Junge Leute klettern hinauf und machen Selfies. Ich will es ihnen gleichtun, aber es geht nicht. Schwindelig. Sobald ich mich nähere, schwankt alles. Es sind nur ein paar Zentimeter, aber es gibt kein Geländer und das ist schon wieder ein Quentchen zuviel. Angst ist ein merkwürdiges Phänomen.





    Sieht so nah aus.





    Die Hochebene Paul da Serra mit den Windrädern.





    Wanderung mit Baby.





    An einer Stelle lichtet sich der Nebel.





    Hier müsste man jetzt den ganzen Tag stehen bleiben können.








    Am Abend frage ich den Bremer, ob er er gute Sicht hatte. Er bejaht. Ob er mir nicht Bilder vom Pico Ruivo zeigen könne. Ja, kann er. Wird er zwar dann nicht tun, weil wir uns nicht mehr sehen, aber er erzählt, dass er seine Wanderung mit einer Drohne gefilmt hat. Das sind die neuen Zeiten, denke ich.

    Es geht die gleiche Straße zurück. Kurz hält der Fahrer: An einer sonnenabgewandten Wand ist das Wasser zu Eis gefroren. Es geht nun nach Ribeiro Frio. Die Sonne scheint und plötzlich sieht es hier ganz anders aus. So sommerlich.


    Die Forellenbecken.





    Man könnte jetzt vieles hier tun. Sich in die Sonne setzen, Souvenirs kaufen, Poncha trinken oder spazierengehen. Ich muss ausgerechnet den Ehrgeiz entwickeln, diesen kleinen ADHS Vogel zu fotografieren, der ständig herumzappeln muss, die Madeira Gebirgsstelze.








    Dann sind es plötzlich zwei, die sich gegenseitig jagen und dann sind sie weg. Da unten sind wir damals gestartet.





    Die Osterglocken blühen.





    Wir fahren nun Richtung Santana, an dem Lokal der netten Tour „da Referta“ vorbei. Immer wieder werden wir auf Obst und Gemüse aufmerksam gemacht. Ratespiel: Was ist das?








    Die Kartbahn, dann sind wir in Santana. Santana ist für seine Mikrohäuser berühmt, alte traditionelle Häuschen, die winzig sind und nur aus zwei Räumen bestehen. Viele wurden später erweitert und eine Küche und ein Bad eingebaut. In Gebrauch sind sie heute nur noch selten.





    Stolz Madeiras.





    Wieder habe ich Essen vorbestellt und der Degenfisch ist lecker. Die Gruppe am Tisch dagegen äußerst gewöhnungsbedürftig. Man könnte denken, es ist Comedyfolge, wenn es nicht so furchtbar echt wäre. Was ist bloß in unserem Land passiert. Wehmütig denke ich an die lustige Truppe der West-Tour zurück. Irgendwann reicht es mir, und ich gehe wortlos. So etwas mache ich selten. Immerhin werden mich ein paar Andere später anlächeln.





    Ich trotte eine Nebenstraße hinunter und werde eingeladen, das Haus anzuschauen. Das Haus der Großeltern. Vorne ein kleiner Raum, dann das Schlafzimmer mit einem Bett, das ich auf 1.60 Länge schätze. Hinten, hinter der Tür, ist schon der Anbau mit kleinem Bad und Küche.





    Einen kleinen Schnaps gibt es auch, und ich liefere eine Spende ab, davon lebt er ja. Bei einem gesetzlichen Mindestlohn von 570,00 Euro auf der Insel könnte das sogar klappen. Ca. 30 Euro pro Tag muss er verdienen, wenn er sich an Arbeitszeiten hält. Öffnet er jeden Tag, würden auch 20 Euro pro Tag reichen. Die Arbeits- und Urlaubszeiten von Arbeitnehmern sind auf Madeira mit unseren vergleichbar.





    Der Garten ist voller Gartenzwerge, Nippes und Blumen.





    Am Straßenrand sind Häuser zu verkaufen.





    Ich gehe in die Kirche, sie ist voll und einen Moment denke ich, dass ein Gottesdienst beginnt. Dann sehe ich plötzlich Kränze und merke, ich bin in eine Beerdigung geraten. Ruhig schleiche ich mich wieder heraus und sehe erst jetzt vor der Tür den Leichenwagen. Das Foto werde ich in die Fotochallenge einstellen.

    Eine deutsche Stimme erzählt etwas von „Hafen“ und ich laufe ins Tal, um den Hafen zu finden. Aber es ist zu wenig Zeit. Eine französische Jugendgruppe labert dummes Zeug.





    Auf dem kleinen Wochenmarkt kaufe ich noch zwei riesige Avocados für wenig Geld. 3,60 Euro, ungefähr, für Avocados die gut zwei- bis dreifach so groß sind, wie bei uns.





    Einen Tag später werde ich die Größenverhältnisse fotografieren. Der Kern der Avocados ist übrigens auch doppelt so groß. Selbst die Paprika sind auf Madeira riesig.





    Es geht nun Richtung Porto da Cruz. Am Fuße des Adlerfelsen hat Landgewinnung stattgefunden. Der Berg ist abgerutscht und hat Madeiras Fläche vergrößert.





    Die anderen besuchen die Zuckerrohrdestillerie und probieren Poncha.





    Ich dagegen habe das Trailrunnerschild gesehen und laufe zur Promenade. Ich muss mich bewegen. Die Wellen rauschen.








    Balanceakt.





    Poff.








    Schon schön hier.








    Am Adlerfelsen erkenne ich mit dem Tele kleine Schafställe.





    Nächster Halt ist nun Portela, wo ich nach der Ribeiro Frio Wanderung die Traumbilder gemacht habe. Ich verzichte, den Ausblick zu bewundern, den ersten Eindruck will ich nicht zerstören. Eine portugiesische Wandertruppe ist gerade angekommen, und sie haben die Stöcke aus Maiglöckchenbaum dabei. Wenn ich wüsste, wie man die in den Flieger bekommt, würde ich mir glatt einen mitnehmen.





    Aus dem Bus heraus sieht man deutlich, wie die Autobahn die Insel prägt.





    Wir fahren nun noch einen Aussichtspunkt an.





    Der Flughafen.





    Die Landebahn ist künstlich verlängert worden und steht auf dicken Stelzen aus Beton. 1977 war eine Boing 727 wegen Aquaplaning ins Meer gerast, 125 Menschen starben. Kurz darauf war eine Schweizer Maschine mit 56 Passagieren an Bord beim Landeanflug zu früh in den Sinkflug gegangen und 4 km vor dem Flughafen auf dem Atlantik aufgeschlagen, 36 Menschen starben. Die Länge der Piste wurde daraufhin erst um 200 Meter und schließlich um fast 1 Kilometer auf 2777 Meter verlängert. Derzeit ist geplant, sie noch weiter zu verlängern, damit auch größere Flugzeuge landen können. Bisher muss in Lissabon zwischengelandet werden. Dennoch bleibt der Anflug gefährlich, da Scherwinde die Landung erschweren. Piloten müssen eine besondere Ausbildung haben, um dort landen zu dürfen. Die Bilder habe ich von Sao Lourenco ausgemacht.











    Über Canical geht es Richtung Sao Lourenco zu einer Luxusanlage mit weitgehend leerstehenden Gebäuden, die für solvente Käufer gedacht ist. Eine Geisterstadt. Hier war der Endpunkt der Bootstour von Sao Lourenco geplant. Ein Ehepaar verlässt nun den Bus, es wohnt in dem angeschlossenen Hotel.
    Auch Santa Crux wird angefahren und gefällt mir ausnehmend gut. Ein weiterer Pluspunkt für die geführten Touren, man sieht unerwartet viel von der Insel. Auf diesen Straßen möchte ich nämlich nicht fahren. Eng, steil und der Verkehr teilweise chaotisch. Und an einigen Stellen erhöhte Schwindelgefahr. Nichts für mich.
    Geändert von Torres (20.02.2017 um 21:36 Uhr)
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  8. Moderator
    Alter Hase
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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #48
    Du hast wohl Eindruck gemacht, wenn die gleich einen Pico nach dir benennen...

    Danke fuers miterleben lassen.

  9. Fuchs
    Avatar von PWD
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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #49
    Zitat Zitat von Torres Beitrag anzeigen
    Auf diesen Straßen möchte ich nämlich nicht fahren. Eng, steil und der Verkehr teilweise chaotisch. Und an einigen Stellen erhöhte Schwindelgefahr. Nichts für mich.
    z.B. im städt. Bus erhöht hinten sitzend auf der Abgrundseite von Funchal die R. Conde Carvalhal hinauf oder auf der alten Straße, die ins Nonnental führt bei einem Ausweichmanöver...

  10. Vorstand
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    Avatar von Torres
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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #50
    Rother-Tour 28, Levada „Caldeirão Verde“. Charakter: Anspruchsvoll, schöne Ausblicke. Schwierigkeit: Mittel. Länge: 13 km.

    Die Reiseleiterin hatte auf mein Nachfragen die Levadawanderung „Caldeirao Verde“ als problemlos machbar dargestellt. Die Aussage von M. steht dem entgegen, und im Nachhinein würde ich sagen, dass beide Recht haben.
    Ein bisschen aufgeregt bin ich schon. Schwindelfreiheit wird empfohlen. Ob wohl das Wetter hält? Ich eile dem Treffpunkt entgegen. Zwei selbstorganisierte Tage haben meinen Beinen gut getan. Sie fühlen sich weich und belastbar an. Meine Knie erlauben mir sogar, die ersten Treppen zu gehen.





    Die Wanderung führt durch den Naturpark Queimadas.





    Unser Ziel ist Caldeirao Verde, das Grüne Tal, man kann aber auch noch weiterlaufen ins Qualdeirao do Inferno, ins Höllental.

    Auch wenn nichts passiert ist, so wundert es mich, dass M. auf jegliche Sicherheitsanweisungen verzichtet. So bin ich es, die im Verlaufe der Wanderung eine Mitwanderin darauf hinweist, dass die Sicherungsseile lose sein können – an einer Stelle sind sie bereits ausgebrochen, sehen tückischerweise aber verlässlich aus – und man sich nicht mit dem Körpergewicht dagegen lehnen sollte. Auch von seiner Führung haben sie sich mehr versprochen, er läuft mehr oder weniger mit sich beschäftigt vor uns her. Immerhin ohne Smartphone, hier ist kaum Empfang.





    Ich hatte heute in einem Anfall von Blödheit meine Gamaschen nicht mitgenommen, war aber immerhin so klug, mir in dem oben schon erwähnten Einkaufszentrum, das zu dieser Tour wieder angesteuert wurde, eine Regenjacke zu kaufen. Die Verkäuferin hatte umgeräumt, aber ich fand die Jacken dennoch auf Anhieb, und sie schloss etwas erstaunt den Schrank auf. Die Jacke ist überteuerter Billigschrott, aber meine Rettung, denn sie lässt sich erheblich besser an- und ausziehen, als der Poncho, und sitzt perfekt.


    Das Wetter ist trüb.











    Der Weg wird eng.





    Weitblick





    Immerhin ist die Gruppe recht fotofreudig, so dass es nicht stört, wenn ich mal stehen bleibe.








    Trittsicherheit. Sieht einfacher aus, als es ist.











    Immer wieder unglaublich, wieviel hier wächst.














    Die Farne.





    Regen.











    Wieder rinnt Wasser von den Hängen in die Levada.





    Ein Weg an dem gegenüberliegenden Felsen?








    Unser Ziel?





    Abgrund.











    Kopf einziehen.











    Ein Schmuckstück. Wir müssen aber nicht durch.











    Könnte auch ein wenig schmerzhaft sein.








    Der erste Wasserfall ist nur der Appetitanreger. Die Wanderung geht jetzt richtig los.








    Unerwarteterweise kommt auch die Sonne heraus.








    Hier gibt es keine Sicherung mehr, sie wurde durch den Baum zerstört. Stört mich erstaunlicherweise nicht.








    Der Weg ist jetzt wieder eng, und ich beglückwünsche mich, die Regenjacke gekauft zu haben. Ein Ehepaar läuft mit zwei Stöcken, und ich muss lächeln – Anfängerprobleme. An so einer Stelle sind die Pfosten locker, man sollte sich also nicht auf sie verlassen.





    Blick zurück.





    Brombeeren darf man im Sommer hier übrigens pflücken. Sie sind nicht endemisch.





    Tunnel.





    Ich habe diesmal statt meiner kleinen Petzl, die den Vorteil hat, dass man sie nicht unbemerkt anstellen kann, eine BD mitgenommen. Der Lichtstrahl dankt es mir, einer der Tunnel ist erheblich länger und schwieriger als der Tunnel der 25 Fontas..

    Nun sammeln wir uns. Das wird unser Treffpunkt auf dem Rückweg sein.





    Von hier aus kann man auch andere Touren gehen.





    Eine Katze kommt aus dem Nichts. Vermutlich wurde sie ausgesetzt. M. kontrolliert die Lampen.





    Wieder Tunnel, und einer ist richtig lang und richtig übel. M. Stockfinster. Man muss sehr genau auf der linken Seite an der Levadawand entlang gehen. Es ist feucht, voller Pfützen, die vorsichtig ausbalanciert werden wollen. Und den Kopf einziehen. Allein für diese Hinweise gehe ich gerne mit einem Guide. Neben den Steinen ist dicker, tiefer Schmodder, wie ich mit dem Trekkingstock feststellen kann. Eine Frau tritt hinein und wird bis zur Wade nass. Sie lacht und tut unbekümmert. Bei den doch eher kühlen Temperaturen ist das aber nicht so ganz ohne. Fotos aus dem Inneren des Tunnels folgen später.





    Geschafft.








    Der Weg wird nun voller.





    Treppen. Aber nicht viele.











    An der Küste scheint dagegen die Sonne, man sieht sie am Horizont blitzen. Ein paar junge Leute überholen uns, den Säugling in einer Kraxe auf den Rücken geschnallt, der Kopf des Babys thront über dem des Vaters. Einige Mitwanderinnen werden darüber später diskutieren. Bei den niedrigen Tunneln, den tiefen Ästen und dem schwierigen, hält das nicht jeder für eine gute Idee.

    Noch ein Tunnel.





    Von den Bildern könnte mir glatt schwindlich werden.











    Auf schmaler Kante geht es jetzt weiter und weiter. Immer wieder bleibe ich mit der neuerstandenen Regenjacke an den Pfosten der Seilsicherung hängen, und ein paar Male denke ich, sie reißt gleich, aber sie hält sich wacker.





    Und dann sind wir plötzlich am Ziel. Man erkennt es dadurch, dass Menschen ihr Pausenbrot essen. Und man hört den Wasserfall.





    Aber um ihn richtig sehen zu können, muss man erst ein wenig über Felsblöcke und lose Steine turnen. Die schwierigen Stellen fotografiere ich natürlich nicht.








    Und da ist das Ziel. Kamera.





    Handy.








    Und wieder zurück, damit auch andere fotografieren können.





    Ich glaube, es ist sogar Handyempfang hier, und auch ich komme nicht umhin, sofort das Bild zu versenden. J. kommt mit einer Gruppe Franzosen, und ich grüße ihn erfreut.

    Ich esse schnell eine Kleinigkeit, dann brechen die ersten der Gruppe zum Treffpunkt auf. J. begrüßt mich mit Handschlag. Schade, ich hätte mit ihm gerne noch eine Tour gemacht. Dadurch bin ich aber plötzlich auf dem letzten Platz. Auch gut, dann habe ich genug Zeit, zu fotografieren.




















    Ob das auf der anderen Seite der Weg zum Inferno ist?





    Wie hat man die Levadas und die Wege nur aus dem Felsen gekloppt.








    Der kleine Tunnel.





    Etwas irritierend die Platten.





    Überall tropft das Wasser.














    Sonne.











    Der lange Tunnel. Links sieht man die Schmodderrinne. Man muss sich eng an die Levadamauer halten und den Kopf einziehen.





    Eine Aussichtsplattform im Tunnel.








    Das Ende naht.








    Kleiner Tunnel.





    Fast wäre ich am Treffpunkt vorbeigelaufen. Dort blinzelt die Sonne durch die Bäume. Ich greife nach meinem Brot, aber M. war kurz hinter mir, und so ist leider keine Zeit für eine Pause. Wir laufen zügig weiter.





    Wie anders es hier mit Sonne aussieht.





    Der erste Wasserfall.





    Ballett. Auch ich bin da nicht anders vorbei.





    Eine Familie mit kleinem Kind taucht auf und die Frau fragt auf englisch, wie weit es noch ist. Ich tippe auf Polen. 6 Kilometer, sage ich, sehr eng und zwei dunkle Tunnel. Als ich nachrechne, sind es sind wohl nur 4 Kilometer. Aber da nun der komplizierte Teil erst beginnt, dürfte es für diese langsame Gruppe und bei dem zu erwartenden Gegenverkehr verdammt weit sein. Ich hoffe, sie überlegen sich das noch einmal. Der kleine Wasserfall ist auch schön.











    In der Ferne scheint wieder die Sonne. An der Südküste wird es warm sein.





    Als ich in den Bus steige, fröstele ich jedoch. Auch wenn man sich bewegt, so kühlt man doch schleichend aus. Mein Navi zeigt eine Strecke von 15 Kilometern. Möglicherweise hat es fiktive Bewegungen aufgezeichnet, überprüft habe ich die Tracks bisher nicht.

    In Santana machen wir Rast, und ich traue meine Augen kaum, als ich B. auf das Lokal zuschlendern sehe, die gerade von ihrer zweiten Pico Ruivo Tour zurückkommt. Madeira ist auch nur ein Dorf. Leider brechen wir gerade auf. Die heutige Tour war schön, und ich frage mich, ob die Halbtageswanderung, die ich übermorgen machen will, da mithalten kann.


    Fazit:
    Die Levada „Caldeirao Verde“ hat mir sehr gut gefallen. Die Wanderung war abenteuerlich und herausfordernd mit schöner Vegetation und tollen Ausblicken. Ein echter Höhepunkt. Dass es den gleichen Weg wieder zurückging, hat mich nicht gestört. Ob ich die Tour jedoch am Anfang hätte machen wollen, bin ich mir nicht sicher. Mittlerweile war ich den Blick in den Abgrund gewohnt, bei einer ersten Wanderung hätte ich vielleicht Probleme gekriegt. Zudem erfordert die Tour Trittsicherheit, wenn es über die Steine geht. Insofern ist die Wanderung aus meiner Perspektive heraus im Vergleich gesehen etwas schwerer als mittel.
    Geändert von Torres (22.02.2017 um 20:40 Uhr)
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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #51
    Urban Outdoor. West-Tour by bus.


    Eigentlich sollte hier nun ein Bericht der Lavagrottenwanderung stehen. Ich hatte mich sehr darauf gefreut, etwas über die Gesteinsgeschichte der Insel zu erfahren und in den Grotten herumzulaufen. Leider fiel die Besichtigung aus. Die Erkältung, die mich in den nächsten zwei Wochen beschäftigen wird und sich in der Nacht mit beginnendem Halsweh ankündigte, hatte anscheinend die deutschsprachigen Gäste außer Gefecht gesetzt. Die Nachricht von der Absage erreichte mich aber nicht, wie üblich, am Nachmittag zuvor, so dass ich keine anderen Anbieter anfragen konnte oder eine englische Tour buchen konnte, die nämlich zustande kam. Vielmehr wurde ich – nachdem ich eine Viertstunde auf den Bus gewartet hatte und zum Telefon gegriffen hatte – von der Reisebegleiterin aufgesammelt, nach Câmara de Lobos gefahren und in den wartenden Bus der West-Tour verfrachtet, wo ich als Entschädigung kostenlos mitfahren durfte. Warum ich das erzähle?

    Weil ich natürlich die Gelegenheit genutzt habe, noch einmal zum Aussichtspunkt des Cabo Girao zu laufen. Und?

    Jawoll. Ich habe das Foto gemacht. Okay, als dann unbedingt ein Deutscher auf der Plattform herumspringen musste, um zu prüfen, ob sie deutschen Sicherheitsbestimmungen entspricht, wurde mir kurz noch einmal flau. Aber das Foto von der Brüstung herunter, habe ich selbst gemacht. Hier ist der Beweis:








    Hah, war ich stolz. Natürlich wäre ich lieber die Levada gelaufen, die dort hinführt, ich hatte es für den letzten Tag noch fest vor, aber das hat die Erkältung leider zunichte gemacht.





    In Ribeira Brava gehe ich erst einmal auf die Suche nach einer Apotheke. Der Vorteil einer beginnenden Erkältung ist bei mir ein unstillbarer Bewegungsdrang. So verzichte ich auf jegliche Form der Besichtigung und streife herum. In der Apotheke steht die Polizei hinter, man plaudert, und ich bekomme die schmerzlindernden Lutschtabletten. Am Strand bemühe ich mich um alles, was fliegt. Thema der Fotochallenge. So richtig wird das aber nichts.





    Bus oben, Bus unten.





    Wir fahren diesmal weiter an der Küste entlang, durch viele hübsche Dörfer, die Meisten sind nicht mehr bewohnt. Es sind die Nachbarn, die den Eindruck aufrecht erhalten, hier wäre Leben. Viele Bewohner sind längst fort und kommen nicht zurück. Die Hochebene liegt, wie so häufig, in fettem Nebel, nur einmal gelingt ein Blick.





    In Porto Moniz verzichte ich auf den Degenfisch, um mir endlich die Wellen anzuschauen. Ich werde nicht enttäuscht. Hatte ich schon mal erwähnt, dass ich mich stundenlang mit dem Fotografieren von Wellen beschäftigen könnte?





    Der Turm auf dem Felsen.








    Es dauert gefühlt eine halbe Stunde, bis ich auf die Idee komme, die Perspektive zu wechseln.











    Es sind recht viele Touristen unterwegs, die sich auf die Terrassen der Restaurants setzen. Ich bekomme einen unstillbaren Hunger auf eine Tüte Pommes mit Ketchup, aber eine Frittenbuden-Kultur gibt es hier nicht. Man setzt sich in ein Restaurant, wenn man essen möchte. Auf Sitzen habe ich keine Lust, und so knabbere ich mein selbstgeschmiertes, recht trockenes Brot.





    Blick auf das Schwimmbad.





    Anscheinend ist hier das Aquarium.





    Etwas weiter ungeahnte Ausblicke. Von der Straße aus hatte ich die Felsen schon gesehen, aber das hier gefällt.





    Ein Mann fotografiert vom Hubschrauberlandplatz aus, und ich beschließe, es ihm gleich zu tun.





    Wow.











    Ich laufe hinter dem Museum herum. Ein kleiner Löwenzahn auf einem Felsen.














    Ein Regenschauer ergießt sich, der aber schnell vorbei ist.





    Ich suche den kleinen Supermarkt, um mich mit frischem Brot einzudecken. Der hier hat geschlossen.





    Ein perfektes Exemplar. Ich spiele ein wenig mit meiner Kamera herum. Irgendein Kitschmodus. Kommt aber gut.





    Prompt wende ich mich wieder den Wellen zu. Leider wirkt der Kitschmodus hier nicht.





    Am besten gleich Schwarz-Weiß-Dramatisch.





    Wehmütig schaue ich aus dem Fenster, als wir an den Lavagrotten vorbeifahren. Auf dem Encumeada Pass ein natürliches Spiel der Farben.








    Zurück im Hotel sage ich meine Levadawanderung für den nächsten Tag ab. Mein Kreislauf spinnt und mir geht es richtig mies. Aber eine Wanderung steht noch aus, dessen bin ich mir bewusst. Jede Reise braucht einen Abschluss.
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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #52
    Hallo Torres

    Danke für`s kurzweilige weiterschreiben.

    Zitat Zitat von Torres Beitrag anzeigen
    ...Stolz Madeiras......
    Die Königsprotea stammt aber aus Südamerika / Südafrika.
    Es ist die Nationalblume von Südafrika.

    Gruß Peter
    Wir reisen um die Welt, und verleben unser Geld.
    Wer sich auf Patagonien einlässt, muss mit Allem rechnen, auch mit dem Schönsten.

  13. AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #53
    Sehr fein (bis auf den Kreislauf).
    Zur bisherigen Empfindung erdiger Gerüche gesellt sich jetzt noch die einer ordentlichen Portion Seeluft.
    Es ist wie Urlaub, Deinen Berichten zu folgen!

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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #54
    Zitat Zitat von peter-hoehle Beitrag anzeigen
    Hallo Torres

    Danke für`s kurzweilige weiterschreiben.


    Die Königsprotea stammt aber aus Südamerika / Südafrika.
    Es ist die Nationalblume von Südafrika.

    Gruß Peter
    Ja, ist unglücklich formuliert, Stolz Madeiras ist eine andere Pflanze, da komme ich noch zu. Hätte ich wohl anders formulieren sollen: Auf diese Blume sind die Gärtner Madeiras besonders stolz (Aussage des Guides). Aber der Stolz Madeiras ist etwas anderes.

    Es ist wie Urlaub, Deinen Berichten zu folgen!
    Danke! Das freut mich.
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  15. AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #55
    Danke Torres für deine schönen Schilderungen.

    Darf ich ein paar Ergänzungen nachtragen?

    Bei meinem ersten Besuch auf Madeira 2008 hatte ich das zweifelhafte Glück, eine Wandertour gebucht zu haben, die dann einfach nicht stattfand. Seit ich mit Christa (und inzwischen ihren Kindern) unterwegs bin, ist mir das nie wieder passiert. Wenn das eingeplante Ziel wegen schlechten Wetters nicht funktioniert, wird die Tagesplanung einfach geändert, aber es gibt auf jeden Fall eine Tour. Auf dem Hin- und Rückweg werden gleich noch ein paar Sehenswürdigkeiten abgeklappert, so dass man nach einer Woche Wandern mit Christa meist auch die ganze Insel irgendwie gesehen hat. Und obwohl ich nun schon oft da war und mich gut auskenne, bin ich doch immer noch am liebsten mit dem Christa-Team unterwegs: Ich muss mir keine Gedanken über An- und Abfahrt, Wetter, Wegeführung, gesperrte Strecken etc. machen, es sind immer nette Leute mit dabei und es herrscht eine unangestrengte Herzlichkeit. Und die schlimmsten Touri-Hotspots werden zu Tages-/Jahreszeiten angesteuert, wo es nicht ganz so voll ist, ganz früh aufs Cabo Giraou, spätnachmittags zu den 25 Quellen.

    Sonntags gibt es übrigens einen Hopp-On-Hopp-Off-Bus, der die östlichen Touri-Highlights abklappert (Camacha, Santo da Serra mit dem riesigen Einheimischen-Markt, Santana etc.) für 25 Euro pro Nase. Ab drei Leuten lohnt sich dann aber auch ein Auto. Dann darf eben einer keine Poncha auf dem Markt trinken.
    Liebe Grüße
    von der Bielefelderin

    _______________________________________________________________________
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    AW: [PT] Sommer im Winter - Madeira für Ängstliche

    #56
    Ich war mir meiner Agentur auch sehr zufrieden, nur die Kommunikation mit der Reiseleiterin hakte eben mal, aber irgendwie hat sie es immer hinbekommen. Wir waren auf den Wandertouren auch oft die erste Gruppe und die Absage - ach ja - so ist das Leben. Ich bin da ziemlich pragmatisch, dafür habe ich eben Porto Moniz mit neuen Augen gesehen und das sogar kostenlos. Ich fand das spannend, beim zweiten Anlauf sieht man viele neue Details.
    Hopp-On-Hoff-Off Busse sind nicht so mein Ding, ich fahre gerne mit einer festen Gruppe. Die Stadtrundfahrten (gab es dazu) fand ich übrigens grottig, ich bin nicht einmal ausgestiegen, da gehe ich lieber zu Fuß. Wäre ich länger geblieben, hätte ich sicherlich mehr alleine gemacht, langsam kenne ich mich ja aus.
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